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Störungsmeldung vom 09.06.2026 14:44

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider Vodafone Kabel

Details

Beginn
09.06.2026 14:44
Region
Meschede-Freienohl (02903)
Provider
Vodafone Kabel
Zugangsart
Kabel

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  • 09. Juni 2026 um 14:44

Das wird teuer: Anthropics Claude Mythos 5 erscheint als Fable 5 mit Schranken

Von Heise
Umriss eines menschlichen Kopfes auf orangem Hintergrund; im Kopf Gekritzel

Anthropic freut sich bei Claude 5 besonders über dessen Bilderfassung.

(Bild: Anthropic)

Claude Mythos 5 gibt es für die NSA und ausgewählte Partner. Die veröffentlichte, eingeschränkte Version heißt Claude Fable 5. Abonnement gibt’s keines.

KI-Anbieter Anthropic strebt an die Börse [1], und für Börsenphantasie braucht es fabelhafte Möglichkeiten. Entsprechend heißt Anthropics neuestes Large Language Model (LLM) Claude Fable 5. Das hat der Anbieter außertourlich nicht am traditionellen Donnerstag, sondern schon am Dienstag veröffentlicht. Es soll „alles übertreffen, was wir jemals allgemein verfügbar gemacht haben”.

Der springende Punkt ist „allgemein verfügbar”, denn bei Fable 5 handelt es sich um eine inhaltlich eingeschränkte Variante des ebenfalls neuen Mythos 5. Dieses LLM wird, wie von Donald Trump als freiwillige Maßnahme angeordnet [2], vorerst nur der NSA und, wohl mit Zustimmung des Weißen Hauses, ausgewählte US-Unternehmen im Rahmen des IT-Sicherheitsprojekts Glasswing zur Verfügung gestellt.

Dahinter steckt die im LLM-Marketing bewährte Ansage, dass das neue Ding so enorm mächtig sei, dass eine Freigabe nicht infrage komme. Diesmal betrifft das nicht nur den Bereich IT-Sicherheit, sondern auch Biologie und Chemie sowie Distillation. Gemeint ist nicht die KI-gestützte Produktion geistiger Getränke, sondern das Extrahieren von Fertigkeiten: Andere LLM werden nicht mit Rohdaten, sondern anhand der Ausgaben bestehender LLM trainiert.

Classifier mit False Positives

Distillation kann legitim sein, etwa um eine kompaktere Variante eines LLM zu erzeugen, oder ein Angriff. Im Februar hat Anthropic die chinesischen Mitbewerber Deepthink, Minimax und Moonshot beschuldigt [3], Claude durch groß angelegte Distillation attackiert zu haben. Über 24.000 betrügerische Nutzerkonten hätten sie 16 Millionen Distillationsversuche unternommen. Dem will Anthropic Einhalt gebieten.

Unter anderem deswegen überwachen eigene, kleinere LLM („Classifier”) die Nutzereingaben. Das ist nicht grundsätzlich neu, doch reagiert Fable 5 in neuartiger Weise: Hält ein Classifier die Eingaben für verdächtig, verweigert er die Bearbeitung nicht, sondern schaltet auf die ältere Claude-Variante Opus 4.8 um. Das soll dem Nutzer auch angezeigt werden.

Im Netz gibt es bereits Beschwerden über Rückstufungen bei harmlosen Fragen, beispielsweise zur Interpretation eines Blutbildes. Solche false positives geben Anlass zu dem Vorwurf, Anthropic würde das nicht nur als Sicherheitsmaßnahme einsetzen, sondern auch um Serverüberlastung zu kaschieren. Opus 4.8 benötigt weniger Rechenkapazität als Fable 5.

In Zukunft dürfte es mindestens vier parallele Versionen von Claude Mythos geben: Eine vollständige für US-Behörden, eine für ausgewählte IT-Unternehmen mit weniger Einschränkungen für Sicherheitsbelange, eine für ausgewählte Wissenschaftler mit weniger Einschränkungen bei Biologie und Chemie, sowie Fable 5 für die zahlende Allgemeinheit.

Doppelte Preise

Claude Fable 5 ist grundsätzlich nicht in den Claude-Abonnements enthalten. Nur für 14 Tage dürfen Abonnenten (Pro, Max, Team sowie mit nach Kontoanzahl abgerechneten Enterprise-Verträgen) Fable 5 ausprobieren, verbrauchen dabei aber die doppelte Menge ihres Nutzungsrahmens. Ab 23. Juni soll Fable 5 ausschließlich nach jeweiliger Tokenmenge abgerechnet werden.

Die Tokenpreise [4] (jeweils in US-Dollar) sind dann auch doppelt so hoch wie bei Claude Opus 4.8 und entsprechen damit dessen Fast-Variante: 10 Dollar pro Million Inputtoken, 12,50 Dollar je Million Token Cache Writes (5 Minuten), 20 Dollar je Million Token Cache Writes (1 Stunde), 1 Dollar je Million aus dem Cache gelesener Token, und 50 Dollar je Million Outputtoken.

300 Seiten Beipackzettel

Anthropic hat Claude Mythos 5 und Fable 5 dreizehn ausgewählten Benchmarks unterzogen. Laut der veröffentlichten Tabelle sticht das neue LLM alles bisher dagewesen bei elf Benchmarks aus. Bei den zwei übrigen liegt es geringfügig hinter der Vorschauvariante Claude Mythos Preview [5]. Deren Classifier waren weniger streng.

Tabelle mit 13 Benchmarks für Mythos/Fable 5, Mythos Preview, Opus 4.8, GPT 5.5 und Gemini 3.1 Pro
Tabelle mit 13 Benchmarks für Mythos/Fable 5, Mythos Preview, Opus 4.8, GPT 5.5 und Gemini 3.1 Pro

Benchmarks laut Anbieter

(Bild: Anthropic)

Besonders stolz ist Anthropic auf die Leistung seines neuen LLMs bei Bilderkennung: „Fable 5 ist der Stand der Technik für Aufgaben, bei denen es auch um Sehen geht. Es kann präzise Zahlen aus detaillierten wissenschaftlichen Schautafeln extrahieren und komplexe bildabhängige Aufgaben ausführen, darunter den Nachbau des Quellcodes einer Web-App aus Screenshots”, heißt es in der Ankündigung [6]. Auch ein Computerspiel habe Fable 5 besser absolviert als frühere Claude-Versionen.

Doch in mindestens einem Bereich hat Opus noch die Nase vorn: Mythos 5 und Fable 5 halluzinieren in manchen Tests mehr. Das und mehr verrät der Beipackzettel („Sytem Card”) [7], der eigentlich ein 319 Seiten dickes Buch ist.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11326637

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Anthropic-reicht-vertraulich-Antrag-auf-Boersengang-in-den-USA-ein-11314424.html
  2. https://www.heise.de/news/Trump-gibt-sich-exklusiven-Zugriff-auf-neue-KI-vor-allen-anderen-11316188.html
  3. https://www.anthropic.com/news/detecting-and-preventing-distillation-attacks
  4. https://platform.claude.com/docs/en/about-claude/pricing
  5. https://www.heise.de/news/Claude-Security-Anthropic-bringt-KI-Schwachstellenscanner-fuer-Unternehmen-11279018.html
  6. https://www.anthropic.com/news/claude-fable-5-mythos-5
  7. https://www-cdn.anthropic.com/d00db56fa754a1b115b6dd7cb2e3c342ee809620.pdf
  8. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
  9. mailto:ds@ct.de

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  • 09. Juni 2026 um 22:51

Reaktion auf Claude Mythos? Bundesregierung gründet KI-Sicherheitsinstitut

Von Heise
Illustration einer deutschen Flagge auf einem Schaltkreis

(Bild: LongQuattro/Shutterstock.com)

Mit einer neuen Einrichtung will die Bundesregierung ihre Analysefähigkeiten bei KI-Modellen stärken. Minister Wildberger verspricht „Experten auf Weltniveau“.

Die Bundesregierung will Chancen und Risiken moderner KI-Modelle mit Hilfe eines neuen Gremiums besser einschätzen können. Der Nationale Sicherheitsrat beschloss dazu die Einrichtung eines KI-Sicherheitsinstituts, wie die Regierung mitteilte. Es soll die Kapazitäten zur Analyse der Fähigkeiten moderner KI-Modelle inklusive ihrer Risiken bündeln. Das Institut soll sich ferner stärker mit vergleichbaren ausländischen Instituten austauschen und auf einheitliche Standards im Umgang mit KI mit internationalen Partnern hinwirken.

Das neue Institut für Künstliche Intelligenz soll nach Angaben von Bitkom und TÜV-Verband den Arbeitstitel „Deutsches AI Security Institute (DE-AISI)“ tragen. In der Anfangsphase ist es als „virtuelle Institution“ geplant, wobei Strukturen und Kompetenzen der Bundesnetzagentur und des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) genutzt werden sollen.

In einem zweiten Schritt soll dann ein Standort gefunden werden. Wann das sein wird, steht aber noch nicht genau fest. Ein BSI-Sprecher sagt gegenüber der dpa, mit Blick auf die rasante technologische Entwicklung bei KI sei es den federführenden Ministerien – das sind das Bundesinnenministerium und das Digitalministerium – wichtig, hier zügig voranzukommen.

„Top-Expertise von Experten auf Weltniveau“

In den Blick nehmen soll das Institut klassische Fragen der KI-Cybersicherheit wie den Schutz vor Angriffen, aber auch KI-Safety – hier geht es um sichere KI-Produkte, die keine gefährlichen Aktionen auslösen. Zahlreiche Staaten verfügen bereits über solche Institute, in Deutschland nahm bisher das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Aufgaben in diesem Bereich wahr. Ein internationales Treffen zu KI-Standards fand etwa im Dezember in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul statt, bei dem auch das BSI vertreten war.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) kündigte laut dpa am Rande eines EU-Treffens in Luxemburg an, das KI-Institut solle mit „Top-Expertise von Experten auf Weltniveau“ ausgestattet sein. Sie sollen neue Modelle wie etwa Claude Mythos demnach schnell testen, bewerten und die Bundesregierung sowie die Verwaltung dazu beraten. Ein Vorbild sei das britische KI-Sicherheitsinstitut.

Anthropic hatte den Zugriff auf sein Modell Claude Mythos Preview zunächst nur auf einen kleinen Kreis von US-Unternehmen und -Behörden beschränkt. Mythos sei einfach zu gut darin, Sicherheitslücken aufzuspüren, und könne deshalb noch nicht allgemein verfügbar gemacht werden, erklärte das Unternehmen. Inzwischen dürfen auch Institutionen aus Europa darauf zugreifen [1].

Bitkom ist dafür

Insgesamt sind die Details zur Gestaltung des Instituts noch recht dünn. Wie personelle Ausstattung und Budget aussehen, welche Kompetenzen das Institut gerade in Abgrenzung zum BSI erhalten soll – all das führte die Bundesregierung noch nicht aus. Eine Antwort auf Anfrage der iX-Redaktion dazu steht zur Stunde noch aus.

Trotz der offenen Fragen begrüßten der TÜV-Verband [2] und der Branchenverband Bitkom den Beschluss [3]. „Mit der Gründung eines Sicherheitsinstituts für Künstliche Intelligenz zieht Deutschland mit Staaten wie Großbritannien, den USA oder Frankreich gleich, die bereits eigene Institute aufgebaut haben“, erklärte Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung. Damit würde die Voraussetzung geschaffen, KI-Risiken frühzeitig fundiert einzuschätzen.

Der Bitkom empfiehlt, dem Institut ein abgegrenztes Forschungsmandat zu geben. Ebenfalls könne es Lagebilder mit Blick auf die neuen Frontier-Modelle erstellen und so die Risiken für Deutschlands Sicherheit und Souveränität zeigen. Um internationale Spitzenkräfte zu gewinnen, fordert der Verband eine Finanzierung auf dem Niveau des britischen AISI.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11326247

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Mythos-Preview-Anthropic-unterstuetzt-NSA-angeblich-bei-offensivem-KI-Einsatz-11319206.html
  2. https://www.presseportal.de/pm/65031/6291173
  3. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Bitkom-zum-KI-Sicherheitsinstitut
  4. https://www.heise.de/ix
  5. mailto:axk@heise.de

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  • 09. Juni 2026 um 18:01

Darknet Diaries Deutsch: Nackt im Netz - Teil 2

Von Heise

Die Zwillingsschwestern Madison und Christine wurden über Jahre hinweg von einer unbekannten Person massiv im Internet belästigt. Jetzt wehren sie sich.

Dies ist der zweite Teil von „Nackt im Netz“. Wenn Ihr Teil eins [1] noch nicht gehört habt, fangt am besten da an. Im Englischen Original von Jack Rhysider trägt diese Episode den Namen „Revenge Bytes [2]“.

Die deutsche Produktion verantworten Isabel Grünewald und Marko Pauli von heise online. Der Podcast erscheint wöchentlich auf allen gängigen Podcast-Plattformen und kann hier abonniert [3] werden.

Mit dieser Folge endet Staffel 2 der Darknet Diaries auf Deutsch. Aber keine Sorge, die dritte Staffel ist bereits in Planung und startet im Herbst 2026.

JACK: Bisher haben wir gehört, wie die Zwillingsschwestern Madison und Christine über Jahre hinweg von einer unbekannten Person massiv im Internet belästigt wurden. Was mit ein paar Nip-Slip-Fotos auf 4chan begann, eskalierte zu einer jahrelangen Hetzkampagne mit der Veröffentlichung von Privatadressen, Anrufen bei Vorgesetzten und unzähligen anonymen Drohungen. Selbst die Nacktfotos von Christine, die eigentlich nie hätten existieren dürfen, landeten im Netz – ein Verrat durch den eigenen Freund. Gemeinsam mit Christines Mann Dana fingen die beiden an, selbst zu ermitteln und sammelten Hinweise auf Plattformen wie 4chan. Im zweiten Teil verfolgen wir, wie es ihnen gelingt, dem Täter immer näher zu kommen – und welche Hindernisse sie dabei überwinden müssen, vor allem da die Polizei sich weigert zu helfen.

Die beiden Schwestern, Madison und Christine, wurden seit Jahren von einer Person oder einer Gruppe von Leuten belästig. Es wurde immer schlimmer und steigerte sich bis zu dem Punkt, an dem beide psychische Zusammenbrüche erlebten und kaum noch funktionsfähig waren. Diese Belästigung sickerte in jeden Aspekt ihres Lebens, und es hörte nicht auf. Sie hielten fest, was sie konnten, dokumentierten alles, suchten nach Hinweisen, wer dafür verantwortlich sein könnte, kamen aber bei der Aufklärung nicht wirklich weiter. Dennoch verfolgten sie das Geschehen sehr aufmerksam und beobachteten alles.

Der Täter im Freundeskreis

MADISON: Was er postet – es ist so schwer zu erklären. Wir waren so lange in dieser 4chan-Welt drin, dass es für normale Leute verrückt klingt, die wahrscheinlich – die meisten – ich wüsste das alles nicht, wäre da nicht das hier gewesen. Auf 4chan ist es anonym, aber oft haben sie ihre Gespräche dann auf Kik verlagert. K-I-K ist die Messaging-Plattform. Auch ein anonymes Messaging-System. Und ich erkläre das gerade jemandem, der das beruflich macht, also höre ich jetzt auf.

JACK: Okay, also Kik. Ein paar Dinge dazu, im amerikanischen Original-Podcast existiert ne ganze Folge über Kik. Was ich beim Recherchieren für diese Folge gelernt habe: Kik ist ein Magnet für übles Verhalten. Es ist ne Chat-App wie Discord oder Slack, aber gibt da keinerlei Moderation. Chaträume können also voller illegaler Aktivitäten sein, offen für jeden, der sie finden und teilnehmen will. Warum diese App nicht aus dem Google- oder Apple-Store verbannt wird, ist mir ein Rätsel, aber es ist sehr klar, dass Kik viele Probleme hat und im Grunde eine Geißel der Menschheit ist. Wenn diese Person also Nacktfotos von Christine und Madison auf 4chan postete, hat er manchmal seinen Kik-Benutzernamen mit angegeben. Falls jemand ihn dort als Freund hinzufügen wollte.

CHRISTINE: Wir versuchten also, diese Benutzernamen, die er hinterließ – also die Benutzernamen, die mit dem verbunden waren, was er auf 4chan postete – zu verknüpfen. Wir schauten, was diese Leute posteten. Wir sahen: Hey, schreib mich auf Kik an unter „Kik-Name hier einfügen", fanden die, die mit diesen bestimmten Kik-Namen verbunden waren – es musste alles dieselbe Person sein. Diese bestimmte Person hatte eine sehr seltsame Art zu schreiben: Es waren drei Punkte, alles auseinander geschrieben. Nicht wie typische Auslassungspunkte, sondern Punkt, Leerzeichen, Leerzeichen, Punkt, Leerzeichen, Leerzeichen, Punkt. Einfach sehr seltsam. So reden Leute normalerweise nicht, schon gar nicht im Internet. Wir nutzten all diese kleinen Hinweise, um herauszufinden: Okay, im Großen und Ganzen – zoomen wir mal raus. Woran ist diese Person interessiert? Was postet sie?

JACK: Eine schöne kleine Spur, der man nachgehen kann, oder? Du hast jetzt einen Kik-Benutzernamen. Auf Kik selbst kann man nicht wirklich sehen, was er treibt, aber sie waren ja bereits recht vertraut darin, 4chan zu durchsuchen. Also durchsuchten sie 4chan nach diesem Kik-Benutzernamen, und das öffnete ihnen einen riesigen Schatz an Beiträgen, die er auf 4chan gemacht hatte. Natürlich mussten sie sich durch diesen ganzen Schmutz wühlen, um daraus schlau zu werden, aber sie entdeckten, dass er nicht nur die Zwillinge belästigte. Er postete auch Nacktfotos von anderen Frauen.

CHRISTINE: Wir stellten fest, es waren immer dieselben fünf Frauen und Mädchen – denn einige von ihnen waren zu der Zeit minderjährig.

JACK: Hm, interessant. Wie besessen postete er Nacktfotos derselben fünf Frauen zu posten. Er hatte dabei keine große Auswahl Fotos, die er veröffentlichte. Er ging sehr gezielt vor, konzentrierte sich ausschließlich auf diese fünf Frauen, belästigte jede von ihnen zyklisch, ging sie also nacheinander durch und kehrte dann zur ersten zurück, wodurch er jeder von ihnen das Leben zur Hölle machte. Die Frage nach dem Zusammenhang ist interessant. Sind diese fünf Frauen in irgendeiner Weise miteinander verbunden? Zunächst einmal kannten die Schwestern keines der anderen Opfer, aber es löste eine Nachforschung zu jeder dieser Frauen aus. Es war tatsächlich hilfreich, dass er ihre Telefonnummern und Social-Media-Profile gepostet hatte. Einige waren tatsächlich in Florida in der Nähe von Christine und Madison, andere jedoch in New York. Sie hatten einige Vermutungen, wer all diese Leute kennen könnte, waren sich aber nicht sicher. Es schien jemand zu sein, den sie persönlich kennen sollten, aber bei allen Personen, die sie verdächtigten, schien es einfach unmöglich, dass sie es waren. Dennoch waren die Daten, die sie von diesem Kik-Nutzer erhielten, für ihre Ermittlungen von enormer Bedeutung.

MADISON: Ja, es war einfach ein riesiger Durchbruch. Sobald das passierte und wir die Kik-Benutzernamen sortiert hatten und herausfanden, dass wir Querverweise machen konnten, war ich – oh mein Gott, zurück zum Snapchat von – zu der Zeit war das wahrscheinlich vier oder fünf Jahre her. Es war lange her. Ich ging zurück, und – als ich den Snap machte, das war direkt, nachdem ich die Nachricht „Was für ein wunderschöner Sonnenuntergang" bekommen hatte – es war die letzte Person, die meinen Snap angesehen hatte. Ich dachte gar nicht daran, dass – oh – ich habe so schnell den Screenshot gemacht, in der Sekunde, als er mir schrieb, dass es Sinn ergibt, dass es die letzte Person war, die ihn gesehen hat, weil er drauf ging, ihn sah, mir schrieb „hey, schöner Sonnenuntergang", ich sofort drauf ging und einen Screenshot machte – das alles passierte wahrscheinlich innerhalb einer Minute. Es ergibt also alles plötzlich Sinn: Klar, das ist diese Person. Es muss sie sein.

JACK: Wie war sein Vorname?

MADISON: Christopher.

JACK: Christopher. Sie haben es herausgefunden. Sie haben ihren Angreifer entlarvt. Es musste Christopher sein. Alle Zeichen wiesen jetzt auf ihn, und der gruselige Teil war: Sie alle kannten Christopher. Sie war schon seit Jahren mit ihm auf Snapchat befreundet, deshalb konnte er die Fotos dort sehen.

Woher kennt ihr Christopher?

MADISON: Wir kannten ihn aus dem College. Er war der Verbindungsbruder meines Schwagers Dana am College, das Christine, Dana und ich besuchten.

JACK: Moment, Dana, das ist einer deiner Freunde?

DANA: Ja, das ist richtig.

JACK: Wie war deine Beziehung zu ihm damals in der Verbindung?

DANA: Er war ein enger Freund. Er war im Haus, in dem ich in Connecticut aufgewachsen bin, hat meine Eltern kennengelernt. Wir waren zusammen auf Konzerten. Ich kannte seine Familie. Ich hab den 4. Juli, den Unabhängigkeitstag, mit seinem Vater und seinem Bruder auf Long Island verbracht. Er war jetzt nicht mein bester Freund, aber definitiv enger als die meisten. Also ein guter Freund, den ich schon über ein Jahrzehnt kannte, als das alles passierte. Er war...

CHRISTINE: Er war auf unserer Hochzeit.

DANA: Ja, er war auf unserer Hochzeit, das ist schon krass.

JACK: Was? Also...

MADISON: Mit einem seiner anderen Opfer.

JACK: Wenn ihr also diese Vorgeschichte mit ihm habt und dann sagt: Moment, ist es er? Was war dein Bauchgefühl dabei?

DANA: Ich erinnere mich noch sehr lebhaft an die Nacht, in der wir herausfanden, dass er es war. Diese Nacht wird mir definits den Rest meines Lebens in Erinnerung bleiben. Ich kam von einem Flug nach Hause und bekam einen Anruf von Madison. Sonst bekomme ich nie Anrufe von Madison. Wir telefonieren nicht, wir schreiben. Wenn ich einen Anruf bekomme, dann stimmt irgendwas nicht. Ich nehme damals also das Telefon ab, und Madison sagt: Ich glaube, wir wissen, wer es ist. Ich sag: Wirklich? Sie sagt: Ja, ich bin mir ziemlich sicher. Und ich sag: Na komm, spuck's aus. Lass mich nicht warten. Sie sagt: Yankee. Ich sage: Auf keinen Fall. Erstens ist er einer meiner engen Freunde. Zweitens dachte ich nicht mal, dass er intelligent oder technisch versiert genug war, um überhaupt zu kapieren, wie 4chan funktioniert. Wenn man ihn kennt, dann weiß man – der hätte da eine Weile für gebraucht, das herauszufinden. Er ist jetzt kein Genie, was sowas angeht. Ich sagte also zu Madison, dass nicht sein kann. Ich mein Jack, es waren ja Jahre vergangen, in denen jeder im Raum der Typ hätte sein können, und es wurden Anschuldigungen gegen so ziemlich jeden in unserem Leben geschleudert. Und dann ist es genau dieser Typ, einer deiner besten Freunde?

JACK: Ja, und ich erinnere mich, dass Madison mir Sachen erzählt hat – sie ging einfach durch die Straßen und dachte: Warum guckt mich dieser Typ so an? Ist er der Typ? All diese komischen Gefühle.

DANA: Stimmt. Das kann man sich schwer vorstellen, aber wenn deine Fotos im Internet sind und jeder Mensch in deinem Leben ein Verdächtiger sein könnte, ist dass chon schecklich. Madison hatte mehrmals Vermutungen angestellt, dass einer meiner Freunde sein könnte, und ich sagte dann halt immer: Nein, das kann nicht sein, und das tat ich dann auch in dieser Nacht: Ich sagte, auf keinen Fall. Er ist es nicht. Erstens glaube ich nicht, dass er das in sich hat. Und zweitens dachte, kapiert der das alles doch gar nicht. Aber der Gedanke geisterte dann doch in meinem Kopf herum, und ich konnte in dieser Nacht nicht schlafen. Also kam ich nach Hause und fing an, die Kik-Namen nachzuschlagen. Genauer die Kik-Namen miteinander zu verbinden, von 4chan aus. Also eigentlich nicht mal richtig auf 4chan selbst, da verschwindet sowas innerhalb von zwei Stunden. Aber auf den 4chan-Archivseiten kann man suchen, und so haben wir ihn dann mit all diesen Beiträgen verbinden können – er hatte so fünf oder sechs Kik-Namen, und ich hab einfach nach diesen Kik-Namen gesucht. Da kamen dann all diese Frauen heraus, einschließlich meiner Frau und ihrer Schwester. Eine stach da besonders heraus, das war ein Mädchen, ein junges Mädchen. Sah aus wie dreizehn, vielleicht vierzehn Jahre alt in einer Schuluniform einer Katholikenschule, gepostet vom selben Nutzer, der meine Frau und meine Schwägerin belästigte.

Ich lud also das Foto runter. Es war kein Nacktfoto. Es war einfach nur ein Mädchen. Es war Aber der dazugehörige Text, der war entsetzlich – so etwas wie: Ich will Nacktbilder von diesem Mädchen, oder ich will sie vergewaltigen. Ich lud also das Foto runter, und auf der Schuluniform war ein gesticktes Wappen oder Logo. Es war etwas verpixelt, aber ich vergrößerte es und schärfte es nach und schließlich konnte ich die Worte auf diesem Foto entziffern. Es stellte sich heraus, dass es eine katholische Mädchen-Mittelschule in Daytona war. Ich sagte also: Hm, okay, ich weiß, dass er Familie in Daytona hat. Vielleicht gibt es da einen Zusammenhang. Also ging ich auf Facebook, und innerhalb von zehn Minuten konnte ich den Namen des Mädchens und die Namen ihrer Eltern finden, identifizierte Familienmitglieder, die waren alle auf Facebook befreundet. Das war seine kleine Cousine, und da kam dann alles zusammen. Und ich dachte mir nur, ja, er ist es tatsächlich. Als ich dieses entscheidende Stück Information hatte, ging ich zurück zu den anderen Frauen, die er auf der 4chan-Seite gepostet hatte und verglich sie mit wieder mit seiner Facebook-Freundesliste. Und da wars dann: Gemeinsamer Freund – check, gemeinsamer Freund -check. Wir wussten seit dieser Nacht also ziemlich sicher, wer es war, und ich konnte es einfach nicht glauben.

JACK: Ja, ich stelle mir einen langen Blick aus dem Fenster vor. Wie – warum hatte ich diese Person überhaupt in meinem Leben?

DANA: Ja und Schuldgefühle meinerseits. Wenn die Zwillinge mich nie getroffen hätten, hätten sie diesen Typen auch nie kennengelernt. Weißt du, dieses Gewicht der Schuld, das lässt einen nicht kalt. Ich hab ihn ja ständig zu sozialen Anlässen eingeladen. Er war halt auch ein wenig ein Außenseite. Ich hab ihn häufig auch aus Mitleid eingeladen, er war ja schließlich ein Freund von mir. Ich war aber derjenige, der ihn meiner Frau und meiner Schwägerin vorgestellt hat, und er hat im Gegenzug versucht, ihr Leben zu zerstören. Da hatte ich schon auch große Schuldgefühle.

Die Opfer verbünden sich

JACK: Wow, sie haben es geschafft. Sie haben herausgefunden, wer der miese Dreckssack war, und sie standen alle irgendwie unter Schock. Dieser Typ, der auf ihrer Hochzeit war, hat das getan? Was für ein Monster. Man denkt, man kennt jemanden, aber dann passiert das. Aber Christine, als Anwältin, wollte mehr Beweise und ging weiter durch die Kik-Beiträge.

CHRISTINE: Wir fanden diesen Post, der nichts mit den Mädchen oder Frauen zu tun hatte, aber es gab da ein Foto, von dem wir annahmen, dass es sein Haus war. Wir wandten uns tatsächlich an seine damalige Verlobte und fragten: Hey, weißt du – bist du noch mit dieser Person zusammen? Ist das dein Haus, so in der Art. Sie sagte: Ja, das ist mein Haus. Sie hat uns sozusagen bestätigt, dass sie dort mit ihm gewohnt hatte. Wir hatten das also auch als Hinweis.

JACK: Okay, in Ordnung – sie haben diesen Typen jetzt wirklich überführt. Die ganze Belästigung, all die Nacktfotos, der ganze Albtraum – alles ging von dieser einen Person aus. Ja, er konnte andere dazu bringen, sich an der Belästigung zu beteiligen, aber wenn er nicht gewesen wäre, würde niemand sonst diese Frauen belästigen. Das einfach zu wissen, ist eine Erleichterung. Man hat es mit der Dunkelheit und Anonymität des Internets zu tun. Man hat keine Ahnung, wie viele Leute hinter der Belästigung stecken. Aber jetzt ist es klar. Es ist ein Typ, Christopher, und sie wissen alles über ihn. Aber er wusste nicht, dass sie ihm auf der Spur waren, und so setzte er seine Belästigungskampagne fort, rief Vorgesetzte an, schickte Nacktfotos an Freunde und bat andere, mitzumachen.

MADISON: Das Wesen der Online-Cyber-Belästigung ist, dass man nirgendwohin fliehen kann. Wenn man körperlich gemobbt oder belästigt wird, denkt man: Okay, ich kann wenigstens nach Hause rennen und mich in mein Zimmer zurückziehen und im Bett deprimiert sein. Aber man wird ständig belästigt und kann nichts zu Hause vergessen, weil es nonstop weitergeht.

JACK: Du weißt, dass es Frauen gibt, die sich deswegen umgebracht haben.

MADISON: Ja. Eins der anderen Opfer hat tatsächlich auch versucht, sich umzubringen. Eines der Mädchen hatte eine wirklich harte Zeit und versuchte ebenfalls Selbstmord.

JACK: Wow. Das ist furchtbar. Das ist, was ich meine...

MADISON: Ich fühle definitiv – ich kann es definitiv – ich will nicht sagen, oh, ich war definitiv suizidal, aber es gab definitiv Zeiten, in denen ich dachte: Lohnt sich das? Ich weiß nicht. Ich war einfach sehr down. Es war einfach hart. Und meine Zwillingsschwester da reinzuziehen – es gab tatsächlich Tage, an denen ich dachte: Ihr Leben wäre besser ohne mich darin. Ich konnte definitiv sehen, wie leicht man in einer Situation wie dieser so depressiv werden kann.

JACK: Ich habe das Gefühl, es findet jetzt ein Treffen statt, oder? Du, Madison und Christine, ihr wisst jetzt, was los ist und wer es ist. Ihr fragt euch: Wie geht’s jetzt weiter, oder?

DANA: Ja genau. Es war eine ziemlich heikle Situation. Wir hatten ja zuvor schon nur sehr begrenzten Erfolg mit den Strafverfolgungsbehörden, also, dass die sich irgendwie um den Fall kümmern. Bislang hatten die sich da nicht wirklich für interessiert. Aber wir entschieden dann als Gruppe, dass die einzige echte Chance, irgendeine Aufmerksamkeit zu bekommen, letztendlich vor allem durch die Zahl der Opfer gegeben war. Wir wussten, dass es etwa fünf weitere Frauen und Mädchen gab, die zur gleichen Zeit belästigt wurden. Die also auch durch die Hölle gehen mussten. Um eine Strafverfolgung erreichen zu können, mussten wir aber verhindern, dass er die Daten auf seinen Festplatten löschen konnte. Wir wollten auch nicht unbedingt, dass er sofort aufhört und im quasi Nichts verschwindet. Wir mussten also ziemlich vorsichtig sein – im Hintergrund bleiben, aber trotzdem auch die anderen Frauen mit uns zusammenbringen und das alles ohne ihn vorzuwarnen. Das war dann unser nächster Schritt: herauszufinden, wie wir das anstellen konnten.

CHRISTINE: Ja, und um das mit dem Post mit der zu sehenden Veranda zu verbinden: Seine damalige Verlobte – wieder eines der Opfer – manchmal postete er gelegentlich seltsame Dinge wie Nacktbilder von sich selbst, ohne Gesicht, einfach verschiedene Fetische oder Wünsche. In diesem speziellen Fall mit der Hinterveranda – seine damalige Verlobte – das ist ihr gemeinsames Zuhause – ihre Aussage ist in dem Moment ziemlich wichtig: Hey, bestätige, das ist deine Hinterveranda. Wir wollten sie wirklich einbeziehen, aber sie ist seine aktuelle Verlobte. Können wir dieser Person trauen? Man versucht zu denken, wie man in einer Situation reagieren würde, aber ohne die Person auf der anderen Seite zu kennen – wir kennen sie nicht persönlich. Wir kannten keine dieser Frauen. Wir wussten also nicht, wie sie auf irgendetwas davon reagieren würden. Wir waren uns nicht ganz sicher, wann – oder ob – wir sie überhaupt einbeziehen sollten. Letztendlich entschieden wir, dass wir alle zusammenkommen müssen. Einzeln kümmern sie sich nicht, aber wenn wir zusammenkommen können und zeigen, dass dies ein größeres Problem ist als nur eine Person, die belästigt wird, und dass dies ein Problem für die Gesellschaft als Ganzes ist, werden sie uns vielleicht ernst nehmen. Da war es, als wir uns mit ihnen über alle Social-Media-Plattformen oder Kontaktinformationen, die wir finden konnten, in Verbindung setzten und sie zu diesem Zeitpunkt einweihten.

MADISON: Zwei der Mädchen hatten ihn auch früher schon ertappt, und das war, bevor wir mit den sechs Opfern in Kontakt standen. Eines der Mädchen war eine seiner Ex-Freundinnen aus dem College, sie wusste offensichtlich, woher die Fotos kamen. Sie war ziemlich sicher, dass er es war, und sie fühlte sich auch seinem Vater nahe genug – sein Name ist John – sie fühlte sich nahe genug, um sich an ihn zu wenden und ihm zu sagen: Hey, Chris macht wirklich schlimme Sachen. Er postet Bilder von mir. Es gibt Tausende von Beiträgen. Er muss aufhören. Ich werde die Polizei einschalten, aber kannst du mir bitte helfen? Er versprach ihr, dass er mit ihm reden würde, ihn in eine Therapie schicken würde, ihm helfen würde – bitte, erstatte einfach keine Anzeige. Das Gleiche passierte einem anderen Opfer, einer Familienfreundin. Sie grenzte tatsächlich ein, dass er es war, einfach durch die Art, wie er Satzzeichen benutzte. Er benutzte drei Punkte und ein Leerzeichen, und ich dachte: Wow, daran hast du gedacht? Das ist eigentlich richtig gut.

Sie hat es buchstäblich nur dadurch eingegrenzt und es dann auf Facebook Messenger angesprochen. Sie – also Chris und sein Vater und sein Bruder, beide John – überzeugten sie, keine Anzeige zu erstatten, wenn er versprach aufzuhören. Sie sagt: Du musst dir Hilfe holen. Ich bin schon sehr lange eine Familienfreundin. Du bist mir wichtig, ich liebe dich und deine Familie. Ich will, dass du dir Hilfe holst. Zu diesem Zeitpunkt wusste sie nicht, in welchem Ausmaß es andere Leute betraf. Sie dachte, sie sei die Einzige. Sie fühlte sich also schrecklich, als wir alle sie kontaktierten und ihr erzählten, was los war. Aber sie wollte in unserer Gruppe sein und helfen. Wir hatten also tatsächlich all die Geständnisse von ihm, dass er es zugab, und seinen Bruder, der zugab, dass er wusste, dass er das tut, und sich um Hilfe für ihn kümmern würde. Tatsächlich haben sie das nie getan. Er hat noch viele Jahre danach unschuldige Frauen und Kinder belästigt.

JACK: Sie haben also alle Opfer auf einen Stand gebracht, sechs insgesamt, und sie alle hatten die Schnauze voll davon, von diesem Typen belästigt zu werden. Sie waren schockiert, dass Christopher derjenige war, der dahintersteckte, weil sie ihn alle kannten.

DANA: Es gab noch ein paar andere Frauen, mit denen wir nie Kontakt aufgenommen haben, von denen er auch...

CHRISTINE: Ja, ja.

DANA: ...ja, versuchte, Nacktfotos zu bekommen, aber wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon genug Material.

Die Anzeige

JACK: Christine erstellte einen ziemlich überzeugenden Beweisordner, den jede der Frauen mit zu ihren eigenen Polizeidienststellen nehmen und der Polizei übergeben konnte.

CHRISTINE: Ich stellte einen Ordner mit Fakten und Indizienbeweisen zusammen - wir hatten zu diesem Zeitpunkt keine rechtskräftigen Beweise. Das waren alles irgendwie Indizienbeweise zu diesem Zeitpunkt. Als wir die anderen Mädchen einbezogen, hatten wir natürlich Screenshots einiger Geständnisse und so etwas, also ziemlich substantielle Indizienbeweise, aber nichtsdestotrotz Indizien. Keine Vorladungen zu diesem Zeitpunkt oder so etwas. Dana und Madison und ich stellten also dieses kleine „Rache-Pornos für Dummies" zusammen, sozusagen. Aufgrund unserer Erfahrung mit dem Betreten der Sheriff-Dienststelle wussten wir, dass das ein Kampf werden würde – dann lasst uns wenigstens mit dem Gesetz bewaffnet sein. Lasst uns Recht haben. Lasst uns die Gesetze ausgedruckt und vor uns liegen haben. Sie müssen uns doch zuhören, oder? Wir stellten also diesen kleinen Ordner zusammen. Wir hatten Hintergrund, wir hatten jedes einzelne Opfer und einen Ausschnitt seiner Hintergrundgeschichte, wir hatten jedes potenzielle Gesetz, das ich sah, das aus jeder Gerichtsbarkeit potenziell verletzt werden könnte, einschließlich Bundesgerichtsbarkeit.

JACK: Ja, lass uns mal einen Schritt zurückgehen. Ich möchte hier kurz innehalten, denn das finde ich faszinierend – schließlich ist das dein Spezialgebiet. Ich wette, du hast viel Zeit damit verbracht. Kannst du kurz erklären, was er deiner Meinung nach getan hat, das gegen das Gesetz verstößt?

CHRISTINE: Ich bin zu diesem Zeitpunkt eine sehr, sehr junge Anwältin. Wie gesagt, erstes Jahr, oder? Ich glaube also, ich sei der Hammer, weiß aber eigentlich nicht so viel. Aber ich habe Internetrecht und Social-Media-Recht und ähnliches in der Jura-Schule belegt, was mich interessierte, und man hat zumindest dieses Basiswissen, wo man das Gesetz finden kann. Ich war also mit dem Florida-Statut vertraut, weil – wieder – das interessierte mich einfach, und ich dachte, es sei ein Schritt in die richtige Richtung.

JACK: Okay, also: Dieses 2015 in Florida verabschiedete Gesetz besagt, dass das Delikt der sexuellen Cyberbelästigung vorliegt, wenn eine Person ein sexuell eindeutiges Bild einer anderen Person zusammen mit personenbezogenen Daten der abgebildeten Person ohne deren Einwilligung, ohne legitimen Grund und in der Absicht, der abgebildeten Person erhebliches seelisches Leid zuzufügen, auf einer Website veröffentlicht. Bumm. Perfekt. Er hat definitiv dagegen verstoßen. Aber sie hat ihre Hausaufgaben gemacht, sie wollte sich nicht nur auf ein einziges Gesetz stützen. Da er Nacktfotos von minderjährigen Mädchen veröffentlichte, verstieß er auch gegen Gesetze zur Kinderpornografie. Da er die Vorgesetzten und Eltern der Leute anrief und so weiter - warum nicht auch noch Stalking mit reinnehmen? Und, verdammt, es gibt sogar ein Gesetz über schweres Stalking, das eine Straftat darstellt, und wenn er eine Minderjährige stalkte, würde das als schweres Stalking gelten. Aber Christopher lebte im Bundesstaat New York, also spielten all diese Gesetze aus Florida vielleicht gar keine Rolle. Also studierte Christine die Gesetze in New York, um herauszufinden, gegen welche er dort verstoßen hatte. Sie fand Gesetze wie Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger, Erpressung, unrechtmäßige Überwachung, Verbreitung von unrechtmäßig aufgenommenem Bildmaterial und Stalking. Okay, das waren also die Landesgesetze, gegen die er ihrer Meinung nach verstoßen hatte, aber gibt es irgendwelche Bundesgesetze, auf die sie verweisen kann?

CHRISTINE: Es gibt kein Bundesgesetz für Rache-Pornos oder sexuelle Cyber-Belästigung oder so etwas, aber es gibt Verbote gegen Cyber-Stalking und Cyber-Belästigung.

JACK: Super. Ja, mach einfach weiter. Also, du legst ihnen dieses ganze Wissen vor. Du legst es ihnen vor und sagst: Hier sind die Indizien, die wir gegen ihn haben. Hier sind die Gesetze, gegen die er unserer Meinung nach verstößt…

DANA: Und hier ist der Typ, hier ist der Kerl, der das macht. Ihr müsst nicht mal rausgehen und herausfinden, wer es ist. Wir haben es schon getan. Bitte tut etwas.

CHRISTINE: Ja.

JACK: Okay, und was haben sie gesagt?

CHRISTINE: Dana war eigentlich auch dort mit mir. Ich marschiere mit meinem kleinen Ordner rein, und nochmal, ich hoffe, dass die meisten Leute nie ein Verbrechen wie dieses melden müssen, aber wenn man hingeht, will man offensichtlich nicht 911 anrufen. Man geht zur Polizeiwache.

JACK: Und du gehst mit deinem besten Anwalts-Outfit hin...

CHRISTINE: Ja. Ich kam wahrscheinlich ehrlich gesagt von der Arbeit, also hatte ich schon meine Anwältinnen-Uniform oder mein Kostüm an, weißt du?

JACK: Okay, also – du rufst nicht 911 an. Du gehst – was machst du?

CHRISTINE: Du gehst auf die – also, theoretisch könntest du die Nicht-Notruf-Linie anrufen, aber du gehst zur Polizeiwache. Es gibt einen Schreibtisch mit einem Polizisten, der entweder hoffentlich neu ist oder etwas wirklich Schlimmes getan hat, um diese Position zu bekommen, weil man einfach nur hinter einem Schreibtisch sitzt. Du gehst hin, und sie sind gelangweilt. Sie sitzen einfach nur da. Du sagst: Ich möchte ein Verbrechen melden und einen Polizeibericht ausfüllen. Dann verhören sie dich, es ist echt ein Verhör. Was ist passiert? Ich sage: Ich habe das Ganze zusammengestellt, sodass Sie es einfach lesen können. Tatsächlich habe ich eine Kopie gemacht. Hier, hier ist eine Kopie. Es wird durchgeblätter– hm, das ist kein Verbrechen. Wie sind Sie an die Fotos gekommen? Un dich frage mich: Ich denke: Wo sind deine Qualifikationen? Können Sie das einfach an einen Detective weitergeben und ihn entscheiden lassen, ob das ein Verbrechen ist oder nicht? Nicht um unhöflich zu sein, aber ich vertraue Ihrem Urteilsvermögen einfach nicht, wenn dein Job es ist, hinter dem Schreibtisch zu sitzen. Bringen Sie zu einem echten Detective, bitte. Letztendlich waren wir über eine Stunde dort und bettelten ihn nur an, mich einen Polizeibericht ausfüllen zu lassen, einfach um – für die Gelegenheit und das Privileg, diesen Polizeibericht auszufüllen.

JACK: Ich stelle mir vor, dass sie einfach nur sagen: Oh, hier ist ein Formular. Fülle es aus, und dann tschüss.

CHRISTINE: Ja.

JACK: Sie unternehmen also nichts. Aber sie haben dir nicht einmal erlaubt, ein Formular auszufüllen?

CHRISTINE: Nein, und das hat mich auch schockiert. Ich denke: Geben Sie mir wenigstens das Formular. Letztendlich verlangte ich also, das Formular zu bekommen. Da war er einfach genug damit fertig, mit mir zu reden, da bin ich mir sicher, und gab mir das Formular zum Ausfüllen.

JACK: Okay, das war also deine Erfahrung. Wie ist es den anderen Frauen ergangen?

CHRISTINE: Sechs von uns gehen in Polizeidienststellen, verstreut über das ganze Land – zwei in New York, eine in Zentralflorida, eine in Daytona, Madison in Melbourne und ich in Manatee County, und zwei von uns kamen mit Polizeiberichten zurück. Zwei.

JACK: Was? Oh Mann, das ist so frustrierend. Polizei? Hallo, Polizei? Was macht ihr da? Wie könnt ihr diese Frauen abweisen, die euch jeden noch so kleinen Beweis vorgelegt haben, um ne Festnahme zu erreichen. Beweise, die ganz klar zeigen: „Da, das ist er, Herr Wachtmeister.“ Das ist ein klarer Fall, und ihr tut nichts. Come on. Ich bin gerade so wütend. Äh, ich muss – ich brauche ne Minute. Ich lege nur kurz meine Kopfhörer ab. Ich gehe kurz weg.

CHRISTINE: Und es schaffte es zu einem Detective, und letztendlich schaute der Detective sich das an und sagte: Ja, wir sind nicht in der Lage, das zu bearbeiten. Ich werde das an die örtliche FBI-Niederlassung schicken. Mein Manatee County Sheriff's Department ist das einzige von den sechs, das tatsächlich das Richtige getan hat und den Fall an die richtige Gerichtsbarkeit weitergeleitet hat. Wenn er nicht gewesen wäre, könnten sie immer noch nur als örtliche Polizeiberichte herumliegen, was wahnsinnig ist, wenn man darüber nachdenkt, oder?

JACK: Ja. Ja, das ist wirklich in vielerlei Hinsicht frustrierend.

CHRISTINE: Ja. Und ein Lob an das FBI, denn die sind großartig, sobald man tatsächlich zu ihnen durchdringen kann.

JACK: Ja. Das FBI denkt sich also: „Wow, hier wurde viel Arbeit geleistet, aber das sind nur Indizien. Wir werden direkte Beweise beschaffen.“ Also fangen sie an, Vorladungen zu verschicken …

CHRISTINE: Also...

JACK: ...oder?

CHRISTINE: Nein. Also, okay, das ist der interessante Teil davon – es ist ein juristisch nerdiger interessanter Teil. Ich bin sicher, ihr alle habt verschiedene Teile, die ihr faszinierender findet als andere.

JACK: Lass uns nerdig werden. Ich find’s gut.

CHRISTINE: Aber das ist es, was am Mangel an polizeilicher Intervention und Strafverfolgungsintervention so frustrierend ist – wenn man in der Strafverfolgung ist, hat man die inhärente Befugnis, wirklich, mit hinreichendem Verdacht Vorladungen herauszuziehen.

JACK: Also, gehen wir mal nen Schritt zurück. Sie haben die Polizei endlich dazu gebracht, diesen Bericht freizugeben, aber die ganze Zeit über haben sie versucht, so viele Beweise wie möglich gegen den Typen zu sammeln. Nun kann die Polizei unter anderem eine Vorladung an 4chan, Kik oder eine dieser Websites schicken und sagen: „Hey, wir wollen die Daten zu diesem Nutzer“, und diese Websites müssen sich an US-Recht halten, wenn sie ihren Sitz in den USA haben. Sie würden der Polizei die Daten des Nutzers ohne Umstände aushändigen. Aber wenn Christine Informationen über einen Nutzer will, würden sie das nicht tun. Sie hat nicht die Vorladungsbefugnis, die die Polizei hat. Allerdings hat sie einen Trick auf Lager, um diese Befugnis zu erlangen.

CHRISTINE: Ich kann eine Klage einreichen, dann ein Beweisverfahren einleiten und anschließend die Befugnis nutzen, verschiedene Personen oder Organisationen vorzuladen und dergleichen. Also mussten Madison und ich letztendlich eine Klage einreichen.

JACK: Das war eine Zivilklage, die sie bereits eingereicht hatten, noch bevor sie wussten, dass es sich um Christopher handelte. Sie waren so frustriert, dass die Polizei ihnen nicht half, und dachten sich: Na gut, dann besorgen wir uns die Vorladungsbefugnis eben selbst. Das würde zwar etwas mehr Zeit und Geld kosten, aber sie mussten etwas gegen den Typen unternehmen. Aber hier liegt das Problem: Sie kannten seinen Namen nicht, als sie die Zivilklage einreichten, also reichten sie sie einfach gegen „John Doe“ ein. Im Grunde wollten sie die Gerichte nutzen, um Vorladungen ausstellen zu können, um ihren Belästiger zu identifizieren. Aber es gibt noch ein weiteres Problem: Sobald die Vorladung eintrifft, wird die Website Christopher wahrscheinlich darüber informieren, dass ein Verfahren gegen ihn läuft, und er wird sehen können, wer es angestrengt hat. Die Schwestern wollten also nicht ihre Namen als Opfer in der Klage angeben, sondern die Klage anonym einreichen, was meiner Meinung nach auch in Ordnung sein sollte, da sie die Opfer sind. Gerichte sollten Opfer in solchen Fällen schützen, oder?

CHRISTINE: Das Gericht lehnte unseren Antrag dazu ab, also mussten wir damals die Entscheidung treffen, ob wir es fallen lassen oder die Klage mit unseren rechtlichen Namen darin neu einreichen wollten, wissend, dass das für immer bei Google sein würde, wenn man unsere Namen googelt. Du kannst reingehen und dir all das lustige Drama des Falls anschauen, weil – das Aktenverzeichnis ist da –, während die anderen Opfer in dem Fall geschützt sind. In dem Strafverfahren wirst du bemerken, dass es die Initialen aller sind, und das schützt die Opfer eines Verbrechens.

JACK: Das ist eine ganz andere Frusttrationsebene: Sie haben dir verweigert, anonym zu bleiben – oder zumindest nur mit Initialen in der Klage aufzutreten –, aber das, ja, das macht dich für alle möglichen anderen Probleme angreifbar.

CHRISTINE: Korrekt. Also...

JACK: Besonders, wenn du das Opfer bist. Oh, Mann.

CHRISTINE: Ja, aber – und nochmal, durch den Zivilprozess wird man fast so behandelt, als ob man eine Goldgräberin ist, die nach Geld sucht oder so etwas. Die gegnerischen Anwälte, der Magistrat, die Richter, alle handeln, als wäre das der lächerlichste Fall, und es war einfach sehr frustrierend, und auch sehr augenöffnend – als junge Anwältin – und einfach von der anderen Seite zu sehen, wie das System wirklich überhaupt nicht eingerichtet ist, dir zu helfen.

JACK: Zu diesem Zeitpunkt war Christopher durchaus bewusst, was vor sich ging. Er wusste, dass sie alle wussten, dass er es war, und dass sie darüber redeten. Ich glaube, sein Vater sagte zu allen: „Okay, beruhigt euch alle mal.“ Ich werde mit Christopher reden und ihn dazu bringen, damit aufzuhören. Es tut mir leid. Aber ein Versprechen nach dem anderen wurde gebrochen. Er hörte nicht auf. Er machte einfach weiter. Er entschuldigte sich sogar und gab es ein paar Mal zu, machte dann aber weiter. Er war irgendwie süchtig danach, die Frauen zu belästigen. Selbst mit Klagen, selbst mit laufenden Strafverfahren hörte er einfach nicht auf. Zum Glück gelang es ihnen, das FBI auf diesen Fall aufmerksam zu machen.

DANA: Ich möchte nochmal betonen, dass die Minderjährige, die Vierzehnjährige, unglaublich wichtig für diesen Fall ist. Das Sheriff's Office von Manatee County hat offensichtlich das Richtige getan, als es den Fall an das FBI weiterleitete. Ich glaube aber nicht, dass irgendjemand sich auch nur im Ansatz darum geschert hätte, wenn nicht eine Minderjährige unter den Opfern gewesen wäre.

MADISON: Ja, das ist ein Teil davon, ganz sicher.

DANA: All diese Frauen haben schreckliche Dinge durchgemacht. Ich meine, seine Ex aus dem College hat sich mehrfach versucht, seinetwegen zu suizidieren. Das ist einfach schrecklich. Er fotografierte seine Verlobte in ihrem privaten Zuhause und postete es dann im Internet, um sich daran aufzugeilen. Das ist echt furchtbar. Und was er meiner Frau und meiner Schwägerin angetan hat, die nichts mit diesem Typen zu tun hatten, das ist einfach schlimm. Aber trotzdem glaube ich, dass das Ganze bedauerlicherweise niemanden interessiert hätte, wäre nicht das minderjährige Mädchen unter dern Opfern. Die Beiträge ja waren abscheulich. Er versuchte im Grunde, jemanden auf 4chan zu engagieren, um sie zu vergewaltigen und das zu filmen und ihm dann zu schicken. Ich glaube, dass das letztendlich die Aufmerksamkeit auf den Fall gelenkt hat.

JACK: Igitt. Was für ein Chaos an jeder Ecke. Also, gott sei Dank schaute sich das FBI das an. Wir haben ein Monster auf freiem Fuß. Schnappt ihn euch.

MADISON: Ja, also mussten sie im Grunde all unsere Vorladungen neu erstellen, die meine Schwester und ich gemacht hatten. Auf der zivilen Seite verschickten wir Vorladungen in unserem Namen, auf der zivilen Seite, so hatten wir all die Informationen, die wir zu den Polizeidienststellen bringen konnten. Wir gaben ihnen offensichtlich diese Informationen, aber aus ermittlungstechnischer Sicht müssen sie sie immer noch neu erstellen. Aber es war eigentlich schon getan, also war es ein guter Anfang für sie. Sie sagen den Opfern nicht viel, also weiß ich nicht, ob sie in ihrer Suche mehr fanden, aber sie haben definitiv unsere Vorladungen an die verschiedenen IPs und IP-Adressen neu erstellt und kamen schließlich dazu, eine Festnahme vorzunehmen.

Der Tag der Abrechnung im Gerichtssaal

JACK: Festgenommen. Gott sei Dank. Mehr Schwierigkeiten könnte ich auch nicht verkraften. Tatsächlich war die Festnahme ein Nicht-Ereignis. Es war eher so, dass er selbst zur Polizeiwache ging, um mit ihnen zu reden, sie haben ihn registriert, und dann ist er wieder nach Hause gegangen. Aber zumindest ist der Täter identifiziert und die Gerichtstermine wurden festgelegt. Wenn man diesen Schwestern zuhört, glaube ich nicht, dass er von sich aus hätte aufhören können. Er war einfach zu tief darin verstrickt. Aber das Erstaunliche ist, dass diese beiden Schwestern unerbittlich zurückschlugen. Und da Christine Anwältin war, wusste sie, welche Wege man einschlagen und welche Gesetze man anwenden konnte, um dagegen vorzugehen. Der Durchschnittsbürger weiß einfach nicht, dass man eine Zivilklage nutzen kann, um Gerichte dazu zu bringen, Vorladungen für einen auszustellen, und diese Informationen dann gleichzeitig nutzen kann, um ein Strafverfahren einzuleiten. Die Tatsache, dass sie nicht nur versuchen wollten, einen Fall anzustrengen, sondern dass sechs verschiedene Frauen gleichzeitig Verfahren gegen diesen Mann einleiten konnten - das ist einfach eine brillante Arbeit von ihnen. Wie lautet der Spruch, den sie so gerne sagen?

CHRISTINE: Wir lösen jeden Fall noch vor dem Abendessen. Das Abendessen war zufällig zehn Jahre später, also wären wir verhungert.

DANA: Ja, das hat über zehn Jahre gedauert...

JACK: Zehn Jahre? Wer in aller Welt hat die Energie und den Antrieb, dieselben Frauen zehn ganze Jahre lang zu belästigen? Dieser Typ offenbar, Christopher. Was mit ihm passierte? Also, er wurde verhaftet. Es gab offensichtlich jede Menge Beweise für seine Verbrechen, darunter auch, dass er sich gegenüber seinen Opfern gestanden und versprochen hatte, damit aufzuhören. Als er vor Gericht steht, bleibt ihm also nichts anderes übrig, als sich schuldig zu bekennen, was bedeutet, dass kein Prozess nötig war. Das alles kann man überspringen, da er es ja zugibt. Aber es gibt immer noch das Gerichtsverfahren, um seine Strafe festzulegen, eine Strafzumessungsverhandlung. Dieser Mann hat diesen Frauen eindeutig großen Schaden zugefügt, aber können die Frauen Einfluss darauf nehmen, wie hoch das Strafmaß ausfällt? Und ob sie das können.

CHRISTINE: Er hat sich mit den falschen Damen angelegt.

JACK: Christine wollte, dass alle Opfer während der Urteilsverkündung in den Gerichtssaal einziehen und sich zu Wort melden, um dem Richter klarzumachen, welche Verletzungen er angerichtet hat, denn schließlich liegt es am Richter, das Strafmaß zu bestimmen, und dies ist ihre einzige Chance, sich Gehör zu verschaffen. Wann haben Sie ihn vor dem Prozess zum letzten Mal gesehen?

CHRISTINE: Oh, Gott. Auf meiner Hochzeit.

JACK: Okay.

CHRISTINE: Ja.

JACK: Als du ihn dann im Gerichtssaal gesehen hast – wenn du da reinkommst, siehst du ihn ja. Hattest du da ein bestimmtes Gefühl?

CHRISTINE: Ich glaube wirklich nicht, und wenn ich es hatte, habe ich es verdrängt, weil ich glaube, es war so viel Zeit vergangen, dass – wenn überhaupt, dachte ich nur: Oh, er sieht beschissen aus. Weißt du?

JACK: Ja. Ich denke, das ist einfach...

CHRISTINE: Ich sagte – ich glaube, meine genauen Worte waren: Oh, sie lassen ihn nicht verhungern. Er war sehr fettig.

MADISON: Es war einfach – es war ein komisches Gefühl. Es ist erschreckend in gewissem Sinne, weil du diese Person im echten Leben siehst. Seine Familie ist im echten Leben da. Du weißt, dass du hochgehen und mit dem Richter sprechen und deinen Fall im echten Leben darlegen musst, ohne zu wissen, was der Richter über die Situation denkt, oder ob er die Situation überhaupt ganz versteht. Es ist ein sehr neues Verbrechen, also gibt es nicht viele Beispiele für solche Fälle, an denen man sich orientieren kann. Es ist einfach erschreckend von allen Seiten. Du hast – musst zufällige andere Leute haben, die du nicht mal kennst, die deine Opfer-Stellungnahme anhören müssen. Es ist einfach – erschreckend ist das einzige Wort, an das ich denken kann.

JACK: Gab es irgendwelche komischen Fragen, die der Richter gestellt hat, an die du dich erinnerst?

MADISON: Oh mein Gott, also, der Richter stellte so viele Fragen, und es war so erschreckend, weil sie zunächst irgendwie ein bisschen opfer-beschämend klangen, und ich dachte: Oh mein Gott, wird er – ist es das? Ist das die Art von Richter, der sagen wird: Nun, nein, das ist alles deine Schuld? Ich hatte das buchstäblich im Kopf. Ich erinnere mich, dass ich bei einigen seiner Fragen ein bisschen defensiv war, weil er meine Opfer-Stellungnahme unterbrach, die – sie war sehr lang, aber er unterbrach mit Fragen, sobald sie ihm einfielen. Ich dachte also: Er lässt mich nicht mal ausreden und platzt einfach mit Fragen heraus, während ich diese Opfer-Stellungnahme vorlese. Es war so beunruhigend. Dann stellte sich heraus, dass er einfach so verwirrt war über die ganze Situation, warum er das tat, und er war eigentlich wirklich aufgebracht über alles, was er getan hatte, aber er zeigte es, indem er viele Fragen stellte, und es war so nervenaufreibend. Im Gericht sagte der Richter: Was ist ein Nip-Slip? Ich sagte: Es ist genau das, wonach es klingt. Deine Brustwarze rutscht aus dem Hemd oder was du auch immer trägst.

JACK: Die Opfer machten ihre Aussagen. Und die waren gut. Christopher wurde klar, dass es für ihn überhaupt nicht gut lief.

CHRISTINE: Er darf nach uns allen sprechen, also hatten wir das ganze dramatische Sich-zu-uns-Wenden und sich zuerst bei Dana zu entschuldigen, übrigens, das war witzig. Aber er dreht sich zu uns und der Menge um, und der Bundesanwalt und die FBI-Agenten stehen irgendwie zwischen uns, wie: Komm nicht näher. Wie – ich werde dich umtreten, in der Art. Und das „Es tut mir leid, es tut mir leid", der dramatische Effekt und das alles.

JACK: Der Richter erklärte, dass das Strafmaß in solchen Fällen zwischen drei und sechs Jahren liege. Der Verteidiger plädierte für das untere Ende, der Staatsanwalt für das obere.

DANA: Ich erinnere mich, dass wir alle im Flur miteinander redeten und dachten: Wenn er wenigstens fünf Jahre bekommt, da wären wir schon sehr glücklich.

JACK: Da die Opfer-Stellungnahmen so lange dauerten, mussten sie an einem zweiten Tag wiederkommen, nur um das Urteil zu hören. Am nächsten Tag kommen sie also alle wieder in den Gerichtssaal. Sie setzen sich. Sie bitten Christopher aufzustehen, während der Richter ihm das Urteil vorliest. Der Richter verurteilte ihn zu fünfzehn Jahren Gefängnis.

MADISON: Es war – wir alle einfach – es war ich, meine Schwester, Dana, einer unserer Freunde war gekommen, um uns zu unterstützen, und mein Freund, jetzt Verlobter, Bryce. Wir waren da drin, und ich atmete buchstäblich nur schwer ein und griff nach der Hand meines Verlobten und dachte: Oh mein Gott, wir haben es geschafft.

CHRISTINE: Oh ja, es war super dramatisch.

JACK: Dana, hast du geweint, als sie das Urteil verkündeten?

DANA: Ja, hab ich. Ich glaube, wir alle haben da eine Mengen an Emotionen gefühlt. Da war eine Person, die ich fast zwei Jahrzehnte lang gekannt und an einem Punkt liebgehabt habe. Diese Person war es aber auch, die meiner Familie einen der schlimmsten emotionalen Schäden zugefügt hat, die man sich vorstellen kann. Das gepaart mit dem, wie lange und hart man dafür gearbeitet hat – all die Nächte, die wir bis 4 Uhr morgens damit verbracht haben, diesen Fall zusammenzubauen, das Material zu sammeln, damit die Strafverfolgungsbehörden irgendetwas unternehmen. Und das alles, um dann am Ende vor Gericht jemanden zu sehen, den man einmal liebgehabt hat, dessen Leben nun im Gefängnis weitergeht. Das alles passiert in ein und demselben Moment im Gerichtssaal. Das war schon überwältigend. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich so reagieren würde, aber ich tat es.

CHRISTINE: Ja, ich glaube nicht, dass ich mich daran erinnere, dass du geweint hast. Ich bin sicher, dass du es getan hast. Ich erinnere mich, dass Madison weinte. Ich erinnere mich auch, dass Madison während ihrer Opfer-Stellungnahme weinte. Ich glaube, ich hatte mich kompartimentalisiert, im Anwalts-Modus zu sein, also glaube ich nicht, dass ich überhaupt emotional wurde. Ich war einfach steingesichtig, aber ich war definitiv aufgeregt.

DANA: Du starrst ihm einfach in die Augen, so, ja.

CHRISTINE: Ja, ich starrte ihn nur an, sogar als er sein ganzes Ding machte. Aber ja, ich glaube – ich erinnere mich definitiv daran, dass ich mich aufgeregt fühlte, wie: Wow, dieser Richter hat uns zugehört und war völlig schockiert und ungläubig darüber, wie schlimm das war, und ich glaube, es war einfach diese Bestätigung, sogar. Wie Dana sagte, da steckt so viel Schweiß und Tränen drin, von allen Aspekten, dass es einfach mehr als alles andere bestätigend war: Wow, wenn man es im richtigen Forum platziert, kann man – kann man einen Unterschied machen, und sie kümmern sich. Wir haben einen Unterschied gemacht, weißt du?

JACK: Auch wenn der Strafrahmen bei drei bis sechs Jahren lag, liegt es im Ermessen des Richters, die Strafe zuzuweisen, und er war anscheinend so bewegt von den Opfern, dass er im Grunde das obere Ende des Rahmens verdreifachte und ihm fünfzehn Jahre gab. Unglaublich. Fünfzehn Jahre Gefängnis für Cyber-Belästigung. Whoa, das ist ganz schön viel, oder? Ist es zu viel? Moment, er hat zehn Jahre damit verbracht, Madison zu belästigen, ihr Leben zur Hölle zu machen. Das ist eine lange Zeit, in der jemand leiden muss, und das ist nur eine Person. Wow, was für ein Ende. Die Opfer haben endlich einen Sieg errungen. Aber sorry, das ist nicht das Ende.

Der letzte Akt

JACK: Der Verteidiger entdeckte einen Fehler im Urteil; einen Verfahrensfehler. Es hatte etwas mit dem Strafrahmen zu tun. Sie behaupteten, der ursprüngliche Strafrahmen sei falsch berechnet worden, was möglicherweise die Entscheidung des Richters über das Strafmaß beeinflusst habe. Das bedeutete, dass der Fall wieder aufgenommen wurde und ein neuer Richter hinzukommen musste, um sich den Fall anzusehen und ein neues Urteil zu fällen. Gerade als sie dachten, sie hätten das hinter sich und der Heilungsprozess könne beginnen, wurden die Schwestern und andere Opfer wieder in den Fall hineingezogen. Die Wunden wurden erneut aufgerissen. Der Schmerz und die Angst wurden noch einmal spürbar.

CHRISTINE: Ja. An diesem Punkt – nochmal, wahrscheinlich ein Charakterfehler, aber wir sind nur wie: Das ist witzig an diesem Punkt. Zumindest fühle ich mich so. Ich denke: Das ist schrecklich, aber man muss lachen, oder? Was sind die Chancen? Also, ja, wir mussten zurückgehen und eine Verurteilung machen. An diesem Punkt bin ich schwanger, also hofften wir, dass es nicht in einer ungelegenen Zeit war, aber letztendlich mussten wir fast ein Jahr später zurückgehen, glaube ich. Dana, denkst du, das stimmt?

DANA: Ja, es war ein bisschen mehr als ein Jahr nach dem ersten Urteil. Und ja, ich konnte es nicht fassen. Ich dachte mir nur, so kommt er jetzt davon. So kommt er davon. Wir hatten diesen einen Richter, dem das alles mal nicht egal war, der alle Faktoren in Betracht zog und verstand, was da wirklich passiert war. Und auch zu einem aus unserer Sicht angmessenen Urteil kam. Und jetzt, jetzt sollten wir wieder an einen anderen Richter geraten, der wahrscheinlich überhaupt nicht verstand, was alles passiert war. Ich meine, die waren auch alle einfach alt, die verstehen nicht, was für schlimme Dinge im Internet vor sich gehen.

MADISON: Es war so frustrierend.

JACK: Alle Opfer mussten den ganzen Weg zurück zum Gericht auf sich nehmen und ihre Traumata erneut durchleben, indem sie ihre Opferauswirkungen-Erklärungen noch einmal vorlesen mussten. Noch mehr Tränen. Noch mehr Emotionen. Verdammt, ich würde sogar sagen, dass diese Wiederaufnahme des Verfahrens die Opfer erneut zum Opfer macht.

CHRISTINE: Glücklicherweise stimmte der Richter mit der Entscheidung des ursprünglichen Richters überein, dass es ein schreckliches Verbrechen war, dass er seine Lektion nicht gelernt hatte. Der einzige Grund, warum er Reue zeigen wollte, war, sobald er erwischt wurde, und der Richter durchschaute ihn und gab ihm genau die gleiche Zeit, fünfzehn Jahre.

JACK: Natürlich waren sie nervös, während sie darauf warteten, dass die Entscheidung im Gerichtssaal verkündet wurde. Als sie dann verkündet wurde, war das für die Opfer ein weiterer emotionaler Moment, es gab wieder Tränen. Okay, sie haben das Strafverfahren gegen ihn erneut gewonnen, aber es gab ja auch noch diese Zivilklage gegen ihn. Als Christopher sah, dass er diese Zivilklage wahrscheinlich verlieren würde, meldete er Insolvenz an, um zu vermeiden, dass er etwaige Geldstrafen oder Schadenersatzzahlungen leisten musste, die Teil dieser Klage gewesen wären. Die Schwestern gewannen den Fall, aber da er Insolvenz angemeldet hatte, bekamen sie kein Geld, was eigentlich nicht der springende Punkt war. Der Sinn des Verfahrens bestand lediglich darin, ihnen die Möglichkeit zu geben, Beweise zu sammeln und herauszufinden, wer dahintersteckte. Dennoch war das Ganze für die Schwestern mit hohen finanziellen Kosten verbunden. Es fielen hohe Anwaltskosten an. Sie mussten zum Gericht reisen, um ihre Erklärungen abzugeben. Es gab Kosten für die Einholung von Vorladungen und die Einleitung eines Zivilverfahrens, und das sind nur die Rechtskosten. Wie viel Zeit haben sie damit verbracht, dem nachzugehen? Ist das nicht auch etwas wert? Und natürlich, wie viel Schmerz und Leid wurde verursacht. Das war traumatisch. Sie haben all das im Strafverfahren angesprochen und dem Richter bei der Urteilsverkündung gesagt: „Hey Mann, das hat uns emotional sehr mitgenommen, aber auch finanziell.“ Als der Richter ihn dann zu fünfzehn Jahren verurteilte, hat er all diese Kosten mit einbezogen.

MADISON: Er hatte die fünfzehn Jahre und schuldet meiner Schwester und mir auch Geld für unseren Schaden. Wir werden wahrscheinlich nie einen Cent davon in unserem Leben sehen, aber es war eine schöne Beigabe, dass sie unsere Kämpfe verstanden haben, weißt du?

JACK: Ich denke, das bringt uns zum Ende.

CHRISTINE: Ja. Happy End.

MADISON: Ja, es war wirklich emotional. Der letzte Satz in meiner Opfer-Stellungnahme fasste es irgendwie zusammen, und das war: „Der einsame Wolf stirbt, aber das Rudel überlebt." Dieses Zitat berührt mich jedes Mal, weil ich nicht glaube, dass ich persönlich ohne die anderen Mädchen hätte gewinnen oder überleben können. Wir werden ständig fast diese Schwesternschaft haben – wie ein Rudel Wölfe. Wir kannten uns nicht mal. Die meisten von uns kannten sich vorher nicht.

JACK (OUTRO): Ein großes Dankeschön an Madison, Christine und Dana, dass sie in der Sendung zu Gast waren und diese Geschichte voller emotionaler Höhen und Tiefen mit uns geteilt haben. Was so inspirierend ist: Als ihnen niemand helfen wollte, haben sie es selbst in die Hand genommen und sich gewehrt. Das finde ich toll. Sie haben auch fair gekämpft. Das ist es, was mich an dieser Geschichte so beeindruckt. Sie haben ihn nicht zurückbelästigt oder irgendetwas von dem getan, was er ihnen angetan hat. Stattdessen haben sie sich durch das Rechtssystem gekämpft, um Gerechtigkeit zu erlangen. Erstaunlich.

Diese Episode wurde im englischen Original von Jack Rhysider erstellt. Den Text haben Marko Pauli und Isabel Grünewald übersetzt und gesprochen.

Produktion: Marko Pauli

Titelmusik: Breakmaster Cylinder

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  • 09. Juni 2026 um 16:02

Das wird teuer: Anthropics Claude Mythos 5 erscheint als Fable 5 mit Schranken

Von Heise
Umriss eines menschlichen Kopfes auf orangem Hintergrund; im Kopf Gekritzel

Anthropic freut sich bei Claude 5 besonders über dessen Bilderfassung.

(Bild: Anthropic)

Claude Mythos 5 gibt es für die NSA und ausgewählte Partner. Die veröffentlichte, eingeschränkte Version heißt Claude Fable 5. Abonnement gibt’s keines.

KI-Anbieter Anthropic strebt an die Börse [1], und für Börsenphantasie braucht es fabelhafte Möglichkeiten. Entsprechend heißt Anthropics neuestes Large Language Model (LLM) Claude Fable 5. Das hat der Anbieter außertourlich nicht am traditionellen Donnerstag, sondern schon am Dienstag veröffentlicht. Es soll „alles übertreffen, was wir jemals allgemein verfügbar gemacht haben”.

Der springende Punkt ist „allgemein verfügbar”, denn bei Fable 5 handelt es sich um eine inhaltlich eingeschränkte Variante des ebenfalls neuen Mythos 5. Dieses LLM wird, wie von Donald Trump als freiwillige Maßnahme angeordnet [2], vorerst nur der NSA und, wohl mit Zustimmung des Weißen Hauses, ausgewählte US-Unternehmen im Rahmen des IT-Sicherheitsprojekts Glasswing zur Verfügung gestellt.

Dahinter steckt die im LLM-Marketing bewährte Ansage, dass das neue Ding so enorm mächtig sei, dass eine Freigabe nicht infrage komme. Diesmal betrifft das nicht nur den Bereich IT-Sicherheit, sondern auch Biologie und Chemie sowie Distillation. Gemeint ist nicht die KI-gestützte Produktion geistiger Getränke, sondern das Extrahieren von Fertigkeiten: Andere LLM werden nicht mit Rohdaten, sondern anhand der Ausgaben bestehender LLM trainiert.

Classifier mit False Positives

Distillation kann legitim sein, etwa um eine kompaktere Variante eines LLM zu erzeugen, oder ein Angriff. Im Februar hat Anthropic die chinesischen Mitbewerber Deepthink, Minimax und Moonshot beschuldigt [3], Claude durch groß angelegte Distillation attackiert zu haben. Über 24.000 betrügerische Nutzerkonten hätten sie 16 Millionen Distillationsversuche unternommen. Dem will Anthropic Einhalt gebieten.

Unter anderem deswegen überwachen eigene, kleinere LLM („Classifier”) die Nutzereingaben. Das ist nicht grundsätzlich neu, doch reagiert Fable 5 in neuartiger Weise: Hält ein Classifier die Eingaben für verdächtig, verweigert er die Bearbeitung nicht, sondern schaltet auf die ältere Claude-Variante Opus 4.8 um. Das soll dem Nutzer auch angezeigt werden.

Im Netz gibt es bereits Beschwerden über Rückstufungen bei harmlosen Fragen, beispielsweise zur Interpretation eines Blutbildes. Solche false positives geben Anlass zu dem Vorwurf, Anthropic würde das nicht nur als Sicherheitsmaßnahme einsetzen, sondern auch um Serverüberlastung zu kaschieren. Opus 4.8 benötigt weniger Rechenkapazität als Fable 5.

In Zukunft dürfte es mindestens vier parallele Versionen von Claude Mythos geben: Eine vollständige für US-Behörden, eine für ausgewählte IT-Unternehmen mit weniger Einschränkungen für Sicherheitsbelange, eine für ausgewählte Wissenschaftler mit weniger Einschränkungen bei Biologie und Chemie, sowie Fable 5 für die zahlende Allgemeinheit.

Doppelte Preise

Claude Fable 5 ist grundsätzlich nicht in den Claude-Abonnements enthalten. Nur für 14 Tage dürfen Abonnenten (Pro, Max, Team sowie mit nach Kontoanzahl abgerechneten Enterprise-Verträgen) Fable 5 ausprobieren, verbrauchen dabei aber die doppelte Menge ihres Nutzungsrahmens. Ab 23. Juni soll Fable 5 ausschließlich nach jeweiliger Tokenmenge abgerechnet werden.

Die Tokenpreise [4] (jeweils in US-Dollar) sind dann auch doppelt so hoch wie bei Claude Opus 4.8 und entsprechen damit dessen Fast-Variante: 10 Dollar pro Million Inputtoken, 12,50 Dollar je Million Token Cache Writes (5 Minuten), 20 Dollar je Million Token Cache Writes (1 Stunde), 1 Dollar je Million aus dem Cache gelesener Token, und 50 Dollar je Million Outputtoken.

300 Seiten Beipackzettel

Anthropic hat Claude Mythos 5 und Fable 5 dreizehn ausgewählten Benchmarks unterzogen. Laut der veröffentlichten Tabelle sticht das neue LLM alles bisher dagewesen bei elf Benchmarks aus. Bei den zwei übrigen liegt es geringfügig hinter der Vorschauvariante Claude Mythos Preview [5]. Deren Classifier waren weniger streng.

Tabelle mit 13 Benchmarks für Mythos/Fable 5, Mythos Preview, Opus 4.8, GPT 5.5 und Gemini 3.1 Pro
Tabelle mit 13 Benchmarks für Mythos/Fable 5, Mythos Preview, Opus 4.8, GPT 5.5 und Gemini 3.1 Pro

Benchmarks laut Anbieter

(Bild: Anthropic)

Besonders stolz ist Anthropic auf die Leistung seines neuen LLMs bei Bilderkennung: „Fable 5 ist der Stand der Technik für Aufgaben, bei denen es auch um Sehen geht. Es kann präzise Zahlen aus detaillierten wissenschaftlichen Schautafeln extrahieren und komplexe bildabhängige Aufgaben ausführen, darunter den Nachbau des Quellcodes einer Web-App aus Screenshots”, heißt es in der Ankündigung [6]. Auch ein Computerspiel habe Fable 5 besser absolviert als frühere Claude-Versionen.

Doch in mindestens einem Bereich hat Opus noch die Nase vorn: Mythos 5 und Fable 5 halluzinieren in manchen Tests mehr. Das und mehr verrät der Beipackzettel („Sytem Card”) [7], der eigentlich ein 319 Seiten dickes Buch ist.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11326637

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Anthropic-reicht-vertraulich-Antrag-auf-Boersengang-in-den-USA-ein-11314424.html
  2. https://www.heise.de/news/Trump-gibt-sich-exklusiven-Zugriff-auf-neue-KI-vor-allen-anderen-11316188.html
  3. https://www.anthropic.com/news/detecting-and-preventing-distillation-attacks
  4. https://platform.claude.com/docs/en/about-claude/pricing
  5. https://www.heise.de/news/Claude-Security-Anthropic-bringt-KI-Schwachstellenscanner-fuer-Unternehmen-11279018.html
  6. https://www.anthropic.com/news/claude-fable-5-mythos-5
  7. https://www-cdn.anthropic.com/d00db56fa754a1b115b6dd7cb2e3c342ee809620.pdf
  8. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
  9. mailto:ds@ct.de

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  • 09. Juni 2026 um 22:51

OpenCV 5.0 bringt LLMs in die Computer-Vision-Bibliothek

Von Heise
Abstrakte Darstellung von vernetzten Daten und Prozessoren in Schichten.

(Bild: Moritz Förster / KI / iX)

Größtes OpenCV-Update seit Jahren: Version 5.0 modernisiert die DNN-Engine, bringt LLM- und VLM-Support und baut Kern, Hardwarebeschleunigung und 3D-Stack aus.

Mit OpenCV 5.0 ist eine neue Hauptversion der weit verbreiteten Computer-Vision-Bibliothek erschienen. Kern des Releases ist eine komplett neu entwickelte Deep-Learning-Engine (DNN). Sie unterstützt deutlich mehr ONNX-Modelle als bisher, führt moderne Transformer-Architekturen effizienter aus und verarbeitet erstmals auch Sprachmodelle (LLMs) und Vision-Language-Modelle (VLMs) direkt in OpenCV. Außerdem modernisieren die Entwickler den Kern der Bibliothek, bauen die Hardwarebeschleunigung aus und erweitern die 3D-Funktionen.

OpenCV (Open Source Computer Vision Library) zählt zu den wichtigsten Open-Source-Bibliotheken für die Bildverarbeitung und Computer Vision. Sie kommt unter anderem in der Robotik, der Industrieautomation, der Medizintechnik, in AR/VR-Anwendungen und in Embedded-Systemen zum Einsatz. Die Bibliothek bietet zahlreiche Algorithmen für Bilderkennung, Objekterkennung, Kalibrierung, Tracking und 3D-Rekonstruktion.

Neue DNN-Engine mit deutlich besserer ONNX-Unterstützung

Die wichtigste Neuerung ist die überarbeitete DNN-Engine. Nach Angaben des Projekts steigt die Unterstützung für ONNX-Operatoren von rund 22 Prozent in der 4.x-Reihe [1] auf über 80 Prozent. ONNX (Open Neural Network Exchange) hat sich als verbreitetes Austauschformat für KI-Modelle etabliert. Bisher scheiterte der Import moderner Modelle in OpenCV oft an fehlenden Operatoren oder an Einschränkungen bei dynamischen Eingabegrößen.

Die neue Engine setzt auf eine graphbasierte Ausführung: Sie verarbeitet Modelle nicht mehr als einfache Folge von Schichten, sondern analysiert sie als Berechnungsgraph. Das erlaubt Optimierungen wie Shape Inference, Constant Folding und Operator Fusion. Neu sind außerdem die Unterstützung dynamischer Shapes, von Kontrollfluss-Konstrukten wie If- und Loop-Blöcken sowie von Quantisierungsgraphen.

Für aktuelle KI-Modelle besonders relevant ist die Attention Fusion: Die Engine erkennt typische Transformer-Muster und fasst mehrere Operationen zu einer einzigen, optimierten Berechnung zusammen. Das soll moderne Transformer-Modelle beschleunigen und den Speicherbedarf senken. Details zur neuen Engine beschreibt das Projekt im Überblick zu OpenCV 5 auf der Projektseite [2].

Sprach- und Vision-Language-Modelle direkt in OpenCV

Hinzu kommt die Integration von Sprach- und multimodalen Modellen. Dafür bringt OpenCV 5 einen eigenen Tokenizer und einen KV-Cache für die autoregressive Textgenerierung mit. Unterstützt werden unter anderem die Modellfamilien Qwen 2.5, Gemma 3 und PaliGemma (partiell). So deckt OpenCV nicht mehr nur klassische Bildverarbeitung ab, sondern auch Vision-Language-Szenarien – etwa, wenn ein Modell ein Bild analysiert und anschließend in natürlicher Sprache beschreibt.

Um die Umstellung bestehender Anwendungen zu erleichtern, bleibt die bisherige DNN-Engine erhalten. OpenCV 5 stellt damit drei Ausführungsvarianten bereit: die neue Engine, die klassische Engine und optional ONNX Runtime. Anwendungen können je nach Bedarf zwischen den Varianten wechseln, ohne ihre DNN-API anzupassen. Welche Engine zum Einsatz kommt, lässt sich beim Laden eines Modells über einen Parameter aus dem Enum cv::dnn::EngineType steuern; standardmäßig wählt ENGINE_AUTO automatisch die passende Variante.

Feature-Matching per Deep Learning

Auch beim Feature-Matching setzt OpenCV stärker auf Deep Learning. Das neue Modul Features löst das bisherige Features2D ab und ergänzt klassische Verfahren wie SIFT oder ORB um neuronale Alternativen, darunter ALIKED, DISK und LightGlueMatcher. Solche Verfahren kommen etwa beim Zusammensetzen von Panoramen, bei Visual SLAM oder bei 3D-Rekonstruktionen zum Einsatz.

LightGlue nutzt Attention-Mechanismen, um Bildmerkmale robuster zuzuordnen als klassische Verfahren. Die klassischen Detektoren bleiben dabei erhalten, sodass sich der neue Deep-Learning-Pfad und die etablierten Methoden je nach Anwendungsfall kombinieren lassen.

Modernisierter Kern und aufgeräumte API

Modernisiert haben die Entwickler auch den Kern der Bibliothek. OpenCV unterstützt nun die Datentypen FP16 und BF16, die in aktuellen KI-Beschleunigern weit verbreitet sind, dazu Bool und weitere Integer-Varianten. Die Matrixklasse cv::Mat kann erstmals echte 0D- und 1D-Strukturen abbilden und beherrscht jetzt Broadcasting sowie weitere N-dimensionale Operationen. Das soll viele Umwege und Konvertierungen ersparen.

Bei den Schnittstellen trennt sich das Projekt schrittweise von Altlasten: Die historische C-API gilt nun offiziell als veraltet. Für Python unterstützt OpenCV 5 NumPy 2.x und integriert benannte Parameter stärker, sodass sich Funktionen lesbarer aufrufen lassen – etwa cv.someAlgorithm(threshold=0.5) statt einer rein positionsbasierten Übergabe.

Hardwarebeschleunigung über eine überarbeitete HAL

Ein weiteres zentrales Thema ist die Hardwarebeschleunigung. Die Entwickler haben die Hardware Abstraction Layer (HAL) grundlegend überarbeitet, um optimierte Implementierungen verschiedener Hardwarehersteller leichter einzubinden. Das Projekt nennt unter anderem Intel IPP, Arm KleidiCV, Qualcomm FastCV und die Unterstützung der Vektor-Erweiterungen moderner RISC-V-Prozessoren.

Anwendungen sollen so ohne Anpassungen auf unterschiedlichen Prozessorarchitekturen von Beschleunigung profitieren. Möglich macht das unter anderem eine einheitliche Vektor-Codebasis, die verschiedene Befehlssatzerweiterungen wie SSE, AVX, NEON, SVE und RVV über eine gemeinsame Schnittstelle anspricht.

Ausgebauter 3D-Stack

Deutlich ausgebaut wurden die 3D-Funktionen. Das bisherige Modul calib3d teilt sich künftig in die drei Module 3d, calib und stereo auf. Neu hinzu kommen Funktionen für die Kalibrierung mehrerer Kameras, der Import und Export von Punktwolken und Meshes sowie Verfahren zur 3D-Rekonstruktion auf Basis von TSDF-Volumen. Auch moderne Schätzverfahren wie MAGSAC halten Einzug in OpenCV. Diese Erweiterungen richten sich vor allem an Entwickler in der Robotik, von autonomen Systemen und in der industriellen 3D-Vermessung.

Weitere Neuerungen gibt es bei der Bildbearbeitung, die Dokumentation setzt künftig auf eine Kombination aus Sphinx und Doxygen. Den Quellcode stellt das Projekt im GitHub-Repository [3] bereit; die Installation per pip ist ebenfalls vorgesehen.


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https://www.heise.de/-11325973

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/OpenCV-4-0-liegt-vollstaendig-als-C-11-Bibliothek-vor-4224710.html
  2. https://opencv.org/opencv-5/
  3. https://github.com/opencv/opencv/releases/tag/5.0.0
  4. https://www.heise.de/ix
  5. mailto:fo@ix.de

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  • 09. Juni 2026 um 15:00

Software Testing: Wenn GenAI gegen ethische Werte von Menschen verstößt

Von Heise
Software Testing: Generative KI

(Bild: Richard Seidl)

Generative KI aus ethischen Gründen nicht nutzen: Johannes Link hat sich für diesen Weg entschieden und teilt seine Position im Interview mit Richard Seidl.

Generative KI einfach nicht zu nutzen, weil sie den eigenen Werten widerspricht: Das ist die Position, die Johannes Link konsequent vertritt. Richard Seidl spricht mit ihm darüber, warum er hyperskalierte GenAI für ethisch nicht vertretbar hält und was ihn zu diesem Schluss gebracht hat. Die beiden reden über Trainingsdaten, die ohne Zustimmung der Urheber verwendet werden, über den massiven Energieverbrauch, über den Zerfall des freien Internets und darüber, was mit Studierenden passiert, die das Schreiben und Denken delegieren, bevor sie es je wirklich geübt haben. Johannes Link [1] erklärt auch, was sich ändern müsste, damit er seine Meinung überdenken würde, und ob er diesen Wandel für realistisch hält.

„Ein statistisches Modell kennt weder richtig noch falsch, noch Wahrheit.“ – Johannes Link

Johannes Link programmiert seit mehr als 40 Jahren, 30 davon im Beruf. Seit Ende des letzten Jahrhunderts stehen Extreme Programming und andere auf den Menschen ausgerichtete Softwareentwicklungsansätze im Zentrum seiner Tätigkeit. Im beruflichen Fokus steht die (Um-)Gestaltung von Teams hin zu mehr Eigenverantwortung und Selbststeuerung. Die sinnvolle und ethische Gestaltung seines privaten und beruflichen Lebens treibt ihn seit Jahren um. Mit dem Thema GenAI beschäftigt er sich seit den frühen Tagen von OpenAIs GPT-Sprachmodellen.

Softwarequalität im Gespräch

Dieses Format fokussiert sich auf Softwarequalität: Ob Testautomatisierung, Qualität in agilen Projekten, Testdaten oder Testteams – Richard Seidl und seine Gäste betrachten die Dinge, die die Qualität in der Softwareentwicklung steigern.

Die aktuelle Episode ist auch auf Richard Seidls Blog verfügbar [3].


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https://www.heise.de/-11322866

Links in diesem Artikel:

  1. https://blog.johanneslink.net/
  2. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  3. https://www.richard-seidl.com/de/podcast/generative-ki-ethik-softwareentwicklung
  4. mailto:mai@ix.de

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  • 09. Juni 2026 um 11:59

Ströer und Verfassungsschutz kooperieren für IT-Sicherheitswarnungen

Von Heise
Ströer-Außenwerbung mit Sicherheitsmitteilung vom Verfassungsschutz

Ströer und Verfassungsschutz Bremen kooperieren: Werbetafeln zeigen aktuelle IT-Sicherheitswarungen an.

(Bild: Ströer)

Das Medienunternehmen Ströer und der Verfassungsschutz Bremen kooperieren, um auf den Werbeflächen IT-Sicherheitswarnungen anzuzeigen.

Der Bremer Verfassungsschutz und das Medien- und Werbeunternehmen Ströer starten eine Kooperation, bei der auf den Werbetafeln von Ströer vor wichtigen IT-Sicherheitsproblemen gewarnt werden soll. Die Umsetzung hat bereits begonnen.

Das berichtet Ströer auf der eigenen Webseite [1]. Demnach ist das Ziel der Kooperation mit dem Landesamt für Verfassungsschutz Bremen (LfV), neue Wege in der IT-Sicherheitskommunikation auszuprobieren. Der Bremer Verfassungsschutz kann im Rahmen der Kooperationsvereinbarung – nach eigenen Angaben dem ersten Kooperationsvertrag dieser Art in Deutschland – die digitalen Medien von Ströer nutzen, um vor aktuellen Bedrohungslagen zu warnen.

„Signal“-Phishing-Warnung zum Auftakt

Den Anfang macht eine Phishing-Warnung, die über diese Kanäle ausgespielt wird. Es geht um die Signal-Phishing-Welle, bei der sich Angreifer als Support-Mitarbeiter ausgeben und versuchen, so an Zugangsdaten zu gelangen. Im April hatten etwa das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ihre Warnung [2] davor zuletzt aktualisiert.

Ziel ist es, die Reichweite zu nutzen, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Die sollen so auf aktuelle Bedrohungen und Desinformation hingewiesen werden, teilt Ströer mit. Derartige Warnbotschaften zeigten die Werbetafeln von Ströer bereits im Mai an vielbefahrenen Straßen, Verkehrsknotenpunkten sowie an Haltestellen im Bremer Stadtgebiet. Das erfolgte in Abstimmung mit dem BfV und der Bremer Polizei, die Warnungen waren dazu anlassbezogen. „Langfristig sind über diesen Kanal weitere Kampagnen zu den Themen Desinformation, hybride Bedrohungen und aktuelle Entwicklungen im Extremismus geplant“, erklärt Ströer.

Thorge Koehler, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz Bremen, führte dazu aus: „Wir wollen über diese unmittelbare Warnung an die Bevölkerung Aufmerksamkeit erzeugen und noch mal andere Gruppen erreichen als bisher“. Ströer gibt an, bundesweit rund 300.000 Medienträger von Plakatmedien bis „Out-of-Home-Screens“ zu vermarkten, wobei die digitalen Medien schnelle und zielgenaue Ausspielung relevanter Inhalte in Echtzeit ermöglichen.

Werbekampagnen von IT-Sicherheitsbehörden gibt es bereits länger. Das BSI hat etwa 2021 insbesondere in sozialen Netzen für höheres Sicherheitsbewusstsein geworben, die Kampagne nannte sich „Einfach aBSIchern“ [3]. Die jetzt gestartete Kooperation könnte jedoch noch mal andere Zielgruppen erreichen.


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https://www.heise.de/-11322559

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.stroeer.de/newsroom/presse/stroeer-und-verfassungsschutz-bremen-starten-kooperation/
  2. https://www.heise.de/news/Signal-Phishing-Angriffe-BfV-und-BSI-aktualisieren-Warnung-11268017.html
  3. https://www.heise.de/news/Einfach-aBSIchern-Image-Kampagne-des-BSI-fuer-mehr-IT-Sicherheit-5994582.html
  4. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  5. mailto:dmk@heise.de

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  • 09. Juni 2026 um 09:16

Jetzt aktualisieren: Chrome-Update schließt angegriffene Sicherheitslücke

Von Heise
Chrome-Logo mit Achtung-Schild vor Matrix-Hintergrund; alles vom Winde verweht.

(Bild: heise medien)

Das Update für Google Chrome sollten Nutzerinnen und Nutzer rasch installieren, da eine der geschlossenen Lücken angegriffen wird.

Google hat Updates für den Webbrowser Chrome veröffentlicht. Wieder schließen die Entwickler eine hohe Anzahl an Sicherheitslücken, 74 Stück dieses Mal. Für eine davon kursiert bereits ein Exploit.

Die Übersicht in der Chrome-Versionsankündigung [1] ist dieses Mal gleich von Anfang an mit der Liste an geschlossenen Sicherheitslecks bestückt. Davon ordnen die Entwickler 17 als kritisches Risiko ein, 55 als hochriskant und zwei stellen einen mittleren Bedrohungsgrad dar. Die bereits in freier Wildbahn attackierte Sicherheitslücke betrifft die JavaScript-Engine V8. Mit einer sorgsam präparierten Webseite können Angreifer außerhalb vorgesehener Speichergrenzen lesen und schreiben, was zur Ausführung beliebigen Programmcodes innerhalb einer Sandbox führen kann (CVE-2026-11645 [2], CVSS 8.8, Risiko „hoch“). Der Melder der Schwachstelle darf sich über eine Zuwendung in Höhe von 55.000 US-Dollar im Rahmen des Bug-Bounty-Programms freuen.

Die Schwachstellen schließen die Google-Entwickler in den Google-Chrome-Versionen 149.0.7827.102 für Android und Linux sowie 149.0.7827.102/.103 für Mac und Windows. Da die Lücken in der quelloffenen Chromium-Basis stecken, sollten auch Anbieter darauf aufbauender Webbrowser wie Microsoft Edge in Kürze Updates veröffentlichen.

Auf aktuellen Software-Stand prüfen

Nutzerinnen und Nutzer von Chromium-basierten Browsern sollten sicherstellen, dass der Browser auf aktuellem Stand ist. Das gelingt in der Regel lokal durch Öffnen des Browser-Menüs, üblicherweise ein Symbol mit drei aufeinandergestapelten Punkten oder Strichen rechts von der Adressleiste. Dort findet sich unter „Hilfe“ – „Über <Programmname>“ respektive „Info zu <Programmname>“ der Versionsdialog. Der zeigt an, welche Version der Software aktuell läuft und startet den Updatevorgang, sofern eine Aktualisierung verfügbar ist. Wichtig ist der Browser-Neustart danach, damit die fehlerbereinigte Software auch aktiv ist.

Unter Linux ist dafür die Distributions-eigene Softwareverwaltung zuständig, diese verteilt die Updates für installierte Programme. Auf Smartphones ist hingegen der jeweilige App-Store der Plattform dafür zuständig. Hier treten oftmals längere Verzögerungen auf, auch abhängig vom Handy-Modell. Eine Beschleunigung lässt sich hier üblicherweise nicht erzwingen.

In der vergangenen Woche hatte Google bereits ein äußerst umfangreiches Update für Chrome [3] verteilt. Die Entwickler haben damit 429 Sicherheitslücken geschlossen [4], wie sie erst zum Wochenende mitgeteilt hatten.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11322503

Links in diesem Artikel:

  1. https://chromereleases.googleblog.com/2026/06/stable-channel-update-for-desktop_0153744567.html
  2. https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2026-11645
  3. https://www.heise.de/thema/Chrome
  4. https://www.heise.de/news/Google-Chrome-Update-schliesst-429-Sicherheitsluecken-11319210.html
  5. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&amp;wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  6. mailto:dmk@heise.de

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  • 09. Juni 2026 um 08:01

Angular 22 legt neuen Fokus auf KI-Coding

Von Heise
Hände an Laptop-Tastatur mit unscharfem Code im Hintergrund

(Bild: Tero Vesalainen / Shutterstock.com)

Das neue Release stabilisiert Signal Forms sowie Angular Aria und bietet Updates für die KI-gestützte Entwicklung.

Das von Google entwickelte Webframework Angular hat die Hauptversion 22 erreicht. Signal Forms und Angular Aria sowie weitere Features sind nun produktionsreif, und das Angular-Team legt Wert darauf, Angular für den Einsatz mit KI-gestützten Entwicklungstools zu stärken. Dafür sind einige Updates und neue Features mit an Bord.

Reif für die Produktion

Das Feature Signal Forms, im Herbst letzten Jahres in Angular 21 [1] noch experimentell, hat den produktiven Status erreicht. Dabei handelt es sich um eine Bibliothek zum Verwalten von Form-State auf Basis der reaktiven Angular Signals, mitsamt Typsicherheit beim Zugriff auf Formularfelder und zentraler, Schema-basierter Validationslogik. Seit dem letzten Release sind unter anderem eine komplette Dokumentation sowie Support für Angular Material und Angular Aria hinzugekommen.

Angular Aria ist im neuen Release ebenfalls für den Einsatz in der Produktion geeignet. Die Bibliothek mit Fokus auf Accessibility bietet inzwischen zwölf UI-Pattern [4], die gängige Barrierefreiheitsaspekte abdecken. Seit Angular 21 neu hinzugekommen sind die vier Pattern Autocomplete, Select, Multiselect und Menubar. Darüber hinaus sind auch die beiden APIs resource und httpResource für asynchrone Reaktivität produktionsreif.

Angular und KI: MCP-Update und neue Agent-Skills

Das Angular-Team hat an einigen Stellschrauben gedreht, um die KI-gestützte Entwicklung mit Angular zu verbessern. So hat der experimentelle Angular-MCP-Server (Model Context Protocol) ein Update erhalten und bietet nun neue Tools, um während des KI-gestützten Erstellens von Anwendungen direkt mit dem Entwicklungsserver zu interagieren. Beispielsweise lässt sich dieser starten (devserver.start) oder stoppen (devserver.stop).

Zwei entwicklerbezogene Agent-Skills [5] stehen ebenfalls bereit: angular-developer und angular-new-app. Der erste Skill stattet Modelle mit Best-Practices und Richtlinien für das Schreiben moderner Angular-Anwendungen aus, inklusive neuer Features wie Angular Aria und Signal Forms. Der zweite Skill richtet sich an Entwicklerinnen und Entwickler, die Angular zum ersten Mal in einer agentischen Umgebung ausprobieren wollen. Er leitet KI-Assistenten durch die Konfiguration einer lokalen Umgebung für die Angular-Entwicklung.

Alle weiteren Informationen zum neuen Release finden sich im Angular-Blog [6].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11322698

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Angular-21-vollzieht-den-Abschied-von-zone-js-11086030.html
  2. https://enterjs.de/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_enterJS.empfehlung-ho.link.link
  3. https://enterjs.de/veranstaltung-86482-0-die-signal-revolution-ein-deep-dive-in-modernes-angular.html?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_enterJS.empfehlung-ho.link.link
  4. https://angular.dev/guide/aria/overview#whats-included
  5. https://github.com/angular/skills
  6. https://blog.angular.dev/announcing-angular-v22-c52bb83a4664
  7. mailto:mai@ix.de

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  • 09. Juni 2026 um 10:07

Asynchrone Programmierung – Teil 4: Qt6 mit QPromise und QFuture

Von Heise
Reihe von Silos

(Bild: Scott Prokop / Shutterstock.com)

Qt6 bietet mit QPromise und QFuture mächtige und komfortable Werkzeuge, um asynchrone Operationen unabhängig auszuführen und zu orchestrieren.

Das Framework Qt unterstützt mit seinem tief in der Architektur verankerten Event-System und dem Signal-Slot-Mechanismus seit jeher Entwicklerinnen und Entwickler bei der asynchronen Programmierung. Diese Möglichkeiten hat der vorangegangene Teil unserer Serie [1] vorgestellt.

QFuture ist ein neueres Qt-Konstrukt, das das Konzept des „thennables“ – der .then()-Methoden – aus anderen Sprachen aufnimmt (z. B. Promise in JavaScript, CompletableFuture in Java oder Task in C#). Es erlaubt mit QFuture::then() das Ausführen und Hintereinanderschalten von asynchronen Funktionen, unabhängig von Threads, beispielsweise um Benutzeroberflächen asynchron zu aktualisieren.

In Qt tritt ein lesendes, konsumierendes QFuture immer als die eine Seite der gleichen Medaille auf. Auf der schreibenden, produzierenden Seite steht das QPromise. Entwicklerinnen und Entwickler können den Zustand des Promise-Future-Paares detailliert steuern: starten (QPromise::start()), aussetzen (QPromise::suspend()), beenden (QPromise::finish()) oder abbrechen (QPromise::cancel()). Schließlich können Developer nicht nur einen Rückgabewert, sondern beliebig viele setzen (QPromise::addResult()). Mit der QPromise-/QFuture-API haben sie eine praktische Schnittstelle, um Benutzer- sowie Logik-Schichten effektiv zu trennen und Fortschritte an die Bedienoberfläche zu melden.

Die Klasse QFutureWatcher liefert einen Mechanismus, um die QFuture-Funktionalität mit dem im vorangegangenen Artikel beschriebenen Signal-/Slot-Mechanismus zu verbinden. Das folgende Listing 1 zeigt ein Beispiel für die grundlegenden Funktionsweisen.

int main(int argc, char* argv[])
{
    QCoreApplication app(argc, argv);

    QFutureWatcher<int> watcher;
    QObject::connect(&watcher, &QFutureWatcher<int>::started, []()
    {
        qInfo() << "future started ";
    });

    QObject::connect(&watcher, &QFutureWatcher<int>::resultReadyAt, [&watcher](int i)
    {
        qInfo() << "result ready" << i << "=" << watcher.future().resultAt(i);
    });

    QObject::connect(&watcher, &QFutureWatcher<int>::finished, [&watcher, &app]()
    {
        qInfo() << "future finished ";
        for (int i = 0; i < watcher.future().resultCount(); ++i)
        {
            qInfo() << "Final result" << i << "=" << watcher.future().resultAt(i);
        }
        app.quit();
    });

    QPromise<int> promise;
    QFuture<int> future = promise.future();
    watcher.setFuture(future);

    QThreadPool::globalInstance()->start([&promise]()
    {
        promise.start();
        QThread::sleep(1);
        promise.addResult(10);
        QThread::sleep(1);
        promise.addResult(20);
        QThread::sleep(1);
        promise.finish();
    });

    return app.exec();
}

Listing 1: Einfaches Beispiel für die Verwendung von QPromise, QFuture und QFutureWatcher.

Neben QFutureWatcher bietet die Klasse QFuture eine Fluent-API an, mit der man Futures hintereinander schaltet (das angesprochene „thennable“ bzw. auch als „chaining“ bezeichnet): Entwickler legen mit then() einen Nachfolger fest, wobei eine zweite Verwendung von then() den bisherigen Nachfolger überschreibt, sodass es immer nur einen Nachfolger geben kann. Außerdem löst die erste Verwendung von addResult des zugrunde liegenden Promise then() aus, und nicht etwa promise.finish(). Ein Abbruch des Promise mit cancel() aktiviert den Callback onCancelled (siehe Listing 2 unten).

int main(int argc, char* argv[])
{
    QCoreApplication app(argc, argv);

    QPromise<int> promise;
    QFuture<int> future = promise.future();

    QThreadPool::globalInstance()->start([&promise]()
    {
        promise.start();
        qInfo() << QDateTime::currentDateTime().toString(Qt::ISODateWithMs) << QThread::currentThreadId() << "started";
        QThread::sleep(1);
        promise.addResult(1);  // triggert then()
        QThread::sleep(1);
        // promise.cancel(); // triggert onCanceled()
        promise.addResult(2); // kein Effekt auf then()
        promise.finish();// kein Effekt auf then()
    });

    future
    .onCanceled([]{/*...*/ return -1;})
    .then([](int result1)
    {
        qInfo() << QDateTime::currentDateTime().toString(Qt::ISODateWithMs) << QThread::currentThreadId() << "result" << result1;
    });


    return app.exec();
}

Listing 2: Beispiel für das Auslösen von then() und onCancelled().

Die Methode then() ist sowohl beim Parameter als auch dem Rückgabewert generisch. Das bedeutet konkret: Bei QFuture<T> hat das then-Callable einen Parameter vom Typ T. Der Rückgabetyp, den der Entwickler innerhalb des then-Callable verwendet, ist der Rückgabetyp des Futures, das wiederum mit then() in die verkettete Abfolge gehängt werden kann, siehe Listing 3:

void myFunc(QString val){/*...*/ return;}


QFuture<int> future = // siehe Listing 12
QFuture<void> future2 = future.then([](int result1)
{
   return QString("fortytwo");
}).then(myFunc);

Listing 3: Beispiel für Future-Chaining mit then().

Falls innerhalb eines Future oder eines then()-Blocks eine Exception auftritt, wird diese an den Callback onFailed() geleitet. Dabei gilt die Regel, dass die Exception in der Kette weiter wandert, bis sie ein passender onFailed-Callback erreicht. Wenn man Programmteile in Arbeiter-Threads auslagert, muss man dort Exceptions korrekt auffangen und an promise.setException() übergeben. Nur dann funktioniert die Methode onFailed wie erwartet, siehe Listing 4:

QThreadPool::globalInstance()->start([&promise]()
    {
        promise.start();

        try
        {
            throw std::runtime_error("error from f1");
            promise.addResult(42); // das wird nicht erreicht
        }
        catch (const std::exception& ex)
        {
            promise.setException(std::current_exception());
        }
    });
    future.then([](int i)
    {
        // ...
    }).onFailed([](const std::exception& ex)
    {
        qInfo() << ex.what();
    });

    QTimer::singleShot(200, &app, &QCoreApplication::quit);

Listing 4: Korrekte Verarbeitung von Exceptions in Arbeits-Threads mit Promise.

Entwickler können auch mehrere onFailed mit einem Future verwenden. In diesem Fall wird das erste passende aufgerufen. Dabei ist die Reihenfolge relevant: Beispielsweise wird in Listing 5 das zweite onFailed nie erreicht, da im vorherigen bereits die darüber liegende Klasse abgefangen wurde.

future.then([](int res) {
    // ...
    throw std::runtime_error("Exception");
}).onFailed([](const std::exception &e) {
    // dieses Callback wird ausgeführt
}).onFailed([](const std::runtime_error &e) {
});

Listing 5: Verwendung mehrerer onFailed-Callbacks

Innerhalb der Funktion, die onFailed verarbeitet, können Entwickler auch einen Rückgabewert angeben. Die Kette wird dann mit diesem Wert fortgeführt, siehe Listing 6:

QFuture<int> future = ...
future
.onFailed([](const QException& ex)
{
    return -1;
})
.then([](int i)
{
    // im Fehlerfall ist i=-1
})

Listing 6: Fortführung der then()-Kette im Fehlerfall.

Wenn kein passender Callback onFailed vorhanden ist, wird die Exception von demjenigen Thread, in dem sie auftrat, an den aufrufenden Thread weitergeleitet und muss dort entsprechend abgefangen werden (Error Propagation), siehe Listing 7:

auto resultFuture = future.then([](int res) {
    ...
    throw Error("message");
    ...
}).onFailed([](const std::exception &e) {
    // wird nicht aufgerufen
}).onFailed([](const QException &e) {
    // wird nicht aufgerufen
});

try {
    auto result = resultFuture.result();
} catch(Error er) {
    // dieser Teil wird aufgerufen
}

Listing 7: Propagation einer Exception.

Die bisher gezeigte Verwendung von then() führt Folgefunktionen standardmäßig in dem Thread aus, in dem das ursprüngliche QFuture lief. Entwickler können aber auch mit einem Parameter den Thread für die Folgefunktion bestimmen. Übergeben sie als Parameter ein QObject, wird dessen zugeordneter QThread verwendet. Bei einen QThreadPoolkommt dieser zum Einsatz.

Schließlich können Developer auch ein Argument vom Typ QtFuture::Launch übergeben: Die weitere Bestimmung Sync entspricht dem beschriebenen Standardfall (gleicher Thread wie Aufrufer), während Async automatisch den globalen Threadpool verwendet und Inherit die Einstellung des Vorgängers, siehe Listing 8:

// Standardfall, kein Parameter, entspricht Sync)
auto f1 = base.then([](int i) { ... });
auto f2 = f1.then(QtFuture::Launch::Sync, [](int i) { ... });

// QObject => Ausführung im Thread des QObjects
auto f3 = f1.then(&obj, [](int i) { ... });

// QThreadPool => Ausführung im angegebenen Pool
auto f4 = f2.then(&customPool, [](int i) { ... });

// Launch::Async => globaler Threadpool
auto f5 = f4.then(QtFuture::Launch::Async, [](int i) { ... });

// Launch::Inherit: erbt Thread des Vorgängers
auto f6 = f5.then(QtFuture::Launch::Inherit, [](int i) { … });

Listing 8: Bestimmung des Threads mit then(...)

Der Namespace QtFuture enthält darüber hinaus einige nützliche Hilfsfunktionen für Futures. Mit den Funktionen QtFuture::makeReady… erstellen Entwicklerinnen und Entwickler ein Future, das bereits im Status beendet ist (QFuture.isFinished() liefert true). makeReadyVoidFuture erzeugt ein beendetes Future ohne Wert (QFuture<void>), makeReadyValueFuture(T) entsprechend ein QFuture<T> und makeReadyRangeFuture ein beendetes QFuture<T>, das mehrere Ergebnisse besitzt. makeExceptionalFuture schließlich erstellt ein beendetes QFuture, das eine Exception beinhaltet.

Diese Funktionen sind nützlich, wenn man bei einer Funktion anhand von Parametern überprüfen möchte, ob eine Bearbeitung als QFuture überhaupt möglich oder sinnvoll ist. Sofern dies nicht der Fall ist, gibt die Funktion direkt ein beendetes QFuture zurück, siehe Listing 9:

QFuture<int> createIntFuture(int a)
{
    if (a <= 0)
    {
        return QtFuture::makeReadyValueFuture(0);
    }

    QPromise<int> promise;
    QFuture<int> result = promise.future();
    QThreadPool::globalInstance()->start([promise = std::move(promise), a]() mutable
    {
        promise.start();
        QThread::sleep(500);
        promise.addResult(a + 1);
        promise.finish();
    });
}

Listing 9: Verwenden eines bei der Erstellung beendeten Futures mit makeReadyValueFuture.

Eine weitere nützliche Funktion ist QtFuture::whenAll(), die ein QFuture erzeugt, das beendet wird, wenn alle als Parameter übergebenen QFuture beendet sind. Die QFuture können verschiedene Template-Typen haben, dementsprechend ist der Rückgabetyp von whenAll ein QFuture mit einer Liste vom Typ std::variant.

Developer müssen hier noch auf die Besonderheit achten, dass beim Chaining mit then() die Nachfolgefunktion auf dem Thread läuft, dessen Future als Letztes beendet wurde. Dies kann, wie bereits beschrieben, ein Parameter für then() explizit festlegen, siehe Listing 10:

QFuture<int> f_int = createIntFuture();
QFuture<QString> f_qstring = createStringFuture();
QFuture<void> f_void = createVoidFuture();

using MyFuturesVariant = std::variant<QFuture<int>, QFuture<QString>, QFuture<void>>;

QFuture<QList<MyFuturesVariant>> f_whenAll = QtFuture::whenAll(f_int, f_qstring, f_void);
f_whenAll.then(/*QtFuture::Launch::Async*/, [](const
    QList<MyFuturesVariant>& results)
{
    ...
});

Listing 10: Beispiel für QtFuture::whenAll(...)

QtFuture::whenAny() erzeugt ein QFuture, das beendet wird, sobald eines der übergebenen Futures fertig ist. Beim Verketten gilt, dass die Nachfolgefunktion im Thread des zuerst beendeten Futures ausgeführt wird, sofern kein expliziter Launch-Parameter ein anderes bestimmt, siehe Listing 11:

QFuture<MyFuturesVariant> f_whenAny = QtFuture::whenAny(f_int, f_qstring, f_void);
f_whenAny.then([](const MyFuturesVariant& f)
{

});

Listing 11: Beispiel für QtFuture::whenAny(...)

Schließlich bietet die Funktion QtFuture::connect() die Möglichkeit, aus einem beliebigen Signal ein QFuture zu erzeugen, siehe Listing 12:

QTimer timer(&app);
timer.setInterval(1000);
timer.setSingleShot(true);
timer.start();

QFuture<void> timerTimeoutFuture = QtFuture::connect(&timer, &QTimer::timeout);
timerTimeoutFuture.then([]
{
    qDebug() << "QTimer timeout captured via QtFuture::connect";
});

Listing 12: Beispielhafte Verwendung von QtFuture::connect()

Das Modul QtConcurrent

Die statische Funktion QtConcurrent::run ist der einfachste Weg, ein QFuture zu erzeugen (siehe Listing 13). Man übergibt ein Callable und erhält ein QFuture mit einem passenden Template-Typ entsprechend des Rückgabetyps der verwendeten Funktion. Das dem QFuture zugehörige QPromise wird ebenfalls von QtConcurrent::run erzeugt und löst das Ergebnis aus, sobald der globale Threadpool die Funktion ausgeführt hat. QtConcurrent::run wartet also nicht, bis das Ergebnis vorliegt. Für das QFuture gibt es keinen Zustand suspended, ein Abbruch ist aber möglich, falls die Ausführung noch nicht gestartet ist.

void say(QString word1, QString word2)
{
    qInfo() << word1 << word2;
}

QString concat(QString word1, QString word2)
{
    return word1 + word2;
}

QFuture<void> future1 = QtConcurrent::run(say, "Hello", "World");
QFuture<QString> future2 = QtConcurrent::run(concat, "Hello", "World");
QFuture<QString> future3 = QtConcurrent::run([](int a, int b) -> QString
{
    return QString("test");
}, 1, 2);

Listing 13: Beispiele für QtConcurrent::run.

Falls Entwickler eine detaillierte Steuerung über QPromise benötigen, gibt es bei QtConcurrent::run den Promise-Mode. Um diesen nutzen zu können, muss das erste an run übergebene Argument des Callable vom Typ QPromise<T>& sein. Listing 14 zeigt ein von run erzeugtes Promise und dessen Übergabe an das Callable.

QFuture<QString> future4 = QtConcurrent::run([](QPromise<QString>& promise) -> void
{
    promise.start();
    // ...
    promise.addResult(QString("test"));
    promise.finish();
});

Listing 14: Beispiele für QtConcurrent::run im Promise-Mode.

Die Funktion QtConcurrent::task() erzeugt einen QTaskBuilder, der mit spawn() eine neue Verarbeitung eines Callable auf dem globalen Threadpool auslöst. QTaskBuilder bietet eine Fluent-API an: Die Funktion withArguments() legt die Parameter fest und withPriority() eine Priorität, siehe Listing 15:

auto tb = QtConcurrent::task([](int n)
{
    qInfo() << "fib(" << n << ")=?";
    return fib(n);
 });

QFuture<int> future5 = tb.withArguments(40).spawn();
QFuture<int> future6 = tb.withArguments(44).withPriority(10).spawn();

Listing 15: Einfaches Beispiel für QtConcurrent::task().

Analog zu QtConcurrent::run() gibt es auch bei task() einen Promise-Mode.

Ein Ausblick: Koroutinen in Qt mit QtCoro

Aktuell unterstützt das Qt-Framework keine Koroutinen. Grundsätzlich wäre eine Umsetzung davon greifbar, da eine Event-Loop zur Orchestrierung der asynchronen Mechanismen bereits existiert. Die freie Bibliothek QCoro [7] zeigt, wie eine Umsetzung syntaktisch aussehen kann, für einen Produktiveinsatz ist sie in der aktuellen Version 0.12 jedoch nicht geeignet.

Kern der Bibliothek ist die Klasse QCoro::Task<T>. Entwickler können innerhalb einer Funktion, die einen Wert von Typ QCoro::Task<T> zurückgibt, die Schlüsselwörter co_await und co_return verwenden. Wird QCoro::Task<T> mit co_await aufgerufen, passiert Folgendes:

  1. Die Koroutine kann an dieser Stelle unterbrochen werden. Ob dies wirklich erfolgt, ist unbekannt und unerheblich.
  2. Die Event-Loop kann andere Events bearbeiten
  3. Sobald das Ergebnis von QCoro::Task<T> mit co_await aufgerufen vorliegt, setzt die Koroutine an dem Punkt fort, an dem sie bei 1. unterbrochen wurde. Ob dies im gleichen oder einem anderen Thread passiert, ist aus Developer-Sicht unerheblich.

Somit bietet QCoro eine vollständige Laufzeitumgebung für Koroutinen, die im Hintergrund auf dem QThreatPool und der Event-Loop von Qt basiert. QFutures und Signale können dank der Funktion qCoro() mit co_await zum Einsatz kommen, wie Listing 16 zeigt:

// co_await mit einem Signal
QNetworkAccessManager nam;
QNetworkRequest request(QUrl("https://httpbin.org/delay/1"));
QNetworkReply* reply = nam.get(request);
co_await qCoro(reply, &QNetworkReply::finished);
qInfo() << "Response:" << reply->readAll();

// co_await mit einem QFuture
QFuture<int> future = QtConcurrent::run([]() {});
int result = co_await qCoro(future);

Listing 16: Koroutinen in Qt mit QtCoro.

Der Ablauf erscheint synchron, tatsächlich ist er aber asynchron und es kommt zu keinem Blockieren von Threads. Das erhöht die Lesbarkeit wesentlich, denn der intendierte Ablauf bleibt erhalten, im Gegensatz zu tiefen Callback-Verschachtelungen mit QFuture::next() oder verschachtelten Signal-Slot-Konstruktionen. Außerdem bleiben die lokalen Variablen beim Debuggen erhalten. Exceptions werden an die aufrufende Koroutine propagiert, sodass Entwickler sie unabhängig vom ausführenden Thread abfangen können.

Fazit

Mit dem QPromise- und QFuture-Paar bietet Qt moderne Unterstützung für die asynchrone Entwicklung, die – im Gegensatz zum Signal-Slot-Mechanismus – vielen Entwicklern aus anderen Sprachen als Konzept bekannt ist. Die Verwendung von QPromise/QFuture gerade auch in Verbindung mit QThreadPool und QtConcurrent::run() erlaubt einfache und gleichzeitig mächtige asynchrone Entwicklung und mit Blick auf Qt’s Kronjuwel eine praktische Form, Benutzeroberflächen zu aktualisieren.

Früher oder später wird es wohl auch eine offizielle Unterstützung von Koroutinen durch Qt geben, die Lesbarkeit, Effizienz, Fehlersuche und Exception-Handling weiter verbessern – ich bin schon sehr gespannt darauf.

Der nächste Teil der Serie beschäftigt sich mit asynchroner Entwicklung in Rust – ähnlich wie in C++ bietet es native Unterstützung durch Koroutinen, wobei eine externe Bibliothek deren Ausführung übernimmt.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11313164

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/hintergrund/Asynchrone-Programmierung-Teil-3-Parallelitaet-in-C-mit-Qt6-11186888.html
  2. https://www.heise.de/hintergrund/Asynchrone-Programmierung-Teil-1-C-komfortabel-mit-Boost-Asio-10748185.html
  3. https://www.heise.de/hintergrund/Asynchrone-Programmierung-Teil-2-Koroutinen-in-C-mit-Boost-Asio-11081682.html
  4. https://www.heise.de/hintergrund/Asynchrone-Programmierung-Teil-3-Parallelitaet-in-C-mit-Qt6-11186888.html
  5. https://www.heise.de/hintergrund/Asynchrone-Programmierung-Teil-4-Qt6-mit-QPromise-und-QFuture-11313164.html
  6. https://www.heise.de/hintergrund/Softwareentwicklung-Echte-Parallelitaet-mit-Python-3-13-10476649.html
  7. https://qcoro.dev/
  8. mailto:who@ix.de

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  • 09. Juni 2026 um 08:54

Gerichtsbeschluss missachtet: Meta geht gegen Pegasus-Hersteller NSO Group vor

Von Heise
Meta-Logo auf Schild vor der Zentrale

(Bild: Tada Images/Shutterstock.com)

Nach vereitelten Phishing-Angriffen wirft Meta der NSO Group vor, gegen eine vom Gericht verhängte dauerhafte Unterlassungsverfügung verstoßen zu haben.

Meta geht erneut gerichtlich gegen das israelische Spionagesoftware-Unternehmen NSO Group vor. Der Facebook-Mutterkonzern stellte nach eigenen Angaben bei einem US-Bundesgericht einen Antrag auf Feststellung der Missachtung gerichtlicher Anordnungen. Das gab Meta am Montag bekannt. Das Social-Media-Unternehmen wirft NSO Group vor, gegen eine dauerhafte gerichtliche Verfügung verstoßen zu haben, die es dem Unternehmen untersagt, WhatsApp-Nutzer gezielt ins Visier zu nehmen.

„Wir haben NSO-bezogene Social-Engineering-Versuche erfolgreich unterbunden, nachdem wir Benutzerberichte untersucht hatten“, schreibt Meta in einem Blogeintrag [1]. Die Täter „versuchten, Nutzer dazu zu verleiten, auf bösartige Links zu klicken, um sie auf externe Websites außerhalb von WhatsApp weiterzuleiten.“ Laut Meta ähnelten die Angriffe einer früheren 1-Klick-Phishing-Kampagne, die zur Infektion der Zielpersonen mit der Spyware Pegasus von NSO führte. 1-Klick-Phishing ist eine Art Cyberangriff, bei dem ein einziger Klick auf einen bösartigen Link oder Anhang ausreicht, um das Gerät oder Konto eines Users zu kompromittieren, ohne dass dieser seine Anmeldedaten eingeben muss. Meta erklärte, außerdem von NSO auf WhatsApp erstellte Testkonten und Gruppen gelöscht zu haben.

Jahrelanger Rechtsstreit

Der Rechtsstreit zwischen Meta und NSO Group beschäftigt Gerichte seit einigen Jahren. In einer im Oktober 2019 eingereichten Klage [2] warf Meta NSO vor, bei der Installation der Spionagesoftware Pegasus gegen verschiedene Gesetze verstoßen zu haben. NSO Group soll demnach Anfang 2019 unrechtmäßig auf WhatsApp-Server zugegriffen und dadurch die Überwachung von 1.400 Personen, darunter Journalisten und Menschenrechtsaktivisten, ermöglicht haben.

Nachdem mehrere Gerichte, darunter der US Supreme Court, die Rechtmäßigkeit der Klage anerkannt hatten, landete der Fall schließlich vor dem US-Bezirksgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien. Ende Februar 2024 entschied die zuständige Richterin, dass NSO Group den Quellcode der Pegasus-Spyware herausrücken muss [3]. Nach einem vorherigen Urteil zugunsten von Meta [4] sprach Anfang Mai 2025 eine Geschworenenjury dem WhatsApp-Mutterkonzern schließlich mehr als 167 Millionen US-Dollar Schadenersatz [5] zu. Dagegen legte die NSO Group Widerspruch ein [6].

Zwar reduzierte das Bezirksgericht in Kalifornien Ende vergangenen Jahres den zu zahlenden Schadenersatz von 167 auf vier Millionen US-Dollar; untersagte dem Spionagesoftware-Unternehmen aber zugleich das Ausspähen von WhatsApp [7]. In dem Verfahren argumentierte NSO Group, dass die Unterlassungsverfügung das gesamte Unternehmen gefährden würde.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11322252

Links in diesem Artikel:

  1. https://about.fb.com/news/2026/06/fighting-spyware-an-update-from-whatsapp/
  2. https://www.heise.de/news/Facebook-verklagt-israelische-WhatsApp-Hacker-4571961.html
  3. https://www.heise.de/news/Klage-von-WhatsApp-NSO-Group-muss-Quellcode-von-Pegasus-Spyware-herausruecken-9643157.html
  4. https://www.heise.de/news/Pegasus-WhatsApp-gewinnt-Rechtsstreit-gegen-NSO-Group-10219795.html
  5. https://www.heise.de/news/Spyware-Angriff-auf-WhatsApp-168-Millionen-US-Dollar-Schadenersatz-fuer-Meta-10374188.html
  6. https://www.heise.de/news/Spyware-Attacke-gegen-WhatsApp-NSO-Group-will-neue-Verhandlung-10423063.html
  7. https://www.heise.de/news/US-Gericht-verbietet-NSO-Group-die-Installation-von-Spyware-auf-WhatsApp-10789187.html
  8. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&amp;wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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  • 08. Juni 2026 um 21:30

Comodo Internet Security: Crash-Lücke in Firewall, Update nicht in Sicht

Von Heise
Ub der Mitte ein rotes Sicherheitsschloss mit Finger darauf, drumherum weitere Sicherheitsschlösser in Blau. Schematische Darstellung.

(Bild: Ole.CNX / Shutterstock.com)

Wer sich eine Internet Security Suite installiert, möchte den Rechner absichern. Im Fall von Comodo kommt eine Sicherheitslücke mit.

Im Firewall-Treiber aus Comodo Internet Security 2025 klafft eine Sicherheitslücke, die die Software zum Absturz bringen kann. Das gelingt Angreifern aus dem Netz. Ein Update ist derzeit nicht in Sicht. Nutzerinnen und Nutzer sollten die Software besser deinstallieren. Da Sicherheitslücken immer öfter einen Spitznamen haben, hat auch diese einen verpasst bekommen: „ComoDoS“.

In einem Beitrag schreibt der Entdecker der Schwachstelle, Marcus Hutchins [1], dass er „Bring Your Own Vulnerable Driver“-Lücken untersucht hat und dabei auf die Schwachstelle gestoßen ist. Er hat dabei eine Künstliche Intelligenz genutzt, die seiner Ansicht nach erstaunlich oft bei Treibern von IT-Sicherheitssoftware anschlägt. Insbesondere bei Software wie Antivirus und Firewalls. Wenn schon die KI so gut ist, darin Probleme ausfindig zu machen, die zur lokalen Rechteausweitung taugen, wollte Hutchins auch mit einer manuellen Analyse herausfinden, ob sich interessante Sicherheitslücken finden lassen.

Zufallstreffer in Comodos Firewall-Treiber

Der Firewall-Treiber „inspect.sys“ kam eher zufällig ins Visier des IT-Forschers, da die KI bei der Untersuchung aus Versehen eine sehr alte Version dieses Treibers untersucht hat. Eigentlich sollte nur der jüngste Treiber in die Analyse gehen, in diesem Fall war es jedoch eine Version aus 2014. Darin fand er eine Reihe bereits geschlossener Sicherheitslücken, stieß aber auch auf einige unglückliche Designentscheidungen. Das Aufspüren von Fehlern war demnach sehr leicht, schwieriger jedoch war die Entdeckung von nützlichen im Sinne von angreifbaren Schwachstellen. Im IPv6-Code wurde er dann fündig. Im Beitrag erklärt er detailliert, was er gefunden hat.

Die Schwachstellenbeschreibung selbst ist etwas knapper: In der IPv6-Paket-Verarbeitung kann ein sogenannter Integer-Unterlauf auftreten – noch bevor Firewall-Regeln greifen. Angreifer können deshalb aus der Ferne ohne vorherige Authentifizierung ein manipuliertes IPv6-Paket senden, um einen Lesezugriff außerhalb vorgesehener Speichergrenzen zu provozieren, was am Ende zu einem Absturz des Systems führt (BSOD). Das klappt auch dann, wenn alle Ports in der Firewall blockiert sind (CVE-2026-49494 [2], CVSS 7.5, Risiko „hoch“).

Hutchins hat Comodo einen vollständigen Fehlerbericht geschickt, eine Ursachenanalyse und sogar mit Vorschlägen, wie die Entwickler das patchen könnten. Auch einen Proof-of-Concept-Exploit hat Hutchins veröffentlicht [3]. Nur – der Hersteller reagierte zunächst nicht, es gab keine Antwort. Comodo Internet Security ist bis einschließlich Version 12.3.4.8162 anfällig für die Attacke. Das ist laut Forum auch die derzeit aktuelle Fassung [4] davon.

Um das System nicht dem Risiko von Abstürzen mit Bluescreen-of-Death (BSOD) auszusetzen, sollten Comodo-Nutzerinnen und -Nutzer die Software deinstallieren. Der Microsoft Defender erkennt Malware ebenfalls ordentlich. Die Windows-Firewall leistet ebenfalls brauchbaren Dienst.

Vor rund einem Jahr fiel Comodo Internet Security ebenfalls durch Sicherheitslücken [5] auf. Die ermöglichten Angreifern, Schadcode einzuschleusen und auszuführen. Betroffen damals: Version 12.3.4.8162. Derart schlecht gewartete Software sollten Nutzer zeitnah entfernen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11321732

Links in diesem Artikel:

  1. https://malwaretech.com/2026/06/exploiting-a-remote-kernel-vulnerability-in-comodo-internet-security.html
  2. https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2026-49494
  3. https://github.com/MalwareTech/ComoDoS
  4. https://forums.comodo.com/c/comodo-internet-security-cis/news-announcements-feedback-cis/143
  5. https://www.heise.de/news/Antivirus-Comodo-Internet-Security-laesst-sich-Schadcode-unterschieben-10476908.html
  6. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&amp;wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  7. mailto:dmk@heise.de

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  • 08. Juni 2026 um 14:19

VMware: Mehrere Produkte mit Stored-Cross-Site-Scripting-Lücken

Von Heise
vmware-Schriftzug

(Bild: heise online / dmk)

Broadcom warnt vor mehreren Stored-Cross-Site-Scripting-Lücken in VMware Cloud Foundation und weiteren Produkten. Updates helfen.

In VMware Cloud Foundation und damit arbeitenden Produkten klaffen Stored-Cross-Site-Scripting-Lücken. Angreifer können damit Opfern Script-Code unterschieben.

In einer Sicherheitsmitteilung warnt Broadcom [1] vor den Schwachstellen. Mehrere Sicherheitslücken dieses Schwachstellentyps finden sich in der Virtualisierungssoftware. Die Entwickler fassen das nur knapp zusammen: VMware Cloud Foundation Operations enthält demnach mehrere Stored-Cross-Site-Scripting-Lücken. Angreifer mit Rechten, Richtlinien, Views oder Text-Widgets anzulegen, können dadurch Scripte einschleusen – die als administrative Aktionen in VMware Cloud Foundation Operations ausgeführt werden (CVE-2026-41722 [2], CVE-2026-41723 [3] und CVE-2026-41724 [4]; alle CVSS 8.0, Risiko „hoch“).

Betroffen ist eine Handvoll an VMware-Lösungen. Die Sicherheitslücken stopfen VMware Cloud Foundation und vSphere Foundation ab Version 9.1.0 und 9.0.2.0 EP2, VMware Aria Operations 8.18.6 sowie VMware Cloud Foundation und VMware Aria Operations 8.18.7. Für VMware Telco Cloud Platform stellt Broadcom einen eigenen Knowledgebase-Beitrag [5] bereit.

Kein Missbrauch gemeldet

Die Schwachstellen werden offenbar noch nicht in freier Wildbahn ausgenutzt, da Broadcom diesbezüglich nichts erwähnt. Es gibt keine temporären Gegenmaßnahmen, die Admins als Zwischenlösung umsetzen könnten. Lediglich die Aktualisierung auf die fehlerkorrigierten Softwarestände hilft dem Sicherheitsproblem ab. IT-Verantwortliche sollten nicht lange zögern, sondern die Aktualisierungen zeitnah anwenden.

Ende Februar hat Broadcom bereits drei Sicherheitslücken in VMware Aria Operations und Cloud Foundation schließen [6] müssen. Auch hier hätten Angreifer Schadcode einschleusen und ausführen können. Damals handelte es sich aber um unterschiedliche Schwachstellen, die konkret das Einschleusen von Befehlen ermöglichten, das Ausweiten von Rechten im System und in einem Fall ebenfalls Stored-Cross-Site-Scripting.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11321673

Links in diesem Artikel:

  1. https://support.broadcom.com/web/ecx/support-content-notification/-/external/content/SecurityAdvisories/0/37513
  2. https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2026-41722
  3. https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2026-41723
  4. https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2026-41724
  5. https://support.broadcom.com/web/ecx/support-content-notification/-/external/content/SecurityAdvisories/0/37513
  6. https://www.heise.de/news/Diverse-VMware-Produkte-ueber-mehrere-Sicherheitsluecken-angreifbar-11189099.html
  7. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&amp;wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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  • 08. Juni 2026 um 13:15

WisdPi Prom21: AMDs B650-Chipsatz als PCIe-Erweiterungskarte

Von Heise
PCIe-Erweiterungskarte vor weißem Hintergrund

(Bild: WisdPi)

Die Erweiterungskarte Prom21 von WisdPi bringt USB, M.2-Steckplätze und SATA. Theoretisch läuft sie sogar an Raspberry Pis.

WisdPi bringt mit der Prom21 zum ersten Mal eine herstellerunabhängige Erweiterungskarte mit AMDs Desktop-Chipsatz B650 zur Marktreife. Sie ist primär als interne PCI-Express-Karte (PCIe 4.0 x4) für Desktop-PCs gedacht, läuft grundsätzlich aber in und an allen möglichen Systemen.

Laut Entwickler [1] funktioniert sie sogar mit einem Thunderbolt-5-Adapter an Apple-Macs und mit einem M.2-Adapter an einem Raspberry Pi 5. Eigenständige Treiber sind offenbar nicht notwendig; die generischen Treiber aktueller Betriebssysteme sollen genügen.

Extra USB, SATA und M.2

Moderne Chipsätze sind schlicht I/O-Hubs, die per PCI Express mit dem Prozessor kommunizieren und weitere Anschlüsse bereitstellen. Die Prom21-Karte von WisdPi stellt einmal USB 3.2 Gen 2x2 (20 Gbit/s, Typ C), viermal USB 3.2 Gen 2 (10 Gbit/s, Typ A), vier M.2-Steckplätze und einen Oculink-Port [2] bereit. An letzterem lassen sich etwa per Adapterkabel bis zu vier SATA-Laufwerke anschließen. Für Gehäuseanschlüsse gibt es noch sechs USB-2.0-Front-Header.

Die M.2-Steckplätze sind laut Dokumentation [3] mit jeweils vier PCIe-4.0-Lanes angebunden. Wie bei Mainboards limitiert allerdings die PCIe-Verbindung zum Prozessor: Die SSDs schaffen einzeln die hohe Geschwindigkeit, lassen sich aber nicht gleichzeitig ausreizen.

PCIe-Erweiterungskarte von hinten vor weißem Hintergrund
PCIe-Erweiterungskarte von hinten vor weißem Hintergrund

Zwei der vier M.2-Steckplätze befinden sich auf der Kartenrückseite.

(Bild: WisdPi)

Damit auch alle angeschlossenen USB-Gerätschaften genügend Strom bekommen, hat die Prom21-Karte einen sechspoligen PCIe-Stromanschluss. Zur Kühlung genügt ihr ein Aluminiumkühlkörper ohne Lüfter.

Der Preis ist mit 199 US-Dollar im Hersteller-Shop [4] hoch. Inklusive Einfuhrumsatzsteuer sind das etwa 205 Euro. Das dürfte auch der geringen Produktionsstückzahl geschuldet sein. B650-Mainboards starten schon bei 80 Euro [5]. Aktuell können sich Interessierte benachrichtigen lassen, sobald die Erweiterungskarte wieder verfügbar ist.

B550-Karte für Bastelcomputer

WisdPi will außerdem eine B550-Version auflegen, die sich mit PCIe 3.0 und weniger Anschlüssen begnügt. Auf einem Prototyp ist etwa kein USB-C zu sehen. Hier sollen Bastelcomputer noch stärker in den Fokus rücken, die in der Regel gar kein PCIe 4.0 haben. Der Raspberry Pi 5 zum Beispiel stellt eine einzelne Lane bereit, die inoffiziell PCIe-3.0-Geschwindigkeit schafft.

Bild von Vorserien-Hardware in einem Mainboard
Bild von Vorserien-Hardware in einem Mainboard

Prototyp einer B550-Erweiterungskarte.

(Bild: WisdPi)


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11321883

Links in diesem Artikel:

  1. https://github.com/geerlingguy/raspberry-pi-pcie-devices/issues/818#issuecomment-4615509887
  2. https://www.heise.de/news/PCI-Industrievereinigung-attackiert-zum-Jubilaeum-Thunderbolt-1637546.html
  3. https://oshwhub.com/wesd/b650
  4. https://wisdpi.com/products/prom21?variant=48307094847742
  5. https://preisvergleich.heise.de/?cat=mainboards&xf=2836_B650&pagesize=30&sort=p&promode=true&cs_id=1206858352&ccpid=hocid-newsticker
  6. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  7. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&amp;wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
  8. mailto:mma@heise.de

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  • 08. Juni 2026 um 15:45

SolarWinds Serv-U: Angreifer missbrauchen DoS-Lücke in FTP-Server

Von Heise
Nullen und Einsen, darunter versteckt sich die Zeichenkette EXPLOIT

(Bild: heise online / dmk)

In SolarWinds-Serv-U-Servern können Angreifer eine Schwachstelle für Denial-of-Service-Angriffe missbrauchen. Laut CISA tun sie das bereits.

Ursprünglich war es ein einfacher FTP-Server, inzwischen eine ausgewachsene Managed-File-Transfer-Software: SolarWinds Serv-U dient dem Datenaustausch für wichtige Systeme bei Organisationen. Schwachstellen darin sind für Cyberkriminelle oftmals interessant – mit einer vergleichbaren Software wie Progress MOVEit hatte die Cybergang Cl0p sensible Daten [1] vieler namhafter Unternehmen gestohlen und damit Lösegeld erpresst. In Serv-U wird jetzt eine Sicherheitslücke im Internet angegriffen, die das System und damit den Datenaustausch in Einrichtungen lahmlegt.

SolarWinds warnt in einer aktuellen Schwachstellenmeldung [2], dass Angreifer mit manipulierten POST-Anfragen den Serv-U-Dienst zum Absturz bringen können. Das gelingt aus dem Netz, ohne vorherige Anmeldung, als Kodierung muss jedoch „Deflate“ aktiv sein (CVE-2026-28318, CVSS 7.5, Risiko „hoch“). SolarWinds stellt die korrigierte Version Serv-U 15.5.4 HF1 bereit, gibt aber auch Tipps zur Absicherung mittels Web Application Firewall (WAF). Darin sollte der Zugriff auf bekannte Adressen beschränkt werden, wo das möglich ist. Anfragen, die „Content-Encoding“ enthalten, sollten darin blockiert werden, da diese Funktion von dem Dienst nicht benötigt wird. Mit einer Web-Suche hat SolarWinds einige Vorschläge für Regeln einiger WAFs erstellt – die sollten Admins jedoch zuvor gründlich prüfen, ob sie in ihrer Umgebung so einsetzbar sind.

Schwachstelle in freier Wildbahn bereits attackiert

Die US-amerikanische IT-Sicherheitsbehörde CISA warnt inzwischen vor beobachteten Angriffen [3] auf die Schwachstelle in SolarWinds Serv-U. Wie üblich nennt sie jedoch keinerlei Details, etwa zu Art und Umfang der Attacken. Daher lassen sich auch keine Hinweise für erfolgreiche Angriffe (Indicators of Compromise, IOC) ableiten. IT-Verantwortliche sollten jedoch zügig die aktualisierte Software installieren oder die vorgeschlagene Filterung mittels WAF einrichten.

In SolarWinds Serv-U haben die Entwickler zuletzt Ende Februar Sicherheitslücken gestopft [4]. Es handelte sich dort gleich um vier Schwachstellen, die als Risikoeinstufung die Einordnung „kritisch“ erreichten.


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https://www.heise.de/-11321084

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  1. https://www.heise.de/news/Zero-Day-Luecke-Cl0p-nennt-weitere-Opfer-der-MOVEit-Transfer-Schwachstellen-9193916.html
  2. https://www.solarwinds.com/trust-center/security-advisories/cve-2026-28318
  3. https://www.cisa.gov/news-events/alerts/2026/06/05/cisa-adds-one-known-exploited-vulnerability-catalog
  4. https://www.heise.de/news/Solarwinds-Serv-U-Update-stopft-vier-kritische-Sicherheitsluecken-11189063.html
  5. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&amp;wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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  • 08. Juni 2026 um 07:48

NAS mit ARM-Chips von Qualcomm: Radxa DragonBay und DragonStation mit "Fygo OS"

Von Heise

Der für Einplatinencomputer bekannte chinesische Hersteller Radxa kündigt NAS-Komplettgeräte mit ARM-Prozessoren von Qualcomm an.

Der Hersteller Radxa aus Shenzhen baut zwei kompakte Netzwerkspeicher (NAS) mit ARM-Prozessoren von Qualcomm. In die flache DragonStation mit 10-Gigabit-Ethernet passen sechs M.2-SSDs. Das NAS DragonBay hat hingegen nur 2,5-Gigabit-Ethernet und vier Einbauschächte für 3,5-Zoll-Festplatten sowie zwei M.2-SSDs als Cache.

Auf der Radxa-Website gibt es noch keine detaillierten Informationen zu den beiden NAS. Laut Radxa-Chef Tom Cubie sollen sie aber bald folgen.

Update

Laut Informationen aus dem Discord-Kanal von Radxa steckt in der DragonBay der Qualcomm SC8280XP, also der 2021 für Notebooks angekündigte Snapdragon 8cx Gen3 [2].

Auf den Einplatinencomputer Dragon Q6A lötet Radxa hingegen den Qualcomm Dragonwing QCS6490.

Ein Nachteil des Smartphone- beziehungsweise Embedded-Prozessors ist der fest aufgelötete LPDDR4-Arbeitsspeicher, der sich nicht erweitern lässt. Vorteile sind hohe Effizienz und niedrige Leistungsaufnahme im Leerlauf.

Als Betriebssystem soll „Fygo OS“ zum Einsatz kommen. Dabei kooperiert Radxa mit der chinesischen NAS-Distribution FnOS [3] (FeiNiu, 飞牛) ; der Name bedeutet anscheinend „fliegender Ochse“.


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https://www.heise.de/-11318835

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  1. https://radxa.com/blog/DragonStation-and-DragonBay-AI-NAS-Systems/
  2. https://www.heise.de/news/Qualcomm-Snapdragon-8cx-Gen-3-Erste-5-Nanometer-Plattform-fuer-PCs-6281673.html
  3. https://www.fnnas.com/
  4. https://www.heise.de/ct
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  • 04. Juni 2026 um 16:26

LTE für IoT-Projekte

Von Heise
USB-LTE4G-EU Kommunikationsmodul auf grüner Leiterplatte mit Quectel EG900K-EU LTE-Modem, USB-C-Buchse, Antennenanschluss und Pinleiste für IoT- und M2M-Anwendungen

(Bild: Olimex)

Das neue USB-LTE4G-EU verbindet IoT-Geräte per LTE und benötigt dabei nur eine einzige Antenne.

Mit dem USB-LTE4G-EU [1] hat Olimex ein kompaktes 4G-Modem für IoT- und Embedded-Projekte vorgestellt. Das Gerät basiert auf dem LTE-Modul Quectel EG800K-EU und richtet sich an Anwendungen wie Telemetrie, Fernwartung, industrielle Steuerungen oder mobile Gateways. Der Fokus liegt dabei weniger auf maximaler Geschwindigkeit, sondern auf einer stabilen Datenverbindung für Geräte, die dauerhaft online sein sollen.

Das Modem nutzt LTE Cat.1bis. Der Mobilfunkstandard ist speziell für IoT-Geräte gedacht und arbeitet mit nur einer Antenne. Dadurch sinken Hardwarekosten und Stromverbrauch. Die maximale Datenrate liegt bei bis zu 10 MBit/s im Download und 5 MBit/s im Upload. Das reicht zwar nicht, um das aktuelle YouTube-Video der Make [2] zu schauen, aber für Sensordaten reicht es allemal.

Angeschlossen wird das Modul über USB-C mit USB-2.0-Interface. Laut Olimex funktioniert die Einbindung unter Linux, Windows und Android ohne größere Konfiguration. Besonders interessant für Maker: Systeme wie Raspberry Pi, BeagleBone oder OLinuXino sollen das Modem automatisch erkennen. Einfach einstecken und die Internetverbindung läuft über LTE, wenn man eine SIM-Karte eingesteckt hat.

Die Stromaufnahme fällt laut Olimex niedrig aus. Im Sleep-Modus benötigt das Modem rund 3 mA, im Idle-Betrieb etwa 22 mA. Unter Last steigt der Verbrauch laut Hersteller auf 50 bis 350 mA, kurzzeitig können beim Verbindungsaufbau aber Stromspitzen bis 2 A auftreten. Olimex weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass ein hochwertiges USB-Kabel notwendig ist.

Mit Abmessungen von 34 × 25 × 6 mm fällt das Gerät kompakt aus. Die Betriebstemperatur gibt Olimex mit -35 bis +75 Grad Celsius an, womit sich das Modem auch für Außeninstallationen oder industrielle Umgebungen eignet. Angeboten wird außerdem eine Variante mit integrierter PCB-Antenne unter der Bezeichnung USB-LTE4G-EU-ANT.

Für Maker ergeben sich damit einige interessante Einsatzmöglichkeiten. Denkbar wären etwa autarke Messstationen mit LTE-Anbindung, mobile Raspberry-Pi-Gateways, Fernwartungssysteme für Garten- oder Solaranlagen oder Telemetrie-Projekte ohne vorhandene Netzwerkinfrastruktur.

Im Olimex-Shop [3] kostet das USB-LTE4G-EU derzeit 11,95 Euro pro Stück.

Wer zwar kein Internet braucht, aber Daten weit funken möchte, findet in unserem Artikel zum Klingel-Repeater [4] einen Einstieg in LoRa.


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https://www.heise.de/-11317284

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  1. https://olimex.wordpress.com/2026/05/29/usb-lte4g-eu-for-reliable-4g-lte-connectivity-in-iot-and-industrial-applications-across-europe/
  2. https://www.youtube.com/watch?v=U1F-BhEHjTs
  3. https://www.olimex.com/Products/IoT/LTE/USB-LTE4G-EU/
  4. https://www.heise.de/ratgeber/Der-DIY-Klingel-Repeater-im-Eigenbau-11302495.html
  5. https://www.heise.de/make
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  • 03. Juni 2026 um 15:08

Die Redaktion auf der Maker Faire Prag

Von Heise

Auf der Maker Faire Prag sammelte die Make-Redaktion neue Eindrücke und entdeckte Unterschiede zur deutschen Maker-Community.

Die Maker Faire Ruhr ist jetzt schon eine Weile vorbei und die Make-Redaktion scharrt ungeduldig mit den Lötkolben bis zum nächsten Maker-Event. Da passte die Maker Faire Prag perfekt, um wieder die Inspirations-Akkus aufzuladen. Außerdem war es etwas Neues für die heise-Maker: Maker Faires in DACH kennt die Redaktion bereits wie ihre Westentasche.

Aber wie tickt die Maker-Szene eigentlich bei den osteuropäischen Nachbarn? Um das herauszufinden, ist das Team kurzerhand nach Tschechien zur Maker Faire in Prag gereist.

Dort hat sich die Redaktion aufgeteilt und ging getrennt auf Erkundungstour. Im Folgenden berichten die Redakteure, was sie auf ihren Maker-Expeditionen gefunden haben.

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Ákos

Schon beim Betreten des Messegeländes ging es los: Im Außenbereich warteten postapokalyptische Fahrzeuge, die gelegentlich Feuer spuckten, und Maker, die wieder anderes Feuer mit ihren Erfindungen löschten. Daneben waren dann auch gleich die ersten Zelte aufgebaut, in denen Besucher an Maker-Workshops teilnehmen konnten.

Bild 1: Das Außengelände wurde für Liveshows genutzt.,
Bild 1: Das Außengelände wurde für Liveshows genutzt.,

Das Außengelände wurde für Liveshows genutzt.

Im Zentrum der Anlage, einem Amphitheater rund um den historischen Křižík-Brunnen, gab es den ganzen Tag über Vorträge, die mit Chemieexperimenten und Laserharfenmusik das Publikum begeisterten. Vorbei an den vielfältigen Imbissständen (es gab sogar mittelalterliches Essen) erschlossen sich von dort aus vier prall gefüllte Hallen voller Aussteller.

Bild 2: Das Messegelände der Maker Faire in Prag.,
Bild 2: Das Messegelände der Maker Faire in Prag.,

Das Messegelände der Maker Faire in Prag.

Unter den Ausstellern waren auch viele junge Menschen von Schulen und Hochschulen, die ihre Projekte präsentierten. Am Stand von „Studentsk HW hackathon“ konnte man zum Beispiel ein paar Lösungen für Astronauten entdecken, die während eines Hackathons innerhalb von 24 Stunden entstanden sind. Einer der Studierenden namens Jan erklärte mir, dass sein Entwurf eine lokale Ortung in einer Raumstation ermögliche. Dafür müsse man vier Sensormodule (im folgenden Bild rot) möglichst weit voneinander entfernt in der Station anbringen und ein fünftes an einem Astronauten befestigen. Mithilfe von WLAN und Time-of-Flight sei es dann möglich, die Position der Person zu bestimmen: Indem man die Dauer misst, die der Datenaustausch benötigt.

Bild 3: Damit weiß man immer, wo das Alien in der Raumstation ist.,
Bild 3: Damit weiß man immer, wo das Alien in der Raumstation ist.,

Damit weiß man immer, wo das Alien in der Raumstation ist.

Auch der chinesische Hersteller Lilygo war mit einem Stand vertreten und zeigte seine neuesten Produkte. Bereits auf der letzten Maker Faire Hannover hatte er den Prototyp einer Augmented-Reality-Brille dabei, die man vor Ort testen konnte.

Bild 4: Lilygos AR-Brille.,
Bild 4: Lilygos AR-Brille.,

Lilygos AR-Brille.

Diese wurde auch in Prag präsentiert. Mittlerweile in einer weiterentwickelten Version, sodass man die angezeigten Bilder diesmal viel besser fokussieren konnte. Einen Preis für das ESP32-basierte Gadget konnte ich den Lilygo-Vertretern leider nicht entlocken, aber das Produkt soll wohl in den nächsten zwei Monaten erhältlich sein.

Joey und Alex

Ich finde es großartig, wenn sich Projekte nicht ganz ernst nehmen und mit einem Augenzwinkern gestaltet sind. Besonders gefreut habe ich mich daher über einen Stand mit Fahrzeugen und Zelten im Mad-Max-Stil: improvisierte Endzeit-Fahrzeuge aus Schrott. Brutal, funktional und einschüchternd gebaut, bei deren Anblick jeder TÜV-Prüfer in Schockstarre verfallen würde. Zwischen all diesen Brachialitäten standen zwei passend gekleidete Herren, die eine Spielplatz-Federwippen-Ente als Arbeitsunterlage wie einen Amboss nutzen.

Bild 5: Gleich kommt der &quot;Road Warrior&quot; um die Ecke.,
Bild 5: Gleich kommt der &quot;Road Warrior&quot; um die Ecke.,

Gleich kommt der "Road Warrior" um die Ecke.

Was für ein schöner Kontrast! Ähnliche Gegensätzlichkeiten habe ich mehrfach beobachtet. Und das beschränkt sich nicht nur auf die Maker Faire selbst, auch Prag selber scheint so zu sein. Die Innenstadt setzt sich aus Gebäuden ganz unterschiedlicher Epochen und Baustile zusammen, die direkt nebeneinander stehen und sich doch gut ergänzen. Vielleicht färbt diese bunte Mischung eben auch auf die dortige Maker-Szene ab.

Bild 6: Die Skyline von Prag lädt zum Verweilen ein.,
Bild 6: Die Skyline von Prag lädt zum Verweilen ein.,

Die Skyline von Prag lädt zum Verweilen ein.

Bemerkenswert fand ich außerdem, dass man an den Ständen kaum Bambu-Lab-Drucker gesehen hat, dafür aber umso mehr 3D-Drucker aus dem Hause Prusa. Letzteres ist wenig verwunderlich, das Prusa-Firmengelände ist nur wenige hundert Meter von der Maker Faire Prag entfernt. Dass Bambu Lab in der tschechischen Maker-Szene so viel weniger stark vertreten zu sein scheint, war mir dagegen neu.

Bild 10: Maker-Zeitschriften lagen kostenlos zum Mitnehmen aus. Dank der App &quot;Google Übersetzer&quot; konnten wir sogar lesen, was drinsteht.,
Bild 10: Maker-Zeitschriften lagen kostenlos zum Mitnehmen aus. Dank der App &quot;Google Übersetzer&quot; konnten wir sogar lesen, was drinsteht.,

Maker-Zeitschriften lagen kostenlos zum Mitnehmen aus. Dank der App "Google Übersetzer" konnten wir sogar lesen, was drinsteht.

Was mich dann doch ein bisschen kalt erwischt hat, war die Sprachbarriere vor Ort. Diese stand mir stärker im Weg, als ich vermutet habe. Die allermeisten Stände sind mit tschechischen Schildern und Texthinweisen versehen. Und wenn man sich ein ausgestelltes Projekt nicht visuell erschließen kann, kommt man ums Fragen nicht herum. Das ist einerseits spannend, weil ich so in kurzer Zeit vergleichsweise viele Gespräche geführt habe, auf der anderen Seite ist das schnelle Erfassen entsprechend schwieriger. Für einen Besuch der Prager Maker Faire würde ich daher beim nächsten Mal beide Öffnungstage einplanen, um genügend Zeit für Gespräche zu haben. Und zwei weitere Tage, um die Stadt weiter erkunden zu können – es lohnt sich!

Alex

Wenn ich an Prag denke, habe ich zuerst Bilder von Altstadt, Kultur und Kunsthandwerk im Kopf. Vielleicht bin ich deshalb auch mit der Erwartung zur Maker Faire Prag gefahren, dort vor allem klassische DIY-Projekte und Handmade-Themen zu sehen. Das gab es auch. Aber den spürbaren Schwerpunkt auf moderner Hardware, Mikrocontrollern, Robotik und offenen Hardware-Plattformen gab es dennoch. Zwischen all den Devboards, Sensoren und Technologie-Demos entstand dabei ein Eindruck, der mich über die ganze Messe hinweg begleiten sollte: Da ist unglaublich viel Technologie und Experimentierfreude, aber auch ein gewisses Suchen.

Bild 7: Auf der Suche nach neuen Roboter-Ideen: Alex entdeckt den Stand von HP und Moravia auf der Maker Faire Prag.,
Bild 7: Auf der Suche nach neuen Roboter-Ideen: Alex entdeckt den Stand von HP und Moravia auf der Maker Faire Prag.,

Auf der Suche nach neuen Roboter-Ideen: Alex entdeckt den Stand von HP und Moravia auf der Maker Faire Prag.
Bild 11: Roboter dürfen auf einer Maker Faire natürlich nicht fehlen. ,
Bild 11: Roboter dürfen auf einer Maker Faire natürlich nicht fehlen. ,

Roboter dürfen auf einer Maker Faire natürlich nicht fehlen.

Besonders aufgefallen ist mir das in Gesprächen mit den Hardware-Entwicklern vor Ort. So zeigte mir M5Stack den neuen CardputerZero, eine kleine Hardware-Plattform voller Möglichkeiten und mit einigen eher beispielhaften Software-Demos. Irgendwann fiel dort der Satz: „Can’t wait to see what the community creates!“ Der Satz wirkte zunächst charmant und ehrlich. Je länger ich darüber nachdachte, desto interessanter wurde er aber. Viele der gezeigten Systeme wirkten weniger wie fertige Produkte, sondern mehr wie eine Einladung an Maker, Entwickler und Start-ups, daraus überhaupt erst Anwendungen und Ideen zu entwickeln.

Genau in dieses Bild passten auch andere Gespräche der Messe. STMicroelectronics sprach über seinen Start-up-Accelerator, bei dem junge Hardware-Teams mit Technik, Know-how und Entwicklungsunterstützung gefördert werden, während die eigentlichen Ideen und Anwendungen aus den Start-ups selbst kommen sollen. Bei HP und Moravia standen Bildungsansätze und Robotik-Nachwuchsprojekte im Mittelpunkt. Und schließlich trafen wir zufällig einen deutschen Studenten mit Entrepreneurship-Schwerpunkt, der zum ersten Mal eine Maker Faire besuchte. Er war begeistert von den vielen Ideen und Projekten, stellte aber gleichzeitig die vielleicht passendste Frage der ganzen Messe: Wie wird daraus eigentlich ein Produkt?

Im Gespräch wurde schnell klar, dass genau darin ein aktuelles Spannungsfeld der Maker-Szene liegt. Viele Unternehmen scheinen die technologische Plattform bereits fertig entwickelt zu haben, während die eigentliche Suche nach Anwendungen, Produktideen und echten Einsatzfeldern bewusst an Communitys, Start-ups oder Bildungseinrichtungen weitergereicht wird.

Daniel B.

Verglichen mit Deutschland hat Tschechien zwar rund 11 Prozent weniger Absolventen in MINT-Studiengängen, allerdings auch noch keine so klaffende Fachkräftelücke. Dennoch wächst der Bedarf im Nachbarland und so war die Maker Faire Prag aus meiner Sicht stark darauf ausgelegt, dem Nachwuchs Technik und DIY schmackhaft zu machen. Ein Großteil der Aussteller bot Workshops und Mitmach-Aktionen für die vielen Familien mit Kindern an. An vielen Ständen konnten Kinder löten, mit Elektronik experimentieren und Betonobjekte bauen. Daneben gab es erstaunlich viele Anbieter von Experimentierkits rund um Robotik, Modellbau, Elektronik, Mikrocontroller.

Bild 8: Ein großer Bereich drehte sich in einer Halle um Kampfroboter und deren Reparatur nach einem Scharmützel.,
Bild 8: Ein großer Bereich drehte sich in einer Halle um Kampfroboter und deren Reparatur nach einem Scharmützel.,

Ein großer Bereich drehte sich in einer Halle um Kampfroboter und deren Reparatur nach einem Scharmützel.
Bild 9: In vielen praktischen Workshops konnten Kinder erste DIY-Erfahrungen sammeln.,
Bild 9: In vielen praktischen Workshops konnten Kinder erste DIY-Erfahrungen sammeln.,

In vielen praktischen Workshops konnten Kinder erste DIY-Erfahrungen sammeln.

Überrascht war ich von einem Stand einiger Retro-Computing-Enthusiasten, die ihre vergilbte Hardware aufgebaut hatten und Kinder Doom und Quake darauf spielen ließen, die meisten geschätzt unter 12, ohne dass irgendein Erwachsener missfallend die Augenbraue hob. In Tschechien ist man in dieser Hinsicht offenbar etwas kulanter. Dennoch erinnerte mich die Maker Faire Prag sehr stark an die Maker Faire Hannover, obwohl in Prag kaum private Maker als Aussteller zu sehen waren, die einfach nur ihr Projekt vorstellten. Was im Vergleich zu deutschen Maker Faires völlig fehlte, waren flanierende Cosplayer und Steampunker. Eine Ausnahme bot das Außenbereichs-Highlight: ein Mad-Max-Ensemble mit Trucks und Feuerschauspiel à la Thunderdome.

Die Präsenz von Espressif und STMicroelectronics in Prag zeigte, dass die tschechische Maker-Community eine gewisse Relevanz unter wichtigen Chip-Produzenten hat. Apropos Maker: Der Dresscode war unter Besuchern und Ausstellern ähnlich wie in Deutschland einheitlich: (bedrucktes) T-Shirt oder Hoodie und Jeans. Ich habe mich jedenfalls sehr wohlgefühlt.

Maker Faire im DACH-Raum

Das klingt doch alles sehr gut! Neue Eindrücke sind ja das Lebenselixier der Maker, das man sich nur von einer Maker Faire abholen kann. Wer in Prag nicht dabei sein konnte oder das als zu weit weg empfand, entdeckt bestimmt im deutschsprachigen Raum noch eine Messe, auf der er sich in das inspirierende Getümmel stürzen kann.

  • 20. – 21. Juni 2026: Maker Faire Solothurn
  • 26. Juni 2026: Maker Faire Wuppertal
  • 15. – 16. August 2026: Maker Faire Hannover
  • 7. – 8. November 2026: Maker Faire Mittleres Rheinland

Für die Messen Solothurn, Wuppertal, Hannover und Rheinland ist nach wie vor der Call for Makers offen. Wer also sein cooles Projekt vorstellen will oder als Bildungseinrichtung die MINT-Trommel rühren möchte, sollte sich das nicht entgehen lassen.


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  2. https://www.heise.de/ratgeber/Bastelprojekt-Genaue-Bewegungsablaeufe-fuer-Roboter-programmieren-10624897.html
  3. https://www.heise.de/hintergrund/Rueckblick-Maker-Faire-Hannover-2025-ein-Festival-der-Kreativitaet-10636239.html
  4. https://www.heise.de/ratgeber/Roboterwettbewerbe-im-Ueberblick-Regeln-Technik-und-Aufbau-fuer-Einsteiger-10494303.html
  5. https://www.heise.de/ratgeber/Bastelprojekt-Wie-man-Fischertechnik-mit-der-Oxocard-steuert-10314276.html
  6. https://www.heise.de/tests/Igus-ReBeL-Cobot-im-Test-Roboterarm-fuer-kleines-Geld-9768047.html
  7. https://www.heise.de/ratgeber/Pybricks-Lego-Roboter-mit-Python-steuern-9050077.html
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  • 03. Juni 2026 um 07:00

Firefox 151: Endlich Web-Serial für den beliebten Browser

Von Heise
Firefox Maskottchen jagt einen Bitstream.

(Bild: heise medien / KI)

Der freie und offene Webbrowser Firefox ist eine letzte Bastion gegen Chromium-Varianten. Nun gibt es endlich auch die Web-Serial-API für den Fuchs.

Mozilla hat Firefox 151 um die Web-Serial-API für Desktop-Browser erweitert. Die über JavaScript nutzbare Schnittstelle erlaubt Webanwendungen den direkten Zugriff auf serielle Geräte, die per USB oder Bluetooth mit dem Rechner verbunden sind. Entwickler können damit Mikrocontroller programmieren, Firmware aktualisieren oder Messdaten auslesen, ohne native Anwendungen oder Browser-Erweiterungen installieren zu müssen. Die Funktion war bislang Chromium-basierten Browsern wie Chrome oder Edge vorbehalten.

Der Schritt ist wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint. Viele moderne Hardware-Werkzeuge setzen inzwischen auf browserbasierte Oberflächen. Mussten Nutzer dafür bislang oft zwangsläufig zu einem Chromium-Browser greifen, wächst mit Firefox 151 [2] nun die Freiheit bei der Browserwahl. Mozilla hat die Implementierung nach eigenen Angaben gemeinsam mit Adafruit getestet [3] und validiert, dessen Open-Source-Hardwareplattformen in der Maker-Szene weitverbreitet sind.

Praxis

Die neue Schnittstelle dürfte zudem nicht nur für Maker und Hardwareentwickler interessant sein. Immer mehr Geräte verlagern Einrichtung, Diagnose und Firmwarepflege in den Browser. Von Messgeräten über Laborhardware bis hin zu Reparatur- und Servicewerkzeugen können künftig auch Endanwender profitieren, wenn Hersteller auf offene Webstandards statt auf proprietäre Desktop-Programme setzen.

Firefox 151 fordert vor dem Zugriff auf serielle Geräte ausdrücklich die Zustimmung des Nutzers an.

Dass das bereits funktioniert, zeigte ein kurzer Praxistest mit dem iFixit FixHub [4]. Nach Freigabe des seriellen Zugriffs über den neuen Firefox-Dialog erkannte die browserbasierte Web-Konsole die angeschlossene Power Station sofort.

Nach der Freigabe erscheint die angeschlossene FixHub Power Station im Geräteauswahldialog des Browsers.

Eine veraltete Firmware wurde automatisch erkannt und ließ sich direkt aus der Webanwendung aktualisieren.

Die Webanwendung erkennt direkt die veralteten Firmware-Versionen und spielt Updates direkt über die serielle Verbindung ein.

Anschließend konnte auch der angeschlossene Lötkolben vollständig über Firefox bedient werden. Temperaturanzeige, Sollwertvorgabe und Gerätestatus wurden ohne zusätzliche Software direkt im Browser dargestellt. Damit ist es möglich, den Lötkolben ohne die Station an beliebigen USB-C, Hochstrom-Powerbanks zu nutzen.

Temperaturregelung und Statusanzeige des iFixit-Lötkolbens laufen komplett in einer Browseranwendung auf Basis der Web-Serial-API.

Ich werde nun wieder mehr Firefox benutzen, nachdem diese für mich wichtige Funktion endlich verfügbar ist.

Siehe auch:


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  1. https://www.heise.de/make
  2. https://www.firefox.com/de/
  3. https://blog.mozilla.org/en/firefox/firefox-web-serial-adafruit/
  4. https://de.ifixit.com/fixhub-de
  5. https://www.heise.de/download/product/firefox-19416?wt_mc=intern.red.download.tickermeldung.ho.link.link
  6. mailto:caw@make-magazin.de

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  • 02. Juni 2026 um 11:37
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