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Kulturstaatsminister darf Berliner Buchhandlung nicht als „politische Extremisten“ bezeichnen. Erstmals landete der Streit darüber vor dem Verwaltungsgericht.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer untersagt, die Betreiber der Buchhandlung "Zur schwankenden Weltkugel" als "politische Extremisten" zu bezeichnen.
Weimer hatte den Begriff in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit [1] im März 2026 verwendet, um den Ausschluss dreier Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis zu rechtfertigen.
Wie FragDenStaat jetzt berichtet [2], fehlt für diese Bezeichnung nach Ansicht des Gerichts jegliche Grundlage.
Die Äußerung sei "ein Werturteil, für das ein sachgerecht und vertretbar gewürdigter Tatsachenkern fehlt und welches den sachlich gebotenen Rahmen überschreitet", heißt es in dem Beschluss des Verwaltungsgerichts (Az. VG 6 L 229/26) [3].
Auch "trotz ausdrücklicher gerichtlicher Nachfrage" konnte Weimer demnach nicht darlegen, auf welche konkreten Erkenntnisse er seinen Vorwurf stützt.
Das Gericht stellte fest, dass allein aus der pauschalen Mitteilung des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), es lägen "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" vor, nicht die Schlussfolgerung gezogen werden könne, bei den Buchhändlerinnen handele es sich um Extremisten.
Hintergrund des Falls ist das sogenannte Haber-Verfahren – ein im Grundsatz seit 2004 praktiziertes Verfahren, das 2017 deutlich ausgeweitet wurde, mit dem Bundesministerien beim Verfassungsschutz anfragen können, ob zu Förderempfängern "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" vorliegen.
Das BfV bejaht oder verneint dies, teilt aber keine Details mit. Eine gesetzliche Grundlage gibt es nicht. Das Verfahren basiert in seiner aktuellen Form lediglich auf einem internen Rundschreiben der damaligen BMI-Staatssekretärin Emily Haber.
Weimer hatte am 16. Januar 2026 beim BfV wegen "Hinweisen auf einen möglicherweise linksextremistischen Hintergrund" der Buchhandlung angefragt.
Zu diesem Zeitpunkt hatte eine unabhängige Jury bereits 118 Buchhandlungen für den Preis ausgewählt – darunter die "Schwankende Weltkugel" sowie "The Golden Shop" aus Bremen und "Rote Straße" aus Göttingen. Beide letztgenannten sollten je 15.000 Euro Sonderpreis [4] erhalten.
Weimer strich alle drei von der Liste. Die Jury erfuhr davon nichts.
Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts reicht über den Einzelfall hinaus. Sie bestätigt die seit Jahren geäußerte Kritik am Haber-Verfahren.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte hatte das Vorgehen – in der praktizierten Form – bereits 2019 als datenschutzrechtlich nicht zulässig [5] eingestuft.
Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags kam 2020 [6] zu dem Schluss, die Datenweitergabe sei unverhältnismäßig und rechtswidrig.
Die Zahlen zeigen eine deutliche Ausweitung: Von 2020 bis Ende 2024 ließ die Bundesregierung 1.200 zivilgesellschaftliche Organisationen und 1.300 natürliche Personen durch das BfV überprüfen. Seit 2017 gab es laut Berechnungen der Süddeutschen Zeitung [7] rund 3.600 Abfragen durch Bundesministerien.
Besonders aktiv: CSU-Innenminister Alexander Dobrindt, dessen Ministerium 2025 den Großteil der Anfragen stellte. Eine aktuelle Handreichung Dobrindts an die anderen Ressorts hält das BMI unter Verschluss. FragDenStaat bereitet dagegen [8] eine Klage vor.
Die betroffenen Buchhandlungen gehen mittlerweile auf mehreren Wegen juristisch gegen die Praxis vor. Vor dem Berliner Verwaltungsgericht klagen sie auf Auszahlung des Preisgelds und Feststellung der Rechtswidrigkeit der BfV-Anfrage.
Vor dem Kölner Verwaltungsgericht soll zudem geklärt werden, ob die Datenweitergabe das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt, heißt es bei FragDenStaat.
Wie der Verfassungsblog in einer juristischen Analyse [9] darlegt, dürfte die Übermittlung mangels Ermächtigungsgrundlage rechtswidrig sein – das Bundesverfassungsgericht legt strenge Maßstäbe an die Weitergabe personenbezogener Informationen durch Verfassungsschutzämter an.
Sollten die Bundesbehörden in den Hauptverfahren unterliegen, könnte dadurch das gesamte Haber-Verfahren in seiner bisherigen Form gestoppt werden.
Betroffene, die eine Überprüfung vermuten, können über Muster-Anträge von FragDenStaat [10] Auskunft bei den jeweiligen Behörden verlangen.
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Der Kulturtheoretiker Bazon Brock provoziert mit einer radikalen These: Trump entlarve Macht, Lüge und Privatinteressen ehrlicher als liberale Demokratien.
Was könnten die Demokratien des Westens vom US-Präsidenten Donald Trump lernen? Nach Ansicht des in Berlin lebenden Kulturtheoretikers und "Künstlers ohne Werk" Bazon Brock eine ganze Menge:
"Anstatt zu sagen: 'Trump ist ein Vollidiot' – das ist er ja, aber was nützt uns das? – sollten wir uns klarmachen: Aha, der Mann erzählt uns etwas über uns selbst", so Brock in Frankfurt am Main, im Rahmen der Konferenz "Zukunft deutscher Film [1]".
Trump fordere die Länder der Welt heraus, zwinge sie, sich zu orientieren.
"Jemand der einem nicht passt, den erklärt man als elitär."
Bazon Brock, Lichter-Interview [2]
Brock, ein ehemaliger Beuys-Gefährte, über Trump: Der US-Präsident handle als Kaufmann und belüge sein Publikum, seine Wähler nicht, im Gegenteil sage er von vornherein:
"Alles, was ich Euch sage, ist unwahr, ist gelogen. Alles was ich tue, ist absichtsvoll in meinem privaten Kaufmannsinteresse."
Die unbestreitbare Tatsache, dass der US-Präsident erratisch und widersprüchlich ("mal hier, mal das. Heute so, morgen das Gegenteil") handle, sei Kalkül und verbreite die klare Botschaft Trumps:
"Was könnt ihr von mir erwarten? Gar nichts. Was habt ihr dagegen einzuwenden? ihr seid doch die Dummköpfe! Ihr wisst damit nichts anzufangen – ich belüge euch freimütig nicht, sondern sage euch eine Wahrheit, die ihr nicht ertragen könnt.
Ich sage euch: Was wir euch schulden, ist zu sagen: Was wir tun, ist Machtgebaren, was wir sagen, ist Lüge. Was wir wollen, ist die größtmögliche Durchsetzung unserer Privatinteressen. Reagiert doch mal darauf! Ihr selber seid herausgefordert durch die Konfrontation mit der Realität."
Kein Rassenkampf, kein Klassenkampf, so Brock, bestimme die Weltgeschichte, sondern ausschließlich "die Auseinandersetzung zwischen legalisierter und nicht legaler Kriminalität".
"Trump ist gegenwärtig der größte Aufklärer unter den öffentlich wirksamen Figuren" – seine Aufklärung bestehe darin, die ideologische Prägung und das interessegeleitete Handeln offenzulegen.
Wer die Macht habe, brauche keine Konzeption. "Ihr seid die Dummköpfe, nicht Trump!", rief Brock ins Publikum, "Ihr seid dabei, die Katastrophe der fehlgeschlagenen Weltorientierung zu beglaubigen."
Offenbar muss man sich Donald Trump als Künstler vorstellen.
Seit langem formuliert der Kunst-Vordenker eine grundsätzliche kulturkritische Diagnose: Kultur, ein Beziehungsgeflecht zwischen Menschen, das Verbindlichkeit in deren Beziehunge bringe, tendiere dazu, Kunst und Wissenschaft dominieren zu wollen – etwa durch Gesetze.
Aber "wenn alles Kultur ist, ist nichts mehr Kunst", sagt Brock:
"Scheitern heißt eigentlich Durchsetzung des eigenen Wissens [3]. Insofern ist alle Kunst an Scheitern gebunden."
Kunst werde zunehmend durch einen allgemeinen Kulturbegriff ersetzt. In diesem neuen "Kulturalismus" gehen aber Eigensinn und die eigentliche gesellschaftliche Funktion der Kunst verloren.
Die Idee von Kunst als Kritik und Herausforderung schlägt um in Konformismus, Lifestyle und Wellness. Damit verschwindet die Möglichkeit, das Leben durch Kunst zu kritisieren und ein besseres Leben zu denken.
Es könnte sein, dass uns nun ausgerechnet Donald Trump zwingt, genau das zu tun.
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Für Debian 14 müssen Pakete reproduzierbar sein, um nach „testing“ zu gelangen. Das Release Team hat die Regeln verschärft.
Debian verschärft für die kommende Version 14 („Forky“) seine Qualitätsanforderungen deutlich: Pakete dürfen nur noch dann nach „testing“ wandern, wenn sie sich reproduzierbar bauen lassen. Das hat das Debian-Release-Team angekündigt. Die entsprechende Migrationslogik ist bereits aktiv. Sie betrifft sowohl neue Pakete, die sich nicht reproduzieren lassen, als auch bestehende Pakete, deren Reproduzierbarkeit sich verschlechtert hat.
Reproduzierbare Pakete [1] („reproducible builds“) erzeugen aus identischem Quellcode und in gleicher Build-Umgebung bit-identische Binärpakete. Damit werden Build-Prozesse nachvollziehbar und manipulationssicher. Unterschiede zwischen zwei Builds lassen sich so eindeutig auf echte Änderungen oder mögliche Manipulationen zurückführen.
Nicht reproduzierbare Builds entstehen oft durch banale Faktoren: Zeitstempel, zufällige Build-IDs oder eine nichtdeterministische Reihenfolge von Dateien. Zwei Builds desselben Quellcodes können dadurch unterschiedliche Binärdateien erzeugen, obwohl sich funktional nichts geändert hat. Reproducible Builds eliminieren solche Unterschiede systematisch, etwa durch normierte Zeitstempel oder ein deterministisches Packaging.
Debian arbeitet bereits seit Jahren mit dem Reproducible-Builds-Projekt an entsprechenden Mechanismen. Neu ist, dass Reproduzierbarkeit nicht mehr nur als Qualitätsziel gilt, sondern direkt über die Paketmigration nach „testing“ entscheidet. Damit macht die Distribution reproduzierbare Builds faktisch zur Voraussetzung für den regulären Release-Prozess. Den aktuellen Reproduzierbarkeitsstatus aller Pakete listet reproduce.debian.net [2] auf.
Parallel baut Debian seine automatisierten Tests aus. Laut Release Team prüft die CI-Infrastruktur inzwischen auch sogenannte binNMUs automatisch mit autopkgtests. Dabei handelt es sich um reine Neuübersetzungen von Binärpaketen ohne Änderungen am Quellcode, etwa nach ABI-Übergängen oder neuen Bibliotheksversionen. Bislang lag der Fokus der Tests vor allem auf klassischen Source-Uploads.
Die neue Architektur loong64 sorgt derzeit vor allem für längere Warteschlangen in Debians Build- und Testinfrastruktur. Weil viele Pakete auf allen Architekturen neu gebaut werden mussten und Debian nun auch binNMUs per autopkgtest prüft, dauert die Migration nach „testing“ derzeit länger.
Zugleich erinnert Debian die Maintainer daran [3], dass sie selbst für die erfolgreiche Migration ihrer Pakete nach „testing“ verantwortlich bleiben. Blockieren fehlgeschlagene autopkgtests in Reverse-Dependencies die Migration, sollen die Maintainer entsprechende Release-Critical-Bugs melden.
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Angreifer können IBM App Connect Enterprise und IBM Integration Bus for z/OS attackieren. Updates lösen das Sicherheitsproblem.
Die Integrationssoftware für unter anderem Geschäftsinformationen IBM App Connect Enterprise und IBM Integration Bus for z/OS sind über eine Softwareschwachstelle angreifbar [1]. Schadcode kann Systeme kompromittieren.
Davor warnen die Entwickler in einem Beitrag [2]. Im Zuge einer Directory-Traversal-Attacke (CVE-2026-67030 „hoch“) können Angreifer auf eigentlich abgeschottete Daten und Verzeichnisse zugreifen, um Schadcode abzuladen und auszuführen. Bislang gibt es keine Berichte, dass Angreifer die Sicherheitslücke schon ausnutzen.
Die Entwickler geben an, dass davon die folgenden Versionen bedroht sind: IBM App Connect Enterprise 12.0.1.0 bis 12.0.12.24 und 13.0.1.0 bis 13.0.7.0 und IBM Integration Bus for z/OS 0.1.0.0 bis 10.1.0.6. Die Lücken seien in den folgenden Ausgaben geschlossen:
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Angreifer können cPanel und WebHost Manager unter anderem mit Schadcode attackieren. Sicherheitspatches sind verfügbar.
Die Webserver- und Verwaltungssoftware cPanel und WebHost Manager (WHM) sind abermals verwundbar. Im schlimmsten Fall kann Schadcode auf Systeme gelangen und diese kompromittieren. Admins sollten die dagegen abgesicherten Ausgaben zeitnah installieren.
Erst kürzlich warnten die Entwickler vor einer „kritischen“ Sicherheitslücke (CVE-2026-41940) [1], über die Angreifer ohne Anmeldung auf das Controlpanel zugreifen können. Diese Lücke nutzen Angreifer bereits aus, und in Deutschland wurden schon mehr als 4000 Instanzen attackiert [2].
Die drei neuen Sicherheitslücken (CVE-2026-29202 „hoch“, CVE-2026-292203 „hoch“, CVE-2026-29201 „mittel“) sind im Sicherheitsbereich der cPanel-Website ausgelistet [3]. Im ersten Fall werden Nutzereingaben im Kontext des create_user-Plug-ins nicht ausreichend überprüft, sodass Angreifer im Namen eines bereits authentifizierten Nutzers Schadcode auf Systeme schieben und ausführen können.
Durch die zweite Lücke können Angreifer aufgrund einer unsicheren Verarbeitung von Symlinks DoS-Zustände und somit Abstürze auslösen oder sicher höhere Nutzerrechte verschaffen. Im dritten Fall sind unbefugte Dateizugriffe vorstellbar. Wie diese Attacken konkret ablaufen könnten, ist bislang unklar.
Für die neuen Schwachstellen hat der Softwareentwickler bislang keine Warnung vor bereits laufenden Attacken ausgesprochen. Admins sollten aber nicht zu lange warten und die zum Download stehenden Sicherheitsupdates installieren. Diese Versionen von cPanel, WHM und WP Squared sind gegen die geschilderten Attacken abgesichert:
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Die Buchstaben AI umfliegen Haken und Warndreiecke.
(Bild: tadamichi/Shutterstock.com)
Die aktuelle Umfrage der Standard C++ Foundation zeigt, dass KI-Tools immer beliebter werden. Viele Entwickler misstrauen aber der Qualität der Ergebnisse.
C++-Programmiererinnen und -Programmierer setzen immer häufiger KI-Assistenten für ihre Projekte ein. Das hat die Standard C++ Foundation in ihrer jüngsten Umfrage festgestellt. Deutlich wurde aber auch: Das Misstrauen gegenüber künstlicher Intelligenz ist immer noch hoch.
Als Grund dafür geben 77,5 Prozent der Befragten an, dass KI fehlerhaften Output liefert, während knapp 70 Prozent den von künstlicher Intelligenz generierten Antworten generell kein Vertrauen entgegenbringen. Für rund 51 Prozent der Teilnehmenden leistet KI hinsichtlich Kontextverständnis zu wenig. Bedenken bezüglich Datensicherheit melden 49,5 Prozent an und für 37,4 Prozent ist der Einsatz von KI vor allem eine Kostenfrage.
Dennoch werden KI-Assistenten im C++-Umfeld deutlich häufiger eingesetzt als letztes Jahr [1], auch wenn in sämtlichen von der Umfrage berücksichtigten Programmier-Aufgabenbereichen weiterhin die „Nein“-Sager dominieren.
(Bild: Standard C++ Foundation)
Beim Schreiben von Code greifen nun jedoch 39,1 Prozent der Befragten ein- bis mehrmals pro Woche zum KI-Tool, während es 2025 noch 30,9 Prozent waren. Beim Schreiben von Tests sind es 32,2 statt vormals 20 Prozent, beim Debugging steigt der Anteil auf 23,2 Prozent (2025: 11,5 %) und beim Ermitteln von Performance-Problemen hat sich der Anteil mit etwa 14 Prozent ebenfalls mehr als verdoppelt (2025: 6,0 %).
Mit 53,4 Prozent der Nennungen landet GitHub Copilot auf Platz eins der am häufigsten verwendeten codespezifischen KI-Assistenten. Es folgen Claude Code mit 44,2 Prozent und OpenAI Codex mit 14,3 Prozent. Unter den nicht-codespezifischen KI-Tools führen ChatGPT mit 53,4 Prozent und Google Gemini mit 39 Prozent. Kaum genutzt werden dort Grok (6,3 %) und Perplexity (4,2 %).
Laut Umfrage ordnen sich die meisten C++-Projekte den Kategorien Entwicklertools (26,1 %), Hardware/IoT (24,7 %), Gaming (23,5 %) sowie Utility-Apps (21,6 %) zu. Umgesetzt werden sie überwiegend mit CMake, das 81,9 Prozent der Befragten als bevorzugtes Build-Tool nennen. Ebenfalls hoch im Kurs stehen Ninja mit 46,2 Prozent, MSBuild mit 33,5 Prozent und Make/nmake mit 30,7 Prozent.
Bei den IDEs greifen rund 40 Prozent der Befragten zu Visual Studio Code, das mit dem Februar-Update neue Features für die KI-Agenten-Konfiguration [2] erhielt. Als Compiler kommt überwiegend GCC zum Einsatz (53,1 %).
Danach gefragt, was sie an C++ ändern würden, nennen viele Teilnehmer unter anderem ein standardisiertes Paket- und Abhängigkeitsmanagement, kürzere Build-Zeiten, die Unterstützung von ABI- und Kompatibilitätsbrüchen sowie mehr Sicherheit durch strengere Defaults.
Die Umfrage der Standard C++ Foundation startete am 21. April dieses Jahres [3]. Sie lief eine Woche lang und sammelte Feedback von 1434 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, was einem Anstieg von 38 Prozent gegenüber 2025 entspricht (1036 Personen). Davon attestieren sich 80,6 Prozent eine C++-Programmiererfahrung von mindestens sechs Jahren. Mehr als zehn Jahre Erfahrung geben 60,5 Prozent an und bei fast 33 Prozent der Teilnehmer sind es mehr als 20 Jahre. Auf der Webseite der gemeinnützigen Stiftung steht die vollständige Umfrage mit vielen weiteren Details zum Download [4] bereit.
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Für Debian 14 müssen Pakete reproduzierbar sein, um nach „testing“ zu gelangen. Das Release Team hat die Regeln verschärft.
Debian verschärft für die kommende Version 14 („Forky“) seine Qualitätsanforderungen deutlich: Pakete dürfen nur noch dann nach „testing“ wandern, wenn sie sich reproduzierbar bauen lassen. Das hat das Debian-Release-Team angekündigt. Die entsprechende Migrationslogik ist bereits aktiv. Sie betrifft sowohl neue Pakete, die sich nicht reproduzieren lassen, als auch bestehende Pakete, deren Reproduzierbarkeit sich verschlechtert hat.
Reproduzierbare Pakete [1] („reproducible builds“) erzeugen aus identischem Quellcode und in gleicher Build-Umgebung bit-identische Binärpakete. Damit werden Build-Prozesse nachvollziehbar und manipulationssicher. Unterschiede zwischen zwei Builds lassen sich so eindeutig auf echte Änderungen oder mögliche Manipulationen zurückführen.
Nicht reproduzierbare Builds entstehen oft durch banale Faktoren: Zeitstempel, zufällige Build-IDs oder eine nichtdeterministische Reihenfolge von Dateien. Zwei Builds desselben Quellcodes können dadurch unterschiedliche Binärdateien erzeugen, obwohl sich funktional nichts geändert hat. Reproducible Builds eliminieren solche Unterschiede systematisch, etwa durch normierte Zeitstempel oder ein deterministisches Packaging.
Debian arbeitet bereits seit Jahren mit dem Reproducible-Builds-Projekt an entsprechenden Mechanismen. Neu ist, dass Reproduzierbarkeit nicht mehr nur als Qualitätsziel gilt, sondern direkt über die Paketmigration nach „testing“ entscheidet. Damit macht die Distribution reproduzierbare Builds faktisch zur Voraussetzung für den regulären Release-Prozess. Den aktuellen Reproduzierbarkeitsstatus aller Pakete listet reproduce.debian.net [2] auf.
Parallel baut Debian seine automatisierten Tests aus. Laut Release Team prüft die CI-Infrastruktur inzwischen auch sogenannte binNMUs automatisch mit autopkgtests. Dabei handelt es sich um reine Neuübersetzungen von Binärpaketen ohne Änderungen am Quellcode, etwa nach ABI-Übergängen oder neuen Bibliotheksversionen. Bislang lag der Fokus der Tests vor allem auf klassischen Source-Uploads.
Die neue Architektur loong64 sorgt derzeit vor allem für längere Warteschlangen in Debians Build- und Testinfrastruktur. Weil viele Pakete auf allen Architekturen neu gebaut werden mussten und Debian nun auch binNMUs per autopkgtest prüft, dauert die Migration nach „testing“ derzeit länger.
Zugleich erinnert Debian die Maintainer daran [3], dass sie selbst für die erfolgreiche Migration ihrer Pakete nach „testing“ verantwortlich bleiben. Blockieren fehlgeschlagene autopkgtests in Reverse-Dependencies die Migration, sollen die Maintainer entsprechende Release-Critical-Bugs melden.
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Riesige Rechenzentren mit enormer KI-Leistung entstehen gefühlt überall. Im Interview mit c’t erklärt AMDs Dr. Zacharia, wie deren Effizienz besser werden kann.
Künstliche Intelligenz in industriellem Maßstab erfordert enorme Rechenleistung und Speichermengen, die nur spezialisierte Rechenzentren bereitstellen können. Trotz der exorbitanten Kosten werden solche Rechenzentren aber zu Dutzenden, wenn nicht Hunderten, aus dem Boden gestampft. Das löst bei vielen Besorgnis aus – nicht nur wegen der Dominanz der US-Konzerne. Auch ökologische Fragen spielen eine große Rolle, denn ein Ende des KI-Booms ist kaum abzusehen und mit der großen Anzahl der Rechenzentren steigt deren globale ökologische Relevanz.
Um die Effizienz von KI-Rechenzentren zu steigern, müssten KI-Beschleuniger, Speicher- und Netzwerktechnik, Kühlung und Servergehäuse gemeinsam entwickelt und optimal aufeinander abgestimmt werden. Zu den Besonderheiten von KI-Rechenzentren sowie deren Anforderungen an Infrastruktur und Energie haben wir mit Dr. Thomas Zacharia [1] [1] geredet: Er ist seit März 2024 Senior Vice President für Strategische Technische Partnerschaften und Public Policy bei AMD und verantwortet weltweit Partnerschaften mit Regierungen, Forschungseinrichtungen und der Industrie zur Förderung von KI und Hochleistungsrechnen. Davor war er Direktor des Oak Ridge National Laboratory (ORNL) und leitete vier Systeme, die den jeweils ersten Platz auf der TOP500-Supercomputer-Liste belegten. Zudem ist er Vorstandsvorsitzender der Federal Reserve Bank in Nashville.
Diesen Artikel, speziell die Antworten, können Sie auch im englischen Original [2] [2] lesen.
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Auf der Prognoseplattform Polymarket erzielt nur eine sehr kleine Gruppe von Nutzern nennenswerte Gewinne. Laut einer Analyse der Finanzforscher Pat Akey, Vincent Grégoire, Nicolas Harvie und Charles Martineau streichen lediglich 0,05 Prozent der Teilnehmer den Großteil der Gesamterlöse ein. Seit dem Start im Jahr 2022 habe die Mehrheit der Anwender Verlust verzeichnet, berichtet die Washington Post.
Die Daten, die den Zeitraum von November 2022 bis zum 29. März 2026 abdecken, verdeutlichen eine starke Konzentration der Gewinne. Rund 1.200 Personen teilen mehr als die Hälfte der Profite unter sich auf. Dies entspricht einer Summe von 591 Millionen US-Dollar, was pro Person mehr als 100.000 US-Dollar bedeutet. Bei diesen Akteuren handelt es sich oft um professionelle Händler, die Tausende von Transaktionen durchführen.
Viele dieser Handelsvorgänge sind vermutlich automatisiert. Ein Beispiel zeigt einen Nutzer, der seit Januar durch über eine Million Trades zu den Oscars einen Gewinn von 3 Millionen US-Dollar erzielte. Diese Hochfrequenzhändler agieren teilweise als Market Maker und stellen Liquidität bereit.
Für Gelegenheitsnutzer ist die Wahrscheinlichkeit eines finanziellen Erfolgs dagegen gering. Die Verlustraten ähneln denen von Online-Sportwetten bei traditionellen Buchmachern. Während die Gewinnchancen in den Bereichen Wetter und Technologie laut der Analyse leicht höher ausfallen, liegen sie bei Sportwetten auf Polymarket niedriger.
Preise auf der Plattform entstehen durch Angebot und Nachfrage, wodurch sich Polymarket konzeptionell vom Glücksspiel unterscheidet. Nutzer kaufen Anteile an einem Ereignis, deren Wert auf einen US-Dollar steigt, wenn das Ereignis eintritt. Tritt es nicht ein, verfällt der Wert auf null. Da professionelle Akteure oft über spezifisches Expertenwissen oder tiefgehende Rechercheergebnisse verfügen, konkurrieren Privatnutzer direkt mit spezialisierten Profis. Polymarket selbst nahm zu der Analyse und dem Vergleich mit Glücksspielanbietern keine Stellung.
Künstliche Intelligenz zur Protokollierung von Besprechungen verbreitet sich in Unternehmen zunehmend. Was als Effizienzsteigerung gedacht ist, entwickelt sich laut US-Juristen zu einem erheblichen rechtlichen Risiko. Jeffrey Gifford, Anwalt bei der Kanzlei Dykema, berichtet der NY Times, dass er regelmäßig KI-Transkriptionstools aus virtuellen Meetings entfernt. Diese Tools werden von Führungskräften und Vorständen genutzt, um Gespräche automatisch zu transkribieren und zusammenzufassen.
Ein zentrales Problem ist der mögliche Verlust des Attorney-Client Privilege. In den USA schützt dieses Privileg die vertrauliche Kommunikation zwischen Anwalt und Mandant vor einer Offenlegung in Gerichtsprozessen. Wenn jedoch ein externer KI-Bot an einem Meeting teilnimmt, könnte dies als Preisgabe von Informationen an einen Dritten gewertet werden. Damit wäre der Schutzstatus hinfällig.
Die New York City Bar Association veröffentlichte dazu bereits eine formale Stellungnahme. Darin werden Anwälte aufgefordert, die Nachteile solcher Aufzeichnungen genau abzuwägen. Ein US-Bezirksgericht in New York entschied im Februar 2026, dass Transkripte der App Claude nicht geschützt sind, da die Datenschutzbestimmungen eine Weitergabe an Behörden explizit zulassen. Ein Gericht in Detroit urteilte dagegen in einem anderen Fall, dass ChatGPT-Verläufe nicht zwingend offengelegt werden müssen.
Neben den rechtlichen Grundsatzfragen bereitet die Genauigkeit der Transkripte Sorgen. Ein falsch verstandener Satz – etwa die Verwechslung von relevant und irrelevant – kann später in einem Prozess schwerwiegende Folgen haben. Zudem fehlt den Bots die Diskretion. Während menschliche Protokollführer irrelevante Witze oder informelle Bemerkungen auslassen, erfassen KI-Systeme jedes Wort.
Anwalt Doug Raymond von Faegre Drinker Biddle & Reath betont, dass Vorstandsprotokolle im Gerichtssaal eine bestimmte Gewichtung widerspiegeln müssen. Unbedachte Äußerungen über Marktdominanz könnten beispielsweise in Kartellrechtsverfahren gegen Unternehmen verwendet werden. Laut Raymond schränken viele börsennotierte Unternehmen die Nutzung aufgrund dieser Risiken bereits wieder ein.
Auch in Deutschland ist der KI-Einsatz in Anwaltskanzleien streng reglementiert. Die anwaltliche Schweigepflicht nach § 43a Abs. 2 BRAO ist strafrechtlich durch § 203 StGB abgesichert und gilt technologieneutral – also auch beim Einsatz von KI-Tools. Werden vertrauliche Mandantendaten an einen externen KI-Anbieter übermittelt, etwa durch einen cloudbasierten Notizhelfer in einem Meeting, kann dies als unzulässige Offenbarung gegenüber einem Dritten gewertet werden.
Zulässig ist die Einbindung externer Dienstleister nur unter den engen Voraussetzungen des § 43e BRAO. Wer als Anwalt KI-generierten Output ungeprüft, übernimmt oder Mandantendaten leichtfertig weitergibt, riskiert zudem den Wegfall des Versicherungsschutzes: Viele Berufshaftpflichtpolicen schließen Schäden aus wissentlichen Pflichtverletzungen ausdrücklich aus.
Ab dem 2. August 2026 gelten zudem die Transparenzpflichten nach Art. 50 der EU-KI-Verordnung. Sie verpflichten unter anderem dazu, Nutzer darüber zu informieren, dass sie mit einem KI-System interagieren, und KI-generierte Inhalte technisch zu kennzeichnen. Für interne Anwaltskommunikation oder vertrauliche Mandantengespräche greifen diese Pflichten in der Regel nicht direkt – relevant werden sie vor allem, wenn KI-generierte Texte zu Themen von öffentlichem Interesse veröffentlicht werden.
Es gibt erste Details dazu, mit welchen Maßnahmen Signal den eigenen Messenger besser gegen Phishing-Attacken schützen will. So "werden künftig zusätzliche Warnhinweise angezeigt", wenn jemand "zum ersten Mal eine Nachricht von einer unbekannten Nummer erhält", sagte die Präsidentin der Non-Profit-Stiftung Signal, Meredith Whittaker, dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.
Künftig werde es nicht mehr möglich sein, neue, unbekannte Kontakte mit einem einzigen Klick anzunehmen. Intern würden weitere Ideen geprüft, wie solche Phishing-Attacken erschwert werden könnten. Diese Pläne wurden von Signal erstmals vor rund zwei Wochen angekündigt.
Hinter den Phishing-Angriffen auf führende Politiker in Deutschland wird der russische Geheimdienst vermutet. Whittaker betonte im Interview nochmals, dass Signal Nutzer niemals in einem zweiseitigen Chat kontaktieren würde, "um sie nach ihrer PIN, ihrem Schlüssel oder anderen Informationen zu fragen".
Darauf angesprochen, dass die Signal-App Kunden regelmäßig per Pop-up nach der persönlichen PIN frage und damit möglicherweise dazu beigetragen habe, dass es für Nutzer normal sei, solche Daten einzugeben, sagte die Präsidentin: "Ich kann den Kritikpunkt durchaus verstehen. Aber noch mal: Signal wird nie per Nachricht nach einer PIN fragen. Nie. Ein Pop-up kann nur Signal selbst aus der App heraus erzeugen. Eine Nachricht kann jeder fälschen."
Es sei bei vielen Anwendungen branchenüblicher Standard, "Nutzer regelmäßig aufzufordern, ihre PIN oder ihr Passwort zu bestätigen oder erneut einzugeben, damit sie es sich besser merken" könnten. Dies gelte auch etwa für Metas Messenger Whatsapp.
Whittaker lehnte es ab, bestimmte Profilnamen automatisch zu blockieren. Die Phishing-Angriffe wurden von einem Kontakt mit dem Profilnamen Signal Support durchgeführt, was einige Nutzer vermuten ließ, dies sei ein offizieller Kontakt des Messengers.
"Wir stehen bereits jetzt unter massivem Druck bestimmter Regierungen, Inhalte zu scannen, bevor sie verschlüsselt werden", erklärte Whittaker. Diesem Druck wolle Signal auf keinen Fall nachgeben und lehne es "kategorisch und prinzipiell" ab, dass die App Inhalte mitlese und Inhalte proaktiv filtere.
Aus der Politik könnten dann bald Forderungen nach der Blockade anderer Kontakte aufkommen; das solle verhindert werden.
Diesen Mai wird es einige interessante Möglichkeiten zur Planetenbeobachtung geben
(Bild: AstroStar/Shutterstock.com)
Venus und Jupiter nähern sich einander im Mai 2026 Abend für Abend an. Dazu gesellt sich Merkur. Ein Überblick, wann und wo die drei Planeten zu sehen sind.
Der Westhimmel bietet Himmelsbeobachtern im Mai 2026 ein lohnenswertes Schauspiel: Venus und Jupiter sind nach Sonnenuntergang gut sichtbar und rücken im Laufe des Monats immer näher zusammen. Ende Mai kommt Merkur als dritter heller Planet hinzu. Auf ihrer monatlichen Umlaufbahn passiert zudem die Mondsichel beide Planeten – mit attraktiven Fotomomenten als Folge.
Wie das britische Fachmagazin BBC Sky at Night Magazine berichtet [1], bewegen sich Venus und Jupiter auf der sogenannten Ekliptik – dem scheinbaren Jahresweg der Sonne am Himmel – aufeinander zu und werden am 9. Juni 2026 ihre größte Annäherung erreichen, eine sogenannte Konjunktion, bei der sie nur 1,6 Grad voneinander entfernt stehen werden.
Venus ist derzeit das hellste Objekt am Abendhimmel nach dem Mond. Laut BBC Sky at Night Magazine strahlt sie Anfang Mai mit einer scheinbaren Helligkeit von Magnitude –3,8 (ein astronomisches Maß: je kleiner oder negativer der Wert, desto heller das Objekt) und hellt sich bis Anfang Juni leicht auf –3,9 auf. Damit ist Venus etwa siebenmal heller als Jupiter.
Im Teleskop zeigt Venus derzeit jedoch wenig: Sie erscheint als kleines, zu 84 Prozent beleuchtetes Scheibchen ohne erkennbare Oberflächenstrukturen.
Zu Beginn des Monats steht die Venus noch rund 40 Grad von Jupiter entfernt, nördlich des Sterns Aldebaran im Sternbild Stier. Täglich bewegt sie sich mehr als einen Grad ostwärts in Richtung Jupiter. Am 31. Mai beträgt der Abstand zwischen den beiden Planeten noch knapp neun Grad.
Am 18. Mai bietet sich ein besonderer Anblick: Eine schmale, nur sieben Prozent beleuchtete Mondsichel steht etwa 2,5 Grad rechts von Venus. Das sogenannte Erdlicht – das von der Erde auf die Nachtseite des Mondes zurückgeworfene Sonnenlicht – lässt dabei die dunkle Mondscheibe schwach aufleuchten und verleiht dem Anblick eine dreidimensionale Wirkung.
Jupiter leuchtet Anfang Mai mit Magnitude –1,9 und schwächt sich bis Anfang Juni auf –1,7 ab, wie BBC Sky at Night Magazine berichtet. Er steht zu Beginn des Monats nahe dem Stern Wasat, südlich der Zwillingssterne Kastor und Pollux im Sternbild Zwillinge.
Anders als Venus bewegt sich Jupiter nur langsam gegen den Sternenhintergrund – er sinkt im Laufe des Monats zunehmend Richtung Sonne. Space.com [2] weist darauf hin, dass der Mai der letzte Monat bis September ist, in dem Jupiter hoch genug am Himmel steht, um klare Teleskopbilder seiner Wolkenbänder und seiner vier großen Monde zu ermöglichen.
Am 20. Mai steht eine 13 Prozent beleuchtete Mondsichel etwa sieben Grad links von Jupiter. Am 21. Mai beträgt der Abstand zwischen Mond und Jupiter laut BBC Sky at Night Magazine noch fünf Grad.
Merkur befindet sich am 14. Mai in oberer Konjunktion – er steht dann hinter der Sonne und ist nicht beobachtbar. Ab dem 22. Mai ist er laut Space.com [3] mit einer Helligkeit von Magnitude –1,4, vergleichbar mit dem hellsten Fixstern Sirius, rund zehn Grad östlich der Sonne. Mit einem Fernglas lässt er sich dann etwa 15 Minuten nach Sonnenuntergang tief im Westnordwesten aufspüren.
Ab dem 25. Mai sollte Merkur mit Magnitude –1,1 auch ohne optische Hilfsmittel sichtbar sein. Ende Mai steht er rund 45 Minuten nach Sonnenuntergang deutlich über dem Westhorizont. Seinen größten Winkelabstand von der Sonne – die sogenannte größte östliche Elongation – erreicht Merkur allerdings erst Mitte Juni.
Saturn und Mars sind im Mai 2026 ausschließlich am Morgenhimmel zu beobachten. Mars geht kurz vor der Morgendämmerung knapp östlich des Ostpunkts auf und ist aufgrund der hellen Dämmerung schwer zu sehen. Seine Helligkeit liegt bei Magnitude +1,2. Am Morgen des 14. Mai kann eine schmale, acht Prozent beleuchtete Mondsichel dabei helfen, ihn mit dem Fernglas aufzufinden – besonders von Breiten nördlich von 35 Grad.
Saturn hält sich nahe der Grenze zwischen den Sternbildern Walfisch und Fische auf und geht zu Beginn der Morgendämmerung im Osten auf. Am frühen Morgen des 13. Mai steht er etwa sechs Grad links unterhalb einer schmalen abnehmenden Mondsichel.
Saturns Ringsystem öffnet sich derzeit wieder dem Blick von der Erde aus, ist aber noch zu tief über dem Horizont für stabile Teleskopbilder. Space.com verweist darauf [4], dass Saturn nach 15 Jahren auf südlichen Deklinationen nun wieder nördlich des Himmelsäquators steht, was in den kommenden Jahren zunehmend bessere Beobachtungsbedingungen verspricht.
Der astronomische Höhepunkt der aktuellen Beobachtungsperiode ist die Konjunktion von Venus und Jupiter am 9. Juni 2026, wenn beide Planeten nur 1,6 Grad voneinander entfernt stehen.
Da das Wetter im Juni unbeständig sein kann, empfiehlt BBC Sky at Night Magazine Hobbyastronomen, die langsame Annäherung der beiden Planeten bereits den gesamten Mai über zu verfolgen und zu dokumentieren.
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Weniger Zuwanderung klingt für viele gut – doch für Millionen Rentner könnte die Rechnung am Ende brutal und teuer werden. (Teil 1)
Seit 20 Jahren wird die Bevölkerung einerseits mit der Drohung einer längeren Lebensarbeitszeit konfrontiert, andererseits mit der Ankündigung, das Rentenniveau absenken zu müssen. Bundeskanzler Merz sprach zuletzt von der Reduzierung der Rente [1] auf eine Basisabsicherung [2].
Wenn eine "Rente mit 68" ebenso wenig gewünscht ist, wie eine Absenkung des Rentenniveaus, bleibt die Frage, wie die Rente auf Dauer finanziert werden soll. Und vor der Aussage, dass es ohne Einwanderung für Deutschland keine erfolgreiche Zukunft mehr gibt, fürchtet sich die Politik und kommuniziert diese Angst auch offensiv.
Mit der schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz und tatkräftiger Unterstützung durch Innenminister Dobrindt ist die Zuwanderung nach Deutschland drastisch zurückgegangen, was in Deutschland überwiegend auf Zustimmung stößt, weil die Konsequenzen auch von der Politik gerne ausgeblendet werden.
Der Fachkräftemangel, weiter verschärft durch den demografischen Wandel, führt dazu, dass immer mehr mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe Stellen nicht neu besetzen können. Aufträge müssen abgelehnt werden, und teilweise streichen die Betriebe ganz die Segel.
Bis heute geborene Kinder in die Rentenversicherung einzahlen werden, vergehen durchschnittlich zwei Jahrzehnte. Eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen würde jedoch eine bessere Kinderbetreuung benötigen, die heute nicht vom Bund, sondern von den Kommunen finanziert werden muss, die oft schon am finanziellen Abgrund stehen.
Eine bessere Reintegration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt durch gezielte Weiterbildung, aber auch die Integration von Zugewanderten mit stärkerer Anerkennung ihrer beruflichen Qualifikationen und schnellerer Arbeitsaufnahme wären durchaus hilfreich.
Doch bei der Integration von Zugewanderten gibt es auch in Deutschland gravierende Probleme.
"Die schwarz-rote Koalition streitet über die Rente, Jung kämpft gegen Alt. Helfen könnte bei dem Problem Zuwanderung. Doch Rechtspopulisten weltweit bekämpfen Migration – und vergiften die Debatte mit einer rassistischen Idee."
Christian Stöcker, Der Spiegel, 23.11.2025 [3]
Christian Stöcker spitzte das Problem mit der deutschen Rente nachfolgend zu:
"Die Leute, die schon in Rente sind oder bald in Rente gehen, sind den größten Wohlstand gewohnt, den es in der Bundesrepublik Deutschland je gab. Diese Leute wollen, ja erwarten, dass das so weitergeht. Und sie sind die mächtigste Wählergruppe im Land: Mehr als 42 Prozent der Wahlberechtigten hierzulande sind derzeit über 60. Alle über 50 zusammengenommen haben eine komfortable absolute Mehrheit [4]."
Man könnte nach Vorstellung von Stöcker in der aktuellen deutschen Situation mit Zuwanderung dafür sorgen, dass nicht nur die Lücken im Rentensystem, sondern auch die im Arbeitsmarkt gefüllt werden.
In Berlin ist man derzeit jedoch offensichtlich bemüht, die Lücken bei der Rentenversicherung eher noch zu vergrößern. Einsparungspotenzial hat die Merz-Regierung jetzt auch beim Rentenversicherungs-Zuschuss ausgemacht, der vier Milliarden Euro geringer [5] ausfallen soll, als ursprünglich geplant.
Das wirkt sich in der Folge dann auch auf die Rentenbeiträge aus. Diese könnten schon heute bis zu zwei Prozentpunkte niedriger sein, wenn der Bund alle politisch gewünschten Leistungen wie die von der CSU durchgedrückte Mütterrente vollständig aus Steuermitteln bezahlen würde.
Wenn man eine längere Lebensarbeitszeit, höhere Rentenbeiträge und höhere Steuern vermeiden will und den offensichtlichen Personalmangel in Handwerk und Industrie reduzieren will, muss man nach Lösungen suchen, die funktionieren und von der deutschen Bevölkerung auch akzeptiert werden. In der Vergangenheit hat man den Personalmangel in Teilen Deutschlands mithilfe von Kontraktarbeitern aus Bruderländern gelöst.
So wichtig die Arbeitsmigration [6] für viele Arbeitgeber wurde, desto verwerflicher fanden sie andere. Zu deren Protagonisten zählt der Freiburger Professor Bernd Raffelhüschen [7], der ebenso wie Professor Axel H. Börsch-Supan [8] aus Mannheim in einer Arbeitsmigration keine Lösung der deutschen Probleme sieht. Was Parteien rechts der Mitte zu großer Freude verhalf, stieß jedoch auf deutlichen wissenschaftlichen Widerspruch.
So stellte Marcel Fratzscher [9], Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin fest: Eine Pflegekraft, die sich um alte und kranke Menschen kümmert, ist nach der Logik der Studie ein finanzielles Verlustgeschäft für Deutschland und würde daher besser das Land verlassen oder wäre gar nicht erst gekommen. Der offensichtliche Denkfehler [10] dabei aus seiner Sicht:
"Eine Pflegekraft verdient tendenziell zwar etwas weniger als der Durchschnitt. Deshalb wird sie im Laufe ihres Lebens mehr Leistungen vom Staat in Anspruch nehmen, als sie durch Abgaben und Steuern zahlt. Viel größer als dieses Minus für die Volkswirtschaft wäre allerdings der Schaden, wenn die Pflegekraft gänzlich fehlen würde – und sich etwa Angehörige mehr kümmern und weniger arbeiten."
Bis heute entwickelte sich die deutsche Arbeitsmigration übrigens durchaus anders als von den Meisten wahrgenommen. Einerseits wanderte die Arbeit in den europäischen oder asiatischen Osten ab und anderseits wanderten viele Hochqualifizierte [11] mit ihren Beiträgen ebenfalls ins Ausland.
Dass Kanzler Merz im Kampf gegen die Ampel und seiner politischen Kehrtwende danach die Stimmung im Lande größtenteils verdorben hatte, fällt ihm heute selbst auf die Füße. Dies wird auch anderen Parteien drohen, die heute das Land gezielt schlechtreden.
Von 2021 bis 2023 sind rund 1.300 Firmen [12] teilweise oder vollständig aus Deutschland weggezogen und netto 50.000 Jobs in Deutschland verloren gegangen [13], weil Unternehmen abwanderten oder lieber im günstigeren Ausland produzieren lassen.
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Elf tote oder vermisste Forscher in den USA befeuern Spekulationen. Doch solche Häufungen sind statistisch normal – die Intuition täuscht, nicht die Zahlen.
Auf Social-Media-Plattformen kursieren seit einigen Monaten Listen und Schaubilder, die Todesfälle und Vermisstenmeldungen der vergangenen drei Jahre bündeln: Elf Wissenschaftler in den USA – alle mit Berührung zu sicherheitsrelevanten oder politisch sensiblen Themen – sollen unter teils ungeklärten Umständen gestorben oder verschwunden sein. Hinter den Listen stehen reale Biografien: ein Nuklearforscher am MIT, ein Astrophysiker mit langjähriger Verbindung zum NASA Jet Propulsion Laboratory (JPL), eine Projektmanagerin, die nach einer Wanderung vermisst wird, eine Anti-Schwerkraftforscherin aus Alabama, mehrere Raumfahrt- und Rüstungsingenieure sowie Verwaltungsangestellte.
Vier der elf Fälle sind klar als Tötungsdelikte oder Suizide klassifiziert, andere als natürliche Todesfälle oder Vermisstenfälle. Die Frage ist, ob sie zusammen mehr ergeben als die Summe einzelner Schicksale. Auffällig ist dabei auch, was die Fälle nicht verbindet: Sie verteilen sich über mehrere Jahre, verschiedene Bundesstaaten und unterschiedlichste Einrichtungen. Die Todesursachen reichen von Herzinfarkt über Suizid bis zu Vermisstenfällen nach Wanderungen. Eine koordinierte Serie hinterlässt typischerweise ein erkennbares Muster in Ort, Zeit und Methode – das fehlt hier vollständig.
Die kursierenden Grafiken arbeiten stark mit Logos: JPL, Los Alamos National Laboratory (LANL), Kansas City National Security Campus (KCNSC), Air-Force-Labore. Die Verbindungen zwischen den Personen und Einrichtungen sind real – allerdings handelt es sich auch um große US-Arbeitgeber im Forschungsbereich.
| Einrichtung | Beschäftigte (gerundet) |
| NASA JPL (Pasadena) [1] | ca. 5.500 |
| Los Alamos National Laboratory [2] | ca. 16.000–18.000 |
| Kansas City National Security Campus [3] | ca. 7.000 |
Rechnet man Air-Force-Forschungseinrichtungen und beteiligte Unternehmen hinzu, kommt man schnell auf 30.000 bis 50.000 Beschäftigte in dem Umfeld, aus dem die elf Fälle stammen.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC [4] weist für die Altersgruppe 20 bis 64 Jahre jährliche Sterberaten von grob 0,3 bis 0,6 Prozent je nach Altersband aus. Forschungsjobs in sicherheitsrelevanten Bereichen sind jedoch selten „Nine-to-five“: hohe fachliche Anforderungen, enge Budgets, teils strikte Geheimhaltung, politische Erwartungen – all das trägt zu chronischem Stress bei. Arbeitsmedizinische Studien zeigen, dass beruflicher Dauerstress das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen [5] messbar erhöht, dass hohe Anforderungen bei geringer Kontrolle über Arbeitsbedingungen mit erhöhter Suizidneigung korrelieren [6] und psychische Belastungen und Suchtprobleme indirekt auf Unfall- und Suizidrisiko wirken [7].
Die folgende Beispielrechnung arbeitet mit dem mittleren Durchschnitt von 0,4 Prozent – das ist für diese Gruppe eher defensiv geschätzt, denn in Hochstress-Berufen dürften Herzinfarkt und Suizid statistisch häufiger vorkommen als im Schnitt. Für ein Institut in der Größe des JPL mit rund 5500 Beschäftigten ergibt sich folgendes Bild:
| Todesursache | Rate je 100.000/Jahr | Erwartete Fälle/Jahr bei 5.500 | Erwartete Fälle in 3 Jahren |
| Alle Todesursachen | ca. 400 | ca. 22 | ca. 65 |
| Herz-/Kreislauf [8] | ca. 100 | ca. 5–6 | ca. 15–18 |
| Unfälle gesamt [9] | ca. 60 | ca. 3 | ca. 9 |
| Schusswaffen gesamt [10] | ca. 12 | ca. 0,7 | ca. 2 |
| davon: Mord/Tötungsdelikt | ca. 5 | ca. 0,3 | ca. 1 |
| davon: Suizid mit Schusswaffe | ca. 7 | ca. 0,4 | ca. 1–1,5 |
Das sind keine abstrakten Zahlen – hinter jedem dieser Fälle steht ein Mensch. Statistisch sind sie dennoch erwartbar: Schon bei einem Arbeitgeber in dieser Größenordnung wären innerhalb von drei Jahren ein Mord und ein Suizid zu erwarten.
Die Aufregung rund um die „missing scientists“ lebt von einem intuitiven Eindruck: Mehrere Todesfälle, ähnliche Berufsfelder, kurzer Zeitraum – das kann doch kein Zufall sein! Doch genau das ist es – mit hoher Wahrscheinlichkeit.
In einer Grundgesamtheit von 50.000 Beschäftigten in sicherheitsrelevanter Forschung sind bei einer Sterberate von 0,4 Prozent pro Jahr rund 200 Todesfälle pro Jahr zu erwarten – über drei Jahre also rund 600. Diese 600 Fälle verteilen sich nicht gleichmäßig über alle Einrichtungen, Berufsgruppen und Todesursachen. Sie bilden zwangsläufig Cluster: Mal sterben in einem bestimmten Labor mehrere Menschen an Herzinfarkt, mal häufen sich Suizide in einem bestimmten Segment, mal trifft es zufällig Menschen mit ähnlichen Forschungsthemen. Das sieht nach einem Muster aus – ist aber nicht zwingend eines. Ein echtes Muster lässt sich nicht aus nachträglich zusammengestellten Listen ableiten, sondern nur durch Ermittlungen belegen: durch konkrete Verbindungen zwischen Tätern, Opfern und Motiven. Die liegen hier nicht vor.
Das Modell, das dieses Verhalten beschreibt, heißt Poisson-Verteilung, [11] benannt nach dem französischen Mathematiker Siméon Denis Poisson. Die Kernaussage: Selbst bei vollkommen zufälligen, voneinander unabhängigen Ereignissen entstehen Häufungen. Sie sind kein Hinweis auf eine verborgene Ursache, sondern eine mathematische Zwangsläufigkeit.
Die Poisson-Verteilung beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ereignis in einem Zeitraum genau k-mal auftritt, wenn es im Durchschnitt λ-mal erwartet wird:
λ ist der Erwartungswert – im Fall der 50.000 Beschäftigten beträgt er 600 Todesfälle über drei Jahre. Das k ist die tatsächlich beobachtete Anzahl – also etwa die elf Fälle der kursierenden Listen. e⁻λ ist vereinfacht gesagt ein Normierungsfaktor, der sicherstellt, dass sich alle Wahrscheinlichkeiten zu 1 addieren.
Zwei Eigenschaften sind für unseren Fall entscheidend: Erstens sind Erwartungswert und Varianz identisch – beide gleich λ. Je größer die Grundgesamtheit, desto größer also auch die natürliche Schwankungsbreite. Zweitens beträgt die Standardabweichung √λ – bei λ = 600 also rund 24,5. Zwischen 575 und 625 Todesfälle in drei Jahren wären damit unauffällig. Ein mögliches Muster würde die Poisson-Verteilung erst signalisieren, wenn die beobachtete Zahl den Erwartungswert um mehrere Standardabweichungen überschreitet – also grob über 670 läge. Elf Fälle liegen weit darunter.
Besonders aufschlussreich wird das Modell, wenn man es auf einzelne Todesursachen anwendet. Für ein Institut in der Größe des JPL ergibt sich über drei Jahre ein Erwartungswert von rund einem Mord (λ = 1, Standardabweichung √1 ≈ 1) und rund einem bis zwei Suiziden (λ = 1,2, Standardabweichung √1,2 ≈ 1,1). Null oder zwei Fälle je Kategorie wären damit gleichermaßen unauffällig – das ist die natürliche Schwankung. Statistisch auffällig, im Sinne einer Wahrscheinlichkeit unter zwei Prozent, würde es erst ab vier Fällen je Kategorie in drei Jahren.
Auf die gesamte Community von 50.000 Beschäftigten hochgerechnet sind über drei Jahre rund 600 Todesfälle zu erwarten – darunter statistisch etwa 15 Tötungsdelikte und 40 Suizide, verteilt über Dutzende Einrichtungen und Forschungsfelder. In dieser Menge entstehen zwangsläufig Cluster: Gruppen von Fällen, die zufällig ähnliche Merkmale teilen – denselben Arbeitgeber, dasselbe Forschungsthema, dieselbe Todesursache.
Das menschliche Gehirn ist darauf ausgelegt, genau solche Cluster zu erkennen und als bedeutsam zu interpretieren – auch dann, wenn sie rein zufällig entstanden sind. Wer im Nachhinein aus Hunderten Todesfällen gezielt jene heraussucht, die besonders dubios wirken oder thematisch zusammenpassen, wird immer ein scheinbares Muster finden. Die kursierenden Listen enthalten elf Fälle – also weniger als zwei Prozent der erwartbaren Todesfälle in dieser Gruppe. Die Frage ist daher nicht, warum so viele Forscher gestorben sind – sondern warum ausgerechnet diese elf als Muster wahrgenommen werden.
Die kursierenden Grafiken und Listen [12] sind kein zufälliger Ausschnitt aus allen Todesfällen in diesen Einrichtungen, sondern das Ergebnis einer nachträglichen Auswahl. Aufgeführt werden bevorzugt Fälle mit spektakulären Umständen wie Mord, Suizid, Vermisstenfall oder unklarer Ursache, mit symbolträchtigen Arbeitgebern wie JPL, Los Alamos oder Air-Force-Labs, und mit Themen, die ohnehin die Fantasie anregen: UFOs und UAPs, Fusionsenergie, KI, Anti-Schwerkraft.
Gewöhnlichere Fälle – etwa Krebs im Ruhestand oder Herzinfarkt jenseits der 60 – werden nicht mitgezählt, obwohl sie statistisch den Großteil der erwartbaren Todesfälle ausmachen. In der Statistik ist das ein klassisches Beispiel für Selection Bias: Die Stichprobe wird bewusst oder unbewusst so konstruiert, dass sie den Eindruck eines Musters maximal verstärkt. Aussagen über Wahrscheinlichkeiten, die auf einer solchen Stichprobe beruhen, sind irreführend.
Online werden die US-Fälle häufig mit fünf chinesischen KI-Forschern verknüpft, die in den vergangenen Jahren früh starben – als handele es sich um eine zusammenhängende globale Serie. Öffentliche Berichte nennen als Ursachen unter anderem Herzinfarkt, akute Erkrankungen und Höhenkrankheit. Doch die Verbindung ist konstruiert: Die chinesischen und die US-Fälle teilen weder Arbeitgeber noch Themenfelder noch nachweisbare operative Verbindungen.
Für sich betrachtet sind die chinesischen Fälle statistisch ebenfalls nicht ungewöhnlich. Chinas KI-Industrie beschäftigt Zehntausende Forschende, vielfach unter extremen Arbeitsbedingungen. Einzelne frühe Todesfälle sind vor diesem Hintergrund eher Ausdruck eines breiteren Problems – hoher Arbeitsstress und unzureichender Gesundheits- und Arbeitsschutz – als Hinweis auf ein gezieltes Vorgehen. Einige bringen die Fälle gar mit Liu Cixins Science-Fiction-Klassiker „Die drei Sonnen“ (“The 3 Body Problem“) [13] in Verbindung – in dem Roman eliminiert eine hoch entwickelte außerirdische Zivilisation gezielt hochrangige Wissenschaftler der Erde. Doch auch für die Todesfälle unter den chinesischen Forschern gilt: Die Dramaturgie der Erzählung ist überzeugend – die Datenlage deckt sie nach bisherigem Kenntnisstand nicht.
Die vorliegenden Daten, die Struktur der betroffenen Einrichtungen und die Aussagen von Ermittlungsbehörden deuten in der Summe auf zufällige Häufungen in einer großen Grundgesamtheit hin – nicht auf eine koordinierte Serie von Tötungen. Die relevante Arbeitswelt umfasst Zehntausende, in der weiteren Definition Hunderttausende Beschäftigte in sicherheitsrelevanten Bereichen. Für diese Gruppe sind über wenige Jahre Hunderte Todesfälle zu erwarten – darunter statistisch leider auch Morde, Suizide und spektakuläre Unfälle. Die elf US-Fälle bilden eine kleine, nach auffälligen Kriterien selektierte Untermenge dieser Grundgesamtheit. Wo Ermittlungsbehörden Fälle abgeschlossen haben, ergaben sich bisher persönliche oder zufällige Hintergründe [14] – kein Hinweis auf eine operative Verknüpfung.
Das nimmt den einzelnen Schicksalen nichts von ihrer Tragik. Für die Beurteilung möglicher Muster ist aber entscheidend, zwischen emotional nachvollziehbarer Beunruhigung und statistisch belastbaren Aussagen zu unterscheiden.
Wichtig: Dieser Artikel behauptet nicht, dass es keine Zusammenhänge gibt – das lässt sich auf Basis der vorliegenden Daten weder beweisen noch ausschließen. Er zeigt nur: Was als unheimliches Muster erscheint, lässt sich mit bekannten statistischen Gesetzmäßigkeiten erklären. Für mehr braucht es mehr als nachträglich zusammengestellte Fallsammlungen.
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Ein griechischer Fischer hat in einer Höhle im Ionischen Meer ein bewaffnete Unterwasserdrohne entdeckt. Sie lag nicht einfach auf dem Meeresgrund, ihr Motor lief bei der Entdeckung noch.
Griechische Behörden identifizierten das Gerät als ukrainisches Modell vom Typ Magura V5, entwickelt von einem Privatunternehmen für den ukrainischen Militärgeheimdienst. Spezialisten sprengten den Gefechtskopf an Bord kontrolliert, wie Medien berichten. Das griechische Verteidigungsministerium übernahm die Ermittlungen.
Zwei Szenarien stehen im Raum. Entweder verlor ein ukrainisches Mutterschiff – ein Frachter oder eine Yacht – die Kontrolle über die Drohne, woraufhin diese in der Höhle strandete. Oder sie wurde dort gezielt als Vorbereitung für einen geplanten Angriff geparkt. Welche Version zutrifft, ist offen.
Der Fund löste in Griechenland eine Debatte über die Abwehrbereitschaft der Marine aus. Die Magura V5 ragt kaum über die Wasseroberfläche hinaus und ist für konventionelle Radarsysteme weitgehend unsichtbar. Die griechische Marine hat zwar auf einigen Kriegsschiffen Systeme zur Erkennung installiert – digitale Sensoren und Wärmebildkameras -, doch bleibt die Frage, ob das ausreicht.
Die Behörden gehen davon aus, dass die Drohne nicht gegen Griechenland selbst gerichtet war. Wahrscheinlicheres Ziel: ein Schiff aus Russlands sogenannter Schattenflotte, jenen oft veralteten Frachtern unter Fremdflagge, mit denen Moskau internationale Ölsanktionen umgeht.
Einige dieser Schiffe stehen zudem im Verdacht, im Auftrag Russlands an hybriden Operationen gegen westliche Infrastruktur beteiligt zu sein, darunter vermuteter Kabelsabotage in der Ostsee. Im Dezember soll die Ukraine bereits einen mutmaßlichen Schattenflottentanker im Mittelmeer mit Drohnen getroffen haben, rund 2.000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.