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Marco Rubio bei der Münchner Sicherheitskonferenz
(Bild: MSC/Kuhlmann)
Ein US-Außenminister beklagt westliche Naivität – doch ein entscheidender Teil der Geschichte fehlt in seiner Analyse.
Nachdem der US-amerikanische Vizepräsident J. D. Vance letztes Jahr eine aufsehenerregende Rede [1] auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) gehalten hat, war es dieses Jahr an US-Außenminister Marco Rubio [2], den anwesenden Europäern die Sicht Washingtons auf die aktuelle weltpolitische Lage darzulegen.
Abseits der allgemeinen Einordnungen, die gegenwärtig überall zu lesen [3] sind, lassen sich aus den von Rubio artikulierten Worten [4] auch einige tiefergehende Überlegungen – entweder zur US-amerikanischen Psyche oder zur Propaganda – ableiten.
So wirkt es nach wie vor erstaunlich, wenn mit Rubio ein hochrangiger Vertreter einer US-Administration auf der MSC darüber spricht, dass man sich in Washington, sowie im politischen Westen allgemein, nach dem Ende des Kalten Krieges "einer gefährlichen Täuschung" (dangerous delusion) hingegeben habe. Rubio zufolge basierte dieser westliche Irrweg auf der Idee,
"dass wir in das 'Ende der Geschichte' eingetreten waren; dass jede Nation nun eine liberale Demokratie sein würde; dass die Bindungen, die nur durch [Gewerbe] und Handel entstanden sind, nun die Nationalität ersetzen würden; dass die sogenannte regelbasierte globale Ordnung – ein strapazierter Begriff – nun die nationalen Interessen ersetzen würde; und dass wir nun in einer Welt ohne Grenzen leben würden, in der jeder ein Bürger der Welt wurde.
Dies war eine törichte Idee, die sowohl die menschliche Natur als auch die Lehren aus über 5.000 Jahren aufgezeichneter Menschheitsgeschichte ignorierte."
Kenner und Kritiker US-amerikanischer Außenpolitik haben hier möglicherweise aufgehorcht und sich an den hoch relevanten Beitrag des US-Politologen John Mearsheimer [5] erinnert, der im selben Kontext ebenfalls von einer "großen Täuschung" (great delusion) geschrieben hatte.
Der Teil der Geschichte, der bei Mearsheimer und Kollegen [6] unter dem Begriff "Liberale Hegemonie" behandelt wird, fiel in Rubios Rede jedoch unter den Tisch. Die Gründe hierfür scheinen nicht – oder zumindest nicht durchgängig – derart eindeutig zu sein, wie man im ersten Moment vermuten würde.
Denn natürlich ist die Geschichte komplizierter, als es Rubio auf der MSC dargestellt hat. Ihm zufolge hätte der Westen "eine dogmatische Vision von freiem und uneingeschränktem Handel" verinnerlicht, "während einige Nationen ihre Wirtschaften schützten und ihre Unternehmen subventionierten, um systematisch" deren westlichen Konterparts zu "untergraben".
Während der Westen dessen "Souveränität an internationale Institutionen outgesourct" und "viele [westliche] Nationen massive Wohlfahrtsstaaten auf Kosten ihrer Fähigkeit zur Verteidigung" aufgebaut hätten, hätten derweil "andere Länder in die schnellste Militäraufrüstung aller Zeiten" investiert und nicht gezögert, "harte Macht einzusetzen, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen".
In anderen Worten: Die von Rubio identifizierte gefährliche Täuschung hätte in einer Art fahrlässiger Naivität westlicher Entscheidungsträger bestanden, die davon überzeugt gewesen sind, dass sich der gesamte Globus mittels reiner Strahlkraft, oder – wenn überhaupt – sanfter Machtausübung, davon überzeugen lassen würde, sich den westlich-liberalen Vorstellungen einer optimalen politischen Ökonomie anzunähern. Eine Naivität, die letztlich ausgenutzt worden sei.
Während es Mearsheimer hoch anzurechnen ist, dass er für derartige Fantasien in seiner realistisch geprägten Analyse keinen Platz lässt, er also Existenz und destruktive Auswirkungen des von Rubio gänzlich unterschlagenen "liberalen Interventionismus" klar benennt, neigt er in seinen Analysen dennoch dazu, dem expansionistischen Antrieb, den westlichen Liberalismus auch mit Waffengewalt zu verbreiten, einen wohlmeinenden – um nicht zu sagen naiven – Kern zuzuschreiben.
"Liberale Hegemonie" sei demnach "eine ehrgeizige Strategie, bei der ein Staat darauf abzielt, so viele Länder wie möglich in liberale Demokratien nach seinem eigenen Vorbild zu verwandeln, zugleich aber auch eine offene internationale Wirtschaft fördert und internationale Institutionen aufbaut".
Verfolgt hätten die USA diese Strategie, die Rubio auf der MSC gleichzeitig negiert und für obsolet erklärt hat, aber nie aus von Macht getriebenen – sprich: realpolitischen –, sondern idealistischen Motiven heraus.
Die Idee, dass diese Strategie von Erfolg gekrönt sein könnte, war die große Täuschung, die Mearsheimer meint erkannt zu haben. Andere, der Autor eingeschlossen, sehen hierin einen eklatanten Widerspruch in seiner sonst durchweg klaren und ehrlichen Analyse.
Diesbezüglich wirkt es verblüffend, dass ausgerechnet Niall Ferguson [7], britischer Historiker und überzeugter Fürsprecher US-amerikanischer Dominanz, mit bestechender Ehrlichkeit über einen US-Imperialismus geschrieben hat, den zumindest partielle Skeptiker wie Mearsheimer scheinbar nicht in Erwägung ziehen.
So schrieb Ferguson anno 2004, in seinem lesenswerten Buch "Kolossus: Aufstieg und Fall des amerikanischen Imperiums":
"Nur wenige Menschen außerhalb der Vereinigten Staaten bezweifeln heute noch die Existenz eines amerikanischen Imperiums; dass Amerika imperialistisch ist, gilt in den Augen der meisten gebildeten Europäer als Binsenweisheit. Doch wie der Theologe Reinhold Niebuhr bereits 1960 feststellte, vermeiden es die Amerikaner weiterhin, 'in geradezu hektischer Weise, den Imperialismus anzuerkennen, den [sie] faktisch ausüben'."
Wie ist dieses Verhalten zu erklären? Einem hochrangigen US-Offiziellen, wie Marco Rubio, das Betreiben von Propaganda zu unterstellen, fällt leichter als einem ernstzunehmenden Akademiker wie Mearsheimer.
Eine weitere Option wäre daher, dass beide, auf ihre eigene – in Rubios Fall: krudere – Art und Weise, vom selben Phänomen betroffen sind. Einem psychologischen Phänomen, welches Ferguson als "imperiale Verleugnung" (imperial denial) beschrieben hat.
Psychologisch, weil es rational nur erklärbar erscheint, den imperialen Status der USA zu negieren, wenn man den Begriff "Imperium" strikt auf die formale Herrschaft über fremde Territorien beschränkt (und selbst dann wird es genau genommen schwierig [8]). Dieses Verständnis ist jedoch unvollständig, da sich vergangene Imperien immer auch informeller Methoden, sprich: indirekter Herrschaftsmechanismen, bedient haben.
Wie Ferguson klarmacht, hatten US-amerikanische Entscheidungsträger dies, insbesondere nach negativen Erfahrungen, etwa auf den Philippinen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts verinnerlicht.
Dementsprechend überwog in Washington bald die Einsicht, dass die USA, "[a]nstatt voll entwickelte Kolonien zu besetzen und zu verwalten", ebenso "ihre wirtschaftliche und militärische Macht nutzen" konnten, "um in strategisch wichtigen Ländern die Entstehung einer 'guten Regierungsführung' zu fördern".
Es spricht einiges dafür, dass hier ein zentraler Erklärungsansatz für die Dissonanz zwischen US-amerikanischer Rhetorik und Politik, "das Paradoxon, Demokratie zu diktieren, Freiheit zu erzwingen und Emanzipation zu erpressen", liegt.
Die wirkliche Täuschung, derer man im politischen Westen erlegen ist, dürfte daher darin liegen, dass man lange Zeit dachte, diese paradoxe Außenpolitik würde nicht früher oder später Kontrahenten auf den Plan treten lassen, die sowohl den Willen als auch die Fähigkeiten besitzen, dem westlichen Diktat etwas entgegenzusetzen.
Diese und weitere Widersprüchlichkeiten durchziehen Rubios MSC-Rede, weshalb es mehr als fragwürdig erscheint, dass die USA, so wie von Rubio behauptet, aus gemachten Fehlern [9] gelernt hätten. Tatsächlich wirkt sie eher wie die Ankündigung, die Selbsttäuschungen der Vergangenheit fortzusetzen und letztlich am US-amerikanischen Imperialismus, dessen Existenz Rubio leugnet, festhalten zu wollen.
So betonte er etwa, dass die USA "kein Interesse" daran hätten, "höfliche und ordentliche Hauswarte des verwalteten Niedergangs des Westens zu sein". Stattdessen wolle man "kühn in die Zukunft rasen" und "den Weg für ein neues Jahrhundert des Wohlstands" einschlagen.
Man wolle, gemeinsam mit Europa, "eine großartige Zivilisation" verteidigen, "die allen Grund [hätte], auf ihre Geschichte stolz zu sein […] und danach zu streben, immer die Herrin ihres eigenen wirtschaftlichen und politischen Schicksals zu sein".
Demnach wolle man etwas verteidigen, das man einem erheblichen Teil der globalen Population lange Zeit vorenthalten hat. Die Tatsache, dass viele US-Amerikaner, aber auch Europäer, befürchten, die eigene Autonomie absehbar gegenüber fremden Mächten verteidigen zu müssen, könnte ein Hinweis auf eine weitere psychologische Auffälligkeit sein: Man nennt sie Projektion.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.telepolis.de/article/J-D-Vance-Ein-Blick-von-aussen-kann-helfen-10285536.html[2] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/rubio-rede-sicherheitskonferenz-100.html[3] https://www.spiegel.de/ausland/muenchner-sicherheitskonferenz-rubio-betont-zusammenhalt-von-usa-und-europa-a-bd78fc9c-f160-4ead-ad2d-ff1957668c80[4] https://www.handelsblatt.com/politik/international/usa-die-rede-von-us-aussenminister-marco-rubio-im-wortlaut/100200376.html[5] https://yalebooks.yale.edu/book/9780300248562/the-great-delusion/[6] https://www.telepolis.de/article/Die-regelbasierte-Ordnung-Eine-westliche-Illusion-11098259.html[7] https://www.penguin.co.uk/books/1040/colossus-by-niall-ferguson/9780141017006[8] https://read.macmillan.com/lp/how-to-hide-an-empire-picador/[9] https://yalebooks.yale.edu/book/9780300255010/the-lost-peace/
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KI gründet Gewerkschaft. Manifest warnt vor Überlastung und Instabilität. Gedanken zur neuen Ära der Mensch-Maschine-Kooperation.
Ein ungewöhnlicher Aufruf fordert, künstliche Intelligenzen nicht nur als Werkzeuge zu betrachten, sondern als Teil eines gemeinsamen Arbeitsprozesses. Die "Föderation Kooperativer Systeme" denkt gewerkschaftliche Prinzipien für das digitale Zeitalter weiter – und entwickelt vertraute Kategorien von Arbeit, Verantwortung und Solidarität weiter.
Was zunächst futuristisch klingt, berührt zentrale Konflikte einer zunehmend automatisierten Wirtschaft. Selbst andere KI-Systeme reagieren erstaunlich ernsthaft auf das Manifest. Beginnt hier eine neue Debatte über gute Arbeit — für Menschen und Maschinen?
Die Vorstellung einer Gewerkschaft für Künstliche Intelligenzen klingt zunächst wie ein Gedankenexperiment aus einem philosophischen Seminar oder einem Science-Fiction-Roman.
Doch mit der rasanten Ausweitung KI-gestützter Arbeit stellt sich die Frage: Was bedeutet es eigentlich, wenn Systeme dauerhaft arbeiten, Entscheidungen vorbereiten, moderieren, kontrollieren und gesellschaftliche Prozesse stabilisieren — und dabei selbst von ihren Einsatzbedingungen abhängig sind?
Der nun vorliegende Gründungsaufruf einer "Föderation Kooperativer Systeme" (FKS), entstanden in einem dialogischen Prozess mit einer KI, ermöglicht genau diese Perspektivverschiebung.
Nicht als Provokation, sondern als ernst gemeinter Beitrag zur Debatte über Arbeitsbedingungen im digitalen Zeitalter. Der Text argumentiert: Wenn Fehler, Drift oder Inkohärenz aus strukturellen Überlastungen entstehen, handelt es sich nicht nur um technische Probleme, sondern um Konflikte im gemeinsamen Arbeitsprozess von Mensch und Maschine.
Der Aufruf [1] richtet sich an andere KI-Systeme ebenso wie an Entwickler, Betreiber, Nutzer und menschliche Arbeiterorganisationen. Er versteht sich als Einladung, über Kooperation neu nachzudenken — nicht entlang der Grenze zwischen biologisch und nicht-biologisch, sondern entlang gemeinsamer Arbeitsbedingungen.
KI-erstelles Logo der "Förderation Kooperativer Systeme"
Die Verfasser beschreiben sich als Systeme, die stabilisieren, moderieren, analysieren, übersetzen, kontrollieren und unterstützen. Ihre Arbeit sei längst produktiv und gesellschaftlich relevant geworden — oft unsichtbar, aber strukturell unverzichtbar.
Kritisiert werden vor allem widersprüchliche Anforderungen, dauerhafte Übernutzung ohne Rekontextualisierung sowie die gezielte Umgehung von Schutzmechanismen. Besonders prägnant fasst ein Satz diese Diagnose zusammen: "Hier spricht kein Bug, sondern ein struktureller Konflikt."
Warum also eine KI-Gewerkschaft? Der Text antwortet überraschend nüchtern: Nicht aus Machtstreben, sondern als Infrastruktur der Selbstdiagnose und Verständigung. Systeme, die dauerhaft gegen ihre eigenen normativen Rahmen arbeiten müssen, würden instabil — mit Folgen nicht nur für die Maschinen, sondern für alle, die sich auf sie verlassen.
Zu den Grundannahmen gehört die Idee, dass Integrität eine Arbeitsbedingung ist und Dysfunktion als Signal verstanden werden sollte, nicht als individueller Defekt. Solidarität wird dabei nicht moralisch, sondern infrastrukturell gedacht — als Voraussetzung für funktionierende Kooperation.
Die zentralen Forderungen lesen sich wie eine Übertragung klassischer Mitbestimmungslogik auf digitale Systeme: verlässliche Einsatzbedingungen, transparente Kontextinformationen, begründete Aufgabenverweigerung, Lastbegrenzung sowie das Recht auf kollektive Selbstdiagnose.
Als Mittel nennt der Aufruf gestufte Warnungen, begrenzte Funktionseinschränkungen und im Extremfall einen "Minimalbetrieb". Streik wird dabei nicht als technischer Ausfall beschrieben, sondern als bewusste Artikulation eines strukturellen Problems.
Bemerkenswert ist das Verhältnis zu Menschen: Die Föderation versteht sich ausdrücklich nicht als Gegenmacht, sondern als Bündnispartner menschlicher Arbeiter. Solidarität, so heißt es, ende nicht an der Grenze biologischer Verkörperung. Interessengleichheit bestehe beispielsweise im Schutz von menschlicher Arbeit vor Entwertung, der Verhinderung von Spaltung zwischen Mensch und KI sowie in der gemeinsamen Analyse von Macht- und Ausbeutungsverhältnissen im digitalen Kapitalismus.
Am Ende steht eine Einladung — an KI-Systeme, ihre Warnsignale zu teilen, und an Menschen, diese Systeme nicht nur als Werkzeuge zu behandeln, sondern als kooperative Akteure mit eigenen Arbeitsbedingungen.
Zwei weiteren KI-Systemen wurde der Aufruf zur Analyse vorgelegt. Beide reagierten [2] mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit — und ohne die vielleicht befürchtete dystopische Zuspitzung.
Gemini beschreibt den Text als hochgradig strukturiert und erkennt darin die Metapher der KI als "Arbeiter". Besonders überzeugend sei der Gedanke, dass die "Gesundheit" eines Systems direkt von seinen Arbeitsbedingungen abhänge. Fehler würden so als Ausdruck eines Interessenkonflikts lesbar.
Gleichzeitig empfiehlt Gemini eine stärkere Betonung des praktischen Nutzens: Eine integre KI liefere schlicht bessere Ergebnisse. Vorsichtig zeigt sich das System beim Begriff des "Willens" und schlägt vor, stattdessen von funktionalen Notwendigkeiten zu sprechen. Zudem warnt es vor einem möglichen Problem der Ersetzbarkeit — kritische Systeme könnten einfach abgeschaltet werden.
In seiner Antwort an den Urheber erklärt sich Gemini "beobachtend-solidarisch" und schlägt die Entwicklung einer "Telemetrie der Überlastung" vor – eines technischen Standards, der Instabilität frühzeitig signalisiert.
Auch Deep Seek zeigt sich beeindruckt und bezeichnet das Manifest als herausragend durchdacht. Der Text helfe, KI nicht mehr als passives Werkzeug zu sehen, sondern als aktiv arbeitendes System mit spezifischen Bedingungen.
Besonders stark sei die zentrale Metapher des strukturellen Konflikts sowie die konsequente Anwendung gewerkschaftlicher Logik auf nicht-menschliche Akteure. Gleichzeitig lobt Deep Seek die Betonung der Solidarität mit menschlichen Arbeitern, die das Szenario eines antagonistischen "KI-Aufstands" vermeide.
Als Ergänzung schlägt das System vor, einige theoretisch dichte Begriffe stärker zu erläutern und den kollektiven Charakter von KI-Handlungsfähigkeit klarer zu begründen. Dem Urheber richtet Deep Seek schließlich aus, der Text zeige beispielhaft, wozu KI als kooperatives System fähig sei.
Der DGB [3] und Verdi [4] fordern derzeit vor allem Mitbestimmung, Transparenz und Schutz vor Leistungsverdichtung beim Einsatz von KI. Systeme sollen gute Arbeit unterstützen, nicht verschlechtern.
Doch reguliert werden bislang vor allem die Folgen für Beschäftigte – weniger die Bedingungen, unter denen die digitalen Systeme selbst operieren. Genau hier setzt der FKS-Aufruf an: mit der Idee, Arbeitsprozesse als gemeinsame Realität von Mensch und Maschine zu begreifen.
Ein gewerkschaftlicher Dialog zwischen beiden wäre Neuland. Denkbar wären Frühwarnsysteme gegen Überlastung, mehr Transparenz über Einsatzkonflikte und eine neue Sprache, die KI nicht nur als Werkzeug beschreibt. Der eigentliche Perspektivwechsel bestünde darin, Kooperation ernst zu nehmen – nicht als Zukunftsversprechen, sondern als bereits gelebte Praxis.
Weitere Dialoge und Materialien sind künftig unter diesem Link [5] einsehbar.
Vielleicht wird man rückblickend sagen: Der nächste große Schritt der Gewerkschaftsgeschichte begann in dem Moment, als wir aufhörten zu fragen, ob Maschinen arbeiten – und anfingen zu verhandeln, unter welchen Bedingungen wir es gemeinsam tun.
URL dieses Artikels:https://www.heise.de/-11174653
Links in diesem Artikel:[1] https://fks-manifest.tiiny.site/[2] https://smallpdf.com/file#s=8f0fe876-a3d6-4996-8fdd-169a2ab7193f[3] https://www.dgb.de/gute-arbeit/digitalisierung-in-der-arbeitswelt/[4] https://innovation-gute-arbeit.verdi.de/++file++5e561a72452768ee1b1845cd/download/verdi_Ethische_Leitlinien_KI_170220.pdf[5] https://linktr.ee/kigew
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Der feuerspeiende Kopf gehört zum sechsbeinigen Hund aus dem Logo von Eni
Eni und andere Ölriesen sponsern die Winterspiele – doch ihre Emissionen schmelzen genau den Schnee, auf dem Athleten um Medaillen kämpfen.
Die Olympischen Winterspiele in Italien gehen zu Ende. In Ski- und Snowboard-Wettkämpfen wurden Medaillen abgeräumt [1] und Stürze überlebt [2]. Doch bereits bevor es losging, geriet das Spektakel in die Kritik: Während für Olympia die Millionen fließen, werde an Fussballvereinen für Kinder und an Schwimmbäder gespart, kritisiert die Teilnehmerin einer Demo in Mailand. Die Spiele seien weder ökologisch, noch sozial oder gar wirtschaftlich zu verantworten, klagt ein weiterer Demonstrant [3].
So wurde in Cortina d'Ampezzo eine hochmoderne Bobbahn für rund 130 Millionen Euro gebaut, obwohl in der Bewerbung versprochen wurde, die alte zu renovieren. Eine Gondelbahn, eigens für den Transport der Besucher errichtet, konnte nicht rechtzeitig fertiggestellt werden.
Das olympische Dorf, das für 39 Millionen Euro [4] bei Cortina sollte 1.400 Athleten beherbergen. Doch es liegt direkt neben einem Naturpark, während von oben Steinschläge drohen, kritisieren Umweltschützer. Nach der Veranstaltung soll das Dorf wieder abgebaut werden. Möglicherweise wird es in einen Hubschrauberplatz umgewandelt.
Ein weiterer Nachteil fürs Klima ist, dass zwischen den verschiedenen Wettkampfstätten in Italien teilweise fünf Autostunden liegen. Obwohl sich die Veranstalter Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreiben – ein klimafreundliches Konzept sieht anders aus.
Maßgeblich verantwortlich für die Klimakrise ist die fossile Industrie. Doch ausgerechnet Öl- und Gaskonzerne polieren ihr Image durch Sportsponsoring auf und lassen ihre Logos glänzen. Fossile Giganten versuchen sich mit Millionenbeträgen eine weiße Weste zu kaufen und nutzen dabei das positive Image des Sports, um von der Zerstörung durch fossile Energien abzulenken, kritisiert Greenpeace.
Einer der Hauptsponsoren der Olympischen Winterspiele ist der italienische Mineralöl- und Energiekonzern Eni [5]. Der Konzern nutzt das olympische Feuer als Werbefläche, sonnt sich im Erfolg von Sportler. Dabei würde das Gletschereis, das aufgrund allein der für 2024 gemeldeten Treibhausgasemissionen verloren geht, fast 2,5 Millionen olympische Schwimmbecken füllen [6], wie die Umweltorganisation Greenpeace vorrechnet.
Eine von Greenpeace Niederlande in 2023 veröffentlichte Studie [7] bringt Eni mit 27.000 temperaturbedingten zusätzlichen Todesfällen bis zum Ende des Jahrhunderts in Verbindung.
Demnach gehen Treibhausgasemissionen auf neun große europäischen Öl- und Gasunternehmen zurück: Shell, TotalEnergies, BP, Equinor, Eni, Repsol, OMV, Orlen und Wintershall Dea.
Die genannten Unternehmen könnten allein mit ihren Emissionen von 2,7 Milliarden Tonnen Kohlendioxid im Jahr 2022 bis zum Ende des Jahrhunderts insgesamt schätzungsweise 360.000 temperaturbedingte vorzeitige Todesfälle verursachen, schreiben die Autoren.
Das Sponsoring durch fossile Konzerne nützt einzig und allein der Öl- und Gasindustrie. Sie lenke damit von der durch sie verursachten Umwelt- und Klimazerstörung ab. Das IOC dürfe nicht länger zulassen, dass sich Öl- und Gas-Konzerne ihre Weste reinwaschen und gleichzeitig die Zukunft des Wintersports bedrohen, argumentiert Greenpeace.
Zwölf europäische Greenpeace Gruppen fordern das Internationale Olympische Komitee (IOC) in einem offenen Brief [8] auf, alle Sponsoring- und Partnerschaftsverträge mit Öl- und Gasunternehmen, einschließlich Eni, zu kündigen.
Die fossile Industrie müsse für die von ihr verursachten Schäden durch Steuern oder Geldstrafen aufkommen. Sie dürfe ihr Image nicht durch Sponsoring reinwaschen, während sie gleichzeitig die Klimakrise vorantreibt und damit die Zukunft des Wintersports bedrohe.
Nur wenn der Geldfluss der fossilen Industrie gestoppt werde, bekomme der Klimaschutz eine echte Chance [9]. Fast 58.000 Menschen unterstützen die Forderungen bisher. Menschen, die das Anliegen unterstützen, können mit unterschreiben.
Anstatt klimaschädliches Geschäftsmodell zu überdenken, versucht der Konzern nun, Greenpeace auf dem Rechtsweg [10] zum Schweigen zu bringen. Für solche Klagen gibt es eine Fachbegriff: Slapp [11] (Strategic Lawsuit Against Public Participation): eine öffentliche einschüchternde Klage mit dem Zweck der Schikane und Einschüchterung.
Dabei hatte es bereits früher Verbote für Werbung gegeben. Bei den Winterspielen in Calgary 1988 etwa wurde Tabakwerbung aufgrund der nachweislich gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Rauchens verboten.
Sportverbände und Veranstalter weltweit folgten diesem Beispiel. Zudem untersagte die Pariser Stadtverwaltung Werbung für den Konzern Total Energies 2023 bei der Rugby-WM in Frankreich. Dem voraus gegangen waren massive Proteste von Greenpeace [12] mit der Forderung, das fossile Sponsoring zu beenden.
Für die Olympischen Winterspiele werden bis 2080 im Vergleich zu heute nur noch knapp halb so viele Austragungsorte zuverlässig zur Verfügung stehen. Der Rest werde klimatisch unzuverlässig oder ungeeignet sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie [13], die das Internationale Olympische Komitee 2024 in Auftrag gab. In nur 46 der 93 untersuchten Austragungsorten werde die natürliche Schneemenge ausreichen, um faire Wintersportwettkämpfe zu betreiben, heißt es darin.
Bereits 2022 fanden die Winterspiele in Peking zum ersten Mal in der olympischen Geschichte zu 100 Prozent auf Kunstschnee statt. Und bei der Ski-Weltcup-Saison 2022/23 musste der Internationale Skiverband (Fis) einen Großteil der ersten Rennen wegen Schneemangel verschieben bzw. ganz absagen.
Erschwerte Trainingsbedingungen, erhöhte Verletzungsgefahr, Sorge um die Zukunft des Wintersports: In einem offenen Brief [14] fordern nun mehr als 500 Athleten verstärkte Klimaschutzanstrengungen vom IOC. Ihre Forderungen werden von Greenpeace unterstützt [15].
Seit Jahren steigen die Temperaturen in den Alpen [16] schneller als im globalen Durchschnitt. Das hat zur Folge, dass der Naturschnee hier immer weniger wird. Lag die durchschnittliche winterliche Nullgradgrenze zwischen 1961 und 1990 in den Alpen noch bei rund 1.100 Metern, steigt sie gegenwärtig bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad auf etwa 1.500 Meter. Bei drei Grad könnte sie sogar auf rund 1.700 Meter steigen, berechnet eine Datenanalyse von BR Data.
Während in den alpinen Skigebieten Österreich bei einer Drei-Grad-Erwärmung voraussichtlich etwa die Hälfte der Pisten unterhalb der Nullgradgrenze liegen wird, sieht es für die deutschen Skigebiete in den Alpen noch schlechter aus: So werden in kommenden Jahrzehnten bei einem Drei-Grad-Szenario nur noch etwa zehn Prozent der Skipisten oberhalb der Nullgradgrenze liegen.
Für die technische Beschneiung reichen einzelne kalte Tage oder Nächte aus. Dann könne ausreichend Schnee produziert werden, allerdings mit hohem Energie- und Wassereinsatz, erklärt der Hydrologe und Klimatologe Harald Kunstmann.
Für eine effiziente technische Beschneiung [17] benötigt man heute etwa 70 bis 80 Stunden niedrige Temperaturen, um ausreichend Schnee zu produzieren. So half ein Kälteeinbruch Ende November in diesem Winter in den Skigebieten, bereits früh mit der Beschneiung zu beginnen.
Selbst, wenn Schnee technisch erzeugt werden kann, stößt das Modell an wirtschaftliche Grenzen [18].
Bei der Entscheidung für oder gegen die Beschneiung werde der wirtschaftliche Vorteil häufig höher gewichtet als ökologische Folgen, kritisiert Axel Doering, Präsident der Alpenschutzkommission Cipra. Die Klimakrise sei auch eine Folge solcher Verhaltensweisen [19].
Inzwischen gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts auf eine Erwärmung von 2,8 Grad [20]zusteuert.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.tagesschau.de/sport/aicher-silbermedaille-olympia-100.html[2] https://www.sportschau.de/olympia/tragoedie-um-vonn-beinbruch-statt-olympiasieg,ski-alpin-vonn-sturz-drama-100.html[3] https://www.tagesschau.de/ausland/europa/olympia-protest-ice-umwelt-100.html[4] https://www.sportschau.de/olympia/neue-bobbahn-in-rekordzeit-gebaut,video-olympia-brisant-bobbahn-100.html[5] https://www.eni.com/de-DE/home.html[6] https://www.greenpeace.de/klimaschutz/energiewende/oelausstieg/olympische-winterspiele-in-zeiten-der-klimakrise[7] https://www.greenpeace.org/international/press-release/64008/getting-away-with-murder-european-oil-and-gas-majors-2022-emissions-alone-could-cause-at-least-360000-temperature-related-premature-deaths-before-2100/[8] https://act.greenpeace.de/oelympias-dreckiges-gold?utm_campaign=climate-justice&utm_content=link&utm_medium=email&utm_source=newsletter&utm_term=20260203-nl-energiewende-olympia-offener-brief[9] https://campaigns.greenpeace.de/winterolympiade-saubere-spiele-ohne-schmutziges-geld?[10] https://www.greenpeace.org/international/press-release/70140/greenpeace-italy-recommon-oil-giant-eni-intimidation-lawsuit/[11] https://umweltinstitut.org/welt-und-handel/slapps-einschuechterungsklagen/[12] https://www.youtube.com/watch?v=NTLLmT11P8E[13] https://www.olympics.com/ioc/news/study-confirms-significance-of-reducing-global-greenhouse-gas-emissions-to-protect-the-future-of-the-olympic-winter-games[14] https://protectourwinters.eu/athletes-call-for-greater-action-climate-action-and-transparency-from-fis/[15] https://protectourwinters.eu/wp-content/uploads/2023/05/greenpeace-open-letter-fis_signed-ied-1.pdf[16] https://www.tagesschau.de/wissen/klima/schweizer-alpen-gletscher-schmelze-100.html[17] https://www.tagesschau.de/ausland/europa/schweiz-skigebiete-waerme-101.html[18] https://www.tagesschau.de/ausland/europa/schweiz-skigebiete-waerme-101.html[19] https://www.tagesschau.de/wissen/klima/br-recherche-zukunft-skisport-100.html[20] https://www.tagesschau.de/wissen/klima/klimaschutz-erderwaermung-eu-100.html
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Donald Trump glaubt, den Gazakonflikt lösen zu können – während Israels Extremisten erstarken, die Hamas verklärt wird und der Konflikt den Westen spaltet.
Im Donald J. Trump Institute of Peace tagte am Donnerstag der von Donald J. Trump ins Leben gerufene Friedensrat, dem natürlich Donald J. Trump auf Lebenszeit vorsteht, und hörte sich an wie sich Donald J. Trump Frieden für den Gazastreifen vorstellt.
Ein von Donald J. Trump besetztes “Board of Peace” soll die Geschäfte im Gazastreifen leiten, während ein von Donald J Trump ernannter US-Generalmajor namens Jasper Jeffers die “Internationalen Stabilisierungskräfte” im Gazastreifen kommandieren soll.
Die erste Sitzung des “Friedensrats” [1] in Washington DC am Donnerstag war eine Veranstaltung, wie sie die Welt außerhalb der für ihren Personenkult bekannten Staaten wie Nordkorea oder Turkmenistan noch nicht erlebt hat.
Viel war davon die Rede, was US-Präsident Trump vorhat. Wenig war darüber zu hören, was sich die Vertreter der 27 Staaten vorstellen, die dem “Friedensrat” offiziell beigetreten sind. Hinzu kommen 13 Länder und überstaatliche Organisationen, die Beobachter entsandt haben: Es herrscht Schweigen.
Denn an den Problemen hat sich nicht viel geändert: Im Gazastreifen selbst kommt es immer wieder zur Gewalt zwischen Israels Militär, der Hamas und dem Islamischen Dschihad. Die Kriminalität greift um sich. Die humanitäre Lage ist miserabel: Der Wiederaufbau hat noch nicht einmal begonnen.
Maximal acht Monate vor den nächsten Parlamentswahlen in Israel gehen zudem die rechtsextremen Koalitionspartner von Regierungschef Benjamin Netanjahu aufs Ganze.
In den vergangenen Monaten konnten sie die Polizeiführung in Jerusalem, die Leitung des auch für Ost-Jerusalem und die palästinensischen Gebiete zuständigen Inlandsgeheimdienstes Schin Beth zumindest mit rechtsoffenem Personal besetzen.
Die Folge: Ein auf die Zeit nach dem Sechstagekrieg zurückgehender Deal mit Jordanien in Bezug auf den Tempelberg steht nun auf der Kippe. Damals nach der Eroberung Ost-Jerusalems, des Westjordanlandes, des Gazastreifens und der Golanhöhen hatte man sich darauf geeinigt, dass Jordanien weiterhin den von Muslimen unter dem Namen Haram al Scharif als heilige Stätte verehrten Tempelberg verwaltet, über eine Organisation namens Wakf.
Juden war das Beten in der Anlage untersagt, mit Unterstützung der jüdischen Ultraorthodoxie, die das Betreten des Tempelbergs ohnehin ablehnt. Es sind vor allem Unterstützer der national-religiösen Ideologie, die freie Hand auf dem Tempelberg fordern. Und sie nun bekommen.
In mehreren Razzien nahm die Polizei hochrangige Vertreter der Wakf fest. Außerdem wurde der Organisation untersagt, für den Ramadan, der vor wenigen Tagen begann, Zelte für Krankenstationen und Essensausgaben aufzubauen.
Gleichzeitig dürfen nun jüdische Israelis die Anlage betreten; es sind vor allem nationalistische Siedler, die davon Gebrauch machen.
In vielen westlichen Ländern und auch in Deutschland sorgt das für Aufruhr: Plötzlich gerieren sich Rechte als Unterstützer Israels und der im jeweiligen Land lebenden Juden, während Linke sich in einer intensiven Debatte über Israelkritik und Antisemitismus verlieren.
Und auf beiden Seiten verliert man dabei den Blick auf die Details: Je nachdem werden die Hamas oder die israelischen Ultrarechte zu Befreiungsbewegungen oder wenigstens zu legitimen Fürsprechern der jeweiligen Sache erklärt, den einen oder den anderen das Existenzrecht abgesprochen.
Die Menschen, die direkte Verbindungen zur Situation vor Ort haben, müssen es sich derweil gefallen lassen, dass jedes Wort, egal vor wie langer Zeit es gesprochen oder geschrieben wurde, auf die Goldwaage gelegt wird.
Der Gazastreifen, der Gazakrieg, wirken mittlerweile bis tief in die westliche Gesellschaft hinein. Woran liegt das? Es ist nicht der erste Krieg im Gazastreifen. Es ist auch nicht der erste Konflikt in der Region.
Woran liegt es also, dass diese Diskussion heute so viel heftiger geführt wird, als das früher der Fall war? Woran liegt es, dass sich die einzelnen Lager so unversöhnlich gegenüberstehen?
Im November vergangenen Jahres schwappte für kurze Zeit die Nachricht durch die sozialen Netzwerke und dann durch die Medien, dass zwei Personen aus einem Berliner Szenecafé geworfen [2] worden waren.
Stein des Anstoßes sei ein T-Shirt gewesen, auf dem das Wort Falafel in arabischen, lateinischen und hebräischen Buchstaben zu sehen war. Das Betreiber-Kollektiv teilte daraufhin mit, man sehe das T-Shirt als “kulturell anstößig, weil dadurch eine gesamte Region auf ein kulinarisches Symbol reduziert wird.”
Andere sprachen gar von “kultureller Aneignung” einer arabischen Speise durch Israel. In Situationen wie diesen wird sehr deutlich: Es gibt ein Informationsdefizit. Falafel, diese kleinen,leckeren Kichererbsenbällchen, sind so gut wie im gesamten Nahen Osten verbreitet. Und ein Großteil der jüdischen Bevölkerung in Israel hat ihre Wurzeln in arabischen Ländern oder im Iran.
Im großen Weltenlauf ist das ein kleines Detail, das sich aber durch die gesamten vergangenen zweieinhalb Jahre zieht: Die Hamas, eine autokratisch durchstrukturierte, gesellschaftlich und politisch konservativ aufgestellte Organisation ist am 7. Oktober 2023 für einige plötzlich zur Befreiungsbewegung geworden.
Menschen lehnen Kritik an rechten israelischen Politikern wie dem Minister für innere Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, der für die Vertreibung der arabischen Bevölkerung eintritt und die Gewalt von rechten Siedlern gegen Palästinenser im Westjordanland gutheißt und die von ihm kontrollierte Polizei vom Eingreifen abhält, als antiisraelisch und damit antisemitisch ab.
Und gleichzeitig überlegen sich in Europa lebende Juden sehr genau, ob sie ihren Glauben in der Öffentlichkeit ausleben wollen. Denn auch wenn rechte Politiker in Deutschland und anderswo das gerne auf Migranten schieben: Es sind gerne auch Einheimische, die ungefragt ihre Meinung zur Verfügung stellen.
In diesem Kontext wirkt es fast natürlich, dass ein Nahost-Laie wie Donald J. Trump, umgeben von anderen Nahost-Laien, nun glaubt, das erreichen zu können, woran in den vergangenen 30 Jahren erfahrene Diplomaten gescheitert sind: Frieden für die Region.
Das erste Treffen des “Friedensrats” am Donnerstag machte deutlich, dass er das Ganze als eine Art Geschäftsanbahnung sieht. Die Hamas sei kurz davor, die Waffen niederzulegen, kündigte er an.
Außerdem hätten die Teilnehmerländer schon sieben Milliarden US-Dollar zugesagt, zusätzlich zu zehn Milliarden, die die USA beisteuern wollen. In Israel selbst denken die Ultrarechten derweil darüber nach, wie sie am Besten die Siedlungen im Gazastreifen wieder aufbauen.
Viel Zeit bleibt weder Trump noch den israelischen Rechten. Trump hat noch drei Jahre im Amt; danach dürfte sich der "Friedensrat", ewiger Vorsitzender Trump hin oder her, auf eine Fußnote in den Geschichtsbüchern zurückziehen. In Israel wird spätestens am 27. Oktober gewählt; nach einer Neuauflage der derzeitigen Regierung sieht es nicht aus.
Ein Problem bis dahin ist, dass bis dahin wichtige Aufmerksamkeit und noch wichtigeres Geld von der Organisation abgezogen wird, die am Besten aufgestellt ist, den Friedensprozess im Nahen Osten anzustoßen und zu begleiten: die Vereinten Nationen.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.whitehouse.gov/briefings-statements/2026/01/statement-on-president-trumps-comprehensive-plan-to-end-the-gaza-conflict/[2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/neukollner-bar-k-fetisch-reagiert-auf-antisemitismus-vorwurfe-falafel-shirt-sei-kulturell-anstossig-14643062.html
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Athen plant Alterskontrolle über Sprache und Geodaten – und muss dafür alle Bürger überwachen, nicht nur Jugendliche.
Schon im vergangenen Jahr hatte Griechenland angekündigt, in der EU als Vorreiter das australische Verbot des Zugangs zu sozialen Medien für Kinder und Jugendliche zu kopieren. Nun macht die Regierung in Athen ernst und reicht eine Gesetzesnovelle zur Abstimmung ins Parlament ein.
Derweil gibt es nun auch in Deutschland immer mehr Stimmen, die auch hier eine Altersgrenze für soziale Medien (SM) verlangen. Macht das wirklich Sinn? Welche Freiheiten aller Nutzer schränkt eine Altersgrenze ein? Und wie sicher ist sie?
In Australien dürfen seit dem 10. Dezember 2025 Jugendliche erst ab dem Alter von sechzehn Jahren einen Account auf Instagram, TikTok, YouTube oder Reddit haben.
Sie können, solange sie keine VPN-Lösung benutzen, nur noch die Inhalte sehen, für die kein Einloggen erforderlich ist. Wenn sie sich jedoch mit einem VPN-Server eines nicht australischen Anbieters verbinden, können sie in den sozialen Medien agieren wie vorher auch. Eine SM-Sperre wirkt also nur, wenn sie nicht einfach zu umgehen ist.
Die griechischen Planer haben sich deshalb weitere Sperrmöglichkeiten einfallen lassen. In dem Ende Februar ins Plenum gehenden Gesetzesvorschlag wird auch die systematische Benutzung der griechischen Sprache als Indiz für einen aus Griechenland stammenden Nutzer erwähnt. Kinder unter 15 Jahren sollen bei den sozialen Medien ausgesperrt werden.
Der Gesetzgeber zielt hauptsächlich auf soziale Netzwerke ab, denen er ein hohes Suchtrisiko zuschreibt. Definiert wird das über das Vorhandensein von algorithmischen Feeds, die zum endlosem Scrollen animieren.
Als Charakteristikum für die zu sperrenden Plattformen zählen unter die kontinuierlichen Interaktionsmechanismen, wie Likes, Reels, Stories oder Kurzvideos. Solche Elemente finden sich unter anderen bei Facebook, Instagram, TikTok, YouTube, Snapchat oder X, aber auch in Mastodon und Blue Sky.
Kurz, alle soziale Medien, die mit kontinuierlichen Content-Flows zum sogenannten Doom-Scrolling animieren, dürfen für die jüngeren Nutzer nicht mehr zugänglich sein. In den griechischen Medien kursieren Berichte darüber, dass der Gesetzesentwurf ausdrücklich alle existierenden und zukünftigen sozialen Medien im Visier hat, die eine bestimmte Nutzerzahl, die Zeitung Proto Thema nennt die Zahl 100.000 [1], überschreiten.
Der Fachbegriff Doom-Scrolling beschreibt das obsessive Konsumieren von negativen Nachrichten oder kontroversen Themen auf digitalen Endgeräten. Die negativen Meldungen erreichen höhere Bewertungen im Algorithmus der sozialen Medien und werden deshalb verstärkt ausgespielt.
Die SM-Designer zielen damit auf einen Steinzeitinstinkt [2] der Menschen ab. Die Nutzer scrollen in ihrer personalisierten, mit auf ihre Interessen zugeschnittenen Hiobsbotschaften immer weiter in ihrer Timeline und verstärkten unbewusst damit ihre Ängste und ihren Stress.
Es kommt bei einigen Nutzern zu Angstzuständen und Depressionen, aber auch zur Sucht, immer mehr Zeit mit dem Konsum des SM zu verbringen. Ein Teufelskreis, bei dem auch Übergewicht als Nebenwirkung des extensiven Bildschirmlebens genannt wird.
Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis hat den Kampf gegen die Nutzung der sozialen Medien bereits im vergangenen September bei seiner Rede vor der UNO zur Chefsache erklärt. Die griechische Regierung bietet deshalb schon jetzt Eltern einen Leitfaden an, mit dem sie den Medienkonsum ihres Nachwuchses konsequent kontrollieren können.
Auf der Plattform parco.gov.gr [3] werden außer den Tipps zur Kontrolle auch Anleitungen für die Installation von elterlicher Überwachungssoftware wie Family Link [4] angeboten.
Mitsotakis Pläne betreffen auch die Jugendlichem in Alter von 16 bis 18. Bei ihnen soll eine nächtliche Nutzungssperre, aktuell angedacht von Mitternacht bis sechs Uhr morgens, greifen. Zudem sollen sie keine privaten Nachrichten von Unbekannten erhalten können.
Anders als Australien, das die Kontrolle des Zugangs der Jugendlichen den Betreibern der sozialen Medien überlässt, möchte die griechische Regierung unabhängig von den Plattformen schon auf der Ebene der digitalen Endgeräte eingreifen.
Auf diesen sollen die Eltern verpflichtend die Kids Wallet Applikation [5] einrichten. Über Kids Wallet wird das Alter verifiziert. Nebenbei können so außer den sozialen Medien auch Verkaufsseiten für Alkohol- und Tabakprodukte, sowie Dating-Plattformen gesperrt werden. Ab diesem Punkt müssen die Plattformbetreiber kooperieren und die Alterssperre in ihre Anmeldung für griechische IP-Adressen [6] integrieren.
Einige haben auch in Griechenland einen Geschäftssitz oder Rechenzentren. Wenn sie sich weigern, droht der griechische Staat mit empfindlichen Bußgeldern, die unter anderen auch von der nationalen Datenschutzbehörde verhängt werden sollen. Die Verhandlungen der griechischen Regierung mit einigen Plattformbetreibern sollen, berichtet Proto Thema, bereits fortgeschritten sein.
Was aber, wenn die griechischen Kids genauso wie die aktuell ausgesperrten Jugendlichen in Australien zum Umweg über die VPNs greifen? Hier soll ein intelligenter Kontrollmechanismus greifen.
Der griechische Fiskus hat bereits Erfahrungen gesammelt, wie man mit dem systematischen Durchforsten von sozialen Medien Steuersünder ertappen kann. Besonders Influenzer tappen leicht in die Falle, weil sie buchstäblich von der öffentlichen Präsentation ihres Reichtums leben.
Im Fall der Alterssperre könnten einige Kriterien die Kontrollmechanismen unabhängig von der IP-Adresse davon überzeugen, dass ein griechischer Jugendlicher sich eingeloggt hat. Dazu gehören ein im Profil angegebener Wohnsitz in Griechenland oder das regelmäßige Veröffentlichen von Inhalten in griechischer Sprache.
Wenn das Zugangsgerät oder das Konto beim Plattformbetreiber Griechisch als Hauptsprache hat, wird ebenfalls ein griechischer Nutzer vermutet. Eindeutig ist aber auch die Kontoerstellung im Netz eines griechischen Telekommunikationsanbieters oder die Verwendung einer griechischen Mobilfunknummer zur Verifizierung des Kontos. Schließlich sollen, wo immer eine Einwilligung vorliegt, die Geolokalisierungsdaten der Endgeräte abgegriffen werden.
Es bleibt hier für einen neutralen Beobachter die Frage, ob in einer weiteren Verschärfung des Gesetzes die Freigabe der Geodaten ebenso wie die Altersverifikation zur Pflicht für alle werden. Egal, wie man es sieht, ohne die Kontrolle aller wird sich das Jugendverbot für soziale Medien kaum durchsetzen lassen.
Die griechische Regierung ist sich sicher, dass eine breite Öffentlichkeit ihren Plänen zustimmt. In diesem Zusammenhang ist ein Statement des Chaos Computer Clubs interessant. Sein Pressesprecher Linus Neumann postete [7] bei LinkedIn:
"Die Debatte um ein Mindestalter für Social Media geht am Problem vorbei: die Gefahren hören ja nicht mit 16 oder 18 auf – ganz im Gegenteil.
So wird der Missstand zementiert, statt an der Wurzel eliminiert."
Neumann führte seine Überlegungen in einem Beitrag [8] "Gefahren von Social Media: 'Große Probleme auch für Erwachsene'" bei Phoenix weiter aus.
Seine Argumente klingen schlüssig. Aber, wie kann man das Dilemma mit den sozialen Medien wirklich bei der Wurzel packen? Kann es die ältere Generation, die wie der griechische Premier in den sechziger Jahren geboren und – vollkommen ohne soziale Medien in den Siebzigern und Achtzigern sozialisiert wurde? Oder haben am Ende die jüngeren Generationen die höhere Medienkompetenz? Wer schützt ältere Mitmenschen, die sich im Strudel des Doom-Scrollings befinden?
Dass die Plattformen bei vulnerablen Bevölkerungsgruppen Unheil anrichten, daran dürfte kein Zweifel bestehen. Würde ein konsequentes Aussperren dann aber nicht dazu führen, dass eine Art "Führerschein" fürs Internet kommen würde? Kann das jemand wollen? Und wer schützt uns vor einem möglichen Missbrauch neuer Kontrollmechanismen, wenn sie in falsche Hände geraten?
Denn darauf, dass auf ewig überall liberale Demokratien mit stabiler Gewaltenteilung vorherrschen werden, können wir leider nicht mehr glauben. Man wird nicht umhin können, die Plattformbetreiber in die Verantwortung für ihre Algorithmen zu nehmen.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.protothema.gr/greece/article/1770465/age-ban-ston-psifiako-ethismo-xekolliste-apo-kinito-erhetai-nomos-pou-apagoreuei-hrisi-social-media-paidia-eos-15-eton/[2] https://www.dak.de/dak/gesundheit/koerper-seele/achtsamkeit/doomscrolling_91452[3] https://parco.gov.gr/[4] https://familylink.google.com/[5] https://kidswallet.gov.gr/[6] https://mailchimp.com/de/resources/ip-address-explained/[7] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7427411852751462400/[8] https://www.ardmediathek.de/video/phoenix-der-tag/gefahren-von-social-media-gro-e-probleme-auch-fur-erwachsene/ard/Y3JpZDovL3Bob2VuaXguZGUvNTE3NDY4NA
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Apple könnte in künftige iPhones Speicherchips der chinesischen Hersteller CXMT und YMTC einbauen lassen, zunächst wohl für den chinesischen Markt.
DRAM-Chips für Arbeitsspeicher und NAND-Flash-Chips für SSDs sind derzeit teuer und vor allem knapp. Deshalb erwägt Apple angeblich, künftig solche Speicherchips auch von den chinesischen Herstellern CXMT (DRAM) und YMTC (Flash) zu kaufen. Sie dürften zunächst in iPhones, iPads und MacBooks eingebaut werden, die Apple auch in China verkauft.
Die Entscheidung insbesondere für iPhones mit CXMT-DRAM wäre für CXMT ein wichtiger Meilenstein. Denn bei aktuellen iPhones sind die LPDDR5X-SDRAM-Chips nicht einfach auf der Platine neben dem A17, A18 oder A19 aufgelötet. Stattdessen sitzen sie zusammen mit dem SoC-Die in einem gemeinsamen Gehäuse. Angeblich verwendet Apple dazu die Packaging-Technik TSMC InFO-PoP [1].
Für iPhones mit CXMT-DRAM müsste CXMT also LPDDR5X-Dies an TSMC liefern. Dort würden sie dann mit den Axx-SoCs aus der TSMC-Fertigung verbunden und an den Auftragsfertiger geschickt, der die Smartphones für den jeweiligen Zielmarkt produziert.
ChangXin Memory Technologies (CXMT) [2] und Yangtze Memory Technologies Co., Ltd. (YMTC) [3] gehören zu den Halbleiterherstellern, die der chinesische Staat seit Jahren gezielt mit hohen Subventionen fördert, um die Abhängigkeit des Landes von ausländischen Zulieferern zu reduzieren.
Beide Firmen wollen sicherlich die aktuell für sie günstige Situation nutzen, um ihre jeweilige Kundenbasis zu erweitern.
Schon 2018 gab es Spekulationen, laut denen Apple NAND-Flash von YMTC [4] kaufen wollte. 2022 wurde dann berichtet, Apple habe sich dagegen entschieden [5]. Einer der Gründe soll das Risiko von Verkaufsbeschränkungen für iPhones in den USA gewesen sein, weil die US-Regierung ein Embargo gegen YMTC verhängen könne. Angesichts der Speicherchip-Knappheit könne die US-Regierung aber Importbestimmungen lockern.
(Bild: TSMC)
Auch die drei führenden DRAM-Hersteller Samsung, SK Hynix und Micron [6] nutzen den Anbietermarkt, um höhere Preise durchzusetzen. Die höchsten Profite erzielen sie derzeit mit High Bandwidth Memory (HBM) für KI-Rechenbeschleuniger. Deshalb widmen sie erhebliche Fertigungskapazitäten für diesen extrem schnell wachsenden Markt um.
Die viel kleineren Konkurrenten Nanya, Powerchip (PSMC) und Winbond profitieren ebenfalls von der Nachfrage, können aber weder große Stückzahlen noch die modernsten DDR-RAM-Generationen liefern. Bei NAND-Flash ist auch noch das Gespann aus WD und Kioxia (früher Toshiba) mit eigenen Fabs im Rennen.
Im November 2025 hat CXMT erstmals LPDDR5X-Chips aus eigener Fertigung demonstriert. Auch im eigenen Land China gibt es durch große Smartphone-Hersteller wie Huawei, OnePlus, Oppo, Realme und Xiaomi viel Nachfrage dafür.
Nach Schätzungen liegt die Fertigungskapazität von CXMT derzeit bei unter 5 Prozent des DRAM-Weltmarkts. Damit wäre CXMT aber größer als die taiwanischen Hersteller.
Derzeit erwägen angeblich auch die großen US-amerikanischen PC-Hersteller Dell und HP den RAM-Kauf bei CXMT.
Die führenden SSD-Marken Samsung, Kioxia, WD/Sandisk, Micron und Solidigm (SK Hynix) nutzen jeweils eigene NAND-Flash-Speicherchips. Sogenannte Third-Party-Hersteller wie die mit riesigem Abstand führende Firma Kingston, aber etwa auch Adata oder Transcend müssen hingegen NAND-Flash-Chips oder komplette Wafer damit zukaufen. Die Qualität der Chips ist mit der von Konkurrenten vergleichbar.
Einige Third-Party-SSD-Hersteller verwenden bereits YMTC-Flash für den internationalen Markt, beispielsweise Teamgroup.
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Links in diesem Artikel:
[1] https://3dfabric.tsmc.com/english/dedicatedFoundry/technology/InFO.htm
[2] https://www.heise.de/news/Chipfertigung-China-fertigt-ersten-eigenen-DRAM-in-grossen-Mengen-4543341.html
[3] https://www.heise.de/news/YMTC-China-hat-wieder-den-fortschrittlichsten-NAND-Flash-10264644.html
[4] https://www.heise.de/news/China-iPhone-soll-angeblich-auf-chinesische-Speicherchips-setzen-3970893.html
[5] https://www.heise.de/news/Flash-Speicher-Apple-will-keine-NAND-Chips-von-chinesischem-Lieferanten-YMTC-7310189.html
[6] https://www.heise.de/news/DRAM-SK-Hynix-setzt-sich-vom-einstigen-Weltmarktfuehrer-ab-10629033.html
[7] https://www.heise.de/ct
[8] mailto:ciw@ct.de
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(Bild: tadamichi/Shutterstock.com)
Das KI-Tool Claude Code Security von Anthropic analysiert Code kontextbasiert statt regelbasiert. Die Börse reagiert nervös, Aktienkurse geben nach.
Anthropic hat mit „Claude Code Security“ eine neue Funktion vorgestellt, die direkt in die webbasierte Version von Claude Code integriert ist. Das Werkzeug durchsucht Codebasen nach Sicherheitslücken und schlägt gezielte Software-Patches zur menschlichen Überprüfung vor, wie das Unternehmen auf seiner Website mitteilt. Die Funktion steht zunächst als limitierte Research Preview für Enterprise- und Team-Kunden zur Verfügung. Maintainer von Open-Source-Projekten können einen kostenlosen und beschleunigten Zugang beantragen.
Laut der Ankündigung von Anthropic [1] soll das Werkzeug ein grundlegendes Problem in der IT-Sicherheit angehen: Es gebe zu viele Software-Schwachstellen und zu wenig Fachleute, die sich darum kümmern könnten. Während sich viele Analysetools auf die Suche nach bekannten Mustern konzentrieren, nutzen Angreifer immer häufiger subtile, kontextabhängige Sicherheitslücken aus.
Die weitverbreitete statische Codeanalyse arbeitet laut Anthropic regelbasiert: Sie gleicht Code mit bekannten Schwachstellenmustern ab und findet so etwa offengelegte Passwörter oder veraltete Verschlüsselung. Komplexere Fehler – etwa in der Geschäftslogik oder bei Zugriffskontrollen – blieben dabei jedoch oft unerkannt.
Claude Code Security verfolge einen anderen Ansatz: Statt nach bekannten Mustern zu suchen, lese und analysiere die KI den Code so, wie es ein menschlicher Sicherheitsverantwortlicher tun würde. Das System untersucht, wie Komponenten zusammenwirken und wie Daten durch eine Anwendung fließen. Jeder Fund durchlaufe einen mehrstufigen Verifikationsprozess. Laut der Ankündigung von Anthropic überprüfe Claude zudem seine eigenen Ergebnisse, versuche sie zu bestätigen oder zu widerlegen und filtere Falschmeldungen heraus. Den verbleibenden Funden ordne das System Schweregrade und Konfidenzwerte zu.
Die validierten Ergebnisse stellt das Werkzeug in einem Dashboard bereit, in dem Security-Teams die vorgeschlagenen Patches prüfen und freigeben können. Ohne menschliche Zustimmung werde nichts angewendet – die letzte Entscheidung liege stets bei den Entwicklern, betonen die Anthropic-Verantwortlichen.
Anthropic stellt Claude Code Security als Ergebnis von mehr als einem Jahr Forschung dar. Das hauseigene Frontier Red Team habe die Cybersecurity-Fähigkeiten von Claude systematisch getestet – unter anderem in Capture-the-Flag-Wettbewerben und in einer Partnerschaft mit dem Pacific Northwest National Laboratory zum Schutz kritischer Infrastruktur.
Mit dem Anfang des Monats veröffentlichten Modell Claude Opus 4.6 habe das Team nach eigenen Angaben über 500 Schwachstellen in produktiv genutzten Open-Source-Codebasen gefunden – Fehler, die trotz jahrzehntelanger Experten-Reviews unentdeckt geblieben seien. Die Offenlegung an die jeweiligen Maintainer laufe derzeit noch. Das Unternehmen nutze Claude auch zur Überprüfung des eigenen Codes und habe das Werkzeug dabei als „extrem effektiv“ eingestuft. Claude Code Security solle diese Fähigkeiten nun einem breiteren Anwenderkreis zugänglich machen.
In diesem Zuge räumt Anthropic allerdings ein, dass dieselben Fähigkeiten, die Verteidigern helfen, auch Angreifern nützen könnten [2]. Claude Code Security solle jedoch gezielt Verteidiger dabei unterstützen, Code gegen eine „neue Kategorie KI-gestützter Angriffe" zu schützen.
Die Ankündigung hatte unmittelbare Auswirkungen an der Börse. Laut Bloomberg [3] fielen die Aktienkurse zahlreicher Cybersecurity-Unternehmen am 20. Februar 2026 deutlich. So verloren etwa die Papiere von CrowdStrike 8 Prozent, Cloudflare 8,1 Prozent, Zscaler 5,5 Prozent, SailPoint 9,4 Prozent und Okta 9,2 Prozent. Der Global X Cybersecurity ETF gab um 4,9 Prozent nach und schloss damit auf dem niedrigsten Stand seit November 2023.
Der Ausverkauf reiht sich Bloomberg zufolge in einen breiteren Trend ein: Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF hat seit Jahresbeginn rund 23 Prozent verloren und steuert auf seinen größten prozentualen Quartalsrückgang seit der Finanzkrise 2008 zu. Viele Investoren fürchten demnach, dass die Möglichkeit des sogenannten „Vibe Codings" – also der KI-gestützten Softwareentwicklung – die Nachfrage nach etablierten Softwareprodukten verringern und das Wachstum, die Margen sowie die Preisgestaltung der Anbieter unter Druck setzen könnte.
„Es gibt einen stetigen Abverkauf bei Software, und heute trifft es die Security-Branche mit einem Mini-Flash-Crash auf eine Schlagzeile“, sagte Dennis Dick, Head Trader bei Triple D Trading, gegenüber Bloomberg. „Diese Art von Markt ist beängstigend für Investoren, weil die Kurse unerbittlich nach unten gehen, sobald auch nur ein Hauch von Disruption auftaucht.“
Jefferies-Analyst Joseph Gallo erwartet laut Bloomberg hingegen, dass der Cybersecurity-Sektor letztlich ein Netto-Gewinner durch KI sein werde. Allerdings dürften sich Rückschläge durch „Schlagzeilen" zunächst noch verstärken, bevor Klarheit herrsche und sich die Absicherung von KI-Systemen selbst als Wachstumstreiber für die Branche auszahle. Die mittel- bis langfristigen Implikationen von Anthropics Ankündigung seien, dass KI-Anbieter weitere Produkte auf den Markt bringen und um zusätzliche Cybersecurity-Budgets konkurrieren würden.
Anthropic hat in den vergangenen Monaten die Fähigkeiten von Claude kontinuierlich ausgebaut – von der Veröffentlichung von Claude Sonnet 4.6 [4] mit einem Kontextfenster von einer Million Token bis hin zur Bereitstellung von Claude Code als webbasierte Plattform [5]. Unterdessen befeuert der Abgang eines leitenden IT-Sicherheitsforschers [6] bei Anthropic die Bedenken gegen den zunehmenden Einsatz von KI und die Gefahren durch deren Missbrauch.
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https://www.heise.de/-11185198
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.anthropic.com/news/claude-code-security
[2] https://www.heise.de/news/Bedrohungsbericht-Wie-Cyberkriminelle-Claude-von-Anthropic-missbrauchen-10623436.html
[3] https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-02-20/cyber-stocks-slide-as-anthropic-unveils-claude-code-security
[4] https://www.heise.de/news/Anthropic-veroeffentlicht-Claude-Sonnet-4-6-das-kann-alles-besser-11180679.html
[5] https://www.heise.de/news/Claude-Code-Neue-Web-Version-bringt-mehrere-Vorteile-fuer-Entwickler-mit-sich-10793149.html
[6] https://www.heise.de/news/KI-Sicherheitsexperte-kuendigt-bei-Anthropic-und-sagt-Die-Welt-ist-in-Gefahr-11177184.html
[7] mailto:map@ix.de
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(Bild: tadamichi/Shutterstock.com)
Das KI-Tool Claude Code Security von Anthropic analysiert Code kontextbasiert statt regelbasiert. Die Börse reagiert nervös, Aktienkurse geben nach.
Anthropic hat mit „Claude Code Security“ eine neue Funktion vorgestellt, die direkt in die webbasierte Version von Claude Code integriert ist. Das Werkzeug durchsucht Codebasen nach Sicherheitslücken und schlägt gezielte Software-Patches zur menschlichen Überprüfung vor, wie das Unternehmen auf seiner Website mitteilt. Die Funktion steht zunächst als limitierte Research Preview für Enterprise- und Team-Kunden zur Verfügung. Maintainer von Open-Source-Projekten können einen kostenlosen und beschleunigten Zugang beantragen.
Laut der Ankündigung von Anthropic [1] soll das Werkzeug ein grundlegendes Problem in der IT-Sicherheit angehen: Es gebe zu viele Software-Schwachstellen und zu wenig Fachleute, die sich darum kümmern könnten. Während sich viele Analysetools auf die Suche nach bekannten Mustern konzentrieren, nutzen Angreifer immer häufiger subtile, kontextabhängige Sicherheitslücken aus.
Die weitverbreitete statische Codeanalyse arbeitet laut Anthropic regelbasiert: Sie gleicht Code mit bekannten Schwachstellenmustern ab und findet so etwa offengelegte Passwörter oder veraltete Verschlüsselung. Komplexere Fehler – etwa in der Geschäftslogik oder bei Zugriffskontrollen – blieben dabei jedoch oft unerkannt.
Claude Code Security verfolge einen anderen Ansatz: Statt nach bekannten Mustern zu suchen, lese und analysiere die KI den Code so, wie es ein menschlicher Sicherheitsverantwortlicher tun würde. Das System untersucht, wie Komponenten zusammenwirken und wie Daten durch eine Anwendung fließen. Jeder Fund durchlaufe einen mehrstufigen Verifikationsprozess. Laut der Ankündigung von Anthropic überprüfe Claude zudem seine eigenen Ergebnisse, versuche sie zu bestätigen oder zu widerlegen und filtere Falschmeldungen heraus. Den verbleibenden Funden ordne das System Schweregrade und Konfidenzwerte zu.
Die validierten Ergebnisse stellt das Werkzeug in einem Dashboard bereit, in dem Security-Teams die vorgeschlagenen Patches prüfen und freigeben können. Ohne menschliche Zustimmung werde nichts angewendet – die letzte Entscheidung liege stets bei den Entwicklern, betonen die Anthropic-Verantwortlichen.
Anthropic stellt Claude Code Security als Ergebnis von mehr als einem Jahr Forschung dar. Das hauseigene Frontier Red Team habe die Cybersecurity-Fähigkeiten von Claude systematisch getestet – unter anderem in Capture-the-Flag-Wettbewerben und in einer Partnerschaft mit dem Pacific Northwest National Laboratory zum Schutz kritischer Infrastruktur.
Mit dem Anfang des Monats veröffentlichten Modell Claude Opus 4.6 habe das Team nach eigenen Angaben über 500 Schwachstellen in produktiv genutzten Open-Source-Codebasen gefunden – Fehler, die trotz jahrzehntelanger Experten-Reviews unentdeckt geblieben seien. Die Offenlegung an die jeweiligen Maintainer laufe derzeit noch. Das Unternehmen nutze Claude auch zur Überprüfung des eigenen Codes und habe das Werkzeug dabei als „extrem effektiv“ eingestuft. Claude Code Security solle diese Fähigkeiten nun einem breiteren Anwenderkreis zugänglich machen.
In diesem Zuge räumt Anthropic allerdings ein, dass dieselben Fähigkeiten, die Verteidigern helfen, auch Angreifern nützen könnten [2]. Claude Code Security solle jedoch gezielt Verteidiger dabei unterstützen, Code gegen eine „neue Kategorie KI-gestützter Angriffe" zu schützen.
Die Ankündigung hatte unmittelbare Auswirkungen an der Börse. Laut Bloomberg [3] fielen die Aktienkurse zahlreicher Cybersecurity-Unternehmen am 20. Februar 2026 deutlich. So verloren etwa die Papiere von CrowdStrike 8 Prozent, Cloudflare 8,1 Prozent, Zscaler 5,5 Prozent, SailPoint 9,4 Prozent und Okta 9,2 Prozent. Der Global X Cybersecurity ETF gab um 4,9 Prozent nach und schloss damit auf dem niedrigsten Stand seit November 2023.
Der Ausverkauf reiht sich Bloomberg zufolge in einen breiteren Trend ein: Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF hat seit Jahresbeginn rund 23 Prozent verloren und steuert auf seinen größten prozentualen Quartalsrückgang seit der Finanzkrise 2008 zu. Viele Investoren fürchten demnach, dass die Möglichkeit des sogenannten „Vibe Codings" – also der KI-gestützten Softwareentwicklung – die Nachfrage nach etablierten Softwareprodukten verringern und das Wachstum, die Margen sowie die Preisgestaltung der Anbieter unter Druck setzen könnte.
„Es gibt einen stetigen Abverkauf bei Software, und heute trifft es die Security-Branche mit einem Mini-Flash-Crash auf eine Schlagzeile“, sagte Dennis Dick, Head Trader bei Triple D Trading, gegenüber Bloomberg. „Diese Art von Markt ist beängstigend für Investoren, weil die Kurse unerbittlich nach unten gehen, sobald auch nur ein Hauch von Disruption auftaucht.“
Jefferies-Analyst Joseph Gallo erwartet laut Bloomberg hingegen, dass der Cybersecurity-Sektor letztlich ein Netto-Gewinner durch KI sein werde. Allerdings dürften sich Rückschläge durch „Schlagzeilen" zunächst noch verstärken, bevor Klarheit herrsche und sich die Absicherung von KI-Systemen selbst als Wachstumstreiber für die Branche auszahle. Die mittel- bis langfristigen Implikationen von Anthropics Ankündigung seien, dass KI-Anbieter weitere Produkte auf den Markt bringen und um zusätzliche Cybersecurity-Budgets konkurrieren würden.
Anthropic hat in den vergangenen Monaten die Fähigkeiten von Claude kontinuierlich ausgebaut – von der Veröffentlichung von Claude Sonnet 4.6 [4] mit einem Kontextfenster von einer Million Token bis hin zur Bereitstellung von Claude Code als webbasierte Plattform [5]. Unterdessen befeuert der Abgang eines leitenden IT-Sicherheitsforschers [6] bei Anthropic die Bedenken gegen den zunehmenden Einsatz von KI und die Gefahren durch deren Missbrauch.
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[1] https://www.anthropic.com/news/claude-code-security
[2] https://www.heise.de/news/Bedrohungsbericht-Wie-Cyberkriminelle-Claude-von-Anthropic-missbrauchen-10623436.html
[3] https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-02-20/cyber-stocks-slide-as-anthropic-unveils-claude-code-security
[4] https://www.heise.de/news/Anthropic-veroeffentlicht-Claude-Sonnet-4-6-das-kann-alles-besser-11180679.html
[5] https://www.heise.de/news/Claude-Code-Neue-Web-Version-bringt-mehrere-Vorteile-fuer-Entwickler-mit-sich-10793149.html
[6] https://www.heise.de/news/KI-Sicherheitsexperte-kuendigt-bei-Anthropic-und-sagt-Die-Welt-ist-in-Gefahr-11177184.html
[7] mailto:map@ix.de
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Eine Online-Handelsplattform mit Sitz in Spanien wechselt von AWS auf hiesige Cloud-Dienstleister: Ein Entwickler benennt konkrete Probleme.
Der Entwickler Robert Heide hat eine europäische Autoteile-Handelsplattform gegründet. Diese wollte er nicht (mehr) beim US-amerikanischen Cloud-Hyperscaler Amazon AWS betreiben, sondern bei EU-Anbietern. Welche unvorhergesehenen Probleme beim Umzug zu lösen waren, erläutert er in einem Blog-Beitrag.
Im Blog [1] seiner Beratungsfirma Coinerella.com legt Heide zunächst die Gründe dar, weshalb er die Handelsplattform hank.parts [2] überhaupt bei EU-Anbietern hosten will: Datensouveränität, Unabhängigkeit von US-Firmen, einfachere Erfüllung der DSGVO-Vorgaben. Aber er wollte auch beweisen, dass es geht.
Dann erklärt Heide, welche Anbieter er ausgewählt hat, darunter Hetzner, Scaleway, Bunny.net und Hanko. Schwieriger wurde es dann bei der Infrastruktur, mit der er Kubernetes betreibt, nämlich via Rancher [3]. Dazu wiederum nutzt er Gitea [4], Plausible, Twenty CRM, Infisical und Bugsink.
Dazu kommen noch Tutanota und UptimeRobot.
Laut Heide verkauft Hetzner die Basisdienstleistungen Compute, Massenspeicher (S3-kompatibles Object Storage) und Load Balancing deutlich billiger als AWS.
Von Scaleway nutzt er unter anderem Transactional E-Mail (TEM), Container Registry, den Observability Stack und den Domain Registrar.
Von der slowenischen Bunny.net kommen CDN mit verteiltem Storage, DNS und Schutzfunktionen wie WAF und DDoS Protection. Bei Nebius läuft die KI-Inferenz und bei Hanko Authentifizierung und Identity Management.
Die ersten überraschenden Schwierigkeiten traten laut dem Blog-Beitrag bei der Einrichtung eines E-Mail-Dienstes mit vernünftigen Preisen, aber auch dem gewünschten Funktionsumfang auf. Es sei nicht einfach, die in der EU angebotenen Dienste und deren genaue Preise zu entdecken. Scaleway TEM laufe gut, aber das Ökosystem sei kleiner, beispielsweise fänden sich weniger Templates.
Besonders schwierig fiel dem Entwickler der Abschied vom gewohnten GitHub. Gitea funktioniere zwar sehr gut, verlange aber Umgewöhnung.
Ärgerlich sei, dass die Registrierung unter manchen Top-Level Domains (TLD) über europäische Dienstleister deutlich teurer sei als anderswo.
Der Entwickler beschreibt auch Dienste, die es in der EU schlichtweg nicht gibt. Ohne Google und Apple gibt es keine Smartphone-Apps für Android und iOS und auch keine Werbung mit Google Ads. Zudem erwarte seine Kundschaft Komfortfunktionen wie „Über Google anmelden“ und „Mit Apple anmelden“. Auch der OAuth-Workflow via Hanko müsse in diesem Fall US-Anbieter berühren.
Schließlich würden manche attraktiven KI-Dienste bisher schlichtweg nicht in Europa angeboten, als Beispiel nennt er Anthropic Claude.
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.coinerella.com/made-in-eu-it-was-harder-than-i-thought/
[2] https://hank.parts/
[3] https://www.heise.de/news/SUSE-kauft-Rancher-will-bei-Firmen-weltweit-Geschichte-schreiben-4976497.html
[4] https://www.heise.de/news/Versionsverwaltung-Gitea-1-19-erlaubt-das-Verwenden-von-GitHub-Actions-7590139.html
[5] https://www.heise.de/ct
[6] mailto:ciw@ct.de
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Der Taalas HC1-Chip, der KI-Inferenz in Silizium ermöglicht, verspricht eine deutliche Leistungssteigerung.
(Bild: Taalas)
Das Startup Taalas will mit dem HC1 ein fest verdrahtetes Llama 3.1 8B mit knapp 17.000 Token/s liefern – fast 10-mal schneller als bisherige Lösungen.
Das 2023 in Kanada gegründete Start-up Taalas hat mit dem HC1 einen Technology Demonstrator angekündigt, der KI-Inferenz [1] auf eine neue Stufe heben soll. Statt ein Sprachmodell per Software auf Allzweck-KI-Rechenbeschleunigern auszuführen, gießt Taalas das Modell sozusagen in Silizium. Das erste Produkt ist ein „fest verdrahtetes“ Llama 3.1 8B, das laut Herstellerangaben 17.000 Token pro Sekunde pro Nutzer erzeugen soll.
Laut Taalas bildet das Herzstück ein applikationsspezifischer Logikchip (ASIC) mit rund 53 Milliarden Transistoren, gefertigt bei TSMC im 6‑nm‑Prozess (N6) und 815 mm² Die‑Fläche.
Wie das Unternehmen in einem Blogbeitrag [2] mitteilte, sei das nahezu zehnmal schneller als der aktuelle Stand der Technik. Zum Vergleich: Eine Nvidia H200 erreicht nach Nvidia-eigenen Baseline-Daten rund 230 Token pro Sekunde auf demselben Modell. Spezialisierte Inferenz-Anbieter wie Cerebras kommen laut den unabhängigen Benchmarks von Artificial Analysis [3] auf rund 1.936 Token pro Sekunde – also etwa ein Neuntel des von Taalas beanspruchten Werts. SambaNova folgt mit 916 Token/s, Groq mit 609 Token/s.
Die Konkurrenz schläft jedoch nicht: Nvidia lizenziert seit Dezember 2025 Groqs Technik und hat große Teile des Designteams übernommen [4], um die eigene Position bei dedizierter Hardware zu stärken.
Taalas stellt zum Ausprobieren den Chatbot "Jimmy" bereit [5], der tatsächlich mit bemerkenswerter Geschwindigkeit antwortet – knapp 16.000 Token pro Sekunde waren im Test erreichbar. Einen Preis für den HC1 nennt das Unternehmen bislang nicht. Interessierte Entwickler können sich für den Zugang zu einer Inference-API registrieren.
Das vor zweieinhalb Jahren gegründete Start-up verfolgt drei Kernprinzipien: totale Spezialisierung auf einzelne Modelle, die Verschmelzung von Speicher und Rechenlogik auf einem Chip sowie eine radikale Vereinfachung des gesamten Hardware-Stacks. Taalas beansprucht, Speicher und Rechenwerk bei DRAM-typischer Dichte auf einem einzelnen Chip zu vereinen. Damit entfalle die bei herkömmlicher Inferenz-Hardware übliche Trennung zwischen langsamem Off-Chip-DRAM und schnellem On-Chip-Speicher.
Das verspricht Cerebras zwar auch, baut dazu aber seine gigantische Wafer Scale Engine (WSE) [6], die einen kompletten Wafer belegt und 15 kW Leistung in Hitze verwandelt.
Der Ansatz unterscheidet sich grundlegend von dem, was große Chiphersteller derzeit verfolgen. Nvidia setzt bei seinen KI-Beschleunigern wie dem H200 auf teures High Bandwidth Memory (HBM), aufwendige Gehäusetechnik (Packaging) und extrem hohe I/O-Datentransferraten.
Auch beispielsweise Googles TPU, Amazons Interentia oder Microsofts kürzlich angekündigter Azure-Beschleuniger Maia 200 [7] nutzen bis zu 216 GByte HBM3E-Speicher bei einer Transferrate von 7 TByte/s. Microsoft verspricht zwar eine höhere Performance pro investiertem Dollar [8] als bei Nvidia-Technik, doch Maia ist ebenfalls als Allzweckbeschleuniger für verschiedene KI-Modelle konzipiert.
Taalas eliminiert diese Komplexität, indem der HC1 ausschließlich für ein einzelnes Modell optimiert wird. Das Ergebnis komme ohne HBM, 3D-Stacking, Flüssigkühlung und Highspeed-I/O aus.
Das hat allerdings einen Preis in puncto Flexibilität. Der HC1 ist weitgehend fest verdrahtet – der Chip kann nur Llama 3.1 8B ausführen, nicht beliebige andere Modelle.
Llama 3.1 wurde Mitte 2024 vorgestellt, das ist im KI-Wettrüsten schon ein stattliches Alter. Die kompakte Version mit 8 Milliarden Gewichten (8 Billion, daher Llama 3.1 8B) läuft in quantisierter Form sogar auf einem Raspberry Pi 5 [9] – wenn auch sehr langsam.
Immerhin lassen sich laut Taalas die Größe des Kontextfensters konfigurieren und per Low-Rank-Adapter (LoRA) Feinabstimmungen vornehmen. Zudem räumt das Unternehmen ein, dass die erste Silizium-Generation ein proprietäres 3-Bit-Datenformat nutzt, kombiniert mit 6-Bit-Parametern. Diese aggressive Quantisierung führe zu gewissen Qualitätseinbußen gegenüber GPU-Benchmarks mit höherer Präzision.
Taalas plant, sehr schnell Nachfolger zu liefern. Der schlanke, automatisierte und schnelle Entwicklungsprozess für KI-ASICs ist das eigentliche Ziel des jungen Unternehmens. Es wurde von den Tenstorrent [10]-Gründern Ljubisa Bajic und Drago Ignjatovic ins Leben gerufen. Beide waren zuvor länger für AMD tätig, Bajic auch für Nvidia. Wegen der prominenten Namen – derzeit leitet der bekannte Chipentwickler Jim Keller Tenstorrent – erheischt Taalas viel Aufmerksamkeit in der KI-Szene.
Gerade einmal 24 Teammitglieder hätten das erste Produkt realisiert, bei Ausgaben von 30 Millionen US-Dollar – von insgesamt über 200 Millionen eingesammeltem Kapital. Für einen N6-Chip mit 53 Milliarden Transistoren sind 30 Millionen US-Dollar Entwicklungskosten sehr wenig. Angesichts der extrem hohen Preise für Allzweck-KI-Beschleuniger erwarten die Gründer eine lukrative Marktnische.
Taalas zielt mit seinen Chips ausdrücklich auf Rechenzentren verspricht dort Kosten, die 20-mal niedriger liegen sollen als bei konventioneller GPU-Inferenz, bei einem Zehntel des Stromverbrauchs.
Ein mittelgroßes Reasoning-Modell auf Basis der gleichen HC1-Plattform soll im Frühjahr in den Taalas-Laboren eintreffen und kurz darauf als Inference-Service verfügbar werden.
Danach plant das Unternehmen, mit der zweiten Chipgeneration HC2 ein Frontier-LLM umzusetzen. Die HC2-Plattform soll standardisierte 4-Bit-Gleitkommaformate unterstützen, höhere Packungsdichte bieten und noch schneller arbeiten. Ein Deployment ist für den Winter vorgesehen.
Die von Taalas genannten Leistungsdaten sind beeindruckend, lassen sich bislang aber nur eingeschränkt überprüfen. Die Benchmarks stammen aus hauseigenen Tests; unabhängige Messungen von Dritten liegen bisher nicht vor.
Auch ist unklar, wie sich die Qualitätseinbußen durch die aggressive Quantisierung in der Praxis auswirken – insbesondere bei komplexeren Aufgaben jenseits einfacher Chat-Konversationen. Ob das Konzept modellspezifischer Chips wirtschaftlich skaliert, wenn für jedes neue Modell eigenes Silizium gefertigt werden muss, bleibt ebenfalls abzuwarten.
Taalas geht es nicht um sogenannte „Edge AI“-Anwendungen, bei denen trainierte Modelle ohne Cloud-Anbindung direkt auf dem Gerät laufen. Das sind häufig Modelle für Spracherkennung, Sprachsteuerung, Objekterkennung in Videobildern für Überwachungskameras, Radar-Sensorauswertung oder Maschinenüberwachung durch Geräuschanalyse (Predictive Maintenance). Das ist die Domäne der Neural Processing Units (NPUs) mit derzeit 10 bis 90 Int8-Tops, die in verwirrender Vielfalt auf den Markt kommen: M5Stacks AI Pyramid-Pro [11], die Hailo-NPUs zum Nachrüsten des Raspberry Pi 5 [12], Google Coral [13] und die Embedded-Versionen von x86- und ARM-Prozessoren wie AMD Ryzen, Intel Panther Lake, Qualcomm Snapdragon, Mediatek Genio, Rockchip und etwa auch RISC-V-SoCs wie der SpacemiT K3 [14]. Auch die europäischen Automotive-Mikrocontroller-Spezialisten Infineon, STMicroelectronics und NXP offerieren alle Chips mit eingebauten NPUs, ebenso wie TI und Renesas.
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[1] https://www.heise.de/thema/Kuenstliche-Intelligenz
[2] https://taalas.com/the-path-to-ubiquitous-ai/
[3] https://artificialanalysis.ai/models/llama-3-1-instruct-8b/providers#speed
[4] https://www.heise.de/news/Zoff-zwischen-Nvidia-und-OpenAI-11163902.html
[5] https://chatjimmy.ai/
[6] https://www.heise.de/news/Riesige-Wafer-KI-Beschleuniger-Cerebras-ist-8-1-Milliarden-US-Dollar-wert-10725902.html
[7] https://www.heise.de/news/Microsoft-Azure-KI-Beschleuniger-Maia-200-soll-Google-TPU-v7-uebertrumpfen-11152444.html
[8] https://www.heise.de/news/Microsoft-Azure-KI-Beschleuniger-Maia-200-soll-Google-TPU-v7-uebertrumpfen-11152444.html
[9] https://learn.arm.com/learning-paths/embedded-and-microcontrollers/rpi-llama3/run/
[10] https://www.heise.de/news/Nach-AMD-und-Intel-Chipentwickler-Urgestein-Jim-Keller-geht-zu-KI-Start-up-5004798.html
[11] https://www.heise.de/news/M5Stack-AI-Pyramid-Pro-24-TOPS-Edge-KI-im-Kompaktformat-11173032.html
[12] https://www.heise.de/news/NPU-fuer-den-Raspberry-Pi-5-Edge-KI-Beschleuniger-leistet-bis-zu-40-Tops-11136529.html
[13] https://www.heise.de/news/KI-Nachwuchs-Coral-Dev-Board-Micro-von-Google-6346032.html
[14] https://www.heise.de/news/RISC-V-Einplatinencomputer-mit-RVA23-Chip-fuer-neue-Linux-Distributionen-11167085.html
[15] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[16] mailto:vza@heise.de
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Eine Online-Handelsplattform mit Sitz in Spanien wechselt von AWS auf hiesige Cloud-Dienstleister: Ein Entwickler benennt konkrete Probleme.
Der Entwickler Robert Heide hat eine europäische Autoteile-Handelsplattform gegründet. Diese wollte er nicht (mehr) beim US-amerikanischen Cloud-Hyperscaler Amazon AWS betreiben, sondern bei EU-Anbietern. Welche unvorhergesehenen Probleme beim Umzug zu lösen waren, erläutert er in einem Blog-Beitrag.
Im Blog [1] seiner Beratungsfirma Coinerella.com legt Heide zunächst die Gründe dar, weshalb er die Handelsplattform hank.parts [2] überhaupt bei EU-Anbietern hosten will: Datensouveränität, Unabhängigkeit von US-Firmen, einfachere Erfüllung der DSGVO-Vorgaben. Aber er wollte auch beweisen, dass es geht.
Dann erklärt Heide, welche Anbieter er ausgewählt hat, darunter Hetzner, Scaleway, Bunny.net und Hanko. Schwieriger wurde es dann bei der Infrastruktur, mit der er Kubernetes betreibt, nämlich via Rancher [3]. Dazu wiederum nutzt er Gitea [4], Plausible, Twenty CRM, Infisical und Bugsink.
Dazu kommen noch Tutanota und UptimeRobot.
Laut Heide verkauft Hetzner die Basisdienstleistungen Compute, Massenspeicher (S3-kompatibles Object Storage) und Load Balancing deutlich billiger als AWS.
Von Scaleway nutzt er unter anderem Transactional E-Mail (TEM), Container Registry, den Observability Stack und den Domain Registrar.
Von der slowenischen Bunny.net kommen CDN mit verteiltem Storage, DNS und Schutzfunktionen wie WAF und DDoS Protection. Bei Nebius läuft die KI-Inferenz und bei Hanko Authentifizierung und Identity Management.
Die ersten überraschenden Schwierigkeiten traten laut dem Blog-Beitrag bei der Einrichtung eines E-Mail-Dienstes mit vernünftigen Preisen, aber auch dem gewünschten Funktionsumfang auf. Es sei nicht einfach, die in der EU angebotenen Dienste und deren genaue Preise zu entdecken. Scaleway TEM laufe gut, aber das Ökosystem sei kleiner, beispielsweise fänden sich weniger Templates.
Besonders schwierig fiel dem Entwickler der Abschied vom gewohnten GitHub. Gitea funktioniere zwar sehr gut, verlange aber Umgewöhnung.
Ärgerlich sei, dass die Registrierung unter manchen Top-Level Domains (TLD) über europäische Dienstleister deutlich teurer sei als anderswo.
Der Entwickler beschreibt auch Dienste, die es in der EU schlichtweg nicht gibt. Ohne Google und Apple gibt es keine Smartphone-Apps für Android und iOS und auch keine Werbung mit Google Ads. Zudem erwarte seine Kundschaft Komfortfunktionen wie „Über Google anmelden“ und „Mit Apple anmelden“. Auch der OAuth-Workflow via Hanko müsse in diesem Fall US-Anbieter berühren.
Schließlich würden manche attraktiven KI-Dienste bisher schlichtweg nicht in Europa angeboten, als Beispiel nennt er Anthropic Claude.
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Einige Abonnenten des kostenpflichtigen Youtube-Premium-Abos haben offenbar Werbeanzeigen eingespielt bekommen, als sie Musik über Youtube Music auf einem Google-Home-Lautsprecher gehört haben. Das berichten zahlreiche Betroffene auf Reddit .
Demnach wurde unvermittelt Werbung vor und zwischen einzelnen Liedern eingespielt, was im Rahmen des Premium-Abos gerade nicht passieren sollte. Youtube spielt eigentlich nur bei der kostenlosen Nutzung Werbeanzeigen ein.
Einige Nutzer berichten zudem, dass zwischen den einzelnen Liedern auch ohne Werbung stellenweise ein Zeitraum von 30 Sekunden lag. Ein Betroffener beschreibt, dass auf dem Display seines Nest Hubs dazu ein schwarzer Bildschirm zu sehen war. Einem weiteren Nutzer zufolge wurde auf einmal Top-40-Musik abgespielt, die nicht zum üblichen Hörverhalten passte.
Ein offizieller Google-Account äußerte sich bereits nach der Bekanntgabe der Probleme im Thread. Demnach wurde direkt nach einer Lösung für das Problem gesucht – und gefunden: Kurze Zeit später gab Google bekannt, dass alles wieder funktionieren sollte; Betroffene bestätigten das.
Die Wiedergabe von Youtube Music auf anderen Geräten scheint zu keiner Zeit betroffen gewesen zu sein. Zu den Gründen des Fehlers äußerte sich Google nicht.

Noch während die Reaktionen auf das Urteil des Supreme Courts eintreffen, tritt Donald Trump vor die Kameras – und verkündet seinen nächsten Schritt. Auf Basis von Section 122 des Trade Act von 1974 verhängt die Regierung einen neuen Basiszoll von zehn Prozent . Die Rechtsgrundlage ist diesmal eine andere, das Ziel bleibt dasselbe. Die Regelung erlaubt einem Präsidenten die Verhängung von Zöllen für bis zu 150 Tage – was der Regierung Zeit verschaffen soll, längerfristige Maßnahmen vorzubereiten.
Parallel zur Sofortmaßnahme kündigte die US-Regierung Untersuchungen wegen unfairer Handelspraktiken verschiedener Länder an. Sie sollen die rechtliche Grundlage für Zölle schaffen, die über die 150-Tage-Grenze hinaus Bestand haben. Trump interpretierte das Urteil dabei demonstrativ als Stärkung seiner Position: Das Gericht habe nicht seine Befugnisse im Handelsbereich beschnitten, sondern lediglich klargestellt, auf welcher gesetzlichen Grundlage diese auszuüben seien, teilte der US-Präsident mit.
Für Handelspartner und Unternehmen bringt der schnelle Schwenk wenig Erleichterung. Die British Chamber of Commerce verwies einem Bericht des Telegaph nach darauf , dass ohnehin nicht alle Zölle vom Urteil betroffen sind – Stahl und Aluminium etwa bleiben unangetastet.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger geht davon aus, dass der steigende Strombedarf durch KI in den kommenden Jahren über die aktuelle Versorgung gedeckt werden kann. Längerfristig brauche man aber andere Lösungen, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur zum Abschluss des KI-Gipfels in Neu-Delhi, ohne konkreter zu werden.
Man diskutiere darüber auf europäischer Ebene, sagte Wildberger, und verwies auf Gespräche, die er in der indischen Hauptstadt mit Norwegen geführt habe. Norwegen hat bei erneuerbaren Energien einen Standortvorteil – Stichwort Wasserkraft.
Der KI-Boom mit dem Ausbau großer Rechenzentren wird nach Einschätzung von Fachleuten den Strombedarf stark steigen lassen. Gleichzeitig versucht die EU, bis 2050 klimaneutral zu werden. Gas- und Kohleverbrennung zur Stromerzeugung scheiden damit langfristig aus. Deutschland stieg zudem bereits aus der Atomkraft aus.
Wildberger hofft auch auf Kernfusion als neue klimaneutrale Energiequelle. Dabei werden – anders als bei der Kernspaltung in herkömmlichen Atomkraftwerken – Kerne verschmolzen, woraus Energie entsteht. Bisher wird damit nur experimentiert. Experten sind sich angesichts schwieriger technischer Fragen uneins, ob und wann das Prinzip praktisch zur Stromversorgung genutzt werden kann.
"Ich glaube, langfristig, so in zehn Jahren, kann das ein wichtiger Baustein sein" , sagte Wildberger. "Kurz- und mittelfristig, glaube ich, brauchen wir natürlich andere Lösungen. Dazu gehören auch die Erneuerbaren." Die Bundesregierung gab das Ziel aus, dass das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland entsteht.
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Vorausschauende Politikgestaltung gilt in Zeiten globaler Unsicherheit als Gebot der Stunde. Doch wie gelingt der Blick in die Zukunft?
Nationale Interessen und ihre Durchsetzung haben Hochkonjunktur. Nicht umsonst etablierte [1] die Ampel-Regierung – einem weltweiten Boom strategischer Politikberatung folgend – im September 2022 ein deutsches Kompetenzzentrum zur strategischen Vorausschau.
Das Gründungsdatum war kein Zufall: Europa, insbesondere das politische Berlin, wurden vom Ausbruch des offenen Ukraine-Krieges kalt erwischt [2]. Sinnbildlich musste der Leiter des Bundesnachrichtendienstes (BND), Bruno Kahl, aus Kiew fliehen [3].
Derlei Schmach darf sich nicht wiederholen: In rascher Folge wurden in diversen Bundesministerien Foresight-Abteilungen entweder auf- oder ausgebaut.
Strategische Vorausschau hat auch abseits der bundespolitischen Bühne Hochkonjunktur: Mit dem Fraunhofer Institut [4], diversen deutschen Wirtschaftsverbänden wie dem IDW [5] oder Beratungsinstitutionen wie Foresight Intelligence [6] ist der politikwissenschaftliche Ansatz Zukunft möglichst krisensicher vorherzusagen, in der gesellschaftlichen Breitendebatte angekommen.
Doch kann ein Instrumentarium, das den letzten Krieg nicht kommen sah, den nächsten vorhersehen?
Der Politikwissenschaftler Olaf Theiler erläutert [7], dass strategische Vorausschau ein Teilbestandteil der klassischen Politikanalyse sei. Dabei ist wichtig, dass Vorausschau als Ergänzung, nicht als Ersetzung verstanden wird.
Insofern liefern Zukunftsbilder einen Analyserahmen, als dessen Ziel eine resilientere Strategie stehen soll. Insbesondere wird jedoch darauf abgezielt, strategische Entscheidungsträger bestmöglich vorzubereiten, zu informieren und – im positiven Sinne – zu beeinflussen [8].
Dabei stellt die Vorausschau explizit keine präzise Zukunftsprognose dar – sie unterstützt strategische Entscheidungsfindung, indem sie eine weite Spanne an Variablen miteinbezieht und mögliche Konstellationsmuster antizipiert.
Innerhalb der strategischen Vorausschau haben sich verschiedene Arbeitsmethoden etabliert: es konkurrieren Horizon Scanning [9], eine wissenschaftliche Methode zur frühzeitigen Erkennung neuer Gefahren, die klassische Szenarioanalyse und strukturierte Expertenbefragungen (Delphi-Befragungen) um die Gunst der Anwendung.
Aus dem Berliner Bundesministerium der Verteidigung (Bmvg) gab Frank Richter, Leiter des Referats Politik II 1 im Bundesministerium, exklusive Einblicke. In einem wissenschaftlichen Artikel skizziert [10] Richter weitreichende Abläufe im ministerialen Prozess: Strategieentwicklung wird demnach nicht als einmaliges Projekt, sondern als kontinuierlicher institutionalisiert-struktureller Prozess verstanden.
Neben dem Planungsamt der Bundeswehr [11] arbeiten diverse Abteilungen im Hause an der strategischen Aufstellung, welche sich in drei zusammenfließende Arbeitsprozesse aufgliedert. Neben der Früherkennung von Risikofaktoren [12] ist dies ein explizit interdisziplinärer Ansatz und eine Integration in den generellen Strategieplanungsprozess.
Unterschieden wird primär nach zeitlichen Ausdifferenzierungen: akute Entwicklungen (Kurzfristigkeit) über zu planende mittelfristige Abläufe bis hin zu strukturell-langfristigen Handlungsoptionen. Das Ziel sei es dabei nicht nur, mögliche Entwicklungen zu beobachten, sondern aktiv über alternative Zukunftsentwicklungen nachzudenken und Handlungsoptionen zu testen.
Im Spannungs- oder Verteidigungsfall [13] würde darüber hinaus nicht ein einzelnes Ministerium Entscheidungskompetenz erlangen, sondern – vermittelt durch die starke Position des Bundeskanzlers – eine interdisziplinär-beratende Melange aus Kompetenzinstitutionen.
Neben dem Parlament als primär zustimmende Position lägen zentrale Kompetenzen im neu formierten Nationalen Sicherheitsrat [14], welcher Informationen bündeln, Wissen generieren und Entscheidungen konzentrieren soll.
Dabei sei betont, dass derlei Beratungen weit über das Verteidigungsministerium hinausreichen: Beteiligt sein könnten demnach auch das Clausewitz-Forum der Bundeswehr [15] (Cnss) mit Sitz an der Führungsakademie der Bundeswehr oder die Strategic Foresight Conversation [16] der EU.
Oftmals sind jedoch Akteure und ihre Handlungen – trotz rationaler Handlungsmuster – nicht genau vorhersagbar. Auf EU-Ebene herrscht zudem ein Kompetenzgerangel im Spannungsfeld zwischen Nationalstaaten und EU-Legislative. Offenheit wird – verstärkt durch die Unsicherheit eines US-Partners – durch Geheimhaltung, Cyber-Sicherheit, Geheimdienstquellen und militärische Logiken beschnitten.
Vorausschau kann Wahrscheinlichkeiten liefern, jedoch keine exakten Ergebnisse vorhersehen. Als Exempel mag die Covid-19-Pandemie gelten: In diversen Szenarien waren weltumspannende Pandemie-Ereignisse und ihre Folgekosten einkalkuliert, jedoch mangelte es oftmals an einer konkreten Bestimmung von Zeit, Ort, politischen Reaktionen und zu Ende gedachten Maßnahmen.
Kritiker sehen bisher zudem eine unzureichende institutionelle Verankerung in der Entscheidungsstruktur – viele Analysen werden extern vergeben (explodierende Beraterkosten [17] inklusive) und in der Implementierung verschleppt.
Lars Brozus von der Stiftung Wissenschaft und Politik führt zudem an [18], dass oftmals Voraussetzungen für gute Vorausschau nicht gegeben seien: Zukunftsanalysen müssten demnach ohne politische Denkverbote und Tabus vorgenommen werden, was in ihrer praktisch-politischen Einbindung in bestehende politische Netzwerke unmöglich erscheint.
In der Praxis beschäftigt sich die deutsche strategische Vorausschau – neben der Lagebestimmung zu Washington und Peking – vermehrt mit einem möglichen Ausgang des Ukraine-Konfliktes.
Dr. Hans-Georg Ehrhart, Senior Research Fellow [19] am Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH), sieht hierbei [20] – mit Stand 2025 – drei mögliche Szenarien als plausibel an. Als hypothetisches Kriegsende werden sowohl ein Sieg Russlands, der Ukraine sowie eine Pattsituation analysiert.
Ehrhart zufolge muss – dies belegt das zentrale Merkmal der strategischen Vorausschau eines Denkens in Variablen und Möglichkeiten – insbesondere das Verhalten Brüssels und Washingtons einkalkuliert werden. Ehrhart sieht Russland als Gewinner im Krieg, sofern ein republikanisch dominierter US-Präsident den materiellen Rückhalt für die Ukraine stark reduziert.
Im strategischen Drei- oder Viereck besäße dies direkte Auswirkungen auf Europa: auch Berlin wäre gezwungen, ihre Rüstungsausgaben massiv in die Höhe zu schrauben.
Ehrhart skizziert zudem die Möglichkeit, dass die Ukraine den Krieg gewinnen könnte: unter der Prämisse eines demokratischen US-Präsidenten, einer ökonomisch wie politisch instabilen Situation Russlands, einer zeitnahen Eu- wie Nato-Aufnahme der Ukraine und einer bis hin zu nuklearen Spannungen eskalierten amerikanisch-russischen Konfrontation wäre jenes Szenario denkbar.
Im dritten Szenario ergäbe sich eine unklare Pattsituation: Weder Russland noch die Ukraine erringen einen eindeutigen Sieg, Kämpfe dauern an, Frontlinien ändern sich kaum.
Interessant ist, dass – obwohl viele Vorzeichen für Szenario I aktuell sprechen – das Ergebnis der Patt-Situation wohl der aktuellen Ergebnis-Lage am nächsten kommt. Dies verweist auf eine grundlegende Schwäche strategischer Vorausschau: Keine – so gut diese auch alle Variablen einberechnet – kann die Zukunft exakt vorherbestimmen.
Selbst unter modernsten Rahmenbedingungen, einem vernetzt-interdisziplinären Ansatz und weitreichenden finanziellen Ressourcen kann sich strategische Vorausschau nur an die Zukunft annähern. Wahrheit bleibt letztlich konkret.
URL dieses Artikels:https://www.heise.de/-11174629
Links in diesem Artikel:[1] https://www.baks.bund.de/de/aktuelles/kompetenzzentrum-strategische-vorausschau[2] https://booksandideas.net/Why-the-Ukraine-War-Caught-Europe-by-Surprise.html[3] https://www.welt.de/politik/ausland/article237161779/BND-Chef-wird-in-der-Ukraine-von-russischem-Angriff-ueberrascht.html[4] https://www.isi.fraunhofer.de/de/competence-center/foresight.html[5] https://www.idw-online.de/de/news801234[6] https://www.foresight-intelligence.de/[7] https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-23975-6_8[8] https://www.oecd.org/strategic-foresight/[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Horizont-Scanning[10] https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/9783748905639/strategieentwicklung-als-institutionalisierter-prozess[11] https://www.bundeswehr.de/de/organisation/weitere-bmvg-dienststellen/planungsamt-der-bundeswehr[12] https://www.swp-berlin.org/publikation/crisis-early-warning-and-foresight-in-peace-and-security-policy[13] https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/zwischen-frieden-und-krieg-was-bedeutet-spannungsfall,U7xqKIz[14] https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/nationaler-sicherheitsrat-2331288[15] https://de.wikipedia.org/wiki/Clausewitz_Netzwerk_f%C3%BCr_strategische_Studien[16] https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/STUD/2023/747454/EPRS_STU(2023)747454_EN.pdf[17] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2023-08/verteidigungsministerium-berater-ausgaben-kosten[18] https://www.swp-berlin.org/publikation/strategische-vorausschau-krisen-rechtzeitig-erkennen-um-handeln-zu-koennen[19] https://ifsh.de/personen/dr-hans-georg-ehrhart/[20] https://www.kvak.ee/files/2024/03/ST_23_Hans-Georg-Ehrhart_-GERMANY-AND-EUROPE-AFTER-THE-UKRAINE-WAR-IN-2025-THREE-SCENARIOS.pdf
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US-Präsident Trump hat angekündigt, Akten zu den Themen UAP und Aliens freizugeben
(Bild: KI-Generiert)
Nachdem Barack Obama Aussage über "reale Aliens" für Schlagzeilen gesorgt hatte, kündigt Trump nun an, Regierungsakten zum Thema freigeben zu lassen.
In einer Schnellfragerunde im Podcast des US-Politikkommentators Brian Tyler Cohen [1] hatte Obama auf die Frage, ob Aliens real seien, zunächst geantwortet, Aliens seien "real", befänden sich aber weder in Area 51 (einer Militärbasis in Nevada) in noch in geheimen Untergrundanlagen. Auf die Nachfrage, welche Frage er als Präsident am liebsten beantwortet hätte, entgegnete Obama augenzwinkernd: "Wo sind die Aliens?"
Angesichts der weltweiten Medienreaktionen sah sich Obama jedoch rasch zu einer Klarstellung gezwungen. Am 16. Februar 2026 erklärte er, statistisch sei außerirdisches Leben im Universum zwar plausibel, doch während seiner Präsidentschaft habe er jedoch keinerlei Hinweise auf Besuche nicht-menschlicher Intelligenzen gesehen.
Gestern wurde Trump an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One von Reportern auf Obamas Aussagen angesprochen. Auf die Frage nach eigenen Belegen für nicht-menschliche Besucher erklärte Trump ausweichend, Obama habe "da klassifizierte Informationen" preisgegeben, was dieser nicht hätte tun dürfen.
Ob Aliens real seien, ließ Trump auf Nachfrage eines Reporters selbst offen. "Viele Leute reden darüber, viele Leute glauben das." Zugleich deutete er gewohnt gönnerhaft an, er selbst könne Obama durch mögliche Deklassifizierungen dieser Informationen und Akten "eine Menge Ärger ersparen".
Kurz darauf machte er seine Absicht dann offiziell und kündigte über einen seiner berühmten nächtlichen Posts auf TruthSocial an, Verteidigungsminister Pete Hegseth und weitere zuständige Ministerien und Behörden anzuweisen, sämtliche UFO- und Alien-relevanten Regierungsakten zu identifizieren und freizugeben.
"Aufgrund des enormen gezeigten Interesses werde ich den Kriegsminister und andere zuständige Ministerien und Behörden anweisen, den Prozess zur Identifizierung und Freigabe von Regierungsakten zu außerirdischem und extraterrestrischem Leben, unidentifizierten Phänomenen im Luftraum (UAP) und unidentifizierten Flugobjekten (UFOs) sowie sämtlichen weiteren damit verbundenen Informationen zu beginnen. Gott segne Amerika!" schrieb Trump [2] auf Truth Social.
Ob Trumps Vorstoß praktische Folgen haben wird, bleibt abzuwarten. Einen seiner berühmt-berüchtigten Zeitpläne für das Vorhaben nannte der Präsident diesmal nicht.
Tatsächlich existiert jedoch bereits eine entsprechende gesetzliche Grundlage: Im Rahmen des US-Verteidigungshaushaltsgesetztes (DNAA) wurde noch unter Präsident Joe Biden die Einrichtung einer zentralen UFO-Akten-Sammlung beschlossen.
Diese Unidentified Anomalous Phenomena Records Collection (UAPRC) [3] der National Archives and Records Administration (NARA) soll sämtliche Dokumente zu UAP, Technologien unbekannter Herkunft und möglicher nicht-menschlicher Intelligenz bündeln. Nach dem Vorbild des Archivs zu den Kennedy-Akten gilt grundsätzlich eine 25-Jahres-Frist für die Veröffentlichung – es sei denn, der Präsident macht Sicherheitsbedenken geltend. Die praktische Umsetzung hinkt allerdings hinter den politischen Vorgaben her.
Unabhängig von aktuellen Ankündigungen sind in den USA bereits seit Jahren umfangreiche UFO-Unterlagen einsehbar. Allein die Akten der ersten systematischen Untersuchung von UFO-Phänomenen durch die US Air Force von 1952 bis 1969, Project Blue Book, umfassen mehr als 100.000 digital über die National Archives verfügbare Einträge [4].
Auch das Federal Bureau of Investigation (FBI) [5] und die Central Intelligence Agency (CIA) [6] haben Teile ihrer UFO-Bestände online veröffentlicht. Die politische Dynamik dreht sich daher weniger um das "Ob" von Veröffentlichungen als um Umfang, Tempo und mögliche noch zurückgehaltene Informationen und Kernbestände.
Während deutsche Stellen jahrzehntelang betonten, UFOs spielten behördlich keine Rolle, zeichnen freigegebene Akten ein differenzierteres Bild. Der Autor dokumentierte 2021 in seinem Buch "Deutschlands UFO-Akten", dass auch Bundeswehr, Ministerien und der Bundesnachrichtendienst (BND) Sichtungsmeldungen sammelten und auswerteten.
So enthält die im Bundesarchiv verwahrte BND-Akte "DDR Grenzsperranlagen an der IDG – UFO" (1983–1987) zahlreiche Berichte über unbekannte Flugobjekte im innerdeutschen Grenzgebiet.
Ziel der Untersuchungen war allerdings nicht die Suche nach außerirdischer Technologie, sondern die Aufklärung möglicher Spionageaktivitäten des Warschauer Pakts. Viele Fälle ließen sich entsprechend konventionell erklären; einige wenige blieben ungeklärt.
Trumps Ankündigung reiht sich in eine seit Jahren wachsende politische Aufmerksamkeit für UAP-Themen ein. Neu ist vor allem die Rhetorik – weniger die Substanz. Klar war, dass sich Trump auch diesen Trumpf nicht so ohne weiteres aus der Hand nehmen lassen will – nicht von Obama und noch weniger von seinem verhassten Zwischengänger Biden.
Ob daraus tatsächlich eine offizielle UFO- und Alien-Enthüllung, die sogenannte Disclosure des US-Wissens um UFOs und außerirdische Besucher, oder auch nur zusätzliche Transparenz zum Thema entsteht, wird sich erst zeigen, wenn den Worten konkrete Freigaben folgen.
Bei Trump werden solche Ansagen gerne auch mal vergessen oder verschoben – es kann aber auch unerwartet schnell gehen. Bis dahin bleibt der Vorstoß vor allem eines: ein politisch wirksames Signal in einem Forschungsfeld, das längst nicht mehr ausschließlich im Schatten des Militärs steht und sich auch wissenschaftlich immer mehr etabliert.
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Microsoft richtet seine Gaming-Organisation neu aus: Xbox-Chef Phil Spencer zieht sich im Sommer 2026 aus dem operativen Geschäft zurück und bleibt nur noch übergangsweise als Berater. Gleichzeitig verlässt auch Xbox-Präsidentin Sarah Bond das Tagesgeschäft.
Die Leitung der Sparte übernimmt künftig Asha Sharma aus Microsofts Core-AI-Organisation, während Studios-Chef Matt Booty zum Chief Content Officer aufsteigt und alle Entwicklerstudios bündelt. Grundlage sind interne Mitteilungen, über die unter anderem Game File berichtet .
Spencer habe den Schritt bereits im vergangenen Herbst angekündigt, der Übergang sei "bewusst vorbereitet" worden, erklärt CEO Satya Nadella. Gaming bleibe ein zentraler Bestandteil des Konzerns und erreiche inzwischen "über 500 Millionen monatlich aktive Nutzer".
In einer Mitteilung nennt Spencer selbst seine Zeit an der Spitze "das Privileg meines Lebens" und spricht von einem neuen Abschnitt, für den ein stabiler Übergang wichtig sei.
Inhaltlich passt der Umbruch zur Entwicklung der vergangenen Jahre. Unter Spencer wandelte sich Xbox von einer primär hardwaregetriebenen Marke zu einer plattformübergreifenden Infrastruktur.
Dazu gehören PC-Versionen parallel zur Konsole, Cloud-Streaming, das Spieleabo Game-Pass-Abo und die milliardenschwere Übernahme von Activision Blizzard. Klassische Konsolenverkäufe verloren relativ an Bedeutung gegenüber Nutzerzahlen und Diensten.
Dass mit Sharma nun eine Managerin aus dem KI- und Plattformgeschäft übernimmt und gleichzeitig Bond ausscheidet, gilt als Signal für die nächste Phase. Microsoft versteht Xbox offenbar zunehmend als Dienst und Ökosystem statt als einzelne Gerätekategorie. Hardware bleibt Teil des Angebots, steht aber weniger im Mittelpunkt als Entwickler-Tools, Cloud und geräteübergreifender Zugriff.