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MongoDB: kritische Sicherheitslücke in NoSQL-Datenbank

Von Heise

(Bild: Sashkin/Shutterstock.com)

MongoDB warnt vor einer schwerwiegenden Sicherheitslücke, die neuere Versionen betrifft. Admins sollten umgehend patchen.

Das Sicherheitsteam der NoSQL-Datenbank-Software MongoDB [1] hat am Freitag in eine schwerwiegende Sicherheitslücke dokumentiert: „Ein clientseitiger Exploit der zlib-Implementierung des Servers kann nicht initialisierten Heap-Speicher zurückgeben, ohne dass eine Authentifizierung am Server erforderlich ist. Wir empfehlen dringend, so schnell wie möglich auf eine korrigierte Version zu aktualisieren.“

Angreifer können einen Fehler in der Kompressionssoftware zlib ausnutzen, um auf nicht zurückgesetzten dynamischen Arbeitsspeicher (heap memory) zuzugreifen, wo möglicherweise noch alte Daten, etwa Passwörter, Schlüssel oder andere sensible Daten liegen. Die Zugangsdaten für die Datenbank bräuchte ein Angreifer dafür nicht. Eine Benutzerinteraktion ist dafür laut BleepingComputer [2] nicht nötig.

Die Schwachstelle betrifft die folgenden MongoBB-Server-Versionen:

MongoDB 8.2.0 bis 8.2.3
MongoDB 8.0.0 bis 8.0.16
MongoDB 7.0.0 bis 7.0.26
MongoDB 6.0.0 bis 6.0.26
MongoDB 5.0.0 bis 5.0.31
MongoDB 4.4.0 bis 4.4.29

Sowie jeweils alle

MongoDB Server v4.2 Versionen
MongoDB Server v4.0 Versionen
MongoDB Server v3.6 Versionen

Diese sind jeweils auf MongoDB 8.2.3, 8.017, 7.0.28, 6.0.27, 5.0.32 oder 4.4.30 upzugraden.

Die unter CVE-2025-14847 veröffentlichte Sicherheitslücke gilt als kritisch und hat einen CVSS-Score von 8,7.
Wer nicht sofort auf eine der gepatchten Versionen upgraden kann, soll die zlib-Komprimierung auf dem MongoDB-Server deaktivieren. Das geht laut der MongoDB-Warnung [4], „indem man mongod oder mongos mit einer networkMessageCompressors - oder net.compression.compressors -Option startet, die zlib explizit ausschließt.“

MongoDB wird weltweit von mehr als 62.000 Kunden genutzt. Das Datenbankmanagementsystem sichert Daten in BSON-Dokumenten (Binary JSON) statt wie klassische relationale SQL-Datenbanken wie MySQL oder PostgreSQL in Tabellen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11124891

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Datenbanken-und-KI-MongoDB-uebernimmt-AI-Voyage-10294394.html
[2] https://www.bleepingcomputer.com/news/security/mongodb-warns-admins-to-patch-severe-rce-flaw-immediately/
[3] https://pro.heise.de/security/?LPID=45883_HS1L0001_33064_999_0&wt_mc=intern.fd.secuirtypro.Aktionsende25.disp.disp.disp
[4] https://jira.mongodb.org/browse/SERVER-115508
[5] mailto:kst@heise.de

Copyright © 2025 Heise Medien

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  • 25. Dezember 2025 um 18:19

Ruby 4.0: Viel Umbau unter der Haube, wenig neue Features

Von Heise
Rubin vor grauem Hintergrund

(Bild: Erzeugt mit Midjourney durch heise online)

Die neue Major-Version mit einem neuen JIT-Compiler, überarbeiteter Parallelsierungs-API und einem reifendem Typsystem ebnet den Weg für die nächste Dekade.

Am 21. Dezember 2025 wurde die Sprache Ruby 30 Jahre alt – und seit rund 20 Jahren veröffentlicht ihr Schöpfer, Yukihiro Matsumoto (Matz), jedes Jahr zu Weihnachten eine neue größere Version, am 25. Dezember 2025 sogar eine mit der runden Versionsnummer 4.0. Die ist, soviel sei vorweggenommen, eher Dekoration und dem Jubiläum geschuldet als tatsächlich durch zahlreiche neue Features gerechtfertigt. Doch da Ruby ohnehin keiner strengen semantischen Versionierung folgt und größere Breaking Changes meidet wie der Teufel das Weihwasser (zumindest seit Ruby 1.9), ist das legitim.

Andererseits war 2025 ein spannendes Jahr für Ruby und die Ruby-on-Rails-Welt, so dass dieser Artikel neben dem Blick nach vorn auf Ruby 4 auch auf das zurückblickt, was Ruby in den letzten Monaten technisch erreicht hat und die jetzt erschienene Version in diesem Kontext stellt. Denn obwohl das Vorurteil von Ruby als langsamer Sprache schwer auszurotten ist, hat die Sprache durch langjährige, fortdauernde Entwicklung eine beeindruckende Performance entwickelt.

Der mit Ruby 3.4 noch einmal deutlich optimierte Just-in-Time-Compiler YJIT erreicht in Benchmarks von Shopify eine Leistungssteigerung [1] von 92 Prozent gegenüber dem Interpreter. Der Praxisbeweis kam am Black Friday 2025 [2]: Shopify wickelte mit seiner Ruby-on-Rails-Infrastruktur Einkäufe von 81 Millionen Kunden ab. Die Spitzenlast betrug 117 Millionen Requests pro Minute auf den Applikationsservern, während die Datenbanken 53 Millionen Lesezugriffe und 2 Millionen Schreibzugriffe pro Sekunde bewältigten.

Doch auch die Arbeiten an künftigen Performance-Optimierungen gehen weiter voran. Die technisch bedeutendste Neuerung in Ruby 4 ist ZJIT, ein experimenteller Method-Based-JIT-Compiler, den das gleiche Team bei Shopify entwickelt wie YJIT. ZJIT wurde im Mai 2025 nach Matz' Zustimmung auf der Konferenz RubyKaigi [3] in den Master-Branch gemerged [4].

ZJIT unterscheidet sich architektonisch fundamental von YJIT. Während YJIT den Bytecode der Ruby-VM YARV direkt in Low-Level-IR kompiliert und dabei einen Basic-Block nach dem anderen verarbeitet (Lazy Basic Block Versioning), verwendet ZJIT die Static Single Assignment Form (SSA) als High-Level Intermediate Representation (HIR) und kompiliert komplette Methoden auf einmal. Diese Architektur soll breiteren Community-Beiträgen den Weg ebnen und langfristig die Speicherung kompilierten Codes zwischen Programmausführungen ermöglichen.

Der Name ZJIT hat übrigens keine bestimmte Bedeutung, sondern steht einfach für den Nachfolger von YJIT. Intern wird ZJIT als der „wissenschaftliche Nachfolger“ bezeichnet, da die Architektur klassischen Compiler-Lehrbüchern entspricht und damit leichter zu verstehen und zu erweitern ist. Der Compiler ist als experimentell eingestuft und bringt derzeit in produktiven Projekten noch keine Vorteile. Wer sich damit beschäftigen will, muss Ruby mit der Configure-Option --enable-zjit neu bauen und bei der Ausführung Ruby mit der Option --zjit aufrufen.

Syntaktische Feinheiten

Seit Ruby 3.4 gibt es mit it einen eleganten impliziten Block-Parameter für Einzeiler. Er ist lesbarer als die nummerierten Parameter (_1, _2), die seit Ruby 2.7 existieren, und spart die explizite Parameterdeklaration. Die klassische Deklaration mit explizitem Parameter

users.map { |user| user.name }

und mit impliziten nummeriertem Parameter

users.map { _1.name }

wird also ergänzt durch

users.map { it.name }

Besonders intuitiv und praktisch ist das beim Method Chaining:

files
  .select { it.size > 1024 }
  .map { it.basename }
  .sort { it.downcase }

Der Bezeichner it liest sich wie natürliche Sprache und macht den Code selbstdokumentierend. Wichtig: it funktioniert nur in Blöcken mit genau einem Parameter. Bei mehreren Parametern bleiben _1, _2 oder explizite Namen die richtige Wahl.

Der Splat-Operator (*) entpackt Arrays in einzelne Elemente – etwa um die Elemente aus [1, 2, 3] als drei separate Argumente an eine Methode zu übergeben. Ab Ruby 4.0 ruft der Ausdruck *nil nun nicht mehr nil.to_a auf, sondern liefert direkt ein leeres Array. Das entspricht dem Verhalten des Double-Splat-Operators (**) für Hashes, bei dem **nil bereits seit längerem nil.to_hash nicht mehr aufruft. Diese Vereinheitlichung macht das Verhalten konsistenter und weniger überraschend. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn man optionale Elemente, zum Beispiel aus einer Datenbank-Abfrage, in ein Array einfügen will:

optional_tags = nil

Mit Ruby 4.0 funktioniert das sauber – *nil wird zu nichts und muss nicht explizit abgefangen werden:

post = { title: "Ruby 4.0", tags: ["news", *optional_tags, "ruby"] }
#=> { title: "Ruby 4.0", tags: ["news", "ruby"] }

Die binären logischen Operatoren ||, &&, and und or am Zeilenanfang setzen nun die vorherige Zeile fort – analog zum Fluent-Dot-Stil bei Methodenketten. Das ermöglicht elegantere Formatierung von Bedingungen, analog zum Method Chaining:

result = first_condition
   second_condition
  && third_condition

Diese Änderung erlaubt bessere Lesbarkeit bei längeren logischen Ausdrücken, ohne Backslashes oder Klammern zur Zeilenfortsetzung verwenden zu müssen.

Ractors: Echte Parallelität für Ruby

Ractors sind Rubys Antwort auf das Problem der echten Parallelität. Anders als Threads, die durch den Global VM Lock (GVL) serialisiert werden, können Ractors [5] tatsächlich parallel auf mehreren CPU-Kernen laufen. Der Name ist ein Kofferwort aus Ruby und Actor – das Konzept basiert auf dem Actor-Modell, bei dem isolierte Einheiten ausschließlich über Nachrichten kommunizieren. Ractors gelten auch in Ruby 4.0 noch als experimentell. Der IRB zeigt eine entsprechende Warnung an.

Der GVL war lange Zeit Rubys größte Schwäche bei CPU-intensiven Aufgaben. Zwar konnten Threads I/O-Operationen parallelisieren, da der Lock bei I/O freigegeben wird, aber Berechnungen liefen immer sequentiell. Ractors umgehen dieses Problem, da sie sich keinen gemeinsamen GVL mehr teilen; jeder Ractor führt den Code unabhängig aus. Ruby synchronisiert intern nur noch an spezifischen Punkten.

Jeder Ractor besitzt seinen eigenen Speicherbereich. Objekte können nicht zwischen Ractors geteilt werden – außer sie sind unveränderlich. Diese strikte Isolation eliminiert Race Conditions by Design (siehe Listing 1):

Listing 1: Lebenszyklus eines Ractor im IRB

$ irb
irb(main):001> r = Ractor.new { 2 + 2 }
(irb):1: warning: Ractor is experimental, and the behavior may change in future versions of Ruby! Also there are many implementation issues.
=> #<Ractor:#2 (irb):1 terminated>
irb(main):002> r.join
=> #<Ractor:#2 (irb):1 terminated>
irb(main):003> puts r.value
4
=> nil

Das Beispiel zeigt den typischen Ractor-Lebenszyklus: Ractor.new startet einen neuen Ractor mit dem übergebenen Block, join wartet auf dessen Beendigung, und value liefert das Ergebnis – hier die berechnete Summe 4. Bei einer so simplen Berechnung wie 2 + 2 ist der Ractor bereits beendet (terminated), bevor der Aufruf von join erfolgt. Der Vollständigkeit halber zeigt das Beispiel trotzdem den kompletten Ablauf – bei längeren Berechnungen ist join essenziell, um auf das Ergebnis zu warten.

Listing 2: Fibonacci-Zahlen mit Ractors

irb(main):004> def fib(n) = n < 2 ? n : fib(n-1) + fib(n-2)
irb(main):005* ractors = [35, 36, 37, 38].map do |n|
irb(main):006*   Ractor.new(n) { fib(it) }
irb(main):007> end
=> 
[#<Ractor:#3 (irb):6 running>,
...
irb(main):008> results = ractors.map(&:value)
=> [9227465, 14930352, 24157817, 39088169]

Ractors zeigen ihre Stärke bei CPU-intensiven Aufgaben. Das Beispiel in Listing 2 demonstriert das. Es berechnet mittelgroße Fibonacci-Zahlen parallel. Auf einem Vier-Kern-System läuft dieses Beispiel nahezu viermal so schnell wie die sequentielle Variante. Im Tarai-Benchmark – einem klassischen Rekursions-Test – erreichen vier parallele Ractors eine 3,87-fache Beschleunigung gegenüber sequentieller Ausführung.

Ruby 4.0 überarbeitet das Ractor-API grundlegend. Die alten Methoden Ractor.yield, Ractor#take und die close_*-Methoden wurden entfernt. An ihre Stelle tritt Ractor::Port [6] für die Kommunikation zwischen Ractors.

Die wichtigste Regel: Ein Port kann nur von dem Ractor empfangen werden, der ihn erstellt hat. Für bidirektionale Kommunikation benötigt daher jeder Ractor seinen eigenen Port (siehe Listing 3)

Listing 3: Kommunikation zwischen Ractors mittels Ports

# Port des Haupt-Ractors für Antworten
main_port = Ractor::Port.new

worker = Ractor.new(main_port) do |reply_port|
  # Worker erstellt eigenen Port für eingehende Nachrichten
  worker_port = Ractor::Port.new
  reply_port.send(worker_port)  # teilt seinen Port mit

  num = worker_port.receive     # empfängt von eigenem Port
  reply_port.send(num * 2)      # sendet Ergebnis zurück
end

worker_port = main_port.receive  # erhält Worker-Port
worker_port.send(21)             # sendet Aufgabe
puts main_port.receive           # => 42

Nicht alles darf geteilt werden

Die strikte Isolation von Ractors bedeutet, dass nicht jedes Objekt zwischen ihnen ausgetauscht werden kann. Ruby unterscheidet zwischen teilbaren (shareable) und nicht-teilbaren Objekten. Unveränderliche Objekte sind automatisch teilbar:

Ractor.shareable?(42)       #=> true
Ractor.shareable?(:symbol)  #=> true
Ractor.shareable?("text")   #=> false

Per Deep Freeze lassen sich aber Objekte explizit teilbar machen:

config = Ractor.make_shareable({ host: "localhost" })

Neu in Ruby 4.0 sind Shareable Procs und Ractor-lokaler Speicher. Damit lassen sich auch komplexere Szenarien umsetzen, bei denen Funktionen zwischen Ractors geteilt oder Daten innerhalb eines Ractors persistiert werden müssen.

Das Typsystem: RBS und die Zukunft

Ruby war und ist eine dynamisch typisierte Sprache und prüft Variablentypen werden erst zur Laufzeit statt bei der Kompilierung. Doch die Arbeit am optionalen Typsystem zeigt, dass statische Analyse und dynamische Flexibilität koexistieren können. Ruby 4.0 markiert einen wichtigen Meilenstein auf diesem Weg.

RBS (Ruby Signature) [7] ist das offizielle Format für Typdefinitionen. Anders als Annotationen im Quellcode werden RBS-Definitionen in separaten .rbs-Dateien gepflegt – ähnlich wie in TypeScript die .d.ts-Dateien. Dieser Ansatz hat einen entscheidenden Vorteil: Bestehender Ruby-Code muss nicht verändert werden, Teams können Typdefinitionen schrittweise einführen (siehe Listing 4).

Listing 4: Typdefinitionen

# sig/user.rbs
class User
  attr_reader name: String    # Pflichtfeld: muss String sein
  attr_reader age: Integer?   # Optional: Integer oder nil

  # Rückgabe: void (kein Rückgabewert relevant)
  def initialize: (String, ?Integer) -> void

  # Prädikatmethode: gibt bool zurück
  def adult?: -> bool
end

Fehler finden mit Steep

Steep [8], der Referenz-Typchecker für RBS, findet Bugs, die sonst erst zur Laufzeit auffallen würden. Ein vollständiges Beispiel zeigen die Listings 5 und 6.

Diese Fehler würden ohne Typsystem erst zur Laufzeit auffallen. Mit RBS und Steep werden sie bereits beim Entwickeln oder spätestens in der CI-Pipeline erkannt. Das spart nicht nur Debugging-Zeit, sondern verhindert auch, dass solche Bugs überhaupt in Produktion gelangen.

Typechecks und Agentic Coding

KI-gestützte Coding-Assistenten wie GitHub Copilot, Cursor oder Claude generieren heute ganze Funktionen und Klassen auf Knopfdruck. Doch Large Language Models halluzinieren – sie erfinden Methodennamen, verwechseln Parameter-Reihenfolgen oder übergeben Strings, wo Integers erwartet werden. Bei dynamisch typisierten Sprachen wie Ruby fallen solche Fehler erst zur Laufzeit auf – im schlimmsten Fall in Produktion.

Hier entfaltet das RBS-Typsystem seinen vollen Wert: Steep fungiert beim Agentic Coding als Sicherheitsnetz. Generiert ein Assistent eine Funktion, die User.find_by_email mit einem Integer statt String aufruft, meldet Steep den Fehler sofort – noch bevor der Code ausgeführt wird. Die Feedback-Schleife verkürzt sich von „Laufzeitfehler nach Deployment“ auf „rote Unterstreichung im Editor“.

Noch wichtiger: RBS-Definitionen verbessern die Qualität der KI-Vorschläge selbst. Coding-Assistenten nutzen den Kontext – und Typsignaturen sind extrem dichter Kontext. Eine RBS-Datei dokumentiert nicht nur, welche Typen eine Methode akzeptiert, sondern kommuniziert auch die Intention des Codes. KI-Modelle, die auf Typdefinitionen trainiert wurden, generieren präziseren Code, weil sie die Constraints verstehen. Das Zusammenspiel in der Praxis:

  1. Entwickler schreibt RBS-Signatur für neue Methode
  2. KI-Assistent generiert Implementation basierend auf Signatur
  3. Steep validiert generierten Code gegen Typdefinition
  4. Fehler werden sofort sichtbar, Korrektur erfolgt vor Commit

Für Teams, die intensiv mit KI-Assistenten arbeiten, ist ein Typsystem oft keine optionale Ergänzung mehr – es ist die Qualitätssicherung, die verhindert, dass halluzinierter Code in die Codebasis gelangt. Ruby mit RBS bietet hier das Beste aus beiden Welten: die Flexibilität einer dynamischen Sprache mit der Sicherheit statischer Analyse, genau dort, wo man sie braucht.

Die Vision: Graduelle Typisierung

Das langfristige Ziel ist ein Ökosystem der graduellen Typisierung. Entwickler sollen selbst entscheiden können, wie viel statische Analyse sie wünschen – von gar keine bis strikt überall. Anders als TypeScript, das JavaScript mit Typen erweitert, bleibt Ruby syntaktisch unverändert. Die Typen leben in separaten Dateien und sind vollständig optional.

Die Bausteine für dieses Ökosystem sind bereits vorhanden:

  • RBS Collection: Eine wachsende Bibliothek von Typdefinitionen für populäre Gems. Die IDE RubyMine lädt diese automatisch herunter und nutzt sie für Autovervollständigung und Fehlerprüfung. In VS Code ist die manuelle Einrichtung via rbs collection install nötig, danach funktioniert die Autovervollständigung mit der Ruby LSP Extension [9].
  • Steep: Der offizielle statische Typchecker, der RBS-Definitionen gegen den Quellcode prüft und in CI-Pipelines integriert werden kann.
  • TypeProf: Ein Inferenz-Tool, das aus bestehendem Code automatisch RBS-Definitionen generiert – ideal für die schrittweise Einführung von Typen in Legacy-Projekten.
  • Sorbet-Integration: Stripes alternativer Type-Checker erhöht die RBS-Kompatibilität, was die Interoperabilität zwischen beiden Systemen verbessert.

Prism: Der neue Standard-Parser

Ein Parser ist das Programm, das Quellcode liest und in eine strukturierte Darstellung übersetzt – den Abstract Syntax Tree (AST). Erst durch diese Baumstruktur kann der Interpreter verstehen, was der Code bedeutet. Seit Ruby 3.4 ist Prism der Standard-Parser und ersetzt den 30 Jahre alten parse.y. Prism wurde in C99 ohne externe Abhängigkeiten geschrieben, ist fehlertolerant und portabel.

Die Benchmarks sprechen für sich: Prism ist 2,56-mal schneller beim Parsen zu C-Structs gegenüber parse.y und zwölfmal schneller als das Parser-Gem beim AST-Walk. Für Entwickler bedeutet das schnellere IDE-Reaktionen und kürzere CI-Zeiten. Bei Kompatibilitätsproblemen kann der klassische Parser weiterhin aktiviert werden:

ruby --parser=parse.y script.rb

Für die meisten Projekte sollte Prism jedoch problemlos funktionieren.

Ruby-Versionen verwalten – von RVM zu mise

Wer Ruby 4.0 parallel zu älteren Versionen betreiben möchte, braucht einen Version Manager. Diese Tools lösen ein grundlegendes Problem: Jedes Ruby-Projekt kann eine andere Ruby-Version erfordern, und Gems sind nicht zwischen Ruby-Versionen kompatibel.

Version Manager installieren mehrere Ruby-Versionen isoliert voneinander – typischerweise unter ~/.rvm, ~/.asdf oder ~/.local/share/mise. Jede Ruby-Version erhält ihr eigenes Verzeichnis mit einem eigenen gem-Ordner. Fürht man also gem install rails unter Ruby 3.3 aus, landet Rails in einem anderen Verzeichnis als unter Ruby 4.0. Gems müssen daher für jede Ruby-Version separat installiert werden. Bundler (bundle install) erledigt das automatisch basierend auf dem Gemfile.

Welche Ruby-Version für ein Projekt gilt, bestimmt eine Datei im Projektverzeichnis: .ruby-version (einfacher Standard) oder .tool-versions (für asdf und mise, kann auch Node, Python etc. definieren). Wechselt man ins Projektverzeichnis, aktiviert der Version Manager automatisch die richtige Ruby-Version.

Der erste populäre Ruby Version Manager war RVM. Er modifiziert die Shell-Umgebung tiefgreifend und verwaltet zusätzlich Gemsets – isolierte Gem-Umgebungen pro Projekt. Das war vor Bundler (2010) revolutionär, da es keine andere Möglichkeit gab, Gem-Abhängigkeiten pro Projekt zu isolieren. Heute sind Gemsets obsolet, da Bundler diese Aufgabe besser löst.

asdf löste RVM für viele Teams ab. Der entscheidende Vorteil: Ein Tool für alle Sprachen. Über Plugins verwaltet asdf Ruby, Node.js, Python, Elixir und dutzende weitere Runtimes einheitlich. Die .tool-versions-Datei im Projektverzeichnis definiert alle benötigten Versionen. asdf ist weniger invasiv als RVM, in Bash geschrieben und integriert sich sauber in die Shell.

Der aktuelle Trend geht zu mise [10], benannt nach dem Mise en place bei Köchen. Entwickelt vom asdf-Maintainer Jeff Dickey, ist mise ein kompletter Rewrite in Rust. Die Vorteile: deutlich schneller (Rust statt Bash), kompatibel mit asdf-Plugins und .tool-versions-Dateien, aber auch mit eigenen Backends. mise aktiviert Versionen ohne Shell-Hooks über Shims – ein einfaches mise activate in der Shell-Konfiguration genügt. Zudem kann mise Umgebungsvariablen und Tasks verwalten, was es zu einem universellen Manager für Entwicklungsumgebungen macht. So wird Ruby 4 mit mise installiert:

mise install ruby@4.0.0
mise use ruby@4.0.0
mise activate  # einmalig in .bashrc/.zshrc

Für neue Projekte ist mise die beste Wahl. Es ist schnell, modern und vielseitig. Bestehende asdf-Setups funktionieren weiter, mise liest deren Konfiguration. RVM-Nutzer sollten den Umstieg erwägen.

Breaking Changes im Detail

Die praktische Breaking-Change-Bilanz von Ruby 4.0 ist moderat. Fedora bewertet: [11] Da sich mit Ruby 4.0 der soname, also der Bezeichner für Shared Libraries ändert, müssen Pakete mit binären Erweiterungen neu gebaut werden. Da aber große Aufmerksamkeit auf Quellkompatibilität gelegt wurde, sind keine Code-Änderungen nötig. Weitere Breaking Changes sind:

  • Binding#local_variables enthält keine nummerierten Parameter mehr
  • ObjectSpace._id2ref ist deprecated
  • CGI-Library aus Default Gems entfernt (nur cgi/escape bleibt)
  • SortedSet entfernt und erfordert die Gem sorted_set
  • String-Literal-Warnung: In Dateien ohne frozen_string_literal-Kommentar erzeugt Mutation eine Deprecation-Warnung

Problematisch bleibt die Pessimistic-Constraint-Praxis vieler Gems: ~> 3.x in required_ruby_version verhindert die Installation unter Ruby 4.0, auch wenn der Code ohne Änderungen laufen würde.

Fazit: Evolution statt Revolution

Für Entwickler bedeutet Ruby 4.0 vor allem Kontinuität: Bestehender Code läuft weiter, die Performance verbessert sich weiter (YJIT bietet 92 Prozent Speedup gegenüber dem Interpreter), und das Typsystem reift. Die eigentliche Innovation liegt in der Infrastruktur für die nächste Dekade – ZJIT, Modular GC und die verbesserten Ractors werden Ruby für die kommenden Jahre wettbewerbsfähig halten.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11121650

Links in diesem Artikel:
[1] https://railsatscale.com/2025-01-10-yjit-3-4-even-faster-and-more-memory-efficient/
[2] https://www.shopify.com/news/bfcm-data-2025
[3] https://rubykaigi.org
[4] https://railsatscale.com/2025-05-14-merge-zjit/
[5] https://docs.ruby-lang.org/en/master/Ractor.html
[6] https://bugs.ruby-lang.org/issues/21075
[7] https://github.com/ruby/rbs
[8] https://github.com/soutaro/steep
[9] https://marketplace.visualstudio.com/items?itemName=Shopify.ruby-lsp
[10] https://mise.jdx.dev
[11] https://fedoraproject.org/wiki/Changes/Ruby_4.0
[12] https://www.heise.de/ix
[13] mailto:ulw@ix.de

Copyright © 2025 Heise Medien

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  • 25. Dezember 2025 um 07:36

Speicherkrise: Notebook-RAM im PC - wenn Sparen wichtiger ist als Speed

Von Andreas Donath
PC-Bastler weichen auf Notebook- RAM aus. Der Grund: Desktop-RAM ist mehr als doppelt so teuer geworden. Allerdings sind Abstriche notwendig.
SODIMM-Adapter (Bild: Aliexpress)
SODIMM-Adapter Bild: Aliexpress

Die Preise für Desktop-Arbeitsspeicher sind im bald abgelaufenen Jahr drastisch gestiegen. Laut Daten von 3DCenter.org verteuerten sich DIMM-Module um durchschnittlich 245 Prozent. Notebook-RAM (SODIMM) legte dagegen nur um etwa 136 Prozent zu. Diese Preisschere hat eine ungewöhnliche Lösung populär gemacht: Gamer und Systembauer installieren mit speziellen Adaptern Notebook-Speichermodule in Desktop-PCs.

Die Rechnung ist simpel. Ein 16-GB-DDR5-4800-SODIMM-Modul kostet aktuell rund 100 Euro. Der vergleichbare Desktop-DDR5-4800-Speicher schlägt mit etwa 146 Euro zu Buche. Die Adapter selbst gibt es bei Amazon für 8 bis 18 Euro, aus Asien sogar für 3 bis 8 Euro. Selbst mit Adapterkosten bleibt die Gesamtrechnung günstiger als Standard-Desktop-RAM.

Kompromisse bei Leistung und Stabilität

Die Adapter sind allerdings keine perfekte Lösung, sondern ein pragmatischer Notbehelf. Ursprünglich wurden sie entwickelt, um übrig gebliebene Notebook-Module zu verwenden – nicht für optimale Systemleistung. SODIMM-Module arbeiten grundsätzlich mit niedrigeren Spezifikationen als Desktop-Speicher. Der zusätzliche Signalweg durch den Adapter erfordert oft weitere Taktreduzierungen für eine stabile Funktion.

Nutzer müssen typischerweise die Taktfrequenzen herabsetzen und mit konservativeren Timings arbeiten. Die Speicherbandbreite bleibt deutlich hinter dem zurück, was moderner Desktop-RAM leistet. Für budgetorientierte Builds oder zum Wiederverwerten vorhandener Laptop-Module kann dieser Kompromiss aber akzeptabel sein.

Marktsituation bestimmt die Attraktivität

3DCenter.org wertet den Trend als Reaktion auf die aktuelle Marktlage, nicht als dauerhafte Entwicklung. Sollten Desktop-RAM-Preise wieder sinken, dürfte das Interesse an Adapter-Lösungen vorbei sein. Derzeit schafft die Preissituation jedoch ein Fenster, in dem die Methode finanziell Sinn ergibt.

Vor dem Kauf sollten Hobbyisten die Kompatibilität prüfen. Nicht alle Mainboards funktionieren zuverlässig mit SODIMM-Adaptern. Tests und Anpassungen der Speichereinstellungen sind in der Regel notwendig.

Es gibt sogar schon PC-Hersteller, die Desktops ohne RAM verkaufen um bestimmte Preisschwellen nicht zu überschreiten. Die Käufer sollen dann eigenes, eventuell bereits vorhandenes RAM einbauen.

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  • 25. Dezember 2025 um 18:13

Halbleiterfertigung: Intel-Aktie fällt nach Nvidas Abbruch des 18A-Prozesses

Von Andreas Donath
Nvidia hat angeblich die Tests von Intels 18A-Produktionsprozess eingestellt. Die Intel -Aktie verlor daraufhin rund 2,2 Prozent an Wert.
Intel-Logo am Eingang zum Robert-Noyce-Gebäude von Intel in Santa Clara, USA. (Bild: Intel)
Intel-Logo am Eingang zum Robert-Noyce-Gebäude von Intel in Santa Clara, USA. Bild: Intel

Intel-Aktien gerieten an Weihnachten unter Druck, nachdem durch einen Medienbericht bekannt wurde, dass Nvidia die Tests von Intels Fertigungstechnologie für fortschrittliche Halbleiter abgebrochen hat. Nvida galt als möglicher Vorzeigekunde, der die Wettbewerbsfähigkeit von Intels modernsten Fertigungstechnologien hätte stützen können.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters hatte Nvidia kürzlich Intels 18A-Produktionsprozess evaluiert , entschied sich jedoch gegen eine Weiterentwicklung der Zusammenarbeit. Die Nachrichtenagentur berief sich auf zwei namentlich nicht genannte Quellen. Beide Unternehmen äußerten sich zunächst nicht öffentlich zu den Berichten.

Intel-Vertreter erklärten gegenüber Reuters, dass die 18A-Fertigungstechnologien wie geplant voranschreiten. Die Aktie des Chipherstellers fiel im New Yorker Handel um etwa 2,2 Prozent.

Der 18A-Prozess ist Intels Versuch, die Führungsposition in der Halbleiterfertigung zurückzugewinnen. Das Unternehmen hat kürzlich die Massenproduktion in seiner neuen Fab-52-Anlage in Arizona aufgenommen, die diese Technologie nutzt. Intel bezeichnet 18A als das fortschrittlichste Chip-Produktionsverfahren, das derzeit in den USA entwickelt und eingesetzt wird.

Intels Fertigungsoffensive und der Branchenwettbewerb

Intel versucht mit seinem neuen Fertigungsprozess, die Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) herauszufordern, den aktuellen Weltmarktführer in der Chip-Produktion. Intels inländische Fertigungsinitiative zielt darauf ab, die amerikanische Vormachtstellung in der Halbleitertechnologie wiederherzustellen.

Nvidia investierte im September 2025 5 Milliarden US-Dollar in Intel, kurz nachdem die US-Regierung rund 10 Prozent am Unternehmen erworben hatte. Die Investition von Nvidia, derzeit das wertvollste Unternehmen der Welt und führender Designer von KI-Chips, wurde als Unterstützung für Intels Bemühungen gewertet, wieder mehr Traktion zu erreichen. Die Vereinbarung von September beinhaltete jedoch keine Verpflichtung für Intel, Nvidia-Chips zu produzieren.

Die 18A-Technologie umfasst zwei technische Innovationen: Die erste betrifft das Gate-All-Around-Transistor-Design, das eine präzisere Kontrolle der mikroskopisch kleinen Schalter ermöglicht, die Halbleitern ihre Funktionalität verleihen. Moderne Chips enthalten Dutzende Milliarden dieser Transistoren auf kleinstem Raum.

Die zweite Innovation betrifft die Stromversorgungssysteme von Chips. Intel geht davon aus, dass diese Verbesserungen zu transistordichteren und energieeffizienteren Prozessoren führen könnten.

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  • 25. Dezember 2025 um 17:12

ID.Unyx 08: VW bringt E-Auto mit 800-Volt-Technik und 730 km Reichweite

Von Andreas Donath
VW und XPeng stellen ein gemeinsam entwickeltes E-Auto vor. Mit bis zu 730 Kilometer Reichweite soll der ID.Unyx 08 im Premium-Segment punkten.
VW ID.Unyx 08 (Bild: VW)
VW ID.Unyx 08 Bild: VW

In nur 30 Monaten hat Volkswagen zusammen mit dem chinesischen Partner XPeng den ID.Unyx 08 entwickelt. Der elektrische Crossover kommt in der ersten Hälfte 2026 auf den Markt und ist das Flaggschiff der 2024 eingeführten ID.Unyx-Reihe, berichtet CarNewsinChina . Das Fahrzeug wurde bereits im Frühjahr 2025 als Studie ID.Evo angekündigt.

Was kann der ID.Unyx 08? – 800-Volt-Technik und zwei Antriebsvarianten

Der ID.Unyx 08 wird in zwei Antriebsvarianten angeboten. Die Hinterradversion nutzt einen 230 kW starken E-Motor, entsprechend 313 PS. Die Allradversion hat an der Vorderachse zusätzlich eine 140 kW starke E-Maschine (190 PS). Energie liefern LFP-Akkus von CATL in zwei Größen: 82,4 kWh und 95 kWh.

Je nach Konfiguration erreicht das Fahrzeug Reichweiten zwischen 630 und 730 Kilometern nach chinesischem CLTC-Zyklus. Das 800-Volt-System ermöglicht Ladegeschwindigkeiten von über 300 kW. Von 10 auf 80 Prozent Ladung dauert es rund 20 Minuten. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 200 km/h limitiert.

Wie groß ist das Fahrzeug? – 10 Zentimeter länger als der Touareg

Mit exakt 5.000 Millimetern Länge überragt der ID.Unyx 08 einen ID.4 um 42 Zentimeter und ist sogar 10 Zentimeter länger als der Volkswagen Touareg. Der Radstand von 3,03 Metern verspricht großzügige Platzverhältnisse. Die Breite liegt bei 1,95 Metern, die Höhe bei 1,68 Metern. Das Leergewicht beträgt je nach Version zwischen 2,2 und 2,4 Tonnen.

VW ID Unyx 08 (Bild: Volkswagen)
Bild 1/4: VW ID Unyx 08 (Bild: Volkswagen)
VW ID Unyx 08 (Bild: Volkswagen)
Bild 2/4: VW ID Unyx 08 (Bild: Volkswagen)
VW ID Unyx 08 (Bild: Volkswagen)
Bild 3/4: VW ID Unyx 08 (Bild: Volkswagen)
VW ID Unyx 08 (Bild: Volkswagen)
Bild 4/4: VW ID Unyx 08 (Bild: Volkswagen)

Das Design orientiert sich nicht an europäischen VW-Modellen. Die Front zeigt sich weitestgehend geschlossen mit langgezogenen LED-Leuchten im Pixel-Design. Vollständig versenkbare Türgriffe und 21-Zoll-Leichtmetallfelgen mit golden lackierten Brembo-Bremssätteln setzen Akzente. Ein Panorama-Glasdach mit integrierten Reling-Elementen krönt die Karosserie. In der Heckschürze verbirgt sich eine ausklappbare Anhängerkupplung.

Welche Technik steckt drin? – Level 2 Autonomie mit KI-Assistent

Das Assistenzpaket des ID.Unyx 08 bietet autonome Fahrfunktionen auf Level 2. Das Bediensystem wird durch einen KI-Assistenten unterstützt. Alle Systeme sind over-the-air aktualisierbar.

Warum nur China? – Export ausgeschlossen

Ein Export auf andere Märkte gilt als ausgeschlossen. Europäische Kunden werden den ID.Unyx 08 also vermutlich nie zu Gesicht bekommen. Das Fahrzeug ist ein Produkt des Joint Ventures Volkswagen Anhui, das nach der Strategie "In China, für China" arbeitet.

Aus dieser Kooperation sind bereits der VW ID.Unyx, den wir in Europa als Cupra Tavascan kennen, und der VW ID.Unyx 07 hervorgegangen. Bis 2027 will Volkswagen etwa 30 NEV-Modelle (New Energy Vehicle) in China auf den Markt bringen, bis 2030 sollen es 50 NEV-Modelle werden, darunter 30 batterieelektrische Fahrzeuge.

Das Ziel ist ambitioniert: Volkswagen will in China jährlich vier Millionen Fahrzeuge verkaufen und der größte internationale OEM im Reich der Mitte bleiben. Der ID.Unyx 08 zeigt, wie ernst VW diese Strategie nimmt. Mit chinesischer Technologie, chinesischem Partner und ausschließlich für den chinesischen Markt entwickelt, passt sich der Konzern den lokalen Präferenzen an, wo Elektrofahrzeuge längst kein Nischenprodukt mehr sind.

Adblock test (Why?)

  • 25. Dezember 2025 um 16:00

FreshRSS 1.28.0

Von Alkarex

This is a major release, just in time for the holidays 🎄

Selected new features ✨:

  • New sorting and filtering by date of User modified, with corresponding search operator, e.g. userdate:PT1H for the past hour
  • New sorting by article length
  • New advanced search form
  • New overview of dates with most unread articles
  • New ability to share feed visibility through API (implemented by e.g. Capy Reader)
    • Bonus: Capy Reader is also the first open source Android app to support user labels
  • Better transitions UI between groups of articles
  • New links in UI for transitions between groups of articles, and jump to next transition
  • Docker default image updated to Debian 13 Trixie with PHP 8.4.11
  • And much more…

Improved performance 🏎️:

  • Scaling of user statistics in Web UI and CLI, to help instances with 1k+ users
  • Improve SQL speed for some critical requests for large databases
  • API performance optimisation thanks to streaming of large responses

Selected bug fixes 🐛:

  • Fix OpenID Connect with Debian 13
  • Fix MySQL / MariaDB bug wrongly sorting new articles
  • Fix SQLite bind bug when adding tag

Breaking changes 💥:

  • Move unsafe autologin to an extension
  • Potential breaking changes for some extensions (which have to rename some old functions)

This release has been made by @Alkarex, @Frenzie, @Inverle, @aledeg, @andris155, @horvi28, @math-GH, @minna-xD and newcomers @Darkentia, @FollowTheWizard, @GreyChame1eon, @McFev, @jocmp, @larsks, @martinhartmann, @matthew-neavling, @pudymody, @raspo, @scharmach, @scollovati, @stag-enterprises, @vandys, @xtmd, @yzx9.

Full changelog:

  • Features
    • New sorting and filtering by date of User modified #7886, #8090,
      #8105, #8118, #8130
      • Corresponding search operator, e.g. userdate:PT1H for the past hour #8093
      • Allows finding articles marked by the local user as read/unread or starred/unstarred at specific dates for e.g. undo action.
    • New sorting by article length #8119
    • New advanced search form #8103, #8122, #8226
    • Add compatibility with PCRE word boundary \b and \B for regex search using PostgreSQL #8141
    • More uniform SQL search and PHP search for accents and case-sensitivity (e.g. for automatically marking as read) #8329
    • New overview of dates with most unread articles #8089
    • Allow marking as read articles older than 1 or 7 days also when sorting by publication date #8163
    • New option to show user labels instead of tags in RSS share #8112
    • Add new feed visibility (priority) Show in its feed #7972
    • New ability to share feed visibility through API (implemented by e.g. Capy Reader) #7583, #8158
    • Configurable notification timeout #7942
    • OPML export/import of unicity criteria #8243
    • Ensure stable IDs (categories, feeds, labels) during export/import #7988
    • Add username and timestamp to SQLite export from Web UI #8169
    • Add option to apply filter actions to existing articles #7959, #8259
    • Support CSS selector ~ subsequent-sibling #8154
    • Rework saving of configuration files for more reliability in case of e.g. full disk #8220
    • Web scraping support date format as milliseconds for Unix epoch #8266
    • Allow negative category sort numbers #8330
  • Performance
    • Improve SQL speed for updating cached information #6957, #8207,
      #8255, #8254, #8255
    • Fix SQL performance issue with MySQL, using an index hint #8211
    • Scaling of user statistics in Web UI and CLI, to help instances with 1k+ users #8277
    • API streaming of large responses for reducing memory consumption and increasing speed #8041
  • Security
    • 💥 Move unsafe autologin to an extension #7958
    • Fix some CSRFs #8035
    • Strengthen some crypto (login, tokens, nonces) #8061, #8320
    • Create separate HTTP Retry-After rules for proxies #8029, #8218
    • Add data: to CSP in subscription controller #8253
    • Improve anonymous authentication logic #8165
    • Enable GitHub release immutability #8205
  • Bug fixing
    • Exclude local networks for domain-wide HTTP Retry-After #8195
    • Fix OpenID Connect with Debian 13 #8032
    • Fix MySQL / MariaDB bug wrongly sorting new articles #8223
    • Fix MySQL / MariaDB database size calculation #8282
    • Fix SQLite bind bug when adding tag #8101
    • Fix SQL auto-update of field f.kind to ease migrations from FreshRSS versions older than 1.20.0 #8148
    • Fix search encoding and quoting #8311, #8324, #8338
    • Fix handling of database unexpected null content (during migrations) #8319, #8321
    • Fix drag & drop of user query losing information #8113
    • Fix DOM error while filtering retrieved full content #8132, #8161
    • Fix config.custom.php during install #8033
    • Fix do not mark important feeds as read from category #8067
    • Fix regression of warnings in Web browser console due to lack of window.bcrypt object #8166
    • Fix chart resize regression due to chart.js v4 update #8298
    • Fix CLI user creation warning when language is not given #8283
    • Fix merging of custom HTTP headers #8251
    • Fix bug in the case of duplicated mark-as-read filters #8322
  • SimplePie
  • Deployment
    • Docker default image updated to Debian 13 Trixie with PHP 8.4.11 and Apache 2.4.65 #8032
    • Docker alternative image updated to Alpine 3.23 with PHP 8.4.15 and Apache 2.4.65 #8285
    • Fix Docker healthcheck cli/health.php compatibility with OpenID Connect #8040
    • Improve Docker for compatibility with other base images such as Arch Linux #8299
      • Improve cli/access-permissions.sh to detect the correct permission Web group such as www-data, apache, or http
    • Update PostgreSQL volume for Docker #8216, #8224
    • Catch lack of exec() function for git update #8228
    • Work around DOMDocument::saveHTML() scrambling charset encoding in some versions of libxml2 #8296
    • Improve configuration checks for PHP extensions (in Web UI and CLI), including recommending e.g. php-intl #8334
  • UI
    • New button for toggling sidebar on desktop view #8201, #8286
    • Better transitions between groups of articles #8174
    • New links in transitions and jump to next transition #8294
    • More visible selected article #8230
    • Show the parsed search query instead of the original user input #8293,
      #8306, #8341
    • Show search query in the page title #8217
    • Scroll into filtered feed/category on page load in the sidebar #8281, #8307
    • Fix autocomplete issues in change password form #7812
    • Fix navigating between read feeds using shortcut shift+j/k #8057
    • Dark background in Web app manifest to avoid white flash when opening #8140
    • Increase button visibility in UI to change theme #8149
    • Replace arrow navigation in theme switcher with <select> #8190
    • Improve scroll of article after load of user labels #7962
    • Keep scroll state of page when closing the slider #8295, #8301
    • Scroll into filtered feed/category on page load #8281
    • Display sidebar dropdowns above if no space below #8335, #8336
    • Use native CSS instead of SCSS #8200, #8241
    • Various UI and style improvements: #8171, #8185, #8196
    • JavaScript finalise migration from Promise to async/await: #8182
  • API
    • API performance optimisation: streaming of large responses #8041
    • Fever API: Add with_ids parameter to mass-change read/unread/saved/unsaved on lists of articles #8312
    • Misc API: better REST error semantics #8232
  • Extensions
    • Add support for extension priority #8038
    • Add support for extension compatibility #8081
    • Improve PHP code with hook enums #8036
    • New hook nav_entries #8054
    • Rename Extensions default branch from master to main #8194
  • I18n
    • Translation status as text in README #7842
    • Add new translate CLI commands move #8214
    • Change some regional language codes to comply with RFC 5646 / IETF BCP 47 / ISO 3166 / ISO 639-1 #8065
    • Improve German #8028
    • Improve Greek #8146
    • Improve Finnish #8073, #8092
    • Improve Hungarian #8244
    • Improve Italian #8115, #8186
    • Improve Polish #8134, #8135
    • Improve Russian #8155, #8197
    • Improve Simplified Chinese #8308, #8313
  • Misc.
  • 24. Dezember 2025 um 20:27

Heimkino Jahresrückblick: Die besten Filme 2025

Von Heise

Welche Filme hörten sich am besten an, sahen am besten aus und wurden am besten restauriert? Hartmut und Timo stellen ihre Highlights fürs Heimkino vor.

Seit dem Sommer veröffentlichen wir jeden Freitag eine aufwendige Filmrezension. Timo Wolters fühlt mit seiner jahrelangen Erfahrung den Film-Discs auf den Zahn und analysiert die Bild- und Tonqualität. c’t-Redakteur Hartmut Gieselmann ergänzt mit seinem filmischen Wissen und fördert so manchen Geheimtipp zutage.

Im Jahresrückblick diskutieren die beiden, welche Filme sie in diesem Jahr besonders beeindruckt haben. Dazu stellen sie auf den folgenden Seiten jeweils ihre drei Lieblinge in fünf Kategorien vor: bester Ton, bestes Bild, beste Restauration, größter Flop und bester Film. Es ist eine breite Auswahl von Arthouse bis Blockbuster, Indie-Perlen und Großproduktionen, manche unbekannt, andere in aller Munde.

Ihr könnt die gesamte Vorstellung als Uplink schauen und parallel die Filmempfehlungen auf den nächsten Seiten nachlesen. Damit möchten wir uns bei allen Lesern bedanken, die die Filmrezensionen hier auf heise.de mit ihrem Interesse und Diskussionsbeiträgen in den vergangenen Monaten so prima unterstützt haben. Schreibt gerne in die Kommentare, welche Filme euch besonders gefallen oder auch missfallen haben. Wir freuen uns auf eine lebendige Diskussion. Mit den wöchentlichen Rezensionen gehts am 9. Januar weiter. Wer vorher noch Lust hat, den Ton seiner Heimkino-Anlage zu optimieren, kann am Donnerstag, den 8. Januar noch ein c’t-Webinar von Hartmut [2] zu dem Thema buchen.

Filme des Jahres 2025: Bester Ton

Hartmuts Ton-Empfehlungen:

Uplink 5:52 min

Guter Sound hat für mich wenig mit Rumsbums von allen Seiten zu tun. Vielmehr achte ich auf eine natürliche Raumatmosphäre und besondere 3D-Sounds, die die Aufmerksamkeit des Zuschauers gezielt Off-Screen lenken. Ebenso wie CGI-Effekte oft unrealistisch aussehen, klingen nachträglich aufgenommene Effekte und Dialoge meist künstlich. Stille wird meist mit epischen, dichten Soundtracks zugekleistert. Aber es geht auch anders, wie meine Kandidaten zeigen.

1. Konklave (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 18:45 min

Regisseur Edward Berger hatte schon in der Neuverfilmung von "Im Westen nichts Neues" gezeigt, was für ein Meister des Tons er ist. In Konklave gibts keine Schusssalven oder Panzer, sondern (fast) nur Dialoge in großen und kleinen Räumen. Tonchef Ben Baird hat es trotzdem geschafft, dass der Film fantastisch klingt, weil er die Dialoge sehr aufwendig mit natürlichem Hall mikrofoniert hat. Für die Nachvertonung wurden reale Impulsantworten der Räume verwendet, damit die Aufnahmen genau zur Szene passen. Ist die Kamera nah dran, bekommen die Stimmen eine tiefe Fülle, ist sie weiter weg, hört man mehr vom Raum. Jeden Schritt und jedes Rascheln der Sultane bekommt man mit. So fühlt man sich als Zuschauer direkt dabei, wenn die Kardinäle ihre Intrigen schmieden. Sehr aufwendig mikrofoniert, ganz große Tonkunst.

2. Smile 2 (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 13:50 min

Fortsetzungen sind selten besser als die Originale, aber Parker Finn hat es geschafft, in Smile 2 den Erstling zu toppen. Nicht nur, dass die Charaktere komplexer, die Kamerafahrten aufwendiger und die Schockmomente gruseliger sind, auch der Ton haut mit seiner Dynamik und Räumlichkeit voll auf die Zwölf. Dan Kenyon setzt tiefe Basssound gezielt mit voller Wucht ein und fängt den Zuschauer mit gezielten 3D-Sounds außerhalb des Bildausschnitts. Das ist nicht überfrachtet, sondern spektakulär und stets auf den Punkt.

3. Tron (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink 10:43 min

Bekannt geworden ist der erste Tron-Film von 1982 durch seine besondere Ästhetik. Genauso wichtig ist jedoch das Sounddesign von Robert Hathaway und die elektronische Musik von Wendy Carlos, die mit analogen Synthesizer-Sounds den gesamten Cyberspace zum Leben erwecken. Die Restauration verteilt die Geräusche kunstvoll per Dolby Atmos im Raum. Der Film zeigt, dass es nicht immer volle Pulle von allen Seiten kommen muss, sondern ein minimalistisches Sounddesign umso wirkungsvoller sein kann.

Honorable Mentions: Caught Stealing, Maria, Joker Folie a Deux, Boogie Nights

Timos Ton-Empfehlungen:

1. Mission Impossible 8 (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 15:43 min

Wenn es ums Filmische von Mission: Impossible 8 geht, verweise ich auf meine Flop-Liste. Doch abseits davon gibt's ja noch die Technik. Und was schon beim Bild vorzüglich funktioniert, geht beim Ton sogar noch besser. Es gab im vergangenen Jahr kaum eine Tonspur einer neuen Produktion, die uns derart an die Grenzen von Laut-Leise-Dynamik und Bassgewalt geführt hat. Schon lange ging kein Film mehr derart in den LFE-Keller hinunter, wenn beispielsweise die Propellermaschine nach 55 Minuten oder der U-Boot-Antrieb nach 92 Minuten ins Heimkino donnert. Wer also besonders hochwertige Subs hat, die weit hinunterspielen, darf sich auf eine seismische Erschütterung der eigenen Haus-Bodenplatte freuen. Dazu kommt noch ein sehr aktiver Höhenkanal der Dolby-Atmos-Tonspur, der das immersive Erlebnis perfekt abrundet

Warum M:I8? Weil potente Heimkinos hier bis an ihre Grenzen geprüft werden. Demomaterial für Subwoofer.

2. Superman (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 12:34 min

James Gunn rebootet das Superman-Franchise und macht sich damit nicht nur Freunde. Was viele als "woke" kritisierten, dient als Neustart in ein DCU unter Gunns Ägade und wird in Kürze mit Supergirl fortgeführt. David Corenswet mag kein neuer Henry Cavill sein, aber er macht seine Sache ziemlich gut. Und die Tatsache, dass man endlich mal wieder eine passende Lex-Luthor-Besetzung gefunden hat, macht ebenso Laune wie die vorzüglichen Actionszenen. Die wiederum von einem sehr lebhaften, äußerst räumlichen und ebenso dynamischen Dolby-Atmos-Ton begleitet werden. Schon von Beginn an macht das irrsinnigen Spaß, wenn Superman wuchtig in der Eiswüste landet oder sein vierbeiniger Begleiter auftaucht. Und natürlich wird das noch mal intensiver, je stärker die Gegner werden. Auch die Höhen-Speaker werden ausführlich genutzt und lassen Superman zu einem audiovisuellen Ereignis werden.

Warum Superman? Weil die Fülle an räumlichen Effekten in Kombination mit dem Basseinsatz für ein immersives Erlebnis sorgt.

3. Nosferatu (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 9:14 min

Robert Eggers war sicherlich der Richtige, um Nosferatu neu zu verfilmen. Und nicht wenige halten sein Remake für besser als das Original. Wie man auch immer zum Vergleich mit Murnaus Klassiker stehen mag: atmosphärisch überzeugt Eggers’ Variante durchweg. Wie er hier in Bildern die Geschichte maßgeblich mit erzählt, ist einzigartig. Und dazu setzt es akustisch richtig was auf die Ohren. Lange schon war ein Tonsektor nicht mehr derart dynamisch. Das betrifft vor allem die untere Ebene der Dolby-Atmos-Fassung, die unglaublich atmosphärisch und dynamisch agiert. Egal, ob das leise Glöckchen sind, die um den Zuschauer herum bimmeln oder der Wind, der die Vorhänge atmosphärisch wehen lässt. Aber auch Nosferatus Stimme, die sich gruselig über alle Speaker legt, sorgt für Gruselstimmung. Das Pferdegetrappel nach 25 Minuten zeigt dann, wie dynamisch auch eine Tonspur eines Films sein kann, der mal nicht mit CGI-Superhelden-Feuerwerk klotzt.

Warum Nosferatu? Weil seit dem US-Remake von "The Grudge" kein Gruselfilm mehr so effektiv Gänsehaut über den Sound geliefert hat.

Honorable Mentions: Blood and Sinners, Ballerina

Filme des Jahres 2025: Bestes Bild

Hartmuts Bild-Empfehlungen

Uplink: 20:39 min

Die Bildqualität eines Films hat für mich nicht nur mit der Qualität der Linsen und des Filmmaterials zu tun, sondern ob Kameramann und Beleuchter es schaffen, mich mit neuen Bildern herauszufordern und eine Spannung zu schaffen. Das haben die drei Kandidaten dieses Jahr besonders gut geschafft.

1. Joker Folie a Deux (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 28:44 min

Bei vielen Kritikern und Zuschauern floppte der zweite Joker-Film grandios. Ich schließe mich jedoch Quentin Tarantino an, der den Folie a Deux für ein Meisterwerk hält. Regisseur Todd Philips lässt hier den Spirit des New Hollywood aufleben, indem er sich nach dem Kassenerfolg des ersten Teils völlig frei macht von den Erwartungen – dazu braucht man Eier als Regisseur. Er setzt Joachim Phoenix und Lady Gaga mit dramatischer Beleuchtung in Szene und konterkariert den glatten Star-Glamour mit gebrochenen Gesangseinlagen. Kameramann Lawrence Sher wählt ungewöhnliche, immer wieder surreal wirkende Perspektiven. Die Antithese zu einem Feel-Good-Movie, aber die Bilder – insbesondere auf der 4K UHD – sind einfach großartig.

2. Infinity Pool (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 24:48 min

Brandon Cronenberg ist mit seinem dritten Horror-Film drauf und dran, als Filmemacher ebenso ernst genommen zu werden, wie sein Vater David. Infinity Pool kam zwar schon 2023 in die Kinos, aber erst Anfang 2025 in einem aufwendigen Mediabook ins Heimkino. Der Film erzählt die Geschichte eines Urlaubspaares in einem fiktiven Land am Mittelmeer, dem nach einem von ihnen verursachten Unfall die Todesstrafe droht. Doch dank neuer Klontechnik können genetische Kopien für sie hingerichtet werden. Es entspannt sich ein surreales Spiel um Identität und Konsequenzen.

Cronenbergs Kameramann Karim Hussain fängt den Urlaubsalbtraum in desorientierenden Bildern ein, die Kamera dreht sich im Flug, wechselt zu verschwommenen Farben und immer wieder im wahrsten Wortsinn fantastischen Einstellungen. Das ist experimentelles, frisches Kino, das vom Drehbuch und der Visualisierung keine Langeweile aufkommen lässt.

3. The Old Women with the Knife (UHD, 4K HDR, 5.1 DTS-HD)

Uplink: 20:51 min

Während Hollywood die John-Wick-Reihe mit der tänzerischen Ballerina fortsetzte, zeigt der koreanische Filmemacher Kyo-dong Min in der Romanverfilmung von „Frau mit Messer“, wie man Körper und Kämpfe so in Szene setzt, dass Zuschauer die Schmerzen mitfühlen. Wo Ballerina quasi unverwundbar durch die viel zu einstudiert wirkenden Choreografien tanzt, zeigt die Hauptdarstellerin Lee Hye-yeong die Körperlichkeit des Nahkampfs. Sie ist mit 63 Jahren nur zwei Jahre älter als Keanu Reeves, die Betonung auf "Old Woman" zeigt aber, wie unterschiedlich Frauen und Männer im Alter rezipiert werden. Kameramann Lee Jae-woo setzt die Kämpfe äußerst düster in Szene und fängt die Szenen wie in einem modernen Film-Noir ein. Im Unterschied zu John Wick, Equalizer & Co. sind hier die Charaktere keine plumpen Schwarzweiß-Zeichnungen von Gut und Böse, sondern ambivalent, wodurch das menschliche Drama mehr Tiefe bekommt – ein gekonnter Genre-Film, kein billiger Haudrauf-Streifen. Auf der UHD zeigt das koreanische Action-Kino, wie es ästhetisch, inszenatorisch und erzählerisch Hollywood seit Parasite gerade den Rang abläuft.

Honorable Mentions: City of Darkness, Strange Darling, Project Brainstorm

Timos Bild-Empfehlungen:

1. F1 (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 30:57 min

Der jüngste Film von Top-Gun-2-Regisseur Joseph Kosinski wurde während der regulären Formel-1-Saison gefilmt und nimmt uns mit einer bisher nie dagewesenen Authentizität mit hinter die Kulissen, wo Brad Pitt allerdings eine sehr vorhersehbare und kaum überraschende Story tragen darf.

Bei F1 muss man zunächst sagen, dass sich Blu-ray und UHD sehr deutlich voneinander unterscheiden. Die BD ist sehr hell. Zu hell, um nicht zu sagen. Die UHD ist hingegen nicht zu dunkel, sondern genau richtig. Und sie bietet nahezu das Maximum dessen, was auf digitaler Grundlage mit einer derartigen Vielzahl an unterschiedlichen Kameras möglich ist. Die RED- und Sony-Venice-Kameras lösen perfekt auf und liefern Bilder von bestechender Schärfe. Dazu gesellen sich famose Kontrastdynamiken und ein absolut satter Schwarzwert.

Warum F1? Weil man dem Formel-1-Zirkus visuell noch nie so bestechend realistisch nahegekommen ist.

2. Mission Impossible 8 (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 27:26 min

M:I 8 ist der ungelenke Versuch, eine legendäre Actionfilmreihe zu einem finalen Schluss zu bringen, nachdem im direkten Vorgänger schon die Kurve nach unten zeigte. Mehr dazu bei meinen Flops des Jahres.

Wo mich der Film leider so gar nicht abgeholt hat, überzeugt hingegen die Bildqualität. Der Mix aus unterschiedlichen Digitalkameras wird mit vorzüglicher Schärfe satten Kontrasten und sehr gutem Encoding wiedergegeben. Herausragend sind hier aber die Spitzlichter aufgrund des dynamischen HDR-Gradings. Die Leuchtelemente während der Tauchszenen sind im abgedunkelten Heimkino ein echter Augenschmaus und sorgen für aufklappende Münder.

Warum M:I8? Weil die Spitzlichter in den Unterwasserszenen atemberaubend sind.

3. Blood & Sinners (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 22:55 min

Blood & Sinners beschreibt den Weg zweier Brüder, die in den 1930er-Jahren in ihrer Heimat Mississippi einen Traum verwirklichen wollen, dabei aber auf blutrünstige Vampire treffen. Ryan Coogler hat hier eine intellektuell vielschichtige Reflexion über Rasse, Abstammung und die Komplexität der amerikanischen Identität erschaffen, der der Spagat zwischen Historie, Drama und Horror trotz zwischenzeitlicher Längen hervorragend gelingt.

Bei der Bildqualität muss die Wahl auf die UHD fallen, da die Blu-ray merkwürdige Auflösungsprobleme hat. Die 4K-Disc hingegen lässt den auf analogem 65-, bzw. 70-mm-Material (inkl. IMAX-Kameras) gedrehten Film in voller Schönheit erstrahlen. Der filmische Look kommt prächtig und kontraststark rüber, überzeichnet nur gelegentlich mal etwas und liefert absolut satte Schwarzwerte.

Warum Blood & Sinners? Weil schon allein die Verwendung von analogem 70-mm-Material heute Beachtung verdient und die 4K-Blu-ray ein wunderbar filmisches Erlebnis liefert.

Filme des Jahres 2025: Beste Restauration

Hartmuts Restaurations-Empfehlungen

Uplink: 33:43 min

Bevor ein alter Film restauriert werden kann, müssen zunächst einmal die Rechte geklärt sein. Und die sind bei unabhängigen Produktionen jenseits der großen Studios wesentlich schwieriger einzuholen. Wenn die Anwälte erst einmal den Weg freigeben, zeigen kleine Verlage, mit wie viel Liebe Cineasten zu Werke gehen können. Mir sind einige Perlen aus dem Ausland aufgefallen, die man in Deutschland als Import auf UHD bekommt. Weil diese im Unterschied zu Blu-ray Discs regionalfrei sind, spielen auch hiesige Player die UHDs klaglos ab.

1. Russ Meyers Supervixens (UHD, Import: Severin [16], 4K HDR, Mono)

Uplink: 45:18 min

Man sollte Russ Meyer als "König der Schmuddelfilme" keinesfalls geringschätzen. Was der unabhängige Filmemacher in den 60er und 70er Jahren an Exploitation-Filmen aus eigener Kraft produziert hat, ist heute reif fürs Kunstmuseum. In Meyers Filmen sind die Darstellerinnen stets überdimensionale Superfrauen, wie aus einem Comic-Strip, die sich gegen gewalttätige Männer zur Wehr setzen. Emanzipation und sexuelle Selbstbestimmung werden hier mit Trash, Gewalt und satirischer Übertreibung kombiniert, wie es den großen Studios nie möglich war.

Und so hat sich das Museum of Modern Art mit Severin [17] zusammengetan und fünf Filme von Russ Meyer auf UHD veröffentlicht. Bildqualität, Farben und Filmkorn sind top, ebenso der Mono-Ton. Exemplarisch ist Supervixens vielleicht die expliziteste der Veröffentlichungen, wenn auch „Up!“ mit seinem Piranha-Angriff auf Hitler stärker im Gedächtnis bleibt. Ich hoffe auf eine baldige Fortsetzung der Restaurations-Reihe, insbesondere auf "Faster Pussycat, Kill Kill!".

2. Brazil (UHD, Import: Criterion [19], 4K HDR, Stereo)

Uplink: 41:04 min.

Terry Gilliams kafkaeske Dystopie hat eine schwierige Geschichte hinter sich. Umso erfreulicher, dass Criterion [20] den Film in einer bislang nicht gekannten Qualität neu in 4K restauriert hat. Obwohl das Ausgangsmaterial alles andere als optimal war, kitzelte Criterion eine Klarheit und Tiefe heraus, die ich nicht erwartet hatte. Die bissige Satire ist über 40 Jahre später in puncto Datenschutz und die Auswirkungen der Digitalisierung und Irrtümer von Behörden noch immer hochaktuell. Die interessanten Audiokommentare geben viel Stoff zur Diskussion mit. Ein Must-have für Cineasten.

3. Thief / Der Einzelgänger (UHD, Import: Arrow [22], 4K HDR, Stereo)

Uplink: 37:48 min.

Regisseur Michael Mann ist vielen von "Heat" bekannt. In seinem Kino-Debüt "Thief" (Der Einzelgänger) von 1981 sind bereits viele Elemente enthalten, die in Heat später ausgebaut wurden. James Caan spielt einen Juwelendieb, der immer allein arbeitet, aber von einem Unterweltboss gezwungen wird, für ihn Dinger zu drehen. Die Kamera fängt immer wieder die Autos auf nassen, dunklen Straßen ein. Die Restauration von Arrow [23] bringt die Farben, Klarheit und das originale Filmkorn auf den Punkt und legt neben dem Directors Cut in 4K auch die zwei Minuten kürzere Kinoversion auf Blu-ray mit bei. Wer Heat mag und Heist-Filme mit starkem Neo-Noir-Einschlag schätzt, kommt hier auf seine Kosten.

Honorable Mentions: Die Reifeprüfung, The Good, the Bad and the Ugly, Scanners, Tron (1982)

Timos Restaurations-Empfehlungen:



1. Die 12 Geschworenen (UHD, 4K HDR, Mono)

Uplink: 43:24 min

Die 12 Geschworenen ist ein Klassiker, der zeigt, wie wichtig Filme auch heute noch sein können, die mittlerweile fast 70(!) Jahre auf dem Buckel haben. Unglaublich, wie gesellschaftsrelevant viele Aspekte auch heute noch sind, die hier (im wahrsten Sinne des Wortes) verhandelt werden. Die 4K-Disc zeigt den Lumet-Film nun in einer bestechenden, absolut perfekten Bildqualität. Mehr kann man aus 70 Jahre altem Material nicht herausholen. Was hier an Kontraststärke, Schärfe und Bilddynamik zu sehen ist, ist einfach phänomenal. Da gibt's gar nichts anderes zu sagen. Eine perfekte Restauration, die auf einem 4K-Scan des Original-35-mm-Materials beruht und für die Ewigkeit gemacht ist.

Warum Die 12 Geschworenen? Weil der Klassiker mit seiner famosen Bildqualität zeigt, was man aus alten Filmen rausholen kann, wenn man es richtig macht.

2. Fargo (UHD, 4K HDR, 5.1 DTS-HD MA)

Uplink: 39:14 min.

Fargo, der blutige Coen-Film-Klassiker, indem die geplante Entführung seiner Ehefrau den Autoverkäufer Jerry Lundegaard maximal schiefgeht, wurde seinerzeit mit der Arriflex 35 BL4 auf 35-mm-Film analog gedreht. Ausgehend von einer 2023er 4K-Restaurierung, die unter der Überwachung von Kameramann Roger A. Deakins entstand, realisierte man hierzulande eine wunderbare, sehr filmische und bis in die Tiefe knackig scharfe 4K-Disc. Die ist noch mal authentischer und lebhafter als die alte Blu-ray von Fox, die bereits auf einem 4K-Scan basierte. Das Blut an Buscemis Hals ist nun noch etwas kräftiger rot und Makel kann man hier beim Bild überhaupt nicht erkennen. Eine tolle Scheibe.

Warum Fargo? Weil weißer Schnee und rotes Blut noch nie so viel Dynamik hatten wie bei der Restauration des Coen-Klassikers.

3. Rain Man (UHD, 4K HDR, 5.1 DTS-HD MA)

Uplink: 35:46 min.

Rain Man hat mich 1988 im Kino absolut abgeholt. Diese Dynamik aus dem noch jungen und erst langsam im Charakterfach Fuß findenden Tom Cruise und dem großartigen Dustin Hofman ist auch heute noch eine Wucht. Und diese Wucht überträgt sich jetzt auch aufs Bild. Das durch Panavision-Kameras gedrehte 35-mm-Filmmaterial wurde 2023 vom Originalnegativ neu in 4K gescannt und von Regisseur Levinson abgenommen. Abgesehen vom bedingt durchs Ausgangsmaterial nicht optimale Intro beim Verladen der Autos schauen wir auf ein wunderbar filmisches Bild, das frei von Verschmutzungen ist und eine angenehme Schärfe hat. Hervorragend gelungen ist vor allem das Encoding, das die Körnung des Materials perfekt und sehr homogen reproduziert.
Warum Rain Man? Weil das Filmmaterial nahezu perfekt aufbereitet wurde und Dustin Hofmans Leistung auch heute noch unglaublich genial ist.

Honorable Mentions: Das Schweigen der Lämmer, Sieben

Filme des Jahres 2025: Die größten Flops

Hartmuts Flops:

Uplink: 47:27 min

Was sich bereits länger abzeichnet, war dieses Jahr unübersehbar: Hollywood gehen die Ideen aus und durch die weltweite Vermarktung werden die Inhalte immer seichter. Je größer das Budget, desto geringer das Risiko. Ich hätte noch Dutzende weitere Filme auflisten können, beschränke mich auf die größten Unfälle.

1. Superman (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 1:03:32 min

Ein Superhelden-Film, der sich nicht auf den Eskapismus verlässt, sondern die Weltpolitik mit schlechten Dialogen und eindimensionalen Figuren erklären will. Dabei wurde das Skript für den internationalen Markt so glattgebügelt, dass es keinem auf die Füße tritt. Aber statt zu seiner Überanpassung zu stehen, wird es am Ende auch noch als rebellisch verkauft, wenn im Abspann "Punkrocker" läuft. Sorry Iggy, aber nein, einfach nein.

2. F1 (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 58:30 min

Ein überlanger Werbefilm für Formel-1-Rennen und Apple Gadgets. Brad Pitt spielt gelangweilt, seine Figur des alternden, gescheiterten Rennfahrers ist mir unsympathisch und die Koketterie mit seinem jungen Nebenbuhler Macho-Gehabe für den Sandkasten. In den Rennen kommt so gut wie keine Spannung auf, alles sieht zu sauber und geleckt und somit völlig langweilig aus. Da hatten Le Mans mit Steve McQueen, ja selbst Gran Turismo mehr Drive. Solch ein Kino braucht niemand.

3. Tron Ares (Stream, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 53:18 min

Die Reihe hat zwei ikonische Vorläufer, aber Disney macht daraus einen 08/15-Action-Plot mit dämlichen Dialogen und uncharismatischen Charakteren. Vor allem nehmen sie dem Film, was bislang den Reiz von Tron ausgemacht hat: die Darstellung des Cyberspace und den Kampf der kleinen Programme gegen einen übermächtigen Master Control Process. In der Realität von Tron Ares wirkt die Bedrohung durch die Computerwesen aus dem 3D-Drucker dann so gefährlich wie der böse Pacman aus Pixels. Abschalten.

Honorable Mentions: Frankenstein, Deadpool & Wolverine, Mickey 17, Blood & Sinners, Jurrassic World ... (Avatar - Fire and Ash tue ich mir nicht an)

Timos Flops:

1. Gladiator 2 (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 1:00:20 min

Unnötige Sequels #1. Ridley Scott war einmal ein ganz Großer. Einer der besten Regisseure, der uns Legenden wie Alien oder Blade Runner brachte. Und einer, der vor 25 Jahren mit einem extrem dicht inszenierten Streifen das Sandalenkino neu belebte. Doch die Geschichte war auserzählt. So dachte man. Nicht aber Scott, der lange über eine Fortsetzung brütete. Täte er das doch heute noch, dann hätte er uns diese filmische Nullnummer erspart. Alles, aber auch wirklich alles an dieser Fortsetzung ist schlechter als im Original. Von den Schauspielern, Denzel Washington dezent ausgenommen, über die Dramaturgie und vor allem die Trickeffekte. Die anfänglichen Affen liefern gruseliges CGI, und wer bei der Galeerenszenen in der Arena nicht mit den Augen rollt, dem könnte man vermutlich auch Titanic 2 andrehen.

Warum Gladiator 2? Weil man kein Sequel drehen sollte, wenn man nicht mal den Hauch einer Idee vorweisen kann.

2. Terrifier 3 (Blu-ray Disc, HD SDR, Dolby Atmos)

Uplink: 55:55 min.

Unnötige Sequels #2. Damien Leone hatte vor ein paar Jahren mit seinem Erstling über den wortlosen Clown Art gewisse Tabus gebrochen und den ultraharten Horrorfilm ein wenig fürs Mainstreampublikum salonfähig gemacht. Und was kommt, wenn man einen Horror-Indie-Hit abliefert? Richtig, ein Sequel. Und jetzt sogar ein zweites Sequel. Doch was bei Horrorfilm-Sequels aus dem unabhängigen Produktionsumfeld leider immer passiert: Es gibt keine tiefere Story oder interessanteren Figuren, sondern schlicht noch mehr Tabubruch und noch mehr Gewalt. Auf 125 Minuten walzt Leone seinen dritten Film nun aus, was eindeutig 45 Minuten zu lang ist, wenn ein Film seine Schauwerte lediglich aus grafischen Gewaltelementen bezieht. Die sind hier dann auch expliziter, noch tabubrechender und vor allem noch sexueller. Der vierte Teil ist natürlich schon in Planung. Kotztüten werden in den Kinos ausliegen und für viele wird's eine neue Mutprobe sein. Ich bin hiermit raus.

Warum Terrifier 3? Weil das bloße Zurschaustellen von monströsen Gewalttätigkeiten weder zwei Stunden Laufzeit noch die Verschwendung von digitalen Ressourcen rechtfertigt.

3. Mission Impossible 8 (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 49:12 min

Unnötige Sequels #3. Tom Cruise hat sich mit der Mission:Impossible-Reihe ein Denkmal gesetzt. Bis auf eine kleine Ausnahme in Teil 2 lieferten die Filme beständig hohe und vor allem zwischen Teil 4 und 6 wachsende und nahezu perfekte Actionunterhaltung. Doch Cruise ist auch nicht mehr 30 Jahre alt und die waghalsigen Stunts werden gefährlicher. Entsprechend war's Zeit, Ethan Hunt in Ruhestand zu schicken. Schaut man sich den über weite Strecken vollkommen redundanten letzten Teil nun an, hätte das schon nach Teil 7 passieren müssen. Hätte man den damals etwas gestrafft und wäre hier direkt in die U-Boot-Szene gewechselt (was inhaltlich problemlos möglich gewesen wäre), hätte man einen dichten und gelungenen Abschluss gefunden. So wurde aus Teil 8 ein sich in endloser Exposition und unzähligen Erklärungen verlierender Appendix.

Warum M:I8? Weil mich kein Film, dessen Franchise ich wirklich mag, dermaßen für dumm verkauft hat wie dieser.

Honorable Mentions: Die Nackte Kanone, Der Minecraft-Film, Speak No Evil Remake

Filme des Jahres 2025: Bester Film

Hartmuts beste Filme:

Uplink: 1:06:03 min.

Abseits des weich gekochten Einheitsbreis aus Hollywood strömen immer mehr europäische Filme in das von den Blockbuster-Studios hinterlassene kreative Vakuum. Und auch die politische Situation in den USA schlägt sich mehreren Polit-Thrillern nieder.

1. Das Verschwinden des Josef Mengele (noch keine Disc-Veröffentlichung)

Uplink: 1:17:27 min

Der seit 2022 in Berlin lebende Exil-Russe Kirill Serebrennikov ist für mich derzeit der spannendste Regisseur überhaupt. Seine Arbeit am Theater und Ballett setzt er in seinen Filmen mit einem ungeheuren Gespür für Kamera und Körper ein. Spektakulär sind seine minutenlangen One-Shot-Takes, die akribisch vorbereitet werden und den Zuschauer mitten ins Geschehen saugen. So auch bei seinem neuesten Film, der größtenteils in dramatischen Schwarz-Weiß-Bildern gedreht wurde und August Diehl als Josef Mengele in der wohl besten Rolle seiner Karriere zeigt.

Serebrennikov montiert Roman und Graphic Novel um und konzentriert sich auf die Begegnung von Josef Mengele mit seinem Sohn Rolf, der seinen Vater befragt und in Rückblicken immer mehr über den Umgang in der Familie und die psychologische Rechtfertigung freilegt. Das ist ganz großes Kino, das noch lange nachhallt. Auf die Disc-Veröffentlichung im kommenden Jahr bin ich sehr gespannt. Bis dahin schaue ich mir Serebrennikovs frühere Filme wie „Petrov‘s Flu“ und „Madame Tschaikowski“ an, die unter zum Teil prekären Bedingungen wegen der russischen Zensur und seiner politischen Verfolgung nicht minder virtuos inszeniert wurden.

2. Kneecap (Blu-ray Disc, HD SDR, 5.1 DTS-HD MA)

Uplink: 1:12:14 min.

In keinem anderen Film hatte ich dieses Jahr so viel Spaß wie in Kneecap. Die Komödie um die Hip-Hop-Crew aus Irland hat einen Drive, den ich seit Trainspotting nicht mehr gesehen habe. Die drei Protagonisten Mogai Bag, Mo Chara und DL Provai sind die echten Mitglieder der irischen Hip-Hop-Band, die auf Gälisch rappen, um ihre Muttersprache aus dem Museum zu holen. Michael Fassbender spielt einen alternden irischen Untergrundkämpfer und setzt quasi seine Rolle des Bobby Sands aus "Hunger" von 2008 fort. Das ist politisch, flott und respektlos erzählt, ohne in Selbstmitleid zu versinken. Regisseur Rich Peppiat fängt hier den Spirit einer jungen Untergrundbewegung ein – voller Tempo, Witz und cooler Musik. Unbedingt auch in die Platten von Kneecap reinhören.

3. One Battle After Another (Stream, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 1:06:22 min.

Paul Thomas Anderson ist mit Filmen wie "Boogie Nights", "Magnolia" und "There will be Blood" bekannt für seine generationsübergreifenden Epen. In One Battle After Another erzählt er nach dem Buch von Thomas Pynchon die Geschichte einer amerikanischen Stadtguerilla-Truppe "French 75", die Migranten aus der Haft befreit und von Militärs über Jahre gejagt wird, bis die nächste Generation in die Stapfen ihrer Eltern tritt. Sean Penn liefert eine oscarreife Karikatur eines machthungrigen Colonels ab, der seiner eigenen Sexualität nicht entfliehen kann. Trotz der Laufzeit von 161 Minuten kommt keine Langeweile auf, weil Andersson stets das Tempo hochhält, sodass man mit dem gejagten Leonardo Di Caprio ständig mitfiebert. Großartig gefilmt und montiert wurde das Finale mit einer halsbrecherischen Autoverfolgung. Ein echter Lichtblick im sonstigen Einheitsbrei aus Hollywood.

Honorable Mentions: Infinty Pool, Bugonia, Eden, Smile 2, Joker Folie a Deux

Timos Beste Filme:

1. Warfare (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos)

Uplink: 1:20:57 min.

Warfare erzählt die wahre Geschichte einiger Navy SEALs, die auf eine Mission in den Irak geschickt werden. Sie sollen das Haus einer einheimischen Familie besetzen und ein aufständisches Gebiet sichern. Doch dann eskaliert die Situation, als eine Granate im Haus detoniert. Die SEALs sind eingeschlossen und Hilfe ist eher nicht zu erwarten. Was für viele ein Geduldsspiel ist, weil Garlands Film keiner typischen Filmdramaturgie folgt, war für mich ein Ereignis. So nahe war man bisher selten dabei, wenn Soldaten in einer tödlichen Mission unterwegs waren. Mendoza, einer der Soldaten der Mission, steuerte das Drehbuch bei, was auch dazu führt, dass Garlands Film nie Hollywood-like übertreibt. Und das hat mich maximal mitgerissen. Dazu tragen auch die Darsteller bei, die sich vor dem Dreh in ein ausgiebiges Bootcamp begeben haben, um die echten Soldaten möglichst authentisch zu spielen.

Warum Warfare? Weil ich noch nie so von einer Soldaten-Geschichte mitgenommen wurde.

2. Strange Darling (UHD, 4K HDR, 5.1 DTS-HD MA)

Uplink: 1:14:16 min.

JT Mollners Thriller bekommt meine Krone für den ungewöhnlichsten Genrefilm des Jahres. Da der Regisseur sein Katz-und-Mausspiel über zwei Menschen, die sich nach einem Date bis aufs Blut verfolgen, nicht chronologisch erzählt, rätselt man ständig mit, was sich dort wirklich ereignet hat. Dabei gibt's eine Überraschung nach der nächsten und zwei extrem starke Darstellerleistungen von Willa Fitzgerald und Kyle Gallner. Nicht ganz unerwähnt sollte bleiben, dass Schauspieler Giovanni Ribisi (Avatar) hier als Produzent und Kameramann fungiert. Seine auf analogem Material gedrehten Bilder lassen den Film zusätzlich so atmosphärisch wirken.

Warum Strange Darling? Weil das Spiel mit der Erwartungshaltung hier permanent unterlaufen wird und das Miträtseln ein großer Spaß ist.

3. 28 Years Later (UHD, 4K HDR, Dolby Atmos),

Uplink: 1:08:25 min.

Nein, von der zugrundeliegenden Technik war ich nicht angetan. Und Danny Boyles dritter Film des vor 23 Jahren erschaffenen Universums hat durchaus seine Logiklücken. Außerdem ein paar seltsame Power-Rangers-Twens im Finale und eine ziemlich schwache Darstellerleistung von Aaron Taylor-Johnson. Aber: 28 Years Later hat auch einen unglaublich aufspielenden Newcomer, einen unfassbar guten Ralph Fiennes. Doch 28 Years Later wirkte bei mir nach. Noch Tage später holte mich die Atmosphäre des Films ein. Was beim Anschauen noch chaotisch, sogar wirr erscheint, fügt sich im Kopf über Tage zusammen. Und das hat zuletzt kein Film so geschafft wie Boyles jüngstem Virus-Thriller.

Warum 28 Years Later? Weil Danny Boyle trotz einiger Löcher im Drehbuch erneut geschafft hat, dem "Zombie"-Film neue Facetten abzugewinnen.

honorable Mention: The Substance


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  • 25. Dezember 2025 um 09:01

"Sentimental Value": Ist dies wirklich der Film des Jahres?

Von Rüdiger Suchsland

Rüdiger Suchsland

Filmbild aus Sentimental Value: Darsteller Elle Fanning und Stellan Skarsgard

Sentimental Value: Elle Fanning, Stellan Skarsgard. Filmbild: Copyright Kasper Tuxen

Konservative Werte: Joachim Triers Film ist die Illustration der Weinerlichkeit der Generationen Z und Y und ihres Ressentiments gegenüber den Älteren.

Auf vielen Listen der "besten Filme des Jahres 2025" steht er ganz oben. Und er gilt auch als einer der Favoriten bei den bevorstehenden europäischen Filmpreisen Mitte Januar und der Oscar-Verleihung Mitte März: Der norwegische Film "Sentimental Values " von Joachim Trier, der bereits in Cannes bei den Filmfestspielen im Mai mit dem Grand Prix de Jury ausgezeichnet wurde.

Ist der Hype gerechtfertigt?

Abrechnung mit den 68ern

Keineswegs! Ohne Frage ist "Sentimental Values" ein gut gemachter und "funktionierender" Film, und stellenweise ist er sogar richtig gut. Aber es fehlt die Überschreitung, das "gewisse Etwas", alles ist zu gediegen und rein funktional, eine gut ausgetüftelte Bastelarbeit, aber kein Wurf. Kein wirklich expressives, eigenständiges Filmemachen.

Und inhaltlich bietet er die überaus konservative Illustration der Weinerlichkeit der Generation Z und der Generation Y und ihres Ressentiments gegenüber den Älteren, der Gen X, den Boomern und vor allem die Abrechnung mit den bösen 68ern, die im Gegensatz zu ihnen ja ach so egoistisch waren.

Stellan Skarsgard in einem der schönsten, besten Auftritte seiner Karriere

Zuerst sieht man die Silhouette der Stadt Oslo. Ein Kameraschwenk gleitet mit unserem Blick auf einen Friedhof hinüber. Anrufung der Toten, der Vergänglichkeit. Dann beginnt ein unglaublich virtuoser Anfang, der gleich seinen Schatten über den ganzen langen Rest des Films werfen wird: Auftritt des ersten Hauptdarstellers, eines alten Hauses aus dem 19. Jahrhundert.

Das Haus erzählt seine Geschichte und die seiner Bewohner über vier Generationen hinweg. Dann begegnen wir Nora (Renate Reinsve in direkter Fortsetzung ihrer enigmatischen Figur des "schrecklichsten Mädchens" im vorherigen Film des Regisseurs), einer Schauspielerin mit extremem Lampenfieber. Eine Szene zwischen Komik und Fremdschämen.

Danach erzählt ihre Stimme die Geschichte des Hauses selbst. Mit dem Haus erzählt sie die Familiengeschichte über Generationen, gut 100 Jahre; dann, dass die Eltern sich getrennt haben, dann, viel später, wie die Kinder, zwei Schwestern, erwachsen sind, und es eine Beerdigung gibt: die Beerdigung der Mutter.

Der weit entfernt lebende Vater kommt dazu. Er ist Filmregisseur. Noras Schwester Agnes (Inga Ibsdotter Lilleaas in einem besonders auffallenden Auftritt) hatte ihn benachrichtigt. Ein war ein abwesender Vater, der sich nie besonders auf das Leben seiner Töchter einließ. Der Vater heißt Gustav Borg, und wird von Stellan Skarsgard gespielt, in einem der schönsten, besten Auftritte seiner Karriere.

Filmplakat

Jetzt möchte er seinen neuen Film drehen. Im alten Familienhaus, zwischen den Geistern mehrerer Generationen, unter anderem dem seiner eigenen Mutter, die einst im norwegischen Widerstand gegen die Nazi-Besatzung war, von den Deutschen gefoltert wurde und sich später das Leben nahm.

Handlungswenden mit Ansage

Hier beginnt der eigentliche Film: Als sich Vater und Tochter im Café treffen und der Vater der Tochter des Drehbuch gibt, mit der Bemerkung, er habe es für sie geschrieben. Die Tochter nimmt das nicht als Kompliment, sondern als Affront und ist empört; sie möchte nicht, dass sich der Vater für sie als Künstlerin interessiert, sondern für ihre Gefühle und Befindlichkeiten und ihren Narzissmus – und das wiederum interessiert ihn verständlicherweise überhaupt nicht. Für ihn ist Arbeit und Kunst der Weg, zu kommunizieren und sich seiner Tochter zu nähern.

Für die Tochter ist Kunst vor allem ein Weg, um nur sich selbst idiosynkratisch auszuagieren und ihr echtes oder eingebildetes Leiden auf perverse, masochistische Weise zu genießen. So redenn beide aneinander vorbei, mit dem Ergebnis, dass die Tochter das Drehbuch nicht liest, sondern empört vom Café-Tisch aufsteht und das Gespräch abbricht.

Was an dieser Szene vor allem ungemein nervt, das ist, dass wir in dem Moment, wo die Tochter aufsteht, schon wissen, dass es jetzt eine Stunde lang dauern wird, in der sie herumzickt und sich quält und vor allem uns im Publikum quält, um dann doch irgendwann selbstverständlich diese Rolle zu spielen. Das hätte der Film uns ersparen können.

Nötig ist dazu ein auch irgendwie überflüssiges Intermezzo mit Hollywood-Star Elle Fanning, die einen Hollywood-Star spielt, der die Rolle der Tochter im geplanten Film zunächst übernehmen soll – das triggert dann unter anderem auch die Eitelkeit von Nora, und führt zu der absolut vorhersehbaren Wendung.

Und einer ebenso vorhersehbaren Versöhnung zwischen Vater und Tochter. Man könnte sagen: Der Vater hat gesiegt. Das ist der einzige Trost in diesem ansonsten eher trostlosen Film, der leider auch mit seinen Bergmann- und Ibsen-Anspielungen allzu deutlich hausieren geht.

Zu bitter, trotz guter Witze

Das alles könnte auch eine schrille, schwarze Komödie über Filmwelt und Showbusiness und dessen Rücksichtslosigkeit sein, oder auch über die nostalgische Traurigkeit einer sich verändernden Branche. Peter Bradshaw schrieb zu diesem Aspekt in seiner durchwachsenen Kritik im Guardian [1] treffend:

"Es gibt auch Insiderwitze für Cineasten (die gleichzeitig Insiderwitze für Cannes-Fans sind). Als Agnes' Sohn seinen 10. Geburtstag feiert, bringt Gustav dem armen Jungen ein völlig unpassendes Geschenk mit: brandneue DVDs mit schockierenden Filmen wie Michael Hanekes ‚Die Klavierspielerin‘ und Gaspar Noés ‚Irreversible‘ – doch Trier zeigt, dass die ultimative Ironie darin besteht, dass sie keinen DVD-Player haben. Der technologische Wandel hat diesen Filmen ihre Schockwirkung genommen."

Peter Bradshaw, Guardian

In diesem Film gibt es sehr gute Witze, über das Filmemachen, über Kunstbehauptungen, über Netflix und TikTok-Trolle, und sehr viele witzige Momente – ich würde ihn trotzdem niemals als Komödie beschreiben, wie das andere tun. Dafür ist er viel zu ernst und viel zu bitter.

Emotionale Intensität bleibt reine Behauptung

Filmisch gesehen ist hier alles das Drehbuch und seine Vorgaben, seine ausgetüftelte narrative Architektur. Aber es fehlt das Visuelle, es fehlt ein wirklich expressives, eigenständiges Filmemachen. Die Inszenierung bleibt in "Sentimental Value" meist rein funktional.

Hinzu kommt, dass der Film selbst auf dieser Ebene bald seine ursprüngliche originelle Drehbuch-Prämisse, die Erinnerungen des Hauses selbst, aufgibt, obwohl sich um dieses Haus alles dreht, und stattdessen eher launisch und affektiv zwischen den Perspektiven des Vaters und der beiden Schwestern hin- und herspringt.

So bleibt die emotionale Intensität des Vater-Tochter-Dramas reine Behauptung. Das Hauptproblem mit diesem Film ist, dass man die Tochter-Figur in keinem Moment versteht. Wir wissen bis zum Schluss nicht, was eigentlich mit ihr los ist, was sie antreibt, was sie für ein Problem hat.

Den Vater hingegen versteht man ganz gut – aber dies ist nicht der Film des Vaters und deswegen auch nicht der der Kunst und einer Haltung, die persönliche Befindlichkeiten hinter der Kunst zurückstellt.

Sondern dies ist ein Film, der Partei für die Befindlichkeiten der Tochter nehmen möchte – aber weder das Drehbuch und die Inszenierung des Regisseurs, noch die Performance der Schauspielerin Renate Reinsve sind in der Lage, genau dies auch zu transportieren.

Filmbild: Zwei Frauen in enger, zärtlicher Pose

Filmbild Sentimental Value. Copyright MK2 Productions / Arte France Cinéma / BBC Film

Seelenlandschaften, die unserer Zeit entsprechen

So kommt einem dieser Film alles in allem wie ein Bluff vor, wie das gelungene Unterfangen des Regisseurs, Publikum und Jury einzulullen und in ein Netz aus Behauptungen und Prätentionen zu verstricken.

"Sentimental Value" ist keineswegs schlecht, aber er ist etwas ärgerlich und er ist sehr vorhersehbar. Die Frage ist, ob das, worum es in diesem Film geht, eigentlich wichtig ist?

Die Menschen, mit denen wir hier zu tun haben, denen wir begegnen, sind erst einmal keine Figuren, die man sich in einem Film von Truffaut oder Godard vorstellen kann. Am ehesten noch der alte Regisseur. Der Mann ist, wenn man so will, ein Rebell. Zumindest war er das. Er ist einer, der vom Leben mehr möchte, als nur gut essen und ein großes Haus haben.

Es scheint, dass dieser Film ansonsten die Privatisierung und den Narzissmus der Seelenlandschaften, die unserer Zeit entsprechen, extrem vorantreibt.

Das "Relevante"als faule Ausrede

Was für ein Unterschied zu echtem Autorenkino! Triers Film ist bürgerliches, lackiertes Arthouse-Kino, wird aber genau deswegen gut laufen, wenn auch nicht so gut, wie "Das schrecklichste Mädchen der Welt". Aber er bietet Vergnügen und keine Probleme.

Und das "Relevante", das Politische, das sozial Nützliche oder gesellschaftlich Gewollte eines Films ist oft nur eine faule Ausrede, um auf verzweifelte Weise Klarheit zu erreichen, wo Unklarheit herrschen sollte. Um sich nicht auf das Diffuse, Flirrende, Fragmentarische, Vage und Ambivalente auf das Wesen des Kinos einzulassen.

Es ist unsere Aufgabe, aber genau darauf zu bestehen.

Die Yuppisierung der Wirklichkeit

Am Ende des Films wird das Haus, das einer seiner Hauptdarsteller ist, entkernt. Die Yuppisierung der Wirklichkeit und unserer Wirklichkeit bekommt ein Bild.

Die Neuausstattung im abstrakten und ungeschichtlich cleanen, globalen Manufaktum-Style entspricht dem Geschmack der konservativen stinkreichen Bourgois, die unsere Welt beherrschen.

Ihr Stil enthüllt aber vor allem den vollkommen fehlenden Sinn für Geschichte und für den sentimentalen Wert des Alten, des historisch Gewordenen, dass sich die Renovierungsgeneration nur anschminkt. So wie dieser Film die Gesten des Autorenkinos, dessen Geist er gleichzeitig verrät.


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[1] https://www.theguardian.com/film/2025/may/21/sentimental-value-review-cannes

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  • 25. Dezember 2025 um 16:00

Slowakei: Wie 50 Firmen einen Milliardenmarkt im Weltraum erobern wollen

Von Sebastian Becker

Sebastian Becker

Ein Mini-Satellit im Erdorbit

KI-erzeugt

(Bild: Shutterstock AI / Shutterstock.com)

50 Firmen greifen nach einem Billionen-Markt. Ihr Geheimnis: ein Würfel-Satellit, der nur einen Bruchteil kostet – aber dreimal länger hielt als geplant.

Die kleine Slowakei haben nur die wenigsten in Deutschland als eigenständigen Faktor auf dem Schirm. Doch hat das Land, das gerade einmal 5,4 Millionen Einwohner aufweist und etwas größer als Niedersachsen ist, immer eine Überraschung parat:

Viele wissen nicht, dass das Land tatsächlich der größte Autoproduzent der Welt gemessen an der Produktion pro Kopf ist. Nirgendwo werden mehr Fahrzeuge pro Einwohner produziert als hier. Dazu trägt insbesondere das VW-Werk in der Hauptstadt Bratislava bei, das mit 340.000 Fahrzeugen pro Jahr das zweitgrößte im Konzern in Europa, gleich nach dem Stammwerk in Wolfsburg. Auch davon haben nur Insider Kenntnis.

Doch das ist noch nicht alles: Die Slowakei verfügt sogar über eine eigene Weltraumindustrie, die sich überwiegend in den vergangenen Jahren sehr dynamisch herausgebildet hat. Da es die Branche noch gar nicht so lange gibt, wissen auch so wenige von ihr. Mittlerweile haben sich hier rund 50 Firmen gegründet, die sich überwiegend auf Softwareanwendungen zur Verarbeitung von Erdbeobachtungsdaten konzentrieren.

Ihr Gesamtumsatz beläuft sich auf 125 Millionen Euro pro Jahr. Wie jung und dynamisch die Branche ist, wird auch daran deutlich, dass der slowakische Staat gerade erst vor einem Jahr seine Weltraumstrategie veröffentlicht hat, die bis 2030 gilt. Das Land will damit an einem wachsenden Weltmarkt teilhaben, der nach Einschätzung der EU bis 2035 ein Volumen von rund 1,6 Billionen Euro weltweit erreichen dürfte. Die Gemeinschaft hat deswegen im Juni 2025 den „Space Act“ auf den Weg gebracht, ein rechtliches Instrument, das die Erschließung dieses Marktes regeln soll. Bislang hat Europa hier nur einen relativ geringen Teil daran.

Der Markt für Satellitenkommunikation und Erdbeobachtung, der insbesondere für die Slowakei interessant ist, hat einen Wert von 408 Milliarden Euro, also ein Vielfaches der Wirtschaftsleistung des kleinen Landes. Davon geht die EU aus. Kein Wunder, dass sich Bratislava darauf konzentriert.

An der relativ geringen Höhe der Erlöse von 125 Millionen Euro, welche die slowakischen Weltraumfirmen bislang erwirtschaftet haben, zeigt sich, dass sie nicht mit großen Volumina glänzen wollen, sondern mit besonderen technischen Leistungen.

Dazu gehört im laufenden Jahr das Projekt GRBAlpha – ein würfelförmiger Satellit mit einer Kantenlänge von nur zehn Zentimetern. Er erfüllt Funktionen, für die früher deutlich größere Laborinfrastruktur nötig gewesen wäre, und kostete aber nur relativ wenig. „Diese Art von Satelliten zeichnet eine verhältnismäßig kurze Lebensdauer und hohe Kosten aus“, schreibt der „Slowakian Spectator [1]“. Doch hier sei man „mit einem Betrag unterhalb von sechs Ziffern ausgekommen“. Das bedeutet weniger als eine Million Euro.

Der Projektkoordinator der Mission und der Betreiber des Satelliten war die Technische Universität Košice [2] (TUKE). Er wurde zusammen mit 37 weiteren Satelliten am 22. März [3] 2021 [4] von einer russischen Sojus-2.1a-Trägerrakete [5] in Kasachstan gestartet. Ende Juni kam GRBAlpha wieder zur Erde, drei Jahre länger als ursprünglich erwartet.

Jetzt nimmt das Land weitere Projekte in Angriff. Das Technologiekonsortium „Stephanik“, das mehrere slowakische Firmen unter seinem Dach sammelt, hat nun im Herbst vom slowakischen Staat weitere 16 Millionen Euro erhalten. Ziel ist es, den ersten modularen Satelliten mit einem Gewicht von über 150 Kilogramm zu entwerfen und zu entwickeln, der vollständig in der Slowakei gebaut wird. Er wird den Namen Stephanik tragen. Der Start ist für 2029 geplant.

„Stephanik ist nicht nur ein Satellit, sondern ein nationaler Meilenstein. Wir zeigen, dass die Slowakei fortschrittliche Weltraumtechnologien auf europäischer Ebene entwerfen, entwickeln und starten kann“, sagte Juraj Zámečník, Mitbegründer von 3IPK, einer Weltraumfirma, die an dem Projekt beteiligt ist.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://spectator.sme.sk/business/c/slovakia-s-expanding-ambitions-in-space
[2] https://sk.wikipedia.org/wiki/Technick%C3%A1_univerzita_v_Ko%C5%A1iciach
[3] https://sk.wikipedia.org/wiki/22._marec
[4] https://sk.wikipedia.org/wiki/2021
[5] https://sk.wikipedia.org/wiki/Sojuz-2_(nosn%C3%A1_raketa)

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  • 25. Dezember 2025 um 14:00

Warum Taiwan wieder zum gefährlichsten Schauplatz der Weltpolitik wird

Von Philipp Fess

Philipp Fess

KI-generierte Zeichnung mit Insel Taiwan und dem Festland China,  Kriegsschiffe und die Flaggen von China, Japan un den USA

KI-generierte Illustration

Die USA liefern Waffen im Milliardenwert. China erklärt die Wiedervereinigung für unvermeidlich. Japans Atomdebatte verändert die strategische Lage im Pazifik.

Diplomatie mit Ablaufdatum: Die Nationale Sicherheitsstrategie, welche die Trump-Regierung Anfang des Monats veröffentlichte [1], hatte die Volksrepublik China eigentlich als Zeichen der Entspannung gedeutet.

Im Gegensatz zum Schriftstück [2] aus Trumps Amtszeit von 2017 war keine Rede darin von missachteten Menschenrechten, Massenüberwachung, "Revisionismus" oder einer Verschwörung mit Russland. Einzig die ökonomische Konkurrenz Chinas schien im Mittelpunkt der "Make America Great Again"-Agenda zu stehen.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Guo Jiakun eröffnete [3] in Reaktion auf die Strategie denn auch einen diplomatischen Horizont von "gegenseitigem Respekt, friedlicher Koexistenz" und gar einer "Win-Win-Kooperation" mit den USA, "um die stabile Entwicklung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen voranzutreiben".

Der Schritt, den der US-Präsident jetzt unternehmen will, scheint dieser Détente jedoch deutlich entgegenzustehen: Das Waffenpaket [4] aus Himars-Raketenwerfern, Artilleriegeschützen, Raketen zur Panzerbekämpfung und Drohnen, das die US-Regierung an Taiwan schicken will, ist mit einem Wert von 11,1 Milliarden US-Dollar das bislang größte seiner Art.

Washington rechtfertigt sein neuerliches Geschäft mit dem Schutz eigener Interessen – sowohl wirtschaftlicher als auch sicherheitspolitischer Natur. Taiwan soll seine Armee modernisieren und in die Lage versetzt werden, sich glaubhaft zu verteidigen.

Wer die Nationale Sicherheitsstrategie aufmerksam gelesen hat, dürfte eine Entspannungspolitik zwischen den USA und China nie anders denn als Scheinfrieden interpretieren.

Nicht der erste Deal mit Taipeh

Seit Donald Trump im Januar erneut ins Weiße Haus eingezogen ist, handelt es sich bereits um den zweiten großen Rüstungsdeal. Mitte November sicherte [5] die US-Regierung Taipeh 300 Milliarden US-Dollar zur Unterstützung zu, um Taiwans Verteidigungsfähigkeit gegen aktuelle und künftige Bedrohungen zu stärken.

Der scheinbare Widerspruch zwischen versöhnlicher Rhetorik und massiver Aufrüstung löst sich auf, wenn man die neue Sicherheitsstrategie genauer liest. Denn trotz des vermeintlich milderen Tons gegenüber Peking steht Taiwan im Zentrum der amerikanischen Verteidigungsplanung:

"Es liegt zu Recht ein großer Fokus auf Taiwan, teilweise wegen Taiwans Dominanz in der Halbleiterproduktion, aber vor allem, weil Taiwan direkten Zugang zur Zweiten Inselkette [6] bietet und Nordost- und Südostasien in zwei getrennte Schauplätze teilt.“

National Security Strategy 2025 [7]

Zudem passiere jährlich ein Drittel der globalen Schifffahrt das Südchinesische Meer. Die Strategie macht keinen Hehl daraus, dass das entsprechend "große Auswirkungen auf die US-Wirtschaft“ hat.

Ziel soll es deshalb sein, einen Konflikt um Taiwan zu verhindern, und zwar "idealerweise durch die Bewahrung militärischer Überlegenheit". Um zu verhindern, dass "eine potenziell feindliche Macht ein Mautsystem über eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt errichtet", gelte es für die USA und die explizit erwähnten Verbündeten folglich darum, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Das betrifft auch Deutschland.

Rückkehr zur Strategie des Kalten Krieges

Die Stoßrichtung erinnert wohl nicht zufällig an eine Strategie aus den Anfangsjahren des Kalten Krieges. Im Jahre 1951, während des Koreakrieges, entwickelte der spätere amerikanische Außenminister John Foster Dulles die sogenannte Inselketten-Strategie ("Island Chain Strategy" [8]).

Der Plan sah vor, die Sowjetunion und China mit Marinestützpunkten im westlichen Pazifik zu umzingeln, um Dominanz zu suggerieren und den Zugang zum offenen Meer einzuschränken.

Spielte dieses Konzept während des Kalten Krieges zunächst nur eine untergeordnete Rolle in der amerikanischen Außenpolitik, gewann es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zunehmend an Bedeutung – sowohl für amerikanische als auch für chinesische Strategen.

Für die USA bildet die Inselketten-Strategie einen wesentlichen Teil ihrer militärischen Präsenz im Fernen Osten. Für China ist das Konzept untrennbar mit Fragen der maritimen Sicherheit verbunden – und mit der Furcht vor strategischer Einkreisung durch die USA und deren Verbündete. Und die Interessen beider Staaten bündeln sich in der geografischen und strategischen Bedeutung – Taiwans.

Die neue Nationale Sicherheitsstrategie greift die Logik der Inselketten auch an anderer Stelle explizit auf: "Wir werden ein Militär aufbauen, das in der Lage ist, Aggression überall in der Ersten Inselkette abzuwehren", heißt es darin.

In der strategischen Debatte wird mit der Ersten Inselkette ein zusammenhängender Inselgürtel bezeichnet, der sich von Japan und den Ryūkyū‑Inseln über Taiwan bis in den Bereich der Philippinen erstreckt.

Der Nationalen Sicherheitsstrategie zufolge sollten sich die diplomatischen Bemühungen der USA darauf konzentrieren, die Verbündeten entlang dieser Ersten Inselkette dazu zu bewegen, dem US-Militär "größeren Zugang zu ihren Häfen und anderen Einrichtungen" zu gewähren, mehr für die eigene Verteidigung auszugeben und "in Fähigkeiten zu investieren, die auf Abschreckung von Aggression abzielen".

Ziel sei es, "jeden Versuch zu vereiteln, Taiwan zu erobern, oder ein Kräfteverhältnis zu erreichen, das so ungünstig für uns ist, dass die Verteidigung der Insel unmöglich wird". Zugleich hält das Dokument an anderer Stelle fest, die USA "unterstützten keine einseitige Änderung des Status quo in der Taiwanstraße". Vor diesem Hintergrund bezeichnete der Analyst David Sacks vom einflussreichen Council on Foreign Relations den Taiwan-Abschnitt gegenüber CNN zu einem "verwirrenden Bündel widersprüchlicher Botschaften".

China: "Wiedervereinigung unumkehrbarer Trend"

Die versöhnlichen Töne aus Peking verstummten abrupt, als die Nachricht vom Rekord-Waffenpaket die Runde machte. Die staatsnahe Global Times [9] zitiert Jiang Bin, Sprecher des chinesischen Verteidigungsministeriums, mit deutlichen Worten: Die Ankündigung verletze "ernsthaft das Ein-China-Prinzip und die drei gemeinsamen Kommuniqués zwischen China und den USA".

Das Geschäft untergrabe "schwerwiegend Chinas Souveränität und Sicherheitsinteressen", beschädige "das strategische gegenseitige Vertrauen zwischen China und den USA erheblich" und sende "ein äußerst falsches Signal an die separatistischen Kräfte der Taiwan-Unabhängigkeit" und sei deshalb "sofort zu stoppen". Seine entschiedene Ablehnung habe Peking durch eine "förmliche Beschwerde" bei der US-amerikanischen Seite zum Ausdruck gebracht.

Bin ließ dabei keinen Zweifel an der unverrückbaren Haltung der Regierung: "Chinas vollständige Wiedervereinigung ist ein unumkehrbarer historischer Trend, den keine Kraft aufhalten kann", so der Sprecher. Die Volksbefreiungsarmee werde "weiterhin Training und Kampfbereitschaft verstärken und entschlossene Maßnahmen ergreifen, um die nationale Souveränität und territoriale Integrität zu schützen und separatistische Aktivitäten der Taiwan-Unabhängigkeit sowie externe Einmischung entschieden zu vereiteln".

Opposition in Taiwan plant Amtsenthebung

Parallel zur diplomatischen Konfrontation zeichnet sich in Taiwan selbst ein innenpolitischer Machtkampf ab, den Peking aufmerksam verfolgt. So kündigten Oppositionsabgeordnete der Kuomintang (KMT) und der Taiwan People's Party (TPP) zuletzt auf einer Pressekonferenz in Taipeh an, ein Amtsenthebungsverfahren gegen den taiwanischen Präsidenten Lai Ching-te einleiten zu wollen [10].

Die Initiative richtet sich auch gegen Premierminister Cho Jung-tai. Auslöser ist ein Streit um ein Gesetz zur Umverteilung von Einnahmen zwischen der Zentralregierung und den lokalen Städten. Die Exekutive weigert sich, das vom Parlament verabschiedete Gesetz gegenzuzeichnen.

Am vergangenen Donnerstag brachten die Oppositionsabgeordneten Huang Kuo-chang (TPP), Lo Chih-chiang (KMT) und Wang Hung-wei (KMT) zwei Misstrauensanträge ein und forderten das Parlament auf, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Cho einzuleiten. Später am selben Tag kündigte Huang, der auch Vorsitzender der TPP ist, an, offiziell auch ein Verfahren gegen Präsident Lai anzukündigen.

Die Spannungen in der Region beschränken sich indes nicht auf die Taiwanstraße. Zuletzt trugen Äußerungen aus Japan dazu bei, den Konflikt weiter anzuheizen.

Japans Atom-Ambitionen

So erklärte [11] der sicherheitspolitische Berater der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi ebenfalls am vergangenen Donnerstag gegenüber Journalisten, "Japan sollte Atomwaffen besitzen". Peking reagierte alarmiert auf die Äußerungen des Erste-Inselkette-Anrainers.

"China verfolgt die entsprechenden Medienberichte mit großer Aufmerksamkeit“, zitiert die „Global Times“ Außenamtssprecher Guo Jiakun. Falls die Informationen zuträfen, „wäre die Situation ziemlich ernst", heißt es weiter. Sie enthülle "die gefährliche Verschwörung einiger Leute in Japan, internationales Recht zu verletzen und Atomwaffen zu erwerben".

Japan habe "seit einiger Zeit wiederholt fehlerhafte Aussagen und Schritte in Militär- und Sicherheitsfragen gemacht", seine Sicherheitspolitik "substanziell geändert" und "Beschränkungen für die Ausübung des Rechts auf kollektive Selbstverteidigung gelockert".

Tokio versuche mit verschiedenen Mitteln – etwa durch "Stärkung der erweiterten Abschreckungskooperation", die Suche nach nuklearer Teilhabe und die Revision der Drei nicht-nuklearen Prinzipien [12] – "die Rückkehr alliierter Atomwaffen nach Japan voranzutreiben".

Sprecher Guo Jiakun wirft Japan Doppelmoral vor: Das Land habe versucht, "sich als Fahnenträger für den Aufbau einer atomwaffenfreien Welt darzustellen und ein Narrativ als nukleares Opfer des Zweiten Weltkriegs zu formen". In Wirklichkeit habe Japan jedoch "versäumt, gründlich über die von ihm gestarteten Angriffskriege nachzudenken".

Japan sei "zu einer Quelle der Instabilität geworden, die den Atomwaffensperrvertrag herausfordert und das internationale Nichtverbreitungssystem untergräbt". Die internationale Gemeinschaft müsse "Japans heuchlerische Haltung zur nuklearen Nichtverbreitung und Abrüstung klar erkennen", so der Regierungssprecher.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2025/12/2025-National-Security-Strategy.pdf
[2] https://trumpwhitehouse.archives.gov/wp-content/uploads/2017/12/NSS-Final-12-18-2017-0905.pdf
[3] https://www.cnn.com/2025/12/11/china/trump-national-security-strategy-china-taiwan-intl-hnk
[4] https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-12/taiwan-usa-waffenpaket-china-gxe
[5] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-taiwan-waffengeschaeft-102.html
[6] https://www.telepolis.de/article/USA-vs-China-und-die-zweite-Inselkette-9631931.html
[7] https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2025/12/2025-National-Security-Strategy.pdf
[8] https://www.scmp.com/news/china/military/article/3314589/can-island-chain-strategy-contain-chinas-blue-water-naval-ambitions
[9] https://www.globaltimes.cn/page/202512/1351004.shtml
[10] https://www.scmp.com/news/china/politics/article/3337110/taiwans-opposition-lawmakers-vow-impeach-leader-william-lai
[11] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-12-19/japan-should-have-nuclear-weapons-official-reportedly-says
[12] https://www.dw.com/de/japan-erw%C3%A4gt-abkehr-von-nicht-nuklearen-prinzipien/a-74902045

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  • 25. Dezember 2025 um 12:06

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  • 24. Dezember 2025 um 21:33

Südostasien: Zwischen Wirtschaftswunder und historischen Wunden

Von Christoph Jehle

Christoph Jehle

Eine moderne Skyline in der Abendsonne

Skyline von Singapur

(Bild: Sean Pavone/Shutterstock.com)

Südostasien wandelt sich rasant zur Wirtschaftsmacht. Doch Kriege und Autokraten hinterließen tiefe Spuren. Wie die Region zwischen Westen und China jongliert.

Südostasien ist eine Region im Umbruch. Während Japan nach dem Zweiten Weltkrieg seinen militärischen Einfluss für Jahrzehnte einbüßte und bis heute kaum Reue für seine Verbrechen in China und Korea zeigt, setzte in der Region eine eigene Dynamik ein.

Ein entscheidender Wendepunkt war die Trennung Singapurs vom mehrheitlich muslimischen Malaysia am 9. August 1965 – ein politischer Bruch, der den wirtschaftlichen Aufstieg des chinesisch geprägten Stadtstaats an der Südspitze der malaiischen Halbinsel einleitete.

Demokratie ist nicht das richtige Stichwort für Singapur

Der Stadtstaat entwickelte sich in 60 Jahren aus einer Sumpflandschaft zur schillernden Metropole. Entscheidend für den Erfolg Singapurs war Lee Kuan Yew, Premier des Landes bis 1990, danach sogenannter Minister Mentor, also entscheidender Strippenzieher im Hintergrund. Mit den massiven Wohnungsbauprogrammen des Housing Development Board bekommen die Menschen im Stadtstaat ein akzeptables Dach über dem Kopf.

In Deutschland wurde Singapur als Industriestandort zuerst als asiatischer Fertigungsstandort [1] der Rollei-Werke [2] in Braunschweig bekannt, wurde jedoch schon 1981 in den Insolvenzstrudel der deutschen Mutterfirma mitgerissen.

Singapur zeigt sich ökonomisch sehr wandlungsfähig. Erst als Handels-, dann als Finanzplatz, zwischendurch als wichtiger Standort für Biotechnologie, dann mit dem ikonischen Marina Bay Sands Hotel als Spielcasino für asiatische Touristen, und als ökologisch bewusste Stadt.

Lee Hsien Loong, der älteste Sohn des Gründervaters Lee Kuan Yew war als Nachfolger seines Vaters 20 Jahre Premierminister des südostasiatischen Stadtstaats und wird nun als Senior Minister weiter der Regierung angehören. Seit der Gründung des Landes im Jahre 1965 wurde das Land von der gleichen Familie regiert.

Zu den Besonderheiten des Landes zählt die Tatsache, dass staatliche Investitionen an die Stimmenanteile der Regierungspartei in den einzelnen Stadtteilen geknüpft waren. Jetzt hat mit Lawrence Wong wurde zum ersten mal seit Staatsgründung ein Familienfremder Präsident.

"'Man kann Singapur keine Demokratie nennen, aber auch keine Autokratie“, sagt Michael Barr von der Flinders University in Australien, der sich seit Jahrzehnten mit dem politischen System Singapurs beschäftigt. Auf dem Papier ist Singapur eine parlamentarische Demokratie, die ein Mehrparteiensystem hat. Es gibt freie und faire Wahlen. De facto stellt die PAP jedoch seit der Staatsgründung 1959 ununterbrochen die Regierung. Das politische System ist auf sie zugeschnitten. Die Opposition hat es schwer.

Thailamd: Fertigungshub für Feinmechanik

Die Herrschaft im Land teilten sich zuletzt die Anhänger und Familienangehörigen der Familie Shinawatra, deren Führungsperson Taksin als Polizist zu großem Reichtum gekommen war und als Ministerpräsident die Gesetze zu seinem Vorteil zuschnitt und das Militär, das mehrmals putschte, um die Macht der Shinawatra-Familie zu begrenzen.

Die industrielle Entwicklung hat sich auf die Feinmechanik konzentriert und so ist das Land heute der größte Hersteller von Festplatten mit den US-Marken Seagate und Western Digital sowie Kameras und Objektiven der japanischen Marken Sony und Nikon.

Kambodscha: Nachfahren der Khmer Rouge bis heute an der Macht

Das Rechtssystem in Kambodscha ist mit der Situation innerhalb der EU nur selten vergleichbar und lokale sowie regionale Konflikte können unerwartet ausbrechen und folgen dabei oft Mustern, die für Ausländer kaum nachvollziehbar sind. Besonders von diesen Konflikten betroffen ist die Landgrenze zwischen Kambodscha und Thailand, die seit der Zeit des französischen Indochina noch nicht endgültig geregelt ist. Landminen stellen in Kambodscha seit dem Vietnamkrieg eine permanente Gefahr für Einwohner und Touristen dar.

Die industrielle Entwicklung Kamboschas konzentrierte sich in den vergangenen Jahren auf Textilien und Schuhe sowie Fahrräder, die mit den Zöllen für chinesische Produkte verstärkt nach Kambodscha abwanderte.

Laos: Der einzige Binnenstaat in Südostasien

Die geographische Lage des während des Vietnamkriegs unter der dichtesten Bombenlast der USA zu leiden hatte, deren Beseitigung Nordamerika seit Beginn der zweiten Regierung Trump konsequent verweigert, zählt heute zu den industriell am wenigsten entwickelten Ländern des ehemaligen Indochina.

Von den mehr als 2 Millionen Tonnen Bomben, die zwischen 1964 und 1973 von den amerikanischen Luftstreitkräften in mehr als 530.000 Fliegerangriffen über Laos abgeworfen wurden, sind bis heute noch etwa die Hälfte des Territoriums betroffen. Ein besonderes Problem ist dabei, dass die Bombenabwürfe nicht dokumentiert wurden, weil sie dem Vietcong zugeschrieben werden sollten.

Zuletzt gab es durchaus einige Lichtblicke im Rahmen des chinesischen Seidenstraßen-Projekts [3]. Die Anbindung von Thailand leidet jedoch bis heute an den Widerständen der historischen Industrieländern gegen die Entwicklungsambitionen der chinesische Volksrepublik. Für das Land bleibt bislang in der Hauptsache die Funktion als verlängerte Werkbank Thailands [4]. Für europäische Investitionen scheint das Land nicht nur kulturell und geografisch weit entfernt zu sein, obwohl Französisch bis heute weit verbreitet ist.

Japanischer Investmentboom in Vietnam

Japanische Industriebetriebe, für welche die Fertigung in der Heimat zu teuer geworden war und die für Thailand zu spät waren, blieb die Sozialistische Republik Vietnam als Ausweichstandort der etwa gleichauf mit den Philippinen gewertet wird. Aus Deutschland investierten Rucksackhersteller wie Tatonka [5] und Deuter [6] in Vietnam.

Auch Vietnam leidet bis heute unter den Folgen des Vietnamkriegs, einerseits unter den Bindgängern, anderseits unter den Entlaubungsaktionen mit Agent Orange.


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[1] https://www.docomomo.sg/happenings/memories-of-rollei-singapore
[2] https://www.youtube.com/watch?v=0dvb-TcUFts
[3] https://www.heise.de/tp/article/Zehn-Jahre-Neue-Seidenstrasse-China-schafft-Fakten-der-Westen-macht-Versprechen-9307721.html
[4] https://www.fotointern.ch/archiv/2013/03/25/nikon-baut-werk-fur-baugruppenfertigung-in-laos/
[5] https://www.tatonka.com/de/
[6] https://www.deuter.com/de-de/verantwortung/produktionspartner

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  • 24. Dezember 2025 um 16:00

Störungsmeldung vom 24.12.2025 22:18

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  • 24. Dezember 2025 um 22:18

p-Bor-Fusion: Die Kernfusion komplett neu denken mit Geld von Trump

Von Mario Petzold
Plötzlich will auch Trump Media Fusionskraftwerke bauen. Der Ansatz ist komplett anders, vielversprechend und hochriskant.
Derzeit existieren vor allem Computersimulationen von der experimentellen Fusionsreaktion. (Bild: TAE Technologies)
Derzeit existieren vor allem Computersimulationen von der experimentellen Fusionsreaktion. Bild: TAE Technologies

Der Zusammenschluss der Trump Media & Technology Group und TAE Technologies bedeutet vor allem für das Fusions-Start-up frisches Geld, um einen höchst experimentellen Ansatz der Kernfusion weiterzuverfolgen. Wie die ARD-Finanzexpertin Angela Göpfert zeigt, hat dies zunächst einmal das Vermögen von Donald Trump um 500 Millionen Dollar erhöht.

Das liegt daran, dass Unternehmen wie TAE Technologies perfekt zur Strategie der US-Regierung passen, neue Kraftwerkstypen zu fördern, die die neuen KI-Rechenzentren versorgen sollen. Genau das wird den erneuerbaren Energien nicht zugetraut, deren Ausbau durch die US-Regierung schon längst behindert wird.

p-Bor-Fusion hat noch nie Energieüberschuss geliefert

Die Kernfusion, die das Start-up etablieren will, unterscheidet sich grundlegend von den Ansätzen fast aller anderen Unternehmen aus dem Bereich. Und eine Kernfusion ist es eigentlich auch nicht.

Statt mit Deuterium und kaum verfügbarem wie radioaktivem Tritium die Fusion zu Helium zu erzwingen, wird vergleichsweise gut verfügbares Bor mit einem Wasserstoffkern , somit einem Proton, beschossen. In Summe ergäbe dies Kohlenstoff, aber unter extremen Bedingungen wird ein Heliumkern emittiert. Das Restprodukt, ein Berylliumisotop, zerfällt anschließend ebenfalls in zwei Heliumkerne. Im Grunde ist es Kernzerfallsprozess mittels Alphastrahlung.

Radioaktivität tritt trotzdem auf

Der Energieüberschuss, der in Form von Bewegungsenergie der Heliumkerne auftritt, ist mehr als doppelt so groß wie bei der Deuterium-Tritum-Fusion. Als größter Vorteil wird dabei das Fehlen von Neutronenstrahlung genannt, durch die radioaktive Isotope in den Reaktorwänden entstehen könnten.

Gleichzeitig handelt es sich bei der Abstrahlung von Heliumkernen um radioaktive Alphastrahlung. Auch Gammastrahlung sowie freie Neutronen sind in Experimenten nachgewiesen worden.

Das größte Problem ist die hohe Temperatur, die zum Überwinden der Coulombbarriere bei einem größeren Kern wie dem von Bor nötig ist. Von zehnmal höheren Temperaturen als bei Iter, dem Versuchsreaktor in Südfrankreich, ist die Rede. Das wäre ein Wert jenseits von einer Milliarde Kelvin.

Mithilfe von Teilchenbeschleunigern können solche Bedingungen erzeugt werden, wie erfolgreiche Experimente aus dem Jahr 2012 zeigen. Beschleunigte Protonen und bereits zu Plasma erhitztes Bor konnten fusioniert werden. Die resultierenden Heliumkerne, mit denen die Energiegewinnung überhaupt möglich wäre, wurden erst zehn Jahre später nachgewiesen , unter Beteiligung von TAE Technologies.

Um aus diesem zu großen Teilen weiterhin theoretischen Ansatz Energie zu gewinnen, müssen sowohl der magnetische Einschluss als auch die Erzeugung von Strom neu gedacht werden. Ein experimenteller Ansatz einer Magnetfeldkonfiguration und die direkte Umwandlung der kinetischen Energie der Heliumkerne sollen laut TAE Technologies genutzt werden.

Großer Rückstand, große Ambitionen

Dennoch soll ein funktionsfähiger Reaktor irgendwann nach 2030 präsentiert werden. Solche Zeitpläne gab es bei Fusionsprojekten schon immer. Iter beispielsweise liegt derzeit etwa 15 Jahre hinter den zuerst genannten Vorgaben, gerade einmal 18 Jahre nach Projektbeginn.

Der Ansatz mit einem anderen Brennstoff, zumal einem gut verfügbaren, bleibt dennoch interessant. So finden sich regelmäßig wissenschaftliche Artikel zur p-Bor-Fusion. Ein Team aus mehreren chinesischen Forschungseinrichtungen hat mit hochkomprimiertem Bor Fortschritte erzielt, weil wesentlich mehr Fusionsprozesse angestoßen werden konnten.

Zumindest in der Theorie könnten die Ergebnisse darauf hindeuten, dass ein so hoher Dichtewert für die Boratome erreicht werden kann, durch den schließlich ein Nettoenergiegewinn realisiert werden kann.

Maximal spekulativer Ansatz

Abgesehen von der vielversprechenden Auswahl an Brennmaterial und der geringeren Strahlenbelastung deutet derzeit wenig darauf hin, dass TAE Technologies in absehbarer Zeit zum Energieproduzent wird. Einen Nachweis, dass die Reaktion von Bor mit Wasserstoffkernen zur Energiegewinnung genutzt werden könnte, fehlt. Auch die nötigen Plasmatemperaturen konnten nur durch Teilchenbeschleunigung erreicht werden.

So bald ist mit der Revolution der Kernfusion also nicht zu rechnen. Dem Börsenwert der Trump Media & Technology Group ist die Fusion dennoch gut bekommen.

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  • 24. Dezember 2025 um 15:40

Mini-Display außen: Apples Falt-iPhone wird kleiner als gedacht

Von Andreas Donath
Apples erstes faltbares iPhone soll nur 5,3 Zoll messen – kleiner als das gescheiterte iPhone mini. Das Gerät soll als iPad für die Hosentasche fungieren.
Mockup des iPhone Fold im gefalteten Zustand (Bild: Ben Geskin/X)
Mockup des iPhone Fold im gefalteten Zustand Bild: Ben Geskin/X

Apple plant offenbar eine radikale Abkehr von der Konkurrenz. Während Samsung und Google bei ihren Foldables auf möglichst große Außendisplays setzen, geht Apple den umgekehrten Weg. Laut aktuellen Branchenberichten soll das Außendisplay des kommenden Falt-iPhones gerade einmal 5,3 Zoll messen – sogar kleiner als die 5,4 Zoll des wegen mangelnden Erfolgs eingestellten iPhone mini.

Die Logik hinter dem Mini-Screen

Die kompakte Außenanzeige ist keine technische Notwendigkeit, sondern eine bewusste Designentscheidung. Bei Foldables gibt es einen grundlegenden Zielkonflikt: Je größer das Außendisplay, desto quadratischer wird der aufgeklappte Innenbildschirm. Und ein quadratisches Display ist für Videos und Split-Screen-Multitasking eher ungünstig.

Berichten zufolge soll das Innendisplay ein Seitenverhältnis von etwa 4:3 haben – ideal für Multitasking-Features aus iPadOS. Das Gerät würde damit eher als ultra-portables Tablet funktionieren denn als übergroßes Smartphone.

Der Vergleich mit der Konkurrenz ist eindeutig: Samsungs Galaxy Z Fold 7 kommt mit 6,5 Zoll Außendisplay, Googles Pixel Pro Fold mit 6,3 Zoll. Apples geplante 5,3 Zoll wären das kleinste Display im aktuellen Foldable-Markt.

Risiko oder Revolution?

Die Strategie impliziert, dass der zugeklappte Zustand nur für schnell zu erledigende Aufgaben gedacht ist – Benachrichtigungen checken, kurze Nachrichten tippen. Die eigentliche Nutzung soll im aufgeklappten Zustand stattfinden, wo der größere Bildschirm für Apps und Produktivität optimiert ist.

Doch diese Entscheidung birgt Risiken. Nutzer, die im zugeklappten Zustand ausgiebig browsen, tippen oder Apps nutzen wollen, könnten das kleine Display als Einschränkung empfinden.

Besonders brisant: Apple stellte das iPhone mini 2022 wegen schwacher Verkäufe ein. Verbraucher bevorzugen offenbar größere Displays. Nun sollen sie einen Preis von voraussichtlich 2.000 bis 2.500 Dollar für ein Gerät mit einem mini-großen Außenbildschirm zahlen, sofern sich die Gerüchte bestätigen.

Eine neue Gerätekategorie

Apple setzt darauf, dass Käufer das Foldable als neue Produktkategorie akzeptieren – nicht als Smartphone, das sich falten lässt, sondern als iPad, das in die Hosentasche passt. Aus dieser Perspektive ergibt das kompakte Außendisplay Sinn.

Der Launch ist den Gerüchten nach für September 2026 zusammen mit der iPhone-18-Pro-Serie geplant. Ob diese Design-Philosophie bei Konsumenten ankommt, wird sich zeigen. Content Creator Ben Geskin hat bereits Mockups basierend auf den berichteten Maßen erstellt , die die Proportionen des Geräts veranschaulichen.

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  • 24. Dezember 2025 um 15:00

Schuldentilgung: Samsung kauft ZF die Assistenzsystem-Sparte ab

Von Andreas Donath
Samsung übernimmt die ADAS-Sparte von ZF Friedrichshafen. Der Deal soll Samsungs Position im Automarkt stärken – und ZF von Schulden befreien.
ADAS-Sensortechnologien von ZF (Bild: ZF Friedrichshafen)
ADAS-Sensortechnologien von ZF Bild: ZF Friedrichshafen

Samsung Electronics hat den Kauf der Assistenzsystem-Sparte von ZF Friedrichshafen angekündigt. Die Übernahme durch die Tochter Harman International kostet 1,5 Milliarden Euro, umgerechnet etwa 1,76 Milliarden US-Dollar, berichtet Bloomberg . Der Abschluss ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant, vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden.

Samsung hatte Harman International bereits 2017 übernommen . Damals erwirtschaftete die Autosparte sieben Milliarden US-Dollar Umsatz, mittlerweile sind es mehr als elf Milliarden. Mit der ZF-Übernahme will Samsung seine Position bei Fahrzeugsicherheit und Assistenzsystemen ausbauen.

ZF Friedrichshafen beliefert Hersteller wie BMW und Volkswagen mit Getrieben und Komponenten. Der deutsche Zulieferer bezeichnet den Verkauf als strategische Neuausrichtung. Das Geld soll helfen, Schulden abzubauen und sich auf Kerntechnologien zu konzentrieren.

Wie geht es weiter? – ADAS-Markt lockt Samsung

Die Übernahme erlaubt Samsung den Eintritt in den Markt für Fahrerassistenzsysteme. Dazu gehören adaptive Geschwindigkeitsregelung, Spurhalteassistenten und Notbremsautomatik. Autohersteller bauen diese Technologien zunehmend in ihre Fahrzeuge ein, Zulieferer stehen unter Druck, mitzuhalten.

Harman International produziert bereits Audiosysteme, Infotainment-Plattformen und Connected-Car-Technologien. Die ADAS-Fähigkeiten von ZF könnten Harman erlauben, Autoherstellern integrierte Lösungen anzubieten. Das Kartellverfahren kann über ein Jahr dauern. Details zu möglichen Auflagen nennen weder Samsung noch ZF.

Warum ist das wichtig? – Konsolidierung geht weiter

Samsung verfolgt Automobiltechnologie über mehrere Kanäle. Das Unternehmen fertigt Halbleiter für Fahrzeuge und entwickelt Batterietechnologien. Mit der ADAS-Übernahme steigt Samsung nun in Systeme ein, die Fahrzeuge steuern, statt nur Komponenten zu liefern. Der Wandel zu elektrischen und autonomen Fahrzeugen erfordert hohe Forschungsinvestitionen. Kleinere Zulieferer können das allein kaum stemmen. Der Samsung-Deal zeigt: Wer im Automarkt mitspielen will, muss groß einkaufen – oder läuft Gefahr, selbst übernommen zu werden.

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  • 24. Dezember 2025 um 14:00

Buchkritik: Content Creation mit Künstlicher Intelligenz

Von Heise

Wer als Kreativer mit KI loslegen möchte, den versorgt Bujotzeks Ratgeber mit den nötigen Grundlagen und mit praktischen Tipps zu konkreten Tools.

Der Titel des Bands aus der „Für Dummies“-Reihe verführt dazu, eine eher oberflächliche Einstiegshilfe zu erwarten, und grenzt damit an Tiefstapelei.

Lesern verrät das Buch zwar in gut abgegrenzten Kapiteln, was sie wissen müssen, um KI-gestützt Texte, Bilder, Designs, Audio- und Videomaterial zu erzeugen. Aber das ist beileibe nicht alles.

Bevor es an die Praxis geht, legt der Online-Journalist und IT-Unternehmer Rafael Bujotzek fundiert alle wichtigen Grundlagen dar. Nach den Praxiskapiteln geht es weiter mit Hinweisen zu Arbeitsabläufen, KI-Suchmaschinen, kostenlosen Lernangeboten, juristischen und ethischen Rahmenbedingungen. Wie in der Buchreihe üblich finden sich schließlich noch allerlei nützliche Merkzettel und Listen.

Mittlerweile gibt es für jeden noch so ausgefallenen Anwendungsfall spezielle KI-Angebote, die Nutzern das Denken abnehmen möchten. Viele einschlägige Werkzeuge übersetzen umgangssprachlich formulierte Wünsche für die im Hintergrund tätigen mit enormen Datenmengen trainierten Systeme. Was so praktisch und bequem erscheint, hat allerdings seine Schattenseiten. Generativer KI unterlaufen sowohl zufällige als auch systematische Fehler. Nur wer die Risiken rund um Halluzinationen und Bias versteht, kann verantwortlich mit KI-Werkzeugen arbeiten.

Es ist daher richtig und wichtig, dass der Autor mit einem Blick in den Maschinenraum der großen Sprachmodelle beginnt. Das tut er erstaunlich unterhaltsam, beispielsweise wenn er halluzinierende KI-Chatbots mit einem „fantasierenden Kleinkind im Redefluss“ vergleicht. Die ersten Kapitel schlagen den Bogen von neuronalen Netzen über Maschinenlernen bis zu ChatGPT und dessen Konkurrenten. Auch die so beliebten knackigen Tipps für gute Prompts fehlen nicht; sie runden das im Grundlagenteil Vermittelte ab.

Wer nach KI-Anwendungen sucht, um Texte oder Mindmaps, Musik oder Programmcode zu erzeugen, erhält eine Fülle von Vorschlägen. Zu jedem vorgestellten Spezialwerkzeug gibt es maßgeschneiderte Einstiegshinweise.

Insgesamt werden Leser, die allgemein verstehen möchten, was mit generativer KI möglich ist, ebenso fündig wie diejenigen, die mit KI-Software möglichst schnell loslegen wollen. Der Autor spricht beide Zielgruppen an – klug, mitunter selbstironisch, aber nie von oben herab.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11081099

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Content-Creation-mit-Kuenstlicher-Intelligenz-11081099.html
[2] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Ethical-Hacking-Das-grosse-Buch-zum-Hacking-mit-Python-11059758.html
[3] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Elon-Jeff-on-Mars-10749040.html
[4] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Building-a-Debugger-10749036.html
[5] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-TikTok-Time-Bomb-10749064.html
[6] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Warum-niemand-die-Quantenphysik-versteht-10748482.html
[7] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Generation-TikTok-10497030.html
[8] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Async-Rust-10484110.html
[9] https://www.heise.de/ct
[10] mailto:psz@ct.de

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  • 24. Dezember 2025 um 08:00

CE-Zertifizierung für Maker: GetSmandered macht's erschwinglich

Von Carsten Wartmann

(Bild: CE: Wikimedia/Mattved, Logo: Smander)

Eine Gruppenzertifizierung senkt die Kosten der CE für den Einzelnen drastisch. Das Projekt GetSmandered ist aber auf Open-Source-Hardware beschränkt.

Wer sein elektronisches Maker-Projekt in Europa verkaufen möchte, kommt meist nicht um die CE-Kennzeichnung (Conformité Européenne) herum. Ein Ausweg mag es sein, Bausätze zu verkaufen, aber dies ist oft nur eine Lösung für Kunden, die ebenfalls Maker und Bastler sind. Professionelle Zertifizierungen kosten schnell 5000 Euro aufwärts – ein Betrag, der viele Maker abschreckt. Das österreichische Start-up „Smander“ bietet mit „GetSmandered“ nun einen innovativen Ansatz: Gruppenzertifizierung zu deutlich reduzierten Kosten.

Das Prinzip: Gemeinsam günstiger

GetSmandered [1] funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Je mehr Maker sich für eine Zertifizierungsrunde anmelden, desto geringer werden die Kosten für alle Teilnehmer. Durch die Bündelung typischer Maker-Produkte und einen optimierten Prozess sollen Overheadkosten geteilt werden. Aktuell startet die „Round 0“ – Bewerbungen sind kostenlos und unverbindlich [2]. Voraussetzung: Das Produkt muss Open Source sein. Diese Einschränkung ermöglicht auch Kosteneinsparungen bei der Dokumentation und Datenverarbeitung.

Was Maker bekommen

Im Basispaket sind:

  • Produktanalyse durch zertifizierte CE-Produktkoordinatoren
  • Regulatorische Recherche: Welche Richtlinien und Normen gelten für mein Produkt?
  • To-Do-Sheet: Konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitung in verständlicher Sprache statt juristischem Kauderwelsch
  • Eine Stunde Beratung inklusive zur Erklärung aller Aufgaben
  • Finale Dokumentation: „Declaration of Conformity“, Sicherheitshinweise, technische Dokumentation

Optional buchbar:

  • Komplette Risikoanalyse (sonst nur Template zum Selbstausfüllen)
  • Zusätzliche Beratungssessions
  • Gebundene Druckversion der CE-Dokumentation
  • EU-REP-Service für Hersteller außerhalb der EU

Der Prozess

  1. Bewerbung über die Website bis zum Stichtag (derzeit keine Bewerbungsgebühr)
  2. Prüfung der Eignung und Benachrichtigung mit Preisangabe
  3. Produkteinsendung nach Österreich für die Analyse
  4. Erhalt des To-do-Sheets mit konkreten Anweisungen
  5. Bearbeitung der Aufgaben (Labortests, Lieferantendaten, etc.)
  6. Finale Dokumentation zum Unterzeichnen

Der 3. Punkt ist wichtig: Ein physisches Muster muss eingeschickt werden – idealerweise professionell bestückte Platinen, da die Fertigungsqualität Teil der Risikoanalyse ist.

Was spart man konkret?

Während klassische CE-Assessments bei etwa 5000 Euro starten, verspricht GetSmandered durch die Gruppenzertifizierung deutlich niedrigere Kosten. Der genaue Preis wird erst nach Bewerbungsschluss bekannt gegeben und hängt von der Teilnehmerzahl ab. Ein garantierter Maximalpreis wird jedoch vorab kommuniziert.

Zusätzliche Einsparungen:

  • Vermeidung kostspieliger Fehlversuche bei Labortests durch Vorabanalyse
  • Zeitersparnis durch klare Handlungsanweisungen statt aufwendiger Eigenrecherche
  • Keine Notwendigkeit, externe Berater zu beauftragen

Auch für Privatpersonen

Anders als viele B2B-Services richtet sich Smander auch an Maker ohne eingetragenes Unternehmen. Wer später eine Firma gründet, kann die Dokumentation gegen eine Bearbeitungsgebühr aktualisieren lassen.

Die Experten warnen eindringlich davor, einfach ein CE-Zeichen auf das Produkt zu kleben, ohne ordnungsgemäße Zertifizierung. Dies stellt eine ernsthafte Rechtsverletzung dar und kann zu erheblichen Konsequenzen führen. Mehr Informationen und eine FAQ [3] stehen auf der Website zur Verfügung, Kontakt direkt am besten per Discord [4].

Hinweis: Der Service befindet sich aktuell in der Startphase. Interessierte sollten sich frühzeitig unverbindlich registrieren, da mehr Teilnehmer niedrigere Preise für alle bedeuten.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11124279

Links in diesem Artikel:
[1] https://early.smander.com/
[2] https://early.smander.com/getsmandered-round-0
[3] https://early.smander.com/faq
[4] https://discord.smander.com/
[5] https://www.heise.de/make
[6] mailto:caw@make-magazin.de

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  • 24. Dezember 2025 um 08:05

Macht uns der Duft des Weihnachtsbaums glücklicher?

Von Kai Imhoff

Kai Imhoff

Kleines Mädchen sitzt am Weihnachtsbaum

(Bild: Irina WS / Shutterstock.com)

Forscher messen erstmals die Wirkung von Tannenduft auf unser Immunsystem. Fast die Hälfte reagiert messbar darauf.

Wenn der frisch gefällte Weihnachtsbaum [1] im Wohnzimmer steht, verbreitet sich ein Duft nach Wald und Natur. Viele Menschen empfinden dabei Freude. Doch lässt sich erklären, woran das liegt? Hat das vielleicht auch einen biologischen Hintergrund?

Eine aktuelle Untersuchung des Universitätsklinikums Regensburg liefert jetzt zumindest Hinweise darauf.

Tannenduft aktiviert Nasenschleimhaut

Tannennadeln geben ätherische Öle ab. Die Regensburger Forscher prüften, ob der Duft die körpereigene Abwehr [2] anregt. Dazu maßen sie Stickstoffmonoxid (NO) in der Ausatemluft – ein Marker für Immunfunktionen in den Atemwegen.

Für das Experiment atmeten 16 gesunde Erwachsene jeweils fünf Minuten lang den Duft eines frischen Baums ein, der 24 Stunden in einem warmen Raum gestanden hatte. Vorher und nachher erfolgten NO-Messungen.

Im Mittel stiegen die Werte an, jedoch ohne statistische Signifikanz. Individuell reagierten aber 44 Prozent der Teilnehmer mit messbaren Erhöhungen. "Die alte Tradition, Bäume in Wohnräume zu stellen, könnte mehr als nur angenehmen Duft bieten", schreiben die Autoren [3].

Summen verstärkt die Wirkung

Als Vergleich nutzten die Forscher das Summen von Weihnachtsliedern – eine bekannte Methode zur NO-Steigerung. Auch hier zeigten über 40 Prozent messbare Reaktionen.

Die beiden Reize wirkten meist nach dem Prinzip "entweder oder". Insgesamt profitierten rund 70 Prozent von mindestens einer Intervention. Nur ein Viertel reagierte nicht messbar. "Vielleicht ist das der Grund, warum Singen in der Nähe des Baums so verbreitet ist: So ist für jeden etwas dabei", erklären die Forscher.

Entspannung als Begleiteffekt

Parallel erfassten die Wissenschaftler die subjektive Entspannung auf einer Skala von null bis zehn. Bei über der Hälfte stieg der Wert. Eine direkte Verbindung zwischen NO-Veränderung und Entspannung fanden sie jedoch nicht.

Die Untersuchung ordnet ihre Befunde in einen größeren Rahmen ein: Der Winter bringt mehr Infekte, weniger Tageslicht [4] und oft gedrückte Stimmung. Rituale wie das Hereinholen von Grün, Kerzen und gemeinsames Singen könnten sich etabliert haben, weil sie nicht nur psychologisch wirken.

Was bedeutet das für die Weihnachtszeit?

Die Regensburger Daten legen nahe, dass das Sitzen beim Weihnachtsbaum mehr als ästhetisches Vergnügen ist. Der Duft und das Summen könnten die Abwehr kurzfristig unterstützen. Allerdings bleiben Fragen offen: Die Studie erfasste nur Effekte nach fünf Minuten und maß nicht direkt Glück oder Zufriedenheit.

Die Mechanismen sind komplex. Nicht nur ätherische Öle, sondern auch andere Inhaltsstoffe könnten eine Rolle spielen. Die Stichprobe war mit 16 Personen klein, und die Mittelwerte blieben statistisch nicht signifikant.

Dennoch sehen die Forscher Hinweise auf "biologische Weisheit" hinter alten Bräuchen. Unbewusstes Wissen über immunmodulierende Effekte, so glauben die Wissenschaftler, könnte wichtig sein. Für viele bleibt das Weihnachtsbaum-Aufstellen [5] ein Ritual, das Körper und Seele anspricht.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11124608

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/article/Oh-Tannenbaum-Am-besten-oeko-und-regional-11100415.html
[2] https://www.heise.de/tp/article/Erkaeltungszeit-Diese-Hausmittel-staerken-Ihr-Immunsystem-wirklich-10963002.html
[3] https://medcraveonline.com/IJCAM/IJCAM-18-00751.pdf
[4] https://www.heise.de/tp/article/Vitamin-D-im-Winter-Darauf-kommt-es-wirklich-an-11080293.html
[5] https://www.heise.de/tp/article/Der-perfekte-Weihnachtsbaum-Bio-im-Topf-oder-selbstgebaut-10197253.html

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  • 24. Dezember 2025 um 14:00

Beten per App: Wie Peter Thiel den evangelikalen Glauben digitalisiert

Von Christoph Jehle

Christoph Jehle

Peter Thiel: KI-generiert. Grafik: TP

Warum investieren Peter Thiel und J.D. Vance Millionen in eine Gebets-App? Es geht um weit mehr als nur Religion.

In Deutschland, wo sich immer mehr Menschen aus dem Dunstkreis der Bibel [1] entfernen, schien eine App, wie die in den USA über Woche gehypte App "Hallow [2]" bislang noch eher undenkbar. Jetzt versucht man jedoch auch hierzulande Fuß zu fassen. Für 9,99 Euro im Monat gibt es tägliche Gebete, Rosenkränze und Meditationen. Gebetet werden kann allein oder in Gemeinschaft. Es gibt Gebets-Challenges zur Fastenzeit oder zur Karwoche, Bibeltexte oder Schlafmusik.

40 Millionen Dollar haben der rechts-libertäre Paypal-Gründer Peter Thiel [3] und Trumps Vizepräsident J.D. Vance in die App investiert [4]. Mit der App wollen sie die Welt grundlegender verändern als es Politiker je könnten und das auch noch jenseits jeder demokratischen Kontrolle.

In der deutschen Version der App kommen Menschen wie die deutsche Ärztin Jana Hochhalter, die unter dem Pseudonym Jana Highholder [5] auftritt und für ihren freikirchlichen und russlanddeutschen Hintergrund bekannt ist oder der katholische Theologe Johannes Hartl [6] vom Gebetshaus in Augsburg zu Wort, das er als innovativen Ort der christlichen Spiritualität bezeichnet.

Beide Autoren finden in der Online-Welt größeren Zuspruch, als die Institutionen, die gemeinhin als Amtskirche abgetan werden. Ihr festes und klar strukturiertes Weltbild bietet zweifelsohne vielen ihrer Follower die Sicherheit, die sie in Politik und Kirchen vermissen.

Dass die Bibel durchgängig wörtlich ausgelegt werden muss und dass sie in dieser Auslegung die höchste Autorität über das eigene Leben haben muss, sind Grundmerkmale des sogenannten fundamentalistischen Biblizismus. Die Schrift kann aus der Sicht der Evangelikalen [7] auch in Sachfragen nicht irren und das gilt nicht nur für religiöse Fragen.

Dass die Heilige Schrift von unterschiedlichen Autoren stammt und mehrfach die Sprache und den Kulturkreis gewechselt hat und sich auch die jeweiligen Kulturkreise seit der Aufklärung weiterentwickelt haben, wird der Einfachheit gerne ausgeblendet.

Statt wissenschaftlicher Exegese wird hier ein Laienglauben sichtbar, der sich einfacheren Gemütern zur Nachfolge anbietet. Charismatische Erneuerungsbewegungen sind jedoch nicht nur in de USA, sondern auch bundesweit auf dem Vormarsch.

Klarheit, Ordnung, Wahrheit, Eindeutigkeit

Jenseits aller Zweifel, sind die Evangelikalen in ihrem fundamentalistischen Weltbild gefestigt und überzeugt, dass sie die Wahrheit auf ihrer Seite haben. Diskussionen und Debatten, wie sie für demokratische Prozess notwendig sind, werden gerne als Zeitverschwendung ausgeblendet.

Dass jemand wie Peter Thiel, der sein Vermögen mit digitalen Innovationen gemacht hat, für die es in der Bibel nicht einmal Ansätze der Begründung gibt, darf dann einen unbefangenen Beobachter durchaus verblüffen.

Dass kirchliche Strukturen zumeist noch aus Zeiten vor Aufklärung und zeitgemäßer Demokratie zurückgehen, wird von den Evangelikalen nicht nicht berücksichtigt und Menschen wie Peter Thiel sind jetzt nicht gerade ein Ausbund demokratischer Gesinnung.

Wer sich auf Gott berufen kann, darf Zweifel an seiner unbedingten Bedeutung gerne ausblenden und seine Auserwählung durch Gott an seinem Reichtum erkennen. Hier hilft die Prädestinationslehre [8], die darauf vertraut, dass das ewige Heil vorbestimmt ist und die Gläubigen, durch wirtschaftlichen Erfolg ihre Auserwähltheit beweisen können.

Information ist Macht

Wer sich in der digitalen Welt [9] den Zugriff auf umfassende Informationen sichern und diese mittels Algorithmen [10] erfolgreich verknüpfen kann, kann auf diese gezielt aufbauen, wie es die Software der von Peter Thiel mitgegründeten Firmen PayPal und Palantir [11] ziemlich erfolgreich umgesetzt hat.

Wer mittels Datenauswertung und -verknüpfung sein Wissen so weit ausbauen kann, dass er glaubhaft versichern kann, dass er die Zukunft sicher vorhersagen kann, hat beste Chancen nicht nur Konzerne zu begeistern, die nach Sicherheiten für ihre Entscheidungen suchen, sondern auch die Politik, die sich vor unliebsamen Überraschungen beim Wählerwillen schützen will.

Hier schließt sich dann wieder der Kreis, wenn Investoren wie Peter Thiel neben der Forcierung evangelikaler Bewegungen, auch politische Kräfte unterstützen, die stärker autoritär als demokratisch geprägt sind.

Peter Thiel und seine ideologische Seelenverwandtschaft mit Wladimir Putin

Peter Thiel und Wladimir Putin teilen nicht nur eine Faszination für Macht und eine antiliberale Haltung, und ihre Seelenverwandtschaft zeigt sich nicht zuletzt in der anti-demokratischen Grundstimmung und der Hinwendung zu Autoritarismus.

Thiel verbindet konservative Wirtschaftspolitik mit einer tiefen religiösen Weltanschauung einschließlich eine ausgeprägten Apokalyptik, während Putin den russischen Nationalismus und die orthodoxe Kirche nutzt, um Stabilität und autoritäre Herrschaft zu festigen, wobei beide mächtige, von der westlichen Demokratie abweichende Visionen für ihre Einflussbereiche haben.

Beide sehen liberale Demokratien als schwach und dekadent an und favorisieren starke Führungspersönlichkeiten, die gegen den vermeintlichen Verfall der westlichen Gesellschaften kämpfen. Eine starke, zentrale Führung ist für beide attraktiv, wobei Putin dies direkt verkörpert und Thiel durch die Finanzierung konservativer Politiker wie J.D. Vance und die Unterstützung von Donald Trump eine solche Machtstruktur formt.

Wo Putin ein starkes Russland anstrebt, sieht Thiel eine wiedererstarkte, christlich-konservative USA als Bollwerk gegen das Böse [12], gegen den Antichristen.

Da der Antichrist für Thiel von internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen und dem Internationalen Strafgerichtshof verkörpert wird, warnt er immer wieder vor der seiner Ansicht nach von diesen Institutionen ausgehenden Gefahr.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11122648

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/article/Bibel-Von-hebraeischen-Wurzeln-zur-griechischen-Gedankenwelt-10673470.html
[2] https://hallow.com/de/
[3] https://www.heise.de/tp/article/Peter-Thiel-warnt-Der-Antichrist-will-Kuenstliche-Intelligenz-regulieren-10672896.html
[4] https://www.br.de/nachrichten/kultur/katholische-gebets-app-hallow-segen-oder-manipulations-werkzeug,UWjjuBo
[5] https://www.janahighholder.de/
[6] https://johanneshartl.org/
[7] https://www.heise.de/tp/article/Evangelikale-Christen-Mission-Macht-und-biblische-Autoritaet-10685676.html
[8] https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-476-03704-6_19
[9] https://www.heise.de/tp/article/Palantir-und-Deutschland-Digitale-Souveraenitaet-muss-2026-zur-Prioritaet-werden-11121973.html
[10] https://www.heise.de/tp/article/Wie-Algorithmen-in-sozialen-Medien-unbemerkt-politische-Emotionen-steuern-11096627.html
[11] https://www.heise.de/tp/article/Palantir-Wenn-Software-ueber-Leben-und-Tod-entscheidet-11120958.html
[12] https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/peter-thiels-apokalyptischer-plan-fuer-amerika,UoYDolu

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