Das MacBook Air M1 in Keilform – ein Klassiker, den es derzeit nur noch bei Walmart gibt.
(Bild: heise medien)
Apple könnte den wachsenden Frust über die KI-fizierung von Windows nutzen, um Switcher mit einem günstigen Laptop zu locken. Weitere Hardware steht an.
Das Hardware-Frühjahr 2026 scheint bei Apple praller gefüllt als gewöhnlich: Neben frischen iPhone- und iPad-Einstiegsmodellen steht in den ersten Monaten des kommenden Jahres offenbar ein Neuling ins Haus: ein günstigeres MacBook. Das Budget-MacBook setzt voraussichtlich auf ein 13-Zoll-Display, einen iPhone-Chip, eine größere Farbauswahl und liegt preislich deutlich unter der 1000-Euro-Marke [1]. Mehrere Branchenbeobachter sind sich hier einig, die erfahrungsgemäß guten Einblick in Apples Produktpläne haben.
Der GF-Securities-Analyst Jeff Pu stimmte nun in einer Mitteilung an Investoren in den Reigen ein, wie Macrumors berichtet [2]. Apple werde dafür bestimmte Kompromisse eingehen und setzt möglicherweise auf ein älteres Gehäuse-Design. Seit Längerem wird darüber spekuliert, dass der Hersteller dafür das ikonische Keil-Design früherer MacBook-Air-Generationen weiterverwendet. Das vertreibt Walmart in den USA bislang in der M1-Ausführung (Baujahr 2020) weiter, für aktuell 600 US-Dollar.
Ein Günstig-Laptop hat Apple lange ausgeschlossen, stattdessen wurden neue Modelle tendenziell immer teurer. Mit dem MacBook Air M4 gibt es allerdings wieder ein attraktives Einstiegsmodell, das derzeit im Handel teils für knapp unter 800 Euro zu finden ist (ab 794 €) [3]. Der Nachfolger – das MacBook Air M5 – dürfte ebenfalls für Frühjahr 2026 geplant sein. Mit einem günstigeren Modell würde Apple erstmals in die von Windows-Laptops dominierte Budget-Klasse vorstoßen. Der Unmut über das Support-Ende von Windows 10 und die Holzhammer-Integration von KI-Funktionen in Windows 11 [4] könnte hier für den ein oder anderen Switcher sorgen.
Im Februar, März oder spätestens April dürfte Apple außerdem ein iPhone 17e mit aktuellem A19-Chip vorstellen – sowie der besseren Selfie-Kamera, die ihr Debüt gerade in der iPhone-17-Reihe [5] gegeben hat. Im Raum steht für diese Modellreihe obendrein das Dynamic Island, das kleine App-Informationen am oberen Bildschirmrand einblendet. Der Frühjahrstermin markiert bereits einen erwarteten großen Wechsel bei der Einführung neuer iPhones: Im Herbst 2026 dürfte Apple sich auf Pro-Modelle beschränken, darunter 18 Pro, 18 Pro Max und ein "iPhone Fold". Das iPhone 18, iPhone Air 2 und iPhone 18e könnten dann Anfang 2027 folgen.
Bei den Apple-Tablets sind sowohl das Basismodell als auch das iPad Air reif für ein Update. Das iPad 12 erhält nach Informationen des Analysten wohl den A18-Chip und liefert damit Support für Apple Intelligence nach, der in dieser Modellreihe bislang fehlt. Beim iPad Air wird zudem der Sprung vom M3 auf den M4 erwartet. Das teure iPad Pro hat jüngst schon den M5 erhalten.
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[1] https://www.heise.de/news/Guenstiger-als-das-Air-Budget-MacBook-angeblich-fuer-2026-geplant-11056851.html
[2] https://www.macrumors.com/2025/11/21/low-cost-iphone-ipad-macbook-early-2026/
[3] https://preisvergleich.heise.de/apple-macbook-air-13-mw123d-a-2025-z1cx-a3434077.html?hocid=macandi&cs_id=1206858352&ccpid=hocid-mac-and-i
[4] https://www.heise.de/news/Hey-Copilot-Windows-11-bekommt-lokale-KI-Agenten-10773696.html
[5] https://www.heise.de/tests/iPhone-17-17-Pro-17-Pro-Max-und-Air-im-Test-10663319.html
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(Bild: Sebastian Trepesch / heise medien)
In der Hoffnung auf zahlungskräftige Fans setzt Apple für die Vision Pro auch auf Sportinhalte. Nun rückt europäischer Spitzenfußball auf die Agenda.
Apple zeigt wachsendes Interesse an europäischem Fußball: Eine Dokumentation rund um die im Oktober ausgetragenen Champions-League-Partie zwischen Real Madrid und Juventus soll im kommenden Jahr als immersives Video für das VR-Headset Vision Pro erscheinen. Über 30 Blackmagic-Kameras, die speziell zur Aufzeichnung von Apples Immersive-Video-Format – 8K in 180 Grad – gedacht sind, sind dafür im Bernabéu-Stadion in Madrid zum Einsatz gekommen, wie die spanische GQ berichtet.
Über eine Zusammenarbeit von Apple und Real Madrid wird seit Längerem spekuliert, jetzt gibt es die öffentliche Bestätigung [1] – wobei sich beide Parteien sehr bedeckt halten. Real Madrid teilte lediglich mit, dass Apples Content- und Dienstechef Eddy Cue zu Besuch war und "Gastgeschenke" ausgetauscht wurden. Real-Madrid-Präsident Florentino Pérez schilderte im GQ-Interview [2] erneut seine Vorstellung, dass Fans aus der ganzen Welt die Real-Madrid-Spiele virtuell im Stadion verfolgen könnten. Eine konkrete Ankündigung zu Streaming-Plänen mit Apple gab es nicht. Spanische Fans haben davon aktuell ohnehin wenig, die Vision Pro wird auf dem dortigen Markt aktuell nämlich gar nicht vertrieben.
Apples Fokus liegt bisher auf US-Fußball: Die Rechte an der Übertragung der Major League Soccer hat sich Apple gesichert. Ab kommendem Jahr sind die Spiele erstmals direkt im Apple-TV-Abo enthalten, allerdings ganz klassisch in 2D und nicht im Immersive-Format. Speziell für die Vision Pro gibt es bislang nur ein 5-Minuten-Video mit einem Zusammenschnitt aus den MLS-Playoffs 2023. Für große Begeisterung sorgte das nicht: Das Video erschien erst viele Monate später und verwirrt den Zuschauer durch schnelle Schnitte – unvorteilhaft bei dieser Art von 180-Grad-Video.
Wie gut immersives Live-Video von Sportveranstaltungen überhaupt ist, wird sich Anfang 2026 zeigen: Dann will Apple nämlich US-Basketball live auf die Vision Pro bringen [3]. Eine Reihe von Spielen der Los Angeles Lakers wird als Livestream im Immersive-Video-Format übertragen und steht wohl auch im Anschluss als 180-Grad-Video zum Abruf bereit. Das Basketballfeld ist vergleichsweise überschaubar und lässt sich vermutlich gut mit räumlichen Kameras abdecken, bei Fußball ist die Herausforderung erheblich größer: Immersive Video beeindruckt primär bei Nahaufnahmen, etwa Close-up von Gesichtern. In der Totale – etwa bei der Übersicht eines kompletten Fußballfeldes – wirken die räumlichen Videos hingegen schnell flach.
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[1] https://www.realmadrid.com/de-DE/news/club/latest-news/el-presidente-recibe-en-el-bernabeu-a-eddy-cue-vicepresidente-de-servicios-de-apple-19-11-2025
[2] https://www.revistagq.com/articulo/entrevista-florentino-perez-apple-bernabeu-infinito
[3] https://www.heise.de/news/Ganze-Basketball-Spiele-der-NBA-bald-immersiv-auf-der-Vision-Pro-10751251.html
[4] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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Bernd Müller
(Bild: jira pliankharom / Shutterstock.com)
Bitcoin stürzt auf Mehrmonatstief. Parallel brechen KI-Aktien ein. Für Anleger wird Krypto zum Frühindikator für Marktrisiken.
Für Anleger, die in Tech- oder Krypto-Werte investiert sind, sendet der aktuelle Bitcoin-Crash ein deutliches Warnsignal. Die größte Kryptowährung fiel am Freitag zeitweise bis auf knapp 81.600 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten.
Parallel dazu gaben auch Aktien aus dem Bereich Künstliche Intelligenz [1] ihre Gewinne wieder ab, während die Schwankungen an den Börsen zunahmen.
Für Bitcoin war der November der schlechteste Monat seit Jahren, heißt es bei [2] Bloomberg. Er verlor knapp ein Viertel seines Werts und erinnerte mit diesem Verlust an das Jahr 2022. Damals brach das große Krypto-Projekt TerraUSD zusammen und löste eine Kettenreaktion aus. In der Folge wurde auch die Handelsbörse FTX mit in den Abgrund gerissen.
Der Kursrutsch kommt zu einer Zeit, in der Anleger riskantere Anlagen meiden. Viele befürchten, dass Tech-Aktien [3] – besonders im Bereich Künstliche Intelligenz – zu teuer geworden sind, berichtet [4] Reuters.
Gleichzeitig rechnen immer weniger Experten damit, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen bald senken wird.
Niedrigere Zinsen würden es günstiger machen, Geld zu leihen, was Unternehmen und Investoren zugutekommt. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung [5] im Dezember liegt mittlerweile unter 50 Prozent. Das belastet die Stimmung an den Märkten.
"Da die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung durch die Fed im Dezember derzeit unter 50 Prozent liegt, setzen die Kryptomärkte [6]ihren Abwärtstrend fort", hatte kürzlich ein Analyst erklärt. Auch die Aktienmärkte in Europa und Asien gaben zuletzt um mehr als ein Prozent nach.
Viele Investoren hatten mit geliehenem Geld auf steigende Bitcoin-Kurse gewettet. Als die Preise fielen, mussten sie ihre Positionen zwangsweise auflösen – ein Vorgang, den Experten "Liquidation" nennen. Am 10. Oktober wurden so Wetten im Wert von 19 Milliarden US-Dollar vernichtet. Durch die daraufhin ausgelöste Panik am Krypto-Markt wurde ein Gesamtwert von rund 1,5 Billionen US-Dollar ausgelöscht.
In den vergangenen 24 Stunden wurden weitere zwei Milliarden US-Dollar an solchen gehebelten Wetten aufgelöst, wie Daten der Analysefirma CoinGlass laut Bloomberg zeigen. Das Volumen der offenen Wetten ist seit dem Oktober-Hoch um 35 Prozent gefallen.
"Die Stimmung ist insgesamt unglaublich schlecht. Es scheint einen Zwangsverkäufer auf dem Markt zu geben", wird ein Portfolio-Manager eines australischen Hedgefonds von Bloomberg zitiert.
Einige Marktbeobachter warnen demnach vor einem Teufelskreis: Anleger, die mit geliehenem Geld investiert haben, könnten gezwungen sein, auch andere Vermögenswerte zu verkaufen, um ihre Schulden zu begleichen. Das würde den Verkaufsdruck auf allen Märkte verstärken.
Die Kapitalflucht aus dem Bitcoin zeigt sich auch an großen Bitcoin-Fonds [7], die in den USA gehandelt werden. Laut Bericht verzeichneten sie am Donnerstag Abflüsse in Höhe von 903 Millionen US-Dollar, was der zweithöchste Tageswert ist, der seit der Einführung dieser Fonds im Januar 2024 verzeichnet wurde.
Diese Fonds ermöglichen es Anlegern, in Bitcoin zu investieren, ohne die Kryptowährung direkt kaufen zu müssen. Die hohen Abflüsse zeigen, dass auch professionelle Investoren vorsichtig geworden sind.
Ähnliche Fonds in Hongkong fielen laut Reuters am Freitag um fast sieben Prozent. Die Zurückhaltung institutioneller Käufer zeigt, dass der Markt noch von den Verlusten im Oktober geschwächt ist.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.heise.de/tp/article/Nvidia-vor-Quartalsbericht-Warum-Anleger-genau-hinsehen-sollten-11085412.html[2] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-11-21/bitcoin-btc-heading-for-worst-month-since-crypto-collapse-of-2022[3] https://www.heise.de/tp/article/TSMC-Umsaetze-verlangsamen-sich-Zweifel-an-KI-Boom-wachsen-11072449.html[4] https://www.reuters.com/business/finance/cryptocurrencies-whipped-by-flight-risk-2025-11-21/[5] https://www.telepolis.de/article/Bitcoin-unter-90-000-Dollar-Globale-Marktnervositaet-waechst-11083696.html[6] https://www.heise.de/tp/article/Bitcoin-unter-90-000-Dollar-Globale-Marktnervositaet-waechst-11083696.html[7] https://www.heise.de/tp/article/Bitcoin-Wenn-die-grossen-Geldgeber-ploetzlich-kalte-Fuesse-bekommen-11076239.html
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Rüdiger Suchsland
(Bild: Photo Agency / Shutterstock.com)
Geld, Frauen, Pop und Tech-Faschismus: Eine analytische Biographie über den dunklen Visionär Elon Musk
"Jetzt ist Zeit für Widerstand!" sagt Georg Seeßlen. Denn wir alle haben Elon Musk und die anderen "Tech-Bros" noch nicht wirklich verstanden. Sie sind keine Patriarchen und Produktivkapitalisten des 20. Jahrhunderts und auch nicht wie die CEO's des Millenniums. Sondern "wer Elon Musk verstehen will, muss sich in ein anderes Universum begeben – in das seiner Helden X-Men, Iron Man, Batman."
Es ist ein spannendes und sehr vielfältiges Buch das Georg Seeßlen jetzt geschrieben hat – grundsätzlich ein Film- und Kulturkritiker, den man nicht beleidigt, wenn man ihn einen Vielschreiber nennt, denn dies ist ja auch nur als Kompliment gemeint. Hier zeigt er ein weiteres Mal, dass er auch kompetent und überraschend, mit eigenen klaren Thesen über Politik und Wirtschaft schreiben kann.
Auf etwa 350 Seiten skizziert Seeßlen höchst süffig und lesbar Aufstieg und Persönlichkeit seiner Hauptfigur und die Geschichte seines geschäftlichen Erfolgs und der Wandlung vom linken Multimilliardär zum rechten Soziopathen und Weltbeherrscher. An diesen zusammenfassenden, grobschlächtigen Begriffen, die vom Rezensenten stammen, erkennt man schon: Es geht hier klarerweise um Zuspitzung. Denn auch auf über 300 Seiten ist Elon Musk nicht zu fassen.
Aber das passt vielleicht ganz gut, denn in mancher Hinsicht ist dies die Geschichte eines Superhelden aus dem Kino; freilich nicht so sehr die eines positiv-zerrissenen "Batman", der das Gesetz selbst in die Hand nimmt, oder die der beschädigten Außenseiter "X-Men", sondern eher die eines dunklen Helden und destruktiv-disruptiven Möchtegern-Weltbeherrschers, wie Batmans Gegenspieler Joker.
Es gibt in der Pop-Kultur viele Erzählungen über schräge Kapitalisten mit weltzerstörerischen Tendenzen. Auf den ersten Blick haben sie sogar eine sympathische Seite, denn es geht ihnen nicht um schnöde Akkumulation des Kapitals, sondern Geld ist für sie nur ein Mittel zur Kreation, dafür um etwas zu erschaffen.
Nur wenn man fragt, was genau sie erschaffen wollen, wird es krank und pervers: Einen neuen Menschen, eine neue Welt, die Herrschaft der Maschinen oder die Zerstörung von allem, was nicht ist, wie sie. Im Gegensatz zu Lex Luthor oder dem Pinguin sind Mabuse und Frankenstein verletzliche, im Inneren tief versehrte Könner, die nur halt eben erst die alte Welt zerstören müssen, bevor sie eine neue erschaffen können.
Seeßlens erste These zu Musk (und seinem Partner in Crime, Donald Trump) lautet: Infantilismus. Musk sei ein großes Kind, einer der in der Pubertät steckengeblieben ist, nie erwachsen geworden, immer ein wenig Außenseiter,
"verspottet, gedemütigt, ungeliebt, und der sich aus Rache in einen Superhelden verwandelte – aber eben nicht in einen Gutmenschen wie Superman, sondern in den Mutanten und Cyborg, der sich nichts aus der Gesellschaft der 'Normalen' macht. Im Gegenteil, er, der aus Südafrika kam, geflohen vor desolaten Familienverhältnissen und vor dem Wehrdienst, betonte stets das Anarchische im Neoliberalismus. Er agierte wie ein Punk, exzessiv, mit starken Gefühlsschwankungen, unverantwortlich, eben noch rücksichtslos, dann wieder sentimental, rebellisch und ironisch, wie einer, der es gar nicht fassen kann, dass die Welt tatsächlich auf einen wie ihn hereinfällt. Nur eines konnte dem mythischen Garagen- und Turnschuhkapitalisten nie gelingen: erwachsen zu werden."
Als Erwachsener werde dieser ewige Pubertär, zum destruktiven und süchtigen verkniffenen Spieler. Die Freiheit, die er behauptet, zu feiern, fürchtet er längst, aus der Anarchie wird Diktatur und Terror.
Seeßlens zweite These: Kinder benötigen Spielzeuge. Und weil sie immer größer werden und niemand ihm widerspricht, wird für Elon Musk irgendwann die ganze Wirklichkeit zum Spielzeug. Und das eigene Spielzeug darf man auch kaputtmachen.
So leben Leute wie Elon Musk laut Seeßlen ihren psychotisch verschatteten Peter-Pan-Traum von der ewigen Kindheit ein ganzes Leben lang.
Aber nicht im Geheimen, sondern im Rampenlicht. So wurde Elon Musk zu einem der meist bewunderten, umstrittensten und inzwischen auch meist gehassten Personen des öffentlichen Lebens. Aufmerksamkeit ist alles. Georg Seeßlen deutet Musks Charakter als dunkle Triade – Narzisst, zynischer Machtmensch und Soziopath – und versucht, die Frage zu klären: Wie denkt Elon Musk?
Musk denkt einen Kapitalismus, der sich allen Regeln und bisherigen Weisen des Umgangs entzieht. "Vielleicht ist da wirklich das Wort Visionär angebracht."
Seeßlens dritte These tritt dann aus der biografischen Matrix hinaus ins Grundsätzliche, ins Historisch-Materialistische. Denn: "Es findet tatsächlich gerade eine Transformation des ganzen Systems statt: vom Marktkapitalismus in den Feudalkapitalismus. Und das hat niemand so gut verstanden wie Elon Musk."
Unklar bleibt im Buch leider, was genau dieser Feudalkapitalismus im 21. Jahrhundert sein soll. Denn bei Marx war dieser ja die Vorstufe des Marktkapitalismus, nicht die Folge.
Den Kulturkämpfer, Kriegsunternehmer und Medienmogul betrachtet Seeßlen als Speerspitze einer Entwicklung, die nicht nur das liberale Silicon Valley, sondern die US-Gesellschaft insgesamt in eine autoritäre Herrschaft der Tech-Milliardäre transformiert.
Denn es "wird deutlich, dass es sich weder um eine hyper-rationale Verschwörung der zwei Superputschisten Musk und Trump allein handelt, noch um das Wüten zweier psychosozial schwer gestörter Charaktere, die von der Gunst der Stunde ins Zentrum von Macht und Reichtum getragen wurden, sondern um Krisen und Transformationen, die aus der Logik des Doppelsystems von Kapitalismus und Demokratie entstehen."
Es gebe zwei Möglichkeiten, den "Muskismus" zu verstehen: Die eine gewissermaßen positive Variante sei die einer Lebensvision eines neuen Lebens, der Cyborgisierung von Verkehr und Kommunikation, in der ein digitales Superhirn Netz und KI mit allem verschmelzen lässt und wir Menschen irgendwann zum Mars fliegen um dort eine interplanetarische Rasse zu gründen. "Dafür ist Musk jedes Mittel recht, jede Allianz willkommen, jede soziale Untat gerechtfertigt."
Die Gegenthese aber lautet: Musk ist derjenige, der von allen Technofeudalisten am meisten verstanden hat, worum es heute im Kapitalismus geht und der ein avantgardistisches Cloud-Kapital gründet, um die Welt bis auf die Knochen auszubeuten.
Unsere Welt müsse Konzepte von Solidarität, Inklusion und Empathie neu entwickeln, und sich dazu "vom Muskismus und vom Mythos Musk befreien."
Das Lachen über Elon Musk und seine mitunter durchaus unterhaltsamen Verrücktheiten hat jedenfalls ein Ende. Dies ist das Fazit von Georg Seeßlens informativer, überraschender, kluger, gedankenreicher und unterhaltsamer Biografie.
Georg Seeßlen: "Elon Musk – der dunkle Visionär. Geld, Frauen, Pop und Tech-Faschismus"; Bertz + Fischer Verlag, 352 S.; 22 Euro.
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Bernardo Cantz
(Bild: PeopleImages / Shutterstock.com)
Forscher überrascht: Das Tablet störte den Schlaf der Kleinkinder nicht – solange Eltern eine wichtige Regel beachten.
Viele Eltern kennen die abendliche Situation: Das Kind möchte noch nicht ins Bett und quengelt. Und dann wird ein Kompromiss geschlossen: "Nur noch eine Folge, dann ab ins Bett!" Auch wenn das Kind danach freiwillig ins Bett geht, bleibt bei vielen Eltern ein schlechtes Gewissen. Schließlich warnen Experten immer wieder vor Bildschirmen am Abend.
Womöglich können Eltern jetzt etwas beruhigter sein, denn eine neue Untersuchung aus Deutschland zeigt: Unter bestimmten Bedingungen scheint das Tablet dem Schlaf von Kleinkindern weniger zu schaden als befürchtet.
Die Forscherinnen Sabine Seehagen, Neele Hermesch und Carolin Konrad vom Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie der Ruhr-Universität Bochum beschäftigen sich schon länger mit Babyschlaf und Mediennutzung. Das Interesse von Forschern und Eltern sei groß, erklärt Seehagen [1].
"Allerdings ist dieses Forschungsfeld sehr geprägt von korrelativen Studien, wo geschaut wird: Wie lange schlafen die Kinder? Wieviel Medienzeit hatten sie?"
Solche Beobachtungsstudien konnten in der Vergangenheit tatsächlich zeigen, dass Kinder, die viel Bildschirmzeit haben, auch schlechter schlafen. Aber ob die Medien wirklich die Ursache für den schlechten Schlaf sind, sei dadurch noch nicht bewiesen, so Seehagen.
Weil auch andere Ursachen dafür infrage kommen können, wollten die Forscherinnen der Frage im Experiment nachgehen – und die Kinder in ihrer gewohnten Umgebung testen. Das hat seinen Grund darin, dass die meisten solchen Experimente im Labor durchgeführt wurden, die aber für kleine Kinder eher eine fremde und unnatürliche Umgebung sind.
Für ihre Studie besuchten die Forscherinnen 32 Familien mit Kindern zwischen 15 und 24 Monaten zweimal zu Hause. Sie erklärten den Ablauf und bereiteten alles vor. Dann führten die Eltern das Experiment selbst durch [2] – an zwei verschiedenen Abenden in der Stunde vor dem Zubettgehen.
An einem Abend schauten die Kinder 15 Minuten lang eine Peppa-Wutz-Geschichte als Bilderbuch an. An einem anderen Abend sahen sie dieselbe Geschichte als Video auf dem Tablet.
Die Reihenfolge wurde ausbalanciert: Manche Kinder starteten mit dem Buch, andere mit dem Tablet. So wollten die Forscherinnen sicherstellen, dass die Ergebnisse nicht durch die Abfolge verzerrt wurden.
Wichtig war: Die Eltern saßen dabei. Fremde Personen wären ein zu großer Störfaktor gewesen. Die Kinder sollten sich wohlfühlen und ihr gewohntes Abendritual erleben – nur eben einmal mit Buch und einmal mit Tablet.
Die Kinder trugen eine spezielle Bewegungsuhr am Fußgelenk. Diese sogenannte Actiwatch zeichnet Bewegungen während der Nacht auf. Aus diesen Daten können Wissenschaftler Rückschlüsse auf das Schlafverhalten ziehen: Wie lange hat das Kind geschlafen? Wie gut war die Schlafqualität? Wie lange dauerte es, bis es einschlief?
Zusätzlich nahmen die Eltern an jedem Abend drei Speichelproben: eine vor dem Anschauen der Geschichte und zwei weitere in der halben Stunde danach, bis zum Zubettgehen. Im Labor wurde dann der Melatoninspiegel im Speichel gemessen.
Melatonin ist das Hormon, das uns müde macht und den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Normalerweise steigt der Melatoninspiegel zwischen 21 und 23 Uhr an und erreicht nachts seinen Höhepunkt. Blaues Licht von Bildschirmen steht im Verdacht, diese Ausschüttung zu hemmen oder zu verzögern.
Die Forscherinnen achteten sehr genau auf die Rahmenbedingungen. Sie wollten verhindern, dass andere Lichtquellen die Ergebnisse verfälschen. Deshalb stellten sie den Familien eine Nachttischlampe zur Verfügung und baten sie, andere helle Lichtquellen und Bildschirme zu vermeiden.
Die Umgebung sollte dämmrig sein – so, wie es abends vor dem Schlafengehen üblich ist. Man habe sich besonders dafür interessiert, "ob es eine Veränderung in der Melatoninausschüttung in der Abendstunde durch das Licht vom Bildschirm gibt", erklärt Neele Hermesch im Wissenschaftsmagazin Rubin.
Diese sorgfältige Kontrolle war wichtig, um wirklich nur den Effekt des Tablets zu messen – nicht den von Deckenlampen, Nachtlichtern oder anderen Geräten. Gleichzeitig sollte die Situation aber auch alltagsnah bleiben. Ein schwieriger Balanceakt, den die Forscherinnen nach eigener Einschätzung gut gemeistert haben.
Die Forscherinnen erwarteten eigentlich, dass der Melatoninspiegel nach dem Tablet-Abend flacher ansteigen würde als nach dem Buch-Abend. Das wäre ein Zeichen dafür, dass das Blaulicht des Bildschirms die Melatoninproduktion unterdrückt.
Doch die Daten zeigten etwas anderes: Der Melatoninspiegel stieg in beiden Bedingungen gleich stark an. "Auf Basis der Studie würden wir nicht davon ausgehen, dass das Blaulicht dazu geführt hat, dass das Melatonin verzögert ausgeschüttet wurde", fasst Neele Hermesch die Beobachtungen zusammen.
Dieses Ergebnis überraschte selbst die Wissenschaftlerinnen. Denn die Annahme, dass Bildschirmlicht den Melatoninhaushalt stört, ist weit verbreitet. Tatsächlich zeigen frühere Studien zu diesem Thema aber sehr unterschiedliche Ergebnisse. Manche finden einen Effekt, andere nicht.
Auch ein aktuelles Konsenspapier der National Sleep Foundation [3] aus den USA betont, dass die Rolle von Bildschirmlicht insgesamt uneinheitlich belegt ist. Es gibt schlicht keine Einigkeit unter Experten, wie stark das Licht von Bildschirmen den Schlaf tatsächlich beeinflusst. Einig war man sich aber darin, dass Bildschirmnutzung insgesamt sowie der Inhalt vor dem Schlafen die Schlafgesundheit von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen können.
Die Bewegungsuhr am Fuß der Kinder lieferte weitere beruhigende Nachrichten: Schlafdauer, Schlafqualität und Einschlafzeit unterschieden sich nicht zwischen Buch- und Tablet-Abend. Die Kinder schliefen nach dem Video nicht schlechter ein.
"Wir haben auch nicht gesehen, dass sich der Schlaf in beiden Nächten voneinander unterschieden hätte", erklärt Carolin Konrad. "Es hätte ja auch sein können, dass die Melatoninwerte zwar gleich sind, die Schlafqualität aber unterschiedlich. Doch dem war nicht so, die Kinder sind zum Beispiel nicht schlechter eingeschlafen, nachdem sie den Film gesehen hatten."
Das bedeutet: In diesem spezifischen Setting – kurze Dauer, ruhige Geschichte, gedämpftes Licht, Eltern dabei – hatte das Tablet keinen negativen Einfluss auf den Schlaf der Kleinkinder. Zumindest nicht in der einen Nacht, die untersucht wurde.
Die Forscherinnen betonen jedoch ausdrücklich: Ihre Ergebnisse gelten nur für die untersuchte Situation. Das Experiment war sehr kontrolliert und spezifisch. Die Kinder schauten nur 15 Minuten, die Geschichte war ruhig und altersgerecht, die Eltern saßen dabei, und es war nur ein einziger Abend.
Was passiert bei längerer Nutzung? Was, wenn die Inhalte aufregend oder sogar ängstigend sind? Was, wenn das Kind allein vor dem Bildschirm sitzt? Und vor allem: Was passiert, wenn das Tablet jeden Abend zum Einsatz kommt? All diese Fragen kann die Studie nicht beantworten.
Neben möglichen Konsequenzen für das Melatonin könnten Bildschirmmedien auch anders den Schlaf beeinflussen. Zum Beispiel, wenn Inhalte sehr aufregend sind und so verhindern, dass Kinder zur Ruhe kommen. Ein spannender Actionfilm wirkt vermutlich ganz anders als eine ruhige Gute-Nacht-Geschichte.
Die Ergebnisse der Bochumer Studie stehen in einem interessanten Kontrast zu bisherigen Übersichtsarbeiten. Diese zeichnen meist ein deutlich kritischeres Bild – allerdings konzentrieren sie sich vorwiegend auf ältere Kinder und Jugendliche.
Eine große Meta-Analyse [4] untersuchte 6- bis 19-Jährige und fand starke Zusammenhänge zwischen Gerätenutzung zur Schlafenszeit und Schlafproblemen. Kinder und Jugendliche, die vor dem Schlafen Bildschirmgeräte nutzten, hatten ein 2,2-fach erhöhtes Risiko für unzureichenden Schlaf und eine 1,5-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit für schlechte Schlafqualität.
Besonders bemerkenswert: Schon der bloße Zugang zu einem Gerät im Schlafzimmer war problematisch. Kinder, die ein Smartphone, Tablet oder einen Computer im Zimmer hatten – selbst wenn sie es nicht nutzten – schliefen schlechter. Die Wahrscheinlichkeit für zu wenig Schlaf war 1,8-fach erhöht, für schlechte Schlafqualität 1,5-fach und für übermäßige Tagesmüdigkeit 2,3-fach.
Die Forscher vermuteten, dass allein die Verfügbarkeit der Geräte dazu verleitet, sie doch noch zu nutzen. Oder dass Benachrichtigungen und Lichtsignale den Schlaf stören. Vielleicht macht auch die bloße Versuchung, noch einmal zu schauen, unruhiger.
Eine weitere systematische Übersicht [5] untersuchte 0- bis 15-Jährige und bestätigt: Elektronische Mediennutzung hängt konsistent mit kürzerer Schlafdauer zusammen. Dieser Zusammenhang ist über alle Altersgruppen hinweg zu beobachten.
Bei den ganz Kleinen (0–5 Jahre) gibt es Hinweise, dass besonders Tablet und Fernsehen die Bettzeit nach hinten verschieben und die Nachtschlafdauer verkürzen. Allerdings ist die Evidenz schwächer als bei Schulkindern und Jugendlichen. Das liegt auch daran, dass es weniger Studien zu dieser Altersgruppe gibt.
Die Autoren der Übersichtsarbeit merkten kritisch an: Die meisten Studien sind Beobachtungsstudien, die zu einem einzigen Zeitpunkt durchgeführt wurden. Sie können nicht beweisen, dass die Medien die Ursache für schlechten Schlaf sind. Manche Kinder nutzen elektronische Medien vielleicht auch gerade deshalb, weil sie müde sind oder nicht einschlafen können.
Außerdem messen die Studien Mediennutzung und Schlaf sehr unterschiedlich. Manche fragen nach der gesamten Bildschirmzeit am Tag, andere nur nach der Nutzung kurz vor dem Schlafengehen.
Manche erfassen objektive Daten mit Bewegungssensoren, andere verlassen sich auf Elternangaben. Das macht es schwierig, die Ergebnisse zu vergleichen und eindeutige Schlüsse zu ziehen.
Die National Sleep Foundation aus den USA hat 2024 ein Konsenspapier [6] veröffentlicht, in dem 16 Expertinnen und Experten die aktuelle Forschungslage bewerten. Sie kommen zu folgenden Schlüssen:
Erstens: Bildschirmnutzung beeinträchtigt generell die Schlafgesundheit von Kindern und Jugendlichen. Dieser Punkt ist unter Fachleuten unumstritten.
Zweitens: Inhalte, die vor dem Schlafen konsumiert werden, wirken schlafverschlechternd. Auch hier herrscht Einigkeit.
Drittens: Zur Rolle der Licht-Komponente – also dem blauen Licht, das Bildschirme abstrahlen – gibt es keine Einigkeit. Die Experten konnten sich nicht auf eine gemeinsame Aussage einigen. Zu widersprüchlich sind die Studienergebnisse.
Viertens: Verhaltensstrategien und Interventionen können die negativen Effekte von Bildschirmnutzung auf den Schlaf abmildern.
Aktuelle Empfehlungen, etwa von der Weltgesundheitsorganisation WHO, raten generell dazu, Bildschirmmedien bei Säuglingen und Kleinkindern möglichst zu vermeiden. Besonders kritisch wird die Mediennutzung am Abend gesehen.
"Nach unserer Studie, die durch ihren experimentellen Charakter im Zuhause der Kinder ziemlich einzigartig ist, können wir diese Befürchtung nicht uneingeschränkt teilen", sagt Neele Hermesch. Zumindest für die sehr spezifische Situation, die sie untersucht haben.
Was bedeuten diese Ergebnisse nun für Eltern? In der untersuchten Konstellation – 15 Minuten ruhige Geschichte, dämmriges Licht, Eltern anwesend, keine weiteren Bildschirme – zeigten die Kleinkinder keinen Nachteil bei Melatonin oder Schlaf im Vergleich zum Bilderbuch.
Das heißt: Wenn Eltern ihrem Kleinkind gelegentlich eine kurze, ruhige Folge seiner Lieblingsserie vor dem Schlafengehen zeigen, müssen sie sich vermutlich keine allzu großen Sorgen machen. Vorausgesetzt, sie achten auf die Rahmenbedingungen: nicht zu hell, nicht zu lang, nicht zu aufregend, und am besten gemeinsam schauen.
Die Forscherinnen warnen jedoch ausdrücklich: Ihre Ergebnisse können sich ändern, wenn die Inhalte aufregend sind, länger geschaut oder ohne Eltern geschaut wird. Ein Actionfilm von 60 Minuten, den das Kind allein im dunklen Zimmer schaut, ist etwas ganz anderes als 15 Minuten Peppa Wutz mit Mama oder Papa auf dem Sofa.
Außerdem wurde nur eine einzige Nacht untersucht. Was bei täglicher Wiederholung passiert, bleibt unklar. Vielleicht summieren sich kleine Effekte über Wochen und Monate. Vielleicht gewöhnen sich die Kinder auch daran. Oder vielleicht macht es wirklich keinen Unterschied. Das muss weitere Forschung zeigen.
In einer weiteren Studie untersuchte dasselbe Forscherteam, ob das Video am Vorabend Schlaf oder Lernen am nächsten Morgen beeinträchtigt. Die Kinder bekamen am Morgen nach dem Tablet- oder Buch-Abend spezielle Spielzeuge, mit denen Faktoren wie Kreativität und Lernfähigkeit getestet wurden.
"Wir haben bisher keine überzeugenden Belege gefunden, dass der Schlaf oder das Lernen durch den Film beeinträchtigt wurden", erklärt Sabine Seehagen. "Allerdings haben wir die Daten noch nicht vollständig ausgewertet, die Ergebnisse sind also als vorläufig zu betrachten."
Wenn sich diese vorläufigen Ergebnisse bestätigen, wäre das eine weitere Entlastung für Eltern. Denn die Sorge, dass Bildschirmzeit am Abend die kognitive Entwicklung beeinträchtigt, ist weit verbreitet. Allerdings gilt auch hier: Die Studie untersuchte nur eine sehr spezifische, kontrollierte Situation. Generelle Aussagen sind nicht möglich.
Die Forscherinnen sind mit ihren Ergebnissen nicht am Ende. Im Gegenteil: Sie sehen noch viele offene Fragen. "Wünschenswert sind weitere Studien im natürlichen Umfeld, also bei Familien zuhause", sagt Neele Hermesch.
Denn Kinder sind zu Hause abends verschiedenen Lichtquellen ausgesetzt – nicht nur Bildschirmen. Es gibt Deckenlampen, Nachtlichter, vielleicht auch Straßenlaternen vor dem Fenster. All das kann die Melatoninausschüttung beeinflussen.
Um den Effekt von Bildschirmen realistisch einordnen zu können, müssten zukünftige Studien diese verschiedenen Lichtquellen im Alltag berücksichtigen.
Auch die Menge an natürlichem Tageslicht, der ein Kind ausgesetzt war, kann eine Rolle spielen. Wer tagsüber viel draußen war, reagiert abends möglicherweise anders auf künstliches Licht als ein Kind, das den ganzen Tag drinnen verbracht hat. Diese Zusammenhänge sind komplex und noch nicht gut verstanden.
Außerdem könnte man die Dauer der Bildschirmnutzung variieren. Macht es einen Unterschied, ob ein Kind 15 Minuten oder eine Stunde schaut? Gibt es einen Schwellenwert, ab dem Probleme auftreten? Und wie sieht es mit verschiedenen Arten von Inhalten aus – ruhig versus aufregend, interaktiv versus passiv?
Besonders wichtig wäre es, regelmäßige Tabletnutzung über mehrere Wochen zu untersuchen. "Wir können damit keine Aussage machen, ob regelmäßige Tabletnutzung in den Abendstunden den Beginn der Melatoninausschüttung verschiebt", gibt Neele Hermesch zu bedenken. "Es wäre spannend zu sehen, ob weitere Studien unter Alltagsbedingungen zu den gleichen Ergebnissen kämen."
Die Studie aus Bochum liefert eine differenzierte Botschaft: Pauschal zu sagen, dass Bildschirme vor dem Schlafengehen immer schlecht sind, ist zu einfach. Unter bestimmten Bedingungen – kurze Dauer, ruhige Inhalte, gedämpftes Licht, gemeinsames Schauen – scheint das Tablet für Kleinkinder nicht schädlicher zu sein als ein Bilderbuch.
Das bedeutet aber nicht, dass Eltern nun bedenkenlos das Tablet als Babysitter einsetzen sollten. Die Rahmenbedingungen sind entscheidend. Und was bei gelegentlicher Nutzung unbedenklich ist, kann bei täglicher, langer oder unkontrollierter Nutzung problematisch werden.
Die bisherige Forschung – hauptsächlich bei älteren Kindern und Jugendlichen – zeigt klar: Exzessive Bildschirmnutzung, besonders am Abend, geht mit Schlafproblemen einher. Diese Erkenntnisse sollten nicht ignoriert werden. Die Bochumer Studie ergänzt das Bild um eine wichtige Facette, ersetzt aber nicht die Gesamtschau.
Für Eltern heißt das: Ein gelegentliches kurzes Video vor dem Schlafengehen ist vermutlich kein Drama. Aber es sollte die Ausnahme bleiben, nicht die Regel. Und die Rahmenbedingungen sollten stimmen: altersgerechte, ruhige Inhalte, nicht zu lang, nicht zu hell, und am besten gemeinsam. Das Tablet ersetzt nicht das Vorlesen, das gemeinsame Kuscheln oder andere beruhigende Rituale. Es kann sie höchstens gelegentlich ergänzen.
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Links in diesem Artikel:[1] https://news.rub.de/wissenschaft/2025-11-20-entwicklungspsychologie-tablet-vor-dem-einschlafen-ist-gar-nicht-so-schaedlich-wie-gedacht[2] https://medicalxpress.com/news/2025-11-tablet-bed-effect-toddlers.html[3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38806392/[4] https://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/2571467[5] https://bmcpublichealth.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12889-021-11640-9[6] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38806392/#full-view-affiliation-1
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US-Behörden haben einen mutmaßlichen Schmuggelring zerschlagen, der Hochleistungs-KI-Hardware trotz strikter Ausfuhrbeschränkungen in die Volksrepublik China gebracht haben soll. Nach Angaben des US-Justizministeriums sollen zwei US-Bürgerinnen bzw. -Bürger und zwei chinesische Staatsangehörige über ein in Florida registriertes Unternehmen streng kontrollierte Prozessoren erworben und anschließend über Zwischenstationen in Südostasien außer Landes geschleust haben.
Konkret sollen die Beschuldigten zwischen Herbst 2023 und Ende 2025 rund 400 Exemplare des KI-Beschleunigers A100 aus den USA herausgeschmuggelt haben; weitere Transporte – darunter Systeme mit den neueren H100 - und H200 -Modellen – wurden gestoppt. Aus China sollen für die illegale Hardware Zahlungen in Höhe von knapp vier Millionen US-Dollar geflossen sein.
Das Ermittlungsteam gehe davon aus, dass die Gruppe dafür über einen längeren Zeitraum gefälschte Unterlagen nutzte, um den wahren Bestimmungsort der Sendungen zu verschleiern. Die betroffenen Chips unterliegen seit 2022 strengen Exportauflagen, da sie für das Training großer KI-Modelle und andere rechenintensive Anwendungen genutzt werden können.
Im Falle einer Verurteilung müssen die Beschuldigten mit empfindlichen Strafen rechnen. Das US-Justizministerium führt an, dass Verstöße gegen das Export Control Reform Act mit bis zu 20 Jahren Haft pro Anklagepunkt geahndet werden können. Für Schmuggel drohen zusätzlich bis zu 10 Jahre Freiheitsstrafe, für Geldwäsche jeweils bis zu 20 Jahre. Die tatsächliche Strafhöhe hängt von der Bewertung der einzelnen Anklagepunkte ab.
Nach Angaben von Reuters lenkt der Fall in den USA erneut Aufmerksamkeit auf die bestehenden Exportbeschränkungen für KI-Chips, die geschaffen wurden, um den Abfluss fortgeschrittener Halbleitertechnologie nach China zu begrenzen. Damit rücken auch weitergehende Maßnahmen zur Verschärfung der Kontrollen stärker ins Blickfeld.
Im US-Kongress wird beispielsweise ein Gesetzesvorschlag von John Moolenaar, Politiker der Republikanischen Partei, beraten, der bereits von 30 weiteren Abgeordneten unterstützt wird. Der Entwurf sieht eine verpflichtende Standortverifizierung für Chips vor und fordert, dass Hersteller Hinweise auf mögliche Umleitungen melden und miteinander teilen müssen.
Zusätzlich sollen weitere Maßnahmen geprüft werden, um zu verhindern, dass Hochleistungschips aus den Vereinigten Staaten in unerwünschte Kanäle gelangen.

Curved Gaming-Monitore passen sich durch ihren gekrümmten Bildschirm an das natürliche Blickfeld des Betrachters an und bieten immersive Spielerlebnisse mit scharfen Einblicken bis an den Rand. Ein Modell von MSI, das mit hoher Auflösung, schnellen Bildwiederholraten und kurzen Reaktionszeiten besonders wettbewerbsfähig ist, ist am Black Friday so günstig wie noch nie zuvor. Darüber hinaus gibt es auch Modelle anderer Hersteller zu günstigen Aktionspreisen.
Der Curved Gaming-Monitor MSI MAG 27C6F ist mit einem 27 Zoll großen Rapid-VA-Panel ausgestattet, das Spielszenen mit einer FHD-Auflösung von 1.920 x 1.800 Pixeln und einem Kontrastverhältnis von 3.000:1 gestochen scharf darstellt. Mit 93 Prozent sRGB und 1,07 Milliarden Farben liefert er realistische Bilder, die durch AI Vision mit Blick auf Helligkeit und Farbgebung fortlaufend optimiert werden. So ist auch in dunklen Bildbereichen jedes Detail gut zu erkennen.
Da jede Sekunde über Sieg und Niederlage entscheiden kann, kommt es auf eine flüssige Wiedergabe des Spielgeschehens an. Diese gewährleistet der Gaming-Monitor von MSI mit Bildwiederholraten von 180 Hz und Reaktionszeiten von 0,5 Millisekunden GtG. Um störende Verzerrungen zu vermeiden, nutzt er die Adaptive-Sync-Technologie, mit der seine Bildwiederholraten auf die der GPU abgestimmt werden.
Mit zwei HDMI-2.0b-Anschlüssen und einem Displayport 1.2a bietet der MSI MAG 27C6F Anschlussoptionen für Laptop, PC oder Konsole. Zudem unterstützt er die HDMI-CEC-Funktion, die mit verschiedenen Geräten kompatibel ist und Einstellungen automatisch erkennt.
Am mitgelieferten Standfuß lässt sich der Curved Gaming-Monitor um 5° nach vorne und um 20° nach hinten neigen, so dass man den Blickwinkel jederzeit anpassen kann. Auch die Montage an Monitorhalterungen mit Vesa-Schema 100 × 100 ist möglich.
Am Black Friday hat Amazon den MSI MAG 27C6F um satte 44 Prozent reduziert, womit der Preis von 177,99 auf nur noch 99 Euro sinkt. Wer sich den Curved Gaming-Monitor zum Sparpreis sichern möchte, muss sich allerdings beeilen, denn der Deal ist stark nachgefragt und kann schon vor dem Ende der Aktion am 1. Dezember 2025 beendet sein.
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Jetzt für 169,99 Euro bestellenEbenfalls reduziert ist der AOC Gaming-Laptop 27G2ZNE mit 27 Zoll FHD, 240 Hz und 0,5 Millisekunden MPRT, der mit 30 Prozent Rabatt für nur 139 statt 199 Euro zu haben ist.
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Jetzt für 139 Euro bestellenAuch im oberen Preissegment finden sich attraktive Angebote. Der ASUS ROG Strix OLED XG32UCWG mit 32 Zoll großem OLED-Display, ultrascharfen 4K bei 165 Hz, FHD bei 330 Hz und einer Reaktionszeit von 0,03 Millisekunden ist um 40 Prozent reduziert und fällt damit von 1219,38 auf nur noch 728,99 Euro.
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Bis zu 40 Euro Startguthaben sichernDieser Artikel enthält sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf der Produkte über diese Links erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Die Videoplattform Onlyfans hat angekündigt, in den USA künftig einen möglichen kriminellen Hintergrund von Creatorn zu überprüfen. Wie CEO Keily Blair auf Linkedin bekanntgab, arbeitet man dafür mit dem Unternehmen Checkr Trust zusammen.
Die Maßnahme soll verhindern, dass Nutzer mit Vorstrafen die Plattform nutzen. Onlyfans wird unter anderem für pornografische Inhalte verwendet, auch Sexarbeiter nutzen die Webseite für ihre Zwecke. Entsprechend kritisch wird die Maßnahme von Experten beurteilt, wie 404 Media berichtet.
So ist unklar, welche Vorstrafen dazu führen, nicht auf Onlyfans zugelassen zu werden. Ebenfalls ist nicht bekannt, ob nur Neuanmeldungen überprüft werden oder auch bereits bestehende Nutzerkonten. Checkr Trust wurde zudem in der Vergangenheit bereits verklagt, weil das Unternehmen bei Kreditauskünften gegen Gesetze verstoßen haben soll.
Die Befürchtung von Onlyfans-Creatorn ist laut 404 Media, dass eine Sperrung bzw. Ablehnung von Sexarbeitern dazu führt, dass diese auf der Straße ihre Dienste anbieten. Das virtuelle Umfeld von Onlyfans bietet eine sehr viel sicherere Arbeitsumgebung, da Sexarbeiter räumlich getrennt von ihren Klienten sind.
Eine Vorstrafe wegen Prostitution könnte dazu führen, dass Personen nicht auf Onlyfans zugelassen werden. Theoretisch könnte auch eine Vorstrafe wegen Diebstahls zu einer Ablehnung führen. Onlyfans äußerte sich auch auf Nachfrage von 404 Media nicht dazu, welche Strafen eine Teilnahme verhindern.
Dem Beitrag von Keily Blair zufolge soll die Maßnahme für die Sicherheit der Onlyfans-Creator sorgen. Das könnte bedeuten, dass Personen, die eine Vorstrafe als Sexualstraftäter haben, nicht zugelassen würden. Laut einer Creatorin bei Onlyfans würde die Maßnahme aber ihrer Meinung nach nicht dazu führen, dass es keine Sexualstraftäter mehr auf Onlyfans gäbe.
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(Bild: heise online / dmk)
Microsoft räumt Probleme nach der Installation der Juli-Updates für Windows 11 24H2 ein – besonders für nicht persistente Installationen.
Microsoft hat Nerv-Probleme nach der Installation der Sicherheitsupdates aus dem Juli oder neuerer in Windows 11 24H2 eingeräumt. Die treten insbesondere bei nicht-persistenten Windows-Installationen auffallend in Erscheinung.
Das erklärt Microsoft in einem Support-Artikel [1]. "Nach dem Ausstatten eines PCs mit einem kumulativen Update aus dem Juli 2025 [2] oder neuer für Windows 11 24H2 (KB5062553 [3]) können diverse Apps wie StartMenuExperiencehost, Search, SystemSettings, Taskbar oder Explorer Schwierigkeiten haben", schreibt Microsoft dort. Das passiere nach dem ersten Nutzer-Log-in nach dem Anwenden des Updates – und bei allen Nutzer-Anmeldungen auf nicht persistenten Betriebssysteminstallationen wie in einer virtuellen Desktop-Infrastruktur [4] (VDI) oder ähnlichen Umgebungen, bei denen App-Pakete bei jedem Log-in installiert werden müssen. Nicht-persistente Installationen kommen etwa in großen Organisationen vor, bei denen kein größerer Grad an Personalisierung des Windows-Desktops nötig ist und in denen sich Nutzerinnen und Nutzer an unterschiedlichen Arbeitsplätzen anmelden können.
Die Fehler treten typischerweise nach Aktualisierungen für mitgelieferte Abhängigkeitspakete auf, die XAML-Komponenten enthalten. Dann können einige Komponenten nicht starten und Fehlermeldungen auf den Bildschirm bringen. Dazu gehören Explorer.exe, ImmersiveShell, ShellHost.exe oder etwa StartMenuExperienceHost. Außerdem können Anwendungsabstürze beim Initialisieren von XAML-Ansichten auftreten oder der Explorer laufen, ohne in der Taskleiste einen Eintrag anzuzeigen. Konkret lassen sich etwa Abstürze des Explorers beobachten, das Startmenü öffnet sich nicht und zeigt eine kritische Fehlermeldung, die Systemeinstellung "Start" – "Einstellungen" – "Systems" startet einfach nicht ohne weitere Rückmeldung oder die ShellHost.exe stürzt ab.
Die Problemursache hat Microsoft inzwischen gefunden und bestätigt. Die betroffenen Apps haben Abhängigkeiten von XAML-Paketen, die nach der Installation des Updates nicht rechtzeitig registriert werden. Zwar arbeitet Microsoft an einer automatischen Lösung für das Problem, liefert im Support-Beitrag aber auch Hinweise [5], wie IT-Verantwortliche in betroffenen Umgebungen sich behelfen können.
Dazu gehört das manuelle Registrieren der fehlenden Pakete in der Nutzersitzung und ein anschließender Neustart des SiHost. Microsoft stellt dazu drei Befehle zur Verfügung, die die Registrierung übernehmen. Zudem stellt Microsoft ein Powershell-Skript für nicht persistente Umgebungen bereit. Das sollen Admins als Log-on-Skript laufen lassen.
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https://www.heise.de/-11087291
Links in diesem Artikel:
[1] https://support.microsoft.com/en-us/topic/kb5072911-multiple-symptoms-occur-after-provisioning-a-pc-with-a-windows-11-version-24h2-update-d2d30684-4e2b-47f5-9899-a00a8e0acb09
[2] https://www.heise.de/news/Patchday-Microsoft-schliesst-100-000-Luecke-in-SharePoint-aus-Hacker-Wettbewerb-10479811.html
[3] https://support.microsoft.com/de-de/topic/8-juli-2025-kb5062553-betriebssystembuild-26100-4652-523e69cb-051b-43c6-8376-6a76d6caeefd
[4] https://azure.microsoft.com/de-de/resources/cloud-computing-dictionary/what-is-virtual-desktop-infrastructure-vdi/#What-is-VDI
[5] https://support.microsoft.com/en-us/topic/kb5072911-multiple-symptoms-occur-after-provisioning-a-pc-with-a-windows-11-version-24h2-update-d2d30684-4e2b-47f5-9899-a00a8e0acb09
[6] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[7] mailto:dmk@heise.de
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(Bild: Artur Szczybylo/Shutterstock.com)
Sicherheitsupdates schließen Schwachstellen in SonicWall Email Security und SonicOS SSLVPN.
Die IT-Sicherheitslösung Email Security und die Fernzugriffssoftware SonicOS SSLVPN von SonicWall sind verwundbar. Nutzen Angreifer die mittlerweile geschlossenen Sicherheitslücken aus, können Sie Systeme im schlimmsten Fall vollständig kompromittieren. Auch wenn es bislang keine Berichte zu laufenden Attacken gibt, sollten Admins ihre Instanzen zeitnah durch die Installation von Sicherheitsupdates schützen.
Email Security ist einer Warnmeldung zufolge [1] über zwei Softwareschwachstellen attackierbar. Weil beim Download von Code die Dateiintegrität nicht geprüft wird, können Angreifer Systemdateien modifizieren. Auf diesem Weg können sie sich etwa über ein mit Schadcode präpariertes Root-Dateisystem-Image dauerhaft im System verankern. Die Lücke (CVE-2025-40604) ist mit dem Bedrohungsgrad "hoch" eingestuft. Damit eine solche Attacke klappt, müssen Angreifer aber Zugriff auf den Datenspeicher oder VMDK haben.
Auch über die zweite Lücke (CVE-2025-40605 "mittel") können sie Daten manipulieren. Konkret bedroht sind Email Security Appliance 5000, 5050, 7000, 7050, 9000, VMware und Hyper-V. Die Entwickler versichern, die Schwachstellen in den Versionen 10.0.34.8215 und 10.0.34.8223 geschlossen zu haben. Alle vorigen Ausgaben sollen verwundbar sein.
SonicOS SSLVPN ist laut den Informationen in einer Warnmeldung [2] über eine Lücke (CVE-2025-40601 "hoch") angreifbar. An dieser Stelle können Angreifer Speicherfehler auslösen, was zu Abstürzen führt. Wie solche DoS-Attacken im Detail ablaufen könnten, ist bislang nicht bekannt.
Davon sind verschiedene Gen7- und Gen8-Firewalls betroffen, die die Entwickler in der Warnmeldung auflisten [3]. Um Systeme zu schützen, müssen Admins mindestens die Version 7.3.1-7013 oder 8.0.3-8011 installieren.
Im Oktober sorgte SonicWall für Schlagzeilen [4], weil Angreifer Cloud-Backups von Firewalls kopiert haben.
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https://www.heise.de/-11087234
Links in diesem Artikel:
[1] https://psirt.global.sonicwall.com/vuln-detail/SNWLID-2025-0018
[2] https://psirt.global.sonicwall.com/vuln-detail/SNWLID-2025-0016
[3] https://psirt.global.sonicwall.com/vuln-detail/SNWLID-2025-0016
[4] https://www.heise.de/news/Datenleck-bei-Sonicwall-Alle-Cloud-Backups-von-Firewalls-gestohlen-10748910.html
[5] https://aktionen.heise.de/heise-security-pro?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[6] mailto:des@heise.de
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(Bild: Mehaniq/Shutterstock.com)
Weil Solarwinds vor einer verheerenden Cyberattacke die eigenen Investoren getäuscht haben soll, ist die SEC vor Gericht gezogen. Nun komt der Rückzieher.
Nach zwei Jahren hat die US-Börsenaufsicht ihre Klage gegen den US-Softwareanbieter Solarwinds und dessen Chief Information Security Officer (CISO) fallen lassen, in der es um einen weitreichenden Cyberangriff gegangen war. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die Securities and Exchange Commission (SEC). Damit endet ein mit großer Aufmerksamkeit verfolgtes Verfahren, in dem es um den weitreichenden Vorwurf gegangen ist, dass SolarWinds vor dem Angriff mit einer potenten Malware gewusst haben soll, dass die eigene IT mangelhaft war. Man hoffe, dass diese Entscheidung die Sorgen anderer Sicherheitschefs zerstreuen helfe, zitiert Reuters das Unternehmen. Das Vorgehen habe abschreckend gewirkt.
In der Klage hat die SEC [1] Solarwinds und CISO Timothy G. Brown persönlich vorgeworfen, "Investoren betrogen zu haben". Die öffentlichen Äußerungen von Solarwinds über die hauseigenen Cybersicherheitspraktiken und -risiken hätten im Widerspruch zu internen Einschätzungen gestanden, der Betrug habe über zwei Jahre angedauert. Brown sei sich der Cybersicherheitsrisiken und -schwachstellen von SolarWinds bewusst gewesen, habe es aber versäumt, die Probleme zu lösen oder sie teilweise auch nur intern anzusprechen. Das Unternehmen hat das entschieden zurückgewiesen und erklärt, dass das Vorgehen die nationale Sicherheit der USA gefährden würde. Die Klage sollte Firmen und Cybersicherheitsexperten alarmieren, warnte Solarwinds damals.
Von dem Cyberangriff auf Solarwinds' Software für das IT- und Netzwerkmanagement [2] waren 2019 zahlreiche Regierungsbehörden und Konzerne betroffen. Cyberkriminelle hatten unbemerkt Schadcode in deren Systeme eingeschleust. Die Angreifer mussten keine Code-Signing-Zertifikate oder -Schlüssel stehlen, da sie bösartigen Code bereits während des Build-Prozesses [3] einfügten, die das Unternehmen am Ende der Entwicklung selbst signierte. Die Auswirkungen der Attacke waren gravierend [4], Microsoft-Präsident Brad Smith etwa sprach vom "größten und raffiniertesten Angriff, den die Welt je gesehen hat".
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Falsche-Angaben-bei-IT-Sicherheit-US-Boersenaufsicht-klagt-gegen-Solarwinds-9351468.html
[2] https://www.heise.de/news/Cyberangriffe-via-SolarWinds-Software-neue-Entwicklungen-im-Ueberblick-4991255.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Code-Signing-Attacken-Wenn-Angreifer-die-Sicherheitstools-in-den-Griff-bekommen-7492293.html
[4] https://www.heise.de/news/SolarWinds-Attacke-Ausmass-noch-unklar-US-Abgeordnete-diskutieren-Konsequenzen-5063771.html
[5] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[6] mailto:mho@heise.de
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Der Dreame-Saugbot nutzt je nach Boden und Verschmutzung verschiedene Mopps, die er auch selbst wechselt.
Man würde annehmen, dass das Wichtigste an einem Saug- und Wischroboter ist, wie gut er die Böden reinigt. Dennoch rückte das eigentliche Putzen bei neuen Vorzeigemodellen zuletzt in den Hintergrund: Statt gründlicherer Reinigung brachten Dreame und andere Saugbothersteller ihren Geräten eher akrobatische Kunststückchen bei. So dressierte Roborock etwa eine Putzflunder, per Roboterarm [1] [1] Socken aufzuheben und im Gleichschritt mit Dreame, Geräte per Stützrad [2] [2] über Bodenschwellen zu helfen.
Bei Dreames taufrischem Matrix10 Ultra besteht die größte Neuerung zwar auch aus einem mechanischen Trick, doch dieser verspricht immerhin unmittelbare Vorteile für die Bodenpflege: In der Basisstation des Roboters parken in einem Hochlager hinter der Wartungsklappe drei Paar Tellermopps, die eine Transportschiene je nach bevorstehendem Putzjob greift und vor dem Roboterheck ablädt. An dessen Unterboden docken sie dann magnetisch an.
Für das Großreinemachen von fettbefleckten Küchenfliesen kommen mit Nylonborsten verstärkte Mopps zum Einsatz. Für empfindliche Holzbörden sind sie zu grobschlächtig, weshalb dafür weiche Flauschlappen zur Auswahl stehen. Für Wasserlachen im Badezimmer sind wiederum Mopps mit saugstarken Schaumstoffeinlagen vorrätig. Ob das Mopp-Karussell die Wischfähigkeiten des Roboters auf Touren bringt und ihn auch seine weiteren Features als nützliche Putzhilfe qualifizieren, klärte ein Praxistest.
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https://www.heise.de/-10779119
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tests/Roborock-Saros-Z70-Saugroboter-mit-Greifarm-im-Test-10628848.html
[2] https://www.heise.de/tests/Flache-Saugbots-im-Test-Dreame-und-Roborock-mit-Liftfunktion-10293376.html
[3] https://www.heise.de/tests/Roborock-Saros-Z70-Saugroboter-mit-Greifarm-im-Test-10628848.html
[4] https://www.heise.de/tests/Sechs-Fensterputzroboter-von-80-bis-500-Euro-im-Test-10318287.html
[5] https://www.heise.de/tests/Greifarm-Saugbot-Roborock-Saros-Z70-im-ersten-Test-10374710.html
[6] https://www.heise.de/tests/Flache-Saugbots-im-Test-Dreame-und-Roborock-mit-Liftfunktion-10293376.html
[7] https://www.heise.de/tests/Im-Test-Saugbot-Roborock-Qrevo-Curv-mit-Liftfunktion-fuer-Tuerschwellen-9992193.html
[8] https://www.heise.de/tests/Saugbot-im-Test-Roborock-S8-MaxV-Ultra-mit-Wischfunktion-und-Seitenbuerste-9731495.html
[9] https://www.heise.de/tests/Saugroboter-mit-Mopp-Arm-und-Heisswaesche-im-Test-Dreame-L10s-Pro-Ultra-Heat-9669553.html
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(Bild: Mr.Mikla / Shutterstock.com)
Googles Quick Share und Apples AirDrop arbeiten jetzt zusammen für die kabellose Übertragung von iPhones und Android-Handys, zunächst aber nur für Pixel 10.
Nutzer von Android-Smartphones greifen üblicherweise auf Messaging-Apps zurück, wenn sie etwa Bilder oder Videos an iPhone-Besitzer senden wollen, selbst wenn sie sich in unmittelbarer Nähe befinden. Bei anderen Android-Handys ist dies mit "Quick Share" möglich, vergleichbar mit Apples AirDrop. Doch jetzt erweitert Google diese Android-Systemfunktion um die Zusammenarbeit mit Apples Ökosystem, sodass Dateien nun auch vom Android-Handy direkt und kabellos zum iPhone geschickt werden können – und umgekehrt. Zunächst ist das erweiterte Quick Share für Smartphones der Pixel-10-Serie verfügbar.
Das kommt nicht überraschend. Schon Ende August wurde bekannt, dass Google mit Quick Share für iPhones und Macs experimentiert [1], nachdem entsprechende Hinweise im Code einer Beta-Version von Googles Play-Services-App gefunden wurden. Das deutete darauf hin, dass der Konzern daran arbeitet, Android besser mit iOS und macOS zu verzahnen. Damals ging man allerdings noch davon aus, dass iPhone- oder Mac-Nutzer eine entsprechende App für Quick Share auf ihren Geräten installieren müssten.
Das erspart Google den Apple-Anwendern, indem Quick Share direkt mit Apples AirDrop kombiniert wird. Das ist bislang allerdings auf Pixel-10-Handys beschränkt. Wird Quick Share auf einem solchen Android-Smartphone aktiviert und eine oder mehrere Dateien zum Versand ausgewählt, findet das System nun auch iPhones in der näheren Umgebung. Wenn der Datentransfer gestartet wird, zeigt das Apple-Gerät eine entsprechende AirDrop-Benachrichtigung und fragt, ob die Datei(en) akzeptiert werden soll(en).
(Bild: Google)
Umgekehrt können iPhone-Nutzer jetzt auch per AirDrop Dateien zu Android-Smartphones der Pixel-10-Serie schicken. Dafür ist es allerdings notwendig, auf dem Pixel 10 zunächst den Empfang zu aktivieren. Ansonsten wird das Android-Gerät nicht von Apples AirDrop gefunden.
Google betont im eigenen Blog-Beitrag [2], dass diese Funktion "mit höchstem Sicherheitsanspruch entwickelt" wurde und die Daten "von unabhängigen Sicherheitsexperten geprüften Sicherheitsvorkehrungen geschützt" sind. Die Erweiterung von Quick Share ist demnach der nächste Schritt zu der "von Nutzern gewünschten besseren Kompatibilität zwischen Betriebssystemen". Wann diese Funktion auf weitere Android-Geräte neben der Pixel-10-Serie ausgedehnt wird, erwähnt Google dabei allerdings nicht.
Diese Systemfunktion Androids war früher als "Nearby Share" bekannt und hieß dann "Quick Share from Google". Anfang dieses Jahres wurde Googles AirDrop-Alternative erneut umbenannt - in Quick Share [3]. Ob und wann Quick Share künftig auch mit weiteren Apple-Geräten wie MacBooks funktionieren wird, ist ebenfalls noch unklar.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11087061
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Quick-Share-Google-experimentiert-mit-Datentransfer-zwischen-Android-und-iPhone-10621468.html
[2] https://blog.google/products/android/quick-share-airdrop/
[3] https://www.heise.de/news/Quick-Share-Namensaenderung-von-Googles-Airdrop-Pendant-10333771.html
[4] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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Christian Bartels
Lost in Parallelwelten. Bild: Shutterstock.com
Zersplitterte Öffentlichkeit: Jeder hat sein eigenes Medium. Wie es um das Verständnis der unterschiedlichen Milieus und das gemeinsame Wissen steht. Analyse.
"Chat-App"? "Online-Messaging-Plattform"? Wie alle Apps, die zugleich Plattformen oder Netzwerke sind und sich auf vielen Geräten nutzen lassen, ist der US-amerikanische Dienst Discord [1] schwer zu fassen.
Größere Aufmerksamkeit erregte Discord, weil der Mörder des Pro-Trump-Aktivisten Charlie Kirk dort gepostet hatte, wie so manche Mörder vor ihm. Discord bildet ein "riesiges Paralleluniversum", schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung [2].
Andererseits wird Discord dank seiner dezentralen Architektur auch von Oppositionellen etwa in Nepal und in Marokko, die unter autoritären Regimen leiden, genutzt. Die marokkanische "GenZ 212" darf natürlich keineswegs mit der sadistischen Gruppierung "764" in einen Topf geworfen werden, die im Sommer Schlagzeilen wegen Online-Manipulationen bis in den Selbstmord machte und sich ebenfalls um einen Discord-Server gebildet hatte.
Kurzum: Discord wird von oft kleinen, oft wirkmächtigen Gruppen zu äußerst unterschiedlichen, teils enorm bösartigen, teils gewiss guten Zwecken benutzt. Von einer "Suburbanisierung des Internets" spricht FAS-Autor Adrian Lobe [3].
Dass es Moderationsregeln durchaus gibt, ihre Anwendung aber unklar scheint, haben alle Netzwerke gemeinsam. "Telegram sperrt jeden Tag Zehntausende Gruppen und Kanäle und entfernt Millionen von Inhalten, die gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen", informiert [4] diese inzwischen wohl eine Nutzer-Milliarde zählende, mal europäisch gewesene, derzeit mutmaßlich in Dubai ansässige Plattform-Messenger-App.
Dennoch erregten hierzulande etwa "Strg_F"-Recherchen [5] über ein übles Vergewaltigernetzwerk Aufsehen, das Aufnahmen und Tipps via Telegram teilte. Und islamistische ISIS-Terroristen teilten so bestialische Videos.
Doch in Russland nutzen – neben staatlicher Propaganda und kriegstreibenden Influencern – auch oppositionelle Exilmedien Telegram, sagt die Meduza-Herausgeberin Galina Timtschenko im Dokumentarfilm "Telegram – Das dunkle Imperium" von Pawel Durow. Beim angegriffenen Kriegsgegner Ukraine ist Telegram weithin beliebt, in der benachbarten Diktatur Belarus wie im entfernten Iran wiederum bei der unterdrückten Opposition.
Man kann Telegram wie ein Küchenmesser benutzen, sagt Timtschenko auch, also: zu allen möglichen Zwecken.
Der Dokumentarfilm vom RBB ist kommende Woche linear bei Arte [6], nonlinear dann auch in der ARD-Mediathek zu sehen. Auf mehreren Plattformen gibt es in der zersplitternden Öffentlichkeit größere Chancen auf mehr Publikum, wissen auch die Öffentlich-Rechtlichen.
Selbstverständlich sehen alle Nutzer einer Plattform niemals dasselbe.
Das geht rein rechnerisch nicht, wie immer noch am krassesten YouTube belegt, wo schon 2021 gut 500 Stunden Video pro Minute raufgeladen wurden. Zweifellos steigt diese Zahl laufend weiter.
Die Nutzerzahl ist meist dann groß, wenn alle vor allem sehen, was sie bestätigt. Was die einen empört, bekommen die anderen gar nicht mit und umgekehrt.
Gleichzeitiges gemeinsames Wissen schwindet, weshalb in jeder Nachrichtensendung und jeder Talkshow alles zur Sicherheit von Anfang erklärt wird (und für Neues, Komplexes nur wenig Zeit bleibt).
Und selbst die, die dasselbe lesen (oder sehen oder hören), nehmen selten dasselbe mit. "Der eine liest einen solchen Artikel zwischendrin in der Bahn, der andere sorgfältiger beim Frühstück, der nächste scrollt nur drüber und liest einzelne Passagen", schreibt die Legal Tribune Online [7].
Chefredakteur Felix W. Zimmermann meint damit, dass es den "verständigen Durchschnittsleser", der vor Gericht presserechtlich als Maßstab gilt, längst nicht mehr gibt. Damit nimmt die LTO einen weiteren in der Kette der Prozesse um die umstrittene Correctiv-Recherche zum Potsdamer Landhaus-Treffen auseinander. Vor dem Landgericht Hamburg dürfte Correctiv mal wieder gewinnen, aber zu Unrecht, meint Zimmermann.
Wer gegen die voranschreitende Fragmentarisierung und für gleichzeitiges gemeinsames Wissen wirken will und es oft auch tut: der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Er ist "der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält", sagte der frühere ARD-Programmdirektor Volker Herres gerne. Wobei sich zunehmend die Frage stellt, ob der Kitt tatsächlich die Gesellschaft zusammenhält oder eher die Anstalten gegen Reformforderungen wie gegen Attacken von außen.
Viel Aufmerksamkeit gibt es fürs teilweise Einknicken der BBC vor erfolgreichen Angriffen Donald Trumps und seines Umfelds. "Mit Deutschland hat all das nichts zu tun? Von wegen! Wer glaubt, uns schütze hier vielleicht noch eine Sprachbarriere, unterschätzt die KI", schrieb Steffen Grimberg beim KNA-Mediendienst [8].
KI kann immer noch besser übersetzen, und dafür, dass gegenseitiges Verstehen zwischen unterschiedlichen Milieus keineswegs nur Verständnis erzeugt, mangelt es nicht an Beweisen.
Faktisch bräuchte es jetzt schon nicht mal mehr auch deutschsprachige Trump-Kumpel wie Richard Grenell. Der Ex-Botschafter hatte im Oktober einen Video-Ausschnitt aus Wolfram Weimers Buchmessen-Eröffnungsrede auf X verbreitet [9] und damit dessen Attacken gegen US-amerikanische KI-Konzerne ("Auf gleichsam vampiristische Weise saugen KI-Unternehmen derzeit das kreative Potenzial aus unzähligen kreativen Köpfen ...") in den USA bekannt gemacht. Und die Zahl von Weimers Gegnern erhöht.
Bisschen tragische Ironie liegt darin, dass Grenell genau genommen einen deutschsprachigen Post Hasnain Kazims, der Weimer zustimmte, auf Englisch und im gegenläufigen Sinn teilte. Darin lag eine Stärke Twitters, bevor Elon Musk es zu X ummodelte:
Dass dort tatsächlich unterschiedliche Milieus aufeinandertrafen, und mitunter sogar sinnvoll, miteinander diskutierten.
Man konnte sich durchs Folgen unterschiedlicher Akteure einen breiten, also vielfältigen Meinungshorizont zusammenstellen. Seit viele eher links stehende Nutzer wegen Musk zu Bluesky oder Mastodon wechselten (und dort ziemlich unter sich sind), ist auch das weitgehend geschwunden – noch ein Beitrag zur Fragmentarisierung.
"Leute, die sich trauen, zu sagen, was ihnen in dem Moment durch den Kopf geht, sterben aus", sagte dann noch heute-show-Moderator Oliver Welke unter der hübschen Überschrift "Ich würde auch nicht mit uns reden" im Wirtschaftsressort der Süddeutschen [10]. Heißt: Unbefangenes Reden in einer Öffentlichkeit, in der man sich nicht unter Gleichgesinnten weiß, findet kaum mehr statt, vor Kameras schon gar nicht.
Dazu haben Welke, Stefan Raab (als er noch für Pro Sieben unterwegs und ein paar Ticks weniger unoriginell war) und jede Menge internationale Vorbilder, die jahrelang TV- und Video-Fundstückchen durch den Kakao zogen, beigetragen, weiß Welke auch selbst. Daher die Überschrift. Inzwischen wissen auch so gut wie sämtliche älteren Mitbürger, dass alles aus Kontexten gerissen werden kann und schon aus Tempo-Gründen gerissen wird. Während jüngere Menschen sowieso am liebsten in ihre eigenen Kameras reden ...
Bleibt noch die Frage, wie Welke denn ins SZ-Wirtschaftsressort kommt. Na ja, das Blatt buchte den ZDF-Star für seinen "Wirtschaftsgipfel", der teilweise parallel zum pompösen deutsch-europäischen Digitalgipfel in Berlin stattfand (Gipfel-Fragmentarisierung [11]?).
Einstweilen bildet lineares Fernseh-Abendprogramm, aus dessen Sketchen sich überdies kurze, auf allen möglichen Plattformen teilbare Clips gestalten lassen, immer noch die beste Basis für relative gleichzeitige Prominenz in zunehmend zersplitterten Öffentlichkeiten.
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Links in diesem Artikel:[1] https://discord.com/[2] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/chat-app-discord-safe-space-fuer-opposition-und-extremismus-accg-110780338.html[3] https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr/sadismus-online-netzwerk-manipulation-kinder-jugendliche-100.html[4] https://telegram.org/moderation[5] https://www.ardmediathek.de/video/strg_f/wir-finden-die-taeter-oder-strg_f-epic/funk/Y3JpZDovL2Z1bmsubmV0LzExMzg0L3ZpZGVvLzIwNjkyNTIvc2VuZHVuZw[6] https://www.arte.tv/de/videos/122721-000-A/telegram-das-dunkle-imperium-von-pawel-durow/[7] https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/correctiv-verhandlung-lg-hamburg-masterplan[8] https://mediendienst.kna.de/251114-89-00058.html[9] https://x.com/RichardGrenell/status/1978417560140792291[10] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/oliver-welke-interview-heute-show-moderator-deutschland-li.3332186?reduced=true[11] https://www.mdr.de/altpapier/das-altpapier-4430.html
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Luca Schäfer
Heute geht die Klimakonferenz COP30 im brasilianischen Belém zu Ende
(Bild: Antonio Scorza/Shutterstock.com)
Am Freitag geht in Belém die 30. UN-Klimakonferenz zu Ende. Feiert Brasilien faule Kompromisse, die wenig verändern? Eine Analyse.
Die Welt brennt [1] – und mit ihr das aktuelle Tagungsgelände der 30. "Conference of the Parties": Am Donnerstagnachmittag musste eines der Konferenzgebäude für mehrere Stunden aufgrund eines Brandes gesperrt werden. Zwar war das Feuer rasch unter Kontrolle, doch entbehrt dies nicht einer gewissen Symbolik. Nicht nur bei der diesjährigen COP ist man – spätestens durch den Zwischenfall – bedeutend hinter den Zeitplan geraten [2]. Der SWR fragt [3]: "Ist Klimaschutz out?".
Die diesjährigen Schwerpunkte hatten es mit Finanzen, Zielen und Reduktionen in sich. Wie der Guardian recherchierte [4], kam auf 25 Teilnehmende ein Lobbyist der fossilen Brennstoffe. Deren Tagwerk diametral gegen die Agenda des brasilianischen Antreibers Lula da Silva gerichtet zu sein schien. Belém nur Bühne, die COP gescheitert?
"Viel hilft viel": In der Hoffnung, dass bei einer möglichst breiter Brennpunktpalette ein Erfolg dabei sein müsste, startete die brasilianische Agenda.
Neben den erwartbaren Akzenten, die an die vor Ort vertretene indigene Landklientel angepasst waren, wie dem Schutz indigener Territorien vor Abholzung, wurden in Belém die großen Themen bespielt [5]: Energiewende, Mittelzusagen zur Finanzierung von Vorhaben der Industriestaaten, Fondszusammenstellungen bei Klimaschäden, Reduktion fossiler Brennstoffe sowie die Debatte um eine globale Klimagerechtigkeitsstruktur.
Das große Ziel [6] der brasilianischen Präsidentschaft ist es, korrelierend mit den schriftlichen UN-Fixierungen, von einer Phase der Kompromissfindung hin zu einer stärkeren Umsetzung der in den Pariser Klimaverträgen getroffenen Spezifizierungen zu gelangen. Konkret setzte die Präsidentschaft dabei auf folgende Punkte: Mit dem nach dem Verhandlungsort benannten Belém Political Package [7]sollten die politisch-juristischen Rahmenbedingungen zentraler Elemente festgelegt werden.
Das als "Just Transition" (gerechter Übergang) bekannte Arbeitsprogramm sollte ausgebaut werden, um den sozialen und wirtschaftlichen Ausgleich für Regionen und Arbeitnehmer im Übergang zu sichern. Im Bereich des anzupassenden "Global Goal on Adaptation" sollte eine Einigung über messbare Indikatorfortschritte erzielt werden [8], die eine globale Überprüfung ermöglichen soll.
Der Auftrag an "Klima-Kanzler" Merz war demnach eindeutig: keine Kostennachteile, wenn Deutschland auch international nur noch wenigstens die vierte Geige spielen will. Ähnlich wie im Segment der E-Mobilität bremste die große Koalition in Brasilien nicht nur mit schrillen Zwischentönen, sondern auch durch die Verweigerung handfester Zusagen. Dies ist – insbesondere vor dem sonst vorhanden Ruf nach Multilateralismus und rechtssicherer Ordnung – erklärungsbedürftig.
Wie die Tagesschau berichtet [9], stehe die Bundesregierung zu den Klimazielen, dies gehe aber "nur im Einklang mit der Wirtschaft". Während DIW-Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert massive Investitionen in "erneuerbare Energien, intelligente Netze, Speicher, Gebäudesanierung und klimafreundliche Industrieprozesse" forderte [10], beließ es Friedrich Merz bei der moralisch aufgeladenen Aufforderung, die Welt solle sich stärker engagieren.
Dabei hatte gerade die EU ihre Klimaziele für 2040 mit großen Differenzen nach unten korrigiert. Fridays-for-Future-Urgestein Luisa Neubauer sieht eine deutsche Teilhabe an einer transatlantischen "fossilen Gegenrevolte" [11].
Derweil trommeln wirtschaftsliberale Kreise – unter der schlicht falschen Vorspiegelung, Deutschland sei der letzte Garant für ambitionierte Klimaziele – für eine noch weiterreichende Abschaffung der getroffenen Klimavereinbarungen. Welt-Autor Daniel Wetzel sieht [12] im vermeintlichen deutschen Alleingang einen "ökonomischen Suizidversuch".
Zwar sind die grundlegenden Bedenken nicht von der Hand zu weisen: Die deutschen Schlüsselindustrien sind direkt von Energieentscheidungen [13] betroffen, allzu große Belastungen könnten die Krisentiefe empfindlich verstärken.
Doch die Ursache ist eine andere. Nicht zu große Klimamaßnahmen, sondern zu späte Reaktionen und das zu lange Festhalten an tradierten Strukturen vertiefen das volkswirtschaftliche Loch. Ein deutsches All-in erscheint als Klimastrategie vielversprechender [14], denn neue Märkte braucht das Land. Laut KfW [15] wächst kaum ein Markt derart dynamisch wie der für saubere Technologien.
Zurück nach Brasilien: Die Tendenz kurz vor Ende ist eindeutig. Verwässerung droht. Nach ZDF [16]Informationen nahmen 1.600 Lobbyisten der Öl- und Gasindustrie an der Weltklimakonferenz teil und verhinderten [17] eine einheitliche Vereinbarung zu einem verbindlichen Zeitplan oder einem weltweiten Ausstieg aus fossilen Rohstoffen.
Das angesprochene Arbeitsprogramm [18] für "gerechten Übergang" wurde verabschiedet, steht jedoch, da Details zur Finanzierung offen bleiben, auf tönernen Füßen. Bei der Liste der zur Operationalisierung von Indikatoren notwendigen Messwerte konnten kleine Fortschritte verzeichnet werden: Das wissenschaftlich notwendige Quorum von 100 Indikatoren als Messbasis wurde nicht erreicht, jedoch konnte man sich auf Einige einigen.
Trotzdem scheint der wichtige Weg zur messbaren Nachverfolgbarkeit geebnet. COP30 hat formal den Übergang betont [19]: weg von bloßen Verhandlungen, hin zu Implementierungsmechanismen.
Dem entgegen steht jedoch, dass das Nord-Süd-Gefälle – reiche, nördliche Verursacherstaaten gegenüber ärmeren Südlichen – dringend notwendige, große Finanzpakete verunmöglichten. Das Ergebnis ist eine wachsende Finanzlücke.
Am schwerwiegendsten ist zudem, dass die COP30 kein neues, global verbindliches Emissionsreduktionsziel für das Jahr 2030 realisierte, das die Wahrscheinlichkeit einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad wirklich auf Kurs brächte. Noch vor dem finalen Abschluss besteht die Befürchtung, dass aufgrund von Zeitdruck, internen Differenzen und jüngsten Störungen nur teilweise verbindliche und halbseidene Abschlussdokumente realisiert werden [20] können.
Statt die COP30 im Globalen Süden zu einem echten Motor für Klimabewegungen zu machen, steht zu befürchten, dass sie nur eine weitere Bühne für einen schlecht vorgetragenen Minimal-Konsens zwischen Staaten darstellt. Es gibt große, hehre Worte (Deutschland als Spitzenreiter), aber minimale Leistungen und Vereinbarungen. Was bei den fossilen Rohstoffen an Fortschritt notwendig wäre, wird allenfalls in der rhetorischen Verwässerung erreicht.
Ohne harte fiskalpolitische oder juristische Hebel bleibt die neue, durchaus sichtbare Achse afrikanischer und lateinamerikanischer Staaten in Form einer Süd-Süd-Koordination ein zahnloser Tiger. Der Schwur auf Multilateralismus scheint situationsabhängig und dem eigenen Gutdünken überlassen zu sein. Interessanterweise spielten globale Sicherheitsfragen (Migration, Krieg, Großmächtekonstellation, neues Wettrüsten) keine nennenswerte Rolle – es ist davon auszugehen, dass dies nicht auf ewig dergestalt bleiben wird –, selbst die US-chinesische Konfrontation war untergeordnet.
Für die angeschlagene deutsche Wirtschaft bleiben zwei Gefühle zurück: Energieintensive Branchen stehen weiterhin unter doppeltem Druck (Kostennachteile und Klimaabkommen) und neben politisch teureren Lieferketten blieb auch ein aktivierender "Push" für Transformationsindustrien durch eigenes deutsches Contra-Engagement aus.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.zdfheute.de/politik/ausland/feuer-cop-brasilien-belem-evakuierung-100.html[2] https://www.stern.de/news/fortsetzung-der-cop30-in-bel%C3%A9m-fruehestens-um-mitternacht-mez-36827634.html[3] https://www.swr.de/kultur/gesellschaft/cop30-im-regenwald-geht-dem-klimaschutz-die-luft-aus-forum-2025-11-05-100.html[4] https://www.theguardian.com/environment/2025/nov/14/fossil-fuel-lobbyists-cop30[5] https://cop30.br/en[6] https://www.germanwatch.org/de/blog/die-neue-natur-der-cops[7] https://unfccc.int/sites/default/files/resource/DT_-cop30-01.pdf[8] https://www.carbonbrief.org/debriefed-14-november-2025-cop30-debriefed-finance-and-1-5c-loom-large-at-talks-chinas-emissions-dip-negotiations-explained/[9] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/klimakonferenz-deutschland-zusagen-absichten-100.html#:~:text=Deutschland%20pocht%20auf%20Technologie,Hause%20auf%20die%20Probe%20gestellt.[10] https://www.fr.de/wirtschaft/diw-oekonomin-stellt-forderungen-an-bundesregierung-zur-cop30-zr-94031299.html[11] https://www.surplusmagazin.de/neubauer-gegenrevolte-cdu-spd-fossil-klima/[12] https://www.welt.de/wirtschaft/plus690f657d6979a0b484060d51/cop30-der-deutsche-alleingang-gleicht-einem-oekonomischen-suizidversuch.html[13] https://www.iea.org/reports/germany-2025[14] https://www.atlanticcouncil.org/blogs/energysource/key-takeaways-from-the-cop30-circle-of-finance-ministers-report/[15] https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_867584.html[16] https://www.zdfheute.de/wirtschaft/cop30-klimagipfel-lobbyisten-100.html[17] https://www.politico.com/news/2025/11/18/double-down-on-push-to-abandon-fossil-fuels-82-countries-urge-at-climate-summit-00657241?ref=upstract.com[18] https://www.climatepolicyinitiative.org/wp-content/uploads/2025/11/Global-Landscape-of-Energy-Transition-Finance-2025.pdf[19] https://table.media/climate/analyse/cop30-was-hinter-dem-streit-ums-globale-anpassungsziel-steckt[20] https://www.reuters.com/sustainability/cop/part-cop30-climate-summit-venue-evacuated-due-fire-2025-11-20/
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Christoph Jehle
Die Abgabe soll Verhaltensänderungen bewirken, ohne unangemessene finanzielle Belastungen zu verursachen – und Hersteller motivieren.
Stark verarbeitete Lebensmittel mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt, Alkopops sowie Tabakprodukte und ihre Auswirkungen auf die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in den Fokus der EU-Kommission geraten, denn durch diese nicht ansteckenden Krankheiten sollen in der EU Schäden von 282 Milliarden Euro pro Jahr aufgrund sinkender Produktivität und Wirtschaftsleistung entstehen.
Ein Euractiv [1] vorliegender Entwurf des Cardiovascular Health Plans [2] sieht zudem Maßnahmen bei Tabak, Screening und KI-gestützter Prävention vor.
Die Europäische Kommission plant demnach EU-weite Abgaben auf stark verarbeitete Lebensmittel und Alkopops ab 2026. Die Pressestelle der EU-Vertretung in Berlin wollte sich zu diesen Informationen nicht äußern, weil sie zu Entwürfen keine Stellungnahme abgeben will.
Die EU-Kommission muss zumindest bei den Genussmitteln wie Alkohol und Tabak mit einem kräftigen Widerstand der einschlägigen Lobbygruppen rechnen, die in der Politik innerhalb der EU gut vernetzt sind und bislang jede EU-weite Aktion zur Reduzierung der Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch ungesunde Nahrungs- und Genussmitteln zu Fall bringen konnten. Vorbeugende Parteispenden sollen hier durchaus erfolgreich gewesen sein.
In dem Papier aus dem Cardiovascular Health Plan, das Mitte Dezember 2025 vorgestellt werden soll, begründet man in Brüssel eine solche Abgabe damit, dass durch sie Anreize für eine gesündere Ernährung gesetzt werden sollen.
"Eine sorgfältig konzipierte EU-weite Mikroabgabe kann die Preisstabilität aufrechterhalten und gleichzeitig Verhaltensänderungen bewirken", soll in dem Entwurf der Kommission stehen. So könnten Entscheidungen der Verbraucher beeinflusst werden, ohne unangemessene finanzielle Belastungen zu verursachen.
Zugleich könnte man Hersteller dazu motivieren, ihre Produkte gesünder zu machen. Die Einnahmen durch die Abgabe sollten ausschließlich für EU-weite Gesundheitsförderungsprogramme verwendet werden.
Es wird darauf verwiesen, dass es Belege gebe, die einen hohen Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel mit einem erhöhten Risiko für Fettleibigkeit, Diabetes und Stoffwechselerkrankungen in Verbindung bringen würden.
Der Gesundheitsplan sieht neben den Abgaben auch eine Modernisierung der Tabakkontrollgesetzgebung bis 2027 vor sowie die Einführung eines europaweiten Bewertungssystems für verarbeitete Lebensmittel.
Die EU-Kommission hat das Ziel, durch verschiedene Initiativen bis 2035 die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 20 Prozent zu senken.
Die zunehmende Industrialisierung der Lebensmittelherstellung hat schon seit geraumer Zeit dazu geführt, dass das Hauptgewicht auf der Optimierung der Produktionsprozesse lag und ein wichtiger Fokus auf Convenience Produkte gelegt wurde, die sich von den Kunden mit wenig Aufwand, beispielsweise durch Erwärmen in der Mikrowelle zu verzehrfertigen Mahlzeiten zubereiten lässt, ohne über Kochwissen zu verfügen.
Da es für die handwerkliche Zubereitung von Lebensmitteln immer weniger ausgebildetes Personal gibt, das bereit ist, für grenzwertig niedrige Löhne zu arbeiten, setzen auch immer mehr gastronomische Betriebe nicht nur in der Systemgastronomie immer häufiger industriell vorbereitete Speisen ein, die nicht als solche gekennzeichnet sind und ohne Hinweise auf ihre industrielle Zubereitung angeboten werden. Lediglich die Hinweise auf Allergene finden sich in manchen Speisekarten.
Ob die derzeit in Brüssel diskutierten Abgaben auf hochprozessierte industrielle Lebensmittel nur für das Angebot im Lebensmitteleinzelhandel gelten oder ob auch die Gastronomie von der Burgerbraterei über den Kebab-Anbieter bis zum Landgasthof mit diesen Abgaben belastet werden soll, ist derzeit noch offen.
Aus deutschen Landen, wo man sich gerade den Forderungen der CSU nach einer dauerhaften Umsatzsteuerreduktion für die Gastronomie gebeugt hat, die damit den Umsatz der Gastronomie auf das Coronaniveau ankurbeln will, dürfte entscheidender Gegenwind gegen solche Abgaben aufkommen.
Maßnahmen zur Prävention, die auf den Widerstand der bestens organisierten Lobby der einschlägigen Industrie stoßen, haben es traditionell schwer, in Brüssel zum Zuge zu kommen. Während Warnbilder auf Tabakerzeugnissen sich durchgesetzt und den Tabakkonsum durchaus reduziert haben, konnten sich entsprechende Warnhinweise auf Weinflaschen [3] nur in Irland durchsetzen.
Obwohl nach Aussagen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Deutschland als Alkohol-Hochkonsumland gilt und Rüdiger Krech [4], der WHO-Direktor für Gesundheitsförderung, Deutschland in diesem Zusammenhang als Problemkind [5] bezeichnet, in dem es neun Millionen Menschen [6] gibt, die ein Alkoholproblem haben, was etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung sind, sind alle Initiativen zur Reduzierung des Alkoholkonsums in Deutschland bislang gescheitert [7].
Das Thema Gesundheit scheint in Deutschland sich hauptsächlich auf die gemeinschaftlich finanzierte Behebung von Schäden zu konzentrieren, die vom Einzelnen vorzunehmende Prävention jedoch als lästig und das Vergnügen hemmend herabzuwürdigen.
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Links in diesem Artikel:[1] https://euractiv.de/news/exklusiv-eu-erwaegt-steuern-auf-ungesundes-essen-und-alkopops/[2] https://health.ec.europa.eu/non-communicable-diseases/cardiovascular-health_en[3] https://www.telepolis.de/article/Gesundheitswarnungen-auf-Weinflaschen-in-der-EU-erlaubt-9063801.html[4] https://www.linkedin.com/in/r%C3%BCdiger-krech-03729150/[5] https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/alkohol-werbung-100.html[6] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/a/alkohol.html[7] https://www.telepolis.de/article/Beim-Alkohol-ist-die-Ampel-lautlos-gescheitert-10331044.html
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PHP 8.5 ist da: Die neue Hauptversion liefert einen Pipe Operator, Clone With, eine URI-Erweiterung und mehr Sicherheit für sauberen, lesbaren Code.
Nach mehreren Release Candidates [1] hat das PHP-Team die stabile Version 8.5 veröffentlicht. Die neue Hauptversion der Programmiersprache führt mehrere Sprachverbesserungen ein, die Lesbarkeit und Sicherheit erhöhen sollen. Neben Feinschliff an bestehenden Funktionen kommen einige neue Features hinzu.
Mit der neuen URI-Extension hält erstmals eine native Unterstützung für strukturierte Arbeit mit URLs und URIs Einzug in PHP. Sie soll eine einfache und sichere Zerlegung, Manipulation und den Wiederaufbau von Adressen ermöglichen – ohne auf externe Libraries zurückgreifen zu müssen. Ziel ist, typische Fehlerquellen beim Parsen und Zusammenfügen von URLs zu vermeiden und den Code zugleich klarer und konsistenter zu machen.
Eine weitere zentrale Neuerung ist der Pipe Operator (|>), der funktionale Aufrufketten deutlich lesbarer macht. Statt verschachtelter Funktionsaufrufe lassen sich Ergebnisse nun Schritt für Schritt weiterreichen. Das sorgt für eine bessere Lesbarkeit von komplexen Datenflüssen.
Das Beispiel aus dem RFC [4] soll dies verdeutlichen:
function getUsers(): array {
return [
new User('root', isAdmin: true),
new User('john.doe', isAdmin: false),
];
}
function isAdmin(User $user): bool {
return $user->isAdmin;
}
// This is the new syntax.
$numberOfAdmins = getUsers()
|> (fn ($list) => array_filter($list, isAdmin(...)))
|> count(...);
var_dump($numberOfAdmins); // int(1);
PHP 8.5 hat das neue Sprachfeature clone with zum Erzeugen leicht veränderter Objektkopien im Gepäck. Während bisher beim Klonen alle Eigenschaften übernommen und Entwicklerinnen und Entwickler Änderungen manuell vornehmen mussten, lassen sich nun gezielt einzelne Werte direkt beim Klonvorgang anpassen.
Folgendes Beispiel [5] soll das Prinzip verdeutlichen:
readonly class Color
{
public function __construct(
public int $red,
public int $green,
public int $blue,
public int $alpha = 255,
) {}
public function withAlpha(int $alpha): self
{
return clone($this, [
'alpha' => $alpha,
]);
}
}
$blue = new Color(79, 91, 147);
$transparentBlue = $blue->withAlpha(128);
So ermöglicht clone with vor allem bei unveränderlichen Datenstrukturen eine elegantere und besser lesbare Syntax.
Das neue Attribut #[\NoDiscard] unterstützt Entwicklerinnen und Entwickler beim Aufspüren potenzieller Logikfehler. Wird das Ergebnis einer mit #[\NoDiscard] markierten Funktion verworfen, gibt PHP künftig eine Warnung aus. So lassen sich versehentlich ignorierte Rückgabewerte schneller aufdecken, was die Codequalität erhöhen und unnötige Fehlersuche reduzieren soll.
Schließlich stärkt die Version auch PHPs Möglichkeiten zur Metaprogrammierung: Ab sofort lassen sich Closures, Casts und First-Class Callables in konstanten Ausdrücken verwenden. Diese Erweiterung öffnet die Tür für noch flexiblere Definitionen im Compile-Time-Kontext – beispielsweise beim Aufbau von Konfigurationsobjekten oder dynamischen Standardwerten.
Weitere Informationen zum Release finden sich bei php.net [6] sowie im Changelog [7].
Siehe auch:
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11087166
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/PHP-8-5-setzt-auf-Lesbarkeit-Debugging-Features-und-mehr-Sicherheit-10674017.html
[2] https://php.bettercode.eu/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_bcc_php.empfehlung-ho.link.link
[3] https://php.bettercode.eu/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_bcc_php.empfehlung-ho.link.link
[4] https://wiki.php.net/rfc/pipe-operator-v3
[5] https://www.php.net/releases/8.5/en.php#clone-with
[6] https://www.php.net/archive/2025.php#2025-11-20-3
[7] https://www.php.net/ChangeLog-8.php#8.5.0
[8] https://www.heise.de/download/product/php-34151?wt_mc=intern.red.download.tickermeldung.ho.link.link
[9] mailto:mdo@ix.de
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Wenn Software die letzte Entscheidung über Leben und Tod trifft, haben Bugs tödliche Folgen – beispielsweise im Krankenhaus.
In den bisherigen Kategorien ging es um viele Fehler, die wirtschaftliche Verluste oder Projektkatastrophen ausgelöst haben. Doch es gibt eine Klasse von Softwarefehlern, die weit schwerwiegendere Konsequenzen haben: sicherheitskritische Fehler, die Menschenleben kosten können.
Sicherheitskritische Systeme finden sich überall dort, wo Software unmittelbar mit physischen Prozessen interagiert – in der Luftfahrt, der Medizintechnik, der Automobilbranche, der Bahntechnik und in der Industrieautomation. Wenn hier ein Bug auftritt, sind die Folgen oft irreversibel.
Der Therac-25 [10] war ein medizinischer Linearbeschleuniger, entwickelt zur Strahlentherapie von Krebspatientinnen und -patienten. Die Maschine war eine Weiterentwicklung der Vorgängermodelle Therac-6 und Therac-20, die noch stark auf Hardwaresicherungen und physische Interlocks setzten. Beim Therac-25 verlagerte der Hersteller viele dieser Sicherheitsmechanismen in die Software – eine Entscheidung, die sich als fatal herausstellen sollte.
Zwischen 1985 und 1987 kam es nämlich zu mindestens sechs dokumentierten Strahlenunfällen. Mehrere Patientinnen und Patienten erhielten extrem hohe Dosen, einige starben an den Folgen. Die Ursachenanalyse deckte damals eine Kombination aus Design- und Prozessfehlern auf:
Das Therac-25-Desaster zeigt ein Muster, das sich in vielen sicherheitskritischen Vorfällen wiederholt:
Gegenmaßnahmen sind auch in diesem Fall wieder verhältnismäßig einfach zu ergreifen:
Safety-kritische Fehler entstehen selten durch schlampige Entwicklerinnen oder Entwickler. Häufiger liegt die Ursache in organisatorischem Druck: Termine, Kosten oder das Vertrauen darauf, dass "die Software es schon regelt". Das Problem ist, dass Softwarefehler leise eskalieren, bis sie plötzlich sichtbar und irreversibel werden.
Der Therac-25 ist heute ein Lehrbuchbeispiel dafür, dass man bei sicherheitskritischen Systemen niemals auf formale Sicherheitsmechanismen verzichten darf. Jede vermeintliche Abkürzung in Richtung "rein softwarebasiert" kann hier Menschenleben kosten.
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https://www.heise.de/-11087132
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-1-Einheiten-Wenn-Zahlen-irrefuehrend-werden-10667236.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-2-Warum-explodierte-Ariane-5-nach-dem-Start-10698575.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-3-Ein-Marssonde-geraet-ausser-Kontrolle-10699153.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-4-Eine-Patriot-Rakete-verfehlt-fatal-ihr-Ziel-10711179.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-5-440-Millionen-Dollar-Verlust-in-Minuten-10748532.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-6-Eine-Zeile-Code-mit-fatalen-Auswirkungen-10963436.html
[7] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-7-Der-Milliarden-Dollar-Fehler-11067587.html
[8] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-8-Rundungs-und-Gleitkommafehler-11078354.html
[9] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-9-Bugs-entscheiden-ueber-Leben-und-Tod-11087132.html
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Therac-25
[11] mailto:who@heise.de
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