(Bild: Die Produktwerker)
Oft muss man als Product Owner Entscheidungen vertreten, die man selbst nicht gutheißen kann. Wie das dennoch gut gelingt, klärt diese Podcastfolge.
In dieser Folge sprechen die Produktwerker Oliver Winter und Tim Klein über eine Situation, die vielen Product Ownern vertraut sein dürfte: Eine Entscheidung wird (etwa auf höherer Ebene) getroffen, die sie so nicht nachvollziehen können oder mit der sie schlicht nicht einverstanden sind. Und trotzdem müssen sie solche Entscheidungen vertreten, zum Beispiel gegenüber ihrem Team.
Solche Momente fordern Haltung und eine gewisse Aufmerksamkeit. Als Product Owner steht man oft zwischen verschiedenen Erwartungen von Management, Team und Stakeholdern. Wenn eine Entscheidung fällt, die man selbst nicht getroffen hat, entsteht leicht ein innerer Konflikt. Soll ich loyal sein oder kritisch bleiben? Wie kann ich nach außen geschlossen auftreten, ohne mich selbst zu verbiegen?
Oliver Winter und Tim Klein machen im Gespräch deutlich, dass Entscheidungen vertreten nicht bedeutet, sie unreflektiert zu übernehmen. Es geht darum, Verantwortung für den gemeinsamen Kurs zu tragen, auch wenn man selbst anders entschieden hätte. Gerade das unterscheidet reife Product Owner von Reaktiven. Sie wissen, dass Produktentwicklung ein Teamsport ist und Entscheidungen immer im Zusammenspiel vieler Perspektiven entstehen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass man alles einfach akzeptieren muss. Produktverantwortung bleibt auch in solchen Momenten bestehen. Wer Entscheidungen vertreten soll, darf sie hinterfragen, verstehen und einordnen. Erst wenn man nachvollziehen kann, warum ein bestimmter Weg eingeschlagen wird, kann man ihn glaubwürdig gegenüber dem Team kommunizieren. Das erfordert Gesprächsbereitschaft und Mut, besonders gegenüber Führungskräften oder Stakeholdern, die schnelle Ergebnisse erwarten.
Oliver Winter beschreibt, wie hilfreich es ist, bewusst zwischen der eigenen Meinung und der gemeinsamen Entscheidung zu differenzieren. Man darf anderer Meinung sein und trotzdem nach außen klar auftreten. Tim Klein betont, dass Transparenz im Team entscheidend ist. Wenn Product Owner selbst unsicher wirken, verlieren Teams Orientierung. Offenheit nach innen, Geschlossenheit nach außen. Diese Balance prägt professionelle Product Ownership.
Entscheidungen vertreten heißt auch, sich selbst zu reflektieren: Woher kommt mein Widerstand? Geht es um Prinzipien, um persönliche Präferenzen oder um fehlende Informationen? Erst, wenn man das versteht, kann man konstruktiv handeln. Manchmal hilft es, die Entscheidung als Experiment zu betrachten. Nicht jede falsche Richtung ist ein Scheitern, solange man bereit ist, daraus zu lernen.
Für Product Owner ist das ein Lernfeld, das mit der Zeit leichter wird. Denn wer regelmäßig Entscheidungen vertreten muss, die er nicht mag, lernt, zwischen Zustimmung und Verantwortung zu unterscheiden. Und das schafft Vertrauen im Team, bei Stakeholdern und im gesamten Produktumfeld.
Auf folgende frühere Episoden dieses Podcasts verweisen die beiden im Gespräch:
Die aktuelle Ausgabe des Podcasts steht auch im Blog der Produktwerker bereit: "Entscheidungen vertreten, die mir als Product Owner nicht gefallen [9]".
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https://www.heise.de/-10900326
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[1] https://pod.inside-agile.de/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_ia_pod.empfehlung-ho.link.link
[2] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[3] https://produktwerker.de/klarheit-fuer-produktmenschen/
[4] https://produktwerker.de/entscheidungen-treffen-decision-poker/
[5] https://produktwerker.de/product-owner-sind-pokerspieler/
[6] https://produktwerker.de/produkt-einstellen/
[7] https://produktwerker.de/the-decision-stack/
[8] https://produktwerker.de/nein-sagen-als-product-owner/
[9] https://produktwerker.de/entscheidungen-vertreten-die-mir-als-po-nicht-gefallen/
[10] mailto:mai@heise.de
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Mobiles Datenvolumen muss nicht teuer sein: Günstige Verträge mit viel Transfervolumen und kurzer Laufzeit gibt es für alle Netze. Worauf Sie achten müssen.
Den falschen Mobilfunkvertrag zu haben, geht auf Dauer erheblich ins Geld. Läuft der Vertrag erst einmal, bleiben die Preise in den meisten Fällen für lange Zeit unverändert. Gleichzeitig aber fallen die Preise am Markt, für immer weniger Geld gibt es immer mehr Leistung. Das führt dazu, dass ein Vertrag von Jahr zu Jahr in Relation teurer wird, wenn man ihn mit anderen Angeboten am Markt vergleicht.
Wir haben Laufzeitverträge größerer Anbieter für maximal 20 Euro pro Monat untersucht. Das günstigste Angebot stammt von GMX und ist sogar kostenlos, allerdings kann man es nur mit einer eSIM nutzen, also nicht mit einer physischen SIM-Karte, und es zwingt dazu, regelmäßig die GMX-App zu verwenden.
Für rund 5 Euro monatlich bekommt man bereits bis zu 20 GByte Transfervolumen. Wer 15 bis 20 Euro investiert, erhält dafür 70 bis 100 GByte Transfervolumen. Laufzeittarife der Netzbetreiber Telekom und Vodafone haben wir nicht etwa vergessen, sondern diese kosten allesamt mehr als 20 Euro im Monat. Deshalb finden Sie in unsere Vergleichstabellen vor allem Tarife sogenannter Service Provider, die mit den Netzbetreibern Verträge geschlossen haben und deren Infrastruktur nutzen. Die Billigmarke "Fraenk" der Telekom hat es ebenfalls in den Vergleich geschafft.
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https://www.heise.de/-10676419
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[1] https://www.heise.de/tests/Tarife-im-Vergleich-Mobilfunkvertraege-bis-20-Euro-10676419.html
[2] https://www.heise.de/tests/Prepaid-Tarife-fuer-jeden-Bedarf-im-Vergleich-10362450.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Neue-LEO-Satelliten-von-Almagest-AST-SpaceSail-und-Starlink-auf-dem-Markt-10277852.html
[4] https://www.heise.de/tests/Guenstige-Mobilfunk-Laufzeitvertraege-bis-30-Euro-pro-Monat-im-Vergleich-10232423.html
[5] https://www.heise.de/tests/Smartphone-Tarife-mit-mehr-als-30-Gigabyte-Datenvolumen-pro-Monat-im-Vergleich-10179652.html
[6] https://www.heise.de/tests/Mobilfunk-Prepaidtarife-mit-langer-Laufzeit-im-Vergleich-9997379.html
[7] https://www.heise.de/tests/Prepaidtarife-fuer-Internet-und-Telefonie-im-Vergleich-9842161.html
[8] https://www.heise.de/hintergrund/1-1-baut-als-erster-europaeischer-Netzbetreiber-ein-Open-RAN-fuer-4G-und-5G-9720166.html
[9] https://www.heise.de/ratgeber/Umstieg-auf-eSIMs-mit-Smartphones-Dual-SIM-Geraeten-und-Wearables-9697365.html
[10] https://www.heise.de/tests/Prepaidtarife-mit-drei-bis-zwoelf-Monaten-Laufzeit-im-Vergleich-9669598.html
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Hausdurchsuchung bei Norbert Bolz entfacht bundesweite Diskussion. Was ist verhältnismäßig? Wo muss sich der Staat stärker zügeln? Kommentar.
30.000 bis 50.000 Hausdurchsuchungen gibt es nach älteren Schätzungen jährlich in Deutschland (ARD [1]) – genau Buch geführt wird darüber nicht [2].
Eine einzelne davon hat gerade mal wieder eine größere Debatte entfacht.
Beim emeritierten Professor für Medienwissenschaft [3] der TU Berlin Norbert Bolz.
Anlass war ein von Bolz 2024 verfasster sehr kurzer Tweet, mit dem er auf den dortigen Verweis zu einem taz-Artikel mit der damaligen Überschrift [4] "Deutschland wacht auf" reagiert hatte.
Rechte drohen die Macht zu übernehmen und endlich wächst der antifaschistische Widerstand. Gerichte könnten ihn unterstützen. Pessimismus nicht.
taz-Teaser [5]
Norbert Bolz postete unter Bezugnahme auf diesen Artikel:
Gute Übersetzung von "woke": Deutschland erwache!
Welt [6]
Die Parole "Deutschland erwache" aus dem "Sturmlied" von Dietrich Eckart (WP [7]) gilt heute als verbotenes Propagandamittel ( – 86 StGB [8]).
Die Hausdurchsuchung bei Bolz verlief Medienberichten zufolge verhältnismäßig zurückhaltend.
Die Polizei erschien frühmorgens bei ihm und legte einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss vor. Die Beamten fotografierten seinen Rechner ab und ließen Bolz im Übrigen unbehelligt.
Spiegel [9]
Auf die Beschlagnahme digitaler Geräte wurde also verzichtet. Umso erstaunlicher, dass die staatsanwaltschaftlich veranlasste Aktion auf recht breite Kritik stieß.
Ricarda Lang, ehemalige Vorsitzende der Grünen, bezeichnete solche Razzien [10] als "absurd".
Auch in der taz, auf die Bolz reagiert hatte, wird Unverständnis geäußert:
Die taz wundert sich über das Vorgehen der Staatsanwaltschaft, hält eine Hausdurchsuchung wegen eines solchen Tweets für unverhältnismäßig und fragt sich, warum die Staatsanwaltschaft nicht schon 1998 bei der taz geklingelt hat, als wir titelten "Deutschland, erwache! [11]"
taz [12], Verlinkung im Original
In einem ausführlichen Stück erörtert der juristische Korrespondent des Spiegel, Dietmar Hipp, die Verhältnismäßigkeit der Hausdurchsuchung. Sein Fazit, nachdem er verschiedene Stimmen zu dem Fall konsultiert hat, kann man vielleicht so zusammenfassen [13]: formal alles im grünen Bereich, aber politisch fragwürdig, Stichwort: Kollateralschäden.
Von den medial berichteten Hausdurchsuchungen ist derzeit sicherlich vor allem eine im kollektiven Bewusstsein: die bei Rentner Stefan Niehoff in Bayern, ausgelöst durch einen Strafantrag des damaligen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck (LTO [14] und derzeit noch bei Wikipedia verewigt – es wurde Löschantrag wegen Irrelevanz gestellt – unter dem Stichwort "Schwachkopf-Affäre [15]".
Wer erfahren möchte, wie eine solche Hausdurchsuchung auf die betroffene Familie (nach-)wirkt und wie der mutmaßliche Straftäter eines Äußerungsdeliktes so lebt und denkt, sei auf den Dokumentarfilm von Alexander Tuschinski verwiesen (Youtube [16]).
Es geht bei den Fällen Bolz, Niehoff und anderen jedoch gar nicht so sehr um Details, die im Ergebnis nie objektiv, also von jedem nachvollziehbar einheitlich bewertet werden können.
Es geht um Grundfragen der viel beschworenen Demokratie, der pluralen Gesellschaft, der Meinungsäußerungsfreiheit. Und es geht um die praktische Handhabung des Rechtssystems.
Das erste Problem: Gesetze und Verordnungen sind regelmäßig abstrakt, sie lassen meist große Interpretationsspielräume. Das führt zum sogenannten Richterrecht: In einzelnen Verfahren – nicht nur des Strafrechts, sondern auch in allen anderen Feldern wie Zivil- und Verwaltungsrecht – wagen sich Spruchkammern mit genaueren Interpretationen hinaus, die hernach von anderen Gerichten übernommen werden.
Was ebenso regelmäßig unterbleibt: Dass sich die gesetzgebende Politik aufgrund öffentlicher Debatten veranlasst sieht, ihre Vorgaben zu konkretisieren, um die Volksweisheit zu entkräften: "Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand" (SWR [17]). Was ja meint: Niemand weiß, was passieren wird, es droht Willkür.
Die AfD versucht dies gerade in einem Teilaspekt unseres Themas mit einem Gesetzentwurf zur "Einschränkung der Zulässigkeit der Hausdurchsuchung bei Ehrverletzungsdelikten" (pdf [18]).
Die übrigen Parteien im Bundestag haben allerdings schon abgewinkt.
Nach der ersten Lesung wurde die Vorlage an den Rechtsausschuss zur weiteren Beratung überwiesen. Alle anderen Fraktionen haben in der Debatte den Vorstoß zurückgewiesen, die Möglichkeiten der Behörden zur Durchführung von Hausdurchsuchungen einzuschränken.
Bundestag [19]
Da demokratische Rechtsprechung stets "im Namen des Volkes" geschieht (WP [20] ist es keineswegs populistisch, wenn die Bürger Anpassungen der sie bindenden Gesetze fordern. Es darf halt nur gerade nicht nur um einen Einzelfall gehen. Aber ein solcher kann Grundlage für Veränderungen sein.
Die Unverletzlichkeit der Wohnung zählt immerhin zu den Grundrechten unserer von den meisten in diesem Land gelobten Verfassung. Da sollte es nicht nur zulässig, sondern zwingend notwendig sein, sich gemeinsam über Einschränkungen Gedanken zu machen, die über Floskeln eines allgemeinen Gesetzesvorbehalts hinausreichen.
Durchsuchungen dürfen nur durch den Richter, bei Gefahr im Verzuge auch durch die in den Gesetzen vorgesehenen anderen Organe angeordnet und nur in der dort vorgeschriebenen Form durchgeführt werden.
Art. 13 Abs. 2 GG [21]
Zweitens ist das Verfahren von Hausdurchsuchungen genauer zu bestimmen. Wenn der Staatsmacht eine Sache so wichtig ist, dass sie Bürger frühmorgens aus dem Bett zu holen gedenkt, dann sollte sie auch die Kapazitäten bereitstellen, den Sachverhalt sehr zügig zu prüfen.
Es ist inakzeptabel, wenn Wochen, Monate oder gar mehr als ein Jahr [22] vergehen, bis zur Beweissicherung im Haushalt beschlagnahmte Utensilien wieder zurückgegeben werden.
Kopien von Datenträgern lassen sich direkt vor Ort erstellen, dazu muss niemand (in diesem Stadium meist nur ein Verdächtiger, nicht einmal ein Angeschuldigter und erst recht noch kein Schuldiger) für lange Zeit auf seine Kommunikationsgeräte verzichten.
Wenn dies – etwa aufgrund von Verschlüsselungen – nicht möglich ist, sollte es gleichwohl binnen Stunden bis wenigen Tagen möglich sein, die behördliche Datensicherung abzuschließen.
De facto liegen die beschlagnahmten Gerätschaften meist nur unbearbeitet bei Polizei oder Staatsanwaltschaft herum, es wird nicht monatelang an ihrem Auslesen gearbeitet.
Aber wir kennen das aus den Gerichtsprozessen selbst: Bisher gibt es kein Anrecht auf zügige Bearbeitung. Wenn die entsprechenden Stellen behaupten, sie seien überlastet und kämen derzeit nicht dazu, sind unsere drei Staatsgewalten damit einverstanden. Es kann viele Jahre dauern, bis jemand zu seinem Recht kommt.
Drittens braucht es persönliche Verantwortlichkeiten. In diesem Punkt wird es den meisten Widerspruch geben. Aber auch wenn es abgedroschen klingen mag: Nur wer selbst "Skin in the game" (WP [23] hat, kann verantwortlich handeln.
Wer für sein Handeln nichts zu befürchten hat, handelt schnell verantwortungslos.
Wie das konkret aussehen könnte, will ich gar nicht vorschlagen. Aber eine grundsätzliche Debatte dazu ist längst überfällig.
Eine Hausdurchsuchung, die den Betroffenen nicht der den Anlass gebenden Straftat überführt hat (also ohne zufällige Nebenfunde, die man wohl in fast jedem Haushalt irgendwie machen könnte), muss für diesen schweren Grundrechtseingriff entschädigt werden. Und daran sind die dafür Verantwortlichen persönlich mindestens zu beteiligen.
In der FAZ [24] verweist Jürgen Kaube im Fall Bolz auf Ernst Theodor Amadeus Hoffmann.
Man reibt sich die Augen. Die "taz" verwendet ironisch den Indikativ der NS-Parole. Bolz macht darüber seinerseits einen Scherz, der "woke" für "aufgewacht" in einen Imperativ zurückübersetzt. Das kann man witzig finden oder nicht. Staatsanwälte und Richter, die hier den Anfangsverdacht einer Straftat erkennen, sollten ins Repetitorium [25] zurückgeschickt werden.
Wir empfehlen ihm (dem Berliner Amtsrichter, der den Durchsuchungsbeschluss ausgestellt hat – d.A.) die Lektüre nicht nur des Absatzes 4 (von – 86 StGB [26]), sondern von E. T. A. Hoffmanns "Meister Floh", in dem der gesinnungsschnüffelnde Hofrat Knarrpanti den denkwürdigen Satz ausspricht, "wenn erst der Verbrecher ermittelt sei, werde sich das begangene Verbrechen von selbst finden".
FAZ [27], (Verlinkungen nicht im Original)
Dass es so viel Kritik an dieser einen, kleinen Hausdurchsuchung gibt, ist zu begrüßen. Und dass dies über politische Lager hinweg geschieht, kann hoffnungsfroh stimmen.
Doch von den meisten der zigtausenden Hausdurchsuchungen pro Jahr erfahren wir nichts! Nichts über ihre Relevanz für die Strafverfolgung, nichts über die Auswirkungen bei Betroffenen, Beteiligten, Nachbarn, Arbeitgebern etc.
In einer Demokratie braucht es keine Ehrfurcht vor "dem Staat", und die Haltung, er würde schon wissen, was er tut, ist geradezu grotesk. Denn schließlich sind doch wir selbst "der Staat" [28].
Und wir sollten wissen, wie viele Dummheiten wir machen, wie oft wir mit Einschätzungen danebenliegen.
Ist es nicht mindestens ein wenig verrückt, bei der strafrechtlichen Bewertung von Aussagen völlig außer Acht zu lassen, was damit gesagt wurde [29]? Oder gesagt werden sollte (soweit es Verständnisprobleme beim Publikum gibt)?
Doch Staatsanwälte und Richter sind keine aseptischen Gerechtigkeitsautomaten, die nach Eingabe der Fakten eine Paragrafensammlung ausspucken. Juristen haben Überzeugungen, manche haben sogar eine politische Agenda und manchmal brechen diese Triebe wie geiles Kraut durch den Firnis der Rechtsstaatlichkeit.
Hendrik Wieduwilt, ntv [30]
Es gibt übrigens einen in diesem Zusammenhang immer noch wichtigen Text zur Parole "Deutschland erwache!" (WP [31]), 1930 von Kurt Tucholsky geschrieben.
Verstorbene können nicht mehr verurteilt werden (206a StPO [32]). Aber es wäre spannend, was Deutschland 2025 mit diesem Nazi-Verspotter machen würde.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/panorama/videosextern/sinnlose-hausdurchsuchungen-die-schnellschuesse-der-justiz-100.html[2] https://fragdenstaat.de/anfrage/hausdurchsuchungen/[3] https://web.archive.org/web/20190823182051/https://www.medienwissenschaft.tu-berlin.de/menue/mitarbeiter/lehrbeauftragtedozenten/apl_und_em_professoren/prof_dr_norbert_bolz/[4] https://web.archive.org/web/20240119090310/https://taz.de/AfD-Verbot-und-Hoecke-Petition/!5986524/[5] https://taz.de/AfD-Verbot-und-Hoecke-Petition/!5986524/[6] https://www.welt.de/politik/deutschland/plus68f9ecd1884e16ac997a4960/vorwurf-nazi-parole-polizei-durchsucht-haus-von-publizist-norbert-bolz.html[7] https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sturmlied&oldid=260935739[8] https://dejure.org/gesetze/StGB/86.html[9] https://www.spiegel.de/panorama/justiz/der-fall-norbert-bolz-was-man-noch-sagen-darf-und-was-nicht-a-5619ea7f-0ba1-4953-bc48-209588e6f1e9[10] https://x.com/Ricarda_Lang/status/1981378212614574491[11] https://taz.de/Deutschland-erwache/!1349848/[12] https://taz.de/Durchsuchung-wegen-Tweet/!6123842/[13] https://www.spiegel.de/panorama/justiz/der-fall-norbert-bolz-was-man-noch-sagen-darf-und-was-nicht-a-5619ea7f-0ba1-4953-bc48-209588e6f1e9[14] https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/hausdurchsuchung-strafantrag-robert-habeck-beleidigung-schwachkopf[15] https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schwachkopf-Aff%C3%A4re&oldid=260950835[16] https://www.youtube.com/watch?v=2xvAFT-7jJo[17] https://www.swr.de/kultur/sprache/woher-kommt-vor-gericht-und-auf-hoher-see-ist-man-in-gottes-hand-102.html[18] https://dserver.bundestag.de/btd/21/020/2102085.pdf[19] https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw41-de-hausdurchsuchungen-1113684[20] https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Im_Namen_des_Volkes&oldid=248024987[21] https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_13.html[22] https://www.ra-plahr.de/beschlagnahme-aufhebung-dauer.html[23] https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Skin_in_the_Game_(book)&oldid=1317141743[24] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/justiz-macht-sich-mit-durchsuchung-bei-norbert-bolz-laecherlich-110747986.html[25] https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Repetitorium&oldid=256217576[26] https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__86.html[27] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/justiz-macht-sich-mit-durchsuchung-bei-norbert-bolz-laecherlich-110747986.html[28] https://www.journalistenbuero.com/der-staat-sind-wir/[29] https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/norbert-bolz-durchsuchung-nsdap-parole-strafrecht-tabu[30] https://www.n-tv.de/politik/politik_wieduwilts_woche/Jede-Hausdurchsuchung-bei-Kolumnisten-staerkt-die-AfD-article26118008.html[31] https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Deutschland_erwache!_(Kurt_Tucholsky)&oldid=260929134[32] https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__206a.html
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International Thermonuclear Experimental Reactor (ITER) in Cadarache, Frankreich. Foto: Aerovista Luftfotografie, shutterstock
Im Zuge des Aktionsplans "Fusion 2040" plant die Bundesregierung das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland. Wird der Bau schneller fertig als Stuttgart 21?
Kernfusion verspricht saubere Energie: Man erhitzt ein Plasma auf ein paar hundert Millionen Grad, so dass Atomkerne verschmelzen und ein Vielfaches der investierten Energie abgeben. »Wenn die Sonne das hinkriegt, schaffen wir das bestimmt auch«, meinten Physiker schon früh im letzten Jahrhundert, als dieses Konzept erstmals erforscht wurde.
Die grundlegenden technischen Schwierigkeiten beim Erreichen der nötigen Temperaturen und der Eindämmung des Plasmas, damit es an Ort und Stelle bleibt, werde man früher oder später schon in den Griff bekommen.
Der Aktionsplan der Bundesregierung "Fusion 2040 [1]" umfasst neben einer unter Finanzierungsvorbehalt stehenden Förderung von 1,7 Milliarden Euro für die Fusionsforschung auch einen ungefähren Zeitplan: Der Bau eines Prototyps, der nicht nur ein für Experimente nutzbares Plasma liefert, sondern netto Energie erzeugt, ist für “die erste Hälfte der 30er bis Anfang der 40er Jahre“ geplant.
Experten wie Frank Fleschner, Pressesprecher des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Garching, gehen davon aus, dass es etwa 20 Jahre dauern wird, bis das erste Fusionskraftwerk stehen kann, jedoch nur “wenn wir jetzt richtig Gas geben“. Das ist ein wesentlicher Unterschied bezüglich der Zeitabgaben, der zu genauerem Hinschauen einlädt.
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder ist bekennender Fusions-Fan. Für 100 Millionen wurden bereits neue Lehrstühle und Studiengänge in Augsburg, Erlangen und München in Angriff genommen [2]. Herr Söder wünscht sich, dass das erste funktionierende Fusionskraftwerk der Welt in Bayern entsteht.
Sein Interesse an Endlagern für radioaktive Abfälle aus Kernkraftwerken ist hingegen deutlich geringer – und da auch Fusionsreaktoren nach heutigem Kenntnisstand (schwach) strahlende Abfälle erzeugen könnten, kann der Rest der Bundesrepublik ja schon mal nach geeigneten Entsorgungsmöglichkeiten Ausschau halten.
Natürlich besteht kein Zweifel daran, dass ein Land wie Deutschland, dessen lukrativste Ressourcen eher schlaue Köpfe als seltene Rohstoffe sind, mit einer Vorreiterrolle in einer sagenhaften Schlüsseltechnologie glänzende Geschäfte machen könnte. Besser gesagt: Die Energieunternehmen, die die Fusionsreaktoren betreiben.
Während einige Start-ups wie Proxima Fusion oder Gauss Fusion (beide in Bayern ansässig) mit teils noch optimistischeren Zeitplänen als die Bundesregierung schon in die konkrete Planung einsteigen, zögern etablierte Energieunternehmen.
Das verwundert nicht, wenn man sich den ehrgeizigen Plan mit Instrumenten der Zukunftsforschung anschaut – etwa Technologiefolgen-Abschätzung und Nutzwertanalyse – anschaut:
Die Zukunftsforschung entwickelt gerne Szenarien entlang von Trends, und die Fusionsforschung ist ohne Zweifel ein solcher. Denn auch China forscht an der Technik. Das Land hat ein großes Interesse daran, seinen Energiebedarf künftig sauberer zu erzeugen als jetzt.
Als im Januar 2025 der experimentelle Fusionsreaktor EAST in Hefei, China, knapp 18 Minuten lang [3] ein Plasma mit 100 Millionen Kelvin aufrechterhielt, war das ein Meilenstein der Fusionsforschung.
Gerüchteweise entsteht in Mianyang derzeit ein chinesisches Laserfusions-Experiment, von dem bis auf ein paar Satellitenaufnahmen nicht viel bekannt [4] ist. Ob das Experiment wirklich zur Erforschung der Laserfusion dient oder doch eher die Wirkung von Atomwaffen testen soll, ist nicht ganz klar.
Ersteres scheint aber eher zum Fünfjahresplan der chinesischen Regierung zu passen, deren Ambitionen im Hinblick auf CO₂-Einsparungen dem Rest der Welt die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte.
Eine wichtige Anforderung an Kraftwerke der Zukunft ist die Möglichkeit, sie schnell ab- und wieder anzuschalten, um natürliche Lücken in der Versorgung mit erneuerbaren Energien (insbesondere Sonne und Wind) zu füllen, denn schon heute steht in günstigen Stunden mehr Strom zur Verfügung, als gebraucht wird.
Ein Fusionsreaktor müsste also womöglich erst bei Sonnenuntergang hochgefahren werden und wieder runter, wenn er nicht mehr gebraucht wird. Ob diese Flexibilität so ohne Weiteres machbar ist, würde im Moment wohl kein Physiker ernsthaft versprechen.
Der Bau eines funktionierenden Fusionskraftwerks ist eine Aufgabe von erheblicher Komplexität. Die teils noch ungelösten Details wie die Versorgung mit den nötigen Mengen an Brennstoff (Tritium), der Wirtschaftlichkeit in Anbetracht der immensen Investitionen sowie die Frage der Integration in die Stromwirtschaft wirken noch recht berechenbar.
Aber die Technikfolgenabschätzung stellt noch mehr kritische Fragen: Was genau werden denn die Anwohner sagen, wenn sie erfahren, dass demnächst in ihrer Nachbarschaft ein Kraftwerk entsteht, das eine Art Mini-Sonne in einer supraleitenden Magnetspule beherbergt? Wohlgemerkt sind sachlich betrachtet die Risiken eines Fusionskraftwerks geringer als die eines Kernkraftwerks.
Aber wir leben bekanntlich in einer Zeit, in der Fakten leider nur eine von mehreren gleichwertigen Meinungen sind. Und spätestens wenn sich eine Oppositionspartei mit überschaubarem Interesse an Tatsachen erst mal Ängste vor Katastrophenszenarios schürt, dürften erhebliche Widerstände in der Bevölkerung die Liste der Probleme bereichern.
Zudem gilt: Wenn wir eines über deutsche oder auch europäische Großprojekte wissen, dann dass die ursprünglich veranschlagten Kosten und Bauzeiten gerne um mehrere Größenordnungen übertroffen werden. Da muss man nicht einmal den Berliner Flughafen oder den Stuttgarter Tiefbahnhof zum Vergleich heranziehen.
Seit 2007 wird nämlich in Südfrankreich ein internationaler Forschungsreaktor namens Iter gebaut. Nach diversen Verzögerungen ist dessen Inbetriebnahme aktuell für frühestens 2034 geplant. Ursprünglich war 2016 angedacht. Doch soll er dann nicht etwa der Energieerzeugung dienen, sondern nur für erste Plasmaexperimente.
Herrn Söders Wunsch-Fusionskraftwerk würde also den ITER gewissermaßen alt aussehen lassen und im Wunschszenario locker überholen. Die ursprünglich geplanten Kosten von 5,5 Mrd. Euro für die Fertigstellung von ITER sind schon längst aufgebraucht, inzwischen kann man von Gesamtkosten im Bereich 50 Mrd. ausgehen.
Für diesen Betrag könnte man etwa 100 Millionen Balkonsolaranlagen mit einer Nennleistung von zusammengenommen ungefähr 80 Gigawatt kaufen. Zum Vergleich: Ein Fusionskraftwerk, das die abgestrahlte Energie letztlich durch einen Wasserkreislauf und Turbinen in Strom umwandeln muss, käme auf eine Leistung von 1 bis 1,5 Gigawatt.
Den Vergleich der Kosten pro Gigawatt mit jenen von Solar- oder Windkraftanlagen überlasse ich Ihnen. Aber so eine Grundsteinlegung bietet sicher Gelegenheit für tolle Selfies, und das ist ja auch schon mal was.
URL dieses Artikels:https://www.heise.de/-10859097
Links in diesem Artikel:[1] https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Publikationen/DE/7/890132_Foerderprogramm_Fusion_2040.html[2] https://www.br.de/nachrichten/bayern/bayern-will-fuer-100-millionen-kernfusion-erforschen,UcVv342[3] https://www.telepolis.de/features/Kernfusion-Chinas-kuenstliche-Sonne-stellt-neuen-Weltrekord-auf-10259479.html[4] https://www.derstandard.de/story/3000000257065/baut-china-im-geheimen-gerade-einen-der-groessten-kernfusionsreaktoren-der-welt
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(Bild: n.k.junky / Shutterstock.com )
Halloween vereint keltische und christliche Traditionen. Die Kelten feierten Samhain, das Christentum formte Allerheiligen. Was bleibt vom ursprünglichen Brauchtum?
Das schaurige Halloween-Fest am 31. Oktober hat eine lange und facettenreiche Geschichte. Seine Ursprünge gehen auf die heidnischen Kelten zurück, deren Bräuche später vom Christentum übernommen und umgedeutet wurden. Noch heute finden sich Elemente verschiedener religiöser Traditionen im modernen Halloween-Brauchtum.
Der Name "Halloween" stammt vom englischen "All Hallows’ Eve", dem Vorabend von Allerheiligen. Doch die Wurzeln des Festes reichen viel weiter zurück: Vor rund 2.000 Jahren feierten die Kelten auf den Britischen Inseln am 31. Oktober "Samhain", das Ende des Sommers und den Beginn eines neuen Jahres.
Wie der Archäologe Daniel Curley erklärt [1], glaubten die Kelten, dass sich in dieser Nacht die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten auflöste. Geister und Dämonen konnten in die Welt der Menschen eindringen. Um sich vor ihnen zu schützen, entzündeten die Kelten große Feuer und verkleideten sich als Geister.
Zu den Samhain-Ritualen gehörten auch Opfergaben. Sie sollten die Geister der "Anderswelt" milde stimmen. Eine zentrale Rolle spielte dabei der Ort Rathcroghan im heutigen Irland. Dort befand sich die Höhle Oweynagat, die als Tor zur Unterwelt galt.
Mit der Christianisierung Europas übernahm die Kirche viele heidnische Bräuche und deutete sie um. So erklärte Papst Gregor IV. im 9. Jahrhundert den 1. November zum Allerheiligentag. Aus dem Vorabend, dem heidnischen Samhain, wurde "All Hallows’ Eve" – Halloween.
Trotz des neuen Namens lebten viele Samhain-Traditionen weiter, wie Historiker Jack Santino erklärt [2]:
Viele mit Samhain zusammenhängende traditionelle Überzeugungen und Bräuche, hauptsächlich jene, dass dies die Nacht der wandernden Toten war, sowie das Verteilen von Essen und Trinken an die maskierten und kostümierten Feiernden und das Anzünden von Feuern wurden nach wie vor am 31. Oktober gefeiert.
Um den heidnischen Totenkult weiter zu christianisieren, führte die Kirche im 10. Jahrhundert zusätzlich den Allerseelentag am 2. November [3] ein. An diesem Tag sollte aller Verstorbenen gedacht werden. So entstand ein dreitägiges Fest mit keltischen und christlichen Elementen.
Im 19. Jahrhundert brachten irische Einwanderer Halloween in die USA. Dort entwickelte es sich zu dem Spektakel, das wir heute kennen: mit Kostümen, "Süßes oder Saures" und geschnitzten Kürbissen [4].
Dennoch sind auch im modernen Halloween noch Spuren seiner religiösen Wurzeln erkennbar – vom Verkleiden, um böse Geister abzuschrecken, bis zum Gedenken an die Toten.
So hat sich Halloween im Laufe der Jahrhunderte zu einem Fest entwickelt, das verschiedenste religiöse und kulturelle Einflüsse in sich vereint. Dahinter steht die uralte Faszination des Menschen für die geheimnisvolle Welt zwischen Leben und Tod. Ob Kelten, Christen oder moderne "Gruselfreunde" – sie alle eint der Wunsch, einmal im Jahr einen Blick hinter den Schleier des Jenseits zu werfen.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2021/10/rathcroghan-tor-zur-anderswelt-wiege-von-halloween[2] https://www.vision.org/de/halloween-uraltes-neu-aufgemischt-651[3] https://www.thuneramtsanzeiger.ch/saisonmagazin/2019-09/was-haben-allerheiligen-und-halloween-mit-samhain-zu-tun[4] https://www.heise.de/tp/features/Halloween-Von-keltischen-Wurzeln-zum-globalen-Phaenomen-9979319.html
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(Bild: Nuno Andre/Shutterstock.com)
Neue Details zum Cyberangriff auf Collins Aerospace: Alte Passwörter ermöglichten Datenklau, wohl Millionen Passagierdaten betroffen – mehr als nur Ransomware.
Der Cyberangriff, der Ende September den Flugverkehr an mehreren europäischen Flughäfen beeinträchtigte, zeichnet sich durch eine höhere Komplexität aus als zunächst angenommen. Während der Betreiber Collins Aerospace offiziell einen Ransomware-Angriff meldete, behauptet die Hackergruppe Everest, lediglich Daten über einen unsicheren FTP-Server abgezogen zu haben.
Die ursprüngliche Meldung Ende September 2025 schien eindeutig: Ein Cyberangriff auf das Passagierabfertigungssystem "MUSE" von Collins Aerospace hatte den Betrieb an Flughäfen wie Berlin (BER) oder Brüssel beeinträchtigt [1]. Die offizielle Erklärung lautete Ransomware, was eine Notabschaltung der Systeme zur Folge hatte. Doch eine abweichende Darstellung der Hackergruppe Everest lenkt den Fokus nun auf einen weiteren, nicht minder gravierenden Vorfall.
Laut eigenen Angaben verschaffte sich Everest bereits am 10. September Zugang zu einem FTP-Server (ftp.arinc.com) von Collins Aerospace. Die dafür genutzten Zugangsdaten waren auffallend simpel: Der Benutzername lautete aiscustomer, das Passwort muse-insecure. Besonders brisant: Die Analyse der Sicherheitsfirma Hudson Rock [2] führt die kompromittierten Credentials auf eine Infostealer-Infektion von einem Mitarbeiter-PC aus dem Jahr 2022 zurück. Dass dieses Einfallstor offenbar über Jahre offenstand und simple Standardpasswörter nicht geändert wurden, wirft ein schlechtes Licht auf die Sicherheitskultur des Unternehmens.
Über diesen Zugang will die Gruppe mehr als 50 Gigabyte an Daten abgezogen haben. Auffällig ist der Zeitverzug: Obwohl die Daten bereits am 10. September kopiert wurden, scheint eine ernsthafte Reaktion seitens RTX/Collins Aerospace erst über eine Woche später erfolgt zu sein. Everest legt dar, dass Verhandlungen mit einem Unterhändler von Collins Aerospace begannen, aber zwischen dem 18. und 24. September abbrachen – genau in dem Zeitfenster, in dem Collins die Systeme komplett herunterfuhr.
(Bild: Everest)
Die Auswirkungen des Datenlecks werden zunehmend sichtbar. Wie die Irish Times [3] berichtet, sind potenziell Millionen von Passagieren betroffen, die im August den Flughafen Dublin nutzten. Die Dublin Airport Authority (DAA) bestätigte, dass Boarding-Pass-Informationen aus diesem Zeitraum kompromittiert wurden. Airlines wie SAS haben bereits damit begonnen, Kunden zu informieren.
Auch deutsche Reisende und Mitarbeiter dürften betroffen sein. Zumindest sind auf Screenshots, die Everest veröffentlicht hat, auch de-Domains und deutschsprachige Kontennamen zu erkennen. In Deutschland arbeiten vorwiegend Eurowings, Lufthansa City Airlines, Condor, EasyJet und Ryanair über Flughäfen wie BER, Köln/Bonn und Münster mit dem MUSE‑System. Es bleibt unklar, wie viele Personen aus dem DACH-Raum darunter sind, es ist jedoch davon auszugehen. Mit den erbeuteten Daten sind Identitätsdiebstahl und gezielte Phishing-Angriffe denkbar.
(Bild: Everest)
Auf der anderen Seite stehen die offiziellen Meldungen, die von einem Ransomware-Angriff sprechen. So meldete der Mutterkonzern RTX in einer Pflichtmeldung an die US-Börsenaufsicht SEC [4] einen entsprechenden Vorfall. Diese Angabe wird durch das britische National Cyber Security Centre (NCSC) gestützt. Dessen Direktor, Dr. Richard Browne, erklärte laut einem Bericht von Cyber Daily [5] am 23. September, dass dem NCSC sowohl der Angreifer als auch der verwendete Malware-Stamm bekannt sei.
Allerdings wird der Begriff Ransomware nicht immer trennscharf verwendet. Während er oft eine Verschlüsselung durch Malware impliziert, nutzen Unternehmen ihn in ihrer öffentlichen Kommunikation auch für Vorfälle, bei denen Daten lediglich gestohlen und mit einer Löschung oder Nicht-Veröffentlichung erpresst werden. Aus dieser Perspektive könnte die offizielle Meldung von Collins/RTX technisch korrekt, aber irreführend sein. Die späte Reaktion – der FTP-Zugang wurde erst eine Woche nach dem Datenabzug geschlossen – deutet auf interne Kommunikationsprobleme oder inkompetente Handhabung des Vorfalls hin. Anstatt von zwei parallelen Angriffen auszugehen, könnte es sich also um einen einzigen, aber schlecht gemanagten Vorfall handeln, bei dem die Notabschaltung der Systeme eine späte Maßnahme war, um die Kontrolle zurückzugewinnen und das Ausmaß des Schadens zu prüfen.
(Bild: Screenshot heise medien)
Everest selbst distanziert sich ausdrücklich von jeglicher Ransomware-Aktivität. Auf ihrer Seite im Tor-Netzwerk heißt es dazu wörtlich:
"Our current position on ransomware: Our group does not use or distribute ransomware. Many are aware that we have not used ransomware for many years and have not announced any plans to do so in the future."
Diese Abgrenzung würde zum strategischen Wandel der Gruppe in den vergangenen Jahren passen, die laut Berichten inzwischen eher als spezialisierter Initial Access Broker agiert. Dennoch muss man sich fragen, inwieweit man den Aussagen der Cyberkriminellen trauen kann. Die mangelnde Transparenz von Collins Aerospace seinen Partnern gegenüber wird unterdessen durch Recherchen des IT-Sicherheitsexperten Kevin Beaumont untermauert. Er schrieb auf Mastodon [6], dass mindestens eine der betroffenen Fluggesellschaften nicht über den Diebstahl ihrer Daten informiert worden war.
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Cyberangriff-behindert-europaeische-Flughaefen-auch-BER-betroffen-10663553.html
[2] https://www.hudsonrock.com/blog/5532
[3] https://www.irishtimes.com/ireland/2025/10/24/millions-of-passengers-could-be-affected-by-cyber-breach-at-dublin-airport-supplier/
[4] https://www.sec.gov/ix?doc=/Archives/edgar/data/101829/000010182925000036/rtx-20250919.htm
[5] https://www.cyberdaily.au/security/12814-exclusive-passenger-and-employee-data-allegedly-compromised-in-collins-aerospace-hack
[6] https://cyberplace.social/@GossiTheDog/115428309301867837
[7] https://aktionen.heise.de/heise-security-pro?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[8] mailto:vza@heise.de
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Ki-generierte Grafik.
Eine Studie der University of Maryland deckt auf: 91 Prozent der US-Zeitungen verschweigen den Einsatz komplett – trotz Leser-Misstrauen.
Eine aktuelle Untersuchung der University of Maryland [1] deckt auf, wie stark Künstliche Intelligenz bereits den amerikanischen Journalismus durchdringt. Laut der im Oktober 2025 veröffentlichten Studie sind rund neun Prozent aller neu publizierten Zeitungsartikel in den USA teilweise oder vollständig KI-generiert.
Die Forscher um Jenna Russell und Mohit Iyyer analysierten dafür mehr als 186.000 Artikel aus 1.528 Zeitungen, die zwischen Juni und September 2025 online erschienen.
Die Wissenschaftler klassifizierten jeden Artikel in eine von drei Kategorien: "human-written" (von Menschen verfasst), "mixed" (gemischte Autorenschaft) oder "AI-generated" (KI-generiert). Während 90,9 Prozent der Texte als rein menschlich geschrieben eingestuft wurden, wiesen 3,9 Prozent Merkmale gemischter Autorenschaft auf. Weitere 5,2 Prozent stammten vollständig aus Künstlicher Intelligenz.
Für die Analyse nutzten die Forscher Pangram, einen hochpräzisen KI-Detektor mit einer Fehlerquote von nur 0,001 Prozent bei Nachrichtentexten.
Kleine Lokalzeitungen mit einer Auflage unter 100.000 Exemplaren weisen mit 9,3 Prozent einen deutlich höheren Anteil an KI-Inhalten auf als große überregionale Blätter mit nur 1,7 Prozent.
Regional konzentriert sich die KI-Nutzung besonders auf die mittleren Atlantikstaaten und den Süden der USA. Maryland führt mit 16,5 Prozent KI-Anteil, gefolgt von Tennessee mit 13,6 Prozent.
Wetterberichte weisen mit 27,7 Prozent die höchste KI-Wahrscheinlichkeit auf. Auch Artikel über Wissenschaft und Technologie (16,1 Prozent) sowie Gesundheitsthemen (11,7 Prozent) werden häufig automatisiert erstellt. Bei sensiblen Themen wie Konflikten (4,3 Prozent), Kriminalität (5,2 Prozent) oder Religion (5,3 Prozent) halten sich die Redaktionen zurück.
Advance Publications setzt bei Wetterberichten zu 74,4 Prozent auf Künstliche Intelligenz. Die Mediengruppe Boone Newsmedia nutzt KI am breitesten: 58,3 Prozent ihrer Technik-Artikel sind maschinell erstellt.
Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei Meinungsbeiträgen renommierter Zeitungen. Die Wissenschaftler untersuchten 45.000 Meinungsartikel der New York Times, der Washington Post und des Wall Street Journal. Zwischen Juni und September 2025 enthielten 4,56 Prozent dieser Texte KI-generierte Inhalte – 6,4-mal mehr als zeitgleich erschienene Nachrichtenartikel derselben Blätter.
Der Anstieg verlief rasant: Während 2022 praktisch keine KI-Spuren nachweisbar waren, erreichte der Anteil 2025 bereits 3,4 Prozent. Vor allem Gastautoren – Politiker, Manager und Wissenschaftler – greifen auf Künstliche Intelligenz zurück. Unter den KI-nutzenden Gastautoren finden sich prominente Namen wie der ehemalige US-Vizepräsident Mike Pence oder die Kongressabgeordnete Elise Stefanik.
Für eine Langzeitanalyse identifizierten die Wissenschaftler zehn erfahrene Reporter, die sowohl vor als auch nach der Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 publizierten. Vor 2023 lag die KI-Nutzung dieser Journalisten bei nahezu null Prozent.
Bis 2025 stieg sie im Durchschnitt auf über 40 Prozent. Der produktivste Autor publizierte 2025 zu 90,1 Prozent Artikel mit KI-Beteiligung.
Von 100 manuell geprüften KI-markierten Artikeln aus unterschiedlichen Zeitungen offenbarten nur fünf die Verwendung Künstlicher Intelligenz. Lediglich sieben der untersuchten Zeitungen verfügen überhaupt über öffentliche Richtlinien zum KI-Einsatz. 91 Prozent der Publikationen schweigen sich komplett aus.
Selbst Zeitungen mit klaren Regeln halten sich nicht immer daran. Die New York Post und die Michigan Daily verbieten Künstliche Intelligenz explizit, veröffentlichten aber dennoch KI-generierte Artikel.
Die Forscher fordern klare Offenlegungsstandards. Redaktionen sollten öffentlich darlegen, welche KI-Nutzung ohne Offenlegung akzeptabel ist, welche Offenlegung erfordert und was komplett verboten bleibt. Für Meinungsbeiträge empfehlen die Wissenschaftler, dass Autoren bei Einreichung Auskunft über KI-Einsatz geben.
Umfragen des Pew Research Center zeigen: 56 Prozent der Amerikaner hätten weniger Vertrauen in einen Nachrichtenartikel, wenn sie wüssten, dass Künstliche Intelligenz ihn schrieb. 76 Prozent halten es für extrem wichtig, zu wissen, ob ein Text KI-generiert ist.
Die Untersuchung liefert die bisher umfassendste Analyse KI-generierter Texte im amerikanischen Journalismus. Sie zeigt: Künstliche Intelligenz verändert bereits jetzt journalistische Praktiken im ganzen Land – doch Leser erfahren davon fast nichts.
Disclaimer: Der Beitrag wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.
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Links in diesem Artikel:[1] https://arxiv.org/pdf/2510.18774
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Illustration: Shutterstock.com
Seltene Erden sind das neue Öl des 21. Jahrhunderts. China dreht den Hahn zu – und verlangt tiefe Einblicke in deutsche Produktionsgeheimnisse.
Chinas neue Exportbeschränkungen für Seltenerdmetalle [1] treffen die deutsche Industrie mit größerer Wucht.
Seit Oktober benötigen ausländische Unternehmen eine Genehmigung aus Peking, um Produkte mit diesen kritischen Rohstoffen zu exportieren. Für militärische Zwecke ist der Export komplett untersagt, wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) [2] berichtet.
Die Abhängigkeit ist enorm: Über 90 Prozent der in Europa verbrauchten Seltenerdmagnete stammen aus China, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen [3].
Die Mineralien sind elementar für Elektroautos, Haushaltsgeräte, KI-Chips, Rechenzentren, Windturbinen und die Rüstungsindustrie.
Besonders brisant sind die Informationen, über die Bloomberg [4] aktuell berichtet.
Demnach müssen deutsche Unternehmen äußerst detaillierte, vertrauliche Daten einreichen, um eine sechsmonatige Einfuhrlizenz für seltene Erden zu erhalten. Die Formulare verlangen Produktfotos, Fertigungsdiagramme, Kundendaten und Produktionsprognosen für die nächsten drei Jahre.
Diese Informationen könnten Peking helfen, Deutschlands Verwundbarkeit zu kartieren und aufzuzeigen, welche Firmen nur einen chinesischen Zulieferer haben oder geringe Lagerbestände vorhalten, wird Rebecca Arcesati vom China-fokussierten Think Tank Merics von Bloomberg zitiert.
Das Bundeswirtschaftsministerium betrachtet "die fortlaufende Ausweitung der chinesischen Exportkontrollen mit großer Sorge" und nutzt "alle verfügbaren Kanäle", um die Angelegenheit anzusprechen, wird die Sprecherin Luisa-Maria Spoo wiedergegeben.
Die Auswirkungen zeigen sich bereits: Eine September-Umfrage der Europäischen Handelskammer in China unter 22 Unternehmen ergab, dass nur 19 von 141 Ausfuhranträgen genehmigt wurden. Das dürfte laut Bloomberg [5] 46 Produktionsstillstände verursachen und bis Dezember weitere zehn, wie Bloomberg berichtet.
Zusätzlich verschärft der Konflikt um den niederländischen Chiphersteller Nexperia die Lage. China verhängte einen Exportstopp für das Unternehmen, nachdem die niederländische Regierung die Kontrolle übernommen hatte.
"Die Situation könnte zu erheblichen Produktionsbeschränkungen, möglicherweise sogar zu Produktionsstillständen in naher Zukunft führen", warnte Hildegard Müller, Vorsitzende des deutschen Automobilverbands VDA.
Als Antwort kündigte von der Leyen das "ResourceEU" genannte Vorhaben an, das dem Plan "RepowerEU" zur Energieunabhängigkeit von Russland ähnelt. Die EU will Partnerschaften mit Ländern wie Australien, Kanada, Chile, Grönland, Kasachstan, Usbekistan und der Ukraine beschleunigen, berichtet das Handelsblatt [6].
Ein wichtiger Baustein sei das Recycling, verspricht die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen [7]: "Manche Unternehmen können bis zu 95 Prozent von kritischen Rohstoffen und Batterien recyceln."
Die EU will außerdem Investitionen in strategische Projekte für die Produktion und Verarbeitung kritischer Rohstoffe in Europa fördern.
Doch die Umsetzung stockt. Der vor einem Jahr mit einer Milliarde Euro ausgestattete deutsche Rohstofffonds hat noch kein einziges Projekt genehmigt, kritisiert die FAZ [8]. 50 Interessensbekundungen liegen vor, doch erst im Juli wurde die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC mit der Prüfung betraut.
Der BDI [9] fordert Reformen: Das Regelwerk sei zu bürokratisch, die Mindestgrenze von 50 Millionen Euro zu hoch angesetzt. "Deutschland und die EU müssen risikobereiter werden, wenn es darum geht, Rohstoffprojekte zu erschließen und abzusichern", mahnt der Verband.
Japan zeigt, wie es anders geht. Nach einem chinesischen Exportverbot für seltene Erden 2010 reduzierte das Land seine Abhängigkeit von China von 90 auf 60 Prozent. Neue Lieferanten, mehr Recycling und findige Ingenieure, die Ersatzmaterialien fanden, halfen dabei, berichtet die FAZ [10].
Einige deutsche Unternehmen sind bereits aktiv geworden. Erik Eschen von der Hanauer Vacuumschmelze hat für militärische Aufträge eine separate Lieferkette mit Bergbaukonzernen in Australien und Südamerika sowie Raffinerien in Japan und den USA aufgebaut. Rheinmetall verfügt nach eigenen Angaben über "stabile und sichere Lieferketten" und sichert Bedarfe "durch strategische Einkäufe und Lagerhaltung für mehrere Jahre ab".
Die Zeit drängt. Wie die FAZ in einem Kommentar, betitelt mit Berlin hat die Rechnung ohne China gemacht [11] warnt: "Bis Lieferketten diversifiziert, geschweige denn eigene Minen gebaut sind, vergehen Jahre."
Die Abhängigkeit von den seltenen Erden entwickelt sich zu einem geopolitischen Risiko, das die EU und insbesondere Deutschland nun unter Druck setzt, ihre Rohstoffstrategien neu auszurichten.
Überzeugende Lösungen sind bislang nicht in Sicht. Die Krise um die Seltenen Erden zeigt, wie eng wirtschaftliche und geopolitische Abhängigkeiten miteinander verflochten sind.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.ardalpha.de/wissen/umwelt/nachhaltigkeit/seltene-erden-seltenerdmetalle-metalle-rohstoffe-technologie-smartphones-china-100.html[2] https://bdi.eu/artikel/news/china-verschaerft-die-exportregeln-fuer-seltene-erden-dramatisch[3] https://www.handelsblatt.com/politik/international/seltene-erden-eu-will-mit-neuem-plan-abhaengigkeit-von-rohstoffen-aus-china-verringern/100168010.html[4] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-10-25/german-firms-hand-over-secrets-that-china-could-use-for-leverage[5] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-10-25/german-firms-hand-over-secrets-that-china-could-use-for-leverage[6] https://www.handelsblatt.com/politik/international/seltene-erden-eu-will-mit-neuem-plan-abhaengigkeit-von-rohstoffen-aus-china-verringern/100168010.html[7] https://www.stern.de/news/eu-plant-abkehr-von-verlass-auf-china-bei-kritischen-rohstoffen-36161764.html[8] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wie-die-industrie-die-lieferketten-sichert-accg-110748147.html[9] https://bdi.eu/artikel/news/china-verschaerft-die-exportregeln-fuer-seltene-erden-dramatisch[10] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wie-die-industrie-die-lieferketten-sichert-accg-110748147.html[11] https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/seltene-erden-berlin-hat-die-rechnung-ohne-china-gemacht-110747790.html
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Seltene Erden sind das Rückgrat moderner Technologie – und Chinas Druckmittel im globalen Machtspiel. Was bleibt Europa, wenn seine Zukunft importiert ist?
Chinas neue Exportbeschränkungen für Seltenerdmetalle [1] treffen die deutsche Industrie mit größerer Wucht.
Seit Oktober benötigen ausländische Unternehmen eine Genehmigung aus Peking, um Produkte mit diesen kritischen Rohstoffen zu exportieren. Für militärische Zwecke ist der Export komplett untersagt, wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) [2] berichtet.
Die Abhängigkeit ist enorm: Über 90 Prozent der in Europa verbrauchten Seltenerdmagnete stammen aus China, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen [3].
Die Mineralien sind elementar für Elektroautos, Haushaltsgeräte, KI-Chips, Rechenzentren, Windturbinen und die Rüstungsindustrie.
Besonders brisant sind die Informationen, über die Bloomberg [4] aktuell berichtet.
Demnach müssen deutsche Unternehmen äußerst detaillierte, vertrauliche Daten einreichen, um eine sechsmonatige Einfuhrlizenz für seltene Erden zu erhalten. Die Formulare verlangen Produktfotos, Fertigungsdiagramme, Kundendaten und Produktionsprognosen für die nächsten drei Jahre.
Diese Informationen könnten Peking helfen, Deutschlands Verwundbarkeit zu kartieren und aufzuzeigen, welche Firmen nur einen chinesischen Zulieferer haben oder geringe Lagerbestände vorhalten, wird Rebecca Arcesati vom China-fokussierten Think Tank Merics von Bloomberg zitiert.
Das Bundeswirtschaftsministerium betrachtet "die fortlaufende Ausweitung der chinesischen Exportkontrollen mit großer Sorge" und nutzt "alle verfügbaren Kanäle", um die Angelegenheit anzusprechen, wird die Sprecherin Luisa-Maria Spoo wiedergegeben.
Die Auswirkungen zeigen sich bereits: Eine September-Umfrage der Europäischen Handelskammer in China unter 22 Unternehmen ergab, dass nur 19 von 141 Ausfuhranträgen genehmigt wurden. Das dürfte laut Bloomberg [5] 46 Produktionsstillstände verursachen und bis Dezember weitere zehn, wie Bloomberg berichtet.
Zusätzlich verschärft der Konflikt um den niederländischen Chiphersteller Nexperia die Lage. China verhängte einen Exportstopp für das Unternehmen, nachdem die niederländische Regierung die Kontrolle übernommen hatte.
"Die Situation könnte zu erheblichen Produktionsbeschränkungen, möglicherweise sogar zu Produktionsstillständen in naher Zukunft führen", warnte Hildegard Müller, Vorsitzende des deutschen Automobilverbands VDA.
Als Antwort kündigte von der Leyen das "ResourceEU" genannte Vorhaben an, das dem Plan "RepowerEU" zur Energieunabhängigkeit von Russland ähnelt. Die EU will Partnerschaften mit Ländern wie Australien, Kanada, Chile, Grönland, Kasachstan, Usbekistan und der Ukraine beschleunigen, berichtet das Handelsblatt [6].
Ein wichtiger Baustein sei das Recycling, verspricht die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen [7]: "Manche Unternehmen können bis zu 95 Prozent von kritischen Rohstoffen und Batterien recyceln."
Die EU will außerdem Investitionen in strategische Projekte für die Produktion und Verarbeitung kritischer Rohstoffe in Europa fördern.
Doch die Umsetzung stockt. Der vor einem Jahr mit einer Milliarde Euro ausgestattete deutsche Rohstofffonds hat noch kein einziges Projekt genehmigt, kritisiert die FAZ [8]. 50 Interessensbekundungen liegen vor, doch erst im Juli wurde die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC mit der Prüfung betraut.
Der BDI [9] fordert Reformen: Das Regelwerk sei zu bürokratisch, die Mindestgrenze von 50 Millionen Euro zu hoch angesetzt. "Deutschland und die EU müssen risikobereiter werden, wenn es darum geht, Rohstoffprojekte zu erschließen und abzusichern", mahnt der Verband.
Japan zeigt, wie es anders geht. Nach einem chinesischen Exportverbot für seltene Erden 2010 reduzierte das Land seine Abhängigkeit von China von 90 auf 60 Prozent. Neue Lieferanten, mehr Recycling und findige Ingenieure, die Ersatzmaterialien fanden, halfen dabei, berichtet die FAZ [10].
Einige deutsche Unternehmen sind bereits aktiv geworden. Erik Eschen von der Hanauer Vacuumschmelze hat für militärische Aufträge eine separate Lieferkette mit Bergbaukonzernen in Australien und Südamerika sowie Raffinerien in Japan und den USA aufgebaut. Rheinmetall verfügt nach eigenen Angaben über "stabile und sichere Lieferketten" und sichert Bedarfe "durch strategische Einkäufe und Lagerhaltung für mehrere Jahre ab".
Die Zeit drängt. Wie die FAZ in einem Kommentar, betitelt mit Berlin hat die Rechnung ohne China gemacht [11] warnt: "Bis Lieferketten diversifiziert, geschweige denn eigene Minen gebaut sind, vergehen Jahre."
Die Abhängigkeit von den seltenen Erden entwickelt sich zu einem geopolitischen Risiko, das die EU und insbesondere Deutschland nun unter Druck setzt, ihre Rohstoffstrategien neu auszurichten.
Überzeugende Lösungen sind bislang nicht in Sicht. Die Krise um die Seltenen Erden zeigt, wie eng wirtschaftliche und geopolitische Abhängigkeiten miteinander verflochten sind.
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(Bild: Aree_S / Shutterstock.com)
Ein Juraprofessor warnt: Studierende, die KI-Tools ignorieren, schreiben schlechtere Arbeiten – bei Sprache, Argumentation und Nachweisen.
In Schulen und Universitäten wird über geeignete Formen, Künstliche Intelligenz (KI) einzusetzen, diskutiert. Schüler und Studierende arbeiten bereits heute mit der Technologie.
"Nutzt ein Jurastudent KI gut, wird er unweigerlich eine bessere Arbeit schreiben als ein Student, der sich verweigert. Sei es die Sprache, die Argumentationsschärfe oder die Nachweisdichte", ist sich Georg Borges [1], Professor an der Universität des Saarlandes, sicher.
Er berichtet von einer Untersuchung gemeinsam mit Studenten der Rechtswissenschaften. Das Verhalten der jungen Menschen sei unterschiedlich. "Einige nutzen die Tools, ohne viel darüber nachzudenken, andere nutzen KI aus Angst nicht".
Borges will verstehen, "was die Studierenden damit anfangen können und welche Bedeutung dies für die Lehre hat". Wichtig ist, KI als Assistenzsystem zu nutzen. "Das Verbessern der eigenen Argumentation über KI setzt hohe Eigenverantwortlichkeit voraus", betont der Jurist.
Gerade Halluzinationen bereiten oft Probleme. Die KI-Ergebnisse müssen auch überprüft werden.
Wer so blöd ist und ein Ergebnis ungeprüft verwendet, der gehört nicht in unseren Beruf. Das sage ich mit dieser Brutalität und vielleicht auch überzogenen Schärfe. Ein KI-generiertes Ergebnis ungeprüft zu verwenden, ist unprofessionell. Ich benutze kein Ergebnis ohne Originalquelle.
"Zeitgemäße juristische Arbeitsmethoden" fordert Ole Neitzel [2], Rechtsreferendar am Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht.
Dies müsse jedoch bereits in der juristischen Ausbildung beginnen. Vieles hänge derzeit von der Initiative Einzelner ab. Viele bisherige Neuerungen, die im Kontext der Lehre und des Lernens nicht nur Vorschläge geblieben, sondern zur Umsetzung gelangt sind, gehen "vor allem auf studentische Initiativen zurück", betont Neitzel.
Der Rechtsreferendar sieht die Universitäten gefordert und hat Ideen, um das Lernen zu erleichtern. Bei der Examensvorbereitung könne ein interaktiver Lernassistent helfen: "Ein Chatbot, der über die bloße Karteikarten-Abfrage hinaus auch als Lernpartner fungiert".
Auch wäre eine Prüfungssimulation per Technik möglich. Es könne eine mündliche Prüfung simuliert werden, wobei ein Chatbot das Wissen prüft und "seine Rolle gegebenenfalls nach individuellen Vorgaben interpretieren kann".
Neitzel sieht den verstärkten Technikeinsatz als "Chance für den Sprung in die Gegenwart". Die Praxis sieht anders aus: Viele Gerichte scheitern schon an einfachen Formen der Digitalisierung.
Die E-Akte ist die digitale Form der traditionellen Papierakte. Ursprünglich sollte die neue Form der Akte bereits ab Januar 2026 bundesweit für alle Gerichte verpflichtend sein. Geworden ist daraus jedoch nichts. Viele Landesregierungen haben den Termin verschlafen.
Die Bundesregierung hat deshalb die Verschiebung mit dem Gesetzentwurf "zur Änderung der Vorschriften über die Einführung der elektronischen Akte in der Justiz und über die allgemeine Beeidigung von Gerichtsdolmetschern sowie zur Änderung des Stiftungsregisterrechts" möglich gemacht. Der Bundestag verschafft so den Bundesländern ein weiteres Jahr Zeit [3] bei der Einführung der elektronischen Akte.
Die Regelung ist sinnvoll, legt dabei aber Versäumnisse der Vergangenheit offen, schreibt der Deutsche Richterbund [4]. In vielen Bundesländern ist die Einführung der elektronischen Gerichtsakte sehr weit fortgeschritten – während "andernorts – trotz großer Anstrengungen der mit der Umsetzung in der Praxis befassten Kolleginnen und Kollegen – keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen worden, um die gesetzgeberische Verpflichtung zu erfüllen".
Während Juristen noch über den Technikeinsatz diskutieren, wächst in einer KI-erfahrenen Branche der Stress am Arbeitsplatz. Belastungen durch Digitalisierung und KI steigen – das ist das zentrale Ergebnis [5] einer von ver.di durchgeführten Befragung von Beschäftigten der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), an der dieses Jahres bundesweit rund 13.500 Beschäftigte teilgenommen haben.
"Organisationsveränderungen und digitaler Wandel, inklusive KI, verursachen Sorgen und verschärfen die Anforderungen bei den Beschäftigten", sagt Florian Haggenmiller, ver.di-Bundesfachgruppenleiter IKT. Rund zwei Drittel erleben, dass die Anforderungen an Wissen und Können im Zuge des digitalen Wandels steigen. Arbeitshetze und Zeitdruck sind für die Mehrheit der Befragten Alltagsrealität.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.lto.de/karriere/jura-studium/stories/detail/georg-borges-interview-ki-jurastudium-saarbruecken[2] https://www.lto.de/karriere/jura-studium/stories/detail/debatte-ueber-juristisches-pruefen-2030-ki-jurastudium-pruefungen-neue-formate[3] https://www.bmjv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/0903_E_Akte.html[4] https://www.drb.de/positionen/stellungnahmen/stellungnahme/news/6-2025[5] https://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++3215041e-a5d1-11f0-932d-a53840732b5b
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(Bild: Tatevosian Yana / Shutterstock.com )
Das Ritual hilft ihnen, Ängste zu überwinden und Machtverhältnisse umzukehren – mit Kostüm fühlen sie sich stark wie Superhelden.
Halloween hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland immer mehr etabliert. Im Jahr 2022 gab bereits fast jeder fünfte Befragte (18 Prozent) an, diesen Tag wichtig zu finden. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zustimmung damit noch einmal gestiegen – und kaum ein Jugendlicher findet, dass dadurch die deutsche Kultur verdrängt wird.
Deutlich wichtiger ist der Brauch in Nordamerika, wo er mit der irischen Einwanderung heimisch wurde. Für zwei Drittel der Kinder in den USA ist Halloween der schönste Feiertag des Jahres, wie eine Umfrage unter 5- bis 13-Jährigen [1] ergab. Die drei beliebtesten Aktivitäten sind demnach "von Tür zu Tür gehen" (75 Prozent), "sich verkleiden" (71 Prozent) und "viele Süßigkeiten bekommen" (66 Prozent). Das zeigt: Kinder lieben die Halloween-Traditionen.
Für viele Kinder hat Halloween eine besondere psychologische Bedeutung, wie Anthropologen erklären. Durch das Ritual "Süßes oder Saures" lernen sie spielerisch, ihre Ängste zu überwinden. "Sie müssen nicht nur ihre Angst vor der Dunkelheit überwinden, sondern auch die Angst, mit Fremden zu sprechen – und das alles vor der gruseligen Kulisse von Spinnweben und Grabsteinen", sagt Cindy Dell Clark [2] von der Rutgers University Camden.
Die Kostüme geben ihnen Selbstbewusstsein: Als Superheld oder Hexe verkleidet, fühlen sie sich so mächtig wie die Figur, die sie darstellen. Gleichzeitig können sie die üblichen Machtverhältnisse zwischen Kindern und Erwachsenen vorübergehend auf den Kopf stellen, indem sie an fremden Türen klingeln und Süßigkeiten verlangen – oder Streiche androhen.
Forscher haben in einer Studie mit über 1.000 Kindern in Chicago beobachtet, dass Halloween-Kostüme die Hemmschwelle senken: Kinder, die anonym in einer Gruppe unterwegs waren und nicht mit Namen angesprochen wurden, stahlen doppelt so viele Süßigkeiten wie Kinder, die identifiziert wurden.
"Wenn Kinder sich einer Gruppe zugehörig fühlen, werden die Normen der Gruppe als richtig empfunden", erklärt die Psychologin Zenobia Talati [3]. "Die Verkleidung und die Anonymität können sie dann dazu verleiten, den Gruppennormen eher zu folgen."
Bei aller Begeisterung gibt es auch kritische Stimmen – von den Kindern selbst. In einer Umfrage unter 750 Kindern [4] in den USA stimmten 78 Prozent der Aussage "Zu viele Süßigkeiten sind schlecht für mich" zu. 67 Prozent finden, dass sie an Halloween zu viele Süßigkeiten essen.
89 Prozent sagten, sie würden Halloween auch mögen, wenn es weniger um Süßigkeiten und mehr um anderen Spaß ginge. Überraschend: 93 Prozent würden lieber ein kostenloses Videospiel als Süßigkeiten bekommen, wenn es an der Tür klingelt. Ein Ansatz, über den Eltern vielleicht einmal nachdenken sollten.
Dennoch bleibt Halloween für viele Kinder das Nonplusultra. Denn sie dürfen nicht nur einen Abend lang in andere Rollen schlüpfen und die Erwachsenenwelt auf den Kopf stellen. Sie müssen auch Ängste überwinden, sich Herausforderungen stellen – und werden dafür belohnt. Kein Wunder, dass das Spaß macht.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.dentistryiq.com/dentistry/pediatric-dentistry/article/16362392/survey-kids-perceptions-of-halloween-include-too-much-candy-and-desire-for-other-types-of-treats[2] https://www.dw.com/en/power-to-the-monsters-why-halloween-is-a-psychological-ritual-for-kids-and-adults/a-36189877[3] https://phys.org/news/2014-10-behavior-trick-or-treating-children.html[4] https://www.dentistryiq.com/dentistry/pediatric-dentistry/article/16362392/survey-kids-perceptions-of-halloween-include-too-much-candy-and-desire-for-other-types-of-treats
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Ab Dezember 2025 soll Teams eine neue Funktion bekommen, die anzeigt, wo sich Mitarbeiter befinden: im WLAN-Netzwerk ihres Arbeitsplatzes oder im Homeoffice. Der Standortstatus der Benutzer soll sich dabei ohne manuelle Eingabe aktualisieren, wie Techradar berichtet . Der Bericht beruft sich auf die öffentliche Roadmap von Microsoft 365.
Der Hintergrund sei, dass Kollegen erkennen sollen, wenn Kommunikationspartner im Büro sind, um sie gegebenenfalls auch vor Ort treffen zu können. Kritiker sehen darin aber auch eine Überwachung, um festzustellen, welche Mitarbeiter vor Ort und welche remote arbeiten.
Aktuell werden zahlreiche Homeoffice-Regelungen hinterfragt, weil Unternehmen fordern, dass ihre Mitarbeiter wieder vor Ort arbeiten sollen. In großen Unternehmen ist das jedoch mitunter schwer zu kontrollieren – was die Funktion in Teams so brisant macht.
Microsoft selbst hat im September 2025 festgelegt, dass Mitarbeiter, die in einem Radius von 80 Kilometern zum Bürostandort wohnen, ab Februar 2026 mindestens 3 Tage pro Woche im Büro sein müssen. Als Argument wird angeführt, dass eine physische Zusammenkunft zu besseren Arbeitsergebnissen führe.
Microsoft hat noch einige andere Werkzeuge für die Überwachung am Arbeitsplatz vorgestellt. Dazu gehört das Copilot-Dashboard, das zeigt, welche Mitarbeiter wie häufig KI-Funktionen in Microsoft-Software und im Betriebssystem verwenden. Damit soll vordergründig die Akzeptanz für KI gemessen werden.
Ob die Standortaktualisierung in Teams von den Mitarbeitern nach der erforderlichen Einwilligung wieder deaktiviert werden kann oder ob festgelegt werden kann, was Kollegen und Vorgesetzte sehen dürfen, ist noch nicht bekannt.
Die EU-Kommission hatte im Juli 2023 ein förmliches Verfahren gegen das Unternehmen gestartet. Damit sollte untersucht werden, ob Microsoft unfairen Wettbewerb mit der Einbindung von Teams in seine Plattformen mit anderer Bürosoftware betreibt. Die Brüsseler Wettbewerbshüter zeigten sich dabei besorgt, dass Teams dadurch gegenüber anderen Diensten bevorteilt werden könnte. Als Reaktion auf diese Vorwürfe wurde Teams im Jahr 2023 von Office entkoppelt . Microsoft bot Office ohne Teams für 2 Euro weniger als das gebündelte Paket an, während Teams separat für 5 Euro pro Monat erhältlich war. Später wurde die Preisdifferenz vergrößert.
Mitte September 2025 wurde der Streit mit der EU-Kommission beigelegt, und Microsoft kam um eine Strafzahlung herum .

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) verlangt Informationen von Tesla zum Mad-Max-Fahrmodus. Dieser fährt aggressiver, wechselt die Spur auch mit weniger Abstand und soll Geschwindigkeitsbegrenzungen sowie Stoppschilder teils ignorieren. Berichte über diese Verstöße riefen nun die Behörde auf den Plan, wie Reuters berichtet.
Den Fahrmodus führte Tesla erstmalig 2018 ein, entfernte ihn schließlich allerdings wieder. In diesem Monat hat Tesla mit FSD 14.1.2 den Modus wieder zurückgebracht, kurz nachdem die NHTSA eine Untersuchung zur Sicherheit der 2,9 Millionen mit FSD ausgestatteten Teslas startete.
Tesla selbst scheint von diesem Modus überzeugt. Auf X repostete das Unternehmen einen Beitrag, der den Modus mit den Worten "[FSD] fährt deinen Wagen wie einen Sportwagen. Wenn du spät dran bist, ist das der richtige Modus für dich" beschreibt.
Die gestartete Untersuchung der NHTSA umfasst 58 Berichte über Verstöße gegen die Verkehrssicherheit mit FSD, darunter 14 Unfälle mit 23 Verletzten.
"Der Mensch hinter dem Steuer ist voll verantwortlich für das Führen des Fahrzeugs und die Einhaltung aller Verkehrssicherheitsvorschriften" , erklärte die Behörde. Man stehe mit Tesla in Kontakt, um weitere Informationen zu erhalten. Im Sommer 2025 erhielt Tesla eine Teilschuld an einem tödlichen Unfall mit aktiviertem Autopilot .

Nissan hat ein Kei-Car mit einem Solarpanelsystem ausgerüstet. Beim Basisfahrzeug handelt es sich um den Nissan Sakura, das meistverkaufte E-Mini-Auto Japans. Zur Reichweitensteigerung kann beim Parken ein Solardach ausgefahren werden, das über die Motorhaube hinweg ausfährt.
Das System mit dem Namen Ao-Solar Extender soll jährlich genug Solarstrom erzeugen, um eine Fahrleistung von bis zu 3.000 km zu ermöglichen, teilte der Hersteller mit.
Doch auch während der Fahrt arbeiten die Solarzellen: Dann wird das Dach zwar nicht ausgefahren, aber ein Teil des Panels befindest sich fest auf dem Dach. Im Stand liegt das Stromerzeugungspotenzial so bei etwa 500 Watt. Wie viel es während der Fahrt ist, verriet Nissan nicht.
Das ausgefahrene Panel spendet außerdem Schatten und verhindert, dass Sonnenlicht durch die Windschutzscheibe eindringt, wodurch die Temperatur im Innenraum sinkt und die Klimaanlage weniger zu tun hat.





Die Analyse der Fahrdaten von Sakura-Besitzern zeigt, dass viele von ihnen vor allem kurze Strecken für Besorgungen und Schulwege zurücklegen, was darauf hindeutet, dass Solarstrom für einen Großteil der Besitzer das Laden über das Stromnetz fast vollständig überflüssig machen könnte. Darüber hinaus kann das Solarsystem bei Katastrophen als Notstromquelle dienen.
Ob es der Prototyp in die Serie schaffen wird, ist jedoch noch nicht bekannt.
In den letzten Jahren haben mehrere Hersteller E-Autos mit Solarzellen ausgestattet, wobei es sich um Start-ups handelte. Allerdings gab das niederländische Elektroauto-Start-up Lightyear die Produktion seines Solarautos 2023 wieder auf. Das Unternehmen, das 2016 mit Plänen für den Lightyear One bekannt wurde, musste Anfang 2023 Konkurs anmelden.
Und auch Sono Motors scheiterte mit seinem Solarauto Sion, wofür es sogar ein Crowdfunding durchgeführt hatte. Die Folge: Die Kundengelder konnten nicht zurückgezahlt werden .
Das Autorentrio des "praktischen Leitfadens" liefert nicht etwa einen Tippkatalog, sondern will grundlegendes Bewusstsein für IT-Sicherheit schaffen.
Amanda Berlin, Lee Brotherston und William F. Reyor III werfen in ihrem Ratgeber, der bereits in zweiter Auflage erscheint, einen umfassenden Blick auf defensive IT-Sicherheit. Sie gehen das Thema nicht aus der Sicht potenzieller Angreifer an, sondern konzentrieren sich darauf, bei ihren Lesern das Bewusstsein für eine grundlegende Sicherheitsstruktur zu wecken.
Es geht ihnen vor allem um größtmöglichen Sicherheitsgewinn bei geringstmöglichem wirtschaftlichem Aufwand. Ihr Rat besteht nicht darin, teure Sicherheitssoftware anzuschaffen. Vielmehr klopfen sie viele Themen ab, an denen sich Risiken für physische und digitale Güter entscheiden. Insbesondere Verantwortlichen in Unternehmen zeigen sie einen Weg, sicherheitsbezogene Richtlinien und Abläufe zu schaffen.
Erst in zweiter Linie erfahren Leser etwas über konkrete Schutzmaßnahmen in unixoiden und Windows-Umgebungen. Die Autoren behandeln Server- und Desktopwelt getrennt, wobei sie nicht sonderlich tief vordringen. Sie beabsichtigen nicht etwa, einen Tippkatalog für Systemprofis zu liefern. Auf dem Desktop raten sie zu den üblichen Hilfsmitteln wie Firewalls und Laufwerksverschlüsselung, zudem legen sie ihrer Leserschaft nahe, regelmäßig Updates einzuspielen.
Ähnlich grundlegend geht es weiter bei Datenbanken und Cloudinfrastruktur: Zugangsmechanismen, Identitätsmanagement und Passwortsicherheit stehen im Vordergrund. Lobenswerterweise lenken die Autoren den Leserblick immer wieder auf internationale Standards und die damit verbundenen Verpflichtungen. Viele kurze Kapitel behandeln schließlich Netzwerksicherheit, Intrusion Detection, Schwachstellenmanagement und Programmiersprachen. Dabei stellen die Autoren wichtige Werkzeuge und gängige Lösungen zur Absicherung vor.
Das Buch wendet sich in erster Linie an Generalisten, die sich einen Überblick über typische Sicherheitsanforderungen für moderne IT-Systeme verschaffen wollen. Weil seine Kapitel voneinander unabhängig sind, eignet es sich gut zum Nachschlagen.
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[2] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Let-s-Code-Lua-10644099.html
[3] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-The-Magic-of-Code-10643378.html
[4] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Wer-schuetzt-unsere-Kinder-10632116.html
[5] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Wie-man-die-Premier-League-gewinnt-10632168.html
[6] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Maenner-die-die-Welt-verbrennen-10511580.html
[7] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Quantencomputing-fuer-Profis-10559743.html
[8] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Excel-Hacks-10504471.html
[9] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Digitale-Ethik-10504459.html
[10] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Generation-TikTok-10497030.html
[11] https://www.heise.de/tests/Buchkritik-Softwaredesign-und-Entwurfsmuster-10496994.html
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