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Methan-Lecks in den USA sind schlimmer, als bislang angenommen

Von heise online
Gaspipeline

(Bild: INSAGO / Shutterstock.com)

Methanemissionen sind einer der größten Treiber des Klimawandels. Mithilfe neue Technologien und Messungen spüren Forscher die größten Lecks langsam auf.

Alarmierende Ergebnisse sind es, auf die Forscherinnen und Forscher jüngst aufmerksam machen: Die Methanemissionen in den US-amerikanischen Öl- und Gasförderregionen sind in vielen Gebieten deutlich höher als von der US-Regierung geschätzt. Anhand von Messungen aus Flugzeugen haben die Forschenden eine der bisher umfassendsten Untersuchungen hinsichlicht Methan vorgenommen. Die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie [1] macht deutlich, dass dringend neue und bessere Methoden zur Erfassung des Treibhausgases benötigt werden.

Methanemissionen [2] sind für fast ein Drittel der gesamten bisherigen Erwärmung des Planeten verantwortlich. Zwar entweicht Methan auch natürlich, etwa in Feuchtgebieten [3], doch menschliche Aktivitäten wie die Landwirtschaft und die Produktion fossiler Brennstoffe haben Millionen Tonnen zusätzliches Methan in die Atmosphäre entlassen. Die Methankonzentration hat sich in den vergangenen 200 Jahren mehr als verdoppelt.

Woher kommen die Emissionen genau? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Dabei wäre das ein entscheidender erster Schritt zur Verringerung der Emissionen und zur Bewältigung des Klimawandels. Die US-Umweltschutzbehörde schätzt, dass etwa ein Prozent des geförderten Erdöls und Erdgases als Methanverschmutzung in die Atmosphäre entweicht. Zahlreiche [4] Untersuchungen [5] deuten aber daraufhin, dass der tatsächliche Anteil deutlich höher ist.

Mit Technologien wie dem kürzlich gestarteten MethaneSAT-Satelliten [6] und neue Boden- und Lufterhebungen kommen Forscher den Methanlecks zunehmend auf die Schliche. Bei den in der neuen Studie untersuchten Standorten "scheinen die Methanemissionen im Durchschnitt höher zu sein als die Schätzungen der Regierung", sagt Evan Sherwin, Forscher am Lawrence Berkeley National Laboratory, der die Analyse als Postdoktorand an der Stanford University durchgeführt hat.

Leck ist nicht gleich Leck

Die von Sherwin und seinem Team verwendeten Daten stammen aus einer der bisher größten Erhebungen von US-Produktionsstätten für fossile Brennstoffe. Ab 2018 kartierten Kairos Aerospace und das Carbon Mapper Project [7] sechs große öl- und gasproduzierende Regionen, die zusammen etwa 50 Prozent der Onshore-Ölproduktion und etwa 30 Prozent der Gasproduktion in den USA ausmachen. Flugzeuge, die über die Regionen flogen, führten fast eine Million Messungen von Bohrlöchern mithilfe von Spektrometern durch, die Methan mit Hilfe bestimmter Lichtwellenlängen erkennen können.

Hier wird es kompliziert. Methanquellen bei der Öl- und Gasförderung gibt es in allen Formen und Größen. Aus einigen kleinen Bohrlöchern entweicht das Gas langsam über einen langen Zeitraum mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Kilogramm Methan pro Stunde. Andere Quellen sind wesentlich größer und stoßen Hunderte oder sogar Tausende von Kilogramm pro Stunde aus, zumeist aber nur für eine kurze Zeit.

Die Flugzeuge, die bei diesen Erhebungen eingesetzt werden, entdecken meist die größten Lecks, die über 100 Kilogramm pro Stunde ausstoßen. Durch die Kombination von Messungen dieser großen Leckstellen mit Modellierungen zur Abschätzung kleinerer Quellen schätzten die Forscher, dass die größeren Lecks für einen übergroßen Teil der Emissionen verantwortlich sind. In vielen Fällen können etwa ein Prozent der Bohrlöcher für mehr als die Hälfte der gesamten Methanemissionen verantwortlich sein, sagt Sherwin.

Einige Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass diese und andere Studien durch die verfügbaren Messinstrumente noch immer begrenzt sind. Da die Forscher große Methanlecks aus der Luft gemessen und kleinere Quellen modelliert haben, ist es möglich, dass die Studie die Bedeutung der größeren Lecks überschätzt, sagt Ritesh Gautam, leitender Wissenschaftler beim Environmental Defense Fund, der an der Entwicklung des MethaneSAT beteiligt ist. Er verweist auf mehrere andere aktuelle Studien [8], die zeigen, dass die kleineren Bohrungen einen größeren Anteil an den Methanemissionen haben.

Mehr Daten durch Satelliten

Das Problem sei, dass es im Grunde unmöglich ist, all diese verschiedenen Methanquellen mit nur einem Instrument zu messen. Man bräuchte alle verfügbaren Messtechnologien, um ein klareres Bild zu erhalten, sagt Gautam. Dazu gehören an Türmen angebrachte bodengestützte Geräte, die ein Gebiet ständig überwachen und kleine Emissionsquellen aufspüren können. Zusätzlich müssten Flugzeugen größeres Gebiete per Luftüberwachung abdecken.

Und dann sind da noch Satelliten [9] wie MethaneSAT, der sich in die wachsende Konstellation der Methanerkennungssatelliten einreiht, die die Erde umkreisen. Einige der vorhandenen Satelliten erfassen riesige Gebiete mit einer Detailgenauigkeit von nur wenigen Kilometern. Andere haben eine viel höhere Auflösung und sind in der Lage, Methanemissionen bis auf wenige Dutzend Meter genau zu erfassen. Solche Satelliten seien künftig wichtig, wenn es darum geht, mehr über Methanemissionen in Ländern herauszufinden, die nicht so genau gemessen und kartiert wurden wie die USA, sagt Gautam.

Methanemissionen zu finden und zu verstehen, ist eine Sache. Sie tatsächlich zu bekämpfen eine andere. Nach der Identifizierung eines Lecks müssen die Unternehmen Maßnahmen ergreifen. Sie können defekte Pipelines reparieren oder Entlüftungsöffnungen und Methan-Fackeln [10], die routinemäßig Methan in die Atmosphäre abgeben, schließen. Etwa 40 Prozent der Methanemissionen aus der Öl- und Gasförderung verursachen keine Nettokosten, da das Geld, das durch die Vermeidung von Methanverlusten eingespart wird, nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur [11] die Kosten für die Vermeidung von Methanverlusten mehr als ausgleicht.

Mehr als 100 Länder haben sich 2021 dem Global Methane Pledge [12] angeschlossen und sich zum Ziel gesetzt, die Methanemissionen bis zum Ende des Jahrzehnts um 30 Prozent gegenüber dem Stand von 2020 zu senken. Die von der Regierung von US-Präsident Joe Biden angekündigten neuen Vorschriften für Öl- und Gasproduzenten könnten den USA helfen, diese Ziele zu erreichen. Anfang dieses Jahres veröffentlichte die EPA Einzelheiten zu einer vorgeschlagenen Methanabgabe für Unternehmen, die fossile Brennstoffe fördern, die auf der Grundlage des in die Atmosphäre abgegebenen Methanüberschusses berechnet werden soll.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9657696

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.nature.com/articles/s41586-024-07117-5
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Sensor-an-der-ISS-kartiert-bisher-unentdeckte-CO-und-Methanemissionen-9530577.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Studie-Feuchtgebiete-geben-bis-zu-1-4-Millionen-Tonnen-mehr-Methan-pro-Jahr-ab-8255812.html
[4] https://www.technologyreview.com/2022/03/28/1048425/permian-basin-methane-emissions/
[5] https://e360.yale.edu/digest/methane-emissions-from-oil-and-gas-exceed-epa-estimates-study-finds
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Satellit-fuer-Methan-soll-Lecks-und-grosse-Quellen-entdecken-9051189.html
[7] https://carbonmapper.org/
[8] https://www.nature.com/articles/s41467-022-29709-3
[9] https://www.heise.de/thema/Satellit
[10] https://www.heise.de/news/Abblasen-statt-abfackeln-Satelliten-finden-irrsinnige-versteckte-Methanleaks-8992410.html
[11] https://www.iea.org/reports/global-methane-tracker-2023/strategies-to-reduce-emissions-from-oil-and-gas-operations
[12] https://www.globalmethanepledge.org/
[13] https://www.instagram.com/technologyreview_de/
[14] mailto:jle@heise.de

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  • 18. März 2024 um 11:14

"Grünes Licht" für noch Essbares

Von heise online

Forschen gegen Lebensmittelverschwendung: Professor Andreas Schütze (li.) und Christian Bur von der Universität des Saarlandes.

(Bild: Iris Maurer)

EU-Forschende wollen die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen – mit einer Vorratsbox mit Sensor und einem Messgerät für den Supermarkt.

Ist das noch gut oder kann das weg? Den Zustand von Wurst, Käse oder Gemüse zu beurteilen, ist gar nicht so einfach. Ästhetik – das ist mittlerweile bekannt – spielt dabei im Grunde keine Rolle. Nase und Gaumen liefern bessere Hinweise, auf welcher Stufe der Essbarkeitsskala ein Lebensmittel gerade steht. In Zukunft könnte die Bewertung eine neue Messtechnik übernehmen. Zumindest, wenn der Plan von Forschenden im EU-Projekt "Serenade" [1] aufgeht. Ihr Ziel ist, die Verschwendung von Lebensmitteln zu bremsen.

"Wir entwickeln Verfahren, um die Qualität von Lebensmitteln zu überwachen", sagt Andreas Schütze, Messtechnikexperte an der Universität des Saarlandes und am Projekt beteiligt. "Konkret sind dies ein intelligenter Vorratsbehälter, der seinen Inhalt kontrolliert, und ein Messgerät für Supermärkte. Allein dadurch, dass es über die Kisten gehalten wird, soll es genau angeben, wie lange unverpacktes Obst und Gemüse noch essbar sind."

Frische-Vorhersage

Aus einer Luftanalyse über den Lebensmitteln soll das System entsprechende Informationen ziehen, Schlussfolgerungen treffen und dann das Ergebnis auf einem Display anzeigen, zum Beispiel: "noch fünf Tage frisch". Im Supermarkt könnten gefährdete Lebensmittel frühzeitig im Preis reduziert und so noch an den Mann oder die Frau gebracht werden. Die mit Sensoren gespickte Vorratsdose wiederum gebe "grünes Licht", wenn der Inhalt noch bedenkenlos verzehrt werden könne, so Schütze.

Das Projekt wird von der EU mit 1,8 Millionen Euro gefördert. Beteiligt sind zehn Partnerinstitutionen aus Belgien, Deutschland, Italien und Spanien, zudem fünf Unternehmen. Dass soviel Geld, Man- und Womanpower zum Einsatz kommen, ist vermutlich auch der Größe des Problems geschuldet.

Laut dem EU-Amt Eurostat beziffern sich die Lebensmittelverluste in der EU im Jahr 2021 auf 131 Kilogramm Lebensmittelabfälle pro Kopf [2] an. Privathausalte sind mit einem Anteil von 54 Prozent die Hauptverursacher, die Hersteller folgten mit 21 Prozent. Landwirtschaft und Gastronomie sorgen für jeweils neun Prozent der Abfälle und der Handel schlägt mit sieben Prozent zu Buche.

Die Zahlen sind zwar nur bedingt aussagekräftig, da der Begriff Lebensmittelverluste nicht einheitlich definiert und die Datenlage derzeit noch dünn ist. Dass sie zu hoch sind, ist aber unbestritten. Schließlich bedeutet Lebensmittelverschwendung nicht nur wirtschaftliche Einbußen bei Herstellern und Händlern, sondern auch mehr Land- und Energieverbrauch, mehr Düngemittel und Pestizide in der Umwelt.

Gassensoren und KI

Die Technologie aus dem EU-Projekt, die dabei helfen soll, die Verschwendung einzudämmen, ist eine Kombination aus Gassensorsystemen und künstlicher Intelligenz, die Muster in den Ausdünstungen der Lebensmittel erkennt. Denn was Menschen etwa als eklig süßlichen oder erdigen Geruch wahrnehmen, wenn Lebensmittel faulen oder gären, sind Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen wie Bakterien, Hefen oder Schimmelpilzen. Beim Zersetzen entstehen gleich eine ganze Reihe flüchtiger, zum Teil übel riechender Stoffe, zum Beispiel Ammoniak, Schwefelwasserstoff, Ethen oder Essigsäure.

"Gerüche hinterlassen in der Luft eine Art persönlichen Fingerabdruck, der sich aus verschiedenen Konzentrationen verschiedener Stoffe zusammensetzt", sagt Christian Bur. "An den individuellen Geruchs-Abdrücken, sogenannten Smellprints, wollen wir den jeweiligen Zustand der Lebensmittel ablesen. Hierfür ordnen wir die einzelnen Smellprints den verschiedenen Zuständen zu."

Die neuen Gassensorsysteme sollen zudem hoch empflindlich sein, selbst einzelne Abbaumoleküle unter Milliarden Luftmolekülen messen können – und auch Gase wie Ethen oder Kohlenstoffdioxid erfassen, die Menschen nicht riechen können. Wer wissen möchte, wie gut die Ideen für die Praxis taugen, muss sich allerdings noch ein bisschen gedulden. Das Projekt ist noch in der Anfangsphase.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9656545

Links in diesem Artikel:
[1] https://serenade-project.eu/
[2] https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Food_waste_and_food_waste_prevention_-_estimates&action=statexp-seat&lang=de
[3] https://www.instagram.com/technologyreview_de/
[4] mailto:anh@heise.de

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  • 18. März 2024 um 07:00

Zeit in C++20: Grundlegende Chrono-Terminologie mit Zeitdauer und Zeitpunkt

Von Rainer Grimm
Der Blogbeitrag setzt die Reise durch die grundlegenden Datentypen mit Zeitdauern und Zeitpunkten fort.
  • 18. März 2024 um 11:34

Die Produktwerker: 10 Fallen, in die Product Owner immer wieder tappen

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Es gibt typische Fallen für Product Owner. Die Produktwerker sprechen in dieser Podcastfolge über Einblicke und Lösungen für erfolgreiches Produktmanagement.
  • 18. März 2024 um 11:23

US-Börsenaufsicht: Verpasste Chance, Firmen zu besserem Klimaschutz zu zwingen

Von heise online
Dollar-Note an Fahnenmast

(Bild: gemeinfrei)

Lobbyarbeit zwang die SEC, ihre Vorschriften zur Offenlegung des CO₂-Fußabdruckes von Unternehmen zu verwässern. Die fossile Wirtschaft profitiert.

In der vergangenen Woche hat die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission, kurz SEC, eine Reihe lang erwarteter neuer Klimatransparenzregeln [1] erlassen. Sie sollen die meisten börsennotierten Unternehmen dazu verpflichten, ihre Treibhausgasemissionen und die Klimarisiken, die sie in ihren Bilanzen aufbauen, offenzulegen. Das Problem: Die SEC hat die Vorschriften aufgrund intensiver Lobbyarbeit vonseiten der Wirtschaft verwässert, was letztlich ihre Wirksamkeit untergräbt. Damit wird eine wichtige Chance verpasst, an US-Märkten gelistete Unternehmen zu zwingen, sich mit den wachsenden Gefahren der Erderwärmung zu beschäftigen.

Ausschlaggebend für die neuen SEC-Vorschriften war die Erkenntnis, dass Klimarisiken auch finanzielle Risiken sind. Globale Unternehmen sind beispielsweise heute schon mit klimabedingten Unterbrechungen der Lieferkette konfrontiert. Ihre Sachwerte sind anfällig für Stürme, ihre Mitarbeiter extremen Hitzeperioden ausgesetzt [2]. Ihre Kunden könnten gezwungen sein, Standorte zu verlagern. Hinzu kommt: In ihren Bilanzen befinden sich Vermögenswerte auf Basis fossiler Brennstoffe [3], die sie vielleicht nie verkaufen können. Und viele Geschäftsmodelle werden durch den Klimawandel zumindest infrage gestellt.

Dabei geht es nicht nur um Unternehmen aus den Bereichen Kohle, Öl oder Gas. Es handelt sich auch um Versorgungsunternehmen, Transportfirmen, Rohstoffproduzenten, Konsumgüterhersteller und sogar Lebensmittelkonzerne. Und die Anleger – wir alle – kaufen und halten diese Aktien, die mit fossilen Energieträgern verknüpft sind, oft ohne es zu wissen. Investoren, politische Entscheidungsträger und die breite Öffentlichkeit benötigen deshalb klarere und bessere Informationen darüber, ob und wie Unternehmen den Klimawandel antreiben, was sie vielleicht tun, um seine Auswirkungen zu bekämpfen und was Kaskadeneffekte für ihre Bilanzen bedeuten könnten.

Die neuen SEC-Vorschriften schreiben vor, was bisher im Wesentlichen ein freiwilliges System der "Corporate Carbon Governance" war. Sie verpflichten die Unternehmen nun, darüber zu informieren, wie sich klimabezogene Risiken auf ihr Geschäft auswirken könnten. Außerdem müssen sie direkte Emissionen aus Quellen, die sie selbst besitzen oder die sie kontrollieren, sowie ihre indirekten Emissionen aus der Erzeugung von eingekaufter Energie offenlegen, also beispielsweise dem Erwerb und Strom und Wärme. Entscheidend ist allerdings, dass die Unternehmen dies nur dann tun müssen, wenn sie diese Informationen als finanziell "wesentlich" einstufen. Und genau das lässt den Unternehmen einen beträchtlichen Spielraum bei der Entscheidung, wie transparent sie sein wollen.

Vor- und nachgelagerte Aktivitäten

Der ursprüngliche Entwurf der SEC-Vorschriften hätte von den Unternehmen auch verlangt, die Emissionen aus "vor- und nachgelagerten Aktivitäten" in ihren Wertschöpfungsketten anzugeben. Dies bezieht sich im Allgemeinen auf die damit verbundenen Emissionen von Lieferanten und Kunden, die oft 80 Prozent der gesamten Klimabelastung eines Unternehmens ausmachen. Der Wegfall dieser Anforderung und die Hinzufügung des Standards der "Wesentlichkeit" scheinen nun auf den starken Druck von Firmengruppen zurückzuführen zu sein. Immerhin dürften die neuen SEC-Vorschriften dazu beitragen, dass klarer wird, wie einige Unternehmen mit dem Klimawandel [5] und ihrem Beitrag dazu umgehen. Aus rechtlicher Vorsicht dürfte einiges finanziell "wesentlicher" sein als bislang gedacht.

Klarere Informationen werden dazu beitragen, die Klimaschutzmaßnahmen der Unternehmen zu beschleunigen, da um ihren Ruf besorgte Firmen zunehmend Druck von Kunden, der Konkurrenz und einigen Investoren spüren dürften, ihre Emissionen zu reduzieren. Aber die SEC hätte noch viel weiter gehen können. Schließlich sind ähnliche Maßnahmen in der EU bereits umfassender und strenger. Selbst ein kalifornisches Gesetz zur Offenlegung von Emissionen, das im vergangenen Oktober unterzeichnet wurde, geht weiter. Es verpflichtet sowohl börsengelistete als auch private Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar, über jede einzelne Emissionskategorie zu berichten und diese Daten anschließend von einer dritten Partei überprüfen zu lassen.

Leider bringen die neuen SEC-Vorschriften die Unternehmen lediglich an die Startlinie eines solchen Prozesses, der für die Dekarbonisierung der Wirtschaft erforderlich wäre. Dabei sollten die Konzerne längst in diesem Rennen sein. Freiwillige Transparenz ist wenig hilfreich. Firmen, die diese betreiben, haben bislang nur minimale Fortschritte bei der Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen gemacht. Das Offenlegungssystem, auf dem die SEC-Vorschriften beruhen, hat dabei mit zwei grundlegenden Problemen zu kämpfen, die den Umfang und die Wirksamkeit der CO₂-Offenlegung einschränken.

Erstens: Probleme mit den Daten selbst. Die SEC-Vorschriften räumen den Unternehmen einen erheblichen Spielraum bei der Bilanzierung ihrer Emissionen ein, der es ihnen erlaubt, unterschiedliche Grenzen für ihren CO₂-Fußabdruck festzulegen, Emissionen unterschiedlich zu modellieren und zu messen und sogar zu variieren, wie sie ihre Emissionen letztlich melden. Insgesamt werden wir zum Schluss wohl nur Unternehmensberichte über Teilemissionen des Vorjahres erhalten, ohne dass wir wissen, was ein Unternehmen tatsächlich tat, um seine Emissionen zu verringern. Zweitens: Einschränkungen bei der Nutzung dieser Daten durch Interessengruppen. Wie man schon bei freiwilligen Klimaverpflichtungen von Unternehmen sehen kann, machen es die verschiedenen Standards beim Reporting nahezu unmöglich, Firmen genauer zu vergleichen. So warnt das New Climate Institute davor, dass es immer schwieriger wird, zwischen echten Klimaschutzmaßnahmen und Greenwashing zu unterscheiden [6] – trotz zunehmender Transparenzforderungen.

Hauptverursacher aufspüren

Die bisherigen Bemühungen von Investoren, CO₂-Emissionen [7], Dekarbonisierungspläne und Klimarisiken durch ESG-Bewertungssysteme zu bewerten, haben lediglich zu noch mehr Verwirrung geführt, bemängeln Forscher. Unternehmen wurden bislang kaum dafür abgestraft, wenn sie ihre Emissionen nicht klar offenlegten oder nicht einmal die eigenen Standards erfüllten. Die neuen SEC-Klimaregeln dürften diesen unhaltbaren Zustand nicht ändern. Dabei benötigen Firmen, Investoren und die Öffentlichkeit Transparenz, um positive Veränderungen innerhalb der Unternehmen vorantreiben und sie von außen angemessen bewerten zu können.

Ein solches System muss die Hauptverursacher geschäftlicher Emissionen aufspüren und den Unternehmen Anreize für echte Investitionen in Bemühungen um tiefgreifende Emissionssenkungen bieten, sowohl innerhalb einer Firma selbst als auch in ihrer gesamten Lieferkette. Die gute Nachricht ist, dass man solche unvollständigen Regeln wie die der SEC als Anlass nehmen kann, sinnvollere Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen.

Die klügsten Firmen und Investoren gehen bereits über die SEC-Vorschriften hinaus. Sie entwickeln bessere Systeme, um Ursachen und Kosten von Kohlendioxidemissionen zu ermitteln, und unternehmen konkrete Schritte, um sie zu bekämpfen. Dabei geht es um die Reduzierung des Energieverbrauchs, neue, effizientere Infrastrukturen und CO₂-ärmere Materialien, Produkte und Verfahren. Das kann wiederum zum guten Geschäft werden, denn weniger CO₂ bedeutet oftmals auch weniger Kosten.

Die SEC hat daher einen wichtigen, wenn auch mangelhaften ersten Schritt getan, um die amerikanische Finanzelite zur Anerkennung von Klimaauswirkungen und deren Risiken zu bewegen. Aufsichtsbehörden und Unternehmen müssen nun selbst das Tempo erhöhen und sicherstellen, dass sie ein klares Bild davon vermitteln, wie schnell oder langsam sich die einzelnen Branchen bewegen. Nur dann werden sie auf einem sich erwärmenden Planeten weiter erfolgreich sein.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9655912

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.sec.gov/news/press-release/2024-31
[2] https://www.heise.de/hintergrund/So-viel-Hitze-haelt-unser-Koerper-aus-9241571.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Moment-der-Abrechnung-COP28-und-die-Oel-und-Gasindustrie-9543322.html
[4] https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en
[5] https://www.heise.de/thema/Klimawandel
[6] https://newclimate.org/sites/default/files/2022/02/CorporateClimateResponsibilityMonitor2022.pdf
[7] https://www.heise.de/thema/CO2
[8] https://www.instagram.com/technologyreview_de/
[9] mailto:jle@heise.de

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  • 15. März 2024 um 10:48

Neu in .NET 8.0 [14]: Neue Wächtermethoden für Parameter

Von Dr. Holger Schwichtenberg
Signal unter einer Lupe

(Bild: Dilok Klaisataporn/Shutterstock.com)

.NET 8.0 bietet neue Hilfsmethoden zum Auslösen von Fehlern bei falschen Parametern.

In .NET 6.0 hatte Microsoft die Wächter-Methode ArgumentNullException.ThrowIfNull(Wert) eingeführt, um zu prüfen, ob ein Methodenparameter als Null-Wert übergeben wurde. In .NET 7.0 folgte ArgumentException.ThrowIfNullOrEmpty(Wert) für Zeichenketten.

In .NET 8.0 gibt es nun weitere Wächter für die Methodenparameter, die auch Wertebereiche bei Zahlen prüfen:

  • ArgumentOutOfRangeException.ThrowIfZero()
  • ArgumentOutOfRangeException.ThrowIfNegative()
  • ArgumentOutOfRangeException.ThrowIfNegativeOrZero()
  • ArgumentOutOfRangeException.ThrowIfGreaterThan()

Das funktioniert mit allen Zahlentypen, auch eigenen Zahlentypen auf Basis von INumberBase<T> und IComparable<T>.

namespace NET8_Console;
public class FCL_Exceptions
{
 
 public string Calc(decimal? betrag, decimal prozent, string einheit)
 {
  #region neue Wächtermethoden vor .NET 8.0
  // seit .NET 6.0:
  ArgumentNullException.ThrowIfNull(betrag); 
  // seit .NET 7.0:
  ArgumentException.ThrowIfNullOrEmpty(einheit); 
  #endregion
 
  #region neue Wächtermethoden in .NET 8.0
  ArgumentOutOfRangeException.ThrowIfZero(betrag.Value); 
  ArgumentOutOfRangeException.ThrowIfNegativeOrZero(betrag.Value); 
  ArgumentOutOfRangeException.ThrowIfNegative(prozent); 
  ArgumentOutOfRangeException.ThrowIfGreaterThan(prozent, 100); 
  #endregion
 
  var ergebnis = betrag * prozent / 100;
  return $"{prozent}% von {betrag} {einheit} sind {ergebnis} {einheit}";
 }
 
 public void Run()
 {
  // 50% von 42 Euro sind 21 Euro:
  Console.WriteLine(Calc(42, 50, "Euro")); 
 }
 
}


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9656153

Links in diesem Artikel:
[1] mailto:rme@ix.de

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  • 15. März 2024 um 13:15

Neu in .NET 8.0 [14]: Neue Wächtermethoden für Parameter

Von Dr. Holger Schwichtenberg
.NET 8.0 bietet neue Hilfsmethoden zum Auslösen von Fehlern bei falschen Parametern.
  • 15. März 2024 um 13:15

Mit Druck zum Strom

Von heise online
Der Bau des Druckluftspeichers in Ahaus.

Screenshot aus dem Video zum Baufortschritt des Druckluftspeichers in Ahaus.

(Bild: Screenshot / Corre Energy)

Druckluftspeicher im Münsterland sollen große Mengen Strom speichern. Die Idee dahinter ist nicht neu, aber jetzt könnte ihr eine Renaissance bevorstehen.

Druckluftspeicher sind die Exoten unter den Stromspeichern. Weltweit gibt es gerade einmal zwei Anlagen. Eine davon befindet sich im niedersächsischen Huntorf [1], und die ist schon fast ein halbes Jahrhundert alt. Jetzt will der Ökostromanbieter Lichtblick die Technik wiederbeleben [2].

Die Idee, Luft als Speichermedium zu benutzen, klingt erst einmal einleuchtend. Schließlich ist sie billig und überall verfügbar. Komprimiert man sie mit überschüssigem Strom und speichert sie in großen Kavernen, kann sie anschließend eine Turbine antreiben. Doch die Sache hat einen Haken: Beim Verdichten entsteht Abwärme, was Wirkungsgrad kostet. Und beim Entspannen wird die Luft so kalt, dass die Turbinen vereisen. Also muss zugefeuert werden. Die Anlage in Huntorf ist deshalb eher ein Gaskraftwerk mit eingebautem Turbolader denn ein Stromspeicher.

Neuer Ansatz beim Stromspeicher unter Tage

Der Stromversorger RWE wollte das Verfahren effizienter machen und die Wärme, die beim Komprimieren entsteht, in einem Wärmespeicher zwischenlagern, um sie bei der Rückverstromung wieder nutzen zu können. Dieses "adiabate" System erwies sich aber offenbar als unwirtschaftlich und wurde nie gebaut.

Der nun von Lichtblick zusammen mit Siemens Energy, dem niederländischen Speicherspezialisten Corre Energy sowie dem Energieversorger Eneco [3] gebaute Speicher kommt ohne Wärmepuffer aus. "Die von den Kompressoren erzeugte Abwärme kann als Fernwärme genutzt und vermarktet werden", teilt Lichtblick auf Anfrage mit. Die Zufeuerung soll zunächst mit Erdgas, später mit Wasserstoff geschehen. Standort ist das münsterländische Ahaus. Das liegt nicht weit vom geplanten Wasserstoff-Netz "GetH2" [4] entfernt. Die Round-Trip-Effizienz vom Einspeichern bis zum Ausspeichern beziffert Lichtblick auf 65 Prozent. Das ist zwar weniger als bei einem Pumpspeicherwerk oder einer Batterie, aber mehr als bei einem Wasserstoff-Gaskraftwerk.

Vier ehemalige Salzkavernen ausgespült

Derzeit werden bei Ahaus vier ehemalige Salzkavernen in einer Tiefe von mehr als 1150 Metern ausgespült, mit einem Durchmesser von 70 Metern. Gemeinsam haben sie ein Volumen von rund drei Millionen Kubikmetern. Ihr Druck wird zwischen 100 und 200 bar liegen. Bei der ersten Kaverne ist derzeit knapp 80 Prozent der Aussohlung erreicht. Sie soll 2026 fertig sein. Anschließend müssen noch ausreichend dimensionierte Rohre für den Lufttransport gebohrt werden. Die anderen Kavernen sollen bis 2028 folgen.

In der ersten Phase soll das Speicherkraftwerk 320 Megawatt liefern, etwa so viel wie Huntorf. In der zweiten Phase sollen weitere 320 MW hinzukommen. Der Speicher soll bis zu 100 Stunden lang Strom abgeben können. Rein rechnerisch entspräche ihre Kapazität also 64 Gigawattstunden, fast fünfmal so viel wie alle derzeit hierzulande installierten Batteriespeicher [5] zusammen.

In der Praxis dürfte es weniger werden. "Nachdem die Zyklen typischerweise nicht im Extrembereich zwischen Minimaldruck und Maximaldruck der Kavernen variieren, sondern ökonomisch optimiert meist kürzere Ein- und Ausspeisezyklen gefahren werden, wird der typische Zyklus wenige GWh Stromleistung ein- beziehungsweise ausspeichern", erklärt Lichtblick. "Die Kaverne kann in langen und kurzen Zyklen befahren werden, sodass bei kommerzieller Sinnhaftigkeit auch zum Beispiel nur eine Stunde oder weniger ein- oder ausspeist wird." Diese Flexibilität sei der Kernvorteil gegenüber Batteriespeichern, die sich vor allem für kürzere Zyklen eignen, so Lichtblick. Eine Studie [6] des US-Energieministeriums bestätigt: Gerade bei hohen Leistungen und langen Zyklen seien Druckluftspeicher mit die günstigste Option.

Als Geschäftsmodelle hat das Konsortium einen breiten Bereich im Blick: Intradaymarkt, Day-ahead-Markt, Regelenergie, bilaterale Verträge, et cetera. "Druckluftspeicher können helfen, sowohl die zeitlichen als auch die örtlichen Unterschiede zwischen Erzeugung und Verbrauch auszugleichen", so Lichtblick. "Die zeitlichen Preisunterschiede werden im Markt bereits zunehmend sichtbar."


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9655252

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/hintergrund/Wind-auf-Vorrat-278463.html
[2] https://www.pv-magazine.de/2024/01/30/eneco-und-corre-energy-bauen-gemeinsames-druckluft-speicherprojekt/
[3] https://corre.energy/2024/01/22/agreement-with-eneco-for-german-offtake-development-and-investment/
[4] https://www.get-h2.de/
[5] https://social.heise.de/@VQuaschning@mastodon.green/112088335981727402
[6] https://www.energy.gov/sites/default/files/2022-09/2022%20Grid%20Energy%20Storage%20Technology%20Cost%20and%20Performance%20Assessment.pdf
[7] https://www.instagram.com/technologyreview_de/
[8] mailto:grh@technology-review.de

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  • 15. März 2024 um 07:30

"Schon fünf Minuten nach der Aufnahme" soll KI-Satellit Erdbilder liefern

Von heise online

HAMMER-Satellit von Open Cosmos

(Bild: Screenshot / X-Post von Open Cosmos)

Ein Nanosatellit im All analysiert Daten mittels KI direkt an Bord. Die Mission von Open Cosmos und Ubotica soll den Weg zu einem "App-Store-Konzept" ebnen.

Künstliche Intelligenz macht auch vor der Raumfahrt nicht halt. Vergangene Woche hat das britische Unternehmen Open Cosmos seinen HAMMER-Satelliten erfolgreich in die Erdumlaufbahn gebracht. Er enthält eine KI-Technologie, die mithilfe der Kameras und Sensoren erhobene Daten noch an Bord auswerten und interpretieren soll. Außerdem soll es erstmals möglich sein, einen Satelliten über eine Smartphone-App zu steuern.

Mit einer Größe von gerade einmal 10 mal 35 Zentimetern und einem Gewicht von etwa zwei Kilogramm, ist HAMMER ein sogenannter Nanosatellit. Sein Name steht für "Hyperspectral AI for Marine Monitoring and Emergency Response" [1], und eines der Kernmodule ist dementsprechend eine Hyperspektralkamera, die elektromagnetische Signale von sehr vielen, eng beieinanderliegenden Wellenlängen aufnehmen kann. Dadurch lassen sich Veränderungen etwa von maritimen Lebensräumen oder der Landwirtschaft verfolgen.

Als Teil des Satellitenverbundes OpenConstellation [2] soll HAMMER in den kommenden Jahren unter anderem die Veränderung von Küsten überwachen und im Fall von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Waldbränden möglichst in Echtzeit Daten liefern. Aber auch zahlende Kunden aus der industriellen Landwirtschaft sollen auf den Satelliten zugreifen können, um sowohl ihre Infrastruktur als auch Erträge aus dem All zu überwachen und zu analysieren.

Kooperation mit KI-Unternehmen

Während Open Cosmos die "Hardware" des Satelliten stellt und für den Betrieb sorgt, kümmert sich das irische Luft- und Raumfahrtunternehmen Ubotica um die Anwendungen als Teil seiner CogniSAT-6 genannten Mission. "CogniSAT-6 wird eine der am besten vernetzten und intelligentesten KI-gestützten Missionen sein, die jemals ins All geschickt wurde", sagt Ubotica-Mitgründer Sean Mitchell [3]. Zwar habe es ab dem Jahr 2000 schon diverse andere Missionen gegeben, die Formen von künstlicher Intelligenz an Bord hatten, sagten Ingenieure von Ubotica im Oktober auf einer Fachkonferenz [4]. Bislang habe aber noch keine kommerzielle Mission den Einsatz von neuralen Netzen und "On-board-Entscheidungsalgorithmen" demonstriert.

CogniSAT-6 soll das ändern. Die Algorithmen sind in der Lage, die Bilddaten der Kamera sofort an Bord des Satelliten auszuwerten. Gewöhnlich werden Daten zunächst vom Satelliten an eine Bodenstation übertragen, dort ausgewertet und etwaige Rückmeldungen anschließend wieder ins All geschickt. Je nach Menge der Daten kann das einige Stunden dauern. Werden die Daten direkt im All analysiert, müssen nicht nur weniger Daten insgesamt übertragen werden, sie können zudem in quasi-Echtzeit analysiert werden. Wie Mitchell sagt, könne CogniSAT-6 brauchbare Erkenntnisse schon fünf Minuten nach der Aufnahme liefern.

Dadurch sei es möglich, sofort auf Veränderungen zu reagieren: Erkennt das System etwa einen Waldbrand oder einen Ölteppich, kann es selbstständig entscheiden, ob es das betroffene Gebiet weiterhin überwachen soll. Industrielle Landwirtschaftsbetriebe können in Echtzeit die Bewässerung ihrer Felder verfolgen und ihre Abläufe anhand der gewonnen Erkenntnisse entsprechend anpassen. Und da HAMMER direkt mit anderen Satelliten des OpenConstellation-Verbundes kommuniziert, können diese bei Bedarf dazu geschaltet werden und agieren gleichzeitig als Relaisstation für die Datenübertragung.

Satellitensteuerung per App

Eine Besonderheit ist nicht zuletzt auch die Möglichkeit, per App mit dem Satelliten kommunizieren zu können. "Mit unseren Apps können Benutzer Warnungen vom Satelliten empfangen und sich Informationen für relevante Anwendungen anzeigen lassen. Außerdem können sie dem Satelliten eine Nachricht oder einen Befehl zurückzusenden", sagt Mitchell.

Daran geknüpft sind auch die Pläne von Ubotica, künftig Satelliten-Anwendungen über ein "App-Store-Konzept" zu betreiben: Kunden könnten für einen vorgegebenen Zeitraum mobilen Zugriff auf Satelliten wie HAMMER erhalten und ihn für ihre Anwendungsfälle einsetzen. Die Kombination aus schnellem Zugriff und KI-gestützter Software könnte somit neue kommerzielle Anwendungen in der Raumfahrt den Weg ebnen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9654617

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.open-cosmos.com/news/open-cosmos-launches-groundbreaking-hyperspectral-hammer-satellite
[2] https://www.open-cosmos.com/open-constellation
[3] https://ubotica.com/cognisat-6-is-one-of-the-most-intelligent-satellites-sent-into-space-an-interview-with-sean-mitchell-co-founder-of-ubotica/
[4] https://www.researchgate.net/publication/376352496_AUTONOMOUS_OPERATIONAL_SCHEDULING_ON_COGNISAT-6_BASED_ON_ONBOARD_ARTIFICIAL_INTELLIGENCE#pf2
[5] https://www.instagram.com/technologyreview_de/
[6] mailto:jle@heise.de

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  • 15. März 2024 um 07:00

Die Produktwerker: Website-Relaunch – ein ehrlicher Erfahrungsbricht

Von Tim Klein
Die Produktwerker beschreiben in dieser Podcastfolge, was sie aus dem Relaunch ihrer Website für die agile Produktentwicklung gelernt haben.
  • 11. März 2024 um 10:27

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  • 27. April 2026 um 13:30

Softwareentwicklung: Ankündigung der tech:lounge Masterclass

Von Golo Roden
E-learning,Education,,Internet,Lessons,And,Online,Webinar.,Education,Internet,Technology.

(Bild: Miha Creative/ Shutterstock.com)

Die the native web GmbH veranstaltet ab kommender Woche insgesamt zwölf Webinare zu den Themen Go, TypeScript, skalierbare APIs und moderne, native Web-UIs.

Ab kommender Woche veranstaltet die the native web GmbH insgesamt zwölf Webinare aus den Themenbereichen Go, TypeScript, skalierbare APIs und moderne Web-UIs.

Die Webinare finden ab dem 11. März jeweils montags, mittwochs und freitags von 9:00 Uhr bis 12:30 Uhr statt und vermitteln die aktuellen Themen der zeitgemäßen Softwareentwicklung auf anschauliche und verständliche Art in Theorie und Praxis. Die Themenauswahl umfasst sowohl grundlegende als auch fortgeschrittene Themen.

Zeitgemäße Entwicklung mit Go (Details anzeigen [1])

  • 11.03. – Let's Go: Die umfassende Einführung
  • 13.03. – Asynchron programmieren mit Go
  • 15.03. – Effiziente Entwicklung in der Praxis

TypeScript im Enterprise-Einsatz (Details anzeigen [2])

  • 18.03. – TypeScript von Grund auf verstehen
  • 20.03. – Fortgeschrittene Konzepte in der Praxis
  • 22.03. – Komplexe Anwendungen entwickeln

Moderne und skalierbare APIs (Details anzeigen [3])

  • 08.04. – Konzeption, Architektur und Entwurf
  • 10.04. – Entwicklung und Deployment von APIs
  • 12.04. – APIs im Praxiseinsatz sicher betreiben

Zukunftsfähige Web-UIs gestalten (Details anzeigen [4])

  • 15.04. – Komponenten-basierte UI-Entwicklung
  • 17.04. – Moderne und native UI-Infrastrukturen
  • 19.04. – Security von Web-UIs in der Praxis

Die Webinare werden als Livestream durchgeführt, sodass man einfach und bequem teilnehmen kann – ganz gleich, ob von zu Hause oder aus dem Büro. Für Fragen steht ein Chat zur Verfügung.

Der Preis beträgt 179 Euro pro Webinar. Wer drei Webinare aus einem Themenbereich als Paket bucht, erhält über 25 % Rabatt gegenüber der Einzelbuchung, der Preis beträgt dann 399 Euro. Darüber hinaus gelten noch einmal günstigere Konditionen für Teams. Alle Preise verstehen sich jeweils zuzüglich 19% Umsatzsteuer.

Im Preis enthalten ist neben der Teilnahme am Livestream auch der Zugriff auf die Aufzeichnung des Webinars und die Codebeispiele.

Alle weitergehenden Informationen und eine Buchungsmöglichkeit finden sich auf der Webseite der tech:lounge Masterclass [5].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9646306

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.thenativeweb.io/techlounge/modern-development-with-go
[2] https://www.thenativeweb.io/techlounge/typescript-in-enterprise-projects
[3] https://www.thenativeweb.io/techlounge/modern-and-scalable-apis
[4] https://www.thenativeweb.io/techlounge/future-proof-web-uis
[5] https://www.thenativeweb.io/techlounge/masterclass
[6] mailto:rme@ix.de

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  • 08. März 2024 um 07:27

Neu in .NET 8.0 [13]: Leistung von FrozenSet

Von Dr. Holger Schwichtenberg

(Bild: Daniel Tadevosyan/Shutterstock.com)

Eine Menge des Typs FrozenSet gewinnt beim tausendmaligen Aufruf von Contains() gegenüber anderen Objektmengen.

Im vorherigen Teil dieser Serie [1] habe ich die Klasse FrozenSet<T> im Namensraum System.Collections.Frozen vorgestellt, die neu in .NET 8.0 ist. Es stellt sich die Frage, warum denn Microsoft FrozentSet<T> zusätzlich eingeführt hat. Die Antwort der Frage ist – wie so oft – Performance.

Diesmal bewerte ich anhand eines typischen Einsatzbeispiels die Geschwindigkeit.

Gegeben sei eine unsortierte Menge der Zahlen zwischen 1 und 10.000. Wie schnell kann man eine einzelne Zahl in der Menge finden?

Für die Leistungsmessung kommt die Bibliothek BenchmarkDotNet von Microsoft [2] zum Einsatz.

using System.Collections.Frozen;
using System.Collections.Immutable;
using System.Collections.ObjectModel;
using BenchmarkDotNet.Attributes;
using BenchmarkDotNet.Configs;
using BenchmarkDotNet.Jobs;
using BenchmarkDotNet.Toolchains.InProcess.NoEmit;
 
namespace NET8_Console.Collections_Benchmark;
 
public class AntiVirusFriendlyConfig : ManualConfig
{
 public AntiVirusFriendlyConfig()
 {
  AddJob(Job.MediumRun
      .WithToolchain(InProcessNoEmitToolchain.Instance));
 }
}
 
[Config(typeof(AntiVirusFriendlyConfig))]
public class Collections_Contains_Benchmark
{
 private const int Iterations = 1000;
 private readonly List<int> list;
 private readonly ReadOnlyCollection<int> roCollection;
 private readonly FrozenSet<int> frozenSet;
 private readonly HashSet<int> hashSet;
 private readonly ImmutableList<int> immutableList;
 private readonly ImmutableHashSet<int> immutableHashSet;
 
 public Collections_Contains_Benchmark()
 {
  var array = Enumerable.Range(1, 10000).ToArray();
  Random.Shared.Shuffle<int>(array);
  list = array.ToList();
  // liefert ReadOnlyCollection<T>:
  roCollection = list.AsReadOnly(); 
  frozenSet = list.ToFrozenSet();
  hashSet = list.ToHashSet();
  immutableList = list.ToImmutableList();
  immutableHashSet = list.ToImmutableHashSet();
 }
 
 [Benchmark(Baseline = true)]
 public void ListContains()
 {
  for (var i = 0; i < Iterations; i++)
  {
   var b = list.Contains(i);
  }
 }
 
 [Benchmark]
 public void ReadOnlyCollectionContains()
 {
  for (var i = 0; i < Iterations; i++)
  {
   var b = roCollection.Contains(i);
  }
 }
 
 [Benchmark]
 public void FrozenSetContains()
 {
  for (var i = 0; i < Iterations; i++)
  {
   var b = frozenSet.Contains(i);
  }
 }
 
 [Benchmark]
 public void HashSetContains()
 {
  for (var i = 0; i < Iterations; i++)
  {
   var b = hashSet.Contains(i);
  }
 }
 
 [Benchmark]
 public void ImmutableListContains()
 {
  for (var i = 0; i < Iterations; i++)
  {
   var b = immutableList.Contains(i);
  }
 }
 
 [Benchmark]
 public void ImmutableHashSetContains()
 {
  for (var i = 0; i < Iterations; i++)
  {
   var b = immutableHashSet.Contains(i);
  }
 }
}

Der in der folgenden Abbildung dargestellte Benchmark ruft 1000-mal die Methode Contains() auf einer unsortierten Liste mit 10.000 Zahlen auf. Die Menge des Typs FrozenSet gewinnt beim 1000-maligen Aufruf von Contains() gegenüber anderen Objektmengen.

Abbildung: Eine Menge des Typs FrozenSet bringt im Vergleich deutlich höhere Performance beim 1000-maligen Aufruf von Contains().

(Bild: Screenshot (Holger Schwichtenberg))


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9649523

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-12-Eingefrorene-Objektmengen-9643310.html
[2] https://github.com/dotnet/BenchmarkDotNet
[3] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-1-Start-der-neuen-Blogserie-9574680.html
[4] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-2-Neue-Anwendungsarten-9581213.html
[5] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-3-Primaerkonstruktoren-in-C-12-0-9581346.html
[6] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-4-Collection-Expressions-in-C-12-0-9581392.html
[7] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-5-Typaliasse-in-C-12-0-9594693.html
[8] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-6-ref-readonly-in-C-12-0-9602188.html
[9] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-7-Optionale-Parameter-in-Lambda-Ausdruecken-in-C-12-0-9609780.html
[10] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-8-Verbesserungen-fuer-nameof-in-C-12-0-9616685.html
[11] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-9-Neue-und-erweiterte-Datenannotationen-9623061.html
[12] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-10-Plattformneutrale-Abfrage-der-Privilegien-9630577.html
[13] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-11-Neue-Zufallsfunktionen-9637003.html
[14] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-12-Eingefrorene-Objektmengen-9643310.html
[15] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-12-Leistung-von-FrozenSet-9649523.html
[16] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-14-Neue-Waechtermethoden-fuer-Parameter-9656153.html
[17] https://www.heise.de/blog/Neu-in-NET-8-0-15-Geschluesselte-Dienste-bei-der-Dependency-Injection-9662004.html
[18] mailto:rme@ix.de

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  • 08. März 2024 um 12:31

Neu in .NET 8.0 [13]: Leistung von FrozenSet

Von Dr. Holger Schwichtenberg
Eine Menge des Typs FrozenSet gewinnt beim tausendmaligen Aufruf von Contains() gegenüber anderen Objektmengen.
  • 08. März 2024 um 12:31

Softwareentwicklung: Ankündigung der tech:lounge Masterclass

Von Golo Roden
Die the native web GmbH veranstaltet ab kommender Woche insgesamt zwölf Webinare zu den Themen Go, TypeScript, skalierbare APIs und moderne, native Web-UIs.
  • 08. März 2024 um 07:27

Softwareentwicklung: Interviews zur JavaLand-Konferenz 2024

Von Falk Sippach

(Bild: peampath2812/Shutterstock.com)

Die JavaLand-Konferenz steht kurz bevor, wir haben mit einigen Community-Vertretern über die Konferenz gesprochen.

Zum runden JavaLand-Jubiläum haben wir mit Gregor Trefs, Sandra Ahlgrimm, Thomas Much und Gerd Aschemann gesprochen. Sie berichten über ihre bisherigen Erfahrungen und warum sie auch in diesem Jahr wieder dabei sein werden.

Javaland 2024 - Warum bist du dabei?

Gregor Trefs: Meinen ersten Vortrag auf einer Konferenz habe ich tatsächlich auf dem JavaLand [1] gehalten. Und über mehrere Jahre hinweg habe ich zusammen mit Falk einen Workshop durchgeführt, der Java-Programmierern die Grundlagen der funktionalen Programmierung näherbringen sollte. Die Offenheit und positive Atmosphäre der Veranstaltung haben mich immer beeindruckt. Die lebhaften Diskussionen und vielfältigen Perspektiven empfinde ich als äußerst bereichernd. Deshalb habe ich in diesem Jahr eine Deep Dive Session zum Thema "Stateful Property Based Testing und Refactoring" eingereicht. Über einfache Beispiele hinaus zeige ich, wie Property Based Testing in zustandsbehafteten Umgebungen eingesetzt werden kann und wie man jqwik geschickt für Refactoring-Zwecke nutzt.

Sandra Ahlgrimm: Mit die wichtigste Java-Community-Konferenz wollte ich nicht verpassen.

Thomas Much: JavaLand macht einfach Spaß! Die lockere Atmosphäre, die abwechslungsreichen Formate, die Speaker und Teilnehmer aus dem In- und Ausland – das ist jedes Jahr wieder schön zu erleben, und zwar sowohl als Teilnehmer als auch als Speaker. Die Lockerheit und Vielfalt trägt vielleicht auch dazu bei, dass man nicht nur alte Bekannte gerne wieder trifft, sondern dass man auch regelmäßig mit neuen Menschen in den Austausch kommt.

Außerdem findet das JavaLand immer früh im Jahr statt, nach der Winter-Verschnaufpause, wenn der persönliche Akku wieder aufgeladen ist und die neuen Ideen sprudeln. Mit der Verschiebung in diesem Jahr ist das gerade noch so im Zeitrahmen.

Gerd Aschemann: JavaLand ist für mich immer einer der Höhepunkt des Konferenzjahres. Ich freue mich neben spannenden Vorträgen vor allem auch auf die abwechslungsreichen Community-Events. Ich genieße es, mit Gleichgesinnten Neues zu entdecken und mich in entspannter Atmosphäre austauschen zu können.

Dieses Jahr feiert das Javaland sein 10-jähriges Bestehen. Du bist ja jetzt schon seit einigen Jahren quasi Stammgast. Wie hat sich das JavaLand in den 10 Jahren entwickelt?

Gregor Trefs: Seit meinem ersten Besuch im Jahr 2016 hat sich das JavaLand wirklich gut entwickelt. Die Anzahl der Besucher ist gestiegen, es gibt mehr Attraktionen und Highlights im Rahmenprogramm. Die Möglichkeit, Vorträge online zu verfolgen, macht die Teilnahme flexibler. Es ist schön zu sehen, wie die Konferenz wächst und sich weiterentwickelt.

Sandra Ahlgrimm: Meine erste JavaLand-Konferenz musste noch als CyberLand abgehalten werden. Nun habe ich sie bereits im Phantasialand erlebt und bin gespannt, was der neue Standort bereithält. Thematisch war die JavaLand-Konferenz schon immer topaktuell. Daher freue ich mich auch dieses Jahr wieder auf spannende „Aimpulse“.

Thomas Much: Ich bin seit 2016 dabei, die ersten beiden Jahre habe ich also (leider!) verpasst. Größer geworden ist es auf jeden Fall! Gleich geblieben ist die Quirligkeit; man spürt förmlich die Energie auf dem Konferenzgelände. Und damit diese Energie erhalten bleibt, muss sich die Konferenz in vielen kleinen, vielleicht gar nicht so auffälligen Dingen weiterentwickelt haben.

Eine Entwicklung möchte ich dann aber doch hervorheben: Das Newcomer-Programm, bei dem erstmaligen Konferenz-Speakern eine Bühne geboten wird, damit sie Erfahrung sammeln können. Das sorgt für Bodenhaftung bei der Konferenz, bietet den Zuhörern Abwechslung (die Newcomer-Vorträge waren in den letzten Jahren absolut sehenswert!) – und nebenbei zieht sich das JavaLand dadurch die nächste Generation Top-Speaker heran.

Besonders freut mich, dass ich dieses Jahr meinem Kollegen Karl als Newcomer-Mentor zur Seite stehen darf. Karl bringt Bühnenerfahrung als Musiker mit, das merkt man bei den Vorbereitungen. Nun zu erleben, wie akribisch er sich auf seinen ersten Konferenzvortrag vorbereitet, lässt jedem Mentor das Herz aufgehen (@Karl: No pressure! 😉)

Gerd Aschemann: Die JavaLand-Konferenz war schon von Anfang an auf einem hohen Niveau, hat aber auch immer wieder Neues gewagt, manches hat funktioniert, anderes auch mal nicht. Es ist wie im realen Leben der Softwareentwicklung: JavaLand stößt immer wieder in unbekannte Regionen des kollaborativen Austauschs vor. Besonders freue ich mich, dass letztes Jahr unsere “Unkonferenz in der Konferenz” so besonders gut ankam, dass alle Beteiligten quasi von Tobias und mir verlangt haben, dass wir das wiederholen.

Das JavaLand hat dieses Jahr ja eine neue Location. Wie sind hier deine Erwartungen?

Gregor Trefs: Ich bin neugierig darauf, wie JavaLand am Nürburgring ablaufen wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Wege zu den verschiedenen Vortragsorten jetzt etwas kürzer ausfallen werden im Vergleich zum Phantasialand, wo man am Ende des Tages oft genug seine 10.000 Schritte erreicht hatte. In Bezug auf Konferenzen habe ich immer die Erwartung, etwas Neues zu lernen, selbst wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Außerdem war ich bisher noch nie am Nürburgring und bin wirklich gespannt darauf, die Rennstrecke zu erleben.

Sandra Ahlgrimm: Es wird schwierig sein, mit dem Phantasialand mitzuhalten - aber unmöglich ist es nicht!

Thomas Much: Ich hoffe, dass auch die neue Location am Nürburgring einen kreativen Rahmen zum Lernen und Netzwerken bietet – gerne wieder mit einer Mischung von drinnen und draußen, von großen Vortragssälen, wuseligen Plätzen und ruhigen Rückzugsmöglichkeiten. Und wenn am Abend wieder ein nettes Get-together mit guter Musik geboten wird, habe ich da auch nichts gegen.

Die Anfahrt ist allerdings für einen ÖPNV- und Bahnfahrer wie mich in diesem Jahr eine besondere Herausforderung, zumindest fühlt sich das ein wenig so an. Ich habe aber volles Vertrauen in das Orga-Team, dass das mit den Shuttle-Bussen hin und zurück gut klappen wird (und natürlich habe ich meine Shuttle-Tickets schon gekauft).

Alles in allem: Ich erwarte nichts weniger, als dass es einfach wieder richtig gut wird.

Gerd Aschemann: Es ist natürlich ein wenig schade, dass wir hier das gewohnte Umfeld mit seinen Attraktionen, Fahrgeschäften und Plätzen zum Austausch (Cafés, Hackergarten, …) verlassen. Da wir im Vorfeld Räume für unsere eigene Community-Veranstaltung gesucht haben, konnte ich mir aber einen sehr guten Überblick über die Location verschaffen, die viele neue Optionen bietet. Ich freue mich, dass die JavaLand auch hier offen ist.

Das JavaLand versucht sich, als Communty-Konferenz ja immer wieder von anderen Konferenzen abzuheben. Was fällt dir in diesem Zusammenhang besonders auf?

Gregor Trefs: Das JavaLand bemüht sich immer sehr um Feedback, nimmt Kritik an, probiert sich stetig zu verbessern und experimentiert. Ein Jahr blieb in meiner Erinnerung haften, als hinter dem Karussell ein eigens für die Community konzipiertes Zelt aufgebaut wurde. Aufgrund der doch kühlen Märztemperaturen wurde es, im nächsten Jahr, wieder entfernt. Dennoch empfand ich es als bemerkenswert, dass dieses Experiment eingegangen wurde, um aus den gewohnten Mustern auszubrechen.

In den iJUG-Versammlungen wird transparent über bestehende Herausforderungen berichtet und welche Unterstützung benötigt wird. Die engagierte Betreuung der User Groups durch das JavaLand beeindruckt mich besonders. Es gibt das JUG Café, wo man mit verschiedenen Java User Groups in Kontakt kommen kann. Nicht zu vergessen ist, dass der gesamte Stream von der Community gestaltet wird. So eine Beteiligung der Community bietet meines Erachtens keine andere Konferenz.

Sandra Ahlgrimm: Die Wahl der Location ist außergewöhnlich. Leider ist der Zeitraum dieses Jahr etwas ungünstig gewählt, da sie mit einer großen anderen Java Community-Konferenz zusammenfällt (Anmerkung der Redaktion: Das ist dem Weggang aus dem Phantasialand geschuldet).

Thomas Much: Es gibt Community-Events! Und zwar, ohne dass es nur "Open Space" oder andere Formate sind, bei denen sich alle – aber eher spontan – einbringen können. Sondern fest eingeplante, vorbereitete Events, bei denen in kleineren Runden oft sehr spezielle Themen diskutiert und ausprobiert werden. Und obwohl klar ist, dass diese Events keine Massen anziehen, bleiben sie seit Jahren im Programm und tragen auch dadurch zur Vielfalt vom JavaLand bei.

Gerd Aschemann: Die Community bedeutet für mich, dass Leute mit unterschiedlichsten Erfahrungen aufeinandertreffen und zu einem Austausch kommen. Die JavaLand-Konferenz hat von ihrem Aufbau und den abwechslungsreichen Veranstaltungsformen her immer schon diesen Austausch besonders gefördert.

Vielen Dank fürs Beantworten der Fragen. Wir freuen uns auf das Wiedersehen bei der JavaLand-Konferenz vom 09. bis 11. April 2024 [2] erstmals am Nürburgring.

Die Interviewpartner

  • Gregor ist einer der Organisatoren der Java User Group in Mannheim und Software Development Manager. Sein erstes Programm war ein in BASIC geschriebenes Text Adventure. Inzwischen schreibt er ab und zu ein paar Artikel in seinem Blog, hält Vorträge und Workshops.
  • Sandra ist Cloud Developer Advocate bei Microsoft. Ihr fachlicher Schwerpunkt liegt vor allem auf Java in Microservicearchitekturen und Containern auf der Azure-Plattform. Sie unterstützt die Docker- und Kubernetes-Community, wann immer sie kann. Sie ist Organisatorin der JUG Berlin-Brandenburg und der Docker-Meetups in Berlin.
  • Thomas ist Technical Agile Coach für die Techniker Krankenkasse in Hamburg. Er und seine Coaching-Kolleg:innen unterstützen Teams dabei, in der Zusammenarbeit und den agilen Programmierpraktiken immer besser zu werden – unter anderem durch die Förderung von Pair- und Team-Programming, TDD und Testautomatisierung.
  • Gerd berät seine Kunden freiberuflich als Entwickler und Softwarearchitekt. Sein Schwerpunkt liegt dabei oft auf den Themen Build-/Konfigurations-/Versionsmanagement und dem Aufbau von Continuous-Integration/Delivery-Plattformen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9621993

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.javaland.eu/de/home/
[2] https://www.javaland.eu/de/home/
[3] mailto:rme@ix.de

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  • 07. März 2024 um 13:00

Softwareentwicklung: Interviews zur JavaLand-Konferenz 2024

Von Falk Sippach
Die JavaLand-Konferenz steht kurz bevor, wir haben mit einigen Community-Vertretern über die Konferenz gesprochen.
  • 07. März 2024 um 13:00

Apple ändert Kurs: Progressive Web Apps bleiben in EU-Ausgabe von iOS erhalten

Von Christian Liebel
iOS 17

Progressive Web Apps bleiben in der EU-Ausgabe von iOS nun doch erhalten.

(Bild: Apple)

Apple wird PWAs in der EU-Version von iOS doch nicht abschalten. Zuvor unterzeichneten fast 5.000 Personen und Organisationen einen offenen Brief an Tim Cook.

Mit iOS 17.4 sollte für Anwender innerhalb der Europäischen Union die Möglichkeit entfallen, Webanwendungen auf dem Home-Bildschirm des Gerätes zu installieren [1]. Damit hätten Entwickler von Webanwendungen Zugriff auf kritische Funktionen verloren, darunter die Möglichkeit, Web-Apps vollflächig anzuzeigen, Pushbenachrichtigungen an die Anwender zu senden oder Badges auf dem Homebildschirm-Icon darzustellen [2]. Eine ausführliche Übersicht bietet Thomas Steiners Artikel: So, what exactly did Apple break in the EU? [3]

Apple revidiert seine Entscheidung

Nun hat Apple eingelenkt und angekündigt, dass Homescreen-Web-Apps in der EU doch erhalten bleiben [4]. Entwickler können davon ausgehen, dass mit der finalen Ausgabe von iOS 17.4 die Möglichkeit, Webanwendungen auf dem Home-Bildschirm hinzuzufügen, wieder vorhanden sein wird. In den Beta-Versionen von iOS 17.4 wurde die Funktion für EU-Nutzer entfernt.

Begründet wurde die ursprüngliche Entscheidung durch die Änderungen im Rahmen des Digital Markets Act (DMA) der EU. Das Gesetz über digitale Märkte verpflichtet Apple zur Öffnung seines Betriebssystems iOS für alternative App-Stores und Browser-Engines. Bei iPadOS ändert sich zunächst nichts [5].

Installierte Web-Apps laufen auch weiterhin unter WebKit

Apple argumentierte, dass es das Sicherheitsmodell von iOS derzeit nicht zulasse, die Installation von Webanwendungen durch fremde Browser-Engines zu ermöglichen und wollte die Funktion daher grundsätzlich abschalten.

Als Kompromiss bleiben installierbare Webanwendungen in iOS nun erhalten, setzen dann aber wie gehabt auf WebKit als Browser-Engine auf. Somit kann das bestehende Sicherheitsmodell von iOS weiterverwendet werden und Anwender können Web-Apps auch weiterhin installieren.

Offener Brief der Open Web Advocacy an Apple-CEO Tim Cook

Den offenen Brief der Open Web Advocacy unterzeichneten wenigen Tagen fast 5.000 Personen und Organisationen.

Offener Brief findet fast 5.000 Unterstützer

Der Umentscheidung vorausgegangen war die Veröffentlichung eines offenen Briefs der Open Web Advocacy [6] (OWA) an Apple-CEO Tim Cook, der Apple aufforderte, die Installation von Webanwendungen in iOS zu erhalten. Innerhalb weniger Tage haben fast 5.000 Webentwickler und Organisationen den offenen Brief unterzeichnet, darunter viele Community-Mitglieder, Mitarbeiter von Branchengrößen wie Google, Microsoft, Adobe oder des W3C sowie Mitglieder des Europäischen Parlaments.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9641325

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Apple-bestaetigt-Keine-Progressive-Web-Apps-mehr-fuer-iOS-in-der-EU-9630089.html
[2] https://www.heise.de/news/Web-Push-und-Badging-in-iOS-16-4-Beta-1-Mega-Update-fuer-Progressive-Web-Apps-7521127.html
[3] https://blog.tomayac.com/2024/02/so-what-exactly-did-apple-break-in-the-eu.md/
[4] https://developer.apple.com/support/dma-and-apps-in-the-eu/#:~:text=Why%20don%E2%80%99t%20users%20in%20the%20EU%20have%20access%20to%20Home%20Screen%20web%20apps
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Digital-Markets-Act-Neue-Freiheiten-und-Herausforderungen-fuer-iOS-Entwickler-9637241.html
[6] https://letter.open-web-advocacy.org/
[7] mailto:rme@ix.de

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  • 06. März 2024 um 08:20

Apple ändert Kurs: Progressive Web Apps bleiben in EU-Ausgabe von iOS erhalten

Von Christian Liebel
Apple wird PWAs in der EU-Version von iOS doch nicht abschalten. Zuvor unterzeichneten fast 5.000 Personen und Organisationen einen offenen Brief an Tim Cook.
  • 06. März 2024 um 08:20

Projektmanagement: In der Component Factory

Von Stefan Mintert
Wenn Teams im Rahmen einer Produktentwicklung an Komponenten arbeiten, geraten die Entwickler leicht in eine Feature Factory. Wie kommt man selbst raus?
  • 05. März 2024 um 10:05
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