Micro-Frontends sind Benutzeroberflächen, die sich aus kleinen isolierten Anwendungen zusammensetzen. Implementieren kann man sie zum Beispiel mit Web Components.
Es handelt sich um die Übertragung des Microservice-Konzepts aus dem Backendbereich auf das Frontend: Größere Anwendungen werden in kleinere, besser zu implementierende und zu wartende Unteranwendungen zerlegt. Entwickler können dabei die Sprachen und Frameworks wählen, die zu ihnen und dem konkreten Anwendungsfall passen. Web Components sind ein möglicher Ansatz zur Implementierung solcher Micro-Frontends.
Es gibt viele Möglichkeiten, Micro-Frontends zu bauen: Unter anderem können Inline Frames (IFrames) eingesetzt werden, in denen unterschiedliche Single-Page-Apps ausgeführt werden. Über jeweils zu implementierende Kommunikationsschichten können diese miteinander Daten austauschen. Die Module Federation in Webpack 5 erlaubt das Nachladen von fremdem Programmcode zur Laufzeit, um dasselbe Ziel zu erreichen – hier nicht in unterschiedlichen Frames, sondern in ein und demselben Browsingkontext. Ganz ähnlich verhält es sich mit Web Components, mit denen sich dieser Artikel beschäftigt.
Web Components: Das Komponentenmodell des Web
Web Components [1] sind das eingebaute Komponentenmodell des Web. Entwickler können dabei eigene HTML-Elemente definieren und deren Aussehen sowie Verhalten selbst steuern. Die Technologie ist noch verhältnismäßig neu, funktioniert aber in den vier Evergreen-Browsern Chrome, Edge, Firefox und Safari seit längerem.
Der Datenaustausch erfolgt über benutzerdefinierte DOM-Attribute bzw. -Eigenschaften sowie -Ereignisse, auf der Komponente können auch eigene JavaScript-Methoden definiert werden, das Theming der Komponenten ist dabei über CSS Custom Properties möglich.
Web Components lassen sich mit Plain JavaScript schreiben, es gibt jedoch auch Bibliotheken wie Lit, die das Verfassen solcher Elemente noch einmal deutlich vereinfachen. Weiterhin erlauben auch Frameworks wie Angular (Angular Elements) oder Stencil das Verfassen eigener Web Components. Entwickler können hier einfach einen passenden Unterbau aussuchen, die Komponenten lassen sich anschließend problemlos miteinander kombinieren.
Web Components werden zur Laufzeit durch den Verwender registriert, damit ist auch ein Nachladen beliebiger Komponenten während der Ausführung möglich. Es gilt jedoch zu bedenken , dass der hierfür erforderliche JavaScript-Code innerhalb des eigenen JS-Kontextes ausgeführt wird. Einmal geladen kann der fremde Code etwa den Local Storage oder auch Cookies auslesen, wenn sie für JavaScript sichtbar sind. Wenn dies vermieden werden soll, bieten sich die oben genannten IFrame-Ansätze an.
Paint in Ihrer Anwendung einbinden
Vor wenigen Monaten habe ich hier auf dem ÜberKreuz-Blog meinen webbasierten Remake von Microsoft Paint [2] vorgestellt. Es handelt sich dabei um eine Progressive Web App, die komplett alleinstehend betrieben werden kann. Die Anwendung ist zugleich jedoch eine Web Component und kann somit auch in beliebige andere Anwendungen eingebettet werden. Die Paint-Web-Component steht unter dem Paket @christianliebel/paint [3]auf npmjs.org zur Verfügung.
Die Paint-Web-Component schreibt den Dateinamen des Dokuments in einen Adobe-Spectrum-Button
Viele Softwarehersteller setzen Design Systems ein, die Steuerelemente in der eigenen Corporate Identity enthalten. Adobe hat sein Design System namens Spectrum mit Web Components realisiert und quelloffen zur Verfügung gestellt. Unter anderem kommen diese Komponenten beim jüngst eingeführten Photoshop Web [4] zum Einsatz. Zur einfachen Demonstration des Ansatzes wird der Titel des aktuell bearbeiteten Dokuments der Paint-App auf einen Spectrum-Button geschrieben:
Um zu wissen, welche benutzerdefinierten HTML-Elemente von Drittanbieterpaketen zur Verfügung gestellt werden, gibt es das sogenannte Custom Element Manifest. Es zählt alle Web Components mit den verfügbaren Attributen, Eigenschaften, Ereignissen und CSS-Variablen auf. Für manche Umgebungen gibt es auch Generatoren, um die Manifest-Datei automatisiert erstellen zu lassen.
{ "version": 2, "tags": [ { "name": "paint-app", "description": "An open-source, Web Components-based remake" + "of MS Paint using modern web capabilities.", "properties": [], "events": [ { "name": "titlechange", "description": "The titlechange event fires whenever" + "the document's title changes, for example, " + "when a document is saved with a new name," + "or a document was opened from the file system.", "type": "{ title: string }" } ], "slots": [], "cssProperties": [] } ] }
Grenzen und Probleme
Bei Micro-Frontends ergibt sich das Problem, dass eigentlich unabhängige Anwendungen integriert werden müssen. Eventuell gibt es Versionsabhängigkeiten zwischen den Einzelanwendungen, die erfüllt werden müssen. Ist das nicht möglich, funktioniert auch die Gesamtanwendung nicht. Komponentenmarktplätze wie npmjs.org haben sich dieser Problematik durch das Konzept der semantischen Versionierung genähert. Hier ergibt sich durch die Versionsnummer, ob bei einem Update Breaking Changes zu erwarten sind. Ein weiterer Ansatz besteht darin, Schnittstellen dauerhaft abwärtskompatibel zu gestalten. Die Win32-API oder die Web-Plattform sind gute Beispiele hierfür, allerdings bedarf es hierfür passender organisatorischen Strukturen, um dieses Ziel einzuhalten.
Speziell auf Web Components bezogen lassen sich Custom Elements derzeit nur genau einmal registrieren. Mehrere Komponentenversionen nebeneinander ließen sich also nur durch versionierte Komponentennamen (z.B. <my-button-2>) realisieren – ein Antipattern. Die spätere Neuregistrierung einer Web Component, etwa um zur Laufzeit geänderte Versionsabhängigkeiten zu erfüllen, ist nicht möglich. Abhilfe soll hier die Scoped Custom Element Registry [5] schaffen, die bei der Web Platform Incubator Community Group (WICG) vorgeschlagen wurde. Damit ist eine Komponentenregistrierung in untergeordneten Anwendungsscopes möglich. Ein Polyfill ist verfügbar, implementiert ist das Konzept bislang aber in keinem Browser.
Aufgrund der vielen Schnittgrenzen kann der Micro-Frontend-Ansatz schließlich selbst zum Problem werden: Typische Anforderungen, die den Einsatz von Micro-Frontends bedingen, sind hochmodulare Umgebungen mit mehreren Zielanwendungen oder Apps, die von mehreren organisatorisch getrennten Teams mit unterschiedlichen Vorerfahrungen zeitgleich entwickelt werden sollen. Liegt das nicht vor, sind Entwickler mit einem durch passende Architekturmittel gut strukturierten Monolithen eventuell besser aufgehoben.
Fazit
Wenn wirklich ein Micro-Frontend-Ansatz gebraucht wird, stellen Web Components eine gute Option zur Umsetzung dar. Da sie im selben JavaScript-Kontext ausgeführt werden, sollten nur eigene Komponenten verwendet werden oder nur solche, deren Hersteller vertraut wird. Dann können unterschiedliche Entwicklerteams gleichzeitig unter Zuhilfenahme unterschiedlichster Frameworks eine oder mehrere Anwendungen entwickeln.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-6328145
Links in diesem Artikel: [1] https://www.heise.de/developer/artikel/Single-Page-Applications-ohne-Framework-Web-Components-als-Ersatz-fuer-React-Co-4850959.html [2] https://www.heise.de/developer/artikel/paint-js-org-MS-Paint-Remake-als-PWA-mit-Web-Components-und-modernen-Web-Capabilities-6058723.html [3] https://www.npmjs.com/package/@christianliebel/paint [4] https://www.heise.de/developer/artikel/Analyse-Photoshop-jetzt-als-Webanwendung-verfuegbar-6229321.html [5] https://github.com/WICG/webcomponents/blob/gh-pages/proposals/Scoped-Custom-Element-Registries.md
Im Dezember 2021 sorgte die Sicherheitslücke Log4Shell in dem Logging-Framework Log4j für Java für Aufregung, die vom BSI als kritisch eingeschätzt und auf Warnstufe Rot eingestuft wurde. Nachdem sich der Staub inzwischen gelegt hat, ist es an der Zeit für einen Review: Was lässt sich aus alldem lernen?
Log4j ist praktisch der De-Facto-Standard für Logging in Java. Dennoch handelt es sich bei dem Framework lediglich um ein Werkzeug für Logging, ein Thema, das eher unspektakulär und wenig aufregend klingt. Doch trotzdem (oder vielleicht auch gerade deshalb) verbarg sich in dem Modul eine eklatante Sicherheitslücke, deren Details im CVE 2021-44228 näher beschrieben werden.
Über die technischen Details der Sicherheitslücke, das Angriffsszenario und Strategien zum Schließen der Lücke wurde in den vergangenen Wochen sehr viel berichtet, weshalb es wenig sinnvoll ist, das alles noch einmal zu wiederholen.
Doch es stellen sich darüber hinaus Fragen, die bislang nur wenig diskutiert worden sind, die aber mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Dazu zählt zum einen, welche Ursachen und Gründe es für dieses Problem gibt, wie die ganze Situation überhaupt entstehen konnte, was sie begünstigt hat. Das ist die Frage nach dem "warum". Zum anderen stellt sich die Frage, was sich daraus lernen lässt: Wie lässt sich ein derartiges Fiasko zukünftig verhindern?
Kulturelle und gesellschaftliche Gründe
Dafür gibt es technische, vor allem aber auch kulturelle und gesellschaftliche Gründe. Der kulturelle Grund ist, dass Java an sich Komplexität fördert. Einfache Lösungen werden nicht favorisiert, sondern es wird auf Komplexität gebaut – und die Log4Shell-Thematik ist das Ergebnis überbordender Komplexität, die nicht mehr zu überblicken oder gar zu meistern ist. Das hat Kristian Köhntopp vor einigen Wochen auch in seinem hervorragenden Kommentar zu Log4j: Es funktioniert wie spezifiziert [1] beschrieben.
Der gesellschaftliche Grund ist, dass zwar faktisch alle Unternehmen sich bei Open Source bedienen und davon abhängen, im Gegenzug aber kaum ein Unternehmen bereit ist, auch etwas beizusteuern oder zurückzugeben. Lizenzen wie AGPL & Co., die die eigentlich viel ehrlicheren Open-Source-Lizenzen sind, weil sie nicht nur Rechte einräumen, sondern auch Pflichten einfordern, werden von nahezu allen Unternehmen als Ausschlusskriterium behandelt, und stattdessen lieber auf die bequemen Alternativen MIT & Co. gesetzt. Und warum?
Weil es zumindest kurzfristig weniger kostet: Weniger Zeit und vor allem weniger Geld. Aber das ist eben nur eine kurzfristig erfolgreiche Strategie. Langfristig wird dieser Ansatz schiefgehen, und genau das ist jetzt mit Log4Shell eindrucksvoll passiert. Doch auch jetzt ist es einfacher, auf Open Source und die Entwicklerinnen und Entwickler dahinter zu schimpfen als sich proaktiv für ein nachhaltiges Modell einzusetzen, das Open Source für alle Beteiligten zum Vorteil werden lässt – nicht nur für die Verwender, sondern auch für die Menschen, die Open Source entwickeln.
Ein Geschäftsmodell für Open Source
An diesem Missstand muss sich dringend etwas ändern. Was wir als IT-Branche benötigen, ist ein tragfähiges Geschäftsmodell für nachhaltige Open-Source-Software. Und wir als Entwicklerinnen und Entwickler von Open Source müssen aufhören, unsere Zeit zu verschenken, als sei sie nichts wert.
Nur dann haben wir eine Chance, dass Open Source ein langfristig erfolgreiches und zugleich auch faires Modell werden kann, das nicht einseitig die belastet, die den Erfolg von Open Source erst ermöglichen.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-6317678
Links in diesem Artikel: [1] https://www.heise.de/meinung/Kommentar-zu-log4j-Es-funktioniert-wie-spezifiziert-6294476.html
Eine weihnachtliche LED-Schneelandschaft im Eigenbau
the next big thingGolo Roden
Der Advent gilt als besinnliche und beschauliche Zeit. Warum also nicht sich die Zeit nehmen und gemeinsam mit der Familie oder Freunden etwas schönes basteln und entwickeln – beispielsweise eine weihnachtliche LED-Schneelandschaft?
Im vergangenen Jahr lag der Schwerpunkt des Advents-Specials meines Unternehmens, der the native web GmbH, auf der persönlichen Weiterentwicklung. In 24 Videos ging es um für Entwicklerinnen und Entwickler alltagsrelevante Themen [1] abseits der Technologien, insbesondere um die hohe Relevanz von Konzepten und Prinzipien sowie das "richtige" Mindset.
Die weihnachtliche LED-Schneelandschaft
Auch in diesem Jahr wollten wir wieder etwas Besonderes machen, ohne aber das Thema des Vorjahres lediglich zu wiederholen. Deshalb haben wir uns überlegt, eine weihnachtliche LED-Schneelandschaft zu gestalten, zu sägen, zu kleben, zu löten und sie schließlich auch zu programmieren.
Dazu werden wir in der Adventszeit nach und nach sechs Videos veröffentlichen, in denen wir die einzelnen Schritte anschaulich erklären, so dass sie leicht nachgemacht werden können. Den Anfang machen zunächst die Vorstellung des Projekts [2] und die Einkaufsliste [3], auf der die benötigten Materialien und Werkzeuge zu finden sind.
Die Videos finden sich in einer eigenen Playlist [4] auf unserem YouTube-Kanal [5], ich werde aber auch diesen Blogpost regelmäßig um die neuen Links erweitern:
Auch in diesem Jahr gibt das HTTP Archive sein kostenloses Jahrbuch, den Web Almanac heraus. 112 Autoren, Analysten und Reviewer aus der Community haben sich zusammengetan, um den Zustand des Web im Jahr 2021 zu analysieren. Entstanden ist ein Werk mit 24 Kapiteln, die das Web aus unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchten.
Das HTTP Archive ist eine Unterorganisation des Internet Archive, das unter anderem für seine Wayback Machine bekannt ist. Das HTTP Archive crawlt monatlich 8,2 Millionen Websites und führt dabei unterschiedliche Analysen durch. Dazu zählt etwa die Größe der übertragenen Dateien, eingesetzte Caching-Techniken oder verwendete Webschnittstellen. Insgesamt fallen 39,5 TByte Datenmaterial an.
Der Web Almanac, der dieses Jahr zum dritten Mal herausgegeben wird, basiert auf den Daten des Crawls im Juli 2021. Insgesamt 24 Kapitel widmen sich unterschiedlichsten Themenbereichen im Web, darunter CSS, Kompression oder Barrierefreiheit. In diesem Jahr feiert das Kapitel zu WebAssembly sein Debüt. Nur ein Ausschnitt einiger interessanter Erkenntnisse: 94,4 Prozent aller Websites laden mindestens eine Third-Party-Ressource. 43,02 Prozent aller Desktop-Websites verweisen auf eine Datenschutzerklärung. Die beliebteste HTML-Element-ID lautet "content".
Der Autor dieses Blogs hat das Kapitel über Capabilities verfasst: In diesem werden Websites auf die Verwendung moderner Webschnittstellen [1] geprüft. Die meistgenutzten APIs sind die Async Clipboard API und die Web Share API; rund 9 Prozent aller Websites setzen Code ein, der auf diese Schnittstellen zurückgreift. Im vergangenen Jahr hat sich die Nutzung der Async Clipboard API um Faktor 10 erhöht.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-6280705
Links in diesem Artikel: [1] https://www.heise.de/developer/artikel/Google-Projekt-Fugu-Die-Macht-des-Kugelfisches-4255636.html [2] https://almanac.httparchive.org/en/2021/
Capacitor oder Cordova: Welche Plattform sollten Entwickler webbasierter Mobilapps wählen?
ÜberKreuz Christian Liebel
Wer webbasierte Anwendungen für Android und iOS schreibt, hat die Qual der Wahl: Mit Capacitor und Cordova gibt es zwei Ansätze, die zum selben Ziel führen. Zeit für einen Vergleich der beiden Cross-Plattform-Frameworks.
Das Framework Apache Cordova, auch unter dem Namen PhoneGap bekannt, bringt seit über einer Dekade zuverlässig Web-Apps auf Mobilgeräte. Mit Capacitor gibt es einen Herausforderer, hinter dem mit Ionic ein Unternehmenssponsor steht. ÜberKreuz stellt die beiden Plattformen vor und gibt eine Empfehlung ab, welcher Ansatz nach Meinung des Autors gegenwärtig zu bevorzugen wäre.
Apache Cordova: Cross-Plattform-Apps als Buildartefakte
Cordova [1] ist ein Community-Projekt der Apache Software Foundation (ASF). Es handelt sich dabei um den technischen Kern des Frameworks PhoneGap, das Adobe im Jahr 2011 gekauft hatte. Während Adobe PhoneGap als kommerziellen Dienst mit einigen Mehrwertangeboten wie einem Cloud-basierten Build-System betrieb, wurde der Unterbau quelloffen verfügbar gemacht und an die ASF übergeben. Im August 2020 kündigte Adobe an, PhoneGap einzustellen und sich nicht mehr an der Weiterentwicklung von Cordova zu beteiligen. Damit liegt die Wartung der Software nun bei der Community.
Bei Cordova gibt es zwei wichtige Konzepte: Plattformen und Plug-ins. Die Plattform stellt den portablen, webbasierten Quelltext auf einem bestimmten nativen Betriebssystem zur Verfügung, zum Beispiel Android oder iOS. Es werden auch weitere Plattformen wie macOS, Windows oder Electron unterstützt. Die Plattform greift auf die vom Betriebssystem bereitgestellte Web-View zurück und bettet die Anwendung darin ein. Daneben gibt es Plug-ins, die der Webanwendung den Zugriff auf beliebige native Schnittstellen erlauben. Das Plug-in enthält dabei (je Zielplattform) nativen Quelltext und macht diesen in JavaScript verfügbar.
Die grundlegende Philosophie bei Cordova ist, dass das komplette native Plattformprojekt als Artefakt eines Build-Vorgangs entsteht; für Entwickler verhält es sich als Black Box. Sämtliche Modifikationen werden in einer XML-Konfigurationsdatei vorgenommen und die Plattformprojekte daraus generiert. Die nativen Quelltexte sollen weder im Repository eingecheckt noch in irgendeiner Form verändert werden, da die Anpassungen beim nächsten Build wieder hinfällig wären.
Daten der App-Analyse-Plattform appfigures zeigen [2], dass im November 2021 rund 18 Prozent der App-Store-Anwendungen und Google-Play-Anwendungen auf Cordova setzen (über alle Anwendungskategorien hinweg, einschließlich Spielen). Das macht die Plattform im App Store zum zweithäufigsten und im Play-Store zum dritthäufigsten eingesetzten Entwicklungs-SDK. Auf Cordova setzt etwa die Selbstachtungs-App Sanvello (4,8 Sterne bei 17.300 Bewertungen im App Store).
Cordova spielt bei den meistverwendeten SDKs auf den vorderen Plätzen mit (Screenshot: appfigures.com, Stand: 21. November 2021)
Capacitor: Ionic fordert Cordova heraus
Capacitor [3] ist im Jahr 2019 erstmals erschienen. Hinter Capacitor steckt das Unternehmen Ionic, das auch ein gleichnamiges Cross-Plattform-Framework herausgibt und weitere Dienste rund um die plattformübergreifende Entwicklung anbietet. Bei Capacitor handelt es sich vergleichbar zu Cordova um die technische Basis, um Webanwendungen auf nativen Plattformen zur Verfügung stellen zu können. Das Framework Ionic stellt darüber hinaus Steuerelemente in den nativen Plattformstilen von Android und iOS bereit, damit diese Anwendungen so aussehen und sich so verhalten wie ihre nativen Gegenstücke. Weitere Dienste wie Cloud-Builds oder Single Sign-on lassen sich kostenpflichtig bei Ionic abonnieren.
Der zentrale Unterschied zwischen Cordova und Capacitor besteht in der Philosophie, wie die nativen Plattformprojekte betrachtet werden: Bei Capacitor werden diese nicht als Build-Artefakt angesehen, sondern einmal generiert, in die Codebasis eingecheckt und dann direkt modifiziert [4]. Damit haben Entwickler die volle Freiheit im Umgang mit dem nativen Projekt, müssen sich umgekehrt aber auch um dessen Wartung kümmern.
Plattformen und Plug-ins gibt es auch bei Capacitor: Als Ausgabeplattformen werden iOS, Android sowie Progressive Web-Apps unterstützt. Das Framework stellt für häufig verwendete native Schnittstellen eigene Plug-ins zur Verfügung und kümmert sich um deren Wartung. Außerdem ist Capacitor mit den meisten Cordova-Plug-ins kompatibel und kann somit auch auf diese zurückgreifen. Installierte Plug-ins findet Capacitor übrigens automatisch, wohingegen diese bei Cordova in der Konfiguration bekannt gemacht werden müssen.
Capacitor rangiert laut den Daten von appfigures aktuell auf Platz 20 (unter einem Prozent der Anwendungen) im App Store beziehungsweise Platz 12 (etwa 1 Prozent der Anwendungen) in Google Play unter den meistverwendeten Development-SDKs. Auf Capacitor setzt etwa die Fitness-App Sworkit (4,7 Sterne bei 27.000 Bewertungen im App Store).
Für welchen Ansatz sollten sich Entwickler entscheiden?
Cordova und Capacitor lösen zunächst einmal dasselbe Problem, nämlich die Ausführung einer Webanwendung auf einer nativen Plattform. Capacitor entstand dabei auf Basis der Erfahrungen des Ionic-Teams mit Cordova. Zugleich steht mit Ionic ein Unternehmenssponsor hinter Capacitor, der sein Geschäftsmodell darauf aufbaut. Weiterhin reagiert Capacitor durch die Bereitstellung einer PWA-Ausgabeplattform auf aktuelle Trends.
Das Cordova-Ökosystem scheint überdies in die Jahre gekommen. Einige von der Community bereitgestellte Plug-ins sind veraltet und werden nicht mehr gewartet. Auch JavaScript hat sich in der Zwischenzeit weiterentwickelt: Manche der Cordova-Plug-ins stellen globale Methoden bereit, die von Capacitor veröffentlichten Schnittstellen setzen hingegen auf ECMAScript-Module. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Entwicklung von Cordova eingestellt ist, außerdem vereint Cordova derzeit noch den größeren Marktanteil auf sich.
Im täglichen Gebrauch fühlt sich der von Capacitor gewählte Ansatz, die nativen Plattformprojekte in das Repository einzuchecken, deutlich besser an. Manchmal braucht es bei Cordova-Projekten separate Build-Skripte, um String-Replacements an den Quelldateien der nativen Projekte durchzuführen. Umgekehrt bedeutet der Capacitor-Ansatz jedoch auch einen erhöhten Wartungsaufwand bei Plattformupdates.
Zusammengefasst dürfte Capacitor aktuell die naheliegendere Wahl für die meisten Entwicklerteams sein. Das Framework ist deutlich moderner und der Unternehmenssponsor dürfte die kontinuierliche Weiterentwicklung auf absehbare Zeit sichern.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-4690975
Links in diesem Artikel: [1] https://cordova.apache.org/ [2] https://appfigures.com/top-sdks/development/all%E2%80%8B [3] https://capacitorjs.com/ [4] https://ionicframework.com/blog/announcing-capacitor-1-0/
Nicht nur die Corona-Infektionen nehmen zu. Im Herbst und Winter ist auch Grippezeit.
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Einen Gang zurückschalten: Zurzeit haben wieder Erkältung und Grippe viele Menschen im Griff. Symbolfoto: dpa
Im Vogelsbergkreis haben derzeit 22 798 Personen zwei Impfungen bei Hausärzten erhalten, 2987 Vogelsberger wurden mit dem Einmal-Impfstoff von Johnsen & Johnsen geimpft, 621 Vogelsberger haben bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten. Die Daten vom Stand 24. Oktober stammen von der Kassenärztlichen Vereinigung und werden unter anderem auf der Homepage des Hessischen Sozialministeriums veröffentlicht. Laut Angaben des Kreises, die auf den Daten bis einschließlich 17. Oktober basieren, verteilen sich die Impfungen wie folgt: Erstimpfungen 59,37 Prozent, vollständige Impfungen 63,3 Prozent, Dritt- bzw. Auffrischungsimpfungen 1,82 Prozent.
Architekt Alexander Felde, TÜV-Geschäftsführer Henning Stricker und der Bereichsleiter Facility Management TÜV Hessen Marcus Beschnitt befüllen gemeinsam die Zeitkapsel (von links).
(Foto: Lucas Schwarzburg)
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ALSFELD - Der TÜV modernisiert sein Service-Center in Alsfeld und baut in der Grünberger Straße 76 eine neue Prüfanlage. Aus diesem Anlass hat am Donnerstag eine feierliche Grundsteinlegung mit geladenen Gästen und dem Versenken einer Zeitkapsel stattgefunden.
Unter anderem begrüßte der Geschäftsführer des TÜV Hessen Henning Stricker den Ersten Stadtrat Berthold Rinner (CDU) für die Stadt Alsfeld und den Kreisbeigeordneten Hans-Jürgen Herbst (SPD) für den Landkreis. Der TÜV investiere in Alsfeld, auch wenn das natürlich kein Vergleich zu dem Vorhaben der DHL sei, betonte Stricker während seiner kurzen Rede. Mit einer Investition von rund 2,5 Millionen Euro werde die Beschäftigung der ortsansässigen Mitarbeiter gesichert, „die hier einen wunderbaren Job Vorort machen“. Die Aufgabe des TÜV sei es, die Sicherheit im Straßenverkehr sicherzustellen. Das gelte sowohl für die Abnahme der theoretischen Führerscheinprüfung als auch der Überprüfung und Straßenzulassung der Fahrzeuge. Neben der Hauptuntersuchung werde durch die Abgasuntersuchung auch ein Beitrag für den Umweltschutz geleistet. „Was lange währt, wird endlich gut“, meinte Stricker über die Zeit zur Antragstellung des Neubaus bis hin zur Genehmigung und dem Start der Bauarbeiten.
Nach der kurzen Ansprache von Stricker wurde eine Zeitkapsel mit einer Oberhessischen Zeitung und unterschriebenen Urkunden des TÜV in einer Mauer versenkt.
Der TÜV Hessen ist seit dem Jahr 1964 am Standort in Alsfeld vertreten. Nach über 50 Jahren hat nun der Abriss des alten Gebäudes stattgefunden, an dessen Stelle der Neubau errichtet wird. Dieser soll im ersten Quartal 2022 abgeschlossen sein. In der Zwischenzeit finden aber weiterhin sämtliche Service-Angebote wie Hauptuntersuchungen oder theoretische Fahrerlaubnisprüfungen statt. Diese werden in einem provisorisch errichteten Prüfgebäude durchgeführt. Während der kompletten Bauzeit bleiben auch die Öffnungszeiten unverändert.
Um Wartezeiten zu vermeiden, empfiehlt der TÜV eine vorherige Terminvereinbarung für die Hauptuntersuchung. Dies ist telefonisch unter der Nummer 0800/2727270 oder online unter www.tuev-hessen.de/wunschtermin möglich.
*geschrieben von OZ-Schülerpraktikant Lucas Schwarzburg
Ein Untersuchungsausschuss will klären, warum der Lübcke-Mörder Stephan Ernst vom Radar genommen wurde. Der war ein gewaltbereiter Rechtsextremist.
Von Christoph Cuntz
Redakteur Politik
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Für die Polizei in Nordhessen trat Stephan Ernst in den Jahren vor dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke offenbar nicht besonders in Erscheinung. Er sei meist nur sporadisch durch die Teilnahme an rechten Veranstaltungen aufgefallen, berichtet ein Zeuge im Untersuchungsausschuss.
Ein Stapel Gerichtsakten. Foto: Christian Charisius/dpa/Symbolbild (Bild: dpa)
(Foto: Christian Charisius/dpa/Symbolbild)
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Wiesbaden - Kriminalbeamte des Polizeipräsidiums Nordhessen hatten Stephan Ernst vor dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke «nicht besonders auf dem Schirm». Das sagte der ehemalige stellvertretende Leiter der dortigen Staatsschutzabteilung am Freitag in Wiesbaden im Untersuchungsausschuss im hessischen Landtag. Die Aussage des Zeugen bezog sich auf den Zeitraum seiner Tätigkeit von November 2009 bis Juli 2015.
Ernst sei ihm zwar «gelegentlich untergekommen in der Zeit», sagte der 58-Jährige weiter. Als dieser aber nach der Tötung des Regierungspräsidenten ins Zentrum der Ermittlungen kam, habe er einige Jahre später erst nachschauen müssen, um wen genau es sich handelte. In Erscheinung getreten seien Ernst und auch Markus H. meist nur «sporadisch» durch Teilnahme an rechten Veranstaltungen. Bei derartigen Treffen seien die beiden aber nicht durch Straftaten in Erscheinung getreten.
Markus H. wurde wegen Beihilfe im Fall Lübcke angeklagt, letztlich aber nur wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Bewährungsstrafe verurteilt - ein Urteil, gegen das er Revision einlegte.
Stephan Ernst sei in ihrer Zeit nicht Gegenstand der Arbeit gewesen, sagte die ehemalige Dezernatsleiterin des Landesamtes für Verfassungsschutz. Die zweite Zeugin im Ausschuss hatte von Oktober 2011 bis Januar 2015 im Bereich der Auswertung von Rechtsextremismus gearbeitet. Weder in Form einer aktuellen «Bearbeitung» noch wegen einer «Wiedervorlage» hätten sich die Verfassungsschützer in ihrem Dezernat mit Ernst beschäftigt.
«Die Informationslage war nicht so zufriedenstellend gewesen, dass man einen vollen Überblick über die Szene in Nordhessen gehabt hätte», sagte sie mit Blick auf die Überwachung der rechten Szene in der Region. «Einen besseren oder überhaupt einen Zugang» habe man sich gewünscht. Zu ihrer Zeit habe der Verfassungsschutz 140 gewaltbereite, rechtsextreme Personen in Nordhessen registriert. Sechs Zusammenschlüsse in «vertiefter besonderer Zusammenarbeit» habe es gegeben. In keinem seien Ernst und Markus H. in Erscheinung getreten. Lediglich Markus H. sei als «Aktivist in der rechten Szene» eingestuft gewesen.
Der Untersuchungsausschuss soll die Rolle der hessischen Sicherheitsbehörden in dem Mordfall aufarbeiten. Der Regierungspräsident war 2019 getötet worden. Das Oberlandesgericht Frankfurt verurteilte Ernst Ende Januar 2021 wegen Mordes zu lebenslanger Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Deutsche den CDU-Politiker aus rechtsextremen Motiven erschossen hatte.
Aktivisten verschiedener Initiativen malen vor dem ehemaligen EZB-Gebäude in der Innenstadt von Frankfurt ein riesiges Bild auf den Asphalt. Foto: Boris Roessler/dpa (Bild: dpa)
(Foto: Boris Roessler/dpa)
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Frankfurt - Mit einem riesigen Bodengemälde haben Aktivisten verschiedener Initiativen in Frankfurt gegen die Klimapolitik von Banken protestiert. Vor dem ehemaligen EZB-Gebäude in der Innenstadt malten sie am Freitag ein etwa 300 Quadratmeter großes Bild mit dem Schriftzug «Stop funding fossil fuels». Sie verleihen mit der Aktion ihrer Forderung Ausdruck, dass Banken nicht länger die Kohle-, Öl- und Gasindustrie unterstützen und finanzieren sollten. Anlass dafür war der Weltspartag. Die Initiatoren hatten in etwa 25 deutschen Städten Proteste angekündigt.
In Ulrichstein-Wohnfeld wurde die Feuerwehr am späten Freitagabend zu einem Kellerbrand gerufen. Niemand wurde verletzt.
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Am Freitagnachmittag meldete die Leitstelle des Vogelsbergkreises einen Gebäudebrand im Ulrichsteiner Stadtteil Wohnfeld. Rund 70 Einsatzkräfte der Feuerwehr machen sich auf dem Weg. Auch Polizei und Rettungsdienst waren vor Ort. Bei Eintreffen der Feuerwehr drang starker Rauch aus dem Keller. "Gemeldet war außerdem eine vermisste Person, aber das hatte sich dann glücklicherweise doch nicht bewahrheitet", erklärte Stadtbrandinspektor Andreas Hädicke nach dem Einsatz. Mit zwei Trupps unter Atemschutz hatte die Feuerwehr zuvor das Gebäude abgesucht und den Brand gelöscht. "Die Brandursache war vermutlich ein Kocher, auf dem sich Kleidungsstücke befunden haben", so Hädicke. Insgesamt 70 Einsatzkräfte aus Ulrichstein waren vor Ort. Auch Nachbarkräfte aus Mücke standen mit einer Drehleiter bereit. (webe)/Foto: Fuldamedia
Die Arbeitlosenquote im Vogelsbergkreis lag im Oktober bei 3,4 Prozent. Demnach waren 1943 Personen erwerbslos gemeldet. Das waren 58 weniger zu September und 308 Personen oder 13,7 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahresmonat Oktober. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkt auf 3,4 Prozent.
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In der Obergasse in Alsfeld tut sich was. In mehreren leerstehenden Ladengeschäften ist Bewegung.
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Noch herrscht geordnetes Chaos in der Geschäftsfiliale von Textil Sagawe in der Obergasse in Alsfeld. Zum verkaufsoffenen Sonntag aber startet der Verkauf. Foto: Linda Buchhammer
Eurobanknoten liegen auf einem Tisch. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration (Bild: dpa)
(Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration)
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Wiesbaden - Die Gewerbesteuereinnahmen der hessischen Kommunen sind im dritten Quartal 2021 über das Niveau des Vergleichszeitraums vor der Corona-Pandemie gestiegen. Mit 1,49 Milliarden Euro lagen sie 14,4 Prozent höher als im dritten Quartal 2019 und 40,8 Prozent über den Vergleichszahlen 2020, wie das Statistische Landesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Der starke Anstieg von 431,4 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal sei auch auf einen Basiseffekt zurückzuführen. 2020 sei das Ergebnis aufgrund der starken Pandemie-Einschränkungen schwach ausgefallen, hieß es zu den vorläufigen Zahlen.
Die positive Entwicklung ist dem Landesamt zufolge zum großen Teil auf die Einnahmen von Hessens größter Stadt Frankfurt zurückzuführen. Mit 556 Millionen Euro erzielte die Mainmetropole 37,3 Prozent der hessischen Gewerbesteuereinnahmen. Große Verluste gab es in Wiesbaden (minus 30 Prozent) und Darmstadt (minus 20,3). Fast drei Viertel aller Kommunen konnten ihre Gewerbesteuereinnahmen im Vergleich zum Vorjahresquartal steigern.
3G oder 2G? Der Zugang zu Veranstaltungen, Lokalen und Einrichtungen ist coronabedingt in Hessen unterschiedlich geregelt. Das sorgt für Ärger.
Eintrittskarte für die Kneipe: Seit es verstärkt die Möglichkeit gibt, unter 2G nur noch Geimpfte und Genesene in der Gastronomie aber auch bei Veranstaltungen reinzulassen, ist dieser Status noch wichtiger geworden. Wer an Corona erkrankt war, gilt sechs Monate lang als „genesen“.
(Foto: dpa)
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HESSEN - Die coronabedingten Zugangsbeschränkungen in Betrieben und öffentlichen Einrichtungen in Hessen sorgen weiter für Diskussionsstoff. Zwar verzichten bisher viele Betriebe im Einzelhandel und Gastgewerbe auf das 2G-Optionsmodell, das nur Geimpften und Genesenen Zutritt gewährt. Aber auch um die 3G-Regel, die zusätzlich Besuchern und Gästen von Veranstaltungen, Lokalen und Einrichtungen mit aktuellen Corona-Negativtests Zutritt gewährt, gibt es teilweise Konflikte. Eine Übersicht:
Hochschulen
Um in diesem Semester wieder Präsenzveranstaltungen anbieten zu können, arbeiten viele hessische Hochschulen mit der 3G-Regel, die neben Geimpften und Genesenen auch Getesteten Zutritt gewährt. Widerstand dagegen regte sich zuletzt an der Universität Kassel, wo in dieser Woche einige Dutzend Studierende gegen die Beschränkungen auf die Straße gingen. Auch an der Hochschule Fulda wird gelegentlich Kritik laut - größtenteils laufe die 3G-Umsetzung aber gut, sagte eine Sprecherin der Hochschule. In vier Zelten auf dem Gelände können sich die Studierenden dort vor dem Betreten der Gebäude testen lassen, kontrolliert werde das stichprobenartig.
Dagegen setzt die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) auf Abstand und Maskenpflicht statt 3G. Die Hochschule mit ihren 41 eigenen und 19 angemieteten Standorten sei zu weit verteilt, um 3G ausreichend kontrollieren zu können, sagte ein Sprecher. Deshalb halte es die Hochschulleitung für sinnvoller, mit Abstand- und Hygieneregeln zu arbeiten, die von den Lehrenden notfalls auch per Hausrecht durchgesetzt werden könnten.
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Zudem wolle man allen Studierenden die gleichen Bedingungen bieten. Zu Präsenzveranstaltungen können diese sich über ein Online-Tool anmelden. Sind die Veranstaltungen wegen der geltenden Abstandsregeln voll, sei in vielen Fällen eine Teilnahme via Live-Stream oder digitaler Aufzeichnung möglich.
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Gastgewerbe
Ein gemischtes Bild zeigt sich im hessischen Gasgewerbe. Während etwa die Hälfte der Betriebe bisher bei 3G bleibt, wechseln 38 Prozent der Wirte und Hoteliers zwischen den Modellen und lassen etwa bei Veranstaltungen oder an bestimmten Wochentagen nur Geimpfte und Genesene ein, wie eine Umfrage des Branchenverbandes Dehoga Hessen ergab, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zwölf Prozent der Betriebe hingegen setzen allein auf das 2G-Modell. Dazu gehören vor allem Clubs und Diskotheken, in denen Geimpfte und Genesene wieder ohne Maske und Abstand tanzen können. Aber auch kleinere Bars, Kneipen und klassische Restaurants bevorzugten die striktere Variante der Zugangsbeschränkungen, weil ihnen schlicht der Platz fehle, um mit genügend Abstand wirtschaftlich arbeiten zu können, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführer Julius Wagner.
Gerade Restaurantbetreiber bekämen bei der Entscheidung für das 2G-Optionsmodell teilweise kräftigen Gegenwind zu spüren - von Anfeindungen bis hin zu bewusst negativen Bewertungen im Netz. Dabei seien manche der Verfasser dieser Texte noch nicht einmal wirklich im jeweiligen Lokal zu Gast. "Diese bilden quantitativ zwar die Ausnahme, richten aber Schaden an - sowohl mental bei den Gastronomen als in der medialen Reputation der Betriebe."
Sport
2G, 3G und Platzkapazitäten - auch im Sport ist das ein großes Thema. Die Corona-Vorgaben des Landes sehen bei Veranstaltungen in Hallen jeweils eine 3G-Pflicht vor. Bei den Partien des Basketball-Bundesligisten Fraport Skyliners allerdings gilt beispielsweise die 2G-Regel - mit bestimmten Ausnahmeregeln für Kinder.
Bei den Spielen der Fußball-Bundesliga im Frankfurter Stadion wiederum entscheidet das Gesundheitsamt der Stadt. Das hatte Eintracht Frankfurt vor einigen Tagen grünes Licht gegeben, das Bundesliga-Heimspiel gegen RB Leipzig an diesem Samstag (30.10.) wieder vor vollen Rängen auszutragen. Bis zu 51.500 Zuschauer dürfen damit in die Arena. Erlaubt sind dabei bis zu 5000 Fußballfans, die nicht geimpft oder genesen, aber negativ getestet sind.
Zudem gilt im Stehplatz-Bereich die 2G-Regel - die Maskenpflicht entfällt hier ebenso wie auf den Sitzplätzen. Dort wiederum wird die 3G-Plus-Regelung angewandt - zugelassen sind somit Genesene, Geimpfte oder Besucher mit einem negativen PCR-Test. Bei Kindern bis einschließlich elf Jahren reicht das Vorzeigen eines Schultestheftes oder eines anderen Antigen-Schnelltestes. Abgesagt wurde hingegen auch in diesem Jahr der Frankfurt Marathon, der eigentlich an diesem Sonntag in der Mainmetropole stattfinden sollte. Der älteste Städtemarathon Deutschlands, bei dem in normalen Zeiten bis zu 25 000 Läufer an den Start gehen, war bereits im Vorjahr ausgefallen. Nun soll stattdessen ein virtueller Lauf stattfinden: Die gelaufene Zeit wird hinterher online im persönlichen Teilnehmerbereich eingetragen.
Handel
Im hessischen Handel wollen einer Umfrage zufolge derzeit 17 Prozent der Betriebe das 2G-Modell umsetzen - und 45 Prozent würden diese Möglichkeit punktuell nutzen, wie der Handelsverband Hessen mitteilte. Damit gehe die Branche "einen weiteren Schritt in Richtung Normalität - aber mit Bedacht", hieß es. Es gehe nicht darum einzelne Personen auszuschließen, sondern bestimmten Branchen mit beratungsintensivem Sortiment eine sichere Beratung, ohne Abstand und ohne Maske zu ermöglichen, betonte der Verband. "Eine dauerhafte 2G-Option für den Lebensmittel- und großflächigen Einzelhandel ist dabei keine realistische Lösung, da dieser die Nahversorgung sichern muss und Zugangskontrollen nicht realisierbar sind."