heise+ | KI-Halluzinationen: Wie Bibliotheksdaten helfen könnten
Von Heise — 25. Juli 2026 um 10:00
Eine riesige einheitliche Datenbank soll das Wissen aus Kultur- und Forschungseinrichtungen vernetzen. Doch wie funktioniert die „Gemeinsame Normdatei“?
Winston Churchill hatte es, Thomas Müller hat es besonders und Neustadt sowieso: das Problem, dass ihre Namen nicht nur ihnen gehören. Diese sprachliche Unschärfe kann zu Verwechslungen führen, weil Computersysteme Datensätze nicht eindeutig identifizieren und voneinander abgrenzen können. Datenbanken bevorzugen daher Identifikatoren für Objekte, zum Beispiel für den einen Thomas Müller, der Fußballprofi beim FC Bayern war. Um Redundanz zu vermeiden, entwickelten sich im Bibliothekswesen dafür sogenannte Normdateien, Verschlagwortungsdatenbanken, die diese Identifikatoren zentral verwalten.
Für den deutschsprachigen Raum erledigt die Deutsche Nationalbibliothek diese Aufgabe in der sogenannten „Gemeinsamen Normdatei“ (GND) und öffnet diese fortlaufend für weitere Einrichtungen aus Kultur und Forschung. Von diesem großen offenen Wissensnetzwerk profitieren auch alle außerhalb dieser Institutionen, die hochwertige Daten suchen oder zur Verfügung stellen, wie Entwickler und Webseitenbetreiber.
Im Gespräch mit c’t erklären Barbara Fischer und Jürgen Kett von der Deutschen Nationalbibliothek die Bedeutung ihrer Normdatei, ihren bisherigen Öffnungsweg und kommende Projekte. Außerdem erläutern sie, welche Rolle KI-Sprachmodelle für die GND spielen und umgekehrt. Denn die GND bietet sich mit ihren strukturierten Daten als Infrastruktur an, um Recherchen mit und ohne KI-Unterstützung zu verbessern.
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Saarland: Warum sich diese Region immer wieder neu erfinden musste
Von Telepolis — 25. Juli 2026 um 14:00
Marktplatz in Saarlouis. Foto: Christan Bartels
Von Volksabstimmungen über Vaubans Festungen bis zum Strukturwandel: Das Saarland war selten Randgebiet – sondern oft Europas Brennpunkt. (Teil 2 und Schluss.)
Hamburg will, unabhängig von der Frage, ob es sie bekommen würde, schon wieder keine Olympischen Spiele veranstalten, stimmte es kürzlich ab. Ansonsten spielen Volksabstimmungen in Deutschland keine große Rolle und scheitern oft am Quorum. Im Saarland aber gab es im 20. Jahrhundert zwei Volksabstimmungen mit erheblichen Nachwirkungen.
Zwei Abstimmungen mit Folgen bis heute
Dabei wurde der Nachbar Frankreich sozusagen gleich zweimal demokratisch gedemütigt (siehe Teil 1). 1935 und 1955 konnten die Saarländer abstimmen, ob sie zu Frankreich oder zu Deutschland gehören wollten. In gut anderthalb Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg hatte Frankreich als ziemlich zerstörter Haupt-Schauplatz des Krieges zwar nicht gerade um die Sympathie der Saarländer bemüht.
Bei der Abstimmung 1935 hätte es aber – aus heutiger Sicht – davon profitieren können, dass östlich des Saarlands zu dem Zeitpunkt schon seit fast zwei Jahren die Nazis regierten. Es profitierte nicht davon.
Sage und schreibe 90,7 Prozent der Wahlberechtigten stimmten für den Beitritt des Saarlands zu Hitler-Deutschland.
Warum das Saarland nicht das zweite Straßburg wurde
In den zehn Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich Frankreich durchaus um die Sympathie der Saarländer bemüht. Saarbrücken hätte, unter französischer Hegemonie eigenständig, womöglich zu dem werden können, was heute Straßburg ist – ein Zentrum des zusammenwachsenden Europas, das davon profitiert, wie viele gut bezahlte Beamte und Abgeordnete dort arbeiten, teilweise leben und ihr Geld ausgeben.
Statt "europäisiert" zu werden, beschlossen die Saarländer aber, nun mit Zwei-Drittel-Mehrheit, als zehntes Bundesland der BRD beizutreten. Die klaren Entscheidungen in der weitestgehend deutschsprachigen Region hatten viel mit der Geschichte der zu tun.
Französisch-deutsche Kriege waren nicht nur jahrhundertelang an der Tagesordnung, sondern wurden immer unmittelbar bemerkt.
Wo Frankreich seinen Vormarsch verlor
Fünf Kilometer südwestlich von Saarbrückens Innenstadt, getrennt (und erreichbar) durch das dichte, dominante Autobahnnetz, liegt die französische Gemeinde Spicheren. Unter ihrem deutschen Namen Spichern ist sie in Berlin, Köln und vielen weiteren deutschen Städten als Straßenname geläufig.
Dort fand die erste größere Schlacht des deutsch-französischen Kriegs 1870/71 statt. Kaiser Napoleons III. französische Armee war zwar gut darauf vorbereitet, auf deutschen Schlachtfeldern zu kämpfen, wie es ihre Vorgänger zu Zeiten des ersten Napoleon, der französischen Revolution und des Ancien Régime auch oft getan hatten.
Auf einer Anhöhe über Alt-Saarbrücken findet sich ein "Lulustein" [1] dort, wo der damals 14-jährige Kaisersohn seinen ersten Kanonenschuss abgefeuert haben soll.
Darauf vorbereitet, statt weiter vorzudringen, durch in preußischen Eisenbahnen generalstabsmäßig herangefahrene Soldaten zurückgedrängt zu werden und im eigenen Land kämpfen zu müssen, war die französische Armee nicht.
Außer an Orientierungsgefühl der Befehlshaber soll es sogar an entsprechenden Landkarten gemangelt haben.
Warum der Sonnenkönig Saarlouis gründete
Damit hatte sich die Marschrichtung voriger Jahrhunderte geändert. Allein in den 90 Jahren nach dem noch immer als epochal geltenden Westfälischen Frieden, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete, tobten in der Saar-Region fünf Kriege.
Meist gingen sie von Frankreichs Drang nach der Rheingrenze aus und kreisten unter anderem um Lothringen, das sich jahrhundertelang als eigenständiger Staat hielt (und im Westfälischen Frieden ausdrücklich ausgenommen war).
Zwanzig Kilometer nordwestlich von Saarbrücken liegt Saarlouis. Der markante Name der 37.000-Einwohner-Stadt geht auf den "Sonnenkönig" Louis XIV. zurück – und ihr noch markanteres Aussehen auch.
Saarlouis, Festungsrest am Ufer der Saar. Foto: Christian Bartels
Die Stadt des Sonnenkönigs
Auf der grünen Wiese nahe der Saar erbaut wurde sie ab 1680, als Frankreich Lothringen mal wieder besetzt hatte und durch Festungen des bekanntesten Festungsbaumeisters überhaupt, Sébastien Le Prestre de Vauban, sichern wollte.
Wasser der Saar wurde für die Wassergräben vor den Bastionen, von denen so einige noch in einem hübschen Park prangen, abgeleitet.
Nach weiteren Wendungen der nächsten Kriege verlor Frankreich zwar vorerst wieder Lothringen, behielt aber seine gerade erbaute Festung als Exklave. Weiterer Wendungen wegen wechselte die Stadt zeitweise den Namen. Während der Revolution hieß sie Sarrelibre und, als das Saarland in der Nazizeit deutsch wurde, Saarlautern.
Als Ford das neue Saarlouis wurde
Nach Weltkriegs-Zerstörungen 1944/45 wurde sie wiederum unter französischer Ägide modern, aber auf identischem, typisch barockem Planstadt-Grundriss wiederaufgebaut: mit geraden Straßen im rechten Winkel. In der Mitte liegt ein riesiger quadratischer Platz, der wichtige Bedürfnisse unterschiedlicher Epochen erfüllte und erfüllt.
In kriegerischen Sonnenkönigs-Zeiten (wie sicher auch in preußischen) war er ein Exerzierplatz, oft auch wie noch immer Marktplatz. Vor allem aber dient er heute als bestens ausgelasteter, zentraler Parkplatz. Saarlouis ist eine schließlich Autostadt – beziehungsweise ist es gerade noch.
Die in den 1970er-Jahren angesiedelten Ford-Werke, die insbesondere den Ford Escort bauten, haben 2025 weitgehend dichtgemacht und werden abgewickelt. Mit Bergbau und Hütten für Eisen-und Stahl-Produktion wurde das Saarland früh industrialisiert.
Entsprechend früh musste es sich um den Strukturwandel bemühen. Der gelang nicht zuletzt mit der Autoindustrie – bei der sich nun in den 2020er-Jahren alle fragen, welche Zukunft sie in Deutschland noch hat.
Zwischen Weltkulturerbe und Zukunftsfabrik
Wer von Saarbrücken ins erwähnte Spicheren fährt, sieht gewaltige Industrieareale des Zulieferers ZF. Anfang 2023 reisten der damalige Bundeskanzler Scholz und Wirtschaftsminister Habeck [2] mit Milliarden-Subventionen zu einem Fototermin an, um den Bau einer Chipfabrik von ZF gemeinsam mit dem US-amerikanischen Konzern Wolfspeed auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlekraftwerks anzukündigen – eins das bald darauf gescheiterten Chip-Projekte der Ampelregierung.
Entstehen sollte die Fabrik mit zunächst 600 Arbeitsplätzen in Ensberg bei Saarlouis – wo auf der höchsten Halde des Saarlands als Erinnerung an 250 Jahre Steinkohlenbergbau und "Wahrzeichen für den Wandel" weit sichtbar das Saarpolygon [3] in die Landschaft ragt.
Das Polygon. Foto: Christian Bartels
Interessante Industriegeschichte, für die insbesondere die früh zum Weltkulturerbe erklärte Zeche in Völklingen zwischen Saarbrücken und Saarlouis steht, und solche Industrien, die darum kämpfen, noch nicht zu bloßer Geschichte zu werden, liegen hier eng beieinander.
Die nächste Neuerfindung des Saarlands
Aktuell enagagiert sich das Saarland gegen Forderungen, ältere Vorgaben für "grün" produzierten Stahl wieder abzuschwächen, wie sie etwa aus dem viel größeren Bundesland Nordrhein-Westfalen kommen. Denn saarländische Stahlproduzenten sind, auch das natürlich dank Subventionen, bei den Umstellungen vorangekommen als die Wettbewerber an der Ruhr.
Auch die Pharmaindustrie spielt im Saarland eine Rolle: sowohl als ein Nachfolger [4] auf dem ehemaligen Ford-Gelände wie auch als Hauptsponsor [5] des ersten saarländischen Fußball-Bundesligisten seit den 1990er Jahren.
Der Aufstieg des hintangestellten Teils der 13.000-Einwohner-Gemeinde Spiesen-Elversberg über mehrere Ligen bis in die Bundesliga dürfte das Saarland immerhin so prominent auf Deutschland-Landkarten setzen, wie es seit den größeren Tagen des Ministerpräsidenten und Parteigründers Oskar Lafontaine dort nicht mehr vertreten war.
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Verboten seit 1993, tödlich bis heute: Wie Asbest-Opfer im Stich gelassen werden
Von Telepolis — 25. Juli 2026 um 12:00
Asbest gilt als besiegt – doch die Faser tötet weiter. Jedes Jahr sterben rund 1.600 Menschen. Und Berlin streicht 123.000 Sicherheitsbeauftragte.
Asbest klingt nach einem Problem des letzten Jahrhunderts: Verboten seit 1993, erledigt, vergessen. Doch die Faser tötet weiter. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr rund 1.600 Menschen an ihren Spätfolgen. Dass Berufskrankheiten in den Medien kaum vorkommen, ändert daran nichts.
Asbest ist die häufigste Ursache tödlich verlaufender anerkannter Berufskrankheiten, meldet [1] die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU). Allein unter ihren Versicherten starben im vergangenen Jahr 291 Menschen an den Folgen der Faser. Dabei ist das Verbot von Herstellung und Verwendung schon über dreißig Jahre alt. Doch die Gefahr lebt im Bestand weiter: Bei Renovierungs-, Umbau- und Rückbauarbeiten in älteren Gebäuden werden die Fasern bis heute freigesetzt.
Wie verbreitet das Risiko ist, beziffert Björn Kass, Präventionsleiter der BG BAU: In Gebäuden aus der Zeit vor dem Verbot müsse man "mit Asbest zum Beispiel in Fliesenklebern, Putzen, Estrich oder Spachtelmassen rechnen". Der Verdacht betreffe "drei Viertel aller Bestandsgebäude". Eingeatmete Fasern können noch nach Jahrzehnten schwere Lungenkrankheiten und Krebs auslösen.
Der Bremer Arbeits- und Gesundheitswissenschaftler Wolfgang Hien hat mit seinem Buch "Die Arbeit des Körpers von der Hochindustrialisierung bis zur neoliberalen Gegenwart" beschrieben [2], wie die Industrie gesundheitsschädliche Materialien aus Profitgründen so lange wie möglich einsetzt. Krankheitssymptome bei Beschäftigten werden solange geleugnet, bis die Betroffenen gestorben sind.
Bekannt seit hundert Jahren, ignoriert bis zum Schluss
Wie weit die Verdrängung ging, lässt sich an der Bremer Vulkan-Werft ablesen. In den 1970er- und 1980er-Jahren protestierten dort Beschäftigte immer wieder gegen den Umgang mit Asbest – vergeblich.
Dabei war das Wissen um die tödliche Wirkung der Faser schon seit den 1920er-Jahren vorhanden, und spätestens seit den 1960er-Jahren existierten konkrete Schutzvorschriften: Absauganlagen, dazu Atemmasken, wo die Absaugung nicht ausreichte.
Umgesetzt wurde davon in den Betrieben wenig. Auf der Vulkan-Werft, berichtet Hien, habe die Geschäftsleitung die mahnenden Briefe und Schutzanweisungen der Gewerbeaufsicht schlicht weggeschlossen. Sein Urteil fällt entsprechend scharf aus: Es sei "eine durchweg kriminelle Haltung der Manager" gewesen.
Vom Wunderstoff zum Albtraum
Hitzebeständig, fest, chemikalienresistent und sogar verspinnbar – deshalb galt Asbest einst als "Wunderfaser", schreibt [3] die BG BAU. Sie steckte in Schiffen, Bremsbelägen, Dämmungen, selbst in der feuerfesten Kleidung von Feuerwehrleuten. Dieselben Eigenschaften machen die Faser bis heute so gefährlich: Was unzerstörbar ist, verschwindet nicht.
Deutschlandweit sterben jedes Jahr etwa 1.600 Menschen an den Spätfolgen des Kontakts. Die häufigste Erkrankung ist die Asbestose [4], eine Staublungenkrankheit (Pneumokoniose): Eingeatmete Fasern vernarben das Lungengewebe – unumkehrbar. Besonders belastend für die Betroffenen: Die Erkrankung schreitet oft weiter fort, selbst wenn der Kontakt längst Jahrzehnte zurückliegt.
Wer in Deutschland asbestbedingt erkrankt, verliert nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation durchschnittlich 13,9 Lebensjahre. "Und heute erhält die Mehrheit keine Entschädigung", kritisiert [5] der Bundesverband der Asbestose-Selbsthilfegruppen. Die politische Unterstützung für die Opfer gehe "über Lippenbekenntnisse nicht hinaus, wie die Ergebnisse in der Anerkennungspraxis zeigen".
Diese Praxis in Zahlen: Im vergangenen Jahr gingen 2.304 Verdachtsanzeigen auf asbestbedingte Erkrankungen ein – Mesotheliom, Lungenkrebs, Asbestose –, mehr als zehn Prozent aller gemeldeten Berufskrankheiten, wie die IG BAU mitteilt. Anerkannt werden nur die wenigsten. Die Hürde liegt im Nachweis: Betroffene müssen belegen, dass ihre Erkrankung unmittelbar auf die berufliche Tätigkeit zurückgeht – Jahrzehnte nach dem Kontakt, oft lange nach dem Tod der Arbeitgeberfirma.
Wer vom Unfallversicherungsträger eine Ablehnung erhält, muss erst Widerspruch einlegen und kann dann vor den Sozialgerichten klagen – durch bis zu drei Instanzen bis zum Bundessozialgericht. Die Verfahren dauern Jahre. Bei einer Krankheit, die im Schnitt 14 Lebensjahre kostet, heißt das im Klartext: Viele Betroffene erleben die Entscheidung nicht mehr.
Bürokratieabbau auf Kosten der Lungen
Auf Regierungsebene sind diese Probleme kein Thema. Vielmehr agiert Bundeskanzler Merz in eine andere Richtung. Die Bundesregierung lobt ein "Sofortprogramm für den Bürokratierückbau im Arbeitsschutz [6]", durch das rund 123.000 Sicherheitsbeauftragte in kleinen und mittleren Betrieben abgeschafft werden.
Diese Beauftragten haben eine wichtige Funktion zum Schutz der Beschäftigten, denn sie sollen Unfälle und Berufskrankheiten verhindern und sind speziell für diese Themen zu schulen. Gerade in kleinen Betrieben werden so die Arbeitsbedingungen verschlechtert. Gewerkschaften kritisieren den Abbau des Gesundheitsschutzes im Betrieb.
"Langfristige Folgen werden steigende Unfallzahlen, mehr Berufskrankheiten und höhere Kosten für Sozialsysteme und Unternehmen sein. Die Gesellschaft trägt die Last, während Arbeitgeber entlastet werden", kritisiert Rebecca Liebig [7], im ver.di-Bundesvorstand für die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik zuständig.
Die Rechnung ist nicht neu – sie ist nur älter als jede Debatte über Bürokratie: Bei der Bremer Vulkan ließ die Geschäftsleitung die Warnungen der Gewerbeaufsicht im Tresor verschwinden, die Belegschaft bezahlte mit der Lunge. Wer heute 123.000 Sicherheitsbeauftragte als überflüssige Vorschrift abbaut, wiederholt gewissermaßen dieselbe Entscheidung.
Asbest ist seit 1993 verboten. Die Verhältnisse, die es so tödlich machten, sind es nicht.
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Trump knüpft den US-Atomdeal mit Saudi-Arabien an ein Abkommen mit Israel. Doch Riad kooperiert bereits mit Russland und China sowie militärisch mit Pakistan.
Am 22. Juli hat die US-Regierung einem Abkommen mit Saudi-Arabien über die Zusammenarbeit bei einem zivilen Atomprogramm zugestimmt [1]. Den muss allerdings der Kongress in Washington noch absegnen.
Doch einen Tag nach der Bekanntgabe des Deals ergänzte US-Präsident Donald Trump eine entscheidende Bedingung [2]: Das Königreich müsse dem sogenannten Abraham-Abkommen beitreten und seine Beziehungen zu Israel normalisieren. Andernfalls sei der Deal hinfällig, erklärte Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Saudi-Arabien reagierte zunächst nicht auf diese zusätzliche Bestimmung.
Was Trumps Deal für Riad bedeutet
Medienberichten [3] zufolge könnte die Zusammenarbeit mit den USA Saudi-Arabien erstmals erlauben, Uran auf eigenem Boden anzureichern – eine Technologie, die sowohl zur Herstellung von Brennstoff für Atomkraftwerke als auch für Atomwaffen genutzt werden kann.
Das US-Energieministerium sprach von einer "friedlichen nuklearen Zusammenarbeit" und einem "jahrzehntelangen, milliardenschweren Partnerschaftsprojekt". Trump widersprach jedoch den Berichten über eine mögliche Urananreicherung und schrieb [4]: "Es wird keine Anreicherung von Material geben!" Dies hat für zusätzliche Verwirrung gesorgt.
Warum Saudi-Arabien ein Abraham-Abkommen bisher ablehnt
Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman hat die Abraham-Abkommen bisher stets abgelehnt. Diese Vereinbarungen, die 2020 unter Trumps erster Amtszeit geschlossen wurden, führten zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain.
Ausdrücklich erklärte [5] der suadische Kronprinz Mohammed bin Salman am 18. September 2024, dass Saudi-Arabien "Israel nicht anerkennen oder diplomatische Beziehungen aufnehmen werde, solange es keinen unabhängigen palästinensischen Staat mit Ostjerusalem als Hauptstadt gibt".
Saudi-Arabien betrachtet Israel als destabilisierende Macht – vor allem seit Beginn des Gaza-Krieges. Denn Israel hat in diesem Zusammenhang in sechs Ländern Krieg geführt [6]: im Gazastreifen, im Libanon, in Syrien, im Jemen und auch in Katar, wo es im September 2025 eine Hamas-Delegation bombardierte.
Aus saudischer Sicht hat Israel auch mit dem unprovozierten und völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran an der Seite der USA gezeigt, dass es bereit ist, staatlich Souveränität zu missachten und militärisch in der gesamten Region zu agieren. Ein Beitritt zu den Abraham-Abkommen würde für Riad die Parteinahme zugunsten Israels bedeuten und zudem von der eigenen Bevölkerung nicht akzeptiert werden [7].
Der Verteidigungspakt mit Pakistan als Alternative
Stattdessen hat Saudi-Arabien im September 2025 einen "Strategischen gegenseitigen Verteidigungspakt" mit Pakistan geschlossen [8]. Dieser besagt, dass ein Angriff auf eines der beiden Länder als Angriff auf beide betrachtet wird. Pakistan verfügt über Atomwaffen – und genau das macht den Pakt für Riad so wertvoll.
Die engen Beziehungen Saudi-Arabiens zu Pakistans schließen das Atomprogramm Islamabads ein. Und das Königreich hat über Jahrzehnte hinweg großzügige finanzielle Unterstützung für Pakistans Verteidigungs- und Atomforschungsprogramme geleistet.
Schon 2013 berichtete [9] die BBC unter Berufung auf Geheimdienstquellen, dass in Pakistan für Saudi-Arabien hergestellte Atomwaffen zur Auslieferung bereitstünden. Ein hochrangiger pakistanischer Beamter erklärte damals: "Wofür glauben wir, haben uns die Saudis all das Geld gegeben? Das war keine Wohltätigkeit."
Ob der neue Verteidigungspakt mit Pakistan Saudi-Arabien nun tatsächlich eine Form der "erweiterten Abschreckung" einen nuklearen Schutzschirm bietet, bleibt unklar. Denn dafür müsste Pakistan im Ernstfall Atomwaffen an Saudi-Arabien übergeben oder eigene Truppen mit Atomwaffen in das Königreich entsenden.
Chinas CSS-2-Raketen und das Erbe von Abdul Qadeer Khan
Schon in den späten 1980er Jahren erwarb Saudi-Arabien ballistische CSS-2-Raketen in China. Diese Raketen gelten als zu ungenau für den Einsatz mit konventionellen Sprengköpfen und werden von Experten als Trägersysteme für Atomwaffen eingestuft. Die Raketen wurden vor über 20 Jahren stationiert.
Doch entsprechende Verbindungen zu Pakistan gehen noch weiter zurück: Der pakistanische Atomwissenschaftler Abdul Qadeer Khan, der in den 1970er Jahren ein illegales internationales Netzwerk zum Erwerb von Atomtechnologie aufbaute, soll auch Kontakte nach Saudi-Arabien gehabt haben.
Khan verkaufte nachweislich Atomwissen und Urananreicherungszentrifugen an Libyen und Nordkorea. Westliche Geheimdienste vermuten, dass er auch chinesische Konstruktionspläne für Atomsprengköpfe weitergab – Sprengköpfe, die für die CSS-2-Raketen entwickelt wurden, also genau jenen Raketentyp, den Saudi-Arabien besitzt.
Russland und China stehen bereit
Wenn das Abkommen Riad tatsächlich eine Urananreicherung für zivile Zwecke ermöglicht, würde die US-Regierung damit einen Präzedenzfall schaffen. Bisher haben die USA solche Technologie nur an Länder weitergegeben, die bereits über sie verfügen (z.B. Indien [10]).
Für Saudi-Arabien wäre der Deal zwar ein wichtiger Erfolg – allerdings nur, wenn er ohne die Bedingung der Normalisierung mit Israel zustande kommt. Sollte das Abkommen platzen, kann Riad sich zivile Atomtechnologie jederzeit aus Russland [11] oder China einkaufen.
Der Westen hat Peking 2020 auch schon vorgeworfen [12], Technologie zur Herstellung von Uranoxid-Konzentrat (Yellowcake [13]) geliefert zu haben. Ohne Urananreicherungsanlage reicht das allerdings nicht zum Bau einer Bombe.
Die anstehende Entscheidung Saudi-Arabiens wird nicht nur weitreichende Folgen für die Region haben, sondern könnte – wenn Riad sich unwiderruflich auf die Seite Washingtons schlägt – sogar auf den Verlauf des Iran-Krieges einwirken [14]. Die Versuchung, das US-Angebot anzunehmen, ist mit Sicherheit riesig.
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Kleine, aber interessante Meldungshäppchen vom News-Buffet zu GitLab, Kotlin, Unity, WebAuthn, Nuxt, Angular, distr, Apache Arrow, VS Code und GitHub.
In unserem leckeren Häppchen-Überblick servieren wir alles, was es zwar nicht in die News geschafft hat, wir aber dennoch für spannend halten:
Die DevSecOps-Plattform GitLab 19.2 [1] automatisiert komplexe mehrstufige Workflows und holt die KI‑Agenten der GitLab Duo Agent Platform direkt ins Terminal. Dazu kommen zwei Public-Beta-Features: Die Dependency Scanning Auto-Remediation aktualisiert verwundbare Abhängigkeiten automatisch, während Security Review Flow Logikfehler aufspürt, die musterbasierte Sicherheitsscanner nicht erfassen können.
Kotlin feiert den 15. Geburtstag [2]. Ihren Namen erhielt die von JetBrains entwickelte Programmiersprache von einer Insel nahe dem russischen Sankt Petersburg. Damit folgt JetBrains der Tradition des bereits rund 30 Jahre alten Java, das seinen Namen mutmaßlich dem Kaffee verdankt, der von der indonesischen Insel Java stammt.
Mit dem eigenständigen Binary Unity CLI [3] lassen sich Editor, Module, Projekte und Auth der Game‑Engine und Entwicklungsplattform Unity komplett über das Terminal steuern. Zusammen mit dem experimentellen Pipeline‑Package (Steuerung von Editor oder Player per lokaler API) und dem Befehl unity command eval (C#-Code im Editor oder Player ausführen) können KI‑Agenten Unity‑Projekte damit beobachten, verändern und die Ergebnisse prüfen.
Das World Wide Web Consortium (W3C) will WebAuthn 3 zur W3C Recommendation [6] erheben. Die Spezifikation definiert eine API, mit der Web‑Apps starke und kontextgebundene Public‑Key‑Anmeldedaten erstellen und nutzen können, um Nutzerinnen und Nutzer sicher zu authentifizieren. Gegenüber WebAuthn 2 verbessert WebAuthn 3 die Unterstützung für synchronisierte, geräteübergreifende Passkeys [7].
Bisher ist alle sechs Monate eine neue Angular-Hauptversion erschienen. Das ändert sich nun, denn das Entwicklungsteam wechselt zu einem jährlichen Angular-Releasezyklus [8]. Aufgrund der mit neuen Hauptversionen einhergehenden Breaking Changes seien seltenere Versionsupdates ein langgehegter Wunsch der Community gewesen.
Nuxt 4.5 aktualisiert den Build-Layer [9] auf Vite 8 sowie Rspack 2 und bringt einen experimentellen SSR-Streaming-Modus (Server-Side Rendering). Das Release legt darüber hinaus den Grundstein für die nächste Hauptversion Nuxt 5, während sich Nuxt 3 seinem End-of-Life-Datum am 31. Juli 2026 nähert und als eines seiner letzten Updates den Maintenance-Patch 3.21.9 erhält.
distr stellt mit Version 3.0.0 [10] von Vector auf Grafana Loki als neues Logging‑Backend um. Zudem unterstützt die Plattform für die Verteilung selbst gehosteter Software jetzt das Live‑Log‑Streaming, womit distr Logs direkt an den zentralen Logging‑Stack übermittelt.
Mit Apache Arrow 25.0.0 [11] halten eine strengere IPC-Validierung, feineres Parquet-Handling und verbesserte Compute-Funktionen Einzug. Dazu kommt mit hypot auch eine neue Compute-Funktion. Sie berechnet die euklidische Norm stabil und vermeidet dabei Überläufe, die bei einer naiven Implementierung auftreten würden. Insgesamt umfasst das Update 225 gelöste Issues und 268 Commits von 66 Mitwirkenden.
VS Code 1.130 [12] zeichnet sich durch Verbesserungen am Agent‑Host, schnellere Review‑Abläufe im Agenten‑Fenster, bessere Sichtbarkeit der verbrauchten Credits für Business- und Enterprise-User sowie intelligenteres Link‑Handling im Terminal aus. Mittlerweile steht auch die Insider-Version 1.131 [13] von Microsofts Code-Editor bereit.
GitHub hat eine Umstrukturierung seines Bug-Bounty-Programms [14] angekündigt, um mit der zunehmenden Fülle an Einreichungen umzugehen. Dazu zählt ein VIP-Programm für qualifizierte Forscherinnen und Forscher, die sich durch ihre Arbeit hervortun. Das VIP-Programm ist privat beziehungsweise „invite-only“ und verspricht schnellere Antworten sowie höhere Auszahlungen.
Solltest du ein schmackhaftes Thema vermissen, freuen wir uns über deine Mail [15].
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Der dänische Youtube-Kanal Pro-Street.dk hat zwei Audi A2 E-Tron vor einem Hotel in Kopenhagen gefilmt. Die beiden Elektroautos waren mit Aufklebern versehen, die die Details der Karosserie aber kaum verdecken. Von der Form erinnert der A2 E-Tron an VWs ID.3.
Audi kündigte das Fahrzeug im März 2026 offiziell an. Dabei soll der Fokus auf "urbaner Alltagstauglichkeit, Nachhaltigkeit, hoher Effizienz und digitaler Vernetzung" liegen. Der originale Audi A2 war eines der sparsamsten Fahrzeuge seiner Generation und zeichnete sich unter anderem durch eine windschnittige Karosserie aus.
Wie Medien berichten, soll der Startpreis des A2 E-Tron bei 38.200 Euro liegen. Damit wäre das Fahrzeug rund 4.200 Euro teurer als der günstigste ID.3. Es sollen vier Leistungsstufen mit 125, 140, 170 und 240 kW geplant sein. Der Verbrauch wird bei der sparsamsten Version mit 13 kWh/100 km nach WLTP angegeben; die Reichweite soll bis zu 649 km betragen.
Parallelen zum Original sind erkennbar
Vom Design her sind durchaus Parallelen zum originalen A2 erkennbar. Auch der A2 E-Tron hat relativ wenig Kanten, das Heck ist allerdings nicht so steil wie beim Original. Wie der A2 hat auch der A2 E-Tron eine relativ kurze Motorhaube und vier Türen.
Die Türgriffe sind ungewöhnlich: Statt versenkbarer oder klassischer Griffe hat Audi welche montiert, die direkt unter dem Fenster sitzen. Sie erinnern an die Griffe, die BMW beim neuen iX5 verwendet.
Bisherigen Informationen zufolge soll der Audi A2 E-Tron im Herbst 2026 vorgestellt werden, ab dann soll er auch bestellbar sein. Ausgeliefert werden dürfte Audis kleinstes Elektroauto dann ab Anfang 2027. Zum Marktstart sollen alle Leistungsvarianten zur Verfügung stehen.
Anzeige: Diese Heißluftfritteuse von Ninja kostet bei Amazon nur noch 79,99 Euro
Von Simon Krebs — 25. Juli 2026 um 13:40
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Leckere Gerichte schnell und gesund zubereiten ist der Wunsch vieler. Mit einem Airfryer von Ninja geht das jetzt bei Amazon zum Sparpreis.
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Ninja Airfryer für 79,99 Euro bei AmazonBild:
Amazon.de/Ninja/Golem (erzeugt mit ChatGPT)
Kochen kann viel Aufwand bedeuten. Gerade wenn man auf gesunde Ernährung achtet und sich ausgewogen ernähren möchte, dauert es oft länger. Abhilfe schafft hier eine Heißluftfritteuse. Diese Geräte, die auch als Airfryer bekannt sind, bereiten verschiedene Speisen in hoher Geschwindigkeit und mit wenig Arbeitsaufwand zu. Und das, ohne die Speisen in Fett oder Öl baden zu müssen. Ein Gerät, das sich perfekt für kleine Haushalte eignet, ist bei Amazon jetzt im Sonderangebot.
Ninja Airfryer: lecker essen in wenigen Minuten
Mit dem Airfryer von Ninja sind besonders kleinere Haushalte perfekt aufgestellt. Das Gerät verfügt über ein Fassungsvermögen von 4,7 Litern und eignet sich laut Herstellerangaben damit besonders für Haushalte mit zwei Personen. Es soll genug Platz für ein Hähnchen oder 500 Gramm Pommes bieten. Dadurch dass wenig bis kein Fett oder Öl benötigt wird, werden Gerichte automatisch gesünder und haben im Endeffekt bis zu 75 Prozent weniger Fett. Laut Ninja benötigt das Gerät zudem bis zu 65 Prozent weniger Energie als ein herkömmlicher Ofen.
Die Heißluftfritteuse von Ninja ist mit drei Funktionen ausgestattet: Heißluftfrittieren, Aufwärmen und Dörren. Selbst tiefgefrorene Lebensmittel können in dem Airfryer in wenigen Minuten extra knusprig zubereitet werden. Die Schublade und der Crisper-Gittereinsatz sind antihaftbeschichtet und damit besonders leicht zu reinigen. So ist es auch kein Problem, die Heißluftfritteuse nahezu täglich zu nutzen.
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Mausersatz: Mit Mouthpad steuert die Zunge den Mauszeiger
Von Tobias Költzsch — 25. Juli 2026 um 13:38
Augmental bringt seinen Maus- und Toucheingaben-Ersatz Mouthpad in den Handel: Der Mauszeiger wird über die Zunge gesteuert.
Die Mundschiene von Augmental mit dem Touchpad am GaumenBild:
Augmental
Der Hersteller Augmental hat ein spezielles Eingabegerät veröffentlicht. Mit Mouthpad können körperlich eingeschränkte Personen einen Mauszeiger oder die Touchbedienung eines Computers, Tablets oder Smartphones mit der Zunge steuern.
Es handelt sich dabei um eine transparente Mundschiene, die an eine Korrekturspange erinnert und im Oberkiefer getragen wird. Verwendet wird ein Kunstharz aus dem zahnmedizinischen Bereich. Anders als bei einer Spange ist in der Mitte am Gaumen ein Sensorpad verbaut. Das Pad ist wie der Akku und die restliche Elektronik im Harz eingeschlossen.
Über Bewegungen und Druck mit der Zunge sowie Kopfbewegungen lässt sich Mouthpad als Mausersatz verwenden. Das Produkt ist ein Beitrag zur Barrierefreiheit: Nutzer mit eingeschränkter Mobilität der Arme können auf diese Weise elektronische Geräte wie Notebooks oder Smartphones leichter oder überhaupt verwenden.
Schiene wird mittels 3D-Scan individuell angepasst
Die Mundschiene wird individuell angepasst, damit sie beim Tragen möglichst wenig stört. Die Vorderzähne bleiben frei; so soll Mouthpad möglichst unauffällig wirken. Auf das Sprechen soll sich die Schiene dem Hersteller zufolge kaum auswirken.
Um Mouthpad anzupassen, müssen Kunden bei ihrem Zahnarzt einen 3D-Scan des Mundinnenraums anfertigen lassen, wie er auch bei Zahnersatz erstellt wird. Die Daten werden an Augmental übermittelt; dort wird der Abdruck für die Erstellung der individuellen Schiene verwendet. Die Produktion dauert dem Hersteller zufolge bis zu sechs Monate.
Mouthpad soll sich mit einer Akkuladung mindestens sieben Stunden lang verwenden lassen. Geladen wird das Gerät in einem Ladeetui; die Ladezeit soll anderthalb Stunden betragen. Das Gerät ist vorerst nur in den USA erhältlich und kostet 1.400 US-Dollar.
Absturz einer Ikone: Varta beantragt Insolvenzverfahren
Von Heise — 24. Juli 2026 um 17:10
Finstere Zeiten in Ellwangen: Varta stellt einen Insolvenzantrag.
(Bild: Varta)
Apple zieht sich als Großkunde zurück – Varta kämpft mit sinkender Nachfrage und tiefroten Zahlen. Was steckt hinter dem Absturz der Batterie-Ikone?
Der traditionsreiche Batteriehersteller Varta aus dem schwäbischen Ellwangen hat beim Amtsgericht Stuttgart ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Ziel dieses Schrittes ist es laut dem Unternehmen, die wirtschaftliche Zukunft zu sichern und eine nachhaltige Fortführung des Geschäftsbetriebs zu ermöglichen.
Varta will sein Überleben mit dem Gang zum Insolvenzgericht langfristig sichern. „Die Antragstellung erfolgt daher nicht aufgrund einer akuten Zahlungsunfähigkeit im laufenden Geschäftsbetrieb“, teilte das Unternehmen mit. Das Geschäft mit den Haushaltsbatterien sei nicht von dem beantragten Insolvenzverfahren betroffen.
Varta nennt Gründe für Insolvenzantrag
Wesentliche Ursachen für die erneute Krise [1] seien deutlich verschlechterte Marktbedingungen, eine schwächere Nachfrage, negative Währungskurseffekte sowie zuletzt die Entscheidung eines Ankerkunden, die Zusammenarbeit zu beenden, so Varta. Dabei handelt es sich um Apple [2]. Die finanziellen Spielräume seien somit in den letzten Monaten immer enger geworden.
Nach Unternehmensangaben sind neben der Varta AG als Konzernmuttergesellschaft mit Sitz in Ellwangen auch die operativen Einheiten Varta Microbattery GmbH, Varta Micro Production GmbH und Varta Storage GmbH von der Antragstellung betroffen.
Die wichtigsten Geldgeber – darunter die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox – sehen inzwischen keine tragfähige Gesamtlösung mehr. Wie diese Woche bekannt wurde, wollen sie das Geschäft mit Haushaltsbatterien herauslösen und dafür eine neue Eigentümerstruktur schaffen. „Trotz intensiver Gespräche mit allen Stakeholdern ist von keiner Seite eine Zusage zur Bereitstellung der erforderlichen zusätzlichen Finanzmittel eingegangen“, erklärte ein Sprecher der Gruppe.
Unternehmen mit langer Geschichte
Die Anfänge von Varta – der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von „Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren“ zusammen – reichen bis ins Jahr 1887 zurück. Bereits Forscher Fridtjof Nansen hatte Varta-Batterien bei einer Polar-Expedition dabei. Heute hat Varta nicht mehr viel mit der Gesellschaft gemein, die als Accumulatoren-Fabrik in Hagen gegründet wurde. Der Grund: Varta geriet schon in den 1990er Jahren in die Krise, wurde aufgespalten und stückweise verkauft.
Der Österreicher Michael Tojner stieg 2007 ein. Er kaufte die Sparte für Mikrobatterien und brachte sie zehn Jahren später an die Börse. Tojner schien den richtigen Riecher gehabt zu haben: Der Börsengang galt als Erfolg. Getrieben wurde die Entwicklung hauptsächlich von der rasant steigenden Nachfrage nach wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Batterien – zum Beispiel für kabellose Kopfhörer und Smartwatches [3].
2019 kaufte Varta auch den Geschäftsbereich Haushaltsbatterien zurück. Innerhalb weniger Jahre vervierfachte der Konzern den Erlös nahezu. Um die Produktion zu erweitern, wurden Millionen investiert – und Schulden aufgenommen. In dieser Zeit stiegen die Schwaben auch in die Entwicklung von Batteriezellen für E-Autos ein.
Vom Hoffnungsträger zum Sanierungsfall
2022 zeigten sich erste Risse im Bild: Varta hatte sich offenkundig zu sehr von einem seiner Hauptkunden – Apple – abhängig gemacht. Das US-Unternehmen hatte die Batterien aus Ellwangen damals in seinen kabellosen Ohrhörern verbaut. Als sich Apple einen weiteren Zulieferer suchte, geriet das Geschäft unter Druck.
In der Zeit danach versetzte die weltweite Wirtschaftsflaute und die hohe Teuerung der Unterhaltungselektronik einen Schlag. Die Nachfrage nach den kleinen Batterien ebbte ab. Die Konkurrenz aus Fernost und Probleme in der Lieferkette machten Varta zusätzlich zu schaffen.
E-Auto-Batterie in der Nische
Hinzu kam, dass die E-Auto-Batterie von Varta ein Nischenprodukt blieb. Die Batterie ist für Hybridfahrzeuge gedacht und kann nur wenig Strom speichern. Sie speichert Energie, die während der Fahrt erzeugt wird, zum Beispiel beim Bremsen. Damit wird ein E-Motor angetrieben, der den Verbrenner unterstützt. Die Varta-Führung bekundete zwar immer wieder, dass es viele Interessenten gebe. Einziger bekannter Kunde war damals Porsche [4].
Operative Schwierigkeiten, hohe Schulden, tiefrote Zahlen – Varta schlitterte in der Folge immer weiter in die Krise. Beschäftigte mussten in Kurzarbeit, später wurden Hunderte Stellen gestrichen. Arbeitnehmer- und Aktionärsvertreter machen vor allem Managementfehler für die Misere verantwortlich.
Auch Tojner, der Aufsichtsratschef von Varta ist, gab sich in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kürzlich selbstkritisch: „Wir haben die Latte zu hoch gelegt. Wir haben verschiedene Projekte gestartet, groß investiert, die Produktion ausgebaut.“ Es sei zu viel Geld zu leichtfertig investiert worden, sagte Tojner.
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WhatsApp: iPad-Einrichtung verfügbar, außerdem neues CarPlay und PDFs
Von Heise — 24. Juli 2026 um 15:12
Neue Funktionen in WhatsApp.
(Bild: Meta)
Wie angekündigt kann man den Meta-Messenger WhatsApp nun auch von einem Apple-Tablet aus einrichten. Weitere Neuerungen betreffen CarPlay und PDF-Darstellung.
WhatsApp kommt in der neuen Version 26.28.75, die seit dieser Woche verfügbar ist, erstmals standardmäßig mit der Möglichkeit, Apples iPad zum Hauptgerät für den Messenger zu machen. Ein schon länger andauernder Betatest (plus Rollout für ausgewählte Nutzer in der Vorversion 26.28.74 [1]) wird damit beendet und das Feature für alle Nutzer zugänglich gemacht. „WhatsApp soll überall funktionieren, wo Du es brauchst“, heißt es dazu bei Meta – wobei es bis ins Jahr 2025 gedauert hatte, bevor eine echte iPad-Variante bereitgestellt werden [2] konnte.
Account-Erstellung und alle wichtigen Features
iPad-User können das WhatsApp-Konto nun auch direkt auf dem Tablet erstellen, es muss keine Verknüpfung zu einem Telefon bestehen. Eine vorbereitende Maßnahme hierzu waren erstmals Nutzernamen [3], die WhatsApp über die vergangenen Wochen eingeführt hat. Wobei auch diese Einführung noch nicht vollständig beendet ist: Prüfen kann man dies in den WhatsApp-Einstellungen; bei einem Testgerät war die Einführung immer noch nicht abgeschlossen.
Die iPad-Version von WhatsApp kommt mit allen bekannten Funktionen aus der iOS-Variante, darunter nun auch Broadcast-Lists und Live-Standortanzeige. Ob eines Tages auch Macs oder PCs zum WhatsApp-Hauptgerät werden können, ist bislang noch unklar. Derzeit arbeiten diese Apps im „Companion“-Modus und müssen von der iPhone- oder Android-App freigegeben werden. Auf Android-Tablets ist die Einrichtung als Hauptgerät in der Beta-App möglich.
PDF-Anzeige, CarPlay, Android Auto und Musike
Weiterhin kann WhatsApp jetzt auf allen Plattformen PDF-Dokumente direkt in der App öffnen. Texte lassen sich markieren und mit Anmerkungen versehen, um sie dann zurückzusenden. Zuvor musste man PDFs noch herunterladen, um sie dann in externen Programmen zu bearbeiten.
Die CarPlay- und Android-Auto-Ansichten wurden verbessert, wobei dies teilweise schon vor einigen Wochen erfolgt [4] war. Unter anderem gibt es nun einen Zugriff auf die Anrufhistorie und die Bedienung soll nahtloser sein, um nicht vom Fahren abzulenken. Neu ist auch, dass man in den WhatsApp-Status automatisch übertragen kann, welche Musik man gerade hört – das geht mit Apple Music und Spotify.
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iPhone-Verpackungen: Neue Gerüchte zu neuen Geräten.
(Bild: Sebastian Trepesch / heise medien)
Apple leakt Details zum Akkuaufbau seines ersten faltbaren Smartphones. Aus China gibt es unterdessen Neuigkeiten zur übernächsten iPhone-Generation.
Frisches Futter aus der iPhone-Gerüchteküche: Es geht sowohl um Apples erstes Foldable, das unter dem Begriff „iPhone Ultra“ läuft und im Herbst erscheinen soll, als auch die übernächste iPhone-Generation. Letztere ist für Herbst 2027 vorgesehen und könnte „iPhone 20“ heißen, weil Apple im kommenden Jahr das 20. Jubiläum der iPhone-Vorstellung im Jahr 2007 [1] feiert. Es ist dabei offenbar auch mit einem neuen Formfaktor zu rechnen. Die Informationen stammen wie so oft aus Asien – sowie interessanterweise von Apple selbst, wo man offenbar vergessen hat, in einer Betaversion einen interessanten String zu zensieren.
Mehrere Akkus in einem Ultra
Zunächst zum iPhone Ultra. Hier fand der bekannte brasilianische Leak-Experte Filipe Esposito [2] in der soeben erschienenen vierten Developer-Beta (die gleichzeitig die zweite Public Beta ist), eine Referenz auf „Batterien“ (im Plural) innerhalb eines iPhone. Konkret gibt es sogar zwei Stellen. String Nummer eins lautet „The batteries in this iPhone are performing as expected" – eine Angabe dazu, wenn der Akku normal läuft. String Nummer zwei lautet wiederum: „The health of the batteries in this iPhone has significantly degraded“, also eine Warnung, dass nun ein Akkuaustausch ansteht.
In keinem bisherigen iPhone werden Batterien in der Mehrzahl bezeichnet. Das heißt, dass künftig mindestens ein iPhone mehrere Akkus haben wird. Dazu passen frühere Gerüchte, dass Apple die Batterien beim iPhone Ultra teilen wird – pro Falthälfte soll es eine geben. Beobachter schätzen, dass die Akkukapazität insgesamt bei rund 5000 mAh liegen könnte. Interessant wird der Akkuwechsel – Apple hat offenbar nicht vor, die Module einzeln austauschen zu lassen. Es ist nicht der erste Leak zu einem Foldable in iOS 27. Bereits in früheren Developer-Betas gab es Hinweise auf Funktionen zur Erkennung von Faltstatus und Nutzungswinkel.
„iPhone 20“ alias Jubiläums-iPhone mit größtem Display
Beim iPhone 20 glaubt der bekannte chinesische Leaker Digital Chat Station unterdessen, dass Apple das bislang größte iPhone-Display überhaupt [3] – abseits des Foldables – verbauen wird. Prototypen sollen erstmals an 7 Zoll Bilddiagonale herankommen, genauer 6,96 Zoll. Apple plant offenbar, die Geräte als 7 Zoll zu bewerben.
Zum Vergleich: Das iPhone 17 Pro Max kommt offiziell mit 6,9 Zoll, ein Format, das mit dem iPhone 16 Pro Max eingeführt worden war (Vorgänger: 6,7 Zoll). Unklar bleibt, ob Apple möglicherweise schlicht die Ränder mitzählt. Diese sollen beim iPhone 20 nämlich angeblich wegfallen, also in Edge-to-Edge-Ausführung gestaltet sein. Angeblich sind die Ränder auch erstmals abgerundet und in Glas gefertigt.
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Zwei mehrere hundert Meter lange Strukturen westlich der Roten Pyramide galten lange als Transportwege für den Pyramidenbau. Eine neue Studie deutet sie anders.
Zwei seit über einem Jahrhundert bekannte, langgestreckte Bauwerke unweit der Roten Pyramide bei Dahschur [1] in Ägypten könnten nach einer neuen Untersuchung nicht wie angenommen als Transportrampen für den Pyramidenbau gedient haben, sondern Teil eines Systems zur Wasserregulierung gewesen sein.
Zu diesem Schluss kommt eine Studie von französischen und ägyptischen Ingenieuren, Hydrologen und Bauforschern, die am 20. Juli vorab in der Fachzeitschrift npj Heritage Scienceerschienen [2] ist.
Nach Angaben der Autoren zeigen die beiden jeweils 600 bis 700 Meter langen und an den Talflanken verankerten Strukturen die "technische Signatur" von Dämmen. Zusammen mit einem mutmaßlichen Umleitungskanal westlich der Roten Pyramide könnten sie ein Wasserbauwerk gebildet haben, das rund 4.600 Jahre alt wäre.
Die Bauwerke liegen quer über dem Wadi Dahschur – einem trockenen Tal, das in feuchteren Klimaphasen zeitweise Wasser geführt haben könnte. Das Gelände befindet sich auf der Dahschur-Hochebene am Westufer des Nils, etwa 30 Kilometer südlich von Kairo, zwischen der Nilaue und der Westlichen Wüste.
Die Rote Pyramide wurde unter König Snofru in der frühen 4. Dynastie des Alten Reiches errichtet und gilt als erste erfolgreiche "echte" Pyramide Ägyptens; Snofru ließ dort zuvor auch die Knickpyramide bauen.
Vom Transportweg zum Wasserbauwerk
Die beiden Strukturen sind schon lange bekannt: Sie erscheinen bereits auf den Karten von Erbkam (1843), Lepsius (1855) und Jacques de Morgan (1897), 1925 fotografierte die britische Royal Air Force sie aus der Luft.
1947 deutete sie die Archäologin Leslie Grinsel als zwei Dammwege von den Kalksteinbrüchen westlich der Roten Pyramide zu deren Südwestecke. 1981 sah Dieter Arnold in ihnen mögliche Transportstraßen für das Kernmaterial der Pyramide, schloss eine Nutzung als Rampen jedoch aus – ein Punkt, der von Rainer Stadelmann diskutiert wurde. In der Arbeit von Bebermeier und Kollegen wurde die östliche Struktur als Transportrampe gedeutet, die westliche dagegen als natürliche Erhebung kartiert.
Die Dämme auf einem Bild der Royal Airforce von 1925
Das Forscherteam um die Autoren Landreau, Piton und Hemeda hält dem entgegen, dass beide Strukturen quer zum Tal verlaufen und in die Hänge eingebunden sind – ähnlich wie Erddämme. Die Querschnitte seien trapezförmig, die Basisbreite liege bei 15 bis 30 Metern, die noch erhaltene Höhe stellenweise bei sechs bis sieben Metern über dem heutigen, mit Sand gefüllten Talboden. Die genauen Maße bleiben unsicher, weil die Strukturen unter einer dicken Schicht windverwehten Sandes (äolischer Sand) begraben sind.
Nach der Interpretation der Autoren diente das östliche Bauwerk als eigentlicher Rückhaltedamm. Das westliche Bauwerk könnte als sogenannte Geschiebesperre [3] funktioniert haben, als ein Damm, der Sediment zurückhält und den Wasserfluss reguliert.
Der Raum zwischen beiden Strukturen bildete demnach ein Zwischenbecken, das Hochwasser bremste und Erosion verringerte. Die Autoren schätzen dessen Volumen auf knapp 230.000 Kubikmeter bei einer Fläche von rund 8,5 Hektar und einer mittleren Tiefe von 2,7 Metern; das tatsächliche Volumen könnte etwa doppelt so hoch sein.
Ein Entenschnabelwehr aus dem Alten Reich?
Als auffälligstes Merkmal beschreiben die Forscher eine zickzackförmige Achse im westlichen Bauwerk. Auf einer Straße oder Rampe ergebe eine solche Form keinen Sinn, wohl aber an einem Wehr: Die Autoren deuten sie als "Entenschnabelwehr" mit einer Kronenlänge von etwa 200 Metern, einer Höhe von mindestens vier Metern und einem Öffnungswinkel von 70 bis 75 Grad.
Solche Wehre werden im modernen Wasserbau eingesetzt, weil sie die wirksame Länge einer Überlaufschwelle verlängern. Dadurch kann bei gleicher Talbreite deutlich mehr Wasser gefahrlos abfließen als bei einem geraden Wehr – ein Schutz gegen das Überströmen und Brechen des Damms.
Nach Angaben der Autoren ist bislang kein gesichertes Entenschnabelwehr aus dem alten Ägypten bekannt. Sollte sich die Deutung archäologisch bestätigen, wäre die Struktur ein ungewöhnlich frühes Beispiel dieser Bauform. Vergleichbare, teils jüngere Anlagen kennt man aus Jawa in Jordanien (ca. 3500–3000 v. Chr.), aus Choiromandres auf Kreta, von urartäischen Stauanlagen in Ostanatolien sowie aus Zentralindien und China.
Die Autoren verweisen auf den Sadd el-Kafara im Wadi Garawi, rund 20 Kilometer östlich von Dahschur – oft als einer der ältesten großen Dämme der Welt bezeichnet und meist Snofrus Regierungszeit zugeordnet. Der über 14 Meter hohe Damm brach bei einem starken Hochwasser, was häufig auf ein fehlendes oder zu kleines Wehr zurückgeführt wird. Ein Entenschnabelwehr könnte demnach eine Reaktion auf genau diese Schwäche früherer Anlagen gewesen sein.
Der Kanal nahe der Pyramide
Die Studie identifiziert zudem einen möglichen Umleitungskanal. Nach de Morgans Karte und späteren topografischen Aufnahmen verläuft eine gerade Wand über etwa 600 bis 800 Meter parallel zur Westseite der Roten Pyramide, biegt dann scharf nach Osten ab und führt dabei bis auf 40 bis 50 Meter an das Bauwerk heran.
Topographische Karte der vermuteten hydraulischen Anlagen
Insgesamt sei der Kanal rund einen Kilometer lang und schließe an ein altes Wadibett an, das mit dem inzwischen verlandeten Ahramat-Nilarm verbunden ist – jenem Seitenarm, den Ghoneim und Kollegen 2024 als Ursprung der Pyramidenkette beschrieben.
Die Nähe des Kanals zur Pyramide wirft nach Ansicht der Autoren die Frage auf, ob Wasser eine direkte Rolle beim Bau gespielt haben könnte. Bei stabilem Wasserstand hätten leichte Boote oder wasserunterstützte Schlitten schwere Lasten über flaches Gelände bewegen können.
Zudem hätte kontrolliertes Wasser die Versorgung der Arbeiter, das Anrühren von Mörtel oder die Staubbindung erleichtert. Vergleichbare Hafen- und Kanalsysteme sind aus Giza dokumentiert; Papyri aus Wadi el-Jarf beschreiben zudem den Transport von Kalkstein per Boot unter Cheops. Ein archäologischer Nachweis der Verbindung zwischen Kanal und Pyramidenbau steht laut Studie jedoch aus.
Woher das Wasser kam
Grundlage der These ist ein Bild vom Klima des Alten Reiches, das deutlich feuchter war als die heutige extreme Trockenheit. Während der "Grünen Sahara" vor 11.000 bis 5.000 Jahren lagen die Jahresniederschläge nach den zitierten Rekonstruktionen (Kuper und Kröpelin sowie Chandan und Peltier) örtlich bei über 150, teils bei etwa 250 Millimetern.
Um 4.500 Jahre vor der heutigen Zeit nahm der Regen zwar ab, doch fielen in Teilen Ägyptens weiterhin 50 bis 150 Millimeter jährlich, vor allem im Winter. Seltene, aber heftige Stürme konnten bis zu 50 Millimeter auf einmal bringen und in den Wadis Sturzfluten auslösen. Während normalerweise nur ein bis drei Prozent des Regens abflossen, könne der Abflussbeiwert bei Sturzfluten auf bis zu 30 Prozent steigen.
Für die Wassermenge ist die Einzugsgebietsanalyse zentral. Das Wadi Dahschur besitzt am Standort der Dämme nur ein Einzugsgebiet von 3,2 Quadratkilometern. Die Autoren argumentieren jedoch, dass über einen entlang der 80-Meter-Höhenlinie geführten Kanal Wasser aus dem benachbarten, rund 416 Quadratkilometer großen Wadi Taflah abgeleitet werden könnte.
Eine Sturzflut aus 50 Millimeter Regen bei 30 Prozent Abfluss ergäbe demnach etwa 50.000 Kubikmeter aus dem Wadi Dahschur, aber über sechs Millionen Kubikmeter aus dem Wadi Taflah. Ein Entenschnabelwehr könnte selbst einen abgeleiteten Teilstrom sicher abführen, ein gerades Wehr würde nach diesen Rechnungen überströmt.
Grabungen stehen aus
Die Autoren betonen ausdrücklich, dass ihre Deutung vorläufig ist. Die Strukturen wurden nie ausgegraben, sie liegen weitgehend in einer militärischen Sperrzone und sind schwer zugänglich. Rohrleitung, Zaun und eine 2009 gebaute Asphaltstraße für Touristenbusse verlaufen direkt über ihnen.
Das absolute Alter der Dämme ist unbekannt, sodass offen bleibt, ob sie zeitgleich mit der Roten Pyramide entstanden. Auch die auffällige zentrale Vertiefung im östlichen Damm – möglicher Auslass, eingestürzter Abschnitt oder Erosionsbruch – lasse sich nur durch Grabungen klären.
Künftige Ausgrabungen sollen daher prüfen, ob die Ablagerungen hinter den Bauwerken von fließendem Wasser statt von Flugsand stammen, und datierbares Material sowie Schutzverkleidungen und Wehrstrukturen freilegen.
Bestätige sich die Deutung, so die Autoren, hätte das Wassermanagement jenseits der Nilaue im Alten Reich eine größere Rolle gespielt als bislang angenommen. Weitere Anlagen lägen vermutlich unerkannt in der Wüste, "die darauf warten, als solche identifiziert zu werden".
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Nachdem Trumps globale Importsteuern scheiterten, sind seit Freitag neue Zölle auf Waren aus 60 Ländern in Kraft – diesmal mit Zwangsarbeit als Begründung.
Die 45. Änderung der US-Einfuhrzollsätze innerhalb von 18 Monaten trat am frühen Freitagmorgen um 0:01 Uhr Ortszeit in Kraft – exakt in dem Moment, als die vorherigen Zölle ausliefen. Zufall war das keiner.
Die Trump-Regierung hat damit ein Instrument gefunden, das nach Einschätzung von Handelsrechtlern gerichtsfester sein dürfte als die im Februar vom Supreme Court gekippten "Reziprokzölle [1]".
Gerichtsniederlage als Konstruktionsproblem
Im April 2025 hatte Trump unter dem Schlagwort "Liberation Day" Zölle von bis zu 50 Prozent [2] auf Importe aus aller Welt verhängt – gestützt auf ein nationales Notstandsgesetz.
Das Oberste Gericht erklärte diese Maßnahmen im Februar 2026 für rechtswidrig [3]: Der Präsident habe seine Befugnisse überschritten. Die Folge war eine Rückerstattungswelle; von den rund 166 Milliarden US-Dollar, die der Staat mit diesen Zöllen eingenommen hatte, wurden bisher etwa 81 Milliarden zurückgezahlt.
Als Überbrückung verhängte das Weiße Haus einen pauschalen Zehn-Prozent-Zoll auf alle globalen Einfuhren – mit einer Laufzeit von 150 Tagen. Dieser lief am Freitag aus. Was folgte, war kein Abbau des Zolldrucks, sondern dessen Neubegründung: Die neuen Abgaben stützen sich auf Sektion 301 des Handelsgesetzes von 1974, ein Instrument, das bereits frühere Gerichtsprüfungen überstanden hat.
Zwangsarbeit als juristische Verpackung
Die offizielle Begründung lautet: 60 Handelspartner würden zu wenig gegen die Einfuhr von Waren unternehmen, die unter Einsatz von Zwangsarbeit hergestellt wurden. US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer erklärte [4] laut der Nachrichtenagentur Reuters, die USA verfügten seit fast hundert Jahren über ein entsprechendes Importverbot und setzten es konsequent durch. "Es wird höchste Zeit, dass unsere Handelspartner dasselbe tun", sagte Greer.
Länder mit einem Verbot von Zwangsarbeits-Importen zahlen zehn Prozent, Länder ohne ein solches Gesetz 12,5 Prozent. Auf diese 60 Handelspartner entfallen laut Greer rund 99 Prozent der gesamten US-Importe. Ausgenommen sind unter anderem Öl und Gas, Düngemittel, bestimmte Lebensmittel sowie Waren, die bereits unter Sicherheitszöllen nach Section 232 fallen – also Autos, Stahl, Aluminium und Kupfer.
Die Handelsexpertin Caroline Freund, Dekanin der UC San Diego School of Global Policy and Strategy, formulierte [5] gegenüber der BBC direkt: Es gehe hier "nicht um Zwangsarbeit". Trump suche schlicht "einen rechtlichen Grund, die Zölle aufrechtzuerhalten".
Das eigentliche Ziel – Handelsbilanzdefizit senken, verarbeitendes Gewerbe stärken – sei unverändert. Das Ergebnis dieser Politik bisher: Das Handelsbilanzdefizit lag im Mai rund 40 Prozent höher als zu Beginn von Trumps Zollregime, die Beschäftigung im produzierenden Gewerbe sank weiter.
Unterschiedliche Folgen für EU und China
Die Reaktionen der betroffenen Länder fallen je nach ihrer Verhandlungsposition unterschiedlich aus. Die EU erhält einen Satz von zehn Prozent, der laut einem Sprecher der Europäischen Kommission mit den im vergangenen Jahr vereinbarten Obergrenzen des bilateralen Handelsabkommens vereinbar sei. Das schaffe "positive Dynamik" für weitere Gespräche, hieß es aus Brüssel.
Allerdings läuft parallel eine zweite Untersuchung nach Sektion 301 – diesmal wegen angeblicher Überkapazitäten – die 16 weitere Handelspartner betrifft, darunter abermals die EU, China, Japan und Südkorea.
China, das mit 12,5 Prozent belegt wird, wies die Zwangsarbeits-Vorwürfe zurück. "Es gibt keine Zwangsarbeit in China", sagte Außenamtssprecherin Mao Ning. Mehrere internationale Menschenrechtsorganisationen widersprechen dem mit Blick auf die Situation der muslimischen Minderheiten in Xinjiang. Trumps Berater haben chinesischen Unterhändlern signalisiert, die Zölle auf chinesische Waren schrittweise wieder auf jene 20 Prozent anheben zu wollen, die im Handelsabkommen vom November 2025 vereinbart wurden.
Was bleibt, ist ein Muster: Wenn ein Rechtsmittel scheitert, folgt das nächste – mit demselben Ziel und einer neuen Begründung. Ob der neue Anlauf gerichtsfest genug ist, um Trumps Zollpolitik dauerhaft zu tragen, werden die Klagen entscheiden, die Handelsexperten bereits erwarten.
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EU-Strafe gegen Google: Kampf um die KI-Suchmaschine der Zukunft
Von Telepolis — 24. Juli 2026 um 14:00
KI-generierte Grafik
Die 890 Millionen Euro sind nur der sichtbare Teil des Konflikts – die eigentliche Auseinandersetzung gilt den Regeln für die KI-Suche von morgen.
Die Europäische Kommission hat Google mit einer Geldstrafe von 890 Millionen Euro belegt. Das Besondere an dieser Entscheidung ist jedoch nicht die Höhe der Strafe, sondern dass Brüssel erstmals die Grundsätze des Digital Markets Act (DMA) erstmals ausdrücklich auch auf KI-gestützte Suchfunktionen und die neue Generation von KI-Assistenten anwendet.
Die eigentliche Bedeutung der Entscheidung reicht weit über die Geldstrafe hinaus. Die Kommission will augenscheinlich damit den Wettbewerb im KI-Sektor sichern und die Suchmaschinen der Zukunft grundlegend verändern.
Die 890-Millionen-Euro-Strafe teilt sich auf in 460 Millionen Euro wegen Selbstbevorzugung in der Google-Suche und 430 Millionen Euro wegen wettbewerbswidriger Praktiken im Google Play Store, wie aus der offiziellen Mitteilung der EU-Kommission [1] hervorgeht.
Brüssel will Googles KI-Vorsprung begrenzen
Die eigentliche Sprengkraft liegt nicht in der Höhe der Strafe, sondern in den Forderungen der EU: Konkurrierende KI-Assistenten sollen auf Android-Geräten gleichwertigen Zugang zu zentralen Funktionen erhalten – genau wie Googles eigener Dienst Gemini.
Zeitlich fällt die Entscheidung mit neuen Leitlinien der Kommission zusammen, die den DMA ausdrücklich auf KI-Dienste und Android-Interoperabilität ausdehnen, wie aus einer früheren Pressemitteilung [2] hervorgeht.
Die EU-Kommission begründet ihr Vorgehen damit, dass sie die "zukunftssicheren" Instrumente des DMA nutzen müsse, um auf neue Technologien wie künstliche Intelligenz zu reagieren und faire Märkte zu gewährleisten. Darauf machte man in Brüssel schon im April aufmerksam [3].
Google warnt vor Sicherheitsrisiken
Google wehrt sich in einem Blog-Beitrag [4] vehement. Der Konzern argumentiert, die DMA-Vorgaben gefährdeten Privatsphäre, Sicherheit und Produktqualität, da sensible Suchdaten mit Dritten geteilt und Android-Funktionen für Drittanbieter geöffnet werden müssten.
Transatlantische Spannungen nehmen zu
Die Maßnahmen führen zu viel beachteten politischen Spannungen mit der Regierung der USA. US-Präsident Donald Trump bezeichnete EU-Digitalstrafen als "Erpressung", und der US-Handelsbeauftragte kritisierte das Vorgehen als "aggressiv" gegenüber US-Technologiefirmen (New York Times [5]).
Kartelluntersuchung läuft
Unabhängig davon läuft zudem ein weiteres Wettbewerbsverfahren gegen Google. So untersucht die Kommission kartellrechtlich [6], ob Google Web- und YouTube-Inhalte ohne angemessene Vergütung oder Opt-out-Möglichkeit für das Training seiner KI-Modelle nutzt und sich so einen unfairen Vorteil verschafft.
Die eigentliche Bedeutung der Entscheidung liegt deshalb weniger in den 890 Millionen Euro als in einem Machtwechsel: Erstmals versucht die EU, die Regeln für KI-gestützte Suchmaschinen festzulegen, bevor sich neue Monopole dauerhaft verfestigen.
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Drei Fragen und Antworten: Wie KI wirklich bei der Schwachstellensuche hilft
Von Heise — 24. Juli 2026 um 14:53
(Bild: iX)
Um KI erfolgreich in Code-Audits einzusetzen, ist die Wahl des Modells gar nicht so wichtig. Entscheidend ist der Workflow, damit man nicht in Funden versinkt.
KI als Spürhund für bessere Pentests und Codereviews einzusetzen, klingt im ersten Moment naheliegend. Aber ein Selbstläufer ist das nicht. Das zeigen die vielen Klagen der Open-Source-Projekte, die vor einer Flut von KI-Meldungen vermeintlicher Lücken stehen. Wie man seinen Workflow dafür anpassen muss, warum Mozilla das vorbildlich wuppt und wo jetzt der Flaschenhals liegt – das erklärt Stephan Zeisberg, Titelautor der neuen iX 8/2026.
Stephan Zeisberg ist Head of Research bei Security Research Labs (SRLabs) und forscht zu KI-gestützten Codeaudits und Schwachstellenanalyse.
(Bild: iX)
Wenn KI so viele Lücken aufspürt, müsste die Softwarewelt damit doch sicherer werden. Warum geraten stattdessen viele Open-Source-Projekte und Security-Teams gerade jetzt unter Druck?
Weil das reine Erzeugen einer Schwachstellen-Meldung inzwischen die billigste Stufe im Prozess geworden ist. Der eigentliche Wert entsteht aber erst weiter oben. Ein Befund wird erst dann zu Sicherheit, wenn ein Mensch prüft, ob er echt ist, ob er im konkreten System erreichbar ist und ob ein Patch das Problem wirklich löst. Genau dort sitzt jetzt der Engpass. curl hat sein Bug-Bounty-Programm im Januar eingestellt, HackerOne den Internet Bug Bounty im März pausiert, Node.js sein eigenes Bounty kurz danach suspendiert, und Linus Torvalds nennt die Linux-Kernel-Security-Liste im Mai öffentlich „almost entirely unmanageable“.
Alle geben denselben Grund an: KI-Werkzeuge produzieren plausibel klingende Reports schneller, als die Empfängerseite sie triagieren, verifizieren und beheben kann. Der Anteil echter Schwachstellen in diesen Reports ist niedrig geblieben, was massiv gestiegen ist, ist das Volumen. Wer nur mehr Findings zählt, misst nicht mehr Sicherheit, sondern die Belastung des Systems. Sicherer wird die Welt erst, wenn die Verifikationsseite mit der Discovery-Seite mitwächst, und das tut sie gerade nicht.
Was ist denn wichtiger für den Erfolg KI-gestützter Audits – ein möglichst starkes Modell oder doch eher der Workflow?
Beides zählt, aber der Hebel liegt eindeutig im Workflow, vor allem für Teams, die KI-Audits gerade erst einführen. Ein zusätzlicher Punkt auf einem Coding-Benchmark bringt weniger als eine ordentliche Reproduktions-Stufe im Prozess. Das zeigt Mozilla mit Firefox 150: 271 geschlossene Sicherheitsbugs in einem einzigen Release, darunter ein 20 Jahre alter Fehler in der XSLT-Engine, kamen nicht aus einem neuen Modell allein. Sie kamen aus einer Pipeline, in der jedes Modell-Finding einen reproduzierbaren Testfall mitbringen muss. Das Modell liefert Kandidaten, die Pipeline sortiert das Rauschen aus.
Mozilla hat seit Jahren eine Fuzzing-Infrastruktur mit reproduzierbaren Test-Cases, automatisierter Deduplizierung und integriertem Triage-Prozess aufgebaut. Darauf haben sie die agentische Test-Pipeline gesetzt, die das KI-Modell zwingt, jeden Befund mit einem reproduzierbaren Testfall zu belegen und die Reproduktion selbst zu fahren. Was sich nicht reproduzieren lässt, fällt raus, bevor ein Mensch es sieht. Der Punkt, der leicht übersehen wird: Neu ist nicht der Baustein, sondern die Kombination.
Umgekehrt gilt: Das stärkste Modell ohne diese Disziplin produziert mehr Rauschen, nicht mehr Sicherheit. Die 80 Prozent Falsch-Positive, die für 2024 und 2025 vielfach berichtet wurden, galten für Modelle, die ohne Reproduktions-Stufe direkt auf eine Codebasis angesetzt wurden. Mit einer disziplinierten Pipeline fällt der Wert deutlich. Welches Modell darauf läuft, ist am Ende zweitrangig gegenüber der Frage, ob überhaupt eine Pipeline da ist.
Und was sollte ein Team tun, das mit KI-Codeaudits starten will, aber nicht die ausgefeilte Infrastruktur Mozillas zur Verfügung hat?
Vor allem: nicht früh und breit einsetzen. Genau das produziert die Triage-Tretmühle, in der Reviewer nur noch Tool-Output aussortieren, statt selbst zu lesen. Was in der Praxis funktioniert, ist ein disziplinierter Einsatz in drei getrennten Stufen. KI vor dem Audit, um die Codebasis zu kartieren, Module und Eintrittspunkte zu identifizieren. KI während des Audits als Navigations- und Recherche-Hilfe. Und KI nach dem manuellen Review als zweite Sicht, die bekannte Muster prüft. Die Reihenfolge ist entscheidend: Wenn KI die erste Sicht liefert, prägt sie den Ersteindruck der Reviewer. Wenn sie die letzte Sicht ist, findet sie, was Menschen entgangen ist.
Dazu vier Regeln: Jedes KI-Finding braucht einen falsifizierbaren Reproduktionsfall, sonst bleibt es Hypothese. Die Findings-Menge wird pro Code-Bereich gedeckelt, damit die KI ihre Kandidaten selbst priorisiert; sonst lernen Reviewer, den ganzen Kanal zu ignorieren. Threat-Modell und die Einschätzung des Schweregrads bleiben in menschlicher Hand. Und wo KI auch Code schreibt, greift eine zusätzliche Schwelle mit dokumentierter Absicht und Negativ-Testfällen. Für Solo-Maintainer, die kritische Open-Source-Bibliotheken alleine tragen, ist das übrigens kein realistisches Programm. Dort ist die Antwort weniger ein besserer Workflow als eine gemeinschaftlich finanzierte Triage-Kapazität.
In der Serie "Drei Fragen und Antworten" will die iX die heutigen Herausforderungen der IT auf den Punkt bringen – egal ob es sich um den Blick des Anwenders vorm PC, die Sicht des Managers oder den Alltag eines Administrators handelt. Haben Sie Anregungen aus Ihrer tagtäglichen Praxis oder der Ihrer Nutzer? Wessen Tipps zu welchem Thema würden Sie gerne kurz und knackig lesen? Dann schreiben Sie uns gerne [4] oder hinterlassen Sie einen Kommentar im Forum.
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(g+) Opinion: Japan automakers bought time with hybrids, now must spend it on software
Von Hans Greimel — 24. Juli 2026 um 18:00
Competition between intelligent vehicles and merely electrified ones has just begun
Decorations hang from a stage at Toyota Woven City, a real-world prototype city designed as a "living laboratory" for testing and developing future technologies in mobility, sustainability and urban living, developed by Toyota Motor together with Woven byBild:
REUTERS/Daniel Leussink
For years, Toyota and other Japanese automakers were pilloried as global laggards in the electric vehicle revolution.
Tesla sales rocketed, Chinese EV brands took the world by storm and European regulators were planning for an all-electric future. Meanwhile, Japanese players stubbornly stuck to hybrid vehicles, hydrogen fuel cells and fuel-efficient gasoline engines.
Tokens: SAP will Ausgaben für KI deutlich einschränken
Von Achim Sawall — 24. Juli 2026 um 17:57
Weil der konzernweite KI-Einsatz die Ausgaben für Tokens in die Höhe treibt, führt SAP ein striktes dreistufiges Controlling-System ein.
SAP-Finanzchef Dominik AsamBild:
CNBC via Reuters Connect
SAP will ein System zur Kontrolle der steigenden Ausgaben für künstliche Intelligenz einführen. "Die Token-Kosten steigen bei uns in diesem Jahr stark", sagte Finanzchef Dominik Asam dem Handelsblatt und CNBC. "Wir gehen bei SAP gerade vom Pilotieren zum Industrialisieren über, deswegen bringen wir über das klassische Controlling Effizienz rein." Tokens gelten als zentrale Maßeinheit für den Einsatz und die Abrechnung von KI.
Den Angaben zufolge plant SAP ein dreistufiges Modell. In der Stufe Basic werden die Kosten auf 100 Euro pro Monat limitiert. Beschäftigte in vielen technischen Bereichen werden der Stufe Pro zugeordnet und erhalten 500 Euro Budget. Für eine kleine Gruppe von Intensivnutzern sieht SAP die Stufe Pro Max mit einer Obergrenze von monatlich 5.000 Euro vor. Mit Zustimmung einer Führungskraft sind einmalig sogar 50.000 Euro möglich.
Der größte deutsche Softwarekonzern kommentierte den Plan nicht weiter.
KI: Genehmigung durch Vorgesetzte einholen
Das System beinhaltet einige Kontrollen. Beschäftigte erhalten laut einer Präsentation bei Erreichen von 50 und 80 Prozent ihres Budgets automatisch Hinweise. Wer dauerhaft mehr Kapazitäten benötigt, muss eine Genehmigung durch Vorgesetzte einholen.
"Wir haben bei SAP große Fortschritte gemacht, wie wir die Token-Kosten kontrollieren und optimieren", sagte Asam dem Handelsblatt. "Wir haben heute eine granulare Transparenz, in welchen Organisationseinheiten wie viele Tokens wofür gebraucht werden." Finanzabteilung und interne IT hätten bei der Entwicklung des Systems eng zusammengearbeitet.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer — 24. Juli 2026 um 17:35
Die Geschäftspläne, die nicht von Science-Fiction-Romanen zu unterscheiden sind, überzeugen nicht mehr.
Einst flog ein Tesla Roadster mit der ersten Falcon Heavy in Richtung Mars.Bild:
SpaceX
Es ist so weit: Die Aktien der KI-Firma Tesla und der KI-Firma SpaceX verlieren drastisch an Wert. Die einst für Elektroautos und Raumfahrt bekannten Unternehmen wurden von ihrem CEO Elon Musk in den letzten Jahren zu KI-Firmen erklärt, um an der Investitionsblase teilzuhaben. Dabei wurde das Kerngeschäft vernachlässigt und die Produktentwicklung vollständig den Vorstellungen Musks unterworfen. Jetzt zeigen sich die Folgen.
Der ehemals weltweit führende Elektroautohersteller konnte trotz der Schließung der Straße von Hormus und weltweit steigender Benzinpreise keinen Profit mit dem Verkauf von Elektroautos mehr machen. Dadurch nahm die Enttäuschung nach der Aktionärskonferenz zum zweiten Quartal 2026 überhand. Trotz Verkäufen von 480.000 Autos – während der größten Ölkrise seit den 1970er Jahren – lagen die Profite unter den Erwartungen der Anleger. Der Aktienkurs fiel von über 380 US-Dollar auf unter 310 US-Dollar.
Das Unternehmen musste zu große Rabatte und Nullzinsfinanzierungen gewähren, um die veralteten Modelle 3 und Y überhaupt verkaufen zu können. Dadurch, und wegen zu großer anderer operativer Kosten, verlor es in dem Quartal trotz der hohen Verkaufszahlen über eine Milliarde US-Dollar an Cashflow. Die Luxusmodelle S und X, die zusammen mit 3 und Y einst das Wort S3XY bilden sollten, wurden eingestellt. Der Cybertruck wurde zu einem historischen Flop der Autoindustrie und wird inzwischen weithin mit dem Ford Edsel von 1958 verglichen.
Profite stammen von SpaceX-Aktien
Die dritte Version des stationären Megapack-Akkuspeichers wurde ins Jahr 2027 verschoben. Verschiebungen wie die des Verkaufs des Tesla Semitrucks aufs nächste Jahr und der Einführung von Full-Self-Driving für den Autopiloten ist längst zum Ritual geworden. Der Roadster ist eine mythische Gestalt. Das Robotaxi wird ohne fertigen Autopiloten in Produktion geschickt. Mild ausgedrückt: ein Geschäftsrisiko.
Der Optimus-Roboter, inzwischen vorgeblicher Kernbestandteil des Tesla-Geschäfts, ist kein kommerzielles Produkt, er tut ohne Fernsteuerung noch immer nicht viel und auch mit Fernsteuerung nichts, was die Massenfertigung rechtfertigen würde. Von den lange Zeit vorgebrachten Plänen, jährlich 20 Millionen Autos zu verkaufen, ist schon länger nichts mehr zu hören.
Ein Großteil der Tesla-Profite des Quartals waren zudem Kursgewinne der SpaceX-Aktien in Tesla-Besitz. Seit dem 30. Juni hat die SpaceX-Aktie aber drastisch an Wert verloren. Sie wurde mit einem nominellen Wert von 135 US-Dollar ausgegeben und hatte an der Börse einen ersten Preis von rund 160 US-Dollar. Am selben Tag stieg sie auf rund 180 US-Dollar und in den Tagen danach bis zu einer Spitze von rund 220 US-Dollar. Inzwischen ist sie auf rund 112 US-Dollar gefallen und fällt weiter.
Starship macht viel Aufwand ohne wirtschaftlichen Nutzen
Dabei wird das Starship ein zunehmend problematischer Aspekt des Geschäfts von SpaceX, nicht nur, weil schon der einfache Abbruch eines Teststarts am 16. Juli zu einem Kursverfall führte. Der Aufwand für die Entwicklung ist gigantisch. Anfang Juli wurde bekannt, dass SpaceX das 1000. Merlin-1D-Triebwerk für die erste Stufe der Falcon 9 Raketen fertiggestellt hat. Damit wurden über 100 erste Stufen für Falcon 9 und Falcon Heavy gebaut, die inzwischen 675 Missionen mit weiteren 675 Merlin-Vakuum-Triebwerken durchführten.
Bei der Vorstellung des Raptor-3-Triebwerks trug das letzte Raptor-2-Triebwerk die Seriennummer 569. Vom Raptor 1 wurden über 50 Triebwerke hergestellt und die Seriennummern des Raptor 3 nähern sich der 200. Mit insgesamt über 800 Triebwerken wurde keine einzige Nutzlast in den Orbit gebracht, obwohl sie mit ihrer höheren Effizienz und dem dreifachen Schub pro Flug fast die vierfache Nutzlast transportieren können sollten. Hätte SpaceX eine teilweise wiederverwendbare Rakete wie die Falcon 9 mit Raptor-Triebwerken entwickelt, wären längst Hunderte Flüge mit 70 bis 100 Tonnen Nutzlast durchführbar gewesen.
Ab 6. August wird es Firmenmitarbeitern von SpaceX erlaubt sein, erste Aktienpakete am Markt zu verkaufen. Es ist zu erwarten, dass das große Angebot die Nachfrage übersteigen und die Aktienpreise weiter fallen lassen wird. Kein Wunder also, dass immer vehementer eine Fusion von Tesla und SpaceX gefordert wird, solange die nach allen objektiven Kriterien grotesk überbewertete SpaceX-Aktie noch nennenswerte Preise erzielt.
Der Ausgabepreis der SpaceX-Aktie wurde – das ist unüblich – von Elon Musk festgesetzt. Normalerweise wird der Preis von den am Börsengang beteiligten Banken ermittelt. Die verdienen ihr Geld jedoch mit einem geringen Prozentsatz am Verkaufspreis der auf den Markt gebrachten Aktien. Sie sind damit befangen und waren entsprechend geneigt, der überhöhten Bewertung von 1,8 Billionen US-Dollar zuzustimmen.
Unternehmensbewertung jenseits aller Realität
Dieser Wert wurde augenscheinlich gewählt, um Elon Musk durch die von ihm gehaltenen Unternehmensanteile für kurze Zeit auf dem Papier um ersten Billionär der Welt zu machen. Er entsprach außerdem dem Hundertfachen der rund 18 Milliarden US-Dollar Umsatz von SpaceX, bei etwa 5 Milliarden US-Dollar Verlust. Typischerweise werden Aktien nach ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet, wobei ein Verhältnis größer als 20 auf eine deutliche Überbewertung hindeutet. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 100, bei gleichzeitigen großen Verlusten von rund 25 Prozent des Umsatzes, spottet jeder Beschreibung.
Üblicherweise werden Aktien auch erst mit einem Jahr Handelsgeschichte und einem Jahr Profiten in Aktienindizes aufgenommen. Aber die Nasdaq machte für SpaceX eine Ausnahme, setzte die Aktie schon nach zwei Wochen und trotz der riesigen Verluste auf den Index und erzwang damit ihren Kauf durch alle Indexfonds, die dem Kurs sämtlicher Aktien der Nasdaq folgen. Der Kurs der SpaceX-Aktie sank dennoch.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wie SpaceX heute sein Geld verdient, sondern womit das Unternehmen künftig seinen Börsenwert rechtfertigen will. Der Börsenprospekt gibt darauf einige aufschlussreiche Antworten.
Von Mars bis Cyberpunk ist alles dabei
Die aktuelle Wachstumsstrategie von SpaceX beinhaltet demnach neben dem Ausbau der Nutzlastkapazität der Raumfahrt und des Starlink-Netzwerkes vor allem den "Aufbau einer Mondökonomie mit Frachttransport, Energieversorgung und industrieller Fertigung auf dem Mond". Geplant ist zudem die weitere Monetarisierung von KI und der ehemaligen Twitter-Plattform X sowie der Ausbau der irdischen KI-Infrastruktur und der eigenen Chipfertigung. Geschäftswachstum soll durch orbitale KI und "digital human augmentation" gesichert werden – ein Konzept, das auch die von Musk gegründeten Firma Neuralink verfolgt und Science-Fiction-Lesern aus Cyberpunk-Romanen bekannt ist.
Das sind lediglich die aktuellen Geschäftsbereiche, in denen SpaceX sofortiges Wachstum erzielen will. Um die Börsenbewertung zu rechtfertigen, ist weiteres Wachstum in Zukunftsmärkten erforderlich.
Die Zukunftsmärkte von SpaceX ist terrestrischer Punkt-zu-Punkt-Transport, also Passagierflüge mit dem Starship – das bislang bei fast der Hälfte der Testflüge explodierte. Hinzu kommen Weltraumtourismus und industrielle Fertigung im Orbit. Vermutlich ist damit der Erdorbit gemeint.
Die Liste wird fortgesetzt mit Passagier- und Frachttransport sowie Energieerzeugung und – erneut – industrieller Fertigung auf Mond und Mars. Das ist eine Wiederholung; es bleibt unklar, warum hier nicht einfach die Ausweitung der Wachstumsstrategie auf den Mars genannt wird. Hinzu kommt Asteroidenbergbau.
SpaceX sieht weltweit mögliche Umsätze von 370 Milliarden US-Dollar für Raumfahrt und Raumtransport. Starlink soll jährlich 670 Milliarden US-Dollar adressieren; ein Markt für weitere 740 Milliarden US-Dollar soll sich im Mobilfunk finden und weitere 200 Milliarden in Geschäfts- und Regierungsaufträgen. Hinzu kommen 26.500 Milliarden US-Dollar Marktvolumen von KI.
Raumfahrt ist also in der Selbstbeschreibung des Geschäfts von SpaceX ein ebenso vernachlässigbarer Nebenaspekt wie das Autogeschäft bei Tesla. Dabei wird noch nicht einmal auf das am Anfang des Prospekts genannte Ziel eingegangen, das "Licht des Bewusstseins zu den Sternen zu erweitern".
SpaceX hofft auf ein Viertel des weltweiten BIP
Der Gesamtmarkt, den SpaceX bedienen will, entspricht heute rund einem Viertel des Bruttoinlandsproduktes der Erde. Über die Außenhandelsbeziehungen der Erde mit dem Mond, dem Mars und den Kolonien des Asteroidengürtels sowie deren Wirtschaftslage lagen zu Redaktionsschluss keine konkreten Zahlen vor. Auch der wichtige Aspekt der Zölle beim Handel mit der Erdprovinz USA, wo sich der Firmensitz von SpaceX befindet, ist unbekannt.
Die Bewertung von Tesla und SpaceX beruht längst nicht mehr auf Elektroautos oder Raumfahrt, sondern auf Erwartungen an KI und Zukunftsmärkte, von denen bisher weit mehr in Science-Fiction-Romanen als in Wirtschaftsmagazinen zu lesen war, ohne dass sich die Realität seither so weitgehend verändert hätte. Genau diese Differenz zwischen den Erwartungen der Geschäftsleitung und der objektiven Realität scheint sich nun zunehmend in den Aktienkursen niederzuschlagen.
Drei Fragen und Antworten: Wie KI wirklich bei der Schwachstellensuche hilft
Von Heise — 24. Juli 2026 um 14:53
(Bild: iX)
Um KI erfolgreich in Code-Audits einzusetzen, ist die Wahl des Modells gar nicht so wichtig. Entscheidend ist der Workflow, damit man nicht in Funden versinkt.
KI als Spürhund für bessere Pentests und Codereviews einzusetzen, klingt im ersten Moment naheliegend. Aber ein Selbstläufer ist das nicht. Das zeigen die vielen Klagen der Open-Source-Projekte, die vor einer Flut von KI-Meldungen vermeintlicher Lücken stehen. Wie man seinen Workflow dafür anpassen muss, warum Mozilla das vorbildlich wuppt und wo jetzt der Flaschenhals liegt – das erklärt Stephan Zeisberg, Titelautor der neuen iX 8/2026.
Stephan Zeisberg ist Head of Research bei Security Research Labs (SRLabs) und forscht zu KI-gestützten Codeaudits und Schwachstellenanalyse.
(Bild: iX)
Wenn KI so viele Lücken aufspürt, müsste die Softwarewelt damit doch sicherer werden. Warum geraten stattdessen viele Open-Source-Projekte und Security-Teams gerade jetzt unter Druck?
Weil das reine Erzeugen einer Schwachstellen-Meldung inzwischen die billigste Stufe im Prozess geworden ist. Der eigentliche Wert entsteht aber erst weiter oben. Ein Befund wird erst dann zu Sicherheit, wenn ein Mensch prüft, ob er echt ist, ob er im konkreten System erreichbar ist und ob ein Patch das Problem wirklich löst. Genau dort sitzt jetzt der Engpass. curl hat sein Bug-Bounty-Programm im Januar eingestellt, HackerOne den Internet Bug Bounty im März pausiert, Node.js sein eigenes Bounty kurz danach suspendiert, und Linus Torvalds nennt die Linux-Kernel-Security-Liste im Mai öffentlich „almost entirely unmanageable“.
Alle geben denselben Grund an: KI-Werkzeuge produzieren plausibel klingende Reports schneller, als die Empfängerseite sie triagieren, verifizieren und beheben kann. Der Anteil echter Schwachstellen in diesen Reports ist niedrig geblieben, was massiv gestiegen ist, ist das Volumen. Wer nur mehr Findings zählt, misst nicht mehr Sicherheit, sondern die Belastung des Systems. Sicherer wird die Welt erst, wenn die Verifikationsseite mit der Discovery-Seite mitwächst, und das tut sie gerade nicht.
Was ist denn wichtiger für den Erfolg KI-gestützter Audits – ein möglichst starkes Modell oder doch eher der Workflow?
Beides zählt, aber der Hebel liegt eindeutig im Workflow, vor allem für Teams, die KI-Audits gerade erst einführen. Ein zusätzlicher Punkt auf einem Coding-Benchmark bringt weniger als eine ordentliche Reproduktions-Stufe im Prozess. Das zeigt Mozilla mit Firefox 150: 271 geschlossene Sicherheitsbugs in einem einzigen Release, darunter ein 20 Jahre alter Fehler in der XSLT-Engine, kamen nicht aus einem neuen Modell allein. Sie kamen aus einer Pipeline, in der jedes Modell-Finding einen reproduzierbaren Testfall mitbringen muss. Das Modell liefert Kandidaten, die Pipeline sortiert das Rauschen aus.
Mozilla hat seit Jahren eine Fuzzing-Infrastruktur mit reproduzierbaren Test-Cases, automatisierter Deduplizierung und integriertem Triage-Prozess aufgebaut. Darauf haben sie die agentische Test-Pipeline gesetzt, die das KI-Modell zwingt, jeden Befund mit einem reproduzierbaren Testfall zu belegen und die Reproduktion selbst zu fahren. Was sich nicht reproduzieren lässt, fällt raus, bevor ein Mensch es sieht. Der Punkt, der leicht übersehen wird: Neu ist nicht der Baustein, sondern die Kombination.
Umgekehrt gilt: Das stärkste Modell ohne diese Disziplin produziert mehr Rauschen, nicht mehr Sicherheit. Die 80 Prozent Falsch-Positive, die für 2024 und 2025 vielfach berichtet wurden, galten für Modelle, die ohne Reproduktions-Stufe direkt auf eine Codebasis angesetzt wurden. Mit einer disziplinierten Pipeline fällt der Wert deutlich. Welches Modell darauf läuft, ist am Ende zweitrangig gegenüber der Frage, ob überhaupt eine Pipeline da ist.
Und was sollte ein Team tun, das mit KI-Codeaudits starten will, aber nicht die ausgefeilte Infrastruktur Mozillas zur Verfügung hat?
Vor allem: nicht früh und breit einsetzen. Genau das produziert die Triage-Tretmühle, in der Reviewer nur noch Tool-Output aussortieren, statt selbst zu lesen. Was in der Praxis funktioniert, ist ein disziplinierter Einsatz in drei getrennten Stufen. KI vor dem Audit, um die Codebasis zu kartieren, Module und Eintrittspunkte zu identifizieren. KI während des Audits als Navigations- und Recherche-Hilfe. Und KI nach dem manuellen Review als zweite Sicht, die bekannte Muster prüft. Die Reihenfolge ist entscheidend: Wenn KI die erste Sicht liefert, prägt sie den Ersteindruck der Reviewer. Wenn sie die letzte Sicht ist, findet sie, was Menschen entgangen ist.
Dazu vier Regeln: Jedes KI-Finding braucht einen falsifizierbaren Reproduktionsfall, sonst bleibt es Hypothese. Die Findings-Menge wird pro Code-Bereich gedeckelt, damit die KI ihre Kandidaten selbst priorisiert; sonst lernen Reviewer, den ganzen Kanal zu ignorieren. Threat-Modell und die Einschätzung des Schweregrads bleiben in menschlicher Hand. Und wo KI auch Code schreibt, greift eine zusätzliche Schwelle mit dokumentierter Absicht und Negativ-Testfällen. Für Solo-Maintainer, die kritische Open-Source-Bibliotheken alleine tragen, ist das übrigens kein realistisches Programm. Dort ist die Antwort weniger ein besserer Workflow als eine gemeinschaftlich finanzierte Triage-Kapazität.
In der Serie "Drei Fragen und Antworten" will die iX die heutigen Herausforderungen der IT auf den Punkt bringen – egal ob es sich um den Blick des Anwenders vorm PC, die Sicht des Managers oder den Alltag eines Administrators handelt. Haben Sie Anregungen aus Ihrer tagtäglichen Praxis oder der Ihrer Nutzer? Wessen Tipps zu welchem Thema würden Sie gerne kurz und knackig lesen? Dann schreiben Sie uns gerne [4] oder hinterlassen Sie einen Kommentar im Forum.
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Die United-Internet-Töchter GMX und Web.de führen jetzt Passkeys ein. Sie verbessern damit die Sicherheit und den Schutz vor Phishing.
Der Passwort-Nachfolger Passkey [1] zieht in weitere Dienste ein. Jetzt legen auch die United-Internet-Töchter GMX und Web.de nach und bieten Kunden den besseren Zugangsschutz an.
Nach wie vor ist Phishing von Zugangsdaten ein großes Problem. Ständig versuchen Cyberkriminelle, Opfer zu finden, ihnen die Zugangsdaten abzuluchsen und damit dann weiteren Schaden anzurichten. Das sollen Passkeys erschweren: Sie verknüpfen einen Zugang direkt mit einem Gerät oder Passwortmanager. Der Zugriff von anderen Maschinen aus ist ohne die privaten Schlüssel nicht möglich. Damit gelingt Angreifern kein Zugriff mehr über Nutzername und Passwort und gegebenenfalls in ausgeklügelteren Angriffen ausgeforschte Einmal-Zeichenfolgen der Mehr-Faktor-Authentifizierung.
Anmelden ohne Passwort
Passkeys erhöhen nicht nur die Sicherheit, sondern auch den Komfort. Zur Anmeldung an einer Webseite oder einem Dienst ist nur ein biometrischer Nachweis der Identität nötig, etwa über Fingerabdruckscanner, Lächeln in die Kamera oder die Freigabe über das Smartphone. Nutzerinnen und Nutzer müssen sich keine Passwörter mehr merken.
Um in den Genuss des einfachen Passkey-Logins zu kommen, müssen Interessierte ihn bei GMX und Web.de zunächst einrichten. Das ist aber schnell erledigt, wenn man das Handy zur Hand hat. Auf „Login“ bei dem jeweiligen Angebot klicken, dort „iPhone, iPad oder Android-Gerät“ auswählen und dann den QR-Code scannen. Dann muss „Passkey verwenden“ angeklickt und die Anmeldung mittels Biometrie oder PIN bestätigt werden. GMX hat eine ausführlichere Anleitung [2] online eingestellt, ebenso findet sich eine bei Web.de [3].
Sowohl GMX als auch Web.de erklären weiter, dass die Aktivierung von Passkeys ohne Risiko abläuft. Der Zugang mittels Passwort funktioniert auch weiterhin parallel. Das dient auch als Backup, wenn der Login mittels Passkey fehlschlägt, das Handy verloren geht oder schlicht nicht zur Hand ist. Mit einigen Passwort-Managern wie Bitwarden lassen sich Passkeys auch so abspeichern, dass sie geräteübergreifend nutzbar sind.
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