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Mac Pro: Apple dachte an neues Modell – und gleich zwei „Extreme“-Chips

Von Heise — 20. Juli 2026 um 11:47
Mac Pro: Das letzte Design stammte bereits von 2019

Mac Pro: Das letzte Design stammte bereits von 2019.

(Bild: Apple)

Apples schnellster Rechner ist mittlerweile der Mac Studio. Das war lange anders. Nun gibt es neue Details zu alten Planungen im Hinblick auf High-End-Systeme.

Apple hatte offenbar über einen längeren Zeitraum vor, die Mac-Pro-Baureihe weiterzuentwickeln. Stattdessen entschied sich der Konzern im März, die Workstation ersatzlos aus dem Programm zu nehmen [1]. Neben dem Formfaktor an sich gab es einem Bericht zufolge auch Arbeiten an zwei Spezialchips, die für Apples teuersten Desktop geplant waren. Auch diese wurden schließlich nicht umgesetzt, schreibt die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Ob es beim Ende des Mac Pro bleibt oder Apple langfristig ein Nachfolgemodell bringen wird, bleibt offen.

Mac Studio ist nun schnellster Desktop

Nach dem Ende des Mac Pro ist nun der kompaktere Mac Studio [2] ohne direkte Erweiterungsmöglichkeiten Apples schnellste Maschine. Zuletzt waren im Frühjahr 2025 Varianten mit M4 Max und M3 Ultra erschienen, Apple strich aufgrund der Speicherkrise zwischenzeitlich mehrere große Konfigurationen [3]. Apple hatte den Mac Pro zuvor seit 2023 [4] nicht gepflegt und zum unveränderten Preis weiterhin mit dem veralteten M2 Ultra verkauft. Intern soll Apple an zwei noch schnelleren Chips, die zwei Ultra-Prozessoren kombinieren sollten, gearbeitet haben.

Laut Bloomberg [5] war dies sowohl ein „M2 Extreme“ als auch später ein „M3 Extreme“. Von beiden Chips gab es Ultra-Varianten. (Ob der geplante Name tatsächlich „Extreme“ hieß, drang nie offiziell durch.) Laut Bloomberg entschied sich Apple schließlich, die Projekte einzustellen – aus Kostengründen. Zudem sei unklar gewesen, wie hoch die Nachfrage gewesen wäre. Apple hatte geplant, die Ultra-Konfiguration bei Grafik- und Prozessorkernen jeweils erneut zu verdoppeln. Mindestens zwei neuere Varianten eines Mac Pro bekamen Codenamen: J170 und J190. Angeblich hatte Apple sogar vor, eine neue Intel-Variante aufzulegen – denn nur diese ließ sich mit zusätzlichen GPU-Karten [6] aufrüsten.

Mac-Pro-Geschichte mit Höhen und Tiefen

Apple hatte den Mac Pro stets für eine spezielle Zielgruppe entwickelt – Profis, die besonders viel Speicher und Leistung benötigten. Die Erweiterungsmöglichkeiten suchte man in allen anderen Mac-Modellen vergeblich. Gleichzeitig verlangte Apple je nach Konfiguration Kleinwagenpreise für die Maschinen und aktualisierte sie nur schleppend. Auch gab es immer wieder Ärger um den Formfaktor. Nach der berühmten Käsereibe kam der „Trashcan“-Mac-Pro [7], eine Art Vorläufer des Mac Studio ohne Erweiterungsmöglichkeiten. Dieser wurde dann durch das letzte, wieder erweiterbare Modell ersetzt, wobei Apple Silicon hier dafür sorgte, dass die Möglichkeiten reduziert wurden, welche Karten mit der Hardware liefen.

Laut Bloomberg arbeitet Apple nun an einem M5-Ultra-Chip, der in der nächsten Generation des Mac Studio noch in diesem Jahr (oder im kommenden Frühjahr) erscheinen könnte. Es dürfte – vermutlich Anfang 2028 – recht schnell einen Sprung zum M7 Ultra [8] geben, der bis zu 1,5 TByte RAM und diverse KI-Verbesserungen verspricht.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Apple-beerdigt-Mac-Pro-offiziell-kein-Nachfolger-geplant-11227001.html
  2. https://www.heise.de/news/Apples-Desktop-Workstation-Mac-Studio-2025-mit-M4-Max-und-M3-Ultra-10305584.html
  3. https://www.heise.de/news/Apples-Desktop-Workstation-Mac-Studio-2025-mit-M4-Max-und-M3-Ultra-10305584.html
  4. https://www.heise.de/news/Ueberraschung-auf-der-WWDC-Apples-neuer-Mac-Pro-mit-M2-Ultra-Prozessor-9168838.html
  5. https://www.bloomberg.com/news/newsletters/2026-07-19/why-apple-s-openai-lawsuit-doesn-t-mention-jony-ive-ai-recording-at-genius-bar-mrrv4mix
  6. https://www.heise.de/news/Erstmals-eGPU-Treiber-fuer-Apple-Silicon-Macs-aber-nur-fuer-KI-11246850.html
  7. https://www.heise.de/news/Vor-fuenf-Jahren-Apple-raeumt-Probleme-beim-Mac-Pro-ein-6663672.html
  8. https://www.heise.de/news/M-Chips-M7-mit-bis-zu-1-5-TByte-und-warum-Apple-den-M6-ueberspringt-11362052.html
  9. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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Apple Music wird in Deutschland teurer

Von Heise — 20. Juli 2026 um 10:52
Apple Music auf dem Mac

Apple Music auf dem Mac: 1 Euro mehr ab sofort.

(Bild: Apple)

Apple macht seinen populären Musikstreamingdienst teurer, Deutschland inklusive. iCloud+ ist in anderen Regionen betroffen.

Nicht nur iPads, Macs und Zubehör [1] sowie – vermutlich demnächst – iPhones [2] werden bei Apple teurer, sondern auch einige der Dienste des Konzerns. Dazu gehört der Speicherdienst iCloud+ in insgesamt acht Ländern, aber auch das Musikstreamingangebot Apple Music, wo von auch Europa betroffen ist. Sowohl Einzelabo als auch Familienabo sowie Studentenabo werden teurer.

Apple One noch nicht erhöht

Laut Apple-Preisliste [3] zahlt man für das Einzelabonnement nun 11,99 Euro statt 10,99 Euro. Familien werden mit 19,99 Euro statt 16,99 Euro besonders stark belastet (für bis zu sechs Personen). Das günstigere Studentenabo verteuert Apple von 5,99 auf 6,99 Euro. Wer Apple Music im Jahresabo einzeln erwerben will, zahlt nun 119 Euro, zuvor waren es 109 Euro. Es gibt allerdings Berichte, dass bei Abschluss teilweise noch der alte Preis angezeigt wird.

Interessant: Apple verteuert sein Gesamtabopaket Apple One [4] zunächst nicht. Es wird für Einzelpersonen weiterhin mit 19,95 Euro im Monat berechnet und enthält dann Apple Music, Apple TV, Apple Arcade sowie das iCloud+-Speicherpaket mit 50 GByte. Für eine Familie werden – dann mit 200 GByte für iCloud – 25,95 Euro im Monat fällig. Ein Premium-Paket, das auch noch Fitness+ enthält und 2 TByte Speicherplatz beinhaltet, kommt für eine Einzelperson auf 34,95 Euro.

iCloud+-Tarife steigen in acht Regionen

Parallel zu den Erhöhungen bei Apple Music begann Apple auch damit, die iCloud+-Tarife nur für mehr Speicher (sowie Zusatzdienste wie HomeKit Secure Video [5]) anzuziehen. In der Türkei, Neuseeland, Ägypten, Japan, Vietnam, Philippinen, Indonesien sowie in Nigeria erhöhen sich die Preise zwischen 11 und 55 Prozent [6]. Gründe gab Apple hierfür nicht an, teilweise dürfte es sich aber um Währungsanpassungen handeln. Euro-Preise und jene in den USA blieben zunächst unverändert.

Apple könnte auch die iCloud+-Tarife aufgrund der aktuellen Speicherkrise anziehen, schließlich benötigen die Server in den Rechenzentren sowohl RAM- als auch NAND-Module und Festplatten. Angaben zu den Gründen für eine Erhöhung der Dienstepreise macht Apple allerdings normalerweise nicht, Nutzer werden nur über diese informiert. Apple Music hat im Gegensatz zu Spotify nach wie vor keinen kostenlosen Tarif mit Werbung, es gibt nur einen Probemonat.

Update

Apple nannte gegenüber 9to5Mac als Grund für die Apple-Music-Preiserhöhung [7] „gestiegende Lizenzkosten“. In den USA sind unterdessen auch die Apple-One-Abopreise für Familien und die Premium-Variante gesteigen, um jeweils 2 US-Dollar.


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  1. https://www.heise.de/news/Speicherkrise-Apple-beginnt-Preise-kraeftig-nach-oben-zu-setzen-11344705.html
  2. https://www.heise.de/news/iPhone-Preise-beginnen-zu-steigen-aber-vorerst-nur-in-einem-Land-11370154.html
  3. https://www.apple.com/de/apple-music/
  4. https://www.apple.com/de/apple-one/
  5. https://www.heise.de/news/iCloud-wird-zum-indirekten-KI-Abo-11327404.html
  6. https://support.apple.com/en-us/108047
  7. https://9to5mac.com/2026/07/17/apple-raises-prices-for-apple-music-and-apple-one-subscriptions/
  8. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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Unterhaltsvorschuss: Warum deutsche Städte beim Rückgriff scheitern

Von Telepolis — 20. Juli 2026 um 14:43
Kinder sitzen auf einer Bank und tragen Gummistiefel.

Die Bürokratie und fehlendes Personal erschweren die Eintreibung von Unterhaltsvorschüssen in deutschen Städten.

(Bild: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Kürzung beim Unterhaltsvorschuss? Daten aus München, Cottbus und Dresden zeigen, dass fehlendes Personal und Bürokratie die Rückzahlung blockieren. Kommentar.

Die Pläne der CDU-geführten Bundesregierung, beim Unterhaltsvorschuss und anderen Sozialleistungen den Rotstift anzusetzen, sind zuletzt auf heftige Kritik gestoßen. Dennoch ist bei Bundesfamilienministerin Karin Prien und Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) kein Umdenken in Sicht.

Dabei offenbaren die Zahlen, die Telepolis von einigen deutschen Großstädten abgefragt hat: Es sind nicht die Kinder, die dem Staat zu viel Geld kosten – der Staat schafft es aus zum Teil hausgemachten Gründen schlicht nicht, die Milliarden von säumigen Unterhaltspflichtigen zurückzuholen.

Und man kennt die Gründe aus früheren Debatten: Es fehlt an Personal, und der bürokratische Apparat belastet sich selbst mit unsinniger Mehrarbeit.

Die Dimension ist gewaltig. Rund 3,3 Milliarden Euro zahlt Deutschland jährlich an Unterhaltsvorschuss aus, wie Telepolis jüngst berichtete [1]. Seit der Reform 2017, als die Altersgrenze von 12 auf 18 Jahre angehoben und die Bezugsdauer entfristet wurde, hat sich die Zahl der Empfänger von rund 427.000 auf knapp 856.000 Kinder verdoppelt.

Das kostete Geld – viel Geld. Doch anstatt die Rückholmaschinerie entsprechend mitzuziehen, sparten die Kommunen am Personal. Das Ergebnis lässt sich in nackten Zahlen ablesen.

650 Fälle pro Sachbearbeiter – der Münchner Wahnsinn

München zahlte allein in den vergangenen drei Jahren rund 105 Millionen Euro an Unterhaltsvorschuss aus. Zurück kamen 34 Millionen Euro – eine Quote von rund 32 Prozent, die im Städtevergleich noch als Spitzenwert durchgehen kann.

Doch der Preis dafür ist hoch: Eine einzige Vollzeitkraft im Münchner Fachbereich Unterhaltsvorschussgesetz (UVG) bearbeitet im Schnitt 650 Fälle parallel – 350 Auszahlungen und 300 Rückgriffe. Und monatlich gehen nach Auskunft der Stadtverwaltung rund 400 Neuanträge ein.

Von den 49 Vollzeitstellen sind nur knapp 90 Prozent besetzt. Personelle Engpässe seien "grundsätzlich ein Hindernis für eine konsequente Durchsetzung der Rückforderungen", teilt die Stadt auf Anfrage mit.

In Dresden sieht es düsterer aus. Die sächsische Landeshauptstadt gab 2024 mehr als 26 Millionen Euro an Unterhaltsvorschuss aus, holte davon aber nur 11,87 Prozent zurück – weniger als jeden achten Euro.

Von 34 Vollzeitstellen, mit denen die Stadtverwaltung plant, sind lediglich 31 besetzt, etliche davon auch nur in Teilzeit.

Das Problem sei weniger die absolute Stellenzahl als die chronische Fluktuation, erklärte die Stadt gegenüber Telepolis. Häufige Personalwechsel machten eine engmaschige Verfolgung der Schuldner praktisch unmöglich.

Die Stadt Leipzig betonte gegenüber Telepolis, dass der "Rückgriff nach § 7 UVG [...] personalintensiv [sei], da er unter anderem die Überprüfung der Leistungsfähigkeit der Unterhaltspflichtigen, die Titulierung von Ansprüchen und die Durchführung von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen erfordert". Aber auch nachdem der Bereich personell verstärkt wurde, sind von "rund 39 Vollzeitäquivalente (VzÄ)" nur 32 besetzt.

Leipzig ist ein Beispiel dafür, dass sich mehr Personal auszeichnet: In der Zeit von 2017 bis 2025 erhöhten sich die Zahlungen von Unterhaltsvorschuss von 11,3 auf knapp über 30 Millionen Euro, also ein Anstieg um den Faktor 2,7. Im selben Zeitraum stieg aber der Rückgriff um den Faktor 4,4, von 0,9 auf knapp 4 Millionen Euro. Immerhin können so 13 Prozent der Kosten wieder zurückgeholt werden.

Cottbus und die soziale Realität: Wenn beim Schuldner nichts zu holen ist

Am dramatischsten zeigt sich der Trend in Cottbus. Die brandenburgische Stadt meldete für 2023 noch eine Rückgriffsquote von 18,2 Prozent. Zwei Jahre später lag sie nur noch bei 14,4 Prozent, wie die Stadt auf Anfrage mitteilt. Dabei sind die eingesetzten Instrumente dieselben geblieben: Mahnungen, Vermögensauskünfte, Lohn- und Kontopfändungen, Strafanzeigen.

7,8 Vollzeitstellen betreuen hier den gesamten Bereich. Eine umfassende Bearbeitung der Rückgriffe sei aufgrund der aktuellen Personalsituation derzeit "nur schwer umsetzbar", teilte die Stadt mit.

Die Cottbuser Zahlen legen einen weiteren Faktor offen, der in der Berliner Spardebatte kaum vorkommt: die soziale Realität in Deutschland. In einer Stadt mit hoher Arbeitslosen- und SGB-II-Quote fehlt vielen Unterhaltspflichtigen schlicht das Geld.

München beziffert den Anteil zahlungsunfähiger Schuldner auf 70 Prozent. Bei weiteren 10 Prozent ist der Aufenthaltsort unbekannt. In der Antwort aus Dresden kommen ungeklärte Vaterschaften und ins Ausland verzogene Elternteile hinzu.

Cottbus verweist zudem auf eine Besonderheit: Von 75 ukrainischen Fällen sei nur in dreien ein Rückgriff möglich – weil Väter im Krieg gefallen oder schlicht unbekannt sind.

Das bürokratische Nullsummenspiel mit dem Bürgergeld

Doch selbst dort, wo Sachbearbeiter existieren und Schuldner greifbar wären, blockiert ein absurdes Verwaltungskonstrukt die Arbeit.

Für Familien im Bürgergeld-Bezug ist der Unterhaltsvorschuss ein reines Nullsummenspiel [2]: Das Jugendamt zahlt, das Jobcenter kürzt exakt denselben Betrag. Am Monatsende hat die Familie keinen Cent mehr. Trotzdem müssen beide Behörden den Fall komplett bearbeiten – Antragsprüfung, Erstattungsansprüche, Verrechnung.

Dresden formuliert die Konsequenz ungewöhnlich deutlich: Ein Ende dieses Doppelbezugs würde "massive Kapazitäten freisetzen, die in den Rückgriff investiert werden könnten". Weiter:

"Die Abrechnung von Erstattungsansprüchen und Anspruchsprüfung im Falle von Bürgergeldbezug binden hier beträchtliche Verwaltungskapazitäten, ohne dass die Betroffenen davon einen Vorteil haben."

Klarer kann eine Behörde wohl kaum sagen, dass gesetzliche Vorgaben sie dazu zwingen, im Grunde sinnlose Arbeit zu leisten.

Forderung der Kommunen: Digitalisierung statt Sparpläne beim Jugendamt

Als Lösung fordern die Kommunen keinen Kahlschlag bei den Leistungen. Sie fordern stattdessen einen besseren Datenaustausch zwischen Behörden, landesweite Standards für das Forderungsmanagement, schnellere Vollstreckungsgerichte und eine Digitalisierung, die den Namen verdient.

Das klingt weniger spektakulär als so manche Forderungen von Politikern, die jetzt ins Spiel gebracht werden, etwa Stadionverbote für säumige Väter nach argentinischem Vorbild oder Fahrverbote im Verwaltungsverfahren. Aber würden die Ideen der Kommunen berücksichtigt, käme man wohl zu einer wirksameren Lösung. Lediglich Leipzig sieht in den Vorschlägen wie dem Entzug des Führerscheins ein geeignetes Druckmittel, zumindest unter Umständen, denn wenn dadurch eine Erwerbstätigkeit unmöglich gemacht würde, wäre dadurch auch nichts gewonnen.

Wer bei 856.000 Kindern kürzen will, statt den Verwaltungsapparat zu reparieren, der die Milliarden eintreiben soll, betreibt keine Haushaltssanierung – sondern Symptombekämpfung auf dem Rücken Minderjähriger.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11371064

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/tp/article/Kuerzung-beim-Unterhaltsvorschuss-Wie-der-Staat-jetzt-bei-den-Kindern-spart-11366522.html
  2. https://www.heise.de/tp/article/Unterhaltsvorschuss-Das-Maerchen-vom-Luxusleben-der-Alleinerziehenden-11367488.html

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Haushalt 2027 im Überblick: Wo das Kabinett Merz jetzt kürzt und wer profitiert

Von Telepolis — 20. Juli 2026 um 14:00
Ein Schlüssel vor einem Notbrmenshebel auf dem in Eurozeichen ist

Die volle Zinslast der aktuellen Schuldenaufnahme macht sich erst in einigen Jahrzehnten bemerkbar

Das Kabinett Merz plant für 2027 ein Defizit von 118,7 Milliarden Euro. Während die Rüstung boomt, wird bei Bildung und Sozialem gekürzt. Eine Analyse.

Das Kabinett Merz hat den Bundeshaushalt 2027 beschlossen [1]– samt Finanzplan bis 2030 [2]. Eine offene Debatte darüber, welche Ausgaben notwendig und welche verzichtbar, findet in der Zeitenwendehysterie kaum noch statt. Aufrüstung gilt nicht als politische Entscheidung, sondern als Sachzwang.

Ein Blick auf einen Haushalt, der eher dem Wunschzettel einer wiedererstarkten Rüstungsindustrie gleicht als einem demokratisch ausgehandelten Kompromiss.

Allein für 2027 plant [3] der Bund mit einem Defizit von 118,7 Milliarden Euro – fast ein Fünftel des 555,4-Milliarden-Budgets ist durch laufende Einnahmen, erhebliche Sozialkürzungen und diverse Steuererhöhungen nicht gedeckt. Das sind rund 20 Milliarden mehr Nettoschulden als 2026, bei einer Gesamtausgabensteigerung von gerade einmal 30 Milliarden.

Hinzu kommen ab 2027 neue Kredite aus den Sondervermögen für Infrastruktur, Klimaneutralität [4] sowie gesondert für Kriege. Erste Tilgungen für Letzteres könnten bereits ab 2028 mit 3,2 Milliarden Euro fällig [5]werden; die Infrastruktur- und Klimakredite müssen erst ab 2044 zurückgezahlt werden. Deutschland auf dem Weg in die Staatsschuldenkrise?

Sonderschulden statt Sondervermögen

Der Bundesrechnungshof liefert die Empirie: Er verweist auf [6] den engen Zusammenhang von Sozialabbau, Rüstungsausgaben und Kreditaufnahme über Sondervermögen. Der Bund verfügt derzeit über 29 solcher Konstrukte [7] mit einem Gesamtvolumen von rund 869 Milliarden Euro – doch nur etwa ein Zehntel davon ist tatsächlich werthaltig, der Rest kreditfinanziert oder auf Zuschüsse aus dem Kernhaushalt angewiesen.

Die behördlichen Prüfer sprechen deshalb [8]von "Sonderschulden" und warnen, dass die reale Neuverschuldung unter Einbeziehung dieser Konstruktionen deutlich höher liegt als die offiziell ausgewiesene Nettokreditaufnahme.

Mehrere Krisen könnten zudem zusammenlaufen: Sondervermögen wurden bereits mehrfach über die Maßen zweckentfremdet [9], gleichzeitig droht [10] dem gesamten Euro-Raum bei einem möglichen Zahlungsausfall der Ukraine ein Sog gen Pleite.

Fachleute mahnen [11], dass unter dem sicherheitspolitischen Diktum eines "Whatever it takes" kaum geklärt ist, wer die Schulden am Ende trägt. Am Ende dürften es wie so oft die kommenden Generationen sein.

Umschichten statt sparen

Ein Blick in die Einzelpläne zeigt: Der Haushalt 2027 ist kein klassischer Sparhaushalt, sondern vor allem ein Umschichtungs- und Verschuldungshaushalt.

Wenn das Ministerium von einem "starken und krisenfesten Deutschland" spricht [12], meint es offenbar vor allem Rheinmetall & Co. Denn der mit Abstand größte Gewinner ist die Rüstungsbranche: Von 82,7 Milliarden Euro 2026 steigt [13]der Etat 2027 um 27 Milliarden auf 109,7 Milliarden – ein Rekordplus von 33 Prozent.

Zusätzlich soll 2027 das bereits angesprochene Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) starten [14]: eine über zwölf Jahre laufende Kreditermächtigung von 500 Milliarden Euro. Der Haken: Zwar ist das SVIK kein direkter Rüstungsfonds, doch die Nato fordert [15] seit Jahren leistungsfähige Verkehrswege für militärische Mobilität – Brücken, Schienen und Straßen, die im Ernstfall auch militärisch genutzt würden.

Wie schon beim Bundeswehr-Sondervermögen handelt es sich also um einen zweifachen Etikettenschwindel: Sondervermögen klingt nach vorhandenen Mitteln, gemeint ist aber eine verzinste Kreditermächtigung, die keine direkte Investition darstellt, sondern als Investitionsfonds neue Kapitalien anregen soll.

Zum Anderen verbirgt sich hinter dem wohlklingenden Namen im Kern eine militärische Komponente für die Nato-Ostdrehscheibe, nämlich die Stärkung des zentralen Logistik-Hub auf deutschem Boden [16].

Ende der Fiskal-Ampel

Während bei der Aufrüstung geklotzt wird, trifft [17] es den Klima- und Transformationsfonds (KTF) hart – zwei bis drei Milliarden Euro weniger jährlich, weil CO2-Emissionshandel-Einnahmen künftig in den Kernhaushalt umgeleitet werden.

Heizungsförderung, Gebäudesanierung und Industrietransformation stehen zur Disposition [18]. Damit bricht die Koalition demonstrativ mit einem Erbe der Ampel: Nach dem Karlsruher Grundsatzurteil zur Schuldenbremse 2023 [19] hatte die Vorgängerregierung noch versucht, die Bremse einzuhalten. Heute liegt eine deutlich expansivere Finanzpolitik vor.

Hinzu kommt eine pauschale Ein-Prozent-Kürzung in allen Ministerien sowie die fast vollständige Auflösung der Haushaltsrücklage: 6,8 Milliarden Euro werden entnommen, nur 3,9 Milliarden bleiben als Puffer. Kritiker sprechen [20] von einer "entsetzlichen Lücke", die Süddeutsche Zeitung wirft [21] der Regierung vor, den letzten Notgroschen zu verjubeln.

Diese Rücklage war eigentlich als Puffer für unerwartete Krisen gedacht – Krisen, die allein im letzten Jahrzehnt gehäuft auftraten. Eine ARD-Analyse bringt [22] das Klingbeil-Motto auf den Punkt: "Prinzip Hoffnung", weil zentrale Finanzierungsannahmen höchst unsicher sind. Das konterkariert Klingbeils Linie: Lange hatte er angekündigt, [23] die Rücklage möglichst zu schonen – wohl wissend, dass ihr Verbrauch die Spielräume der Haushalte bis 2029, für die er selbst verantwortlich sein könnte, drastisch einschränkt.

Milei in Mitteleuropa?

Am härtesten trifft es den Sozialstaat: Zwar bleibt der Etat [24] mit 201,2 Milliarden Euro 2027 und geplanten 233,5 Milliarden bis 2030 der größte Einzelposten, doch innerhalb dessen wird in einer Zangenbewegung verschärft und gekürzt – etwa weil das Bürgergeld zu einer "sozial-aktivierenden", also repressiveren Grundsicherung [25] wird.

Der Bildungsetat sinkt [26]von 16,7 auf 13,8 Milliarden Euro, Forschung, Wohngeld und Kinderförderung werden gekürzt – während gleichzeitig der militärisch-industrielle Komplex frohlockt. Was einst wie ein süffisantes Memes galt, ist heute Realität: Das warme Mittagessen für Schulkinder [27], finanzierbar aus dem Kinder-Sofort-Zuschlag, wird gestrichen und in Militaria investiert. Das trifft jene am härtesten, die um ihren Job bangen, an Zapfsäule und Supermarktkasse schlucken oder deren Löhne durch Inflation zerfressen werden.

Die Logik erinnert dabei an Javier Mileis Kurs in Argentinien [28]: Ein radikaler Sparkurs mit dem Versprechen eines schlankeren Staates, erkauft jedoch mit harten Einschnitten bei öffentlichen Leistungen.

Während Milei mit seiner "Kettensäge" vor allem Staatsausgaben kappte, zeigt sich in Deutschland ein anderer Zielkonflikt: Milliarden für Verteidigung stehen der Forderung gegenüber, bei Sozialem nicht zu sparen. Die Quadratur des Kreises, will man Überreichtum [29] unangetastet oder eine Kapitalertragsteuer unberufen lassen will, unmöglich.

Zinsen, Zocken, Zeche zahlen

Die Prioritäten sind verteilt: Aufrüstung und Digitalisierung wachsen, Klimaförderung, Rücklagen und Zinszahlungen werden hintangestellt. Gespart wird bei Sozialem, Bildung und Renten. Das größte Risiko aber liegt in den Zinsausgaben, die von 33,6 Milliarden Euro (2026) auf 82,2 Milliarden (2030) steigen sollen [30] – ein Plus von über 144 Prozent.

Der Bundeshaushalt 2027 ist damit auch eine Entscheidung über die Verteilung von Lasten zwischen den Generationen und Schichten: Während heute Milliarden für Aufrüstung mobilisiert werden, bleibt offen, wer die Zeche zukünftig begleicht.

Die Schulden von heute sind keine abstrakte Zahl in Haushaltsbilanzen, sondern konkrete Verpflichtungen für diejenigen, die morgen mit höheren Zinsen, weniger Handlungsspielraum und weggekürzten Sozialleistungen leben müssen.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Oeffentliche_Finanzen/Bundeshaushalt/Bundeshaushalt-2027/_VollstaendigeListe/vollstaendige-liste.html
  2. https://www.politico.eu/wp-content/uploads/2026/04/28/Finanzplans-des-Bundes-2026-bis-2030.pdf
  3. https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/haushalt-finanzplan-regierungsentwurf-kabinett-100.html
  4. https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Oeffentliche_Finanzen/SVIK/sondervermoegen-infrastruktur-klimaneutralitaet.html
  5. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1102950
  6. https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2023/sondervermoegen.html
  7. https://www.staatsverschuldung.de/sondervermoegen/
  8. https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2025/aenderung-grundgesetz/kurzmeldung-1.html
  9. https://www.handelsblatt.com/meinung/wirtschaftsforum/daniel-stelter-sondervermoegen-zweckentfremdet-jetzt-droht-eine-schuldenkrise/100210071.htmll
  10. https://www.welt.de/wirtschaft/plus6a4bcab51cbe5f3a786a8d62/euro-in-der-krise-es-ist-ueberhaupt-nicht-ausgehandelt-wie-die-schulden-am-ende-getragen-werden.html
  11. https://www.exploring-economics.org/de/entdecken/was-sind-die-grenzen-von-staatsschulden/
  12. https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2026/07/2026-07-06-regierungsentwurf-bundeshaushalt-2027.html
  13. https://esut.de/2026/07/meldungen/72572/entwurf-haushalt-2027-5554-milliarden-euro-ausgaben/
  14. https://www.bundeshaushalt.de/DE/SVIK/sondervermoegen-infrastruktur-klimaneutralitaet.html
  15. https://www.tagesspiegel.de/politik/drehscheibe-fur-truppen-deutschlands-marode-brucken-sind-im-nato-verteidigungsfall-ein-risiko-13311034.html
  16. https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/verteidigung-nato-drehscheibe-bundeswehr-ruft-logistikkonzerne-zu-hilfe/100116242.html
  17. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/ktf-klimafonds-finanzplanung-100.html
  18. https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/bundesregierung-will-foerderprogramme-im-klimafonds-kuerzen-381354/
  19. https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/bverfg-2bvf122-haushalt-schuldenbremse-bundestag-finanzverfassung
  20. https://taz.de/Bundeshaushalt-2027/!6193930/
  21. https://www.sueddeutsche.de/politik/haushalt-2027-klingbeil-ruecklage-li.3510361
  22. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/finanzplan-klingbeil-analyse-100.html
  23. https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Reden/2025/2025-09-18-bundestag-schlussrunde-haushalt-2025.html
  24. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-07/bundeshaushalt-bundesregierung-investitionen-verteidigung-ausgaben
  25. https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/neue-grundsicherung-2399562
  26. https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/bundeshaushalt-2027-kriege-treiben-schulden-hoch,VOc5tXp
  27. https://taz.de/Sozialkuerzungen/!6196224/
  28. https://www.telepolis.de/article/Mileis-libertaere-Kettensaege-Arm-trotz-sinkender-Armutsquote-11291932.html
  29. https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr/ard-radiofeature/audio-ueberreichtum-wie-vermoegensungleichheit-demokratie-angreift-100.html
  30. https://www.surplusmagazin.de/haushaltsentwurf-bundesregierung-sparhaushalt-verteidigung-schulden/

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Fußball-WM-Finale: Spanien siegt, die ARD patzt, Hollywood übernimmt

Von Telepolis — 20. Juli 2026 um 13:30
Spanische Spieler mit einem Pokal - allerdings dem EM-Pokal von 2024. Die Spieler -  Pedri, Torres und Gavi sind Teil der goldenen Generation, die jetzut das WM-Finale gewonnen hat.

Das Gesicht einer neuen Ära: Pedri, Ferran Torres und Gavi feiern den EM-Titel 2024. Zwei Jahre später krönten sie sich auch zu Weltmeistern. Archivbild: Shutterstock.com

Spanien wird verdient Weltmeister. Das ZDF überzeugt, die ARD patzt – und die Fifa macht den Fußball zur unerträglichen Show. WM-Blog, Folge 17.

Manchmal siegt der Kopf und nicht der Bauch. Absolut verdient ist die beste Mannschaft des WM-Turniers Weltmeister geworden. Das spanische WM-Team ist ein würdiger Nachfolger der Goldenen Generation Iniesta und Xavi und Ramos, die 2010 Weltmeister wurden.

Erst zum dritten Mal nach 2010 und 2014 wurden damit Europäer außerhalb Europas Weltmeister.

Mit der spanischen Mannschaft hat die Zukunft über die Vergangenheit gesiegt. Spanien könnte noch über viele Jahre praktisch unschlagbar sein, sie werden weitere Titelchancen bekommen. Während Lionel Messi hier seine vermutlich letzte Titelchance hatte.

Argentinien wird nun für die Zeit nach Messi planen müssen und auch für die Zeit nach der "Generation Messi".

Widerlegt wurden mit dem Ergebnis auch alle Verschwörungstheorien, nach denen die FIFA und "die jüdische Lobby" oder "Israel" einen Sieg Argentiniens wünschten und durch parteiische Schiedsrichter abgesichert hätten.

Das Ergebnis war ein Erfolg des Kollektivs, wie schon das ganze Finale.

Die zwei taktisch besten Mannschaften

"Es ist ein wunderbares Finale", sagte ZDF-Experte Christian Streich schon gleich zu Beginn der ZDF-Übertragung:

"Es sind die zwei taktisch besten Mannschaften, die zwei Mannschaften, die mich am meisten überzeugt haben von der Intensität und von der fußballerischen Qualität her."

Damit hatte Streich elegant auch das Urteil gesprochen über das Spekatakel um den dritten-Platz, dessen "Tralala und Hoppsassa"-Fußball (Marcel Reif) man wie dem 6:4 Eishockey-Ergebnis anmerkte, dass es beiden Teams um gar nichts mehr ging; allenfalls darum, Kylian Mbappé soviel Tore und Scorer-Punkte zu verschaffen, dass Lionel Messi im Finale keine Chance mehr auf den Torjäger-Titel hatte – die kleine süße Rache der Engländer an ihrer Nemesis.

Argentinien geriet zu spät in Rückstand, um das Spiel zu gewinnen

Finale bei Weltmeisterschaften sind immer schwierige, von Taktik und Vorsicht dominierte Spiele. Sechs der fünf letzten WM-Finale gingen in die Verlängerung. Insofern konnte niemand überrascht sein, dass es kein üppiges barockes Fußballfest wurde; aber es war bis zum Ende ein spannendes Spiel. Argentinien geriet zu spät in Rückstand, um das Spiel zu gewinnen. Sie hätten mehr Zeit gebraucht, um zu Chancen zu kommen.

Aber natürlich kamen sie auch deswegen nicht zu Chancen, weil die Spanier ein perfektes Abwehrspiel aufgebaut hatten – nicht erst in diesem Spiel – und weniger zuließen, als die bisherigen Gegner der Argentinier, und nicht nur Messi weitgehend kaltstellten, sondern auch McAllister.

Spanien spielte schön, versuchte viel, hatte aber auch erkennbar viel und vielleicht ein bisschen zu viel Respekt vor Argentinien. Keine Angst, aber eine wahnsinnige Vorsicht, die den Spielern bestimmt auch von ihrem Trainer eingeschärft wurde.

Argentinien setzte eher auf ein Momentum und die Ermüdung des Gegners gegen Ende. Der Weltmeister schien sich zu sagen: Vielleicht klappt es, und wenn nicht, dann versuchen wir es im Elfmeterschießen.

Weil die Spanier dieses unbedingt vermeiden wollten, wurde es in der Verlängerung spannend, als Spanien offensiv einwechselte und sogar auf Spielmacher Rodri verzichtete. Zum Schlüsselspieler wurde wie beim EM-Sieg 2024 der offensive Linksaußen Nico Williams, der zunächst selbst das dann zu Unrecht aberkannte spanische Führungstor schoss und später die Kopfballvorlage zum Siegtreffer gab.

Argentinien begann zu früh mit Auszuwechslungen und hatte im letzten Drittel nichts zuzusetzen. Auch war es ein taktischer Fehler, zu Beginn der zweiten Halbzeit den Stürmer Gonzalez auszuwechseln. Das brachte Stabilität, aber schwächte die Offensive.

Parteinahmen der Medien und mancher Experten

Es ist falsch zu sagen, dass die Finalpaarung zwischen Spanien und Argentinien so extrem unerwartet war, wie es manche sogenannte Experten vergangene Woche schrieben.

Tatsächlich ist Argentinien zu Turnierbeginn der amtierende Weltmeister gewesen und Spanien nicht nur Europameister, sondern seit ungefähr drei Jahren ungeschlagen – wieso also sollte ein Finale für eine der beiden Mannschaften unwahrscheinlich sein?

Argentinien und Spanien spielten auch jeweils im Sechzehntel-Finale gegen den Zweiten der Gruppe des anderen. Nicht wie Deutschland, Frankreich oder England gegen Gruppendritte. Sie hatten keineswegs den leichteren Weg, eher im Gegenteil.

Da fragt man sich, was für Experten das sind, von welcher Expertise und von welchen Argumenten sie sich leiten lassen? Es scheint dann vielleicht doch eine allzu rosarote Sicht auf die französische Performance und auf die der Deutschen zu sein, oder auf die Kombination aus Kraft-Fußball und Star-Fußball, wie ihn neben Frankreich vor allem England repräsentiert.

Das wurde im Halbfinale zwischen England und Argentinien deutlich. Das Spiel war derart mitreißend, dass es verständlich war, dass nicht alle auch unmittelbar nach dem Spiel schon auf Ballhöhe waren.

Doch für den leider in diesem Fall allzu parteiischen Kommentator Tom Bartels von der ARD gibt es keine Rechtfertigung, wie überhaupt die ARD ihrer schwachen und halbherzigen WM-Berichterstattung in diesem Jahr, die nur Bastian Schweinsteiger als Experte ein wenig ausgleichen konnte, in ihrer letzten Folge eine Krone aufgesetzt hat.

Von den 30 Minuten, die zur Vorberichterstattung für ein WM-Halbfinale überhaupt gerade noch geblieben sind, waren zwei Drittel für die Lobpreisung der englischen Nationalmannschaft aufgewandt worden, mit Interviews.

Geld hilft

Das ZDF machte es wieder einmal viel besser: Der erwähnte Christian Streich in Berlin, die Paarung Per Mertesacker und Christoph Kramer vor Ort berichteten ausgewogen – und leidenschaftlich.

Geld schießt vielleicht keine Tore, aber manchmal hilft es. Vier der acht teuersten Mannschaften der WM erreichten die Halbfinale. Die spanische Mannschaft ist 1,2 Milliarden Euro wert, die argentinische nur 808 Millionen. Die beiden Mannschaften, die die Halbfinalpartien verloren, sind teurer: Die französische Mannschaft ist 1,5 Milliarden, die britische 1,4 Milliarden Euro wert.

Die Überraschungen kamen nicht überraschend

Tatsächlich ist diese Weltmeisterschaft somit eine WM der wenigen Überraschungen gewesen; am ehesten kamen das deutsche und das frühe brasilianische Ausscheiden unerwartet.

Natürlich hatte man von Brasilien mehr erwartet, von Deutschland auch, aber natürlich war auch klar, dass einige der afrikanischen Mannschaften und besonders Marokko stark sind, dass Japan, die Schweiz und Kolumbien und sogar Norwegen gut für Überraschungen sein würden – also gar nicht so überraschend.

Gab es Fußballinnovationen? Nicht viele. Von den häufigeren Weitschüssen war die Rede, und von den Auswirkungen der neuen Regeln.

Ansonsten war eher das Drumherum neu – und hier ist noch offen, ob die Amerikanisierung, besser Hollywoodisierung des Fußballs, inklusive der Einflussnahme des US-Präsidenten, eine Ausnahme bleiben oder zur Regel werden werden, wenn die WM in den Emiraten, undemokratischen Königreichen und anderen Diktaturen stattfinden wird.

Die Show ist das Ereignis

Die Show an sich war bereits das Ereignis. Ob mit Tom Cruise oder Madonna, Shakira oder Robbie Williams und all den anderen hochgradig geschmacklosen Showacts, die bereits vor Beginn zum schlechtesten Nationalhymnengesang aller Weltmeisterschaftsspiele führten.

Wie beim Super Bowl ging dem auch noch die US-Hymne voraus und die geschmacklose Fifa-Hymne – als ob es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Fifa ein eigener Staat ist, und sich auch so benimmt.

Co-Gastgeber Mexiko und Kanada fanden am Ende gar nicht mehr statt – ein trauriger Vorgriff auf die Sechs-Staaten-WM in vier Jahren.

Insgesamt war die Vorab- und die Halbzeit-Show grottig und riss keinen Fußballfan der Welt mit. "Das ist unsere neue Welt", sagte Christoph Kramer. Das ist letztlich nicht entschieden, vor allem aber eine unangemessene Identifikation mit dem Aggressor.

Der Fußball wird in seiner Schönheit selbst diese niederträchtigen Rahmenbedingungen überleben. So wie die Zeit nach Gianni Infantino in diesem Sommer begonnen hat, auch wenn Infantino selbst es noch nicht weiß.


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Gotify 3.0.0: Push-Nachrichten selbst hosten

Von Heise — 20. Juli 2026 um 11:41
Eine Person tippt auf einer Tastatur, umgeben von Symbolen für E-Mail und Benutzer.

(Bild: Michael Traitov / Shutterstock.com)

Gotify 3.0.0 führt OpenID Connect für die Anmeldung ein, verschärft den Umgang mit API-Token und überarbeitet die Konfiguration.

Mit Gotify 3.0.0 erhält der selbst gehostete Benachrichtigungsdienst eine Anmeldung über OpenID Connect (OIDC), zusätzliche Absicherung für sensible Aktionen in der Weboberfläche und eine umfassend überarbeitete Konfiguration. Das Major-Release verändert zugleich mehrere Schnittstellen und Konfigurationswege, sodass Administratoren ihre Installationen vor dem Upgrade prüfen sollten.

Gotify ist ein Open-Source-Server zum Versenden von Push-Nachrichten an eigene Clients und Anwendungen. Der Dienst richtet sich vor allem an Administratoren und Entwickler, die Benachrichtigungen aus Skripten, Monitoring-Systemen oder eigenen Anwendungen ohne externe Push-Plattform betreiben wollen. Clients abonnieren dabei Anwendungen auf einem Gotify-Server und erhalten deren Nachrichten per API.

Anmeldung über zentrale Identity Provider

Die wichtigste neue Funktion ist die Unterstützung für OpenID Connect. Damit kann Gotify Nutzer über einen externen Identity Provider anmelden, etwa über Keycloak [1], authentik oder einen Unternehmens-Login, der OIDC bereitstellt. OIDC baut auf OAuth 2.0 auf und liefert der Anwendung zusätzlich eine standardisierte Identität des angemeldeten Nutzers.

Das vereinfacht den Betrieb in Umgebungen, die bereits zentrale Benutzerkonten und Single Sign-on einsetzen. Statt separate Gotify-Passwörter zu verwalten, können Administratoren den Zugriff an den vorhandenen Identity Provider anbinden. Laut Release Notes [3] haben die Entwickler im Zuge dieses Updates auch mehrere Sicherheitsprobleme behoben.

Für besonders kritische Änderungen führt Gotify zudem eine „Session Elevation“ ein. Für sensible Änderungen in der Weboberfläche müssen angemeldete Nutzer ihre Identität erneut bestätigen. Das soll verhindern, dass ein bereits geöffneter Login für kritische Eingriffe missbraucht wird. Auch Skripte, die Endpunkte für Client-Tokens aufrufen, können davon betroffen sein und müssen gegebenenfalls angepasst werden.

Token erscheinen nur noch einmal

Die neue Version verschärft außerdem den Umgang mit Zugangstoken. Gotify zeigt API-Token künftig nur noch beim Erstellen oder Erneuern an. Bereits angelegte Token lassen sich anschließend nicht mehr über die API auslesen. Das reduziert das Risiko, dass ein Token versehentlich über API-Antworten, Protokolle oder eine kompromittierte Verwaltungsoberfläche preisgegeben wird.

Ergänzend speichert der Server Tokens nicht mehr im Klartext. Der verfügbare Schlüsselraum für Token steigt laut Changelog auf mehr als 128 Bit. Neu ist außerdem, dass Anwendungen eigene Token aktualisieren können. Nachrichten lassen sich nun auch mit einem Client-Token versenden.

Inaktive Clients und Sitzungen räumt der Server künftig automatisch auf. Das soll veraltete Einträge aus der Instanz entfernen und die Zahl unnötig fortbestehender Sitzungen begrenzen. Für die Weboberfläche verwendet Gotify zudem HTTP-only-Cookies statt Local Storage. Solche Cookies kann JavaScript im Browser nicht direkt auslesen, was den Schutz gegen den Abfluss von Sitzungsdaten bei Cross-Site-Scripting-Angriffen verbessert.

Neue Konfiguration erfordert Umstellung

Ein Breaking Change betrifft die Konfiguration: Die Datei config.yml wird nicht mehr unterstützt. Stattdessen muss man ihre Einstellungen in das neue Umgebungsvariablen-Format überführen. Dafür liefert das Projekt mit gotify migrate-config ein eigenes Kommando mit; zugleich führt Version 3 eine CLI mit den Befehlen gotify serve, gotify version und gotify migrate-config ein.

Wer Listen oder Maps über Umgebungsvariablen setzt, muss ebenfalls die geänderte Syntax berücksichtigen. Auch API-Clients sollten überprüft werden: Die URL im Feld paging.next von Antworten mit Nachrichtenlisten ist nun ein relativer Pfad statt einer vollständigen URL. Clients müssen ihn daher relativ zur Serveradresse auflösen.

Weitere Änderungen betreffen vor allem den Betrieb: Das Logging setzt jetzt auf zerolog, Docker-Images enthalten OCI-Labels, und für Tests mit noch nicht veröffentlichtem Code stellt das Projekt ein Image mit dem Tag gotify/server:master bereit. Neue Zeitstempelfelder dokumentieren zudem die Erstellung von Nutzern, Clients, Anwendungen und Plugins.


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  1. https://www.heise.de/hintergrund/Keycloak-Der-anpassbare-Identity-Provider-im-Ueberblick-10749295.html
  2. https://heise.de/s/MexG5
  3. https://github.com/gotify/server/releases/tag/v3.0.0
  4. https://www.heise.de/ix
  5. mailto:fo@ix.de

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Billionenbeträge berechnet: Abrechnungsfehler bei Amazon Web Services

Von Heise — 19. Juli 2026 um 17:43
AWS-Schriftzug (Amazon Web Services)

(Bild: JHVEPhoto/Shutterstock.com)

Kunden wurden plötzlich astronomische Kosten für Amazon Web Services angezeigt. Dahinter steckt ein technischer Fehler.

So mancher Kunde von Amazon Web Services (AWS) dürfte Panik bekommen haben: Der Cloud-Dienstleister verschickte Hinweise zu Kosten teils in Billionenhöhe – Grund waren Probleme im internen Abrechnungssystem.

Mehrere Medien berichten über AWS-Kunden, denen in ihrer Kostenübersicht, der AWS Billing Console, plötzlich Beträge von mehreren Billionen US-Dollar für den laufenden Monat angezeigt wurden. Ein Betroffener hatte im Vormonat lediglich 200 US-Dollar, ein anderer nur 43 US-Cent bezahlt. Auch im Kontakt mit dem Kundensupport war es laut der britischen Zeitung The Guardian [1] zunächst nicht ganz einfach, die Sache aufzuklären.

Fehlerhafter Umrechnungsmechanismus

Schließlich wendete der AWS-Support sich an die Öffentlichkeit und meldete am Freitag auf X [2], dass das Unternehmen Probleme mit inkorrekten Abrechnungsdaten untersuche. Erst am Sonntag konnte AWS dann die Ursache aufklären und das Problem beheben.

Ursache war wohl eine fehlerhafte „Konfigurationsänderung“ im AWS-Abrechnungssystem, wie Gizmodo unter Berufung [3] auf die AWS-Supportseite [4] berichtet. Hier hat Amazon aber mittlerweile alle Informationen zu dem Thema entfernt, per Wayback Machine [5] lassen sich zumindest die Aktivitäten während der Fehlerbehebung aber noch nachlesen. „Dieses System stützt sich bei der Berechnung der Einzelpostengebühren auf Daten zur Einheitenumrechnung“, erklärte AWS demnach weiter. Doch die Änderung habe dazu geführt, dass Aktualisierungen der Daten zur Einheitenumrechnung fehlschlugen, was zu überhöhten Einzelpostenkosten führte, die sich auf die Konsole für Abrechnung und Kostenmanagement auswirkten und Warnmeldungen zu Budget- und Kostenabweichungen auslösten. Letztere dürften vielen Kunden einen gewaltigen Schock verpasst haben. Auf X teilte AWS am Sonntagnachmittag mit [6], dass das Problem jetzt behoben sei.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.theguardian.com/technology/2026/jul/17/amazon-web-services-customers-trillion-dollar-bills-global-glitch
  2. https://x.com/AWSSupport/status/2078037531036172430?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E2078043200267452580%7Ctwgr%5E04519534afccd4a93883cca2d39a554df48e6f09%7Ctwcon%5Es3_&ref_url=https%3A%2F%2Fgizmodo.com%2Fmy-soul-left-my-body-amazon-accidentally-bills-users-billions-of-times-what-they-owe-2000787438
  3. https://gizmodo.com/my-soul-left-my-body-amazon-accidentally-bills-users-billions-of-times-what-they-owe-2000787438
  4. https://health.aws.amazon.com/health/status
  5. https://web.archive.org/web/20260718122120/https://health.aws.amazon.com/health/status
  6. https://x.com/AWSSupport/status/2078484587882111300
  7. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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Anzeige: Inbus Schraubendreher mit Ratsche befristet im Amazon-Angebot

Von Benjamin Gründken — 20. Juli 2026 um 18:54

Unser Deal-Qualitätsversprechen: Gute, ehrliche und unabhängig recherchierte Angebote. Mehr Infos

Ein Ratschenschraubendreher von Inbus mit zwölf Bits ist kurze Zeit bei Amazon günstiger als im 90-Tage-Schnitt.
Der Inbus Flow bietet Bits aus deutscher Herstellung. (Bild: Erzeugt mit ChatGPT; Amazon, Inbus; Montage: Golem) amazon Affiliate

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Der Inbus Flow bietet Bits aus deutscher Herstellung. Bild: Erzeugt mit ChatGPT; Amazon, Inbus; Montage: Golem

Schraubendreher stammen häufig von Anbietern wie Wera, Wiha und Hazet. Die Firmen zählen vermutlich zu den bekanntesten Herstellern von Handwerkzeugen aus Deutschland.

Auch Inbus ist eine bekannte Marke. Viele denken beim Namen in erster Linie an den Innensechskantschlüssel. Manchen gilt er als Gattungsbegriff, auch wenn es um Modelle anderer Hersteller geht. Der korrekte Begriff sind jedoch Winkelschlüssel oder Innensechskantschlüssel.

Dass Inbus auch Ratschenschraubendreher im Sortiment hat, wissen vermutlich nur wenige. Dabei werden die bei Amazon gut bewertet. Auch der Hersteller glaubt an sein Handwerkzeug, andernfalls böte er wohl keine Garantie von zehn Jahren.

Was hat der Inbus Flow zu bieten?

Der Ratschenschraubendreher heißt Inbus Flow. Der Lieferumfang ist innensechskantlastig, doch im Griff verbergen sich auch andere Profile. Das genannte Profil gibt es laut Hersteller in drei, vier, fünf und sechs Millimetern. Damit werden viele im Haushalt übliche Formate abgedeckt.

Hinzu kommen Kreuzschlitz in Form des klassischen Phillips-Profils PH 1 und PH2 sowie das moderne Pozidriv in Gestalt von PZ1 und PZ2. Schlitz ist mit SL 5,5 dabei, Torx als TX10, TX20 und TX25. Hergestellt wurden die Bits laut Hersteller aus CrSi/MoV-Stahl.

Im Innern des Schraubendrehers steckt eine lautlose und vermutlich zahnlose Mechanik. Möglich sind ein Rechts- und ein Linkslauf sowie das Feststellen der Mechanik.

4,8 von 5 Sternen auf Amazon und die lange Garantie sprechen für ein solides Werkzeug. Man sollte sich allerdings nicht zu viel vom Hinweis Made in Germany auf der Produktseite versprechen. Es gilt offenbar nur für die Bits, während die Basis von einem Drittanbieter zu stammen scheint. Hazet zum Beispiel hat einen ähnlichen Ratschenschraubendreher im Sortiment.

Günstiger als zuletzt bei Amazon

Seit gestern und befristet bis zum 27. Juli – oder solange die Rabattvorräte reichen – kostet der Inbus Flow bei Amazon 29,95 Euro

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. Günstiger soll es ihn laut Preistracker Keepa beim Onlineriesen noch nie gegeben haben, der Preis galt unter anderem am Prime Day schon mal. Das 90-Tage-Mittel ist bei Keepa mit 38,90 Euro hinterlegt. Eingestellt wurde der Schraubendreher durch Inbus selbst, Amazon übernimmt den Versand. Neben dem Onlinehändler zeigt unser Preisvergleich nur noch Ebay mit einem Angebot für das Werkzeug. Dort kostet es zum Zeitpunkt der Artikelerstellung 39,95 Euro.

INBUS® Flow 73424 Schraubendreher inkl. 12 Bits — Made in Germany

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Wera und Bosch als Alternative

Sollten einem 30 Euro immer noch zu viel Geld für ein solches Werkzeug sein, empfiehlt sich der Ratschenschraubendreher von Bosch. Er hat sich allein im letzten Monat über 4.000-mal bei Amazon verkauft und kostet 19,99 Euro. Zuletzt war er aber billiger. Im 90-Tage-Mittel verlangte der Onlineriese laut Preistracker 16,17 Euro.

Bosch Ratschenschraubendreher mit Bit Magazin, 12-teilig (Ratschenschraubendreher mit hohem Drehmoment; 12 Bits im integrierten Bitmagazin enthalten; magnetischer Bithalter) - Amazon Edition

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Besonders kompakt ist der 838 RA-R M von Wera, da ihm der Schaft fehlt. Im Gegenzug bietet er das Schnellwechselfutter Rapidaptor. 20,99 Euro

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stehen aktuell auf dem Preisschild, das 90-Tage-Mittel mit Verkauf durch Amazon: 24,56 Euro.

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Wingtech: Nexperia kann Kapazitäten wieder etwas steigern

Von Achim Sawall — 20. Juli 2026 um 18:19
Die deutsche und europäische Automobilindustrie leidet weiterhin darunter, dass die USA den Nexperia-Eigner Wingtech auf die Blacklist gesetzt haben. Langsam erholt sich Nexperia.
Das Wingtech-Logo ist auf einem Mobiltelefon mit einem digitalen Hintergrund zu sehen; Aufnahme vom 28. November 2025 in Brüssel, Belgien. (Bild: Jonathan Raa/Reuters)
Das Wingtech-Logo ist auf einem Mobiltelefon mit einem digitalen Hintergrund zu sehen; Aufnahme vom 28. November 2025 in Brüssel, Belgien. Bild: Jonathan Raa/Reuters

Nexperia kann seine Kunden nach Monaten knapper Liefermengen wieder besser bedienen. "Wir stellen unseren Kunden jetzt Woche für Woche mehr Kapazität zur Verfügung", hat der Interimschef Stefan Tilger dem Handelsblatt gesagt. "Bis Jahresende sollten die größten Engpässe aufgelöst sein." Die niederländische Tochter und die Landesregierung mit ihrem wichtigsten Werk in Hamburg hatten im Herbst 2025 auf Weisung der USA die chinesischen Eigentümer praktisch enteignet. Seither fehlen große Stückzahlen an Nexperia-Chips.

Nexperia wurde im Jahr 2017 an chinesische Investoren verkauft.

Zur Eskalation kam es, nachdem die niederländische Regierung im Herbst 2025 Maßnahmen auf Basis von Sicherheitsgesetzen durchsetzte, die faktisch einer Kontrollübernahme, beziehungsweise Entmachtung des chinesischen Mutterkonzerns Wingtech gleichkamen. Die niederländische Regierung nutzte das Veto-Gesetz (Wet Vgb) für kritische Infrastruktur und Halbleiter. Damit verstaatlichte Den Haag nicht das Sachvermögen, sondern entzog Stimmrechte und Kontrolle.

Es wurde ein Verwalter eingesetzt, der verhindern soll, dass kritisches Know-how, Patente oder Chip-Fertigungskapazitäten nach China abfließen. Strategische Entscheidungen durften nicht mehr von der chinesischen Konzernführung getroffen werden.

Der Druck kam vor allem über die USA und den Exportkontrollen: Die USA setzten Wingtech auf Sanktionslisten (Entity List). Da Nexperia auch US-Technologie und Fertigungsanlagen nutzt, drohte dem Standort in Nijmegen das komplette Aus.

Acht Milliarden US-Dollar Schadensersatz

Der Mutterkonzern Wingtech nannte den Verlust der Stimmrechte und die Einsetzung eines Verwalters unrechtmäßig. Wingtech kündigte eine Schiedsklage auf Basis des niederländisch-chinesischen Investitionsschutzabkommens an und fordert vom niederländischen Staat mehr als acht Milliarden US-Dollar Schadensersatz wegen "indirekter Enteignung".

Um den selbst verschuldeten Ausfall der chinesischen Kapazitäten zu kompensieren, setzt Nexperia auf einen zügigen Ausbau in Südostasien. Ein Werk in Malaysia soll die chinesische Fabrik so schnell wie möglich ersetzen. Die Produktion dort werde dieses Jahr verdoppelt, sagte Tilger. Nexperia verfüge bereits über ein fertiges Gebäude, in dem Maschinen installiert worden seien.

Laut Tilger erschließt Nexperia zusätzliche Kapazitäten bei Partnern: "Wir bauen jetzt eine Lieferkette auf, bei der jedes Produkt von verschiedenen Standorten bezogen werden kann". Weil die chinesische Fabrik für die Weiterverarbeitung der Chips aber bislang nicht vollständig ersetzt werden könne, stünden weiterhin Maschinen im Stammwerk in der Hansestadt still.

"Das Werk Hamburg hat im Moment Überkapazitäten", sagte Tilger. Die Lage werde sich aber Zug um Zug verbessern. "Wir erwarten, dass der Standort spätestens in eineinhalb bis zwei Jahren wieder völlig ausgelastet ist."

Transistoren, Dioden, Mosfets und ICs für die Autoindustrie

Trotz der Turbulenzen seien die Aussichten für Nexperia gut, sagte Tilger. "Mit Sicherheit haben wir temporär Marktanteile eingebüßt. Aber wir haben so gut wie keinen Kunden komplett verloren."

Das Unternehmen hat derzeit 12.500 Beschäftigte und erwirtschaftet einen Umsatz von 2,36 Milliarden Euro. Zu den Produkten zählen bipolare Transistoren, Dioden, Mosfets und integrierte Schaltungen (ICs) für die Autoindustrie.

Am 21. Oktober 2025 besprachen Minister aus Peking und Den Haag den Fall erstmals direkt. Ergebnisse gab es nicht. China verhängte als Reaktion auf den niederländischen Schritt Exportverbote für Nexperia-Produkte – mit möglicherweise erheblichen Folgen für die Autoindustrie. Zahlreiche europäische Hersteller sind Nexperia-Kunden.

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(g+) House & Home: How smart tech is being weaponised in the home

Von Emma Jacobs — 20. Juli 2026 um 18:07
Remote access to domestic devices is increasingly being used to manipulate, intimidate and disturb. Policymakers and tech companies are grappling with safeguards.
Bild: Gerd Altmann from Pixabay / Pixabay License

Ellen's new flat, where she moved after separating from her husband, felt like a fresh beginning. She could come and go as she liked, cook the food she wanted – or not at all. But one morning, in the kitchen, enjoying the warm sun bathing the room, the peaceful contentment was broken by the sound of loud rap music.

The lyrics were threatening. Was it a neighbour? Walking to another room, she found the source was a speaker inside her own home, though the track was not on her playlists. The music stopped, replaced by silence again, but the unease continued.

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Shark-Saugroboter: Sicherheitslücke ermöglicht Übernahme aus dem Netz

Von Heise — 20. Juli 2026 um 08:39
Shark-Saugroboter vor Matrix-Regen-Hintergrund

(Bild: SharkNinja / heise medien)

Ein IT-Sicherheitsforscher hat eine Schwachstelle in Shark-Saugrobotern entdeckt, die die Übernahme aus dem Internet ermöglicht.

Millionen von Shark-Saugrobotern der Firma SharkNinja sind anfällig für das Einschleusen von Schadcode und die Übernahme aus dem Internet. Ein IT-Sicherheitsforscher hat unzureichende Autorisierungs- und Authentifizierungsprüfungen in den serverseitigen Diensten entdeckt, die das ermöglichen. Offenbar hat SharkNinja die Schwachstelle noch immer nicht ausgebessert.

In einem Blogbeitrag beschreibt der IT-Forscher [1], wie er sich in die Innereien seines Shark-Saugroboters vorgearbeitet hat. Der Einstieg gelang über das Terminal an der seriellen Debug-Schnittstelle, wodurch root-Zugriff über den U-Boot-Bootloader möglich wurde. Von dort hangelte er sich weiter vor und erlangte schließlich SSH-Zugriff.

Zugriffsprüfungen in AWS-Cloud

Dadurch gelangte er weiter an die Adresse des von Shark genutzten API-Endpoints im AWS-IoT-Core-MQTT-Broker. Dort findet eine TLS-Authentifizierung statt. Jedes Gerät hat einen eigenen privaten Schlüssel, der dafür zum Einsatz kommt. Mit dem gelingt jedoch auch das Registrieren an Topics mittels Wildcard, wodurch Millionen von MQTT-Nachrichten zwischen Servern und anderen Geräten in der gleichen Region des Angreifers sichtbar werden. Es zeigte sich, dass mit dem privaten Schlüssel die Registrierung an Topics beliebiger Geräte möglich ist. Und dort lässt sich dann eine Funktion zum Ausführen von Befehlen auf dem Gerät aufrufen. Lediglich die leicht erhältliche Seriennummer des Zielgeräts ist dafür nötig. Mit einem zweiten Shark-Saugroboter verifizierte er die Schwachstelle, es gelang, darüber eine Webshell einzuschleusen.

Der Timeline des Blogbeitrags zufolge versuchte der IT-Forscher, im Rahmen von Responsible Disclosure zu handeln. Jedoch blieb seit vergangener Woche eine versprochene Antwort vom Hersteller SharkNinja aus. Die Schwachstelle ist demnach weiterhin vorhanden. Auf eine diesbezügliche Anfrage an SharkNinja durch heise security konnte das Unternehmen noch nicht unmittelbar reagieren. Zum Schutz vor Angriffen müssten Besitzerinnen und Besitzer von Shark-Saugrobotern diese vom Internet trennen. Ein regulärer Saugbetrieb dürfte offline jedoch nicht möglich sein.

Die Cloud-Systeme von jüngeren Internet-of-Things-Geräten weisen oftmals haarsträubende Sicherheitslücken auf. Mitte Februar stieß ein Tüftler etwa auf eine Sicherheitslücke bei DJI-Saugrobotern [2], die ihm Zugriff auf tausende Geräte ermöglichte. Dass es sich nicht nur um theoretische Gefahren handelt, zeigte Ende 2024 eine Schwachstelle, die die Fernsteuerung und Übernahme der Kontrolle von Ecovacs-Saugrobotern [3] ermöglichte.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://tokay0.com/posts/millions-of-shark-vacuums-vulnerable-to-rce.html
  2. https://www.heise.de/news/Sicherheitsluecke-bei-Saugrobotern-Tueftler-erhaelt-Zugriff-auf-tausende-Geraete-11179726.html
  3. https://www.heise.de/news/Sicherheitsluecke-in-Evovacs-Saugrobotern-erlaubt-Remote-Steuerung-durch-Hacker-9979104.html
  4. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  5. mailto:dmk@heise.de

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heise+ | Bit-Rauschen: Neue Infineon-Fab, irreführende Chiptechnik-Namen, schnelles RAM

Von Heise — 20. Juli 2026 um 07:00

Infineon eröffnet eine große Fab in Dresden. Elon Musk kritisiert die Benennung von Chip-Fertigungstechnik. Neue RAM-Varianten versprechen mehr Speed.

Da muss man Elon Musk mal recht geben: Die Bezeichnungen von Halbleiter-Fertigungsverfahren sind reines Marketing – c’t-Leser wissen das schon längst. Mit den kleinsten physischen Strukturbreiten auf den jeweiligen Chips haben die Namen von Herstellungsverfahren wie Intel 18A, Samsung SF2 oder TSMC N2 nichts zu tun. Musk schlägt vor, die Benennung sollte künftig wieder die tatsächliche Größe der kleinsten Strukturen aufgreifen und beispielsweise die kleinste Anzahl der Atome nennen, die sich damit anordnen lässt.

Anlass der Kritik von Elon Musk war die von IBM auf dem VLSI-Symposium 2026 vorgestellte „7-Ångström-Technik“. Die verspricht zwar tatsächlich erhebliche Vorteile, vor allem durch die vertikale Stapelung von n- und p-Kanal-Feldeffekttransistoren. Aber wie IBM selbst in einem Querschnittsbild aus dem Rasterelektronenmikroskop zeigt, haben die dünnen Blättchen (Sheets) der Nanosheet-Transistoren eine Stärke von 15 Silizium-Atomlagen. Und da der Abstand zwischen den Gitterebenen eines Siliziumkristalls je nach dessen Orientierung zwischen 3,14 und 5,43 Å beträgt, entspricht das 47 bis 81 Å, also 4,7 bis 8,1 Nanometer (1 Å = 0,1 nm). Fertigungspartner von IBM ist die japanische Firma Rapidus, die aber zunächst die schon 2021 von IBM angekündigte „2-Nanometer“-Technik umsetzt. Das 7-Å-Verfahren folgt frühestens 2030.

Um ganz andere Dimensionen geht es in der nagelneuen „Smart Power Fab“ von Infineon in Dresden. Denn die verarbeitet Silizium-Wafer zu Leistungshalbleitern, bei denen starke Ströme, niedriger Widerstand und geringe Schaltverluste wichtiger sind als feinste Strukturen. Obwohl: Ein paar logische Schaltungen, Sensoren und analoge Messverstärker will Infineon durchaus integrieren. Denn „Smart Power“ bezieht sich auch auf neuartige Bauelemente wie „ProFET Wire Guard“ mit eingebauter Messtechnik, die Schmelzsicherungen in modernen Autos ersetzen. Doch vor allem will Infineon vom KI-Boom profitieren und baut möglichst schnell zusätzliche Kapazitäten für Leistungshalbleiter auf, die in den Stromversorgungen von KI-Beschleunigern sitzen.


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  1. https://www.heise.de/hintergrund/Bit-Rauschen-Neue-Infineon-Fab-irrefuehrende-Chiptechnik-Namen-schnelles-RAM-11264150.html
  2. https://www.heise.de/hintergrund/Bit-Rauschen-Microsoft-verzettelt-sich-bei-KI-fuer-Windows-11264112.html
  3. https://www.heise.de/hintergrund/Bit-Rauschen-Cyberdeck-Trend-fette-Boni-und-RAM-lose-Speicherriegel-11264102.html
  4. https://www.heise.de/hintergrund/Bit-Rauschen-Apple-bestellt-bei-Intel-und-Rechenzentren-mit-10-Gigawatt-11264094.html

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Ägyptens "Oktagon": Ein Mega-Hauptquartier für Militär und Staat

Von Telepolis — 20. Juli 2026 um 06:00
Ein Achteckiges Gebäude

Das "Octagon" ist das größte Kommanzozentrum des Nahen Ostens

(Bild: Präsidentschaft der Arabischen Republik Ägypten/YouTube)

Ägypten hat ein Kommandozentrum eröffnet, das selbst das Pentagon in den Schatten stellt. Doch es gibt Kritik an dem Bauprojekt. Ein Überblick.

Ägyptens Militärregime sorgt nach dem im letzten Jahr eröffneten "Grand Egyptian Museum" für ein weiteres Bau-Superlativ: In der neuen Verwaltungshauptstadt östlich von Kairo wurde am 4. Juli ein neues strategisches Kommandozentrum eingeweiht [1] – das sogenannte "Oktagon".

Präsident Abdel Fattah al-Sisi eröffnete den Komplex in Militäruniform und sprach von einem "bedeutenden Sprung" für Ägyptens Kommando- und Kontrollsysteme. Kritiker hingegen stellen die Prioritätensetzung angesichts der angespannten Wirtschaftslage des Landes in Frage. Was soll mit dem Bau bezweckt werden?

Größtes Militärhauptquartier im Nahen Osten

Das Oktagon ist nach Angaben der ägyptischen Regierung der größte militärische Hauptquartiersbau im Nahen Osten. Der Komplex erstreckt sich über rund 22.000 Feddan – umgerechnet etwa 34 Quadratmeilen – und umfasst bebaute Flächen von über 4,6 Millionen Quadratmetern.

Zum Vergleich: Das US-amerikanische Pentagon, das als das weltgrößte einstöckige Bürogebäude gilt, nimmt mit seinem Hauptgebäude lediglich rund 29 Acres ein. Das Oktagon würde damit knapp die Hälfte der Gesamtfläche der Stadt Washington D.C. bedecken.

Der Komplex besteht aus acht Gebäuden in Oktagonfigur, die in ihrer Formgebung an altägyptische Architektur angelehnt sind, sowie zwei zentralen Kommandogebäuden, mit denen sie durch gesicherte Korridore verbunden sind. Die Gesamtanlage beherbergt das Verteidigungsministerium, den Generalstab der ägyptischen Streitkräfte sowie verschiedene Teilstreitkräfte und Verwaltungsabteilungen.

Laut dem staatlichen Informationsdienst Ägyptens handelt es sich dabei nicht um ein gewöhnliches Hauptquartier, sondern um ein "integriertes Zentrum für Krisenmanagement und intelligente Führung", das gleichzeitig als "miniaturisierter Verwaltungs- und Verteidigungsknotenpunkt" fungiere.

Digitales Nervenzentrum des Staates

Technologisch soll das Oktagon als zentrales Bindeglied zwischen militärischer Führung und staatlichen Institutionen dienen.

Al-Sisi beschrieb die Anlage in seiner Eröffnungsrede als mit "fortschrittlicher technologischer Infrastruktur, sicheren Kommunikationssystemen und überlegenen Fähigkeiten zur Informationsgewinnung und -analyse" ausgestattet. Sie verknüpfe Führungs- und Ausführungsebenen in einem einzigen Rahmen, der "höchste Grade an Integration, Genauigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit" ermögliche.

Ägyptische Beamte bezeichnen das Hauptquartier als "digitales Gehirn" des Staates. Neben operativen Zentren integriert es Krisenmanagementeinrichtungen, gesicherte Kommunikation, Logistikkoordination, Geheimdienstanalyse und Datenverwaltung unter einem Dach.

Ziel sei es, Reaktionszeiten zu verkürzen, die Koordination zwischen den verschiedenen Teilstreitkräften zu verbessern und die Kommandokontinuität auch unter außergewöhnlichen Umständen – einschließlich konventioneller Konflikte, Cyberangriffe oder großer nationaler Notlagen – zu gewährleisten.

Eröffnung mit Symbolkraft

Die Einweihungszeremonie wurde auf YouTube live übertragen [2] und beinhaltete neben Reden auch ein Nachtkonzert sowie eine Drohnenshow. Die ägyptische Luftwaffe führte eine Flugschau mit verschiedenen Kampfflugzeugen durch, darunter F-16 Block 52, MiG-29, Rafale und Mirage, sowie Frühwarnflugzeuge vom Typ E-2C Hawkeye, C-130-Hercules-Transportmaschinen und Kamow-Kampfhubschrauber.

Al-Sisi trat dabei in Militäruniform auf – ein seltenes öffentliches Auftreten in dieser Rolle. Er betonte, das Kommandozentrum sei "nicht allein mit der Bewältigung militärischer Lagen beauftragt", sondern stelle "eine grundlegende Säule in der Fähigkeit des Staates dar, Herausforderungen und außergewöhnliche Umstände zu bewältigen".

Regionale Botschaft in unruhigen Zeiten

Die Eröffnung fällt in eine Phase erhöhter regionaler Instabilität. Kriege und Konflikte in Gaza, im Libanon und zwischen den USA sowie Israel auf der einen und dem Iran sowie mit ihm verbündeten Gruppen auf der anderen Seite haben die strategische Lage im Nahen Osten grundlegend verändert. Hinzu kommen anhaltende Instabilität in Libyen und Sudan sowie maritime Sicherheitsherausforderungen im Roten Meer.

Gawdat Bahgat, Professor an der National Defense University in Washington, sagte [3] gegenüber dem Fachmedium Breaking Defense, die Eröffnung sei "ein wesentlicher Beitrag zu und eine Projektion von Ägyptens militärischen Fähigkeiten". Er schränkte jedoch ein: "Der Bau an sich bedeutet noch nichts – viel wichtiger ist, wie er betrieben wird und welchen tatsächlichen Mehrwert er für die Verteidigungshaltung des Landes bringt. Das muss sich erst noch zeigen."

Bahgat verwies darauf, dass Ägypten das größte Militär der arabischen Welt unterhalte und seine Streitkräfte kontinuierlich modernisiere. "Die Kriege in Gaza, im Libanon und mit dem Iran haben eine neue strategische Landschaft im Nahen Osten geschaffen. Mit mehr als 100 Millionen Einwohnern, einer langen Geschichte und strategischen Lage wird Ägypten immer ein zentraler Akteur in der Nahostpolitik sein", sagte er.

Teil des Projekts "Neue Verwaltungshauptstadt"

Das Oktagon ist Teil von Ägyptens umfassendem Vorhaben, Schlüsselinstitutionen des Staates in die seit 2015 im Bau befindliche, noch namenlose neue Verwaltungshauptstadt östlich von Kairo zu verlagern. Ministerien, Parlament, Justizinstitutionen und nun auch das strategische Kommandozentrum wurden schrittweise dorthin umgesiedelt.

Damit soll Kairo entlastet, die institutionelle Koordination gestärkt und die Sicherheit staatlicher Einrichtungen erhöht werden. Das Oktagon gilt als weiterer Schritt bei der Etablierung der neuen Hauptstadt als operativem Kern des ägyptischen Staates – und als Ausdruck von Präsident al-Sisis Leitbild einer "Neuen Republik".

Wirtschaftliche Kritik bleibt unbeantwortet

Trotz der strategischen Begründung hat das Projekt erhebliche Debatten ausgelöst. Ägypten kämpft weiterhin mit hoher Inflation, wachsender Staatsverschuldung, Devisenmangel und zunehmendem Druck auf die Haushaltseinkommen.

Kritiker werfen der Regierung vor, mit Großprojekten wie der Neuen Verwaltungshauptstadt und dem Oktagon die öffentliche Verschuldung in die Höhe zu treiben, während viele Ägypterinnen und Ägypter mit steigenden Lebenshaltungskosten zu kämpfen haben.

Befürworter der Regierung halten dem entgegen, nationale Sicherheitsinfrastruktur könne nicht wegen vorübergehender wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgeschoben werden. Moderne Verteidigungsfähigkeiten und belastbare Kommandosysteme seien langfristige strategische Investitionen, die für die Stabilität in einer zunehmend unberechenbaren Region unerlässlich seien.

Eine öffentliche Debatte über Kosten und Finanzierung des Projekts hat die ägyptische Regierung nicht geführt.


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  1. https://www.thebeiruter.com/article/the-strategic-vision-behind-egypt%E2%80%99s-%E2%80%98octagon%E2%80%99/2037
  2. https://youtu.be/G529UXvnccQ
  3. https://breakingdefense.com/2026/07/egypt-inaugurates-sprawling-octagon-military-headquarters-complex/

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Googles cleverer KI-Schachzug – oder: wer kontrolliert zukünftig den KI-Markt?

Von Heise — 19. Juli 2026 um 18:00
Google-Schriftzug an einer Glasfassade eines Bürogebäudes.

(Bild: Tada Images/Shutterstock.com)

Macht das Modell den entscheidenden Unterschied? Google zumindest scheint eher auf den richtigen Rahmen zu setzen als das eigene Top-Modell. Eine Analyse.

Aktuell ist eine der spannendsten Fragen für den Einsatz von KI nicht nur im Bereich Security, sondern für alle anspruchsvollen Themen: Was ist der wesentliche, treibende Faktor für die praktische Leistungsfähigkeit von KI-Systemen [1]? Das Modell oder die richtige Orchestrierung mit einem ausgefeilten Harness? Benötigen wir überhaupt noch viel bessere LLMs? Oder sollten wir uns vielmehr darauf konzentrieren, aus dem, was wir haben – und uns leisten können – das Beste herauszuholen?

Bislang verlief die Front weitgehend entlang der Geschäftsmodelle – pro Harness argumentierten fast ausschließlich Firmen, die selbst kein eigenes Frontier-Modell haben, und deshalb fast schon zwangsläufig ihre (Geschäfts-)Perspektive bei Modell-unabhängigen Produkten auf Basis einer ausgefeilten Arbeitsumgebung sehen. Besonders sichtbar wird das aktuell im Bereich Security mit Start-ups wie AISLE [2] und XBOW [3] sowie bei IronCurtain [4] von Ex-Googler Niels Provos. Aber auch Konzerne wie Microsoft haben sich hier festgelegt: „Der Harness erledigt die Arbeit, das Modell ist nur eine Eingabe“, heißt es in der Vorstellung [5] ihres agentischen Security-Helfers MDASH. Gemeinsam ist allen: Sie haben kein eigenes Top-Modell am Start.

Lass das Modell sein Ding machen

Der extreme Gegenpol war und ist Anthropic, die sehr viel Wert darauf legen, dass das Modell der treibende Faktor ist. Sie fokussieren ihre Kommunikation folglich darauf, wie herausragend gut Mythos und Fable seien. „Verboten gut“ war da ein echtes Geschenk für deren PR-Strategen. Die grundlegende These ist, dass ein zu komplexer Harness den Fähigkeiten der aktuellen und kommenden Top-Modelle potenziell eher im Weg stehe. So betonte etwa Anthropics Nicholas Carlini bei der Vorstellung von Mythos mehrfach, dass er im Wesentlichen das LLM nur noch auf ein Repository [6] ansetze und dann seinen Job machen lasse. Der Harness gibt dabei nur den Startpunkt und grobe Leitplanken vor – den Job, einschließlich eines Großteils der Orchestrierung, erledigt das LLM weitgehend autonom.

Irgendwo dazwischen positioniert sich OpenAI. Die haben eigene Top-Modelle, spannen die für ernsthafte Security-Arbeiten aber im Rahmen von Aardvark [7], mittlerweile in Codex Security umbenannt, in einen überaus elaborierten Harness ein. Das Projekt profitiert von der Expertise von Dave Aitel, einem der ersten prominenten Hacker, der sich ganz der Offensive Security verschrieben hatte und mit Canvas eines der ersten kommerziellen Exploit-Frameworks entwickelte. Doch Codex Security ist ein geschlossenes Gesamtsystem, das komplett auf OpenAIs GPTs setzt; Modellunabhängigkeit ist auch hier Fehlanzeige.

Offener Code, offene Schnittstellen, freie Modellwahl

Und jetzt kommt Google – selbst Betreiber eines Frontier-Modells – und stellt Mantis Skills vor, ein portables „Toolkit for Building Security Review Harnesses“. Sie präsentieren damit eine Architektur für kontinuierliche, auf Wunsch sogar autonome Security-Evaluierung und -Optimierung inklusive Auto-Patching. Dabei dokumentieren sie nicht nur Architektur und Design von Mantis offen zugänglich, sondern stellen sogar die Kern-Elemente als Open-Source zur freien Verfügung – auch für Wettbewerber und Startups in diesem Bereich. Ihr eigentliches, darauf aufbauendes Produkt ist damit nicht komplett offengelegt – aber das ist eine andere Geschichte.

Der Clou an dem Ganzen ist: Obwohl Google mit Gemini ein großes Frontier-Modell am Start hat, ist Mantis konzeptionell Modell-unabhängig angelegt und lässt sich prinzipiell mit LLMs der Konkurrenz oder sogar lokal betriebenen Open-Weight-Modellen nutzen. Die Autoren des Projekts empfehlen sogar explizit eine Kombination unterschiedlicher Modelle für verschiedene Aufgaben – vor allem auch aus den immer wichtiger werdenden Kosten-Effizienz-Gründen.

Googles Motivation

Natürlich macht Google das nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit. Wer die Referenzarchitektur pflegt, prägt Schnittstellen und Ökosystem – und kann die produktionsreife Variante sowie Compute und Betrieb in der eigenen Cloud monetarisieren. Wer dabei an Chrome und Android denken muss, hat das Konzept verstanden. Allerdings sollte ich an der Stelle erwähnen, dass Mantis derzeit in erster Linie ein praktisches Engineering-Projekt ist; ein strategisches Commitment der Konzernführung, dass das die neue Google-Linie für KI ist, gibt es derzeit noch nicht.

Trotzdem ist Mantis bereits jetzt ein großer Schritt, der nicht nur die Frage „Harness oder Modell?“ in einem neuen Licht erscheinen lässt. Darüber hinaus ist es ein schlauer Move von Google, die im Rennen um die Führung im KI-Markt letztens etwas abgeschlagen wirkten. Claude, Fable, GPT, Gemini oder lieber DeepSeek, Qwen und Llama? Egal – solange du Mantis (oder dessen Nachfolger) benutzt, wäre Google wieder einmal der eigentliche Gewinner. Ich bin gespannt, ob Google dem ersten Schritt mit Mantis echtes Commitment folgen lässt.

Nachtrag: Wer noch Googles ehemalige Maxime „Don't be evil“ im Kopf hat und denkt, besser Google als OpenAI oder gar Elon Musk, dem sei diese Lektüre [9] empfohlen. Da beschreibt ein DeepMind-Forscher, wie sehr ihn der Verkauf an Google und die anschließende kontinuierliche Aufweichung der ethischen Prinzipien des Projekts beunruhigt. Mittlerweile hat Google DeepMind einen geheimen Vertrag mit dem Pentagon, der diesem sehr weitreichende Nutzungsrechte einräumt.

Diese Analyse schrieb Jürgen Schmidt ursprünglich für den exklusiven Newsletter von heise security PRO [10], wo er jede Woche das Geschehen in der IT-Security-Welt für Sicherheitsverantwortliche in Unternehmen einordnet.


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https://www.heise.de/-11368887

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  1. https://www.heise.de/thema/Kuenstliche-Intelligenz
  2. https://aisle.com/blog/control-is-the-new-frontier-in-security-ai
  3. https://xbow.com/whitepapers/the-sum-of-the-parts
  4. https://www.provos.org/p/finding-zero-days-with-any-model/
  5. https://www.microsoft.com/en-us/security/blog/2026/05/12/defense-at-ai-speed-microsofts-new-multi-model-agentic-security-system-tops-leading-industry-benchmark/
  6. https://www.anthropic.com/research/mythos-preview
  7. https://openai.com/index/introducing-aardvark/
  8. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  9. https://utaw.tech/news/trust-is-not-governance
  10. https://pro.heise.de/security/
  11. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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Microsoft verteilt außerplanmäßiges Windows-Update

Von Heise — 19. Juli 2026 um 10:09
Windows Updates verfügbar: Neustart erforderlich

(Bild: heise online / dmk)

Microsoft verteilt ein ungeplantes Windows-Update. Es soll Probleme beheben, die insbesondere bei Dell-Computern aufgetreten sind.

In der Nacht zum Sonntag hat Microsoft angefangen, ein außerplanmäßiges Update für Windows 11 zu verteilen. Es soll insbesondere Performanceprobleme ausbessern, die der Hersteller auf einigen Dell-Computern bestätigt hat.

Das Update mit dem KB-Eintrag KB5121767 hebt Windows 11 25H2 respektive 24H2 auf die Betriebssystem-Build-Nummer 26200.8894 und 26100.8894. Laut der Microsoft-Versionsankündigung [1] behebt es ausschließlich das Performanceproblem, das Microsoft in der Nacht zum Donnerstag [2] eingeräumt hat.

Nach der Installation der Update-Vorschau aus dem Juni dieses Jahres sei es auf einer begrenzten Anzahl an Dell-Computern zur Anzeige von gelben Ausrufezeichen im Gerätemanager beim „Intel Innovation Platform Framework Processor Participant“-Treiber gekommen. In einigen Fällen führt das auf betroffenen Systemen zu Performanceeinbußen, erhöhtem Stromverbrauch oder Änderungen im Systemverhalten, erklärte Microsoft die Auswirkungen.

Treiber als Auslöser

Wie Microsoft ausführte, geht das Problem auf eine Inkompatibilität zwischen dem Intel-Treiber und der mit der Juni-Update-Vorschau eingeführten [3] neuen Windows-USB-C-Verbindungsmanager-Schnittstelle zurück. In der Folge hatte Microsoft die Verteilung des Windows-Sicherheitsupdates aus dem Juli auf betroffenen Maschinen gestoppt. Die können der aktuellen Versionsankündigung zufolge das Update jetzt doch installieren, da das außerplanmäßige Update Korrekturen für das Problem enthält.

Nur auf diesen Systemen müssen Admins und Nutzerinnen und Nutzer aktiv werden und es installieren, erklärt Microsoft weiter. Jedoch wird das Update auch auf vielen anderen Maschinen angeboten, welche die frühe Installation von optionalen Windows Updates aktiviert haben, also unter den Windows-Update-Einstellungen die Option „Erhalten Sie Updates, sobald sie verfügbar sind“ aktiviert haben. Dort fordert das Update nun ebenfalls einen Rechnerneustart an.


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  1. https://support.microsoft.com/en-us/servicing/os/windows-11/2026/07/kb5121767-out-of-band
  2. https://www.heise.de/news/Windows-Update-Wegen-Problemen-auf-einigen-Dell-Computern-ausgesetzt-11366616.html
  3. https://www.heise.de/news/Windows-Update-Vorschau-macht-Rechtsklick-Bereich-auf-Touchpads-einstellbar-11342693.html
  4. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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„Wir sehen, dass Telemedizin inzwischen auch bei sehr alten Menschen ankommt“

Von Heise — 19. Juli 2026 um 08:00
Ältere Person am Smartphone

(Bild: BlurryMe / Shutterstock.com)

Die Nutzung von Videosprechstunden wächst bei Senioren. TeleClinic-Chef Benedikt Luber spricht im Interview über Hürden, Technik und einen Datenschutzvorfall.

Üblicherweise geht man davon aus, dass telemedizinische Angebote vor allem jüngere und technikaffine Menschen erreichen. Ältere Menschen würden dagegen weiterhin hauptsächlich in die Arztpraxis gehen und dort oft mehr Zeit benötigen [1] als die jüngeren Patienten.

Nach Angaben vom Telemedizinanbieter TeleClinic greifen zunehmend jedoch auch ältere Menschen auf Angebote zurück, bei denen sie medizinische Hilfe aus der Ferne eigenständig über Smartphone oder PC nutzen. Dass Seniorinnen und Senioren der Digitalisierung im Gesundheitswesen insgesamt offener gegenüberstehen, zeigt auch eine Umfrage, die Bitkom Anfang des Jahres veröffentlicht hat [2].

Benedikt Luber
Benedikt Luber

Benedikt Luber ist Managing Direktor und Mitglied der Geschäftsführung bei Teleclinic.

(Bild: Teleclinic)

Wie sich die aktive Nutzung von Videosprechstunden bei älteren Menschen über die Jahre entwickelt hat, darüber haben wir mit Benedikt Luber, Managing Director von TeleClinic, gesprochen.

TeleClinic hat der Redaktion von heise Zahlen zur Nutzung der Telemedizin vorgelegt. Da kamen Sie unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Nutzung seit 2021 bei der Gruppe der über 65-Jährigen deutlich gestiegen ist. Hat Sie das überrascht und können Sie die Zahlen noch etwas ins Verhältnis setzen?

Ja, das hat uns tatsächlich etwas überrascht. Das ist das stärkste relative Wachstum aller Altersgruppen und widerlegt ein Stück weit die häufig geäußerte Annahme, Telemedizin sei vor allem etwas für junge, technikaffine Menschen in Großstädten.

Interessant war für uns außerdem, dass wir nicht nur die „fitten“ 65-Jährigen sehen. Wir haben uns die Alterskohorten genauer angesehen und können sagen, dass sich die Nutzung relativ gleichmäßig über die Gruppen 65 bis 75, 75 bis 85 und sogar 85 plus verteilt. Das zeigt, dass Telemedizin inzwischen auch bei sehr alten Menschen ankommt und nicht nur von einer kleinen, besonders digitalaffinen Gruppe genutzt wird.

Über unsere Plattform wurden inzwischen mehr als vier Millionen Videosprechstunden durchgeführt. Insgesamt sehen wir über alle Altersgruppen hinweg weiteres Wachstum, bei den älteren Nutzerinnen und Nutzern allerdings überproportional.

Wie kommen ältere Menschen mit der Technik zurecht?

Der Einstieg dauert manchmal etwas länger als bei jüngeren Nutzern. Das überrascht auch nicht. Häufig unterstützen Kinder oder Enkel beim ersten Einrichten der App. Gleichzeitig machen Funktionen wie das Einscannen der Gesundheitskarte die Nutzung auch für ältere Menschen einfacher.

Entscheidend ist aber: Die Technik ist heute kein grundsätzliches Hindernis mehr. Wir sehen sehr deutlich, dass ältere Menschen bereit sind, digitale Angebote zu nutzen, wenn diese einfach gestaltet sind.

Deshalb investieren wir derzeit stark in sprachbasierte Bedienkonzepte. Langfristig sollte sich nicht mehr der Mensch an die Technik anpassen müssen, sondern die Technik an den Menschen. Gerade für ältere Nutzerinnen und Nutzer kann das ein großer Fortschritt sein.

Ihren Zahlen zufolge sprechen ältere Menschen länger mit dem behandelnden Arzt. Es hieß ja in der Vergangenheit immer wieder, dass Anbieter wie TeleClinic vor allem unkomplizierte Fälle aus den Hausarztpraxen herausziehen.

Genau. Unsere Daten zeigen, dass Videosprechstunden mit Menschen ab 65 Jahren durchschnittlich rund 13 Minuten dauern. Das ist mehr als doppelt so lang wie der Videosprechstunden-Durchschnitt.

Für uns ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass ältere Patientinnen und Patienten eben nicht nur mit einer kurzen Rezeptanfrage kommen. Sie haben häufig mehrere Erkrankungen gleichzeitig, komplexere Fragestellungen oder benötigen schlicht mehr Gesprächszeit.

Ein Vorteil der Videosprechstunde kann dabei sein, dass Ärztinnen und Ärzte häufig nicht immer unter dem Druck eines vollen Wartezimmers stehen. Seit einiger Zeit können Videosprechstunden unter bestimmten Voraussetzungen auch aus dem Homeoffice [3]erbracht werden. Dadurch entsteht häufig mehr Raum für das eigentliche Gespräch.

Mit welchen Anliegen kommen ältere Menschen typischerweise zu Ihnen?

Typische Anwendungsfälle sind chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes, Rezeptverlängerungen bei Dauermedikationen oder stabile Krankheitsverläufe. Dazu kommen einfache Infekte ohne Warnzeichen, Hautveränderungen, die sich anhand von Fotos gut beurteilen lassen, oder allgemeinmedizinische Fragestellungen.

Daneben sehen wir durchaus auch psychosoziale Anliegen. Gerade ältere Menschen nutzen die Videosprechstunde zunehmend als niedrigschwelligen Zugang zur medizinischen Versorgung, wenn sie kurzfristig ärztlichen Rat benötigen.

Relevant wird künftig auch das Thema Zweitmeinung. Mit dem GKV-Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz soll sie vor bestimmten Eingriffen verpflichtend werden, und das lässt sich sehr gut telemedizinisch abbilden. Bevor eine größere Operation ansteht, kann eine Patientin oder ein Patient Befunde und Bildgebung hochladen, und eine erfahrene Fachärztin oder ein Facharzt bewertet aus der Ferne, ob der Eingriff wirklich notwendig ist.

Auch im Bereich der Vitalparameter-Erfassung entwickelt sich einiges. Je mehr Messwerte sich zuverlässig aus der Ferne erfassen lassen, desto mehr Behandlungsanlässe eignen sich künftig für die Telemedizin. Das ist ein Bereich, der sich in den nächsten Jahren sicher noch deutlich weiterentwickeln wird.

Sowohl mit dem GeDIG als auch mit der Notfallreform und dem geplanten Primärversorgungssystem sollen digitale Erstkontakte und Telemedizin fest eingebunden werden. Wie könnte das konkret aussehen und wo sehen Sie die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?

Auf dem Papier ist tatsächlich schon vieles vorgezeichnet. Im Primärversorgungssystem sollen Versicherte künftig neben dem Hausarzt und der 116117 auch einen digitalen Zugangsweg wählen können, bei dem Erst- beziehungsweise Bedarfseinschätzung, elektronische Überweisung und digitale Terminvermittlung, wenn möglich per Telemedizin, zu einem Service zusammengeführt werden. Auch in der Notfallreform ist vorgesehen, dass Kassenärztliche Vereinigungen künftig verpflichtend rund um die Uhr telemedizinische Beratung anbieten müssen, bevor überhaupt ein Rettungswagen oder ein persönlicher Termin notwendig wird.

Das ist aus unserer Sicht genau die richtige Richtung. Die eigentliche Herausforderung liegt jetzt aber in der konkreten Ausgestaltung: Wie genau werden Bedarfseinschätzung, Terminvermittlung und Überweisung technisch miteinander verzahnt? Und wie offen ist dieses System am Ende tatsächlich für unterschiedliche Anbieter?

Wichtig ist uns dabei vor allem, dass es nicht nur einen einzigen Zugangsweg gibt, sondern mehrere gleichwertige Einstiegsmöglichkeiten – über die Kassenärztlichen Vereinigungen, über die Krankenkassen-Apps, aber eben auch über etablierte private Anbieter wie uns, sofern einheitliche Qualitätskriterien erfüllt werden. Genau das leben wir bereits heute in der Praxis, etwa in unserer Zusammenarbeit mit der KV Niedersachsen. Wenn diese Systeme durch einheitliche Schnittstellen und Standards miteinander vernetzt sind, kann daraus eine funktionierende digitale Versorgung entstehen.

Sie arbeiten bereits mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen zusammen. Wie funktioniert dieses Modell?

Wer dort den ärztlichen Bereitschaftsdienst über die 116117 kontaktiert, wird zunächst mithilfe des Systems SmED [4] medizinisch eingeschätzt. Ergibt diese Ersteinschätzung, dass eine Videosprechstunde geeignet ist, wird zunächst ein Tele-Arzt zugeschaltet. Nur wenn dieser feststellt, dass eine Behandlung aus der Ferne nicht ausreicht, fährt anschließend der Bereitschaftsdienst zum Patienten.

Inzwischen wurden über dieses Modell mehr als 100.000 Behandlungen durchgeführt. Über 80 Prozent der Fälle konnten vollständig telemedizinisch abgeschlossen werden. Nur bei rund 20 Prozent musste anschließend noch ein Fahrdienst ausrücken, der dann von der Johanniter-Unfall-Hilfe übernommen wird.

Das zeigt aus unserer Sicht sehr gut, welches Potenzial Telemedizin bei der Entlastung des Bereitschaftsdienstes und der Notaufnahmen haben kann. Aus unserer Sicht ist dieses Modell durchaus auch ein Vorbild dafür, wie sich ähnliche Strukturen künftig auf andere KV-Regionen übertragen lassen könnten.

Derzeit wird ja auch wieder über die sogenannte Telefon-AU diskutiert, also die telefonische Krankschreibung, die zeitweise ausgesetzt und dann wieder eingeführt wurde. Können sich Anbieter von Videosprechstunden wie TeleClinic eigentlich freuen, wenn die Telefon-AU wieder eingeschränkt oder abgeschafft würde, weil dann mehr Patientinnen und Patienten auf die Videosprechstunde ausweichen müssten?

Das ist ein sehr berechtigter Punkt, und ich verstehe, warum das kontrovers diskutiert wird. Erst einmal zur Einordnung: Es gibt Auswertungen, die zeigen, dass weder die telefonische noch die videobasierte Krankschreibung ein relevanter Treiber der Krankheitstage in Deutschland sind. Aus einer Analyse des ZI und der Barmer wissen wir, dass telefonische Krankschreibungen bei etwa 0,8 bis 1 Prozent aller Krankschreibungen lagen, bei der Videosprechstunde waren es sogar nur 0,1 bis 0,4 Prozent.

Jetzt gibt es aber Überlegungen, die Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag wieder einzuführen. Für uns ist dabei vor allem wichtig, dass das nicht zum Nadelöhr wird, gerade für Menschen ohne festen Hausarzt oder in unterversorgten Regionen. Genau das befürchten ja auch viele Ärztinnen und Ärzte, dass es zu einer massiven Überlastung der Praxen führen könnte.

Ich würde es deshalb nicht sagen, dass wir uns über mehr Zulauf durch eine strengere Regelung freuen. Uns geht es darum, dass ein guter digitaler Versorgungseinstieg zur Verfügung steht, wenn Menschen ihn brauchen. Wichtig ist außerdem, dass für Krankschreibungen per Videosprechstunde ohnehin klare Vorgaben gelten. Laut G-BA, dem höchsten Beschlussgremium im Medizinwesen, darf eine Erstbescheinigung per Video nur einmalig und für maximal drei Tage ausgestellt werden, und es muss vorher eine strukturierte Ersteinschätzung erfolgen. Das ist also kein Freifahrtschein, sondern reguliert wie jede andere Versorgungsform auch.

Aus aktuellem Anlass: Nina Warken hat angekündigt [5], die Fragebogen-Krankschreibung verhindern zu wollen. Das betrifft TeleClinic ja nicht, oder?

Nein, eine Krankschreibung basierend auf Fragebögen wird über die technischen Dienste der TeleClinic nicht ermöglicht. Approbierte, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte führen eine echte ärztliche Videosprechstunde mit strukturierter Ersteinschätzung und vollumfänglicher audiovisueller Behandlung über unseren zertifizierten Videodienst durch. Dabei werden insbesondere die strengen G-BA-Vorgaben und Qualitätskriterien nach Anlage 31c Bundesmantelvertrag zur Videosprechstunde eingehalten.

Was wäre für Sie der wichtigste Schritt, damit Telemedizin wirklich in der Regelversorgung ankommt?

Ich glaube, es kommt vor allem darauf an, dass wir jetzt konsequent dranbleiben. Die technischen Grundlagen entstehen gerade erst richtig, und parallel braucht es ein Vergütungssystem, das digitale Versorgung fair abbildet. Wenn das gelingt, bin ich zuversichtlich, dass Telemedizin in einigen Jahren ganz selbstverständlich zur Versorgung dazugehört – gerade auch für ältere Menschen, wie wir das in unseren Zahlen ja bereits sehen.

Wie könnte eine gerechte Vergütung aussehen?

Das heutige Vergütungssystem orientiert sich stark an der klassischen Quartalsversorgung durch den Hausarzt. Das passt nicht immer zu digitalen Erstkontakten, die häufig einzelne akute Anliegen betreffen.

Deshalb braucht es aus unserer Sicht eine eigenständige, faire Vergütung für telemedizinische Erstkontakte innerhalb der gesetzlichen Versorgung. Ärztinnen und Ärzte sollten durch Telemedizin weder benachteiligt noch bevorteilt werden. Entscheidend sollte sein, dass die jeweils passende Versorgungsform vergütet wird.

Darüber hinaus stellt sich aber noch eine grundsätzlichere Frage. Unser Gesundheitssystem vergütet heute überwiegend die Behandlung bereits bestehender Erkrankungen. Langfristig müsste Prävention deutlich stärker honoriert werden. Wenn Ärztinnen und Ärzte dazu beitragen, Krankheiten frühzeitig zu erkennen oder sogar zu verhindern, sollte sich das auch im Vergütungssystem widerspiegeln. Solche Ansätze werden unter dem Begriff „Value Based Healthcare“ seit Längerem diskutiert.

Vor wenigen Tagen gab es einen Datenschutzvorfall bei TeleClinic. Was genau ist passiert?

Am 10. Juli kam es aufgrund eines technischen Fehlers in einer Caching-Komponente für einen Zeitraum von rund 30 Minuten zu einer fehlerhaften Anzeige von Daten. Betroffen waren insgesamt 60 Nutzerinnen und Nutzer. Einzelnen angemeldeten Personen wurden zeitweise personenbezogene Daten anderer Nutzer angezeigt.

Niemand konnte sich in fremde Konten einloggen oder im Namen anderer Personen handeln. Auch Änderungen an fremden Konten waren zu keinem Zeitpunkt möglich. Nicht betroffen waren Diagnosen, Rezepte, Atteste sowie Zugangs- oder Zahlungsdaten. Sichtbar werden konnten lediglich personenbezogene Stamm- und Versichertendaten sowie Terminübersichten. Nach der Auswertung unserer Zugriffs- und Telemetriedaten gibt es außerdem keine Hinweise darauf, dass die Daten weiterverbreitet oder missbräuchlich genutzt wurden.

Unsere Monitoring-Systeme haben den Fehler innerhalb weniger Minuten erkannt. Parallel ging auch eine erste Rückmeldung eines Nutzers ein. Aus Vorsicht haben wir die betroffenen Systeme sofort eingeschränkt, den Fehler innerhalb von 20 Minuten behoben und anschließend weitere technische und organisatorische Maßnahmen umgesetzt, um eine Wiederholung auszuschließen.

Anhand unserer Zugriffs- und Telemetriedaten konnten wir genau nachvollziehen, welche Inhalte in welchem Zeitraum angezeigt wurden und welche Personen betroffen waren. Alle 60 Betroffenen haben wir dann anschließend persönlich informiert, und den Vorfall haben wir auch an die zuständige Aufsichtsbehörde gemeldet. Die Aufsichtsbehörde hat uns zwischenzeitlich den Abschluss des Verfahrens ohne weitere Maßnahmen bestätigt.

Natürlich ist unser Anspruch, dass ein solcher Fehler gar nicht erst passiert. Gleichzeitig wäre es nicht ehrlich zu behaupten, dass sich in hochkomplexen IT-Systemen technische Fehler mit absoluter Sicherheit ausschließen lassen. Entscheidend ist deshalb, wie ein Unternehmen mit einer solchen Situation umgeht. Für uns gehören dazu ein engmaschiges Monitoring, eine schnelle technische Reaktion, vollständige Transparenz gegenüber den Betroffenen und eine gründliche Analyse der Ursachen. Nach jedem Vorfall werden technische und organisatorische Prozesse überprüft und weiterentwickelt.

Datenschutz und Informationssicherheit sind für digitale Gesundheitsangebote die Grundlage für Vertrauen. Dieses Vertrauen entsteht nicht nur dadurch, dass Systeme zuverlässig funktionieren, sondern auch dadurch, dass offen und nachvollziehbar kommuniziert wird.


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  1. https://www.heise.de/hintergrund/Praxisaerztin-ueber-buerokratische-Huerden-und-Belastung-durch-Telemedizinanbieter-10288649.html
  2. https://bitkom-research.de/news/92-prozent-der-seniorinnen-und-senioren-befuerworten-digitalisierung-im-gesundheitswesen
  3. https://www.heise.de/news/Kassenaerztliche-Bundesvereinigung-fuer-Homeoffice-9059848.html
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Vulkaneifel: Warum man im Krater des Meerfelder Maars schwimmen kann

Von Telepolis — 19. Juli 2026 um 15:30
Grüne Landschaft mit Kratersee

(Bild: Sabine Küster-Reeck)

Vor 80.000 Jahren explodierte hier die Erde: Heute lockt die Vulkaneifel mit idyllischen Maaren, Wanderwegen und erfrischenden Badeseen.

Im äußersten Westen Deutschlands liegt der Natur- und Geopark Vulkaneifel. Dort, wo die Natur vor allem durch ihre abwechslungsreiche und schöne Gestalt beeindruckt, war es nicht immer so ruhig und idyllisch. Mehr als 80.000 Jahre ist es her, als gewaltige Detonationen riesige Krater in die Landschaft sprengten.

Der Untergrund der Eifel war in Aufruhr. Doch auch aufgebrachte Vulkane beruhigen sich einmal wieder und im Laufe der Zeit sammelte sich Regen- und Grundwasser in den Kratern. So entstand eines der schönsten und beliebtesten Ausflugsziele für viele Wanderer und Erholungssuchende: Die Eifeler Maare.

Katastrophen im Pazifik: Wie die Ausbrüche von Krakatau und Tambora Europa veränderten

Seit langer Zeit sind die feurigen Aktivitäten im Inneren unseres Planeten bekannt. So detonierte am Morgen des 27. August 1883 der Vulkan Krakatau südlich der Insel Sumatra. Er explodierte mit der unvorstellbaren Kraft von 7.000 Hiroshimabomben und hinterließ ein Bild der Verwüstung.

Eine der höchsten Flutwellen, von der die Wissenschaft bis heute Kenntnis hat, türmte sich auf und tötete mehr als 30.000 Menschen. Im weit entfernten Frankreich, über 18.000 Kilometer entfernt, konnte man noch nach 32 Stunden die Nachwehen jener Flutwelle spüren.

Durch diese erneute Detonation im "pazifischen Feuerring", der etwa 1.000 noch immer aktive Vulkane umfasst, veränderte sich das Klima in Europa. Die Durchschnittstemperatur sank damals um über 3 Grad Celsius. Als das "Jahr ohne Sommer", ging nur wenige Jahrzehnte zuvor, 1815 der gewaltige Ausbruch des Tambora [1] in die Geschichte ein. Ein vulkanischer Winter begann, der weite Teile Europas und Nordamerikas fest im Griff hatte.

Im Juli und im August fiel Schnee, Missernten waren die Folge und viele hungernde und ihrer Existenz beraubte Menschen sahen sich gezwungen auszuwandern. Eine der größten Auswanderungswellen in die "neue Welt" begann.

Der Himmel über Europa und Nordamerika leuchtete in phantastischen Farben. Die spektakulären Sonnenuntergänge mit ihren fast psychedelischen Farben, wurden von berühmten Künstlern wie John Constable und Caspar-David Friedrich in ihren Gemälden für die Nachwelt dokumentiert.

Vulkanismus in der Eifel: Die gewaltigen Eruptionen am Laacher See

Weit entfernt vom pazifischen Feuerring, dennoch aber bis heute aktiv, ist die vulkanische Aktivität in der Eifel. Aber auch hier gab es vor rund 13.000 Jahren mindestens 35 schwere Ausbrüche im Gebiet des Laacher Sees, dicht gelegen am wunderschönen Kloster Maria-Laach.

Diese Eruptionen waren sogar noch deutlich stärker als jene des Mount St. Helens 1980, oder des Pinatubo 1991. Man zählt sie zu den stärksten Paroxysmen (Bezeichnung für einen sehr heftigen Ausbruch) im Quartär Mitteleuropas.

Feine Aschen wurden von den Winden 1.100 km weit nach Norden und bis zu 600 km weit nach Süden verfrachtet; nachzuweisen in Moorprofilen in Mecklenburg Vorpommern, auf Rügen, auf Gotland, um Genf und in Norditalien.

In der wunderschönen, vielfältigen Vulkaneifel geht es in der Gegenwart nun etwas ruhiger zu. Schon früh siedelten hier Menschen, die erkannten, dass die Vulkanböden aufgrund enthaltener Mineralien ausgesprochen fruchtbar sind und das Wasser lange speichern. So konnten sie den nährstoffreichen Böden gute Ernten abgewinnen.

Das kleine Dorf Meerfeld, gelegen direkt am Meerfelder Maar, liegt in der Nähe des idyllischen Erholungsortes Manderscheid im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Schon im Jahre 1877 schenkte Kaiser Wilhelm I., den Meerfeldern 12.000 Reichsmark. Dieses Geld sollten die Bewohner in die Landgewinnung investieren.

So wurden Teile des Maarkessels künstlich entwässert und der Seespiegel auf diese Weise um zwei Meter abgesenkt. Heute liegt der Vulkansee Meerfelder Maar auf einer Höhe von 335 Metern über dem Meeresspiegel, hat eine Wasseroberfläche von 24 Hektar und ist rund 18 Meter tief. Man kann das Zeugnis einer gewaltigen Eruption mitten in Europa bis heute umwandern.

Das tiefblaue Wasser des Sees und die abwechslungsreiche Landschaft mit vielen Rad- und Wanderwegen laden zu jeder Jahreszeit zu einer intensiven Erkundung ein.

Geologie zum Nachlesen: Wie die Maare der Vulkaneifel entstanden sind

Wer sich intensiver mit Vulkanismus beschäftigen möchte kann zum Beispiel im eindrucksvollen Buch von Prof. Hans Pichler, "Vulkangebiete der Erde" zur Entstehungsgeschichte der Maare nachlesen:

"Ein hydrovulkanischer entstandener, meist mit einem See gefüllter Sprengtrichter wird als 'Maar' bezeichnet. Mit Durchmessern von weniger als 100 Metern bis zu mehr als 1.500 Metern und Tiefen von etwa 10 Metern bis zu 200 Metern stellen diese oft in ebenem Gelände auftretenden, morphologischen Hohlformen eine eigene Art vulkanischer Gebilde dar. Ihr Durchmesser ist durch die Tiefe des Explosionsherdes vorgegeben.

Das ausgeworfene Material bildet rund um den Sprengtrichter einen 10 bis etwa 40 Meter mächtigen Ring, der aus einer- oder zahlreichen Schichten bestehen kann, je nachdem, ob das Maar durch eine einzige Explosion oder einer Folge vieler Eruptionen entstanden ist.Maare sind also selbstständige Vulkane von trichterartiger bis schüsselförmiger Gestalt, eingetieft in beliebigen Untergrund. Sie sind durch Gaseruption vorwiegend in einem Eruptionszyklus entstanden.

Zu den bekanntesten dieser oft wassergefüllten quartären 'Hohlformen' zählen neben dem Meerfelder Maar die beiden Schalkmehrener Maare bei Daun, der Dreiser Weiher und das Pulvermaar. Das Meerfelder Maar und seine Umgebung stehen heute unter Naturschutz."

Meerfelder Maar: Abkühlung und Schwimmen im erloschenen Vulkan

Von dem hübschen Erholungsstädtchen Manderscheid ausgehend, führt eine steile Straße bergab zu dem Dörfchen Meerfeld. Gleich unterhalb des Ortes liegt das Meerfelder Maar [2]. Die Bezeichnung "Maar" stammt vermutlich von dem lateinischen Wort mare (Meer) und wurde von dem Trierer Gymnasiallehrer Johann Steiniger (1794 – 1878) etabliert.

In brütender Hitze umrunden wir den See. Noch immer ist sehr eindrucksvoll zu erkennen, dass sich hier einst ein Vulkan befand. Der mit dichtem Mischwald bewachsene Krater ist noch gut zu erkennen. Das Meerfelder Maar ist nur eines von 77 in der Vulkaneifel nachgewiesenen Maaren und bereits 80.000 Jahre alt. Es ist das größte Maar der Westeifel.

See in Waldgebiet
Meerfelder Maar. Bild: Sabine Küster-Reeck

Der jüngste Ausbruch eines Vulkanes in der Eifel liegt gerade einmal 10.900 Jahre zurück. Viele verschwitzte Wanderer, die es in diesem Sommer mit tropischen Temperaturen aufnehmen müssen, sind versucht, ihre Tour zu unterbrechen, um die Badeanstalt aufzusuchen, die sich am Maar befindet. Schließlich hat man hier die Chance, in einem erloschenen Vulkan zu schwimmen!

Urlauber und Anwohner suchen an diesem schönen Flecken Erde bei 36 Grad Celsius ein wenig Schatten und Abkühlung im sauberen Wasser. Der See ist unterteilt in einen Bereich für Schwimmer und einen Bereich, der langsam zuwächst und für zahlreiche Fische wie den Döbel und den Flussaal und viele Watvögel ein Biotop bietet.

Aus den erdgeschichtlich begründeten geologischen Voraussetzungen resultieren die heutigen flachbödigen, kalkhaltigen (basischen) Böden der heutigen Kalktriften. (Trift=Viehtrieb). Es existieren Bedingungen, die speziellen Pflanzengesellschaften einen Lebensraum bieten.

Dazu zählen viele Orchideenarten wie das Knabenkraut (Dactylorhiza) oder das Waldvögelein (Cephalanthera damasonium).Das Ufer des Maars wird gesäumt von Feuchtwiesen, Seggenrieden und einer breiten Schilfzone im Süden, die vielen Tieren einen geschützten Lebensraum bietet.

Für eine Wanderung um das Meerfelder Maar ist keine außergewöhnliche Kondition erforderlich. Die Dauer variiert je nach gewählter Route. Der einfache Rundweg direkt am Seeufer ist ca. 2,6 km lang und dauert etwa 45 Minuten. Ein beliebter, etwas längerer Panoramarundweg (z. B. Mit Abstecher zum Aussichtsturm "Landesblick") umfasst etwa 6,3 km. Dieser Weg nimmt etwa zwei Stunden Gehzeit in Anspruch.

Kochend kaltes Wasser: der Wallenborner "Brubbel"

Eine Wanderung macht durstig. Von Meerfeld ist es mit dem Auto oder dem Rad nicht mehr weit zu einer bekannten Mineralquelle. Nach nur 16 km über die L16 erreichen wir den kleinen Ort Wallenborn. Passiert man das einladende Gasthaus "Landhaus zum Brubbel", findet sich ein Büdchen, wo man ein geringes Eintrittsgeld entrichtet, um den Wallenborner Brubbel zu bewundern.

Wallenborn liegt in einem weiten Talkessel am östlichen Rand der Kyllburger Waldeifel, etwa zwölf km entfernt von Daun. In der "Eifilia Illustrata" (historisch geographische Beschreibung der Eifel) von Georg Bärsch ist über Wallenborn zu lesen:

"Es befinden sich hier mehrere Mineralquellen und Mofetten (Austrittsstelle für vulkanisches Kohlendioxidgas (CO2)), wovon der Ort seinen Namen erhalten hat. Es sind hier acht sprudelnde Quellen, welche man 'Brubbeldreis' nennt und die ebenso wie der Brubbeldreis bei Gerolstein schwefelhaltig und Insekten tödlich sind."

Ebendiese Insekten aber, machen uns dessen ungeachtet an jenem brutheißen Tag ziemlich zu schaffen. Während wir an der Absperrung aus Balsaltblöcken warten, wann "Brubbel" sich die Ehre gibt, tief aus dem Erdinnern emporzusteigen, fallen zahlreiche Stechfliegen über unsere nackten Beine her und tun sich an humanoidem Blut gütlich.

Rötliche Steinquader und nach oben sprudelnde Quelle
Wallenborner Brubbel. Bild: Sabine Küster-Reeck

Dann endlich, nach etwa 20 Minuten Wartezeit gluckert es und die Fontaine steigt empor. "Brubbel" hat jedenfalls seinen Namen rechtmäßig erworben. Nicht ganz so gewaltig wie sein Vetter Old Faithfull in Nordamerika- und vor allem nicht so heiß, gibt der kleine Geisir doch ein nettes Spektakel zum Besten. Wer möchte, kann danach im benachbarten "Gasthaus zum Brubbel" auch einen "Brubbelkuchen" genießen, der mit dem kohlensäurehaltigen Wasser des Geisirs zubereitet wird.

Der Kratersee Windsborn – Wanderung um den "Außenseiter der Maare"

Nahe des kleinen Ortes Bettenfeld steigen wir aus dem Auto und schon wieder sind sie da: Myriaden kleiner, fast tropisch nervender Insekten, die unsere Wanderung um den Kratersee von Windsborn [3] begleiten sollen.

Dieser kleine See wird ausschließlich durch Niederschlag gespeist und verlandet sichtlich. Sein Seewasser ist leicht gelblich verfärbt und mit einem PH-Wert von 5-6 leicht sauer. Er ist der einzige ständig mit Wasser gefüllte Kratersee der Eifel und nördlich der Alpen. Viel Kondition braucht es nicht, den See zu umrunden, nur ein gutes Insektenspray!

Wir laufen circa eine Stunde lang um den See durch einen dicht bewaldeten Pfad, müssen uns oft bücken und unter tief hängenden Zweigen durchkriechen. Von dichter Vegetation ist der Kratersee umgeben. Rund um das Gewässer sind noch die Schweißschlacken (vulkanisches Auswurfmaterial) zu erkennen, aus denen sich der Berg aufgetürmt.

Ein besonderer Lebensraum findet sich hier für zahlreiche Pflanzen und Insekten. Der Fieberklee treibt am Rande des Sees im Mai und Juni viele weiße Blüten aus. Das rot blühende Sumpfblutauge kann man im Juli bewundern. Zum Schwimmen ist der See nicht geeignet, denn schon jetzt ist gut zu erkennen, dass der Kratersee von außen nach innen verlanden und sich zu einem Hochmoor entwickeln wird.

Wunderschön anzusehen sind die zahllosen Libellen, die am See ihren Lebensraum gefunden haben. Eine kurze, aber schöne und lehrreiche Wanderung. Ein kleines Stückchen Tropenfeeling heutzutage in der Vulkaneifel, die einst aber auch als "Preußisch Sibirien" bekannt war.

Die Eifel war nämlich seinerzeit als unwirtlich und rau verschrien. Doch ließ sich ein berühmter Wanderer nicht davon abschrecken und suchte mehrfach diese Gegend auf: Alexander von Humboldt war bekannt für seine Leidenschaft für Fossilien, von denen er in der Umgebung von Gees bei Gerolstein [4] so viele fand, dass er verzweifelt nach einem Behältnis für den Transport suchte.

Er fand die Lösung, indem er einigen Bauersfrauen auf den umliegenden Feldern ihre Wollsocken abkaufte, in denen er seine Fossilien verstauen konnte.

So war und ist die Vulkaneifel bis heute ein wunderschönes Ziel, um die Erdgeschichte und die Natur die daraus entstand, zu studieren und sich auf zahllose Wanderungen zu begeben, um diese Schönheit auch im Kleinen zu finden.

"Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen."

Johann-Wolfgang von Goethe


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  1. https://www.vulkane.net/vulkanismus/katastrophen/tambora.html
  2. https://www.eifelsteig.de/pois/meerfelder-maar
  3. https://www.geopark-vulkaneifel.de/eifel/landschaft/maare-und-kraterseen/windsborn-kratersee.html
  4. https://nkm-gerolstein.de/de/startseite.html

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Longevity-Forschung: Wie Kaffee-Polyphenole Zellen im Labor schützen

Von Telepolis — 19. Juli 2026 um 14:00
Eine junge Frau trinkt am Meeresstrand eine Tasse Kaffee.

(Bild: PeopleImages / Shutterstock.com)

Kaffee als Longevity-Mittel? Forscher weisen im Zellmodell nach, dass Polyphenole und nicht Koffein zelluläre Schutzprogramme starten.

Wer morgens eine Tasse Kaffee genießt, tut dies wahrscheinlich, um munter zu werden. Die belebende Wirkung ist bekannt und wird geschätzt. Doch Kaffee wirkt im Körper auf vielfältige Weise und mitunter auch positiv auf die Gesundheit.

Seit Jahrzehnten zeigen Beobachtungsstudien, dass Kaffeetrinker tendenziell länger leben und seltener an Krebs, Parkinson oder Stoffwechselstörungen erkranken. Den biologischen Mechanismus dahinter, der diese Wirkung erklären könnte, kannte allerdings niemand so genau.

Ein Team der Texas A&M University um den Pharmakotoxikologen Stephen Safe hat nun in der Fachzeitschrift Nutrients eine mögliche Erklärung [1] präsentiert: den Kernrezeptor NR4A1, ein Protein, das Genaktivität bei zellulärem Stress reguliert.

Das Besondere an diesem Rezeptor: Er reagiert auf Substanzen in der Nahrung und steuert Reparaturprogramme in nahezu jedem Gewebe. Safe bezeichnet NR4A1 als "Nährstoffsensor". Gegenüber der Pressestelle seiner Universität [2] erklärte er:

"Wenn man fast jedes Gewebe schädigt, reagiert NR4A1, um diesen Schaden zu mindern. Entfernt man diesen Rezeptor, ist der Schaden größer."

Kaffeesäure schlägt Koffein: Der wahre Zellschutz-Faktor

Die Forscher untersuchten gebrühten Kaffee mit Bohnen aus verschiedenen Ländern. Sie kamen etwa aus Honduras, Mexiko, Guatemala und Kolumbien.

Zubereitet wurde der Kaffee so, wie es im Alltag üblich ist: Gemahlener Kaffee oder Espresso-Pulver wurde in kochendes Wasser gegeben, acht bis zehn Minuten umgerührt und dann gefiltert.

Anschließend prüften die Wissenschaftler, welche Inhaltsstoffe des Kaffees an den Rezeptor NR4A1 binden können. Dafür nutzten sie zwei etablierte Labormethoden.

Das Ergebnis: Mehrere Pflanzenstoffe im Kaffee, vor allem Polyphenole, binden deutlich an diesen Rezeptor. Am stärksten war die Bindung bei Kaffeesäure. Auch Ferulasäure, Chlorogensäure, p-Cumarinsäure sowie die Kaffeeinhaltsstoffe Kahweol und Cafestol zeigten eine klare Wirkung.

Für die Wahl, ob man lieber entkoffeinierten oder normalen Kaffee trinkt, dürfte folgendes Ergebnis entscheidend sein: Zwar dockte Koffein an NR4A1 an, löste aber in den untersuchten Zellen kaum eine Wirkung aus.

Safe bilanzierte: "Die Polyhydroxy- und Polyphenolverbindungen sind viel aktiver". Und dieses Ergebnis korreliert mit früheren großen Bevölkerungsstudien, die feststellen, dass entkoffeinierter Kaffee ähnlich gut schützt wie normaler.

Der Labor-Beweis: Ohne den Rezeptor NR4A1 verpufft die Wirkung

Als Zellmodelle dienten NR4A1-responsive Rh30-Krebszellen und RAW264.7-Makrophagen. Die Kaffee-Polyphenole hemmten das Tumorwachstum und dämpften Entzündungssignale über den IkBα-Signalweg.

Entscheidend: Schalteten die Forscher NR4A1 per RNA-Interferenz aus, verschwanden diese Effekte weitgehend – ein starkes Indiz, dass der Rezeptor den Wirkweg vermittelt.

Trotzdem warnt Safe vor voreiligen Schlüssen. Die Studie ist rein mechanistisch, alle Versuche fanden in vitro statt. Die eingesetzten Wirkstoffkonzentrationen lagen teils über dem, was nach einer normalen Tasse Kaffee im Blut messbar ist.

An den gängigen Empfehlungen zum Kaffeekonsum ändere sich deshalb vorerst nichts.

Es ist auch nicht notwendig, mehr Kaffee als üblich zu trinken, denn viele der gesunden Substanzen sind auch in Obst und Gemüse zu finden. Eine stärker pflanzenbasierte Kost dürfte den NR4A1-Rezeptor ebenfalls positiv beeinflussen.

Zukunft der Altersmedizin: Synthetische Stoffe gegen Zellstress

Das Team arbeitet bereits an synthetischen Verbindungen, die gezielter auf NR4A1 einwirken als natürliche Nahrungsbestandteile. Ziel sind neue Therapien gegen Krebs und andere altersbedingte Erkrankungen.

Safe fasste zusammen: "Wir haben den Zusammenhang hergestellt, müssen aber noch besser verstehen, wie wichtig dieser Zusammenhang ist".


URL dieses Artikels:
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Links in diesem Artikel:

  1. https://doi.org/10.3390/nu18060877
  2. https://stories.tamu.edu/news/2026/04/29/coffee-doesnt-just-wake-you-up-it-may-help-protect-your-body-from-aging/

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AWS: Airbus schickt sensible Daten in die französische Cloud

Von Andreas Donath — 19. Juli 2026 um 14:05
Airbus verlagert kritische Systeme von Amazon Web Services zum französischen Anbieter Scaleway.
Airbus will digital souveräner werden. (Bild: Scaleway)
Airbus will digital souveräner werden. Bild: Scaleway

Airbus hat begonnen, eine erste Gruppe kritischer Anwendungen von Amazon Web Services zu Scaleway zu verlagern. Der französische Cloudanbieter übernimmt damit einen Teil der Systeme im Rahmen von Airbus' Strategie zur digitalen Souveränität.

In dieser ersten Phase wechseln 70 Anwendungen in die französische Cloud. Insgesamt zählt Airbus rund 900 Systeme zu jenen, die für das Unternehmen als geschäftskritisch gelten, intern als Minimum Viable Company bezeichnet. Zu den betroffenen Anwendungen gehören ERP-Systeme, CRM-Werkzeuge sowie Programme für Fertigungssteuerung und Produktlebenszyklus-Management. Alle liefen bislang auf AWS.

Catherine Jestin, Digitalchefin von Airbus, erklärte, die Wahl von Scaleway sei das Ergebnis einer Ausschreibung, die Anfang 2026 gestartet wurde. Ausschlaggebend seien technische Leistung und finanzielle Konditionen gewesen, die im Vergleich zu großen Hyperscalern überzeugt hätten.

Jestin ergänzte, Scaleway habe zugesagt, Airbus in die Entwicklung seiner künftigen Produkt-Roadmap einzubinden. Dieser Punkt habe bei der Bewertung Gewicht gehabt. Airbus hatte zuvor darauf hingewiesen, dass europäische Cloudanbieter in der Regel deutlich kleiner sind als ihre amerikanischen Pendants. Einen passenden Partner für Verteidigungs- und Industrieanwendungen zu finden, sei deshalb keineswegs selbstverständlich gewesen.

Airbus belässt einen Teil der Systeme bei AWS

Nicht alle Anwendungen werden verlagert. Skywise, die Plattform von Airbus zur Sammlung und Auswertung von Luftfahrtdaten, bleibt ebenso bei AWS wie ein System zur Bearbeitung technischer Kundenanfragen.

Jestin beschrieb den Schritt als Versuch, kritische Datenbestände dem Zugriff ausländischer, extraterritorialer Gesetze zu entziehen, ohne dabei Leistung und Ausfallsicherheit für die Industrieprozesse zu gefährden.

Der US Cloud Act erlaubt es amerikanischen Behörden, auf Daten zuzugreifen, die im Ausland gespeichert sind, sofern das jeweilige Unternehmen seinen Hauptsitz in den USA hat. Der Standort der Server spielt dabei keine Rolle.

Die Spannungen zwischen den USA und mehreren europäischen Regierungen seit Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit fallen zeitlich mit einem wachsenden Interesse europäischer Unternehmen und öffentlicher Einrichtungen an digitaler Souveränität zusammen. Ein direkter ursächlicher Zusammenhang lässt sich daraus jedoch nicht zwingend ableiten.

AWS, Microsoft und Google haben jeweils versucht, diesen Bedenken mit eigenen souveränen Cloudangeboten für europäische Kunden zu begegnen. Ein Microsoft-Manager sagte dennoch vor einem französischen Gericht unter Eid aus, das Unternehmen könne Souveränität im Rahmen der bestehenden Vereinbarungen nicht vollständig garantieren.

Trotz des Wechsels zu Scaleway plant Airbus nicht, sich generell von nicht-europäischen Anbietern zu verabschieden. Das Unternehmen nutzt weiterhin Software von Microsoft und Google sowie Salesforce, Coupa und Workday für andere Funktionsbereiche.

Laut Jestin werden solche Entscheidungen einzeln getroffen. Ausschlaggebend sei vor allem, wie sensibel die jeweiligen Daten seien.

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OpenAI-Überläufer: Apple nimmt weitere Ex-Beschäftigte ins Visier

Von Heise — 18. Juli 2026 um 17:18
OpenAI und Apple

(Bild: Kemarrravv13 / Shutterstock)

Mehrere Dutzend ehemalige Apple-Beschäftigte sollen Geschäftsgeheimnisse an OpenAI weitergegeben haben. Sie bekamen Post von Apple.

Im Streit zwischen Apple und OpenAI über mutmaßlich preisgegebene Geschäftsgeheimnisse des iPhone-Herstellers kommen neue mögliche Fälle ans Licht. Nach einer Klage gegen zwei ranghohe Überläufer von Apple zu OpenAI haben Apples Anwälte weitere Ex-Beschäftigte kontaktiert, die jetzt bei dem KI-Hersteller arbeiten. Auch sie sollen ihr Apple-Insiderwissen bei OpenAI preisgegeben haben. OpenAI entwickelt ein Gerät speziell für die Nutzung mit Künstlicher Intelligenz – und setzt dabei vermehrt auf abgeworbenes Apple-Personal.

Die Financial Times (FT) berichtet [1] konkret über rund 40 Personen, die per Brief aufgefordert worden sein sollen, bestimmte Dokumente und Korrespondenz aufzubewahren. Die Briefempfänger wurden demnach auch zu Terminen mit den Anwälten von Apple geladen. Damit wären etwa zehn Prozent der 400 Personen, die von Apple zu OpenAI gewechselt sind, jetzt im Visier ihres Ex-Arbeitgebers. Die FT beruft sich auf mehrere, nicht näher genannte Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind.

Vorangegangen war eine Klage von Apple gegen zwei ehemalige ranghohe Mitarbeiter [2]. Einer ist Tang Tan, vormals Apple-Designer, heute Hardware-Chef von OpenAI. Er war der bisher ranghöchste Überläufer, arbeitete mehr als 20 Jahre bei Apple und verantwortete vor seinem Wechsel das Design des iPhones und der Apple Watch. Sein neuer und alter Kollege Chang Liu war acht Jahre lang bei Apple als leitender Ingenieur tätig und arbeitete an einigen der sensibelsten Produktentwicklungsprogramme von Apple mit, wie es in Apples Klage [3] heißt. Heute ist er ebenfalls für OpenAI tätig.

Jegliche Kontaktversuche von Apple ignoriert?

Als Apple Liu kontaktierte, um ihn zu bitten, die Vertraulichkeitserklärung von Apple zu unterzeichnen, einen Termin für ein Austrittsgespräch zu vereinbaren und zu bestätigen, dass er seine Geräte zurückgegeben und die übrigen Austrittsformalitäten erfüllt habe, soll er laut Klage nicht reagiert haben. Liu soll bei OpenAI über seinen Apple-Dienstrechner auf Daten des iPhone-Herstellers zugegriffen haben. Die sogenannten „Exit Interviews“ sind bei Apple Befragungen für Mitarbeiter, die gekündigt haben. Tan und Liu sollen ihren Neukollegen Tipps gegeben haben, wie sie in diesen Interviews am besten durch die Sicherheitsüberprüfungen kommen.

Möglicherweise haben sich die 40 Personen, die jetzt Post von Apples Anwälten bekommen haben, ähnlich wie Liu nach seinem Arbeitgeberwechsel verhalten. Bewerbungskandidaten von Apple sollen Tan und Konsorten sogar gebeten haben, Apple-Bauteile zum Bewerbungsgespräch mitzubringen – was Apple natürlich streng verbietet, inklusive rigoroser Sicherheitsprotokolle. Apple sieht in all dem eine Strategie von OpenAI.

OpenAI streitet alles ab

OpenAI sieht derweil „keine Beweise“ für Diebstahl geistigen Eigentums [4]. Für das Unternehmen kommen die rechtlichen Probleme zur Unzeit: In diesem Jahr plant es seinen Börsengang [5]. Zudem dürfte die Entwicklung eigener Hardware durch hunderte Ex-Apple-Leute noch viel Stoff für weitere juristische Auseinandersetzungen liefern und damit alles andere als leicht werden.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.ft.com/content/1b8c9d52-88a9-426b-ba47-f1811f859166?syn-25a6b1a6=1
  2. https://www.heise.de/news/Apple-klagt-gegen-OpenAI-wegen-Abwerbung-11361662.html
  3. https://dpadocs.dpaq.de/22526_show_temp_pl_8.pdf
  4. https://www.heise.de/news/Apple-Klage-OpenAI-sieht-keine-Beweise-fuer-Diebstahl-geistigen-Eigentums-11366248.html
  5. https://www.heise.de/news/OpenAI-vor-dem-Boersengang-Der-teuerste-Traum-der-Tech-Geschichte-11140164.html
  6. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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