Deutsche Gepard-Flugabwehrwaffe auf Basis des Leopard-1-Panzerchassis wird in der ukrainischen Luftverteidigung eingesetzt. Bild: Shutterstock.com
Deutschlands Verteidigungsausgaben erreichen historische Höchststände. Doch können friedenspolitische Positionen noch offen diskutiert werden? Gastbeitrag.
Die mächtigen Staaten werden autoritärer und aggressiver. Die europäischen Demokratien stehen mit dem Rücken zur Wand. Müssen sie sich bis an die Zähne bewaffnen? Oder welche Alternativen gibt es?
Dürfen friedenspolitische Perspektiven noch öffentlich diskutiert werden, ohne dass eine Ausgrenzung zu befürchten ist?
Die offiziell anerkannten und finanziell geförderten deutschen Friedensforschungsinstitute, die noch im 2025er-Gutachten auf eine Kritik der gegenwärtigen Sicherheitspolitik weitgehend verzichteten, finden 2026 inzwischen kritischere Einschätzungen der sicherheitspolitischen Situation.
Die Friedensforschungsinstitutionen (BICC / IFSH / INEF / PRIF) nehmen in ihrem Jahresgutachten 2026 [1] eine umfassende Analyse der aktuellen Konfliktsituationen vor. Sie fassen ihre Ergebnisse einleitend zusammen:
"Die imperialistische Großmachtpolitik ändert die Vorzeichen von Krieg, Frieden und Sicherheit. Staaten agieren zunehmend wie Warlords und setzen Krieg als Mittel der Politik ein. Übergänge von Gewaltkonflikten zu Frieden werden als 'Deals' behandelt, Mittelmächte wie die Golfstaaten treten mit neuem Selbstbewusstsein, aber ambivalentem Kurs auf, und technologische Innovation verändert Kriege und erschwert die Regulierung. Zugleich befindet sich die internationale Kooperation in der Friedenssicherung – etwa in der Entwicklungszusammenarbeit oder in den Vereinten Nationen – in ihrer schwersten Krise."
Die Welt rüstet ungebremst auf. Sicherheitspolitik erscheint in diesem Kontext weniger als Friedenssicherung, sondern unter aktiver und profitierender Mitarbeit des jeweiligen militärisch-ökonomischen Komplexes als der Versuch, den potenziellen Gegner über Aufrüstung einzuschüchtern und abzuschrecken.
Frieden gerät in diesem Kontext zu einem sehr engen und auf "Versicherheitlichung" verkürzten Verständnis, bei dem (vielleicht) die Waffen schweigen, weil jeder vor dem anderen Angst hat. Abrüstung als Forderung scheint angesichts der offiziell verbreiteten Sicherheitslage abwegig und erhält in den Mainstream-Medien auch keine Beachtung.
Die Regierungen sind im Gegensatz zur Abrüstungsforderung bereit, einen großen Teil ihres gesellschaftlich erarbeiteten Wohlstands für Waffenproduktion und militärische Infrastruktur auszugeben.
Das Friedensforschungsinstitut Stockholm International Peace Research Institute SIPRI [2] hat ermittelt, dass 2025 weltweit 2,887 Billionen US-Dollar für Militärausgaben ausgegeben wurden. Hierbei stiegen die Militärausgaben in Europa um 14 Prozent und in Ozeanien und Asien um 8.1 Prozent. USA, Russland und China investierten zusammen insgesamt 1,480 Billionen US-Dollar in die Rüstung (51 Prozent der globalen Ausgaben).
Deutschland hat inzwischen die höchsten Militärausgaben seit 1990 und befindet sich weltweit auf Platz 4. Mit 78 Milliarden Euro hatte Deutschland 2024 erstmals alle anderen westeuropäischen Staaten hinsichtlich der Militärausgaben übertroffen [3]. 2026 sollen die Militärausgaben Deutschlands auf 108,2 Milliarden Euro steigen.
Ein weiteres Anwachsen der Ausgaben für Militär, Geheimdienste und Zivilschutz wird über ein als "Sondervermögen" etikettiertes Schuldenprogramm und eine Grundgesetzänderung ohne Begrenzung nach oben ermöglicht [4]. Hierbei kann durch mehrheitlichen Beschluss des Bundestags zukünftig die Schuldenbremse, z.B. für weitere Aufrüstung, unkompliziert umgangen werden.
Dies wurde noch auf die Schnelle und ohne die erforderliche öffentliche Diskussion vom ausscheidenden 20. Deutschen Bundestag im März 2025 beschlossen. So kommen zu dem bereits 2022 beschlossenen 'Sondervermögen' von 100 Milliarden Euro, noch die eingegangene Nato-Verpflichtung von fünf Prozent des BIP für Verteidigungsausgaben und hierfür einem nach oben hin offenen und nicht durch die Schuldenbremse eingeschränkten Rüstungsetat der nächsten Jahre hinzu.
Des Weiteren sind bisher über 100 Milliarden für die zivile und militärische Unterstützung der Ukraine sowie für nach Deutschland geflüchtete Ukrainer ausgegeben worden. Hinzu kommen ebenfalls die von den Regierungschefs der EU im März 2025 konzipierten 800 Milliarden Euro für ein europäisches Aufrüstungsprogramm, das bis 2030 [5] realisiert werden soll. Auch hier ist Deutschland finanziell maßgeblich beteiligt.
Rechnet man noch die ökonomischen Kosten, z.B. die höheren Energiepreise, durch den Ukraine-Krieg hinzu, berechnete [6] der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzschner, bereits 2024 volkswirtschaftliche Kosten des Ukraine-Kriegs, die weit die 200-Milliarden-Grenze überstiegen.
Die Gesamtsumme dieser Ausgaben wird maßgeblich über Schulden finanziert, sodass die kommende Generation sowohl die Kosten für die Zinsen als auch für die Tilgung mit einem großen Anteil des zukünftigen Bruttoinlandsprodukts bezahlen muss.
Die Notwendigkeit zur Abrüstung müsste daher allein aus volkswirtschaftlichen Überlegungen und der Forderung nach Generationengerechtigkeit heraus ein Thema sein.
Eine neue SIPRI-Studie [7] analysiert die global vorhandene Anzahl nuklearer Sprengköpfe und die zunehmende Gefährlichkeit der Trägersysteme vor dem Hintergrund einer Beendigung der Abrüstungs- und Kontrollverträge.
Laut SIPRI befanden sich Anfang 2026 von den weltweit geschätzten 12.187 Sprengköpfen etwa 9.745 in militärischen Beständen für den potenziellen Einsatz. Während 83 Prozent der nuklearen Sprengköpfe sich aufseiten von USA und Russland befinden, ist China die Macht, die ihr Atomwaffenarsenal (gegenwärtig 620 nukleare Sprengköpfe) am dynamischsten ausbaut.
Problematisch ist hierbei die zukünftige Rolle Künstlicher Intelligenz (KI), die zunehmend in Waffensysteme und auch in militärische Aufklärung und in die Entwicklung automatisierter Angriffspläne integriert wird. Der deutsche Informatikprofessor Karl Hans Bläsius [8] (2026) und zahlreiche internationale Kollegen warnen vor der Fehlerhaftigkeit der KI einerseits und andererseits vor der unkontrollierten Entwicklung generativer KI hin zu einer dem Menschen überlegenen Superintelligenz, die sich u.a. durch ihr sich verselbstständigendes Wirken in Waffensystemen gegen die Menschheit als Ganzes wenden kann.
Auch über unvorhergesehene Zwischenfälle aufgrund einer vergrößerten Kontaktfläche von europäischen Nato-Staaten mit Russlands Grenze sowie über einen Nuklearkrieg aus Versehen aufgrund einer menschlichen Fehleinschätzung oder eines Fehlers der in Waffensystemen eingesetzten KI könnte es zu unkalkulierbaren militärischen Eskalationen kommen.
Ein Sicherheitsdenken, das über eine Aufrüstung oberhalb der Eskalationsgrenze mehr Sicherheit finden will, wird durch die Gegenreaktion des Gegners und eigener technologischer Risiken eher zu weniger Sicherheit führen. Doch wird dies in der politischen Öffentlichkeit angemessen diskutiert? Existiert überhaupt ein öffentlicher Raum, in dem derartige Einschätzungen wirksam zum Zuge kommen können?
Im Zuge der gegenwärtigen Aufrüstungsdynamik wirkt die wahrgenommene und öffentlich und medial verstärkte Bedrohung der europäischen Staaten durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine als Trigger.
Es wird in den Medien von hochrangigen Persönlichkeiten, u.a. dem Bundesverteidigungsminister, dem Generalinspekteur der Bundeswehr und dem Chef des Bundesnachrichtendienstes, suggeriert [9], dass Russland in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich europäische Nato-Staaten angreifen werde. Daher forderte u.a. Pistorius, dass die deutsche Gesellschaft kriegstüchtig (nicht: friedenstüchtig) werden müsse.
Doch, ob Russland tatsächlich vorhat und auch in der Lage ist, einen Nato-Staat – trotz Artikel 5 des Nato-Vertrags – anzugreifen, ist eher fraglich. Sicherlich ist m.E. die gegenwärtige russische Regierung eine politische Macht, die nach innen und außen repressiv wirkt. Auch kann man wohl der Aussage Putins zurecht misstrauen, dass keine Angriffsabsicht vorliege.
Seinen Aussagen kann man genauso wenig wie Trumps irrlichternden Erklärungen oder Honeckers damaliger Aussage, es habe niemand vor, eine Mauer zu bauen, Glauben schenken. Hierüber sollte man sich keine Illusionen machen.
Doch die Tatsachen, dass es Russland nun im 5. Jahr nicht geschafft hat, der Ukraine eine militärische Niederlage zu bereiten und selbst der europäische Teil der Nato im konventionellen Waffenbereich materiell und personell Russland deutlich überlegen [10] ist, sprechen allerdings gegen diese Vermutungen einer russischen Angriffsabsicht auf die Nato. Hierbei ist das übermächtige militärische Potenzial der USA noch gar nicht eingerechnet.
Auch der angesehene Militärexperte Ex-Oberst Wolfgang Richter geht sogar mit Bezug auf US-amerikanische Einschätzungen von keinem in den nächsten Jahren bevorstehenden Angriff russischer Streitkräfte auf Nato-Gebiet aus – so Richter [11] im Interview mit Telepolis: [12]
"Die jüngste Nationale Sicherheitsstrategie der USA stellt zu Recht fest, dass die konventionellen Fähigkeiten Europas denjenigen Russlands deutlich überlegen sind. Zudem ist zu berücksichtigen, dass 80 Prozent der russischen Landstreitkräfte in der Ukraine gebunden sind und hohe Verluste erleiden. (...)
Die Erwartung, Russland könne seine Streitkräfte aus der Bindung in der Ukraine rasch lösen, um sich gegen europäische Nato-Nachbarn zu konzentrieren, ist unrealistisch, selbst wenn es bald zu einem Waffenstillstand käme. Moskau wird noch für Jahre das Risiko einkalkulieren müssen, dass Kiew bei günstigerer Lage eine Revision territorialer Verluste anstreben wird.
Aber selbst wenn man das außer Acht lässt, würde Moskau keine militärische Parität mit den europäischen Alliierten erreichen."
Wenn also in der russischen Regierung und den Mächten, die hinter ihnen stehen, noch ein rationales Kalkül vorherrscht, dann dürfte ein russischer Angriff extrem unwahrscheinlich sein. Anders sieht dies aus, wenn der russische Staat und dessen regierende Kreise aufgrund fortschreitender militärischer Bedrohung und massiver Angriffe von außen in den Binnenraum Russlands in die Enge getrieben fühlt und auch innenpolitisch unter Druck gerät.
Dann sind auch durchaus irrationale Verhaltensweisen, wie der Einsatz einer taktischen Atombombe, mit unkalkulierbaren Folgen denkbar. Dies sollte man bei allen militärischen und politischen Entscheidungen mitbedenken, wenn man verantwortliche Sicherheitspolitik betreiben möchte.
Anstatt also angesichts dieser Situation in eine Verhandlungsoffensive zu gehen, wird hingegen die Rüstungsspirale noch weiter intensiviert - in der Hoffnung, Russland werde schon nachgeben. Doch Russland rüstet ebenfalls auf, erhöht seine Rüstungsproduktion, transformiert seine Ökonomie in eine Kriegswirtschaft, entwickelt noch gefährlichere Waffen.
So ist beispielsweise die Hyperschallrakete Oreschnik, die auch nukleare Sprengköpfe tragen kann, kaum abzuwehren.Die aktuellen und zukünftigen gesellschaftlichen Ressourcen werden sowohl im Nato-Westen als auch in Russland, natürlich auch in China, destruktiv verwendet.
Das Geld zukünftiger Generationen wird buchstäblich verbrannt. Gleichzeitig wird dieses Geld der Pflege, den Renten, den Schulen und den sozial Benachteiligten und auch einer an einem gerechten Ausgleich orientierten Entwicklungspolitik weltweit entzogen. Nur die Anteilseigner der Rüstungsindustrie profitieren von der Eskalationsspirale. Es ließen sich traumhafte Gewinne an der Aktienbörse im Zuge des Kriegs in der Ukraine realisieren.
Des Weiteren findet die notwendige Intensivierung des staatlichen und transnationalen Engagements gegen die eintretende Klimakrise nicht statt. Am besten leugnet man diese (siehe Trump und die gegenwärtige US-Regierung), dann werden auch diese Gelder zukünftig u.a. für Militärausgaben frei.
Auch Russland, mit weltweit dem viertgrößten CO2-Ausstoß und einem auftauenden Permafrostboden, senkte 2025 [13] seine Reduktionsziele für Kohlendioxid-Emissionen drastisch. Trump und Putin sind die weltweit größten Fossildealer, eine Abrüstung mit dem Ziel, Ressourcen für den Aufbau regenerativer Energiewirtschaft zu gewinnen, ist außerhalb ihres Problemhorizonts und abwegig hinsichtlich ihrer ökonomischen Interessenlage.
Sicherlich muss ein notwendiges Mindestmaß an Verteidigungsfähigkeit eines Staates in militärischer, gesellschaftlicher und politischer Hinsicht gegeben sein. Wir können leider nicht von der Friedfertigkeit aller Nationen ausgehen – wann war das schon einmal der Fall?
Dennoch sollten der Umfang der Ausgaben und die Gefährlichkeit der Waffensysteme transparent für andere Staaten deutlich unterhalb der Eskalationsschwelle liegen, bei der sich ein anderer Staat bedroht fühlt.
Zur Verteidigungsfähigkeit gehören insbesondere ein entsprechender friedenspolitischer Wille und ein politisches Personal mit diplomatischen Fähigkeiten, das in der Lage ist, international eine Sicherheitsarchitektur auszuhandeln, die Kriege, wie in der Ukraine, unwahrscheinlich werden lassen. Hierzu ist es notwendig, den Verhandlungspartnern genau zuzuhören und deren Sicherheitsinteressen wahrzunehmen.
Auf Maximalforderungen ist auf allen Seiten zu verzichten. In Verhandlungsangeboten sollten die Interessen des Gegenübers zumindest in ersten ernstzunehmenden Ansätzen eingearbeitet sein – so noch einmal Wolfgang Richter im Telepolis-Interview [14]:
"Mit anderen Worten, eigene Bedrohungsperzeptionen müssen mit denen des potentiellen Gegners abgeglichen werden, um zu einem realistischen Bild zu kommen. Dass sie immer subjektiv sind und sich diametral unterscheiden können, ist kein Argument dagegen, zuzuhören und einen Ausgleich über Rüstungskontrollverhandlungen zu suchen."
Und: Auch nach diplomatischen Misserfolgen darf nicht aufgegeben werden! Lieber zehnmal vergebens verhandeln und beim 11. Versuch einen ersten Erfolg zur Deeskalation erzielen. Diese Ausdauer und Zielstrebigkeit sollte vorhanden sein, um die weitere Rüstungseskalation und eine durch irrationales Handeln ausgelöste militärische Katastrophe, einen Nukleareinsatz bzw. einen Krieg im eigenen Land zu verhindern.
Militärische Abrüstung wird nicht einseitig erfolgen können. Der Abrüstungsprozess sollte international abgestimmt unter der Leitung multilateraler Organisationen Schritt für Schritt erfolgen. Die Voraussetzung hierfür ist die Einstellung der Kriegshandlungen und die Einleitung des Friedensprozesses. Wie schwierig dies ist, ist im Nahen und Mittleren Osten, in der Ukraine, in Libyen oder im Sudan zu sehen.
Das Ziel von Verhandlungen ist letztlich eine stabile und abgesicherte Entwicklung zu einem regionalen und letztlich auch zum globalen Frieden. Parallel hierzu und auch noch danach sind international abgestimmte Abrüstungs- und Rüstungskontrollverträge unter der Koordination der Vereinten Nationen bzw. der OSZE auszuhandeln und zu ratifizieren.
Dies würde erneut eine umfangreiche Friedensdividende erzeugen, die zur Bewältigung der aktuellen und noch kommenden Krisen dringend notwendig sein wird.
Wo sind die politischen Kräfte in Deutschland, die in der Lage sind, eine derartige Analyse vorzunehmen und entsprechende Handlungsschritte wirkungsvoll im Rahmen internationaler Zusammenarbeit einzuleiten?
Braucht Deutschland eine neue politische Elite bzw. eine umfangreiche Demokratisierung, die friedenspolitisch kompetentere Persönlichkeiten hervorbringt?
Welche Rolle könnten eine zu mobilisierende Friedensbewegung und eine kritische Friedensforschung [15] spielen, die mit der notwendigen Sensibilität und Unabhängigkeit überall dorthin blickt, wo das Völkerrecht und Menschenrechte verletzt werden?
Noch haben wir in Deutschland und der Europäischen Union eine Situation, in der unterschiedliche Meinungen offen kommuniziert werden können. Der Fall von Oberst Jacques Baud und anderen Sanktionierten jedoch zeigt [16], dass es bereits auf EU-Ebene problematische Fälle und Versuche gibt, friedenspolitische Meinungsfreiheit ohne Anklage, ohne gerichtliche Anhörung und ohne Gerichtsverfahren einen richterlichen Beschluss massiv einzuschränken, hierbei Existenzen zu vernichten.
Wenn EU-Bürgern im Zuge der Sanktionen gegen das russische Regime z.B. aufgrund ihrer abweichenden Einschätzung der historischen Vorgänge, die zum Krieg in der Ukraine führten, die Möglichkeit ohne Gerichtsverfahren entzogen werden kann, ein Bankkonto zu führen, Kreditkarten zu benutzen und das Land zu verlassen, muss sich gefragt werden, ob hier nicht die Möglichkeiten der 'wehrhaften Demokratie' überschritten werden, die Exekutivrechte nicht zu dominant sind und ein System mit demokratischem Anspruch sich selbst beschädigt.
Ebenfalls problematisch ist der Umgang in der bundesdeutschen Politik und politischen Öffentlichkeit mit Personen, die es wagen, eine auf militärische Eskalation setzende Sicherheitspolitik kritisch zu hinterfragen.
Der ehemalige SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich und sogar die letzte sozialwissenschaftliche Ikone Deutschlands, der verstorbene Jürgen Habermas, wurden lächerlich gemacht und als naiv bezeichnet, als sie vor einem 'point of no return' warnten und eine Intensivierung diplomatischer Aktivitäten mit Russland einforderten. Allzu leicht werden Kritiker des aktuellen Sicherheitskurses entweder als tagträumerische Pazifisten oder als Verbündete Putins diskreditiert [17].
Der renommierte Friedensforscher Johannes Varwick von der Universität Halle macht in seinem Buch "Stark für den Frieden [18]" (2026) deutlich, wie er aus vielen sicherheitspolitischen und medialen Zusammenhängen ausgegrenzt wurde, sobald er die Priorisierung einer militärischen Eskalationsstrategie Strategie kritisierte.
Er hält die Forderung nach Kriegstüchtigkeit für ein "fehlgeleitetes Konzept" und fordert Friedensfähigkeit ein, die eine Verteidigungsfähigkeit einschließt.
Varwick schreibt über die Notwendigkeit wissenschaftlicher Unabhängigkeit gerade in friedenspolitischen Krisenzeiten:
"Diese Unabhängigkeit habe ich stets als Verpflichtung verstanden, nicht dem Zeitgeist hinterherzulaufen oder Mainstream-Positionen zu replizieren, sondern ohne Loyalitäten, Zwänge oder Druck nachzudenken. Im Jahr 2022 habe ich gleichwohl mit diesem Ansatz meinen Zugang zur Politik in weiten Teilen verloren: Wer sich zu weit vom Mainstream entfernt, der wird kaltgestellt." (Stark für den Frieden) [19]
Doch müsste nicht die öffentliche friedenspolitische Kommunikation ihre Räume in einem annähernd diskursiven Sinne erweitern, um den drohenden Risiken gerecht zu werden? Müsste nicht gerade denjenigen genau zugehört werden, die sich nicht anpassen und die über eine eigenständige friedenspolitische Urteilsbildung verfügen?
In diesem Sinne kritisiert die Zeit-Redakteurin Anna Mayr zu Recht das öffentliche Sprechen in Kategorien der 'Versicherheitlichung':
"Natürlich ist das Ziel solchen Sprechens, zu signalisieren, dass man nicht naiv ist. Dass der Klügere heutzutage nicht mehr nachgibt, sondern Drohnen baut. Aber Politik muss nicht nur formulieren, was ist. Sondern auch was sein soll."
Und sie kritisiert den Umgang mit abweichenden, vielleicht durchaus zu bedenkenden, friedenspolitischen Positionen:
"Es bringt nichts, Menschen zu diffamieren, die sich über Waffenlieferungen in die Ukraine (Post aus Moskau!) oder nach Israel (Antisemiten!) beschweren (…) Es kommt eher so rüber, als hätte man etwas zu verbergen. Als fehlte es einem an Anstand und Mitgefühl." Die Zeit, 25.6.2026 [20]
Auch wenn dies wider den Zeitgeist erscheinen mag, sollten Fragen der Friedenssicherung ohne die Intensivierung der Aufrüstungsspirale sowie Fragen von Abrüstung und Rüstungskontrolle wieder stärker in die öffentliche Aufmerksamkeit genommen werden.
Wenn eine Diskriminierung und eine Ausgrenzung von Personen mit einer vom medial vermittelten Mainstream abweichenden Haltung zu beobachten ist, ist genau hinzusehen, wer hier mit welchem Interesse versucht, Friedensforderungen in Verbindung mit Abrüstungsverhandlungen mundtot zu machen.
Der Autor unterstützt den neuen Abrüstungsappell "Abrüstung JETZT! [21]" ist einer der Erstunterzeichner des Friedensappells
Klaus Moegling, Politikwissenschaftler und Soziologe, Schwerpunkte in der Friedens- und Demokratieforschung, zuletzt apl. Professor am Fb Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel, Webseite: www.klaus-moegling.de [22], zusammen mit Josef Mühlbauer Ko-Autor des aktuell erschienen Herausgeberbandes "Wege zum Frieden" [23].
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Russlands Zapfsäulen laufen trocken. Während die Nachfrage nach Chinas E-Autos rasant steigt, bremsen Ladeprobleme in Moskau den Durchbruch.
Russland ist der drittgrößte Ölproduzent der Welt, aber ihm geht das Benzin aus. In Noworossijsk, Heimathafen des größten russischen Ölterminals am Schwarzen Meer, verkaufen Tankstellen derzeit keinen Tropfen Benzin [1] mehr, berichtet Bloomberg.
Und lediglich acht Tankstellen in der 500.000-Einwohner-Stadt wird noch Diesel in begrenztem Umfang angeboten. Das Paradoxe an der Situation ist, dass über genau diesen Hafen im Juni täglich mehr als 980.000 Barrel Rohöl in den Export flossen.
Die Ursache der Krise liegt in ukrainischen Drohnen, die seit Monaten systematisch auf russische Raffinerien zielen. Analysten schätzten zuletzt den Ausfall auf 20 bis 30 Prozent der gesamten Verarbeitungskapazität, acht der zehn größten Raffinerien [2] sollen bereits beschädigt sein.
Weil westliche Sanktionen die Beschaffung von Ersatzteilen für Katalysatoren und Steuerungssysteme blockieren, dauern Reparaturen inzwischen Monate statt Wochen.
Die Folgen spüren Millionen Autofahrer direkt. Auf der Krim, wo die Behörden bereits den Ausnahmezustand ausgerufen haben [3], stiegen die Benzinpreise laut der Statistikbehörde Rosstat innerhalb einer Woche um 30 Prozent . Für Sewastopol ist diese Situation dokumentiert.
Landesweit liegt der Durchschnittspreis bei 72,38 Rubel pro Liter, doch Reuters-Reporter dokumentierten in Engpassregionen Preise von umgerechnet 2,42 US-Dollar [4].
Suchanfragen nach „Wie man Kraftstoff absaugt“ explodierten laut Yandex-Daten von 697 auf über 9.300 binnen eines Monats, heißt es bei Reuters weiter. In der Region Transbaikalien strichen Behörden demnach Buslinien, ein Müllentsorger stellte in vier Bezirken den Betrieb ein.
Für chinesische Autobauer ist die Krise in Russland dagegen ein Konjunkturprogramm. Das Moskauer Autohaus EN Cars, spezialisiert auf chinesische Marken, verkauft laut Reuters mittlerweile zwei bis drei Elektrofahrzeuge pro Tag. Vor wenigen Wochen waren es demnach zwei bis drei pro Monat, wie Gründer Jewgenij Zabelin erklärte [5].
Die Nachfrage sei „um ein Vielfaches gestiegen“, bei günstigen wie bei Premium-Modellen.
Laut der Analyseagentur Autostat dominieren Geely, Dongfeng, GAC und Chery den russischen Markt für Elektrofahrzeuge. In den ersten fünf Monaten des Jahres stiegen die Verkäufe neuer Plug-in-Hybride um 125 Prozent auf rund 24.600 Einheiten. Rein elektrische Neuwagen legten um 19 Prozent auf 4460 Stück zu.
Seit dem Rückzug westlicher Hersteller 2022 haben chinesische Konzerne das Vakuum systematisch gefüllt [6]. So produziert Chery etwa im ehemaligen VW-Werk in Kaluga Tiggo-SUVs, die Premiummarke Exeed wird im früheren Mercedes-Werk bei Moskau gefertigt, und Haval betreibt ein eigenes Werk in Tula.
Trotz des Booms bleiben Elektroautos eine Nische: Nur 4,3 Prozent aller Neuwagen in Russland waren 2025 elektrifiziert. Das dünne Ladenetz und die enormen Entfernungen bremsen den Durchbruch.
Ein Käufer, der bereits einen Hybrid und ein E-Auto besitzt, formulierte es gegenüber Reuters so: „Auf dem Land lade ich zu Hause. In Moskau ist es ein echtes Problem, ordentlich aufzuladen“.
Weniamin Kondratjew, Gouverneur von Krasnodar, empfiehlt Bürgern deshalb Methan-Fahrzeuge als Alternative. Die Nutzung solcher Umrüstungen stieg laut dem nationalen Gasverband bereits um 35 Prozent.
Ob das reicht, um die Krise zu bewältigen, hängt letztlich davon ab, wie lange Drohnen noch auf Raffinerien treffen – und wie schnell Moskau die beschädigte Infrastruktur reparieren kann.
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Das Landgericht München I hat in einer Serie von Patentverletzungsverfahren zwischen den Konkurrenten Infineon Technologies und Innoscience aus China erneut zugunsten des deutschen Konzerns entschieden. Das gab der Chiphersteller am 3. Juli 2026 in München bekannt. Es wird Innoscience untersagt, weitere GaN-Produkte nach Deutschland einzuführen sowie sie in Deutschland zu verkaufen und zu vermarkten.
Ebenso verpflichtet das Gericht Innoscience zur Zahlung von Schadenersatzan Infineon, dessen Höhe nicht genauer spezifiziert wurde. Bereits in mehreren Prozessen zuvor setzte Infineon gegen den Konkurrenten aus China durch, dass Produkte von Innoscience geistige Eigentumsrechte von Infineon verletzen würden. Die Prozessserie begann im August 2025.
Innoscience wirbelte den Markt für Galliumnitrid-Leistungshalbleiter in den vergangenen Jahren mit aggressiven Preisen und hohen Produktionskapazitäten bei 8-Zoll-Wafern auf und nahm Infineon, die kurz zuvor GaN Systems für 830 Millionen US-Dollar gekauft hatten, Marktanteile ab. Wichtiger war noch der Kauf von International Rectifier im Jahr 2015 für 3 Milliarden US-Dollar: Die Firma verfügte über jahrelange Grundlagenforschung in GaN-on-Silicon und ein großes Patentpaket.
Infineon bündelt seine Galliumnitrid-Produkte unter dem Markennamen CoolGaN. Während der Konkurrent Innoscience vor allem auf dem Consumer-Markt für Smartphone-Netzteile stark ist, setzt Infineon auf Produkte im Bereich Rechenzentren, Industrieautomatisierung und Elektrofahrzeuge. Diskrete GaN-Transistoren (GaN-HEMTs) reduzieren die Schaltverluste im Vergleich zu herkömmlichem Silizium erheblich. Sie kommen in Hochleistungsnetzteilen, Servern und Telco-Basisstationen zum Einsatz.
Innoscience hatte Ende 2024 in Suzhou geklagt, weil Infineon seinerseits zwei Kernpatente von Innoscience verletzt habe. Im Mai 2026 gab das Gericht Innoscience recht und verhängte ein Vertriebsverbot gegen Infineon-GaN-Produkte in China.
Der oberste Gerichtshof in China bestätigte die einstweilige Verfügung im Juni letztinstanzlich. Da Infineon die betroffenen GaN-Chips dennoch am 1. Juli 2026 auf der Messe Electronica China in Shanghai ausstellte, schaltete Innoscience die dortige Messe-Schiedsstelle für geistiges Eigentum ein. Infineon musste die betroffenen Produkte von seinem Stand entfernen.
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Bereits seit Monaten tobt die Speicherkrise. Schließlich liefern die Hersteller ihre Speicherzellen lieber an die Betreiber von Rechenzentren für KI-Tools, statt sie für SSDs, RAM etc. bereitzustellen. Wer seine alte Festplatte angesichts der aktuellen Krise an verschiedenen PCs nutzen will, für den bieten sich USB-HDD-Adapter an. Ein beliebtes Modell gibt es bei Amazon im Angebot. Wir überprüfen, wie gut dieses Angebot wirklich ist.
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Sabren EC-DFLT Festplatten-Dockingstation für 2,5''/3,5'' SATA HDD & SSD
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Wer eine interne Festplatte oder SSD flexibel als externes Laufwerk nutzen möchte, muss nicht zwangsläufig zu einer klassischen USB-Festplatte greifen. Eine günstige Alternative ist die Sabrent EC-DFLT. Die SATA-Dockingstation kostet bei Amazon derzeit weniger als 30 Euro und ermöglicht den schnellen Zugriff auf interne 2,5- oder 3,5-Zoll-Laufwerke, wobei es ein werkzeugloser Einbau ist.
Technisch setzt die Sabrent EC-DFLT auf USB 3.0 beziehungsweise USB 3.2 Gen 1 mit bis zu 5 Gbit/s und unterstützt zusätzlich das UASP-Protokoll (USB Attached SCSI Protocol). Dadurch lassen sich – sofern das eingesetzte Laufwerk schnell genug ist – deutlich höhere Transferraten und geringere Latenzen erzielen als bei herkömmlichen USB-Massenspeicherverbindungen. Die theoretische Obergrenze liegt bei rund 625 MByte/s. In der Praxis erzielt etwa Gagadget.de jedoch nur rund 60 MByte/s an Transferraten, womit die Dockingstation auf dem Niveau mancher externer USB-3.0-Festplatten arbeitet. Eine LED informiert jederzeit über Stromversorgung und Zugriffe auf das Laufwerk.
Unterstützt werden 2,5- und 3,5-Zoll-SATA-HDDs sowie SATA-SSDs. Dank Plug and Play und Hot-Swap lassen sich Datenträger ohne Werkzeug und ohne Neustart wechseln. Treiber müssen unter Windows, MacOS oder Linux nicht installiert werden. Im Gegensatz zu einem NAS oder einer Backup-Software übernimmt die Dockingstation allerdings keine automatische Datensicherung.
Eine mögliche Alternative ist die WD Elements Desktop. Laut Testern wie dem FAZ-Kaufkompass kommt diese externe HDD auf gut 140 MByte/s an Transferraten. Dadurch wird deutlich schneller gearbeitet, als bei der Sabrent-HDD-Dock. Mit integrierter, 12 TByte großer WD-HDD kostet die WD Elements Desktop aktuell 299,99 Euro
Quellen: Amazon
Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden
(Bild: Min C. Chiu/Shutterstock.com)
CVSS ad absurdum: Zwei „Low“-Lücken in Apache Tomcat wären dank äußerst eigenwilligem CISA-Vulnrichment beinahe zu heisec-Alert-Kandidaten geworden.
Wer als Admin für das Beseitigen von Sicherheitslücken zuständig ist – oder als Journalist über ebensolche berichten will, um Verantwortlichen die Arbeit zu erleichtern –, ist auf zuverlässige Informationsquellen angewiesen. Die müssen im allerersten Schritt beim Priorisieren helfen: Welche Updates sollten möglichst zeitnah durchgeführt werden, um Gefahren abzuwenden, und welche können warten?
Das Common Vulnerability Scoring System (CVSS [1]) soll als De-facto-Standard diese erste Einschätzung erleichtern: Scores von 1.0 („low“) über „medium“ bis hin zum Maximum von 10.0 („critical“) bewerten den Schweregrad. Das klingt wunderbar einfach – doch in der Praxis klaffen die Einschätzungen je nach Quelle oft weit auseinander.
Ursprünglich sollte der Titel dieses Beitrags in etwa so lauten: „Jetzt aktualisieren: Wichtige Sicherheitsupdates für Tomcat und ActiveMQ verfügbar“.
Die Headline eines typischen heise-security-Alerts also, basierend auf einer Warnmeldung des CERT-Bund [2] mit Verweis auf Einträge in der GitHub Advisory Database. Ein Alert deshalb, weil sich unter den gesammelten Sicherheitshinweisen auch zwei als kritisch gekennzeichnete Sicherheitslücken in Apache Tomcat befanden: CVE-2026-53434 [3] und CVE-2026-55276 [4].
Was auf den ersten Blick eindeutig meldenswert schien, verwirrte auf den zweiten. Denn in den Diskussionsbeiträgen auf der Apache-Mailingliste zu CVE-2026-53434 [5] beziehungsweise CVE-2026-55276 [6] schätzt ein Entwickler aus dem Apache-Team die Bedrohung in beiden Fällen als niedrig („low“) ein.
Die Beschreibungen sind jeweils eher knapp. Deutlich wird: CVE-2026-53434 ist nur unter sehr eng gesteckten Bedingungen ausnutzbar, nämlich wenn Admins den sogenannten FFM-Konnektor in Verbindung mit Zertifikatsperrlisten (Certificate Revocation Lists, CRLs) konfiguriert haben. CVE-2026-55276 wiederum ist ein eher vage beschriebener Autorisierungsbug, zu dem ein separates Red-Hat-Advisory [7] anmerkt: „This is a logging-only issue with no runtime security impact[...].“
Wie kommen nun die in der National Vulnerability Database (NVD) hinterlegten Scores von 9.1 für CVE-2026-55276 [8] beziehungsweise CVE-2026-53434 [9] zustande?
Ein Blick in die NVD-Einträge mit dem Vermerk „CISA-ADP“ offenbart ein Eingreifen der US-Cybersicherheitsbehörde CISA in den Scoring-Prozess. Die hat seit 2024 die Erlaubnis, in ihrer Rolle als Authorized Data Publisher (ADP) Einträge in der CVE-Datenbank eigenmächtig zu vervollständigen. Zwar nur innerhalb eines vordefinierten Daten-Containers, dafür aber ohne Rücksprache mit den CNAs (CVE Numbering Authorities), die die Einträge angelegt haben. Haben diese keinen CVSS-Punktwert hinterlegt, kann die CISA im Rahmen ihres sogenannten Vulnrichment-Prozesses [10] „nachbessern“.
Entwickler haben diese Praxis in der Vergangenheit immer wieder kritisiert. So äußerte etwa Daniel Stenberg, Erfinder und Hauptentwickler des Open Source-Kommandozeilentools cURL, dass der Prozess des CVSS-Scorings schon per se ein hohes Risiko für Fehleinschätzungen berge. Diese Gefahr werde durch eigene Punkteberechnungen autorisierter Instanzen wie der CISA noch verschärft.
Schon die Kritik am CVSS-System selbst reicht von der intransparenten Herleitung von Formeln über die Komplexität im Hinblick auf diverse Zusatzmetriken bis hin zu den Eigeninteressen der jeweils bewertenden Personen, die den Score in eine für sie günstige Richtung von Hype bis Verharmlosung verschieben können.
Wenn dann auch noch eine ADP mit fast zufällig wirkenden Scores dazwischenfunkt, wird aus einer grundsätzlich guten Idee eine reine Zeitverschwendung. Und schlimmstenfalls eine Gefahrenquelle für Admins, die Patches irrtümlich hinten anstellen, weil sie sich zu sehr auf einen Score verlassen haben, statt diesen kritisch zu hinterfragen.
Zurück zu Tomcat und ActiveMQ: Die Updates sollten Sie natürlich trotzdem einspielen. Aber in Ruhe und vielleicht sogar beim Hören des Passwort-Podcasts von heise security, dessen aktuelle Folge sich um Sinn und Unsinn von CVSS und anderen Klassifikationssystemen dreht.
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Deutsche Unternehmen setzen flächendeckend auf Cloud-Dienste – und werden damit anfällig für Ausfälle.
Cloud Computing ist in deutschen Unternehmen praktisch flächendeckend angekommen – und damit auch Risiken bei der Ausfallsicherheit. Fast jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) geht laut dem Cloud-Report 2026 des Digitalverbands Bitkom davon aus, dass ein länger anhaltender Cloud-Ausfall den Geschäftsbetrieb letztlich zum Erliegen bringen würde. 9 Prozent müssten ihre Arbeit nach eigener Einschätzung sofort einstellen.
Im Durchschnitt könnten Cloud-Nutzer noch rund drei Tage ohne die Dienste arbeiten. „Eine funktionsfähige Cloud ist für Unternehmen so wichtig wie stabile Stromversorgung und Zugang zum Internet. Büro-Software, Kommunikation, Datenbanken oder auch KI-Lösungen sind bei einer Cloud-Störung nicht verfügbar, dabei sind sie unverzichtbar für den Geschäftsbetrieb vieler Unternehmen“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst [1].
Er verweist zugleich auf die Vorteile: „Gleichzeitig ist die Nutzung von Cloud-Diensten häufig sicherer und stabiler, als auf eigene Server zu setzen. Wichtig ist deshalb, die Cloud in ein Sicherheitskonzept für das Unternehmen zu integrieren.“
Die Zahlen aus dem Bitkom-Cloudreport untermauern die Bedeutung von Cloud-Computing für deutsche Firmen deutlich: 86 Prozent nutzen demnach bereits Cloud-Dienste. Unternehmen verlagern zunehmend Anwendungen dorthin und setzen verstärkt auf KI-Dienste.
Die zunehmend zentrale Bedeutung der Cloud spiegelt sich auch in den Vorsorgemaßnahmen wider. 28 Prozent der Cloud-Nutzer berichten von gravierenden Cloud-Ausfällen innerhalb der vergangenen zwölf Monate. 82 Prozent verfügen inzwischen über Notfall- und Wiederanlaufpläne. Drei Viertel sichern wichtige Daten zusätzlich außerhalb der Cloud. Zwei Drittel (69 Prozent) überwachen ihre Cloud-Dienste selbst, ebenfalls zwei Drittel (66 Prozent) können bei Bedarf auf lokale Systeme ausweichen.
Dagegen setzen bislang nur 8 Prozent zur Absicherung auf einen zweiten Cloud-Anbieter. Generell arbeiten zwar 38 Prozent der Unternehmen mit Multi-Cloud-Lösungen und 34 Prozent mit Hybrid-Cloud-Ansätzen – doch das primäre Motiv ist dabei selten die Ausfallsicherheit.
Grundlage des Cloud Report 2026 ist eine repräsentative telefonische Befragung von 603 Unternehmen in Deutschland mit mindestens 20 Beschäftigten, die Bitkom Research zwischen Kalenderwoche 14 und 20 des Jahres 2026 durchgeführt hat.
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Mehrere Produkte aus Ubiquitis UniFi-Ökosystem sind von teils kritischen Lücken betroffen. Admins sollten die abgesicherten Versionen zügig einspielen.
Ubiquiti hat Aktualisierungen für eine ganze Reihe von UniFi-Produkte bereitgestellt. Die darin behobenen Sicherheitslücken könnten unter bestimmten Voraussetzungen missbraucht werden, um aus der Ferne Befehle auszuführen, Authentifizierungsmechanismen zu umgehen oder bestehende Zugriffsrechte auszuweiten.
Da von den insgesamt 25 Lücken gleich mehrere als kritisch eingestuft und mit CVSS-Scores von 9.0 bis hin zur Höchstwertung 10.0 bewertet wurden, ist zügiges Handeln notwendig. Ubiquitis aktueller Sicherheitshinweis [1]führt alle verfügbaren Updates auf.
Deren zeitnahes Einspielen ist insbesondere auch vor dem Hintergrund ratsam, dass das – nun abermals von Schwachstellen geplagte – UniFi OS bereits im Juni zum Ziel von Angreifern wurde [2]. Die hatten Lecks im Visier, die vom Hersteller schon Ende Mai abgedichtet, von vielen Admins aber offenbar nicht ausreichend ernst genommen wurden.
Von Schwachstellen von „High“ bis „Critical“ betroffen sind
Die jeweils abgesicherten Versionen wie auch weitere Details sind dem Sicherheitshinweis [3] zu entnehmen.
Die Lücke CVE-2026-50746 [4] mit Höchstscore 10.0 steckt in UniFi Connect. Laut Beschreibung könnte sie Angreifern mit Netzwerkzugriff dank mangelhafter Zugangskontrollmechanismen ermöglichen, schädliche Befehle auf dem Host auszuführen (Command Injection).
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Der Surface Laptop Go verschwindet schon aus dem Handel. Das Go-Tablet soll folgen. Es bleiben nur noch drei Surface-Klassen übrig.
Microsoft stellt offenbar die beiden Baureihen Surface Laptop Go und Surface Go ein. Sie würden sich damit in eine lange Liste von fallengelassenen Geräteserien einreihen: Surface Studio, Surface Laptop Studio, Surface Duo, Surface Hub, Surface Book, Surface Headphones und Surface Earbuds.
Der Surface Laptop Go verschwindet bereits seit einiger Zeit aus dem deutschen Handel. Aus der letzten 3er-Generation ist nur noch eine Variante bei einem einzelnen Händler verfügbar [1]. Aber auch dieses Gerät ist mit Intels Alder-Lake-Prozessor Core i5-1235U technisch veraltet. Das Tablet Surface Go 4 ist zumindest bisher noch bei zahlreichen Händlern verfügbar [2].
Die im Microsoft-Umfeld gut vernetzte Webseite Windows Central [3] hat sich das Aus von eigenen Quellen bestätigen lassen. Einen weiteren Hinweis liefert Microsofts Surface-Webseite [4], die nur noch drei Geräteklassen auflistet: das Topmodell Surface Laptop Ultra, den normalen Surface Laptop und das High-End-Tablet Surface Pro.
Die Go-Geräte sind die günstigsten Notebooks und Tablets von Microsoft. Das Surface Go soll insbesondere im Unternehmenseinsatz beliebt gewesen sein. Ausschlaggebend für das Aus könnten die hohen Speicherpreise für RAM und NAND-Flash sein. Im Surface Laptop Go 3 befanden sich bis zu 16 GByte LPDDR5-RAM und eine 256-GByte-SSD. Das Surface Go 4 hat 8 GByte LPDDR5 und bis zu 256 GByte Universal Flash Storage (UFS).
Der Surface Laptop Go lebt derweil gewissermaßen als 13-Zoll-Version des normalen Surface Laptops weiter, allerdings mit besserer Ausstattung. Dazu zählen eine höhere Bildschirmauflösung und eine beleuchtete Tastatur. Der Startpreis liegt allerdings bei fast 1000 Euro.
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VW-Bus: Dieses alte Modell dürfte sich wohl eher nicht kontaktlos öffnen lassen.
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Bislang machte VW bei Apples kontaktlosem Zugangssystem fürs Auto nicht mit. Im Backend beim iPhone-Hersteller gibt es Indizien, VW erwähnt es selbst.
Ein iPhone oder eine Apple Watch genügt: Dank der Car-Key-Funktion in der Apple Wallet [1] kann man sein Fahrzeug ohne physischen Schlüssel öffnen und starten und den Zugang sogar an andere Personen weitergeben. Allerdings hält sich die Anzahl der Fahrzeuge, die den digitalen Autoschlüssel in iOS und watchOS unterstützen, bislang noch in Grenzen. In Deutschland sind dies etwa einzelne Modelle von Mercedes und Audi, außerdem Kia, Volvo und Hyundai. Besonders stark auf Car Key setzt ansonsten auch BMW (nahezu alle aktuellen Baureihen) und dessen Tochter Mini. Was bislang noch fehlt, ist die bekannte Wolfsburger Marke Volkswagen. Einem Leak zufolge könnte sich das alsbald ändern, zudem hat Volkswagen selbst in den Infos zur „neuesten ID-Software“ [2] bereits Angaben dazu gemacht.
Wie Macrumors über Anfragen bei Apple-Servern [3] festgestellt hat, bereitet sich der iPhone-Hersteller serverseitig auf Car Key bei VW vor. Der entdeckte Code benennt weder Modelle noch lässt sich daraus ein Zeitplan ablesen. Volkswagen selbst schreibt in einem Erläuterungsdokument zu einem „digitalen Schlüssel für Deinen ID“, dass die neue ID-Software 6 [4] damit ausgerüstet werde. „Mit der optional verfügbaren Vorbereitung für den digitalen Schlüssel kannst du deinen Volkswagen über die Wallet-App deines kompatiblen Smartphones ent- bzw. verriegeln sowie starten“, so VW. Das klappt aber nach Vorbereitung erst dann, wenn ein Softwareupdate ausgerollt ist – und das kann noch dauern.
Apple hatte zuletzt im vergangenen Sommer eine ganze Reihe neuer Modelle zu Car Key hinzugefügt. Dabei handelte es sich um Acura (Luxusmarke von Honda), Cadillac, Chery (China), Chevrolet, GMC, Hongqi (China), Lucid, Porsche, Rivian, Smart, Tata (Indien), Voyah (China) und WEY (China). Umgesetzt ist dies allerdings noch nicht vollständig. Im vergangenen Jahr kamen somit insgesamt 33 Automarken zusammen, die Car Key unterstützen.
Die Implementierungsart unterscheidet sich dabei. Am simpelsten ist die Nutzung von Near Field Communication (NFC, ab dem iPhone XS beziehungsweise SE 2). Technisch möglich soll auch Ultra-Wideband-Nutzung (UWB) [5] werden, was mehr Sicherheit aufgrund genauerer Abstandsmessung verspricht.
Apple ist auch Teil des Standards Digital Key. Hier engagiert sich das Car Connectivity Consortium [6], das ähnlich wie der Matter-Standard im Smart-Home-Bereich versucht, herstellerunabhängige Lösungen zu finden, damit möglichst viele Autos, Handys und Smartwatches mit der Technik arbeiten.
Laut Volkswagen erscheint die ID-Software 6.0 mit neu produzierten Fahrzeugen wie dem ID.Polo und dem ID.7 [7]. Ein Update für ältere Fahrzeuge ist offenbar nicht möglich.
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iPhone-Verpackungen: Bald kommt das Foldable.
(Bild: Sebastian Trepesch / heise medien)
Im September soll Apples größte Formfaktor-Veränderung beim iPhone überhaupt kommen. Intern hat Apple große Hoffnungen – trotz eines angepeilten Megapreises.
Apple scheint von seinen Foldable-Plänen [1] für diesen Herbst überzeugt zu sein. Einem Bericht aus Asien zufolge wurde daher das Produktionsziel für das „iPhone Ultra“ von bislang 7 bis 8 Millionen Einheiten auf 10 Millionen Stück in diesem Jahr erhöht. Im Vergleich zu den „normalen“ Modellen ist das zwar wenig, angesichts des angepeilten Preises von vermutlich 2500 Euro und mehr dennoch optimistisch.
Bislang ist der iPhone-Konzern bekannt dafür, mit „Sondermodellen“ seiner regulären Smartphones, also die Standard- und Pro-Varianten (aktuell: iPhone 17, 17 Pro und 17 Pro Max [2]), weniger Erfolg zu haben. So liefen etwa die mini-Varianten von iPhone 12 und iPhone 13 [3] schlecht, ähnlich wie das iPhone Air [4]. Die Zahlen stammen jeweils allerdings nicht von Apple selbst, sondern von Marktanalysten; der Konzern nennt nur noch Umsatz-, aber keine Stückzahlen, schon gar keine nach Modellreihen getrennte.
Insgesamt soll Apple in diesem Jahr je nach Prognose zwischen 220 und 240 Millionen iPhones produzieren lassen. In der zweiten Jahreshälfte sollen es bei den neuen Modellen zusammen mit dem iPhone Ultra insgesamt 80 Millionen Stück sein, so der Finanznachrichtendienst Nikkei Asia [5]. Neben dem ersten iPhone-Foldable plant Apple noch iPhone 18 Pro und 18 Pro Max [6] ein. iPhone 18 und 18e sowie möglicherweise ein Air 2 [7] sollen hingegen erst im Frühjahr 2027, also entweder Februar oder März, erscheinen
Apple kämpft weiter gegen die hohe Inflation bei RAM- und SSD-Kosten [8]. Diese führten bereits zu einer Tariferhöhung bei Mac, iPad und Zubehör [9], das iPhone könnte im Herbst mit den neuen Modellen dran sein. Während Konkurrenten ihre Produktion teilweise reduzieren, soll davon bei Apple keine Rede sein. Die Verlagerung der Standardmodelle ins Frühjahr könnte helfen, Lieferproblemen entgegenzuwirken. Apple soll „aggressiv“ daran sein, die notwendigen Komponenten zu sichern.
Aufgrund der hohen Stückzahlen ist Cupertino in der Lage, nach wie vor vergleichsweise ordentliche Preise zu sichern. Zuletzt versuchte Apple, mit der US-Regierung über den Ankauf von RAM und SSDs von zwei chinesischen Lieferanten zu verhandeln. Diese sollen auch nur in chinesischen Geräten landen, allerdings stehen die Firmen auf US-Blockadelisten, was Apple Schwierigkeiten bereiten könnte.
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Arbeit mit Reality Composer 3.
(Bild: Apple)
Die Macher hinter dem großangelegten Game „The Machinery“ scheinen bei Apple gelandet zu sein – und helfen nun bei der Arbeit für die Vision Pro.
Interessante Code-Entdeckung: Apples frisch vorgestellter Reality Composer Pro 3, mit dem sich Mixed- und Virtual-Reality-Inhalte für die Vision Pro (sowie iOS- und weitere Apple-Hardware) erstellen lassen, enthält Spuren eines bislang noch unfertigen Spielprojekts. Das berichtet Leak-Experte Nicolás Alvarez. Den Angaben zufolge geht es um das Game-Projekt „The Machinery“, das 2022 abrupt eingestellt worden war. Der Begriff taucht nun vielfach im Apple-Code auf, was dafür spricht, dass Teile des Reality Composer Pro 3 womöglich mit Inhalten von „The Machinery“ angereichert wurden. Die Macher hinter dem Spieleprojekt, eine Firma namens Our Machinery, hatten sich vorher mit der Bitsquid-Spieleengine hervorgetan.
Denkbar wäre, dass Apple für Reality Composer Pro 3 entweder Mitarbeiter von Our Machinery angeworben hatte oder zumindest Teile der Assets der Firma aufgekauft hat. Hinweise auf eine solche Übernahme gibt es öffentlich aber nicht – bis auf einen zentralen Hinweis: Tricia Gray, Mitbegründerin von Our Machinery, arbeitet derzeit bei Apple – und zwar passenderweise im Vision-Pro-Bereich.
Zu „The Machinery“ zählt(e) auch ein besonders Asset-Management-System namens The Truth [1], mit dem sich 3D-Objekte verwalten lassen. Alvarez fand weiterhin heraus [2], dass andere Begriffe und Konzepte aus dem „The Machinery“-Umfeld in Reality Composer Pro 3 auftauchen, darunter wiederverwendbare Prototypen, ein Live-Editor und ein Tracking von Asset-Abhängigkeiten.
Apple hatte den Reality Composer Pro 3 zur WWDC 2026 offiziell vorgestellt. Entwickler können die Anwendung für den Mac bereits als Betaversion herunterladen [3]. Mit der Anwendung kann man auch Charakter animieren und präzise im Raum platzieren. Eine Vorschaufunktion ermöglicht es, den erstellten Content gleich live auf einer Vision Pro zu testen.
Die Anwendung hat eine tiefe Xcode-Integration und nun auch generative KI-Funktionen für die Asset-Erstellung samt visuellem Scripting. Angesprochen werden nicht nur Entwickler, sondern auch Designer und Künstler. Apple verteilt die App kostenlos. Eine Einführung zur Schaffung von Spatial-Workflows [4] mit der App hat Apple auf seiner Entwickler-Website publiziert. Es gibt aber auch noch diverse [5] weitere [6] Videos [7].
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Ukrainische Drohnenangriffe legen Russlands Raffinerien lahm. Während Tankstellen trockenlaufen, vervielfacht sich die Nachfrage nach chinesischen E-Autos.
Russland ist der drittgrößte Ölproduzent der Welt, aber ihm geht das Benzin aus. In Noworossijsk, Heimathafen des größten russischen Ölterminals am Schwarzen Meer, verkaufen Tankstellen derzeit keinen Tropfen Benzin [1] mehr, berichtet Bloomberg.
Und lediglich acht Tankstellen in der 500.000-Einwohner-Stadt wird noch Diesel in begrenztem Umfang angeboten. Das Paradoxe an der Situation ist, dass über genau diesen Hafen im Juni täglich mehr als 980.000 Barrel Rohöl in den Export flossen.
Die Ursache der Krise liegt in ukrainischen Drohnen, die seit Monaten systematisch auf russische Raffinerien zielen. Analysten schätzten zuletzt den Ausfall auf 20 bis 30 Prozent der gesamten Verarbeitungskapazität, acht der zehn größten Raffinerien [2] sollen bereits beschädigt sein.
Weil westliche Sanktionen die Beschaffung von Ersatzteilen für Katalysatoren und Steuerungssysteme blockieren, dauern Reparaturen inzwischen Monate statt Wochen.
Die Folgen spüren Millionen Autofahrer direkt. Auf der Krim, wo die Behörden bereits den Ausnahmezustand ausgerufen haben [3], stiegen die Benzinpreise laut der Statistikbehörde Rosstat innerhalb einer Woche um 30 Prozent . Für Sewastopol ist diese Situation dokumentiert.
Landesweit liegt der Durchschnittspreis bei 72,38 Rubel pro Liter, doch Reuters-Reporter dokumentierten in Engpassregionen Preise von umgerechnet 2,42 US-Dollar [4].
Suchanfragen nach „Wie man Kraftstoff absaugt“ explodierten laut Yandex-Daten von 697 auf über 9.300 binnen eines Monats, heißt es bei Reuters weiter. In der Region Transbaikalien strichen Behörden demnach Buslinien, ein Müllentsorger stellte in vier Bezirken den Betrieb ein.
Für chinesische Autobauer ist die Krise in Russland dagegen ein Konjunkturprogramm. Das Moskauer Autohaus EN Cars, spezialisiert auf chinesische Marken, verkauft laut Reuters mittlerweile zwei bis drei Elektrofahrzeuge pro Tag. Vor wenigen Wochen waren es demnach zwei bis drei pro Monat, wie Gründer Jewgenij Zabelin erklärte [5].
Die Nachfrage sei „um ein Vielfaches gestiegen“, bei günstigen wie bei Premium-Modellen.
Laut der Analyseagentur Autostat dominieren Geely, Dongfeng, GAC und Chery den russischen Markt für Elektrofahrzeuge. In den ersten fünf Monaten des Jahres stiegen die Verkäufe neuer Plug-in-Hybride um 125 Prozent auf rund 24.600 Einheiten. Rein elektrische Neuwagen legten um 19 Prozent auf 4460 Stück zu.
Seit dem Rückzug westlicher Hersteller 2022 haben chinesische Konzerne das Vakuum systematisch gefüllt [6]. So produziert Chery etwa im ehemaligen VW-Werk in Kaluga Tiggo-SUVs, die Premiummarke Exeed wird im früheren Mercedes-Werk bei Moskau gefertigt, und Haval betreibt ein eigenes Werk in Tula.
Trotz des Booms bleiben Elektroautos eine Nische: Nur 4,3 Prozent aller Neuwagen in Russland waren 2025 elektrifiziert. Das dünne Ladenetz und die enormen Entfernungen bremsen den Durchbruch.
Ein Käufer, der bereits einen Hybrid und ein E-Auto besitzt, formulierte es gegenüber Reuters so: „Auf dem Land lade ich zu Hause. In Moskau ist es ein echtes Problem, ordentlich aufzuladen“.
Weniamin Kondratjew, Gouverneur von Krasnodar, empfiehlt Bürgern deshalb Methan-Fahrzeuge als Alternative. Die Nutzung solcher Umrüstungen stieg laut dem nationalen Gasverband bereits um 35 Prozent.
Ob das reicht, um die Krise zu bewältigen, hängt letztlich davon ab, wie lange Drohnen noch auf Raffinerien treffen – und wie schnell Moskau die beschädigte Infrastruktur reparieren kann.
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Russischer Kampfjet vom Typ Su-35
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20 neue Su-35-Kampfjets sind fertig. Weil die eigene Basis Hamadan zerstört ist, muss der Iran nun Lagergebühren an Russland zahlen. Ein Überblick.
Das russische Flugzeugwerk Komsomolsk am Amur hat nach Angaben [1] des Fachportals Military Watch Magazine die Fertigung von 20 Su-35-Mehrzweckkampfjets für den Iran abgeschlossen.
Das iranische Verteidigungsministerium zahlt derzeit für die Lagerung der Maschinen auf russischem Territorium, bis eine Überführung möglich wird. Geleakte russische Regierungsdokumente aus Ende 2025 hatten zuvor bestätigt, dass der Iran insgesamt 48 Su-35-Kampfjets bestellt hat.
Als Heimatstützpunkt für die künftige Flotte ist die Shahid-Nojeh-Basis in Hamadan vorgesehen. Infolge früherer Angriffe sind Landebahnen, Rollwege, Wartungsbereiche und Logistikeinrichtungen jedoch schwer beschädigt.
Iranische Technikerteams arbeiten Berichten zufolge im Dauereinsatz an der Wiederherstellung der Basis. Verzögerungen wirkten sich unmittelbar auf Ausbildungspläne und die künftige Einsatzbereitschaft der Flotte aus, heißt es.
Satellitenaufnahmen aus dem Zeitraum Ende 2025 bis Anfang 2026 sollen belegen, dass in Hamadan bereits vor den Angriffen befestigte Flugzeugunterstände mit Abmessungen von rund 25 mal 30 Metern errichtet worden waren.
Die Su-35-Lieferung ist Teil eines umfassenderen Rüstungspakets. Jak-130-Schulflugzeuge, die bereits seit September 2023 nach Iran geliefert werden, sollen iranischen Piloten den Umstieg auf den leistungsstärkeren Kampfjet erleichtern. Ergänzt wird das Paket durch Flugsimulatoren sowie Ausbildungs- und Wartungsunterstützung.
Zudem bestätigten russische Quellen am 4. Juni, dass der Iran zwölf Su-30SM2-Kampfflugzeuge geordert hat, die ab Mitte 2027 gebraucht aus aktiven russischen Einheiten geliefert werden sollen.
Darüber hinaus gibt es laut Military Watch Magazine mehrere Hinweise auf Bestellungen des noch moderneren Su-57-Tarnkappenjägers der fünften Generation, wobei Lieferungen aufgrund eines erheblichen Auftragsrückstands frühestens gegen 2030 erwartet werden.
Geleakte Vertragsunterlagen sollen zudem detaillierte Angaben zur geplanten Bewaffnung der Su-35SE-Flotte enthalten. Demnach plane der Iran den Erwerb von R-77-Lenkwaffen für den Fernluftkampf, R-73-Kurzstreckenraketen, Ch-38-Präzisionslenkwaffen für Bodenangriffe sowie Ch-31-Anti-Radar-Flugkörpern – Waffen, die es dem Iran ermöglichen würden, gegnerische Flugabwehrsysteme aktiv zu bekämpfen. Lieferung sei bis 2027 geplant.
Die iranische Luftwaffe besteht bislang überwiegend aus veralteten amerikanischen und sowjetischen Mustern aus der Zeit des Kalten Krieges. Die Su-35 verfügt unter anderem über das Irbis-E-Radar, das Ziele angeblich in bis zu 400 Kilometern Entfernung erfassen kann, sowie über fortschrittliche Systeme zur elektronischen Kriegsführung.
Nachdem in Folge der Angriffe durch USA und Israel große Teile der iranischen Luftverteidigung und Luftflotte zerstört wurden, steht Teheran vor der Aufgabe, erhebliche Kapazitätsverluste auszugleichen.
Dass die iranische Luftwaffe trotz veralteter Technik operativ handlungsfähig geblieben ist, zeigte sich zuletzt in mehreren Vorfällen: Im April soll ein iranischer F-5E-Kampfjet dritter Generation einen Bombenangriff auf Camp Buehring in Kuwait durchgeführt und dabei mehrere US-amerikanische und kuwaitische Luftabwehrschichten überwunden haben.
Im Mai soll ein F-4E-Phantom zudem einen Penetrationsangriff über Saudi-Arabien geflogen sein, bei dem es nach Berichten zu einem Gefecht mit mindestens einem US-amerikanischen F-16CJ kam – ohne dass der iranische Jet abgeschossen wurde.
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Forscher am Weizmann-Institut identifizieren mit MTCH2 einen zellulären Schalter, der die Fettverbrennung ankurbelt und die Bildung neuer Fettzellen blockiert.
Es ist wohl ein einziges Protein in den Mitochondrien, das bestimmt, ob unser Körper Fett einlagert oder als Energiequelle nutzt. Forscher am israelischen Weizmann Institute of Science haben das Protein MTCH2 – intern "Mitch" getauft – als zentralen Regler des Fettstoffwechsels in menschlichen Zellen identifiziert.
Das Team um Professor Atan Gross zeigte [1] in einer im EMBO Journal veröffentlichten Studie zeigt, dass Fett und Kohlenhydrate stärker verbrannt werden, wenn Mitch deaktiviert wird. Gleichzeitig wird auch die Bildung neuer Fettzellen gehemmt.
Diese Entdeckung könnte auf lange Sicht ein Problem lösen, das oftmals mit Abnehmmedikamenten wie Wegowy einhergeht: der unerwünschte Verlust von Muskelmasse.
Der Befund baut auf früheren Tierversuchen auf, die bereits für Aufsehen sorgten. Mäuse, denen Mitch im Muskelgewebe fehlte, blieben selbst unter kalorienreicher Diät schlank, bildeten mehr sauerstoffzehrende Muskelfasern aus und schnitten in Belastungstests besser ab.
Wie ein einzelnes Protein gleichzeitig vor Fettleibigkeit schützen und die Ausdauer steigern kann, war zunächst ein Rätsel. Die Antwort fanden die Forscher in den Mitochondrien.
Mitochondrien können zu großen, effizienten Netzwerken verschmelzen oder als einzelne, weniger leistungsfähige Einheiten existieren. Wie sich zeigte, steuert Mitch diese Fusion. Fehlt das Protein, zerfällt das mitochondriale Netzwerk. Im Ergebnis wird die Energieproduktion weniger effizient, was die Zellen dazu zwingt, mehr Brennstoff zu verbrauchen.
Postdoktorandin Sabita Chourasia, die die neue Studie leitete, untersuchte mit gentechnischen Verfahren, was in menschlichen Zellen ohne Mitch passiert. Das Team analysierte mehr als 100 am Stoffwechsel beteiligte Substanzen [2] im Abstand weniger Stunden.
Die Zellatmung stieg messbar an, die Zellen verbrannten verstärkt Fette, Kohlenhydrate und Aminosäuren. Während normale Zellen bevorzugt Kohlenhydrate und Proteine als Energiequelle nutzen, griffen Zellen, die einen niedrigen Mitch-Spiegel aufwiesen, deutlich stärker auf Fett zurück.
Noch bemerkenswerter ist: Ohne Mitch konnten sich Stammzellen kaum noch zu reifen Fettzellen entwickeln. Der Grund ist ein Dominoeffekt: Den Zellen fehlt die Energie für die aufwendige Membransynthese, dann werden noch Gene für die Differenzierung unterdrückt, und auch metabolische Bausteine sind knapp.
Mitch entscheide "über das Schicksal von Fett in menschlichen Zellen", fasst Gross gegenüber dem Weizmann-Institut [3] zusammen. Dass Frauen mit Adipositas tendenziell erhöhte MTCH2-Spiegel aufweisen, unterstreicht die klinische Relevanz.
Parallel dazu zeigt eine in Life Sciences publizierte Studie [4], dass regelmäßiges Krafttraining die Produktion von Mitch beeinflussen kann. Es verändert die Promotorregion des MTCH2-Gens epigenetisch so, dass die durch Adipositas ausgelöste Überproduktion des Proteins in der Leber heruntergeregelt wird.
Krafttraining wird damit zu einem natürlichen Hebel, den Fett-Schalter ohne Medikamente umzulegen.
Die Ergebnisse sind bislang auf Zellkultur und Mausmodelle beschränkt. Klinische Studien zu MTCH2-Hemmern existieren nicht, und die Forscher betonen, dass Sicherheit und Organspezifität zunächst geklärt werden müssen.
Dennoch eröffnet der Mechanismus eine interessante Perspektive: Aktuelle GLP-1-basierte Medikamente wie Semaglutid reduzieren zwar Körperfett, bauen aber häufig auch Muskelmasse ab.
Eine gezielte MTCH2-Inhibition könnte theoretisch Fett abbauen, während Muskeln – wie im Mausmodell beobachtet – sogar profitieren.
Wie komplex das Zusammenspiel von Mitochondrien und Fettstoffwechsel ist, zeigen auch aktuelle Arbeiten aus Jena [5], die ein Schlüssellipid für die Verjüngung gealterter Mitochondrien identifizierten.
Und eine Science-Studie zu neu entdeckten Stammzellen [6] liefert Hinweise, warum gerade ab der Lebensmitte aggressiv neue Fettzellen gebildet werden.
An der Mitch-Studie waren neben dem Weizmann-Institut auch die University of Pennsylvania und die University of Texas at San Antonio beteiligt.
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Die freie Embedded-Datenbank LMDB hat Version 1.0 erreicht. Sie setzt auf Memory Mapping und MVCC für schnelle, transaktionssichere Datenhaltung.
Die freie Embedded-Datenbank LMDB (Lightning Memory-Mapped Database) hat Version 1.0 erreicht. Mit dem ersten Major-Release dokumentieren die Entwickler die API und das Verhalten der Bibliothek neu und stellen eine aktualisierte Dokumentation bereit. Für bestehende Anwendungen gibt es einen eigenen Migrationsleitfaden von der 0.9-Serie.
LMDB ist eine in Anwendungen eingebettete Key/Value-Datenbankbibliothek für lokale Datenhaltung. Sie richtet sich an Entwickler, die eine transaktionssichere Datenbank ohne separaten Serverprozess benötigen, etwa für Verzeichnisdienste, Caches oder Metadaten. Anders als klassische Datenbanksysteme lädt LMDB Daten nicht in einen eigenen Puffer-Cache, sondern bildet die komplette Datenbank per Memory Mapping in den virtuellen Adressraum des Prozesses ab. Lesezugriffe erfolgen dadurch direkt auf die gemappten Speicherbereiche, ohne zusätzliche Speicherallokationen oder Kopieroperationen.
Das Grundprinzip von LMDB bleibt auch mit Version 1.0 unverändert. Die Bibliothek verwendet einen B-Baum als Datenstruktur und überlässt das Caching vollständig dem Betriebssystem. Da Datensätze direkt aus dem Speicherabbild gelesen werden, entfallen Zwischenschritte wie malloc() oder memcpy() beim Auslesen von Daten. Das reduziert den Verwaltungsaufwand und kann insbesondere bei leseintensiven Workloads die Leistung steigern. Grundlage dafür ist die Memory-Mapping-Funktion des Betriebssystems, bei der Dateiinhalte transparent in den virtuellen Speicher eingeblendet werden.
Auch das Transaktionsmodell bleibt erhalten. LMDB bietet ACID-Eigenschaften und setzt auf Multi-Version Concurrency Control (MVCC). Neue Daten werden per Copy-on-Write geschrieben, sodass bereits vorhandene Seiten niemals überschrieben werden. Ein Leser sieht dadurch stets einen konsistenten Datenbestand, während Schreibvorgänge parallel vorbereitet werden können. Ein typisches Beispiel ist ein Dienst, der kontinuierlich Konfigurationsdaten ausliest, während ein Verwaltungswerkzeug Änderungen schreibt: Leser arbeiten ohne Sperren weiter und werden durch den Schreibvorgang nicht blockiert.
Das Nebenläufigkeitsmodell von LMDB unterscheidet sich von vielen anderen Datenbanken. Beliebig viele Prozesse oder Threads können gleichzeitig lesen, Schreibtransaktionen werden dagegen vollständig serialisiert. Zu jedem Zeitpunkt darf nur eine Schreibtransaktion aktiv sein. Dadurch schließt das System Deadlocks zwischen konkurrierenden Schreibern aus. Leser blockieren Schreiber nicht, ebenso wenig müssen Leser auf laufende Schreibvorgänge warten.
Die Entwickler verzichten außerdem bewusst auf ein Write-Ahead-Log oder ein Append-only-Protokoll. Statt regelmäßig Logdateien zusammenzuführen oder Datenbanken zu komprimieren, verwaltet LMDB freie Seiten innerhalb der Datenbank selbst und verwendet sie für spätere Schreibvorgänge erneut. Dadurch wächst die Datenbank im Normalbetrieb nicht unbegrenzt an, wie es bei logbasierten Verfahren ohne Wartung passieren kann.
Die Release-Notes auf GitHub [1] sowie die Dokumentation [2] weisen auf einige Einschränkungen hin: Lange laufende Lesetransaktionen können verhindern, dass bereits freigegebene Seiten wiederverwendet werden. Dadurch kann die Datenbankdatei unnötig anwachsen. Entwickler sollten deshalb lang andauernde Transaktionen vermeiden und abgebrochene Prozesse regelmäßig auf verwaiste Reader-Einträge prüfen. Dafür stehen unter anderem die Funktion mdb_reader_check sowie das Werkzeug mdb_stat zur Verfügung.
Nicht empfohlen wird außerdem der Einsatz auf Netzwerkdateisystemen. Da LMDB auf Memory Mapping sowie Dateisperren des Betriebssystems setzt, können dort Synchronisationsprobleme auftreten. Auch das gleichzeitige mehrfache Öffnen derselben Datenbank innerhalb eines Prozesses gilt laut Dokumentation als problematisch.
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Podman 6.0.0 bringt einen modernisierten Netzwerk-Stack, Verbesserungen für Podman Machine und Quadlet sowie mehr Docker-Kompatibilität.
Podman 6.0.0 ist da: Das Open-Source-Projekt packt eine grundlegende Modernisierung des Netzwerk-Stacks an, bringt Verbesserungen für Podman Machine und Quadlet sowie Änderungen an der Konfigurationsverwaltung. Außerdem soll die Software Docker-kompatibler werden, um bestehende Workflows einfacher zu übernehmen. Hinzu kommen allerdings auch Breaking Changes: Die Unterstützung für Intel-Mac-Systeme, Windows 10, cgroups v1 und CNI-Networking wurde eingestellt; BoltDB-Datenbanken werden beim ersten Start automatisch zu SQLite migriert.
Podman ist eine Container-Engine für Linux, macOS und Windows. Anders als Docker benötigt Podman keinen dauerhaft laufenden Daemon. Container lassen sich direkt über Prozesse des Betriebssystems verwalten. Das vereinfacht unter anderem Rootless-Betrieb und die Integration in bestehende Linux-Systeme. Viele Docker-Befehle und Container-Images funktionieren auch mit Podman, was den Umstieg erleichtert.
Die wichtigste technische Änderung betrifft das Netzwerk. Das Projekt ersetzt mehrere ältere Komponenten mit Version 6.0.0 vollständig durch modernere Alternativen. Konkret entfernt Podman in Version 6.0.0 den Support für slirp4netns und iptables vollständig zugunsten von Netavark, Pasta und nftables.
Netavark ist das von Podman entwickelte Netzwerk-Backend für Container. Es übernimmt unter anderem die Konfiguration virtueller Netzwerke und Firewall-Regeln. Nftables [1] ist der Nachfolger von iptables im Linux-Kernel und gilt als flexibler und einfacher zu warten. Pasta (Pack A Subtle Tap Abstraction) verbindet Rootless-Container direkt mit dem Netzwerk des Hosts und soll dabei gegenüber älteren Verfahren Leistungs- und Kompatibilitätsvorteile bieten.
Neu hinzu kommt eine experimentelle Unterstützung für Pesto beim Rootless-Port-Forwarding. Die Funktion soll bei Rootless-Containern in benutzerdefinierten Netzwerken die ursprüngliche Quell-IP-Adresse erhalten. Das ist beispielsweise für Webserver oder Reverse Proxies relevant, die Zugriffe anhand der Client-IP protokollieren oder Zugriffsregeln darauf anwenden.
Auch Podman Machine erhält zahlreiche Erweiterungen. Die Komponente stellt virtuelle Maschinen bereit, in denen Podman auf Plattformen wie macOS oder Windows läuft.
Podman Machine soll den Umgang mit unterschiedlichen Virtualisierungs-Backends vereinfachen. Die podman machine-Befehle können nun virtuelle Maschinen verschiedener Provider verwalten, ohne dass Anwender zuvor den aktiven Provider wechseln müssen. Außerdem führt das Projekt den neuen Befehl podman machine os update ein. Damit lässt sich das Betriebssystem einer Podman-Machine aktualisieren, ohne die virtuelle Umgebung neu aufsetzen zu müssen. Weitere Änderungen kündigen die Entwickler für separate Beiträge an.
Quadlet, das Container über systemd-Unit-Dateien verwaltet, wurde ebenfalls umfassend überarbeitet. Neu sind unter anderem Unterstützung für die REST-API, eine verbesserte Nachverfolgung zugehöriger Dateien sowie erweiterte Funktionen für .volume-Units. Zusätzlich durchsucht Quadlet weitere Verzeichnisse, was die Paketierung und Verteilung erleichtern soll.
Auch die Verwaltung von Konfigurationsdateien wurde überarbeitet. Die Entwickler versprechen insbesondere für Mehrbenutzerumgebungen ein robusteres und besser vorhersehbares Verhalten. Details zu den Änderungen haben sie in einem separaten Blogbeitrag beschrieben.
Schließlich arbeitet das Projekt weiter an der Kompatibilität zu Docker. Dazu aktualisiert Podman seine Unterstützung der Docker-API und passt die Ausgabe verschiedener Befehle an das Verhalten von Docker an. Dadurch sollen Anwendungen und Automatisierungen, die ursprünglich für Docker entwickelt wurden, mit weniger Anpassungen unter Podman funktionieren.
Podman 6.0.0 steht bereits auf GitHub [2] bereit und soll nach Angaben des Projekts [3] in Kürze über die Paketquellen der verschiedenen Linux-Distributionen verfügbar werden.
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MongoDB stellt seine Volltext- und Vektorsuche für selbst verwaltete Installationen bereit, auch in der Community Edition.
MongoDB stellt seine Volltextsuche und Vektorsuche nun allgemein für selbst verwaltete Installationen bereit. Die Funktionen sind sowohl für MongoDB Enterprise Advanced als auch für die Community Edition verfügbar. Entwickler können damit Suchabfragen, semantische Suche und hybride Suchverfahren direkt in ihrer Datenbank nutzen, ohne eine separate Suchplattform mit eigener Datensynchronisation betreiben zu müssen.
MongoDB ist eine dokumentenorientierte NoSQL-Datenbank, die JSON-ähnliche BSON-Dokumente speichert. Sie wird häufig für Anwendungen mit flexiblen Datenmodellen eingesetzt und ist sowohl als Cloud-Dienst MongoDB Atlas als auch für den Eigenbetrieb erhältlich. Bislang standen einige der erweiterten Suchfunktionen vor allem in Atlas zur Verfügung.
Laut der Ankündigung [1] erreichen die Suchfunktionen in selbst verwalteten Umgebungen nun Funktionsparität mit MongoDB Atlas. Unterstützt werden unter anderem die Aggregationsstufen $search, $searchMeta, $vectorSearch, $rankFusion und $scoreFusion. Dadurch lassen sich klassische Volltextsuche und semantische Vektorsuche in einer gemeinsamen Abfrage kombinieren.
Während die Volltextsuche Dokumente anhand von Schlüsselwörtern und sprachabhängigen Merkmalen durchsucht, vergleicht die Vektorsuche numerische Repräsentationen von Inhalten, sogenannte Embeddings. Dadurch lassen sich auch inhaltlich ähnliche Dokumente finden, selbst wenn sie andere Begriffe verwenden. Eine hybride Suche verbindet beide Verfahren und kann so sowohl exakte Treffer als auch semantisch passende Ergebnisse liefern. Solche Ansätze kommen unter anderem in RAG-Systemen (Retrieval-Augmented Generation) zum Einsatz, bei denen Sprachmodelle externe Wissensquellen in ihre Antworten einbeziehen.
MongoDB integriert außerdem eine automatische Erzeugung von Embeddings auf Basis der Modelle von Voyage AI. Entwickler müssen die Vektoren damit nicht mehr selbst außerhalb der Datenbank erzeugen und synchronisieren. Laut MongoDB erfolgt die automatische Embedding-Erstellung derzeit über einen von MongoDB gehosteten Dienst von Voyage AI. Zusätzlich stehen sogenannte Reranker zur Verfügung, die Suchergebnisse nachträglich neu bewerten und in eine relevantere Reihenfolge bringen sollen.
Der Anbieter sieht die Neuerungen vor allem als Baustein für KI-Anwendungen wie Chatbots, Empfehlungssysteme oder KI-Agenten. Statt Daten zwischen Datenbank, Suchmaschine und Vektor-Datenbank zu replizieren, sollen sich Such- und KI-Workloads innerhalb derselben Plattform umsetzen lassen. Die Suchtechnologie basiert dabei auf Apache Lucene.
In der Community Edition stehen Such- und Vektorsuche ab MongoDB 8.2 ohne zusätzliche Lizenzkosten unter der Server Side Public License [2] (SSPL) zur Verfügung. Die Funktionen laufen in einem separaten Prozess namens mongot, der parallel zum eigentlichen Datenbankprozess mongod betrieben wird. MongoDB hat den Quellcode von mongot nach eigenen Angaben ebenfalls unter der SSPL veröffentlicht.
Für Enterprise-Kunden werden die Suchfunktionen als kostenpflichtige Erweiterung von MongoDB Enterprise Advanced angeboten. Für Kubernetes-basierte Installationen erfolgt die Bereitstellung über MongoDB Controllers for Kubernetes (MCK), sodass sich Such- und Vektorsuche in Kubernetes-basierte On-Premises-, Private-Cloud- oder Hybrid-Cloud-Umgebungen integrieren lassen. Nach Angaben des Herstellers richtet sich das Angebot insbesondere an Unternehmen mit regulatorischen Anforderungen oder isolierten Infrastrukturen, die KI-Anwendungen vollständig unter eigener Kontrolle betreiben möchten.
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