FreshRSS

🔒
✇ heise Security

Schwachstellen in Synology MailPlus Server lassen Angreifer passieren

Von Heise — 02. Juli 2026 um 10:29
Eine Frau drückt einen symbolischen Updateknopf.

(Bild: Alfa Photo/Shutterstock.com)

Netzwerkspeicher von Synology mit MailPlus Server sind attackierbar. Ein Sicherheitspatch schafft Abhilfe.

Setzen Angreifer erfolgreich an Sicherheitslücken in Synology MailPlus Server an, können sie unter anderem auf Dateien zugreifen oder über DoS-Attacken Abstürze auslösen. Seitens des Herstellers gibt es derzeit keine Warnungen zu laufenden Attacken.

Verschiedene Gefahren

In einer Warnmeldung listen die Entwickler insgesamt drei Schwachstellen auf [1]. Zwei davon sind als „kritisch“ eingestuft (CVE-2025-15660), eine (CVE-2026-13136) weist den maximalen CVSS Score 10 von 10 auf. In beiden Fällen sind unbefugte Dateizugriffe und DoS-Angriffe möglich.

Die dritte Lücke (CVE-2026-13135) ist mit „mittel“ eingestuft. Hier können Angreifer auf interne, nicht näher beschriebene Services zugreifen.

Die Entwickler versichern, die Sicherheitsprobleme in MailPlus Server 4.0.1-21663 für DSM 7.2.1, 7.2.2 und 7.3 gelöst zu haben.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11351331

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.synology.com/en-us/security/advisory/Synology_SA_26_11
  2. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  3. mailto:des@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise Security

Fehler in „E-Mail-Adresse verbergen“ von Apple weiter ohne Fix

Von Heise — 02. Juli 2026 um 10:23
Apple Mail auf einem iPhone

Apple Mail auf einem iPhone.

(Bild: hilalabdullah / Shutterstock)

„Hide my E-Mail“ oder „E-Mail-Adresse verbergen“ soll eigentlich User vor Spam und Co. schützen. Es gibt aber eine Lücke. Die Entdecker warten weiter auf Apple.

Ein Dienst, der E-Mails verbirgt, sollte E-Mails verbergen – das sollte klar sein. Offenbar gelingt dies Apples „Hide My E-Mail“-Dienst alias „E-Mail-Adresse verbergen“ [1] innerhalb von iCloud+ aber nicht. Es soll eine Sicherheitslücke geben, die ermöglicht, aus der versteckten E-Mail-Adresse wieder die echte zu machen. Das berichtet das investigative IT-Blog 404 Media [2], das sich auf einen detaillierten Bericht von EasyOptOuts [3] stützt. Schlimmer noch: Apple soll seit mindestens einem Jahr über den Fehler informiert sein, hat ihn bislang aber noch nicht behoben. Genauere Details wurden bislang noch nicht veröffentlicht.

Methode soll mit allen Adressen funktionieren

Der Angriff konnte auch in dieser Woche noch durchgeführt werden, berichtet 404 Media [4], das die Möglichkeit mit einer eigenen versteckten E-Mail-Adresse durchexerziert hat. Entdeckt und an Apple gemeldet wurde das Sicherheitsloch vom Privacy-Dienst EasyOptOuts. Dessen Mitgründer Tyler Murphy sagte, er wisse nicht, warum Apple noch nicht tätig geworden ist. Das habe sich komisch angefühlt, weshalb das Unternehmen nach der langen Zeit nicht länger warten wollte und an die Öffentlichkeit ging.

Weder EasyOptOuts noch 404 Media veröffentlichten konkrete Details, wie der Angriff zu replizieren ist. EasyOptOuts hat dies gegenüber Apple aber genau beschrieben. „Hide My Email leakt E-Mail-Adressen, die versteckt sein sollten“, so Murphy. Ist die Originaladresse einmal vorhanden, könnten Angreifer über frei zugängliche Personendatenbanken weitere Informationen ermitteln – davor soll „E-Mail-Adresse verbergen“ eigentlich schützen.

Fix ist kein Fix, weitere Kritik an „E-Mail-Adresse verbergen“

Es ist unklar, ob alle versteckten Adressen angreifbar sind, Murphy zufolge gelang es aber mit 100 Prozent aller getesteten. Apple wurde das Problem im Juni 2025 mitgeteilt. Im März teilte Apple den Entdeckern dann mit, es habe bei einer Systemumstellung einen Fix gegeben. Dem war aber nicht so. Nach einem weiteren Hin und Her hieß es von Apple, man werde sich das Problem ansehen. Bis mindestens Mai lief die Untersuchung weiter. Damals bat Apple EasyOptOuts auch, Stillschweigen zu bewahren. Ende Mai hieß es dann, der Fix komme „in den kommenden Wochen“. Getan habe sich bislang nichts, so Murphy gegenüber 404 Media. Am 30. Juni 2026 behauptete Apple erneut, das Problem sei behoben – EasyOptOuts verifizierte jedoch, dass die Lücke weiterhin offen ist [5]. Apple kommentierte den Bericht nicht.

Zuletzt hatte es Kritik an einer von Apple angepeilten Änderung bei „Meine E-Mail verbergen“ gegeben: Das Unternehmen plant eine einheitliche, leicht zu identifizierende Domain für diese Accounts. Damit ließen sie sich von Diensten und Websites wesentlich leichter wegfiltern beziehungsweise sperren [6], was unschön wäre. Weiterhin wurde bekannt, dass Apple Namen von Besitzern von solchen Accounts auch an Polizeibehörden weitergibt [7]. „E-Mail-Adresse verbergen“ ist Teil des Abodienstes iCloud+ [8], der mit mehr Speicherplatz mindestens 99 Cent im Monat kostet.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11351055

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Apples-E-Mail-Adresse-verbergen-Nuetzlich-aber-leider-kaum-verbessert-11289817.html
  2. https://www.404media.co/apple-hide-my-email-vulnerability-reveals-peoples-real-email-addresses/
  3. https://easyoptouts.com/guides/apple-hide-my-email-is-leaking-email-addresses
  4. https://www.404media.co/apple-hide-my-email-vulnerability-reveals-peoples-real-email-addresses/
  5. https://easyoptouts.com/guides/apple-hide-my-email-is-leaking-email-addresses
  6. https://www.heise.de/news/Mit-Apple-anmelden-und-E-Mail-Adresse-verbergen-bekommen-einheitliche-Domain-11336719.html
  7. https://www.heise.de/news/Apple-gibt-E-Mail-Adresse-verbergen-Nutzer-an-das-FBI-weiter-11227237.html
  8. https://www.apple.com/de/icloud/
  9. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  10. https://www.heise.de/mac-and-i
  11. mailto:bsc@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise Security

Lücken in Adobe ColdFusion und Campaign Classic: Patchdayzyklus verdoppelt

Von Heise — 02. Juli 2026 um 09:43
Achtung-Schild neben Adobe-Logo, vor MAtrix-Regen-Hintergrund

(Bild: heise medien)

Wichtige Sicherheitsupdates schließen kritische Schadcode-Lücken in Adobe ColdFusion und Campaign Classic. Ab sofort sollen Patches häufiger erscheinen.

Adobes Enterprise-Marketing-Automatisierungslösung Campaign Classic und die Web-Anwendungsplattform sind über mehrere „kritische“ Sicherheitslücken mit Höchstwertung angreifbar. Nach erfolgreichen Attacken kann Schadcode Computer vollständig kompromittieren. Admins sollten die verfügbaren Sicherheitsupdates zeitnah installieren. Überdies will der Softwarehersteller ab sofort zweimal pro Monat Sicherheitspatches verteilen.

Sieben Lücken mit maximalem Score

Wie aus einer aktuellen Warnmeldung zu ColdFusion hervorgeht [1], haben die Entwickler insgesamt elf Sicherheitslücken geschlossen. Davon sind alle Plattformen betroffen. Acht der Schwachstellen sind mit dem Bedrohungsgrad „kritisch“ eingestuft. Für sechs Lücken (CVE-2026-48276, CVE-2026-48277, CVE-2026-48281, CVE-2026-48316, CVE-2026-48282, CVE-2026-48283) wurde der maximale CVSS Score 10 von 10 vergeben.

Vom CVSS Score leitet sich der Schweregrad einer Lücke und dementsprechend die Priorisierung von Sicherheitsupdates ab. Demzufolge sollten Admins umgehend handeln, um Systeme vor möglichen Attacken zu schützen. Bislang gibt es keine Berichte, dass Angreifer die Schwachstellen bereits ausnutzen.

Um in diesen Fällen Schadcode auf Systeme zu schieben, können Angreifer präparierte Dateien auf einem nicht näher beschriebenen Weg hochladen. Alternativ gelingt das aufgrund einer unzureichenden Eingabevalidierung. Das lässt darauf schließen, dass bestimmte Eingaben nicht ausreichend überprüft werden und so von Angreifern manipulierte Befehlsketten durchkommen.

Eine weitere Sicherheitslücke mit Höchstwertung (CVE-2026-48286 „kritisch“) bedroht einem Beitrag zufolge [2] Campaign Classic unter Linux und Windows. Auch hier ist die Beschreibung der Schwachstelle wie von Adobe gewohnt knapp. Dort ist lediglich die Rede von einer falschen Autorisierung.

Sicherheitsupdates

Damit Angreifer nicht an den Lücken ansetzen können, müssen Admins Campaign Classic ACC v7: 7.4.3 build 9397 und ColdFusion 2023 Update 21 oder ColdFusion 2025 Update 10 installieren. Alle vorigen Versionen sind den Entwicklern zufolge verwundbar.

Patchday-Veränderung

In einem Beitrag schreibt Adobe [3], dass sie ab sofort zweimal pro Monat Sicherheitsupdates veröffentlichen wollen. Bislang geschah das immer einmal pro Monat am zweiten Dienstag im Monat. Nun gibt es zusätzlich am vierten Dienstag Patches. Als Grund dafür gibt Adobe an, dass Angreifer in Zeiten von KI jüngst bekannt gewordene Schwachstellen bereits nach wenigen Stunden statt Tagen ausnutzen. Demzufolge müssen Updates schneller erscheinen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11351219

Links in diesem Artikel:

  1. https://helpx.adobe.com/security/products/coldfusion/apsb26-68.html
  2. https://helpx.adobe.com/security/products/campaign/apsb26-69.html
  3. https://blog.adobe.com/security/protecting-customers-faster-how-adobe-is-responding-to-ai-accelerated-vulnerability-discovery
  4. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
  5. mailto:des@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ c't-Themen

heise+ | PV-Anlage ohne Einspeisung: Für wen das Konzept aufgeht

Von Heise — 02. Juli 2026 um 11:57

(Bild: Foto: Sophia Zimmermann/ heise medien; Bearbeitung: KI)

Mit dem EEG 2027 könnte die Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen fallen. Nulleinspeisung wirkt als Ausweg – lohnt sich aber nur unter einer Bedingung.

Wer sich ab 2027 eine neue Solaranlage aufs Dach baut, könnte für überschüssigen PV-Strom künftig draufzahlen. Denn nach den aktuellen Plänen der Bundesregierung könnte die feste Einspeisevergütung für kleine Anlagen weitgehend entfallen. Und nicht nur das.

Wer dann Strom ins Netz speisen will, müsste ihn womöglich über einen Dienstleister vermarkten lassen. Verbunden ist das mit fixen Kosten und organisatorischem Aufwand. Für große Solarparks ist die sogenannte Direktvermarktung ihres Stroms längst Alltag. Für kleine Dachanlagen gibt es noch längst kein eingespieltes Massengeschäft.

Genau hier kommt die Nulleinspeisung ins Spiel. Wer vollständig darauf verzichtet, Strom ins Netz zu schicken, muss sich künftig weder mit unsicheren Erlösen noch mit Dienstleistern beschäftigen. Ob die Nulleinspeisung wirklich eine kluge Absicherung ist oder nur bedeutet, dass wertvoller Strom abgeregelt wird, hängt stark vom einzelnen Haushalt ab. Was Sie dazu wissen müssen, klärt dieser Artikel.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11336701

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/ratgeber/PV-Anlage-ohne-Einspeisung-Fuer-wen-das-Konzept-aufgeht-11336701.html
  2. https://www.heise.de/ratgeber/PV-Vorhersage-fuer-Home-Assistant-E-Auto-und-smarte-Geraete-effizient-laden-11281519.html
  3. https://www.heise.de/tests/Im-Test-Nachruest-Stromspeicher-Anker-Solix-Solarbank-AC-Max-11313336.html
  4. https://www.heise.de/hintergrund/Solarstrom-mit-den-Nachbarn-teilen-Was-ab-Juni-2026-moeglich-sein-soll-11229828.html
  5. https://www.heise.de/ratgeber/Was-Sie-bei-der-Erweiterung-einer-PV-Anlage-beachten-muessen-11225673.html
  6. https://www.heise.de/ratgeber/Indach-statt-Aufdach-Photovoltaik-Vor-und-Nachteile-im-Realitaetscheck-11328929.html
  7. https://www.heise.de/ratgeber/Gebaeude-integrierte-PV-im-Realitaetscheck-Was-Solarfassaden-wirklich-leisten-11264052.html

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Mac & i ff.org

Bericht: Neues iPad Pro im Frühjahr – und Verwirrung um MacBook-Pro-Redesign

Von Heise — 02. Juli 2026 um 13:15
iPad Pro M5

iPad Pro M5: Nachfolger im Frühjahr?

(Bild: Apple)

Insider geben Einblick in Apples Hardwarestrategie für das 1. Halbjahr 2027. MacBook-Pro-Interessierte sollten aufmerken, denn Apple hat etwas Besonderes vor.

Fans des iPad Pro müssen sich offenbar noch bis zum kommenden Frühjahr gedulden. Das berichtet der üblicherweise gut informierte Bloomberg-Reporter Mark Gurman. Seinem Bericht zufolge wird der Nachfolger des aktuellen M5-Modells [1], das im Oktober 2025 erschienen ist, erst im Frühjahr 2027 folgen. Angeblich sind derzeit vier Varianten (wohl zwei mit 5G und zwei nur mit WLAN) im Test, jeweils mit 11- und 13-Zoll-Display.

Apple werde vor allem auf interne Verbesserungen setzen und einen schnelleren Prozessor verwenden. Das könnte der für Herbst 2026 erstmals erwartete M6 sein. Apple habe außerdem mit Vapor-Chamber-Kühlung (wie beim iPhone 17 Pro und Pro Max [2]) experimentiert, damit das Tablet bei hoher Last weniger schnell überhitzt und ins Throttling kommt. Am Display dürfte sich nichts ändern. Apple verbaut seit dem iPad Pro M4 erstmals OLED-Screens in größeren Geräten, die es jeweils mit und ohne Nanotexturbeschichtung (für eine geringere Spiegelung) gibt.

Gurman wiederholt in seinem Bericht das Gerücht, dass Apple noch in diesem Jahr ein neues MacBook-Pro-Basismodell mit M6-Chip plant. Das Gerät könnte im Oktober erscheinen, der Codename ist J804. Am Formfaktor ändert sich angeblich nichts. Apple plant angeblich, den M6-Chip im 2-nm-Prozess von TSMC [3] nur als Standardvariante herauszubringen. Erst mit dem M7 soll es wieder Pro-, Max- und Ultra-Varianten geben. Das führt angeblich dazu, dass das neue „MacBook Ultra“ mit OLED und Touch-Bedienung im Herbst mit den älteren M5-Pro- und M5-Max-Chips [4] kommt.

Dünnes M7-MacBook Pro im ersten Halbjahr 2027

Ein weiteres interessantes Gerücht, das Gurman vernommen hat, betrifft die übernächste MacBook-Pro-Generation. Angeblich soll diese recht schnell auf den Markt kommen: bereits im ersten Halbjahr 2027. Interessant daran: Nicht nur der Einbau eines M7-Chips ist geplant, sondern auch ein neuer Look, der sich an besagtem MacBook Ultra orientiert.

Dieses soll dünner als aktuelle MacBooks sein. Die Maschine trage den Codenamen K104 und komme im 14-Zoll-Format, schreibt Gurman. Apple plane einen schnellen Wechsel von der M6- auf die M7-Generation. Letztere soll besonders für KI-Workloads optimiert sein. Ein Problem bleibt die Speicherversorgung. Apple hatte zuletzt teils deutlich die Preise [5] erhöht. Laut Gurman soll das Frühjahr zunehmend wichtiger als Release-Termin für Apple werden – insbesondere, um die Umsätze besser über das Jahr zu verteilen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11351531

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/tests/Flach-und-flott-Das-neue-iPad-Pro-M5-im-Test-10792884.html
  2. https://www.heise.de/tests/iPhone-17-17-Pro-17-Pro-Max-und-Air-im-Test-10663319.html
  3. https://www.heise.de/news/Neue-M-Chips-Was-Apple-bei-M5-M6-und-M7-plant-11345868.html
  4. https://www.heise.de/news/M6-wird-uebersprungen-MacBook-Ultra-mit-aelteren-Chips-11348512.html
  5. https://www.heise.de/news/Speicherkrise-Apple-beginnt-Preise-kraeftig-nach-oben-zu-setzen-11344705.html
  6. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  7. https://www.heise.de/mac-and-i
  8. mailto:bsc@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Mac & i ff.org

China-Gerücht: Apple-Watch-Redesign endlich in der Pipeline

Von Heise — 02. Juli 2026 um 12:24
Doppeltipp auf Apple Watch Series 9

Apple Watch mit Gestenbenutzung.

(Bild: Apple)

Lange änderte Apple an seiner Smartwatch nicht viel, erst die Ultra brachte einen abgewandelten Formfaktor. Angeblich steht nun bald ein größeres Redesign an.

Schon vor Jahren gab es ernst zu nehmende Gerüchte, dass Apple bei seinen Apple-Watch-Standardmodellen [1] ein Redesign plant. Allein: Getan hat sich (fast) nichts. Zwar wurden Displays größer und die Hardware minimal verändert, der grundlegende Look blieb aber erhalten. Das hat auch Vorteile: So kann man jetzt noch Armbänder nutzen, die man 2015 einst für die allererste Apple Watch erworben hat. Einen komplett neuen Formfaktor führte Apple erst 2022 mit der Ultra [2] ein, aber auch hier sind die Armbänder weiter kompatibel. Doch nun ist angeblich endlich „wirklich“ ein neuer Watch-Look vorgesehen. Das behauptet zumindest ein bekannter Leaker aus China, der in der Vergangenheit häufiger richtig lag.

Aktualisierungen immer sehr milde

Laut den Aussagen von Instant Digital auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo [3] soll der Umbau angeblich so weit gehen, dass bestehende Armbänder niciht mehr kompatibel sind, weil der Befestigungsmechanismus sich ändert. Apple plant angeblich, den gewonnenen Platz für einen größeren Akku zu nutzen. Instant Digital hängt sich allerdings an ältere Gerüchte über eine „Apple Watch X“ als Modell zum zehnten Geburtstag dran, die schon 2023 kursierten.

Allein, im vergangenen Jahr tat sich hier nichts – es gab nur eine leicht verbesserte Series 11 sowie eine Ultra 3 und SE 3 [4]. Die Chance für ein größeres Redesign nutzte Apple nicht. Zuvor war die Rede von dünneren Gehäusen, MicroLED-Bildschirmtechnik sowie einem neuen, magnetischen Bandanschlusssystem. Die bisherigen, eher milden Umbauarbeiten leistete Apple stets im Dreijahrestakt. Instant Digital geht davon aus, dass das Redesign nicht in diesem Jahr, sondern erst 2027 erfolgt. Dies würde zu einer „Series 13“ im kommenden Jahr passen.

20. Geburtstag des iPhone

Instant Digital hatte zuvor das Gerücht verbreitet, dass das Redesign nicht vor 2028 kommt. Nun tippt er (oder sie) auf das kommende Jahr. 2027 wird für Apple besonders beim iPhone wichtig: Das Gerät feiert seinen 20. Geburtstag. Angeblich ist dafür ein spezielles neues Modell [5] vorgesehen. Spekulationen zu einem neuen Look bei der Apple Watch erscheinen regelmäßig. 2025 behauptete die DigiTimes, dass dies geplant sei, inklusive neuer Anordnung der Sensoren. Auch neue OLED-Technik gilt als gesetzt.

Doch zunächst wird für diesen Herbst die Series 12 erwartet. Bis auf interne Verbesserungen gibt es hierzu wenige spannende Gerüchte. Apple hat seit Jahren keine neuen Sensoren in die Geräte eingebaut, nutzt stattdessen vorhandene Technik. Zuletzt kam ein Algorithmus hinzu, der Bluthochdruck (ohne Messwerte) [6] prognostizieren kann.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11351501

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/Apple-Watch-Neuer-flacher-Look-und-moegliche-zusaetzliche-Sensoren-6167991.html
  2. https://www.heise.de/tests/Apple-Watch-Ultra-im-Test-Das-kann-die-neue-Extremsport-Uhr-7276719.html
  3. https://www.weibo.com/5143897135/R6w0GFORh
  4. https://www.heise.de/tests/Apple-Watch-Ultra-3-Series-11-und-SE-3-im-Test-Schneller-smarter-Satellit-10666298.html
  5. https://www.heise.de/news/Jubilaeums-iPhone-2-Foldable-Kamera-AirPods-Neues-aus-Apples-Pipeline-11335204.html
  6. https://www.heise.de/tests/Bluthochdruckwarner-in-der-Apple-Watch-So-arbeitet-die-neue-Funktion-11090317.html
  7. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  8. https://www.heise.de/mac-and-i
  9. mailto:bsc@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Mac & i ff.org

Apple Creator Studio: Update für Final Cut Pro, Logic Pro und mehr

Von Heise — 02. Juli 2026 um 11:13
Apple Creator Studio

Apple hat die Pro-Apps in seinem Abo-Bundle „Creator Studio“ aktualisiert.

(Bild: Apple)

Apple aktualisiert seine Abo-Kreativ-Apps mit neuen KI-Funktionen und Workflow-Verbesserungen. Die Neuerungen bleiben exklusiv den Abonnenten vorbehalten.

Mit der Einführung des „Apple [1] Creator Studio“-Abos schuf Apple eine Alternative zum Einmalkauf der Pro-Apps Final Cut Pro, Logic Pro und Co.. Jetzt legt das US-Unternehmen mit einem ersten großen Update für die Abo-Varianten der Kreativ-Apps nach und vergrößert damit die Unterschiede zwischen Abo- und Kaufsoftware [2], weil letztgenannte die Veränderungen zumindest vorerst nicht erhalten. Aus Sicht deutschsprachiger Nutzer gibt es aber bei einer zentralen Neuigkeit Wenn und Aber.

Das ist neu in Final Cut Pro

In der Videobearbeitungs-Software Final Cut Pro hat Apple die im November 2024 eingeführte Funktion zum Generieren von Untertiteln erweitert. Nutzer haben jetzt mehr Gestaltungsmöglichkeiten bei Schrift, Farbe, Animation und Position der Untertitel. Die Transkription erfolgt auf dem Gerät. Allerdings wird auch eineinhalb Jahre nach Erstvorstellung der Funktion weiterhin nur US-Englisch als Sprache unterstützt – und es gibt auch keinen Ausblick darauf, ob und wann Apple diese ändern wird.

Anknüpfend an die magnetischen Masken, die ebenfalls 2024 eingeführt wurden, gibt es jetzt am Mac neu die „Auto-Mask“. Sie soll automatisch Haut, Haare, Himmel, Laub oder Kleidung ohne manuelles Tracking erkennen können und sie ist kombinierbar mit der Funktion „Magnetische Maske“. Mit der Funktion kann zum Beispiel sehr einfach der Hintergrund ausgeschnitten werden. Die Auto-Mask könnte dies beschleunigen.

Neu ist die Möglichkeit, bereits geschnittene Videoclips am Stück zu importieren und wieder in Einzel-Clips zu zerlegen. Diese Bearbeitungs-Erkennung arbeitet mit KI und soll zum Beispiel nützlich sein, um bereits gerenderte Videos für Social-Media-Kurzschnitte oder nachträgliche Anpassungen leichter verwenden zu können.

Kleine Verbesserungen gibt es außerdem noch mit einem überarbeiteten Farbabgleich, für den jetzt ein Referenzbild herangezogen werden kann, und für das Trimmen, das mit Advanced Trimming einzelbildgenau möglich ist. Apple spendiert zudem neue dynamische Titel, anpassbare Hintergründe und Gestaltungsmaterial – Creator-Themen – für verschiedene Seitenverhältnisse.

Update für Final Cut Camera

Die App Final Cut Camera für iPhone und iPad ermöglicht nach dem Update erstmals das Abgreifen des unkomprimierten Bildsignals für externe Monitore und Recorder (Clean HDMI Out). Voraussetzung hierfür ist allerdings ein iPhone 17 Pro. Neu sind ferner eine erweiterte ProRes-Unterstützung und die Möglichkeit, den Digitalzoom abzuschalten, damit nicht versehentlich die Bildauflösung leidet und nur optische Zooms genutzt werden.

Mehr Verknüpfungen zwischen den Apps

Mit dem großen Update des Creator-Bundles verschränkt Apple die verschiedenen Apps noch stärker miteinander. Bilder aus den Office-Apps Keynote, Pages und Numbers können direkt in Pixelmator Pro geöffnet werden. Und auch Final Cut Pro kann einzelne Bildframes direkt an Pixelmator Pro senden. Letztgenannte Bildbearbeitung wird zudem auf den Content-Hub mit kuratierten Premium-Fotos, Grafiken und Formen aufgeschaltet. Pixelmator Pro kann zudem neu Bilder per KI generieren. Hierfür gelten aber die Mindestvoraussetzungen der Apple Intelligence (iPhone 15 Pro oder neuer, iPad mit A17 Pro/M1 oder neuer, bzw. Apple-Silicon-Mac).

Auch bei den übrigen Office-Apps gibt es Detailverbesserungen: Keynote bekommt neue Übergänge, Pages auf iPhone und iPad erhält eine automatische Silbentrennung sowie die Möglichkeit, unsichtbare Zeichen einzublenden. Pages, Numbers und Keynote sind seit dem Start von Creator Studio nur noch in der Abo-Variante im App Store erhältlich [3] – die früheren Gratis-Versionen hat Apple zurückgezogen. In Numbers lassen sich einzelne Tabellenblätter künftig ausblenden oder farblich markieren, was die Navigation in umfangreichen Kalkulationen erleichtern soll. Freeform erhält mit dem noch ausstehenden Update auf iOS/iPadOS/macOS 27 einen Dunkelmodus, Ordner zur Organisation von Boards sowie Zeichenunterstützung am Mac.

Producer-Projekt für Logic Pro

Auch Logic Pro hat Apple überarbeitet. Die Akkord-Erkennung soll nun präziser arbeiten, selbst bei erweiterten Akkorden und Umkehrungen – etwa wenn diese auf einer verzerrten Gitarre oder einem leicht verstimmten Klavier gespielt werden. Neu ist außerdem ein sogenanntes Producer Project, das Einblick in die vollständige Logic-Pro-Session hinter dem Song „Shoulda Never“ von Grammy-Gewinner Khris Riddick-Tynes gibt – inklusive sämtlicher Mehrspuraufnahmen, MIDI-Performances und Gesangsspuren. Für den Sample-Synthesizer Alchemy führt Apple einen granularen Synchronisationsmodus ein, ergänzt um ein passendes Sound-Pack mit Loops und Presets. Der Beat Breaker wiederum bekommt neue Filter- und Pan-Modi sowie eine feinere Steuerung der Zufälligkeit.

Bei Preis und Verfügbarkeit ändert sich nichts: Bestandsabonnenten erhalten das Update kostenlos, Neukunden zahlen weiterhin 12,99 Euro im Monat oder 129 Euro im Jahr, Studierende und Lehrkräfte 2,99 Euro monatlich beziehungsweise 29 Euro jährlich. Ob sich das Abo gegenüber dem Einzelkauf lohnt, hat unser ausführlicher Creator-Studio-Test [4] beleuchtet. Wer einen neuen Mac oder ein passendes iPad kauft, erhält drei Monate kostenlosen Zugang. Die Einzelkaufversionen der Apps [5] – etwa Final Cut Pro für 349,99 Euro oder Logic Pro für 229,99 Euro – bleiben zwar im Mac App Store erhältlich, erhalten einen Teil der hier beschriebenen Neuerungen zumindest vorerst nicht. Wer von allen exklusiven Abo-Funktionen profitieren möchte, kommt am Creator Studio nicht vorbei – bei Final Cut Pro fließen laut Apple aber auch Einmalkauf-Nutzer in die neuen Intelligenzfunktionen ein.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11351441

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/thema/Apple
  2. https://www.heise.de/news/Creator-Studio-Apple-entwirrt-Abo-von-Bezahlkauf-ein-bisschen-11313951.html
  3. https://www.heise.de/news/iWork-Apple-zwingt-zur-Nutzung-der-Creator-Studio-Versionen-11257688.html
  4. https://www.heise.de/tests/Kreativ-Abo-Fuer-wen-sich-das-Apple-Creator-Studio-lohnt-11176231.html
  5. https://www.heise.de/news/Apple-aktualisiert-Pixelmator-Pro-und-weitere-Creator-Studio-Apps-11251324.html
  6. https://www.heise.de/mac-and-i
  7. mailto:mki@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Schweiz: ETH warnt vor Milliarden-Debakel bei neuen AKW

Von Telepolis — 02. Juli 2026 um 12:30
AKW-Kühltürme im Sonnenuntergang

(Bild: jaroslava V/Shutterstock)

Laut einer ETH-Studie rechnen sich neue Reaktoren in der Schweiz nur mit massiven Staatshilfen. Ohne Subventionen droht ein finanzielles Fiasko.

Die Schweiz hat kürzlich das Tor für neue Kernkraftwerke im Land geöffnet – und eine neue Studie der ETH Zürich sowie des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) liefert jetzt die Rechnung.

19 Energieexperten haben in vier verschiedenen Modellen durchgespielt, was das Atom-Comeback [1] die Steuerzahler und Stromkunden tatsächlich kosten würde. Und das Ergebnis dürfte Energieminister Albert Rösti nicht schmecken: Ohne staatliche Förderung bleibt die Kernkraft schlicht zu teuer.

Der Hintergrund: Der Nationalrat der Schweiz strich am 18. Juni mit 108 zu 87 Stimmen das Rahmenbewilligungsverbot für neue Reaktoren aus dem Kernenergiegesetz.

Neue Atommeiler könnten also wieder gebaut werden und aus Sicht von Rösti ist das auch dringend geboten. Er warnte vor einer Stromlücke im Winter, die durch neue Rechenzentren, durch eine Million zusätzlicher Einwohner, mehr Elektroautos auf den Straßen und Wärmepumpen an Häusern entstehen könnte.

Bislang stammen etwa 28 Prozent des Schweizer Strommixes aus den vier bestehenden Reaktoren in Beznau, Gösgen und Leibstadt.

ETH-Studie: Nur unter diesen drei Bedingungen zahlen sich neue AKW aus

Die ETH/PSI-Studie zur Kernkraft [2] nennt drei Voraussetzungen, unter denen neue Reaktoren wirtschaftlich sinnvoll wären.

  • Erstens müsste der Bund Kernenergie in sein 45-TWh-Ausbauziel einbeziehen und ähnlich fördern wie Photovoltaik oder Wind.
  • Zweitens müssten die Finanzierungskosten (WACC) von geschätzten 8 auf 5 Prozent sinken, etwa über Kreditgarantien.
  • Drittens dürfen die Baukosten 8.000 Franken pro Kilowatt nicht übersteigen.

Milliarden-Fiasko in Europa: Warum AKW-Projekte wie Flamanville unbezahlbar werden

Bei Kosten von 12.000 Franken pro Kilowatt, was dem Niveau aktueller Projekte in Europa und den USA entspricht, rechnet sich der Neubau in drei von vier Szenarien nicht mehr. Auch Subventionen helfen hier laut Studie nicht weiter.

An AKW-Projekten in anderen europäischen Ländern kann man sehen, wie sich die Kosten entwickeln:

  • Das französische Flamanville 3 etwa verteuerte sich von 3,3 auf 23,7 Milliarden Euro, die Bauzeit verdreifachte sich auf 17 Jahre.
  • Das AKW Hinkley Point C in Großbritannien schlägt mit geschätzten 35 Milliarden Pfund (in Preisen von 2015) zu Buche.
  • Beim Schwesterprojekt Sizewell C legt die britische Regierung 14,2 Milliarden Pfund vor und wälzt die Kosten über das sogenannte Regulated-Asset-Base-Modell bereits während der Bauphase auf die Stromkunden ab, obwohl noch kein Watt fließt.

Und wie Telepolis kürzlich berichtete, warnte die Mitte-Nationalrätin Marie-France Roth Pasquier im Parlament vor den Folgen für die Wasserkraftwerke des Landes. Garantierte Abnahmepreise für Atomstrom, so sagte sie, könnten die Schweizer Wasserkraft verdrängen und den Ausbau der Erneuerbaren bremsen.

Trotz neuer Reaktoren: Warum die Schweiz im Winter weiter Strom importieren muss

Selbst mit neuen Reaktoren würde die Schweiz ihren Winterstrom nicht autark [3] sichern.

Die Studie zeigt: Neue AKW senken die Netto-Importe zwischen Oktober und März um 1 bis 6 Terawattstunden – das sind 3 bis 20 Prozent der heutigen Stromerzeugung im Winter.

Verzichtet die Schweiz dagegen auf die Kernkraft, dann müssten Solaranlagen laut Studie 36 bis 43 TWh Energie einspeisen, um das Netto-Null-Klimaziel im Jahr 2050 zu erreichen und die Stromversorgung zu decken.

ETH-Professor André Bardow ordnete die Ergebnisse in einer PSI-Pressemitteilung [4] nüchtern ein:

"Jedes dieser Modelle basiert auf einer Reihe von Annahmen, die mit Unsicherheiten behaftet sind und die Komplexität des Energiesystems vereinfachen. In Fällen, in denen diese Modelle in dieselbe Richtung weisen, liegen fundierte Erkenntnisse vor, die als Grundlage für gesellschaftliche und politische Diskussionen dienen könnten. Die Entscheidung für oder gegen die Kernenergie ist letztlich eine Frage, die die Gesellschaft zu klären hat."

Ein Referendum wurde am 30. Juni 2026 lanciert; der Urnengang könnte 2027 stattfinden. Bis dahin soll ein Finanzierungsbericht erstmals konkret beziffern, was neue Reaktoren Bund, Kantone und Stromkunden kosten würden.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11351627

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/tp/article/Atom-Comeback-in-der-Schweiz-Nationalrat-ebnet-Weg-fuer-neue-AKW-11338188.html
  2. https://www.research-collection.ethz.ch/entities/publication/591248f9-54d6-4455-b573-9b05b69ca958#xff09;<span class=
  3. https://www.heise.de/tp/article/Schweiz-als-Atomlabor-Zwischen-Altlasten-und-neuen-Reaktortraeumen-11256743.html
  4. https://www.psi.ch/en/news/media-releases/when-new-nuclear-power-plants-are-worth-it-in-switzerland

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Wasserhose über dem Bodensee: Tornado vor Friedrichshafen sorgt für Aufsehen

Von Telepolis — 02. Juli 2026 um 11:15
Wasserhose über dem Bodensee

Die Wasserhose könnte Geschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern erreicht haben, schätzt der Deutsche Wetterdienst

(Bild: Privat)

Spektakulärer Wirbel über dem Bodensee: Eine riesige Wasserhose sorgte am Mittwoch für Aufsehen. Doch was wäre passiert, hätte sie Land erreicht?

Ein ungewöhnliches Naturschauspiel hat sich am Mittwoch am Bodensee ereignet: Eine gigantische Wasserhose zog über Deutschlands größtes Binnengewässer, weithin sichtbar bis ins Hinterland.

Die Wasserhose, ein tornadoähnlicher Luftwirbel über einer Wasserfläche, bildete sich um 13 Uhr vor Friedrichshafen. Rund 15 bis 30 Minuten war das Phänomen vom Ufer aus gut zu sehen, wie die Schwäbische Zeitung berichtet [1].

Zahlreiche Schaulustige verließen Restaurants und Geschäfte an der Uferpromenade, um den Wirbel zu beobachten. Das sei schon "sehr spektakulär gewesen", zitiert [2] der SWR eine Zuschauerin. Eine Leserin der Schwäbischen Zeitung schrieb der Redaktion, es sei "wirklich beängstigend" gewesen, wie sich der Tornado vom Schweizer Ufer über den See auf sie zu bewegt habe.

Keine Verletzten, keine Notrufe

Schiffe gerieten während des Ereignisses nicht in Not. Die Wasserschutzpolizei teilte mit, ihr seien keine Notfälle gemeldet worden. Auch der Katamaran "Constanze", der zwischen Konstanz und Friedrichshafen pendelt, war laut Schiffsführer Johannes Bökle nicht betroffen.

"Wir waren erst verwundert und haben auch gleich Fotos von dem Tornado gemacht", sagte Bökle dem SWR. Er habe schon viele Tornados gesehen, aber nicht in dieser Nähe und nicht in dieser Größe.

Auslöser war Gewitterzelle

Auslöser war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) eine Gewitterzelle, die sich am Abend desselben Tages bereits wieder aufgelöst hatte. "In der Atmosphäre haben wir in den untersten Niveaus Rotation, und diese Rotation hat jetzt im Zusammenhang mit der Gewitterzelle, wo es dann eben auch Aufwinde gibt, dafür gesorgt, dass wir die Bildung von einem Tornado hatten", erklärte DWD-Meteorologe Kai-Uwe Nerding.

Höhere Wassertemperaturen in Verbindung mit kalter Luft begünstigen die Entstehung solcher Wirbel, da dadurch Instabilität in der Atmosphäre entsteht.

DWD-Experte Nerding schätzte die Windgeschwindigkeit des Tornados auf 100 bis 150 Kilometer pro Stunde. In Extremfällen können Wasserhosen bis zu 300 Kilometer pro Stunde erreichen und einen Durchmesser von bis zu 300 Metern haben. Marcus Beyer vom DWD erklärte gegenüber dem SWR, dass die Möglichkeit, dass ein solcher Tornado auch Land erreicht, grundsätzlich gegeben sei – im vorliegenden Fall sei das jedoch nicht geschehen.

Hätte der Wirbel Land erreicht, hätte er laut Experten vermutlich rasch an Kraft verloren, da er seine Energie aus der Verdunstung des Sees bezieht. "Es ist ein sehr fragiles Gebilde", so ein Wetterexperte gegenüber dem SWR.

Seltenes, aber nicht einmaliges Phänomen

Statistisch gesehen treten Wasserhosen am Bodensee laut DWD vor allem im September auf, zwei- bis dreimal pro Jahr. Dass das Phänomen nun im Juli zu beobachten war, ist ungewöhnlich, aber nicht ausgeschlossen.

"Wenn die entsprechenden Zutaten gegeben sind, ist es auch möglich, dass wir Wasserhosen im Juli beobachten können", sagte DWD-Meteorologe Beyer. Erst rund drei Wochen zuvor war bereits eine Wasserhose über den Bodensee gezogen – damals bei Lindau.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11351487

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.schwaebische.de/regional/bodensee/friedrichshafen/wirklich-beaengstigend-riesige-windhose-fegt-ueber-den-bodensee-4687116
  2. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/friedrichshafen/wasserhose-tornado-wetter-ereignis-100.html

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

"Supergirl": Warum Hollywood lieber Hunde als Planeten rettet

Von Telepolis — 02. Juli 2026 um 10:30
Ausschnitt aus dem Filmplakat, Porträt Supergirl

Plakat Supergirl. Bild: Filmstarts.de

Milly Alcock bricht als Grunge-Rebellin Kara Zor-El mit dem Superman-Erbe. Ein radikaler Blick auf eine Popkultur, die den Glauben ans Morgen verlor.

"Er sieht das Gute in allen. Ich sehe die Wahrheit." Mit diesem einen Satz beschreibt Supergirl den entscheidenden Unterschied zwischen sich und ihrem berühmten Cousin Superman. Es ist ein bemerkenswerter Satz, weil er nicht nur zwei Figuren gegeneinander profiliert, sondern zwei Weltbilder.

Superman glaubt an das moralische Potenzial der Menschen; Kara glaubt zunächst einmal an ihre Fähigkeit, sich gegenseitig zu enttäuschen. Wo Clark Kent Hoffnung verkörpert, trägt sie den Schmerz des Verlustes mit sich herum. Sie ist keine Erlöserfigur, sondern eine Überlebende.

Grunge in der Galaxis

Diese Kara Zor-El hat keinerlei Interesse daran, die Heldin zu sein, als die das Publikum sie erwartet. Sie ist Anfang zwanzig, trinkt in schäbigen Bars am Rand der Galaxis, hört Grunge und Alternative Rock, wirkt wie eine aus der Zeit gefallene Neunzigerjahre-Rebellin und begegnet jedem Pathos mit demonstrativer Gleichgültigkeit.

Sie verweigert sich der Rolle, die ihr von Geburt an zugeschrieben wurde, weil sie nie darum gebeten hat. Wut und Trauer bestimmen ihren Blick auf die Welt weit mehr als Idealismus oder Pflichtgefühl.

Gerade darin unterscheidet sich dieser Film von den klassischen Erzählungen des Superheldengenres. Kara kämpft nicht, weil sie die Menschheit retten möchte. Sie kämpft, weil sie muss. Und vor allem kämpft sie bis zuletzt für etwas denkbar Persönliches: für ihren kleinen, struppigen Hund Krypto. Dass das Schicksal eines Tieres emotional bedeutsamer erscheint als das abstrakte Wohl ganzer Planeten, ist symptomatisch für diesen Film.

Er interessiert sich weniger für globale Erlösung als für individuelle Bindungen. Die Weltrettung ist Kulisse; der eigentliche Einsatz ist die Rettung eines letzten Stücks emotionaler Heimat.

Hollywood hat jahrzehntelang die Welt gerettet. Heute rettet es Hunde

Dass ausgerechnet ein ziemlich uninteressanter Hund zum Zentrum eines Blockbusters mit zweistelligem Millionenbudget wird, sagt vermutlich mehr über den Zustand der westlichen Kultur, als ein ganzer Stapel soziologischer Diagnosen. Hollywood hat jahrzehntelang die Welt gerettet. Heute rettet es Hunde.

Das ist nicht nur ein Symptom für die Infantilisierung der Popkultur. Es handelt sich auch um die stille Verschiebung ihres moralischen Maßstabs.

Der Superheld war immer die größte denkbare Figur. Er rettete Städte, Nationen, Planeten, schließlich ganze Universen. Mit jeder Fortsetzung wurden die Explosionen größer und die Fallhöhe gewaltiger. Irgendwann standen nicht mehr New York oder Metropolis auf dem Spiel, sondern Raum und Zeit selbst. Das Problem solcher Eskalation besteht allerdings darin, dass Größe irgendwann in Bedeutungslosigkeit umschlägt. Wenn ständig das Universum untergeht, verliert der Untergang seine Dramatik.

Die Apokalypse ist inflationär geworden.

Die Apokalypse ist inflationär geworden

Man könnte dazu auch Mark Fishers Begriff der "Hauntology" bemühen, jenen Zustand einer Kultur, die nicht mehr Neues hervorbringt, sondern nur noch von den Geistern ihrer eigenen Möglichkeiten heimgesucht wird.

Aber der Film braucht diesen Begriff eigentlich gar nicht. Er zeigt ihn einfach. Er zeigt eine Zukunft, die ihre Vorstellungskraft verloren hat. Die Zukunft sieht aus wie eine Playlist aus den Neunzigern.

Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der Gegenwart, dass sie sich Zukunft kaum noch vorstellen kann. Das Kino der fünfziger und sechziger Jahre war voller technischer Utopien. Selbst seine Dystopien glaubten noch an das Morgen. Heute dagegen sieht Zukunft fast immer aus wie eine recycelte Vergangenheit. Rostige Raumhäfen, Punkästhetik, Analogtechnik, Grunge, Neon, Lederjacken. Selbst das Weltall scheint inzwischen Second Hand zu sein.

Natürlich ist "Supergirl" zugleich ein ausgesprochen zeitgenössischer Film. Er ist feministisch – allerdings auf eine Weise, die heute fast schon selbstverständlich wirkt. Bemerkenswert ist weniger, was erzählt wird, als das, was bewusst fehlt. Kara besitzt kein romantisches "Love Interest", Sexualität spielt praktisch keine Rolle.

Stattdessen bilden Krypto und eine ebenso vorlaute wie von Rachefantasien getriebene jugendliche Begleiterin ihr emotionales Zentrum. Die Beziehung zwischen beiden entwickelt sich allmählich zu einer Art Mutter-Tochter-Verhältnis.

Auch moralisch folgt der Film den kulturellen Codierungen der Gegenwart. Die meisten positiven Figuren sind Frauen, die meisten Antagonisten Männer. Die größte denkbare Bedrohung ist hier kein größenwahnsinniger Weltenzerstörer, sondern ein galaktischer Mädchenhändlerring. Das ist eine bemerkenswerte Verschiebung der Perspektive: Die Rettung einzelner Menschen erscheint bedeutender als die Rettung einer ganzen Zivilisation.

Space Opera mit Endzeitästhetik

Doch wer versucht, "Supergirl" ausschließlich über seine Handlung zu beschreiben, verfehlt vermutlich seinen eigentlichen Reiz. Die Geschichte selbst ist beinahe nebensächlich. Viel wichtiger sind Atmosphäre, Rhythmus und die Vielzahl filmischer Anspielungen. Der Film lebt von seiner Textur. Er zitiert und spielt mit Versatzstücken der Popkultur, ohne sich dabei allzu ernst zu nehmen.

Unübersehbar sind die Reminiszenzen an "Tank Girl", dessen anarchischer Riot-Grrrl-Geist hier in modernisierter Form wiederkehrt. Kara besitzt dieselbe Mischung aus Trotz, Selbstironie und kontrollierter Verwahrlosung. Zugleich bewegt sich der Film visuell irgendwo zwischen "Star Wars" und "Mad Max".

Die schmutzigen Raumhäfen, improvisierten Raumschiffe und staubigen Außenwelten verbinden Space Opera mit Endzeitästhetik. Alles wirkt gebraucht, verbeult und bewohnt. Hochglanz interessiert diesen Film kaum; seine Zukunft besitzt Patina.

Gerade diese ästhetische Mischung verleiht dem Film einen eigentümlichen Charme. Er wirkt wie ein Blockbuster, der sich gelegentlich als Independentfilm verkleidet. Zwischen den spektakulären Actionsequenzen finden sich immer wieder Momente erstaunlicher Intimität: ein schweigender Blick, ein kurzer Dialog oder eine beiläufige Erinnerung erzählen manchmal mehr über Kara als die nächste Explosion.

Verschenkte Stärken

Leider gönnt sich der Film für solche Augenblicke viel zu wenig Zeit. Sein größtes Problem ist weniger die Handlung als das Erzähltempo. Kaum beginnt eine Szene ihre Wirkung zu entfalten, treibt der Film bereits weiter zur nächsten Station.

Ein Kampf in einer Raumstation, eine Schlägerei in einer Bar oder eine Verfolgungsjagd durch ein Asteroidenfeld sind sorgfältig inszeniert und visuell durchaus beeindruckend. Doch die Dramaturgie scheint ständig in Sorge zu sein, das Publikum könnte sich langweilen. Milly Alcock trägt ihre Rolle mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit. Ihre Kara ist verletzlich, sarkastisch, impulsiv und zugleich von einer tiefen Melancholie durchzogen.

Alcock gelingt das Kunststück, eine Figur glaubwürdig erscheinen zu lassen, die über nahezu unbegrenzte physische Kräfte verfügt und sich dennoch emotional vollkommen orientierungslos fühlt.

Wissen um eine ausgelöschte Welt

Besonders eindrucksvoll sind die Rückblenden auf Krypton. Während Superman seine Heimat nie wirklich kannte, erinnert sich Kara an alles. Sie erinnert sich an ihre Familie, an Straßen, Stimmen und Gerüche. Sie erlebt das langsame Sterben ihrer Mutter, hört die letzten Lektionen ihres Vaters über Verantwortung und Macht und trägt das Wissen um eine vollständig ausgelöschte Welt in sich.

Für Clark Kent bleibt Krypton eine abstrakte Herkunft. Für Kara ist es Kindheit. Diese Differenz verändert die gesamte Figur.

So entsteht tatsächlich eine ungewöhnliche Variante der Superheldenerzählung. Während Superman traditionell für Optimismus, Verantwortung und moralische Gewissheit steht, kreist "Supergirl" um Verlust, Wut und die mühsame Frage, wie ein Mensch nach einer Katastrophe überhaupt weiterlebt. Kara besitzt alle Kräfte der Welt und dennoch keine Antwort darauf, wie man Abschied nimmt.

Kleinste, Geschichten, größte Gefühle

Vielleicht erklärt gerade das auch ihre eigentümliche Faszination. Sie wirkt mächtig, aber niemals unverwundbar. Sie kann fliegen, kämpfen und selbst brutalste Situationen überstehen. Emotional jedoch erscheint sie wie jemand, der erst noch lernen muss, erwachsen zu werden.

Hinter jeder sarkastischen Bemerkung verbirgt sich Unsicherheit, hinter jeder Trotzreaktion die Angst vor neuer Bindung.

"Supergirl" ist deshalb kein großer Film im klassischen Sinn. Er ist weder besonders tiefgründig noch dramaturgisch makellos. Seine Figuren bleiben gelegentlich Skizzen, sein Tempo ist oft zu hoch, seine Handlung eher Vorwand als Erzählung. Aber er besitzt Stil, Witz und eine ungewöhnliche Hauptfigur, deren Verletzlichkeit interessanter ist als ihre Superkräfte.

Vor allem aber erinnert er daran, dass selbst im Zeitalter kosmischer Blockbuster manchmal die kleinsten Geschichten die größten Gefühle auslösen können. Er unterhält glänzend – mehr sollte man von ihm allerdings auch nicht verlangen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11351259

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise developer neueste Meldungen ff.org

software-architektur.tv: Johannes Link und der Anti-GenAI-Aktivismus

Von Heise — 02. Juli 2026 um 12:03
Logo software-architektur.tv: Johannes Link zu Anti-GenAI-Aktivismus

(Bild: software-architektur.tv)

In dieser Episode spricht Eberhard Wolff mit Johannes Link über dessen ethische Beweggründe, KI-Coding-Bots von einem Open-Source-Projekt auszusperren.

Johannes Link, Maintainer der Java-Test-Bibliothek jqwik, hat sich intensiv mit der ethischen Seite von GenAI auseinandergesetzt. Daher hat er im Projekt jqwik, das auf Property-basiertes Testing ausgelegt ist, Vorkehrungen gegen die Nutzung mit GenAI getroffen.

Eine einzelne Zeile Code hat daraufhin eine Debatte über die Grenzen zwischen Protest, Prompt Injection und Lieferketten-Vertrauen im Open-Source-Umfeld ausgelöst. Johannes Link hat in einem ausführlichen Blogeintrag [1] dargelegt, warum er eine bewusst provokante Botschaft an KI-Coding-Agenten in sein Projekt einbaute – und warum er die Aktion als ethisch motivierte Selbstverteidigung versteht und nicht als PR-Gag.

In dieser Episode spricht Eberhard Wolff mit Johannes Link über den Aufschrei in Teilen der Community, der ihm öffentlichen Gegenwind, aber auch Unterstützung eingebracht hat. Link legt seine ethische Motivation dar und was er aus dem ganzen Vorfall gelernt hat.

Livestream am 3. Juli

Die Ausstrahlung findet am Freitag, 3. Juli 2026, live ab 13:00 Uhr statt. Die Folge steht im Anschluss als Aufzeichnung bereit. Während des Livestreams können Interessierte Fragen via Twitch-Chat, YouTube-Chat oder anonym über das Formular auf der Videocast-Seite [3] einbringen.

software-architektur.tv ist ein Videocast von Eberhard Wolff, iX-Blogger und bekannter Softwarearchitekt [4], der als Head of Architecture bei SWAGLab arbeitet. Zum Team gehören außerdem Lisa Maria Schäfer [5] (Socreatory) und Ralf D. Müller [6] (DB Systel). Seit Juni 2020 sind über 250 Folgen entstanden, die unterschiedliche Bereiche der Softwarearchitektur beleuchten – mal mit Gästen, mal solo mit Wolff, Schäfer oder Müller. Seit mittlerweile mehr als zwei Jahren berichtet iX (heise Developer) über die Episoden.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11347757

Links in diesem Artikel:

  1. https://blog.johanneslink.net/2026/06/09/the-jqwik-anti-ai-affair/
  2. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  3. https://software-architektur.tv/
  4. https://www.heise.de/developer/Continuous-Architecture-2687847.html
  5. https://www.socreatory.com/de/trainers/lisa-moritz
  6. https://techstories.dbsystel.de/blog/profiles/Ralf-D.-Mueller.html
  7. mailto:map@ix.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

Nur noch bilanziell: EU kippt ambitionierte Ökostromziele für Rechenzentren

Von Johannes Hiltscher — 02. Juli 2026 um 13:50
Eine neue EU-Regulierung sah hohe Auflagen für den Ökostrombezug von Rechenzentren vor. Nach Lobbyintervention sind die wohl nun vom Tisch.
Netzwerkkabel in einem AWS-Rechenzentrum (Bild: Amazon)
Netzwerkkabel in einem AWS-Rechenzentrum Bild: Amazon

Die EU möchte mehr Rechenzentren, ohne aber gleich die Klimaziele mit aufzugeben, wie es etwa in den USA der Fall ist, wo diese größtenteils von zusätzlichen Gaskraftwerken versorgt werden. Daher werden aktuell neue Effizienzrichtlinien erarbeitet. Diese hätten, wie das Handelsblatt vor wenigen Wochen berichtete, sehr streng ausfallen können. Das rief allerdings Verbände und Betreiber auf den Plan. In einem der Financial Times (FT) vorliegenden Entwurf sind die strengen Vorgaben nun verschwunden.

Die Energy Efficiency Directive sieht demnach unter anderem ein Effizienzlabel für Rechenzentren vor, wie es auch etwa von Kühlschränken und Autos bekannt ist. Es weist neben der Power und Water Usage Efficiency (PUE und WUE) den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung aus. Ein Entwurf vom März 2026 setzte hier enge Grenzen, was genau sich die Betreiber der Rechenzentren als Ökostrom anrechnen lassen können.

Denn Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom: Bei sogenannter bilanzieller Betrachtung ist lediglich ausschlaggebend, dass die genutzte Menge Strom aus nicht regenerativen Quellen ausgeglichen wird. Das kann zu anderen Tageszeiten und in anderen Regionen erfolgen. Der Entwurf hingegen forderte (im Anhang III, Punkt 1p), dass der Strom aus weniger als zehn Jahre alten Anlagen stammen und die Erzeugung in einem 15-Minuten-Intervall in der gleichen Stromgebotszone erfolgen müsse.

Echter Ökostrom wäre für Anbieter teurer

Auf den Punkt gebracht bedeutet das: Rechenzentrumsbetreiber hätten sich nur eine echte Ökostromversorgung anrechnen lassen können.

Selbstverständlich sind auch die Betreiber daran interessiert, klimafreundlich dazustehen. Die hohen Auflagen hätten zwar dem Ausbau regenerativer Energien genutzt, wären für die Betreiber aber teurer als bilanzieller Ökostrom. Entsprechend wandten sich laut FT sowohl der Branchenverband European Data Centre Association als auch einzelne Betreiber wie AWS und Microsoft direkt an die EU-Kommission.

Ihr Argument: Die Pläne machen Rechenzentren teurer. Möglicherweise schwang auch die Angst vor strengeren allgemeinen Effizienzauflagen mit. Laut Handelsblatt könnte das Effizienzlabel für Rechenzentren Grundlage neuer Vorgaben werden – und damit die Ökostromregeln. Offenbar war die Industrie mit ihrem Anliegen erfolgreich, denn wie bereits erwähnt, sind die strengeren Regeln aus dem neuen Entwurf laut FT verschwunden. Zudem soll auch Strom aus Kernkraftwerken als Ökostrom angerechnet werden können.

Wie bereits zuvor die Bundesregierung kommt die EU-Kommission den Betreibern entgegen. Höhere Kosten kann aber auch bilanzieller Ökostrom bedeuten: Killian Daly, Leiter des Thinktanks Energytag, den die FT zum Thema befragte, erwartet einen steigenden Bedarf an Strom aus Gaskraftwerken, um die Versorgung der Rechenzentren etwa nachts zu gewährleisten. Und den zahlen dann alle Verbraucher mit.

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

(g+) Doomjobbing: ITler in einer zermürbenden Bewerbungsspirale

Von Oliver Jessner — 02. Juli 2026 um 13:30
Bei Bewerbungen trifft immer häufiger KI auf KI. Warum sich ITler im Doomjobbing kaputt bewerben und wie sie ihre Chancen verbessern, doch gehört zu werden.
Beim Doomjobbing scrollen Bewerber endlos durch Jobbörsen, schreiben Dutzende Bewerbungen und bekommen oft nicht mal Rückmeldung von den Firmen. (Bild: punttim/Pixabay)
Beim Doomjobbing scrollen Bewerber endlos durch Jobbörsen, schreiben Dutzende Bewerbungen und bekommen oft nicht mal Rückmeldung von den Firmen. Bild: punttim/Pixabay

Überall ist vom IT-Fachkräftemangel die Rede, doch viele passende Anzeigen führen in standardisierte Formulare, automatische Absagen oder vollständige Funkstille. Doomjobbing gibt dem Thema einen griffigen Namen. Es beschreibt den Frust, endlos durch Jobbörsen zu scrollen, Stellenanzeigen zu speichern, Bewerbungen zu verschicken und trotzdem das Gefühl zu haben, in einem kaputten System festzustecken.

Viele Bewerberinnen und Bewerber erhalten Ghost Jobs, automatisierte Absagen, KI-gefilterte Prozesse und Stellenanzeigen, deren tatsächliche Relevanz kaum einzuschätzen ist. Andererseits nutzen auch Bewerber KI für Lebensläufe, Anschreiben und Massenbewerbungen. Dadurch entsteht ein Wettlauf: Bewerber automatisieren Bewerbungen, Unternehmen automatisieren Screening, und beide Seiten vertrauen dem Prozess immer weniger. Wir erklären, wie Bewerber besser durchdringen und warum der KI-gegen-KI-Wettlauf auch für stellenausschreibende Firmen schlecht ist.

Golem Plus Artikel

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

Ransomware im Anmarsch: Hacker greifen mit fieser Interpol-Masche an

Von Marc Stöckel — 02. Juli 2026 um 13:15
Angreifer geben sich bei Unternehmen als Personal von Interpol aus und ködern mit angeblichen Beweismitteln. Doch stattdessen gibt es Ransomware.
Vor dieser vermeintlichen Interpol-Mail sollten sich Anwender besser in Acht nehmen. (Bild: pexels.com / Fernando Arcos)
Vor dieser vermeintlichen Interpol-Mail sollten sich Anwender besser in Acht nehmen. Bild: pexels.com / Fernando Arcos

Sicherheitsforscher von Bitdefender haben eine ausgeklügelte Social-Engineering-Kampagne aufgedeckt, bei der die Angreifer versuchen, kleinen Unternehmen mit gefälschten E-Mails von Interpol eine gefährliche Ransomware unterzuschieben. Wie im Blogbeitrag der Forscher zu sehen ist, kommen die Mails scheinbar von Interpols Cybercrime Investigation Unit und setzen Empfänger mit angeblichem Beweismaterial unter Druck.

In der Mail behaupten die Angreifer, "verdächtige Aktivitäten" in Verbindung mit Konten, Systemen und Diensten des jeweiligen Unternehmens festgestellt zu haben. Die Empfänger werden gebeten, diese Vorgänge zu untersuchen, um etwa Risiken bezüglich der eigenen Finanzen, Geschäftstätigkeit oder Reputation zu minimieren.

Danach folgt ein Link zu einem bei Proton Drive gespeicherten Rar-Archiv mit einem angeblichen Video, welches als Beweis dienen soll. Die Datei ist passwortgeschützt, wobei die Angreifer das Passwort in der Mail direkt mitliefern. Doch anstelle des erwarteten Videos enthält das Archiv laut Bitdefender eine ausführbare Datei, die eine Ransomware nachlädt.

Kontaktaufnahme gefordert

Gelangt die Ransomware zur Ausführung, verschlüsselt sie Daten auf erreichbaren Laufwerken und zeigt anschließend eine Nachricht an, die auf den erfolgreichen Angriff hinweist. "Ihr Computer wurde kompromittiert, und ohne den Entschlüsselungsschlüssel können Sie Ihre verschlüsselten Dateien nicht wiederherstellen", heißt es darin.

Die Opfer werden anschließend gebeten, über das Messaging-Protokoll Tox Kontakt mit den Angreifern aufzunehmen, um über eine Lösegeldzahlung zu verhandeln. Ein geforderter Lösegeldbetrag wird vorab nicht genannt. Laut Bitdefender ist es aber heutzutage üblich, dass Ransomwarehacker erst während der Verhandlungen konkrete Beträge nennen, die sich nach der erwarteten Zahlungskraft des Opfers und dem vermuteten Wert der Daten richten.

Angriffe weltweit verteilt

Nach Angaben der Forscher gehört die eingesetzte Ransomware keiner bekannten Ransomware-Familie an und ist relativ einfach gestrickt. Sie soll sogar fest kodierte Passwörter für die Ver- und Entschlüsselung der Daten enthalten. Die Forscher gehen davon aus, dass die Angreifer die Ransomware anhand frei verfügbarer Tools selbst entwickelt haben.

Auf die beschriebene Art attackiert wurden den Angaben zufolge Unternehmen aus verschiedenen Wirtschaftszweigen wie dem Lebensmittelbereich, aus Landwirtschaft, Kanzleien, Pharmaindustrie, Medien, Technologie und Finanzen. Regional gab es offenbar keine Einschränkungen. Die Forscher haben wohl Betroffene in Europa, Asien, dem Nahen Osten und den USA identifiziert.

Im Falle einer bereits erfolgten Ransomware-Infektion empfiehlt Bitdefender unter anderem, infizierte Geräte sofort vom Netzwerk zu trennen und den zuständigen Admin zu informieren, damit dieser den Vorfall eindämmen und das Netzwerk auf weitere verdächtige Aktivitäten untersuchen kann.

Adblock test (Why?)

✇ iMonitor Internetstörungen

Störungsmeldung vom 02.07.2026 09:40

Von heise online — 02. Juli 2026 um 09:40

Neue Störungsmeldung für Provider T-Online

Details

Beginn
02.07.2026 09:40
Region
Wesseling (Rheinl) (02236)
Provider
T-Online
Zugangsart
FTTH

Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden

✇ iMonitor Internetstörungen

Störungsmeldung vom 02.07.2026 08:54

Von heise online — 02. Juli 2026 um 08:54

Neue Störungsmeldung für Provider Telecolumbus

Details

Beginn
02.07.2026 08:54
Region
Berlin (030)
Provider
Telecolumbus
Zugangsart
Kabel

Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden

✇ c't-Themen

heise+ | Bescheinigte Sicherheit: „Attestation“ unter Android

Von Heise — 01. Juli 2026 um 17:27

Wie sichert Googles Attestation Apps, was möchte Unified Attestation besser machen, welche Probleme bleiben und welche Alternativen gibt es? Ein Überblick.

Vom „Attestation“-System auf ihrem Android [1] [1]-Gerät bekommen die meisten Nutzer wenig mit. Es ist Teil des Betriebssystems und arbeitet im Hintergrund. Anders sieht es allerdings für Nutzer von Custom ROMs aus oder für Besitzer eines Huawei-Geräts ohne Play Services: Dort startet etwa die lokale ÖPNV-App nicht mehr oder sie beschwert sich, das Betriebssystem sei unsicher, wenn man ein Ticket kaufen möchte.

Grundsätzlich eine sinnvolle Warnung, schließlich sollte man einem veralteten, potenziell kompromittierten oder aus anderen Gründen unsicheren System eher keine Zahlungsdaten anvertrauen. Allerdings kann die Warnung auch erscheinen, obwohl das System aktuell und sicher ist. Bei solchen Fehleinschätzungen vertut sich in aller Regel aber nicht die betroffene App selbst, denn die verlässt sich meist auch nur auf ein sogenanntes Attestation-API.

Dieses API bewertet die Sicherheit des Betriebssystems und gibt eine Einschätzung an die App zurück. Das API garantiert eine einheitliche Bewertung und bedeutet geringere Komplexität für die App-Entwickler. Jedoch führt dieses Set-up auch dazu, dass jemand anderes – nämlich der Anbieter des Attestation-API – entscheiden kann, wo eine App läuft und wo nicht.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11257090

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/thema/Android
  2. https://www.heise.de/hintergrund/Bescheinigte-Sicherheit-Attestation-unter-Android-11257090.html
  3. https://www.heise.de/ratgeber/Android-Apps-mit-erhoehten-Rechten-ausfuehren-und-Bloatware-kicken-dank-Shizuku-11271079.html
  4. https://www.heise.de/ratgeber/Wie-Sie-Ihr-Android-Handy-mit-einer-alternativen-Find-My-Device-App-wiederfinden-11245118.html
  5. https://www.heise.de/ratgeber/Android-und-Apps-ohne-Custom-ROM-datensparsam-nutzen-11149279.html
  6. https://www.heise.de/ratgeber/Ohne-Google-mit-Cloud-Einsteigerfreundliches-Custom-ROM-e-OS-im-Test-11149287.html
  7. https://www.heise.de/hintergrund/Linux-Apps-auf-Android-So-laeuft-Googles-Linux-Terminal-11108933.html
  8. https://www.heise.de/tests/Nach-Ende-von-Nova-Launcher-Fuenf-alternative-Android-Launcher-im-Vergleich-10640532.html

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Make ff.org

Arduino erweitert Modulino-Serie um drei neue Module

Von Heise — 01. Juli 2026 um 15:57
Drei neue Arduino-Modulino-Boards (Hub, Extender und Motors) neben einem Arduino-Board.

(Bild: Arduino)

Arduino ergänzt die Modulino-Serie um Hub, Extender und Motorsteuerung. Für mehr I2C-Ports, längere Leitungen und einfachere Robotik-Projekte.

Arduino erweitert seine Modulino-Serie um drei neue Bausteine [1]. Neu hinzu kommen der Modulino Hub, der Modulino Extender und das Modulino-Motors-Modul. Statt Schaltungen händisch zu verdrahten, lassen sich diese Modulino-Komponenten über Qwiic-Kabel einbauen.

Der Modulino Hub [2] gibt einem Arduino ordentlich I2C-Ports an die Hand. Zwar lassen sich theoretisch bis zu 127 Geräte an einem Bus betreiben, in der Praxis sorgen jedoch identische I2C-Adressen vieler Sensoren und Aktoren für Schwierigkeiten. Wer schon einmal zwei gleiche Sensoren angeschlossen hat, kennt das Spiel. Der Hub erweitert ein bestehendes System um acht zusätzliche I2C-Kanäle, die jeweils einen eigenen Adressraum besitzen. Dadurch können auch mehrere identische Module parallel betrieben werden, ohne dass der bestehende Programmcode angepasst werden muss. Das Modul ist für 8,84 Euro im Arduino-Shop erhältlich.

Für größere Installationen ist der Modulino Extender [3] gedacht. I2C eignet sich normalerweise nur für kurze Leitungen auf einer Platine oder innerhalb eines Gehäuses. Müssen Sensoren oder Aktoren dagegen über mehrere Meter verteilt werden, stößt das Bussystem schnell an seine Grenzen. Der Extender verstärkt das Signal hardwareseitig und ermöglicht laut Arduino Kabellängen von bis zu 30 Metern bei einer Busgeschwindigkeit von 100 kHz. Zusätzliche Bibliotheken oder Änderungen an der Software sind dafür nicht erforderlich. Für 12,33 Euro kann man dieses Modul im Arduino-Shop kaufen.

Ebenfalls neu ist das Modulino-Motors-Modul [4]. Das Modul übernimmt die Ansteuerung von zwei Gleichstrommotoren oder alternativ eines Schrittmotors. Geschwindigkeit, Drehrichtung und Position lassen sich direkt über das Modul regeln. Gerade bei Robotik-Projekten oder automatisierten Mechanismen kann das den Verkabelungsaufwand reduzieren. Im Arduino-Shop ist dieses Modul für 12,82 Euro bestellbar.

Die neuen Bausteine arbeiten unter anderem mit dem Arduino UNO Q, Nesso N1, UNO R4 WiFi sowie verschiedenen Nano-Boards zusammen und sind auf die Nutzung innerhalb des Arduino-Ökosystems ausgelegt. Für Maker bedeutet das vor allem einen schnelleren Weg vom Prototyp zur funktionierenden Anwendung. Wer häufig Sensoren austauscht, neue Ideen ausprobiert oder Projekte schrittweise erweitert, dürfte von dem modularen Konzept profitieren. Statt jedes Mal die komplette Hardware neu aufzubauen, reicht künftig oft ein weiteres Modul in der Kette. Manchmal ist Plug-and-Play eben doch angenehmer als eine Stunde Fehlersuche mit dem Multimeter.

Wer mehr über die aktuelle Arduino-Generation wissen will, findet alles in unserem Test zum Arduino UNO Q [5].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11350813

Links in diesem Artikel:

  1. https://blog.arduino.cc/2026/06/26/three-new-arduino-modulino-modules-are-here-bigger-ideas-now-come-with-zero-added-stress/
  2. https://store.arduino.cc/products/modulino-hub
  3. https://store.arduino.cc/products/modulino-extender
  4. https://store.arduino.cc/products/modulino-motors
  5. https://www.heise.de/tests/Im-Test-Arduino-UNO-Q-mit-App-Lab-11084275.html
  6. https://www.heise.de/make
  7. mailto:das@heise.de

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Ukraine-Krieg: CSIS schätzt Verluste auf über zwei Millionen Soldaten

Von Telepolis — 01. Juli 2026 um 21:25
Drei Soldaten in Uniform stehen vor einer Fahne.

(Bild: Bumble Dee / Shutterstock.com)

Eine Studie des Washingtoner Thinktanks CSIS beziffert die Opfer beider Seiten seit 2022. Doch die Datenbasis stützt sich auf Geheimdienstschätzungen.

Die jüngsten Zahlen zum Ukraine-Krieg zeigen eine zivilisatorische Krise: Mehr als zwei Millionen Menschen sind ihm wohl auf beiden Seiten zum Opfer gefallen, wurden also getötet, verwundet oder werden vermisst.

Diese düstere Bilanz präsentierte jetzt das Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington.

Allein Russland soll dabei rund 1,4 Millionen Soldaten verloren haben, darunter bis zu 450.000 Gefallene. Für die ukrainische Seite werden 525.000 bis 625.000 Opfer angegeben, wobei 125.000 bis 150.000 Soldaten getötet worden sein sollen.

Die am Dienstag veröffentlichte CSIS-Studie [1] deckt den Zeitraum von Februar 2022 bis Juni 2026 ab.

Die Autoren Seth G. Jones und Riley McCabe ordnen die russischen Verluste historisch ein: Die Zahl der Gefallenen übersteige alle US-Kriegstoten seit dem Zweiten Weltkrieg um den Faktor vier und alle sowjetisch-russischen Kriegstoten seit 1945 um den Faktor neun.

An der über 1.000 Kilometer langen Front stünden laut Analysten mehr als 400.000 russische Soldaten etwa 250.000 Ukrainern gegenüber. Russlands monatliche Verluste von 30.000 bis 34.000 Mann überstiegen 2026 erstmals die Rekrutierungsrate von rund 27.000 neuen Soldaten pro Monat.

Geheimdienst-Schätzungen: Die fragile Datenbasis der CSIS-Studie

So erschütternd die Zahlen klingen, so schwach bleibt aber ihr Fundament. Mangels offizieller Opferstatistiken basieren die Angaben auf Schätzungen, räumen die CSIS-Autoren ein. Und die Schätzwerte stammen von westlichen Geheimdiensten, in erster Linie aus den USA und Großbritannien.

Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Exakte Verfahren, Fehlerintervalle und Rohdaten liefert die öffentlich zugängliche Kurzfassung der Studie nur in Umrissen. Gleichwohl gilt das CSIS, auch wenn es immer mal wieder gravierende Fehlprognosen anstellte, als seriöse Quelle.

Die Gegenüberstellung mit US-Verlusten seit 1945 ist wirkungsvoll, übergeht allerdings erhebliche Unterschiede bei Definitionen von Kampf- und Nichtkampfverlusten, medizinischen Standards und der Qualität historischer Datensätze.

Auch die Behauptung, die von manchen Analysten aufgestellt wird und auf die das CSIS hinweist, dass über 90 Prozent der russischen Verluste auf Drohnenangriffe zurückgehen, setzt eine belastbare Ereignisdatenbank voraus, deren Methodik im veröffentlichten Text nicht detailliert erläutert wird.

50 Meter pro Tag: Stellungskrieg im Schneckentempo der Somme-Schlacht

Die CSIS-Analyse zeichnet das Bild eines Stellungskriegs, der direkt mit der Schlacht an der Somme verglichen wird. Dichte Minenfelder, mehrschichtige Befestigungen und ein massiver Drohneneinsatz in einer mehr als 20 Kilometer breiten Zone entlang der Frontlinie machen Truppenbewegungen extrem gefährlich.

Russische Einheiten rücken laut CSIS in kleinen, oft schlecht ausgebildeten Stoßtrupps vor, oft nur 50 bis 90 Meter pro Tag. Bei Pokrowsk brauchten russische Truppen fast zwei Jahre für 50 Kilometer.

Die Ukraine setzt dabei zunehmend auf KI-gestützte Systeme. Die Einwegdrohne "Hornet" etwa kostet rund 5.000 US-Dollar, hat eine Reichweite von 150 Kilometern und identifiziert Ziele autonom per Computer Vision. Auf Satellitenkommunikation ist sie dabei nicht angewiesen, was sie gegenüber GPS-Störsendern widerstandsfähiger macht.

Im Frühjahr 2026 schrumpfte Russlands territoriale Kontrolle erstmals seit August 2024: ein Nettoverlust von rund 400 Quadratkilometern in April und Mai.

Hier muss allerdings betont werden: Diese Brutto-Netto-Rechnung unterliegt dem Trugschluss, dass jeder Quadratkilometer als gleichbedeutend zu betrachten ist. Aber es macht einen deutlichen Unterschied, ob die Ukraine im Festungsgürtel von Kostjantyniwka bis Kramatorsk Gelände verliert und dafür unbefestigtes Gelände etwa in der Region Charkow zurückgewinnt.

Lobbyismus statt Wissenschaft? Die politische Agenda hinter den Opferzahlen

Bei der Studie muss auch berücksichtigt werden, dass das CSIS keine wissenschaftliche Institution ist, sondern eine Politikberatung und eine Agenda verfolgt.

Während die US-Regierung nach offiziellen Verlautbarungen auf Abstand zu dem Krieg geht – Donald Trump erklärte [2] laut New York Times, die USA hätten mit dem Krieg in der Ukraine nichts zu tun –, empfiehlt das CSIS das genaue Gegenteil, nämlich: härtere Sanktionen, mehr Militärhilfe, Druck auf Russlands Öleinnahmen sowie auf die sogenannte Schattenflotte.

Die Studie erklärt allerdings nicht den Personalmangel auf ukrainischer Seite, der sich immer deutlicher zeigt. Schließlich will die Ukraine inzwischen mit EU-Milliarden ausländische Legionäre [3] anwerben.

Und mit Verweis auf den Personalmangel der ukrainischen Armee diskutieren die EU-Staaten, ukrainischen Männern im Wehrpflichtalter den Schutzstatus zu entziehen [4].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11351089

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.csis.org/analysis/russian-blood-and-treasure-ballooning-costs-putins-war
  2. https://www.nytimes.com/2026/07/01/us/politics/russia-ukraine-troop-casualties.html
  3. https://www.heise.de/tp/article/Bis-zu-11-000-Dollar-Sold-Ukraine-wirbt-Auslaender-mit-EU-Milliarden-an-11331499.html
  4. https://www.heise.de/tp/article/EU-erwaegt-Schutz-Aus-fuer-ukrainische-Maenner-im-Wehrpflichtalter-11314248.html

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Krim im Ausnahmezustand: Drohnenangriffe lähmen Infrastruktur

Von Telepolis — 01. Juli 2026 um 14:00
Autos stehen schlange vor einer Tankstelle

Schlangen vor einer Tankstelle im russischen Samara am 28. Juni

(Bild: Tramp57/Shutterstock.com)

Nach massiven Drohnenangriffen ruft Russland den Krisenmodus aus. Die Realität vor Ort: Treibstoffknappheit, Stromausfälle und ein kollabierender Tourismus.

Infolge anhaltender massiver Drohnenangriffe haben die russischen Behörden am vergangenen Freitag den Ausnahmezustand auf der Halbinsel Krim ausgerufen. Die Region steht seit Wochen unter dem Druck gezielter ukrainischer Angriffe vor allem auf Energieinfrastruktur und Verkehrswege. Die Lage bleibt auch in dieser Woche weiter angespannt.

Die Krim im Krisenmodus

Mit dem regionalen Ausnahmezustand besteht eine besondere rechtliche Krisensituation, in der die Regierung zum Schutz der Bevölkerung temporär von der normalen Rechtsordnung abweichen kann, um schneller auf Bedrohungen reagieren zu können.

Der von Russland eingesetzte Gouverneur der Krim, Sergej Aksjonow, betonte [1], dass der Ausnahmezustand keine Ausgangssperre und keine Einschränkungen der Bewegungsfreiheit vorsehe. Für Einwohner und Besucher der Halbinsel gebe es keine zusätzlichen Beschränkungen. Die Maßnahmen beträfen ausschließlich wirtschaftliche und verwaltungstechnische Fragen.

So lassen sich in dieser Situation beispielsweise Generatoren und Treibstoff schneller beschaffen als unter normalen Umständen. Ebenso sollen lebenswichtige Einrichtungen leichter versorgt, Notfall- und Wiederherstellungsarbeiten beschleunigt sowie Verträge ohne langwierige Genehmigungsverfahren abgeschlossen werden können.

Auch Georgij Mokhow, Vizepräsident des Russischen Tourismusverbands (RST), bezeichnete [2] den Ausnahmezustand eher als Verwaltungsinstrument. Dieses ermögliche es, Ressourcen schneller bereitzustellen und notwendige Maßnahmen ohne umfangreiche bürokratische Abläufe umzusetzen. Touristen empfahl er, Ausweisdokumente mitzuführen und den Anweisungen der Behörden, etwa bei Verkehrsbeschränkungen, Folge zu leisten.

Anhaltende Angriffe auf strategische Infrastruktur

Angaben der russischen Nachrichtenagentur TASS zufolge teilte [3] das russische Verteidigungsministerium gleichzeitig mit, dass in der Nacht zu jenem Freitag 660 ukrainische Drohnen über 12 russischen Regionen und der Krim abgefangen worden seien. Laut TASS war es die größte Drohnenwelle in einer Nacht seit Jahresbeginn.

Bereits seit Wochen fliegt die Ukraine massive Drohnenangriffe auf die Krim, um die Halbinsel logistisch zu isolieren und von der Versorgung mit Energie und Lebensmitteln vom russischen Festland abzuschneiden.

Besonders betroffen von nächtlichen Drohnen-Schwärmen sind Berichten zufolge die Stadt Sewastopol, in der die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist, sowie der Bereich um die Stadt Kertsch samt der strategisch wichtigen Krim-Brücke, an der das Asowsche Meer auf das Schwarze Meer trifft.

Weitere Ziele sind Energieinfrastruktur, militärische Anlagen und Verkehrsknotenpunkte, etwa in den Regionen um die Hauptstadt Simferopol. Dort sind auch Eisenbahnverkehrswege betroffen – nach wiederholten Anschlägen auf Bahnhöfe und fahrende Züge sind Strecken gesperrt [4].

Kraftstoffversorgung kritisch

Nach Angriffen auf russische Raffinerien und Versorgungswege auf die Krim kommt es auf der Halbinsel seit Ende Mai zu erheblichen Problemen bei der Kraftstoffversorgung (Telepolis berichtete [5]).

Ein Einwohner, der anonym bleiben wollte, berichtete gegenüber Telepolis, er habe vor wenigen Tagen an einer Tankstelle nahe Simferopol 40 Liter Diesel für 280 Rubel (aktuell etwa 3,10 Euro) pro Liter gekauft. Nach seiner Darstellung habe es weder eine Preisanzeige noch eine Quittung gegeben. Beobachter sehen darin Hinweise auf Spekulationen und informelle Handelsstrukturen. Zuvor kostete ein Liter Diesel etwa 80 Rubel (etwa 0,90 Euro).

Regulär hatte es zwischenzeitlich praktisch keinen verfügbaren Kraftstoff mehr gegeben. Berichten zufolge blieb vielen Autofahrern bei dringendem Bedarf nur die Möglichkeit, auf das russische Festland zu fahren, dort zu tanken und bis zu 200 Liter Treibstoff in Kanistern mit zurückzunehmen.

Die wenigen verfügbaren Mengen wurden von den Behörden zunächst bevorzugt an Krankenhäuser, Rettungsdienste, den öffentlichen Nahverkehr und andere staatliche Einrichtungen verteilt.

Laut Angaben von Bewohnern auf verschiedenen Telegram-Kanälen ist seit Beginn der Woche an einigen wenigen Tankstellen wieder Kraftstoff erhältlich. Pro Person dürfen derzeit bis zu 20 Liter abgegeben werden. Für Benzin der Sorte AI-95 werden demnach rund 190 Rubel (etwa 2,10 Euro) pro Liter verlangt – weit mehr als doppelt so viel wie noch vor wenigen Wochen.

Wie sich die Preise zukünftig gestalten, bleibt offen. Preiserhöhungen sind mittelfristig wahrscheinlich, da die russischen Behörden nach einem Exportstopp nun Treibstoff aus Belarus, Kasachstan und zeitnah sogar Indien importieren [6].

Stromausfälle und andere Einschränkungen

In der letzten Woche kam es zudem zu teils langen Stromausfällen auf der Halbinsel. Nicht offiziell bestätigten Berichten zufolge könnte ein Kraftwerk bei Simferopol und möglicherweise Verteilerstationen getroffen worden sein. In einigen Regionen wird der Strom stunden- sowie abschnittsweise abgeschaltet, Straßenlaternen bleiben an einigen Orten aus, um Energie zu sparen.

Aus Sicherheitsgründen sind auf der gesamten Halbinsel die Kinderferienlager geschlossen worden. Die Tourismusbranche leidet stark, da viele Touristen ihre Reisen storniert haben und nur wenige andere die Reise trotzdem wagen. Die Einnahmen aus dem Tourismus sind insbesondere für die Kurorte und Ferienanlagen an der Küste des Schwarzen Meeres von immenser Bedeutung.

Erfahrungen aus der Energiekrise 2015

Doch die Bewohner der Krim sind krisenerprobt. Bereits Ende 2015 erlebten sie eine monatelange Energieblockade: In der Nacht zum 22. November 2015 wurde die Halbinsel nach der Sprengung von Stromleitungen in der ukrainischen Oblast Cherson vollständig von der Stromversorgung abgeschnitten.

Damals wurde ebenfalls der Ausnahmezustand verhängt. Über Monate hinweg mussten sich die Einwohner auf eine zeitlich begrenzte Stromversorgung einstellen. Haushalte verfügten oft nur über wenige Stunden Elektrizität am Tag.

Indem Russland eine sogenannte Energiebrücke über das Festland zur Krim aufbaute, wurde die Versorgung schrittweise wiederhergestellt. Im Mai 2016 nahm die Energiebrücke ihren Betrieb mit voller Leistung auf und beendete so die Energiekrise auf der Halbinsel. Diese Erfahrung der Resilienz prägt auch heute das Verhalten der Bevölkerung in der aktuellen Krise – größere Proteste sind deshalb eher unwahrscheinlich.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11350329

Links in diesem Artikel:

  1. https://meduza.io/en/news/2026/06/26/russia-declares-state-of-emergency-in-occupied-crimea
  2. https://www.interfax-russia.ru/tourism/news/rezhim-chs-v-krymu-chto-nuzhno-znat-turistam-pered-poezdkoy-na-poluostrov
  3. https://tass.com/emergencies/2151829
  4. https://sev.tv/news/115365.html
  5. https://www.telepolis.de/article/Drohnen-treffen-Nachschub-Krim-kaempft-mit-Treibstoffmangel-11319414.html
  6. https://caspiannews.com/news-detail/fuel-crisis-forces-russia-to-seek-gasoline-imports-from-india-2026-6-24-40/?__cf_chl_f_tk=HMAkJQNPlHDZiRtDXnPgaWE6m1RMoE0aOYysG97rZnk-1782820278-1.0.1.1-9DM8x.A47.lCXrrsb1vhHArm8ljXBB6hmUT7VM1HtHw

Copyright © 2026 Heise Medien

Adblock test (Why?)

❌