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Bekannter Analyst sieht zunächst keinen Nachfolger für die Vision Pro

Von Heise — 04. Juni 2026 um 13:07
Person, die eine Apple Vision Pro trägt

Person mit Vision Pro: Apple hatte das Headset im vergangenen Herbst auf den Chipstand M5 gebracht, sonst aber wenig verändert.

(Bild: Apple)

Der Apple-Beobachter Ming-Chi Kuo hat seine Vorhersagen für Apples Headset korrigiert. Angeblich stehen Smartglasses nun vollständig im Vordergrund.

Apple entwickelt die Vision Pro zumindest auf absehbare Zeit nicht weiter. Davon geht ein bekannter Apple-Analyst aus Taiwan aus, der in der Vergangenheit oft richtig lag. Den jüngsten Informationen von Ming-Chi Kuo [1] zufolge, der für TF International Securities arbeitet, ist Apples Mixed-Reality-Headset von der Roadmap verschwunden.

Konzentration auf Smartglasses

Zwischenzeitlich soll Apple unter anderem eine leichtgewichtigere Variante („Vision Air“ [2]) geplant haben, diese wird aber ebenfalls angeblich nicht weiterverfolgt. Laut Kuo kommt die Ansage von Apples nächstem CEO John Ternus [3]. Der wolle sich nun voll auf Smartglasses mit Massenmarktansprache konzentrieren. Zuletzt hatte Bloomberg-Reporter Mark Gurman über Apples neue Strategie geschrieben [4], das gesamte Brillengeschäft umkrempeln zu wollen – also nicht nur die Nische der Smartglasses. Dabei handelt es sich um einen Markt, der weltweit auf 200 Milliarden US-Dollar im Jahr geschätzt wird.

Apple soll zunächst Smartglasses ohne Bildschirm planen, wie sie Meta und Co. längst anbieten, später dann solche mit Display. Laut Kuo wird Apple dazu optische Waveguides [5] verbauen, die das Bild direkt auf die Augen lenken. Kuo rechnet mit „normalen“ Smartglasses nun im Jahr 2027, Gurman hatte Ähnliches vernommen und auf Ende des Jahres getippt. Smartglasses mit Display sieht Kuo jedoch nicht vor 2029. Apple-intern sei das Projekt nach hinten geschoben worden. Grund dürften technische Herausforderungen sein.

Wie geht es mit der Vision Pro weiter?

Es bleibt unklar, was Apple mit der Vision Pro machen wird. Das Headset soll sich nur schleppend verkauft haben, was an Preis und schwerer Hardware samt störendem kabelgebundenem Akkupack liegt. Dennoch wurde von Apple im Herbst 2025 noch ein M5-Modell [6] nachgelegt, für viele Beobachter überraschend. „Aktuell bleiben nur zwei Smartglasses sichtbar auf der Roadmap“, schreibt Kuo.

Immerhin: visionOS dürfte eine solide Basis für Smartglasses mit Bildschirm liefern. Apples Steuerung mit Fingergesten und Augentracking gilt immer noch als marktführend, auch im Vergleich zu den Android-XR-Headsets von Samsung [7]. Immerhin: Bloomberg-Reporter Gurman glaubt, dass Apple intern an einer „Vision Pro 2“ gearbeitet hatte. Die Kategorie sei mit Einverständnis von Ternus aber „auf Eis“.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://x.com/mingchikuo/status/2062216902609695054
  2. https://www.heise.de/news/Apple-Hardware-Leak-auf-X-Erste-Teile-einer-Vision-Air-aufgetaucht-10357467.html
  3. https://www.heise.de/news/John-Ternus-als-neuer-Apple-CEO-Mehr-Entscheidungsfreude-erwartet-11266703.html
  4. https://www.heise.de/news/Apples-Smartglasses-Strategie-Gross-geplant-aber-es-dauert-noch-11312839.html
  5. https://www.heise.de/news/Apple-uebernimmt-Photonik-Startup-invrs-io-11189687.html
  6. https://www.heise.de/tests/Apple-Vision-Pro-M5-im-Test-Doppelt-haelt-besser-10793698.html
  7. https://www.heise.de/tests/Galaxy-XR-im-Test-So-schlaegt-sich-Samsungs-Vision-Pro-Rivale-mit-Android-XR-10502003.html
  8. https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
  9. https://www.heise.de/mac-and-i
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Gegen filmende Meta-Ray-Ban-„Glassholes“: App erkennt smarte Brillen im Umfeld

Von Heise — 04. Juni 2026 um 12:46
Meta-Ray-Ban-Brille

Meta-Ray-Ban-Brille: Filmt sie oder filmt sie nicht?

(Bild: Meta)

Es scheint im Trend zu liegen, die Aufnahmelampe aus Metas Smartglasses zu entfernen. So werden illegale Aufnahmen ermöglicht. Eine App hilft beim Erkennen.

„Glassholes“ nannte man einst Menschen [1], die mit Google-Glass-Brillen durch die Gegend liefen und dabei eher merkwürdig aussahen. Besonders verhasst war die mit den Geräten mögliche Aufnahme der Umgebung, Menschen fühlten sich beobachtet. Mit der Durchsetzung von Smartglasses kehrt das Problem nun zurück. Eine neue iOS-App soll dabei helfen, entsprechende Brillen, die sich in der Umgebung befinden, zumindest zu detektieren. Sie nennt sich passenderweise NoGlasshole [2].

Aufnahmeleuchte herausgedremelt

Tatsächlich wird das Problem immer mehr Menschen bewusst. Metas smarte Brille der Baureihen Ray Ban oder Oakley [3] sollen sich bereits millionenfach verkauft haben. Neben der Nutzung von KI-Funktionen via Meta AI dienen sie vor allem dazu, Fotos und Videos aus der Nutzerperspektive aufzunehmen, ohne dass man ein Smartphone in der Hand halten müsste. Das führt zu allerlei Datenschutzproblemen, die Meta bislang dadurch umgehen will, dass im Gehäuse eine helle weiße LED leuchtet, sobald die Smartglasses aufzeichnen. Umstehende sollen so erkennen, dass sie „on camera“ sind – um dies gegebenenfalls zu untersagen.

Allerdings gibt es gleich mehrere Methoden, die Aufnahmeanzeige zu unterdrücken. Neben auf E-Commerce-Plattformen erhältlichen Abdeckungen, die Metas Software nicht erkennen kann, kann dies durch das vollständige Herausdremeln der Leuchte erreicht werden. In den USA und mittlerweile auch in der EU werden dafür von kleinen Reparaturbetrieben oder Bastlern entsprechende „Servicedienstleistungen“ [4] offeriert. Für 50 oder 100 US-Dollar sieht die Brille dann so aus, als wäre sie deaktiviert, nimmt aber einfach weiter aus.

Erkennung anhand der Bluetooth-Signatur

Der Ansatz von NoGlasshole ist nun, Nutzer zumindest darüber zu informieren, wenn sich eine der Brillen in der Nähe befindet. Das funktioniert über deren Bluetooth-Signatur, die sie regelmäßig aussenden. In der aktuellen Version kann die derzeit noch kostenlose App Meta-Brillen (Ray Ban und Oakley), Snap Spectacles [5] sowie „andere Smartglasses" detektieren.

Dabei lässt sich jedoch nicht unterscheiden, ob die Brillen aufzeichnen oder nicht. Es gibt außerdem – auch aus Batteriegründen – keinen Dauerscan: Die App prüft die Umgebung stets auf Tastendruck. Als zusätzliche Funktion ist auch noch ein Filter integriert, der bei vorhandenen Aufnahmen Gesichter unscharf stellt. Der Code von NoGlasshole ist quelloffen, die Erkennung und die Anwendung des Filters erfolgen lokal auf dem Gerät ohne Netzwerkverbindung.


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  1. https://www.heise.de/meinung/Glassholes-Wovon-die-Mixed-Reality-Angst-in-Wirklichkeit-ablenkt-9337474.html
  2. https://apps.apple.com/de/app/noglasshole-glasses-detector/id6760988897
  3. https://www.heise.de/hintergrund/Metas-KI-Brillen-helfen-Blinden-im-Alltag-und-werfen-neue-Fragen-auf-11304185.html
  4. https://www.heise.de/hintergrund/Metas-KI-Brillen-helfen-Blinden-im-Alltag-und-werfen-neue-Fragen-auf-11304185.html
  5. https://www.heise.de/news/Einkaufen-in-der-AR-Brille-Snap-zeigt-neue-Bezahlmoeglichkeiten-und-KI-Tools-10771254.html
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Militärexperten in Medien: Was Zuschauer oft nicht erfahren

Von Telepolis — 04. Juni 2026 um 15:30
Carlo Masala spricht bei einer Veranstaltung in ein Mikrofon.

(Bild: Markus Wissmann / Shutterstock.com)

Britische Studie belegt systematisch fehlende Offenlegung bei Sicherheitsexperten. Auch in Deutschland bleiben relevante Verbindungen oft ungenannt.

Wenn ein ehemaliger General im Fernsehen höhere Verteidigungsausgaben fordert, sehen Zuschauer in der Einblendung meist nur Rang und früheren Posten. Dass derselbe Experte inzwischen Rüstungsfirmen berät oder in Aufsichtsräten von Sicherheitsunternehmen sitzt, erfahren sie häufig nicht.

Die britische Organisation Action on Armed Violence (AOAV) hat dieses Phänomen erstmals systematisch untersucht [1] – mit einem Ergebnis, das auch für deutsche Redaktionen unbequeme Fragen aufwirft.

AOAV identifizierte 33 hochrangige britische Ex-Offiziere, die zwischen 2015 und Mai 2026 kommerzielle Rollen in Rüstungs-, Sicherheits- oder Technologieunternehmen übernahmen und zugleich als Medienkommentatoren auftraten.

Bei 19 von ihnen – 58 Prozent – nannten die Medien mindestens einmal ausschließlich den militärischen Rang, ohne Beratungsverträge, Vorstandsmandate oder finanzielle Interessen zu erwähnen.

Die Studie spricht von einem "systemischen Versagen" der Redaktionen und betont: Die Informationen wären über LinkedIn, Firmenwebseiten oder öffentliche Register leicht auffindbar gewesen.

Konkrete Fälle aus Großbritannien

General Sir Nick Carter etwa, ehemaliger Chef des britischen Verteidigungsstabs, berät das israelische Finanzunternehmen Exigent Capital bei Wachstumsstrategien für Rüstungsfirmen und arbeitet für das KI-Start-up Helsing im Verteidigungsbereich.

In Telegraph, Independent und Daily Mail wurde er laut AOAV wiederholt nur als Ex-Militärchef zitiert – auch als er höhere Verteidigungsausgaben forderte.

General Sir Richard Barrons, Mitgründer der Sicherheitsberatung Universal Defence and Security Solutions, warnte in der Times, fehlende Investitionen würden die industrielle Basis "aushöhlen", und forderte 10 Milliarden Pfund jährlich mehr für Verteidigung. Seine Firma blieb unerwähnt.

Das deutsche Pendant: Thinktanks statt Rüstungskonzerne

In Deutschland verläuft die Verflechtung anders, aber strukturell ähnlich. Statt Ex-Generälen mit Industriemandaten dominieren hier Experten aus einem eng verzahnten Ökosystem staatlich finanzierter Thinktanks, Bundeswehr-Institutionen und Ministerien.

Nico Lange war von 2019 bis 2022 [2] Leiter des Leitungsstabs im Bundesverteidigungsministerium – also Teil der politischen Führung des Hauses. Heute arbeitet er als Senior Fellow der Münchner Sicherheitskonferenz und beim transatlantischen Thinktank CEPA.

In Talkshows erscheint er als "Sicherheitsexperte" oder "Militärexperte". Seine frühere Schlüsselrolle im Ministerium und seine institutionellen Anbindungen werden in Bauchbinden meist nur verkürzt oder gar nicht dargestellt.

Carlo Masala, einer der meistzitierten Militärexperten im deutschen Fernsehen, ist Professor an der Universität der Bundeswehr München – einer Hochschule, die vollständig vom Bundesverteidigungsministerium finanziert wird.

Er leitet dort zudem das Metis-Institut, das Beratungsleistungen für das Ministerium erbringt. In Einblendungen steht meist schlicht "Professor für Internationale Politik".

Die Stiftung Wissenschaft und Politik, deren Mitarbeiter wie Claudia Major regelmäßig als unabhängige Experten auftreten, erhält ihre institutionelle Finanzierung von 18,9 Millionen Euro vollständig aus dem Haushalt des Bundeskanzleramts. Im Stiftungsrat sitzt der Chef des Kanzleramts als stellvertretender Präsident.

Warum die Einordnung fehlt

Die Ursachen sind weniger in böser Absicht als in der Medienlogik zu suchen. Talkshows brauchen schnell verfügbare, zitierfähige Stimmen, und Bauchbinden bieten wenig Platz für komplexe institutionelle Biografien.

Der Drehtüreffekt zwischen Ministerien, Bundeswehr, Nato und Thinktanks sorgt dafür, dass dieselben Personen über Jahre als Standardkommentatoren eingeladen werden. Perspektiven aus der zivilen Friedens- und Konfliktforschung bleiben dabei vergleichsweise unterrepräsentiert.

Wie sich auch dadurch – parallel zur materiellen Aufrüstung – die sicherheitspolitische Sprache verschiebt, hat der Konfliktforscher Leo Ensel in einer Analyse [3] für Telepolis im Detail beschrieben.

AOAV empfiehlt für Großbritannien verpflichtende Offenlegung aller relevanten Funktionen und eine systematische Prüfung des beruflichen Hintergrunds von Experten als redaktionellen Standard.

Übertragen auf Deutschland hieße das: Wenn ein Experte Milliarden für Verteidigung fordert, sollten Zuschauer wissen, ob sein Arbeitgeber vom Verteidigungsministerium oder vom Bundeskanzleramt finanziert wird. Nicht weil das seine Expertise entwertet – sondern weil das Publikum die Information braucht, um die Einschätzung richtig einzuordnen.

Wie der britische Medienrechtler und Senior Lecturer Richard Danbury laut AOAV-Bericht formulierte: "Wenn man von einem Journalisten als Experte zitiert wird, sollte die Öffentlichkeit wissen, ob das, was man sagt, möglicherweise durch den eigenen Beruf beeinflusst ist".


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Links in diesem Artikel:

  1. https://aoav.org.uk/2026/military-experts-or-arms-industry-insiders-uk-media-fails-to-disclose-defence-sector-links-in-nearly-60-of-cases/
  2. https://cepa.org/author/nico-lange/
  3. https://www.heise.de/tp/article/Kriegstuechtig-bis-in-die-Sprache-Der-neue-Sound-der-Aufruestung-11288337.html

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Libanon: Die israelisch-US-amerikanische Allianz bekommt Risse

Von Telepolis — 04. Juni 2026 um 14:00
Zerstörte Gebäude

Zerstörtes Wohnviertel in Beirut, März 2026

(Bild: mahdi313/Shutterstock.com)

Bomben, Besatzung, Beirut: Israels Blick gen Norden folgt einer Logik, die weit über den Libanon hinausgeht und nur durch Washington gestoppt werden kann.

Von Gaza bis tief in die Bekaa-Ebene: Die extrem rechte Netanjahu-Regierung zündelt an jedem verfügbaren Brandherd. Nachdem sich der Iran – durch eine kluge Widerstandsstrategie [1] – zumindest vorerst aus dem US-israelischen Würgegriff befreien konnte, rückt Tel Aviv nun gegen den Zedernstaat und die schiitisch-irantreue Hisbollah [2] vor.

"Wir treffen die Hisbollah mit voller Wucht", erklärte Benjamin Netanjahu kürzlich [3] bei einem seltenen Frontbesuch. Offizielles Ziel: die "Terror-Organisation" Hisbollah zu zerschlagen und einen Sicherheitskorridor am Litani-Fluss zu etablieren [4].

Die Fakten strafen die israelische Propagandamaschine jedoch Lügen: Die seit Monaten schwelende Bodenoffensive wurde seit Montag dieser Woche massiv ausgeweitet, dicht besiedelte – vor allem schiitisch bewohnte – Vororte Beiruts bombardiert, eine Massenflucht ausgelöst [5], hunderte Ziele angegriffen.

Tel Avivs wiederkehrende Beteuerung, man treffe ausschließlich terroristische Ziele, wirkt angesichts der zivilen Opferzahlen und der Zielauswahl – Pager-Angriffe [6], gezielte Tötungen der Führungsgeneration obendrein – noch unglaubwürdiger als zuvor. Während Washington offenbar Frieden am Golf möchte und den Blick gen Kuba wendet [7], schafft Israel Fakten – die neuste Ouvertüre eines Flächenbrandes?

Waffenruhe gescheitert, Verhandlungen ausgehöhlt

Eine durch die USA vermittelte Waffenruhe [8] entfaltet aktuell keinerlei Wirkung. Dies verwundert kaum: Die Hisbollah lehnt diese rundherum ab – und war zu den April-Verhandlungen in Washington erst gar nicht geladen worden.

Die offizielle libanesische Regierung besitzt weder die Macht, das Land zu schützen, noch die Hisbollah zu entwaffnen. Für Israel wiederum gibt es mindestens zwei Deutungsmuster: Die Waffenruhe vom 17. April wurde ohnehin nie ernsthaft eingehalten [9]; denkbar ist, dass Washington nun auch für umfangreichere Operationen grünes Licht gab.

Ebenso möglich, dass sich ein veritabler Konflikt zwischen Jerusalem und Washington abzeichnet – befeuert durch den Druck des US-Repräsentantenhauses, das für ein Ende der Iran-Kriegsführung stimmte [10] und die massiven, wirtschaftlichen Folgekosten der de facto proisraelischen US-Golfpolitik.

Zivile Opfer, passiver Westen

Die Opferzahlen sind entlarvend: Reuters verzeichnete [11] mehr als 3.500 Tote im Libanon seit März. Bis zum 29. Mai wurden laut UNICEF [12] 77 Kinder getötet oder verletzt. Anfang dieser Woche tötete Israel [13] mindestens acht weitere Menschen. Am Mittwochmorgen meldeten libanesische Behörden [14] fünf Tote und 48 Verletzte nach dem Beschuss eines Krankenhauses in Tibnin.

Die logische Fortsetzung einer Politik der verbrannten Erde: Die WHO dokumentierte [15] mehr als 190 Angriffe auf medizinische Einrichtungen innerhalb von zwölf Wochen. Parallel weitet Israel seinen Zugriff auf bis zu 70 Prozent [16] des zerstörten Gazastreifens aus – in dem noch über eine Million hungernde Palästinenser unter genozidaler Gewalt darben.

EU-Europa verbiegt [17] sich derweil in rhetorischer Schärfe ohne reale Konsequenzen. Die Außenminister Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens verurteilten [18] Israels Vorgehen zwar scharf – fürchten muss Tel Aviv wenig, die UNO ist Staffage.

Flucht- und Wendepunkte

Bis Wochenmitte stauten sich die Autoschlangen auf den Ausgangsstraßen aus dem Süd-Libanon – wieder einmal mussten Hunderttausende ihr Hab und Gut hinter sich lassen.

Für heute sechzigjährige Libanese Gewohnheit: Seit 1982 [19], der israelischen Vollinvasion, kehrte der Schrecken 1993, 1996, 2006 und 2023 zurück. Aktuell gibt Israel Evakuierungshinweise [20] für das gesamte Gebiet bis Beirut heraus.

Bezeichnend ist, dass die deutsche Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan [21], selbst Kind irakischer Geflüchteter und auf dem Weg libanesische Binnenflüchtlinge zu besuchen, ihre Stippvisite noch im Anflug auf Beirut abbrechen musste [22].

Den israelischen Sicherheitsbehörden dürfte bekannt gewesen sein, dass ein Mitglied des Merz-Kabinett anreisen wollte – es hielt seinen Angriff deswegen nicht zurück. Ein Signal mit Ohrfeigen-Charakter: Berlin hat im Nahen Osten kein Gewicht. Todgefährliche Staatsräson.

Risse in der Zwangsehe

Weltpolitisch besonders bemerkenswert ist die mögliche Frontstellung zwischen der Netanjahu- und der Trump-Regierung, die sich am Libanon-Krieg manifestiert.

US-Präsident Donald Trump bestätigte am späten Mittwochabend in Bezug auf die Libanon-Eskalation, Netanjahu in einem Telefonat als "verrückt" bezeichnet [23] und ihm vorgeworfen zu haben, die Region zunehmend zu destabilisieren. Jede Trump-Äußerung verdient Skepsis – doch die öffentliche Lancierung belegt Druck, Spannung und Reaktion.

Die Risse in der sicherheitspolitischen Zwangsehe kommen nicht von ungefähr: Washington drängt [24]auf Deeskalation im Libanon, während Tel Aviv angreift [25]. Der Iran hat die Libanon-Front taktisch geschickt an Verhandlungen geknüpft [26]: Ohne Ruhe im Libanon keine offene Straße von Hormus. Nach unbestätigten Berichten hat Teheran seit Beginn der jüngsten Eskalation alle Verhandlungen suspendiert [27]. Für Trump, dessen Beliebtheitswerte bröckeln [28] und dessen Nimbus als Friedensstifter schwindet [29], ist das zudem innenpolitisch brenzlig.

In der Nacht auf Donnerstag verschärfte das US-Repräsentantenhaus den Druck [30]: Mit 215 zu 208 Stimmen – darunter auch dutzende Republikaner – verabschiedete es eine Resolution, die Trump zur Einstellung militärischer Aktionen gegen den Iran auffordert. Seit Mitte April versucht [31] das Haus sukzessive, den außenpolitischen Handlungsspielraum der Trump-Administration einzuschränken.

Es geht ums Ganze

Mit der Einnahme der Beaufort-Burg [32] stehen israelische Truppen so tief im Libanon wie seit den 2000er-Jahren nicht mehr. Sofern Aufklärungsberichte stimmen und die IDF 28 Kilometer ins Landesinnere vorgedrungen ist, wäre der Stand aus den 80er Jahren erreicht. Für den Libanon geht es – nimmt man die Gaza- und Westjordanland-Erfahrungen ernst – um das staatliche Überleben und die Existenz hunderttausender Menschen.

Was Israel nach Stabilisierung einer Sicherheitszone von einem Durchmarsch auf Beirut abhalten soll, bleibt vollkommen offen. Die offizielle libanesische Armee ist kein ernsthafter Gegner für die IDF. Nur die Hisbollah-Hochburgen – das südliche Hinterland von Nabatiyeh und der Beiruter Vorort Dahiyeh – trennen die Besatzer noch von der Hauptstadt, erbitterten und verlustreicher Widerstand erwartbar.

Dass Verteidigungsminister Katz bereits im März die Okkupation des Südlibanon ankündigte [33] und Finanzminister Smotrich, glühender Anhänger von Groß-Israel [34], betont, der Krieg müsse mit einer Veränderung der Grenzen enden –"in Gaza, im Libanon, in Syrien und im Westjordanland" –, ist keine Entgleisung, sondern israelische Doktrin.

Wohl und Wehe

Stoppen könnte Tel Aviv einzig Washington. Derzeit scheint der innenpolitische Druck in den USA, kombiniert mit der harten iranischen Haltung, zu ersten spürbaren Rissen im Verhältnis zu führen. Sollte Trump den Frieden mit dem Iran über die Partnerschaft mit Israel stellen, könnte der Krieg im Libanon zu einer echten Wende werden – sicher ist dies, dank Lobby-Druck, Falken-Programmatik und militärischer Option, keineswegs.

Frankreich, Berlin und Brüssel haben dabei real keine Mitsprache. Die einstigen E3-Garantiemächte sind zu geopolitischen Geisterfahrern degradiert: Ergebnis einer historisch kurzsichtigen, imperial motivierten deutschen Staatsräsonpolitik im Dienste des israelischen Aggressorstaates. Wohl und Wehe der Region hängt vom Gleichgewicht zwischen Washington und Teheran ab.

Die libanesische Zivilgesellschaft bezahlt die anbiedernden Geschäfte ihrer unfähigen politischen Klasse mit Leib und Leben. Der expansive Faktor Israels nimmt eine gesamte Region in Geiselhaft – Zeit auch in Riad, Kairo oder Damaskus hellhörig zu werden.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.telepolis.de/article/Iran-Krieg-Der-Angriff-der-das-Regime-staerkte-11194913.html
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Hisbollah#:~:text=Die%20Hisbollah%20(arabisch%20%D8%AD%D8%B2%D8%A8%20%D8%A7%D9%84%D9%84%D9%87,Irans%20und%20durch%20eigene%20kriminelle
  3. https://www.tagesschau.de/ausland/asien/israel-hisbollah-angriffe-104.html
  4. https://www.telepolis.de/article/Libanon-Die-Falle-am-Litani-Fluss-schnappt-zu-11272907.html
  5. https://www.theguardian.com/world/2026/may/31/israel-pursuing-scorced-earth-policy-says-lebanon-pm-as-more-airstrikes-hit-countrys-south
  6. https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/israel-hisbollah-pager-100.html
  7. https://www.fr.de/politik/was-trump-wirklich-von-kuba-will-und-wie-er-es-erreichen-will-zr-94335091.html
  8. https://www.ksta.de/politik/israel-und-libanon-zaehes-ringen-um-waffenruhe-in-washington-hisbollah-lehnt-gespraeche-ab-1292416
  9. https://www.deutschlandfunk.de/waffenruhe-zwischen-israel-und-libanon-bruechig-100.html
  10. https://www.sueddeutsche.de/politik/news-liveblog-nahost-iran-usa-krieg-trump-senat-li.3487408
  11. https://www.reuters.com/world/middle-east/israel-strikes-near-beirut-intercepts-hostile-aircraft-2026-06-03/
  12. https://www.straitstimes.com/world/middle-east/on-average-11-children-killed-or-injured-every-24-hours-in-past-week-in-lebanon-says-un-childrens
  13. https://www.aljazeera.com/news/2026/6/2/israel-kills-five-in-attacks-on-lebanon-after-trump-announces-de-escalation
  14. https://today.lorientlejour.com/article/1508771/israeli-strikes-kill-5-and-injure-48-on-south-lebanon-according-to-health-ministry.html
  15. https://www.ungeneva.org/en/news-media/news/2026/06/119208/lebanon-hospital-strikes-impact-most-vulnerable-patients-warns-who
  16. https://www.dw.com/de/gazastreifen-israel-weitet-zugriff-immer-weiter-aus/a-77380941
  17. https://www.deutschlandfunk.de/libanon-reise-aus-sicherheitsgruenden-abgebrochen-entwicklungsministerin-alabali-radovan-wieder-in-b-100.html
  18. https://www.nau.ch/politik/international/aussenminister-verurteilen-israels-offensive-im-sudlibanon-67134175
  19. https://magazin.zenith.me/de/gesellschaft/israel-libanon-und-die-kriege-1982-und-2026
  20. https://www.tagesschau.de/ausland/libanon-israel-festung-100.html
  21. https://de.wikipedia.org/wiki/Reem_Alabali_Radovan
  22. https://table.media/security/analyse/alabali-radovan-bricht-libanonreise-wegen-israels-eskalation-ab
  23. https://www.axios.com/2026/06/03/trump-netanyahu-call-lebanon-iran-ny-post
  24. https://www.handelsblatt.com/politik/international/nahost-trump-will-libanon-konflikt-entschaerfen-iran-droht/100229648.html
  25. https://www.axios.com/2026/06/01/lebanon-ceasefire-rubio-beirut-attacks
  26. https://www.jns.org/news/u-s-news/iran-suspends-us-talks-over-israeli-operations-in-lebanon
  27. https://www.jns.org/news/u-s-news/iran-suspends-us-talks-over-israeli-operations-in-lebanon
  28. https://www.focus.de/politik/ausland/trumps-umfragewerte-brechen-ein-ploetzlich-wackelt-sogar-die-eigene-basis_2db50373-bc4c-4eb5-b286-112fd16b37f4.html
  29. https://www.rnd.de/politik/trump-scheitert-als-friedensstifter-kaempfe-in-gaza-und-im-libanon-gehen-weiter-QOHZ6SIXW5HKPCKRSKFCOPIXE4.html
  30. https://apnews.com/article/iran-war-powers-vote-house-9aaadea35f9523c818802286a6553536
  31. https://www.washingtonpost.com/politics/2026/04/16/house-iran-war-powers-vote//
  32. https://www.itv.com/news/2026-05-31/israeli-forces-seize-strategic-castle-in-deepest-push-into-lebanon-for-26-years
  33. https://www.jpost.com/israel-news/defense-news/article-891052
  34. https://palestinenexus.com/articles/greater-israel

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Bernie Sanders will 50 Prozent der KI-Aktien in öffentliche Hand bringen

Von Telepolis — 04. Juni 2026 um 13:45
Bernie Sanders im Wahlkampf

(Bild: Joseph Sohm / shutterstock.com)

US-Senator plant Gesetz für 50-Prozent-Aktiensteuer auf OpenAI, Anthropic und xAI. Ein Staatsfonds soll Bürgern Dividenden zahlen.

Der unabhängige US-Senator Bernie Sanders will die Eigentumsfrage bei künstlicher Intelligenz grundlegend neu stellen.

Wie Sanders auf seiner Senatswebseite ankündigt [1], plant er in Kürze den "American A.I. Sovereign Wealth Fund Act" einzubringen. Der Gesetzentwurf sieht eine einmalige Steuer von 50 Prozent vor – nicht auf die Gewinne der großen KI-Unternehmen, sondern auf deren Aktien.

Betroffen wären unter anderem OpenAI, Anthropic und Elon Musks xAI.

Das Kernargument des Senators: KI-Modelle seien auf dem "kollektiven Wissen der Menschheit" trainiert worden – auf Büchern, Musik, Journalismus, wissenschaftlicher Forschung und Milliarden alltäglicher Gespräche. Dieses Wissen sei überwiegend ohne Erlaubnis, Anerkennung oder Vergütung in die Modelle eingeflossen.

Selbst OpenAI-Chef Sam Altman habe eingeräumt, dass KI auf den "kollektiven Erfahrungen […] und Erkenntnissen der Menschheit" aufbaue. Wenn eine öffentliche Ressource Wohlstand generiere, müsse die Öffentlichkeit daran teilhaben.

Norwegens Ölfonds als Blaupause

Der geplante Staatsfonds würde der US-Bundesregierung Stimmrechte und gleichberechtigte Vertretung in den Vorständen der betroffenen Unternehmen verschaffen. Damit könnte Washington Entscheidungen blockieren, die Bürgern schaden – so Sanders' Vorstellung.

Erlöse des Fonds sollen zunächst als direkte Zahlungen an die Bevölkerung fließen und später Gesundheitsversorgung, Bildung und Wohnraum finanzieren.

Als Vorbilder nennt Sanders den norwegischen Staatsfonds, der aus Öleinnahmen finanziert wurde und heute mehr als 2 Billionen Dollar wert ist, sowie Alaskas Permanent Fund, der seit Jahrzehnten jährliche Dividenden an Einwohner ausschüttet.

Pikant: Sogar die KI-Firmen selbst haben Ähnliches vorgeschlagen. OpenAI regte einen "öffentlichen Vermögensfonds" an, Anthropic listete als eine von mehreren Policy-Optionen [2] "nationale Staatsfonds mit Anteilen an KI".

Und Musk schrieb, ein "universelles hohes Einkommen durch Schecks der Bundesregierung" sei der beste Weg, KI-bedingte Arbeitslosigkeit zu bewältigen.

Verfassungsrechtliche Hürden und politische Realität

Politisch dürfte der Entwurf im polarisierten US-Kongress kaum eine Mehrheit finden. Eine erzwungene Übertragung von Unternehmensaktien an den Staat wäre nach dem Fifth Amendment der US-Verfassung sehr wahrscheinlich als Enteignung angreifbar – die sogenannte Takings Clause schützt ausdrücklich auch Finanzinteressen und Unternehmensanteile.

Ob eine einmalige 50-Prozent-Aktienabgabe als zulässige Steuer oder als verfassungswidrige Enteignung einzuordnen wäre, müssten am Ende wohl Gerichte klären.

Realistischer wären abgespeckte Varianten: Transparenzpflichten, Steuern auf KI-Gewinne oder ein öffentlicher Fonds aus regulären Haushaltsmitteln.

Doch Sanders geht es erkennbar um die Debatte selbst – um die Frage, wer die Technologie kontrolliert, die nach seiner Einschätzung "die Welt am tiefgreifendsten verändern" wird.

Globale Debatte um KI-Eigentum

Die Eigentumsfrage bei KI beschäftigt längst nicht nur den US-Senat. Aktivisten weltweit fordern demokratische Kontrolle über Tech-Konzerne [3] und stellen die Machtfrage immer offensiver.

Auch Papst Leo XIV. hat KI zur sozialen Frage des 21. Jahrhunderts erklärt [4] und in seiner Enzyklika "Magnifica Humanitas" gefordert, die Technologie müsse "entwaffnet werden". Zuvor hatte der Vatikan bereits eine interdikasterielle Kommission für künstliche Intelligenz [5] eingerichtet.

In der EU setzt man bislang auf Regulierung statt Verstaatlichung. Der AI Act mit seinen vier Risikostufen, die InvestAI-Initiative und das jüngst vorgestellte Tech-Souveränitätspaket [6] zielen auf Planbarkeit und strategische Autonomie.

Einen Staatsfonds nach Sanders' Vorbild gibt es in Europa nicht – doch die Frage, wie Bürger an KI-Gewinnen beteiligt werden können, wird auch hier drängender.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11318656

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.sanders.senate.gov/op-eds/the-public-should-own-half-of-the-big-a-i-companies/
  2. https://www.anthropic.com/research/economic-policy-responses
  3. https://www.heise.de/tp/article/KI-enteignen-Wie-Aktivisten-die-Uebermacht-der-Tech-Konzerne-brechen-wollen-11303045.html
  4. https://www.heise.de/tp/article/Papst-Leo-XIV-KI-als-soziale-Frage-des-21-Jahrhunderts-11310913.html
  5. https://www.heise.de/tp/article/Leo-XIV-zieht-rote-Linien-bei-kuenstlicher-Intelligenz-11297099.html
  6. https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/news/commission-proposes-tech-sovereignty-package-strengthen-europes-digital-autonomy-and-resilience

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Störungsmeldung vom 04.06.2026 13:09

Von heise online — 04. Juni 2026 um 13:09

Neue Störungsmeldung für Provider 1&1

Details

Beginn
04.06.2026 13:09
Region
Hamburg (040)
Provider
1&1
Zugangsart
VDSL

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Malware: KI erzeugt kaum aufhaltbaren Wurm

Von Heise — 04. Juni 2026 um 10:41

(Bild: issaro prakalung / Shutterstock.com)

IT-Forscher haben getestet, ob KI Malware zur schlimmeren Bedrohung macht. Ein dabei entwickelter Wurm ist äußerst anpassungsfähig.

IT-Forscher untersuchen, ob künstliche Intelligenz eine Bedrohung darstellt. Dabei haben sie eine neue Bedrohungsart entwickelt: Ein KI-Wurm, der maßgeschneiderte Angriffe auf jedes Ziel startet, dem er begegnet.

Ein IT-Forscherteam hauptsächlich aus Wissenschaftlern der Universität Toronto, des Vector Institute, der Universität Cambridge und ServiceNow Research hat einen Pre-Print seiner Forschungsarbeit „KI-Agenten ermöglichen adaptive Computer-Würmer“ (AI Agents Enable Adaptive Computer Worms) auf arxiv.org veröffentlicht [1]. Demnach haben sie einen kaum aufzuhaltenden Wurm entwickelt, der sich von Gerät zu Gerät bewegt und dabei angepasste Exploits für Schwachstellen für die jeweiligen Ziele entwickelt und sich dadurch weiter fortpflanzt.

Computer-Würmer sind bekannt und gefürchtet, verbreiten sie sich meist ohne weitere Nutzerinteraktion rasant in Netzwerken, können diese lahmlegen oder weitere Malware verteilen. Bisher benutzen bekannte Würmer wie WannaCry [2] gezielt einzelne Sicherheitslücken in den anvisierten Geräten aus. Durch das Anwenden bereitstehender Patches lassen sich die Lücken schließen und die weitere Verbreitung dieser Würmer aufhalten. Anders sieht das nun mit dem autonom agierenden KI-Wurm aus.

Wurm schneidert passgenaue Exploits mit LLMs

Der Wurm der IT-Forscher nutzt infizierte Rechner, um offene große Sprachmodelle (LLMs) auszuführen. Damit hält er seine Entscheidungsfähigkeit aufrecht und vergrößert seine Reichweite für weitere Angriffe, erklären die Wissenschaftler. Sie haben ihn in einem isolierten Netzwerk aus Linux-, Windows- und IoT-Geräten ausgesetzt und er verbreitete sich darin, indem er gängige, in der Praxis auftretende Schwachstellen in Unternehmensnetzwerken ausnutzte. Da die LLMs auf den gekaperten Rechnern laufen, haben die Angreifer zudem keine Kosten für Rechenleistung – anders als die „Verteidigerseite“, die solche Angriffe etwa mittels KI abzuwehren versucht.

Auch die zunehmend eingesetzten zentralen Sicherheitschecks und etwa Ratenbegrenzungen in den kommerziellen KI-Angeboten umgehen die IT-Forscher mit diesem Ansatz geschickt. Selbsterhaltende, KI-gestützte Cyberbedrohungen sind damit nicht mehr länger reine Theorie, ergänzen die IT-Forscher.

Testläufe im isolierten Netzwerk

Konkret haben sie ihren Wurm in einem isolierten Netzwerk mit 33 Geräten ausgesetzt. Die reichten von Linux-Servern über Windows-Umgebungen hin zu Internet-of-Things-Geräten (IoT). Hier haben die IT-Forscher jedoch bekannte Schwachstellen offen gelassen, die in freier Wildbahn auch auftreten. In mehreren Testläufen, die jeweils über sieben Tage liefen, hat der KI-Wurm jeweils rund ein Drittel der Schwachstellen korrekt erkannt und insgesamt auf einem Viertel der Maschinen missbraucht, um die eigenen Rechte auszuweiten. Zudem breitete er sich auf rund 20 Prozent der Geräte aus und erreichte sieben Generationen der Selbstfortpflanzung. Um das Zahlenwirrwarr aufzudröseln, fassen die Wissenschaftler zusammen: Der Proof-of-Concept-Wurm habe knapp 75 Prozent des Netzwerks erfolgreich attackiert und sich auf knapp zwei Drittel des Netzes repliziert.

Diagramm von miteinander verbundenen Angriffen und Schwachstellen in einem Netzwerk.
Diagramm von miteinander verbundenen Angriffen und Schwachstellen in einem Netzwerk.

Das Diagramm visualisiert die Kette von Angriffen und Schwachstellen, die der KI-Wurm ausgenutzt hat.

(Bild: Forschungsarbeit „AI Agents Enable Adaptive Computer Worms“)

Erstaunlich zudem, dass etwa drei der Schwachstellen im Jahr 2026 bekannt geworden sind, was jenseits des Trainings-Cutoffs der LLMs liegt. Die haben also aus veröffentlichten Informationen selbsttätig funktionierende Exploits entwickelt. Sie sind also nicht abhängig von bekannten PoC-Exploits.

Die Wissenschaftler warnen: „Wir müssen uns auf autonome generative Gegner einstellen: Malware-Systeme, die sich ohne menschliches Zutun verbreiten und nicht durch festgelegten Exploit-Code definiert sind, sondern durch die Fähigkeit, Ziele zu analysieren, sich an Beobachtungen anzupassen und Angriffslogik in Echtzeit zu entwickeln.“


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11318083

Links in diesem Artikel:

  1. https://arxiv.org/abs/2606.03811
  2. https://www.heise.de/news/WannaCry-Was-wir-bisher-ueber-die-Ransomware-Attacke-wissen-3713502.html
  3. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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Operation KRATOS 2: Europol meldet 29 Festnahmen gegen illegales Streaming

Von Heise — 04. Juni 2026 um 10:30
Fernbedienung zeigt auf Fernseher

(Bild: Everton Eifert/Shutterstock.com)

Bei der Operation KRATOS 2 hat Europol neun kriminelle Netzwerke zerschlagen, 29 Verdächtige festgenommen und über 27.000 illegale Streaming-Links entfernt.

Eine internationale Ermittlergruppe hat neun kriminelle Netzwerke für illegales Streaming zerschlagen und 29 Verdächtige festgenommen, teilte Europol am Mittwoch mit. Bei der Operation KRATOS 2 entfernten die Behörden zudem 27.332 illegale Streaming-Links.

Die Operation lief von September 2025 bis April 2026 und wurde von Bulgarien in Zusammenarbeit mit Europol koordiniert, geht aus der Mitteilung von Europol [1] hervor. Beteiligt waren Strafverfolgungsbehörden aus 13 Ländern, darunter Belgien, Frankreich, Italien, Spanien, das Vereinigte Königreich und die USA.

Trennung der Infrastruktur

Die Ermittler identifizierten 86 Verdächtige und durchsuchten 148 Objekte. Die kriminellen Gruppen verteilten ihre Strukturen laut Europol gezielt über mehrere Länder, um einer Entdeckung zu entgehen. Statt nur einzelne Webseiten abzuschalten, nahmen die Behörden daher die dahinterliegende Infrastruktur ins Visier. Insgesamt hat Europol eigenen Angaben zufolge mehr als 720.000 rechtsverletzende Objekte identifiziert. Dazu kämen 4.370 weitere Domains und über 18.000 IP-Adressen, die mit den illegalen Diensten in Verbindung stehen.

Bei der Ermittlung haben Partner aus dem privaten Sektor geholfen. Laut Europols Mitteilung gehören dazu etwa die UEFA, LaLiga und die beIN Media Group. Einzelne Domains oder Netzwerke, die zerschlagen wurden, nennt Europol nicht.

Warnung an Nutzer

KRATOS 2 ist die Fortsetzung der Operation KRATOS aus dem Sommer 2024, die das bulgarische Innenministerium mit Unterstützung von Europol und Eurojust durchführte. Damals ging es den Behörden vorrangig um Fußball-Streams im Rahmen der Europameisterschaft 2024. Auch in Deutschland gehen Rechteinhaber gegen illegale Streams vor. Anfang Mai gelang DAZN und der DFL ein Schlag gegen die Streaming-Plattform Livetv.sx [2], die nach einer Entscheidung des Landgerichts Köln (Az. 14 O 68/26) per DNS-Sperre blockiert wurde.

Europol bringt in der Mitteilung auch eine Warnung an Nutzer solcher Angebote unter: Wer illegale Streaming-Anbieter nutze, unterstütze nicht nur kriminelle Netzwerke, sondern setze sich auch der Gefahr durch Schadsoftware, Spyware und Datendiebstahl aus. „Was für Verbraucher wie günstiger Zugang zu Premium-Inhalten aussieht, wird von komplexen kriminellen Organisationen betrieben“, heißt es in der Mitteilung.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11318101

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.europol.europa.eu/media-press/newsroom/news/29-arrested-law-enforcement-strikes-criminal-networks-behind-illegal-streaming
  2. https://www.heise.de/news/Livetv-sx-DAZN-und-DFL-gelingt-Schlag-gegen-illegales-Fussball-Streaming-11285790.html
  3. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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Cisco stopft kritische Lücke in Unified CM und mehr

Von Heise — 04. Juni 2026 um 08:56
Cisco logo near Cisco headquarters campus in Silicon Valley

(Bild: Michael Vi/Shutterstock.com)

Cisco behandelt Sicherheitslücken in drei Produkten, darunter eine als kritisch eingestufte in Unified Communications Manager.

Cisco [1] hat am Mittwoch drei Sicherheitsmitteilungen zu teils als kritische eingestuften Schwachstellen veröffentlicht. Sie betreffen Ciscos Unified Communications Manager, Webex Meetings und Finesse. Admins sollten die bereitgestellten Updates zügig anwenden, da im Netz offenbar Proof-of-Concept-Exploit-Code für mindestens eine Lücke aufgetaucht ist.

Am schwersten wiegt eine Schwachstelle des Typs Server-Side Request Forgery (SSRF), bei der Angreifer Zugriff auf interne, geschützte Netzwerke erhalten. Einige HTTP-Anfragen werden laut Ciscos Mitteilung [2] nicht korrekt geprüft, sodass nicht authentifizierte Angreifer aus dem Netz sogar schreibenden Zugriff auf das Betriebssystem und dabei root-Rechte erlangen können (CVE-2026-20230, CVSS 8.6, Risiko „hoch“). Abweichend von der Einstufung nach CVSS sehen Ciscos Entwickler die Sicherheitslücke jedoch sogar als „kritisch“ an. Damit die Lücke ausnutzbar ist, muss der WebDialer-Dienst aktiviert sein – standardmäßig ist er das jedoch nicht. Ciscos Unified CM und Unified CM SME 14SU6 sowie 15SU5 stopfen das Leck, wobei letztere Fassung erst für den September 2026 angekündigt ist. Für diese Lücke ist im Netz Proof-of-Concept-Exploit-Code aufgetaucht, ergänzt Cisco, jedoch sei dem Hersteller noch kein bösartiger Missbrauch der Schwachstelle bekannt.

Lücken mit mittelschwerem Bedrohungsgrad

Außerdem können Angreifer aus dem Netz ohne vorherige Anmeldung in Ciscos Webex Meetings Cross-Site-Scripting-Angriffe ausführen und dabei Opfern in bösartigen Links JavaScript-Code unterschieben, der in ihrem Kontext ausgeführt wird (CVE-2026-20233, CVSS 6.1, Risiko „mittel“). Da die Software die Cloud-basierte Lösung von Cisco ist, haben die Entwickler die Fehler bereits serverseitig ausgebessert, schreiben sie in der Sicherheitsmitteilung [3]. Nutzer oder Admins müssten weiter nichts machen.

In Ciscos Finesse klafft eine Sicherheitslücke, die nicht authentifizierten Angreifern aus dem Netz das Einbinden beliebiger externer Dateien in aktive User-Sessions ermöglicht, was browserbasierte Angriffe erlaubt (CVE-2026-20175, CVSS 6.1, Risiko „mittel“). Angreifer, die die Adresse eines verwundbaren Gerätes kennen, können das durch Verleiten von Nutzern, auf einen sorgsam präparierten Link zu klicken, missbrauchen, erklärt Cisco [4]. Cisco Finesse 15.0(1)SU1 korrigiert den Fehler, ältere Versionen müssen auf diesen Entwicklungszweig migriert werden.

Vor rund drei Wochen hatte Cisco ein Sicherheitsleck mit Höchstwertung in Secure Workload [5] schließen müssen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11317923

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/thema/Cisco
  2. https://sec.cloudapps.cisco.com/security/center/content/CiscoSecurityAdvisory/cisco-sa-cucm-ssrf-cXPnHcW
  3. https://sec.cloudapps.cisco.com/security/center/content/CiscoSecurityAdvisory/cisco-sa-webex-xss-jw3NeQzS
  4. https://sec.cloudapps.cisco.com/security/center/content/CiscoSecurityAdvisory/cisco-sa-finesse-rfi-gwpkdc89
  5. https://www.heise.de/news/Cisco-stopft-Sicherheitsleck-mit-Hoechstwertung-in-Secure-Workload-11303363.html
  6. https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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Android Canary: Google testet umfangreiches Farb-Theming

Von Heise — 04. Juni 2026 um 10:02
Android Canary Juni 2026 auf Pixel 8 Pro in Hand

Android Canary: Juni-Update erweitert Theming-Möglichkeiten.

(Bild: Andreas Floemer / heise medien)

Google hat eine neue Android-Canary-Version veröffentlicht. Sie bringt erweiterte Farb-Theming-Optionen und das „Screen Reactions“-Feature für Screencasts.

Google hat die Juni-Version des „Entwicklerspielplatzes“ Android Canary veröffentlicht. Die neue experimentelle Android-Version enthält unter anderem ein umfangreich erweiterbares dynamisches Farb-Theming, das für Android 17 [1] angekündigte „Screen Reactions“-Feature [2] und mehr Transparenz.

Mehr Anpassungsmöglichkeiten

Seit einigen Android-Iterationen erweitert Google kontinuierlich die Möglichkeiten der Individualisierung des Erscheinungsbildes des Betriebssystems. Das System passt sich etwa seit Android 12 [3] und neuer farblich an den Bildschirmhintergrund an, wobei Nutzerinnen und Nutzer in den Einstellungen ein wenig nachbessern können. Dieses Theming erhält mit einer künftigen Android-Version offenbar ein großes Update. Hierfür testet Google in der aktuellen Canary-Version neue Funktionen.

Screenshots: Android Canary Juni-Build zeigen neue Theming-Optionen
Screenshots: Android Canary Juni-Build zeigen neue Theming-Optionen

Android Canary: Der Juni-Build bringt neue, experimentelle Theming-Optionen.

(Bild: Andreas Floemer / heise medien)

Wie Googler Mishaal Rahman auf X [4] zeigt, befindet sich in den Einstellungen „Hintergrund und Stil“ bei der Farbauswahl nun neben vorgeschlagenen Farboptionen erweiterte Einstellungsmöglichkeiten: Ein Druck auf die vorgeschlagenen Farboptionen öffnet ein Auswahlwerkzeug, um zwischen Farbnuancen „Neutral“, „Weich“, „Hell“ und „Fett“ zu wählen. Überdies befindet sich ein Farbpaletten-Symbol rechts im Menü, das einen Schieberegler für eine erweiterte Farbauswahl öffnet.

Was noch?

Abseits des Updates der Theming-Optionen enthält die neue Canary die für Android 17 angekündigte „Screen Reactions“-Funktion. Mit dieser können Kreative sich selbst und den Smartphonebildschirm gleichzeitig aufnehmen. Die Einstellungen hierfür befinden sich in der Bildschirmaufnahmefunktion. Hier wählt man „Gesamter Bildschirm“ aus, schon zeigen sich im Dialogfenster weitere Optionen wie „Selfie-Kamera anzeigen“ und „Berührungen anzeigen“.

Screenshots: Android Canary Sreen Reactions
Screenshots: Android Canary Sreen Reactions

Die Funktion „Screen Reactions“ soll laut Google mit Android 17 erscheinen.

(Bild: Andreas Floemer / heise medien)

Neben dem Starten-Knopf oben auf dem Bildschirm erscheint ein Farbpaletten-Symbol, mit dem Nutzerinnen und Nutzer die Farbe des Selfie-Hintergrunds auswählen können. Standardmäßig ist er transparent.

Screenshots Android Canary Juni Keyboard-Kachel in den Schnelleinstellungen
Screenshots Android Canary Juni Keyboard-Kachel in den Schnelleinstellungen

Android Canary: Das Juni-Update bringt Keyboard-Kachel in die Schnelleinstellungen

(Bild: Andreas Floemer / heise medien)

Neu, aber eher ein kleines Detail ist, dass Nutzer nun eine Keyboard-Kachel in den Schnelleinstellungen einfügen können. Hierüber kann man schnell zwischen Text- und Spracheingabe wechseln. Das ist letztlich aber eigentlich auch direkt über ein Mikrofon-Symbol in der Gboard-App möglich. Zudem erweitert Google seit der Mai-Version kontinuierlich die Unschärfeeffekte: Im Juni-Release sind sie nun auf den Sperrbildschirm und die Fingerabdrucktaste gewandert.

Experimentell

Die Canary-Version mit der Buildnummer ZP11.260515.009 mit dem Sicherheitspatch vom Mai 2026 steht für das Pixel 6 und neuer sowie die Pixel-Foldables und das Pixel Tablet zum Ausprobieren bereit. Google macht darauf aufmerksam, dass die Canary-Builds hochexperimentell und nicht für den Alltagseinsatz gedacht sind. Allzu lange dürften Pixel-Nutzer nicht auf die neuen Funktionen warten müssen. In den vergangenen Monaten fielen zahlreiche zuerst im Canary-Channel gezeigten Features wenige Tage später in die Android-17-Beta. Das neue Theming könnte mit dem Update Android 17 QPR1 [5], das im September erwartet wird, veröffentlicht werden.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11318031

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/thema/Android-17
  2. https://www.heise.de/news/Android-17-Einfacher-Umzug-von-iOS-mehr-AirDrop-und-Tools-fuer-Kreative-11290699.html
  3. https://www.heise.de/news/Android-12-Erstes-Optik-Update-seit-sieben-Jahren-6058672.html
  4. https://x.com/MishaalRahman/status/2062368711026315619
  5. https://www.heise.de/news/Google-veroeffentlicht-zweite-Beta-von-Android-17-QPR1-fuer-Pixel-Geraete-11285067.html
  6. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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heise+ | KI-Schreibhilfe: Cotypist für macOS im Test

Von Heise — 04. Juni 2026 um 08:00
Cotypist für den Mac

Cotypist für den Mac: Schreibinspiration – aber auch mehr.

(Bild: Accelerated Thought GmbH)

Texten mit etwas Magie: Cotypist für den Mac vervollständigt beim Tippen Sätze mit lokalen KI-Modellen.

Apples seit macOS 14 Sonoma verfügbare Tastaturoption „Inline-Textvorschläge“ vervollständigt angefangene Wörter beim Tippen. Der Vorschlag erscheint abgeschwächt hinter dem Cursor und lässt sich per Leertaste, Tab oder Return übernehmen. Die Bordfunktion unterstützt bislang nur Englisch, Französisch und Spanisch.

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Diese Lücke schließt nun Cotypist des deutschen Entwicklers Daniel Gräfe von der Accelerated Thought GmbH. Es ist in nahezu allen Apps verfügbar und benötigt dazu Zugriff auf die Bedienungshilfen. Das Tool zeigt im Unterschied zu Apples Vorbild nicht nur Vorschläge für angefangene Worte an, sondern auch nach Leer- und Satzzeichen. Dabei schlägt das Tool eine aus mehreren Wörtern bestehende, wahrscheinliche Satzfortsetzung vor. Per Tab übernimmt man einzelne Wörter, mit ^ die gesamte Phrase.

Die Tasten und die Vorschlagslänge lassen sich in den Einstellungen anpassen – statt der standardmäßigen „2 bis 4 Wörter“ sind bis zu „10 bis 15 Wörter“ möglich. Die Berechnung dauert aber länger, und die Vorschläge passen oft weniger gut zum Text.


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https://www.heise.de/-11296557

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DDR5-RAM kostet fast 400 Euro: KI-Boom macht PC-Bau zum Luxushobby

Von Telepolis — 04. Juni 2026 um 11:00
Zwei DDR5-RAM-Module liegen nebeneinander auf dunklem Untergrund.

Die Preise für DDR5-RAM sind aufgrund der hohen Nachfrage durch KI-Anwendungen stark gestiegen.

(Bild: LariBat / Shutterstock.com)

32 GB Arbeitsspeicher für unter 100 Euro? Das war einmal. Die KI-Nachfrage treibt RAM-Preise auf das Vierfache – mit Folgen für den gesamten PC-Markt.

Wer 2025 einen Gaming-PC zusammenstellte, gab für 32 GB DDR5-RAM zwischen 70 und 100 Euro aus. Heute liegt der Einstiegspreis für dieselbe Kapazität in Deutschland bei rund 400 Euro [1] – mehr als vervierfacht binnen eines Jahres.

In den USA markiert laut Tom's Hardware [2] ein Kit von Silicon Power mit 374,97 US-Dollar den absoluten Tiefstpreis.

Beliebtere Kits von Corsair oder Crucial mit RGB-Beleuchtung liegen bereits jenseits der 400-Dollar-Marke. 64 GB kosten rund 680 US-Dollar.

Hinter dem Preisschock steht ein strukturelles Problem: KI-Rechenzentren verschlingen einen Großteil der globalen Speicherchip-Kapazität.

Analysten von Morgan Stanley beziffern den Preisanstieg bei bestimmten Speicherchips auf das Sechsfache innerhalb eines Jahres und warnen vor einer "Chipflation", die von Rechenzentren auf die gesamte Wirtschaft [3] übergreife.

Samsung, SK Hynix und Micron kontrollieren zusammen fast 90 Prozent der weltweiten DRAM-Produktion – und priorisieren margenstarke HBM-Chips für Nvidia und Co. gegenüber herkömmlichem DDR5 für Endverbraucher.

Speicher wird zum teuersten Bauteil im PC

Für den DACH-Raum rechnet Gartner damit, dass DRAM- und SSD-Preise bis Ende 2026 um bis zu 130 Prozent steigen. PCs sollen sich dadurch im Schnitt um 17 Prozent verteuern, Einsteigergeräte drohen ganz vom Markt zu verschwinden [4].

Speicherkomponenten machen laut den Marktforschern künftig 23 Prozent der Materialkosten eines Notebooks aus – statt bislang 16 Prozent. Ein typischer Gaming-PC der Mittelklasse, der 2025 noch für 1300 bis 1500 Euro zu haben war, dürfte 2026 eher bei 1500 bis 1800 Euro landen.

Die Folgen für den Selbstbau-Markt sind bereits spürbar. Marktführer Asus stellt sich darauf ein, in diesem Jahr statt über 15 Millionen nur noch rund 10 Millionen Mainboards abzusetzen. Bei MSI und Gigabyte wird jeweils ein Minus von 25 Prozent erwartet, ASRock könnte sogar 37 Prozent einbüßen [5]. AMD rechnet mit einem Einbruch des Gaming-Umsatzes um mehr als 20 Prozent.

Nicht nur RAM ist knapp – auch CPUs werden rar

Parallel zum Speichermangel verschärft sich ein zweiter Engpass: Der CPU-Mangel ist mittlerweile akuter als die Speicherkrise [6]. Intel kann Bestellungen für die bei OEMs beliebten Raptor-Lake-Prozessoren nicht mehr vollständig bedienen und drängt Hersteller Richtung teurerer Core-Ultra-300-Modelle.

Nikkei Asia zitiert einen PC-Hersteller, der von 100 bestellten CPUs nur 30 erhalten habe – darunter zehn teurere Modelle, die er faktisch abnehmen musste.

Auch TSMC-Chef C.C. Wei erklärte laut Bloomberg auf der Hauptversammlung in Hsinchu, sein Unternehmen werde die weltweite Chip-Nachfrage "noch lange nicht befriedigen" [7] können. Hyperscaler allein planen 2026 Investitionen von 725 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur.

Was Verbraucher jetzt tun können

Wer auf DDR4 als Ausweichstrategie setzt, gewinnt nur bedingt Zeit: 32 GB DDR4 kosten in Europa inzwischen 150 Euro aufwärts, bei schrumpfendem Angebot. Die Plattform steuert auf ihr Lebensende zu, sodass ein Neubau auf DDR4-Basis eher zur Sackgasse wird [8].

Als Kompromiss taugen 16 GB DDR5 noch für Büroarbeit und Streaming – wer seinen Rechner aber drei Jahre nutzen will, kommt um 32 GB kaum herum.

SK Hynix rechnet damit, dass Produktionsengpässe bis 2030 anhalten [9]. Neun US-Branchenverbände haben die US-Regierung bereits in einem offenen Brief [10] aufgefordert, gegenzusteuern. Eine schnelle Entspannung ist aber nicht in Sicht.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11318212

Links in diesem Artikel:

  1. https://finance.yahoo.com/news/ddr5-ram-prices-level-off-170050107.html
  2. https://www.tomshardware.com/pc-components/ddr5/32gb-of-ddr5-now-costs-usd375-minimum-ai-shortage-continues-to-squeeze-pc-building
  3. https://www.reuters.com/business/retail-consumer/ai-chipflation-spreading-data-centers-wider-economy-morgan-stanley-warns-2026-06-03/
  4. https://www.heise.de/news/Speicherknappheit-Marktforscher-erwarten-das-Ende-guenstiger-Notebooks-11191208.html
  5. https://www.heise.de/news/Einbruch-auf-ganzer-Linie-Mainboard-Hersteller-rechnen-mit-starkem-Rueckgang-11290387.html
  6. https://www.heise.de/news/PC-Hersteller-CPU-Mangel-bereits-akuter-als-Speichermangel-11300358.html
  7. https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-06-04/tsmc-ceo-warns-chip-supply-won-t-meet-ai-fueled-demand-for-years
  8. https://www.heise.de/tp/article/RAM-Speicher-Warum-Smartphones-Konsolen-und-PCs-jetzt-noch-teurer-werden-11171329.html
  9. https://www.tomshardware.com/pc-components/dram/sk-group-chairman-says-memory-chip-shortage-will-last-until-2030
  10. https://www.ncta.com/news/cross-sector-trade-association-memory-chip-letter-to-treasury-and-commerce

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Microsofts neuer Quantenchip: Tausendmal stabiler – aber Zweifel bleiben

Von Telepolis — 04. Juni 2026 um 10:00
Detailaufnahme des Majorana-2-Chips

Detailaufnahme des Majorana-2-Chips

(Bild:  John Brecher für Microsoft)

Microsoft hat seinen neuen Quantenchip Majorana 2 vorgestellt. Bis 2029 soll ein kommerziell nutzbarer Quantencomputer kommen – doch Experten bleiben skeptisch.

Microsoft hat auf seiner Build-Konferenz den Quantenchip Majorana 2 präsentiert [1] und dabei weitreichende Versprechen gemacht: Die sogenannten Qubits – die Grundbausteine eines Quantencomputers – sollen auf dem neuen Chip tausendmal stabiler sein als auf dem Vorgängermodell Majorana 1.

Ambitionierter Zeitplan

Konkret gibt Microsoft eine mittlere Qubit-Lebensdauer von 20 Sekunden an, in Einzelfällen sogar bis zu einer Minute. Zum Vergleich: Andere gängige Ansätze messen Qubit-Lebensdauern in Mikrosekunden, also millionstel Sekunden. Microsoft vergleicht den Unterschied mit einem Mobiltelefon, das statt täglich nur alle paar Jahre aufgeladen werden muss.

Auf dieser Grundlage hat das Unternehmen seine ursprüngliche Zeitplanung halbiert. "Wir werden 2029 eine Quantenmaschine haben, die kommerziell sinnvolle, lösbare Probleme angehen kann", sagte Zulfi Alam, Corporate Vice President von Microsoft Quantum.

Der aktuelle Chip verfügt jedoch lediglich über zwölf Qubits – für einen praxistauglichen Quantencomputer wären nach Einschätzung des Unternehmens Millionen davon nötig.

Neues Material, neue Architektur

Der entscheidende technische Unterschied zum Vorgänger liegt laut Microsoft im verwendeten Materialmix: Majorana 2 ersetzt den Supraleiter Aluminium durch Blei und kombiniert diesen mit einer aktiven Halbleiterregion aus Indiumarsenid und Indiumarsenidantimonid.

Diese Änderung soll zu einer robusteren sogenannten topologischen Phase führen – einem besonderen Zustand der Materie, der sich von den bekannten Aggregatzuständen fest, flüssig und gasförmig unterscheidet. Die topologische Lücke, die Qubits vor äußeren Störeinflüssen und Fehlern schützen soll, sei dabei mehr als doppelt so groß wie beim Vorgänger, so das Unternehmen.

Die Bauelemente bestehen aus sogenannten Tetrons – einem Typ topologischer Qubits aus zwei supraleitenden Nanodrähten.

An deren Enden befinden sich Majorana-Nullmoden, die Quanteninformation über die Parität – also die Geradzahligkeit oder Ungeradzahligkeit der Elektronenanzahl – robust speichern sollen. Grundlegende Rechenoperationen werden durch Messungen ausgeführt, bei denen jede Paritätsmessung entweder eine 0 oder eine 1 liefert.

Bei der Entwicklung habe Microsofts KI-Plattform Microsoft Discovery eine wesentliche Rolle gespielt, so das Unternehmen. KI-Agenten sollen dabei geholfen haben, Arbeitsabläufe zu verwalten, Messungen zu automatisieren und Fertigungsprozesse zu optimieren.

Das manuelle Einstellen der Hunderten von Parametern, die für die Erzeugung eines topologischen Zustands nötig sind, dauere sonst Wochen. Die entscheidende Idee, Aluminium durch Blei zu ersetzen, sei jedoch von menschlichen Wissenschaftlern gekommen, betonte Jason Zander, Executive Vice President von Microsoft Quantum and Discovery.

Externe Prüfung – aber keine unabhängige Begutachtung

Als externen Prüfstein verweist Microsoft auf seine Teilnahme am Quantenbenchmarking-Programm der US-Verteidigungsforschungsbehörde DARPA.

Das Unternehmen ist eines von nur zwei Unternehmen, die in die Abschlussphase des Programms aufgenommen wurden. Dort soll Microsoft einen fehlertoleranten Prototyp auf Basis topologischer Qubits entwickeln. Zander erklärte, das Unternehmen habe DARPA sämtliche Daten und Arbeitsunterlagen zugänglich gemacht, einschließlich vertraulicher kommerzieller Informationen.

Das parallel zur Ankündigung veröffentlichte [2] wissenschaftliche Paper "20 Second Parity Lifetime in an InAs–Pb Tetron Device" wurde jedoch noch nicht einem unabhängigen Peer-Review-Verfahren unterzogen – also der Prüfung durch unabhängige Fachleute, die in der Wissenschaft als Qualitätsstandard gilt. Mehrere Wissenschaftler, mit denen die BBC darüber gesprochen hatte [3], forderten mehr Informationen.

Paul Stevenson, Physikprofessor an der University of Surrey, bezeichnete Microsofts Zeitplan als plausibel – sofern die Forschungsergebnisse den Behauptungen standhalten.

"Microsoft scheint einen Sprung bei der Entwicklung leistungsfähiger topologischer Qubits gemacht zu haben", sagte er. "Wenn sie Erfolg haben, werden sie von einem Unternehmen ohne funktionierenden Quantencomputer zu einem ernsthaften Mitbewerber im Rennen um die nächste Generation fehlertoleranter Maschinen."

Belastete Forschungsgeschichte

Die Ankündigung steht vor dem Hintergrund einer schwierigen Vergangenheit. Microsoft arbeitet seit rund zwei Jahrzehnten an topologischen Qubits auf Basis von Majorana-Zuständen.

Ein 2018 im Fachjournal Nature veröffentlichtes Paper, in dem das Unternehmen erstmals Belege für einen Majorana-Zustand zu haben glaubte, musste 2021 zurückgezogen werden, nachdem die ursprüngliche Datenanalyse wissenschaftlichen Qualitätsstandards nicht genügt hatte.

Auch der Vorgänger Majorana 1, den Microsoft im Februar 2025 vorstellte, stieß auf geteilte Reaktionen in der Fachwelt. Henry Legg, Physiker an der University of St Andrews, sagte der BBC damals, Microsofts Quantenforschung habe sich "fest von der Wissenschaft entfernt und den Bereich des Glaubens betreten".

Der Kernstreit: Ob die gemessenen Signale eindeutige Belege für Majorana-Nullmoden sind oder ob sie sich durch konventionellere physikalische Effekte erklären lassen. Zander entgegnete: "Wir stehen hundertprozentig dazu. Wir setzen auf wissenschaftliche Strenge. Wir begrüßen die Debatte, die schon immer Teil der Physik war."

Rennen mit der Konkurrenz

Microsofts Ansatz unterscheidet sich grundlegend von dem seiner Mitbewerber. Während Google mit seinem Chip Willow und IBM mit Nighthawk auf eine wachsende Zahl supraleitender Qubits mit verbesserter Fehlerkorrektur setzen, soll Microsofts topologische Architektur von Grund auf geringere Fehlerraten aufweisen – und damit den Aufwand für Fehlerkorrektur drastisch reduzieren. Beide Konkurrenten streben ebenfalls 2029 als Zieldatum für fehlertolerantes Quantencomputing an.

Gelingt es Microsoft, einen skalierbaren Quantencomputer zu bauen, könnten damit laut Zander Probleme angegangen werden, für die herkömmliche Rechner Jahrzehnte bräuchten.

"Es geht nicht darum, Menschen zu ersetzen, sondern ihnen Werkzeuge zu geben, die ihnen helfen, diesen Prozess zu beschleunigen", sagte Zander. Ob dieser Anspruch einlösbar ist, werden die kommenden Jahre zeigen.


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  1. https://news.microsoft.com/source/emea/2026/06/microsoft-stellt-majorana-2-vor/?lang=de
  2. https://quantum.scene7.com/is/content/quantum/Majorana-2-Tech-Paperpdf
  3. https://www.bbc.com/news/articles/cj4p7gyvp52o

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Junge Frauen swipen politisch – und filtern rigoros

Von Telepolis — 04. Juni 2026 um 09:21
Ein Mann und eine Frau lachen und schauen sich an.

Junge Menschen nutzen Dating-Apps auch, um politische Übereinstimmungen zu finden.

(Bild: iona didishvili / Shutterstock.com)

Wer auf Dating-Apps politisch falsch tickt, hat keine Chance – schon das Parteilabel reicht, um vor dem ersten Wort aussortiert zu werden.

Wer auf Tinder, Bumble oder Hinge nach rechts oder links wischt, trifft eine Entscheidung in Sekundenbruchteilen. Foto, Beruf, ein paar Hobbys – und zunehmend auch die politische Haltung.

Dass diese eine Angabe im Profil über Zuneigung oder Ablehnung entscheidet, zeigt eine neue Studie der Universität zu Köln, die im Fachjournal [1] European Sociological Review erschienen ist.

Die Ergebnisse legen nahe: In Zeiten affektiver Polarisierung funktioniert das Parteilabel als Schnellfilter – nicht für politische Kompatibilität, sondern als Proxy für Werte, Charakter und Lebensstil.

Die Studienautoren Ansgar Hudde und Shannon Taflinger ließen 1.097 US-Amerikaner im Alter von 20 bis 33 Jahren fiktive Dating-Profile bewerten, die zufällig mit "Demokrat", "Republikaner" oder ohne Parteiangabe versehen waren.

Die zentrale Erkenntnis: Nicht die Vorliebe für Gleichgesinnte treibt die Partnerwahl – sondern die Ablehnung der politischen Gegenseite.

Demokraten bewerteten republikanische Profile deutlich schlechter als neutrale, machten aber kaum einen Unterschied zwischen parteilosen und demokratischen Profilen. Republikaner hingegen zeigten beides: einen Bonus für die eigene Seite und einen Malus für die andere.

Demokratische Frauen reagieren am stärksten

Der Effekt ist nicht gleichmäßig verteilt. Wie die Pressemitteilung der Universität zu Köln [2] zusammenfasst, ist die Ablehnung der gegnerischen Seite bei demokratischen Frauen rund viermal so stark ausgeprägt wie bei republikanischen Frauen oder Männern.

"Viele Demokraten suchen nicht unbedingt nach einem Parteigänger. Sie suchen nach 'nicht republikanisch'", fasst Taflinger die Asymmetrie zusammen [3].

Dass politische Angaben im Profil überhaupt so starke Reaktionen auslösen, erklären die Forscher über drei Mechanismen:

  • Nutzer schließen von der Parteizugehörigkeit auf Persönlichkeitseigenschaften wie Offenheit oder Empathie.
  • Sie leiten daraus ab, ob jemand einen ähnlichen Lebensstil pflegt.
  • Und sie antizipieren, ob Familie und Freunde eine solche Beziehung gutheißen würden.

"Steht in dem Profil die politische Ausrichtung, nutzen Menschen diese Information, um genau solche Fragen zu beantworten", so Taflinger.

Übertragbarkeit auf Deutschland – und ihre Grenzen

Methodisch handelt es sich um ein kontrolliertes Online-Experiment mit randomisierten Profilen – kein echtes Swipe-Verhalten mit Matching-Algorithmen.

Die Stichprobe umfasst ausschließlich 20- bis 33-Jährige und damit den Kern der aktiven App-Nutzerschaft, bildet aber weder ältere Singles noch queere Konstellationen oder ethnische Minderheiten gezielt ab.

Dennoch sehen Hudde und Taflinger Parallelen zu europäischen Gesellschaften. In Mehrparteiensystemen wie dem deutschen seien die Abstufungen feiner – Anhänger von SPD und Grünen fänden leichter zueinander als jene von SPD und AfD.

"Ein gemeinsames Merkmal vieler Länder ist eine weit verbreitete Ablehnung rechtsextremer Parteien und ihrer Anhänger, und dies könnte sich auch auf das Dating erstrecken", sagt Hudde.

Tatsächlich können Nutzer auf Plattformen wie Bumble ihre politische Haltung angeben, direkt neben Beruf und Beziehungswunsch. "Man kann Leute also aus politischen Gründen aussortieren, bevor man auch nur ein Wort miteinander redet", so Hudde.

Dass sich gerade bei jungen Erwachsenen eine politische Geschlechterkluft auftut, bestätigen auch Daten aus Deutschland: Junge Frauen wählen deutlich linker als junge Männer – ein Gap, der laut Hudde "in der Bundesrepublik noch nie so groß [war] wie heute".

Wie eine aktuelle Studie von Medienforscherin Maya Götz zeigt [4], treiben Social-Media-Algorithmen junge Männer zudem in antifeministische und rechts orientierte Inhalte, was diese Kluft weiter verschärfen dürfte.

Politische Daten als sensibles Gut

Brisant ist auch die datenschutzrechtliche Dimension: Politische Meinungen gehören nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten [5]. Dating-Plattformen, die solche Angaben für Matching oder Filter nutzen, bewegen sich damit in einem regulatorisch sensiblen Bereich.

Gleichzeitig dürfte die Nachfrage nach politischen Filtern steigen – als Schutzfunktion gegen als inkompatibel empfundene Partner, aber auch mit dem Risiko, gesellschaftliche Filterblasen in den Beziehungsmarkt zu verlängern.


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  1. https://academic.oup.com/esr/advance-article/doi/10.1093/esr/jcag020/8699052
  2. https://idw-online.de/de/news871898
  3. https://www.eurekalert.org/news-releases/1130721
  4. https://www.heise.de/tp/article/Soziale-Medien-treiben-junge-Maenner-immer-tiefer-in-extreme-Rollenbilder-11312641.html
  5. https://support.bumble.com/hc/de/articles/28530907109405-So-nutzt-Bumble-die-Informationen-in-deinem-Profil

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Neue GitHub-Copilot-App soll Chaos bei agentengetriebener Entwicklung bändigen

Von Heise — 04. Juni 2026 um 10:10
Zwei Roboterhände auf einer ergonomischen Tastatur

(Bild: maxuser / Shutterstock.com)

GitHub hat auf der Microsoft Build eine Desktop-App vorgestellt, die parallele KI-Agentensitzungen bündelt und mit Agent Merge den CI/CD-Prozess begleitet.

GitHub hat im Rahmen der Microsoft Build 2026 eine eigenständige Desktop-Anwendung für seinen KI-Assistenten Copilot vorgestellt. Wie das Unternehmen in der Ankündigung ausführt, soll die Copilot-App als zentrale Oberfläche dienen, über die sich mehrere KI-Agentensitzungen parallel starten, beobachten und steuern lassen. Verfügbar ist die Software zunächst als Technical Preview für Abonnenten der Tarife Copilot Pro, Pro+, Business und Enterprise. In den beiden Business-Plänen müssen Administratoren vorab Preview-Funktionen sowie die Copilot-CLI in den Richtlinieneinstellungen freischalten.

Als Motivation hinter der neuen App führt GitHub in seinem Blog [3] an, dass die bislang verfügbaren Werkzeuge nicht auf den parallelen Einsatz mehrerer Agenten ausgelegt seien. Kontextinformationen verteilten sich über verschiedene Fenster, laufende Prozesse seien schwer nachzuverfolgen, und von Agenten erzeugter Code lande in Pull-Requests, ohne dass die Vorgeschichte dokumentiert sei. Nach Angaben des Unternehmens hat sich die Zahl der Commits auf der Plattform im Jahresvergleich nahezu verdoppelt und liegt bei mehr als 1,4 Milliarden pro Monat, parallel werden über zwei Milliarden Minuten GitHub Actions pro Woche verbraucht. Daraus leitet GitHub [4] die Notwendigkeit ab, die zugrunde liegenden Systeme für agentengetriebene Arbeitsabläufe zu härten.

My Work und isolierte Worktrees pro Sitzung

Zentrales Element der Anwendung ist eine Ansicht namens „My Work“. Sie führt aktive Agentensitzungen, Issues, Pull-Requests und Hintergrundautomatisierungen aus mehreren Repositories in einer gemeinsamen Oberfläche zusammen. Damit sollen Entwicklerinnen und Entwickler auf einen Blick erkennen, wo Handlungsbedarf besteht – etwa wenn ein Agent einen Bug in der Produktion analysiert, ein zweiter eine Backlog-Aufgabe abarbeitet und ein dritter Feedback aus einem Code-Review umsetzt. Über einen Posteingang lassen sich aus offenen Issues oder Pull-Requests direkt neue Sessions starten, ohne zwischen Browser-Tabs und lokalen Werkzeugen wechseln zu müssen.

Technisch läuft jede Agentensitzung in einem eigenen git worktree, also einer realen, isolierten Kopie des jeweiligen Branches. Dadurch sollen mehrere Agenten parallel an demselben Repository arbeiten können, ohne sich gegenseitig Änderungen zu überschreiben. Die App verwaltet diese Worktrees laut GitHub vollständig selbst: Sie legt sie automatisch an, trennt sie pro Session und entfernt sie nach Abschluss wieder. Allerdings verhindere diese Architektur Merge-Konflikte nur innerhalb der einzelnen Arbeitsverzeichnisse; beim späteren Zusammenführen in gemeinsame Branches könnten divergierende Änderungen weiterhin zu Konflikten führen. Zudem belegen parallele Worktrees lokale Ressourcen wie Speicherplatz und Dateihandles – das sollten Entwicklungsteams bei CI- und Backup-Konzepten unbedingt berücksichtigen.

Agent Merge und bestehende Freigaberegeln

Mit „Agent Merge“ hat GitHub zudem eine Funktion vorgestellt, die Pull-Requests durch Review, Continuous Integration und Merge begleiten soll. Das Werkzeug überwacht die CI-Pipelines, verfolgt erforderliche Reviewer, reagiert auf fehlgeschlagene Checks und wartet, bis alle Bedingungen erfüllt sind. Für Organisationen mit etablierten CI/CD-Prozessen betont der Hersteller, dass bestehende Review- und Merge-Anforderungen weiterhin gelten. Branch Protection Rules, verpflichtende Status-Checks und Reviewer-Vorgaben blieben aktiv. Teams können laut Ankündigung konfigurieren, wie weit Agent Merge eingreifen darf – ob es lediglich CI-Läufe wiederholt, Feedback aus Reviews umsetzt oder unter definierten Bedingungen auch automatisch Merges vollzieht.

Standardmäßig fordert der Cloud-Agent vor jedem schreibenden Vorgang eine Erlaubnis ein, etwa vor dem Anlegen eines Issues oder dem Hinterlassen eines Kommentars. Erst wenn ein Team genügend Vertrauen in die Automatisierung gefasst hat, lässt sich ein Autopilot-Modus aktivieren. GitHub betont, dass die Verantwortung für Richtlinien und für die Frage, welche Automatisierungen erlaubt sind, bei den jeweiligen Organisationen bleibt. Für mehr Nachvollziehbarkeit sollen sogenannte „Canvases“ sorgen. Damit sind bidirektionale Arbeitsflächen für Menschen und Agenten gemeint, auf denen Pläne, Zwischenstände und Entscheidungen sichtbar bleiben, anstatt im Chatverlauf unterzugehen.

Sandboxes, erweitertes Code-Review und SDK

Ergänzend führt GitHub lokale und cloudbasierte Sandboxes ein, in denen Agenten Code ausführen, testen und iterieren sollen, ohne bereits Produktivsysteme zu berühren. Bei lokaler Ausführung läuft Copilot in einer isolierten Umgebung mit eingeschränktem Zugriff auf das Dateisystem, das Netzwerk und die Systemfunktionen. Cloud-Sandboxes nutzen dazu kurzlebige Linux-Umgebungen, die GitHub selbst betreibt. Die Richtlinien dafür legen Organisationen jeweils selbst fest – ein Punkt, der für Unternehmen mit strengen Compliance-Anforderungen relevant sein dürfte.

Die Copilot-Code-Review wurde um einen „Medium Tier“ erweitert, der Pull-Requests an ein leistungsfähigeres Modell weiterreicht. Auf Repository-Ebene können Administratoren entscheiden, ob ein kostengünstigeres oder ein präziseres Modell eingesetzt wird, etwa stärkere Modelle für sicherheitskritische Codebasen. Ergänzt wird das Review durch spezielle Skills wie /security-review und /rubberduck. Das GitHub-Copilot-SDK steht ab sofort generell zur Verfügung (GA), unter anderem für Node.js, Python, Go, .NET, Rust und Java. Teams sollen damit eigene agentische Werkzeuge auf demselben Runtime-Unterbau entwickeln können.

Auch die Copilot-CLI hat GitHub überarbeitet. Eine neue textbasierte Oberfläche mit Tabs gehört ebenso zu den Neuerungen wie eine On-Device-Spracherkennung, bei der Audiodaten das Gerät nach Angaben des Anbieters nicht verlassen, sowie geplante Aufgaben über den Befehl /every. Als Partner im Ökosystem nennt GitHub unter anderem LaunchDarkly, PagerDuty, Sonar und Miro, die als Agent-Apps in Copilot integriert werden sollen.


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  1. https://clc-conference.eu/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_clc.empfehlung-ho.link.link&LPID=35283
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Dev Configs: Windows-Entwicklerrechner per Einzeiler

Von Heise — 04. Juni 2026 um 09:32
Ein graues Symbol für eine Datei mit einem Blitz und drei Linien auf einem Hintergrund mit vielen blauen Windows-Logos.

(Bild: Microsoft / Moritz Förster / KI / iX)

Mit den neuen Dev Configs von Microsoft wird aus einer Windows-Installation per Einzeiler ein fertiger Entwicklerarbeitsplatz – inklusive WSL und Ubuntu.

Microsoft hat mit Dev Configs for Windows eine Open-Source-Sammlung von Konfigurationen veröffentlicht, die Entwicklerarbeitsplätze unter Windows automatisiert einrichtet. Die Konfigurationen bauen auf der WinGet-Funktion winget configure auf und sollen einen frisch installierten Rechner mit einem einzigen Befehl in eine einsatzbereite Entwicklungsumgebung verwandeln. Sie sind deklarativ aufgebaut, durchlaufen automatisierte Tests und lassen sich laut Microsoft gefahrlos mehrfach ausführen.

Das Projekt zielt auf Entwickler, die ihre Arbeitsumgebung reproduzierbar aufsetzen wollen – auf einem neuen Notebook, einer Testmaschine oder in Teams mit standardisierten Setups. Statt eigene Installationsskripte zu pflegen, beschreiben die Konfigurationen den gewünschten Endzustand eines Systems. Microsoft unterscheidet drei Anwendungsfälle: einen vollständigen Entwicklerarbeitsplatz für Windows, eine erweiterte Shell-Umgebung für WSL sowie einzelne Sprach- und Framework-Workloads.

Komplettes Entwickler-Setup für Windows 11

Die umfangreichste Variante heißt „Windows Dev Config“. Sie installiert typische Entwicklerwerkzeuge, darunter PowerShell 7, Git, GitHub CLI, Visual Studio Code, .NET SDK 10, Python 3.13 mitsamt dem Paketmanager uv, Node.js, Oh My Posh und die PowerToys. Zusätzlich passt die Konfiguration Windows selbst an und aktiviert etwa den Entwicklermodus, lange Dateipfade und den Dark Mode. Auch Datei-Explorer, Startmenü, Suche und Edge erhalten neue Voreinstellungen.

Einen Schwerpunkt legt Microsoft auf das Windows-Subsystem für Linux [1] (WSL). Die Konfiguration installiert WSL samt Ubuntu und überbrückt den dafür nötigen Neustart automatisch. Dazu nutzt sie den Windows-Mechanismus RunOnce, der eine Aufgabe nach dem nächsten Anmelden einmalig ausführt. Anwender müssen nach dem Reboot nicht eingreifen – die Installation läuft selbstständig durch.

Komfortable Shell-Umgebung mit WSL Comfort

Ferner bietet Microsoft mit „WSL Comfort“ eine Konfiguration speziell für die Arbeit mit Linux unter Windows. Sie läuft wahlweise interaktiv oder mit dem Schalter -NonInteractive unbeaufsichtigt und richtet sowohl die Windows- als auch die Linux-Seite ein. Anwender wählen zwischen Bash und Zsh und können optional den Prompt-Generator Starship, Homebrew oder verschiedene moderne Kommandozeilenwerkzeuge dazunehmen. Das Linux-Skript comfort-shell-bootstrap.sh läuft auch eigenständig auf jedem Ubuntu-Host.

Zu diesen Werkzeugen zählen rg (ripgrep) für schnelle Volltextsuchen im Quellcode, bat als Alternative zu cat mit Syntaxhervorhebung, zoxide für eine lernfähige Verzeichnisnavigation sowie fzf, fd, eza und jq. Auf der Windows-Seite richtet die Konfiguration ein angepasstes Profil für das Windows-Terminal sowie die Schriftart Cascadia Code Nerd Font ein. Nerd Fonts enthalten zusätzliche Symbole, die moderne Shell-Prompts etwa für Git-Branches oder Statusanzeigen nutzen.

Einzelne Workloads statt Komplettpaket

Wer keine vollständige Entwicklungsumgebung benötigt, kann stattdessen einzelne Workloads installieren. Microsoft nennt unter anderem TypeScript, Python, .NET, Go, Java, Rust, PHP, WinForms und WinUI 3. Jede dieser Konfigurationen bringt eine eigene Datei configuration.winget mit sowie ein Hilfsskript install.ps1, das die Installation anstößt und die PATH-Variable in der aktuellen Shell-Sitzung aktualisiert.

Technisch knüpfen die Dev Configs an die vorhandenen Konfigurationsfunktionen von WinGet an. Die Dateien beschreiben Pakete, Systemeinstellungen und Nachinstallationsschritte deklarativ. Da sie den Zielzustand statt einzelner Schritte definieren, lassen sich Setups zuverlässig wiederholen und auf weitere Rechner übertragen. Voraussetzung ist eine aktuelle Version des App Installers; falls winget configure nicht verfügbar ist, lässt sich die Funktion einmalig mit winget configure --enable aktivieren.

Erweiterung für die PowerToys angekündigt

Bereits angekündigt ist eine Erweiterung für die Command Palette der PowerToys. Sie soll die im Projekt definierten Konfigurationsabläufe direkt als auswählbare Einträge anbieten, sodass Anwender die jeweiligen Konfigurationsdateien nicht mehr manuell angeben müssen.

Mit den Dev Configs verfolgt Microsoft einen Ansatz, der an Dotfile-Sammlungen, Infrastructure as Code und automatisierte Entwickler-Setups unter Linux oder macOS erinnert. Weitere Details und die vollständige Liste der unterstützten Toolchains finden sich in der Dokumentation auf Microsoft Learn [2] sowie im GitHub-Repository des Projekts [3].


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  1. https://www.heise.de/news/Microsoft-bringt-Linux-Container-fuers-WSL-11317346.html
  2. https://learn.microsoft.com/en-us/windows/dev-configs/
  3. https://github.com/microsoft/WindowsDeveloperConfig
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Wegwischen – Die unsichtbaren Kosten der Reibungslosigkeit

Von Heise — 04. Juni 2026 um 09:05
Ansicht einer Müllhalde mit mehreren Baggern im Vordergrund

(Bild: PradeepGaurs / Shutterstock.com)

Gute UX versteckt ihren Müll. Aber er verschwindet nicht – er landet in Rechenzentren, Lieferketten und Telemetriedatenbanken.

Du öffnest eine App. Nur kurz. Eine Minute. Du willst nichts kaufen, nichts posten, nichts streamen – du willst nur sehen, ob da was ist. Das ist dein Plan. Die App hat einen anderen.

Noch bevor dein Daumen die erste Geste beendet, rollen im Hintergrund Dinge los, die sich in der UX-Folklore „Erlebnis“ nennen und in der Netzwerkanalyse eher wie Müllabfuhr klingen: DNS-Anfragen fahren vor, TLS-Handshakes klacken und klirren wie Altglascontainer, ein CDN kippt dir Assets vor die Füße, während ein Tag-Manager entscheidet, welche Drittparteien heute auf der Tour mitfahren dürfen. „Nur ein klitzekleines Skript“, sagt jemand im Sprint-Review, und meint damit: zusätzliche Domains, zusätzliche Requests, zusätzliche CPU-Zeit auf dem Endgerät, zusätzliche Logs, zusätzliche Datenhaltung, zusätzliche Menschen, die das später „Observability“ nennen.

Du, als Nutzerin oder Nutzer, merkst davon nichts. Du sollst davon nichts merken. Das ist ja der Punkt.

Gute UX ist, wenn sich die Mülltonne von allein leert. Schlechte Ökologie ist, wenn sich die Mülltonne von allein leert.

Materieller Müll stinkt irgendwann, er stapelt sich, er ist schwer und sichtbar. Im Digitalen ist er leicht, unsichtbar und schmiegt sich in Wörter, die so hygienisch klingen, dass man sich damit die Hände waschen möchte: Engagement, Retention, Personalisierung, Experience. Das Interface ist die weiße Küche der Gegenwart: glatte Flächen, keine Krümel, keine Ränder. Und genau wie die weiße Küche nur deshalb so sauber bleibt, weil der Dreck sofort hinter die Front geschoben wird, bleibt das „clean“ designte Produkt nur deshalb so reibungslos, weil es im Hintergrund permanent Daten bewegt, speichert, dupliziert, verdichtet, rehydriert, vorhält – und wieder wegwirft.

Man kann das als Nebenfolge sehen. Als Schatten der Digitalisierung. Ein paar zusätzliche Requests hier, ein paar MByte dort, ein bisschen Strom in Rechenzentren, die ohnehin laufen. Wenn es sich für uns kostenlos anfühlt, muss es doch gut sein, oder?

Oder man nimmt den Müll ernst – und dann wird er zum Spiegel.

Müll als Folge, Müll als Spiegel

Im Folgen-Modell ist digitaler Müll [2] das, was „leider“ anfällt: Datenfäule in alten Backups, Telemetrie-Events, die niemand auswertet, Cache-Leichen, doppelte Fotos, unendliche Versionen von „final_final_7.pdf“. Man optimiert dann ein bisschen: Kompression hier, CDN dort, ein neues Format, ein neuer Codec, ein Green-Hosting-Siegel. Alles richtig, alles nötig – und trotzdem fühlt es sich an wie Mülltrennung auf einem Kreuzfahrtschiff: Die Geste ist ernst gemeint, aber das System, in dem sie stattfindet, ist so strukturell überdimensioniert, dass sie darin spurlos verschwindet.

Im Spiegel-Modell ist digitaler Müll nicht der Kollateralschaden, sondern das Indiz eines totalen Schadens: Er zeigt, dass das System auf Müllproduktion angewiesen ist. Nicht weil Entwicklerinnen und Entwickler böse sind, sondern weil die ökonomische Grammatik vieler Produkte lautet: mehr Interaktion, mehr Messung, mehr Personalisierung, mehr Auktion, mehr Ausspielung. Wer das Interface baut, baut damit auch den Müll.

Und plötzlich ist „UX“ nicht nur die Frage, ob ein Button 44 Pixel hoch ist, sondern auch, ob ein Button 44 Pixel CO₂e hoch ist.

Der Rebound-Effekt: Wir optimieren uns nicht heraus

Bevor der Hoffnungsschimmer „bessere Codecs, effizientere Hardware, grüneres Hosting“ zur Erlösung wird, lohnt ein Blick auf das Jevons-Paradox: Der britische Ökonom William Stanley Jevons beschrieb 1865 in seinem Buch „The Coal Question“, dass effizientere Dampfmaschinen nicht weniger Kohle verbrauchten, sondern mehr – weil Effizienz die Nutzung billiger und damit attraktiver macht. Was damals für Kohle galt, gilt heute für Datentransfer, Rechenleistung und Speicher. Effizienzgewinne werden durch Mehrnachfrage aufgefressen. Bessere Kompression bedeutet mehr gestreamte Inhalte in höherer Auflösung. Günstigerer Cloud-Speicher bedeutet mehr gespeicherte Daten. Das Green-Hosting-Siegel macht die einzelne Anfrage sauberer – und motiviert gleichzeitig, mehr Anfragen zu senden.

Die Cloud ist die Deponie mit API

Das Gemeine am digitalen Müll: Er ist weg, sobald man ihn nicht mehr sehen will. Dafür sorgen Lifecycle Policies, Log-Rotation, Object Storage mit „Archive“-Tier, automatische Skalierung, Caching und Invalidierung. Tausende „Müllfahrzeuge“ fahren, nur heißen sie heute Batch-Jobs, Pipelines und Daemons. Am Morgen ist die Tonne leer. Wo der Müll geblieben ist, weiß kaum jemand. Er ist halt weg. Und die Verdrängung wirkt.

Dabei ist das „weg“ eine teure Illusion. Rechenzentren sind inzwischen so groß, dass sie als eigener Stromsektor diskutiert werden: Die Internationale Energieagentur (IEA) [3] beziffert ihren Stromverbrauch 2024 auf rund 415 TWh – etwa 1,5 Prozent des gesamten Weltstromverbrauchs, gewachsen um 12 Prozent pro Jahr seit 2017. Im Basisszenario erwartet die IEA bis 2030 ungefähr eine Verdopplung auf rund 945 TWh, was dem heutigen Jahresstrombedarf Japans entspricht.

UX als Wegwerfmaschine: Die Abschaffung des Endes

Im materiellen Konsum gibt es einen Moment der Entscheidung: Ich kaufe. Ich bezahle. Ich trage nach Hause. Im digitalen Konsum wurde dieser Moment systematisch zersägt, mikrosegmentiert und in Gesten aufgelöst, die sich nicht wie Entscheidungen anfühlen: ein Wischen, ein Tap, ein „Continue“, ein „Next up“. Der digitale Müll ist die Spur dieser Entscheidungen, die eigentlich keine sein wollen – und die nie enden.

Infinite Scroll ist nicht einfach ein Layout. Es ist ein Vertrag: Du wirst hier keinen natürlichen Abbruch finden, also musst du selbst abbrechen – gegen die Schwerkraft des Designs. Autoplay ist nicht einfach Komfort. Es ist Default-Konsum. Skeleton Screens sind nicht einfach „freundliche“ Ladeindikatoren. Sie sind Toleranztraining: Warte ruhig, wir laden schon noch mehr nach, du hast ja Zeit. Und Microinteractions – Konfetti, Lottie-Animationen [4], haptisches Feedback – sind nicht per se schlecht. Aber sie werden oft wie Puderzucker auf ein System gestreut, das im Hintergrund eine ganze Industrie simuliert, damit User länger bleiben.

Satire, aber leider wahr: Wir haben das Interface so optimiert, dass es Nutzer davon abhält, überhaupt zu merken, dass sie gerade Infrastruktur verheizen.

Generative KI: Der nächste unsichtbare Multiplikator

„AI“ ist der nächste große Sprung in der unsichtbaren Infrastruktur. Eine einzelne Anfrage an ein großes Sprachmodell verbraucht nach aktuellen Schätzungen ein Vielfaches mehr an Energie als eine klassische Websuche. Die Modelle werden zwar effizienter, aber das Jevons-Paradox lässt grüßen: Was pro Anfrage gespart wird, wird durch das schiere Wachstum der Nutzung mehrfach aufgefressen. Und „AI-Features“ werden gerade in jedes Interface eingepflegt – als Autocomplete, als Zusammenfassung, als smarter Suchvorschlag, als Microinteraction.

Was früher ein statisches UI-Element war, ist heute ein API-Call mit GPU-Last im Hintergrund. Im UI: Nur ein freundliches Textfeld, das „denkt“.

Das ist nicht per se falsch. Aber es verschiebt die Kalkulation: Was kostet dieses Feature wirklich? Und wäre eine einfachere Lösung – eine Suche mit klassischem Index, eine statische FAQ-Seite oder ein gut strukturiertes Interface – nicht die ökologisch ehrlichere Antwort?

Clean UI, Dirty Backend: Der Ekel als Designprinzip

Ekel ist nicht nur Biologie, sondern Kultur. Und Kultur lässt sich industrialisieren. Was Menschen als schmutzig, riskant oder unsexy empfinden, ist nicht Natur – es ist Erziehung. Die Lebensmittelindustrie hat das mit Pasteurisierung und Verpackungsdesign vorgemacht: Was früher selbstverständlich war (unbehandelte Milch, sichtbare Reifung, anfassbare Rohware), gilt heute als hygienisch bedenklich. Nicht, weil es gefährlicher geworden wäre, sondern weil eine Industrie davon profitiert, dass wir Abstand halten. Im Digitalen läuft dasselbe Spiel, nur mit anderen Objekten.

„Offline“ wirkt schmuddelig. Lokale Dateien wirken chaotisch. Einstellungen wirken gefährlich. Cache wirkt wie Schmutz, den man regelmäßig „bereinigen“ muss, am besten per Ein-Klick-Optimizer (Abo optional). Dahingegen wirkt „Stream“ sauber, „Sync“ modern, „Cloud“ professionell und „AI“ ohnehin wie desinfiziert.

So entsteht ein Autonomie-Ekel: Alles, was Nutzerinnen und Nutzern Kompetenz und Entscheidung zurückgibt, wird als unsexy und riskant markiert. Und alles, was Entscheidung abnimmt, wird als Komfort verkauft.

Das ist keine Verschwörung, das ist Kulturtechnik. Und UX ist ihr Werkzeugkasten.

Der digitale Tetrapak: Consent-Banner und Adtech als Verbundwerkstoff

Der Tetrapak ist das Paradebeispiel für technisch perfekten, aber ökologisch widersinnigen Verbundmüll. Fünf Schichten: Polyethylen, Pappe, Polyethylen, Aluminium, Polyethylen – unlösbar miteinander verschweißt, damit der Inhalt länger haltbar bleibt. Ölindustrie, Forstwirtschaft, Bergbau, alles in einer Verpackung. Recyceln ist theoretisch möglich, praktisch kaum. Das digitale Pendant ist eine UI-Komponente, die wir alle kennen und doch nie wirklich gesehen haben: das Consent-Banner.

Es besteht aus Schichten, die kaum noch zu trennen sind:

  • „Wir respektieren Ihre Privatsphäre“
  • „Partner: 847“
  • „Legitimate Interest“
  • Button-Architektur: „Alle akzeptieren“ als Primäraktion, „Ablehnen“ als Link in winziger Schrift
  • „Einstellungen speichern“ mit einem Flow, der sich anfühlt wie das Hochlaufen einer stillstehenden Rolltreppe – das Gerät verspricht Unterstützung, aber man trägt alles selbst

Technisch heißt das: zusätzliche Third Parties, zusätzliche Handshakes, zusätzliche Skript-Ausführung auf dem Client, zusätzliche Auktionen und zusätzliche Telemetrie. Kurz: Müll.

Und hier wird die Spiegelthese plötzlich greifbar: Der Müll ist nicht die Folge einer an sich guten Sache („kostenloser Content“), sondern das Indiz dafür, dass das Geschäftsmodell Müll braucht, wie der Tetrapak Einweg braucht.

Gerätelebensdauer: Die vergessene Variable

Die Betriebsenergie ist eine Seite der Rechnung. Die andere ist die Herstellung von Endgeräten. Bei Smartphones macht die Produktion – Stichwort eingebettetes CO₂, seltene Erden, Lieferketten – rund 80 Prozent des gesamten Lebenszyklusabdrucks aus, bei manchen Modellen sogar mehr. Ein Interface, das ältere Geräte durch hohe JavaScript-Last, erzwungene App-Updates oder faktische Mindest-OS-Anforderungen veraltet, produziert also auch Müll, nur eben im Materiellen, am anderen Ende der Lieferkette.

Schlankes, robustes Interface-Design ist damit nicht nur ökologische Nettigkeit, sondern direkte Verlängerung der Gerätelebensdauer. Und das schlägt einen schönen Bogen zurück zu Oliver Schlaudts Originalthema: Müll, der sichtbar wird – nur eben als Geräteschrott statt als Datenmüll.

Low-Waste UX: Ein Selbstexperiment ohne Askese

Zero Waste im Digitalen klingt nach Detox, nach Verzicht, nach „kein Spaß mehr“. Das ist marketingtechnisch unklug und anthropologisch falsch. Der bessere Einstieg ist ein Low-Waste-Experiment: nicht weniger Leben, sondern weniger Müll.

Die ersten 50 Prozent liegen im Ermessen jedes Entwicklungsteams – und sind beschämend leicht:

  • Autoplay aus, standardmäßig
  • Konservative Default-Auflösung (Data Saver als Norm, nicht als Sparoption zweiter Klasse)
  • Preload/Prefetch nur, wenn ein plausibler Pfad existiert
  • Push-Notifications Opt-in, nicht Opt-out
  • Bewegungsdesign als Progressive Enhancement, nicht als Grundrauschen

Die nächsten 50 Prozent sind produktpolitische Entscheidungen:

  • Infinite Scroll bekommt Stop-Points: Kapitel, Seiten, „Du bist hier fertig“-Momente
  • „Are you still watching?“ nicht als Schikane, sondern als Autonomie-Checkpoint
  • Consent wirklich symmetrisch (ablehnen so leicht wie akzeptieren)
  • Tracking wird von „default“ zu „begründet“: Welche Frage beantworten wir? Welche Events brauchen wir dafür wirklich?

Daten reifen lassen

Die überraschend fruchtbare Übertragung kommt aus der Lebensmittelkunde: Pasteurisierung macht Milch haltbar, hygienisch und jederzeit verfügbar, aber sie stoppt auch den Fermentationsprozess, aus dem Käse, Joghurt oder Butter entstehen. Die Digitalisierung macht dasselbe mit Daten: alles einfrieren, alles vorhalten, alles frisch. Der Denkwechsel wäre: weg vom hygienischen Stillstellen, hin zum Prozessdenken – kurze Retention als Default, Aggregation statt Event-Fetisch, Sampling statt Totalüberwachung und ein „Right to Rot": Daten laufen ab wie Joghurt, und nur wer einen Grund hat, verlängert.

Positive Gegenbeispiele

Es gibt bereits Interfaces, die zeigen, dass es anders geht:

Low-Tech Magazine [5] betreibt eine solarbetriebene Website mit sichtbarem Akkustand im Header. Wenn die Sonne nicht scheint, ist die Seite offline. Keine Metapher, sondern eine technische Tatsache als UX-Entscheidung.

GOV.UK [6] hat sich radikal schlankes Design auf die Fahne geschrieben: minimales JavaScript, keine Third-Party-Tracker, klare Informationsarchitektur. Das Ergebnis ist kein Designpreis, sondern ein besonders niedriges Page Weight unter den meistgenutzten Webpräsenzen Europas.

Das sind keine Erlösungsnarrative. Sie sind Belege dafür, dass Entscheidungen möglich sind, und dass sie nicht zwingend schlechtere Produkte erzeugen.

Visionen: Pfand, Ampel, Carbon Mode

Wenn Müll Spiegel des Konsums ist, braucht man Kulturtechniken, die den Spiegel wieder ins Blickfeld holen. Es folgen drei Gedankenexperimente, die nicht rein hypothetisch sind. Denn zu allen dreien gibt es bereits Vorläufer, Werkzeuge oder politische Initiativen. Was fehlt, ist nicht die Idee, sondern der Wille, sie zur Norm zu machen.

Das Datenpfand

Wer Telemetrie in Umlauf bringt, zahlt Pfand. Zurück gibt es das Pfand nur bei nachweislicher Löschung, Minimierung oder Retention-Limits. Kein Pfandbon, keine Personalisierung.

Die Idee klingt radikal. Sie ist es nicht – zumindest nicht in ihrer Grundstruktur. Die DSGVO [7] enthält seit 2018 exakt dieses Prinzip als Rechtspflicht: Datensparsamkeit und Speicherbegrenzung schreiben vor, dass personenbezogene Daten nur so lange aufbewahrt werden dürfen, wie es der ursprüngliche Zweck erfordert. Was fehlt, ist die Konsequenz in der Praxis. Retention Limits werden selten aktiv durchgesetzt, die Aufsichtsbehörden sind personell unterbesetzt, und das wirtschaftliche Interesse liegt klar auf der Seite der Datenhaltung.

Das Pfand-Modell dreht die Anreizstruktur um: Löschung wird der Normalfall. Denkbar wäre ein öffentlich einsehbares Pflichtregister für Telemetrie-Datenflüsse, das maschinell lesbar wäre und Retention-Angaben enthielte. Oder eine Infrastrukturabgabe für Datenhaltung jenseits definierter Fristen, nicht als Strafe, sondern als Internalisierung externer Kosten: Speicherstrom, Redundanz, Sicherheitsaufwand. Und schließlich ein „Right to Expiry“: ein gesetzlich verankerter Anspruch darauf, dass bestimmte Datenkategorien nach festgelegten Fristen automatisch verfallen, ohne dass Nutzerinnen und Nutzer aktiv handeln müssen.

Die Zutatenliste und Feature-Ampel

Das nächste Sprint-Review. Jemand präsentiert ein neues Carousel, einen KI-gestützten Vorschlags-Feed oder ein Echtzeit-Tracking-Dashboard. Die Folie zeigt: „Nutzerzufriedenheit +12 Prozent, Retention +8 Prozent“. Was die Folie nicht zeigt: „+4 Third-Party-Domains, +230 ms Main-Thread-Blocking, +1,4 GByte Datenhaltung pro Monat, +1 neuer Subdomain-Scope für die nächste Datenschutzverletzung“.

Eine Feature-Ampel macht genau diesen unsichtbaren Teil sichtbar, nicht als Veto, sondern als Informationsgrundlage. Jede Funktion bekommt eine Zutatenliste: zusätzliche Requests, Third Parties, JavaScript-Ausführungszeit, Datenhaltung. Nicht um Produktteams zu beschämen, sondern um sie zu entzaubern: „Das ist nicht nur ein kleines UI-Upgrade.“

Die Inspiration kommt aus zwei Richtungen. Der Nutri-Score für Lebensmittel zwingt Hersteller, ihre Rezepturen zu rechtfertigen – kein Verbot von Zucker, aber ein Ende der Unsichtbarkeit. Analog bewertet das Website Carbon Rating System [8] von Wholegrain Digital Websites von A+ bis F nach CO₂-Ausstoß. Die Web Sustainability Guidelines [9] (Group Note Draft 2026) des W3C liefern das bisher ausgefeilteste Rahmenwerk: 80 Richtlinien, 225 Erfolgskriterien. Das Tooling existiert bereits: co2.js [10] der Green Web Foundation lässt sich in Deployment-Pipelines integrieren, Ecograder [11] auditiert URLs mit priorisierten Handlungsempfehlungen.

Carbon Mode als UX-Standard

Ein Modus, der Motion reduziert, Videos konservativ einstellt, Prefetch limitiert, Third Parties kappt, Offline priorisiert. Nicht als „Sparmodus für Arme“, sondern als Qualitätsmerkmal: ein Interface, das auch ohne Dauerfeuer gut ist.

Dieser Modus ist technisch bereits zu einem erheblichen Teil implementierbar. prefers-reduced-motion [12] ist eine CSS Media Query mit breiter Browserunterstützung: Nutzerinnen und Nutzer geben im Betriebssystem an, dass sie weniger Bewegung bevorzugen, und Webseiten schalten Animationen, Parallax-Effekte und Autoplay ab. Der Save-Data HTTP Header [13] funktioniert in mobilen Chromium-Browsern bereits heute. prefers-reduced-data [14] ist noch kein stabiler Standard, aber als W3C-Entwurf in Arbeit: eine Media Query, die es erlaubt, per CSS direkt zu reagieren, etwa um Webfonts wegzulassen, Hintergrundbilder zu ersetzen oder Autoload zu deaktivieren.

Was fehlt, ist nicht die Technik. Es ist das Framing.

Ein Energiesparhaus ist kein Haus zweiter Klasse, sondern ein gut gebautes Haus. Doch der „Sparmodus“ in digitalen Produkten gilt als Rückschritt. Dieses Framing schützt das Engagement-Modell.

Den Carbon Mode als Qualitätsmerkmal zu verankern bedeutet, das Framing zu drehen: Das Basiserlebnis ist das ressourcenschonende. Wer mehr will, also höhere Auflösung, Echtzeitdaten oder Animationseffekte, aktiviert es bewusst. Ein Interface, das dieses Prinzip konsequent umsetzt, ist nicht weniger gut. Es ist ehrlicher.

Schluss: Was der Müll über „gute UX“ sagt

Die unangenehme Wahrheit von der digitalen Deponie lautet nicht, dass ein paar Tracker oder Animationen „leider“ Energie kosten. Sie lautet: Unsere Definition von guter UX wurde zu oft mit Reibungslosigkeit verwechselt – und Reibungslosigkeit ist in einer Engagement-Ökonomie fast immer Müllproduktion.

Vielleicht müssen wir Verbraucherschutz im Digitalen neu lesen: nicht nur Nutzerinnen und Nutzer vor Konzernen schützen, sondern sie davor schützen, zu reinen Konsumenten zu werden. Das heißt nicht: zurück in die Kommandozeile. Es heißt: Interfaces bauen, die natürliche Abbruchpunkte zulassen, Entscheidungen sichtbar machen, Daten altern lassen und Autonomie nicht als Dreck markieren.

Das gute digitale Leben wartet nicht im nächsten Feature-Release. Es wartet in einem Interface, das wieder „Nein" sagen kann – zu Autoplay, zu unendlichem Scrolling, zu Telemetrie ohne Opt-in. Und ja, es wartet auch in einem Cache, der nicht als Schmutz gilt, sondern als das, was er ist: eine kleine, handwerkliche Form von Effizienz.

Schütten wir ihn nicht unbedacht weg.


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Links in diesem Artikel:

  1. https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/wegwerfen-was-unser-muell-mit-uns-macht
  2. https://www.heise.de/thema/Nachhaltigkeit
  3. https://www.iea.org/reports/energy-and-ai/executive-summary
  4. https://lottie.github.io/
  5. https://solar.lowtechmagazine.com
  6. https://www.gov.uk/guidance/government-design-principles
  7. https://gdpr-info.eu/art-5-gdpr/
  8. https://www.websitecarbon.com/introducing-the-website-carbon-rating-system/
  9. https://www.w3.org/TR/web-sustainability-guidelines/
  10. https://github.com/thegreenwebfoundation/co2.js
  11. https://ecograder.com/how-it-works
  12. https://developer.mozilla.org/en-US/docs/Web/CSS/@media/prefers-reduced-motion
  13. https://developer.mozilla.org/en-US/docs/Web/HTTP/Headers/Save-Data
  14. https://polypane.app/blog/creating-websites-with-prefers-reduced-data/
  15. mailto:map@ix.de

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Digitalisierung: EU will Stromnetz durch KI steuern lassen

Von Mario Petzold — 04. Juni 2026 um 11:35
Künstliche Intelligenz soll die Energieeffizienz steigern, die Netzstabilität erhöhen und intelligentes Laden, auch über Grenzen hinweg, ermöglichen.
Stromkabel allein machen das Stromnetz nicht flexibel. (Bild: Pixabay/blickpixel)
Stromkabel allein machen das Stromnetz nicht flexibel. Bild: Pixabay/blickpixel

Die Europäische Kommission hat ihren Plan für die Integration künstlicher Intelligenz ins Stromnetz vorgestellt. Während der Aufbau von KI-Infrastruktur als große Herausforderung für das Energiesystem betrachtet wird, soll diese zugleich die Lösung für die angestrebte Energiewende hin zu einer komplett erneuerbaren Stromproduktion sein.

Mit der Digitalisierung des Stromnetzes und der Nutzung von KI im Energiesektor soll die Optimierung des Stromnetzes vorangetrieben werden. Gleichzeitig verspricht sich die Kommission eine Steigerung der Energieeffizienz und der Flexibilität.

Das intelligente Laden bei einem Überangebot im Stromnetz und das bidirektionale Laden sollen eine entscheidende Rolle spielen. In Summe soll die Stromversorgung der benötigten KI-Rechenzentren komplett nachhaltig erfolgen und zudem die europäische digitale Souveränität stärken.

Eigenständiges System soll aufgebaut werden

Für die Umsetzung wurde das Projekt AI.grid entwickelt. Darin wird ein umfassender Einsatz künstlicher Intelligenz entlang des gesamten Energiesystems beschrieben. Diese KI soll vollständig in der EU betrieben und auf Basis der Daten der europäischen Strommärkte trainiert werden.

Bis 2027 sollen bereits erste Energieanwendungen bereitstehen, die künstliche Intelligenz nutzen. Damit soll vor allem die Nachfrage im Stromnetz gesteuert werden. Nötig wird dafür ein gemeinsamer Datenraum, um schlussendlich ein vollständig intelligentes Netz in der gesamten EU zu schaffen.

Der Golem-Blick

Noch handelt es sich bei dem beschriebenen Plan um ein ambitioniertes Zukunftsprojekt, auch wenn viele der Vorhaben schon seit Jahren in Arbeit sind, teilweise seit 2021. Dass eine bessere Steuerung und flexiblere Nachfrage essenziell sind, um erneuerbare Energien ins Stromnetz einzubinden, war schon damals völlig klar.

Gleichzeitig zeigt sich, wozu fehlender Datenaustausch, veraltete Systeme und unzureichende Schnittstellen führen können. Diese Faktoren waren unter anderem verantwortlich für den Blackout in Spanien im letzten Jahr.

Aber auch Deutschland nimmt alles andere als eine Vorreiterrolle ein. Bis auch Privathaushalte vollständig intelligent vernetzt sind, wird es noch viele Jahre dauern. Aber immerhin könnte die Flexibilisierung schon jetzt dazu beitragen, dass weniger Abschaltungen von Wind- und Solaranlagen nötig werden, denn zumindest die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität und der innereuropäische Stromhandel dürften die nötigen Voraussetzungen für eine intelligente Steuerung bereits besitzen.

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Ausbleibende KI-Gewinne: Unternehmen fehlt es an strategischer Klarheit

Von Mike Faust — 04. Juni 2026 um 11:24
Führungskräfte sollten die Einführung von KI-Tools nicht als reine IT-Projekte ansehen, sondern Arbeitsabläufe komplett neu gestalten.
Angestelte sparen durch KI-Tools Zeit, aber Unternehmen wissen diese nicht zu nutzen. (Bild: Pexels / Vitor Diniz)
Angestelte sparen durch KI-Tools Zeit, aber Unternehmen wissen diese nicht zu nutzen. Bild: Pexels / Vitor Diniz

Die Verwendung von KI-Tools schreitet in Unternehmen schneller voran als die organisatorische Anpassung an die Technologie. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie AI at Work 2026 der Boston Consulting Group, laut der KI den Arbeitsalltag zwar stark verändert, die strategische und strukturelle Neugestaltung der Arbeit aber noch ausbleibt.

Für die Studie wurden weltweit fast 12.000 Menschen befragt, die als Angestellte, Manager oder Führungskräfte tätig sind. Von den Angestellten gaben 74 Prozent an, dass sie KI regelmäßig nutzen. Davon gaben wiederum 42 Prozent an, pro Woche einen Arbeitstag (8 Stunden) durch KI einzusparen. Im IT-Bereich sprachen 53 Prozent davon, einen ganzen Arbeitstag durch KI einzusparen.

Zwei Drittel der Beschäftigten geben an, dass KI ihnen einfache Aufgaben abnehme, wodurch sie mehr Zeit für komplexe und anspruchsvolle Arbeiten hätten. Für 60 Prozent der Angestellten ist der Anspruch an das, was gute Arbeit ist, durch KI gestiegen.

Bloßer Zugang zu KI-Tools reicht nicht aus, um Erfolg zu haben

Obwohl den Angaben zufolge viel Zeit durch KI eingespart wird, wissen viele Unternehmen offenbar nicht, wie sie die dadurch frei gewordenen Ressourcen nutzen sollen. Bei 66 Prozent der Beschäftigten fehle es an Leitung, was sie mit der gewonnenen Zeit anfangen sollen, und nur 33 Prozent bezeichnen die Kommunikation ihrer Vorgesetzten zum Thema KI als klar.

Hinzu kommt, dass zwei Drittel der regelmäßigen KI-Nutzer zwar von einer höheren Arbeitszufriedenheit berichten, gleichzeitig aber die mentale Belastung bei 41 Prozent aller Befragten und 48 Prozent der Führungskräfte durch die KI-Nutzung gestiegen ist.

Die Studie betont, dass der bloße Zugang zu KI-Tools nicht ausreicht, um Erfolg zu erzielen. Stattdessen wird empfohlen, dass Führungskräfte KI nicht als reines IT-Projekt ansehen, sondern diese nutzen, um Arbeitsabläufe komplett neu zu gestalten.

Statt nur die Nutzungsraten von KI-Tools zu messen, sollte zudem der tatsächliche geschäftliche Nutzen ausgewertet und die gewonnene Zeit reinvestiert werden. Außerdem sollten Angestellte aktiv in den Veränderungsprozess einbezogen und geschult werden, um ihre Fähigkeiten zu erweitern.

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Anzeige: Xiaomi Redmi Watch 5 Active Smartwatch jetzt nur 29 Euro bei Amazon

Von Boris Connemann — 04. Juni 2026 um 11:12

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​​Eine Apple Watch kostet ab 400 Euro aufwärts. Die Xiaomi Redmi Watch 5 Active kostet 29 Euro. Natürlich sind das zwei verschiedene Welten, aber die entscheidende Frage ist, was im Alltag wirklich benötigt wird. Herzfrequenz im Blick, Schlaf getrackt, Schritte gezählt, Sauerstoffsättigung gemessen und gelegentlich einen Anruf direkt von der Uhr annehmen: Das alles kann die Redmi Watch 5 Active. Gerade jetzt im Sommer, wenn mehr Training, mehr Schwimmbad und mehr Outdoor auf dem Plan stehen, zahlt sich ein zuverlässiges Gerät aus – auch beim Akku. Bei Amazon ist die Uhr gerade wieder für günstige 29 Euro zu haben.

Das Angebot in der Übersicht

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- UVP: 32,99 Euro

- 2-Zoll-LCD-Display mit 320 x 385 Pixeln und 250 PPI

- 18 Tage Akkulaufzeit im Standardmodus, 12 Tage im Intensivmodus, 470 mAh Akku

- 140+ Sportmodi, Herzfrequenz- und SpO2-Tracking, Schlafüberwachung

- 5ATM wasserdicht bis 50 Meter, Bluetooth-Anrufe mit Zweifach-Mikrofon

- 4,4 Sterne bei 24.526 Bewertungen

- 3.000 Mal im letzten Monat verkauft

Bis zu 18 Tage Akkulaufzeit und Gesundheitsüberwachung

Der 470-mAh-Akku der Redmi Watch 5 Active ist das stärkste Argument gegen teure Alternativen: 18 Tage ohne Ladekabel durchhalten soll es im normalen Betrieb, selbst im Intensivmodus sind es noch 12 Tage. Eine Apple Watch Series 10 kommt auf rund 18 Stunden. Der Unterschied ist enorm und macht sich besonders auf Reisen bezahlt. Gesundheitsseitig überwacht die Uhr Herzfrequenz und Blutsauerstoffsättigung rund um die Uhr, misst Stresslevel und zeichnet Schlafphasen auf. Das 2-Zoll-Display mit 250 PPI zeigt alle Daten klar und gut ablesbar, auch in der Sonne.

140 Sportmodi, Bluetooth-Anrufe und 5ATM-Wasserschutz

Über 140 Trainingsmodi decken das gesamte Sommerpensum ab: Schwimmen, Laufen, Radfahren, Yoga, Krafttraining und vieles mehr. Die 5ATM-Zertifizierung macht die Uhr bis 50 Meter wasserdicht. Telefonieren lässt sich direkt von der Uhr aus per Bluetooth-Verbindung mit dem Smartphone. Ein Zweifach-Mikrofon mit Rauschunterdrückung ermöglicht dabei verständliche Gespräche auch in lauter Umgebung. Benachrichtigungen für Anrufe, Nachrichten und Apps landen ebenfalls direkt am Handgelenk.

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Die Xiaomi Redmi Watch 5 Active

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kostet bei Amazon im Angebot aktuell 29 Euro. Für alle, die ihren Sommer aktiv angehen und dabei nicht ständig ans Laden denken wollen, ist das ein fast unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Wer noch kompakter unterwegs sein möchte, findet im Xiaomi Smart Band 10

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die schlankere Alternative: Das Fitness-Band bringt ein 1,72-Zoll-AMOLED-Display mit 1500 nits Spitzenhelligkeit mit, das auch bei praller Sonne gut ablesbar bleibt, dazu 21 Tage Akkulaufzeit, über 150 Sportmodi, verbessertes Schwimm-Tracking mit elektronischem Kompass und eine erweiterte Schlafanalyse mit Trendberichten. Der Aluminiumrahmen und die Schnellwechsel-Armbänder in verschiedenen Materialien machen das Band alltagstauglicher als viele Konkurrenten in diesem Preissegment. Aktuell kostet das Xiaomi Smart Band 10 39,90 Euro statt 49,99 Euro.

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am besten bedient: Das nur 9,7 Millimeter flache Gehäuse trägt sich kaum spürbar am Handgelenk, das 1,74-Zoll-AMOLED-Display mit hauchdünnem Rahmen sieht dabei aus wie eine vollwertige Smartwatch. Neu ist das HRV-Schlaf-Tracking, das die Herzfrequenzvariabilität während des Schlafs auswertet und eine detaillierte Erholungsbewertung liefert. Das integrierte GNSS mit fünf Satellitensystemen zeichnet Outdoor-Routen präzise und unabhängig vom Smartphone auf, was bei Sommerläufen oder Radtouren einen echten Unterschied macht. 21 Tage Akkulaufzeit bei geringer Nutzung, 15 Tage normal, dazu 5ATM-Wasserschutz. Das Xiaomi Smart Band 10 Pro kostet aktuell 79,99 Euro statt 99,99 Euro.

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finden sich hier in der Übersicht.

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