Der Preiskampf im E-Auto-Segment wird härter: Auch Xiaomi will auf den deutschen Markt
(Bild: Tada Images/Shutterstock.com)
BYD und andere chinesische Hersteller unterbieten sich gegenseitig mit Rekordrabatten, während Überkapazitäten den Markt belasten. Mit weltweiten Folgen.
Chinas Automarkt befindet sich inmitten eines beispiellosen Verdrängungswettbewerbs. Die durchschnittlichen Preisnachlässe bei BYD-Fahrzeugen stiegen im März auf einen Rekordwert von zehn Prozent, wie Daten von China Auto Market zeigen, die Bloomberg ausgewertet hat [1]. Auch Konkurrenten wie Geely und Chery haben ihre Rabatte ausgeweitet.
Die chinesische Regierung hat mehrfach versucht, den Preiskampf einzudämmen. Vor knapp einem Jahr bestellte sie die Chefs von mehr als einem Dutzend Elektrofahrzeugherstellern ein und warnte vor Verkäufen unter Selbstkosten sowie unangemessenen Rabatten.
Laut Bloomberg ist dies in diesem Jahr bereits mindestens dreimal geschehen. Thema waren dabei auch sogenannte "Zero-Mileage"-Gebrauchtwagenverkäufe – also Fahrzeuge, die als neu verkauft, aber als Gebrauchtwagen registriert werden – sowie verschleppte Zahlungen an Zulieferer.
Die Warnungen zeigen bislang wenig Wirkung. François Roudier, Generalsekretär des Internationalen Verbands der Kraftfahrzeughersteller, warnt vor den Folgen: "Es scheint gut für die Kunden zu sein, ist es aber nicht – die Hersteller verlieren Geld."
Das eigentliche Problem liege im Gebrauchtwagenmarkt: Unsicherheit über den Wiederverkaufswert wirke sich auf das Kaufverhalten und die Finanzierungsbedingungen aus.
Im Zentrum des Geschehens steht BYD, das nach wie vor als Marktführer gilt – obwohl die Inlandsverkäufe des Unternehmens seit sieben Monaten in Folge rückläufig sind. BYD-Chef Wang Chuan-Fu, den Bloomberg als "Chinas Henry Ford" bezeichnet, brach laut einem Bericht der Nachrichtenagentur bei einem Investorentreffen in Tränen aus, als er über den "kurzfristigen Druck" und das "Missverständnis" gegenüber dem Unternehmen sprach.
Auf Druck der Behörden musste BYD seine Zahlungspraktiken gegenüber Zulieferern ändern. Laut mit der Situation vertrauten Personen, die anonym bleiben wollten, hat das Unternehmen ein System aufgegeben, bei dem Rechnungen monatelang durch Schuldscheine beglichen wurden. Stattdessen werden nun vermehrt verzinste Verbindlichkeiten eingesetzt – was die Bilanz belastet. Die Nettoverschuldungsquote stieg auf 25 Prozent, nachdem sie vier Jahre lang negativ gewesen war.
Die Kombination aus höheren Schulden und niedrigeren Erlösen durch Preissenkungen schlägt sich in den Ergebnissen nieder: BYD meldete zuletzt den ersten Gewinnrückgang seit der Pandemie. In seinem Jahresbrief an die Aktionäre schrieb Wang, Chinas Automobilindustrie befinde sich in einer "brutalen Ausscheidungsphase".
Der Kern des Problems liegt in massiven Überkapazitäten. Chinas Autofabriken könnten laut dem China Automotive Technology and Research Center jährlich 55,5 Millionen Fahrzeuge produzieren. Tatsächlich wurden im Jahr 2025 jedoch nur rund 23 Millionen im Inland verkauft – eine Auslastungsquote von etwa 50 Prozent, die nach Einschätzung von Branchenbeobachtern langfristig nicht tragbar ist.
Gleichzeitig fallen staatliche Kaufanreize weg: Die Befreiung von der Erwerbssteuer für Elektrofahrzeuge wird 2026 um 50 Prozent reduziert und 2027 vollständig abgeschafft. Die Folge: Die Inlandsverkäufe brachen im ersten Quartal 2026 um 20,3 Prozent ein, wie der Asia Times berichtet [2].
Cui Dongshu, Generalsekretär der China Passenger Car Association, sagte bei einer Branchenveranstaltung: "Die Automobilindustrie steht unter enormem Druck. Die Zahlen zeigen die Schwierigkeiten."
Im Kampf um Marktanteile setzen die Hersteller nicht nur auf Preissenkungen, sondern auch auf einen rasanten Innovationszyklus. BYD hat eine zweite Generation seiner Blade-Batterie vorgestellt, die sogenannte "Flash-Charging"-Technologie bietet: Der Ladestand soll sich in fünf Minuten von zehn auf 70 Prozent erhöhen lassen, in zehn Minuten auf 97 Prozent. BYD kündigte an, bis Jahresende 20.000 entsprechende Schnellladestationen zu errichten.
Xiaomi-Chef Lei Jun erklärte, sein Unternehmen habe in die neueste Generation des beliebten SU7-Elektroautos Verbesserungen im Wert von fast 20.000 Yuan (umgerechnet rund 2.500 Euro) eingebaut, den Verkaufspreis jedoch nur um 4.000 Yuan angehoben.
Laut Asia Times hat sich der technologische Wettbewerb auf mehrere Felder ausgeweitet: Geräusch- und Vibrationsdämpfung (NVH), Fahrwerktechnologie und autonomes Fahren. Rund 80 Prozent der in China verkauften Elektrofahrzeuge verfügen demnach über irgendeine Form von Fahrassistenzsystem.
Zwei Modelle – eines von Arcfox mit Huawei-Technologie und eines von Changan – seien bereits für bestimmte Autobahnabschnitte mit Level-3-Autonomie zugelassen, bei der die rechtliche Verantwortung auf das Fahrzeug übergeht.
Einen Teil der überschüssigen Produktion leiten chinesische Hersteller in den Export. Laut Bloomberg haben sich die Elektrofahrzeugexporte aus China im März auf einen Rekordwert mehr als verdoppelt. Der Asia Times zufolge exportierte China im Jahr 2025 insgesamt 7,1 Millionen Fahrzeuge – fast so viele wie Japan (4,4 Millionen) und Deutschland (3,2 Millionen) zusammen.
Für 2026 werden Exporte von nahezu zehn Millionen Einheiten erwartet, dazu kommen rund 1,7 Millionen Fahrzeuge, die in Auslandsfabriken produziert werden. BYDs Exporte stiegen 2025 um 145 Prozent auf 1,05 Millionen Fahrzeuge.
Die Entwicklung ruft jedoch Gegenreaktionen hervor. Die Europäische Union sowie mehrere lateinamerikanische Länder haben Zölle auf chinesische Fahrzeuge angehoben, um ihre heimische Produktion zu schützen.
Von den laut Wall Street Journal ehemals 487 [3] chinesischen Elektrofahrzeugherstellern im Jahr 2018 – auf dem Höhepunkt des staatlich geförderten Investitionsbooms – gibt es laut Schätzung der Asia Times heute noch rund 40, die nennenswerte Stückzahlen produzieren. Am Ende der Marktbereinigung könnten laut dem Medium noch 10 Hersteller übrig bleiben.
BYD-Chef Wang hatte prognostiziert, dass eine Konsolidierungswelle schwächere Anbieter aus dem Markt drängen werde. Eine solche Bereinigung könnte jedoch zu einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit führen – ein Szenario, das Zentral- und Lokalregierungen bislang durch Subventionen und andere Fördermaßnahmen zu verhindern suchen.
Für die westliche Konkurrenz zeichnet die Analyse der Asia Times ein düsteres Bild: Chinesische Hersteller entwickeln neue Modelle zwei- bis dreimal schneller als US-amerikanische, japanische und europäische Unternehmen. Ihr Kostenvorteil durch das dichte Zulieferernetz liege bei 20 bis 30 Prozent. Führungskräfte von Ford, Toyota und Honda hätten die Bedrohung durch chinesische Elektrofahrzeughersteller öffentlich als existenziell bezeichnet.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11280687
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
E-Autos machen nochmal mehr Spaß, wenn man sie zu Hause von der eigenen PV-Anlage lädt. Wir besprechen im Podcast Anschlüsse, Fähigkeiten und Tarife.
Zum Laden von E-Autos braucht man nicht unbedingt eine teure Wallbox, sondern eine Schuko-Steckdose reicht – theoretisch. In der Praxis lauern ein paar Probleme, die wir genau beschreiben, aber für erste Ladeversuche mag das reichen. Empfehlenswerter ist eine vom Profi angeschlossene und auf Dauerlast optimierte Schukosteckdose oder eine CEE-Steckdose für einphasiges Laden. Für welche Zwecke dessen eingeschränkte Ladefähigkeit reicht, diskutieren wir ausführlich im Podcast c’t uplink mit den c’t-Redakteuren Sven Hansen und Urs Mansmann.
Auch auf passende Stromtarife gehen wir ein, vor allem auf dynamische Stromtarife. Die versprechen große Ersparnisse, wenn man beim Ladezeitpunkt flexibel ist und vor allem über den Mittag laden kann. Tatsächlich rutschte vor kurzem der Strompreis über einige wenige Stunden sogar so weit ins Börsenminus, dass man fürs Laden bezahlt wurde. Wir erklären, warum ein negativer Börsenstrompreis nur selten zu so einer Rückzahlung führt.
Um besser von den Strompreisschwankungen zu profitieren, reicht das einphasige Laden allerdings nur eingeschränkt. Und auch unter anderen Umständen mag es sinnvoll sein, das Auto nicht nur über Nacht geladen zu bekommen, sondern schneller. Dafür eignen sich dreiphasig angeschlossene Wallboxen mit 11 oder 22 kW Ladeleistung – wir diskutieren, welche Rolle hierzulande noch stärkere oder Gleichstromlader spielen.
Wallboxen gibt es mit verschiedenen Anschlussmöglichkeiten: welche mit CEE-Stecker und ausgeklügelten Adaptersystemen, die sowohl zu Hause als auch unterwegs eine gute Figur machen, und welche zur Festinstallation. Letztere unterscheiden sich auch darin, wie sie mit dem Strom aus Solaranlagen umgehen: einfach ins Auto pumpen, raffinierter zeitgesteuert in einem Akku zwischenpuffern oder im Haus verteilen, weil das Auto erst ein paar Stunden später geladen werden soll. Auch auf die Integration mit Messsystemen und anderen Energiemanagementsystemen gehen wir kurz ein. Zudem treffen wir ein paar wenige Überlegungen zu Wallboxen in Mehrfamilienhaus-Tiefgaragen, beispielsweise zu Abrechnungssystemen.
Zu Gast im Studio: Sven Hansen, Urs Mansmann
Host: Jörg Wirtgen
Produktion: Tobias Reimer
► c't Magazin [8]
► c't auf Mastodon [9]
► c't auf Instagram [10]
► c't auf Facebook [11]
► c't auf Bluesky [12]
► c’t auf Threads [13]
► c't auf Papier: überall, wo es Zeitschriften gibt!
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11286891
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: Shutterstock.com; SuPatMaN)
Fehlerhafte Signaturen haben am Mittwoch Ausfälle von .de-Domains verursacht. Die Verantwortlichen bei der DENIC haben jetzt Erklärungen geliefert.
Am 5. Mai um 21:43 knirschte es im deutschen Teil des Internets: Wer versuchte, Adressen mit der Endung .de aufzurufen, erhielt nur eine Fehlermeldung – zumindest, wenn der verwendete DNS-Server DNSSEC-Signaturen validierte. Erst nach 1 Uhr in der Nacht war das Problem vollständig behoben. Verantwortlich für die DNSSEC-Konfiguration der Zone .de ist die DENIC eG, die diese Domains verwaltet. Die hat jetzt Erklärungen für die Probleme geliefert.
Aus dem Blogbeitrag der DENIC geht hervor, dass die DNS-Server die Software Knot [1] nutzen, ein Open-Source-Serverdienst, der von der tschechischen Domain-Verwaltungsorganisation CZ.NIC, Verwalterin der Domain .cz, gepflegt wird. Bei der DENIC läuft Knot zusammen mit „Eigenentwicklungen in Verbindung mit Hardware Security Modulen (HSMs)“. Im April 2026 habe man diese Infrastruktur auf die dritte Generation umgestellt.
Am 2. Mai begann dann der turnusmäßige Tausch [2] des Zone-Signing-Keys. Veröffentlicht wurde ein neuer öffentlicher Schlüssel mit der ID 33834 – 3 Tage, bevor er zum ersten Mal zum Signieren benutzt wurde. Was da noch niemand ahnte: Im selbstentwickelten Teil des Codes steckte ein Fehler, der dazu führte, dass auf den Servern gleich drei Schlüsselpaare mit dem Tag 33834 erzeugt wurden, aber nur ein öffentlicher Schlüssel unter dieser Nummer veröffentlicht wurde. Als dieser Schlüssel erstmals benutzt wurde, um SOA-Einträge zu signieren, entstand das eigentümliche Fehlerbild, das man mit einem Werkzeug wie dnsviz.com [3] nachverfolgen kann: Nur ein Teil der sechs DENIC-Nameserver nutzte jeweils den richtigen privaten Schlüssel, der zum öffentlichen Schlüssel passte, die anderen lieferten immer ungültige Signaturen aus. Der SOA-Eintrag wird häufig geändert, weil bei jeder Änderung an der Zone die Seriennummer in diesem Eintrag geändert wird. Das passt zum Hin-und-Her, das wir in einer ausführlichen Auswertung [4]der vorliegenden Daten bereits beobachtet haben.
Die DENIC-Verantwortlichen halten fest, [5] dass ein Codeabschnitt in der selbstgebauten Software „durch die Testszenarien nicht vollständig abgedeckt wurde und darum weder bei Testläufen, noch im ‚kalten‘ Parallelbetrieb vor der Inbetriebnahme als defekt erkannt wurde“ und betonen weiter, dass man gleich drei Prüfwerkzeuge auf die Zone anwende, die auch alle angeschlagen haben – „die Meldungen wurden allerdings nicht korrekt verarbeitet.“
Vollständige Klarheit liefert die Erklärung noch nicht. Der Code der Eigenentwicklungen ist nicht quelloffen, das verwendete Hardware Security Module wird nicht benannt und unter welchen Bedingungen die Schlüsselkollision ausschließlich im Produktivsystem und nicht in Testumgebungen auftrat, wird nicht erklärt. Immerhin verspricht man, mehr Informationen zu liefern, wenn die Untersuchung abgeschlossen ist.
Im Blogbeitrag stellt die DENIC auch die Aussage aus der Nacht richtig, nach der nur solche Domains betroffen waren, bei denen DNSSEC aktiv war. Diese Behauptung deckte sich nicht mit Beobachtungen während des Ausfalls. Richtig ist, dass neben dem SOA-Eintrag auch NSEC3-Einträge betroffen waren. NSEC3 verhindert, dass ein Angreifer, der in den Verkehr eingreifen kann, DNSSEC einfach dadurch aushebeln kann, dass er die Antwort sendet „für diese Domain ist DNSSEC deaktiviert“. NSEC3 ist ein kryptografischer Beweis der Nichtexistenz. Ohne gültige NSEC3-Einträge scheiterte die DNSSEC-Prüfung für alle .de-Domains.
Abgeschlossen ist der Fall noch nicht, wie die DENIC selbst schreibt. Die DENIC hat neben einer genauen Erklärung des Problems (bestenfalls inklusive Code) auch noch keine Liste an geplanten Maßnahmen veröffentlicht, wie ein solches Problem künftig erkannt werden könnte. Von solchen Erkenntnissen würden nicht nur Betreiber von DNSSEC-Infrastruktur für Domains, sondern auch andere TLD-Betreiber profitieren. Probleme mit Schlüsselkollisionen auf Ebene einer Toplevel-Domain sind nichts Neues: 2024 hatte der russische Betreiber der .ru-TLD einen Ausfall [6], Schuld war damals eine Schlüsselkollision.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11288197
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: Tero Vesalainen/Shutterstock.com)
Das Landgericht Berlin verpflichtet die Apobank zur Erstattung von über 200.000 Euro und fordert eine bessere Auswertung von IP-Adressen zur Betrugsprävention.
Das Landgericht Berlin II hat die Rechte von Bankkunden bei Phishing-ähnlichen Täuschungsversuchen gestärkt und Finanzinstitute technologisch in die Pflicht genommen. Das ist einem heise online vorliegenden Urteil vom 22. April der Zivilkammer 38 zu entnehmen (Az.: 38 O 293/25). In dem Verfahren gegen die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) entschied das Gericht, dass das Finanzhaus für einen unautorisierten Schaden von über 200.000 Euro haften muss. Die Entscheidung verdeutlicht, dass die Annahme einer groben Fahrlässigkeit bei immer raffinierteren Betrugsszenarien kaum noch haltbar ist.
Der Fall wirft ein Licht auf die Professionalität der Angreifer: Die Betroffenen wurden durch eine Kombination aus einem täuschend echt wirkenden Brief im Namen der Bank, einer manipulierten Online-Banking-Oberfläche und einem persönlichen Telefonat in die Falle gelockt. Die Betrüger verfügten über Detailwissen zu weiteren Konten der Kläger, was den Eindruck einer legitimen Bankmitarbeiterin festigte.
Die Kundin schöpfte nach ihrer Aussage keinen Verdacht, als sie beim gewohnten Login über ihre Favoritenleiste am Rechner zur Einrichtung einer 2-Faktor-Authentifizierung aufgefordert worden sei. Dieser war zuvor in einem authentisch wirkenden Brief angekündigt worden. Die Szenerie habe zudem durch den zeitnahen Anruf einer vermeintlichen Bankmitarbeiterin glaubhaft gewirkt, der unter der offiziellen Nummer der Bank erfolgte. Im Weiteren fotografierte die Klägerin lediglich Codes vom Bildschirm ab, ohne sensible Autorisierungsdaten wie PINs oder TANs aktiv an die Anruferin zu übermitteln.
Die Berliner Richter stellten klar, dass Kunden in einer solchen nahezu perfekt inszenierten Täuschung nicht grob fahrlässig handeln.
Bemerkenswert sind die Ausführungen des Gerichts über die Entscheidung hinaus. Die Kammer deutet darin Ansätze für notwendige Früherkennungssysteme an: Die Bank hätte den Betrug erkennen und unterbinden können, da die Einwahl des Kunden und die gleichzeitige Registrierung eines neuen Geräts durch die Täter über vollkommen unterschiedliche IP-Adressen und Provider erfolgten. Das Finanzhaus habe diese offensichtliche Diskrepanz nicht durch automatisierte Sicherheitsmechanismen blockiert und die Verknüpfung des neuen Geräts ohne hinreichende Besitzprüfung zugelassen.
Ulrich Schulte am Hülse von der Kanzlei Ilex Rechtsanwälte, der das Urteil erstritten hat, bewertet diese Einschätzung zwar als technisch noch laienhaft. Er sieht die Justiz aber auf dem richtigen Weg. In Verfahren gegen die Apobank stünden fast immer vollständige Logfiles inklusive IP-Adressen zur Verfügung. Anhand dieser Daten und einer Kundenbefragung lasse sich rückschauend exakt belegen, welche Handlung den Tätern zuzurechnen sei und wo die Bank hätte intervenieren müssen.
Der Anwalt unterstreicht, dass Phishing längst kein reines Verbraucherthema mehr sei. An der Entscheidung lasse sich ersehen, dass die größten Einzelschäden verstärkt im Bereich der mittelständischen Wirtschaft entstünden. Es seien etwa Freiberufler, Selbständige und gestandene Kapitalgesellschaften betroffen. Durch modernes Multibanking, bei dem Geschäfts- und Privatkonten zusammengeführt werden, verschwömmen die Kategorien zunehmend. Das Urteil schütze so Akteure, deren Existenz durch hohe Schadenssummen bedroht sein könnte.
Diese Sichtweise deckt sich mit der Tendenz anderer Gerichte. Das Oberlandesgericht Koblenz machte vor Kurzem die Ansage, dass selbst das Anklicken von Links in SMS und die Eingabe von Transaktionsnummern in ein Browser-Formular [1] nicht automatisch als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden darf, wenn die Betrugsmasche eine täuschend echte Interaktionskette aufbaut.
Das Berliner Urteil sendet so ein Signal: Banken müssen ihre Sicherheitsalgorithmen schärfen. Auffällige Diskrepanzen in den Logfiles, wie etwa zeitgleiche Logins aus technisch unplausiblen Quellen, sollten proaktiv zur Betrugsverhinderung genutzt werden.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11288231
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Pink Floyd zählen mit Alben wie The Dark Side of the Moon zu den meistgehörten Bands des Planeten. Leider haben sie sich 2015 offiziell aufgelöst. Vermutlich werden David Gilmour und Roger Waters nie mehr zusammenarbeiten. Ihr Verhältnis galt schon vor Jahrzehnten als angespannt.
Glücklicherweise können Fans die alten Alben immer wieder hören, so auch Wish You Were Here. Dieses hat sich bisher schätzungsweise 20 Millionen Mal verkauft. Bekannt ist das Album für seine sphärischen Klänge, die damals noch mit einfachen Mitteln wie Wassergläsern erzeugt wurden.
Nun gibt es Wish You Were Here als 50th-Anniversary-Deluxe-Box zum bisher besten Amazon-Preis auf Vinyl. Auch Platten von Queen, Nirvana und Linkin Park sind günstiger geworden.
Die Deluxe enthält sechs bisher unveröffentlichte Alternativversionen. Es gibt eine Blu-ray, eine CD und dazu vier LPs in transparentem Design. Auf dem Vinyl finden sich unter anderem das Originalalbum sowie Studio-Bonustracks.
Besonders interessant ist die vierte Schallplatte. Live At Wembley 1974 ist laut Angaben nur im Rahmen der Deluxe-Box enthalten. Ebenfalls an Bord sind eine Replik der japanischen 7"-Single von Have A Cigar mit Welcome To The Machine auf der B-Seite, ein Hardcover-Buch mit unveröffentlichten Fotos, ein Comic-Tourprogramm und ein Knebworth-Poster.
Nun ist die Box auf den bisher besten Amazon-Preis gefallen, wie der Preistracker Keepa zeigt. Der Kurs liegt bei nur noch 127,62 Euro
Wish You Were Here (50th Anniversary) Deluxe Box [Vinyl LP]
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Bezahlbarer ist die Anniversary als Dreifach-Vinyl-Set. Amazon verlangt hier 59,99 Euro
Wish You Were Here (50th Anniversary) [Vinyl LP]
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Dafür lässt sich an anderer Stelle ordentlich sparen. So kostet Nirvanas Nevermind nur noch 21,99 Euro
Nevermind [Vinyl LP]
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
From Zero schlägt als Blue Vinyl mit 23,99 Euro
From Zero (Blue Vinyl) [Vinyl LP]
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Bohemian Rhapsody heißt nicht nur ein berühmter Song. Auch ein Doppelvinyl, das einige der bekanntesten Songs von Queen enthält, läuft unter diesem Namen. Es ist ein Begleitprodukt zum gleichnamigen Kinofilm. Dieser erschien vor einigen Jahren als Biografie von Freddie Mercury. Der Preispunkt: 34,15 Euro
Bohemian Rhapsody [Vinyl LP]
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Weitere Schallplatten findet man bei Amazon in der Übersicht
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Noch ist kein Prime Day. Erst im kommenden Monat finden die Prime Deal Days bei Amazon statt. Doch trotzdem lässt sich schon jetzt einen Fire TV Stick HD zum Schnäppchenpreis ergattern: Amazon hat den Preis auf nur 24,99 Euro gesenkt.
Zum Zeitpunkt der Artikelerstellung verkauft Amazon den Fire TV Stick HD für nur 24,99 Euro
Amazon Fire TV Stick HD
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Der Fire TV Stick HD vereint die Funktionen des Fire TV Stick Lite und des Fire TV Stick der dritten Generation in einem Gerät. Amazon setzt dabei auf bekannte Hardware: Im Inneren arbeitet der Mediatek MT8695D mit vier Kernen und bis zu 1,70 GHz Taktfrequenz. Für die Grafikberechnung kommt erneut der IMG-GE8300-Chip zum Einsatz.
Im Vergleich zu den leistungsstärkeren Modellen Fire TV Stick 4K und Fire TV Stick 4K Max müssen Nutzer beim Fire TV Stick HD allerdings auf einige Funktionen verzichten. So unterstützt der Streaming-Stick weder den H.265-Codec noch die Wiedergabe in 4K-Auflösung. Stattdessen bleibt es bei Full HD.
HDR beherrscht der Stick dennoch: Unterstützt wird der HLG-Standard für einen erweiterten Farbraum. Darüber hinaus bietet der verbaute Chipsatz Dualband-WLAN nach Wi-Fi 5 sowie Bluetooth 5.0. Dadurch lassen sich etwa Bluetooth-Kopfhörer oder kompatible Controller direkt mit dem Gerät koppeln.
Mit 8 GByte internem Speicher bleibt zudem ausreichend Platz für Streaming-Apps und weitere Anwendungen. Übrigens setzt dieser Fire TV Stick auf Android mit Amazon-Oberfläche und nicht auf Vega OS wie der Fire TV Stick 4K Select.
Die Fernbedienung differenziert sich von früheren Iterationen der Fire TV Sticks. Der Fire TV Stick HD wird mit der Alexa-Sprachfernbedienung der Generation 2024 ausgeliefert.
Neben den bekannten Tasten für Mediensteuerung und Lautstärke bietet sie auch eine Live-TV-Taste. Darüber gelangt man direkt in das Live-TV-Menü von Fire TV. Dort listet Amazon kostenlose, werbefinanzierte IPTV-Sender ebenso wie kostenpflichtige Prime Channels auf.
Wer auf Android mit Google-Diensten wie dem Play Store zugreifen möchte, für den bietet die Konkurrenz von Xiaomi etwas an. Die 3. Generation der Xiaomi TV Box S setzt auf Google TV mit Play Store und bietet 32 GByte Speicher. Der Quad-Core-Chipsatz mit bis zu 5,5 GHz Taktrate ist mit zwei GByte RAM verbunden. Zudem wird Wi-Fi 6 im Dual-Band unterstützt.
Die Xiaomi TV Box S 3. Gen. kostet bei Amazon aktuell nur 63,99 Euro
Der Hersteller von E-Paper-Tablets Boox hat ein Accessoire vorgestellt, mit dem sich Seiten auf E-Readern aus der Ferne umblättern lassen. Das Tappy genannte Gerät verbindet sich per Bluetooth mit dem Reader und hat zwei Buttons. Es soll nicht nur mit E-Readern von Boox kompatibel sein, sondern auch mit anderen Geräten.
Der Boox Tappy hat drei Modi. Einer dient zum Umblättern von Seiten in Büchern. Im Browser-Modus können Nutzer mit den zwei Knöpfen durch vertikale Inhalte scrollen. Der Multimedia-Modus hingegen dient dazu, bei Hörbüchern zwischen den Kapiteln zu springen.
Einer der beiden Knöpfe ist ein Power-Button, der zweite dient zur Eingabe. Über den Power-Button kann zwischen den Betriebsmodi umgeschaltet werden. Das Gerät verbindet sich per Bluetooth 5.4, ein physischer Kontakt mit dem E-Book-Reader ist nicht notwendig. Die Reichweite soll knapp zehn Meter betragen.
Hilfreich könnte das Gadget etwa dann sein, wenn Nutzer ihren Reader vor sich auf dem Tisch liegen haben und nicht jedes Mal zum Umblättern an das Gerät fassen müssen. Der Tappy ist 43 x 37 x 25 mm groß und wiegt 29 Gramm, passt damit also bequem in die Hand. Die Kanten sind abgerundet, die beiden Buttons sind rund.
Boox liefert zu den Standardknöpfen noch zwei weitere mit Pixel-Symbolen mit, die stattdessen verwendet werden können. Der Akku hat eine Nennladung von 95 mAh und wird per USB-C geladen. Eine Akkuladung soll Boox zufolge für Wochen reichen. Eine Statusanzeige informiert über den Ladestand, die Verbindungsart und die Koppelung.
Tappy soll ab sofort bei Boox und im Onlinehandel erhältlich sein und kostet 30 Euro. Im europäischen Boox-Shop wird das Gerät aktuell als ausverkauft angezeigt.
Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden
Nutzerin mit Vision Pro: Hohe Auflösung hilft bei medizinischen Anwendungen.
(Bild: Apple)
In New York haben Augenchirurgen gezeigt, wie Apples Spatial-Computing-Gerät im Profieinsatz verwendet wird. Sogar Ferneinsatz ist möglich.
Apples Headset Vision Pro [1] hat mit zwei 4K-Bildschirmen eine besonders hohe Auflösung, die sich auch für professionelle Anwendungen eignet. SightMD, ein Unternehmen, das diverse ambulante Praxen in der östlichen Region der Vereinigten Staaten betreibt, nutzt die Geräte [2] nun während Operationen zur Korrektur von Linsentrübungen, auch Katarakt oder Grauer Star genannt. Das Spatial-Computing-Headset wird dabei zur Anzeige von Livestreams aus 3D-Digitalmikroskopen verwendet. Die genutzte Software nennt sich ScopeXR [3].
Die Idee dabei ist, auch Operationen aus der Ferne zu ermöglichen – beziehungsweise Live-Ratschläge von erfahrenen Chirurgen. Eric Rosenberg, ein New Yorker Augenchirurg, gab an, der Plan sei es, mit der Technik „die besten Chirurgen der Welt in jeden Operationssaal egal wo auf dem Planeten“ holen zu können.
So könnten sich junge Chirurgen während ihrer Ausbildung direkt im Operationssaal Hilfe holen oder erfahrene Operateure in schwierigen Situationen Ratschläge von Spezialisten geben lassen. „Die Technik demokratisiert den Zugriff auf Expertise“, so Rosenberg, der hofft, dass damit „das Augenlicht vieler Patienten gerettet“ werden kann.
Die Vision Pro eignet sich für solche Anwendungen gut, weil sie technisch fortgeschritten und – zumindest im Medizinbereich – mit ihren rund 3500 Euro Einstiegspreis eher günstig ist. Apple hat jedoch nach wie vor Schwierigkeiten, größere Stückzahlen zu verkaufen. Der Konzern hatte das Headset im vergangenen Jahr mit dem M5-Chip ausgestattet, grundlegende Kritikpunkte wie das hohe Gewicht oder den externen Akku, der per Kabel angebunden wird, jedoch nicht verändert. Zuletzt hieß es, das Team der Vision Pro arbeite kaum noch an dem Gerät beziehungsweise sei an andere Teams innerhalb von Apple abgegeben [4] worden. Allerdings soll der Konzern nach wie vor an echten Smartglasses arbeiten, deren Grundlage die Vision Pro samt ihrem Betriebssystem visionOS bilden dürfte.
ScopeXR stellt Operationen in immersivem stereoskopischen 3D dar und bietet parallel dazu Körperdaten als Overlay. Das System ist so ausgelegt, dass es komplett steril arbeitet. Erste Versuche inklusive einer erfolgreichen Operation wurden bereits im vergangenen Herbst durchgeführt, so Rosenberg.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11276383
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Momentan können die AirPods nur Audio. Das soll sich ändern.
(Bild: Apple)
Apple bastelt an einem ersten „Gerät für das KI-Zeitalter”. Es soll auf Basis seiner populären Ohrstöpsel arbeiten. Auch speziellere Wearables sind geplant.
Schon seit mindestens einem Jahr kursieren Gerüchte, dass Apple bei seinen AirPods eine Kamera einbauen [1] möchte. Nun soll die Produktentwicklung angeblich weit fortgeschritten sein. Laut einem Bloomberg-Bericht [2] vom Donnerstag ist Apple nun in den „Late Stages of Development” der neuen Modellreihe. Das heißt aber noch nicht, dass die Kamera-AirPods produktionsreif sind. Die Prototypen erreichten allerdings einen (fast) finalen Status mit (fast) allen Funktionen. Mit einem Verkaufsstart ist vermutlich nicht vor 2027 zu rechnen.
Die Kamera-AirPods sollen nicht als neuartiges Fotowerkzeug dienen. Stattdessen geht es Apple um KI: Durch die Erfassung der Umgebung sollen sie zu den „Augen“ einer verbesserten Siri werden, die im Herbst mit iOS 27 erwartet [3] wird. Visuelle Informationen werden demnach in relativ geringer Auflösung erfasst – ausreichend jedoch, um damit KI-Abfragen durchzuführen. Die Sensoren sitzen demnach in den Stielen der AirPods, die deshalb etwas verlängert wurden – das Produkt soll ansonsten den aktuellen AirPods Pro 3 ähneln.
Das Prototypen-Stadium, das die neuen AirPods erreicht haben sollen, nennt sich Design Validation Test (DVT). Dieses kommt vor der PVT-Phase (Production Validation Test), bei der die frühe Massenproduktion untersucht wird. Apples Problem scheint jedoch weniger die reine Hardware als die Software zu sein: Schon deshalb wurde das Projekt, dessen Release schon 2026 angedacht war, angeblich verschoben. Apple ist es immer noch nicht gelungen, seine kontextsensitive Siri [4] umzusetzen. Eine Chatbot-fähige Siri [5] mit Google-Gemini-Unterstützung [6] ist nicht vor iOS 27 im Herbst zu erwarten.
Was die praktische Anwendung der neuen Kamera-AirPods sein wird, bleibt ebenfalls noch abzuwarten. Offenbar ist die Idee, Visual Intelligence zu vereinfachen [7], sich etwa Produkte oder Orte direkt ins Ohr erklären zu lassen. Ein Beispiel laut Bloomberg wäre auch ein Abendessen mit AirPods-Hilfe: Man müsste sich dann nur die vorhandenen Zutaten anschauen und bekomme ein Rezept. Weitere Anwendungsideen sind Erinnerungen basierend auf dem Kamerabild – etwa wenn diese einen Supermarkt wahrnimmt.
Um Datenschutz zu gewährleisten, sollen die Kamera-AirPods eine rote LED haben, die anzeigt, wenn die Kamera arbeitet und Daten in die Cloud geschaufelt werden. Interessiert wird noch, wie gut diese Warnung sichtbar sein wird – ein Problem, das Meta nur zu gut von seinen Ray-Ban-Smartglasses [8] kennt. Neben den Kamera-AirPods arbeitet Apple auch noch an weiteren Geräten wie einem Anhänger mit Kamera. Solche KI-Geräte waren im Markt bislang Flops.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11286915
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
iCloud-Logo (in Fehlfarben): Zwingt Apple Nutzer in seine eigene Cloud?
(Bild: Apple)
Bis zu 3 Milliarden Pfund möchte eine Verbraucherschutzorganisation für iCloud-Nutzer einklagen. Apple wollte, dass nur für zahlende Kunden geklagt werden kann.
Die Klage britischer Verbraucherschützer gegen Apple wegen einer angeblichen iCloud-Zwangsnutzung [1] darf im bisherigen Umfang fortgeführt werden. Der Versuch von Apples Anwälten, das Verfahren nur auf zahlende Kunden zu beschränken, verfing beim zuständigen Gericht nicht. Die Verbraucherschutzorganisation Which? [2] will von Apple bis zu 3 Milliarden britische Pfund (3,47 Milliarden Euro) einklagen. Gut 40 Millionen Apple-Kunden in dem Land sollen bis zu 70 Pfund pro Person [3] erhalten, weil Apple es unmöglich machen soll, andere Cloud-Dienste zu nutzen, und außerdem Usern nur 5 GByte an freiem Speicher gibt. Das Verfahren läuft bereits seit 2024.
Das zuständige Tribunal entschied nun mehrheitlich (zwei Richter dafür, einer dagegen), dass das Verfahren alle iCloud-Nutzer betrifft – also sowohl die, die für iCloud+ bezahlen, als auch ganz normale Apple-User, die iCloud im Rahmen des kostenlosen Dienstes verwenden. Die Anwälte von Which? (sowie dessen Prozessfinanzierer) agieren dabei auf neuartigem rechtlichem Weg: Üblicherweise entsteht kein Schaden, wenn ein Kunde für einen fehlerhaften Dienst nichts bezahlt hat.
Die Verbraucherschützer gehen jedoch von einem sogenannten Forgone Consumer Surplus (FCS) aus. Das soll die Summe sein, die Kunden aufgrund des marktmissbräuchlichen Verhaltens Apples entgangen ist. Die juristische Theorie: Durch die „unfaire“ Bepreisung des iCloud+-Dienstes konnten die Kunden nicht kaufen, obwohl sie eigentlich wollten. Dafür soll es nun eine Entschädigung geben.
Which? glaubt etwa, dass ein wettbewerbsrechtlich korrektes Angebot des 200-GByte-Pakets statt der aktuellen 2,99 Pfund nur 1,99 Pfund gekostet hätte, wenn Apple sich nicht illegal verhalten hätte. Diese Illegalität wiederum ergibt sich laut der Verbraucherschützer offensichtlich dadurch, dass Apple nur 5 GByte an kostenlosem Speicher mitliefert.
Das Verfahren wird nun für alle iCloud-Kunden fortgesetzt. Das Gericht muss unter anderem feststellen, ob iCloud illegal innerhalb von iOS bevorzugt behandelt wurde. Betroffen sind Kunden, die iCloud seit November 2018 verwendet haben. Which? sammelt diese im Rahmen einer Liste [4], um dann bei Apple vorstellig werden zu können.
Apple hatte zuletzt im November versucht, das Verfahren auf anderem Weg zu stoppen [5]: Der Konzern ging davon aus, dass der von Which? engagierte Prozessfinanzierer nicht in der Lage sei, die Klage wirtschaftlich durchzuhalten. Tatsächlich hatte das Unternehmen zwischenzeitlich finanzielle Probleme. Wie es in diesem Prozesspunkt weitergeht, ist noch unklar.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11286923
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: Zafer Kurt / Shutterstock.com)
Die US-Blockade trifft Iran hart – doch Teheran hat eine überraschende Ausweichroute gefunden, die Peking eine neue Machtposition verschafft.
Der Iran gibt im Konflikt mit den USA nicht klein bei. Seit fast einem Monat blockiert die US-Marine iranische Häfen und kapert Schiffe. Doch die Iraner haben einen Weg gefunden, die Blockade zu umgehen.
Offenbar hat Teheran seinen Handel zum Teil auf die Schiene verlagert. Das legt jedenfalls ein Bericht [1] von Bloomberg nahe. Der Handel über diesen Weg verharrt dennoch auf einem geringen Level.
Dem Bericht zufolge hat sich die Frequenz der Güterzüge zwischen der nordwestchinesischen Stadt Xi'an und Teheran von etwa einem Zug pro Woche auf einen Zug alle drei bis vier Tage erhöht. Jeder Zug transportiert rund 50 Standard-Container mit etwa 12 Metern Länge (40 Fuß) über eine Route durch Kasachstan und Turkmenistan.
Die Marineoperation der USA hindert Teheran weitgehend daran, Öl zu exportieren und lebenswichtige Güter wie Getreide zu importieren. Die gegenseitige Seeblockade [2] hat die Straße von Hormus in eine strategische Falle verwandelt – mit mehr als 2.000 gestrandeten Schiffen.
Der iranische Rial fiel auf neue Rekordtiefststände gegenüber dem US-Dollar, die Inflation erreichte nach Angaben iranischer Quellen 53,7 Prozent. Ende Dezember 2025 löste die rapide Währungsabwertung Proteste mit vermutlich tausenden Toten aus.
Die Kosten für den Transport eines 40-Fuß-Containers auf der Strecke Xi'an–Teheran liegen derzeit bei bis zu 7.000 US-Dollar – rund 40 Prozent über dem üblichen Niveau.
Im Vergleich zur Seefracht, die laut Bloomberg normalerweise zwischen 2.000 und 3.500 US-Dollar kostet, ist der Schienenweg deutlich teurer, dafür aber in etwa 15 Tagen Transitzeit erheblich schneller als die 30 bis 40 Tage per Schiff.
"Früher fuhren diese Züge in manchen Wochen überhaupt nicht; jetzt sind sie für Mai ausgebucht", sagte Altan Dursun, Geschäftsführer des türkischen Logistikunternehmens Silkroad-Avrasya Multimodal Logistics, gegenüber Bloomberg.
Für Juni seien weitere Kapazitätsausweitungen geplant.
Derzeit fließt der Warenverkehr fast ausschließlich in eine Richtung: China liefert Autoteile, Generatoren und Elektronik nach Iran. Diese Industriegüter ersetzen Lieferungen, die zuvor auf dem Seeweg kamen.
Iranische Beamte prüfen nach eigenen Angaben, zu einem späteren Zeitpunkt Öl und Erdölprodukte sowie Kraftstoffe per Bahn nach China zu exportieren – die Kapazitäten dafür sind allerdings begrenzt.
Die Abhängigkeit vom chinesischen Markt wächst damit weiter. Peking nimmt bereits nahezu das gesamte iranische Öl ab und ist nun auch über den Landweg der wichtigste Handelspartner.
Der Vorsitzende des iranischen Containerausschusses, Kambiz Etemadi, schätzte laut der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Fars, dass Iran maximal 40 Prozent seines üblichen Seehandels auf Landwege verlagern könne.
Ein Langstrecken-Containerschiff transportiert mehrere Tausend Container – die 50 Container pro Zug können den Seehandel daher nur in geringem Maße kompensieren.
Die China-Route fügt sich in ein breiteres Netz alternativer Handelskorridore ein, das Teheran seit Jahren ausbaut. Im Oktober 2025 begann Iran erstmals mit dem Export von Diesel per Bahn nach Afghanistan über die 225 Kilometer lange Khaf-Herat-Strecke.
Parallel investiert das Land Milliarden in den Internationalen Nord-Süd-Transportkorridor (INSTC), der Iran mit Russland verbinden soll. Die 164 Kilometer lange Bahnstrecke Rasht–Astara schließt dabei das letzte fehlende Teilstück des 7.200 Kilometer langen multimodalen Netzes.
Die iranischen Eisenbahnprojekte sind Teil eines regionalen Infrastrukturbooms [3], bei dem neue Schienenkorridore zwischen dem Persischen Golf, der Levante und Europa entstehen.
Saudi-Arabien nahm Ende April einen 1.700 Kilometer langen Frachtbahnkorridor in Betrieb, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien investieren gemeinsam 2,3 Milliarden US-Dollar in ein Eisenbahnprojekt.
Auch in Ostafrika baut China Schienenprojekte [4], die neue Handelsrouten unabhängig von westlich dominierten Seewegen schaffen sollen. Für europäische Logistikunternehmen stellt sich zunehmend die Frage, welche Rolle sie in diesen neuen Korridoren spielen können – oder ob sie zu reinen Zuschauern werden.
Der iranische Staatssender Press TV bezeichnete die Xi'an-Verbindung laut Bloomberg bereits bei ihrer Inbetriebnahme im vergangenen Jahr als "entscheidende Notfalllösung, um den bilateralen Handel vor den Fängen der US-Hegemonie zu bewahren".
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11287948
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Der Bundesrat hat die geplante steuerfreie Entlastungsprämie gestoppt.
(Bild: nitpicker / Shutterstock.com)
Die Länderkammer stoppt die geplante steuerfreie Entlastungsprämie von bis zu 1000 Euro. Streitpunkt: Steuerausfälle von 2,8 Milliarden Euro.
Der Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran [1] hat auch in Deutschland enorme Kosten verursacht. Das ist längst an der Tankstelle und auch beim Einkauf [2] zu merken.
Die schwarz-rote Bundesregierung hatte nun vor, die Bürger etwas zu entlasten – auf Kosten der Unternehmen in Deutschland. Diese sollten ihren Beschäftigten eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie zahlen. Bis zu 1.000 Euro sollte es geben.
Doch mit diesem Vorhaben ist die Merz-Regierung jetzt überraschend am Bundesrat gescheitert. Die Länderkammer weigerte sich am Freitag, den Gesetzentwurf durchzuwinken.
Der Kern des Konflikts liegt in der Verteilung der finanziellen Lasten. Wie die Tagesschau berichtet [3], rechnet Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel mit Steuermindereinnahmen von insgesamt 2,8 Milliarden Euro. Davon entfallen demnach rund zwei Drittel auf Länder und Kommunen – etwa 700 Millionen Euro allein auf die kommunale Ebene [4]. Der Bund hingegen hätte sich durch eine Erhöhung der Tabaksteuer ausschließlich seinen eigenen Anteil gegenfinanziert, so Dressel.
Winfried Kretschmann, langjährig grüner Ministerpräsident von Baden-Württemberg, der kürzlich aus dem Amt geschieden ist, monierte: Der Bund plane regelmäßig nur eine Anschubfinanzierung. Und am Ende blieben die Kosten dann meist bei den Ländern und Kommunen hängen.
Diese Klage ist nicht neu – seit Jahren ringen beide Seiten um eine grundsätzliche Regelung zur Kostenverteilung bei Bundesmaßnahmen. Vorbild sind Vereinbarungen aus der Corona-Pandemie, als der Bund Mindereinnahmen der Kommunen kompensierte.
Auch die Wirtschaft reagierte gespalten. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer sprach laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) von einer "erforderlichen Notbremsung". DIHK-Präsident Peter Adrian warnte demnach davor, dass eine gut gemeinte Prämie zu neuem Erwartungsdruck und zusätzlichen Kosten für Unternehmen führe.
Laut Spiegel [5] hatte der Arbeitgeberverband BDA bereits im Vorfeld prognostiziert, dass erheblich weniger Unternehmen die Prämie auszahlen würden als bei der vergleichbaren Inflationsausgleichsprämie 2022.
Ein wesentlicher Grund für die Länder, den Gesetzentwurf abzulehnen, dürfte aber darin gelegen haben, dass man nicht noch mehr Lohnkosten im öffentlichen Dienst haben wollte. Erst kürzlich wurden neue Tarifverträge für den öffentlichen Dienst abgeschlossen, die deutliche Lohnsteigerungen vorsahen.
Hätten die Länder ihren Angestellten nun die zusätzliche Prämie von 1.000 Euro zahlen müssen, das hätte sie Milliarden gekostet. Dressel betonte als TdL-Vorsitzender, die Länder seien beim jüngsten Tarifabschluss bereits an ihre Grenzen gegangen.
Die Gewerkschaften teilen die Skepsis aus anderen Gründen. Eine Einmalzahlung führe nicht zu dauerhaften Gehaltssteigerungen und stehe möglicherweise in Konkurrenz zu linearen Tariferhöhungen.
Die Bundesregierung kann nun den Vermittlungsausschuss anrufen. Ob das gelingt, ist offen.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) signalisierte laut dpa Gesprächsbereitschaft, forderte aber Entlastungen, die "wirklich bei den Menschen in ganz Deutschland ankommen". Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) brachte stattdessen eine Einkommensteuerreform ins Spiel.
Doch genau hier droht der nächste Koalitionskrach. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zuletzt offen gelassen, ob bei der Einkommensteuer überhaupt ein Kompromiss mit der SPD gelingt.
Merz lehnt eine Umverteilung zulasten höherer Einkommen ab, während Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) genau darauf besteht.
Die jüngste Steuerschätzung verschärft die Lage zusätzlich: Allein für 2027 erwartet der Bund 10,1 Milliarden Euro weniger Einnahmen als geplant.
Diese Schlappe dürfte den ohnehin hohen Druck in der Koalition nicht verringern, eher das Gegenteil ist der Fall. Die Koalition muss mit Blick auf den Herbst Ergebnisse liefern. Dann wird in drei Bundesländern neue Landesparlamente gewählt – und die AfD erreicht inzwischen Höchstwerte.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11287372
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
Der Iran-Krieg markiert eine geopolitische Zäsur
(Bild: Joey Sussman/Shutterstock.com)
Eine Ära geht zu Ende. Für Staaten, die sich bewusst auf den Schutz der USA verlassen haben, sollte dies ein Weckruf sein, meint unser Gastautor.
Der Krieg in der Ukraine hat eine zentrale Annahme über die Dominanz von Großmächten erschüttert: dass Größe und militärische Stärke ausreichen, um den eigenen Willen durchzusetzen. Die Ukraine hat das Gegenteil gezeigt. Mit der richtigen Strategie, Geografie und Entschlossenheit kann ein schwächerer Staat überleben und einen deutlich stärkeren Gegner aufhalten – und in wichtigen Punkten sogar besiegen.
Die Vereinigten Staaten sehen sich nun mit einer unangenehmen Parallele konfrontiert. Der Krieg gegen den Iran [1] legt ähnliche Grenzen US-amerikanischer Macht offen.
Über Jahrzehnte beruhte die amerikanische Grand Strategy auf Vorherrschaft – dem Glauben, dass die unvergleichlichen militärischen Fähigkeiten der USA es ihnen ermöglichen, globale Stabilität zu sichern und Entwicklungen in verschiedenen Regionen zu gestalten.
Nach den Fehlschlägen im Irak und in Afghanistan sind viele Amerikaner zu einem ernüchternden Schluss gekommen: Die Kosten der Vorherrschaft sind nicht länger tragbar – und dienen nicht länger den Interessen der USA. Eine Strategie, die überall und jederzeit auf militärische Dominanz setzt, bedeutet zwangsläufig, irgendwo und jederzeit im Krieg zu sein. Amerikas endlose Kriege sind kein Zufall; sie sind das Ergebnis dieses Ansatzes. Und wenn es einen seltenen Konsens in einem tief gespaltenen Land gibt, dann diesen: Die Amerikaner sind kriegsmüde.
Doch trotz einer kriegsmüden Öffentlichkeit, wachsendem fiskalischem Druck und Politikern, die versprechen, endlose Kriege zu beenden, haben Trägheit – und mächtige wirtschaftliche Interessen, die mit dem Krieg verbunden sind [3] – die Vorherrschaft aufrechterhalten.
Die Frage ist nun, ob das Debakel im Iran dieses Muster endlich durchbrechen wird. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass seine Auswirkungen sogar jene des von George W. Bush begonnenen Irakkriegs übertreffen könnten.
Man bedenke: Die Vereinigten Staaten gewannen den Irakkrieg in weniger als drei Wochen. Ihre militärische Überlegenheit stand nie in Zweifel. Doch sie verloren den Frieden – sie scheiterten daran, das Land zu stabilisieren, als der Aufstand an Fahrt aufnahm.
Im Iran jedoch haben die Vereinigten Staaten nicht einmal die militärische Phase gewonnen – obwohl sie einer konventionell deutlich schwächeren Streitmacht gegenüberstanden. Iran nutzte Geografie und asymmetrische Taktiken, um die amerikanische Macht zu begrenzen und einen strategischen Rückschlag herbeizuführen.
Noch bemerkenswerter ist, dass frühe Behauptungen, US-Luftangriffe hätten Irans Drohnen- und Raketenfähigkeiten erheblich geschwächt, inzwischen übertrieben erscheinen. Die Lektion ist klar: Die Kontrolle des Luftraums garantiert nicht die Kontrolle über Ergebnisse. Ohne den Willen, Bodentruppen einzusetzen – und ohne die Fähigkeit, Luftmacht in entscheidende Resultate zu übersetzen – wirkt amerikanische Vorherrschaft zunehmend hohl.
Zweitens hat Stephen Walt darauf hingewiesen [4], dass der Irakkrieg trotz seines letztlichen Scheiterns sein unmittelbares Ziel erreichte: den Sturz Saddam Husseins. Im Iran scheint sich nun das Gegenteil abzuzeichnen. Statt das Regime zu schwächen, hat der Krieg es vermutlich gestärkt [5] – die innere Geschlossenheit gefestigt und die Kontrolle der Hardliner verstärkt [6].
Walt merkt zudem an, dass der Irakkrieg zwar die Region destabilisierte, seine globalen Auswirkungen jedoch relativ begrenzt blieben. Er löste weder eine Ölkrise noch weitverbreitete Nahrungsmittelknappheit oder größere Störungen der Lieferketten aus. Der Krieg mit dem Iran hingegen hat die Energiemärkte bereits ins Chaos gestürzt – Öl- und Gaspreise auf Rekordhöhen getrieben und in mehreren Ländern Energie-Notlagen ausgelöst. Er könnte zudem die geopolitische Landschaft des Persischen Golfs für Jahre grundlegend verändert haben.
Wie Stephen Wertheim argumentiert hat, war Vorherrschaft immer eine Entscheidung [7] – keine Notwendigkeit. Der Krieg mit dem Iran deutet darauf hin, dass sie möglicherweise nicht einmal mehr eine tragfähige Option ist. Eine Strategie, die auf Eskalationsdominanz beruht, gerät ins Wanken, wenn Eskalation selbst zu riskant wird, um sie einzusetzen. Eine Strategie, die auf entscheidende Siege setzt, bricht zusammen, wenn Gegner konsequent ein Patt erzwingen können.
Stattdessen entsteht eine andere Art internationaler Ordnung – eine, die nicht von Dominanz, sondern von gegenseitiger Verweigerung geprägt ist. In dieser Welt können Großmächte ihren Willen nicht ohne Weiteres durchsetzen, und kleinere Staaten können ihnen zu vertretbaren Kosten widerstehen. Das Ergebnis ist nicht Chaos, sondern Begrenzung.
Das wahrscheinlichste Ergebnis der aktuellen Pattsituation zwischen den USA und dem Iran ist weder ein Abkommen noch eine Rückkehr zum Krieg, sondern ein lang anhaltendes, unruhiges Gleichgewicht. Auch das ist ein Zeichen der Zeit. Die Vereinigten Staaten mögen sich aus Verhandlungen zurückziehen, doch es ist unwahrscheinlich, dass sie wieder in einen umfassenden Krieg eintreten. Nicht, weil ihnen die Fähigkeiten fehlen – sondern weil ihnen die strategische Handlungsfreiheit fehlt, sie einzusetzen.
Für Staaten, die sich entschieden haben, auf den Schutz der USA zu setzen, sollte dies ein Weckruf sein.
Das bedeutet nicht, dass Bündnisse zusammenbrechen werden. Aber es bedeutet, dass sie sich verändern werden. Verbündete werden stärker absichern, ihre Sicherheitsbeziehungen diversifizieren und größeren Wert auf regionale Kräftegleichgewichte legen, anstatt sich auf einen einzigen Garanten zu verlassen.
In diesem Sinne ist der Krieg mit dem Iran weniger ein Bruch als vielmehr ein Beschleuniger eines bereits laufenden Trends. Irak und Afghanistan haben die Grenzen von Besatzung und Regimewechsel aufgezeigt. Die Ukraine hat die Verwundbarkeit großer konventioneller Streitkräfte offenbart.
Der Iran zeigt nun die Grenzen von Zwang selbst auf. Wie meine Kollegin am Quincy Institute, Monica Toft, argumentiert [8], benötigen andere kleinere Mächte nicht einmal eine so entscheidende Wasserstraße wie die Straße von Hormus, um eine Supermacht wirksam einzuschränken. Die Gestaltung von Gelände und Geografie – wie es die Ukrainer getan haben – genügt. Kurz gesagt: Irans Strategie ist andernorts reproduzierbar.
Zusammengenommen weisen diese Konflikte auf eine multipolarere Welt hin – nicht weil neue Großmächte vollständig aufgestiegen sind, sondern weil bestehende ihre frühere Dominanz nicht mehr ausüben können.
Die Gefahr für Washington ist nicht Bedeutungslosigkeit. Sie besteht darin, weiterhin eine Strategie zu verfolgen, die für eine Welt entworfen wurde, die es nicht mehr gibt. Dasselbe gilt für Länder, die sich auf amerikanische Vorherrschaft verlassen haben.
Vorherrschaft versprach Kontrolle. Der Krieg mit dem Iran offenbart Begrenzung. Und in der Kluft zwischen Versprechen und Realität liegt das Ende einer Ära. Gewinner werden diejenigen sein, die sich anpassen.
Trita Parsi ist Mitbegründer und geschäftsführender Vizepräsident des Quincy Institute for Responsible Statecraft.
Dieser Text erschien zuerst bei unserem Partnerportal Responsible Statecraft [9] auf Englisch.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11287154
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: miss.cabul / Shutterstock.com)
Metas Tochterunternehmen Instagram schaltet am 8. Mai die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Direktnachrichten ab.
Es flog etwas unter dem Radar, doch ab dem heutigen Freitag wird es Ernst: Instagram verwässert den Privatsphärenschutz des sozialen Netzwerks. Die Opt-in-Option zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (End-to-End-Encryption, E2EE) schaltet Meta für Direktnachrichten global ab.
Damit vollzieht Meta eine Kehrtwende, da das Unternehmen zuvor die E2EE als Goldstandard für die Privatsphäre gepriesen hat, wie die BBC [1] es formuliert. Die allgemeine E2EE hatte Meta für den Facebook Messenger und Instagram [2] ab Ende 2023 schrittweise eingeführt.
Das auf Privatsphäre spezialisierte IT-Sicherheitsunternehmen Proton weist auch auf Instagram [3] auf die anstehende Änderung hin. Wer auf bisherige verschlüsselte Nachrichten und Chats Zugriff behalten möchte, muss diese nun zügig herunterladen, bevor sie von Instagram verschwinden.
(Bild: heise medien)
Als Erklärung dazu, warum die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nun nicht mehr möglich sein soll, liefert ein aktualisierter Facebook-Blog-Beitrag eine Antwort [4]: Demnach haben nur sehr wenige Menschen die Möglichkeit der Aktivierung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Direktnachrichten genutzt. Wer weiterhin E2EE für Nachrichten nutzen wolle, könne dafür einfach WhatsApp einsetzen.
In Großbritannien wird dieser Schritt vermutlich begrüßt. Bereits zur Ankündigung der Einführung einer E2EE in Instagram stieg die britische Regierung auf die Barrikaden [5]: Die damalige Innenministerin Suella Braverman forderte zunächst Sicherheitsmaßnahmen ein, um Kinder vor Missbrauch auf den Plattformen Instagram und Facebook Messenger zu schützen. Meta habe keine ausreichenden Zusicherungen gemacht, dass die beiden Plattformen „von krank machenden Missbrauchstätern“ freigehalten würden. Damals argumentierte Meta dagegen, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schütze die Menschen im Vereinigten Königreich vor Hackern, Betrügern und Kriminellen.
Da Meta nun potenziell Zugriff auf mehr persönliche Informationen von Nutzern erhält, könnte der Verdacht naheliegen, dass das etwa für Werbezwecke genutzt werden kann. Das ist aber gar nicht nötig. Allein anhand von Meta-Daten ist erstaunlich präzise Werbeansprache bereits möglich [6], erklärte der Instagram-Chef Adam Mosseri vor einiger Zeit.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11287210
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: Dirk Knop / heise medien)
Ivanti hat Sicherheitsupdates für den Endpoint Manager Mobile (EPMM) veröffentlicht. Sie schließen auch bereits attackierte Lücken.
In Ivantis Endpoint Manager Mobile (EPMM) klaffen mehrere Sicherheitslücken, von denen eine bereits im Internet angegriffen wird. Aktualisierte Software stopft die Sicherheitslecks. Admins sollten zügig handeln.
In der Update-Ankündigung für Ivantis EPMM [1] schreiben die Entwickler des Unternehmens, dass sie von Missbrauch einer der Lücken bei einigen Kunden wissen; auch die US-amerikanische IT-Sicherheitsbehörde CISA hat die Schwachstelle bereits [2] in ihren Known-Exploited-Vulnerabilities-Katalog aufgenommen. Für erfolgreiche Attacken benötigen Angreifer jedoch Admin-Rechte. Vorab empfiehlt Ivanti, Konten mit Admin-Rechten zu prüfen und gegebenenfalls die Zugangsdaten zu rotieren. Die anderen vier Schwachstellen seien jedoch noch nicht attackiert worden.
Insgesamt geht es um fünf Sicherheitslecks. Die bereits angegriffene Schwachstelle basiert auf einer unzureichenden Eingabeprüfung – Ivanti schreibt jedoch keine weiteren Hinweise, die eingrenzen würden, in welcher Komponente der Fehler liegt oder wie das angreifbar wäre (CVE-2026-6973 [3], CVSS 7.2, Risiko „hoch“).
Die weiteren Schwachstellen sind im Schweregrad teils umstritten, etwa eine unzureichende Zugriffskontrolle, die Angreifern ohne vorherige Anmeldung das Aufrufen beliebiger Methoden erlaubt (CVE-2026-5788 [4]). Die NVD-Analysten stufen das mit einem CVSS-Wert von 9.8 als „kritisch“ ein, Ivanti bleibt jedoch entspannter bei CVSS 7.0, mithin einem „hohen“ Risiko. Eine unzureichende Zertifikatsprüfung ermöglicht Angreifern aus dem Netz ohne Authentifizierung, registrierte Sentry-Hosts zu fälschen und gültige CA-signierte Client-Zertifikate zu erhalten (CVE-2026-5787 [5], CVSS laut NVD 9.1, Risiko „kritisch“, laut Ivanti CVSS 8.9, „hoch“).
Eine weitere unzureichende Zertifikatsprüfung erlaubt Angreifern aus dem Netz ohne vorherige Anmeldung, Geräte einzubinden, die zu einer begrenzten Liste an nicht eingebundenen Geräten gehört, was zum Abfluss von Informationen über die EPMM-Appliance führen kann (CVE-2026-7821 [6], NVD: CVSS 9.1, Risiko „kritisch“; Ivanti: CVSS 7.4, „hoch“). Hier schränkt Ivanti in der Update-Ankündigung noch ein, dass Kunden, die das Apple-Device-Enrollment nicht konfiguriert haben und nicht nutzen, nicht davon betroffen sind. Die letzte gefixte Schwachstelle basiert auf unzureichenden Zugriffskontrollen, durch die authentifizierte Angreifer aus dem Netz Admin-Zugang erlangen können (CVE-2026-5786 [7]. CVSS 8.8, Risiko „hoch“).
Die Schwachstellen schließt Ivanti mit den Versionen Ivanti Endpoint Manager Mobile 12.6.1.1, 12.7.0.1 und 12.8.0.1 oder neueren. Die Downloads verlinkt der Hersteller in der Update-Ankündigung.
Sicherheitslücken in Ivantis EPMM sind immer wieder Ziel von bösartigen Akteuren. Im Februar [8] warnte etwa das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) [9] vor weiter verbreitetem Missbrauch von Schwachstellen in der Verwaltungssoftware.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11286825
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: Mozilla)
Mit einem großen Update und kleineren Patches hat Mozilla im April 423 Firefox-Lücken geschlossen. Noch vor kurzem waren es pro Monat immer etwa zwei Dutzend.
Mozilla hat vor allem dank des neuen KI-Modells Claude Mythos Preview von Anthropic im April genau 423 Sicherheitslücken geschlossen, so viele sind bis vor wenigen Monaten erst in etwa zwei Jahren zusammengekommen. Das geht aus einer Erklärung [1] von drei Verantwortlichen aus dem für den Browser zuständigen Sicherheitsteam hervor. Einen Vorgeschmack auf den enormen Zuwachs hat Mozilla schon vor zwei Wochen zur Veröffentlichung der Firefox-Version 150 [2] gegeben, weitere Bugs wurden danach und davor in kleineren Updates behoben. Aktuell ist die Version 150.0.2. Um die Bandbreite aufzuzeigen, hat das Team jetzt auch mehrere der geschlossenen Lücken vorgestellt, einige waren demnach mehr als 15 Jahre alt.
Das Sicherheitsteam erinnert jetzt daran, dass KI-Technik schon länger bei der Suche nach Sicherheitslücken zum Einsatz gekommen ist. Bislang war das aber eher ein Problem, viele Open-Source-Projekte haben unter generierten Fehlermeldungen gelitten, die nichts weiter als „Unsinn“ waren. Wie sehr sich diese Dynamik bei Mozilla in den vergangenen Monaten umgekehrt hat, könne „man gar nicht genug betonen“. Das führen die drei zum einen auf die gestiegene Leistungsfähigkeit der KI-Modelle und zum anderen auf deutlich verbesserte Technik zu ihrer Nutzung zurück. Bei Mozilla habe man dafür ein Suchsystem gebaut, bei dem die zugrundeliegenden KI-Modelle einfach getauscht werden können. Als Anthropic dann den Zugriff auf Claude Mythos Preview ermöglicht hat, habe man direkt loslegen können und das Ergebnis sehe man jetzt.
Die drei erklären noch, dass sie bei der Nutzung von KI mit simplen Anfragen begonnen haben, mit der Zeit sei der Prozess aber viel komplexer geworden. Dessen Kern sei aber unverändert: Einer KI würde erzählt, dass es in einem Teil des Quellcodes einen Bug gibt, der müsse gefunden und ein Testfall dazu entwickelt werden. Inzwischen konzentriere man sich dabei auf bestimmte Teile der großen Codebasis und geht davon aus, dass es noch versteckte Lücken gibt. In Zukunft soll der Prozess in die Auslieferung von Patches eingebunden werden. Schon vor Wochen war man bei Mozilla optimistisch, dass die Technik dabei helfen wird, dass die Abwehr im ewigen Kampf gegen Angriffe auf IT die Oberhand behalten wird: „Die gegenwärtige Situation ist zwar gefährlich, bietet aber auch zahlreiche Chancen“, heißt es jetzt.
Anthropic hat Mythos vor einem Monat vorgestellt [3] und dazu erklärt, dass das Modell so gefährlich sei, dass es nur Firmen zur Verfügung gestellt wird, die an IT-Sicherheit arbeiten. Das KI-Modell habe schon tausende hochriskante Zero-Day-Lücken identifiziert, hieß es damals. Gleichzeitig sei die KI-Technik deutlich häufiger in der Lage, einen funktionierenden Exploit für solche Lücken zu entwickeln, teilweise würden dafür sogar mehrere in Verbindung miteinander ausgenutzt. Deshalb hätten nur Firmen Zugriff darauf bekommen, die das Werkzeug nutzen können, um die IT-Sicherheit zu verbessern. Mozilla bestätigt jetzt, dass einige der gefundenen Lücken einen Ausbruch aus der Sandbox umfassen, für einen erfolgreichen Angriff benötigen sie eine weitere Lücke. Solche Bugs seien bislang besonders schwer zu finden gewesen.
Zur Freigabe der Firefox-Version 150 hat sich Mozilla überzeugt gegeben, dass man mit KI-Hilfe tatsächlich alle Sicherheitslücken in einer Software finden und diese damit vollständig absichern kann. Damit wurde den Befürchtungen widersprochen, dass Anthropics KI eine Ära einleitet, in der Kriminelle oder Angreifer in Staatsdiensten ein so leistungsfähiges Werkzeug erhalten könnten, dass die Verteidigung sinnlos wird. Die gegenteilige Vision von Mozilla kann aber nur Realität werden, wenn wirklich jede Software mit KI-Hilfe geprüft und danach rasch abgesichert wird. Ob das überhaupt geschehen kann und wird, ist zumindest fraglich. Dass das aber zumindest versucht wird, zeigt nicht nur das Vorgehen von Mozilla, auch im Chrome-Browser wurden zuletzt besonders viele Sicherheitslücken [4] geschlossen.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11287023
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: heise medien)
Atlassian stellt auf der Team ’26 neue KI-Funktionen vor. Agenten sollen Aufgaben eigenständig planen und ausführen, unterstützt durch den Teamwork Graph.
Atlassian hat auf seiner Hauskonferenz Team ’26 mehrere neue Funktionen vorgestellt, die KI-Agenten stärker in die tägliche Zusammenarbeit von Anwendern einbinden sollen. Im Mittelpunkt stehen der Ausbau des Teamwork Graph als unternehmensweite Kontextschicht sowie die Weiterentwicklung der KI-Plattform Rovo. Deren Agenten sollen Aufgaben künftig nicht nur unterstützen, sondern eigenständig planen und ausführen.
Atlassian entwickelt Werkzeuge für Zusammenarbeit und Softwareentwicklung. Hierzu zählen Jira, Confluence und Loom. Alle diese Tools sollen Aufgaben, Wissen und Kommunikation in Teams zusammenführen.
Eine zentrale Rolle spielt der Teamwork Graph. Er bildet Beziehungen zwischen Aufgaben, Dokumenten, Personen und Systemen ab und liefert KI-Agenten den nötigen Kontext. Neu ist, dass dieser Kontext nicht mehr nur innerhalb der Atlassian-Produkte zur Verfügung steht. Über ein neues Kommandozeilentool – das sich aktuell in einer Open Beta befindet – greifen Entwickler direkt im Terminal auf den Graph zu. Zusätzlich stellt Atlassian Schnittstellen über das Model Context Protocol (MCP) bereit, sodass auch externe Agenten und Copiloten die Daten nutzen können. KI-Systeme können damit Zusammenhänge wie Verantwortlichkeiten, Abhängigkeiten oder frühere Entscheidungen einbeziehen, statt isolierte Abfragen zu beantworten. Ein Agent kann so zum Beispiel ermitteln, welche Incidents mit einem bestimmten Deployment zusammenhängen und wer für deren Behebung zuständig ist.
Parallel baut Atlassian Rovo [1] – ein KI-gestütztes Such- und Wissensermittlungstool – aus und entwickelt es von einem reinen Assistenzwerkzeug zu einem Tool für agentisches Arbeiten weiter. KI-Agenten sollen komplexe, mehrstufige Aufgaben eigenständig zerlegen, planen und ausführen. Der bereits angekündigte Reasoning-Modus „Max“ in Rovo Chat soll künftig solche Abläufe über mehrere Werkzeuge hinweg orchestrieren. Ein Beispiel für den Praxiseinsatz wäre ein Quartalsbericht, für den ein Agent Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführt, aufbereitet und fehlende Informationen kennzeichnet.
KI-Agenten rücken zudem näher an bestehende Arbeitsabläufe. In Jira lassen sich Aufgaben nun gezielt an Agenten zuweisen (genannt Agents in Jira, bereits allgemein verfügbar), die diese eigenständig bearbeiten oder vorbereiten. In Confluence überführt die Funktion Remix Inhalte in andere Formate wie Präsentationen oder Diagramme, ohne dass Anwender die Umgebung verlassen müssen. Loom wandelt Videoanleitungen in strukturierte Aufgaben um, die sich beispielsweise als Jira-Tickets weiterverarbeiten lassen. Punktuelle KI-Abfragen sollen damit einer dauerhaft eingebetteten Automatisierung weichen.
Mit Rovo Studio bietet Atlassian zudem eine No-Code-Plattform, auf der Anwender eigene Agenten, Automatisierungen und Anwendungen erstellen. Sie setzt auf dem Teamwork Graph auf und richtet sich ausdrücklich nicht nur an Entwickler. Workflows lassen sich ereignisbasiert definieren und mit Funktionen wie Rollenmodellen, Freigaben und Versionierung absichern. Ein Beispiel wäre ein Onboarding-Prozess, bei dem ein Agent automatisch Konten anlegt, Dokumente bereitstellt und Aufgaben verteilt, sobald ein neuer Mitarbeiter im System erfasst ist.
Speziell für Softwareentwickler erweitert Atlassian sein Angebot im Bereich Developer Experience (DX). Neue Funktionen wie „Agent Experience“, „AI Code Insights“ und „AI Pulse“ sollen Transparenz über den KI-Einsatz im Entwicklungsprozess schaffen. Damit lässt sich nachvollziehen, welcher Anteil des Codes von KI stammt, wie Agenten in Workflows eingebunden sind und wie sich das auf Produktivität und Qualität auswirkt.
Mit der Product Collection kündigt Atlassian außerdem eine neue Produktreihe für das Produktmanagement an. Sie erweitert bestehende Werkzeuge wie Jira Product Discovery und soll den gesamten Prozess von der Sammlung von Kundenfeedback über die Priorisierung bis zur Umsetzung und Erfolgsmessung abdecken.
Neu sind zudem die Dia Reports, wobei es sich um browserbasierte Briefings handelt, die Informationen aus dem Teamwork Graph mit Daten aus typischen Arbeitswerkzeugen wie Kalendern oder Kommunikationsplattformen verbinden. So entstehen etwa automatisch generierte Tageszusammenfassungen, die offene Aufgaben, relevante Diskussionen und anstehende Termine bündeln.
Mehr Details zu allen neuen Funktionen finden sich im Atlassian-Blog [2].
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11286166
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: Henry Franklin/Shutterstock.com)
OpenAI bringt drei neue Audio-Modelle für die API: GPT-Realtime-2 für Echtzeit-Gespräche, Translate für Übersetzungen und Whisper für Live-Transkription.
Künstliche Intelligenz [1] wird in Zukunft immer häufiger am anderen Ende der Leitung sein, wenn Menschen eine Supporthotline anrufen oder in einer App Unterstützung suchen. Mit drei neuen Audio-Modellen, die per Entwicklerschnittstelle (API) zur Verfügung stehen, will OpenAI jetzt deren Qualität auf eine neue Stufe stellen. Konkret hat das US-amerikanische KI-Unternehmen die Modelle GPT-Realtime-2, GPT-Realtime-Translate und GPT-Realtime-Whisper vorgestellt.
Wie die Namen schon erahnen lassen, geht es um einen Dreiklang an Funktionen: GPT-Realtime-2 soll Echtzeit-Gespräche zwischen Maschine und Mensch ermöglichen, GPT-Realtime-Translate kommt in der Mensch-zu-Mensch-Kommunikation als Übersetzer und GPT-Realtime-Whisper zur Transkribierung von Mensch zu Maschine zum Einsatz. GPT-Realtime-2 ist überdies das erste Sprachmodell mit GPT-5-Reasoning in Echtzeit. OpenAI hat zuletzt auch GPT-5.5 als agentisches Arbeitsmodell [2] vorgestellt, das Aufgaben selbstständig planen und über längere Zeiträume konsistent bearbeiten soll.
In Praxisvideos zur Ankündigung [3] zeigt OpenAI die Modelle im Einsatz. Ein Augenmerk liegt darauf, dass sich die KI besser in die menschliche Kommunikation einfügt. Da ist zum Beispiel eine Situation, wo jemand ein Mensch-KI-Gespräch unterbricht und die KI angewiesen wird, für den Moment abzuwarten. Auch die Rückmeldungen der KI kommen menschlicher daher: sei es, wie Zahlen- und Buchstabenfolgen ausgesprochen werden oder bei der Live-Übersetzung, dass die KI jeweils abwartet, bis sie genug gehört hat, um sinnhaft übersetzen zu können. Zudem sollen Probleme besser kommuniziert werden, anstatt die Kommunikation einfach stillschweigend scheitern zu lassen.
Das Kontextfenster von GPT-Realtime-2 wurde gegenüber dem Vorgängermodell GPT-Realtime-1.5 von 32.000 auf 128.000 Token erweitert. Reasoning-Stufen sind einstellbar: von minimal bis sehr hoch, im Standard ist es auf niedrig eingestellt. Auch sind parallele Aufrufe von Tools möglich, sodass das Modell im laufenden Gespräch parallel mehrere externe Dienste abfragen kann. OpenAI wirbt zudem mit einem deutlich besseren Abschneiden bei Benchmarks, etwa bei Big Bench Audio von 81,4 auf 96,6 Prozent im Vergleich zu GPT-Realtime-1.5. Beim allgemeinen Release der Realtime API [4] im vergangenen Jahr hatte das Vorgängermodell diesen Benchmark gegenüber der Beta-Version bereits von rund 65 auf über 82 Prozent verbessert.
GPT-Realtime-Translate unterstützt über 70 Eingangssprachen und kann in 13 Sprachen übersetzen. Die Deutsche Telekom testet das Modell laut OpenAI bereits, um es im mehrsprachigen Kundensupport einzusetzen. Die Kosten für Entwickler betragen 0,034 US-Dollar pro Minute Nutzung.
GPT-Realtime-Whisper soll Live-Transkription mit sehr niedriger Latenz ermöglichen. Typische Einsatzbereiche sind Untertitel in Meetings oder bei Streams, Kundensupport, medizinische Anwendungen und der Handel. Die Kosten betragen 0,017 US-Dollar pro Minute.
Alle drei Modelle stehen ab sofort über die Realtime API zur Verfügung. Die neuen Modelle reihen sich in OpenAIs jüngste Strategie spezialisierter KI-Modelle ein: Neben der Sprachverarbeitung hat das Unternehmen zuletzt auch GPT-Rosalind für die Biologieforschung [5] vorgestellt, das auf Wirkstoffentdeckung und Genomik zugeschnitten ist. Die Nutzung von GPT-Realtime-2 kostet für den Input 32 US-Dollar pro Million Token (0,40 US-Dollar für gecachte Token) sowie 64 US-Dollar pro Million Token im Output. Damit bleiben die Preise gegenüber dem Vorgängermodell unverändert. Für europäische Entwickler relevant: Die Realtime API unterstützt EU Data Residency, sodass Anfragen und Antworten in der EU verarbeitet und nicht auf OpenAIs Servern gespeichert werden – allerdings mit einem Vorbehalt: Das Tracing, also die Nachverfolgung von API-Aufrufen zu Debugging-Zwecken, ist derzeit noch nicht EU-Data-Residency-konform.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11287248
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien
(Bild: Pincasso/Shutterstock.com)
In .NET 10.0 kann man Werkzeugerweiterungen für das .NET-SDK ohne vorherige Installation starten.
Werkzeugerweiterungen für das .NET-SDK-Kommandozeilenwerkzeug dotnet.exe (bzw. dotnet) musste man bisher lokal in einem Projekt von NuGet [1] installieren, beispielsweise:
dotnet tool install dotnet-runtimeinfo
oder global installieren:
dotnet tool install -g dotnet-runtimeinfo
bevor eine Ausführung mit
dotnet-runtimeinfo
möglich war.
Seit .NET 10.0 können Entwicklerinnen und Entwickler ein solches Werkzeug herunterladen und einmalig ausführen, ohne es lokal zu speichern. Dafür gibt es den neuen Befehl dotnet tool exec. So funktioniert beispielsweise
dotnet tool exec dotnet-runtimeinfo
Dabei kommt es vor der erstmaligen Ausführung zu einer Nachfrage, ob man das Werkzeug wirklich starten will (siehe Abbildung 1). Diese Nachfrage kann man vorab mit „Ja“ beantworten, indem man -y oder --yes angibt:
dotnet tool exec dotnet-runtimeinfo -y
Zudem kann man dotnet tool exec mit dnx abkürzen:
dnx dotnet-runtimeinfo -y
Wer schon länger dabei ist, wird sich erinnern, dass es in den Anfangstagen von .NET Core bereits ein Werkzeug namens dnx.exe gab, das später in dotnet.exe umbenannt wurde. Microsoft hält sich in den Release Notes zu .NET 10.0 Preview 6 [2] offen, den Namen dnx in Zukunft wieder stärker einzusetzen: „The actual implementation of the dnx command is in the dotnet CLI itself, so we can evolve its behavior over time. Today it runs tools, but who knows what the future may hold.“
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11286735
Links in diesem Artikel:
Copyright © 2026 Heise Medien