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Störungsmeldung vom 10.04.2026 14:50

Von heise online — 10. April 2026 um 14:50

Neue Störungsmeldung für Provider 1&1

Details

Beginn
10.04.2026 14:50
Region
Reisbach (Niederbay) (08734)
Provider
1&1
Zugangsart
ADSL

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Warum LED-Leuchtmittel nicht mehr so grässlich wie früher sind

Von Heise — 12. April 2026 um 10:06

Wisst ihr noch, wie grottig die ersten LEDs strahlten? Kalt, blass, Gesichter wirkten kränklich. Das ist inzwischen behoben, wenn man richtig auswählt.

Die ersten LED-Birnen Anfang der 2000er stießen auf wenig Gegenliebe: Auch wenn sie deutlich weniger Strom benötigten als die bisherigen Glühbirnen, strahlte ihr Licht kalt, Farben sahen blass aus, Personen wirkten fast kränklich. Und geflackert haben sie auch noch – vor allem beim Dimmen.

Tatsächlich täuschte dieser Eindruck nicht, sondern die ersten LED-Leuchtmittel strahlten ein Farbspektrum ab, dem vor allem Rot fehlte. Im Video erklären wir die Hintergründe und wie man anhand des CRI- oder Ra-Werts feststellen kann, wie farbecht Leuchtmittel sind. Ra/CRI beschreibt, wie gut acht Testfarben wiedergegeben werden. Sonnenlicht entspricht dem Maximalwert von 100, die alten LEDs erreichten vielleicht 60 bis 70. Inzwischen schreibt eine EU-Verordnung vor, dass nur noch Leuchtmittel ab 80 in den Handel gelangen dürfen. Farben und Gesichter wirken damit schon viel natürlicher.

Eine Stichprobe im Baumarkt zeigte, dass Leuchtmittel mit gängigen Fassungen wie E27 oder GU10 auch mit Ra=90 zu finden sind. Besonders farbstarke mit Ra=95 bietet der Versandhandel zu immer noch guten Preisen. Wer besonders kräftige Farben möchte, sucht zusätzlich nach dem Messwert für R9, der über 50 liegen sollte. Die Farbtemperatur ist davon übrigens weitgehend unabhängig, sie bleibt weiterhin ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines passenden Leuchtmittels.

Weiterhin beschreibt das Video, warum einige ältere LEDs flackerten. Das ist weitgehend gelöst, da die EU-Verordnung auch hierfür sinnvolle Grenzwerte festgelegt hat. Die zugehörigen Kennzahlen PstLM und SVM stehen allerdings nur auf wenigen LED-Verpackungen. Besser findet man die fürs Dimmen geeigneten Leuchtmittel.

c’t Phasenlage stellt Energiethemen wie Photovoltaik, Solarakkus, Balkonkraftwerke, dynamische Stromtarife, Wärmepumpen und Smart Home miteinander verzahnt dar und sammelt dazu das Know-How der Redaktionen von c’t, heise+ und den anderen heise-Magazinen. Sie finden c’t Phasenlage auf YouTube [4], auf Peertube [5] und auf den gängigen Podcast-Plattformen [6]. Alle zwei Wochen soll eine Folge erscheinen.


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Ionos: Bei Inferenz können lokale KI-Anbieter mithalten

Von Achim Sawall — 12. April 2026 um 11:51
Während das Training gigantischer KI -Modelle oft als das Maß im globalen Wettbewerb gelte, verschieben sich die Gewichte. Markus Noga, CTO von Ionos, ordnet die Chancen deutscher Anbieter neu ein.
Serverrack bei Ionos (Bild: Ionos)
Serverrack bei Ionos Bild: Ionos

Deutsche KI-Anbieter hätten eine Chance, beim reinen Rechenvorgang (Inferenz) der KI international mitzuhalten, aber nicht beim Training. Das sagte Markus Noga, Chief Technology Officer bei Ionos, Golem auf Anfrage. "Beim Training von großen KI-Modellen werden es Deutschland und Europa sehr schwer haben, gegen die großen Anbieter aus Übersee zu bestehen. Anders sieht das beim Thema Inferenz aus" , erklärte Noga, "hier können lokale Anbieter sehr wohl mithalten" .

Zudem werde in Zukunft das Training von kleinen, spezialisierten Modellen für industrielle Anwendungen eine viel größere Rolle spielen, sagte er.

Mit dem AI Model Hub habe Ionos, das zu United Internet gehört, bereits vor zwei Jahren eine "souveräne Alternative für KI-Anwendungen" gestartet. Noga: "Im Model Hub werden ausschließlich Open-Source- und europäische Modelle angeboten – und das in europäischen Rechenzentren, und ohne dass die Daten unserer Kundinnen und Kunden für das Training verwendet werden."

Allerdings laufen dort neben der französischen Mistral-Familie (Mistral Nemo, Mixtral 8x7B) auch Metas Large Language Models (LLM) Llama 3.3 (70B) und Llama 3.1 (405B). Llama ist aktuell das leistungsfähigste Open-Source-Modell, kommt aber ursprünglich aus den USA.

EU: Ionos wartet bei KI-Factories auf Ausschreibungstext

Aktuell sind die Pläne einer EU-Förderung für KI-Rechenzentren noch nicht umgesetzt. Noga sagte: "Wir beabsichtigen nach wie vor, uns für eine der von der EU angekündigten AI-Gigafactories zu bewerben. Allerdings hat sich der Ausschreibungszeitpunkt mehrfach verschoben. Inzwischen gehen wir vom Mai 2026 aus." Wie das konkrete Modell zur Förderung durch die EU und die Mitgliedsstaaten letztlich aussehen werde, werde man erst wissen, wenn der Ausschreibungstext vorliege.

Tagesspiegel Background berichtete , dass die EU nun versucht, Hardwaresubventionen direkt mit dem AI Act zu verknüpfen. Wer EU-Förderung für Rechenzentren erhalten will, muss nachweisen, dass die dort trainierten KIs die Transparenzregeln der EU vorbildlich erfüllen. Rechenzentren, die KI-Kapazität zur Verfügung stellen, müssen zudem ihre Abwärmenutzung und ihren PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) transparent machen.

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Batterie Südostasiens: Größtes Solarstromprojekt in Südostasien geht ans Netz

Von Patrick Klapetz — 12. April 2026 um 10:30
In Laos geht ein gigantisches Photovoltaik -Projekt in Betrieb. Es ist in Zusammenarbeit mit China entstanden und soll die Kohlendioxidemissionen des Landes senken.
Das von China entwickelte Solarprojekt in Laos (Bild: CMG)
Das von China entwickelte Solarprojekt in Laos Bild: CMG

China hat mit einem 1-Gigawatt-Photovoltaikprojekt das größte Einzelstandort-Solarstromprojekt in Südostasien gebaut. Die Anlage befindet sich im Norden des Nachbarlands Laos und wurde am 7. April 2026 in Betrieb genommen.

Der Sonnenenergiepark markiert einen wichtigen Meilenstein in der regionalen Zusammenarbeit im Bereich der sauberen Energie und für Laos speziell den Übergang der Region zu grüner Energie.

Das Projekt wurde von dem chinesischen Atomkraftkonzern CGN (China General Nuclear Power Group) entwickelt. Mit einer installierten Leistung von einem Gigawatt in der ersten Phase ist es der China Media Group (CMG) zufolge auch das erste großflächige Berg-Photovoltaikprojekt in Laos.

Sobald das Projekt vollständig ans Netz geht, soll es jährlich um die 1,65 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen. Dies soll dem südostasiatischen Land dabei helfen, seine Kohlendioxidemissionen um rund 1,3 Millionen Tonnen pro Jahr zu reduzieren, indem etwa 500.000 Tonnen Standardkohle eingespart werden.

Der Kohleexport in Südostasien

Die Kohlereserven des Landes werden auf ungefähr 500 bis 800 Millionen Tonnen geschätzt . Einige geologische Schätzungen gehen bei Einbeziehung nicht voll erschlossener Vorkommen von bis zu einer Milliarde Tonnen aus. Das bedeutendste Abbaugebiet liegt in der Provinz Sayaboury (Hongsa-Region), wo sich die größten Braunkohlevorkommen des Landes befinden, aber auch in den Provinzen Xekong und Saravane existieren weitere Vorkommen.

Das Land produziert derzeit jährlich etwa 12 bis 15 Millionen Tonnen Kohle . Über 90 Prozent der geförderten Menge werden im Braunkohlekraftwerk Hongsa verfeuert. Der Strom wird größtenteils nach Thailand exportiert.

Zudem wurden im Jahr 2025 neue Verträge mit vietnamesischen Unternehmen wie dem staatlichen Bergbaukonzern Vinacomin unterzeichnet, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Kohlesektor zu stärken und jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Kohle von Laos nach Vietnam zu exportieren.

Die Batterie Südostasiens

Die Kohleproduktion und der Energieexport nehmen damit eine eher kleine, aber wirtschaftlich wichtige Rolle für Laos Energiewirtschaft ein. Das Land produziert circa 76 Prozent seines Energiebedarfs aus Wasserkraft . Es verfügt derzeit über etwa 80 größere Wasserkraftwerke, die aktiv Strom produzieren.

Die installierte Gesamtleistung der Wasserkraftwerke übersteigt mittlerweile 11.600 Megawatt (MW). Ferner befinden sich Dutzende weitere Projekte in verschiedenen Bau- und Planungsstadien. Allein am Mekong-Hauptstrom sind insgesamt neun große Staudämme geplant.

Rund 70 bis 80 Prozent des erzeugten Stroms werden exportiert, wobei Thailand der Hauptabnehmer ist, gefolgt von Vietnam und Kambodscha. Deswegen wird Laos auch als die Batterie Südostasiens bezeichnet.

Laos will grüner werden

Neben der Wasserkraft wird die Energie zu etwa 24 Prozent aus Kohle, zu 3 bis 5 Prozent aus Biomasse und nur zu 1 bis 2 Prozent aus Solar- und Windenergie gewonnen. Die laotische Regierung strebt eine 100-prozentige Elektrifizierung bis 2030 sowie eine Senkung des Endenergieverbrauchs um zehn Prozent an und will die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 60 Prozent senken.

Mit Projekten wie dem 1-Gigawatt-Photovoltaikpark in Nordlaos könnte dieses Ziel erreicht werden. Bisher seien rund 2,23 Millionen Solarmodule für die Anlage errichtet worden, teilte Wang Yang mit, der Leiter der Produktions- und Betriebsabteilung der Laos-Einheit von CGN Energy International.

Der grüne Strom wird in die China-Laos-500-Kilovolt-Verbindungsleitung eingespeist, die seit Februar 2026 beide Länder über eine insgesamt 177,5 Kilometer lange Übertragungsleitung verbindet. Insgesamt sollen saubere Energieprojekte in fünf nördlichen Provinzen von Laos beschleunigt werden.

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(g+) Transformer: Wie macht er das nur?

Von Bastian Grossenbacher-Rieck — 12. April 2026 um 10:00
Wenn es um KI geht, ist viel vom Transformer die Rede. Er kann viel und hat vor allem eine faszinierende Eigenschaft.
Aufgepasst! Denn der Attention-Mechanismus ist eine zentrale Grundlage für Transformer. (Bild: pfreedom/Pixabay)
Aufgepasst! Denn der Attention-Mechanismus ist eine zentrale Grundlage für Transformer. Bild: pfreedom/Pixabay

An KI-Modellen führt aktuell kaum ein Weg vorbei. Vermutlich hat jeder mittlerweile schon mal mit ChatGPT und Co. gespielt oder sie vielleicht schon produktiv eingesetzt. Was aber möglicherweise von außen gar nicht so klar ist: Alle diese Modelle basieren vermutlich (genau wissen wir Forscherinnen und Forscher es tatsächlich nicht, denn die großen Konzerne lassen sich ungern in die Karten blicken) auf den gleichen Bausteinen. Eine besondere Rolle spielt der sogenannte Transformer.

In ihrer Publikation mit dem augenzwinkernden Namen Attention Is All You Need (PDF) hat ein Forschungsteam von Google Brain und Google Research Maßstäbe gesetzt. Der Titel führte nicht nur zu unzähligen Memes auf KI-Konferenzen, sondern sollte sich als geradezu prophetisch erweisen. Denn in der Tat sind der Attention-Mechanismus (etwas holprig übersetzt: Aufmerksamkeitsmechanismus) und die zugehörige Transformer-Architektur inzwischen der zentrale Bestandteil von modernen KI-Modellen. Und ganz wie das Schweizer Taschenmesser ist der Transformer auch extrem vielseitig anwendbar.

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Vitamin-D-Mangel: Diese Gruppen sind besonders gefährdet

Von Uwe Kerkow — 11. April 2026 um 17:45
Die Sonne scheint durch ein herbstliches Ahornblatt und bildet dabei ein

Foto: Alrandir, shutterstock

Rund die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlenen Werte nicht. Die moderne Arbeitswelt verschärft das Problem zusätzlich.

Vitamin D nimmt eine Sonderstellung unter den Vitaminen ein. Streng genommen handelt es sich um ein Hormon, da der Körper es zu 80 bis 90 Prozent selbst produzieren kann. Diesen Job erledigt freundlicherweise unsere Haut – allerdings nur mithilfe der UV-B-Strahlung der Sonne. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erklärt [1], dass eine hinreichende körpereigene Produktion in Deutschland nur zwischen März und Oktober möglich ist.

Moderne Lebensweise verstärkt das Problem

Anna-Katharina Doepfer von der OrthoGroup Hamburg weist gegenüber dem NDR darauf hin [2], dass bis zur Industrialisierung die meisten Menschen während der Vegetationsperiode immerzu draußen waren. Ihre Vitamin-D-Speicher seien dadurch im Herbst maximal gefüllt gewesen.

Heute arbeiten viele Menschen auch im Sommer drinnen, wodurch die Speicher nicht optimal gefüllt werden.

Rund die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlenen Vitamin-D-Werte im Blut nicht. Das zeigen [3] repräsentative Studien des Robert Koch-Instituts. Besonders in den Wintermonaten kann es zu einem Mangel kommen, der schwerwiegende Folgen hauptsächlich für die Knochengesundheit haben kann.

Viele bleiben unter der Empfehlung

Das Robert Koch-Institut hat ermittelt, dass 15,2 Prozent der Erwachsenen einen Vitamin-D-Mangel mit Werten unter 30 Nanomol [4] pro Liter Blut aufweisen. Weitere 40,8 Prozent haben suboptimale Werte zwischen 30 und 50 Nanomol. Als ausreichend gelten Werte ab 50 Nanomol pro Liter Blut.

Die Folgen eines schweren Mangels sind gravierend. Bei Säuglingen und Kindern kann es zur Rachitis kommen – einer Erkrankung, bei der die Knochen weich bleiben und sich verformen. Pawel Bak von der orthopädischen Gelenkklinik Freiburg erklärt [5], dass bei Erwachsenen eine Osteomalazie möglich ist, die die Knochenstabilität beeinträchtigt.

Bestimmte Gruppen müssen besonders Acht geben

Experten haben mehrere Risikogruppen identifiziert, die häufig an Vitamin-D-Mangel leiden. Dazu gehören Menschen, die sich wenig im Freien aufhalten, etwa chronisch Kranke und Pflegebedürftige. Auch ältere Menschen sind betroffen, da ihre Haut mit zunehmendem Alter weniger Vitamin D produziert.

Menschen mit dunkler Hautfarbe benötigen deutlich mehr Sonnenlicht für die Vitamin-D-Produktion, als in Deutschland einfällt. Das staatliche österreichische Gesundheitsportal weist darauf hin [6], dass auch Personen gefährdet sind, die aus religiösen oder kulturellen Gründen nur mit bedecktem Körper ins Freie gehen.

Wann Präparate sinnvoll sind

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt [7] grundsätzlich, sich je nach Hauttyp fünf bis 25 Minuten pro Tag mit unbedecktem Gesicht, Händen und Armen der Sonne auszusetzen. In der sonnenreichen Zeit zwischen März und Oktober kann der Körper so genügend Vitamin D für die Winterzeit speichern – auch ohne Sonnenbrand.

Also öfter raus an die frische Luft. Denn Besuche im Solarium nützen wenig. Die Geräte dort geben primär UV-A-Strahlen [8] ab. Für die Bildung von Vitamin D benötigt unsere Haut allerdings UV-B-Bestrahlung.

Der Körper kann nicht genug Vitamin D über die Ernährung [9] aufnehmen. Selbst bei sehr gesunder Kost können nur 10 bis 20 Prozent des täglichen Bedarfs durch Lebensmittel wie fetten Fisch [10], Eier oder Pilze gedeckt werden. Bei fehlender Eigenproduktion rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung deshalb zu einer täglichen Zufuhr [11] von 800 Internationalen Einheiten (I.E.) und 400 bei Säuglingen zur Rachitisprophylaxe.

��berdosierung kann unangenehm oder sogar gefährlich werden

Anders als wasserlösliche Vitamine scheidet der Körper überschüssiges Vitamin D nicht aus, sondern speichert es in den Muskeln und im Fettgewebe. Das Robert Koch-Institut warnt [12] daher vor einer Überdosierung, die zu erhöhten Kalziumspiegeln im Blut führen kann. Bei starker Überdosierung können auch Übelkeit, Erbrechen und ein starkes Durstgefühl auftreten. In schweren Fällen kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen.

Generell empfehlen die meisten staatlichen oder öffentlichen Informationsangebote daher, den Vitamin-D-Spiegel vor der Einnahme von Vitamin D prüfen zu lassen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür allerdings nur, wenn eine medizinische Notwendigkeit [13] dafür besteht – also wenn der Arzt den Test verordnet hat.

Wechselwirkung mit Medikamenten

Bestimmte Medikamente wie Kortison, Diuretika oder Antiepileptika können die Vitamin-D-Wirkung beeinträchtigen. Wer dauerhaft Arzneimittel einnimmt, sollte die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten unbedingt mit seinem Arzt besprechen.

Zwar empfehlen viele Fachleute auch höhere Mengen Vitamin D zur Nahrungsergänzung. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit nennt allerdings 4000 Internationale Einheiten (100 Mikrogramm) täglich als sichere Obergrenze [14].

Das Deutsche Krebsforschungszentrum stellte letztes Jahr anhand einer Metastudie allerdings fest [15], dass Vitamin D zwar nicht die Zahl der Tumorerkrankungen, wohl aber die Sterblichkeit in der Bevölkerung immerhin um bis zu zwölf Prozent reduzieren könnte – vorausgesetzt, das Vitamin wird täglich und in niedriger Dosis eingenommen.

Wissenschaft räumt mit Mythen auf

Viele Hoffnungen auf Gesundheitseffekte von Vitamin D haben sich dagegen nicht bestätigt. Bei neurologischen oder psychischen Erkrankungen wie Demenz, Depressionen oder Multipler Sklerose konnte dagegen keine eindeutige Schutzwirkung nachgewiesen werden. Bei gesunden Erwachsenen ohne Vitamin-D-Mangel kann die vorbeugende Gabe von Vitamin D auch nicht vor Frakturen schützen.

Anders sieht es bei Menschen mit bereits bestehenden Knochenerkrankungen aus – für sie ist die Behandlung mit Vitamin D und Kalzium fest etabliert.

Dieser Artikel erschien auf Telepolis erstmals am 10. November 2025.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11072194

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/vitamin-d/#c3081
[2] https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/vitamin-d-mangel-ursache-symptome-dosierung-nebenwirkungen,vitamindmangel101.html
[3] https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Vitamin_D/Vitamin_D_FAQ-Liste.html#entry_16871796
[4] https://www.simply-onno.com/was-ist/nanomol-bedeutung-laborwerte
[5] https://gelenk-klinik.de/konservativ/vitamin-d.html
[6] https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/vitamine-mineralstoffe/fettloesliche-vitamine/vitamin-d.html
[7] https://www.bfr.bund.de/cm/343/ausgewaehlte-fragen-und-antworten-zu-vitamin-d.pdf
[8] https://www.dr-jetskeultee.de/blog/selbstvertrauen-uv-strahlung-hautkrebs/
[9] https://www.heise.de/tp/article/Die-Wahrheit-ueber-entzuendungshemmende-Ernaehrung-10670624.html
[10] https://www.heise.de/tp/article/Omega-3-Fettsaeuren-Schluessel-zu-einem-laengeren-Leben-10271150.html
[11] https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-d/
[12] https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Vitamin_D/Vitamin_D_FAQ-Liste.html#entry_16871802
[13] https://www.der-niedergelassene-arzt.de/medizin-und-forschung/details/wann-zahlt-die-gesetzliche-krankenkasse-fuer-labor-und-supplemente/1
[14] https://www.akdae.de/arzneimittelsicherheit/drug-safety-mail/newsdetail/drug-safety-mail-2023-48
[15] https://www.dkfz.de/aktuelles/pressemitteilungen/detail/kein-hoeheres-risiko-fuer-nierensteine-oder-arterienverkalkung-bei-vitamin-d-einnahme

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Frankreich oder: Die Möglichkeiten des Glücks

Von Thomas Pany — 11. April 2026 um 16:30

Tisch im Restaurant von Cambon.

(Bild: Foto: Copyright Eric Brendle, herault-tourisme.com)

Für eine Kultur der Gelassenheit – auch im Winter. Warum eine Reise ins Hinterland Südfrankreichs den Horizont öffnet und die Laune hebt.

In den dunklen Monaten, immer wenn man merkt, dass man um den Mund herum grimmig wird, ist es am besten, man fährt nach Frankreich. Nach Südfrankreich. In meinem Fall ins Département de l'Hérault. Das funktioniert jedes Mal. Es geht aufwärts mit der Laune. Nachhaltig. Wie das? Und warum?

Wenn die Laune friert, hilft nur der Süden

Die Gründe sind einfach. Ein erster ist hier zu sehen.

Anhöhe St-Martin-du-Froid
(Bild: Foto: Copyright Eric Brendle, herault-tourisme.)

Der Anblick auf der Höhe, benannt nach der Kapelle St.-Martin-du-Froid, ist ein befreiender Schock. Noch klopft das Herz vom – leichten – Anstieg, dann nimmt der plötzlich offene Horizont, man sieht bis ans Meer einem den Atem, bis die Lungenflügel sich weiten und mit ihnen das gesamte Innenleben, dem es im herbstlichen Deutschland zu eng geworden war.

Dorthin zu finden, ist nicht ganz einfach. Aber das zwischenzeitliche Verlorengehen gehört zu der Art von Streifzügen, die eine Reise in den Süden Frankreichs zu einem Unterfangen machen, das einen noch wochenlang trägt. Weil es Möglichkeiten des Glücks vor Augen führt, die man verschwunden glaubte.

Das andere Südfrankreich

Es ist gegen die Intuition und gegen Sehnsüchte, die tief in uns stecken, wenn man der schönen Stadt im Süden, Montpellier den Rücken kehrt. Die Stadt voller lebendiger Cafés mit vielen Studenten und der grandiosen Mittelalterbauten ist nur eine halbe Stunde mit dem Bus von einer Küste entfernt, an der die Flamingos ihre rosa Farbstoffe aus den Etangs picken und die Sandstrände weit und herrlich leer ihr hellen einladenden Bänder ziehen.

Wer ins Hinterland fährt, fährt in die ungewohnte Richtung. Gibt es denn nichts Schöneres, als vor dem endlosen Blau des Meeres den stillen Frieden und die Wärme genießen?

Aber nicht doch, hieß es. Das kennst du schon.

Wir fuhren ins Hinterland. In die entgegengesetzte Richtung also. Du wirst sehen, es gibt neue Entdeckungen, neue Ziele für die Touristen, andere Erlebnisse als die, die man an den Stränden macht, sagten mir meine Begleiter. Andere Begegnungen. Auf die kommt es an.

Auf die Begegnungen kommt es an

Einen Vorgeschmack bekam ich am Vortag. Wir besuchten ein von außen unauffälliges Restaurant. Der Chef der Maison du Coquillage (wörtlich "Haus der Muschel"), an der Peripherie von Montpellier, ein "Ecailler", der seine Austern wie Juwelen anbot, erklärte uns – mit einem zwinkernden Blick auf den Gast aus Süddeutschland – dass er eine Crème Chantilly (Schlagsahne) servieren werde, die sämtliche Schlagsahne-Artisten aus der österreichisch-ungarischen k. und k.-Monarchie vor Neid zum Weinen gebracht hätte.

Der Mann behielt Recht. Er hatte der Sahne Gewürzspitzen zugesetzt, die einen verblüffenden Effekt hatten und Geschmackszonen ansprach, von denen ich nicht ahnte, dass es sie gibt. Aber ich war nicht zum Weinen gekommen. Ich wollte einen Teil Frankreichs sehen, den ich nicht kannte. Das rurale Südfrankreich. Nicht das Frankreich, in dem der Sprüche nach Gott am liebsten lebt und essen geht und die Reichen mit ihm am Tisch sitzen.

(Bild: Foto: T.P.)

Berge, die den Blick bis zum Meer tragen

Auf der Fahrt durchs Hinterland auf schnellen, kommod gewundenen Straßen geht es durch ein beinahe fantasy-artiges Panorama an Bergkämmen in einer Hügellandschaft mit einem sanft-freundlichen Grün bis ganz nach oben. Die Augen werden mild gestimmt, anders als in den felsigen Alpenlandschaften, derart, dass man keiner Sensation mehr bedarf.

Und doch gibt es sie. In der Bergkette der Monts de l'Espinouse, zum Beispiel, einem Gebirgsmassiv, das als Wasserscheide zwischen dem Atlantik und dem Mittelmeer fungiert. Dort ragt auch das Felsmassiv des Mont Caroux unübersehbar ins Blickfeld. Dessen helle Felsen sind weithin sichtbar, bis ans Meer, das etwa 30 bis 40 Kilometer entfernt ist.

Seeleute nutzten ihn früher als Navigationshilfe, heute erfreuen sich Wanderer an dem Blick bis hin zum Meer. Auch hier öffnet sich ein Horizont, der viele Fragen, die sich vor Bildschirmen auftürmen, in Luft auflöst.

Auf dem Gipfel von Caroux.
(Bild: Foto: Copyright Eric Brendle, herault-tourisme.)

Vorbei an der Tiefe, hinein in die Gegenwart

Wer da Anflüge erfährt für eine Ausweitung seiner Kenntnisse über Tiefenzeit und paläoalte Lebensspuren im Stein, der ist genau auf dem richtigen Terrain. Denn dort befindet sich ein Naturpark mit einer geologischen Tiefe bis ins Paläozoikum, der Géoparc Terres d'Hérault.

Wir aber fuhren vorbei an den paläozoitischen Zeitzeugen. Immer wieder zeigten meine Begleiter auf einen ungewöhnlichen Fahrradweg, ein paar hundert Meter von der Autostraße entfernt, der ähnlich wie eine Eisenbahntrasse durch Tunnels hindurch und auf Brücken verläuft und ein Landschaftserlebnis der eigenen Art bietet.

Wir machten uns im Auto auf leeren, schön gewundenen Straßen mit zeitlosen Blickfenstern auf den Weg, um etwas über die Gegenwart im Hinterland zu erfahren.

Auf dem Weg zu den Dörfern.
(Bild: Foto: Copyright Eric Brendle, herault-tourisme.)

Fraisse-sur-Agout, Bar Tabac, Begegnungen

Wir sollten eine Bürgermeisterin eines kleinen Ortes treffen, der vom "Aussterben" bedroht ist. Auf dem Weg dahin gab es naturellement eine Abschweifung. Ein zwischenzeitliches, etwas verwunschenes Verlorengehen in einem kleinen Ort namens Fraisse-sur-Agout.

(Bild: Foto: Eric Brendle, herault-tourisme.com)

Schließlich kann man nicht reisen, ohne zwischendrin einen Kaffee zu trinken und mit Einheimischen die politische Lage des Landes zu besprechen. In Fraisse-sur-Agout gibt es noch, was in den großen kulturkritischen Anmerkungen zum Zustand des Landes bedauert wird: ein Restaurant Bar Tabac, ziemlich klein, ziemlich unspektakulär, nichts für sensationsgierige Besucher – bis auf die Betreiberinnen.

Ein Dorf, ein Kaffee, ein ganzes Land

Zwei Frauen, die laut Erzählungen weit über achtzig sind, wahrscheinlich über neunzig Jahre alt, halten die Bar in Schwung. Tatsächlich ist das Bild nicht übertrieben. Wer dort jemals einen Kaffee bestellt und das Glück hat, mit den Frauen ins Gespräch zu kommen, erlebt eine Geistesgegenwart mit spitzen Bemerkungen, die einen wacher machen als der starke Espresso, den die Frauen mit sicherer Hand und einem angenehmen Klirren des Löffels servieren.

Die Gäste waren ausnahmslos Einheimische, die den Besuchern gegenüber freundliche Willkommensmiene zeigten, untereinander aber nach genüsslichen Lungenzügen aus den Gauloises Liberté toujours mit wenigen scharfen Worten die Steuerpolitik der wechselnden Regierungen abkanzelten. Nein, sie wollen auf keinen Fall weg von Fraisse-sur-Agout, gaben sie dem Besucher zu verstehen. Es sei ein Paradies, etwas versteckt vielleicht, aber magisch.

Fraisse-sur-Agout
(Bild: Foto: Eric Brendle, herault-tourisme.com)

Paradies mit schwindenden Einwohnern

Das sagt auch die Bürgermeisterin von Cambon, einem Weiler, französisch "hameau", nur, dass dort die Einwohner schwinden, sie bleiben nicht. In den 1960er-Jahren zählte man noch etwa 600 Einwohner, Mitte der Achtzigerjahre waren es nur mehr 150. Jetzt sind es 56 und im Winter zehn.

Das Dörfchen am Fuß des Weges zur Kapelle von St-Martin-du-Froid liegt in einem paradiesischen Umfeld. Das wissen auch die Ausgewanderten. Viele, die dort aufgewachsen sind, haben das ererbte Haus oder Anwesen als Zweitwohnsitz behalten – für die Ferien. Leben wollen sie dort nicht mehr oder können es nicht, mangels Arbeitsmöglichkeiten.

Die Hoffnung

Das sei nicht nur hier, in Cambon, sondern im ganzen ruralen Frankreich, habe man mit diesem Problem zu kämpfen, sagt Marie Casares dem Besucher aus Deutschland. Sie listet die Fakten trocken auf, ohne Emotionen. Erst als es still wird und sie das Gespräch neu aufnimmt – "Wie kommen die Jüngeren dazu, dass sie sagen: Ich will mir von einem Haus nicht mein Leben blockieren lassen?" – lässt sie ihre tiefe Traurigkeit über die gegenwärtigen Zustände spüren.

Aber sie gibt nicht auf, sagt sie. Cambon sei den Kampf, der zu ihrer Lebensaufgabe geworden ist, wert. Rettung verspricht sie sich vom Tourismus. Und dafür hat sie besondere Angebote. Naturnah. Übernachten in einem Wagen auf einer Anhöhe, mit einem dieser Ausblicke, die den Horizont, die Lungenflügel und die Lebensgeister erweitern.

(Bild: Foto: Copyright Eric Brendle, herault-tourisme.com)

Der Tourismus hat sich verändert, sagt mein Begleiter. Er muss es wissen. Ich kenne ihn seit vierzig Jahren. Damals hab ich in Montpellier studiert und er war Radiojournalist. Mittlerweile arbeitet er im Tourismus.

Das "Dogma der Sonne", die Urlaube an Strand und Meer, die seit den 1950er Jahren als Paradigma der schönsten Zeit des Jahres propagiert wurden, seien nicht mehr alleingültiges Ferienglück. Jetzt entdecke man ein anderes Verhältnis zum Land und zur Natur, andere Begegnungen und andere Gefühle.

Dafür bieten sich andere Jahreszeiten zum Aufbruch an und andere Arten des Reisens.

Genaue Informationen zu Anfahrten, Touren, Übernachtungsmöglichkeiten und Radwegen finden sie bei herault-tourisme [1], auch auf Deutsch.

Dieser Text erschien auf Telepolis erstmals am 19. Dezember 2025.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11121215

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.herault-tourisme.com/de/

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Joggen leicht gemacht: So überwinden Sie mentale Blockaden

Von Christian Kliver — 11. April 2026 um 16:05
Frau joggt über Feld in herbstlicher Landschaft

Frau joggt über das Feld in herbstlicher Landschaft. Bild: Mariia Boiko/ Shutterstock.com

Sie wollen regelmäßig joggen gehen? Doch Ihr innerer Schweinehund ist oft stärker als Ihr Wille? Wie Sie das schaffen können, erfahren Sie hier.

Lage Zeiten im Büro und viele Wege im Auto sind Gründe für schwindende Fitness und schlechtes Wohlbefinden. Krankenkassen, Gesundheitsexperten und Ärzte fordern immer wieder zu mehr Bewegung auf. Bei den Angesprochenen mangelt es oft nicht an dem Willen, wohl aber an der Motivation.

Für viele potenzielle Läufer ist es eine ständige Herausforderung, sich zum regelmäßigen Training zu motivieren. Es gibt zahlreiche Gründe, warum die Lust aufs Laufen manchmal verloren geht. Hier erfahren Sie die häufigsten Ursachen für Motivationsblockaden und gibt konkrete Tipps, wie Sie sie überwinden.

Stress, Druck und Überforderung als häufige Auslöser

Eine der Hauptursachen für nachhaltige Laufmotivation ist Stress im Alltag. Wenn man von Verpflichtungen, Terminen und Aufgaben überhäuft wird, führt das schnell zu mentaler Erschöpfung [1]. Anders als bei körperlicher Müdigkeit, lässt sich diese nicht einfach "weglaufen". Im Gegenteil: Zusätzlicher Leistungsdruck beim Sport verstärkt die Überforderung oft noch.

Experten raten deshalb, in stressigen Phasen auch mal Laufpausen einzulegen und sich nicht zu Höchstleistungen zu zwingen. Stattdessen sollte man lieber sanftere Formen der Bewegung wählen und generell kürzertreten.

Auch eine Anpassung der Tagesroutine, etwa durch mehr Erholungszeiten, kann helfen, den Stress zu reduzieren und so die Freude am Laufen wiederzufinden.

Fehlende Zielsetzung und Routinen

Ein weiterer Motivationskiller ist das Laufen ohne konkretes Ziel vor Augen. Wer einfach nur planlos seine Runden dreht, verliert schnell den Spaß an der Sache. Erfolgspsychologen empfehlen daher, sich regelmäßig neue, realistische Laufziele zu setzen [2]. Das können sowohl sportliche Ziele wie eine neue Bestzeit sein, als auch persönliche Meilensteine wie das Erreichen eines Wohlfühlgewichts.

Genauso wichtig wie Ziele sind feste Routinen. Indem man das Lauftraining in den Wochenablauf integriert, etwa immer montags und donnerstags nach der Arbeit, wird es leichter, sich aufzuraffen. Rituale wie das Packen der Laufsachen am Vorabend verstärken den Gewohnheitseffekt.

Mit der Zeit wird das Joggen so zu einer Selbstverständlichkeit, für die man keine Extra-Motivation mehr braucht.

Falsche Sichtweise auf den Sport

Oft ist es auch die eigene Einstellung, die einem die Lauffreude verdirbt. Wer Joggen nur als anstrengende Pflicht sieht, um Kalorien zu verbrennen, dem fällt der Start schwer. Ebenso demotivierend wirkt ein falsch verstandener Ehrgeiz, immer eine Schippe drauflegen zu müssen [3].

Laufexperten plädieren dafür, den Blickwinkel zu ändern und sich auf die positiven Seiten des Sports zu besinnen: Das Naturerlebnis, die frische Luft, das Freiheitsgefühl, die Auszeit vom Alltag. Schon während des Laufens kann man versuchen, die Gedanken gezielt auf diese Aspekte zu lenken. Eine kurze Meditation vor dem Lauf hilft, den Kopf freizubekommen.

Nicht zuletzt lohnt es sich, die tieferen Gründe fürs eigene Laufen zu reflektieren: Will ich aktiv und gesund bleiben? Brauche ich den Ausgleich zum Job? Genieße ich die Zeit für mich? Je klarer einem die persönliche Bedeutung des Sports wird, desto leichter überwindet man innere Widerstände.

Dieser Text erschien auf Telepolis erstmals am 30. Oktober 2024.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10000094

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.runnersworld.de/lauftraining/motivationstief-ueberwinden/
[2] https://www.llc-marathon-regensburg.de/fileadmin/user_upload/Abteilungsnews/Einsteiger_Tipps/Artikel_8__Motivation.pdf
[3] https://www.runnerfeelings.com/post/keine-lust-aufs-laufen-woher-die-unlust-kommt-und-was-man-dagegen-tun-kann

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Jetzt patchen! Adobe veröffentlicht Notfall-Sicherheitsupdate für Acrobat Reader

Von Heise — 11. April 2026 um 21:15
Orangenes Warndreieck vor blauem Hintergrund

(Bild: Sashkin/Shutterstock.com)

Angreifer nutzen eine kritische Schwachstelle in Adobe Acrobat Reader aus. Nun ist ein Sicherheitspatch für macOS und Windows erschienen.

Um aktuell laufende Angriffe auf Adobe Acrobat Reader zu verhindern, müssen Nutzer der PDF-Anwendung die jüngst veröffentlichten reparierten Versionen installieren. Das alleinige Öffnen von manipulierten PDF-Dokumenten reicht aus, damit Attacken erfolgreich sind und Schadcode auf Computer gelangt.

Jetzt patchen!

Die Sicherheitslücke ist erst seit Kurzem bekannt [1], dem Entdecker der Schwachstelle zufolge nutzen Angreifer die Sicherheitslücke aber bereits seit vergangenem Dezember aus. In welchem Umfang die Angriffe ablaufen und gegen wen sie sich richten, ist bislang unklar. Nun hat Adobe Sicherheitsupdates veröffentlicht. Aus einer Warnmeldung geht hervor [2], dass die Lücke (CVE-2026-34621) mit dem Bedrohungsgrad „kritisch“ eingestuft ist.

Der Softwareentwickler versichert, die macOS- und Windows-Ausgaben Acrobat DC Continuous 26.001.21411, Acrobat Reader DC Continuous 26.001.21411 und Acrobat 2024 Classic 2024 Windows: 24.001.30362 | Mac: 24.001.30360 gegen die Angriffe gerüstet zu haben. In den Standardeinstellungen installieren sich die Updates Adobe zufolge automatisch.


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https://www.heise.de/-11253367

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[1] https://www.heise.de/news/Warten-auf-Sicherheitsupdate-Angreifer-attackieren-Adobe-Reader-11251640.html
[2] https://helpx.adobe.com/security/products/acrobat/apsb26-43.html
[3] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[4] mailto:des@heise.de

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Einzelhändler frustriert über strenge Regeln bei KI-Kameras

Von Heise — 11. April 2026 um 17:50

(Bild: TimmyTimTim/Shutterstock.com)

Eine Studie von Ibi Research und der DIHK zeigt: Händler setzen auf KI-Kameras, fühlen sich aber durch die DSGVO und mangelnde Strafverfolgung ausgebremst.

Der deutsche Einzelhandel sieht sich einer wachsenden Welle von Kriminalität gegenüber und schlägt Alarm. Laut der Studie „Kameraeinsatz im Einzelhandel“, die Ibi Research an der Uni Regensburg mit Unterstützung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) mit einem Fokus auf Präventionsoptionen durchgeführt hat, ist Ladendiebstahl längst keine Petitesse mehr: Mehr als die Hälfte der Handelsunternehmen in Deutschland wurde 2025 nachweislich von Dieben heimgesucht. Die Dunkelziffer gilt als hoch.

Dabei berichten die Betroffenen laut der Untersuchung [1] nicht nur von einer zunehmenden Professionalisierung der Täter. Auch die Gewaltbereitschaft steige. Viele Händler fühlen sich in dieser Situation von der Politik und den Sicherheitsbehörden im Stich gelassen, während die wirtschaftlichen Schäden durch Inventurdifferenzen Milliardenhöhe erreichen.

Ein zentraler Baustein in der Verteidigungsstrategie der Unternehmen ist moderne Videotechnik. Die Forscher verdeutlichen, dass Kameras heute mehr seien als passive Aufzeichnungsgeräte. Sie dienten der frühzeitigen Risikoerkennung, der Abschreckung und als psychologische Stütze für das Personal. Dieses könne in brenzligen Situationen ruhiger agieren, wenn es sich durch Videomaterial abgesichert wisse.

KI-Kameras gegen organisierte Banden

Besonders den Einsatz von Künstlicher Intelligenz sieht der Handel als Hoffnungsträger. KI-gestützte Systeme könnten Verhaltensmuster analysieren [2], Personalengpässe an Kassen identifizieren oder zur Optimierung des Energiemanagements beitragen, indem sie Licht- und Kühlsysteme an die Kundenfrequenz koppeln. In Zeiten von akutem Personalmangel wird die Technik als Kompensationsinstrument verstanden, um die Aufmerksamkeit gezielt auf kritische Situationen zu lenken, die das Verkaufspersonal nicht immer im Blick haben kann.

Hier stößt der digitale Schutzwall auf rechtliche Hürden. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO [3]) wird vom Handel als größtes Hindernis für einen effektiven Kameraeinsatz wahrgenommen. Ein Streitpunkt ist die zulässige Speicherdauer der Aufzeichnungen.

In der Praxis gelten aktuell 48 bis 72 Stunden als datenschutzkonformer Richtwert. Für viele Händler ist dieser Zeitraum zu kurz, da professionelle Diebstähle häufig erst später bemerkt werden, etwa bei der nächsten Inventur oder Warenverräumug. Dann sind die entscheidenden Bilder oft bereits automatisiert überschrieben, was eine spätere Identifizierung der Täter und eine erfolgreiche Strafverfolgung vereitelt.

Rechtsunsicherheit bremst

Die Branche fordert daher praxistauglichere und einheitlichere Regeln. Es herrscht Unsicherheit darüber, was rechtlich zulässig ist. Während einfache Überwachungsmaßnahmen zum Schutz von Eigentum unter das „berechtigte Interesse“ fallen können, sind komplexere Anwendungen wie biometrische Gesichtserkennung zur Identifizierung bekannter Ladendiebe rechtlich problematisch und im stationären Handel in der Regel unzulässig.

Diese Lage führt laut der Analyse dazu, dass Pilotprojekte zur KI-gestützten Überwachung in Deutschland oft abgebrochen oder gar nicht gestartet werden. In anderen europäischen Ländern laufen den Autoren zufolge aufgrund einer weniger restriktiven Auslegung der DSGVO dagegen bereits Tests.

Zusätzlich sorgt die Überlastung von Justiz und Polizei für Frustration bei den Ladenbetreibern. Wenn Anzeigen wegen Geringfügigkeit eingestellt werden oder Wiederholungstäter trotz Hausverbot und Videobeweis keine spürbaren Konsequenzen fürchten müssen, sinkt die Motivation, Delikte zur Anzeige zu bringen. Der Handel wünscht sich daher auch eine konsequentere Strafverfolgung und eine engere Zusammenarbeit mit den Behörden.

Bedenken von Aufsichtsbehörden

Um die Lücke zwischen Sicherheitsbedarf und Datenschutz zu schließen, setzen die Verfasser auf Aufklärung und bieten praktische Leitlinien für Händler. Ohne eine Anpassung der Rahmenbedingungen werde die Schere zwischen technischem Potenzial und realem Schutz im deutschen Einzelhandel aber noch größer.

Datenschützer betonen die Notwendigkeit der Verhältnismäßigkeit sowie den Schutz von Grundrechten. Aus ihrer Sicht muss Videoüberwachung das letzte Mittel („Ultima Ratio“) bleiben, nachdem mildere Maßnahmen wie Warenetikettierung oder erhöhte Personalpräsenz nicht ausreichen. Bedenken haben die Aufsichtsbehörden wegen der Gefahr einer flächendeckenden Überwachung des öffentlichen Raums [4] sowie der unzulässigen Identifizierung Unbeteiligter durch biometrische Verfahren. Potenziell drohe eine Vorratsdatenspeicherung ohne konkreten Verdacht, befürchten sie. Vor allem bei KI-Systemen warnen Experten vor einer Blackbox-Problematik, bei der automatisierte Entscheidungsprozesse nicht nachvollziehbar sind und zu Diskriminierung führen können.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11253325

Links in diesem Artikel:
[1] https://ibi.de/veroeffentlichungen/2026/kameraeinsatz-im-einzelhandel
[2] https://www.heise.de/news/Azena-Bosch-will-KI-Videoueberwachung-mit-Emotionserkennung-Co-befluegeln-6473509.html
[3] https://www.heise.de/thema/DSGVO
[4] https://www.heise.de/news/Datenschuetzer-Strenge-Auflagen-fuer-Videoueberwachung-und-Gesichtserkennung-4650376.html
[5] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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US-Regierung traf sich vor Mythos-Preview-Rollout mit KI-Herstellern

Von Heise — 11. April 2026 um 17:10
Anthropic-Logo auf einem Smartphone

(Bild: jackpress/Shutterstock.com)

Vor dem Mythos-Preview-Rollout diese Woche sprachen Regierungsvertreter mit den großen KI-Herstellern. Derweil testen US-Banken die neue KI.

US-Vizepräsident JD Vance und US-Finanzminister Scott Bessent haben sich mit den Köpfen führender Big-Tech-Unternehmen besprochen, um über KI-Sicherheit zu reden. Ein entsprechendes Telefonat soll vergangene Woche stattgefunden haben, etwa eine Woche, bevor Anthropics neues KI-Modell Mythos Preview ausgewählten Unternehmen zur Verfügung gestellt wurde. Mythos soll in jeder wichtigen Software Sicherheitslücken finden und auch gleich passende Angriffe entwickeln können.

Dem US-Nachrichtensender CNBC [1] zufolge sollen dem Anruf Anthropic-CEO Dario Amodei, xAI-Chef Elon Musk, Google-Chef Sundar Pichai, OpenAI-Chef Sam Altman, Microsoft-Chef Satya Nadella, CrowdStrike-Chef George Kurtz und Palo-Alto-Networks-Chef Nikesh Arora zugeschaltet gewesen sein. Als Quellen beruft sich CNBC auf zwei Personen, deren Namen aufgrund der Vertraulichkeit der Angelegenheit nicht bekannt werden sollen. Ein Anthropic-Sprecher wollte zu dem Thema keinen Kommentar abgeben, bestätigte aber, dass es am Freitag voriger Woche ein Treffen mit Spitzenvertretern der Regierung gegeben habe.

Noch vor jeglicher externer Veröffentlichung habe Anthropic hochrangige Vertreter der US-Regierung über den vollen Funktionsumfang von Mythos Preview informiert, einschließlich seiner offensiven und defensiven Cyber-Anwendungen, erklärte er. „Die Regierung frühzeitig einzubeziehen – darüber, was das Modell leisten kann, wo die Risiken liegen und wie wir damit umgehen – hatte von Anfang an Priorität“, so der Sprecher.

Den beiden anonymen Quellen zufolge sollen die Teilnehmer des Anrufs über die Sicherheitslage bei LLMs und ihren sicheren Einsatz gesprochen haben und auch darauf eingegangen sein, wie eine mögliche Reaktion aussehen könnte, falls sich die Modelle zugunsten der Angreifer entwickeln.

Weitere Banken testen Mythos

Im Zuge der jetzt vorgestellten Initiative „Project Glasswing“ hatte Anthropic nach eigenen Angaben [2] seine neue KI einer Reihe ausgewählter Unternehmen zur Verfügung gestellt. Dazu gehören demnach unter anderem Amazon Web Services (AWS), Apple, Broadcom, Cisco, CrowdStrike, Google, JPMorganChase, die Linux Foundation, Microsoft, NVIDIA und Palo Alto Networks. 40 weitere Organisationen, die Software für kritische Infrastruktur verantworten, seien ebenfalls beteiligt.

Bessent und der US-Notenbankchef Jerome Powell riefen die Chefs der wichtigsten US-Banken am selben Tag zu einem dringenden Treffen zusammen, um vor den Gefahren von Anthropics neuem KI-Modell Claude Mythos Preview zu warnen. Sie appellierten an die Finanzhäuser, die KI ernstzunehmen. Zu den Unternehmen mit Mythos-Zugang sollen dem Nachrichtensender Bloomberg zufolge [3] auch die Banken Goldman Sachs, Citigroup, Bank of America und Morgan Stanley zählen. Sie sind von der US-Regierung aufgefordert, mit Mythos nach Schwachstellen zu suchen. Bloomberg erfuhr das von eingeweihten Personen.

Hierzulande beschäftigt Mythos das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik [4]. Man erwarte „Umwälzungen im Umgang mit Sicherheitslücken und in der Schwachstellenlandschaft insgesamt“, sagte BSI-Präsidentin Claudia Plattner der dpa. Konsequent zu Ende gedacht, könnte es mittelfristig keine unbekannten klassischen Software-Schwachstellen mehr geben, meint sie. „Dies würde eine Verschiebung der Angriffsvektoren und einen Paradigmenwechsel mit Blick auf die Cyberbedrohungslage zur Folge haben.“


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11253281

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.cnbc.com/2026/04/10/trump-white-house-ai-cyber-threat-anthropic-mythos.html
[2] https://www.anthropic.com/glasswing
[3] https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-04-10/wall-street-banks-try-out-anthropic-s-mythos-as-us-urges-testing
[4] https://www.heise.de/news/Anthropics-neues-KI-Modell-Mythos-Zu-gefaehrlich-fuer-die-Oeffentlichkeit-11248034.html
[5] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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Bixonimania: KI-Chatbots fielen auf eine erfundene Krankheit herein

Von Andreas Donath — 11. April 2026 um 13:35
Eine Forscherin erfand eine nicht existierende Hautkrankheit – und mehrere KI -Systeme präsentierten diese bald als anerkannte Diagnose. Das sollte wachrütteln.
Ein hoffentlich gesundes Auge (Bild: Pexels)
Ein hoffentlich gesundes Auge Bild: Pexels

Eine Forscherin der Universität Göteborg hat ein kleines Experiment durchgeführt: Almira Osmanovic Thunström erfand eine Hautkrankheit namens Bixonimania , die angeblich durch langen Bildschirmgebrauch und Blaulicht verursacht wird und die Augenlider betrifft. Diese Krankheit existiert nicht. Trotzdem präsentierten ihr mehrere KI-Chatbots die Erfindung kurz darauf als echte Diagnose, wie Nature berichtet .

Osmanovic Thunström lud im Frühjahr 2024 zwei Preprints über die fiktive Krankheit auf ein akademisches Netzwerk hoch. Innerhalb weniger Wochen sprach Microsofts Bing Copilot von einem "faszinierenden und relativ seltenen Zustand" Google Gemini empfahl den Gang zum Augenarzt, Perplexity nannte eine genaue Prävalenz von einer auf 90 000 Personen, bei denen die Krankheit auftritt, und ChatGPT prüfte Symptome von Nutzern anhand der erfundenen Diagnosekriterien.

Absichtlich offensichtliche Fälschung

Osmanovic Thunström machte die Fälschung bewusst erkennbar. Der fiktive Erstautor trug den Namen Lazljiv Izgubljenovic und war einer nicht existierenden Institution namens Asteria Horizon University in einem Ort namens Nova City, Kalifornien, zugeordnet. Als Förderer wurden die Gemeinschaft des Rings und die Galaktische Triade angegeben, ein Dank galt einem Professor der Starfleet Academy auf der USS Enterprise. In einer der vermeintlich wissenschaftlichen Arbeiten hieß es, die Krankheit sei erfunden. Trotzdem blieben die Warnsignale für die KI-Systeme unsichtbar.

Falschinformation gelangt in Peer-Review-Journal

Das Experiment blieb nicht auf KI beschränkt. Die erfundenen Preprints wurden schließlich in einem peer-reviewten Artikel in Cureus zitiert , einem Journal der Springer-Nature-Gruppe. Der Artikel bezeichnete Bixonimania als aufkommende Form eines anerkannten Krankheitsbildes. Nachdem Nature die Zeitschrift kontaktiert hatte, wurde der Artikel Ende März 2026 zurückgezogen.

Formatierung beeinflusst die KI-Bewertung

Eine separate Studie der Harvard Medical School von Mahmud Omar liefert eine mögliche Erklärung: KI-Chatbots stufen zweifelhafte Behauptungen als glaubwürdiger ein, wenn sie wie professionelle Dokumente formatiert sind – etwa als klinische Abstracts oder Arztbriefe. Die Aufmachung, nicht der Inhalt, scheint das Urteil zu beeinflussen.

Die Entwickler der KI-Systeme reagierten inzwischen teilweise. ChatGPT beschrieb Bixonimania im März 2026 als "wahrscheinlich erfundenes oder pseudowissenschaftliches Label" – doch wenige Tage später, bei leicht veränderter Fragestellung, lieferte dasselbe System erneut eine medizinisch klingende Beschreibung der Krankheit.

Google und OpenAI erklärten gegenüber Nature, die zitierten Antworten stammten aus älteren Modellversionen. Microsoft äußerte sich nicht.

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Digitale Souveränität: 99 Prozent wollen Unabhängigkeit - aber wechseln nicht

Von Andreas Donath — 11. April 2026 um 13:30
Fast alle Deutschen halten digitale Unabhängigkeit für wichtig. Europäische Anbieter nutzen trotzdem die wenigsten.
Die Verbraucher wollen wechseln, sind aber teils zu bequem. (Bild: Pexels)
Die Verbraucher wollen wechseln, sind aber teils zu bequem. Bild: Pexels

99 Prozent der Menschen in Deutschland halten es für wichtig, dass das Land bei digitalen Technologien unabhängiger wird. Das ergab eine aktuelle Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 1.004 Personen ab 16 Jahren. Dass zwischen diesem Wunsch und dem tatsächlichen Verhalten ein erheblicher Graben klafft, zeigt dieselbe Umfrage.

Bewusstsein wächst, Handeln hinkt hinterher

93 Prozent sehen Deutschland als digital abhängig, 79 Prozent fordern mehr staatliche Investitionen in Schlüsseltechnologien. Nur ein Drittel der Befragten entschied sich nach eigenen Angaben bereits bewusst für ein europäisches Produkt oder einen europäischen Dienst. Weitere 27 Prozent denken zumindest darüber nach. 34 Prozent beschäftigten sich mit der Frage bisher noch gar nicht.

87 Prozent sehen auch die Bevölkerung in der Pflicht, 62 Prozent würden kurzfristige Nachteile akzeptieren, wenn das Land dadurch unabhängiger würde. Doch 55 Prozent bezeichnen den Wechsel zu europäischen Anbietern als zu aufwendig. Es handelt sich also nicht um einen Prinzipienstreit, sondern um ein Bequemlichkeitsproblem.

Europäische Angebote spielen eine Nebenrolle

Die Nutzungszahlen sind ernüchternd. 14 Prozent greifen auf europäische soziale Netzwerke zurück, 13 Prozent nutzen eine europäische Suchmaschine oder einen europäischen Browser, 11 Prozent einen europäischen Messenger. Bei KI-Anwendungen aus Europa liegt der Anteil bei 6 Prozent. Die Zahlen basieren auf Selbstauskunft – viele Nutzer dürften die Herkunft ihrer Apps schlicht nicht kennen.

Was folgt daraus? – Der Wille ist da, die Infrastruktur noch nicht

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst mahnt, digitale Souveränität sei kein Soloprojekt. Es brauche internationale Kooperationen, mehr Investitionen, weniger Regulierung und eine öffentliche Beschaffung, die auch Start-ups eine Chance lassen.

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Digitale Souveränität: Frankreich wirft Windows raus

Von Andreas Donath — 11. April 2026 um 13:00
Frankreich zieht den Stecker bei Microsoft – und macht damit ernst, was andere EU-Staaten bisher nur diskutieren.
Frankreich will weg von Windows. (Bild: Pexels)
Frankreich will weg von Windows. Bild: Pexels

Die französische Regierung hat angekündigt , auf ihren Behördenrechnern Windows durch Linux zu ersetzen. Federführend ist die interministerielle Digitalbehörde Dinum, die den Schritt als Teil einer größeren Abkehrbewegung von US-amerikanischen Technologieplattformen einordnet. Weitere Institutionen wie die nationale Cybersicherheitsbehörde und die staatliche Beschaffungsdirektion sollen mitziehen. Ein konkreter Migrationsplan wird für den Herbst 2026 erwartet.

Windows-Abschied mit Ansage

Der Wechsel zu Linux ist kein Alleingang. Parallel dazu stellte Frankreich bereits 80.000 Mitarbeiter der nationalen Krankenkasse von Microsoft Teams, Zoom und Dropbox auf eigene Alternativen um – darunter Tchap, Visio und FranceTransfert, gebündelt unter dem Namen La Suite. Auch die staatliche Gesundheitsdatenplattform soll bis Ende 2026 auf eine vertrauenswürdige Lösung migriert werden.

Warum jetzt? – Kontrolle als Argument

Minister David Amiel formulierte es unverblümt: Frankreich müsse aufhören, von Plattformen abhängig zu sein, deren Regeln, Preise und Risiken es nicht selbst bestimmen könne. KI-Ministerin Anne Le Henanff sprach von digitaler Souveränität als strategischer Notwendigkeit. Ob die aktuellen Spannungen zwischen Europa und den USA den Zeitplan beschleunigen, lässt die Regierung offen.

Frankreich als Blaupause für Europa

Als gewichtiges EU-Mitglied sendet Frankreich ein Signal, das über die eigenen Grenzen hinauswirkt. Gelingt die Migration reibungslos, wird es für andere europäische Regierungen schwerer, den Status quo mit Verweis auf Komplexität oder Kosten zu verteidigen. 2026 könnte tatsächlich ein Wendepunkt für Linux in der europäischen Verwaltung werden – wenn Frankreich liefert.

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Störungsmeldung vom 10.04.2026 05:49

Von heise online — 10. April 2026 um 05:49

Neue Störungsmeldung für Provider T-Online

Details

Beginn
10.04.2026 05:49
Region
Kürten (02268)
Provider
T-Online
Zugangsart
VDSL

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Störungsmeldung vom 11.04.2026 18:25

Von heise online — 11. April 2026 um 18:25

Neue Störungsmeldung für Provider Vodafone Kabel

Details

Beginn
11.04.2026 18:25
Region
Eberbach (Baden) (06271)
Provider
Vodafone Kabel
Zugangsart
Kabel

Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden

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Orbáns Ungarn: Illiberal oder zutiefst liberal?

Von Bernardo Cantz — 11. April 2026 um 14:30
Viktor Orban und andere ungarische Politiker auf einem Wahlplakat.

(Bild: arpasi.bence / Shutterstock.com)

Orbáns Ungarn gilt als "illiberale Demokratie". Doch ideengeschichtlich passt ein anderer Begriff viel besser: autoritärer Liberalismus. Ein Essay.

Es ist ein Tag im Juli 2014 gewesen, als der ungarische Premierminister Viktor Orbán vor seine Anhänger trat. Er sprach damals in einem Kulturzentrum im rumänischen Băile Tușnad und verkündete stolz: Er werde Ungarn in einen illiberalen Staat umbauen.

Gemeint war damit nicht, dass die Demokratie abgeschafft würde. Wahlen sollte es nach wie vor geben, aber von gewissen liberalen Prinzipien oder von Prinzipien, die das Etikett "liberal“ trugen, wollten sich Orbán und seine Getreuen verabschieden.

Seitdem sind Orbán und der Begriff der illiberalen Demokratie miteinander verbunden. Auch heute noch, kurz vor den Wahlen, wird über dieses Paar berichtet.

Doch es wird kaum gefragt, ob dieser Begriff überhaupt den Kern des Problems treffend beschreibt. Oder ob er nur beschreibt, dass es Probleme mit der Demokratie gibt, aber nicht erklärt, warum das politische System umgebaut wurde.

Mir scheint, dass es einen Begriff gibt, der das Phänomen genauer beschreibt, der erklärt, warum in Orbáns Ungarn die politischen Freiheiten schrumpfen, während der Markt ungestört weiterläuft.

Dieser Begriff lautet: autoritärer Liberalismus. Und es lohnt sich, näher mit ihm zu beschäftigen, da ihn sämtliche Rechtsparteien Europas anstreben, wie Herbert Schui und andere Autoren schon im Jahr 1997 mit ihrem Buch "Wollt ihr den totalen Markt?“ gezeigt haben.

Um den autoritären Liberalismus zu verstehen und zu verstehen, warum er so viel besser passt, müssen wir eine Reise unternehmen. Nicht nach Budapest, sondern in die Geschichte der Ideen. Denn dort zeigt sich, dass unser heutiges Verständnis von Liberalismus mit dem ursprünglichen Konzept erstaunlich wenig zu tun hat.

Was wir heute unter Liberalismus verstehen – und was er einmal war

Wer heute das Wort "Liberalismus" hört, denkt fast automatisch an Toleranz, Vielfalt, Menschenrechte und offene Gesellschaften. Das Wort hat einen warmen Klang. Es klingt nach Fortschritt, nach einer Welt, in der jeder Mensch frei und gleich an Würde ist.

Dieses Verständnis prägt unseren Alltag, unsere politischen Debatten und unsere Vorstellung davon, was eine gute Gesellschaft ausmacht.

Doch diese Bedeutung ist historisch gesehen erstaunlich jung. Die Gründerväter des Liberalismus hatten etwas völlig anderes im Sinn, wie der italienische Philosoph Domenico Losurdo in seinem Buch "Freiheit als Privileg“ nachwies.

Ihr Projekt drehte sich nicht um die Befreiung aller Menschen. Es drehte sich um den Schutz einer ganz bestimmten Gruppe: der Eigentümer.

Stellen wir uns das Europa des 17. Jahrhunderts vor. Kaufleute segelten mit ihren Schiffen über die Weltmeere, Fabrikbesitzer errichteten die ersten Manufakturen, Bankiers finanzierten ganze Königreiche.

Diese Männer hatten wirtschaftlich enormen Einfluss gewonnen. Doch politisch blieben sie der Willkür des absoluten Monarchen ausgeliefert. Ein König konnte jederzeit ihre Waren beschlagnahmen, ihre Steuern über Nacht verdoppeln oder ihre Geschäfte per Dekret schließen.

Es gab kein Gesetz, das sie davor schützte. Es gab keine Institution, die sie hätten anrufen können.

Begründet wurde das Recht der Monarchen, Steuern willkürlich zu erheben, unter anderem mit der Soziallehre der katholischen Kirche. Gott hatte demnach dem Menschen die Erde zur gemeinschaftlichen Nutzung übergeben, und das Privateigentum war nur eine menschliche Erfindung.

Die Folge davon: Was man als sein Eigentum wähnte, hatte man aber von der Gesellschaft zur Nutzung erhalten. Und es konnte jedermann wieder genommen werden, wenn es zum Wohl der Allgemeinheit oder zur Fürsorge der Armen benötigt wurde.

Die Protestanten hielten dagegen: Heißt es nicht in den Zehn Geboten "Du sollst nicht stehlen“? Und kann man etwas stehlen, wenn es kein Privateigentum gibt? Für die Protestanten galt damit das Privateigentum als Gott gegeben – und willkürliche Eingriffe galten demnach als Diebstahl.

Nur solche Steuern und Abgaben, denen man zugestimmt hatte, galten schließlich als legitim. Und zustimmen konnten die Steuerzahler nur durch Mitbestimmung, etwa durch ein Parlament. Dieses Prinzip war schließlich der Grund für den Aufstand der nordamerikanischen Siedler gegen die britische Krone, der zur Gründung der USA führte. Schließlich sollten die Siedler Steuern zahlen, waren aber nicht im britischen Parlament vertreten.

Diese vereinfachte Darstellung zeigt: Der frühe Liberalismus war eine Ideologie, um die Rechte der Eigentümer und Steuerzahler zu schützen. Er war ein Schutzschild des aufstrebenden Bürgertums und kein Menschheitsprojekt.

John Locke, den viele als Vater des Liberalismus feiern, brachte den Kern dieser Ideologie auf den Punkt: Privateigentum sei ein Naturrecht, das jedem Menschen von Geburt an zustehe. Kein Herrscher dürfe es antasten. Gewaltenteilung, Parlamente und Verfassungen dienten einem sehr konkreten Zweck – sie sollten verhindern, dass der Staat dem Eigentümer ohne seine Zustimmung in die Tasche greift.

Freiheit meinte in dieser Welt etwas sehr Spezielles. Sie meinte die Freiheit dessen, der etwas besaß. Wer kein Land und kein Kapital hatte, fiel schlicht aus der Gleichung heraus. Das klingt abstrakt, doch die Konsequenzen waren brutal konkret.

Derselbe John Locke, der glühende Texte über die Freiheit schrieb, besaß Anteile an der Royal African Company – dem Unternehmen mit dem britischen Monopol auf den Sklavenhandel. Er half bei einer Kolonialverfassung für Carolina, die jedem freien Mann "absolute Macht" über seine Sklaven garantierte. Der Sklave war in dieser Logik kein entrechteter Mensch. Er war Eigentum. Und Eigentum war heilig.

Auch Montesquieu, ein weiterer Held der Aufklärung, rechtfertigte die Sklaverei – mit dem Klima. In heißen Ländern seien die Menschen von Natur aus so träge, dass man sie nur durch Zwang zur Arbeit bewegen könne. Dieser brillante Denker bastelte sich eine geografische Grenze für Menschenrechte.

Und John Stuart Mill, der große Verteidiger der Meinungsfreiheit, hielt Despotismus gegenüber kolonisierten Völkern für ein völlig legitimes Mittel der Zivilisierung.

Die Botschaft dieser Gründerväter war klar: Freiheit galt nur innerhalb des Clubs der Eigentümer. Wer draußen stand – ob Sklave, Arbeiter oder Kolonisierter –, hatte auf diese Freiheit keinen Anspruch.

Warum der Liberalismus ein Problem mit der Demokratie hatte – und immer noch hat

Solange nur eine kleine Elite mitbestimmte, funktionierte dieses System weitgehend reibungslos.

Man kann es sich vorstellen wie einen exklusiven Club mit strengen Aufnahmeregeln. Drinnen herrschen faire Regeln, alle Mitglieder behandeln einander respektvoll, und die Getränkekarte bietet nur das Beste. Doch der Türsteher lässt ausschließlich Leute mit Grundbesitz und Kapital herein. Wer nichts besitzt, steht draußen im Regen.

Im 19. Jahrhundert drückte die Menge draußen immer stärker gegen die Tür. Arbeiter in den Fabriken schufteten sechzehn Stunden am Tag, Kinder arbeiteten in Bergwerken, und Familien hausten in feuchten Kellerwohnungen. Diese Menschen forderten das Wahlrecht. Sie wollten mitbestimmen, wie der Reichtum verteilt wird, den sie mit ihrer Arbeit schufen.

In den Salons des Bürgertums brach daraufhin kalte Panik aus. Die Rechnung war simpel wie ein Kassensturz: Wenn Millionen Besitzlose wählen dürfen, stimmen sie für höhere Löhne, für Steuern auf Vermögen, für Gewerkschaftsrechte und für soziale Sicherungssysteme.

Die demokratische Mehrheit könnte den Reichtum der besitzenden Minderheit ganz legal umverteilen. Nicht durch Aufstände oder Plünderungen, sondern durch Gesetze.

John Stuart Mill warnte vor der "Tyrannei der Mehrheit". Der Ökonom Ludwig von Mises, einer der radikalsten Marktdenker des 20. Jahrhunderts, nannte eine Demokratie ohne strikten Eigentumsschutz schlicht eine "hohle Form".

Für Ludwig von Mises war eine Demokratie nur dann akzeptabel, wenn sie den Markt und das Eigentum unangetastet ließ. Sobald die Mehrheit versuchte, ins Wirtschaftsleben einzugreifen, verlor die Demokratie in seinen Augen jede Berechtigung.

Friedrich August von Hayek, der einflussreichste Ökonom des 20. Jahrhunderts und Autor des berühmten Buches "Der Weg zur Knechtschaft", trieb diese Logik noch weiter.

Er verglich den freien Markt mit einem gigantischen Informationsnetzwerk. Wenn etwa irgendwo Kupfer knapp wird, steigt der Preis – und Millionen Menschen passen ihr Verhalten automatisch an, ohne dass ihnen jemand einen Befehl erteilt.

Dieses dezentrale System sei jedem menschlichen Planer überlegen. Jeder staatliche Eingriff – ob Mindestlohn, Mietpreisbremse oder progressive Steuer – zerstöre dieses feine Gleichgewicht und führe zwangsläufig in die Unfreiheit.

Das Paradoxe daran: Hayek glaubte fest daran, dass Wissen dezentral verteilt ist und kein einzelner Mensch die Gesellschaft von oben steuern kann. Doch genau dieses Argument hätte eigentlich für die Demokratie sprechen müssen – als dezentrales Instrument, das die Bedürfnisse und das Wissen von Millionen Bürgern an der Wahlurne bündelt.

Hayek sah das anders. Für ihn war die Wahlurne kein Preissignal. Sie war eine Bedrohung. Denn uninformierte Massen könnten über Dinge abstimmen, deren Konsequenzen sie nicht überblicken.

Ist dieses Spannungsverhältnis zwischen Liberalismus und Demokratie wirklich nur Geschichte? Oder steckt es bis heute in den Grundmauern westlicher Ordnungen – in Form von Zentralbanken, die keiner Wahl unterliegen, in Form von Handelsverträgen, die kein Parlament mehr ändern kann, in Form von überstaatlichen Institutionen, die bewusst dem Zugriff der Wähler entzogen sind?

Der Rechtsstaat: Schutzschild für wen genau?

Auch der Begriff "Rechtsstaat" klingt in unseren Ohren nach Gerechtigkeit für alle. Nach einem Staat, der aufpasst, dass niemand unter die Räder kommt.

Doch der liberale Rechtsstaat war ursprünglich als etwas ganz anderes konzipiert: als kalkulierbare Maschine, die formale Regeln aufstellt und durchsetzt – ohne sich darum zu kümmern, ob diese Regeln gerecht sind.

Man kann sich das wie Verkehrsregeln vorstellen. Der Staat stellt Ampeln auf und sagt: Bei Rot bleibst du stehen. Aber es interessiert ihn nicht, ob du im teuren SUV sitzt oder barfuß im Regen gehst.

Die Regel gilt für alle gleich – unabhängig davon, wie ungleich die Ausgangslage ist. Formale Gleichheit vor dem Gesetz, aber keine materielle Gleichheit im Leben.

Geschützt werden sollten Verträge, Konkurrenz und vor allem das Privateigentum. Alles, was darüber hinausging, galt als gefährlicher Eingriff. Mindestlöhne? Eine unzulässige Störung des Marktes. Verbot von Kinderarbeit? Ein Eingriff in die Produktionsfreiheit. Armenfürsorge? Ein tyrannischer Zugriff auf das Eigentum der Steuerzahler.

Der Rechtsstaat war in dieser Logik kein Instrument sozialer Gerechtigkeit. Er war ein institutioneller Bodyguard für das Kapital. Er sorgte dafür, dass die Spielregeln des Marktes eingehalten werden – aber er fragte nie, ob das Spiel selbst fair ist.

Und wenn eine demokratische Mehrheit beschloss, diesen Bodyguard wegzuschicken und die Spielregeln zu ändern, dann verlor diese Demokratie aus Sicht der Marktliberalen sofort ihre Legitimität.

Autoritärer Liberalismus: Die Formel, die alles erklärt

Was passiert also, wenn die demokratische Mehrheit trotzdem beginnt, den Markt zu regulieren? Wenn Gewerkschaften Macht gewinnen? Wenn Parlamente Sozialgesetze verabschieden und den Reichtum umverteilen?

Dann stehen überzeugte Marktliberale vor einer Zerreißprobe, die bis heute nachwirkt: Opfern sie die Demokratie für den Markt – oder den Markt für die Demokratie?

Die Geschichte zeigt, wie diese Frage immer wieder beantwortet wurde. Im Jahr 1932, mitten in der Weltwirtschaftskrise, trat der Jurist Carl Schmitt vor die versammelte Elite der deutschen Schwerindustrie. Er sprach vor dem sogenannten Langnamverein, einer Vereinigung mächtiger Industrieller, und bot ihnen einen Deal an. Seine Formel lautete: "Starker Staat und gesunde Wirtschaft."

Was sich wie ein harmloser Wahlslogan anhört, war in Wahrheit ein radikales Programm. Der Staat sollte politisch mit eiserner Faust regieren – Gewerkschaften zerschlagen, Sozialleistungen kürzen, jede Form von Opposition niederhalten.

Gleichzeitig sollte er sich aus der Wirtschaft vollständig heraushalten. Keine Steuern, keine Regulierungen, keine Eingriffe in den Markt. Maximale Härte nach unten, maximale Freiheit nach oben.

Der sozialdemokratische Jurist Hermann Heller erkannte damals sofort, was hinter dieser Formel steckte. Er prägte noch im selben Jahr den Begriff "autoritärer Liberalismus" – als scharfe Warnung an die Öffentlichkeit.

Ein Staat, der brutal zuschlägt, wenn Arbeiter bessere Löhne fordern, aber plötzlich behauptet, ihm seien die Hände gebunden, sobald es um Marktregulierung geht – das war für Heller keine Ordnungspolitik. Das war offene Heuchelei, verkleidet als Wirtschaftstheorie.

Muss man sich fragen, ob diese Formel wirklich nur ein Relikt der 1930er-Jahre ist? Oder ob sie in veränderter Form bis heute das Verhältnis von Staat, Markt und Demokratie prägt?

Chile: Als die Theorie zur blutigen Praxis wurde

Jahrzehnte später verwandelte sich der autoritäre Liberalismus von einer akademischen Theorie in ein reales Regierungsprogramm. Am 11. September 1973 putschte das Militär unter General Augusto Pinochet gegen die demokratisch gewählte Regierung von Salvador Allende in Chile.

Was folgte, war eine der brutalsten Diktaturen Lateinamerikas. Das Regime sperrte Zehntausende in Stadien, ließ politische Gegner systematisch foltern und ermorden.

Gleichzeitig geschah etwas, das auf den ersten Blick nicht zu einer Militärdiktatur passt: Pinochet übergab die gesamte Wirtschaftspolitik einer Gruppe radikaler Marktökonomen, die als Chicago Boys bekannt wurden.

Diese jungen Ökonomen, ausgebildet an der Universität von Chicago unter dem Einfluss von Milton Friedman, setzten ein Programm um, das direkt aus den Lehrbüchern des freien Marktes stammte.

Sie privatisierten das staatliche Rentensystem. Sie privatisierten das Gesundheitswesen. Sie entzogen dem Staat fast alle wirtschaftlichen Steuerungsinstrumente und öffneten Chile radikal für ausländische Investoren.

Chile wurde zu einem Laboratorium. Einerseits verschwanden Menschen in Folterkellern, weil sie die falschen politischen Überzeugungen hatten. Indes blühte ein freier Markt, der keinerlei demokratische Kontrolle kannte. Politische Unfreiheit und wirtschaftliche Freiheit existierten nicht als Widerspruch – sie ergänzten einander.

Friedrich August von Hayek besuchte Chile unter Pinochet und lobte das Regime öffentlich. In einem Interview von 1981 sagte er einen Satz, der seine gesamte Philosophie in einer einzigen Zeile zusammenfasst: Er ziehe eine liberale Diktatur jederzeit einer demokratischen Regierung vor, der es an wirtschaftlichem Liberalismus mangele.

Für Hayek war Pinochets Regime keine Katastrophe. Es war eine notwendige Übergangsphase, in der der Markt vor dem Zugriff der Massen geschützt wurde.

Selbst Margaret Thatcher, die eiserne Lady und alles andere als eine Freundin von Gewerkschaften und der Arbeiterklasse, zog eine Grenze. Als Hayek ihr in einem Brief empfahl, das chilenische Modell auf Großbritannien zu übertragen, lehnte sie höflich, aber bestimmt ab.

In einer echten Demokratie brauche man Konsens, schrieb sie zurück. Man müsse sich an Parlament und Verfassung halten, auch wenn der politische Prozess dadurch quälend langsam und unperfekt sei.

Wenn selbst Thatcher jemandem sagt, seine Methoden seien zu autoritär, sagt das viel über dessen Demokratieverständnis.

Auch Ludwig von Mises hatte bereits Jahrzehnte zuvor das austrofaschistische Regime unter Engelbert Dollfuß in Österreich beraten. Dollfuß schaltete das Parlament aus, verbot die sozialdemokratische Partei und zerschlug die freie Gewerkschaftsbewegung.

Für Mises waren diese Maßnahmen völlig legitim, weil sie das Land vor dem Ruin durch sozialistische Umverteilung bewahrten. Der Markt brauchte offenbar immer wieder den starken Arm, um vor der Demokratie geschützt zu werden.

Vom Sozialstaat zum Strafstaat: Der unsichtbare Umbau

Ab den 1970er-Jahren formte der Neoliberalismus westliche Gesellschaften grundlegend um. Das Versprechen lautete: weniger Staat, mehr Freiheit. Doch wer genau hinschaut, erkennt, dass der Staat nicht einfach schrumpfte.

Sozialleistungen schrumpften in vielen westlichen Ländern. Hilfe für Arbeitslose knüpften Regierungen an immer härtere Bedingungen – oft an den Zwang zur Arbeit im Niedriglohnsektor.

Der klassische Wohlfahrtsstaat, der nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut worden war, verwandelte sich in einen sogenannten Workfare-Staat. Wer Hilfe wollte, musste arbeiten – egal zu welchen Bedingungen.

Gleichzeitig wuchs der Straf- und Polizeiapparat. Konservative Denkfabriken wie das Manhattan Institute in den USA propagierten Zero-Toleranz-Strategien. Die Polizei griff schon bei Graffiti, Schwarzfahren oder einem kaputten Fenster mit maximaler Härte durch.

Was hier als Ordnungspolitik verkauft wurde, füllte in Wahrheit die Lücke, die der Abbau sozialer Sicherung gerissen hatte. Wo früher Sozialarbeiter standen, fuhren jetzt Streifenwagen.

Der Staat zog sich dort zurück, wo er Unternehmen im Weg stand – bei Steuern, Umweltauflagen und Arbeitnehmerrechten. Und er wuchs dort, wo er die Verlierer des Marktes disziplinierte.

Sollte man diesen Umbau wirklich als Rückzug des Staates bezeichnen? Oder eher als seine Neuausrichtung im Dienst des Marktes – eine moderne, weniger sichtbare Form des autoritären Liberalismus, die ohne Militärputsch auskommt?

Zurück nach Budapest: Warum "illiberal" der falsche Begriff ist

Hier schließt sich der Kreis. Und hier stellt sich die Frage, die den gesamten Ungarn-Diskurs auf den Kopf stellt: Ist "illiberale Demokratie" wirklich der richtige Begriff für das, was in Budapest geschieht?

Orbáns Regierung schränkt die Medienfreiheit massiv ein. Sie höhlt die Gewaltenteilung systematisch aus. Sie beschneidet Minderheitenrechte und ändert Wahlgesetze zu ihren Gunsten. All das ist dokumentiert und unbestritten.

Doch eine Sache tastet Orbáns System nicht an: die kapitalistische Eigentumsordnung. Internationale Konzerne investieren weiterhin in Ungarn. Neue Fabriken entstehen. Der Markt funktioniert. Die Bedingungen für Investoren bleiben günstig.

Wenn Liberalismus historisch vor allem eines meinte – den Schutz von Privateigentum und freiem Markt –, dann müsste ein wirklich illiberales System genau diese Ordnung abschaffen. Es müsste den Kapitalismus demontieren, Unternehmen verstaatlichen, den Markt durch zentrale Planung ersetzen.

Doch nichts davon geschieht in Ungarn. Sollte man Orbáns System also wirklich "illiberale Demokratie" nennen? Oder verdeckt dieses Etikett gerade den entscheidenden Punkt – nämlich, dass der ökonomische Kern des Liberalismus in Orbáns Ungarn vollständig intakt bleibt?

Der Begriff "autoritärer Liberalismus" trifft das Phänomen ideengeschichtlich weitaus präziser. Er beschreibt ein System, in dem politische Freiheiten schrumpfen, während wirtschaftliche Freiheiten unangetastet bleiben.

Ein System, in dem der Staat hart durchgreift, wo es um politische Kontrolle geht – und sich zurückhält, wo der Markt regiert. Carl Schmitts Formel von 1932 hallt nach: starker Staat und gesunde Wirtschaft.

Die Fassade in Budapest trägt ein neues Schild. Doch der Tresor im Keller ist derselbe. Und vielleicht liegt genau darin die unbequemste Erkenntnis dieser ideengeschichtlichen Reise: Dass das, was wir "illiberal" nennen, in Wahrheit zutiefst liberal ist – nur eben in einem Sinne, den wir längst vergessen haben.


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Brutzeit beginnt: Was Gartenvögel jetzt wirklich brauchen

Von Susanne Aigner — 11. April 2026 um 14:00
Kohl- und Blaumeise mit Bemaßung der Einfluglöcher im Nistkasten

Viele Nistkästen im Handel sind für Vögel unbrauchbar – und auch das Nistmaterial spielt eine größere Rolle als gedacht.

Im Frühjahr beginnt für die meisten einheimischen Vogelarten die Brutzeit, weshalb sie intensiv nach geeigneten Nistplätzen suchen. Die Hauptbrutzeit liegt größtenteils zwischen April und Juni. Doch die meisten Vögel beginnen im April oder Mai mit dem Brüten. Dann sind die Temperaturen milder und es gibt genug Nahrung für die heranwachsenden Jungvögel [1].

Die Brutzeit dauert bei den meisten Arten zwischen zwei und vier Wochen. Nach dem Schlüpfen verlassen die Jungvögel das Nest meist nach weiteren zwei bis vier Wochen. In dieser Zeit kümmern sich die Elternvögel um ihre Nachkommen und füttern sie mit Insekten u. a.. Frühbrüter wie Meisen beginnen teilweise schon im März, während andere Arten später folgen.

Zum Schutz der brütenden Vögel sollten Heckenschnitte deshalb nur bis Ende Februar durchgeführt werden. Doch Vögel brauchen nicht nur mehr Futter für die Jungtiere, sie sind auch auf einen geeigneten Brutplatz angewiesen.

Doch Meisen, Spatzen oder Stare finden heute kaum noch natürliche Nistplätze wie Baumhöhlen. Intensiv genutzte und "aufgeräumte" Landschaften erschweren ihnen Wohnungs- wie Futtersuche.

Wo alte Hochstammobstbäume fehlen, wo Scheunen vernagelt oder Ställe hermetisch abgeschlossen sind, wo Hecken planiert und alte Bäume abgeholzt werden, ist kein Platz mehr für Steinkauz, Siebenschläfer, Rauchschwalbe, Fledermaus oder Wildbiene.

Künstliche Nisthilfen können natürliche Nistplätze ersetzen

Gut platziert, sind künstliche Nisthilfen ein wertvoller Beitrag zum Schutz heimischer Höhlenbrüter [2] und fördern die Artenvielfalt in Garten, Park oder auf dem Balkon. Auch künstliche Schwalbennester oder Steinkauzröhren können Schwalben und Steinkäuzen helfen.

Hängt man die Nistkästen vor der Brutsaison auf, bietet man Meisen, Sperlingen, Kleibern, Rotschwanz und Star ein passendes Quartier. Darüber hinaus werden die Kästen auch von Eichhörnchen und sogar von Schmetterlingen genutzt.

Was ist beim Kauf eines Nistkastens zu beachten?

Jeder Vogel stellt andere Ansprüche an einen Nistkasten. Darum wäre gut, vorher festzulegen, welche Gartenvögel man unterstützen möchte. Beim Bau eines Nistkasten sollte man auf robuste, mindestens 20 mm starke, unbehandelte Holzbretter (z. B. Fichte, Tanne oder Buche) zurückgreifen.

Die Bodenfläche sollte 12 mal 12 cm betragen, um auch für größere Bruten ausreichend Platz zu haben. Der Durchmesser des Einfluglochs sollte an die Größe der betreffenden Vogelart angepasst sein: ca. 28 mm für Blaumeisen, 32 mm für Kohlmeisen, ca. 45 mm für Stare.

Mit etwas handwerklichem Geschick und minimalem finanziellen Aufwand lässt sich ein Nistkasten selber herstellen. Wichtigste Grundregel: Niemals chemisch behandelte Materialien verwenden! Alternativ dazu gibt es Nistkästen in Baumärkten – oder im Naturversand Nabu-Shop [3]. Doch nur wenn der Garten naturnah gestaltet ist und die Vögel entsprechend Nahrung finden, werden die Nistkästen bewohnt.

Holz oder Beton?

Holzmodelle sind aus natürlichem Material, leichter und einfach aufzuhängen. Sie fügen sich harmonisch in den Garten ein. Holzbetonkästen sind besonders robust, witterungsbeständig und wirken nach innen isolierend für ein ausgeglichenes Klima im Brutraum. Zudem sind sie kaum anfällig für Spechte oder andere Tiere, welche die Einfluglöcher vergrößern könnten.

Am besten hängt der Nistkasten in zwei bis drei Meter Höhe – idealerweise in Richtung Osten oder Südosten, um Regen und direkte Sonne zu vermeiden. Um Schäden an Bäumen zu vermeiden, befestigt man ihn mit rostfreien Alu-Nägeln oder Drahtbügeln. Mehrere Kästen gleicher Art sollten mindestens zehn Meter Abstand haben, damit jedes Paar genügend Nahrung findet.

Nistkästen als wärmender Unterschlupf im Winter

Nistkästen werden auch von Vogelarten genutzt, die den Winter in Mitteleuropa verbringen und in kalten Nächten Schutz suchen. So müssen Vögel mit 39 bis 42 Grad ständig eine höhere Körpertemperatur als Säugetiere aufrechterhalten. Sie verbrennen bei Kälte viel Körperfett, verlieren schnell an Gewicht und sind geschwächt.

So bauen Spatzen regelrechte Winternester, in die sie sich bei Frost einkuscheln. Auch Zaunkönige wärmen sich im Winter gerne gegenseitig in Nistkästen. Aber auch Meisen, Kleiber, Schmetterlinge und Insekten finden in Nistkästen ein schützendes Heim.

Manchmal ziehen aber auch Eichhörnchen, Siebenschläfer, Haselmäuse oder Fledermäuse ein. Im Frühjahr können zurückgekehrte Vogelpaare die vorhandenen Quartiere wieder nutzen und ihre Brut aufziehen. Nistkästen sollte man daher bereits im Herbst aufhängen [4], rät der Nabu.

Um Krankheitserregern und Parasiten vorzubeugen, sollten Nistkästen immer nach der Brutsaison gereinigt werden. Dann ist altes Nistmaterial zu entfernen, auszufegen und der Kasten mit warmen Wasser auszuspülen – ohne chemische Mittel – am besten im Februar oder März, nachdem die Wintergäste ausgezogen sind.

"80 Prozent der Vogelhäuser im Handel sind für Vögel unbrauchbar"

… erklärt Heinrich Weller, der mehr als 40 Jahre lang Vogelhäuser von Hand geschnitzt [5] hat. Was in den Baumärkten verkauft werde, sei Dekoration – kein Zuhause für Vögel. Der thüringische Schreinermeister verweist auf die Mängel von gekauften Nistkästen: Bei Öffnungen, die größer sind als 34 Millimeter, kommen Spatzen und Stare oder Spechte rein und vertreiben die kleineren Arten.

Zudem sind viele Billig-Häuser lackiert oder lasiert. Das sehe zwar hübsch aus, doch Vögel reagieren extrem empfindlich auf Ausdünstungen, so dass sie diese Häuser meiden.

Sind die Wände acht oder zehn Millimeter dünn, kühlen die Nistlinge aus. Bei Sommerhitze werde es drinnen heiß wie im Backofen. Damit das Nest nicht schimmelt, müsse das Regenwasser abfließen und die Luft muss zirkulieren können. Auch das Reinigen des Kastens sei so gut wie unmöglich, wenn die Wände geklebt sind.

Nistmaterial für Gartenvögel

Während Vögel in naturnahen Gärten meist genug Baumaterial finden, wird das Material in "aufgeräumten" Gärten vor allem in urbanen Räumen knapp. Um Gartenvögel beim Nestbau zu unterstützen, kann man folgende Materialien [6] an regengeschützter Stelle bereitlegen:

  • Kleinere Zweige und Staudenstängel
  • Laub und Moos, trockenes Gras, Stroh und Heu
  • Naturfasern wie Kapok, Rohbaumwolle, Hanf oder Sisal (kurz geschnitten)
  • Daunen und Federn
  • Tierhaare von Hund oder Schaf (kurzes, weiches Unterfell). Diese füllt man am besten in einen leeren Futterspender, damit die Vögel nur einzelne Haare herausziehen können.

Synthetisches Material kann Vögel gefährden

In Städten greifen Vögel oft zu Plastiktüten, Schnüren oder Zeitungspapier. In langen Pferdehaaren und menschlichem Haar, Flusen und synthetischen Fasern, langen Wollfäden und Bindfäden können die Tiere sich strangulieren oder sich darin verheddern. Plastik verhindert bei Freibrütern wie Amseln das Abfließen von Regenwasser, was die Jungvögel auskühlen lässt.

Manchmal rupfen Vögel lebenden Tieren Haare zwecks Nestbau aus, wie Wissenschaftler nachwiesen. Dann landen sie auf dem Rücken von Kühen, Pferden, Hunden und sogar Waschbären und bedienen sich am kurzen Unterfell der ahnungslosen Tiere.

Warum sie Tierhaare so schätzen, ist noch nicht vollständig geklärt. Wärmedämmung allein kann es nicht sein, denn auch tropische Vögel bauen Haare von Säugetieren in ihre Nester ein.

Kräuter: Baumaterial und natürliche Apotheke

Um ihre Brut zu schützen, nutzen Vögel häufig duftende Kräuter. Die ätherischen Öle stärken das Immunsystem der Küken und wirken gegen Bakterien und Parasiten.

Daher ist es sinnvoll im Garten oder auf dem Balkon Kräuter zu pflanzen: Lavendel, Minze, Rosmarin, Currykraut [7], Holunder, Schafgarbe, Flohkraut oder Wilde Möhre. Selbst Giersch [8] wird beim Nestbau von Staren verwendet.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://die-vogelvilla.de/blogs/vogelvilla-journal/fruhling-ist-brutzeit
[2] https://niedersachsen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/helfen/nistkaesten/index.html
[3] https://www.nabu-shop.de/garten-und-tierwelt/nistkasten
[4] https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/helfen/nistkaesten/13134.html
[5] https://variova.de/pages/vogelhaus-1-1?utm_source=outbrain&utm_medium=discovery&utm_campaign=Vogelhaus+Creative2+Desktop&utm_content=
[6] https://www.krautundrueben.de/nistmaterial-fuer-gartenvoegel-so-unterstuetzen-sie-gefiederte-gartenbewohner-3474
[7] https://www.krautundrueben.de/currykraut-pflanzen-pflegen-und-ernten-3448
[8] https://www.krautundrueben.de/giersch-bekaempfen-diese-8-pflanzen-verdraengen-ihn-2284

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Magdeburg: Die widersprüchlichste Stadt Deutschlands

Von Christian Bartels — 11. April 2026 um 12:00
Magdeburger Dom und Elbe

Bild: Christian Bartels

Zwischen Dom, DDR-Architektur und preußischer Geschichte entfaltet Magdeburg eine Dynamik, die aus Brüchen lebt und gerade deshalb fasziniert. (Teil 1)

Es ist schon ungerecht. Der Kölner Dom reizt ungefähr alle, die nicht regelmäßig vorbeikommen, zum Fotografieren (klar, oft mit sich selbst im Vordergrund). Gleich neben Hauptbahnhof und Rhein gelegen, ist er natürlich Weltkulturerbe.

Älter als Köln – aber keiner schaut hin

Der Magdeburger Dom, näher an der Elbe als am Hauptbahnhof, besitzt den Status nicht. Seine mit 104 Metern durchaus stattlichen Türme sind zwar über 50 Meter kleiner – aber auch mehr als dreihundert Jahre älter als die in Köln.

Magdeburgs gotischer Dom wurde vor mehr als einem halben Jahrtausend fertiggestellt, der Kölner vor nicht mal 150 Jahren. Wenn Bauten erst mal stehen, sieht ihnen eben schon bald niemand mehr an, wie alt sie sind.

Magdeburg steht oft etwas im Schatten. Das zeigt sich auch daran, dass sein Hauptbahnhof als einziger einer deutschen Landeshauptstadt nicht von ICE-Zügen angefahren wird. (Außer bei Umleitungen der ICE-Strecke zwischen Berlin und Hannover, die immerhin, dank der Deutschen Bahn, nicht selten sind ...).

Der Mann, der Luther provozierte

Magdeburgs Dom-Türme wurden anno 1520 fertig – gerade noch im Mittelalter, wenn man es nach älterer deutscher Lesart mit der Reformation enden lässt. Und dass es just Magdeburgs Landesherr war, der die Reformation anstieß, zeigt die Bedeutung, die die Stadt oft besaß.

Albrecht von Brandenburg war sein Erzbistum Magdeburg (dessen namensgebende Stadt so frei war, dass er lieber in Halle residierte) nicht genug. Daher wollte und bekam er auch noch den Titel des Erzbischofs und Kurfürsten von Mainz, musste für die päpstliche Anerkennung solcher eigentlich untersagten Ämterhäufung aber zahlen.

Zur Finanzierung schickte er in seinen Landen jene Ablass-Händler umher, die dann Martin Luther aus dem nahen Wittenberg erzürnten. Vier Jahre, nachdem Albrecht die Türme einweihen konnte, wurde Magdeburg als erste deutsche Großstadt protestantisch und entzog sich seiner Macht-Sphäre endgültig.

"Magdeburger Moderne" trifft Zuckerbäcker und Beton

In und um der heute 240.000 Einwohner großen Stadt ging es politisch oft hoch her. Davon zeugt Magdeburgs Stadtbild. Allerhand oft doppeltürmige Kirchenbauten ragen zwischen in ihrer Breite gewaltigen Plattenbauten sowie Prachtbauten im stalinistischen "Zuckerbäcker"-Stil empor.

An ikonischen Bauten aus DDR-Zeit mangelt es nicht, bis hin zur aufwändig restaurierten Hyparschale von 1969 auf der anderen Elbseite.

Hyparschale. Bild: Christian Bartels

Außerdem bewirbt die Stadt die "Magdeburger Moderne" [1]. Das bezieht sich auf die teilweise goldenen Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, In denen wurde, allen Wirren der Weimarer Republik zum Trotz, Magdeburg wie überhaupt das Land Preußen so konstant sozialdemokratisch regiert, wie es die gegenwärtige SPD kaum zu erträumen wagen würde.

In der Stadt wirkten Architekten wie Bruno Taut (dem sich zu größeren Teilen das Weltkulturerbe der "Siedlungen der Berliner Moderne" verdankt...) .

Aus jüngerer Zeit gesellt sich, jenseits steriler Funktionsbauten und den Straßenschluchten dazwischen, noch Friedensreich Hundertwassers "Grüne Zitadelle" [2] dazu.

Gold glänzt, Geschichte bröckelt

Zusammen passt all das nicht unbedingt, schon gleich gar nicht mit dem unnatürlich glänzenden Goldenen Reiter auf dem Marktplatz, dessen einst wohl tatsächlich vergoldetes Original dezent sandsteinern als "erstes vollplastisches und freistehendes Reitermonument des Mittelalters" im Kulturhistorischen Museum [3] steht.

Eher erzeugen die Widersprüche Dynamik aller Art. Zumal am Breiten Weg, der alten Hauptgeschäftsstraße, von dessen gern betonter Ex-Pracht aus dem Barock nach der letzten Zerstörung im Zweiten Weltkrieg außer der Breite so gut wie nichts geblieben ist.

Immerhin strahlt sie streckenweise entspannte Urbanität dank Verkehrsberuhigung aus. Die Legende [4], dass der Breite Weg einst Magdeburger Auswanderer in der niederländischen Kolonialgründung Nieuw Amsterdam zur Anlage einer ähnlich breiten Straße inspirierte, aus der dann nach englischer Eroberung und Umbenennung der Broadway wurde, begegnet einem in Magdeburg öfter. (Okay, in New York sicher seltener.)

Preußens stärkste Festung – und heute Landtag

Rund um den Dom sieht man, dass Magdeburg noch deutlich länger als Köln zu Preußen gehörte (das dort ja auch erst die Fertigstellung des Doms hinkriegte). Zur Elbe hin zeigen freigelegte Festungsanlagen, dass Magdeburg jahrhundertelang und noch bis 1912 als "stärkste Festung Preußens" galt.

Der große, gepflasterte Domplatz war sichtlich einer der Exes, der Exerzierplätze fürs in Preußen Stadtbild-prägende Militär. Rundherum stehen relativ dezente Barockbauten, die heute den Landtag sowie Regierungs-Stellen des kleinen Bindestrich-Bundeslands Sachsen-Anhalt beherbergen.

Bekanntlich fließt in Hauptstädte, in denen Spitzenpolitiker und -beamte leben, meist mehr Geld als in die Peripherie. Auch das spürt man in der "Ottostadt", wie sich Magdeburg mit Bezug auf Kaiser Otto, der den ersten Dom anlegen ließ, und auf Otto Guericke, der im 17. Jahrhundert als Bürgermeister wie Wissenschaftler wirkte, nennt.

Von Telemann zu Tokio Hotel

An alles, was nicht mehr steht, weil es zerbombt oder während der DDR-Zeit abgerissen wurde, wird erinnert. An flotten Sprüchen à la "Home is, where the Dom is" (wie sie in Köln übrigens auch erklingen), an Marketing und bunten Broschüren herrscht kein Mangel.

Lokalstolz gilt außer Sport und Sehenswürdigkeiten Prominenten zwischen dem Komponisten Telemann, dessen 345. Geburtstag gerade begangen wurde, und den Tokio Hotel-Brüdern Bill und Tom Kaulitz, die auch aus der Region stammen und Ende des Jahres, wenn sie "Wetten, dass...?" fortführen, womöglich im gegenwärtigen gesamtdeutschen Mainstream ankommen.

Vor wenigen Jahren errichtet wurde das Dommuseum mit dem nicht ganz leicht auszusprechendem Namen "Ottonianum". Gemeinsam mit dem Dom nebenan erregt es tatsächlich immer wieder Aufmerksamkeit.

Der große Kaiser und die zahlreichen Käfer

Just etwa erwiesen sich Kaiser Ottos Gebeine nicht nur als echt, sondern zeigten auch an, dass er den Beinamen "der Große" nicht allein als mehr oder weniger erster Kaiser des alten Deutschen Reichs erhielt (das fast 900 Jahre alt wurde). Mit etwa 1,80 Metern war er echt "für das Mittelalter überdurchschnittlich groß" (Welt [5]).

Das Ottonianum-Museum hofiert zwar Ottos ebenfalls im ersten Dom begrabene erste Frau Edita, eine Angelsächsin aus England, etwas unzeitgemäß-anbiedernd als "Lady Di des Mittelalters" und "Königin der Herzen" [6].

Andererseits setzt es wirksam Kontrapunkte, indem es etwa einzelne der "4829 Insekten ..., davon 3993 Käfer" ausstellt, die sich im bestens untersuchten Bleisarg fanden, in den Editas – ebenfalls echte – Gebeine anno 1510, mehr als ein halbes Jahrtausend nach ihrem Tod, umgebettet worden waren.

Wobei es natürlich nicht zuletzt um Macht-Repräsentation der damaligen Herrscher mit dem damals wie heute als "Groß" anerkannten Kaiser und seiner Gemahlin ging.

Lesen Sie in Teil 2, wie das "Magdeburgisieren" international zu einem Begriff und wie die Stadt durch und trotz Zerstörungen immer wieder Aufsehen erregte.


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[1] https://www.magdeburger-moderne.de/front_content.php?idart=3127&lang=25&acceptCookie=1
[2] https://www.gruene-zitadelle.de/
[3] http://www.khm-magdeburg.de/dauerausstellung/der-magdeburger-reiter/
[4] https://www.volksstimme.de/lokal/magdeburg/ist-der-broadway-ein-magdeburger-1961976
[5] https://www.welt.de/geschichte/article69ba6ec24bac5c2831a983d4/otto-i-der-grosse-es-passt-auch-genetisch-perfekt-was-forscher-am-magdeburger-kaisergrab-herausfanden.html
[6] https://www.magdeburg.de/index.php?ModID=7&FID=557.755.1&object=tx%7C557.755.1

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Störungsmeldung vom 11.04.2026 11:00

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Region
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