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Science-Fiction: Steven Spielbergs Film Disclosure Day kommt im Juni

Von Peter Osteried — 16. Dezember 2025 um 18:26
Steven Spielberg kehrt zu seinen Wurzeln zurück – im Juni 2026 startet sein neuer Sci-Fi -Film Disclosure Day.
Poster zu Disclosure Day (Bild: Universal)
Poster zu Disclosure Day Bild: Universal

Universal Pictures hat den ersten Teaser-Trailer zu Steven Spielbergs kommendem Sci-Fi-Film Disclosure Day veröffentlicht, wie die US-amerikanische Branchenwebseite Variety als eine der ersten vermeldete.

Was, wenn wir nicht allein sind?

Die Hauptrollen spielen Emily Blunt (A Quiet Place), Josh O'Connor (Wake Up Dead Man), Colin Firth (Dorian Gray), Eve Hewson, Colman Domingo (The Running Man), Wyatt Russell (Monarch: Legacy of Monsters) und Henry Lloyd-Hughes. Spielberg hat die Geschichte zusammen mit dem Drehbuchautor David Koepp entwickelt, der für ihn unter anderem die ersten beiden Jurassic-Park-Filme und Krieg der Welten geschrieben hat.

Der Film fragt: "Was, wenn Sie herausfinden würden, dass wir nicht allein sind? Wenn jemand es Ihnen beweisen würde? Hätten Sie Angst? Diesen Sommer gehört die Wahrheit mehr als sieben Milliarden Menschen. Wir nähern uns… dem Disclosure Day."

Im Trailer sieht man Blunt, die eine Meteorologin spielt, die von einer mysteriösen außerirdischen Macht erfasst wird, während sie live den Wetterbericht macht. O'Connors Figur ist ein Mann, der die Wahrheit über das außerirdische Leben dem Rest der Menschheit enthüllen will.

Mehr als 10 Milliarden Dollar Kino-Einspiel

Mit Disclosure Day, seinem 37. Film, kehrt Steven Spielberg zu seinen Wurzeln zurück. Sein erster Film Firelight war schon Sci-Fi, einer seiner größten Hits war 1977 Unheimliche Begegnung der dritten Art .

Seitdem hat er die Jurassic-Park -Filme, Krieg der Welten , E.T. – Der Außerirdische , Minority Report , A.I. und Ready Player One inszeniert. Er hat zudem die ersten vier Indiana-Jones-Filme inszeniert und zeichnete auch für den Holocaust-Film Schindlers Liste verantwortlich.

Spielberg ist einer der erfolgreichsten Regisseure aller Zeiten. Seine Filme haben kumuliert ein weltweites Einspielergebnis von 10 Milliarden Dollar.

Disclosure Day startet am 11. Juni 2026 in den Kinos.

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Arduino Uno Q im Test: Dies ist kein Arduino

Von Johannes Hiltscher — 16. Dezember 2025 um 18:00
Mikrocontroller und ein Linux-fähiges SoC zusammen verändern das Arduino -Konzept grundlegend. Der Uno Q ist kein klassischer Arduino – was nicht unbedingt schlimm ist.
Eine Anspielung auf René Magrittes bekanntes Bild keiner Pfeife. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Eine Anspielung auf René Magrittes bekanntes Bild keiner Pfeife. Bild: Martin Wolf/Golem.de

Nachdem wir den Arduino Uno Q testen konnten, kommen wir frei nach René Magritte zum Schluss: Dies ist kein Arduino – zumindest nicht im klassischen Sinn. Denn hier müssen wir Arduino ganz neu lernen, auch wenn das Äußere gleich ist. Dass neben dem Mikrocontroller nun ein Linux-fähiges SoC (System-on-Chip) verbaut ist, hat einen Bruch mit dem gewohnten Nutzungskonzept erforderlich gemacht – erschließt dafür aber ganz neue Einsatzszenarien.

Arduino hat uns zum Testen das bereits erhältliche Modell des Uno Q mit 2 GByte LPDDR4-RAM und 16 GByte eMMC-Speicher zur Verfügung gestellt. Der Bruch im Konzept wird beim Testen sehr schnell deutlich: Zwar können wir auch den Uno Q per USB-C mit einem Computer verbinden und weiter mit der gewohnten Arduino IDE arbeiten, um den Mikrocontroller zu programmieren. Allerdings funktionieren etwa unsere Mikrocontroller-Benchmarks nicht mehr wie gewohnt. Sie geben eigentlich Daten über die serielle Schnittstelle aus – beim Uno Q aber kommt nichts.

Das liegt daran, dass unser Computer mit dem Qualcomm-SoC kommuniziert – nicht wie beim Vorgänger Uno R4 (Test) direkt mit dem Mikrocontroller. Schnell wird uns anhand der auf dem Uno Q vorhandenen Beispiele und der Kurzdokumentation klar, dass beide als ein System gedacht sind. Auf beides können wir mit der neuen Entwicklungsumgebung App Lab zugreifen.

Apps statt Sketches

App Lab ersetzt für den Uno Q die alte IDE. Hier legen wir keine Sketches an, sondern Apps – aber die wiederum enthalten jeweils einen Sketch. Denn jede App besteht erst einmal aus einer Python-Datei, die auf dem SoC ausgeführt wird, und eben einem Sketch für den Mikrocontroller-Code. Die Apps haben dabei eine ähnliche Einschränkung wie die Sketches: Es kann immer nur eine laufen, was aber native Linux-Anwendungen nicht einschränkt.

Die neue Entwicklungsumgebung App Lab ist ähnlich übersichtlich wie die alte Arduino IDE. (Screenshot: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 1/5: Die neue Entwicklungsumgebung App Lab ist ähnlich übersichtlich wie die alte Arduino IDE. (Screenshot: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Auf der Unterseite hat der Arduino Uno Q zwei neue Steckverbinder. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 2/5: Auf der Unterseite hat der Arduino Uno Q zwei neue Steckverbinder. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Ohne USB-C-Hub sind die Anwendungsmöglichkeiten eingeschränkt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 3/5: Ohne USB-C-Hub sind die Anwendungsmöglichkeiten eingeschränkt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Auf der Oberseite des Arduino Uno Q sitzt das SoC mit dem LPDDR4-RAM, daneben die LED-Matrix. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 4/5: Auf der Oberseite des Arduino Uno Q sitzt das SoC mit dem LPDDR4-RAM, daneben die LED-Matrix. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Auf der Unterseite befinden sich eMMC-Module und Mikrocontroller. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 5/5: Auf der Unterseite befinden sich eMMC-Module und Mikrocontroller. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Zusätzlich können der App Dateien als Assets hinzugefügt werden – etwa HTML-Code für einen Webserver. Er kann als sogenannter Brick hinzugefügt werden, quasi eine vereinfachte Form einer Bibliothek. Insgesamt bringt App Lab davon aktuell 19 mit, von der Bilderkennung über die Anbindung eines Sprachmodells (LLM) in der Cloud bis zum erwähnten Webserver. Zu fast allen gibt es mindestens ein Codebeispiel.

Beim Betriebssystem setzt Arduino wie auch Raspberry Pi OS auf das aktuelle Debian Trixie. Arduino scheint aber weniger Anpassungen vorzunehmen, zumindest der Linux-Kernel ist auf dem gleichen Stand wie beim regulären Debian. Aber zurück zu unseren Benchmarks.

Funktionen auf einem anderen Chip

Mikrocontroller und SoC kommunizieren mittels sogenannter Remote Procedure Calls (RPC) über die Arduino Router Bridge . Mittels der Funktion provide() kann jede Seite eine Funktion bereitstellen, welche die andere Seite dann mittels call() oder notify() aufrufen kann. Ersteres funktioniert dabei wie ein klassischer Funktionsruf, das Programm wartet also, bis die Funktion beim Gegenüber abgearbeitet ist.

Bei einer Benachrichtigung mittels notify() hingegen arbeitet der Aufrufer direkt seinen Code weiter ab. Dies eignet sich etwa, um Sensorwerte vom Mikrocontroller zum SoC zu übertragen. Über die Router Bridge wird auch die serielle Schnittstelle abgebildet, die unsere Benchmark-Programme nutzen. Hierfür wird ein Objekt namens Monitor bereitgestellt, über dessen Methoden print() und println() der Sketch Nachrichten ausgeben kann.

Wir müssen entsprechend die alten Aufrufe von Serial.write() durch Monitor.print() ersetzen. Zu Beginn müssen wir in der setup() -Funktion zudem mittels Bridge.begin() die Router Bridge initialisieren – auch sie liegt bereits als Objekt vor, wir müssen zusätzlich noch die Header-Datei Arduino_RouterBridge.h einbinden. Jetzt produzieren auch die Benchmarks wieder Daten; bevor wir uns die ansehen, aber noch ein kurzes Fazit zu App Lab.

Neue IDE führt alte Stärken fort

Die Einfachheit war stets ein großer Vorteil der Arduino IDE. App Lab führt diese Stärke fort, die Anwendung ist übersichtlich und ermöglicht einen schnellen Einstieg. Die Bricks fügen sich hier gut ein, mit ihnen lässt sich komplexe Funktionalität schnell und mit niedriger Einstiegshürde umsetzen. Einfachheit zieht allerdings oft funtkionale Beschränkungen nach sich, fortgeschrittene Nutzer könnten hier schnell an Grenzen stoßen.

Die Kommunikation zwischen SoC und Mikrocontroller finden wir gut gelöst. Das Konzept ist einfach und auch für Einsteiger sicher nutzbar. Nach diesem Zwischenfazit kommen wir zu den Benchmarks.

Leistung zwischen allen Stühlen

Der verbaute STM32U585 von ST Micro ähnelt dem RP2350 auf dem Raspberry Pi Pico 2 (Test) , beide nutzen ARMs Cortex-M33. Der STM32U585 verfügt zwar nur über einen Kern, der taktet mit 160 MHz allerdings etwas schneller als die zwei des RP2350 mit 150 MHz. Zudem spendiert STM dem Mikrocontroller mit 786 KByte (das ist kein Tippfehler) rund 50 Prozent mehr RAM.

Da wundert es ein wenig, dass unsere beiden Mikrocontroller-Benchmarks ihn deutlich hinter dem RP2350 sehen. Das kann zwei Gründe haben: Zunächst können wir das Optimierungsziel des Compilers in App Lab weder einsehen noch einstellen. Es ist also denkbar, dass der STM32U585 mehr könnte. Der zweite Grund könnte das Echtzeitbetriebssystem Zephyr sein, das auf dem Mikrocontroller läuft und die Sketches ausführt.

Beim Mikrocontroller gibt es zudem ein paar Details zu beachten: Anders als bei bisherigen Unos arbeitet er mit einer Versorgungsspannung von 3,3 statt 5 V. Die digitalen Eingänge sind zwar 5-V-tolerant – das stellt die Kompatibilität zu bestehenden Shields sicher -, die Analog-Digital-Wandler vertragen allerdings maximal 3,6 V. Dafür sind deutlich mehr GPIOs nutzbar: Sie werden nicht nur über die gewohnten Buchsenleisten, sondern auch über die zwei 60-poligen Steckverbinder auf der Unterseite herausgeführt.

Ein besserer Raspberry Pi 3

Anders als beim Mikrocontroller ist beim SoC bereits von vornherein klar, dass der Arduino Uno Q nicht mit anderen aktuellen Single-Board-Computern (SBC) mithalten kann.

Der HPL bescheinigt dem Arduino Uno Q im Vergleich zum Raspberry Pi 4 eine deutlich geringere Gleitkommaleistung. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 1/9: Der HPL bescheinigt dem Arduino Uno Q im Vergleich zum Raspberry Pi 4 eine deutlich geringere Gleitkommaleistung. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bei einer Faltungsoperation liegt der STM32U585 deutlich hinter dem RP2350. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 2/9: Bei einer Faltungsoperation liegt der STM32U585 deutlich hinter dem RP2350. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bei Game of Life, das insbesondere aus Bit-Operationen und Kontrollfluss besteht, ist der Abstand geringer. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 3/9: Bei Game of Life, das insbesondere aus Bit-Operationen und Kontrollfluss besteht, ist der Abstand geringer. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Im Geekbench kann der Arduino Uno Q im Kryptografie-Test punkten. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 4/9: Im Geekbench kann der Arduino Uno Q im Kryptografie-Test punkten. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Mit Python wird der SoC-Teil von Apps programmiert - entsprechend wäre hier mehr Leistung wünschenswert. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 5/9: Mit Python wird der SoC-Teil von Apps programmiert - entsprechend wäre hier mehr Leistung wünschenswert. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Beim Packprogramm 7zip hilft dem Arduino Uno Q sein schneller Speicher. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 6/9: Beim Packprogramm 7zip hilft dem Arduino Uno Q sein schneller Speicher. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
KI auf der CPU macht wenig Freude. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 7/9: KI auf der CPU macht wenig Freude. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bei der Speicherbandbreite steht der Arduino Uno Q dank LPDDR4-RAM gut da. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 8/9: Bei der Speicherbandbreite steht der Arduino Uno Q dank LPDDR4-RAM gut da. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Die Leistung der Adreno-GPU ist für das Einsatzszenario ausreichend. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 9/9: Die Leistung der Adreno-GPU ist für das Einsatzszenario ausreichend. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)

Die vier Cortex-A53-Kerne des Dragonwing QRB2210 takten zwar mit 2 GHz, sind aber technisch auf dem Stand des Raspberry Pi 3. Von ihm haben wir das B+-Modell mit 1,4 GHz Kerntakt in den Vergleich aufgenommen, mit dem Spacemit K1 (Test) zusätzlich einen RISC-V-Prozessor.

Entsprechend fallen auch die Benchmarks aus. Teils kann sich der Uno Q dank seines schnelleren Speichers deutlicher vom Raspberry Pi 3 absetzen, als es der reine Unterschied der Kerntakte erwarten lässt.

Dank Kryptografie-Erweiterung lässt er im entsprechenden Test des Geekbench 5.4 die Konkurrenz zudem weit hinter sich. Die alte Version dieses Benchmarks mussten wir wählen, da neuere Varianten aufgrund ihrer Speicheranforderungen nicht auf dem Raspberry Pi 3 und Arduino Uno Q laufen – auch für einen Multicore-Benchmark ist bei beiden der RAM zu knapp.

Der HPL bescheinigt dem Arduino Uno Q im Vergleich zum Raspberry Pi 4 eine deutlich geringere Gleitkommaleistung. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 1/9: Der HPL bescheinigt dem Arduino Uno Q im Vergleich zum Raspberry Pi 4 eine deutlich geringere Gleitkommaleistung. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bei einer Faltungsoperation liegt der STM32U585 deutlich hinter dem RP2350. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 2/9: Bei einer Faltungsoperation liegt der STM32U585 deutlich hinter dem RP2350. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bei Game of Life, das insbesondere aus Bit-Operationen und Kontrollfluss besteht, ist der Abstand geringer. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 3/9: Bei Game of Life, das insbesondere aus Bit-Operationen und Kontrollfluss besteht, ist der Abstand geringer. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Im Geekbench kann der Arduino Uno Q im Kryptografie-Test punkten. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 4/9: Im Geekbench kann der Arduino Uno Q im Kryptografie-Test punkten. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Mit Python wird der SoC-Teil von Apps programmiert - entsprechend wäre hier mehr Leistung wünschenswert. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 5/9: Mit Python wird der SoC-Teil von Apps programmiert - entsprechend wäre hier mehr Leistung wünschenswert. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Beim Packprogramm 7zip hilft dem Arduino Uno Q sein schneller Speicher. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 6/9: Beim Packprogramm 7zip hilft dem Arduino Uno Q sein schneller Speicher. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
KI auf der CPU macht wenig Freude. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 7/9: KI auf der CPU macht wenig Freude. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bei der Speicherbandbreite steht der Arduino Uno Q dank LPDDR4-RAM gut da. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 8/9: Bei der Speicherbandbreite steht der Arduino Uno Q dank LPDDR4-RAM gut da. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Die Leistung der Adreno-GPU ist für das Einsatzszenario ausreichend. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 9/9: Die Leistung der Adreno-GPU ist für das Einsatzszenario ausreichend. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)

Beschleunigte KI abseits von Bricks ist nicht trivial

Noch nicht testen konnten wir bislang die beschleunigte KI-Leistung des QRB2210. Mit Resnet50 haben wir zwar ein Modell zur Bilderkennung aufgenommen, es lief allerdings nur auf den CPU-Kernen. Als Beschleuniger dient die Adreno-GPU, die eine ordentliche Leistung abliefert. Sie kann zudem mit OpenCL programmiert werden. Im Rahmen unseres gesetzten Testzeitraums ist es uns allerdings noch nicht gelungen, das KI-Modell hier zur Ausführung zu bringen. Das werden wir in einem späteren Test angehen.

Der HPL bescheinigt dem Arduino Uno Q im Vergleich zum Raspberry Pi 4 eine deutlich geringere Gleitkommaleistung. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 1/9: Der HPL bescheinigt dem Arduino Uno Q im Vergleich zum Raspberry Pi 4 eine deutlich geringere Gleitkommaleistung. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bei einer Faltungsoperation liegt der STM32U585 deutlich hinter dem RP2350. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 2/9: Bei einer Faltungsoperation liegt der STM32U585 deutlich hinter dem RP2350. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bei Game of Life, das insbesondere aus Bit-Operationen und Kontrollfluss besteht, ist der Abstand geringer. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 3/9: Bei Game of Life, das insbesondere aus Bit-Operationen und Kontrollfluss besteht, ist der Abstand geringer. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Im Geekbench kann der Arduino Uno Q im Kryptografie-Test punkten. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 4/9: Im Geekbench kann der Arduino Uno Q im Kryptografie-Test punkten. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Mit Python wird der SoC-Teil von Apps programmiert - entsprechend wäre hier mehr Leistung wünschenswert. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 5/9: Mit Python wird der SoC-Teil von Apps programmiert - entsprechend wäre hier mehr Leistung wünschenswert. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Beim Packprogramm 7zip hilft dem Arduino Uno Q sein schneller Speicher. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 6/9: Beim Packprogramm 7zip hilft dem Arduino Uno Q sein schneller Speicher. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
KI auf der CPU macht wenig Freude. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 7/9: KI auf der CPU macht wenig Freude. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bei der Speicherbandbreite steht der Arduino Uno Q dank LPDDR4-RAM gut da. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 8/9: Bei der Speicherbandbreite steht der Arduino Uno Q dank LPDDR4-RAM gut da. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Die Leistung der Adreno-GPU ist für das Einsatzszenario ausreichend. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 9/9: Die Leistung der Adreno-GPU ist für das Einsatzszenario ausreichend. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)

Positiv hervorzuheben am Arduino Uno Q ist die Leistungsaufnahme: Sie liegt im Idle bei 0,4 W, bei GPU-Last im Vulkan-Benchmark vkmark bei maximal rund 1,5 W, der High Performance Linpack (HPL) kam in der Spitze auf 2,7 W. Lediglich beim Start des Systems sind kurzzeitig mit bis zu 3,4 W noch höhere Werte zu sehen – mutmaßlich, da hier zur hohen CPU-Last noch das eMMC-Modul aktiv ist. Beim HPL erreichte das Gehäuse des SoC in der Spitze eine Temperatur von 55° C – was absolut in Ordnung ist.

Für ein zentrales Verkaufsargument des Arduino Uno Q hätten wir uns allerdings mehr Prozessorleistung gewünscht.

Als Standalone-Entwicklungssystem nutzbar, aaaaaber...

Arduino bewirbt den Uno Q damit, dass er als eigenständiges Entwicklungssystem nutzbar sei. Dazu schließen wir ein USB-C-Hub mit Display-Ausgang und Energieversorung per USB-C Power Delivery an. Wir haben hier ein Anker 332 genutzt, das problemlos funktionierte. Das auf dem QRB2210 ausgeführte Debian startet dann die grafische Oberfläche Xfce und App Lab.

Die Leistungsdifferenz zum Raspberry Pi 4 – unserer Meinung nach der erste SBC, der gut als PC-Ersatz nutzbar war – lässt bereits erwarten, dass das nicht die beste Erfahrung sein wird. Genau das zeigt dann auch der Praxistest. Fenster bewegen sich recht zäh, die Hervorhebung von Elementen in App Lab beim Mouseover ist merklich verzögert.

Bei unserem Testsystem wird zudem der kleine RAM zum Problem. Allein App Lab belegt rund 350 MByte, für die grafische Oberfläche kommt noch einmal ähnlich viel hinzu. Zwar empfiehlt Arduino für die Nutzung als Standalone-Entwicklungssystem die noch nicht verfügbare 4-GByte-Variante. Aber auch hier kann der RAM schnell knapp werden, wenn einige Browsertabs geöffnet sind und eine App läuft – wobei all dies nicht für ein flüssigeres System sorgt.

Krach mit der Open-Source-Community

Rund um die Einführung des Arduino Uno Q gab es einige Turbulenzen: Die Übernahme durch Qualcomm sorgte bereits für Verunsicherung, wie es mit dem Open-Source-Gedanken bei Arduino weitergeht. Hinzu kam noch eine Änderung der Nutzungsbedingungen .

Bei Adafruit gingen alle Warnlampen an, in einem Post bei Linkedin beklagten die Maker, Arduino sei auf dem Weg zu einer geschlossenen Plattform. Denn das Unternehmen räumt sich das Nutzungsrecht an Beiträgen von Nutzern auf der Plattform ein, verbietet Reverse Engineering und behält sich das Recht vor, die Nutzung der bereitgestellten KI-Funktionen zu überwachen.

Arduino sieht das selbstverständlich anders : Die Änderungen seien teils erforderlich gewesen, um US-Gesetzen zu entsprechen – so ist etwa ein kompletter Abschnitt zu Export- und Handelskontrollen hinzugekommen -, die neuen KI-Features einzubeziehen und den Betrieb der Plattform für Arduino rechtssicher zu gestalten. Die Nutzungsrechte an der Plattform lasse man sich nur einräumen, um sie anderen Nutzern bereitstellen zu können, ohne rechtliche Probleme befürchten zu müssen . Das Reverse-Engineering-Verbot betreffe zudem nur die Clouddienste.

Die Kritiker von Adafruit beruhigt das allerdings nicht, schließlich mache Arduino die Clouddienste zu einem immer zentraleren Bestandteil der Plattform. Und KI ist die zentrale Neuerung des Uno Q – wer hier nicht von Arduino auf Einhaltung der durchaus sinnvollen Verbote überwacht werden will, hat genau zwei Möglichkeiten: entweder nicht nutzen, was den Uno Q quasi sinnlos macht, oder die benötigten Modelle selbst auf den SBC bringen, was wiederum deutlich mehr Einarbeitung erfordert.

Grundsätzlich ist die Argumentation beider Seiten nachvollziehbar, für Interessenten stellt das aber eine weitere Schwierigkeit bei der Entscheidung für oder gegen den Uno Q dar. Und damit ist es Zeit für ein Fazit.

Arduino Uno Q: Verfügbarkeit und Fazit

Aktuell gibt es den Arduino Uno Q beim Hersteller selbst sowie bei einer Reihe anderer Anbieter in der 2-GByte-Variante. Hier ist ein 16 GByte fassendes eMMC-Modul verbaut, das Modell kostet rund 48 Euro. Das für rund 65 Euro angekündigte 4-GByte-Modell mit 32 GByte eMMC-Speicher ist aktuell noch nicht verfügbar.

Gleiches gilt für eine Zusatzplatine, welche die Nutzung der über die neuen, 60-poligen Steckverbinder auf der Unterseite herausgeführten Signale ermöglicht. Hier ist auch noch kein Preis bekannt, die Platine wäre allerdings erforderlich, um die Möglichkeiten des QRB2210 voll auszuschöpfen. Aktuell lässt sich dessen Bildsignalprozessor nicht nutzen, da eine Anbindung von Kameras per MIPI CSI (Camera Serial Interface) nicht möglich ist.

Um USB-Geräte anzubinden, ist zusätzlich ein USB-C-Hub erforderlich, der mittels USB-C Power Delivery mit Energie versorgt werden kann. Für den Betrieb genügt allerdings ein ausreichend leistungsfähiges 5-V-USB-Netzteil – es muss kein Modell sein, das Power Delivery unterstützt.

Fazit

Selten ist uns das Fazit zu einem SBC oder Mikrocontroller-Board so schwergefallen wie beim Arduino Uno Q. Das Konzept hat definitiv seinen Charme und ist gewohnt einsteigerfreundlich umgesetzt. Auch die neue IDE App Lab finden wir gelungen, die vielfältigen Möglichkeiten, den Uno Q damit zu nutzen – per USB, per WLAN oder direkt auf dem SBC – sind ein praktisches Feature. Wir freuen uns definitiv auf weitere Projekte mit dem Uno Q.

Die neue Entwicklungsumgebung App Lab ist ähnlich übersichtlich wie die alte Arduino IDE. (Screenshot: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Bild 1/5: Die neue Entwicklungsumgebung App Lab ist ähnlich übersichtlich wie die alte Arduino IDE. (Screenshot: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Auf der Unterseite hat der Arduino Uno Q zwei neue Steckverbinder. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 2/5: Auf der Unterseite hat der Arduino Uno Q zwei neue Steckverbinder. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Ohne USB-C-Hub sind die Anwendungsmöglichkeiten eingeschränkt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 3/5: Ohne USB-C-Hub sind die Anwendungsmöglichkeiten eingeschränkt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Auf der Oberseite des Arduino Uno Q sitzt das SoC mit dem LPDDR4-RAM, daneben die LED-Matrix. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 4/5: Auf der Oberseite des Arduino Uno Q sitzt das SoC mit dem LPDDR4-RAM, daneben die LED-Matrix. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Auf der Unterseite befinden sich eMMC-Module und Mikrocontroller. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 5/5: Auf der Unterseite befinden sich eMMC-Module und Mikrocontroller. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Trotz des Bemühens, das System einfach zu halten, liegt die Einstiegshürde dennoch höher als bei den alten Arduinos. Das liegt ganz einfach im komplexeren Gesamtsystem begründet. Schade finden wir, dass die Leistung des Systems ein Kompromiss geblieben ist. Klar: Dadurch bleibt der Preis erst einmal (relativ) niedrig, diese Tatsache verkleinert aber auch die Nische, in welcher der Uno Q seinen Platz findet.

Für viele Interessenten dürfte sich ganz einfach die Frage nach dem Sinn des Arduino Uno Q stellen. Selbst viele der Beispielanwendungen beantworten sie nicht. Ein IoT-Gerät etwa mit browserbasierter Schnittstelle ist mit dem Uno R4 WiFi oder einem Raspberry Pi Pico W ebenso umsetzbar. Mit Micropython ist das auch sehr einfach (g+) . Als reiner SBC aber lohnt sich der Uno Q auch nicht – hier gibt es beim Raspberry Pi 4 mehr Leistung. Da für diesen nicht noch zusätzlich ein USB-C-Hub angeschafft werden muss, ist der Pi sogar die günstigere Variante.

Kein Arduino – und doch ein Arduino

Das soll aber nicht heißen, dass der Arduino Uno Q ein sinnloses Produkt ist. Sinn ergibt er immer dann, wenn die Kombination aus Echtzeitfähigkeit eines Mikrocontrollers sowie der Rechenleistung und Speicherausstattung eines SoC benötigt wird. Damit bleiben wenige Anwendungsfälle, in denen der Arduino Uno Q wirklich erste Wahl wäre. Stärkstes Argument ist damit das Arduino-Ökosystem, das etwa mit den Modulino-Erweiterungen externe Zusatzkomponenten einfacher anbindet als der Raspberry Pi Pico.

Und damit bleibt der Uno Q doch ein Arduino, obwohl er so ganz anders ist als seine Vorgänger. Einsteiger und alle, die schnell Projekte realisieren möchten, machen mit einem Arduino grundsätzlich nichts verkehrt. Vor der Anschaffung sollte aber die Frage stehen, ob man die neuen Möglichkeiten auch nutzt – andernfalls reicht auch ein Uno R4. Wer maximal flexibel sein möchte oder bereits KI-Projekte im Kopf hat, greift hingegen zum Uno Q.

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Nach Berlin-Verhandlungen: Wird die Bundeswehr in die Ukraine geschickt?

Von Bernd Müller — 17. Dezember 2025 um 01:30

Bernd Müller

Der Leopard-2-Hauptkampftank wurde der Öffentlichkeit am offenen Tag der Bundeswehr vorgestellt

(Bild: Mo Photography Berlin / Shutterstock.com)

Westliche Truppen könnten künftig die Ukraine sichern. Doch Kanzler Merz hält sich bedeckt. Was plant Berlin wirklich?

Bei den Verhandlungen in Berlin wurden der Ukraine weitreichende Versprechungen gemacht. Eine davon ist, dass nach einem Waffenstillstand Truppen der "Koalition der Willigen" in das Land eingeführt werden, die im Notfall auch gegen die russische Armee [1] kämpfen sollen.

Viele Menschen in Deutschland dürften sich Fragen, ob Söhne und Töchter, die in der Bundeswehr Dienst leisten [2], bald in die Ukraine geschickt werden könnten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hält sich laut Tagesschau in dieser Frage bedeckt.

Laut Reuters stellte er aber klar [3], dass eine westliche Friedenstruppe auch gegen die russische Armee kämpfen müsse, wenn sie erneut zur Invasion ausholt.

Andere Christdemokraten bekennen sich indessen offen dazu, deutsche Soldaten wieder gen Osten zu schicken. Sozialdemokraten zaudern zwar mit einem Bekenntnis, wollten aber laut [4] Tagesschau eine deutsche Beteiligung auch nicht ausschließen.

Voraussetzungen für einen Einsatz bleiben unklar

Es ist allerdings unklar, ob es zu dieser Situation kommen wird. Denn Voraussetzung für den Einsatz westlicher Truppen ist ein Waffenstillstand in der Ukraine. Russland hatte aber zuletzt erklärt, dass man nicht über einen Waffenstillstand verhandeln wolle, sondern nur über eine Friedenslösung [5].

Was der Kreml damit meint, dürfte inzwischen hinreichend klar sein: Die Ursachen des Konflikts müssten beseitigt werden, heißt es immer wieder aus Moskau. Gemeint ist damit unter anderem, dass die Ukraine nicht Teil des Nato-Bündnisses wird und Nato-Staaten keine Truppen in der Ukraine stationieren dürfen. In Berlin wurde jetzt genau das Gegenteil davon festgelegt.

Am Dienstag bestätigte der stellvertretende russische Außenminister Sergej A. Rjabkow diese Forderung noch einmal, wie die New York Times (NYT) berichtete [6].

Vor diesem Hintergrund ist es wenig wahrscheinlich, dass sich die russische Seite auf einen Waffenstillstand einlässt. Merz bezeichnete die Perspektive einer Friedenstruppe ZDF deshalb auch als "weit entfernt".

Sollte es aber so weit kommen, dann müsste die Bundesregierung für den Einsatz der Bundeswehr [7] vom Bundestag ein entsprechendes Mandat holen. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse dürfte dies nur eine Formsache sein.

Noch wollte Merz aber die Pferde nicht scheu machen. Auf die direkte Frage, ob sich die Bundeswehr beteiligen werde, wich er laut Tagesschau aus. Stattdessen verwies er darauf, dass nicht nur europäische Länder der "Koalition der Willen" angehören, sondern auch Kanada, Australien und andere Staaten.

Aufgaben und Stationierung der multinationalen Truppe

Die Europäer fühlen sich bereit, die internationale Truppe anzuführen, schreibt [8] The Guardian. In Berlin wurden laut NYT zwei umfassende Dokumente ausgearbeitet, welche jedem Land genau seine Aufgaben nach einem Waffenstillstand zuweist.

"Jedes Land kennt bereits seine Rolle oder den Umfang seiner Lieferungen", wird der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in der NYT zitiert. Einige Länder würden nur Informationen liefern, andere stellten Truppen bereit. Das habe man in den Dokumenten festgehalten.

Offiziell würden die westlichen Truppen in der Westukraine stationiert. Aber ihre konkreten Aufgaben umfassten unter anderem, Luftraum und Seewege zu sichern [9]. Aber die sogenannten Garantiemächte müssten auch eine entmilitarisierte Zone sichern und "auch gegen entsprechende russische Übergriffe und Angriffe vorgehen", so Friedrich Merz laut Reuters.

Die westlichen Staaten wollen auch die ukrainischen Streitkräfte stärken [10]. So sollen sie, wie die NYT berichtet, auf einer Personalstärke von 800.000 Soldaten erhalten werden. Zum Vergleich: Vor der russischen Invasion umfasste die ukrainische Armee rund 195.000 Soldaten.

Die neue Zielgröße der Kiewer Truppen entspricht etwa der aktuellen Kriegsstärke. Je nach Quelle umfasst sie aktuell zwischen 730.000 [11] und 980.000 [12] Soldaten. Wahrscheinlich müssten die westlichen Staaten nicht nur die notwendigen Waffen zur Verfügung stellen, sondern auch die übrige Finanzierung übernehmen [13].

Die USA würden sich weitgehend aus dem Geschehen heraushalten. Zwar wollen sie die Überwachung und Überprüfung des Waffenstillstands leiten, aber keine eigenen Truppen entsenden. Auch würden sie nachrichtendienstliche Informationen [14] zur Verfügung stellen, um russische Aktivitäten zu erkennen, die auf eine erneute Invasion abzielen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11117404

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/article/Strategischer-Wandel-Warum-Russland-seine-Militaerdoktrin-ueberdenkt-und-was-das-bedeutet-10488688.html
[2] https://www.heise.de/tp/article/FAQ-zum-neuen-Wehrdienst-Was-sich-fuer-junge-Menschen-in-Deutschland-aendern-wird-10621438.html
[3] https://www.reuters.com/world/under-ukraine-security-guarantees-western-troops-could-repel-russian-forces-post-2025-12-16/
[4] https://www.tagesschau.de/ausland/europa/deutsche-soldaten-ukraine-100.html
[5] https://www.heise.de/tp/article/Versucht-die-EU-bereits-den-neuen-Ukraine-Friedensplan-zu-sabotieren-11089182.html
[6] https://www.nytimes.com/2025/12/16/world/europe/ukraine-security-guarantees-talks.html
[7] https://www.heise.de/tp/article/Deutschland-Panzer-fuer-100-Milliarden-und-keiner-rechnet-nach-10477966.html
[8] https://www.theguardian.com/world/2025/dec/15/ukraine-talks-european-leaders-meet-berlin-starmer-macron-zelenskyy-merz-us-witkoff
[9] https://www.heise.de/tp/article/Wettlauf-der-Systeme-Kanonen-Raketen-Laser-gegen-Drohnen-10652839.html
[10] https://www.heise.de/tp/article/Ukraine-Krieg-US-Waffen-scheitern-zuhauf-und-alle-Welt-schaut-zu-9748083.html
[11] https://www.cfr.org/in-brief/comparing-size-and-capabilities-russian-and-ukrainian-militaries
[12] https://kyivindependent.com/ukraines-military-is-980-000-soldiers-strong-zelensky-says/
[13] https://www.heise.de/tp/article/Ukraine-Finanzierung-USA-fordern-von-der-EU-mehr-Haerte-gegen-Russland-11084042.html
[14] https://www.heise.de/tp/article/Trumps-Europa-Expertise-Zivilisatorische-Ausloeschung-in-20-Jahren-11105399.html

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COX7RP-Protein: Japanische Forscher knacken einen Langlebigkeits-Code

Von Bernardo Cantz — 16. Dezember 2025 um 17:15

Bernardo Cantz

Plastilin-Figuren von Rentnern und alten Menschen. Zunahme der Lebenserwartung. Alter von mehr als hundert Jahren.

(Bild: Andrii Zastrozhnov / Shutterstock.com)

Ein Protein macht Zellkraftwerke effizienter und verlängert das Leben. Doch es funktioniert nicht bei allen gleich – der Grund ist rätselhaft.

Tief in den Laboren der Saitama Medical University ist ein Experiment gelaufen, das unser Verständnis von Longevity, zu Deutsch: Langlebigkeit [1], deutlich voranbringen könnte.

Im Mittelpunkt des Experiments stehen die Mitochondrien, jene Zellkraftwerke, die einen Großteil unserer Energie erzeugen. Das Problem mit ihnen ist: Mit zunehmendem Alter funktionieren sie immer weniger reibungslos – und das ist mit einigen altersbedingten Krankheiten [2] verbunden.

Kazuhiro Ikeda und sein Team haben jetzt womöglich einen Weg gefunden, die Mitochondrien länger fit zu halten. Sie haben männliche Mäuse gezüchtet, die ein bestimmtes Protein namens COX7RP in erhöhter Menge produzieren. Das Ergebnis: Die Tiere lebten im Schnitt 6,6 Prozent länger als ihre normalen Artgenossen – und das bei besserer Gesundheit.

"Wir haben COX7RP als Schlüsselfaktor identifiziert, der die Bildung von mitochondrialen […] Superkomplexen fördert", erklärt Satoshi Inoue [3], Co-Autor der in Aging Cell veröffentlichten Studie [4].

Diese Superkomplexe sind hocheffiziente Energiefabriken in unseren Zellen – und genau hier liegt das Geheimnis.

Warum Mitochondrien der Schlüssel zum Altern sind

Mitochondrien produzieren ATP (Adenosintriphosphat), den universellen Energieträger des Körpers. Doch mit zunehmendem Alter sinkt ihre Leistung:

  • Energieproduktion nimmt ab – Muskeln werden schwächer, das Gehirn langsamer
  • Reaktive Sauerstoffspezies (ROS) steigenoxidativer Stress [5] schädigt Zellen
  • Entzündungsprozesse nehmen zu – der Körper altert schneller

COX7RP wirkt genau hier: Es hilft den Mitochondrien, sich zu sogenannten "Superkomplexen" zusammenzuschließen – effizienten Verbünden aus mehreren Komplexen der Atmungsketten (CIII₂+CIV und CI+CIII₂+CIVₙ). Das Resultat: mehr Energie bei weniger schädlichen Nebenprodukten.

Was die Studie zeigt – und was nicht

Die Forscher verglichen 34 COX7RP-transgene Mäuse mit 32 normalen Tieren über deren gesamte Lebensspanne. Die Ergebnisse waren eindeutig:

Lebensdauer:

  • Mittlere Lebensdauer: +6,6 Prozent (126,2 vs. 134,5 Wochen)
  • Mediane Lebensdauer: +5,6 Prozent (129,2 vs. 136,4 Wochen)
  • Statistische Signifikanz: p=0,038

Stoffwechsel:

  • Serum-Triglyceride: deutlich niedriger
  • Gesamtcholesterin: reduziert
  • Weißes Fettgewebe: weniger Masse (epididymal/inguinal)
  • Blutzucker: bessere Regulation nach Glukosebelastung

Zelluläre Marker:

  • NAD⁺-Spiegel: erhöht (wichtig für Zellreparatur)
  • ROS-Produktion: verringert
  • Entzündungsgene (SASP): herunterreguliert

Doch es gibt einen Haken: Der Effekt trat nur bei männlichen Mäusen auf. Bei Weibchen zeigte sich lediglich eine Tendenz (p=0,0946), die statistisch nicht signifikant war. Die Gründe dafür sind unklar. Eine Vermutung: Hormonelle Unterschiede oder geschlechtsspezifische Stoffwechselwege [6]könnten eine Rolle spielen.

Warum das wichtig ist

Die Studie liefert einen seltenen Beweis: Wird die Funktion der Mitochondrien gezielt verbessert, dann kann dies nicht nur Krankheiten verhindern, sondern auch die Lebensdauer unter normalen Bedingungen verlängern.

Die meisten bisherigen Longevity-Studien konzentrierten sich auf Krankheitsmodelle oder extreme Interventionen wie Kalorienrestriktion, schreiben die Forscher.

Besonders bemerkenswert: Die COX7RP-Mäuse zeigten nicht nur eine längere Lebensspanne, sondern auch eine verlängerte Gesundheitsspanne. Ihre Mitochondrien produzierten mehr ATP (bis zu 50 Prozent mehr in Muskel und Fettgewebe), während gleichzeitig die Marker für die Zellalterung [7]sanken.

Was das für die Zukunft bedeutet

Die Übertragbarkeit auf den Menschen bleibt offen. Doch die Ergebnisse eröffnen konkrete Ansatzpunkte:

Mögliche Interventionen:

  • Nahrungsergänzungsmittel, die Superkomplex-Bildung fördern
  • Medikamente zur Stabilisierung mitochondrialer Atmungsketten
  • Lebensstil-Interventionen (z. B. Ausdauertraining), die COX7RP natürlich erhöhen

Wissenschaftler hatten bereits 2022 gezeigt, dass genetische Varianten von COX7RP beim Menschen mit besserer kardiorespiratorischer Fitness korrelieren. Ob sich daraus therapeutische Strategien ableiten lassen, wird aber die weitere Forschung [8]zeigen müssen.

Die offenen Fragen

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse bleiben kritische Punkte ungeklärt:

  • Geschlechtsunterschiede: Warum profitieren nur Männchen?
  • Langzeitrisiken: Frühere Studien zeigten, dass COX7RP auch Tumorwachstum [9]fördern kann – wurde hier aber nicht untersucht
  • Mechanismus: Der genaue Weg von Superkomplexen zu verminderter Entzündung ist noch nicht geklärt
  • Humanrelevanz: Mäuse sind keine Menschen – klinische Studien fehlen

Zudem waren einige Messungen (z. B. NAD⁺, n=3) mit kleinen Stichproben durchgeführt worden. Replikationsstudien bleiben abzuwarten.

Der Blick nach vorn

"Unsere Studie hat neue mitochondriale Mechanismen aufgeklärt, die dem Anti-Aging und der Langlebigkeit zugrunde liegen", fasst Inoue zusammen. Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente, die den Aufbau von Superkomplexen verbessern, könnten zur Verlängerung der Lebensdauer beitragen.

Die große Frage lautet jetzt: Lässt sich die Effizienz unserer zellulären Kraftwerke auch beim Menschen steigern – und wenn ja, wie? Die Antwort könnte darüber entscheiden, ob wir nicht nur länger, sondern auch gesünder leben.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11117210

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/article/Blutuntersuchungen-geben-Einblicke-in-extreme-Langlebigkeit-9784079.html
[2] https://www.heise.de/tp/article/Arthrose-vorbeugen-Wie-Joggen-die-Gelenke-schuetzt-10601277.html
[3] https://www.tmghig.jp/research/en/etopics/archives/016907/index.html
[4] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/acel.70294
[5] https://www.heise.de/tp/article/Entzuendungshemmende-Ernaehrung-Was-die-Wissenschaft-von-TikTok-Trends-unterscheidet-10670624.html
[6] https://www.heise.de/tp/article/Kalorien-zaehlen-war-gestern-Wie-Bioaktivstoffe-Ihren-Stoffwechsel-ankurbeln-9865388.html
[7] https://www.heise.de/tp/article/Ist-Leucin-der-geheime-Booster-fuer-unsere-Gesundheit-10966071.html
[8] https://www.heise.de/tp/article/Fake-Studien-Kuenstliche-Intelligenz-gefaehrdet-das-Fundament-der-Wissenschaft-10578895.html
[9] https://www.heise.de/tp/article/Krebsforschung-Beachtliche-Erfolge-die-niemand-wahrnimmt-11067897.html

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Google stellt Dark Web Report ein

Von Heise — 16. Dezember 2025 um 12:35
Rot beleuchtete Tastatur

(Bild: zefart/Shutterstock.com)

Google stellt seinen Dark Web Report ein und löscht alle gespeicherten Daten. Als Alternative empfiehlt der Konzern Passkeys und den Passwortmanager.

Google beendet seinen Dark Web Report: Die Suche nach neuen Datenpannen im Dark Web endet am 15. Januar 2026. Einen Monat später, am 16. Februar, wird das Tool vollständig abgeschaltet und alle im Monitoring-Profil gespeicherten Daten werden gelöscht.

Als Grund für die Einstellung nennt Google fehlendes positives Nutzerfeedback. Der Dark Web Report habe zwar allgemeine Informationen geliefert, aber keine hilfreichen nächsten Schritte enthalten. Der Konzern wolle sich stattdessen auf Werkzeuge konzentrieren, „die Ihnen konkrete Maßnahmen zum Schutz Ihrer Daten im Internet bieten“, heißt es in der offiziellen Mitteilung [1].

Passkeys statt passiver Überwachung

Statt des Dark Web Reports empfiehlt Google seinen Nutzern eine Reihe alternativer Sicherheitsfunktionen. Dazu gehören der Sicherheitscheck, die Passkey-Anmeldung für das Google-Konto sowie verschiedene Authentifizierungstools aus dem Google Sicherheitscenter. Auch der Google Passwortmanager mit integriertem Passwortcheck soll künftig eine zentrale Rolle spielen.

Eine weitere Alternative ist das Tool „Results about you“. Damit können Nutzer prüfen, ob personenbezogene Daten wie Telefonnummern oder Adressen in den Google-Suchergebnissen auftauchen und deren Entfernung beantragen. Anders als der Dark Web Report, der versteckte Tor-Netzwerk-Services nach geleakten Daten durchsuchte, konzentriert sich dieses Werkzeug auf öffentlich indexierte Inhalte.

Daten werden automatisch gelöscht

Nutzer, die den Dark Web Report bisher verwendet haben, müssen nichts unternehmen. Google löscht alle Daten im Monitoring-Profil automatisch am 16. Februar 2026. Wer seine Daten vorzeitig entfernen möchte, kann das über den Menüpunkt „Dark Web Report“ tun. Über „Ergebnisse, die deine Daten enthalten“ und „Monitoring-Profil bearbeiten“ lässt sich mit einem Klick das „Monitoring-Profil löschen“.

Die Entscheidung passt in Googles aktuelle Sicherheitsstrategie, die verstärkt auf präventive Maßnahmen setzt. Passkeys [2] nutzen kryptografische Public-Key-Authentifizierung nach FIDO2-Standard und sind resistent gegen Phishing-Angriffe. Der Google Passwortmanager gleicht gespeicherte Passwörter mit Datenbanken bekannter Leaks ab und warnt bei kompromittierten Zugangsdaten.

Alternativen verfügbar

Wer auch künftig auf Dark-Web-Monitoring nicht verzichten möchte, findet bei anderen Anbietern entsprechende Dienste. Have I Been Pwned bietet kostenlose Leak-Abfragen an, während kommerzielle Anbieter wie Experian, Mozilla Monitor Plus, NordPass oder Bitwarden umfassendere Scans mit automatisierten Warnmeldungen anbieten. Für Unternehmenskunden integriert Microsoft entsprechende Funktionen in seinen Defender.

Google verspricht in der Ankündigung, Nutzer weiterhin vor Onlinebedrohungen inklusive solcher aus dem Dark Web zu schützen. Etwaige Pläne für ein Nachfolgetool wurden bisher jedoch nicht bekanntgegeben.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11116582

Links in diesem Artikel:
[1] https://support.google.com/websearch/answer/16767242
[2] https://www.heise.de/ratgeber/So-ermoeglichen-Passkeys-passwortlose-Authentifizierung-10476770.html
[3] https://www.heise.de/ix
[4] mailto:fo@heise.de

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Smartphone-Sicherheitstipps vom CERT-FR und CISA – wenig praktikabel

Von Heise — 16. Dezember 2025 um 12:28
Stop,Sign,With,Traffic,Cone,Over,Blurred,Smart,Phone,Or

(Bild: pim pic/ Shutterstock.com)

Die IT-Sicherheitsorganisationen CERT-FR und CISA haben Tipps für die Absicherung von Smartphones gesammelt. Die gehen etwas weit.

Das französische CERT und die US-amerikanische CISA haben die Sicherheit von Smartphones und den Bedrohungsverlauf der vergangenen zehn Jahre analysiert. Daraus leiten die Institutionen ab, wie die Geräte abzusichern sind. Allerdings gehen zumindest die Tipps aus Frankreich am Ende etwas weit.

Das CERT-FR gibt Interessierten ein 40-seitiges PDF [1] an die Hand, die CISA beschränkt sich in ihrem PDF [2] auf überschaubare fünf Seiten. Das fängt bei Banalitäten an, wie dem Nutzen von Mehr-Faktor-Authentifizierung und FIDO-Sticks sowie dem Einsatz von Passwort-Managern. Von SMS als 2FA-Mechanismus raten die IT-Experten ab. Außerdem sollten Nutzerinnen und Nutzer eine PIN setzen, etwa zum SIM-Entsperren, und regelmäßig Softwareaktualisierungen installieren.

Weiter geht es dahin, dass auf die jüngste Hardware der Smartphone-Hersteller gesetzt werden sollte – bei denen sollten zudem die Hersteller bevorzugt werden, die sich bekanntermaßen um Sicherheit kümmern und lange Sicherheitsupdate-Zeiträume versprechen. Die CISA lehnt zudem die Nutzung von „persönlicher VPN-Software“ ab, da diese Restrisiken vom Internetprovider zum VPN-Anbieter verschieben und oftmals die Angriffsfläche vergrößern. Das bezieht sich aber eher auf VPN-Anbieter, die oftmals zur Umgehung von GeoIP-Einschränkungen genutzt werden, und nicht um professionelle Organisation-VPNs. Für das iPhone empfiehlt die CISA speziell den Lock-Down-Mode – der begrenzt bestimmte Apps, Webseiten und Funktionen und reduziert die Angriffsoberfläche, aber damit auch die Nutzbarkeit.

Fußangel: „Alles was geht“ hilft nicht immer

Die Franzosen gehen weiter in die Vollen. „Deaktivere WLAN, wenn es nicht genutzt wird“, dasselbe schreiben sie für Bluetooth und NFC in ihren Empfehlungen. Den mit Android 16 eingeführten „Advanced Protection Mode“ [3] sollten Nutzerinnen und Nutzer aktivieren, der ähnlich dem iOS-Lock-Down-Mode wirkt. Es finden sich auch Wiedergänger wie „schließe dein Mobiltelefon nicht an unbekannte USB-Ports und -Geräte an“. Auch sollten die zugewiesenen Berechtigungen aller Apps geprüft und angepasst werden.

Die Tipps sind natürlich nicht grundsätzlich falsch. Aber die CISA schränkt schon mal ein, dass sich der Maßnahmenkatalog eher an „stark anvisierte Individuen“ richtet. Eine Beleuchtung, was für Einschränkungen die jeweilige Maßnahme mit sich bringt gegenüber dem zu erwartenden Nutzen, würde helfen, dass sich Interessierte leichter ein Bild machen und den potenziellen Nutzen informiert abwägen können. Sollte jemand etwa die vorgeschlagenen Maßnahmen alle so umsetzen, hält der überspitzt formuliert eher ein Retro-Handy als ein Smartphone in Händen, mit dem sich (mit Glück) noch telefonieren lässt. Etwa der Lock-Down-Mode von iOS [4] wehrt viele der bekannten Spyware-Kampagnen ab, unterbindet dabei jedoch auch Dinge und Aktionen, die viele im Alltag nutzen.

Am Ende richten sich die Hinweise eher an hochrangige Personen, die davon ausgehen müssen, im Visier von Cyberkriminellen oder anderen staatlichen Akteuren zu stehen. Für die breite Masse an Nutzerinnen und Nutzern gehen viele der Konfigurationstipps jedoch deutlich zu weit und machen die Smartphones für sie nahezu unbenutzbar. Als Übersicht, was an Schutzmaßnahmen machbar ist, sind die Übersichten ebenfalls ein guter Anfang – denen jedoch noch Erläuterungen über die weiteren Auswirkungen fehlen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11116432

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.cert.ssi.gouv.fr/uploads/CERTFR-2025-CTI-013.pdf
[2] https://www.cisa.gov/sites/default/files/2025-12/guidance-mobile-communications-best-practices_508c.pdf
[3] https://www.heise.de/news/Android-16-Beta-gewaehrt-Blick-auf-Googles-erweitertes-Sicherheitsprogramm-10436392.html
[4] https://www.heise.de/news/Lockdown-Mode-Apple-macht-fuer-Spionagegefaehrdete-die-Schotten-dicht-7164653.html
[5] https://pro.heise.de/security/?LPID=45883_HS1L0001_33064_999_0&wt_mc=intern.fd.secuirtypro.Aktionsende25.disp.disp.disp
[6] mailto:dmk@heise.de

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Sicherheitslücken: HPE-ProLiant-Server mit Intel QuickAssist sind verwundbar

Von Heise — 16. Dezember 2025 um 10:59
Ein symbolischer Updateknopf auf einer Tastatur.

(Bild: Tatiana Popova/Shutterstock.com)

Sicherheitspatches schließen mehrere Lücken in HPE ProLiant. Server sind aber nur unter bestimmten Bedinungen angreifbar.

Wenn auf bestimmten HPE-ProLiant-Servern Intel QuickAssist läuft, können Angreifer mehrere Sicherheitslücken ansetzen. Im schlimmsten Fall verschaffen sich Angreifer höhere Nutzerrechte. Bislang gibt es keine Berichte zu Attacken. Das heißt aber nicht, dass Admins den Patchvorgang auf die lange Bank schieben sollten.

Verschiedene Gefahren

In einer Warnmeldung führen die Entwickler aus [1], dass konkret HPE ProLiant DL/ML/XD Alletra und Synergy Server, die Intel QuickAssistnutzen,n verwundbar sind. In der Windows-Treibersoftware finden sich insgesamt zehn Schwachstellen.

Am gefährlichsten gelten zwei Lücken (CVE-2025-33000 „hoch“, CVE-2025-27713 „hoch“), über die sich Angreifer höhere Nutzerrechte aneignen können. Eine solche Position dient in der Regel als Sprungbrett für weitere Attacken. Um Angriffe einleiten zu können, müssen Angreifer aber bereits authentifiziert sein.

Der Großteil der restlichen Schwachstellen ist mit dem Bedrohungsgrad „mittel“ eingestuft. An diesen Stellen können unter anderem Informationen leaken. Intel gibt an, die Lücken in der Version 2.6.0 geschlossen zu haben.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11116372

Links in diesem Artikel:
[1] https://support.hpe.com/hpesc/public/docDisplay?docId=hpesb3p04984en_us&docLocale=en_US
[2] https://pro.heise.de/security/?LPID=45883_HS1L0001_33064_999_0&wt_mc=intern.fd.secuirtypro.Aktionsende25.disp.disp.disp
[3] mailto:des@heise.de

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Störungsmeldung vom 16.12.2025 09:11

Von heise online — 16. Dezember 2025 um 09:11

Neue Störungsmeldung für Provider O2

Details

Beginn
16.12.2025 09:11
Region
Brandenburg an der Havel (03381)
Provider
O2
Zugangsart
VDSL

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Codex Mortis: Komplett mit KI produziertes Steam-Spiel löst Kritik aus

Von Peter Steinlechner — 16. Dezember 2025 um 16:22
Das komplett mit KI produzierte Codex Mortis sorgt für Diskussionen über die Zukunft der Spieleentwicklung .
Szene aus dem Trailer von Codex Mortis (Bild: Grolaf)
Szene aus dem Trailer von Codex Mortis Bild: Grolaf

Mit Codex Mortis ist auf Steam ein Spiel erschienen, das weniger durch sein Gameplay als durch seine Entstehungsgeschichte Aufmerksamkeit erregt. Der Titel orientiert sich am Erfolgsprinzip von Vampire Survivors, wird vom Entwickler aber als etwas grundsätzlich Neues positioniert.

Seinen Angaben zufolge ist Codex Mortis ( spielbare Demo auf Steam ) vollständig mit generativer KI entstanden – ohne klassische Entwicklungsarbeit durch Menschen an Code, Grafiken, Animationen oder Musik.

Verantwortlich ist ein Einzelentwickler, der unter dem Pseudonym Grolaf auftritt. In einem Beitrag auf Reddit berichtet er, dass das Projekt in seiner Freizeit innerhalb weniger Monate entstanden sei.

Ziel sei es gewesen, auszuloten, wie weit man mit sogenanntem Vibe-Coding komme. Dabei werden Funktionen und Änderungen nicht in klassischem Programmierstil geschrieben, sondern in natürlicher Sprache beschrieben, die ein KI-Modell anschließend in lauffähigen Code übersetzt.

Für Codex Mortis kam laut dem Entwickler Claude Code zum Einsatz, ergänzt durch weitere KI-Werkzeuge für Grafiken, Effekte, Musik und Sounddesign.

Statt einer etablierten Engine nutzt Codex Mortis einen Web-Technologie-Stack aus Typescript, Pixi.js und einem Entity-Component-System, verpackt als Desktop-Anwendung über Electron.

Automatisch generierte Shader

Animationen wurden nicht klassisch erstellt, sondern über automatisch generierte Shader-Effekte realisiert. Der Entwickler betont, dass kein Asset manuell nachbearbeitet worden sei. Auch Debugging und Balancing seien größtenteils über KI-Prompts erfolgt.

Bei vielen Spielern stößt Codex Mortis auf Ablehnung. In den Steam-Diskussionen überwiegt scharfe Kritik, die sich sowohl gegen die Qualität des Spiels als auch gegen das dahinterstehende Konzept richtet.

Häufig ist von austauschbaren Grafiken, wenig präzisem Spielgefühl und fehlender gestalterischer Handschrift die Rede.

Hinzu kommt der Vorwurf, Codex Mortis sei weniger kreatives Experiment als vielmehr eine provokante Demonstration, die gezielt auf Aufmerksamkeit und Polarisierung setze. Ein Trailer, der Kritiker von KI-Inhalten karikierend darstellt, verstärkt diesen Eindruck.

Parallel entfacht der Titel eine grundsätzliche Debatte über Urheberrecht und Plattformverantwortung. In den Community-Foren wird diskutiert, ob ein vollständig KI-generiertes Spiel überhaupt urheberrechtlich schützbar ist und welche Rolle Plattformen wie Steam künftig bei der Kennzeichnung oder Kuratierung solcher Inhalte einnehmen sollten.

Valve erlaubt KI-generierte Inhalte, verlangt aber Transparenz darüber, wie sie entstanden sind – eine Vorgabe, der Codex Mortis formal entspricht.

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RC4 in Active Directory: Microsoft ersetzt seit Jahren obsolete Verschlüsselung

Von Oliver Nickel — 16. Dezember 2025 um 15:40
Schon 1994 ist RC4 an die Öffentlichkeit gelangt und wird seitdem für Angriffe auf Active-Directory-Netzwerke genutzt. Das soll sich ändern.
Microsoft macht Active Directory endlich sicherer. (Bild: Pixabay.com)
Microsoft macht Active Directory endlich sicherer. Bild: Pixabay.com / Pixabay-Inhaltslizenz

Seit vielen Jahren verwendet Microsoft das veraltete und unsichere RC4, auch Arcfour genannt, für die Authentifizierung bei Active Directory. Nun hat das Unternehmen einen finalen Plan vorgestellt, nach dem der Algorithmus abgeschaltet wird.

Das berichtet Microsoft in einem Blogpost . "Ab Mitte 2026 werden wir Domain-Controller-Standardeinstellungen für das Kerberos Key Distribution Center KDC aktualisieren" , schreibt das Unternehmen. RC4 wird dann nicht mehr als Rückfallebene nutzbar sein.

Diese Änderung wird für Windows Server 2008 und neuer durchgeführt. Später soll zudem nur noch AES-SHA1-Verschlüsselung erlaubt sein. Bis dahin können Admins für jeden Account manuell einstellen, ob weiterhin RC4 genutzt werden darf oder nicht. Mitte 2026 wird also auch der Zeitpunkt sein, wenn auf RC4 aufbauende Legacy-Algorithmen nicht mehr mit Active Directory funktionieren werden.

Schon 1994 geleakt

Innerhalb von Windows Server 2019, 2022 und 2025 wurden Security-Event-Logs angepasst, so dass sie die Nutzung von RC4-Authentifizierung anzeigen und Admins so ihren Ursprung ausmachen können. Microsoft hat auf Github auch zwei Powershell-Scripts veröffentlicht , mit denen entsprechende Kontoschlüssel und Apps aufgelistet werden können.

Das in den achtziger Jahren entwickelte RC4 wurde bereits im Jahr 1994 durch einen Leak öffentlich gemacht. Ein erster erfolgreicher Angriff wurde 2001 durchgeführt. Es folgten diverse weitere Hacks, weshalb der Verschlüsselungsalgorithmus als sehr unsicher gilt.

Bei Microsoft wird RC4 weiterhin als Rückfallebene im Kerberos-Prokoll genutzt, das bei Active Directory standardmäßig zum Einsatz kommt. Ab Mitte 2026 wird das wohl nicht mehr der Fall sein.

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Anzeige: Smartes Heizkörperthermostat mit Matter für nur 33 Euro

Von Antje Lüth — 16. Dezember 2025 um 15:28
Amazon hat ein Heizkörperthermostat im Angebot, das mit Alexa, Siri und Google Assistent kompatibel ist und beim Energiesparen hilft.
Smartes Heizkörperthermostat TP-Link Kasa KE100 mit Hub (Bild: amazon.de/tp-link)
Smartes Heizkörperthermostat TP-Link Kasa KE100 mit Hub Bild: amazon.de/tp-link

Mit einem smarten Heizkörperthermostat kann man die Zimmertemperatur aus der Ferne mit dem Smartphone regeln und auf diese Weise die Energiekosten senken, die sonst durch unnötigen Dauerbetrieb entstehen. Den Bestseller von TP-Link, der einfach zu installieren und dank Matter mit einer Vielzahl von Smart-Home-Plattformen kompatibel ist, gibt es bei Amazon im Set mit einem passenden Hub für kurze Zeit zum Sparpreis.

Smartes Heizkörperthermostat mit breiter Kompatibilität

Das smarte Heizkörperthermostat TP-Link Kasa KE100 wird mit zwei AA-Batterien betrieben und lässt sich dank der mitgelieferten Adapter auf nahezu allen gängigen Heizkörperventile anstelle des bisher genutzten Thermostats montieren. Manuelle Einstellungen und eine Temperaturanzeige funktionieren direkt nach der Installation. Seinen vollen Funktionsumfang erreicht das Heizkörperthermostat, sobald es ins WLAN eingebunden und mit Matter-fähigen Plattformen gekoppelt ist.

Bequeme Temperaturanpassungen per App- und Sprachsteuerung

Über die kostenlose Kasa-App kann man das Heizkörperthermostat von TP-Link mit dem Smartphone steuern, um per Fingertipp die Temperatur anzupassen – unabhängig davon, wo man sich gerade befindet. Der dafür benötigte Hub ist im Lieferumfang enthalten. Auch Timer und Zeitpläne lassen sich einstellen, damit die Heizung zur richtigen Zeit die richtige Temperatur erreicht. Zusätzlich kann man die Geofencing-Funktion aktivieren, mit der automatisch eine zuvor festgelegte Temperatur eingestellt wird, wenn man sich auf dem Nachhauseweg befindet oder das Haus verlässt. Ein Frostschutz stellt sicher, dass der Wert im grünen Bereich bleibt.

Ist das Heizkörperthermostat in Smart-Home-Plattformen wie Alexa, Apple Homekit, Google Home oder Samsung Smartthings gekoppelt, lässt es sich auch bequem über entsprechende Geräte und per Sprachbefehl bedienen.

Weitere Funktionen mit optionalen Sensoren

In Kombination mit separat erhältlichen Sensoren bietet das Heizkörperthermostat weitere Funktionen. So kann es mithilfe von Fenster- oder Türsensoren sinkende Temperaturen beim Lüften erkennen und die Heizleistung automatisch anpassen oder zusammen mit Temperatursensoren die Temperatur in verschiedenen Bereichen des Raumes mit einbeziehen.

Das smarte Heizkörperthermostat von TP-Link bei Amazon

Amazon bietet das smarte Heizkörperthermostat TP-Link KE100 mit Hub zurzeit 34 Prozent günstiger für nur 33 statt 49,99 Euro an. Aber Achtung: Das Angebot ist sowohl zeitlich als auch in der Stückzahl begrenzt und kann schon bald vergriffen sein. Wer seine Heizung zum kleinen Preis auf intelligente Steuerung umstellen möchte, sollte also schnell zugreifen, um den Deal nicht zu verpassen.

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Als Ergänzung für weitere Räume stehen unter demselben Link auch Heizkörperthermostate ohne Hub zur Auswahl.

Neben dem TP-Link KE100 hat Amazon auch das smarte Heizkörperthermostat FRITZ!DECT 302 im Angebot, das speziell auf Nutzer der Fritz!Box zugeschnitten ist und sowohl per Smartphone und Tablet als auch per PC, Laptop und Fritz!Fon gesteuert werden kann. Auf dieses Modell gibt es aktuell 33 Prozent Rabat, womit sich der Preis von 69 auf 46,55 Euro reduziert.

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heise+ | Zugtickets: Richtig buchen, ordentlich sparen

Von Heise — 16. Dezember 2025 um 10:30

Fernfahrten mit der Bahn sind teuer. Wer nicht zu Randzeiten fährt, muss blechen. Wir zeigen, wie man dennoch richtig spart.

Weihnachten steht vor der Tür und zwei Wochen vorher fällt auf, dass die Bahntickets für den Heimatbesuch noch nicht gebucht sind. Einem schnellen Blick auf den DB Navigator folgt oft Ärger über die hohen Kosten für Tickets, Unverständnis für die diffuse Preisgestaltung und eine mulmige Vorahnung dessen, was einen im ICE kurz vor Weihnachten ohne Sitzplatzreservierung erwartet.

Immerhin: Ende September ging eine kleine Sensation durch die Nachrichten. Mit der Ankündigung ihres neuen Jahresfahrplans 2025/26 [1] [1] verzichtete die Deutsche Bahn (DB) erstmalig seit sechs Jahren auf Preiserhöhungen im Fernverkehr. Auch wenn die Preise stabil bleiben: Fahrkarten für Fernzüge der DB sind verhältnismäßig teuer. Wer nicht Monate im Voraus bucht, unter der Woche oder zu unsäglichen Uhrzeiten fährt, zahlt für eine einfache Fahrt selten weniger als 50 Euro.

Auf den folgenden Seiten geben wir Einblicke in den Preisdschungel der Deutschen Bahn und zeigen, welche der vielen im Internet umherschwirrenden Spartipps sich wirklich lohnen und welche aufs Abstellgleis gehören.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11077207

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.bahn.de/info/neue-angebote
[2] https://www.heise.de/ratgeber/Zugtickets-Richtig-buchen-ordentlich-sparen-11077207.html
[3] https://www.heise.de/ratgeber/Digitale-Stellwerke-Neue-Technik-nicht-im-Zeitplan-11077223.html
[4] https://www.heise.de/ratgeber/Bahn-Chaos-im-Griff-Strategien-bei-Zugausfall-und-Verspaetung-10991199.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Bahn-Chaos-und-Verspaetungen-Warum-die-Sanierung-der-Gleise-allein-nicht-hilft-11084565.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Falsche-Weichenstellung-Warum-Geld-allein-die-Bahn-nicht-rettet-10764950.html
[7] https://www.heise.de/hintergrund/Unpuenktliche-Zuege-Wie-die-Bahn-Kapazitaet-und-Zuverlaessigkeit-steigern-will-10623246.html
[8] https://www.heise.de/hintergrund/KI-fuer-die-Schiene-Wie-die-Bahn-90-000-Minuten-puenklicher-werden-will-9310963.html
[9] https://www.heise.de/hintergrund/LTE-Ausbau-Wie-die-GSM-R-Haertung-das-Surfen-im-Zug-verbessert-7242700.html

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Raspberry Pi 5 mit 1 GB RAM: Performance zum Einstiegspreis – jeder Dollar zählt

Von Carsten Wartmann — 16. Dezember 2025 um 11:59
Aufmacher mit CAD und Raspi 5

(Bild: Raspberry Pi Foundation / Bearbeitet caw)

Das neue Modell bietet die gewohnte Rechenleistung, ist aber dank weniger RAM günstiger für viele Anwendungen.

Anfang Dezember 2025 kündigte die Raspberry Pi Foundation eine Neuigkeit an, die viele in der Maker-Community überraschte: Der Raspberry Pi 5 ist ab sofort auch mit 1 GByte RAM erhältlich. Mit einem anvisierten Preis von 45 US-Dollar (etwa 47 Euro aktuell bei deutschen Händlern) positioniert sich die neue Variante als günstigster Einstieg in die leistungsstarke Pi-5-Generation – allerdings in Zeiten, in denen RAM-Preise durch die Decke [1] gehen und selbst die Foundation nicht um Preiserhöhungen herumkommt.

Die ganze Performance, nur weniger RAM

Die 1-GByte-Variante ist kein abgespecktes Budget-Board, sondern bietet exakt dieselbe Hardware-Basis wie ihre größeren Geschwister: Broadcom BCM2712 mit vier 64-Bit Arm Cortex-A76-Kernen bei 2,4 GHz, VideoCore VII GPU, PCIe 2.0, USB 3.0, die neuen vierspurigen MIPI-Interfaces – alles identisch.

Der einzige Unterschied: Statt 2, 4, 8 oder 16 GByte kommt LPDDR4X-4267 mit 1 GByte zum Einsatz. Raspberry-Pi-CEO Eben Upton erklärt, dass die 1-GByte-Version den überarbeiteten BCM2712 D0-Prozessor-Stepping nutzt – denselben wie das 2-GByte-Modell. Diese Konfiguration bietet laut Upton sogar eine leicht verbesserte Performance bei der Verwendung von Single-Rank-1-GByte-LPDDR4X-Chips.

(Bild: Raspberry Pi Foundation)

Bei den von der Foundation gelisteten Händlern [2] kostet der Pi5 mit 1 GByte RAM knapp 47 Euro ohne Versand.

Für wen reicht 1 GB RAM im Jahr 2025?

Die Frage, die sich viele Maker nun stellen: Ist 1 GByte RAM heute überhaupt noch sinnvoll? Die Antwort hängt stark vom Einsatzzweck ab.

Ideal geeignet ist die 1-GByte-Variante für:

  • Headless-Projekte: Server, IoT-Gateways, Hausautomation ohne grafische Oberfläche
  • Industrielle Steuerungen: Embedded Systems mit minimalem Speicherbedarf
  • Netzwerk-Appliances: Pi-hole, VPN-Server, einfache Firewall-Lösungen
  • Retro-Gaming: Emulation älterer Konsolen (NES, SNES, Mega Drive, PS1)
  • GPU-intensive Projekte: Grafik-Demos, LED-Matrix-Steuerung, generative Kunst (die VideoCore VII GPU macht hier den Unterschied)
  • Bildungsprojekte: Programmieren lernen mit Python, Scratch, einfache Elektronik

Weniger geeignet für:

  • Desktop-Nutzung: Web-Browsing mit mehreren Tabs, Office-Anwendungen
  • Lokale KI/ML: Large Language Models oder Edge-KI-Anwendungen
  • Mediencenter mit vielen Add-ons: Kodi mit umfangreichen Plug-ins
  • Compiler-intensive Entwicklung: Größere Softwareprojekte

Wenn Raspberry Pis „headless“ laufen, reichen 1 GByte für die meisten Hobby-Projekte völlig aus. Man muss etwas mehr Hirnschmalz in die Konfiguration und Sparmaßnahmen stecken. Wahrscheinlich sind wir durch diese ganzen GBytes einfach verwöhnt und auch leicht faul geworden.

Die RAM-Preiskrise

Die Einführung der 1-GByte-Variante erfolgt in einem schwierigen Marktumfeld. Eben Upton spricht [4] von der „größten Preisanpassung in der Geschichte des Raspberry Pi“. Der Grund: Die Preise für LPDDR4 und LPDDR4X-Speicher sind dramatisch gestiegen.

Die Ursache liegt in der enormen Nachfrage nach Speicher für KI-Infrastruktur. Große Rechenzentren und KI-Anbieter kaufen riesige Mengen an Speicherchips, wodurch die Hersteller ihre Produktionskapazitäten auf die profitabelsten Segmente konzentrieren. Produkte mit niedrigen Margen – wie Single-Board-Computer – leiden unter der Verknappung.

Die Auswirkungen sind drastisch und auch der Raspi 4 bleibt nicht verschont:

(Bild: Raspberry Pi Foundation)

Die gute Nachricht: Modelle mit niedrigeren Speicherkonfigurationen älterer Generationen – Pi 4 mit wenig RAM, Pi 3+, Pi Zero – bleiben preislich stabil. Diese Staffelung ermöglicht es Makern, genau das Budget-Performance-Verhältnis zu wählen, das zum Projekt passt.

Verfügbarkeit und Ausblick

Der Raspberry Pi 5 mit 1 GByte ist seit Anfang Dezember 2025 über die offiziellen Vertriebspartner weltweit verfügbar. Die Produktion läuft im Werk in Wales, und der Hersteller betont, dass die Verfügbarkeit deutlich besser ist als bei früheren Launches.

Für Maker in der DACH-Region sind die üblichen Händler wie Reichelt, Conrad, BerryBase oder Pi-Shop [5] die Anlaufstellen. Die tatsächlichen Verkaufspreise und Verfügbarkeiten können je nach Händler und lokalen Steuern variieren.

Performance im Budget

Der Raspberry Pi 5 mit 1 GByte RAM ist kein Allround-Board für jeden Einsatzzweck, aber genau das will er auch nicht sein. Er ist die Antwort auf eine spezifische Nachfrage: Maker, die die deutlich verbesserte Performance des Pi 5 – schnellere CPU, bessere GPU, PCIe, USB 3.0-Bandbreite – in Projekten nutzen wollen, bei denen RAM kein limitierender Faktor ist.

In Zeiten steigender Speicherpreise bietet die 1-GByte-Variante einen Einstieg in die Pi-5-Generation, der etwa 10 US-Dollar unter dem 2-GByte-Modell liegt. Für IoT-Gateways, Headless-Server, Industriesteuerungen oder Bildungsprojekte ist das ein relevanter Preisunterschied, besonders wenn man mehrere Boards benötigt.

Die Botschaft der Raspberry Pi Foundation ist klar: Trotz schwieriger Marktbedingungen hält man am Ziel fest, erschwingliche, leistungsfähige Hardware mit breitem Einsatzspektrum anzubieten. Die gestaffelte RAM-Auswahl von 1 GByte bis 16 GByte ermöglicht es jedem – vom Schüler bis zum Start-up – das optimale Board für sein Budget und seine Anforderungen zu finden.

Wer die Performance des Pi 5 benötigt, aber mit 1 GByte auskommt, bekommt mit der neuen Variante ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis. Und wenn die RAM-Preise einmal wieder sinken, wird die Foundation – wie versprochen – die Preise anpassen. Bis dahin bietet die 1-GByte-Version einen wertvollen Kompromiss zwischen Leistung und Kosten.


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https://www.heise.de/-11116470

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/hintergrund/Teure-Speichermodule-Gruende-fuer-die-extremen-RAM-Preise-11109897.html
[2] https://www.raspberrypi.com/products/raspberry-pi-5/
[3] https://www.heise.de/make
[4] https://www.raspberrypi.com/news/1gb-raspberry-pi-5-now-available-at-45-and-memory-driven-price-rises/
[5] https://www.raspberrypi.com/products/raspberry-pi-5/
[6] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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Apple TV-App für Android bekommt Cast-Unterstützung

Von Heise — 16. Dezember 2025 um 10:51
Apple TV App auf Pixel-Smartphone mit Google-Cast-Symbol

Apple-TV-App für Android unterstützt jetzt Google Cast.

(Bild: Andreas Floemer / heise medien)

Apple liefert die Cast-Unterstützung für seine TV-App auf Android-Geräten nach. Eine Funktion, die Netflix erst kürzlich gestrichen hatte.

Mit einem frischen Update der Apple-TV-App für Android-Smartphones [1] und -Tablets führt Apple Unterstützung für Google Cast ein. Damit liefert der Hersteller eine Funktion nach, die der Anwendung seit der Einführung im Februar dieses Jahres fehlte.

Nach dem Einspielen des Updates der Apple-TV-App auf Version 2.2.0, die im Google Play Store [2] bereitsteht, wird Nutzerinnen und Nutzern das bekannte Cast-Symbol oben rechts neben dem Profil-Avatar eingeblendet. Das Symbol erscheint ebenso im Vollbild-Player direkt neben dem Stummschalt-Button. Drückt man auf das Cast-Symbol, können Nutzer Inhalte auf unterstützte Geräte wie Fernseher mit Cast-Unterstützung übertragen.

Screenshots der Apple TV App mit Cast-Funktion
Screenshots der Apple TV App mit Cast-Funktion

Apple TV App für Android.

(Bild: Andreas Floemer / heise medien)

Während der Übertragung steht ein Miniplayer mit Wiedergabeinformationen und Zeitleiste in der Apple-TV-App zur Verfügung. Ferner steht Nutzern auf ihren Mobilgeräten eine 10-Sekunden-Rückspulfunktion und eine Wiedergabe-/Pause-Taste zur Verfügung. Zudem können Nutzer sowohl die Ausgabesprache als auch den Untertitel auswählen.

Netflix hat Cast-Unterstützung gestrichen

Das Timing der Integration der Cast-Funktion in die Apple-TV-App ist interessant. Denn der Mitbewerber Netflix hatte die Funktion erst Anfang Dezember offiziell aus seiner App entfernt [3]. Weder Fernseher noch Cast-Geräte wie Googles Chromecast mit Google TV und Google TV Streamer können über die Netflix-App vom Smartphone oder Tablet angespielt werden. Nur alte Chromecast-Dongles werden noch unterstützt. Laut einem Netflix-Mitarbeiter soll durch die gestrichene Cast-Funktion „das Kundenerlebnis verbessert werden“, berichtete ein Reddit-Leser.

Die Apple-TV-App ist nicht die einzige Anwendung, die der Konzern für Googles Android-Plattform anbietet: Zu diesen zählen Apple Music, Apple Music Classical, die App „Move to iOS“ für den Umzug von Daten auf ein iPhone als auch die App „Tracker Detect“ zum Erkennen von AirTags. Auch eine App der Apple-Tochter Beats ist im Play Store gelistet. Mit dieser können Kopfhörer des Herstellers verwaltet und aktualisiert werden.


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https://www.heise.de/-11116337

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Apple-TV-jetzt-auch-als-App-fuer-Android-Smartphones-verfuegbar-10279557.html
[2] https://play.google.com/store/apps/details?id=com.apple.atve.androidtv.appletv&hl=de
[3] https://www.heise.de/news/Netflix-streicht-Casting-Support-fuer-Smart-TVs-und-Streaming-Geraete-11098557.html
[4] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[5] mailto:afl@heise.de

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Updaten: Warnung vor Angriffen auf Apple-Lücken und Gladinet

Von Heise — 16. Dezember 2025 um 08:43
Cyber,Hacker,Attack,Background,,Skull,Vector

(Bild: Titima Ongkantong/Shutterstock.com)

Die CISA warnt vor laufenden Angriffen auf Schwachstellen in Apples iOS und macOS sowie auf Gladinet CentreStack und Triofox.

Schwachstellen in Apples Webkit sowie Gladinet CentreStack und Triofox werden derzeit aktiv im Internet angegriffen. Aktualisierungen zum Schließen der Sicherheitslecks stehen bereit. Admins sollten sie zügig anwenden.

Davor warnt die US-amerikanische IT-Sicherheitsbehörde CISA [1] aktuell. Zum Wochenende hatte Apple Updates auf die Betriebssystemversion 26.2 [2] von iOS, iPadOS, macOS, watchOS, tvOS, visionOS und HomePods freigegeben, ein sehr ungewöhnlicher Wochentag dafür. Später stellte sich heraus, dass die Aktualisierungen Sicherheitslücken schließen – die bereits im Internet attackiert wurden. Jetzt warnt auch die oberste IT-Sicherheitsbehörde der USA vor diesen beobachteten Angriffen und empfiehlt, die bereitstehenden Aktualisierungen umgehend zu installieren. Der Schwachstelleneintrag mit der Nummer CVE-2025-43529 ist vorbereitet, jedoch bislang nicht öffentlich; der konkrete Schweregrad lässt sich dadurch nicht einschätzen. Apple nennt zudem [3] den Missbrauch der Schwachstelle CVE-2025-14174 in Webkit – dabei handelt es sich um die Schwachstelle, die Google in Chrome mit einem Notfallupdate in der Nacht zum vergangenen Donnerstag [4] bedacht hat, da sie bereits angegriffen wurde.

Auch für den Webbrowser Safari gibt es entsprechende Aktualisierungen, die Nutzerinnen und Nutzer installieren sollten. Die CISA führt wie üblich nicht aus, wie die Angriffe aussehen und in welchem Umfang sie stattfinden. Da auch Apple sich dazu bedeckt hält, gibt es keine Hinweise, wie Interessierte prüfen können, ob sie Opfer solcher Angriffe geworden sind. Es fehlen dazu die Hinweise auf Kompromittierung (Indicators of Compromise, IOCs).

Weiter attackierte Sicherheitslücken

In Gladinet CentreStack und Triofox, die Fernzugriff auf lokale Dateien in Unternehmen ohne VPN oder Cloud-Synchronisationen ermöglichen sollen, haben IT-Sicherheitsforscher fest einprogrammierte Werte für die genutzte AES-Verschlüsselung entdeckt (CVE-2025-14611 [5], CVSS4 7.1, Risiko „hoch“). Das können Angreifer ohne vorherige Authentifizierung an öffentlich zugreifbaren Endpunkten zum Einbinden beliebiger lokaler Dateien missbrauchen, was in Verkettung mit weiteren Schwachstellen schließlich zur vollständigen Kompromittierung führen kann. Die Version 16.12.10420.56791 oder neuer schließt die Sicherheitslücke.

Auch hier fehlen weitergehende Details, wie die Angriffe auf die Schwachstelle konkret aussehen und wie IT-Verantwortliche (erfolgreiche) Attacken erkennen können. Bereits Mitte November hatte die CISA vor Cyberattacken auf eine Gladinet-Schwachstelle gewarnt [6].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11116020

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.cisa.gov/news-events/alerts/2025/12/15/cisa-adds-two-known-exploited-vulnerabilities-catalog
[2] https://www.heise.de/news/iOS-26-2-Co-zum-Download-bereit-Updates-fuer-alle-Apple-Betriebssysteme-11107348.html
[3] https://support.apple.com/de-de/125884
[4] https://www.heise.de/news/Chrome-Update-stopft-attackierte-Sicherheitsluecke-11111189.html
[5] https://www.cve.org/CVERecord?id=CVE-2025-14611
[6] https://www.heise.de/news/Angriffe-auf-Watchguard-Firebox-und-Gladinet-Triofox-beobachtet-11076496.html
[7] https://pro.heise.de/security/?LPID=45883_HS1L0001_33064_999_0&wt_mc=intern.fd.secuirtypro.Aktionsende25.disp.disp.disp
[8] mailto:dmk@heise.de

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heise+ | Geekige Last-Minute-Geschenke für Apple-Nutzer

Von Heise — 16. Dezember 2025 um 08:00
, Madlen Grunert / KI / heise medien

(Bild: Madlen Grunert / KI / heise medien)

Weihnachten naht – und der Apple-Nerd in Ihrem Leben benötigt noch ein Geschenk? Die Mac & i-Redaktion hat Tipps für Sie.

Es weihnachtet sehr – und der Geek in Ihnen, Ihrer Familie oder Ihrem Freundeskreis will beschenkt werden. Im Folgenden finden Sie über ein Dutzend Ideen dafür, die die Mac & i-Redaktion ausgewählt hat.

Apple-Uhr nachtanken

Hängt Scosches Ladepuck [1] [1] für die Apple Watch nicht eh am Schlüsselbund oder einer Rucksackinnentasche, entdeckt man ihn dank der auffälligen Farbe (Türkis, Rot – oder doch Schwarz?) selbst in einer vollen Kabeltasche schnell.

Mit den von uns gemessenen 3,9 Watt Spitzenleistung unterstützt der WatchIT Keychain das Schnellladen der Uhr. Manch älteres Kabel bietet das nicht.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11098553

Links in diesem Artikel:
[1] https://heise-mac-and-i.digidip.net/visit?url=https://www.apple.com/de/shop/product/HS532ZM/A/scosche-watchit-keychain-magnetisches-schnellladegerät-für-apple-watch-blaugrün
[2] https://www.heise.de/tests/36-Geschenketipps-der-c-t-Redaktion-zu-Weihnachten-2025-10777464.html
[3] https://www.heise.de/ratgeber/36-handverlesene-Geschenketipps-zu-Weihnachten-2024-10175324.html
[4] https://www.heise.de/ratgeber/36-Geschenktipps-der-c-t-Redaktion-zu-Weihnachten-9530608.html
[5] https://www.heise.de/ratgeber/14-Geschenkideen-fuer-den-Maker-Vom-3D-Drucker-bis-zum-Tischmultimeter-7348672.html
[6] https://www.heise.de/ratgeber/Videospiele-als-Geschenk-Diese-Games-bereiten-zu-Weihnachten-Freude-6294394.html
[7] https://www.heise.de/ratgeber/36-Geschenketipps-aus-der-c-t-Redaktion-6278432.html
[8] https://www.heise.de/tests/30-Geschenkideen-fuers-Weihnachtsfest-4962924.html

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Von Nobel bis Fifa: Das Geschäft mit den Friedenspreisen

Von Christoph Jehle — 16. Dezember 2025 um 14:00

Christoph Jehle

Friedensnobelpreis an einer Gebäudefassade

Die Auswahl für den Friedensnobelpreis ist schon seit geraumer Zeit umstritten

(Bild: Ryan Rodrick Beiler/Shutterstock.com)

Friedenspreise gibt es viele. Der Friedensnobelpreis ist mit über einer Million Euro der höchstdotierte. Doch wie unabhängig sind die Entscheidungen wirklich?

Der Friedensnobelpreis [1] wurde 1901 zum ersten Mal verliehen und wird am Todestag Alfred Nobels, dem 10. Dezember, in Oslo verliehen. Die Auszeichnung ist seit 2023 mit etwa 1.010.000 Euro dotiert. Im Gegensatz zu den anderen Nobelpreisen wird er nicht in Schweden, sondern in Norwegen verliehen, Zuständig für den Friedensnobelpreis ist ein vom norwegischen Parlament bestimmtes fünfköpfiges Komitee.

Dabei stellt sich immer wieder die Frage: Wie friedlich ist der Friedensnobelpreis? Beim Friedensnobelpreis werden üblicherweise die Friedensvorstellungen des Globalen Nordens in den Mittelpunkt gerückt, wobei die Entscheidungsfindung weder dokumentiert noch veröffentlicht wird.

19-mal wurde auf die Vergabe eines Friedensnobelpreises verzichtet und nach der Vergabe des Preises im Jahre 1973 an Henry Kissinger und Lê Đức Thọ [2], hat nur Kissinger den Preis angenommen, der maßgeblichen Anteil an der Ausweitung des Krieges auf Vietnams Nachbarländer Kambodscha und Laos hatte. Lê Đức Thọ verweigerte die Annahme, da damals noch kein Frieden in Vietnam herrschte.

Auf Vorschlag von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sollte Donald Trump zu Beginn seiner zweiten Amtszeit einen Friedensnobelpreis erhalten, was ebenso wenig von Erfolg gekrönt war wie der zehn Jahre zuvor erfolgte Vorschlag, dass die Fifa sich für den Friedensnobelpreis qualifiziert habe, weil Fußball die Menschen verbinden würde.

Aktuell hat die Fifa [3] konsequenterweise ihren eigenen Friedenspreis [4] ausgelobt und an Donald Trump verliehen.

Friedenspreise als Kontrapunkt zum Friedensnobelpreis

Die Auswahl der Friedensnobelpreisträger stieß nicht immer auf große Zustimmung. Besonders Umstritten waren zuletzt Barack Obama und die Europäische Union, aber auch der Friedensnobelpreis für 2025 an Maria Corina Machado [5] stieß im Zusammenhang mit den militärischen Manövern der USA gegen Venezuela auf kritische Bemerkungen.

Vor dem Hintergrund, dass bei der Verleihung des Friedensnobelpreises immer wieder auch westliche geopolitische Interessen durchschienen, kam es immer wieder zu alternativen Friedenspreisen. Darunter waren der Konfuzius-Friedenspreis [6], eine nach dem chinesischen Philosophen Kong Fu Zi benannte Auszeichnung, die von 2010 bis 2017 jährlich Anfang Dezember in China vergeben wurde. Die Einführung dieses Preises war offensichtlich eine Replik auf die Vergabe des Friedensnobelpreises an den chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo [7] im Jahr 2010.

Der von Carl Wolmar Jakob von Uexküll im Jahre 1980 gestiftete Right Livelihood Award [8] war eine unmittelbare Folge der Ablehnung weiterer Preise im Zusammenhang mit der Stiftung von Alfred Nobel. Uexküll ging es um neue Preise, die speziell ausgerichtet sein sollen auf die Bedürfnisse der Mehrheit der Menschheit in der Dritten Welt. Der Begriff "alternativer Nobelpreis" wird üblicherweise nur in Anführungszeichen genutzt.

Deutsche Friedenspreise mit internationaler Bedeutung

Es gibt in Deutschland zahlreiche Friedenspreise, wobei der seit 1950 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels verliehen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels [9] die stärkste Außenwirkung entfaltet haben dürfte. So wurde der algerische Schriftsteller Boualem Sansal [10] inzwischen aus der Haft entlassen und durfte nach Deutschland ausreisen.

In diesem Jahr wurde der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an den deutschen Historiker Karl Schlögel [11] verliehen. Er wurde für seine Expertise in Osteuropa und seine Warnungen vor Putins Expansionspolitik geehrt. Die Verleihung fand am 19. Oktober 2025, in der Frankfurter Paulskirche statt.

Der Göttinger Friedenspreis [12] will seit 1999 ein Zeichen für den Frieden setzen und würdigt Menschen und Initiativen, die sich weltweit für eine friedlichere Welt einsetzen. Die Stiftung wurde von dem Wissenschaftsjournalisten Dr. Roland Röhl testamentarisch initiiert. Er wurde 2024 am 9. März an Angela Kane [13] verliehen [14], die sich als deutsche Diplomatin bei den Vereinten Nationen für Friedenssicherung engagierte. Sie wirkte sie an der Deeskalation von Krisen und an der Beendigung von Gewaltkonflikten in Afrika und Lateinamerika mit.

Am 15. März 2025 wurde der Göttinger Friedenspreis an Professor Frank von Hippel verliehen [15], der sich seit Jahrzehnten in einer führenden Rolle in vielfältigen praktischen Bemühungen um nukleare Rüstungskontrolle und Abrüstung engagiert.

In Erinnerung an den Westfälischen Frieden, der 1648 in den Rathäusern von Münster und Osnabrück geschlossen wurde, verleiht die Wirtschaftliche Gesellschaft [16] in Herzebrock [17] alle zwei Jahre den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens und will damit besonderes Engagement für nachhaltigen Frieden und internationale Verständigung auszeichnen.

Eher regional von Bedeutung ist der Friedenspreis in Erinnerung an Ulli Thiel, der die Menschenkette gegen die Pershing-Atomraketen in Deutschland mit initiiert hat. Die Menschenkette reichte 1983 von Neu-Ulm bis nach Stuttgart. Von ihm stammt auch der Slogan "Frieden schaffen ohne Waffen".

Eher seltsam erscheint heute der oft als "Gaddafi Friedenspreis" bezeichnete "Internationale Gaddafi-Preis für Menschenrechte [18]", der von Muammar al-Gaddafi als eine Art "Gegen-Nobelpreis für die Dritte Welt" gestiftet wurde und von 1989 bis 2010 jährlich vergeben wurde, unter anderem an Fidel Castro und Kinder des Irak, um Personen und Gruppen zu ehren, die sich angeblich für Menschenrechte einsetzen, aber oft im Widerspruch zu westlichen Werten standen.

Mit dem bis heute nicht wirklich geklärten Tod von Gaddafi endete die Geschichte des Internationale Gaddafi-Preis für Menschenrechte und Gaddafi taucht heute nur noch gelegentlich im Zusammenhang mit Zuwendungen an den früheren französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy [19] in der Presse auf.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11116350

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.telepolis.de/thema/Friedensnobelpreis
[2] https://www.britannica.com/biography/Le-Duc-Tho
[3] https://www.telepolis.de/thema/FIFA
[4] https://www.zeit.de/news/2025-12/05/us-praesident-trump-bekommt-fifa-friedenspreis
[5] https://www.heise.de/tp/article/Friedensnobelpreis-Sieg-fuer-Machado-Fragezeichen-fuer-den-Frieden-10750639.html
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Konfuzius-Friedenspreis
[7] https://www.deutschlandfunk.de/zum-tod-von-liu-xiaobo-kritiker-von-machtmissbrauch-und-100.html
[8] https://rightlivelihood.org/
[9] https://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/der-friedenspreis
[10] https://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/boualem-sansal-begnadigt
[11] https://www.hanser-literaturverlage.de/beitrag/karl-schloegel-erhaelt-den-friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-b-735
[12] https://www.goettinger-friedenspreis.de/
[13] https://www.united-europe.eu/de/mentoren/dr-angela-kane/
[14] https://www.brot-fuer-die-welt.de/blog/ein-friedenspreis-fuer-angela-kane-und-die-uno/
[15] https://www.goettinger-friedenspreis.de/friedenspreis/professor-frank-von-hippel/
[16] https://www.wirtschaftliche-gesellschaft.de/internationaler-preis-des-westfaelischen-friedens/hintergrund
[17] https://www.herzebrock-clarholz.de/
[18] https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Gaddafi-Preis_f%C3%BCr_Menschenrechte
[19] https://www.elysee.fr/de/nicolas-sarkozy

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Rundfunkbeitrag: Was Sie zahlen müssen und wann Sie befreit sind

Von Thomas Pany — 16. Dezember 2025 um 13:15

Thomas Pany

18,36 Euro monatlich – für jeden Haushalt Pflicht. Doch es gibt Ausnahmen. Alle Fakten zu Zahlung, Befreiung und Folgen.

Der Rundfunkbeitrag ist für Millionen Haushalte in Deutschland eine monatliche Verpflichtung. Aktuell werden 18,36 Euro fällig – unabhängig davon, ob Fernseher, Radio oder Mediathek genutzt werden.

Der jüngste Entwurf des Zwischenberichts der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) geht laut Presseberichten von einer Erhöhung des Rundfunkbeitrags auf 18,64 Euro im Jahr 2027 aus.

Das ist allerdings bislang noch keine verbindliche Empfehlung. Sie sorgt dennoch aber bereits für Wirbel, da ein von den Sendern ARD und ZDF angestrengtes Verfahren beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe zur vorgängigen offiziellen KEF-Empfehlung zur Erhöhung auf 18,94 Euro ab 2025 anhängig ist.

Dadurch kommt es derzeit zu Unsicherheiten über die genaue Höhe des Rundfunkbeitrags, den die Zahlungspflichtigen zu erwarten haben. Zunächst bleibt es für die Haushalte bei 18,36 Euro.

Grundsätzlich gilt: Die Finanzierung von ARD, ZDF und Deutschlandradio ist rechtlich verankert, aber auch umstritten. Dieser Artikel erklärt, wer zahlen muss, wer befreit werden kann und was bei Nichtzahlung droht.

Die Grundregel: Jeder Haushalt zahlt

Seit 2013 gilt in Deutschland die Haushaltsabgabe. Jeder Haushalt ist zur Zahlung verpflichtet – unabhängig davon, wie viele Personen dort leben oder ob Rundfunkgeräte vorhanden sind.

Die Abgabe wird vom ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice eingezogen [1], der die frühere Gebühreneinzugszentrale (GEZ) ersetzt hat.

Die rechtliche Grundlage bildet der Rundfunkbeitragsstaatsvertrag, den alle 16 Bundesländer beschlossen haben. Der Beitrag dient der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der laut Bundesverfassungsgericht eine Grundversorgung mit Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung sicherstellen soll.

Auch Ferienwohnungen, Zweitwohnungen und Betriebsstätten sind beitragspflichtig. Für Unternehmen gelten gesonderte Regelungen [2] mit Staffelung nach Anzahl der Betriebsstätten und Mitarbeitern.

Wer von der Zahlung befreit werden kann

Nicht jeder muss den vollen Beitrag zahlen. Befreiungen gibt es für Menschen, die bestimmte Sozialleistungen beziehen oder aufgrund einer Behinderung nicht in der Lage sind, Rundfunkangebote zu nutzen.

Befreit werden können Empfänger von Grundsicherung, Bürgergeld, Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem SGB XII, BAföG, Pflegegeld, Pflegehilfe sowie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Auch Bewohner von Pflegeheimen können sich unter bestimmten Voraussetzungen befreien lassen [3].

Menschen mit einem Behinderungsgrad von mindestens 80 Prozent und dem Kennzeichen "RF" im Schwerbehindertenausweis zahlen einen ermäßigten Beitrag von einem Drittel – also 6,12 Euro monatlich. Blinde und gehörlose Menschen können sich vollständig befreien lassen, ebenso Empfänger von Blindenhilfe.

Zudem gibt es eine Härtefallregelung. Wer knapp über den Einkommensgrenzen für Sozialleistungen liegt, kann unter Umständen ebenfalls eine Befreiung beantragen. Insgesamt sind rund 2,8 Millionen Haushalte in Deutschland von der Zahlung befreit [4].

Die Befreiung muss beantragt werden. Sie gilt für die Dauer des Leistungsbezugs und muss bei Änderungen neu beantragt werden. Der Antrag kann online über die Website des Beitragsservice gestellt werden.

So wird gezahlt – und das ändert sich

Der Rundfunkbeitrag wird in der Regel vierteljährlich fällig, also alle drei Monate 55,08 Euro. Gezahlt werden kann per Lastschrift, Überweisung oder Dauerauftrag. Wer per Lastschrift zahlt, muss sich um nichts kümmern – der Betrag wird automatisch abgebucht.

Für alle anderen galt bisher: Der Beitragsservice verschickte vierteljährlich eine Zahlungsaufforderung per Post. Diese regelmäßigen Erinnerungen entfallen künftig.

Stattdessen versendet der Beitragsservice nur noch einmal pro Jahr eine Einmalzahlungsaufforderung. Darin sind alle Zahlungstermine und Überweisungsdaten für das gesamte Kalenderjahr aufgeführt [5].

Wer einen Termin verpasst, zahlt drauf. Bei nicht beglichenen Rückständen wird ein Festsetzungsbescheid verschickt.

Damit wird ein Säumniszuschlag von einem Prozent der ausstehenden Summe fällig, mindestens jedoch acht Euro. Auf diesen Säumniszuschlag können bei weiterer Verspätung erneut Zuschläge erhoben [6] werden.

Die Beitragszahler müssen die Fristen selbst im Blick behalten – etwa durch Eintragungen im Kalender oder einen Dauerauftrag. Laut Beitragsservice soll die Umstellung Porto- und Versandkosten sparen und zu mehr Wirtschaftlichkeit beitragen. Für die Zahler bedeutet sie jedoch mehr Eigenverantwortung.

Was bei Nichtzahlung passiert

Wer den Rundfunkbeitrag nicht zahlt, muss mit Konsequenzen rechnen. Nach ausbleibender Zahlung folgt zunächst eine Mahnung. Bleibt auch diese unbeantwortet, wird ein Festsetzungsbescheid verschickt. Dieser ist mit zusätzlichen Kosten verbunden – der Säumniszuschlag beträgt mindestens acht Euro [7].

Wird auch der Festsetzungsbescheid ignoriert, kann ein Vollstreckungsverfahren eingeleitet werden. Das bedeutet: Kontopfändung, Lohnpfändung oder im Extremfall sogar Erzwingungshaft. Letzteres ist zwar selten, aber rechtlich möglich.

Es ist daher wichtig, die Zahlungstermine einzuhalten. Wer in finanzielle Schwierigkeiten gerät, sollte sich frühzeitig mit dem Beitragsservice in Verbindung setzen. In vielen Fällen lassen sich Ratenzahlungen vereinbaren. Auch eine nachträgliche Befreiung ist möglich, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

Wie hoch der Beitrag künftig sein wird

Die Höhe des Rundfunkbeitrags wird alle zwei Jahre von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) überprüft. Diese unabhängige Kommission ermittelt, wie viel Geld die öffentlich-rechtlichen Sender benötigen, um ihren Auftrag zu erfüllen.

Die KEF empfahl für 2025 eine Erhöhung um 58 Cent auf 18,94 Euro monatlich. Doch die Ministerpräsidenten der Länder konnten sich nicht einigen. Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt blockieren die Erhöhung. Ohne Zustimmung aller 16 Bundesländer fehlt die rechtliche Grundlage.

ARD und ZDF haben deshalb Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Eine Entscheidung wird erwartet. Bis dahin bleibt der Beitrag bei 18,36 Euro.

Für die Zeit ab 2027 hatten die Länder ein neues Verfahren zur Festsetzung des Beitrags anvisiert: das sogenannte Widerspruchsmodell.

Es sieht vor, dass kleinere Beitragserhöhungen automatisch in Kraft treten – es sei denn, eine bestimmte Zahl von Ländern widerspricht. Die Staffelung [8]: Bei Erhöhungen bis zwei Prozent müssten drei Länder widersprechen, bei zwei bis 3,5 Prozent zwei Länder, bei 3,5 bis fünf Prozent ein Land. Liegt die Erhöhung über fünf Prozent, bliebe es beim alten Verfahren – Zustimmung aller Länder erforderlich.

Ob und wann dieses Modell kommt, ist jedoch offen. Der Staatsvertrag über eine Neuregelung der Finanzierung braucht die Unterschrift aller Länder – und die steht noch aus. Stand der Dinge ist, dass abgewartet wird, bis das Verfassungsgericht über die Klage von ARD und ZDF zur rechtsverbindlichen KEF-Empfehlung zur Erhöhung auf 18, 94 entschieden hat.

Angesichts des erwähnten KEF-Zwischenberichts für eine neue Erhöhungssumme herrscht hier einige Unsicherheit.

Wofür das Geld verwendet wird

Der Rundfunkbeitrag finanziert die Programme von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Dazu gehören Fernseh- und Radiosender, Mediatheken, Audiotheken und Online-Angebote. Auch die Gehälter der Mitarbeiter, Produktionskosten, Technik und Infrastruktur werden aus dem Beitrag bezahlt.

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind verpflichtet, ein vielfältiges Programm anzubieten. Laut Medienstaatsvertrag sollen sie wahrheitsgemäß, objektiv, unparteilich, umfassend und vielfältig berichten. Sie sollen alle gesellschaftlich relevanten Kräfte und Themen angemessen zur Geltung bringen.

Kritiker bemängeln jedoch hohe Gehälter in den Führungsetagen und ineffiziente Strukturen. WDR-Intendant Tom Buhrow verdiente 2024 rund 428.000 Euro. Auch andere Intendanten und Direktoren liegen deutlich über 300.000 Euro [9] jährlich.

Beim ZDF sorgen Pensionsverpflichtungen für Kritik. Für die sechsköpfige Geschäftsleitung hat der Sender Pensionsansprüche im Barwert von 17,2 Millionen Euro eingeplant [10].

Zudem gibt es Diskussionen über die Zahl der Programme. Die neun ARD-Landesanstalten unterhalten eigene Direktionen und Hierarchien. Parallel dazu gibt es 21 TV-Sender, 74 Radioprogramme und Hunderte digitale Angebote. Kritiker fordern eine Verschlankung der Strukturen [11].

Reformen und Spartenkanäle

Die Bundesländer haben einen Reformstaatsvertrag beschlossen. Der 7. Medienänderungsstaatsvertrag sieht vor, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio künftig weniger Spartenkanäle und Radioprogramme anbieten.

Stattdessen sollen digitale Angebote wie Mediatheken und Audiotheken gestärkt [12] werden.

Bis 2033 sollen mehrere Spartenkanäle eingestellt werden. Genannt werden Phoenix, tagesschau24, ARD-alpha und ZDFinfo. Zwei davon könnten bereits Ende 2026 verschwinden. Welche, bleibt den Sendern überlassen [13].

Ein neuer Medienrat soll künftig die Erfüllung des Programmauftrags überwachen. Erstmals gibt es auch eine Deckelung des Budgets für Sportrechte. Kritiker bemängeln jedoch, dass die teuren föderalen Verwaltungsstrukturen unangetastet bleiben.

Können Gerichte die Qualität prüfen?

Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass Gerichte prüfen können, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinen Programmauftrag erfüllt. Bisher war dies ausschließlich Sache der eigenen Gremien.

Die Richter stellten klar: Die Zahlungspflicht ist nur gerechtfertigt, wenn der Rundfunk ein objektiv vorteilhaftes Angebot bereitstellt. Verfehlt er seinen Auftrag – Vielfalt, Ausgewogenheit, Staatsferne – grob und dauerhaft, könnte der Beitrag verfassungswidrig sein.

Die Hürden für Klagen liegen jedoch hoch. Geprüft wird das Gesamtangebot aller öffentlich-rechtlichen Sender über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren. Einzelne Sendungen oder regionale Angebote reichen nicht aus.

Zudem müssen Kläger zunächst selbst umfangreich darlegen [14], dass strukturelle Defizite vorliegen.

Das Urteil eröffnet zwar einen Weg zur gerichtlichen Kontrolle, praktische Klagen dürften jedoch schwierig bleiben.

Pflicht mit Ausnahmen

Der Rundfunkbeitrag ist für die meisten Menschen in Deutschland eine Pflicht. Legale Befreiungsmöglichkeiten bestehen nur für wenige, finanziell schlechter gestellte Bürger sowie Menschen mit Behinderung. Wer zahlen muss, sollte die Termine im Blick behalten – sonst drohen Säumniszuschläge und Vollstreckung.

Die Höhe des Beitrags wird regelmäßig überprüft. Wie es künftig weitergeht, ist offen. Klar ist: Der Rundfunkbeitrag bleibt umstritten – zwischen dem Anspruch auf unabhängige Information und der Frage, ob die Sender ihren Auftrag erfüllen.


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[1] https://www.telepolis.de/article/Rundfunkbeitrag-Zahlen-oder-Aerger-riskieren-Das-sind-die-Regeln-10178366.html
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[7] https://www.telepolis.de/article/Rundfunkbeitrag-Zahlen-oder-Aerger-riskieren-Das-sind-die-Regeln-10178366.html
[8] https://www.telepolis.de/article/Rundfunkbeitrag-Neues-Widerspruchsmodell-10175090.html
[9] https://www.telepolis.de/article/Oeffentlich-rechtlicher-Rundfunk-Vertrauen-kostet-und-muss-verdient-werden-10789408.html
[10] https://www.telepolis.de/article/ZDF-Spitze-Traumrenten-aus-dem-Rundfunkbeitrag-10217799.html
[11] https://www.telepolis.de/article/Rundfunkbeitrag-Radikale-5-Euro-Vision-schockiert-Sender-10550538.html
[12] https://www.telepolis.de/article/Reformstaatsvertrag-Oeffentlich-rechtlicher-Rundfunk-bleibt-teuer-strukturiert-11086287.html
[13] https://www.telepolis.de/article/Spartenkanaele-beim-oeffentlich-rechtlichen-Rundfunk-Alles-dichtmachen-10313294.html
[14] https://www.telepolis.de/article/Rundfunkbeitrag-Wenn-Gerichte-die-Qualitaet-des-OeRR-pruefen-muessen-10717251.html

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Von Tesla zu SpaceX: Wie sich Elon Musk Vermögen auf 638 Milliarden entwickelte

Von Bernd Müller — 16. Dezember 2025 um 12:30

Bernd Müller

Elon Musk jubelt - wohl auch, weil sein Vermögen immer größer wird.

(Bild: Frederic Legrand - COMEO / Shutterstock.com)

SpaceX katapultiert Musks Vermögen auf Rekordniveau. Ein geplanter Börsengang 2026 könnte ihn zum ersten Billionär machen.

Seit Jahren beherrschen Tech-Unternehmer [1] die Schlagzeilen, weil ihre Vermögen in exorbitante Höhen gewachsen sind. Elon Musk hat jetzt ein neues Rekordvermögen aufgehäuft: 638 Milliarden US-Dollar.

So viel ist der Tesla- und SpaceX-Chef laut Bloomberg Billionaires Index jetzt wert. Erstmals in der Geschichte überschreitet damit eine Einzelperson die 600-Milliarden-Dollar-Marke.

Was den Vermögenssprung auslöste

Der Treiber hinter diesem historischen Meilenstein ist SpaceX. Bei einer sogenannten Sekundärtransaktion, also etwa einem Aktienverkauf zwischen den Investoren, wurde das Unternehmen mit etwa 800 Milliarden US-Dollar bewertet – und damit ist es das wertvollste private Unternehmen der Welt [2].

Musks Anteil von rund 42 Prozent an SpaceX ist – nach einem Liquiditätsabschlag für nicht börsennotierte Firmen – nun 317 Milliarden US-Dollar wert, heißt es [3] bei Bloomberg.

Zum Vergleich: 2020 knackte Musk erstmals die 100-Milliarden-Grenze, als der Aktienkurs von Tesla an der Börse durch die Decke ging. Als er 2013 in den Bloomberg-Index aufgenommen wurde, lag sein Vermögen bei gerade einmal 4,8 Milliarden US-Dollar.

Wie SpaceX zur Geldmaschine wurde

SpaceX ist längst mehr als ein Raketenhersteller. Das Unternehmen dominiert mit seinen Falcon-9-Raketen jene globale Industrie, die sich darauf spezialisiert hat, Satelliten und andere Gegenstände in die Erdumlaufbahn zu bringen. Zudem betreibt SpaceX mit Starlink den größten Satelliten-Internetdienst der Welt [4].

Die Bewertungssprünge kamen in rascher Folge:

  • Dezember 2024: Sekundärverkauf bei knapp 350 Milliarden Dollar Unternehmenswert
  • Juli 2025: Transaktionen bei etwa 400 Milliarden Dollar (nicht indexrelevant wegen unklarer Volumina)
  • Aktuell: Insider-Aktienverkauf bei rund 800 Milliarden Dollar

Musk kündigte kürzlich auch Pläne an, Rechenzentren für Künstliche Intelligenz [5] in der Erdumlaufbahn zu errichten, was ein weiterer potenzieller Umsatztreiber werden könnte.

Exkurs: Warum private Bewertungen so volatil sind

Anders als börsennotierte Unternehmen werden Firmen wie SpaceX nur bei einzelnen Finanzierungsrunden bewertet. Das führt zu Sprüngen:

  • Intransparenz: Nur wenige Aktien wechseln den Besitzer, der Preis gilt dann für alle
  • Liquiditätsabschlag: Bloomberg wendet etwa einen Abschlag an, weil die Aktien nicht frei handelbar sind
  • Investorenhunger: In Boom-Phasen zahlen Käufer Premiumpreise – die Bewertung steigt sprunghaft

Der Weg zur Billion: Börsengang als Gamechanger

Musks Vermögen könnte noch deutlich weiter steigen. SpaceX plant für 2026 einen Börsengang [6] mit einer Zielbewertung von 1,5 Billionen US-Dollar. Sollte das gelingen, würde sein Anteil allein auf mehr als 625 Milliarden US-Dollar steigen.

Sein Gesamtvermögen läge dann bei etwa 952 Milliarden Dollar – nur noch einen Schritt von der Billionengrenze entfernt, schreibt [7] Bloomberg.

Ein solcher Börsengang würde nahezu den Rekord von Saudi Aramco erreichen. Der saudische Ölriese ging 2019 mit einer Bewertung von 1,7 Billionen Dollar an die Börse – allerdings mit einem Jahresumsatz von 360 Milliarden US-Dollar. SpaceX erwartet für 2025 dagegen laut Bericht nur rund 15 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Was das für Anleger bedeutet

Die extremen Bewertungen [8] wecken bei Experten Erinnerungen an frühere Blasen:

  • Chance: Ein erfolgreicher Börsengang könnte den Raumfahrtsektor neu definieren und frühen Investoren hohe Gewinne bescheren.
  • Risiko: Analysten warnen [9] vor einem "WeWork-Moment" – das Coworking-Unternehmen war 2019 mit 47 Milliarden US-Dollar bewertet, rutschte später aber in die Insolvenz.
  • Marktdruck: Die geplanten Tech-IPOs 2026 könnten Bewertungen von bis zu 2,9 Billionen Dollar auf den Markt bringen

"Wenn die Bewertungen zu absurd werden, könnten wir einen WeWork-Moment erleben", warnt Jay Ritter, emeritierter Professor an der University of Florida, berichtete Telepolis kürzlich.

Tesla als zweiter Hebel

Neben SpaceX hat sich Musk bei Tesla ein weiteres Vermögenspolster gesichert. Der Elektroautobauer [10] hat ihm ein Vergütungspaket geboten, das bis zu einer Billion US-Dollar wert sein könnte.

Dafür müssen allerdings einige Bedingungen erfüllt sein, [11] und die sind sehr ambitioniert:

  • Tesla-Börsenwert von 8,5 Billionen Dollar (aktuell: 1,5 Billionen)
  • 20 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge pro Jahr
  • EBITDA von 400 Milliarden Dollar (2024: unter 13 Milliarden)

Kritiker sehen darin eine zu starke Machtkonzentration [12] bei einem CEO, der parallel mehrere Unternehmen leitet. Befürworter argumentieren, nur solch extreme Anreize könnten Musks volle Aufmerksamkeit sichern.

Die große Frage

Wird Elon Musk der erste Billionär der Geschichte – oder platzt die Blase, bevor er die Grenze erreicht? Der SpaceX-Börsengang 2026 dürfte die Antwort liefern.


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[1] https://www.heise.de/tp/article/Peter-Thiel-warnt-Der-Antichrist-will-Kuenstliche-Intelligenz-regulieren-10672896.html
[2] https://www.heise.de/tp/article/5-Billionen-Dollar-Marktwert-Nvidia-erreicht-was-niemand-zuvor-schaffte-10966138.html
[3] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-12-15/musk-s-fortune-soars-above-600-billion-on-new-spacex-valuation
[4] https://www.heise.de/tp/article/Starlink-Satelliten-stuerzen-taeglich-zur-Erde-ab-Experte-warnt-vor-steigenden-Risiken-10771326.html
[5] https://www.heise.de/tp/article/Wird-Deutschland-zur-Datenkolonie-USA-haben-16-mal-mehr-Rechenpower-als-wir-11075794.html
[6] https://www.heise.de/tp/article/Boersengaenge-2026-Raumfahrt-Rekorde-Risiken-11112026.html
[7] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-12-10/musk-s-fortune-would-more-than-double-on-1-5-trillion-spacex
[8] https://www.heise.de/tp/article/Finanzkasino-Gewinne-fuer-wenige-Krisen-fuer-alle-11104201.html
[9] https://www.telepolis.de/article/Boersengaenge-2026-Raumfahrt-Rekorde-Risiken-11112026.html
[10] https://www.heise.de/tp/article/Elektroauto-Foerderung-Bis-zu-5-000-Euro-fuer-Familien-wer-profitiert-11097018.html
[11] https://www.telepolis.de/article/Elon-Musk-Vom-Milliardaer-zum-ersten-Billionaer-der-Welt-10634653.html
[12] https://www.heise.de/tp/article/Elon-Musk-Der-ewige-Teenager-mit-zu-viel-Macht-11087855.html

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Model-Schau 1: Schlanke KI-Spezialmodelle im Trend

Von Heise — 16. Dezember 2025 um 12:19
Mann und Frau vor Chatbot

(Bild: pncha.me/Shutterstock)

Die neue Kolumne widmet sich den wichtigsten Neuerungen bei offenen und proprietären Large Language Models.

Beim Blick auf Large Language Models vergeht fast keine Woche ohne neue Modelle, die sich in bestimmten Nischen positionieren oder neue Techniken ausprobieren. Das hat uns dazu bewogen, regelmäßig über diese Updates zu berichten. Bei größeren Neuerungen werden wir den geplanten Zweiwochentakt unterbrechen und neue Modelle direkt untersuchen.

Dieses erste Update fällt etwas umfangreicher aus. Aktuelle Modelle finden sich bei Hugging Face [1] oder durch konsequentes Mitlesen im sehr aktiven LocalLLaMa-Subreddit [2]. Gerne nehmen wir auch Vorschläge über Modelle entgegen, die wir uns näher anschauen sollen.

Kleine Spezialmodelle

Der Trend muss nicht zu immer größeren Modellen gehen. Bei Hugging Face finden sich einige Modelle, die sehr beliebt, aber nicht besonders groß sind.

Ganz vorn steht hier VibeThinker von WeiboAI [3]. Das Reasoning-Modell ist vor allem darauf ausgelegt, mathematische Fragen zu beantworten oder Programmcode zu erzeugen. Für diese Aufgaben ist es sehr gut geeignet. Laut den Benchmarks spielt es in der gleichen Liga wie das (ältere) Gemini 2.5 Flash und überholt teilweise sogar DeepSeek R1.

Erstaunlich ist, dass das Modell mit nur 1,5 Milliarden Parametern auskommt. Die anderen genannten Modelle haben 400-mal mehr Gewichte zu verarbeiten und sind dadurch entsprechend langsam. Die Größe spielt besonders bei Coding-Modellen eine entscheidende Rolle: Erstens will man die Modelle möglicherweise auch lokal ausführen, nachdem man sie potenziell feingetunt hat, und zweitens generieren diese Modelle sehr viele Token – je schneller das geht, desto kürzer ist die Wartezeit auf den generierten Code.

Mit vier Milliarden Parametern etwas größer, aber noch spezialisierter ist AesCoder [6], das mithilfe von GRPO (Group Relative Policy Optimization) auf die Erledigung von Web-Designaufgaben spezialisiert ist.

Konkurrenzfähige offene Modelle von Olmo

Auch wenn man häufig von Open-Source-Modellen spricht, sind meist lediglich die Gewichte der Modelle frei verfügbar [7]. Nur wenige Anbieter veröffentlichen die Trainingsdaten und die Algorithmen, mit denen sie die Modelle trainiert haben. Neben Hugging Face mit SmolLM [8] gibt es offene Trainingsdaten für das Modell Apertus aus der Schweiz [9] und vor allem für die Olmo-Modelle vom Allen AI Institute [10]. Letzteres braucht sich aufgrund der Investitionen durch Microsoft-Mitgründer Paul Allen keine großen Gedanken um die Finanzierung zu machen.

Besonders die jüngsten Olmo-3-Modelle integrieren viele innovative Techniken [11] und machen damit einen gewaltigen Sprung nach vorn. Sie stehen in zwei Größen mit 7 und 32 Milliarden Parametern zur Verfügung. Das größere Modell gibt es in einer Reasoning-Variante, das kleinere zusätzlich noch als Instruction-Following-Modell ohne Reasoning. Für diejenigen, die die Modelle feintunen möchten, stellt Olmo anders als die meisten anderen Anbieter die Basismodelle zur Verfügung.

Im Vergleich zu anderen Modellen wie Qwen3 hat Olmo 3 deutlich weniger Token im Training erhalten: 5,9 Billionen aus dem Datensatz Dolma 3 Mix. Das macht sich leider in der Modellperformance bemerkbar, die nach ersten Tests nicht mit den Qwen3-Modellen in der gleichen Größenordnung mithalten kann. Die Strawberry-Challenge mit der Frage nach der Anzahl der „e“ in „Erdbeere“ (oder „r“ in „strawberry“) beantwortet das Modell konsequent falsch. Auch die deutschen Sprachfähigkeiten der kleineren Modelle sind nicht besonders gut ausgeprägt:

Chatverlauf Olmo 3 7B
Chatverlauf Olmo 3 7B

Bei der Antwort von Olmo 3 7B sind nicht nur die Inhalte falsch, auch die sprachliche Ausführung ist mangelhaft (Abb. 1).

(Bild: datanizing [12])

Chatverlauf Olmo 3 32B
Chatverlauf Olmo 3 32B

Das Modell Olmo 3 32B macht zwar ebenfalls Fehler, liegt aber häufiger richtig und formuliert deutlich bessere Sätze (Abb. 2).

(Bild: datanizing [13])

Der Artikel zu Olmo 3 [14] enthält viele Details über die Architektur und das Training des Modells. Das gibt interessante Einblicke in den Trainingsprozess. Insbesondere das Post-Training ist sehr anspruchsvoll, weil Olmo dabei mit unterschiedlichen Datensets arbeitet, um die Qualität zu verbessern. Viele Innovationen gibt es beim Reinforcement Learning des Reasoning-Modells (bei Olmo „Thinking“ genannt).

Einige der GRPO-Optimierungen sind von anderen Modellen bekannt, kommen aber in dieser Kombination erstmals bei Olmo zum Einsatz. Das Modell setzt außerdem die weiterentwickelte Version des Verfahrens Reinforcement Learning with Verifiable Rewards (RLVR) ein, mit dem auch das neue Training von DeepSeek arbeitet. Mit RLVR kann man automatisiert überprüfen, ob Sprachmodelle die richtigen Ergebnisse vorhersagen. Die Besonderheit der weiterentwickelten Version ist, dass man damit Trainingsdaten automatisiert erzeugen kann – in Grenzen und bestimmten fachlichen Domänen.

Neue Innovationen und Modelle von DeepSeek

Viele warten auf DeepSeek R2, das aber einfach nicht erscheint. Stattdessen setzt DeepSeek auf stille Innovationen, die schon vor einer ganzen Weile begonnen haben und nun in die Veröffentlichung mehrerer Modelle eingeflossen sind.

Bereits das im Juli 2025 veröffentlichte DeepSeek-V3.2-Exp [15] setzt auf eine neue interne Architektur und nutzt die DeepSeek Sparse Attention (DSA). DeepSeek hat schon im V3- und R1-Modell mit der Multi-Head Latent Attention (MHLA) den Ressourcenverbrauch des Attention-Mechanismus gewaltig reduziert. DSA geht noch einen Schritt weiter und versucht, nur die wichtigen Token für die Attention-Berechnung zu nutzen. Die Optimierung ist bedeutend, da die Anzahl der Token quadratisch in den Rechenaufwand und den Speicherbedarf eingeht.

Auch andere Anbieter wie Qwen forschen an solchen Maßnahmen und setzen auf Hybrid Attention [16]. Der von DeepSeek frisch vorgestellte Lightning Indexer geht aber deutlich darüber hinaus. Leider konnte DeepSeep-V3.2-Exp seine Stärken noch nicht voll ausspielen, hat aber für die nachfolgenden Modelle entscheidende Infrastrukturbeiträge geliefert. Den Trainingsprozess selbst hat DeepSeek auch verbessert und die unterschiedlichen Post-Trainingsstufen (Reasoning, Agenten und Human Alignment) in einer einzigen Phase durchgeführt. Dadurch soll sich das sogenannte Catastrophic Forgetting deutlich verbessert haben, was bei den mehrstufigen Prozessen ein großes Problem ist: Das Modell „vergisst“ plötzlich zuvor gelernte Inhalte.

Ende November 2025 veröffentlichte DeepSeek mit DeepSeek-Math-V2 [17] ein weiteres neues Modell, das darauf spezialisiert ist, mathematische Probleme zu lösen. Wenig überraschend nutzt DeepSeek dazu das DSA-Verfahren für die Attention, und es sind zusätzliche Verbesserungen im Vergleich zum ursprünglichen DeepSeek-Math von Anfang 2024 enthalten. So hat DeepSeek das Reinforcement Learning optimiert und nutzt neuerdings RLVR. Reinforcement Learning with Verifiable Rewards ist nicht neu, aber bisher hat DeepSeek ausschließlich die Endergebnisse überprüft. Dabei könnte es übersehen, wenn eine falsche Methode zu den richtigen Ergebnissen führt. DeepSeek überprüft neuerdings stattdessen die einzelnen Prozessschritte – wie ein Mathematiklehrer in der Schule. Dazu hat das Unternehmen noch weitere Modelle trainiert, darunter eine zum Beweisen mathematischer Theoreme und ein weiteres, das diese Beweise überprüft (und optimiert).

Unter dem Strich führen dieses Self Refinement und die Self Verification dazu, dass das Post-Training deutlich mehr Zeit benötigt; im Falle von DeepSeek-Math-V2 mehr als zehn Prozent Gesamtperformance. Bisher war der Rechenaufwand für das Post-Training vernachlässigbar, doch hier ist eine deutliche Tendenz zur Verschiebung zu beobachten.

Was bei dem mathematischen Modell gut funktioniert, hat DeepSeek anschließend auch auf das generische Modell übertragen und DeepSeek-V3.2 veröffentlicht [18]. Im Rahmen des Post-Trainings erhält es eine zusätzliche Strafe, wenn die (Reasoning-)Antworten besonders lang sind. Das führt dazu, dass DeepSeek-V3.2 relativ kompakte Antworten gibt und damit als Universal-Modell taugt. Es gibt viele weitere technische Optimierungen, unter anderem für die KL-Vorhersage. Diese misst den Unterschied der Verteilungen in den echten und vorhergesagten Daten. Weitere Optimierungen betreffen den Umgang mit bestimmten Sequenzen, die Gewichte sehr stark verändern (Off-Policy Sequence Masking), ein optimiertes Routing der MoE-Layer (Mixture of Experts), um gleiches Verhalten im Training und bei der Inferenz zu sichern, sowie ein verbessertes top-p Sampling, bei dem alle Token generiert werden, die eine bestimmte Wahrscheinlichkeit (z. B. 90 %) überschreiten. Das top-k Sampling, bei dem immer eine feste Anzahl von Token (z. B. 20) erzeugt wird, kommt effektiv nicht mehr zum Einsatz. Viele dieser Strategien setzt Olmo ebenfalls in seinen Modellen ein.

Zusätzlich hat DeepSeek eine Optimierung auf Agenten vorgenommen und das Modell dafür in 1800 verschiedenen Umgebungen für Aufgaben mit 85.000 komplexen Prompts in unterschiedlichen Bereichen wie Coding und Codeinterpretation, Suche sowie generische Anfragen trainiert. Dabei hat DeepSeek tief in die Trickkiste gegriffen und nutzt beispielsweise Jupyter-Notebooks für die Codeinterpretation. Für das Verarbeiten spezifischer Aufgaben kommt der häufig genutzte Anwendungsfall der Reiseplanung zum Einsatz.

Vergleichsabelle DeepSeek-V3.2
Vergleichsabelle DeepSeek-V3.2

Die Tabelle vergleicht DeepSeek-V3.2 mit anderen offenen und proprietären Modellen.

(Bild: Paper zu DeepSeek-V3.2 auf arXiv [19])

Das Modell lässt sich frei herunterladen und mit genügend Rechenkapazität ausführen. Allerdings ist dafür leistungsfähige Hardware erforderlich: Ein Cluster aus H100- oder H200-GPUs sollte es schon sein.

Zwei Diagramme
Zwei Diagramme

Kosten für Prefill und Inferenz bei DeepSeek-V3.2 im Vergleich zu früheren Modellen (Abb. 3)

(Bild: Paper zu DeepSeek-V3.2 auf arXiv [20])

Spannend sind die Diagramme aus dem technischen Artikel zu DeepSeek-V3.2 in Abbildung 3. Hier kann man gut erkennen, wie DSA wirkt. Besonders bei großen Kontexten ist der im Diagramm in Form der Kosten dargestellte Rechenaufwand wesentlich geringer. Beim Prefill, also beim Parsen der Prompts, ist der Unterschied bereits deutlich, aber noch stärker fällt er bei der Token-Generierung ins Gewicht. Bei 128K-Kontext ist der Aufwand um 90 Prozent geringer. Das ist eine extreme Optimierung, von der sich erst noch zeigen muss, ob sie die Qualität halten kann. Sollte das der Fall sein, werden zukünftig sicher deutlich weniger Rechenkapazitäten für die Inferenz benötigt.

Ein weiteres Modell ist DeepSeek-V3.2-Speciale. Es erhielt im Training keine Strafen für lange Antworten und durfte mehr mathematische Probleme lernen – mit RLVR. Für den Normalgebrauch produziert es zu viele Token, ist aber für schwierige Aufgaben umso besser geeignet.

Folgende Tabelle aus dem Paper zu DeepSeek-V3.2 [21] vergleicht die Performance von DeepSeek-V3.2-Speciale mit anderen (geschlossenen und offenen) Modellen:

Vergleichstabelle DeepSeek-V3.2-Speciale
Vergleichstabelle DeepSeek-V3.2-Speciale

DeepSeek-V3.2-Speciale schlägt sich gut im Vergleich mit anderen Modellen.

(Bild: Paper zu DeepSeek-V3.2 auf arXiv [22])

Die Tabelle zeigt, dass das Speciale-Modell in vielen technischen Benchmarks alle anderen Modelle schlägt, inklusive des neuen Gemini-3.0 Pro. Bei den offenen Modellen ist es sogar in allen Benchmarks führend. Nebenbei zeigt der Blick auf die Tabelle, dass Gemini-3.0 Pro in jeder Dimension besser ist als GPT-5 High. OpenAI hat hier auf jeden Fall Nachholbedarf.

Neue europäische Modelle von Mistral

Nicht alles Spannende kommt aus den USA oder aus China, sondern auch unsere westlichen Nachbarn haben neue Sprachmodelle veröffentlicht. Besonders das große Mistral Large 3 ist bemerkenswert: Es verfügt über 675 Milliarden Parameter und reiht sich damit in die Liste der Anbieter ein, die riesige Modelle mit offenen Gewichten veröffentlichen – ähnlich groß sind nur die DeepSeek- und Kimi-Modelle. Im von Mistral durchgeführten Performancevergleich mit diesen schneidet Mistral Large 3 äußerst positiv ab. Der Vergleich ist auch deswegen interessant, weil Mistral im Wesentlichen die Architektur von DeepSeek verwendet (mit kleinen Justierungen bezüglich der Anzahl und gleichzeitigem Einsatz der Experten). Kimi nutzt auch die DeepSeek-Architektur – im Wesentlichen handelt es sich also um den Vergleich unterschiedlicher Modelle mit identischem technischem Unterbau.

Allerdings ist zu beachten, dass sowohl Moonshot.ai mit Kimi K2 Thinking als auch DeepSeek mit DeepSeek-V3.2 in der Zwischenzeit neuere Modelle veröffentlicht haben, die den vorhandenen weit überlegen sind. Die „nur“ 41 Milliarden aktiven Parameter sorgen vermutlich für eine zügige Inferenz, wobei Mistral Large 3 jedoch viel Speicher benötigt und nicht ohne weiteres auf Consumer-Hardware läuft. Das Modell steht in unterschiedlichen Versionen zur Verfügung. Dazu gehört die Base-Version, die noch kein Instruction-Finetuning erfahren hat und sich mit ausreichend leistungsfähiger Hardware frei anpassen lässt.

Interessant ist außerdem die NVFP4-Version, die je nach Kontextlänge mit 384 GByte RAM auskommt. Mistral Large lässt sich nicht mehr mit dem transformer-Framework von Hugging Face ausführen, sondern läuft nur noch mit vllm. Der Trend ist bei mehreren aktuellen Modellen zu beobachten.

Leider geizt Mistral (wie immer) mit Informationen über das Modell. Aus den Konfigurationsdateien im Repository lässt sich herauslesen, dass das Modell 61 Layer und ganze 128 Attention Heads hat.

Deutlich kleiner sind die Ministral-Modelle, die mit 3,8 und 14 Milliarden Parametern zur Verfügung stehen und die Mistral als Edge-Modelle bezeichnet. Eine Ausführung ist hier explizit auf Endgeräten vorgesehen. Alle Modelle stehen als Instruct- und Reasoning-Modelle zur Verfügung und sind auf viele Sprachen optimiert. Ministral-Modelle verfügen einheitlich über 32 Attention Heads und über 26, 34 oder 40 Layer. Selbst das kleinste Modell spricht deutlich besser Deutsch als die Olmo-3-Modelle. Dass der Heise Verlag sich nach Heisenberg benannt hat, wäre jedoch allenfalls eine originelle Inspiration für eine Werbekampagne. Die größeren Modelle können das besser, sprachlich sind alle sehr gut:

Chatverlauf ministral-3b
Chatverlauf ministral-3b

Ministral-3Bs Erklärung ist teils ungewollt komisch, aber zum Abschluss ehrlich bezüglich seines Knowledge Cutoff (Abb. 4).

(Bild: datanizing [23])

Chatverlauf ministral-8b
Chatverlauf ministral-8b

Ministral-8B fantasiert ein großes Verlagsangebot (Abb. 5).

(Bild: datanizing [24])

Chatverlauf ministral-14b
Chatverlauf ministral-14b

Auch Ministral-14B gibt sich großzügig im Angebot und kennt nur Grenzen bei seinem Zugriff aufs Internet (Abb. 6).

(Bild: datanizing [25])

Dynamische Entwicklung bei den LLMs

Allen Unkenrufe über eine KI-Blase zum Trotz ist die Entwicklung bei den Sprachmodellen aktuell mindestens so dynamisch wie bisher. Forschungen und Optimierungen führen gerade in unterschiedliche Richtungen. Es gibt schlanke Spezialmodelle (z. B. zum Coding), die den Speicherbedarf und die Anforderungen an die Rechenleistung verringern und sich damit ideal für eine lokale Ausführung eignen.

Parallel dazu optimieren große Anbieter wie DeepSeek und Mistral ihre Architekturen in Bezug auf Speicherbedarf und notwendige Rechenkapazität, um auch große Modelle kostenoptimiert betreiben zu können. Dabei spielt besonders der Attention-Mechanismus eine große Rolle, an dem intensiv geforscht und ausprobiert wird. DeepSeek kann ihn mit seinem V3.2-Speciale-Modell nutzen, das über tieferes Training für komplexe Aufgaben optimiert ist, sehr viele Token einigermaßen günstig produzieren kann und sich damit in einigen Benchmarks an die Spitze aller (also auch proprietärer) Modelle setzt.

Der nächste Teil dieser Kolumne ist für Mitte Januar geplant und beschäftigt sich (voraussichtlich) mit GLM-4.6V, dem Coding-Modell Devstral von Mistral, GPT-5.2 und dem neuen Agent-Framework, das die Linux Foundation in Zusammenarbeit mit allen großen Anbietern gerade konzipiert und das langfristig MCP ersetzen soll.

Das ist zumindest die aktuelle Planung, die Realität wird sie sicher einholen. Wir freuen uns auch über Leser-Vorschläge, welche Schwerpunkte wir setzen sollen.


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[6] https://huggingface.co/SamuelBang/AesCoder-4B
[7] https://www.heise.de/hintergrund/Open-Source-KI-Was-es-gibt-und-wie-offen-die-Modelle-wirklich-sind-10903968.html
[8] https://huggingface.co/HuggingFaceTB/SmolLM3-3B-Base
[9] https://www.heise.de/hintergrund/Apertus-ausprobiert-So-schlaegt-sich-das-mehrsprachige-KI-Modell-10644855.html
[10] https://allenai.org/olmo
[11] https://www.datocms-assets.com/64837/1763662397-1763646865-olmo_3_technical_report-1.pdf
[12] https://datanizing.com/llm/olmo-7b.html
[13] https://datanizing.com/llm/olmo-32b.html
[14] https://www.datocms-assets.com/64837/1763662397-1763646865-olmo_3_technical_report-1.pdf
[15] https://huggingface.co/deepseek-ai/DeepSeek-V3.2-Exp
[16] https://arxiv.org/abs/2507.06457
[17] https://huggingface.co/deepseek-ai/DeepSeek-Math-V2
[18] https://arxiv.org/abs/2512.02556
[19] https://arxiv.org/pdf/2512.02556
[20] https://arxiv.org/pdf/2512.02556
[21] https://arxiv.org/pdf/2512.02556
[22] https://arxiv.org/pdf/2512.02556
[23] https://datanizing.com/llm/ministral-3b.html
[24] https://datanizing.com/llm/ministral-8b.html
[25] https://datanizing.com/llm/ministral-14b.html
[26] mailto:rme@ix.de

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