FreshRSS

🔒
✇ heise developer neueste Meldungen ff.org

Sulu 3.0: CMS mit neuem Content-Speicher und klarerer Architektur

Von Heise — 05. Dezember 2025 um 09:42

(Bild: Stokkete/Shutterstock.com)

Das Symfony‑basierte CMS in Version 3.0 bringt ein neues Content‑Storage‑System sowie flexiblere Speicher‑ und Suchoptionen für Entwicklerteams.

Sulu 3.0 ist erschienen. Mit dem Release vollzieht das quelloffene Content-Management-System (CMS) laut Blogbeitrag eine größere technische Umstrukturierung. Statt auf das bislang genutzte PHPCR‑Repository setzt das Projekt künftig vollständig auf Doctrine ORM und JSON‑Felder – eine Entscheidung, die nicht nur die Performance heben, sondern auch die Einstiegshürde für Symfony‑Entwickler senken soll. Nach Angaben des Teams kamen rund 150.000 Zeilen Code neu hinzu, mehr als 265.000 wurden entfernt.

Das Open-Source-CMS Sulu basiert auf dem PHP-Framework Symfony und dient als Headless‑ oder klassisches CMS für komplexe, mehrsprachige Webprojekte. Es richtet sich vor allem an Entwicklerinnen und Entwickler, die flexible Inhaltsmodelle mit vertrauten Symfony‑Werkzeugen umsetzen wollen. Für Symfony sind kürzlich die Versionen 7.4 und 8.0 erschienen [1].

Von PHPCR zu Doctrine ORM

Mit der Abkehr vom speicherintensiven PHPCR führt Sulu ein neues Modell zur Ablage von Inhalten ein: Seiten, Artikel oder Snippets werden jetzt als reguläre Doctrine‑Entitäten mit JSON‑Spalten verwaltet. Damit greifen Developer direkt auf bekannte Tools und SQL‑Abfragen zurück, statt eine eigene Query‑Sprache lernen zu müssen.

Das System nutzt sogenannte Dimensionen, um Sprach‑, Veröffentlichungs‑ und Versionszustände abzubilden. So lassen sich nicht übersetzbare Felder in mehreren Sprachvarianten weiterverwenden – ein Ansatz, der die vorherige, tiefer verschachtelte Struktur ersetzt und sich offenbar leichter debuggen lässt.

Bessere Performance und Vereinfachungen

Nach Angaben des Teams bringt der neue Speicheransatz spürbare Leistungsgewinne. Content‑Strukturen lassen sich nun direkt in der Datenbank nachvollziehen, während Konfigurationsdaten weiterhin als XML im Repository bleiben.

Auch das Update der PHP-Bibliothek Flysystem auf Version 3 soll zur Vereinfachung der Handhabung von Mediendateien beitragen. Diese können künftig über eine einheitliche Schnittstelle auf unterschiedlichen Backends abgelegt werden, beispielsweise auf Amazon S3, Microsoft Azure, WebDAV oder Dropbox.

Entfall der Elasticsearch‑Pflicht für Artikel

Neben der Speicherarchitektur wurde das Artikel‑Bundle neu geschrieben. Es lässt sich nun ohne die Suchmaschine und das Analytic-Tool Elasticsearch betreiben, wodurch kleineren Projekten die Installation eines separaten Suchdienstes erspart bleiben soll. Für große Installationen bleibt die Option durch ein ergänzendes Bundle erhalten, das Elasticsearch wieder einbindet.

Ebenfalls neu ist SEAL, der Search Engine Abstraction Layer [2]. Er bündelt Anbindungen an Suchsysteme wie Loupe, Meilisearch, Solr oder Elasticsearch hinter einer gemeinsamen API. Standardmäßig kommt Loupe zum Einsatz – eine SQLite‑basierte, PHP‑interne Lösung, die für mittlere Datenmengen ausreichend schnell arbeitet.

Migration und Unterstützung

Sulu liefert ein eigenes Tool, um vorhandene PHPCR‑Daten zu konvertieren. Das Migration‑Bundle [3] überführt Seiten, Artikel, Snippets und URLs in die neue Speicherstruktur und protokolliert detailliert, wo gegebenenfalls Nacharbeit nötig ist.

Wer die Umstellung nicht allein durchführen möchte, kann laut Entwicklerteam auf Community‑Hilfe via Slack und GitHub oder auf professionelle Unterstützung zurückgreifen. Weitere Informationen zur Hilfe sowie zum Release finden sich im Blogbeitrag [4].

Weiterer Fahrplan

Mit Version 3.0 endet die Pflege für Sulu 1.6, während Sulu 2.6 als LTS-Version (Long-term Support) erhalten bleibt. Die neue Architektur soll künftige Funktionen erleichtern und das CMS langfristig wartbarer machen. Näheres zum Release und zum CMS auch auf GitHub [5].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11103711

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Symfony-7-4-und-8-0-Doppel-Release-raeumt-Codebasis-auf-11093761.html
[2] https://github.com/PHP-CMSIG/search
[3] https://github.com/sulu/SuluPHPCRMigrationBundle
[4] https://sulu.io/blog/sulu-3-0-released
[5] https://github.com/sulu/sulu
[6] mailto:mdo@ix.de

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise Security

Berlin: Polizei darf Wohnungen zur Staatstrojaner-Installation heimlich betreten

Von Heise — 04. Dezember 2025 um 17:41
Gesichtserkennungs-KI im Einsatz

(Bild: Trismegist san/Shutterstock.com)

Um Daten aus IT-Systemen zu erheben, können Ermittler in Berlin künftig Räume Verdächtiger verdeckt durchsuchen. Das sieht eine Novelle des Polizeigesetzes vor.

Mit der Mehrheit der Koalition aus CDU und SPD sowie den Stimmen der oppositionellen AfD hat das Berliner Abgeordnetenhaus am Donnerstag eine weitgehende Novelle des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (ASOG) beschlossen. Die Reform stattet die Polizei mit Befugnissen aus, die tief in die Grundrechte eingreifen und bisherige rote Linien der Hauptstadt-Sicherheitspolitik überschreiten. Während Innensenatorin Iris Spranger (SPD) das Gesetz als notwendiges Update für das digitale Zeitalter und den Kampf gegen Terrorismus verteidigt, sehen Kritiker darin einen unverhältnismäßigen Angriff auf die Privatsphäre.

Gesetz sieht massive Verschärfungen vor

Ein Stein des Anstoßes ist die Kombination aus digitaler Überwachung und physischem Einbruch: Um verschlüsselte Kommunikation zu überwachen, dürfen die Ermittler künftig laut dem Senatsentwurf [1] und den Änderungen der Abgeordneten [2] nicht nur IT-Systeme hacken, sondern auch verdeckt die Wohnungen von Verdächtigen betreten. Die brisante Neuerung verbirgt sich in den Paragrafen 26a und 26b. Diese regeln die sogenannte Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ) und die heimliche Online-Durchsuchung. Um Kommunikation noch vor der Ver- oder nach der Entschlüsselung auf Geräten wie Smartphones oder Laptops abzugreifen, darf die Polizei Schadsoftware wie Staatstrojaner einsetzen.

Doch das neue Polizeigesetz geht einen Schritt weiter: Sollte eine Ferninstallation der Spionagesoftware technisch nicht möglich sein, erlaubt Paragraf 26 den Ermittlern explizit das "verdeckte Betreten und Durchsuchen von Räumlichkeiten", um Zugriff auf die IT-Systeme zu erlangen. Faktisch legalisiert Berlin damit – wie zuvor Mecklenburg-Vorpommern [3] – den staatlichen Einbruch in Privatwohnungen, um Trojaner physisch etwa via USB-Stick aufzuspielen. IT-Sicherheitsexperten warnen nicht nur vor dem Offenhalten von Schwachstellen [4]. Sie sehen in der Verknüpfung von Wohnraumverletzung und digitaler Ausforschung auch einen Verfassungsbruch.

Bodycams, Handy-Fahndung und Kennzeichen-Scanning

Flankiert wird dieser Eingriff in die Unverletzlichkeit der Wohnung durch den Paragrafen 24c, der den Einsatz von Bodycams neu regelt. War deren Nutzung bisher auf den öffentlichen Raum fokussiert, dürfen Polizeikräfte die Kameras nun auch in privaten Wohnungen und anderen nicht öffentlich zugänglichen Räumen aktivieren, sofern tatsächliche Anhaltspunkte für eine Gefahr für Leib oder Leben bestehen. Zwar betont der Gesetzgeber den Aspekt der Eigensicherung. Doch Gegner befürchten, dass dies in der Praxis zu einer audiovisuellen Überwachung im intimsten Rückzugsort der Bürger führt.

Auch im öffentlichen Raum rüstet Berlin technisch auf. Mit Paragraf 26e wird die Funkzellenabfrage ausgeweitet. Die Polizei kann künftig von Netzbetreibern Verkehrsdaten aller Mobiltelefone anfordern, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer definierten Funkzelle befunden haben. Dies ermöglicht die Erstellung von Bewegungsbildern Tausender unbescholtener Bürger per Rasterfahndung, die etwa zufällig an einem Demonstrationsort waren.

Parallel schafft Paragraf 24d die rechtliche Basis für den Einsatz automatischer Kennzeichenlesesysteme. Diese Scanner erfassen Nummernschilder im fließenden Verkehr und gleichen sie mit Fahndungsdatenbanken ab. Paragraf 24h erlaubt zudem den Einsatz technischer Mittel gegen unbemannte Systeme wie Drohnen, inklusive der Übernahme der Steuerung.

Gesichtserkennung und KI-Training

Ein weiterer Aspekt, der in der Fachwelt für Tadel sorgt, ist die Einführung des Paragrafen 28a. Dieser erlaubt der Polizei den biometrischen Abgleich von Gesichtern und Stimmen mit öffentlich zugänglichen Daten aus dem Internet. Damit kann die Polizei etwa mit Material aus der Videoüberwachung automatisierte Suchen in sozialen Netzwerken oder auf Fotoplattformen beispielsweise mit automatisierter Gesichtserkennung durchführen, um Personen zu identifizieren.

Ergänzend ermöglicht der neue Paragraf 42d die Weiterverarbeitung von personenbezogenen Daten zum "Training und zur Testung von Systemen der Künstlichen Intelligenz". Damit schaffen die Volksvertreter eine Rechtsgrundlage, um echte Polizeidaten – etwa Bilder, Videos oder Textnachrichten aus Ermittlungsverfahren – für das Anlernen von KI-Algorithmen zu nutzen. Datenschützer kritisieren dies scharf, da KI-Modelle oft Rückschlüsse auf die Trainingsdaten zulassen und die Zweckbindung der ursprünglich erhobenen Daten hier weit gedehnt wird.

Auch die Optionen zum Freiheitsentzug wachsen. Mit dem überarbeiteten Paragrafen 33 wird die Höchstdauer des sogenannten Präventivgewahrsams von 48 Stunden auf bis zu fünf Tage verlängert. Im Falle drohender terroristischer Straftaten sind sogar bis zu sieben Tage drin. Politisch wurde diese Verschärfung insbesondere im Kontext der Aktionen der "Letzten Generation" diskutiert.

Proteste von vielen Seiten

Die Opposition reagierte mit scharfer Ablehnung. Sie wirft Schwarz-Rot vor, Grundrechte leichtfertig zu opfern. Niklas Schrader (Die Linke) sprach in der Debatte von einem "schwarzen Tag für die Bürgerrechte". Vasili Franco (Grüne) hält die Novelle für verfassungsrechtlich hochriskant. Das Bündnis NoASOG [5] wertet die Reform als Angriff auf die Zivilgesellschaft. Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) hat angekündigt, eine Verfassungsbeschwerde zu prüfen.

Mit dem Beschluss reiht sich Berlin in die Liste der Bundesländer ein, die ihre Polizeigesetze massiv verschärft haben. Die Kombination der neuen Instrumente macht das Berliner Paket aber besonders weitreichend. Die Hürden für den staatlichen Zugriff auf die digitale und physische Privatsphäre hat der Gesetzgeber damit deutlich gesenkt. Die Berliner Datenschutzbeauftragte Meike Kamp bezeichnete im Vorfeld die Legalisierung des Staatstrojaners als Frontalangriff auf die IT-Sicherheit aller Bürger und sah in der Summe der Maßnahmen eine verfassungsrechtlich höchst bedenkliche Überwachungsdichte erreicht.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11103253

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/vorgang/d19-2553.pdf
[2] https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen//vorgang/d19-2786.pdf
[3] https://www.heise.de/news/Mecklenburg-Vorpommern-Durchsuchungsrechte-fuer-Polizei-deutlich-ausgeweitet-4681989.html
[4] https://www.heise.de/news/Staatstrojaner-Urteil-Die-IT-Sicherheit-bleibt-die-offene-Flanke-10513616.html
[5] https://buendnis-soziale-sicherheit.de
[6] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[7] mailto:kbe@heise.de

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise Security

Großrazzia: Schlag gegen die Werbe-Industrie des Anlagebetrugs

Von Heise — 04. Dezember 2025 um 14:13
Älterer Mann schaut auf seine Kreditkarte und sitzt vor dem Laptop.

(Bild: Butsaya/Shutterstock.com)

Ermittler haben Marketing-Netzwerke für Anlagebetrug ins Visier genommen, die Opfer mit dreisten Fakes und gefälschter Promi-Werbung anlocken.

Ermittlern der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) und der Kriminalpolizei Würzburg ist ein bedeutender Schlag gegen die Zulieferer-Industrie des sogenannten Cybertrading-Betrugs gelungen. Bei einer von Europol unterstützten Razzia am 25. November wurden 14 Objekte in Deutschland und Israel durchsucht, darunter in Tel Aviv und Düsseldorf. Ziel waren die Netzwerke, die mit gefälschter Werbung massenhaft Daten potenzieller Anleger generieren und an betrügerische Callcenter verkaufen.

Mit frei erfundenen Erfolgsgeschichten und dem Missbrauch von Bildern von Prominenten oder TV-Formaten wie „Die Höhle der Löwen“ werden Anleger auf unseriöse Plattformen gelockt. Laut gemeinsamer Pressemitteilung versprechen die Täter beispielsweise KI-optimierte Gewinne, doch am Ende stehen immer Verluste. Die Razzia richtete sich gezielt gegen die Akteure im Hintergrund, die die irreführenden Werbekampagnen erstellen, und ein großes Affiliate-Netzwerk in Israel, das die erbeuteten Kundendaten an die eigentlichen Betrugs-Callcenter weiterverkauft haben soll.

„Aufgrund der bisherigen Ermittlungen besteht der Verdacht, dass allein 3300 Datensätze deutscher Opfer über das Affiliate-Netzwerk betrügerisch arbeitenden Callcentern zur Verfügung gestellt wurden. Im weiteren Verlauf verloren nach bisherigen Erkenntnissen mindestens 120 deutsche Opfer einen Gesamtbetrag von über 1,3 Millionen EUR“, heißt es in der Mitteilung. Man gehe von einem beträchtlichen Dunkelfeld aus.

Umsätze im hohen dreistelligen Millionenbereich

Erste Auswertungen deuten darauf hin, dass das Affiliate-Netzwerk Umsätze im hohen dreistelligen Millionenbereich generieren konnte. Die Auswertung der bei den Durchsuchungen sichergestellten umfangreichen Datenmengen wird nach Einschätzung der Behörden noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Ob für das Bild- und Video-Material mit KI generiert sind, lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen, wie Oberstaatsanwalt Dr. Nino Goldbeck auf Anfrage sagte.

Bei der Erstellung der Werbemittel kam vermutlich auch KI zum Einsatz. Ob das im aktuellen Fall zutrifft und bereits Deepfakes zum Einsatz kamen, ist laut Goldbeck noch nicht gesichert. Die Masche selbst ist nicht neu. Bereits im Sommer hatte die Verbraucherzentrale davor gewarnt [1], dass Kriminelle Deepfakes nutzen, um täuschend echte Videos von Prominenten zu erstellen, die für unseriöse Finanzprodukte oder Gesundheitsmittel werben. Dabei werden Videos oder Bilder bekannter Persönlichkeiten so manipuliert, dass diese scheinbar persönliche Empfehlungen aussprechen.

Beispiel für ein Deepfake mit Dieter Hopp, der für betrügerische Investments wirbt.
Beispiel für ein Deepfake mit Dieter Hopp, der für betrügerische Investments wirbt.

Kriminelle erstellen Deepfakes von Promis, in diesem Fall vom Unternehmer Dieter Hopp, dessen Klon für betrügerische Investments wirbt.

(Bild: Watchlist-Internet [2])

Wie solche Fälschungen in der Praxis aussehen, zeigt ein Beispiel des Portals „Watchlist-Internet“ [3]: In einem Deepfake-Video klärt dort der ehemalige Skirennfahrer Armin Assinger angeblich über eine unglaubliche Investitionsmöglichkeit auf. „Diejenigen, die in Bitcoin-Projekte investieren, sind Millionäre und verdienen durchschnittlich 20.000 bis 40.000 Euro pro Monat. Das Erstaunlichste daran ist, dass Sie nur 250 Euro brauchen, um anzufangen und in nur einer Woche können Sie bereits Ihre ersten 10.000 Euro haben“, heißt es in dem Video mit Assinger. Nach einer Registrierung meldet sich laut den Testern ein angeblicher Finanzberater und fordert zu einer ersten Investition auf.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11102769

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Kriminelle-nutzen-Deepfakes-von-Prominenten-fuer-taeuschend-echte-Fake-Werbung-10468370.html
[2] https://www.watchlist-internet.at/news/5tagegegendeepfakes-kriminelle-nutzen-deepfakes-von-promis-fuer-investmentscams/
[3] https://www.watchlist-internet.at/news/deepfake-videos-mit-armin-assinger-fuehren-zu-investitionsbetrug/
[4] https://pro.heise.de/security/?LPID=45883_HS1L0001_33064_999_0&wt_mc=intern.fd.secuirtypro.Aktionsende25.disp.disp.disp
[5] mailto:mack@heise.de

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise Security

Festnahmen in den USA nach Löschorgie staatlicher Daten während der Kündigung

Von Heise — 04. Dezember 2025 um 13:50
Einsatzbereite Handschellen

(Bild: Maksim Kabakou/Shutterstock.com)

Zwei 34-Jährige in den USA haben für Cyberangriffe im Gefängnis gesessen und trotzdem Zugriff auf staatliche Daten bekommen. Ihre Kündigung lief aus dem Ruder.

In den USA sind zwei Zwillingsbrüder festgenommen worden, die als Angestellte eines technischen Dienstleisters zahlreiche Datenbanken von US-Behörden gelöscht haben sollen. Den 34-Jährigen wird vorgeworfen, im Februar rund 96 Datenbanken verschiedener Einrichtungen der US-Regierung gelöscht zu haben, darunter das US-Heimatschutzministerium. Betroffen seien unter anderem Akten und Dokumente von Verfahren nach dem US- Informationsfreiheitsgesetz (FOIA), teilte das US-Justizministerium am Mittwoch mit. Die Beschuldigten sollen damit auf die Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses bei einem Dienstleister der Bundesbehörden reagiert haben.

Die Beschuldigten haben eine kriminelle Vergangenheit und bereits mehrjährige Haftstrafen für Computervergehen [1] verbüßt. Einer der Brüder hatte ein Kosmetikunternehmen gehackt und Kreditkartendaten der Kunden entwendet. Der andere Beschuldigte hatte als Mitarbeiter der Konsularabteilung des US-Außenministeriums Daten von Visumsverfahren manipuliert. Später heuerten beide erneut bei einem Dienstleister für die US-Regierung an. Wie es trotz ihrer einschlägigen Vergangenheit dazu kommen konnte, war Gegenstand zweier interner Untersuchungen des Unternehmens.

Insider-Angriff während der Kündigung

Laut einem Bericht des Finanznachrichtendienstes Bloomberg vom Mai [2] handelt es sich bei dem Dienstleister um Opexus, der Daten- und Prozessverwaltungssoftware für Behörden anbietet. Demnach haben die beiden ihren Insider-Angriff während eines virtuellen Meetings begonnen, in dem sie über ihre Entlassung informiert wurden.

Das US-Justizministerium bestätigt in seiner Mitteilung [3] die zentralen Punkte des Bloomberg-Berichts. Demnach wurde die Vergangenheit der beiden Männer wohl nicht ausreichend geprüft, als sie bei Opexus eingestellt wurden. Dass sie für Cyberangriffe Haftstrafen verbüßt haben, ist demnach erst aufgefallen, als sie für einen staatlichen Einlagensicherungsfonds arbeiten sollten, wodurch sie weitreichende Zugriffe auf Finanzdaten bekommen hätten. Bei der dafür nötigen Überprüfung ihres Hintergrunds sei ihre Vergangenheit aufgefallen. Daraufhin wurden beide in ein Meeting zitiert, um sie über ihre Entlassung zu informieren.

Anklage erhoben

Einer der Brüder soll noch während der Kündigung eine Datenbank der US-Steuerbehörde aufgerufen und anderen den Zugriff gesperrt sowie 33 staatliche Datenbanken gelöscht haben. Nach dem Ende des Meetings hat er demnach einen USB-Stick mit fast 2000 Daten in seinen Laptop gesteckt und die Inhalte gelöscht.

Die Leichtigkeit, mit der die beiden diese Aktionen durchführen konnten, hat demnach eine Reihe von Untersuchungen zur Folge gehabt, an einer war die Cybersicherheitsfirma Mandiant beteiligt. Festgenommen wurden die Zwillinge jetzt nach den staatlichen Ermittlungen und einer Anklage. Die Vorwürfe sind schwerwiegend. Den Brüdern drohen mehrjährige Gefängnisstrafen, ihre Aktionen seien eine Gefahr für die nationale Sicherheit und hätten es staatlichen Behörden erschwert, für Bürger und Bürgerinnen zu arbeiten. Der Fall soll jetzt im US-Bundesstaat Virginia vor Gericht verhandelt werden.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11102684

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.justice.gov/archives/opa/pr/twin-brothers-sentenced-wire-fraud-conspiring-hack-us-department-state-and-private-company
[2] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-05-21/security-failures-behind-us-contractor-s-data-breach
[3] https://www.justice.gov/opa/pr/two-virginia-men-arrested-conspiring-destroy-government-databases
[4] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[5] mailto:mho@heise.de

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

Anzeige: Dreifach-USB-Ladegerät mit 65 W von Haribo zum Tiefstpreis

Von Erik Körner — 04. Dezember 2025 um 17:44
Kein Scherz: Haribo baut jetzt auch USB-Ladegeräte. Ein Modell mit drei Anschlüssen und 65 W ist bei Amazon für unter 17 Euro erhältlich.
USB-Ladegerät von Haribo mit drei Anschlüssen und 65 W nie günstiger als jetzt bei Amazon (Bild: Amazon.de/Haribo/Golem)
USB-Ladegerät von Haribo mit drei Anschlüssen und 65 W nie günstiger als jetzt bei Amazon Bild: Amazon.de/Haribo/Golem

Eines muss man Haribo lassen. Überraschungen kann das Bonner Unternehmen. Neuerdings stellt es nicht mehr nur Süßwaren her, sondern auch USB-Ladegeräte. Die Charger im Gummibären-Design sind hochwertig, günstig im Preis und werden in diversen Varianten angeboten. Ein Modell mit drei USB-Anschlüssen und 65 W Spitzenleistung gibt es bei Amazon aktuell zum Tiefstpreis. Im befristeten Angebot zahlt man keine 17 Euro.

Das bietet das USB-Ladegerät von Haribo

Zugegeben, ein USB-Ladegerät von Haribo klingt erst mal nach einem Marketing Stunt. Tatsächlich muss sich der Charger aber nicht vor der Konkurrenz von Anker, Ugreen und Co. verstecken. Verbaut sind zwei USB-C-Anschlüsse und USB-A-Anschluss, die gleichzeitig genutzt werden können. Mit einer maximalen Ausgangsleistung von 65 W pro Port können auch Laptops schnell geladen werden. Zum Beispiel soll ein MacBook Air M3 nur 30 Minuten für 50 Prozent Akkustand brauchen.

Üblich für Multiport-Charger, bietet Haribos USB-Ladegerät universelle Kompatibilität mit vielen Geräten. Die Unterstützung diverser Schnellladeprotokolle garantiert, dass er problemlos mit Produkten von Apple, Samsung, Google oder Huawei funktioniert. Auch Handheldkonsolen wie die Nintendo Switch 2 oder Valves Steam Deck lassen sich mit Strom versorgen.

Das USB-Ladegerät von Haribo ist 99 x 33,5 x 61,55 mm groß und wiegt rund 125 g. Der schmale Formfaktor macht es zum idealen Begleiter auf Reisen. Damit man sich weder unterwegs noch zu Hause um die Sicherheit beim Laden sorgen muss, bietet der Charger Schutz vor Überspannung, Überstrom, Überhitzung und Kurzschlüssen. Zudem ist ein spezieller Erdungsstecker verbaut, der Stromlecks verhindern soll.

Haribo bei Amazon: USB-Ladegerät nie günstiger als jetzt

Dass Haribo neben Süßwaren offenbar etwas von Elektronik versteht, zeigen die Amazon-Rezensionen des USB-Ladegeräts. Fast 190 Nutzer vergeben im Schnitt 4,8 Sterne. Ladeleistung und -geschwindigkeit seien so hoch wie versprochen, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme und das Gummibären-Design gefällt.

Das USB-Ladegerät von Haribo kostet im befristeten Angebot 16,99 Euro statt 19,99 Euro. Günstiger war es noch nie. Der Rabatt gilt für die blaue und rote Variante. Alle USB-Ladegeräte von Haribo – von kleinen 20-W-Modellen zu 240-W-Ladestationen – findet man im Amazon-Store des Herstellers. Stöbern lohnt sich.

Reklame

HARIBO USB C Ladegerät 65W 3-Port USB-C Netzteil Schnellladegerät PD PPS kompatibel mit MacBook, für iPhone 17/16/15, iPad, Galaxy S25/S24, Pixel, Steam, Sicherheit Stecker mit Erdung, Geschenk, Blau

Jetzt für 16,99 Euro bestellen

Dieser Artikel enthält sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf der Produkte über diese Links erhält Golem eine kleine Provision. Das ändert nichts am Preis der Artikel.

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

Star Trek: Noah Hawley erklärt, warum sein Trek-Film nicht kam

Von Peter Osteried — 04. Dezember 2025 um 17:12
Noah Hawleys Star-Trek-Film wurde kurz vor Produktionsbeginn eingestellt, aber der Autor hofft auf eine Wiederbelebung.
Die Enterprise im Mutara-Nebel in Star Trek II: Der Zorn des Khan (Bild: Paramount)
Die Enterprise im Mutara-Nebel in Star Trek II: Der Zorn des Khan Bild: Paramount

Die auf Star-Trek-Nachrichten spezialisierte US-amerikanische Website Trek Movie berichtet von einem Podcast namens Smartless , in dem Noah Hawley als Gast über seinen eingestellten Star-Trek-Film erzählt hat.

Der Autor und Produzent, zuletzt mit Alien: Earth erfolgreich, wollte seinen Star-Trek-Film im Jahr 2020 machen. Der Produktionsstart stand bevor, als eine neue Managerin bei Paramount das Projekt stoppte. Dabei zeigte Hawley ein hervorragendes Verständnis für Star Trek und wollte eine Geschichte mit neuen Figuren erzählen.

Es geht nicht um Krieg

"Bei allen Franchises geht es um den Krieg" , so Hawley. "Star Wars ist Krieg, Marvel ist Krieg, aber nicht Star Trek" . Er erklärte, dass es bei Star Trek um das Erkunden geht: Menschen lösen ihre Probleme, indem sie schlauer sind als ihre Kontrahenten.

In dem Gespräch nannte Hawley ein Beispiel dafür – die Szene aus Star Trek II: Der Zorn des Khan, in der Kirk schlauer ist als Khan, indem er von der Enterprise aus die Schutzschilde des feindlichen Schiffs deaktivieren lässt.

Zum damaligen Zeitpunkt, als mit Emma Watts eine neue Managerin der Filmabteilung ins Studio Paramount kam, bereitete Hawley alles für den Produktionsstart vor und war auf dem Weg nach Australien, wo gedreht werden sollte. Er sagte, dass dann – wie es in Hollywood oft geschehe – Jim Gianopulos, der damals das Studio leitete, angekündigt habe, jemand anderen unter sich einzusetzen, der später die Leitung des Filmstudios übernehmen solle.

Die erste Entscheidung des neuen Leiters sei gewesen, den ursprünglich geplanten Star-Trek-Film zu streichen. Man habe gefragt, woher man wissen solle, ob das Publikum den Film mögen werde, und ob man nicht lieber einen Übergangsfilm mit Chris Pine machen und damit auf Nummer Sicher gehen solle. Auf diese Weise sei das Projekt schließlich verschwunden.

Könnte es für Hawleys Film ein Happy End geben?

Hawley sagte in dem Podcast, dass er das Drehbuch, das er für Star Trek geschrieben habe, jedoch nicht vergessen und dem neuen Verantwortlichen bei Paramount einen Vorschlag unterbreitet habe – und dass er kürzlich mit David Ellison gesprochen habe. Da Ellison nach wie vor keinen Star-Trek-Film gemacht hat, habe er angemerkt, dass sein eigenes Projekt weiterhin "im Studio stecke" . Man müsste es nur wiederbeleben.

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

Anzeige: Wandelbare Magnet-Pyramide bei Amazon jetzt unter 25 Euro

Von Boris Connemann — 04. Dezember 2025 um 16:55
Die denk- und motorikfördernde Tosy Magnet-Pyramide mit zahllosen Formen ist jetzt im befristeten Angebot bei Amazon verfügbar.
Ein neuer Preis, ein Milliarde Kombinationen: Tosy Magnet-Pyramide für 25 Euro bei Amazon (Bild: Amazon.de)
Ein neuer Preis, ein Milliarde Kombinationen: Tosy Magnet-Pyramide für 25 Euro bei Amazon Bild: Amazon.de

Manchmal genügt nur ein Impuls, um Kinder länger konzentriert am Tisch zu halten. Die Tosy Magnet-Pyramide gehört zu diesen Überraschungen: ein unscheinbarer Würfel, der sich in alle möglichen Richtungen verwandelt und beim Spielen fast hypnotisch wirkt. Ein erster Blick zeigt, wie faszinierend das kann: Jüngere Kinder tüfteln an Formen, ältere versuchen komplexe Konstruktionen und selbst Erwachsene scheinen ihre Hände kaum stillhalten zu können. Es entsteht ein Sekundenrhythmus aus Aufklappen, Drehen, Zusammenfügen. Das Ganze regt an und überfordern nicht.

Mit ihren holografischen Paneelen wirkt die Pyramide fast wie ein kleines Lichtobjekt. Für Eltern ist sie ein willkommenes Werkzeug, um Feinmotorik zu fördern oder einfach Ruhe in die Runde zu bringen. Für Kinder fühlt sie sich eher an wie ein ständig neues Spiel, weil Formen und Farben jedes Mal anders wirken. Der Übergang zwischen Spiel und Konzentration ist fließend.

243 Magnete, stabiles Kunststoffgehäuse und eine Idee, die bleibt

Der Kern des Spielzeugs ist ein sauber konstruiertes System aus zwölf Teilen und insgesamt 243 Magnetpunkten. Diese Verankerung sorgt dafür, dass die Elemente zuverlässig aneinanderhaften, selbst wenn sie mit Schwung bewegt werden. Der Kunststoff ist glatt und hat keine störende Kanten, und ist mit holografischen Aufklebern versehen, die je nach Lichteinfall unterschiedliche Farben erzeugen. Für Kinder ist das ein zusätzlicher Reiz, für Erwachsene ein visuelles Detail mit fast meditativem Effekt.

Die Struktur ist auf Sicherheit geprüft. Die Magnete sind vollständig im Material eingekapselt, was sich auch bei intensiver Nutzung bewährt. Viele Käufer berichten davon, dass die Elemente überraschend robust sind, unabhängig vom Alter der Nutzer. Für die Kreativität entsteht ein großer Spielraum, denn das Puzzle lässt sich erweitern, wenn man es mit zusätzlichen Sets ergänzt.

Tosy Magnet-Pyramide unter 25 Euro bei Amazon

Derzeit kostet die Tosy Magnet Pyramid Stone bei Amazon im Angebot 24,69 Euro, das bedeutet einen Preisvorteil von 25 Prozent verglichen mit der UVP von 32,99 Euro. Das Angebot ist befristet und besonders begehrt, denn mehr als 6.000 Stück wurden allein im letzten Monat verkauft. Ein Preis unter 25 Euro ist für viele das entscheidende Argument, gerade wenn ein Geschenk für Nikolaus, Advent, Weihnachten oder einen nahenden Kindergeburtstag gesucht wird. Die Nachfrage steigt erfahrungsgemäß schnell, sobald die Feiertage näher rücken.

Reklame

TOSY Magnet Pyramid Stone; 1 Würfel verwandelt Sich in 1 Milliarde Formen, 12 Teile, 243 Magnete, Kinder, holografisches Design, kreatives STEM-Puzzle

Jetzt für unter 25 Euro bestellen

Erweiterungen für die Tosy Magnet-Pyramide , Modelle in anderen Farben und Varianten oder Frisbee-Scheiben, die im Dunkeln leuchten, gibt es aktuell ebenfalls mit Rabatt im Tosy-Store bei Amazon:

Hier geht es zum Tosy-Store bei Amazon

Stimmen aus den Amazon-Bewertungen

Oft erwähnt werden die hochwertige Verarbeitung, das verlässliche Magnetverhalten und die Vielfalt der möglichen Formen. Einige Kunden beschreiben das Spielzeug als ideale Beschäftigung, weil es Kinder fördert und Erwachsene entspannt. Einzelne Käufer wünschen sich stärkere Magneten oder ein größeres Set bei gleichem Preis, doch insgesamt überwiegt die Begeisterung. Viele teilen in den Bewertungen sogar Bilder ihrer Konstruktionen und betonen, wie viel Freude das vermeintliche Spielzeug auch in Familien mit mehreren Generationen bringt.

Amazon Prime jetzt 30 Tage kostenlos testen

Im Rahmen einer neuen Amazon-Aktion bietet es sich jetzt an, einen kostenlosen 30-tägigen Testaccount bei Amazon Prime anzulegen, sofern noch keiner vorhanden ist. Dieser wird für spezielle Deals auch außerhalb von Angebotszeiträumen benötigt und bietet neben einem kostenlosen Versand aller Bestellungen zusätzliche Vorteile, etwa den Zugriff auf eine riesige Mediathek.

Reklame

Gratis Premiumversand, preisgekrönte Filme und Serien, exklusive Angebote und mehr 30 Tage kostenlos testen!

Amazon Prime 30 Tage kostenlos testen

Dieser Artikel enthält sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf der Produkte über diese Links erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Adblock test (Why?)

✇ c't-Themen

c’t 4004: Neuer Podcast von c’t 3003

Von Heise — 04. Dezember 2025 um 19:37

Das c’t-3003-Universum wird größer: Ab sofort diskutieren Jan-Keno Janssen und Christian Lutz-Weicken jeden Donnerstag über Technik und Alltag.

“Buddy-Podcast mit Tech-Themen”, so lässt sich “c’t 4004 - der c’t-3003-Podcast” wohl am kürzesten zusammenfassen. Der Name deutet es an, extrem ernst geht es nicht zu bei dem wöchentlichen Gespräch, das c’t-3003-Host Jan-Keno Janssen mit dem Medienkünstler und Software-Entwickler Christian Lutz-Weicken ab sofort jeden Donnerstag führen wird. Die beiden sind tatsächlich auch im echten Leben Freunde; und reden auch ohne Mikrofon viel über Technik. Soeben ist die zweite 4004-Folge erschienen; zuerst ausschließlich als Audio-Podcast, im nächsten Jahr dann auch mit Bewegtbild auf dem c’t-3003-YouTube-Kanal.

Neben mindestens drei aktuellen Tech-Themen wird es auch feste Rubriken geben wie zum Beispiel “Shoutout” und “Take der Woche”. Geplant ist pro Folge eine Länge zwischen 40 und 70 Minuten.

Ach ja, der Name: 4004 sind 1001 mehr als 3003, und außerdem hieß so der erste kommerzielle Mikroprozessor.

Der Podcast erscheint ab sofort jeden Donnerstag auf allen gängigen Plattformen, einen RSS-Feed gibts es natürlich auch. [1]


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11102842

Links in diesem Artikel:
[1] https://ct-3003.podigee.io/#subscribe
[2] https://www.heise.de/ct
[3] mailto:mond@heise.de

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Make ff.org

Auf Wärmepumpen-Partys soll die Nachbarschaft von Wärmepumpen überzeugt werden

Von Marcus Hansson — 04. Dezember 2025 um 16:27
Mehrere Menschen an einer Wärmepumpe

(Bild: Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. Infostelle Lüneburg)

Immer mehr Wärmepumpen-Partys werden organisiert, um Neugierige auf lockere Art und Weise direkt in der Nachbarschaft über die Technologie zu informieren.

Wärmepumpen galten lange als kostspielig und schwer zu installieren – besonders in älteren Gebäuden. Doch mit dem wachsenden Interesse an klimafreundlichen Heizlösungen steigt auch der Wunsch nach praxisnahen Informationen jenseits theoretischer Vorträge. Genau hier setzen sogenannte Wärmepumpen-Partys an – eine neue Form der Informationsveranstaltung.

Wärmepumpen zum Anfassen

Und nein, dabei handelt es sich nicht um eine Party im klassischen Sinne. Vielmehr ist es eine lockere Kennenlernrunde, bei der Neugierige zu einem Hausbesuch bei Menschen eingeladen werden, die bereits eine Wärmepumpe betreiben.

In privaten Haushalten öffnen Gastgeberinnen und Gastgeber ihre Türen, zeigen ihre Heizsysteme, teilen ihre Erfahrungen und beantworten Fragen – ganz informell bei Kaffee und Kuchen. Statt trockener Infoabende in Amtsstuben oder bei Energieversorgern erhalten Bürgerinnen und Bürger hier Einblicke aus erster Hand, wie Wärmepumpen im Alltag funktionieren. In diesem Rahmen können direkt von Nachbar zu Nachbar Fragen gestellt und Erfahrungen ausgetauscht werden.
Ehrenamtliche als Multiplikatoren

Um dieses Konzept weiter zu stärken, sollen nun auch Wärmepumpenbotschafter ausgebildet werden [1]. Ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger lernen dabei, wie sie in ihrem Umfeld eigene Informationsveranstaltungen – etwa Wärmepumpen-Partys – organisieren und durchführen können.

Hinter der Initiative steht der Solarenergie-Förderverein Deutschland e. V. (SFV) [2]. Bereits 2023 begann der Verein damit, ehrenamtliche Solarbotschafter auszubilden und Solarpartys zu organisieren [3] – eine Arbeit, für die er mit dem K3-Preis für Klimakommunikation [4] und dem Eurosolarpreis ausgezeichnet wurde.
Durch die Kombination von Solar- und Wärmepumpen-Partys werde Sektorenkopplung erlebbar gemacht, heißt es in einer Pressemitteilung des SFV [5]. “Die Menschen kommen gerne zum One-Stop-Shopping auf Augenhöhe vorbei und können die moderne Technik und ihre Funktion im wahrsten Sinne begreifen, weil Berühren und Anfassen möglich ist“, erklärt Markus, Wärmepumpenbotschafter aus Köln.
Wärmepumpe auf Maker-Art

Dass die Installation einer Wärmepumpe kein Hexenwerk ist und auch von handwerklich geschickten Maker eigenständig durchgeführt werden kann, zeigen wir in mehreren Artikeln in Make. Wir gehen unter anderem auf Einkauf, grundlegende Hydraulik [6] und Inbetriebnahme [7] ein. Zudem haben wir über die von der Community entwickelte Heishamon-Steuerplatine [8] für die weit verbreiteten Panasonic-Wärmepumpen berichtet.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11102973

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.sfv.de/waermepumpen-botschafter-offensive-ergaenzt-erfolgreiche-solarpartys
[2] https://www.sfv.de/
[3] https://packsdrauf.de/
[4] https://k3-klimakongress.org/k3-preis-2023/
[5] https://www.sfv.de/waermepumpen-botschafter-offensive-ergaenzt-erfolgreiche-solarpartys
[6] https://www.heise.de/ratgeber/Waermepumpe-selbst-kaufen-und-anschliessen-10385208.html
[7] https://www.heise.de/ratgeber/Praxisanleitung-Importierte-Waermepumpe-selbst-einbauen-und-in-Betrieb-nehmen-10487564.html
[8] https://www.heise.de/ratgeber/Waermepumpe-ins-Smart-Home-integrieren-mit-HeishaMon-10641158.html
[9] https://www.heise.de/make
[10] mailto:mch@make-magazin.de

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Mac & i ff.org

Nach Drohung gegen WhatsApp: Roblox, FaceTime und Snapchat in Russland blockiert

Von Heise — 04. Dezember 2025 um 18:43

(Bild: aapsky/Shutterstock.com)

Wenige Tage nach der jüngsten Drohung gegen WhatsApp hat Russland eine regelrechte Blockadewelle gestartet. Getroffen hat es Roblox, FaceTime und Snapchat.

Die russische Telekommunikationsaufsicht Roskomnadzor hat innerhalb weniger Stunden die Spieleplattform Roblox, Apples Messenger FaceTime und den Instant Messenger Snapchat blockiert. Das geht aus mehreren Medienberichten hervor. Angefangen hat die Blockadewelle laut der Nachrichtenagentur AFP [1] mit Roblox, zu dem die ersten Problemberichte demnach am Mittwoch eingetroffen sind. Die Sperre wurde mit schädlichen Inhalten für Kinder begründet, denen sie dort ausgesetzt seien. FaceTime und Snapchat folgten dann laut der Moscow Times [2] und Reuters am Donnerstag [3]. Beide Blockaden seien mit einer angeblichen Rolle bei terroristischen Angriffen in Russland begründet worden, die über die Messenger organisiert worden seien.

Auftakt zu mehr?

Die Sperren von Roblox und der beiden Messenger folgt nur wenige Tage auf die jüngste Drohung gegen WhatsApp [4]. Noch ist unklar, ob es einen Zusammenhang gibt. Die Begründung, die laut der Moscow Times jetzt für die Sperrung von FaceTime gegeben wurde, erinnere inhaltlich stark an die Vorwürfe, die WhatsApp gemacht wurden. Jeweils geht es um angebliche Gesetzesverstöße. Laut der Zeitung, die inzwischen nicht mehr aus der russischen Hauptstadt, sondern aus Amsterdam berichtet, gab es bei FaceTime schon seit September Berichte über Probleme. Die Stellungnahme von Roskomnadzor sei nun die erste offizielle Bestätigung dafür, dass die Behörden gegen den Dienst vorgehen.

Der russische Staat geht schon länger gegen ausländische Kommunikationsdienste vor. Anrufe über WhatsApp und Telegram werden etwa schon länger eingeschränkt. Signal und Viber werden sogar schon seit dem vergangenen Jahr blockiert [5]. Erklärtes Ziel von Moskau ist es, die Nutzung ausländischer Technik so weit einzuschränken, dass die Menschen auf inländische Alternativen umsteigen. Dabei geht es etwa um den Messenger Max, der in Russland entwickelt wurde. Wenn es nach der Regierung geht, soll er WhatsApp und Telegram ablösen, die aber bislang noch deutlich häufiger genutzt werden. Ob die Blockadewelle nur der Auftakt für weitere Schritte ist, muss sich noch zeigen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11103331

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.france24.com/en/live-news/20251203-russia-blocks-popular-game-creator-roblox-over-child-harassment
[2] https://www.themoscowtimes.com/2025/12/04/roskomnadzor-confirms-its-blocking-facetime-calls-a91336
[3] https://www.reuters.com/technology/russia-blocks-snapchat-ria-reports-2025-12-04/
[4] https://www.heise.de/news/Russische-Behoerde-droht-WhatsApp-mit-kompletter-Sperre-11097344.html
[5] https://www.heise.de/news/Russland-stoert-Messengerdienst-Signal-und-YouTube-9830996.html
[6] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[7] mailto:mho@heise.de

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Mac & i ff.org

App Store Awards 2025: Mehrere Gewinner aus Europa

Von Heise — 04. Dezember 2025 um 15:00
App Store Awards 2025

(Bild: Apple, Bearbeitung: heise medien)

Apples App Store Redaktion hat ihre Apps des Jahres ausgezeichnet. Darunter sind auch mehrere aus Europa.

Von außen mag es manchem wie ein reiner PR-Preis vorkommen. Für die Ausgezeichneten selbst ist der App Store Award von Apple jedoch viel mehr: „Intern scherzen wir, dass es ein bisschen wie die Oscars für App Store-Entwickler ist. Aber es fühlt sich definitiv so an. Es ist eine der größten Auszeichnungen, die man als Entwickler bekommen kann“, sagt Paul Veugen, Gründer und Geschäftsführer der niederländischen Firma Detail Technologies, die die KI-Videobearbeitungs-App „Detail: AI Video Editor“ entwickelt hat.

Und Veugen und sein Team können sich die begehrte Trophäe, ein großer blauer Metallblock im Aussehen des App-Store-Icons, dieses Jahr tatsächlich ins Regal stellen: „Detail“ wurde als iPad-App des Jahres ausgezeichnet. Das ist schade für den Deutschen Leo Mehlig, dessen App „Structured“ zu den drei Finalisten gehörte [1]. Doch Gewinner sind sie am Ende alle auf eine Weise. Denn die durch die große Apple-Bühne geschaffene Aufmerksamkeit sorgt so oder so für Zulauf: „Als die Ankündigung als Finalist kam, haben wir sofort einen großen Sprung gesehen“, sagt Paul Veugen. Den anderen Finalisten dürfte es ähnlich gehen.

17 Apps und Spiele ausgezeichnet

Die All-in-One-Video-App „Detail“ wird von einem 15-köpfigen Team aus Europa, Kanada und Südafrika entwickelt und soll das Erstellen von Videos deutlich vereinfachen. Sie kombiniert Aufnahme, Bearbeitung und Verbreitung in und nutzt dabei die ganze Bandbreite dessen, was iPhone und iPad zu bieten haben, wie Multi-Kamera-Recording, Echtzeit-Rendering und On-Device-Transkriptionen. Für das automatische Erstellen von Titeln, Beschreibungen und Inhaltsvorschlägen greift Detail auf Apples Foundation Models zurück, sagte der Gründer heise online. Die KI wird also lokal auf dem Gerät betrieben.

17 Apps und Spielen wurden in diesem Jahr der App Store Award verliehen. Neben verschiedenen Geräte- und Dienstekategorien lobt Apple den Redaktionspreis auch für Apps mit nachhaltigem kulturellen Einfluss aus. Und diesen Sonderpreis kann dieses Jahr Klemens Strasser aus dem österreichischen Graz mit nach Hause nehmen. Bereits im Sommer gewann er den Apple Design Award, die zweite große Auszeichnung Apples für Entwickler. Diesen konnte er auf der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni entgegennehmen.

Zwei Apple-Preise in einem Jahr gewonnen

Welcher Preis der bedeutsamere ist? Strasser zuckt mit den Schultern. So richtig vergleichbar sind die Auszeichnungen nicht: Der Design Award ist eher der Entwicklerpreis. Er strahlt stärker in die Developer-Community ein und zeigt Apps auf, die Apple als Vorbilder begreift. Beim App Store Award geht es vermutlich mehr darum, welche Apps das Publikum begeistern. Und die schönste Auszeichnung dürften am Ende wohl die Rückmeldungen der Nutzer und Käufer der App sein: „Ich bekomme jeden Tag so viele nette Bewertungen und E-Mails von Leuten, die sagen, dass das Spiel ihnen hilft, mit ihrer Angst umzugehen, oder dass es eine viel bessere Alternative zum Scrollen durch TikTok ist", erklärt Strasser.

Das Puzzle-Spiel „Art of Fauna“ nutzt historische Tier-Illustrationen. Laut Apples Würdigung verbindet es Spielspaß mit Artenschutz und umfassender Barrierefreiheit. Das Besondere: Spieler können zwischen einer Bild- und einer Textseite wechseln – ursprünglich als Barrierefreiheits-Funktion für blinde und sehbehinderte Menschen gedacht, wird es von vielen Nutzern genutzt, um mehr über die Tiere zu lernen. Ein Teil jedes Kaufs fließt in Naturschutzprojekte, sagt Strasser. Bisher seien so 1250 Quadratmeter Wald geschützt worden. Über 2,5 Millionen gespielte Puzzles und fast 11.000 Bewertungen zählt die App. Und wer eine Phobie gegen bestimmte Tiere hat, kann diese auch ausblenden.

Eine Art Fortsetzung der App ist schon in Arbeit. Im März soll „Art of Flora“ erscheinen. Der Titel lässt es erahnen: Dieses Mal geht es um Blumen.

KI spielt in vielen Apps eine Rolle

Über den symbolischen Blumenstrauß der Würdigung durch Apple freut sich auch das Team der Planer-App „Tiimo“ aus Kopenhagen in Dänemark. Mithilfe von KI verwandelt die Software Gedanken in strukturierte Tagespläne und richtet sich besonders an neurodivergente Menschen. Die von den Geschäftsführerinnen Helene Lassen Nørlem und Melissa Würtz Azari verantwortete App mit fast 3 Millionen Downloads nutzt Apples Foundation Models für On-Device-Verarbeitung sensibler Daten wie Stimmung und Tagesreflexionen, während die KI von OpenAI für den Co-Planner zum Einsatz kommt.

Für Melissa Würtz Azari, die selbst ADHS hat, entfaltet die App auch für sie selbst einen großen Nutzen: „Wenn man neurodivergent bist, ist es sehr wichtig, Zeit zu visualisieren“, sagt sie. Die KI bricht hierfür große Aufgaben in kleinere Schritte herunter, priorisiert automatisch und plant um, wenn nötig.

Gewinner der App Store Awards 2025

Die Gewinner des App Store Awards im Überblick:

Apps

Spiele

Kategorie Kultureller Einfluss


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11102401

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/App-Store-Awards-2025-Finalisten-aus-Deutschland-und-Oesterreich-11085300.html
[2] https://apps.apple.com/de/app/tiimo-ai-planner-to-do/id1480220328
[3] https://apps.apple.com/de/app/detail-ai-video-editor/id1673518618
[4] https://apps.apple.com/de/app/essayist-academic-writing-app/id1537845384
[5] https://apps.apple.com/de/app/explore-pov/id6479555991
[6] https://apps.apple.com/de/app/strava-run-bike-walk/id426826309
[7] https://apps.apple.com/de/app/hbo-max-stream-movies-tv/id1666653815
[8] https://apps.apple.com/de/app/pok%C3%A9mon-tcg-pocket/id6479970832
[9] https://apps.apple.com/de/app/dredge/id6526463862
[10] https://apps.apple.com/de/app/cyberpunk-2077-ultimate/id6633429424
[11] https://apps.apple.com/de/app/porta-nubi-immersive-puzzles/id6503628155
[12] https://apps.apple.com/de/app/what-the-clash/id1668359542
[13] https://apps.apple.com/de/app/art-of-fauna-cozy-puzzles/id1630468596
[14] https://apps.apple.com/de/app/chants-of-sennaar/id6566195667
[15] https://apps.apple.com/de/app/despelote/id6747992743
[16] https://apps.apple.com/de/app/be-my-eyes/id905177575
[17] https://apps.apple.com/de/app/focus-friend-by-hank-green/id6742278016
[18] https://apps.apple.com/de/app/storygraph-reading-tracker/id1570489264
[19] https://www.heise.de/mac-and-i
[20] mailto:mki@heise.de

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Mac & i ff.org

Nach Liquid Glass: Apples Interface-Design-Chef wandert zu Meta ab

Von Heise — 04. Dezember 2025 um 10:29
Apples Interface-Design-Chef Alan Dye bei der Einführung von Liquid Glass.

Apples Interface-Design-Chef Alan Dye bei der Einführung von Liquid Glass.

(Bild: Apple)

Mit Alan Dye verliert Apple einen weiteren zentralen Mitarbeiter an Meta. In der vom Liquid-Glass-Design frustrierten Community sorgt das für Anklang.

Apples Führungsspitze kommt nicht zur Ruhe: Direkt nach dem KI-Chef nimmt jetzt der Interface-Design-Chef Alan Dye den Hut. Er wechselt wie zuvor bereits andere Schlüsselmitarbeiter aus Apples KI- und Design-Team direkt zum Konkurrenten Meta, wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen berichtet. Auch Apples „Design Leader“ Billy Sorrentino, der zentrale Neuerungen bei Apple Intelligence präsentierte, arbeitet demnach künftig für Meta.

Dyes Nachfolge tritt der seit Jahrzehnten bei Apple tätige Interface-Designer Steve Lemay an, wie das Unternehmen gegenüber Bloomberg bestätigte [1]. Einen Top-Designer auf oberster Führungsebene hat Apple schon seit dem Weggang von Jony Ive nicht mehr.

Radikaler Umbruch in Apples Top-Management

Seit Monaten ist erhebliche Bewegung in Apples Management gekommen, das über viele Jahre personell auffällig stabil war: Allein in den vergangenen Monaten hat das Unternehmen einen neuen Operations-Chef und einen neuen Finanzchef erhalten. Der KI-Chef John Giannandrea verließ nach dem Debakel rund um Apple Intelligence und Siri in dieser Woche seine Position [2] – diese wird auf oberster Ebene vorerst nicht neu besetzt. Beobachter erwarten weitere Änderungen, auch der Abgang von Tim Cook als CEO ist erneut im Gespräch [3].

Mit Dye und Giannandrea sind damit die beiden entscheidenden Figuren hinter Apples größten Software-Initiativen der beiden vergangenen Jahre – Apple Intelligence und Liquid Glass – nicht länger im Konzern.

Um sein eigenes KI- und Design-Team aufzumöbeln, ist Meta seit mehreren Monaten auf einer aggressiven Einkaufstour bei Spezialisten und Spitzen-Managern. Die Ambition ist klar: Mit KI soll die nächste große Plattform nach dem Smartphone an den Start gebracht und am besten vom Start weg dominiert werden. An einem ähnlichen Projekt arbeitet OpenAI – im Verbund der Design-Koryphäe Jony Ive und weiteren Ex-Mitgliedern aus Apples Design-und-Hardware-Teams [4].

Viel Frust wegen Liquid Glass

In der Apple-Community stößt der Weggang des Designers Alan Dye auf eher positives Echo – verbunden mit der Hoffnung auf einen stringenteren Neuanfang. Dye ist das Gesicht hinter dem viel diskutierten neuen Liquid-Glass-Design, auf das nun alle neuen Apple-Betriebssysteme setzen. Es sorgte für eine Reihe neuer Bugs und Interface-Probleme, die nicht nur Entwickler frustrierten, sondern auch bei Nutzern für Verärgerung sorgen – unter anderem wegen schlechterer Lesbarkeit und inkonsistenten Bedienoberflächen. Apple feilt weiter am Design und lieferte gerade mit iOS-Version 26.1 einen zentralen Schalter nach, um die Glasoberflächen weniger durchscheinend zu machen [5].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11102445

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-12-03/apple-design-executive-alan-dye-poached-by-meta-in-major-coup
[2] https://www.heise.de/news/Nach-Apple-Intelligence-Debakel-Apple-streicht-KI-Chefposten-11099412.html
[3] https://www.heise.de/news/Tschuess-Tim-Cook-braucht-Apple-dringend-frischen-Wind-Mac-i-Podcast-11101911.html
[4] https://www.heise.de/news/Ive-und-Altman-In-die-OpenAI-Hardware-will-man-reinbeissen-11090725.html
[5] https://www.heise.de/ratgeber/iOS-26-1-11-Tipps-zu-den-Neuerungen-11056734.html
[6] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[7] https://www.heise.de/mac-and-i
[8] mailto:lbe@heise.de

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Zukunft unserer Stromversorgung: Fünf Entwicklungen, die jetzt entscheidend sind

Von Bernd Müller — 04. Dezember 2025 um 15:00

Bernd Müller

Blick in das Innere eines Rechenzentrums

Rechenzentren gefährden zunehmend die Sicherheit der Stromversorgung.

(Bild: Oselote / Shutterstock.com)

Was treibt den Strombedarf bis 2035 um 40 Prozent nach oben? Fünf Faktoren entscheiden über die Zukunft unserer Energieversorgung.

In diesem Jahr ist die Stromversorgung eines der Themen gewesen, die besonders intensiv diskutiert wurden. Wie teuer wird der Strom, welche Rolle spielen Atomstrom, erneuerbare Energien und Erdgas im Strommix und kann der erzeugte Strom überhaupt von der Quelle zum Verbraucher transportiert werden?

Die Internationale Energieagentur IEA hat im November ihren World Energy Outlook 2025 [1] vorgelegt, und dieser Bericht zeichnet ein klares Bild von den Trends der kommenden zehn Jahre. So wird die globale Stromnachfrage wohl um rund 40 Prozent steigen.

Für Städte und urbane Ballungsräume in den Industriestaaten bedeutet das mehr als nur höhere Rechnungen. Die Art und Weise, wie Strom erzeugt, verteilt und verbraucht wird, steht vor einem grundlegenden Wandel.

Elektrizität wird zum Rückgrat der Wirtschaft

Am gesamten globalen Energieverbrauch macht Strom etwa 21 Prozent aus. In den kommenden Jahren dürfte der Bedarf aber deutlich steigen: Mit den Wärmepumpen spielt Strom beim Heizen eine größere Rolle und mit den Elektroautos wird auch der Anteil der Stromer im Verkehr größer.

In der Industrie ist Strom ebenfalls ein Treiber der Entwicklung. Betriebe stellen vom Verbrauch von fossilen Energieträgern wie Erdöl und -gas auf Elektroenergie um. Auch für die Produktion von grünem Wasserstoff werden erhebliche Mengen Strom benötigt.

Die wachsende Bedeutung der Elektroenergie zeigt sich darin, dass rund die Hälfte aller globalen Energieinvestitionen laut IEA bereits in Stromsysteme und deren Endanwendungen fließt. Bis 2035 wird die Spitzenlast – also der Moment höchster Nachfrage – der Prognose zufolge um etwa 40 Prozent zunehmen.

Angetrieben werden die Trends durch die Schwellenländer, wo der Lebensstandard und damit auch der Verbrauch steigt. Aber auch in den Industrieländern, wo der Stromverbrauch lange stagnierte, zieht die Nachfrage wieder an. Verantwortlich dafür sind hauptsächlich neue Rechenzentren für künstliche Intelligenz und die wachsende Verbreitung von Elektrofahrzeugen.

Klimaanlagen treiben die Spitzenlast nach oben

Ein unterschätzter Faktor sind die Klimaanlagen, die durch Klimawandel und Hitzewellen vielerorts notwendig werden. Und wo der Bedarf besteht, verschaffen höhere Einkommen den Menschen Zugang zu Klimaanlagen. So etwa in den Schwellenländern.

Schon im Jahr 2024 ließ die Nutzung von Klimaanlagen den Strombedarf um vier Prozent wachsen [2]. Bis 2035 könnten laut IEA noch einmal weitere 500 Gigawatt zur Spitzenlast hinzukommen. Den größten Anteil an dem Wachstum hat dabei der verbesserte Zugang zur Kühltechnik.

Wie hoch der Anstieg tatsächlich wird, hängt dabei von der verfügbaren Technik ab. Zwar gibt es heute schon sparsame Geräte am Markt – oft ohne oder nur mit geringem Mehrpreis gegenüber weniger effizienten Geräten. Aber noch dominieren sie ihn nicht. Für Netzbetreiber und Stadtwerke wird es deshalb entscheidend sein, ob diese Geräte zum Standard werden.

Rechenzentren und KI – lokal spürbar, global überschaubar

Künstliche Intelligenz hat sich inzwischen zu einem relevanten wirtschaftlichen Faktor entwickelt, und gerade große Tech-Konzerne wie Meta, Google, Amazon oder Microsoft investieren Milliarden in den Ausbau von Rechenzentren [3] für die KI-Anwendungen. Allein in diesem Jahr sollen diese Tech-Konzerne Investitionen von 400 Milliarden US-Dollar geplant haben. Alle globalen Investitionen in diesem Bereich sollen sich sogar auf 580 Milliarden US-Dollar belaufen.

Das Wachstum des globalen Strombedarfs wird durch die Rechenzentren nur moderat angetrieben. Die IEA schätzt, dass es weniger als zehn Prozent sein wird.

Das klingt wenig – aber es täuscht über die lokale Dimension hinweg. Denn mehr als 85 Prozent der neuen Kapazitäten entstehen in den USA, in China und in der Europäischen Union. Die Rechenzentren werden dann oft in Clustern in der Nähe von Großstädten errichtet. Und für die USA ist bekannt, dass die Rechenzentren die Strompreise für Haushalte in die Höhe treiben [4].

Damit aber nicht genug: Die IEA betont, dass der Bedarf an Strom für Rechenzentren in den USA ein deutlich größerer Faktor ist als im globalen Durchschnitt. Die Folgen der starken Konzentration sind überlastete Netze, verzögerte Anschlüsse und steigende Preise in den betroffenen Ballungsräumen.

Kernenergie erlebt eine Renaissance

Nach zwei Jahrzehnten Stagnation kehrt die Kernkraft zurück. Mehr als 70 Gigawatt sind weltweit im Bau, über 40 Länder planen neue Projekte. Die globale Kapazität dürfte laut IEA bis 2035 um mindestens ein Drittel wachsen.

Neue Reaktordesigns wie kleine modulare Reaktoren gewinnen an Fahrt. Es gibt bereits Vereinbarungen für rund 30 Gigawatt solcher Anlagen, vorwiegend zur Versorgung von Rechenzentren.

Große Tech-Unternehmen bereiten sich darauf vor, ihre Infrastruktur mit Atomstrom zu betreiben. Innovation, Kostenkontrolle und neue Geschäftsmodelle sind dabei entscheidend, um die bisherige Marktkonzentration aufzubrechen.

Erneuerbare boomen – Netze kommen nicht nach

Erneuerbare Energien wachsen in allen IEA-Szenarien am schnellsten, angeführt von Solaranlagen. China bleibt dabei größter Markt und Hersteller. Die Märkte für Solarmodule und Batteriezellen werden demnach auch in Zukunft von Überkapazitäten geprägt sein.

Doch die Netze halten nicht Schritt. Investitionen in die Stromerzeugung erreichen rund eine Billion US-Dollar pro Jahr, während nur etwa 400 Milliarden in Netze fließen. Die Folgen sind Engpässe, verzögerte Anschlüsse, steigende Abregelung von Wind- und Solarstrom sowie häufigere negative Börsenpreise.

Batteriespeicher helfen: 2024 wurden weltweit mehr als 75 Gigawatt zugebaut. Doch Batterien können nicht alle Flexibilitätsbedarfe decken, insbesondere nicht die saisonalen. Schnellere Genehmigungen und mehr Investitionen in Transformatoren und andere Netzkomponenten sind deshalb dringend nötig, um die Energiewende nicht auszubremsen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11103027

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.iea.org/reports/world-energy-outlook-2025/executive-summary
[2] https://www.telepolis.de/article/Klimaanlagen-fressen-die-Energiewende-Stromverbrauch-explodiert-10350843.html
[3] https://www.telepolis.de/article/Kuenstliche-Intelligenz-Wo-Investoren-die-besten-Chancen-finden-11069700.html
[4] https://www.telepolis.de/article/Stromfresser-Rechenzentrum-Das-Ende-des-billigen-Stroms-in-den-USA-10865945.html

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Armutsbericht der Bundesregierung: Schönfärberei statt Analyse

Von Christoph Butterwegge — 04. Dezember 2025 um 14:00

Christoph Butterwegge

Lupe mit Euromünzenrand über Grafik mit sich öffnender Schere

Seit 25 Jahren erstellt die Bundesregierung Armuts- und Reichtumsberichte. Die aktuelle siebte Ausgabe zeigt erneut große Lücken. Ein Gastbeitrag.

Seit die rot-grüne Parlamentsmehrheit der seinerzeit von Gerhard Schröder geführten Regierung im Januar 2000 den Auftrag erteilte, einen Armuts- und Reichtumsbericht vorzulegen, sind verteilt über ein Vierteljahrhundert sieben voluminöse Dokumente [1] dieser Art erschienen.

Ihre vom Bundestag festgelegte Aufgabe war "die Analyse der gesamten Verteilung von Einkommen und Lebenslagen", die Bereitstellung von Informationen über "individuelle und kollektive Lebenslagen" sowie die Darlegung der "Ursachen von Armut und Reichtum", wie es im damaligen Parlamentsbeschluss heißt.

Der gerade vom Kabinett verabschiedete 7. Armuts- und Reichtumsbericht [2] erfüllt diesen Auftrag jedoch genauso wenig wie seine Vorgänger. Zu groß war einmal mehr die Versuchung für CDU, CSU und SPD, statt einer nüchternen Problemanalyse eine Erfolgsbilanz ihrer Tätigkeit zu präsentieren.

Das methodische Hauptmanko des Siebten Armuts- und Reichtumsberichts liegt in seiner rein deskriptiven Vorgehensweise:

Nach den Hintergründen und den gesellschaftlichen Ursachen der nur grob beschriebenen Verteilungsschieflage wird gar nicht gefragt. Vielmehr geraten höchstens die Auslöser persönlicher Notlagen wie Erwerbslosigkeit, (Früh-)Invalidität oder Trennung bzw. Scheidung vom (Ehe-)Partner ins Blickfeld.

Der strukturelle Zusammenhang zwischen Armut und Reichtum wird hingegen ignoriert, womit die Bundesregierung selbst hinter Bertolt Brecht zurückfällt, der ihn 1934 in einem Kindergedicht prägnant formuliert hat:

"Reicher Mann und armer Mann
Standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich."

Apropos reich: Die riesigen Vermögen der bekannten Familiendynastien [3], die ihren heutigen Hyperreichtum fast ausnahmslos durch Arisierung, Ausbeutung von Zwangsarbeitern und Rüstungsaufträge während der Nazidiktatur begründeten, tauchen in keinem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung auf.

Auch die Namen der reichsten Deutschen sucht man wieder vergeblich: Dieter Schwarz, Eigentümer von Lidl und Kaufland, hat ein Privatvermögen von 46,5 Milliarden Euro. Klaus-Michael Kühne, zweitreichster Deutscher, kassiert jedes Jahr Dividenden in mehrfacher Milliardenhöhe, auf die selbst dann, wenn er seinen Wohnsitz nicht in die Schweiz verlegt hätte, nur 25 Prozent Kapitalertragsteuer fällig würden.

Dem reichsten Geschwisterpaar unseres Landes, Susanne Klatten und Stefan Quandt, gehört fast die Hälfte von BMW. Hinzu kommen die Familie Albrecht/Heister als Erb(inn)en der Gründer von Aldi Nord und Aldi Süd sowie die Familie Boehringer/von Baumbach, welcher der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim gehört. Ebensowenig erwähnt werden große Konzerne, Groß- und Privatbanken oder Finanzkonglomerate wie BlackRock.

Einkommensreichtum lässt der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 4.500 und 5.000 Euro beginnen, Vermögensreichtum bei einem Nettovermögen von 500.000 Euro (in Preisen von 2017).

Porträt Christoph Butterwegge

Unser Gastautor Christoph Butterwegge

(Bild: Wolfgang Schmidt [4])

Man muss aber kein Spitzenverdiener oder Hochvermögender sein, um es kurios zu finden, dass ein Oberstudienrat wegen seines Gehalts für einkommensreich und der Besitzer einer kleinen Eigentumswohnung in begehrter Großstadtlage für vermögensreich erklärt wird.

Wenn man solche Menschen, die eher wohlhabend sind, als reich begreift, gerät der wirkliche Reichtum zwangsläufig aus dem Blickfeld. Verschleiert wird so, dass ein großes Vermögen auch Macht und politischen Einfluss mit sich bringt.

Um zu erfahren, dass es in Deutschland über 256 Milliardäre und Multimilliardäre gibt, von denen übrigens nur einer aus Ostdeutschland kommt, muss man das Sonderheft 2025 des Manager Magazins; um die strukturellen Zusammenhänge zu verstehen, muss man die Fachliteratur zur sozioökonomischen Ungleichheit heranziehen.

Einmal mehr wird die sich auch räumlich niederschagende Ungleichheit von der Bundesregierung nicht als Kardinalproblem unserer Gesellschaft verstanden. Vielmehr beruhigt und beschwichtigt man die Bürger:innen, was der überkommenen Sichtweise entspricht, dass die Bundesrepublik ein Land ohne großen privaten Reichtum und ohne nennenswerte Armut sei. Richtig ist das Gegenteil, die Kluft beim Vermögen nämlich inzwischen fast genauso tief wie in den USA.

Letzteres unterlässt der Bericht – vermutlich deshalb, weil die Bundesregierung politisch nicht mit den ihrer Politik mit Kritik begegnenden Autor:innen übereinstimmt.

Damit wurde eine weitere Chance vertan, die Dramatik der Verteilungsschieflage aufzudecken sowie die Weichen für eine Kurskorrektur in der Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik zu stellen.

Denn ein solcher Bericht könnte die Basis für eine konsequente Armutsbekämpfung statt bloßer Reichtumsförderung sein, wenn er die "Lebenslagen in Deutschland" – so lautet seit 25 Jahren der Titel – kritisch analysieren, die gesellschaftlichen Wurzeln der wachsenden Ungleichheit ergründen und daraus entsprechende Handlungsempfehlungen ableiten würde.

Bezüglich der wachsenden Ungleichheit fehlt es nämlich keineswegs an statistischen Daten – im Regierungsbericht findet sich eine Unmenge teils sehr informativer Statistiken, Tabellen und Schaubilder –, sondern an politischen Taten!

Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Mitglied im Wissenschaftlichen Gutachtergremium des Arbeits- und Sozialministeriums für den Siebten Armuts- und Reichtumsbericht, hat zuletzt die Bücher "Deutschland im Krisenmodus" sowie "Umverteilung des Reichtums" veröffentlicht.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11102301

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.armuts-und-reichtumsbericht.de/DE/Startseite/start.html
[2] https://www.armuts-und-reichtumsbericht.de/DE/Bericht/Der-siebte-Bericht/Der-Bericht/der-bericht.html
[3] https://www.heise.de/tp/article/256-Milliardaere-Die-Gewinner-der-deutschen-Wirtschaftskrise-10778609.html
[4] https://www.christophbutterwegge.de/galerie.php

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Telepolis

Hannah Arendt: Die Denkerin, die der Bundesrepublik die Wahrheit zumutete

Von Rüdiger Suchsland — 04. Dezember 2025 um 13:12

Rüdiger Suchsland

Hannah Arend

Hannah Arend, 1958. Bild: Barbara Niggl Radloff / CC BY-SA 4.0

Philosophie kann jeder, aber das nicht! Gegen deutsche Selbstlügen: Willi Winkler über Arendt, deren scharfe Sätze die Republik bis heute herausfordern.

Vor 50 Jahren, am 4. Dezember 1975, starb Hannah Arendt. Die 1906 in Hannover geborene Philosophin floh 1933 vor den Nazis über Frankreich in die USA. Mit Schriften wie "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft", "Eichmann in Jerusalem" und "Über die Revolution" wurde sie zur einflussreichsten Denkerin des 20. Jahrhunderts.

Jetzt erzählt der Autor und Journalist Willi Winkler (geb. 1957) in seiner Biografie "Hannah Arendt. Ein Leben" (Rowohlt Verlag, 512 S.; 32 Euro) Arendts Lebensgeschichte im Wechselspiel mit ihrem Jahrhundert und dessen Verwerfungen.

Winkers Buch ist auch Kulturgeschichte und Epochenporträt. Überaus kurzweilig und unterhaltsam geschrieben, arbeitet der Autor besonders Arendts Rolle als öffentliche Denkerin und ihr Verhältnis zur Bundesrepublik heraus.

Rüdiger Suchsland hat mit dem Autor in Berlin gesprochen.

"Sie war in Amerika eine Größe und sie war in Deutschland eine Größe"

▶ Herr Winkler, Sie haben unter anderem Bücher über Martin Luther geschrieben, über Bob Dylan, über einen Schweizer Nazi und Palästina-Terror-Unterstützer, und jetzt über Hannah Arendt. Wie kommt ein Biograf zu seinem Thema? Was ist die Quersumme zwischen diesen Personen?

Willi Winkler: Da muss ich unbescheiden sagen: Die Quersumme bin ich. Weil ich sehr divergierende Interessen habe. Hannah Arendt ist für mich ein absoluter Glücksfall, weil sie in ihrer Lebenszeit so viel vom 20. Jahrhundert, vor allem von seiner Geistesgeschichte abdeckt: weil sie Brecht zumindest flüchtig kannte, weil sie mit Walter Benjamin befreundet war, weil sie eine wahnsinnige Auseinandersetzung mit Adorno hatte, weil sie die Schülerin von Heidegger war – sie ist eine der ganz wenigen bi-kontinentalen Autorinnen; sie war in Amerika eine Größe und sie war in Deutschland eine Größe.

Sie hat sich ohne große Vorbildung im Englischen die Sprache so angeeignet, dass sie mit ihren Texten im Tagesgeschäft auffallen konnte. Das bewundere ich und beneide ich.

Hannah Arendt ist auch eine Zeitgenossin bei Ereignissen, bei denen ich nicht dabei war, und die sie auf ihre sehr scharfe Art einordnet. Beim Schreiben dieses Buches habe ich unglaublich viel gelernt.

Fassungslos bei der Rückkehr

▶ Wie war Ihre erste Lese-Begegnung mit Hannah Arendt?

Willi Winkler: Es gab ein Buch mit ihren Aufsätzen unter dem Titel "Zur Zeit" im Rotbuch-Verlag. Das habe ich antiquarisch in der Grabbelkiste gekauft. Darin steht unter anderem ihr sehr umstrittener Aufsatz über die Schwarzen in Amerika. Vor allem aber ist dort der Text über ihre Deutschlandreise 1950. Der ist bis heute für mich eine bedeutende Quelle der Faszination.

Sie schreibt ihn in gewisser Weise als Touristin. Sie kommt zum ersten Mal nach ihrer Vertreibung wieder nach Deutschland und ist fassungslos! Dass sie Heimweh hat, gesteht sie sich selbst nicht ein, aber sie ist zugleich entsetzt, dass fast alle Leute, mit denen sie spricht, nichts von der Vergangenheit gewusst haben wollen.

Sie waren nicht dabei, sie sind nicht verantwortlich, was war denn da? Es ist erst fünf Jahre her – und totale Amnesie. Sie ist fassungslos über das, was sie erlebt.

Zu meiner großen Irritation stellt sie gleichzeitig zwei Deutsche heraus, die sie von allen anderen unterscheidet: Diese zwei sind Martin Heidegger und Ernst Jünger! Also zwei sehr rechte Autoren. Ein Bekannter hatte ihr zum Abschied in Deutschland das Buch "Strahlungen", Jüngers Tagebücher aus Frankreich während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg, geschenkt, sie hat es auf der Heimreise gelesen, bevor sie wieder bei ihrem Mann in New York war, und der Duktus dieses Buches, der kalte sachliche Blick Jüngers, hat ihren Deutschland-Bericht sehr beeinflusst.

Dieser kritische Reisebericht wurde dann zum Beispiel von Hermann Broch und Thomas Mann sehr gelobt.

Eine Faszination am gefährlichen Denken

▶ Diese Faszination für Heidegger und Jünger ist für mich schwer zu begreifen ...

Willi Winkler: Man darf es nicht unterschätzen: Wie man zur Literatur kommt und zur Philosophie, das hat sehr oft persönliche Gründe. Es irritiert mich bis heute, was in dem Kopf eines Menschen zusammen geht.

Bei Heidegger weiß man in diesem Fall, woran das liegt – an der persönlichen Beziehung der beiden –, aber Ernst Jünger ist ein schlechter Schriftsteller und mitverantwortlich dafür, dass es mit der Weimarer Republik zu Ende ging. Arendt hat ihn zwar nie persönlich kennengelernt, aber sie ist in irgendeiner Weise von ihm fasziniert – und erhebt ihn dann allen Ernstes zu einem der wenigen Widerständler im Dritten Reich.

Ernst Jünger wurde Jahrzehnte später auf diese Passage angesprochen und sagt, er sei natürlich sehr geschmeichelt, aber "ich glaube das Wort Widerstand geht hier ein bisschen weit." (Lacht) Immerhin sagt er das ...

▶ Vielleicht hat das damit zu tun, dass der von ihr sehr geschätzte Walter Benjamin sich seit den frühen Dreißiger Jahren sehr für das Denken der extrem-rechten Konservativen Revolution interessiert hat? Gibt es bei Hannah Arendt vielleicht eine gewisse Lust am Extremen, eine Lust am konsequenten Denken?

Willi Winkler: Sie ist die Meisterin der Inkonsequenz! Ich glaube auch nicht, dass sie sehr viel von Benjamin wahrgenommen hat. Aber dass es eine Faszination am gefährlichen Denken gab, das stimmt natürlich.

"Sie hat Dinge ausgesprochen, die in Deutschland niemand ausgesprochen hat"

▶ Wie hat sich Hannah Arendt von einer Denkerin mit bestimmten, durchaus begrenzten Zuständigkeiten – Eichmann-Prozess, Totalitarismustheorie –, die man aber im Vergleich zu anderen nicht besonders wichtig nahm, zu "der" Philosophin unserer Gegenwart gewandelt? Zu einer Denkerin, die extrem beliebt bei jungen Leuten ist, zitierfähig für die Klimageneration, für linke Bürgerrechtler, für Antikommunisten, Demokratietheorien, Antisemitismusforschung, für Menschen, die Pro-Israel eintreten, ebenso wie für die, die sich Pro-Palästina positionieren.

Warum ist Hannah Arendt heute interessant? Ist sie eine Modephilosophin? Wie schätzen Sie das ein?

Willi Winkler: Ja warum nicht? Warum soll sie keine Modephilosophin werden? Es hat sicher damit zu tun, dass in den letzten Jahrzehnten Frauen mehr Anerkennung gefunden haben. Und anders als ihr Lehrer Heidegger, anders auch als Karl Jaspers, kann man sie verstehen.

Sie hat zwar auch oft diese entsetzlich langen, teutonischen Sätze. Aber man weiß, wovon sie redet.

Bei Heidegger weiß man das nie. Und bei Jaspers – despektierlich gesagt – weiß man am Ende einer Seite nicht, was man eigentlich gelesen hat. Der war unfassbar fleißig, aber es war so ein Fließgewässer. Da kann man wenig mit anfangen.

Dann kommt dazu, dass sich Hannah Arendt zu politischen Fragen geäußert hat, zur Staatsgründung Israels, zum Eichmann-Prozess, aber auch zu den Vietnam-Protesten und zur Watergate-Affäre.

Historisch war sie auch eine Kritikerin der Bundesrepublik, denn sie hat in ihrem Eichmann-Buch Dinge gesagt, die man in der Bundesrepublik in den 1960er-Jahren nicht sagen konnte: "Warum steht eigentlich Eichmann vor Gericht und nicht Globke?"

Es hat ihr unglaubliche Mühe bereitet, diese Anklage gegen die Bundesrepublik in der deutschen Ausgabe des Buches beim Piper-Verlag durchzubringen. Ihr Lektor hat das Buch zur Gegenprobe ins Institut für Zeitgeschichte gegeben, und ihr immer wieder Sachen abgehandelt: "Wir müssen mit Prozessen rechnen."

Ich beschreibe in meinem Buch die Beziehungen ihren Verlegern genauer. Diese sogenannte "Aufarbeitung" und Vergangenheitsbewältigung beginnt in der Bundesrepublik tatsächlich erst mit dem Eichmann-Prozess und ihrem Buch.

Arendt hat dieses Ereignis und den Namen Eichmann benutzt, um die Wahrheit über die Bundesrepublik zu sagen. Sie hat Dinge ausgesprochen die in Deutschland niemand ausgesprochen hat.

"Inzwischen sollte es sich herumgesprochen haben, was ihr gemacht habt"

Etwa als der CSU-Politiker Franz-Josef Strauß in den 1960ern im Wahlkampfreden Sätze gesagt hat wie: "Wer weiß, was dieser Willy Brandt in der Emigration gemacht hat? Wir wissen, was wir gemacht haben." Darauf sagt Hannah Arendt: "Inzwischen sollte es sich herumgesprochen haben, was ihr gemacht habt."

Solche schlagenden Sätze, ihre scharfen Essays haben die größte Wirkung gehabt. Zugleich ist dagegen vieles, auch im Eichmann-Buch eher unbeachtet geblieben. Ich fürchte, dass die großen Bücher gar nicht so viel gelesen wurden. Da gibt es eher einzelne Sätze und Formeln, die herausstechen und eine schlagende Wirkung haben: "Die Banalität des Bösen", "Es gibt bei Kant kein Recht, zu gehorchen", "Totalitarismus"...

Sie konnte mit der herrschenden Generation der Adenauer-Republik überhaupt nichts anfangen. Nur mit den damals Jungen: Rudolf Augstein, Rolf Hochhuth, Günter Gaus. Mit denen könnte es vielleicht etwas werden mit dem Neuanfang. Darum wird zum Beispiel Daniel Cohn-Bendit so ein Liebling von ihr.

Aber man muss dazu sagen, das Problem ist natürlich, dass sie in diesem Deutschland ansonsten nur von Nazis umgeben ist. Ihr Lektor bei Pieper waren ehemaliger SS-Mann. Sie kann denen überhaupt nicht entgehen, die sind immer da!

"Philosophie kann jeder, aber das nicht!"

▶ In welche Denkschule gehört Sie? War Sie Existentialistin?

Willi Winkler: Ja! Sie würde sich dazurechnen. Wenn man Existentialismus mit Kierkegaard beginnen lässt, über Nietzsche zu Sartre... Sie hat ja lange in Paris gelebt.

▶ Man kann also resümieren: Die für Sie wichtigste Hannah Arendt ist die Essayisten und Polemikerin, die öffentliche Intellektuelle, also das, was Sartre für Frankreich war?

Willi Winkler: Ganz genau! Wobei sie sehr konkurrenzbewusst von Sartre nichts gehalten hat.

▶ Der hat sich ja vom heiligen Martin distanziert ...

Willi Winkler: Aber ja! Sie hat sehr schnell gemerkt, dass sie mit einer gewissen aggressiven Schreibweise sehr viel erreichen kann und Aufmerksamkeit findet. Das war in den 1940er-Jahren, als sie beim Aufbau angefangen hat, noch nicht absehbar.

Das beginnt für mich erst 1953 mit einer Polemik gegen die Exkommunisten, die sich zu Antikommunisten gewendet haben: Manès Sperber, Arthur Koestler. Die machen aus ihrer Sicht im Prinzip das weiter, was sie in der kommunistischen Parteischule gelernt haben, auf der anderen Seite einfach weiter. Und zugleich wird Charlie Chaplin die Aufenthaltsgenehmigung in den USA aberkannt, als er aus den Hoheitsgewässern raus ist.

Also sie, die große Totalitarismus-Theoretikerin, erlebt den McCarthyismus und sieht plötzlich den Totalitarismus in Amerika. Und dann schreibt sie diesen Aufsatz, dass die wahren Verbrecher die Ex-Kommunisten sind, mit ihrem Bekehrungseifer.

Also wenn man von gefährlichem Denken sprechen kann, dann ist das hier. Da beginnt ihre Existenz als öffentliche Intellektuelle, wo sie ihre Bedeutung über den philosophisch-akademischen Kreis hinaus bekommt.

Philosophie kann jeder, aber das nicht!

Ihre Ideal-Vorstellung von echter wirklicher verwirklichter Demokratie

▶ Für mich ist diese Verbindung zwischen Philosophie und Politik das wirklich Neue. In Deutschland macht das nur Adorno. Was ist aus Ihrer Sicht an ihr heute das aktuellste, das, womit wir heute gut arbeiten können?

Willi Winkler: Dass sie die Ereignisse wahrnimmt und sich dazu intelligent verhält. Sie wäre überhaupt nicht internetfähig, weil sie zu kompliziert denkt. Also verständlich, aber abgewogen. Sie wendet den Gedanken immer hin und her. Sie ist vermutlich die letzte Autorin mit Nebensätzen.

▶ Lustig! Denn sie funktioniert ja heute im Internet.

Willi Winkler: Ja, aber mit so Kalendersprüchen ...

▶ Interessant ist ja auch, wie sie die Demokratie beschreibt und schildert, dass man mit erfundenen Wahrheiten Politik machen kann – das ist doch extrem aktuell.

Willi Winkler: Das stimmt natürlich. Über die Demokratietheorie könnten wir lange reden, denn sie ist ja keine Demokratin.

▶ Griechin hätte sie wahrscheinlich gesagt.

Willi Winkler: Ja! Sie ist Republikanerin. Der unglaublich kluge, belesene Habermas hat das bemerkt, dass ihr Buch über die Revolution auf ein Plädoyer für die Räterepublik hinausläuft.

Sie konnte ja bekanntlich mit den Marxisten der Frankfurter Schule nichts anfangen. Aber sie fand den Anarchisten Cohn-Bendit toll.

Das Irre ist: Hans Magnus Enzensberger hat irgendwann um 1968 die Studentenrevolutionäre Bernd Rabehl, Christian Semmler und Rudi Dutschke zu sich eingeladen und sie diskutierten einen ganzen Abend lang, wie man in Deutschland eine Räte-Republik einführen könnte.

Darüber hatte sie 1963 in "Über die Revolution" geschrieben. Diese Vorstellung der Polis, der Stadt-Gemeinde, die sich versammelt, wie ein bisschen noch heute die Bürger in der Schweiz mit diesem Kantonalabstimmungen, der direkten echten Demokratie, in der Parteien nicht die Macht haben, wie bei uns – dass es ihre Ideal-Vorstellung von echter wirklicher verwirklichter Demokratie.

Das finde ich nicht falsch, sondern erfrischend. Weil es niemand mehr sagt. Wir haben ein solches Gottvertrauen in diese blöden Parteien.

Wenn man nur eins ihrer Bücher lesen will?

▶ Ich glaube, dass sie natürlich versucht, auch das Politische, wie sie es nennt, was Carl Schmitt aber genauso nannte, herauszuarbeiten: Politik nicht moralisch und nicht nur institutionell verstanden, sondern als Akt. Selbst miterlebt hat sie aber nur eine Revolution, den Ungarn-Aufstand.

Willi Winkler: Genau! Sie war tatsächlich im Herbst 1956, als dieser Aufstand war, gerade in Deutschland, in Münster. Und ihr Mann hatte Angst um sie, als die Ungarn begannen, die Welt um Hilfe zu rufen – aber sie hat ihm geschrieben: "Du weißt doch, Amerikaner kommen immer heraus."

Für sie war dies eine Revolution, die in ihrer Gegenwart stattfand und fühlbar war und niedergeschlagen wurde wie der Spartakus-Aufstand. Oder wie die Pariser "Kommune"

Ihr kleines Buch über die Ungarn-Revolution war 1958 ihr erstes Buch im Piper-Verlag. Die Totalitarismusstudie ist zuerst bei EVA erschienen. Sie wollte dieses Buch Rosa Luxemburg widmen, aber der Piper Verlag hat das unterbunden – so war die Bundesrepublik in den 1950er-Jahren.

▶ Letzte Frage: Wenn man nur ein Buch von ihr liest, welches?

Willi Winkler: Ah, schwierig. "Menschen in finsteren Zeiten", die Sammlung von Porträts.

Willi Winkler: "Hannah Arendt. Ein Leben [1]"; Rowohlt Verlag 2025; 512 S.; 32 Euro


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11102545

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.rowohlt.de/buch/willi-winkler-hannah-arendt-9783737101097

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise developer neueste Meldungen ff.org

Amazons radikaler Plan für veraltete Software

Von Heise — 04. Dezember 2025 um 15:16
Explosion mit Container, Aufschrift Tech Debt

(Bild: Amazon.com, Inc.)

AWS rüstet seine KI-Werkzeuge massiv für die Wartung von Bestandssoftware auf. Unter dem Label AWS Transform bündelt Amazon passende neue Funktionen.

Auf seiner diesjährigen Hausmesse AWS re:Invent in Las Vegas packt Amazon Web Services eines der hartnäckigsten Probleme der Unternehmens-IT an: technische Schulden – die unweigerlich beim Alterungsprozess von IT-Infrastruktur und Softwaretechnik zutage treten, wenn neuere Techniken ältere ersetzen. Und das setzte Amazon effektvoll in Szene: Auf der voll ausgebuchten Hausmesse, die AWS bei 60.000 Besuchern abriegelte, kamen Community-Influencer aus dem AWS-Hero-Programm sowie ausgewählte Analysten und Journalisten auf einem Gelände unweit des Konferenzortes zusammen. Dort ließen sie einen mit Tech Debt beschrifteten Container von einem Kran auf Pakete mit Sprengstoff fallen.

Während generative KI bisher vornehmlich als Beschleuniger für die Erstellung neuer Software gefeiert wurde, verschiebt AWS den Fokus nun auf die Sanierung und Modernisierung alter Codebasen. AWS baut die Fähigkeiten seiner Q-Agentenfamilie unter dem neuen, AWS Transform getauften Service massiv aus. Die neuen Funktionen sind unter dem Dach dieses Dienstes gebündelt, nutzen im Hintergrund jedoch die agentische Technik, die AWS im vergangenen Jahr noch unter dem Markennamen Amazon Q Developer vertrieben hat, um tief in die proprietäre Logik von Unternehmen einzugreifen.

Maßgeschneidertes Refactoring per natürlicher Sprache

Die wohl bedeutendste Neuerung ist die Einführung von AWS Transform Custom. Bisherige KI-Tools stießen schnell an ihre Grenzen, wenn es um die Aktualisierung interner, nicht-öffentlicher Softwarekomponenten ging. Während eine KI problemlos den Pfad von Java 8 auf Java 17 kennt, fehlte ihr bislang das Wissen, um etwa eine firmeneigene Authentifizierungs-Bibliothek durch deren Nachfolger zu ersetzen. Genau diese Lücke schließt AWS nun, indem Entwickler dem Agenten in natürlicher Sprache auf das Projekt zugeschnittene Modernisierungsregeln beibringen können.

Anstatt komplexe reguläre Ausdrücke zu schreiben oder Migrations-Skripte zu basteln, genügt nun eine Beschreibung der gewünschten Änderungen, beispielsweise wie eine veraltete interne API durch einen neuen Standard ersetzt werden soll. Der KI-Agent analysiert daraufhin die gesamte Codebasis einer Organisation, identifiziert alle betroffenen Stellen und erstellt eigenständig einen Migrationsplan. Der Prozess läuft dabei weitgehend autonom ab, da der Agent die notwendigen Änderungen über hunderte oder tausende von Repositories hinweg durchführt und die Ergebnisse als fertige Pull Requests einreicht. Die Rolle der menschlichen Entwickler verschiebt sich dabei von der manuellen Fleißarbeit des Suchen-und-Ersetzens hin zur Überprüfung der vorgeschlagenen Änderungen, was eine drastische Reduktion des Aufwands bei großangelegten Refactoring-Projekten verspricht.

Vom Jobol zu echtem Java: Mainframe-Modernisierung 2.0

Auch für den klassischen Mainframe-Bereich hat AWS seine Modernisierungs-Werkzeuge unter der Transform-Marke grundlegend überarbeitet. Ein häufiger Kritikpunkt an bisherigen automatisierten Migrationen von COBOL oder PL/I nach Java war die Qualität des erzeugten Codes. Oft entstand dabei sogenanntes Jobol – Java-Code, der syntaktisch zwar korrekt ist, aber in Struktur und Logik noch immer wie COBOL aussieht und dementsprechend schwer zu warten ist. Die neuen Reimagine-Funktionen setzen hier mit einem intelligenteren Ansatz an, bei dem die KI nicht mehr Zeile für Zeile übersetzt, sondern die zugrundeliegende Geschäftslogik und die Intention des ursprünglichen Programms analysiert.

Auf dieser Basis generiert das Tool neuen, idiomatischen Java-Code, der modernen Architekturmustern und einem domänengetriebenen Design (Domain-Driven Design) folgt. Das Ziel ist eine Codebasis, die sich für Java-Entwickler natürlich anfühlt und nicht mehr die Altlasten der prozeduralen Mainframe-Logik mitschleppt. Um das Risiko solcher tiefgreifenden Transformationen zu minimieren, führt AWS zudem eine automatisierte Testgenerierung ein. Die neuen Werkzeuge sind in der Lage, das funktionale Verhalten der Mainframe-Anwendungen aufzuzeichnen und daraus automatisch Testfälle abzuleiten, die den neu generierten Java-Code validieren und die Funktionsgleichheit sicherstellen.

Mit diesen Ankündigungen unterstreicht AWS seine Strategie, generative KI von einem reinen Assistenzsystem zu einem proaktiven Werkzeug für das Management des gesamten Software-Lebenszyklus weiterzuentwickeln. Insbesondere die Fähigkeit, proprietäre Regeln zu verstehen und anzuwenden, dürfte für Großunternehmen ein entscheidender Faktor sein, um die Modernisierung ihrer gewachsenen IT-Landschaften zu beschleunigen.

Johannes Koch – Principal Engineer Technical Architecture bei FICO, Mitgründer des AWS Community DACH Fördervereins und als Teil der Hero Community vor Ort in Vegas – betonte im Gespräch mit iX: „Ich kann mir gut vorstellen, dass AWS in der Zukunft unter der Marke AWS Transform auch allgemeinere Transformationen, zum Beispiel im Bereich der Architektur einer Anwendung oder von einer zu einer anderen Programmiersprache unterbringt. Damit würde der Dienst zu einem Allzweckwerkzeug werden, um die Wartung beziehungsweise Weiterentwicklung sogenannter Legacy-Systeme zu vereinfachen.“

Die Preisgestaltung von AWS Transform hängt von der Nutzung ab – einige Nutzungsszenarien wie der Mainframe Transformation Agent sind kostenfrei, benutzerdefinierte Transformationen mit dem AWS Transform Custom rechnet Amazon nach Agenten-Minuten ab. Genaue Informationen zum Pricing sind bei Amazon [1] zu finden.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11102979

Links in diesem Artikel:
[1] https://aws.amazon.com/transform/pricing/
[2] https://www.heise.de/ix
[3] mailto:fo@heise.de

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ heise developer neueste Meldungen ff.org

Open-Source-Toolkit: KI-Unternehmen Anthropic übernimmt Bun

Von Heise — 04. Dezember 2025 um 09:51
Mann in Anzug hält breit gefächerte Dollarscheine in die Kamera

(Bild: TierneyMJ/Shutterstock.com)

Das KI-Unternehmen Anthropic hat das quelloffene JavaScript-Toolkit Bun gekauft, das es für die Infrastruktur von Claude Code verwendet.

Bun wurde von Anthropic übernommen, wie der Bun-Erfinder Jarred Sumner auf dem Bun-Blog mitteilt. Das JavaScript-Toolkit, bestehend aus Runtime, Bundler, Test Runner und Paketmanager, soll die Infrastruktur für Anthropics KI-Coding-Technologien Claude Code und Claude Agent SDK sowie künftige KI-Coding-Projekte darstellen.

Bun bleibt Open Source

Laut Sumners Ausführungen [1] wird Bun auch weiterhin Open Source und MIT-lizenziert bleiben. Auch soll das gleiche Team wie bisher an Bun arbeiten und die Entwicklung weiter öffentlich auf GitHub stattfinden. Die Roadmap soll den Fokus auf Performance und Node.js-Kompatibilität beibehalten – und darauf, Node.js als die standardmäßige serverseitige Runtime für JavaScript zu ersetzen.

Bun erschien erstmals im Juli 2022 und verfolgte bereits damals das Ziel, ein „Drop-in“-Ersatz für Node.js zu werden. Schon innerhalb der ersten Woche erzielte das Projekt 20.000 GitHub-Sterne, wie sich der Bun-Erfinder zurückerinnert. Inzwischen ist die Zahl auf über 83.000 Sterne angestiegen und präsentiert sich seit Version 1.3 [4] als Full‑Stack-JavaScript-Runtime.

Übernahme durch Anthropic

Anthropics Claude Code, ein agentisches KI-Coding-Tool, läuft mit Bun, und bereits während der letzten Monate hat das Bun-Team die Issues des Claude-Code-Teams mit Priorität bearbeitet. Nach Gesprächen mit Anthropic folgt jetzt die Übernahme von Bun, das selbst keine Einnahmen hatte: Anthropic kauft Bun [5] als essenzielle Infrastruktur für Claude Code [6], die Toolsammlung Claude Agent SDK und zukünftige KI-Coding-Produkte.

Wie Sumner betont, soll dieser Schritt Bun zu langfristiger Stabilität verhelfen. Außerdem will man nun zusätzliche Software Engineers einstellen. Laut Sumner passen die beiden Seiten auf natürliche Weise zusammen [7], denn: „Bun begann mit einem Fokus darauf, Developer schneller zu machen. KI-Coding-Tools tun etwas Ähnliches.“


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11102360

Links in diesem Artikel:
[1] https://bun.com/blog/bun-joins-anthropic
[2] https://enterjs.de/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_enterJS.empfehlung-ho.link.link
[3] https://enterjs.de/tickets.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_enterJS.empfehlung-ho.link.link
[4] https://www.heise.de/news/Webentwicklung-Bun-1-3-wird-zur-Full-Stack-JavaScript-Runtime-10756028.html
[5] https://www.anthropic.com/news/anthropic-acquires-bun-as-claude-code-reaches-usd1b-milestone
[6] https://www.heise.de/news/Claude-Code-Neue-Web-Version-bringt-mehrere-Vorteile-fuer-Entwickler-mit-sich-10793149.html
[7] https://bun.com/blog/bun-joins-anthropic#why-this-makes-sense
[8] mailto:mai@heise.de

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ iMonitor Internetstörungen

Störungsmeldung vom 04.12.2025 12:00

Von heise online — 04. Dezember 2025 um 12:00

Neue Störungsmeldung für Provider Netcologne

Details

Beginn
04.12.2025 12:00
Region
Aachen (0241)
Provider
Netcologne
Zugangsart
VDSL

Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden

✇ heise Security

Jetzt patchen! Kritische Schadcodelücke bedroht React

Von Heise — 04. Dezember 2025 um 10:22
Ein symbolisches Schild erinnert an Updates.

(Bild: Artur Szczybylo/Shutterstock.com)

Die JavaScript-Programmbibliothek React und bestimmte damit erstellte Apps sind verwundbar. Sicherheitsupdates stehen zum Download bereit.

Softwareentwickler, die mit React arbeiten, sollten die JavaScript-Programmbibliothek aus Sicherheitsgründen umgehend auf den aktuellen Stand bringen. Geschieht das nicht, können Angreifer eine Schwachstelle ausnutzen und Systeme durch das Ausführen von Schadcode vollständig kompromittieren. Sicherheitsupdates sind verfügbar.

Die Bedrohung

Aus einer Warnmeldung geht hervor [1], dass React Server Components von der „kritischen“ Lücke (CVE-2025-55182) mit Höchstwertung (CVSS Score 10 von 10) betroffen sind. Die Entwickler geben an, dass die Schwachstelle konkret die folgenden Komponenten der React-Ausgaben 19.0, 19.1.0, 19.1.1 und 19.2.0 bedroht:

  • react-server-dom-webpack
  • react-server-dom-parcel
  • react-server-dom-turbopack

Weiterhin führen sie aus, dass wahrscheinlich auch mit React erstellte Apps, die keine React-Server-Funktionen nutzen, verwundbar sind. Allein die Möglichkeit, sie nutzen zu können, reicht für einen möglichen Angriff aus.

Die Entwickler versichern, das Sicherheitsproblem in den Versionen 19.0.1, 19.1.2 und 19.2.1 gelöst zu haben. Die React-Frameworks und Bundler next, react-router, waku, @parcel/rsc, @vitejs/plugin-rsc und rwsdk sind ebenfalls verwundbar. Eine Lösung zur Absicherung für diese Fälle wollen die Entwickler nachliefern. Weitere Hinweise zum Ablauf von Updates finden Admins in der Warnmeldung [2].

Stehen Attacken kurz bevor?

Angriffe sollen aus der Ferne und ohne Authentifizierung möglich sein. Bei der App-Entwicklung können Angreifer im Kontext der Kommunikation zwischen Clients und Servern HTTP-Anfragen manipulieren und letztlich Schadcode ausführen. Weitere Details zur Schwachstelle sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Ein Sicherheitsforscher hat die React-Schwachstelle in Anspielung auf die Log4j-Lücke [3] React2Shell getauft. In einem Beitrag von ihm auf X [4] dazu steht ein Hashwert. Zum jetzigen Zeitpunkt ist unklar, welchen Ursprung dieser Wert hat. Ein Zusammenhang zu einem Proof of Concept Exploit (PoC) liegt nahe. Dagegen spricht aber die Aussage von Tenable-Sicherheitsforschern [5], dass es derzeit keine Hinweise auf einen PoC zum Attackieren von Instanzen mit Standardkonfigurationen gibt.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11102366

Links in diesem Artikel:
[1] https://react.dev/blog/2025/12/03/critical-security-vulnerability-in-react-server-components
[2] https://react.dev/blog/2025/12/03/critical-security-vulnerability-in-react-server-components
[3] https://www.heise.de/news/Kritische-Zero-Day-Luecke-in-log4j-gefaehrdet-zahlreiche-Server-und-Apps-6291653.html
[4] https://x.com/_sy1vi3/status/1996245779388772381?s=20
[5] https://www.tenable.com/blog/react2shell-cve-2025-55182-react-server-components-rce
[6] https://pro.heise.de/security/?LPID=45883_HS1L0001_33064_999_0&wt_mc=intern.fd.secuirtypro.Aktionsende25.disp.disp.disp
[7] mailto:des@heise.de

Copyright © 2025 Heise Medien

Adblock test (Why?)

✇ Golem.de Full über fivefilters.org

Nach fast 30 Jahren: Crucial ist Geschichte

Von Oliver Nickel — 04. Dezember 2025 um 09:13
Micron verkauft Crucial- SSDs und -RAM an Endkunden. Die Marke wird bald eingestellt, um Kapazitäten für Enterprise-RAM zu schaffen.
Unter der Marke Crucial verkauft Micron RAM für Endkunden. (Bild: Micron)
Unter der Marke Crucial verkauft Micron RAM für Endkunden. Bild: Micron

Micron wird die unter PC-Enthusiasten bekannte Marke Crucial einstellen. Das hat der Konzern in einer Pressemitteilung bekanntgegeben . Crucial verkauft vor allem RAM-Riegel und vergleichsweise günstige SSDs für den Endkundenmarkt. Aus diesem Segment will Micron aussteigen und sich in Zukunft nur noch auf den Enterprise-Markt fokussieren. Damit beendet Micron auch eine Marke, die fast 30 Jahre lang etabliert war.

"Micron wird weiterhin Crucial-Consumer-Produkte über entsprechende Kanäle bis zum Ende des Fiskalquartals Q2 verkaufen" , schreibt das Unternehmen in der Meldung. Bei Micron endet Q2 im Februar 2026. Es sollen zudem existierende Produkte weiterhin durch Garantien abgedeckt bleiben. Dafür arbeitet Micron mit Partnern zusammen.

Margen im Enterprise-Sektor sind besser

Mit dem Schritt konzentriert sich Micron vollkommen auf den Enterprise-Markt, der durch den anhaltenden KI-Boom immer mehr Arbeitsspeicher und Flash-Speicher für Training und Inferencing benötigt. Durch die Einstellung der Crucial-Marke will Micron Kapazitäten freimachen, um mehr Speicher für Unternehmen herzustellen. Der wird normalerweise für wesentlich höhere Margen verkauft und ist entsprechend lukrativ.

Der Hersteller Phison , der Controller für Flash-Speicher herstellt, hat in der Vergangenheit betont, dass die Versorgung durch Arbeitsspeicher in den kommenden Jahren weiterhin knapp und Preise für RAM und Flash-Zellen teuer bleiben werden. Auf dem Endkundenmarkt können User bereits Preissteigerungen von weit über 200 Prozent im Vergleich zu einigen Vormonaten beobachten. Solche Preissteigerungen sind auch auf dem Enterprise-Markt sichtbar, weshalb Micron sich durch den schnellen Wechsel mehr Gewinne erhofft.

Adblock test (Why?)

❌