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Alpengletscher sind zentral für den Energiehaushalt der Erde. Mit neuer Drohnentechnik und KI kartieren Forscher sie auf wenige Zentimeter genau.
Wer sich den Klimawandel einmal in beeindruckender Konkretheit vor Augen führen möchte, dem kann man empfehlen, sich die zeitliche Entwicklung eines beliebigen Gletschers der Ostalpen über die vergangenen 15 Jahre anzuschauen. Die Gletscherränder wandern bergauf, dem weißen Schnee weicht eine graue, steinige Eismasse und immer mehr dieser schönen Riesen verwandeln sich in das wohl traurigste Phänomen des Alpenraums: Toteisfelder.
Dabei sind Gletscher eine Lebensader für den Menschen, die das Klima stabil hält. Sie reflektieren durch weitläufige Schneefelder die Sonnenenergie, was die sogenannte Albedo der Erde erhöht, also den Anteil der Sonnenenergie, den die Erde wieder ins All zurückwirft. Zugleich speichern sie im Winter Wasser als Schnee, das zur Sommerzeit als Frischwasser in Flüssen Richtung Meer fließt und dabei eine Reihe von wichtigen Funktionen erfüllt.
Die Gletscher und Eiskappen sind also nicht bloß schützenswerter Lebensraum und Ausflugsziel, sondern ihr Verschwinden begünstigt die Erderwärmung und beschleunigt damit die weitere Gletscherschmelze. In der Physik spricht man von einem Kippelement, wenn man ein derart selbstverstärkendes Verhalten beobachtet. Gerade deswegen ist es so wichtig für die Klimaforschung und die Gesellschaft, ein möglichst genaues Bild der Gletscher und deren aktueller Entwicklung zu gewinnen.
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[1] https://www.heise.de/hintergrund/Monitoring-der-Alpengletscher-mit-Drohnenaufnahmen-und-digitalen-Zwillingen-10764696.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Klimaschutz-oder-Greenwashing-Apples-kontroverses-Baum-Projekt-in-Brasilien-10783625.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Warum-Microsoft-beim-Klimaschutz-Rueckschritte-macht-9736907.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Greenpeace-zu-Apples-Oekostrategie-Ohne-die-Lieferkette-geht-das-nicht-9614634.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Nachhaltigkeit-und-KI-Wie-intelligente-Modelle-das-Klima-beeinflussen-10441353.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Bit-Rauschen-Hohe-Umsaetze-und-Umweltbelastungen-durch-KI-10399038.html
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(Bild: Luke Maximo Bell/Screenshot)
Die Solardrohne von Luke Maximo Bell fliegt mit dem Strom, den Solarzellen gerade liefern. Das Design der Drohne ist besonders effizient.
Der südafrikanische Ingenieur Luke Maximo Bell hat eine Drohne gebaut, die ausschließlich von Solarenergie angetrieben wird. Um das zu erreichen, musste Bell jedoch einige Optimierungen an der Drohne hinsichtlich des Gewichts und der Effizienz vornehmen.
Die Drohne baute Bell, der bereits durch die Weltrekord-Hochgeschwindigkeitsdrohnen zusammen mit seinem Vater bekannt geworden ist [1], von Grund auf neu auf. Ihr Grundgerüst besteht im Wesentlichen aus zwei Karbonstangen, die mit 3D-gedruckten Verbindern über Kreuz miteinander verbunden sind.
An den Enden befestigte Bell vier Motoren des Typs T-Motor Antigravity MN4004 300 KV. Dabei handelt es sich um einen leichten, leistungsstarken bürstenlosen Drohnenmotor, der 300 Umdrehungen pro angelegtem Volt Spannung erzielt. Der Motor verwendet eine einzige Kupferdrahtwicklung, minimiert damit den Energieverlust und ist sehr schmal aufgebaut. Zusätzlich leitet der Motor die entstehende Wärme gut ab und ist stabil. Insgesamt soll der Motor eine sehr gute dynamische Rotorbalance liefern und schnell beschleunigen können. Das soll ein stabiles Fliegen mit den NS-18x16-Rotoren ermöglichen, die ebenfalls von T-Motor stammen und aus Karbonfaser gefertigt sind. Durch deren geringes Gewicht muss weniger Masse beschleunigt werden. Das verbessert die Flugeffizienz, erläutert Bell.
Zusätzlich spendierte der Ingenieur der Drohne unterhalb des Motors Landefüße, die ebenfalls aus dem 3D-Drucker kommen und der Drohne beim Start etwas Abstand vom Boden verschaffen. Die Steuerungselektronik platzierte Bell in der Mitte der Drohne [3].
Zunächst machte der Südafrikaner einen Probeflug mit der Drohne unter Verwendung eines Akkus. Die Drohne flog nach Kalibrierungsarbeiten weitgehend stabil. Zugleich bestimmte Bell die benötigte Leistung zum Abheben und für einen herkömmlichen Flugbetrieb, um die benötigten Solarzellen ermitteln zu können. Nach Angaben von Bell erzeugen die Motoren einen Auftrieb von 17 g pro Watt. Seine Drohne benötigt jedoch lediglich 0,7 g pro Watt, um seine Drohne aufsteigen lassen zu können, was für eine hohe Effizienz seines Designs spricht.
Danach machte sich Bell an den eigentlichen Energielieferanten des Systems: die Solarzellen. Dazu verwendete er Maxeon Sunpower C60 Silizium-Solarpanel mit einer Kantenlänge von 161 mm. Sie leisten ungefähr 5 Watt pro Zelle in vollem Sonnenlicht und sind ultraleicht – aber auch sehr bruchanfällig, wie er zum eigenen Leidwesen mehrfach feststellen musste. Bell fasste drei Arrays von je 3 × 3 Panel zusammen und erreichte eine Ausgangsspannung von 24 Volt bei ungefähr 97 W. In der Spitze fiel die Leistung unter voller Sonneneinstrahlung noch höher aus.
Die Solarzellen befestigte Dell auf einer Konstruktion aus leichten Karbonstangen, die er auf der Oberseite der Drohne befestigte. Zuvor hatte er mit einer Widerstandsmessung ausprobiert, ob die Solarzellen überhaupt ausreichend Energie liefern würden.
Bell gelang es, die Drohne in vollem Sonnenlicht aufsteigen zu lassen. Er verwendete dabei weder Kondensatoren noch eine Batterie zur Zwischenpufferung des Stroms.
Der Südafrikaner plant nun, die Drohne mit einer Pufferbatterie und autonomen Funktionen zu erweitern. Sein Ziel: Er möchte einen Weltrekord für die am längsten in der Luft bleibende Drohne aufstellen.
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[1] https://www.heise.de/news/Peregreen-3-Schnellste-elektrische-DIY-Quadkopter-Drohne-fliegt-585-km-h-10904810.html
[2] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[3] https://www.heise.de/thema/Drohnen
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TotalEnergies will das gestoppte Gasprojekt wieder starten. Doch die Kosten explodieren – und Großbritannien will jetzt aussteigen.
Der französische Energiekonzern TotalEnergies will eines der größten Energieprojekte Afrikas nach vierjähriger Zwangspause wieder aufnehmen. Das Unternehmen teilte am Samstag mit, die höhere Gewalt (force majeure) für das 20-Milliarden-Dollar-Projekt zur Gasverflüssigung in Mosambik aufzuheben.
Das als MozambiqueLNG bekannte Vorhaben war 2021 gestoppt worden, nachdem islamistische Milizen in der Provinz Cabo Delgado, in der das Projekt gebaut wird, einen tödlichen Terroranschlag verübt hatten.
Doch der Neustart wird teuer: TotalEnergies-Chef Patrick Pouyanné hat die Regierung in Maputo um die Genehmigung von Mehrkosten in Höhe von zusätzlich 4,5 Milliarden US-Dollar gebeten. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person äußerte [1] gegenüber der Financial Times, die Kosten könnten unter den Projektentwicklern aufgeteilt werden.
Außerdem steht eine Verlängerung des Zeitplans um viereinhalb Jahre im Raum. Nach dem aktualisierten Zeitplan würden die ersten Gaslieferungen erst in der ersten Jahreshälfte 2029 beginnen – fünf Jahre später als ursprünglich geplant.
An MozambiqueLNG sind neben TotalEnergies mit 26,5 Prozent auch der japanische Energiekonzern Mitsui mit 20 Prozent, die mosambikanische staatliche Energiegesellschaft ENH mit 15 Prozent sowie mehrere indische und thailändische Unternehmen beteiligt.
Sollten die Zusatzkosten von 4,5 Mrd. US-Dollar tatsächlich entsprechend den Anteilen an dem Projekt aufgeteilt werden, kämen auf Mosambik Mehrkosten von immerhin 675 Mio. US-Dollar zu.
Das Projekt soll eine maximale Kapazität von bis zu 43 Millionen Tonnen verflüssigtes Erdgas pro Jahr erreichen. Die Anlage auf der Afungi-Halbinsel [2] ist bereits zu 40 Prozent fertiggestellt.
Dort plant auch der US-Ölkonzern ExxonMobil ein weiteres 30-Milliarden-Dollar-Projekt. Wenn es denn zustande kommt, wäre es das größte seiner Art auf dem gesamten Kontinent. Doch Sicherheitsbedenken verzögern auch hier den Start der Arbeiten [3], der jetzt für 2026 erwartet wird.
Während TotalEnergies die Fortsetzung des Projekts vorantreibt, versuchen internationale Geldgeber, auszusteigen. Die britische Regierung lässt rechtlich prüfen, ob sie ihre Zusage für ein Darlehen über 1,15 Milliarden US-Dollar zurückziehen kann.
Großbritannien hatte die Finanzierung im Juni 2020 über die staatliche Exportfinanzierungsagentur UKEF zugesagt. Weniger als ein Jahr später wurde das Projekt jedoch durch die Terrorangriffe gestoppt. Die britische Regierung hat eine Menschenrechtsprüfung in Auftrag gegeben.
Die Financial Times weist in diesem Zusammenhang auf die Aussage eines britischen Regierungsvertreters hin, der die Situation von Ort als “ein blutiges Durcheinander“ bezeichnet [4] hatte. Das lässt darauf schließen, dass Sicherheitsbedenken bei dieser Entscheidung wichtiger sind als menschenrechtliche Erwägungen.
Auch die Niederlande überdenken ihre Unterstützung. Das niederländische Finanzministerium teilte mit, die Kreditagentur bewerte die "Sicherheits- und Menschenrechtslage" neu, bevor über die Wiederaufnahme einer Exportkreditversicherung über etwa eine Milliarde Euro entschieden werde.
Das Projekt ist von Kontroversen überschattet, insbesondere von Vorwürfen der Menschenrechtsverletzungen durch mosambikanische Soldaten [5], die das Vorhaben schützen sollen.
In der Provinz Cabo Delgado werden seit Jahren blutige Konflikte [6] mit Tausenden Toten und Hunderttausenden Vertriebenen ausgetragen. Nach dem Angriff 2021 rief das mosambikanische Militär ruandische Streitkräfte zu Hilfe, um die Ordnung wiederherzustellen. Trotzdem gibt es weiterhin schwere Sicherheitsbedenken.
Mosambik gehört zu den ärmsten und am höchsten verschuldeten Staaten weltweit. Nach Angaben der Entwicklungsagentur der Weltbank (IDA) hatte Mosambik 2023 Auslandsschulden von knapp 67 Milliarden US-Dollar [7] – das entspricht etwa 350 Prozent [8] des Bruttonationaleinkommens von umgerechnet knapp 19 Mrd. US-Dollar. Mosambik hat annähernd 35 Mio. Einwohner.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.ft.com/content/4209c834-4292-4ae2-b6ab-dcabb28fd3c2[2] https://www.google.de/maps/place/Afungi/@-11.1756396,43.0070801,6.5z/data=!4m6!3m5!1s0x1892fb0006c6227d:0xd3ad5dbed5b94704!8m2!3d-10.8121046!4d40.5468754!16s%2Fg%2F11x84kq4wg[3] https://www.reuters.com/business/energy/exxon-chief-sought-security-assurances-gas-terminal-mozambique-president-ft-2025-09-30/[4] https://www.ft.com/content/cacd29fb-1535-4462-bd5f-3f2bcb546a8d[5] https://www.politico.eu/article/uk-government-drop-project-support-gas-mozambique-totalenergies/[6] https://oilchange.org/news/campaigners-call-on-uk-government-to-withdraw-financing-for-fossil-fuel-project-in-mozambique-or-potentially-face-legal-action-2/[7] https://datatopics.worldbank.org/debt/ids/creditorcomposition/MOZ[8] https://ida.worldbank.org/en/financing/debt/country/mozambique
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Melt. Film von Nikolaus Geyrhalter, gezeigt auf DOC Leipzig.
Das neue Klimaregime fordert ein Umdenken im Verhältnis von Mensch und Natur. Filme bei DOK Leipzig zeigten Ansätze dafür. Wie weit darf der Mensch zurücktreten?
Das Terrestrische ist kein Ort, sondern eine Weise zu existieren. Es bedeutet, sich in Beziehungen einzuschreiben, von denen man abhängt, anstatt sich davon zu lösen.
Bruno Latour
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Matthäus 5,5
Das Anthropozän, das Zeitalter der durch den Menschen (um-)gestalteten Natur ist im Kino angekommen. Das zeigte sich recht deutlich bei der diesjährigen DOK Leipzig [1], dem wichtigsten Dokumentarfilmfestival Deutschlands, und einem der wichtigsten weltweit, das am Sonntagabend zu Ende ging.
Bereits am Samstag wurden durch 12 Jurys die 17 Preise vergeben. Überhaupt kennzeichnet ein Überfluss an Sektionen (16) und Filmen (252) dieses Festival, dem etwas mehr Klarheit und Beschränkung auf Wesentliches guttäte.
Aber trotzdem waren nach einer knappen Festivalwoche klare Trends und "rote Fäden" im Programm erkennbar.
Einer davon sind der Klimawandel und ein verändertes Verhältnis vieler Menschen zur Erde. Prägnant zeigte sich das in dem französischen Film "Il est temps d’atterrir" [2] von Raphaël Girardot und Vincent Gaullier, der den internationalen Titel "Time to Land" trägt, also: "Zeit sich zu 'vererden'", oder mit den Worten des Philosophen Bruno Latour (1947-2022) formuliert: "terrestrisch zu werden".
Latour spielt eine zentrale Rolle in diesem Film und stand den Regisseuren auch für mehrere Online-Gespräche zur Verfügung. Dabei zeigt er sich zunehmend gezeichnet von seiner Krebserkrankung, zugleich aber als präziser Analyst mit Verve, Humor und klaren Statements.
In seinem Buch "Kampf um Gaia" behauptet Latour die Heraufkunft eines "neuen Klimaregimes", wie er es versteht, einer umfassenden Transformation von Natur-, Wissenschafts-, Politik- und Gesellschaftsverhältnissen. Die Natur tritt nicht länger als Objekt auf, sondern wird zum Akteur.
Mit solchen Ideen wurde Latour zum international bekannten Kämpfer für das Verschieben von Paradigmen, verbunden mit dem Ziel, das menschliche Individuum möge seinen eigenen "Platz im Kreislauf der Natur" neu definieren.
Der Philosoph prägte dafür den Begriff einer "ökologischen Klasse", die es auf dem Planeten Erde zu erschaffen gilt, um sich grundlegender Optionen für das Handeln in Krisen bewusst zu werden.
Die Filmemacher Raphaël Girardot und Vincent Gaullier versuchen in ihrem Film die oft abstrakten und metaphorisch formulierten Thesen Latours möglichst konkret in der Erfahrungswelt zu verankern, und stellen die Frage, wie wir dort, fern von Wissenschaft und Universität, auf Latours Fragen, Visionen und Konzepte reagieren? Regen sie Debatten an, wenn wir ihnen begegnen? Erreichen sie uns?
Dazu treffen sie in Frankreich, Belgien und im Senegal Menschen, die Latour beim Wort nehmen, und beim Beobachten, Beschreiben und Handeln eigene neue Wege beschreiten wollen oder es in neuen Gemeinschaften bereits tun – auf Äckern und in Wäldern, beim Fischen und Demonstrieren, als Autonome und in gängigen Strukturen. Einige davon konfrontieren die Regisseure mit Latours Schriften, stoßen Gedanken und Gespräche an und lassen Bruno Latour selbst mit kurzen Statements wiederum darauf reagieren.
Deutlich wird an manchen Stellen des Films die grundsätzliche Gefahr, den Menschen und sein Leben gegenüber der Natur auch moralisch und in seinem "Wert" zu relativieren, und ihm gegenüber im "Kreislauf der Natur" (so Latours Lieblingsformel. Aber gibt es den überhaupt? Und wer läuft hier eigentlich mit wem nach welchen Gesetzen?) nur einen marginalen Platz geben wollen.
Bei aller Vorsicht gegenüber manchen gewagten und "steilen" Thesen des Franzosen gab es in Leipzig einige Filme, die dem Publikum eine Ahnung davon gaben, was das "neue Klimaregime" in der Praxis bedeutet: Der kanadische Film "The Inheritors" (Regie: Serge-Olivier Rondeau) schildert das Leben der Möwen. Riesige Kolonien dieser Tiere, genau gesagt der "Ringschnabelmöwen" hausen nahe Montreal.
Der Film zeigt diesen riesigen kreischenden Haufen, der keinen Menschen braucht, und außer durch die Kamera auch ungestört ist. Doch der Schein des Friedens trügt. Denn die Möwen jagen, töten und fressen sich gegenseitig, obwohl genug Futter da ist, die Stärksten kommen durch und wir Zuschauer erfahren am Schluss, dass diese offenkundig sozialdarwinistisch verfasste Natur vollkommen dem Menschen zu verdanken ist.
Er rettete die vor über 100 Jahren fast ausgestorbenen Vögel und päppelte sie derart erfolgreich auf, dass sie heute zur Plage geworden sind und sich von den Müllhalden der Metropole ernähren. Wir lernen: auch die Natur ist "künstlich" und auch künstliche Natur bedroht den Menschen. Schade, dass Monsieur Latour hierzu jetzt nicht mehr seine Meinung sagen kann.
In anderen Filmen entstehen Flüsse oder sie fließen unter der Stadt durch unterirdische Betonstraßen, Felsen sprechen und Menschen beschwören die Kraft der Naturgesetze. Der Film "Oscurana" aus Honduras zeigte Wanderungen der Menschen durch sich wandelnde Landschaften.
"Melt" vom bekannten österreichischen Regisseur Nikolaus Geyrhalter ist in diesem Feld eine "sichere Bank". Der Slowcinema-Style Geyrhalters und seine Vorliebe für menschenarme Räume kommt dem Ziel entgegen, im Hier und Jetzt posthistorische Kulissen aufzuspüren, in denen allenfalls Maschinen noch handeln.
Der Filmemacher zeigt die Eiswüsten der etwa zwei Prozent der Erdoberfläche, die von gefrorenem Wasser bedeckt ist. Der Großteil unseres Süßwassers ist darin gespeichert, und 'wird mit dem Klimawandel freigesetzt.
Geyrhalter findet auch in seinem jüngsten Werk die von ihm gewohnten opulenten Bilder diesmal einer Welt aus Eis und Schnee. Auch zeigt er das Leben der Eskimos in Kanada und wie die Schneekanonen im französischen Val d’Isère den Ski-Tourismus retten.
"Melt" widerlegte allerdings auch Latours Ideen, denn er zeigte oft Verhältnisse, in denen die Menschen nicht erst heute sondern jeher der Natur und ihrem Regime gehorchen müssen
Andere Filme blickten weg vom Natur-Mensch-Verhältnis auf die Menschen selbst, und was sie einander antun.
So auch der kroatische Film "Peacemaker" vom Regisseur Ivan Ramljak, der sich überraschend kritisch mit den Gründungsmythen seiner Nation auseinandersetzt und den faschistischen Kern des nationalistischen Aufstands der Kroaten gegen den jugoslawischen Staat freilegt.
Der Film beginnt mit historischen Szenen von Menschen in Panik, weinend und in Tränen aufgelöst. Sie werden von einem Fernseh-Reporter interviewt; soeben ist der Polizeichef von Osijek, Josip Reihl-Kir zusammen mit zwei weiteren Beamten auf offener Straße von kroatischen Polit-Hoologans ermordet worden, während er versuchte, zwischen der serbischen und der kroatischen Seite in der ostkroatischen Region Slawonien zu vermitteln.
Diese Episode vom 1.7.1991 war eine der ersten des jugoslawischen Bürgerkriegs. Ob es sich um einen Auftragsmord handelte, ist bis heute unklar, und nach Lage der Dinge eher unwahrscheinlich.
Der Film bietet erstaunliches Material: Ein Interview mit dem einzigen Überlebenden des Mordes, und Filmmaterial des kroatischen Fernsehens, das dort nie ausgestrahlt wurde und bis heute nicht öffentlich zugänglich ist, weil es zu kompromittierend für die kroatische Seite ist.
Der Film handelt von den gesellschaftlich-politischen Umständen, die zum Bürgerkrieg geführt haben. Regisseur Ramljak kommentierte seinen Film auch als "Versuch zu zeigen, dass es ein anderes Kroatien gibt".
Die kroatische Gesellschaft sei "tief gespalten, wie viele Gesellschaften weltweit – von Serbien bis zu den USA." Er glaube, so Ramljak, "wir sind Zeugen eines Versuchs einer konservativen Revolution, die von einer lautstarken und aggressiven Minderheit gegen eine stille und träge Mehrheit geführt wird."
Der wichtigste Preis in Leipzig ist aber der Hauptpreis im deutschen Wettbewerb. Ihn gewann die Berliner Regisseurin Yulia Lokshina für ihren Film "Active Vocabulary". Auch wenn der Mitteldeutsche Rundfunk [3], Teil der ARD, diesen Film irrwitzigerweise als "Film aus Russland" bezeichnete, handelt es sich um ein deutsches Werk, das größtenteils in Berlin spielt und gedreht wurde.
Fast ohne Filmfördergelder und ohne Senderbeteiligung produziert, erzählt die Regisseurin auf mehreren Erzählebenen von einer russischen Lehrerin, die von ihren Schülern Anfang 2022 als Kriegsgegnerin denunziert wurde und das Land verlassen musste.
Diese Episode nimmt Lokshina zum Anlass einer Art Diskursarchäologie, die Schichten der russischen Gesellschaft und der Stadtplanung für ein neues "Groß-Moskau" mit grundsätzlichen Überlegungen zur Institution Schule und dem Heranwachsen verbindet.
Vor allem aber geht es um Indoktrination und Manipulation in sozialen Netzwerken, und den Kampf um die Wahrheit. Lokshinas Filmsprache ist experimentell und anspruchsvoll – ein Film wie gemacht für den Konzentrationsraum Kino.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.dok-leipzig.de/[2] https://www.youtube.com/watch?v=cRcbn8hh9Mg[3] https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/dok-festival-leipzig-bilanz-preise-kultur-news-102.html
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Coenzym Q10 senkt den oberen Blutdruckwert moderat. Neue Studien zeigen: Niedrige Dosis und lange Einnahme bringen den größten Nutzen.
Bluthochdruck betrifft Millionen Menschen und erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Neben Medikamenten und Lebensstiländerungen interessieren sich viele Betroffene für natürliche Ergänzungen.
Coenzym Q10 – ein körpereigener Stoff, der Energie in den Zellen produziert und als Antioxidans wirkt – steht dabei im Fokus. Doch was kann das Mittel wirklich leisten?
Coenzym Q10, auch Ubiquinon genannt, ist ein fettlösliches Molekül, das in den Kraftwerken unserer Zellen – den Mitochondrien – Energie herstellt. Laut einer Studie [1], die im International Journal of Cardiology: Cardiovaskular Risk and Prevention erschienen ist, schützt es zudem Zellen vor schädlichen freien Radikalen.
Der Körper bildet Coenzym Q10 selbst, doch bei Krankheiten wie Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz reicht die Eigenproduktion oft nicht aus. Studien zeigen, dass Patienten mit Herzschwäche niedrigere Coenzym-Q10-Spiegel haben. Eine Ergänzung kann den Mangel ausgleichen und Beschwerden lindern.
In der Studie werteten die Forscher 45 Studien mit insgesamt 48 Datensätzen aus. Dabei wollten sie wissen, wie Coenzym Q10 auf den Blutdruck wirkt.
Das Ergebnis: Coenzym Q10 senkte den systolischen Blutdruck (oberer Wert) durchschnittlich um 3,44 mmHg. Der diastolische Blutdruck (unterer Wert) und die Herzfrequenz blieben weitgehend unverändert.
Die Studien unterschieden sich allerdings stark in Design, Teilnehmern und Dosierungen. Zudem gibt es Hinweise, dass kleinere Studien ohne positive Ergebnisse seltener veröffentlicht wurden, was die Wirkung möglicherweise überschätzt.
Die Detailanalyse brachte Überraschendes: Niedrigere Dosierungen unter 200 mg Coenzym Q10 täglich senkten den oberen Blutdruckwert stärker (um 6,05 mmHg) als höhere Dosen (2,72 mmHg). Auch die Einnahmedauer zählte: Studien über acht Wochen zeigten bessere Ergebnisse (−4,67 mmHg) als kürzere.
Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herzproblemen profitierten mehr als Gesunde. Die Forscher vermuten: Wer durch Krankheit niedrigere Coenzym-Q10-Spiegel hat, spricht besser auf die Ergänzung an.
Auch die Form spielt eine Rolle: Reines Coenzym Q10 wirkte besser als Mischpräparate.
Bei Typ-2-Diabetes analysierte eine Übersicht von 16 Studien [2], die in der Fachzeitschrift Clinical Therapeutics veröffentlicht wurde, die Wirkung von Coenzym Q10. Das Mittel senkte den oberen Blutdruckwert um 3,86 mmHg und den unteren um 2,70 mmHg.
Die Blutfettwerte änderten sich im Gesamtergebnis nicht. Eine Untergruppenanalyse deutete jedoch darauf hin, dass die Effekte auf die Blutfettwerte bei niedrigen Dosierungen (≤100 mg täglich) und einer Einnahmedauer von unter 12 Wochen ausgeprägter waren.
Bei Herzschwäche zeigte eine Studie mit 120 Patienten, publiziert im [3] Journal of Clinical Medicine, eindrucksvolle Verbesserungen nach sechs Monaten mit zweimal täglich 60 mg Coenzym Q10:
Coenzym Q10 wirkt über mehrere Wege:
Der untere Blutdruckwert, der den Druck in kleineren Gefäßen widerspiegelt, wird weniger beeinflusst.
Coenzym Q10 gilt laut health.com [4] bis 1.200 mg täglich als sicher. Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Sodbrennen, Müdigkeit und bei Dosen über 100 mg gelegentlich Schlaflosigkeit. Selten treten Schwindel oder Lichtempfindlichkeit auf.
Wichtig: Coenzym Q10 kann die Wirkung von Blutverdünnern wie Warfarin beeinflussen. Bei Diabetes ist Vorsicht geboten, da es den Blutzucker senken kann. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrem Arzt.
Laut health.com [5] zeigen auch andere Mittel Wirkung:
Die Forschung zeigt: Coenzym Q10 kann den oberen Blutdruckwert moderat senken, besonders bei Menschen mit Vorerkrankungen. Niedrige Dosierungen unter 200 mg täglich über mindestens acht Wochen scheinen am wirksamsten.
Bei Herzschwäche verbessert Coenzym Q10 zusätzlich die Herzfunktion und Lebensqualität. Die Wirkweise über Gefäßschutz und Energieproduktion ist wissenschaftlich belegt.
Dennoch ersetzt Coenzym Q10 keine Medikamente oder gesunde Lebensweise, sondern ergänzt diese. Die Sicherheit ist gut, aber Wechselwirkungen mit Medikamenten sind zu beachten.
Für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen bietet Coenzym Q10 eine durch Studien gestützte Option. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Dosierung und mögliche Wechselwirkungen. Weitere Forschung wird zeigen, welche Patienten am meisten profitieren und wie Coenzym Q10 mit anderen natürlichen Maßnahmen kombiniert werden kann.
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Links in diesem Artikel:[1] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12150111/[2] https://www.clinicaltherapeutics.com/article/S0149-2918(24)00414-4/abstract[3] https://www.mdpi.com/2077-0383/14/11/3675[4] https://www.health.com/supplements-to-lower-blood-pressure-8726073[5] https://www.health.com/supplements-to-lower-blood-pressure-8726073
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Der Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF), Børge Brende, warnt vor der Gefahr einer Blasenbildung in den Bereichen KI und Kryptowährung. Als Grund nannte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa) die gewaltigen Investitionen in diesen Branchen .
Zwar habe sich die Weltwirtschaft trotz geopolitischer Krisen erstaunlich widerstandsfähig gezeigt. "Diese Wirtschaft wird jedoch von Investitionen in neue Technologien wie KI angetrieben" , so Brende.
"Allein in diesem Jahr wurden 500 Milliarden US-Dollar in KI investiert. Daher besteht die Sorge, dass sich Blasen bilden könnten" , führt er aus und ergänzt: "Man investiert viel Geld, aber die Rendite lässt noch auf sich warten."
Der WEF-Präsident sieht aber auch Chancen durch neue Technologien als Wachstumstreiber. Diese könnten, seiner Einschätzung nach, im kommenden Jahrzehnt zu einer Produktivitätssteigerung von zehn Prozent beitragen, was dem Wohlstand zugutekommen könnte.
Brende glaubt zudem, dass KI und andere neue Technologien "Durchbrüche in Bereichen wie Medizin, synthetischer Biologie, Raumfahrt und Energie beschleunigen" könnte. Globale Krisen und Konflikte verursachten allerdings große Unsicherheit, die zu einem Rückgang der Investitionen führten, führt er aus.
Ziel sollte es daher sein, ein investitionsfreundliches Umfeld zu schaffen und sicherzustellen, "dass die neuen Technologien und ihre Vorteile allen zugutekommen" . Die Spannungen zwischen China und den USA sieht Brende als einen dominierenden Konflikt. "Der Wettbewerb zwischen den USA und China ist im Grunde ein Wettstreit um Hegemonie oder technologische Dominanz" , sagte er.
"Das Land, das bei neuen Technologien, sei es Quantentechnologie, Superintelligenz, KI, autonome Fahrzeuge oder synthetische Biologie, führend ist, wird auch die mächtigste Nation dieses Jahrhunderts sein" , so Brende. Werde keine gemeinsame Lösung für die drängendsten globalen Probleme gefunden, müssten andere Lösungen, wie zum Beispiel der Zusammenschluss von Ländern mit ähnlichen Interessen gefunden werden, führt Brende aus und ergänzt: "Doch die Welt wird komplexer werden" und "es wird mehr suboptimale, nicht unbedingt kosteneffiziente Lösungen geben."

Erst vor Kurzem kündigte AMD an, Grafikkarten der Generation Radeon RX 5000 und RX 6000 mit RDNA-1- und RDNA-2-Chips in den Wartungsmodus zu versetzen. Das versetzte große Teile der Community in Aufruhr. Schließlich sind diese Grafikkarten teilweise nur fünf Jahre alt. Im Mobilbereich gibt es Grafikeinheiten von 2022, die noch auf RDNA 2 basieren. Viele aktuelle Spielekonsolen wie die Playstation 5 nutzen ebenfalls RDNA 2.
AMD hat dem Magazin Tom's Hardware nun erklärt: Der Maintenance Mode soll mehr bedeuten, als nur noch Stabilitätsupdates für die Grafikkarten zu liefern. "Neue Funktionen, Fehlerbehebungen und Spieloptimierungen werden weiterhin gemäß den Marktanforderungen im Wartungsmodus bereitgestellt" , sagt AMD.
Auch diese Aussage bleibt etwas vage. So ist etwa nicht klar, was die von AMD genannten Marktanforderungen sein sollen. Wahrscheinlich werden neuere RDNA-3- und RDNA-4-Grafikkarten primäre mit neuen und aktuellen Features versorgt. Laut Hersteller sollen die ersten beiden GPU-Generationen allerdings weiterhin Tag-1-Unterstützung für neue und kommende Games erhalten.
Das ist auch insofern sinnvoll, als RDNA-2-Grafikkarten weiterhin von vielen Menschen genutzt werden. So verwendet etwa auch Valves beliebte Handheld-Konsole Steam Deck eine integrierte Grafikeinheit mit RDNA-2-Architektur. Auch Playstation 5, Xbox Series S und Xbox Series X verwenden eine RDNA-Grafikeinheit. Der Support für diese Generation sollte also zumindest noch so lange laufen, wie es die aktuelle Konsolengeneration zu kaufen gibt.
AMD stellt auch klar, dass Version 25.10.2 des Adrenalin-Treibers weiterhin USB-C für die Radeon RX 7900 unterstützen wird. Zuvor machten die Patch-Notes den Anschein, als würde AMD den Support dafür einstellen. Dieser Fehler wurde nun korrigiert.

Epic Games hat eine weitere große Lizenzpartnerschaft gestartet: In der neuen Season von Fortnite spielt sich alles auf einer Springfield-Insel ab, die im Cartoon-Stil gehalten und eng an die Welt der Simpsons angelehnt ist.
Die neue Karte enthält Nachbildungen zentraler Orte aus der Serie, darunter das Haus der Familie Simpson, das Atomkraftwerk, Moe's Taverne und den Kwik-E-Mart. Donuts regnen vom Himmel, Bart errichtet Barrikaden – aber mittendrin läuft alles im gewohnten Battle-Royale-Rhythmus.
Bis zu 80 Spieler treten dort gegeneinander an. Der begleitende Springfield Battle Pass bietet Outfits für Homer, Marge und Nachbar Flanders sowie kosmetische Extras wie den dreiäugigen Fisch Blinky.
Parallel führt Fortnite erstmals Begleiter ein: Das neue System erlaubt es, kleine Sidekicks zu sammeln, die während der Partie sichtbar sind. Der erste Begleiter – ein gelber Hund namens "Schälchen" – ist Teil des aktuellen Passes, weitere sollen später folgen.
Begleitet wird die Season von kurzen animierten Clips, die regelmäßig auf neue Ereignisse auf der Karte einstimmen. Epic Games setzt die Einbindung mit Disney auch bei weiteren Extras fort: Wer sein Epic-Konto bis zum 15. November 2025 mit einem My-Disney-Account verknüpft, erhält einen Gleiter namens Kang und Kodos gratis.
Die Simpsons-Season ist ein weiteres Beispiel für Fortnites Crossover-Strategie des Entwicklerstudios Epic Games . Nach Kooperationen mit Star Wars, Marvel oder Dragon Ball setzt das Spiel nun auf eine der langlebigsten Fernsehmarken überhaupt – diesmal samt eigener Insel, aber mit vertrautem Spielprinzip.
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(Bild: Artur Szczybylo/Shutterstock.com)
Angreifer können IBM Tivoli Monitoring und Nagios XI attackieren und Dateien manipulieren oder sogar Schadcode ausführen. Sicherheitsupdates sind verfügbar.
Die Monitoring-Softwares IBM Tivoli Monitoring und Nagios XI sind über mehrere Sicherheitslücken angreifbar. Im schlimmsten Fall können Angreifer Systeme vollständig kompromittieren. Für Nagios XI steht ein Patch zum Schließen der Schwachstellen zum Download bereit. Bei IBM Tivoli Monitoring müssen Admins Hand anlegen.
Mit beiden Tools überwachen Admins IT-Infrastrukturen. Bislang sind noch keine Berichte zu Attacken bekannt. Trotzdem sollten Admins ihre Instanzen zeitnah absichern.
In einer Warnmeldung führen IBMs Entwickler aus [1], dass entfernte Angreifer mit präparierten URLs an zwei Sicherheitslücken (CVE-2025-3356 "hoch", CVE-2025-3355 "hoch") ansetzen können. Ist eine solche Attacke erfolgreich, können sie im System Dateien einsehen und sogar überschreiben.
Die Schwachstellen stecken konkret in der KT1-Komponente der ITM/ITCAM-Agenten. Dagegen gibt es keinen Patch. Um das Sicherheitsproblem zu lösen, müssen Admins Systeme so umstellen, dass in diesem Kontext ausschließlich TLS-Verbindungen genutzt werden. Wie das geht, steht in einem Supportbeitrag [2].
Die reparierte Nagios-XI-Version 2026R1 [3] ist schon seit Ende September dieses Jahres verfügbar. Weiterführende Informationen zu den darin geschlossenen Sicherheitslücken wurden aber erst jetzt in der National Vulnerability Database veröffentlicht.
Drei Sicherheitslücken (CVE-2025-34286, CVE-2025-34284, CVE-2025-34134) sind mit dem Bedrohungsgrad "kritisch" eingestuft. Aufgrund von unzureichenden Überprüfungen können entfernte Angreifer Schadcode ausführen. Dafür müssen sie aber bereits authentifiziert sein.
Setzen Angreifer erfolgreich an den verbleibenden Schwachstellen an, können sie sich unter anderem höhere Nutzerrechte verschaffen.
Vergangene Woche [4] sorgte eine Sicherheitslücke in der Monitoring-Software Checkmk für Schlagzeilen.
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https://www.heise.de/-10968689
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.ibm.com/support/pages/node/7249694
[2] https://www.ibm.com/support/pages/node/7248049
[3] https://www.nagios.com/changelog/nagios-xi/
[4] https://www.heise.de/news/Monitoring-Software-Checkmk-Update-stopft-kritische-Cross-Site-Scripting-Luecke-10964747.html
[5] https://aktionen.heise.de/heise-security-pro?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[6] mailto:des@heise.de
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Angreifer missbauchen Schwachstellen in VMware und XWiki, warnt die IT-Sicherheitsbehörde CISA. Updates stopfen die Lücken.
Die US-amerikanische Cybersicherheitsbehörde CISA warnt vor beobachteten Angriffen auf Sicherheitslücken in VMware Aria Operations und VMware Tools von Broadcom sowie XWiki. Die Hersteller stellen Softwareupdates bereit, die die im Internet attackierten Schwachstellen ausbessern.
Die CISA gibt lediglich die Schwachstelleneinträge [1] zu den gemeldeten Angriffen an. Jedwede Informationen zu Art und Umfang der Angriffe oder gar hilfreiche Hinweise wie Indizien für Angriffe (Indicators of Compromise, IOCs) liefert sie leider nicht.
Die in VMware Aria Operations und VMware Tools missbrauchte Sicherheitslücke [2] hat Broadcom Ende September in einer Sicherheitsmitteilung [3] behandelt und aktualisierte Software bereitgestellt. Die Software enthält eine Schwachstelle, die die Ausweitung der Rechte ermöglicht. "Lokale nicht-administrative User mit Zugriff auf eine VM, in der VMware Tools installiert sind und die mittels VMware Aria Operations mit aktiviertem SDMP verwaltet wird, können die Sicherheitslücke zum Ausweiten ihrer Rechte zu 'root' in derselben VM missbrauchen", erklärt der Schwachstelleneintrag (CVE-2025-41244 / EUVD-2025-31589 [4], CVSS 7.8, Risiko "hoch"). Die Lücke schließen VMware Cloud Foundation Operations 9.0.1.0, VMware Tools 13.0.5 und 12.5.4 und VMware Aria Operations 8.18.5 sowie neuere.
Außerdem laufen Angriffe auf eine kritische Sicherheitslücke in der Wiki-Plattform XWiki. Jeder Gastzugang kann durch eine Suche mit 'SolrSearch' beliebigen Schadcode einschleusen und ausführen. Ohne vorheriges Log-in können Angreifer ganze XWiki-Instanzen kompromittieren (CVE-2025-24893 / EUVD-2025-4562 [5], CVSS 9.8, Risiko "kritisch"). Die Schwachstelle haben die Entwickler in XWiki 15.10.11, 16.4.1 sowie 16.5.0RC1 und neueren Fassungen ausgebessert.
IT-Verantwortliche sollten die bereitstehenden Aktualisierungen so rasch wie möglich installieren.
In der vergangenen Woche hatte die CISA bereits Angriffe auf das Manufacturing-Operations-Management-Software (MOM) [6] und Manufacturing-Execution-System (MES) Delmia Apriso von Dassault Systèmes gemeldet. Informationen zu gepatchten Versionen befinden sich jedoch lediglich hinter einer Zugangsschranke für Kunden.
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[1] https://www.cisa.gov/news-events/alerts/2025/10/30/cisa-adds-two-known-exploited-vulnerabilities-catalog
[2] https://www.heise.de/thema/Sicherheitsl%C3%BCcken
[3] https://support.broadcom.com/web/ecx/support-content-notification/-/external/content/SecurityAdvisories/0/36149
[4] https://euvd.enisa.europa.eu/vulnerability/EUVD-2025-31589
[5] https://euvd.enisa.europa.eu/vulnerability/EUVD-2025-4562
[6] https://www.heise.de/news/Jetzt-patchen-Attacken-auf-DELMIA-Apriso-beobachtet-10962858.html
[7] https://aktionen.heise.de/heise-security-pro?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[8] mailto:dmk@heise.de
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Eine Meta-Analyse mit über 500.000 Teilnehmern zeigt: Stigmatisierung und Überforderung treiben die Vermeidung von Gesundheitsinfos stärker als Demografie.
Fast jeder dritte Mensch möchte nichts über schwere Krankheiten wissen – selbst wenn er davon betroffen sein könnte. Das zeigt eine Meta-Analyse [1] des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, die in den Annals of Behavioral Medicine veröffentlicht wurde.
Die Forscher um Konstantin Offer und Ralph Hertwig werteten Daten aus 92 Studien mit insgesamt 564.497 Teilnehmern aus 25 Ländern aus.
Die Ergebnisse werfen ein Schlaglicht auf ein Problem, das für Krankenkassen und Gesundheitspolitik von erheblicher Tragweite ist: Wer Informationen meidet, nimmt seltener Vorsorge in Anspruch, verschleppt Diagnosen und gefährdet Behandlungserfolge.
Die Forscher definierten Informationsvermeidung als "jedes Verhalten, das darauf abzielt, den Erwerb verfügbarer, aber potenziell unerwünschter Informationen zu verhindern oder zu verzögern".
Dazu gehören das Aufschieben oder Nichterscheinen zu Arztterminen, die Verweigerung medizinischer Tests, das Nichtabholen von Testergebnissen oder das Ignorieren von Patientenaufklärungsinformationen.
Solche Verhaltensweisen beeinträchtigen die Inanspruchnahme von Behandlungen, die Patientenergebnisse und die Wirksamkeit gesundheitspolitischer Maßnahmen, wie auf HealthManagement.org dargelegt wird [2].
Die Prävalenz variiert je nach Krankheitsbild erheblich. Am höchsten liegt sie bei unheilbaren neurodegenerativen Erkrankungen: 41 Prozent bei Alzheimer und 40 Prozent bei der Huntington-Krankheit. Bei HIV meiden 32 Prozent Informationen, bei Krebs 29 Prozent.
Selbst bei Diabetes, einer chronischen, aber behandelbaren Erkrankung, liegt die Quote noch bei 24 Prozent – ein besorgniserregend hoher Wert.
Die Analyse identifizierte 16 signifikante Prädiktoren für Informationsvermeidung. Überraschend: Geschlecht, Alter und ethnische Zugehörigkeit gehören nicht dazu.
Die stärksten Einflussfaktoren sind vielmehr kognitiver und emotionaler Natur. Wahrgenommene Stigmatisierung zeigt einen Zusammenhang von r = 0,36 mit Vermeidung, Informationsüberflutung von r = 0,26. Komplexe Diagnosen wie Krebs können Patienten kognitiv überfordern und emotional belasten.
Im Gegensatz dazu gehen höhere Selbstwirksamkeit (r = −0,28) und Vertrauen in das Gesundheitssystem (r = −0,25) mit deutlich geringerer Vermeidung einher.
"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein geringeres Vertrauen mit einer stärkeren Informationsvermeidung einhergeht", sagt Konstantin Offer vom Max-Planck-Institut. "Die Wiederherstellung des Vertrauens in das medizinische System könnte daher zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit medizinischen Informationen führen."
Gesundheitsbezogene Faktoren wie Krankenversicherung, höhere Gesundheitskompetenz und bessere wahrgenommene Gesundheit waren mit geringerer Vermeidung verbunden, allerdings mit schwächeren Effektstärken.
Soziodemografische Merkmale wie Beschäftigung, Bildung, Familienstand, Einkommen und Alter zeigten moderate, aber signifikante Zusammenhänge. Die wahrgenommene Bedrohung erwies sich entgegen früheren Annahmen nicht als zuverlässiger Prädiktor.
Eine zweiwöchige Tagebuchstudie mit 181 US-Studierenden untersuchte die zeitliche Dynamik im Alltag, wie im Journal Applied Psychology: Health and Well-Being berichtet wird [3].
Die Teilnehmer mieden Informationen an durchschnittlich 30,49 Prozent der Tage. Die Variabilität innerhalb einzelner Personen war dabei größer als zwischen verschiedenen Personen – Vermeidung ist also kein stabiles Merkmal, sondern schwankt je nach Tagesverfassung.
An Tagen mit stärkerem negativem Affekt und geringerer domänenspezifischer Selbstwirksamkeit war Vermeidung wahrscheinlicher. Teilnehmer mieden etwa Gesundheitsinformationen, wenn ihnen die Selbstwirksamkeit in Bezug auf Gesundheit fehlte. Interessanterweise zeigte sich kein signifikanter Effekt auf den Folgetag – ob Vermeidung kurzfristig maladaptiv ist, bleibt offen.
Für ältere Erwachsene stellt die Komplexität von Online-Gesundheitsinformationen eine besondere Herausforderung dar. Eine Studie [4] im JMIR Public Health and Surveillance Journal untersuchte die Rolle von Cyberchondrie – übermäßiger Gesundheitsangst durch Internetrecherche – bei der Vermeidung von Gesundheitsinformationen.
In einer Querschnittsumfrage mit 236 Teilnehmern sagten positive Metakognition (β = 0,26), gesundheitliche Selbstwirksamkeit (β = 0,25) und Ähnlichkeit von Gesundheitsinformationen (β = 0,29) Vermeidung signifikant voraus. Cyberchondrie vermittelte diese Effekte.
Subjektive Normen – also soziale Erwartungen – erwiesen sich hingegen nicht als signifikanter Prädiktor (β = −0,11). Eine vierwöchige Achtsamkeitsmeditationsintervention mit 94 Teilnehmern erhöhte zwar das Achtsamkeitsniveau signifikant, reduzierte Cyberchondrie jedoch nicht. Dennoch zeigte sich ein Interaktionseffekt: Achtsamkeit hemmte die Umwandlung von Cyberchondrie in Vermeidungsverhalten wirksam.
Die Vermeidungsmuster unterscheiden sich zwischen Weltregionen und spiegeln sowohl Gesundheitssystemstrukturen als auch kulturelle Kontexte wider.
In Afrika hatte das Vertrauen in medizinische Systeme einen stärkeren Zusammenhang mit Vermeidung als in Nordamerika. Dies unterstreicht den Einfluss von Gesundheitsinfrastruktur und Erschwinglichkeit auf das Verhalten.
Allerdings weist die Evidenzbasis erhebliche Lücken auf. Daten aus Südamerika und Afrika sind spärlich, aus dem Nahen Osten fehlen sie gänzlich. Die meisten Studien stammen aus Nordamerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum.
Direkte Ländervergleiche waren nicht möglich. Zudem ist die methodische Transparenz begrenzt: Nur drei Prozent der Studien waren vorab registriert, nur zwölf Prozent stellten offene Daten zur Verfügung. Die überwiegend beobachtende Natur der Studien erschwert Kausalinterpretationen.
Ein weiteres Problem: Der Einfluss von Informationsvermeidung auf tatsächliche Gesundheitsoutcomes wurde in der Meta-Analyse nicht untersucht. Dies würde weitere Studien erfordern, betonen die Forscher.
Die Erkenntnisse bieten klare Ansatzpunkte, um Patienten-Engagement steigern zu können. An erster Stelle steht der Vertrauensaufbau. Maßnahmen, die das Vertrauen in medizinische Einrichtungen stärken, können Vermeidung direkt reduzieren.
Ralph Hertwig vom Max-Planck-Institut betont: "Wir haben dieses Phänomen – das wir als bewusste Ignoranz bezeichnen – in anderen Lebensbereichen untersucht und festgestellt, dass es dafür eine Vielzahl von Gründen gibt."
Anti-Stigma-Kampagnen sind ein zweites zentrales Handlungsfeld. Besonders bei HIV und psychischen Erkrankungen kann die Reduktion von Stigmatisierung die Bereitschaft erhöhen, sich mit relevanten Informationen auseinanderzusetzen.
Drittens muss Informationsüberflutung adressiert werden. Komplexe medizinische Informationen sollten so aufbereitet werden, dass sie Patienten nicht überfordern, sondern befähigen.
Die Stärkung der Selbstwirksamkeit ist ein vierter Baustein. Patienten, die Vertrauen in ihre Fähigkeit haben, Gesundheitsentscheidungen zu treffen, meiden Informationen seltener. Programme zur Förderung von Gesundheitskompetenz können hier ansetzen.
Schließlich spielt die Verbesserung der digitalen Gesundheitsinformationsvermittlung eine wachsende Rolle. Digitale Innovationen zur Reduktion von Terminausfällen werden als relevant thematisiert, wie HealthManagement.org ausführt. Konkrete Technologien und Implementierungen müssen allerdings noch systematischer erforscht und eingesetzt werden.
Die Vermeidung medizinischer Informationen ist kein Randphänomen, sondern betrifft weltweit etwa ein Drittel der Menschen. Sie ist weder ungewöhnlich noch notwendigerweise irrational.
Vielmehr zeigt die Forschung, dass Vermeidung stark von sozialen und strukturellen Faktoren geprägt ist. Für Krankenkassen und Gesundheitspolitik bedeutet dies: Patienten-Engagement steigern lässt sich nicht allein durch mehr Information erreichen. Entscheidend sind Vertrauen, niedrigschwellige Zugänge, Entstigmatisierung und die Befähigung von Patienten, mit komplexen Gesundheitsinformationen umzugehen.
URL dieses Artikels:https://www.heise.de/-10966171
Links in diesem Artikel:[1] https://www.mpib-berlin.mpg.de/press-releases/medical-information-avoidance[2] https://healthmanagement.org/c/intervention/News/understanding-medical-information-avoidance[3] https://iaap-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/aphw.70045[4] https://publichealth.jmir.org/2025/1/e69554
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Der Chiphersteller legte in nur fünf Handelstagen fast 400 Milliarden Dollar zu – dank einer Dealmaking-Tour von Washington bis Seoul.
Der Chiphersteller Nvidia verzeichnete innerhalb von fünf Handelstagen einen Zuwachs von nahezu 400 Milliarden US-Dollar an Börsenwert.
Nach Angaben von Reuters markiert das Unternehmen damit als erste Gesellschaft weltweit eine Marktkapitalisierung von fünf Billionen Dollar. Bloomberg ordnet die Situation zurückhaltender ein und spricht davon, dass sich Nvidia diesem Meilenstein annähere.
Der rasante Anstieg resultiert aus einer Fülle von Kooperationsvereinbarungen und Geschäftsabschlüssen, die Konzernchef Jensen Huang zwischen der US-Hauptstadt und der südkoreanischen Metropole Seoul verkündete.
Auf der Entwicklerkonferenz des Unternehmens in Washington präsentierte Huang am Dienstag eine Kapitalbeteiligung am finnischen Netzausrüster Nokia im Volumen von einer Milliarde US-Dollar, wie Bloomberg berichtet [1]. Die Zusammenarbeit fokussiert auf KI-basierte Netzwerkinfrastruktur.
Gleichzeitig gab der Konzern Vereinbarungen mit Uber Technologies zur Ausrüstung von 100.000 autonom fahrenden Fahrzeugen bekannt sowie eine Partnerschaft mit Lucid Group für selbstfahrende Technologien. Im Bereich Cybersicherheit erfolgte eine Kooperation mit CrowdStrike.
Der Pharmakonzern Eli Lilly erhält demnach Unterstützung beim Aufbau eines Supercomputers, der nach Angaben des Unternehmens der leistungsfähigste in der Pharmaindustrie werden soll. Palantir Technologies integriert die Technologie des Chipherstellers in seine Ontology-Plattform. Ferner stellte das Unternehmen ein System vor, das Quantencomputer mit seinen KI-Prozessoren verbindet.
"Wir haben nun […] unseren Wendepunkt erreicht", äußerte Huang laut Bloomberg vor mehreren Tausend Entwicklern. "Jetzt wird KI zum ersten Mal diese 100 Billionen Dollar schwere Weltwirtschaft in Angriff nehmen und sie produktiver machen, schneller wachsen lassen und vergrößern."
Nach seinem Auftritt in Washington reiste Huang nach Südkorea. Dort verkündete der Konzern am Freitag die Auslieferung von mehr als 260.000 Blackwell-KI-Prozessoren an die südkoreanische Regierung sowie führende Unternehmen des Landes, meldet [2] Reuters.
Die Regierung von Südkorea plant den Einsatz von über 50.000 Einheiten für KI-Infrastrukturprojekte. Samsung Electronics, SK Group und Hyundai Motor Group werden jeweils bis zu 50.000 Prozessoren in automatisierten Produktionsstätten einsetzen. Das Internetunternehmen Naver ordert laut Bericht zusätzlich 60.000 Einheiten.
"So wie Koreas physische Fabriken die Welt mit hochentwickelten Schiffen, Autos, Chips und Elektronik inspiriert haben, kann das Land nun Intelligenz als neues Exportgut produzieren, das den globalen Wandel vorantreiben wird", erklärte Huang nach Reuters-Angaben. Finanzielle Details und Lieferfristen wurden nicht kommuniziert.
Am Donnerstag traf sich Huang mit Samsung-Chef Jay Y. Lee und Hyundai-Vorstand Chung Euisun in einem Hähnchenrestaurant in Seoul. Lee bezeichnete den Chiphersteller als bedeutenden Abnehmer und strategischen Partner.
Samsung Electronics teilte am Freitag mit, sich in fortgeschrittenen Verhandlungen über die Belieferung mit Hochbandbreitenspeichern der vierten Generation (HBM4) zu befinden, berichtet [3] Reuters.
Der Chiphersteller bestätigte eine "wichtige Lieferkooperation für HBM3E und HBM4", ohne Einzelheiten zu nennen. Samsung plant die Markteinführung von HBM4 im kommenden Jahr, nannte jedoch keinen konkreten Lieferbeginn.
HBM-Bausteine – Speicherchips, bei denen mehrere Schichten vertikal gestapelt werden – sind essenzielle Komponenten für KI-Prozessoren. Sie reduzieren den Platzbedarf, senken den Energieverbrauch und ermöglichen die Verarbeitung umfangreicher Datenmengen in komplexen KI-Anwendungen.
Der südkoreanische Wettbewerber SK Hynix, derzeit führender HBM-Zulieferer, kündigte am Mittwoch an, mit der Auslieferung seiner HBM4-Prozessoren im vierten Quartal zu beginnen und die Mengen im Folgejahr zu steigern.
Samsung hatte die Dynamik im KI-Speichermarkt zunächst verzögert aufgegriffen, was zu gedämpften Ergebnissen führte. In dieser Woche gab das Unternehmen bekannt, seine aktuellen HBM3E-Chips an "alle relevanten Abnehmer" zu liefern – ein Indiz dafür, dass nun auch Belieferungen der neuesten 12-Layer-HBM3E-Variante erfolgen.
Parallel dazu erwirbt Samsung 50.000 High-End-Prozessoren, um eine KI-unterstützte Halbleiterfabrik aufzubauen, die Produktionsgeschwindigkeit und Fertigungsausbeute optimieren soll. Die Samsung-Aktie legte nach den Bekanntgaben um bis zu 4,32 Prozent zu.
Die Fülle an Partnerschaften zielt darauf ab, die Technologie des Unternehmens in zusätzlichen Wirtschaftsbereichen zu verankern – von Telekommunikation über Transportwesen bis zum Gesundheitssektor. Dies soll die Abhängigkeit von Großabnehmern wie Microsoft und Meta Platforms reduzieren, auf deren Rechenzentren etwa die Hälfte der Erlöse entfällt, schreibt Bloomberg.
"Wir sehen, dass Jensens Strategie darin besteht, die Präsenz des Unternehmens zu maximieren", sagte Vladimir Galabov, Senior Research Director bei Omdia, laut Bloomberg. "Im Wesentlichen fordert Jensen seine Armee von Entwicklern auf: ‚Ich möchte, dass ihr dieser Branche und jener Branche und jener Branche helft.‘"
JoAnne Feeney, Partnerin bei Advisors Capital Management und Anteilseignerin, äußerte gegenüber Bloomberg:
Nvidia lässt seinen Worten Taten folgen. Sie haben versucht, konkrete Beispiele für den Einsatz von KI und den Wert, den sie darin sehen, zu nennen.
Huang positionierte seine Aktivitäten eng an der "America First"-Strategie von US-Präsident Donald Trump. Der Konzernchef würdigte Trumps Wirtschaftspolitik und verwies auf die Verpflichtung, Blackwell-Prozessoren in den USA herzustellen.
"Das Erste, worum mich Präsident Trump gebeten hat, war, die Produktion zurückzuholen, weil dies für die nationale Sicherheit notwendig ist", sagte Huang laut Bloomberg. "Neun Monate später läuft die Blackwell-Fertigung in Arizona mit voller Kapazität."
Das Unternehmen hat zugesagt, in den kommenden Jahren 500 Milliarden Dollar in US-amerikanische KI-Infrastruktur zu investieren. Seit Trumps Wiederwahl stiegen die Lobbyausgaben in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf rund 3,5 Millionen Dollar, verglichen mit 640.000 Dollar im gesamten Jahr 2024. Zudem floss eine Million Dollar als Spende für die Amtseinführungsfeier.
Obwohl Huang von einigen Beschränkungen der Biden-Administration entlastet wurde, bleibt der Verkauf von KI-Prozessoren nach China untersagt. Ein am Donnerstag präsentiertes Handelsabkommen zwischen den USA und China enthielt keine Freigabe für Blackwell-Lieferungen an chinesische Abnehmer, berichtet Bloomberg.
Huang äußerte am Freitag in Südkorea die Hoffnung auf künftige Blackwell-Verkäufe nach China, betonte jedoch, die Entscheidung liege beim US-Präsidenten, meldet [4] Reuters. "Wir hoffen immer, nach China zurückkehren zu können, und ich denke, dass Nvidia in China hervorragend ist", sagte Huang. Das liege im Interesse beider Länder.
Bei einer Freigabe leistungsfähigerer Produkte für China könnte das Unternehmen dort ein Marktpotenzial von 50 Milliarden US-Dollar erschließen, hatte Huang im August erklärt. Der Markt wachse jährlich um 50 Prozent. Gegenüber Reportern räumte Huang ein, man habe auf einen Marktanteil größer null gehofft, rechne nun aber mit null.
Das Unternehmen entwickelt einen für China angepassten Prozessor auf Blackwell-Basis, der weniger leistungsfähig sein wird als die global verfügbare Variante, aber leistungsstärker als das derzeit dort zugelassene H20-Modell. Die chinesische Regierung hat sich jedoch distanziert, rät vom H20-Erwerb ab und fördert stattdessen inländische Hersteller wie Huawei.
"Es ist völlig uninformiert zu glauben, dass Huawei keine Systeme bauen kann", sagte Huang laut Reuters. "Es ist töricht, die Macht Chinas und den unglaublichen Wettbewerbsgeist von Huawei zu unterschätzen. Dies ist ein Unternehmen mit außergewöhnlicher Technologie.
Trotz der Euphorie warnen einzelne Analysten vor einer möglichen Überhitzung. Sie bezweifeln, dass künstliche Intelligenz rasch genug neue Erlösströme generiert, um die dreistelligen Milliarden-Investitionen in Rechenzentren und Prozessoren zu rechtfertigen.
Jay Goldberg, Senior Analyst bei Seaport Global, ist laut Bloomberg der einzige unter 80 Analysten mit einer Verkaufsempfehlung.
"Keine Technologie dieser Größenordnung wurde jemals ohne Probleme eingeführt, und es wird Wachstumsschmerzen geben, es wird Rückschläge geben, es wird Rückschritte geben", sagte er. "Wir werden noch einige Jahre benötigen, um herauszufinden, wofür KI nützlich ist, was sie gut kann und welche Geschäftsmodelle dahinterstehen."
Das Privatvermögen von Huang stieg in dieser Woche um mehr als neun Milliarden US-Dollar auf nahezu 176 Milliarden Dollar, so der Bloomberg Billionaires Index.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-11-01/nvidia-s-400-billion-week-fueled-by-jensen-huang-s-dealmaking-spree[2] https://www.reuters.com/business/media-telecom/nvidia-supply-more-than-260000-blackwell-ai-chips-south-korea-2025-10-31/[3] https://www.reuters.com/world/asia-pacific/samsung-electronics-says-it-is-talks-with-nvidia-supply-next-generation-hbm4-2025-10-31/[4] https://www.reuters.com/business/autos-transportation/nvidia-ceo-hopes-blackwell-chips-can-be-sold-china-decision-up-trump-2025-10-31/
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Rund 30 Prozent meiden Gesundheitsinformationen bewusst. Mangelndes Vertrauen ins System ist Hauptgrund. Wie lässt sich Patienten-Engagement steigern?
Fast jeder dritte Mensch möchte nichts über schwere Krankheiten wissen – selbst wenn er davon betroffen sein könnte. Das zeigt eine Meta-Analyse [1] des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, die in den Annals of Behavioral Medicine veröffentlicht wurde.
Die Forscher um Konstantin Offer und Ralph Hertwig werteten Daten aus 92 Studien mit insgesamt 564.497 Teilnehmern aus 25 Ländern aus.
Die Ergebnisse werfen ein Schlaglicht auf ein Problem, das für Krankenkassen und Gesundheitspolitik von erheblicher Tragweite ist: Wer Informationen meidet, nimmt seltener Vorsorge in Anspruch, verschleppt Diagnosen und gefährdet Behandlungserfolge.
Die Forscher definierten Informationsvermeidung als "jedes Verhalten, das darauf abzielt, den Erwerb verfügbarer, aber potenziell unerwünschter Informationen zu verhindern oder zu verzögern".
Dazu gehören das Aufschieben oder Nichterscheinen zu Arztterminen, die Verweigerung medizinischer Tests, das Nichtabholen von Testergebnissen oder das Ignorieren von Patientenaufklärungsinformationen.
Solche Verhaltensweisen beeinträchtigen die Inanspruchnahme von Behandlungen, die Patientenergebnisse und die Wirksamkeit gesundheitspolitischer Maßnahmen, wie auf HealthManagement.org dargelegt wird [2].
Die Prävalenz variiert je nach Krankheitsbild erheblich. Am höchsten liegt sie bei unheilbaren neurodegenerativen Erkrankungen: 41 Prozent bei Alzheimer und 40 Prozent bei der Huntington-Krankheit. Bei HIV meiden 32 Prozent Informationen, bei Krebs 29 Prozent.
Selbst bei Diabetes, einer chronischen, aber behandelbaren Erkrankung, liegt die Quote noch bei 24 Prozent – ein besorgniserregend hoher Wert.
Die Analyse identifizierte 16 signifikante Prädiktoren für Informationsvermeidung. Überraschend: Geschlecht, Rasse und ethnische Zugehörigkeit gehören nicht dazu.
Die stärksten Einflussfaktoren sind vielmehr kognitiver und emotionaler Natur. Wahrgenommene Stigmatisierung zeigt einen Zusammenhang von r = 0,36 mit Vermeidung, Informationsüberflutung von r = 0,26. Komplexe Diagnosen wie Krebs können Patienten kognitiv überfordern und emotional belasten.
Im Gegensatz dazu gehen höhere Selbstwirksamkeit (r = −0,28) und Vertrauen in das Gesundheitssystem (r = −0,25) mit deutlich geringerer Vermeidung einher.
"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein geringeres Vertrauen mit einer stärkeren Informationsvermeidung einhergeht", sagt Konstantin Offer vom Max-Planck-Institut. "Die Wiederherstellung des Vertrauens in das medizinische System könnte daher zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit medizinischen Informationen führen."
Gesundheitsbezogene Faktoren wie Krankenversicherung, höhere Gesundheitskompetenz und bessere wahrgenommene Gesundheit waren mit geringerer Vermeidung verbunden, allerdings mit schwächeren Effektstärken.
Soziodemografische Merkmale wie Beschäftigung, Bildung, Familienstand, Einkommen und Alter zeigten moderate, aber signifikante Zusammenhänge. Die wahrgenommene Bedrohung erwies sich entgegen früheren Annahmen nicht als zuverlässiger Prädiktor.
Eine zweiwöchige Tagebuchstudie mit 181 US-Studierenden untersuchte die zeitliche Dynamik im Alltag, wie im Journal Applied Psychology: Health and Well-Being berichtet wird [3].
Die Teilnehmer mieden Informationen an durchschnittlich 30,49 Prozent der Tage. Die Variabilität innerhalb einzelner Personen war dabei größer als zwischen verschiedenen Personen – Vermeidung ist also kein stabiles Merkmal, sondern schwankt je nach Tagesverfassung.
An Tagen mit stärkerem negativem Affekt und geringerer domänenspezifischer Selbstwirksamkeit war Vermeidung wahrscheinlicher. Teilnehmer mieden etwa Gesundheitsinformationen, wenn ihnen die Selbstwirksamkeit in Bezug auf Gesundheit fehlte. Interessanterweise zeigte sich kein signifikanter Effekt auf den Folgetag – ob Vermeidung kurzfristig maladaptiv ist, bleibt offen.
Für ältere Erwachsene stellt die Komplexität von Online-Gesundheitsinformationen eine besondere Herausforderung dar. Eine Studie [4] im JMIR Public Health and Surveillance Journal untersuchte die Rolle von Cyberchondrie – übermäßiger Gesundheitsangst durch Internetrecherche – bei der Vermeidung von Gesundheitsinformationen.
In einer Querschnittsumfrage mit 236 Teilnehmern sagten positive Metakognition (β = 0,26), gesundheitliche Selbstwirksamkeit (β = 0,25) und Ähnlichkeit von Gesundheitsinformationen (β = 0,29) Vermeidung signifikant voraus. Cyberchondrie vermittelte diese Effekte.
Subjektive Normen – also soziale Erwartungen – erwiesen sich hingegen nicht als signifikanter Prädiktor (β = −0,11). Eine vierwöchige Achtsamkeitsmeditationsintervention mit 94 Teilnehmern erhöhte zwar das Achtsamkeitsniveau signifikant, reduzierte Cyberchondrie jedoch nicht. Dennoch zeigte sich ein Interaktionseffekt: Achtsamkeit hemmte die Umwandlung von Cyberchondrie in Vermeidungsverhalten wirksam.
Die Vermeidungsmuster unterscheiden sich zwischen Weltregionen und spiegeln sowohl Gesundheitssystemstrukturen als auch kulturelle Kontexte wider.
In Afrika hatte das Vertrauen in medizinische Systeme einen stärkeren Zusammenhang mit Vermeidung als in Nordamerika. Dies unterstreicht den Einfluss von Gesundheitsinfrastruktur und Erschwinglichkeit auf das Verhalten.
Allerdings weist die Evidenzbasis erhebliche Lücken auf. Daten aus Südamerika und Afrika sind spärlich, aus dem Nahen Osten fehlen sie gänzlich. Die meisten Studien stammen aus Nordamerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum.
Direkte Ländervergleiche waren nicht möglich. Zudem ist die methodische Transparenz begrenzt: Nur drei Prozent der Studien waren vorab registriert, nur zwölf Prozent stellten offene Daten zur Verfügung. Die überwiegend beobachtende Natur der Studien erschwert Kausalinterpretationen.
Ein weiteres Problem: Der Einfluss von Informationsvermeidung auf tatsächliche Gesundheitsoutcomes wurde in der Meta-Analyse nicht untersucht. Dies würde weitere Studien erfordern, betonen die Forscher.
Die Erkenntnisse bieten klare Ansatzpunkte, um Patienten-Engagement steigern zu können. An erster Stelle steht der Vertrauensaufbau. Maßnahmen, die das Vertrauen in medizinische Einrichtungen stärken, können Vermeidung direkt reduzieren.
Ralph Hertwig vom Max-Planck-Institut betont: "Wir haben dieses Phänomen – das wir als bewusste Ignoranz bezeichnen – in anderen Lebensbereichen untersucht und festgestellt, dass es dafür eine Vielzahl von Gründen gibt."
Anti-Stigma-Kampagnen sind ein zweites zentrales Handlungsfeld. Besonders bei HIV und psychischen Erkrankungen kann die Reduktion von Stigmatisierung die Bereitschaft erhöhen, sich mit relevanten Informationen auseinanderzusetzen.
Drittens muss Informationsüberflutung adressiert werden. Komplexe medizinische Informationen sollten so aufbereitet werden, dass sie Patienten nicht überfordern, sondern befähigen.
Die Stärkung der Selbstwirksamkeit ist ein vierter Baustein. Patienten, die Vertrauen in ihre Fähigkeit haben, Gesundheitsentscheidungen zu treffen, meiden Informationen seltener. Programme zur Förderung von Gesundheitskompetenz können hier ansetzen.
Schließlich spielt die Verbesserung der digitalen Gesundheitsinformationsvermittlung eine wachsende Rolle. Digitale Innovationen zur Reduktion von Terminausfällen werden als relevant thematisiert, wie HealthManagement.org ausführt. Konkrete Technologien und Implementierungen müssen allerdings noch systematischer erforscht und eingesetzt werden.
Die Vermeidung medizinischer Informationen ist kein Randphänomen, sondern betrifft weltweit etwa ein Drittel der Menschen. Sie ist weder ungewöhnlich noch notwendigerweise irrational.
Vielmehr zeigt die Forschung, dass Vermeidung stark von sozialen und strukturellen Faktoren geprägt ist. Für Krankenkassen und Gesundheitspolitik bedeutet dies: Patienten-Engagement steigern lässt sich nicht allein durch mehr Information erreichen. Entscheidend sind Vertrauen, niedrigschwellige Zugänge, Entstigmatisierung und die Befähigung von Patienten, mit komplexen Gesundheitsinformationen umzugehen.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.mpib-berlin.mpg.de/press-releases/medical-information-avoidance[2] https://healthmanagement.org/c/intervention/News/understanding-medical-information-avoidance[3] https://iaap-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/aphw.70045[4] https://publichealth.jmir.org/2025/1/e69554
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Zwischen 7 und 10 Jahren beginnen Kinder, unbequeme Informationen zu vermeiden. Was Eltern darüber wissen sollten.
Der sogenannte Ostrich-Effekt (oder auch: Vogel-Strauß-Effekt) beschreibt ein Phänomen, das viele Eltern aus ihrem eigenen Alltag kennen: Man steckt den Kopf in den Sand, wenn Informationen unangenehm werden. Der Arzttermin wird verschoben, die Waage gemieden, kritische Nachrichten ausgeblendet.
Doch wann genau entwickelt sich dieses Vermeidungsverhalten? Eine aktuelle Studie der University of Chicago liefert überraschende Antworten – und zeigt, dass der Wandel früher einsetzt als gedacht.
Forscher um die Postdoktorandin Radhika Santhanagopalan untersuchten in ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift Psychological Science veröffentlicht wurde, wie sich das Informationsverhalten von Kindern mit dem Alter verändert.
Die zentrale Frage: Wann werden aus neugierigen Kleinkindern, die endlose Fragen stellen, Menschen, die unbequeme Wahrheiten lieber nicht wissen wollen?
Die Ergebnisse sind für Eltern aufschlussreich. Während Fünf- und Sechsjährige noch aktiv nach Informationen suchten, zeigten Kinder zwischen sieben und zehn Jahren bereits deutliche Tendenzen, Informationen strategisch zu meiden – besonders dann, wenn diese negative Gefühle auslösen könnten.
"Um die Ursprünge von Entscheidungsverhalten zu verstehen – und wie es sich im Laufe der Zeit verändert –, sind Kinder die einzige Bevölkerungsgruppe, die Aufschluss darüber geben kann", erklärte Santhanagopalan laut einer Mitteilung [1] der University of Chicago.
Für ihre Untersuchung entwickelten die Wissenschaftlerinnen – neben Santhanagopalan arbeiteten die Professorinnen Jane Risen von der Booth School of Business und Katherine Kinzler vom Fachbereich Psychologie mit – fünf kindgerechte Szenarien.
Diese sollten verschiedene Motive für Informationsvermeidung abbilden: die Vermeidung negativer Emotionen wie Angst oder Enttäuschung, das Ausweichen vor negativen Informationen über die eigene Beliebtheit und Kompetenz, der Schutz vor Herausforderungen eigener Überzeugungen, das Bewahren persönlicher Vorlieben und das Handeln im Eigeninteresse.
Ein Beispiel verdeutlicht das Vorgehen: Jedes Kind sollte sich seine Lieblingssüßigkeit und die am wenigsten gemochte Süßigkeit vorstellen. Anschließend wurden die Kinder gefragt, ob sie ein Video darüber sehen wollten, warum der Verzehr dieser Süßigkeit schlecht für die Zähne ist.
"Wir haben festgestellt, dass jüngere Kinder wirklich Informationen suchen wollten, während ältere Kinder diese Vermeidungstendenzen zeigten", berichtete Santhanagopalan [2] laut Medical Xpress.
Zum Beispiel wollten sie nicht wissen, warum ihre Lieblingssüßigkeit schlecht für sie ist, aber sie hatten kein Problem damit, zu erfahren, warum ihre am wenigsten bevorzugte Süßigkeit schlecht für sie ist.
Bemerkenswert ist eine Ausnahme: Bei Informationen über die eigene Kompetenz zeigte sich der Ostrich-Effekt nicht. Kinder aller Altersgruppen hatten keine Angst davor, zu erfahren, ob sie in einem Test schlecht abgeschnitten hatten.
Santhanagopalan vermutet, dass dies mit der in Schulen geförderten Wachstumsmentalität zusammenhängen könnte. Kinder erhielten ständig die Botschaft, dass sie ihre Fähigkeiten durch Anstrengung verbessern können – und wüssten daher, dass sie das Ergebnis potenziell verändern könnten.
Besonders aufschlussreich war ein Experiment zum sogenannten moralischen Spielraum. Dabei wurden Kindern zwei Eimer mit Aufklebern präsentiert – einer bot ihnen selbst mehr Sticker als der andere. Wie viele Aufkleber ihr Partner aus jedem Eimer bekommen würde, blieb verborgen. Vor der Wahl konnten die Kinder erfahren, wie viele Sticker der Partner erhalten würde.
Obwohl diese Information kostenlos war, vermieden ältere Kinder zunehmend, sie zu erfahren. "Der moralische Spielraum ermöglicht es ihnen, die für sie selbst vorteilhafte Belohnung zu wählen und gleichzeitig die Illusion von Fairness aufrechtzuerhalten", erklärte Santhanagopalan. Dieser Schleier der Unwissenheit erlaube es ihnen, im Eigeninteresse zu handeln, ohne sich schuldig fühlen zu müssen.
Zu viel Vermeidungsverhalten kann problematische Folgen haben, warnt die Forscherin. Es könne zu politischer Polarisierung oder ideologischer Verhärtung beitragen.
Um den Ostrich-Effekt bei Kindern zu reduzieren, empfiehlt Santhanagopalan Eltern, gemeinsam mit ihren Kindern zu reflektieren, warum sie bestimmte Informationen meiden – möglicherweise priorisieren sie kurzfristigen Komfort gegenüber langfristigen Vorteilen.
Hilfreich könne es sein, unangenehme Informationen als nützlich und wertvoll umzudeuten. Untersuchungen deuten darauf hin, dass ein Eingreifen, solange Kinder noch jung sind, sie vor Vermeidungsfallen bewahren könnte. Auch die Fähigkeit, ein gewisses Maß an Unsicherheit zu tolerieren und sogar zu akzeptieren, könne dabei helfen, nicht dem Ostrich-Effekt zum Opfer zu fallen.
Wenn alles andere fehlschlägt, rät die Wissenschaftlerin zu einer einfachen Strategie: Tun Sie das, was Kinder von Natur aus am besten können – folgen Sie Ihrer Neugier.
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Links in diesem Artikel:[1] https://news.uchicago.edu/story/origins-ostrich-effect[2] https://medicalxpress.com/news/2025-09-ostrich-effect-age.html
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Nvidia-Chef Jensen Huang verkündete auf einer Dealmaking-Tour von Washington bis Seoul Dutzende Partnerschaften – von Nokia bis Hyundai.
Der Chiphersteller Nvidia verzeichnete innerhalb von fünf Handelstagen einen Zuwachs von nahezu 400 Milliarden US-Dollar an Börsenwert.
Nach Angaben von Reuters markiert das Unternehmen damit als erste Gesellschaft weltweit eine Marktkapitalisierung von fünf Billionen Dollar. Bloomberg ordnet die Situation zurückhaltender ein und spricht davon, dass sich Nvidia diesem Meilenstein annähere.
Der rasante Anstieg resultiert aus einer Fülle von Kooperationsvereinbarungen und Geschäftsabschlüssen, die Konzernchef Jensen Huang zwischen der US-Hauptstadt und der südkoreanischen Metropole Seoul verkündete.
Auf der Entwicklerkonferenz des Unternehmens in Washington präsentierte Huang am Dienstag eine Kapitalbeteiligung am finnischen Netzausrüster Nokia im Volumen von einer Milliarde US-Dollar, wie Bloomberg berichtet [1]. Die Zusammenarbeit fokussiert auf KI-basierte Netzwerkinfrastruktur.
Gleichzeitig gab der Konzern Vereinbarungen mit Uber Technologies zur Ausrüstung von 100.000 autonom fahrenden Fahrzeugen bekannt sowie eine Partnerschaft mit Lucid Group für selbstfahrende Technologien. Im Bereich Cybersicherheit erfolgte eine Kooperation mit CrowdStrike.
Der Pharmakonzern Eli Lilly erhält demnach Unterstützung beim Aufbau eines Supercomputers, der nach Angaben des Unternehmens der leistungsfähigste in der Pharmaindustrie werden soll. Palantir Technologies integriert die Technologie des Chipherstellers in seine Ontology-Plattform. Ferner stellte das Unternehmen ein System vor, das Quantencomputer mit seinen KI-Prozessoren verbindet.
"Wir haben nun […] unseren Wendepunkt erreicht", äußerte Huang laut Bloomberg vor mehreren Tausend Entwicklern. "Jetzt wird KI zum ersten Mal diese 100 Billionen Dollar schwere Weltwirtschaft in Angriff nehmen und sie produktiver machen, schneller wachsen lassen und vergrößern."
Nach seinem Auftritt in Washington reiste Huang nach Südkorea. Dort verkündete der Konzern am Freitag die Auslieferung von mehr als 260.000 Blackwell-KI-Prozessoren an die südkoreanische Regierung sowie führende Unternehmen des Landes, meldet [2] Reuters.
Die Regierung von Südkorea plant den Einsatz von über 50.000 Einheiten für KI-Infrastrukturprojekte. Samsung Electronics, SK Group und Hyundai Motor Group werden jeweils bis zu 50.000 Prozessoren in automatisierten Produktionsstätten einsetzen. Das Internetunternehmen Naver ordert laut Bericht zusätzlich 60.000 Einheiten.
"So wie Koreas physische Fabriken die Welt mit hochentwickelten Schiffen, Autos, Chips und Elektronik inspiriert haben, kann das Land nun Intelligenz als neues Exportgut produzieren, das den globalen Wandel vorantreiben wird", erklärte Huang nach Reuters-Angaben. Finanzielle Details und Lieferfristen wurden nicht kommuniziert.
Am Donnerstag traf sich Huang mit Samsung-Chef Jay Y. Lee und Hyundai-Vorstand Chung Euisun in einem Hähnchenrestaurant in Seoul. Lee bezeichnete den Chiphersteller als bedeutenden Abnehmer und strategischen Partner.
Samsung Electronics teilte am Freitag mit, sich in fortgeschrittenen Verhandlungen über die Belieferung mit Hochbandbreitenspeichern der vierten Generation (HBM4) zu befinden, berichtet [3] Reuters.
Der Chiphersteller bestätigte eine "wichtige Lieferkooperation für HBM3E und HBM4", ohne Einzelheiten zu nennen. Samsung plant die Markteinführung von HBM4 im kommenden Jahr, nannte jedoch keinen konkreten Lieferbeginn.
HBM-Bausteine – Speicherchips, bei denen mehrere Schichten vertikal gestapelt werden – sind essenzielle Komponenten für KI-Prozessoren. Sie reduzieren den Platzbedarf, senken den Energieverbrauch und ermöglichen die Verarbeitung umfangreicher Datenmengen in komplexen KI-Anwendungen.
Der südkoreanische Wettbewerber SK Hynix, derzeit führender HBM-Zulieferer, kündigte am Mittwoch an, mit der Auslieferung seiner HBM4-Prozessoren im vierten Quartal zu beginnen und die Mengen im Folgejahr zu steigern.
Samsung hatte die Dynamik im KI-Speichermarkt zunächst verzögert aufgegriffen, was zu gedämpften Ergebnissen führte. In dieser Woche gab das Unternehmen bekannt, seine aktuellen HBM3E-Chips an "alle relevanten Abnehmer" zu liefern – ein Indiz dafür, dass nun auch Belieferungen der neuesten 12-Layer-HBM3E-Variante erfolgen.
Parallel dazu erwirbt Samsung 50.000 High-End-Prozessoren, um eine KI-unterstützte Halbleiterfabrik aufzubauen, die Produktionsgeschwindigkeit und Fertigungsausbeute optimieren soll. Die Samsung-Aktie legte nach den Bekanntgaben um bis zu 4,32 Prozent zu.
Die Fülle an Partnerschaften zielt darauf ab, die Technologie des Unternehmens in zusätzlichen Wirtschaftsbereichen zu verankern – von Telekommunikation über Transportwesen bis zum Gesundheitssektor. Dies soll die Abhängigkeit von Großabnehmern wie Microsoft und Meta Platforms reduzieren, auf deren Rechenzentren etwa die Hälfte der Erlöse entfällt, schreibt Bloomberg.
"Wir sehen, dass Jensens Strategie darin besteht, die Präsenz des Unternehmens zu maximieren", sagte Vladimir Galabov, Senior Research Director bei Omdia, laut Bloomberg. "Im Wesentlichen fordert Jensen seine Armee von Entwicklern auf: ‚Ich möchte, dass ihr dieser Branche und jener Branche und jener Branche helft.‘"
JoAnne Feeney, Partnerin bei Advisors Capital Management und Anteilseignerin, äußerte gegenüber Bloomberg:
Nvidia lässt seinen Worten Taten folgen. Sie haben versucht, konkrete Beispiele für den Einsatz von KI und den Wert, den sie darin sehen, zu nennen.
Huang positionierte seine Aktivitäten eng an der "America First"-Strategie von US-Präsident Donald Trump. Der Konzernchef würdigte Trumps Wirtschaftspolitik und verwies auf die Verpflichtung, Blackwell-Prozessoren in den USA herzustellen.
"Das Erste, worum mich Präsident Trump gebeten hat, war, die Produktion zurückzuholen, weil dies für die nationale Sicherheit notwendig ist", sagte Huang laut Bloomberg. "Neun Monate später läuft die Blackwell-Fertigung in Arizona mit voller Kapazität."
Das Unternehmen hat zugesagt, in den kommenden Jahren 500 Milliarden Dollar in US-amerikanische KI-Infrastruktur zu investieren. Seit Trumps Wiederwahl stiegen die Lobbyausgaben in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf rund 3,5 Millionen Dollar, verglichen mit 640.000 Dollar im gesamten Jahr 2024. Zudem floss eine Million Dollar als Spende für die Amtseinführungsfeier.
Obwohl Huang von einigen Beschränkungen der Biden-Administration entlastet wurde, bleibt der Verkauf von KI-Prozessoren nach China untersagt. Ein am Donnerstag präsentiertes Handelsabkommen zwischen den USA und China enthielt keine Freigabe für Blackwell-Lieferungen an chinesische Abnehmer, berichtet Bloomberg.
Huang äußerte am Freitag in Südkorea die Hoffnung auf künftige Blackwell-Verkäufe nach China, betonte jedoch, die Entscheidung liege beim US-Präsidenten, meldet [4] Reuters. "Wir hoffen immer, nach China zurückkehren zu können, und ich denke, dass Nvidia in China hervorragend ist", sagte Huang. Das liege im Interesse beider Länder.
Bei einer Freigabe leistungsfähigerer Produkte für China könnte das Unternehmen dort ein Marktpotenzial von 50 Milliarden US-Dollar erschließen, hatte Huang im August erklärt. Der Markt wachse jährlich um 50 Prozent. Gegenüber Reportern räumte Huang ein, man habe auf einen Marktanteil größer null gehofft, rechne nun aber mit null.
Das Unternehmen entwickelt einen für China angepassten Prozessor auf Blackwell-Basis, der weniger leistungsfähig sein wird als die global verfügbare Variante, aber leistungsstärker als das derzeit dort zugelassene H20-Modell. Die chinesische Regierung hat sich jedoch distanziert, rät vom H20-Erwerb ab und fördert stattdessen inländische Hersteller wie Huawei.
"Es ist völlig uninformiert zu glauben, dass Huawei keine Systeme bauen kann", sagte Huang laut Reuters. "Es ist töricht, die Macht Chinas und den unglaublichen Wettbewerbsgeist von Huawei zu unterschätzen. Dies ist ein Unternehmen mit außergewöhnlicher Technologie.
Trotz der Euphorie warnen einzelne Analysten vor einer möglichen Überhitzung. Sie bezweifeln, dass künstliche Intelligenz rasch genug neue Erlösströme generiert, um die dreistelligen Milliarden-Investitionen in Rechenzentren und Prozessoren zu rechtfertigen.
Jay Goldberg, Senior Analyst bei Seaport Global, ist laut Bloomberg der einzige unter 80 Analysten mit einer Verkaufsempfehlung.
"Keine Technologie dieser Größenordnung wurde jemals ohne Probleme eingeführt, und es wird Wachstumsschmerzen geben, es wird Rückschläge geben, es wird Rückschritte geben", sagte er. "Wir werden noch einige Jahre benötigen, um herauszufinden, wofür KI nützlich ist, was sie gut kann und welche Geschäftsmodelle dahinterstehen."
Das Privatvermögen von Huang stieg in dieser Woche um mehr als neun Milliarden US-Dollar auf nahezu 176 Milliarden Dollar, so der Bloomberg Billionaires Index.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-11-01/nvidia-s-400-billion-week-fueled-by-jensen-huang-s-dealmaking-spree[2] https://www.reuters.com/business/media-telecom/nvidia-supply-more-than-260000-blackwell-ai-chips-south-korea-2025-10-31/[3] https://www.reuters.com/world/asia-pacific/samsung-electronics-says-it-is-talks-with-nvidia-supply-next-generation-hbm4-2025-10-31/[4] https://www.reuters.com/business/autos-transportation/nvidia-ceo-hopes-blackwell-chips-can-be-sold-china-decision-up-trump-2025-10-31/
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Sam Altman, CEO von OpenAI, hat auf X einen kurzen Text veröffentlicht, in dem er seinen Versuch dokumentiert, eine seit 2018 bestehende Tesla-Roadster-Reservierung zu stornieren . Nach eigener Aussage versuchte er, eine Rückerstattung seiner 50.000-Dollar-Anzahlung zu beantragen, erhielt jedoch eine Fehlermeldung. Altman beklagte, dass die Wartezeit auf den Sportwagen der zweiten Generation mittlerweile mehr als siebeneinhalb Jahre andauere.
"Ich habe mich wirklich auf das Auto gefreut!" , schrieb Altman in seinem Beitrag. "Und ich verstehe die Verzögerungen. Aber 7,5 Jahre sind eine lange Zeit, um zu warten."
Elon Musks erste Reaktion auf X war ein Vorwurf gegenüber Altman: "Du hast eine Non-Profit-Organisation gestohlen." Dies bezieht sich auf OpenAIs Umwandlung von einer Non-Profit-Organisation in eine gewinnorientierte Struktur, die das Unternehmen in diesem Jahr abgeschlossen hat . Musk erhob diese Vorwürfe bereits in früheren Social-Media-Beiträgen und versuchte eine gerichtliche Blockade von OpenAIs Umstrukturierung.
Die beiden Geschäftsmänner pflegen eine angespannte Beziehung . Musk gründete xAI, ein konkurrierendes Unternehmen im Bereich künstlicher Intelligenz, das Klage gegen OpenAI und Apple eingereicht hat und beiden Unternehmen vorwirft, Wettbewerbsverstöße zu begehen.
Musk beschuldigte Altman zudem, entscheidende Details bei der Roadster-Stornierung ausgelassen zu haben: "Und du hast vergessen, Akt 4 zu erwähnen, in dem dieses Problem gelöst wurde und du innerhalb von 24 Stunden eine Rückerstattung erhalten hast. Aber das liegt in deiner Natur" , schrieb Musk .
Der Tesla Roadster der zweiten Generation wurde erstmals im November 2017 vorgestellt . Seitdem verzögerte sich der Produktionsbeginn des Fahrzeugs mehrfach. Musk deutete kürzlich an, dass eine neue Version des Sportwagens bis Ende 2025 präsentiert werden soll.

Die Drohne des Berliner Start-ups Stark vom Typ Virtus soll bei Tests im Oktober 2025 in der Lüneburger Heide keines der anvisierten Ziele getroffen haben. Zwei mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigten dies gegenüber dem Handelsblatt .
Bei einem der insgesamt zwei durchgeführten Flüge soll es zu einem Akkubrand gekommen sein, woraufhin die Drohne in einem Waldgebiet abstürzte. Die Bundeswehr führte die sogenannte Experimentalerprobung durch, bei der mehrere Hersteller ihre Systeme vorstellten. Das Münchner Unternehmen Helsing testete dort ebenfalls seine HX-2-Kamikazedrohne , die laut dem Bericht alle Flüge ohne Probleme absolvierte.
Parallel zu den deutschen Tests nahm Stark an mehrtägigen Erprobungen mit der britischen Armee in Kenia teil. Nach Angaben der Insider soll das Unternehmen diese Tests vorzeitig abgebrochen und das Land verlassen haben, da die Ergebnisse nicht den Erwartungen entsprachen. Die Financial Times hatte am Freitag erstmals darüber berichtet . Stark errichtet derzeit eine Produktionsstätte im britischen Swindon.
Eine Sprecherin von Stark äußerte sich dem Bericht nach nicht konkret zu den Testergebnissen. Sie erklärte lediglich, dass die gemeinsame Erprobung mit verbündeten Streitkräften ein zentraler Bestandteil der Entwicklungsphilosophie sei. Die frühe und aktive Einbindung der Bundeswehr in Entwicklungsprozesse zeige eine Innovationskultur, die bereit sei, auf dem Weg zum Erfolg Risiken einzugehen.
Die Bundeswehr plant, zeitnah größere Mengen dieser Waffensysteme anzuschaffen . Die Ausrüstung der Panzerbrigade 45, die dauerhaft in Litauen stationiert werden soll, steht dabei im Fokus. Diese Brigade soll bis Ende 2027 vollständig einsatzbereit sein. Die Bundeswehr hat Vorverträge mit Helsing, Stark Defence und Rheinmetall geschlossen.
Ziel dieser Vereinbarungen ist die Sichtung und Erprobung der verschiedenen Produkte. Bis Weihnachten sind weitere Tests geplant. Sollte das Parlament zustimmen, könnten anschließend die Beschaffungsverträge unterzeichnet werden.
Die bisherigen Fehlschläge bedeuten nicht automatisch das Aus für Stark im Vergabeverfahren. Die Virtus-Drohne wird bereits im Ukrainekrieg eingesetzt, muss aber für die deutsche Zertifizierung an mehreren Punkten angepasst werden, heißt es in dem Bericht. Stark forscht seit knapp zwei Jahren an Kamikazedrohnen, während Helsing bereits seit vier Jahren in diesem Bereich tätig ist.
Die sogenannte Loitering Munition verharrt in der Luft, bis ein Ziel identifiziert wird. Die Virtus trägt einen Sprengkopf von bis zu fünf Kilogramm, startet senkrecht und ist in unter zehn Minuten einsatzbereit. Die Flugzeit beträgt 60 Minuten bei einer Reichweite von 100 Kilometern. Das KI-gestützte System von Virtus reagiert laut Hersteller in Echtzeit auf Veränderungen in der Umgebung und soll gegen elektronische Störmaßnahmen gehärtet sein. Das Softwaresystem soll Ziele in einer Entfernung von bis zu 100 km verfolgen und bekämpfen können, selbst in Umgebungen mit schwachem Signal oder ohne Empfang.
Ende Juli 2025 vereinbarte Stark eine Kooperation mit der MBDA-Tochter TDW zur Ausstattung der Drohnen mit panzerbrechenden Gefechtsköpfen . Helsing arbeitet mit der KI-Robotikfirma Arx Robotics bei der Drohnensteuerung zusammen. Diese Zusammenarbeit werde bereits mit einer Nato-Streitkraft erprobt, erklärte Arx-Robotics-Chef Marc Wietfeld damals, ohne Details zu nennen.
Stark wurde 2024 gegründet.