(Bild: Monkey Business Images/Shutterstock.com)
NuGet-Package-Maintainer können nun finanzielle Unterstützung durch ihre User erhalten, indem sie Sponsorship-URLs zu ihren Paketen hinzufügen.
Microsoft hat verkündet, dass für Package-Maintainer im NuGet.org-Ökosystem – dem Paketmanager für .NET – das neue Sponsorship-Feature zur Verfügung steht. Es erlaubt ihnen das Hinterlegen von Sponsorship-URLs, unter der User ihnen finanzielle Unterstützung zukommen lassen können.
Der Link zu den Sponsorship-URLs erscheint als Herz-Emoji beziehungsweise "Sponsor"-Button auf der jeweiligen Paketseite. Nach einem Klick darauf können User mittels einer Plattform wie GitHub Sponsors oder Patreon ihre gewünschte Zahlung tätigen. Wie Microsoft betont, können auch kleine Beiträge einen großen Unterschied machen, um zur Verwaltung und Sicherheit kritischer Pakete beizutragen.
Entwicklerinnen und Entwickler, die einen Link zum Sponsoring einfügen möchten, müssen Besitzer oder Co-Besitzer des betreffenden NuGet-Pakets sein. Der Link muss zu einer der folgenden zugelassenen Plattformen führen: GitHub Sponsors, Patreon, Open Collective, Ko-fi, Tidelift oder Liberapay.
Auf der Paketmanagement-Seite des jeweiligen Pakets müssen Developer dafür zum Abschnitt "Sponsorship Links" herunterscrollen und dort in das Formular einen oder mehrere Links eintragen, zum Beispiel https://github.com/sponsors/yourusername. Es lassen sich je Package-ID bis zu zehn URLs hinterlegen und per "Remove"-Button bei Bedarf wieder entfernen.
(Bild: Microsoft)
Nach dem Eintragen der URLs können Developer verifizieren, dass das Hinterlegen funktioniert hat, indem sie die öffentliche Seite ihres Pakets aufrufen. Dort sollte im "About"-Abschnitt der "Sponsor"-Button erscheinen und beim Klick darauf ein Pop-up zu den hinterlegten URLs anzeigen.
(Bild: Microsoft)
(Bild: Microsoft)
Im Rahmen des Sponsorship-Features werden auf NuGet.org keine persönlichen oder Zahlungsinformationen gespeichert, denn die Transaktionen geschehen auf den gewählten externen Plattformen, wie Microsoft betont.
Weitere Informationen und ein FAQ-Abschnitt [2] finden sich in der Ankündigung auf Microsofts Entwicklerblog.
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[1] https://net.bettercode.eu/index.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_bcc_net.empfehlung-ho.link.link
[2] https://devblogs.microsoft.com/dotnet/announcing-sponsorship-on-nugetdotorg-for-maintainer-appreciation/
[3] mailto:mai@heise.de
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Ein vergessenes Feature Flag sorgt für einen Fehlkauf an der Börse – IT-Pannen wiederholen sich nach immer gleichen Mustern. Aber wir können daraus lernen.
In modernen Softwareprojekten ist das Deployment längst keine einmalige Aktion mehr, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Anwendungen bestehen aus Dutzenden oder Hunderten von Services, laufen in Containern und erhalten oft mehrmals am Tag ein Update. Um neue Funktionen schrittweise zu aktivieren, greifen Teams auf Feature Flags oder Konfigurationsschalter zurück. Diese Flexibilität ist ein Segen – und gleichzeitig eine erhebliche Gefahrenquelle.
Ein eindrückliches Beispiel liefert der Fall Knight Capital [6] aus dem Jahr 2012. Das Unternehmen war ein Schwergewicht im elektronischen Handel an der US-Börse und wickelte täglich Millionen von Transaktionen ab. Am 1. August 2012 spielte Knight ein neues Softwareupdate aus, das eine Funktion namens "Retail Liquidity Program" unterstützen sollte. Die Bereitstellung lief jedoch schief: Ein Feature Flag, das ursprünglich für Testzwecke existierte, wurde auf einem von acht Servern nicht korrekt aktualisiert.
Was folgte, war ein Paradebeispiel für die Kaskade aus Konfigurationsfehlern und fehlender Deployment-Sicherheit: Auf sieben Servern lief die neue Logik wie geplant, ein einzelner Server führte beim Start jedoch alten Code aus, der längst nicht mehr produktiv sein sollte – weil das Flag dort nicht korrekt gesetzt war.
Dieser alte Code enthielt eine Legacy-Routine, die fälschlicherweise massenhaft Kaufaufträge generierte. Innerhalb von nur 45 Minuten verursachte Knight Capital rund 440 Millionen US-Dollar Verlust. Das Unternehmen stand am Rand der Insolvenz, nur eine schnelle Übernahme und externe Finanzierung retteten es vor dem Aus.
Die Lehren aus diesem Vorfall sind für jede Organisation relevant – ob Börsenhandel, E-Commerce oder SaaS-Betrieb:
Interessant ist, dass Knight Capital nicht am Fehlen von Technologie scheiterte. Die Tools für sichere Deployments existierten längst. Es war vielmehr ein Organisations- und Prozessversagen, bei dem technische Schulden (wie Legacy-Code und Flag-Wildwuchs) und menschliche Routine ("haben wir immer so gemacht") zusammenkamen.
Für moderne Cloud- und Webprojekte gilt übrigens dasselbe Muster: Wer Feature Flags einsetzt, ohne Lifecycle und Dokumentation zu etablieren, erzeugt unbemerkt eine tickende Zeitbombe. Und wer Deployments manuell oder halbautomatisch ausrollt, nimmt Inkonsistenzen in Kauf, die sich irgendwann rächen.
Die Lösung ist eine Kombination aus Disziplin und Automatisierung:
Knight Capital ist das prominenteste Beispiel, aber ähnliche Zwischenfälle gab es seither mehrfach – von falschen Cloudkonfigurationen bis zu versehentlich aktivierten Debug-Modi in der Produktion. Und jedes Mal zeigt sich erneut: Ein einziger vergessener Schalter kann ausreichen, um ein Unternehmen ins Wanken zu bringen.
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https://www.heise.de/-10748532
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[1] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-1-Einheiten-Wenn-Zahlen-irrefuehrend-werden-10667236.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-2-Warum-explodierte-Ariane-5-nach-dem-Start-10698575.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-3-Ein-Marssonde-geraet-ausser-Kontrolle-10699153.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-4-Eine-Patriot-Rakete-verfehlt-fatal-ihr-Ziel-10711179.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Aus-Softwarefehlern-lernen-Teil-5-440-Millionen-Dollar-Verlust-in-Minuten-10748532.html
[6] https://www.heise.de/news/US-Finanzfirma-ringt-nach-teurer-Softwarepanne-ums-Ueberleben-1660303.html
[7] mailto:who@heise.de
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Regisseur Lanthimos fragt: Wer ist hier verrückt? Die Konzernchefin, die den Planeten ausbeutet, oder der Verschwörungstheoretiker, der sie stoppen will?
Zeiten politischer Extreme sind Blütezeiten bissiger Satiren. Nachdem Paul Thomas Anderson den generationenübergreifenden Kampf Links gegen Rechts in "One Battle After Another" aufs Korn nahm, legt nun der griechische Regisseur Giorgos Lanthimos nach. In Bugonia hetzt er zwei Vertreter ihrer Klassen aufeinander.
Auf der einen Seite ist da Michelle (Emma Stone) als scheinheilige Konzerncheffin, die Diversity zum Firmencredo erhebt und den Angestellten nahelegt, um 17:30 Uhr Feierabend zu machen – selbstverständlich nur, wenn sie nichts Wichtiges zu tun hätten.
Auf der anderen Seite der Gelegenheitsjobber und Hobby-Imker Teddy (Jesse Plemons), der sich über die Chemiekonzerne aufregt, weil sie die Bienen vergiften. Er macht Michelles Firma für das Schicksal seiner Mutter Sandy (Alicia Silverstone) verantwortlich. Seitdem sie ein Medikament von Michelles Konzern einnahm, liegt Sandy im Koma. Teddy ist sich sicher: Michelle stammt aus der Andromeda-Galaxie und ist auf die Erde gekommen, um die Menschheit zu unterjochen und den Planeten auszubeuten.
(Bild: Focus Features)
Was folgt, ist ein knapp zweistündiges Kammerspiel, in dem Teddy und sein Cousin Don (Aidan Delbis) Michelle in ihr selbstgebasteltes Volksgefängnis stecken und verhören. Sie soll zugeben, dass sie ein Alien ist und Teddy bei der nächsten Mondfinsternis zu ihrem Chef ins Raumschiff bringen, damit er mit ihm über die Zukunft der Erde verhandeln kann.
Doch wie überzeugt man einen Folterknecht mit Wahnvorstellungen, wenn der jeden Gegenbeweis als Bestätigung seines Weltbildes interpretiert? Vor dem Problem standen im Mittelalter bereits der Hexerei angeklagte Frauen gegenüber der katholischen Kirche. Teddy steigert sich immer tiefer hinein. Damit er und Don sich auf ihren Auftrag konzentrieren, sollen sie sämtliche sexuellen Handlungen – auch an sich selbst – einstellen und sich unfruchtbar machen.
(Bild: Focus Features)
Michelle rasieren die beiden als erstes die Haare ab, damit sie mit diesen Antennen ihr Raumschiff nicht um Hilfe anfunkt. Die an Elite-Unis ausgebildete Gefangene kramt derweil ihre gelernten Überzeugungsstrategien zusammen und versucht, Don auf ihre Seite zu ziehen.
Nach "The Favourite", "Poor Things" und "Kinds of Kindness" ist "Bugonia" bereits die vierte Zusammenarbeit von Lanthimos und Stone – dem derzeitigen Dreamteam des surrealen Films. Wo Wes Andersson in seinem ästhetischen Korsett erstarrt, erfindet Lanthimos immer wieder neue Geschichten und Erzählformen: Von einer barocken Komödie über politische Intrigen, einer Frankenstein-Parodie zum Feminismus, einem episodischen Sado-Maso-Tryptichon über Macht und Kontrolle nun zu einem psychologischen Kammerspiel über Klassenkampf, Wahn und Realität. Das ist ebenso sperrig wie unterhaltsam für Zuschauer, die des hollywoodschen Einheitsbreis überdrüssig sind.
(Bild: Focus Features)
Dank seiner engen Ensemble-Arbeit kann er in kurzen Produktionszyklen auf aktuelle gesellschaftliche Themen und Diskurse reagieren und Zuschauer immer wieder überraschen. Lanthimos bildet damit einen Antipoden zum ausgelutschen Franchise-Kino der großen Hollywood-Studios. Stone und Plemons spielen groß auf und das Drehbuch bleibt konsequent am Thema, ohne am Schluss in eine allzu derbe Ketchup-Orgie wie in "The Substance" abzudriften.
Als Vorlage von Bugonia diente der südkoreanische Film "Save the Green Planet!" von 2003, der die Geschichte mit viel Body-Horror und Klamauk erzählt. Zu sehen ist der Film derzeit auf Amazon Prime [3], allerdings in einer furchtbaren Bildqualität mit Interlacing-Artefakten. Wer sich den Clou der Geschichte nicht verderben will, sollte besser ins Kino gehen und sich das Original zum Vergleich danach anschauen.
(Bild: Focus Features)
Lanthimos dämpft Klamauk und Splatter, konzentriert sich stattdessen auf den politischen Diskurs. Statt der Gefangenen die Haut abzuschmirgeln und sie mit stählernen Dildos zu penetrieren, stellt er Teddys Beweggründe im Kampf gegen das Großkapital in den Mittelpunkt und reißt dessen Chefs die Maske vom Gesicht. Wenn Typen wie Elon Musk ihre E-Autos zum Mars schießen, agieren sie dann nicht tatsächlich wie Außerirdische?
Als Teddy einer prekär beschäftigten Kollegin beisteht, nachdem sie sich auf der Arbeit an einer Maschine verletzt hatte, dann verrät das viel über den aktuellen Zustand der Arbeiterklasse: Vereinzelt hat sie verlernt, sich für ihre Interessen zusammenzuschließen. Stattdessen krabbelt sie auf sich allein gestellt immer tiefer in den Kaninchenbau der Internetforen, wo sie die abenteuerlichsten Verschwörungstheorien aufschnappt. Ihre Beweggründe sind zutiefst menschlich, doch ihr Wahn atomisiert sie. Selbst der Zuschauer verharrt in diesen Scheuklappen, denn Bugonia wurde nicht im Breitbildformat, sondern in 1,50:1 gedreht, das den klaustrophobischen Eindruck verstärkt.
(Bild: Fokus Features)
Auch die Polizei kriegt ihr Fett weg: Der Dorfpolizist Casey (Stavros Halkas) war früher offenbar der Babysitter von Teddy und hatte sich an ihm vergriffen. Aber nun sei er – dank Uniform – ein neuer besserer Mensch. In diesem Sittengemälde sind es nicht die Verschwörungstheoretiker, die die Menschheit in den Abgrund ziehen, sondern die Staatsgewalt und die Konzerne, jeweils verdichtet in einzelnen Figuren.
Der Titel Bugonia gibt dieser bitterbösen Satire zum Schluss Hoffnung: Er steht für einen alten griechischen Mythos, demnach sich die Bienen aus den Kadavern von Ochsen erheben. In Deutschland startet der Film am 30. Oktober 2025 in den Kinos. Er dauert 118 Minuten und ist ab FSK 16 freigegeben.
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[1] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[2] https://www.heise.de/ct
[3] https://www.amazon.de/Save-Green-Planet-Shin-Ha-kyun/dp/B098T519C8
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Sitz der Vereinten Nationen in New York: Wie Relevant sind die UN 80 Jahre nach ihrer Gründung?
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Die UN feiern ihren 80. Geburtstag. Ihre Errungenschaften sind beachtlich, doch ihre Zukunft ungewiss. Können die Vereinten Nationen noch relevant bleiben?
Unter dem pointierten Motto "Zu alt für die neue Zeit? [1]" präsentiert die Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen einen historischen Ein- und Ausblick, aus Anlass des heutigen 80. Geburtstags der Vereinten Nationen.
Neben zahlreichen Friedensmissionen, dutzenden völkerrechtlichen Normen und umfassender humanitärer Hilfe blickt die supranationale Organisation jedoch in eine ungewisse Zukunft.
Die US-Austritte aus internationalen Abkommen sowie aktuelle Grenzverschiebungen lassen das Völkerrecht zunehmend erodieren. Ein exemplarisches Beispiel dafür ist der politische Kuhhandel [2] zwischen der marokkanischen Anerkennung Israels und der gleichzeitigen westlichen Tatenlosigkeit gegenüber Marokkos Herrschaftsanspruch über die Westsahara.
Sind die Vereinten Nationen am Ende?
Es gibt sie noch: die kleinen Siege der UN. Am Mittwochnachmittag wurde vermeldet [3], dass der Internationale Gerichtshof in Den Haag in einem rechtlich nicht bindenden Gutachten festgestellt hat, dass Israel die palästinensischen Zivilisten im Gazastreifen versorgen muss. Bisher wies der israelische Staat jegliche Verantwortung für die aus einem Krieg resultierenden Schäden kategorisch von sich.
Dabei wäre ein langfristiger Frieden, insbesondere im Nahen Osten, der Ansatz, der den festgefahren-blutigen Nahostkonflikt wirklich lösen könnte.
Mit der Gründung der Vereinten Nationen am 24. Oktober 1945 trat zugleich die UN-Charta [4] mit den Kernzwecken Wahrung des Weltfriedens, Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen, Förderung sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung sowie Achtung der Menschenrechte, in Kraft.
Jene Charta stellt neben einem völkerrechtlichen Handlungsrahmen auch die Arbeitsgrundlage für die diversen UN-Organisationen dar.
Während neue Dimensionen im Sicherheitsbegriff [5] Einzug erhalten haben, kontern die Vereinten Nationen mit einem "erweiterten Friedensbegriff [6]". In einer Melange aus regelbasierter, rechtlich normierter Ordnung sollen Menschenrechte gewahrt und nachhaltige Entwicklung ermöglicht werden.
Durch UN-Friedensmissionen konnte international anerkanntes Recht materialisiert werden. Die Blauhelme agierten dabei gewissermaßen als soldatische Feuerwehr in schwerer See. Mit der UN-Resolution 1514 [7] von 1960 begannen die Friedensmissionen einen historischen Ausweg aus neokolonialer Abhängigkeit zu schaffen.
2023 waren jene Kräfte noch in 36 Ländern aktiv [8] und stellten 203 Millionen US-Dollar für Friedens- und Wiederaufbauarbeit zur Verfügung. Aktuell sind noch elf Missionen [9], primär in Afrika, anhängig.
Neben erfolgreichen Mandaten (Namibia, Liberia oder Timor-Leste) stechen negative Beispiele heraus. So musste die Monusco-Mission im Ostkongo 2023 – wegen anhaltendem Misserfolg [10] – vorzeitig beendet werden.
Entscheidender als die reale Durchsetzung friedensstiftender Maßnahmen dürfte – zumindest in einer weiten historischen Perspektive – die Prägung internationaler Rechtsnormen sein [11]. Neben der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 setzten die Vereinten Nationen einen umfassenden Menschenrechtsrahmen und versuchten, internationale Detailkonventionen in rechtssichere Bahnen zu gießen.
Neben den internationalen Seerechten von 1982 (Unclos) [12] und den Antikorruptionsabkommen unter der Ägide der Un (von 2003) stechen vor allem die jährlichen "Treaty Events [13]", also Vertragsratifizierungen in diversen Bereichen, heraus.
Gemäß Kapitel V der Charta genießt der UN-Sicherheitsrat als besonderes Werkzeug einen unüberschätzbaren Stellenwert. Er darf Entscheidungen treffen, die alle UN-Mitgliedstaaten umsetzen müssen – ein Alleinstellungsmerkmal im UN-System.
Allein seine Existenz ist, unter der Prämisse archaischer internationaler Ordnungen und potenziell massenvernichtender Konflikte, ein Zivilisationsfortschritt.
Doch der Teufel steckt im Detail [14]: Neben den fünf ständigen Mitgliedern (USA, Großbritannien, Russland, Frankreich und China) treten zudem zehn nichtständige Staaten hinzu, er ist eine klassische Geburt der Wehen der Systemkonkurrenz. Problematisch ist, dass alle der P5-Mitglieder via Veto jegliche Entscheidungen blockieren können.
Zwar werden bis heute Missionen beschlossen – wie das aktuelle Exempel der Autorisierung der angeblichen Gang-Bekämpfung auf Haiti belegt [15] – doch verbrauchen sich die Veto-Rechte im Rahmen der Großkonflikte und entlang geopolitisch sich zunehmend entfaltender Blockkonstellationen.
Im Syrien-Krieg nutzen Russland und China [16] – nach den Erfahrungen mit Libyen und dem Sturz Gaddafis – ihre Vetomacht 17 Mal. Im Hinblick auf Israel sperren die USA [17] seit Jahren jegliche Konsequenzen für ihren Territorialstatthalter. Dies nimmt den Vereinten Nationen Stärke, lähmt Opportunitätsfenster und verkratzt ihre Legitimation in abhängigeren Staaten.
Als supranationale Organisation, vergleichbar mit der Europäischen Union, sind sie auf stetige Beitragszahlungen ihrer Mitgliedsorganisationen angewiesen. Dabei bieten Kürzungen oder Zahlungsstopps (US-Ausstieg aus WHO, UNHCR, Unesco), Einflussfaktoren [18] und reduzieren die Einsatzfähigkeit wie das Personalaufkommen. Antonio Guterres, seit 2017 UN-Generalsekretär, warnt seit Jahren [19] vor massiver-werdenden Liquiditätsproblemen.
Dabei spiegeln die Finanzprobleme die Problematik auf der Erscheinungsebene wider: es lässt sich eine Erosion des internationalen Rechts konstatieren. Augenfällig ist, dass es sich weniger um eine bewusst formale, offen kommunizierte Revision bestehender Normen handelt als um eine schrittweise, faktische Aushöhlung multilateraler Regeln.
Dem Pentagon dürfte bewusst gewesen sein, dass ein unprovozierter und nicht präventiver Erstschlag gegen den Iran gegen das Völkerrecht verstößt [20]. Neben dem formalen Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen verfehlen dutzende weitere Staaten [21] ihre schriftlich fixierten Klimaziele und in kaum einem Land wurden die deutlich verschärften WHO-Pandemieregelungen [22] bis heute in Gesetzesform gegossen.
Im aktuellen Konkurrenzkapitalismus bildet sich – abseits einer unipolaren Ordnung – eine Großmachtrivalität heraus. Geopolitisch verlaufende Blockgrenzen dienen als Grundlage für Absprachen, Normen und Konventionen.
Zoll- und Handelskriege, militärische Stellvertreterkonfrontationen und eine militärische Zeitenwende machen internationale Übereinkünfte über Blockgrenzen hinweg [23] zunehmend unrealistisch.
Insbesondere die außenpolitische Geltungsmacht wird anhand ökonomischer und innenpolitischer Potenziale ausgerichtet – ein nationalistisches Amalgam, welches den ideologischen Gründungskonsens von 1945 konterkariert.
Zudem ist die Verfassung der Vereinten Nationen dringend reformbedürftig: neben dem Veto-Recht müssen Finanzen transparent internationalisiert werden [24]. Zudem solten neue Kooperationen mit aufsteigenden Akteuren (wie Asean, Brics, Sco) gesucht werden.
Zwar sind die Vereinten Nationen nicht "tot", doch in ihrer operativen Wirkungsmacht und zunehmend auch in ihrer juristischen Normierung eingeschränkt. Setzt sich der aktuelle Trend der folgenlosen Erosion des Völkerrechtes fort, droht eine "Zeit der Monster [25]" (Gramsci).
Ob die immateriellen Ideale gegenüber den materiellen Motiven der Großmächte bestehen können, muss aktuell bezweifelt werden.
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Links in diesem Artikel:[1] https://zeitschrift-vereinte-nationen.de/suche/zvn/heft/vereinte-nationen-heft-4-2025-80-jahre-un-zu-alt-fuer-die-neue-zeit[2] https://www.tagesspiegel.de/internationales/folge-des-abraham-abkommens-israel-erkennt-marokkos-anspruch-auf-besetzte-westsahara-an-10168459.html[3] https://www.sueddeutsche.de/politik/nahost-liveblog-news-gaza-israel-weltgerichtshof-hilfe-un-li.3327334[4] https://www.un.org/en/about-us/un-charter/chapter-1[5] https://www.bpb.de/themen/innere-sicherheit/dossier-innere-sicherheit/76634/die-dimensionen-des-sicherheitsbegriffs/[6] https://dgvn.de/aktivitaeten/jahresthema-2025-80-jahre-un-neue-perspektiven-fuer-den-frieden[7] https://lighthouse.mq.edu.au/article/june-2020/75-years-of-the-un-its-triumphs-and-disasters[8] https://cifal-flanders.org/news/resolve-achievements-of-united-nations-family-in-2023/[9] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/994455/umfrage/laufende-und-beendete-un-missionen-nach-regionen/[10] https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/monusco-kongo-un-abzug-100.html[11] https://banotes.org/international-relations/milestones-challenges-united-nations-facets/[12] https://en.wikipedia.org/wiki/United_Nations_Convention_on_the_Law_of_the_Sea[13] https://www.un.org/ola/en/news/2025-treaty-event-celebrates-80-years-treaty-making-and-milestone-ocean[14] https://www.britannica.com/topic/United-Nations-Security-Council[15] https://apnews.com/article/un-haiti-gangs-international-force-us-panama-3be47fe0bd29b125b7fa00d67df26907[16] https://www.tagesspiegel.de/politik/russland-und-china-verhindern-resolution-zu-syrien-3564016.html[17] https://www.deutschlandfunk.de/usa-verhindern-erneut-gaza-resolution-mit-veto-im-uno-sicherheitsrat-100.html[18] https://www.blaetter.de/ausgabe/2025/oktober/80-jahre-uno-auf-dem-weg-in-die-bedeutungslosigkeit[19] https://guide.dmun.de/mun-sh/gv-top2-finanzierungskrise-der-un-sh/[20] https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/usa-iran-angriff-atomanlagen-krieg-voelkerrecht-selbstverteidigung[21] https://www.dw.com/de/usa-fatale-folgen-durch-austritt-aus-pariser-klimaabkommen-china-klimaschutz/a-71362121[22] https://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/deutschland-bekommt-schaerfere-corona-regeln-die-who-redet-bei-einer-pandemie-mit-110894205[23] https://www.crisisgroup.org/global/sb12-ten-challenges-un-2024-2025[24] https://www.weforum.org/stories/2025/09/un-marking-80th-anniversary-plan-for-change/[25] https://www.blog-der-republik.de/die-zeit-der-monster-vom-unipolaren-moment-zurueck-zum-globalen-maechtekonzert-ein-gastbeitrag-von-rolf-muetzenich/
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Apple verrechnet im App Store überzogene Gebühren, urteilt ein Wettbewerbsgericht in London.
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Die Gebühren in Apples App Store sind viel zu hoch, sagt ein Gericht in London. Apple soll hunderte Millionen zurückgeben. Auch App-Anbieter dürfen hoffen.
Apple hat sein Monopol im App Store [1] für iPhones und iPads missbraucht und jahrelang viel zu hohe Gebühren verrechnet. So urteilt das für England und Wales zuständige Wettbewerbsgericht Competition Apeal Tribunal. Es schreibt Apple umfangreiche Rückerstattungen an Kunden vor, denen in den meisten Fällen zweistellige Pfundbeträge winken. Da es aber Millionen betroffene Kunden gibt, geht es in Summe um hunderte Millionen Pfund. Sollte die Gerichtsentscheidung rechtskräftig werden, ist sie eine empfindlichere Niederlage für Apple, als es dieser Betrag erscheinen lässt.
Denn das Urteil betrifft den Zeitraum 1. Oktober 2015 bis 15. November 2024, und damit mehr als fünf Jahre vor dem EU-Austritt Großbritanniens. Entsprechend stellen die drei Richter auch auf EU-Recht ab. Ihre einstimmige Entscheidung hat also Vorbildwirkung nicht nur für Schottland und Nordirland, sondern für die gesamte EU. Außerdem läuft seit 2023 beim selben Gericht eine parallele Sammelklage im Namen jener App-Anbieter, die ihre Software sowie In-App-Verkäufe über denselben App Store abwickeln mussten. Ein Urteil zugunsten Apples in dem Parallelverfahren wäre eine Überraschung.
Das am Donnerstag ergangene Urteil geht auf eine bereits 2021 erhobene Sammelklage der Britin Dr. Rachael Kent [2] zurück. Laut eigener Angabe ist sie die erste Frau, die je eine Sammelklage in Großbritannien angestrengt hat. Die Wissenschaftlerin forscht im Bereich digitale Kultur und Gesellschaft und lehrt am King's College London. Als Besitzerin eines iPhones konnte sie Apps für ihr Handy ausschließlich über Apples App Store beziehen, weil Apple seit jeher alternative Vertriebswege verbietet. Dieses Monopol macht die Sache teuer, denn Apple verrechnet regelmäßig 30 Prozent Gebühren. Kent ging zu Gericht (Dr. Rachael Kent v Apple Inc and Apple Distribution International Ltd, Az. 1403/7/7/21).
Laut Urteilsbegründung hat Apple tatsächlich sein Monopol in zwei Märkten missbraucht: (Ver)Kauf von Apps, sowie Umsätze in Apps. In beiden Märkten hat Apple jeglichen Wettbewerb ausgeschlossen. Apple argumentierte, das sei durch Leistungswettbewerb gerechtfertigt, schließlich seien iPhones und iPads eine feine Sache. "Apples Verhalten kann in diesem Zusammenhang nicht als Leistungswettbewerb gerechtfertigt werden, da Apple überhaupt nicht im Wettbewerb steht", heißt es in der Zusammenfassung der fast 400 Seiten dicken Urteilsausfertigung [3]. Verschärfend komme hinzu, dass Apple auch für In-App-Käufe zur Nutzung seines Zahlungsabwicklungssystems zwinge.
Damit habe Apple mehrfach gegen Artikel 102 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union [4] sowie gegen Kapitel II des britischen Wettbewerbsgesetzes [5] verstoßen. "Apple hat seine Marktmacht missbraucht, indem es exzessive und unfaire Preise verlangt hat, in Form von Kommissionen für den Vertrieb von iOS-Apps und für die Zahlungsabwicklung von In-App-Käufen", heißt es in der Urteilszusammenfassung [6] weiter.
Die Differenz zwischen den verlangten Gebühren und den Kosten sei signifikant und dauerhaft. Das zeige, dass die Preise überhöht sind. Der Tarif sei sowohl für sich genommen unfair, als auch im Vergleich zu den Online-Shops Epic Games', Microsofts und Steams.
Apple versuchte sich dadurch zu rechtfertigen, dass der Wettbewerbsausschluss zur Erreichung legitimer Ziele notwendig und verhältnismäßig sei. Beides lehnt das Gericht ab. Außerdem meinte Apple, ein einzelner App Store sei effizienter; davon würden Verbraucher in größerem Umfang profitieren, als sie durch die hohen Preise belastet würden. Auch das akzeptiert das Gericht nicht, schließlich schließe Apple jeglichen Wettbewerb in den beiden Märkten von vornherein aus.
Statt 30 Prozent sind laut Urteil maximal zehn Prozent für In-App-Käufe und maximal 17,5 Prozent für App-Käufe gerechtfertigt. Die Differenz habe allerdings nicht nur Kunden, sondern auch die Anbieter der Apps und App-Inhalte belastet. Die Anbieter hätten nur die Hälfte der Mehrbelastung an ihre Kunden weiter verrechnet.
Diese Hälfte soll Apple für den gut neun Jahre langen relevanten Zeitraum rückerstatten, zuzüglich acht Prozent Zinsen. Die andere Hälfte müssen sich die App-Anbieter erstreiten. Das dafür anhängige Verfahren heißt Dr Sean Ennis v Apple Inc and Others (Az. 1601/7/7/23 [7]).
Über die genauen Modalitäten der Rückerstattung sollen sich die Streitparteien tunlichst einigen und das Ergebnis bei der nächsten Tagsatzung, frühestens im November, präsentieren. Parallel kann Apple die Zulassung von Rechtsmitteln beantragen, was das Unternehmen sicher tun wird. Das Gericht muss dann entscheiden, gegen welche Teile des Urteils Apple berufen kann.
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/thema/App-Store
[2] https://www.heise.de/news/Apple-im-Kartellverfahren-Finanzchef-kann-App-Store-Gewinne-nicht-beziffern-10247376.html
[3] https://www.catribunal.org.uk/sites/cat/files/2025-10/14037721%20Dr.%20Rachael%20Kent%20v%20Apple%20Inc.%20and%20Apple%20Distribution%20International%20Ltd%20-%20%20Judgment%20%5B2025%5D%20CAT%2067%2023%20Oct%202025_0.pdf
[4] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:12012E102
[5] https://www.legislation.gov.uk/ukpga/1998/41/part/I/chapter/II
[6] https://www.catribunal.org.uk/judgments/14037721-dr-rachael-kent-v-apple-inc-and-apple-distribution-international-ltd-judgment-0
[7] https://www.catribunal.org.uk/cases/16017723-dr-sean-ennis
[8] https://www.heise.de/mac-and-i
[9] mailto:ds@heise.de
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Apple verrechnet im App Store überzogene Gebühren, urteilt ein Wettbewerbsgericht in London.
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Die Gebühren in Apples App Store sind viel zu hoch, sagt ein Gericht in London. Apple soll hunderte Millionen zurückgeben. Auch App-Anbieter dürfen hoffen.
Apple hat sein Monopol im App Store [1] für iPhones und iPads missbraucht und jahrelang viel zu hohe Gebühren verrechnet. So urteilt das für England und Wales zuständige Wettbewerbsgericht Competition Apeal Tribunal. Es schreibt Apple umfangreiche Rückerstattungen an Kunden vor, denen in den meisten Fällen zweistellige Pfundbeträge winken. Da es aber Millionen betroffene Kunden gibt, geht es in Summe um hunderte Millionen Pfund. Sollte die Gerichtsentscheidung rechtskräftig werden, ist sie eine empfindlichere Niederlage für Apple, als es dieser Betrag erscheinen lässt.
Denn das Urteil betrifft den Zeitraum 1. Oktober 2015 bis 15. November 2024, und damit mehr als fünf Jahre vor dem EU-Austritt Großbritanniens. Entsprechend stellen die drei Richter auch auf EU-Recht ab. Ihre einstimmige Entscheidung hat also Vorbildwirkung nicht nur für Schottland und Nordirland, sondern für die gesamte EU. Außerdem läuft seit 2023 beim selben Gericht eine parallele Sammelklage im Namen jener App-Anbieter, die ihre Software sowie In-App-Verkäufe über denselben App Store abwickeln mussten. Ein Urteil zugunsten Apples in dem Parallelverfahren wäre eine Überraschung.
Das am Donnerstag ergangene Urteil geht auf eine bereits 2021 erhobene Sammelklage der Britin Dr. Rachael Kent [2] zurück. Laut eigener Angabe ist sie die erste Frau, die je eine Sammelklage in Großbritannien angestrengt hat. Die Wissenschaftlerin forscht im Bereich digitale Kultur und Gesellschaft und lehrt am King's College London. Als Besitzerin eines iPhones konnte sie Apps für ihr Handy ausschließlich über Apples App Store beziehen, weil Apple seit jeher alternative Vertriebswege verbietet. Dieses Monopol macht die Sache teuer, denn Apple verrechnet regelmäßig 30 Prozent Gebühren. Kent ging zu Gericht (Dr. Rachael Kent v Apple Inc and Apple Distribution International Ltd, Az. 1403/7/7/21).
Laut Urteilsbegründung hat Apple tatsächlich sein Monopol in zwei Märkten missbraucht: (Ver)Kauf von Apps, sowie Umsätze in Apps. In beiden Märkten hat Apple jeglichen Wettbewerb ausgeschlossen. Apple argumentierte, das sei durch Leistungswettbewerb gerechtfertigt, schließlich seien iPhones und iPads eine feine Sache. "Apples Verhalten kann in diesem Zusammenhang nicht als Leistungswettbewerb gerechtfertigt werden, da Apple überhaupt nicht im Wettbewerb steht", heißt es in der Zusammenfassung der fast 400 Seiten dicken Urteilsausfertigung [3]. Verschärfend komme hinzu, dass Apple auch für In-App-Käufe zur Nutzung seines Zahlungsabwicklungssystems zwinge.
Damit habe Apple mehrfach gegen Artikel 102 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union [4] sowie gegen Kapitel II des britischen Wettbewerbsgesetzes [5] verstoßen. "Apple hat seine Marktmacht missbraucht, indem es exzessive und unfaire Preise verlangt hat, in Form von Kommissionen für den Vertrieb von iOS-Apps und für die Zahlungsabwicklung von In-App-Käufen", heißt es in der Urteilszusammenfassung [6] weiter.
Die Differenz zwischen den verlangten Gebühren und den Kosten sei signifikant und dauerhaft. Das zeige, dass die Preise überhöht sind. Der Tarif sei sowohl für sich genommen unfair, als auch im Vergleich zu den Online-Shops Epic Games', Microsofts und Steams.
Apple versuchte sich dadurch zu rechtfertigen, dass der Wettbewerbsausschluss zur Erreichung legitimer Ziele notwendig und verhältnismäßig sei. Beides lehnt das Gericht ab. Außerdem meinte Apple, ein einzelner App Store sei effizienter; davon würden Verbraucher in größerem Umfang profitieren, als sie durch die hohen Preise belastet würden. Auch das akzeptiert das Gericht nicht, schließlich schließe Apple jeglichen Wettbewerb in den beiden Märkten von vornherein aus.
Statt 30 Prozent sind laut Urteil maximal zehn Prozent für In-App-Käufe und maximal 17,5 Prozent für App-Käufe gerechtfertigt. Die Differenz habe allerdings nicht nur Kunden, sondern auch die Anbieter der Apps und App-Inhalte belastet. Die Anbieter hätten nur die Hälfte der Mehrbelastung an ihre Kunden weiter verrechnet.
Diese Hälfte soll Apple für den gut neun Jahre langen relevanten Zeitraum rückerstatten, zuzüglich acht Prozent Zinsen. Die andere Hälfte müssen sich die App-Anbieter erstreiten. Das dafür anhängige Verfahren heißt Dr Sean Ennis v Apple Inc and Others (Az. 1601/7/7/23 [7]).
Über die genauen Modalitäten der Rückerstattung sollen sich die Streitparteien tunlichst einigen und das Ergebnis bei der nächsten Tagsatzung, frühestens im November, präsentieren. Parallel kann Apple die Zulassung von Rechtsmitteln beantragen, was das Unternehmen sicher tun wird. Das Gericht muss dann entscheiden, gegen welche Teile des Urteils Apple berufen kann.
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https://www.heise.de/-10837104
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[1] https://www.heise.de/thema/App-Store
[2] https://www.heise.de/news/Apple-im-Kartellverfahren-Finanzchef-kann-App-Store-Gewinne-nicht-beziffern-10247376.html
[3] https://www.catribunal.org.uk/sites/cat/files/2025-10/14037721%20Dr.%20Rachael%20Kent%20v%20Apple%20Inc.%20and%20Apple%20Distribution%20International%20Ltd%20-%20%20Judgment%20%5B2025%5D%20CAT%2067%2023%20Oct%202025_0.pdf
[4] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:12012E102
[5] https://www.legislation.gov.uk/ukpga/1998/41/part/I/chapter/II
[6] https://www.catribunal.org.uk/judgments/14037721-dr-rachael-kent-v-apple-inc-and-apple-distribution-international-ltd-judgment-0
[7] https://www.catribunal.org.uk/cases/16017723-dr-sean-ennis
[8] https://www.heise.de/mac-and-i
[9] mailto:ds@heise.de
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Das LKA Niedersachsen sieht eine Häufung von Betrugsversuchen, bei denen Täter sich als Bekannte ausgeben und Guthabenkarten wollen.
Das Landeskriminalamt Niedersachsen warnt vor einer aktuellen Häufung einer Betrugsmasche, bei der die Kriminellen Guthabenkarten von den Opfern ergaunern wollen. Die Masche ist perfide, da die Täter mit Namen von Bekannten der potenziellen Opfer arbeiten, was die Mails glaubwürdiger erscheinen lässt.
(Bild: polizei-praevention.de)
Die Kriminalbeamten warnen auf dem Portal Polizei Prävention [1] davor, dass es in jüngster Zeit vermehrt zu Fragen zu dieser Masche kommt, die Betrüger sie also häufiger einsetzen. Die Täter nutzen die Namen von Bekannten der Opfer und richten sich sogar darauf lautende E-Mail-Adressen ein. Diese sind laut LKA jedoch gefälscht.
(Bild: polizei-praevention.de)
Die Opfer sollen Guthabenkarten, etwa von Apple, kaufen und den Tätern die freigerubbelten Codes von der Rückseite der Karten übermitteln. Aufgrund der persönlichen Ansprache und des echten Namen von Bekannten können Opfer leichter auf diese Masche hereinfallen.
Die Masche, dass Opfer Guthabenkarten kaufen und übermitteln sollen, ist nicht neu. Allerdings ist die Qualität der aktuellen Phishing-Welle eine andere, sie ist glaubwürdiger. Wer den Betrügern die Guthaben-Codes übermittelt, ist das Geld auf jeden Fall los.
Laut LKA Niedersachsen nutzen die Täter die Codes jedoch nicht selbst, sondern verkaufen sie für einen geringeren Betrag an ahnungslose Personen weiter. Das erschwert die Rückverfolgung. Die Kontaktdaten holen die Täter etwa von Vereinswebseiten, erklären die Strafverfolger. Anschreiben gingen dann etwa vom vermeintlichen Vereinsvorsitzenden an Vereinsmitglieder. Zwar sei auch andere Herkunft der Daten denkbar, etwa E-Mails, Adressbücher, Inhalte in sozialen Netzwerken oder Infostealer auf Rechnern. Die derzeit gehäuft gemeldeten Fälle gingen jedoch auf Daten von Vereinswebseiten zurück.
Wer solche Mails erhalten hat, sollte die vermeintlichen Absender über den korrekten bekannten Kontakt darüber informieren. Auch der potenziell betroffene Freundeskreis oder Vereinsmitglieder sollten dann informiert werden. Außerdem können sie eine Anzeige bei der örtlichen Polizei oder der Online-Wache stellen [2]. Eine Prüfung auf Schädlingsbefall des Rechners ist dann zudem sinnvoll. Betreiber etwa von Vereinswebseiten sollten sparsam mit Kontaktdaten umgehen, empfehlen die Beamten weiter.
Zuletzt hatte das LKA Niedersachsen Ende August vor einer Betrugsmasch [3]e gewarnt, bei der angebliche Anwaltsschreiben per herkömmlicher Post Gutschriften nach Krypto-Betrug versprachen. Diese Schreiben enthielten Links auf Phishing-Seiten, auf denen die Opfer um ihr Geld gebracht werden sollten.
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https://www.heise.de/-10819486
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[1] https://www.polizei-praevention.de/aktuelles/taeter-faelschen-persoenlichen-mail-kontakt-und-bitten-um-kauf-von-guthabenkarten.html
[2] https://portal.onlinewache.polizei.de/de/
[3] https://www.heise.de/news/Phishing-Gefaelschte-Anwaltschreiben-versprechen-Krypto-Gutschriften-10591022.html
[4] https://aktionen.heise.de/heise-security-pro?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[5] mailto:dmk@heise.de
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Das Open-Source-Projekt copyparty verwandelt fast jeden Computer im Handumdrehen in einen Fileserver. Mit unserer Anleitung kann die Kopierparty starten.
Das beschauliche Open-Source-Projekt copyparty füllt eine Nische, denn für den Dateiaustausch zwischen mehreren Geräten gibt es wahrlich genug Lösungen. Die meisten Smartphones und Computer hängen vermutlich bereits am Tropf einer Cloud oder binden Freigaben eines NAS ein. Vielleicht ist die Cloud aber vollgelaufen oder man möchte aus Datenschutzbedenken dort keine sensiblen Dateien ablegen? Und neue Benutzer und Freigaben auf dem NAS zu erstellen, ist zu aufwendig?
Copyparty ist die Instant-Nudelsuppe unter den Fileservern. Perfekt, wenn es mal schnell gehen muss: direkt verzehrfertig, wenig Schnickschnack, erfüllt seinen Zweck. Es verwandelt nahezu jeden Computer mit nur einem Befehl in unter einer Minute in einen Dateiserver.
Die einzige Voraussetzung: Um copyparty auszuführen, muss auf dem System Python der Versionsreihe 2 oder 3 installiert sein. Bei den meisten Linux-Distributionen ist Python bereits Teil der Installation.
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[1] https://www.heise.de/ratgeber/Loslegen-mit-dem-Instant-Fileserver-copyparty-10717729.html
[2] https://www.heise.de/ratgeber/FAQ-zum-Self-Hosting-10499071.html
[3] https://www.heise.de/tests/Vier-x86-NAS-als-Netzwerkdatenspeicher-im-Vergleich-9586172.html
[4] https://www.heise.de/ratgeber/Ausfallsicherheit-und-mehr-Platz-Heimserver-mit-Unraid-aufsetzen-10003311.html
[5] https://www.heise.de/ratgeber/BASPi-Backup-und-Sync-ohne-Cloud-mit-einem-Raspi-einrichten-9852318.html
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Das dürften die meisten Nutzer ablehnen – zum Ärger der Werbebranche.
(Bild: heise medien)
iOS verrät Apps die Werbe-ID nur, wenn der Nutzer zustimmt. Die Anti-Tracking-Nachfrage könnte wegen Wettbewerbsverfahren verschwinden, warnt Apple.
Verschwindet die in iOS fest integrierte Anti-Tracking-Nachfrage bald in Deutschland? Apple hat am Donnerstag erstmals konkret davor gewarnt, die Funktion in europäischen Ländern womöglich abzuschalten – in direkter Reaktion auf Wettbewerbsuntersuchungen. Diese könnten den Konzern "dazu zwingen, diese Funktion zum Nachteil der europäischen Verbraucher zurückzuziehen", wie Apple in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur dpa mitteilte.
Das Unternehmen sei aber bemüht, die zuständigen Behörden zum Einlenken zu bewegen und "Apple zu erlauben, unseren Nutzern dieses wichtige Datenschutz-Tool auch weiterhin zur Verfügung zu stellen".
Um auf die von iOS speziell vergebene Werbe-ID zuzugreifen, müssen Apps seit mehreren Jahren erst die Erlaubnis des Nutzers einholen. Mit Kenntnis dieser ID lässt sich Werbe-Tracking auch Anbieter-übergreifend vornehmen, andere Formen des Anbieter-übergreifenden Werbe-Trackings verbietet Apple den App-Anbietern auf seiner Plattform.
Diese Funktion "App-Tracking-Transparenz" (App Tracking Transparency – ATT) sorgte nach der Einführung von iOS 14.5 für massiven Aufruhr in der Werbebranche. Werberiesen wie Meta/Facebook beklagten damals Milliardeneinbußen, scheinen sich inzwischen aber damit arrangiert zu haben und konnten offenbar teils auch auf andere Tracking-Methoden ausweichen.
In mehreren europäischen Ländern laufen Wettbewerbsverfahren gegen Apple. In Frankreich entschieden die zuständigen Regulierer Anfang des Jahres, dass die konkrete Umsetzung "im Sinne des Wettbewerbsrechts missbräuchlich" ist und verhängten eine Strafe in Höhe von 150 Millionen Euro gegen den Konzern. Apples Funktion verhindert, dass App-Anbieter die Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung richtig erfüllen [1] und machen es für Nutzer "übermäßig komplex", argumentierte Frankreichs Wettbewerbsbehörde.
Auch das Bundeskartellamt hat im Februar nach mehrjähriger Prüfung bemängelt [2], dass die ATT-Regeln nur für andere Anbieter, Apple selbst aber nicht gelten. Das Unternehmen könne Tracking-Daten aus App Store und Apple-Account etwa kombiniert zu Werbezwecken verwenden, so die Wettbewerbshüter. Das Unternehmen verweist gewöhnlich darauf, dass solche Daten nicht mit Werbe-Tracking-Informationen Dritter vermengt oder mit anderen Firmen geteilt werden.
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https://www.heise.de/-10830148
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[1] https://www.heise.de/news/Apples-Tracking-Nachfrage-in-iOS-Frankreich-sieht-Wettbewerbsverzerrung-10334656.html
[2] https://www.heise.de/news/Wegen-Apples-iPhone-Trackingschutz-Bundeskartellamt-hat-Bedenken-10281117.html
[3] https://www.heise.de/mac-and-i
[4] mailto:lbe@heise.de
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Ein Gebäude von General Motors: Auf dem Weg zur absoluten CarPlay-Losigkeit.
(Bild: Jonathan Weiss / Shutterstock)
General Motors alias GM will seinen Kunden nur noch sein eigenes Entertainmentsystem verkaufen. CarPlay muss weg – aber auch Android Auto.
Der Autokonzern General Motors verschärft seinen "Krieg gegen CarPlay" [1]: Das Unternehmen will nun nicht nur seine Elektrofahrzeuge nicht mehr mit Apples iPhone-Fahrzeugintegration ausstatten, sondern auch künftige neue Verbrennermodelle. Die Ankündigung, die Technik nicht in Stromer einbauen zu wollen, hatte GM bereits 2023 gemacht [2] und dann auch umgesetzt. Damals hieß es allerdings, dass Fossil-Fahrzeuge – offenbar, weil sie GM für weniger zukunftsträchtig hielt – die übliche Kompatibilität behalten. Doch davon ist künftig keine Rede mehr.
Die Ansage kommt aus berufenem Munde: Konzernchefin Mary Barra persönlich sagte in einem Interview mit The Verge, man rechne mit einem "vollen Phase Out" des Systems [3]. Damit meinte sie indes nicht nur CarPlay, sondern auch das Alternativsystem Android Auto für Android-Smartphone-Besitzer, das ebenfalls in GM-Verbrennern bislang noch unterstützt wird.
Barra will die sogenannte Phone Projection – also Systeme, bei denen Smartphone-Inhalte aufs Fahrzeug-Display ausgespielt werden – gänzlich verbieten. Stattdessen will man bis 2028 eine "zentralisierte Computing-Plattform" schaffen, die alle Services vereint – von Unterhaltung bis autonomes Fahren.
Barra begründete die "langsame" Streichung von CarPlay und Android Auto interessanterweise damit, dass GM die Fahrzeuge nicht einfach aktualisieren könne. "Es hängt viel davon ab, wann Sie ein Update dieser Autos machen." GM habe schließlich "über 40 Modelle über unser Portfolio hinweg" im Angebot. "Man macht das nicht einfach und die updaten alle." Doch mit jedem neuen Fahrzeug und jedem wichtigen neuen Verkaufsstart denke sie, "dass Sie sehen werden, dass wir hier konsistent sind". Nach den E-Autos gehe es nun also weiter durchs gesamte Portfolio.
GM hatte verschiedene Begründungen für ein Ende von CarPlay genannt. Dazu gehörte etwa die Aussage, dass das Apple-System und auch Android Auto die Verkehrssicherheit beeinträchtige [4]. Verbindungs- und Stabilitätsprobleme könnten dazu führen, dass Fahrer abgelenkt würden, so der Infotainment-Leiter des Unternehmens schon im Dezember 2023. Später wurde Händlern, die externe Nachrüstkits für CarPlay und Android Auto verkauften, auch noch mit Ärger gedroht. GM verkauft Marken wie Chevrolet, Cadillac oder GMC. In Deutschland war das Unternehmen lange als Mutter von Opel bekannt, doch die Tochterfirma wurde 2017 verkauft und gehört heute zu Stellantis. Zuletzt hatte GM mit dem Europaverkauf von E-Autos von Cadillac [5] begonnen, die in Mexiko, China und teilweise in den USA produziert werden.
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[1] https://www.heise.de/news/General-Motors-streitet-mit-Haendlern-ueber-nachtraeglichen-CarPlay-Einbau-10325443.html
[2] https://www.heise.de/news/General-Motors-Bald-kein-Apple-CarPlay-mehr-8514977.html
[3] https://www.theverge.com/transportation/804562/gm-apple-carplay-android-auto-gas-cars-mary-barra
[4] https://www.heise.de/news/E-Autos-ohne-CarPlay-und-Android-Auto-GM-verweist-auf-Verkehrssicherheit-9575029.html
[5] https://www.cadillaceurope.com/de-de
[6] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[7] https://www.heise.de/mac-and-i
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Little-Snitch-Löschversuch unter macOS 26: Eigentlich sollte die Erweiterung auch verschwinden. Tut sie aber nicht immer.
(Bild: Objective Development)
Ein eigentlich behobenes Problem aus Sequoia steckt auch noch in macOS 26 Tahoe. Darauf machen Entwickler aufmerksam.
Wer versucht, eine App in macOS 26 alias Tahoe [1] zu löschen, die eine System-Erweiterung (System Extension) enthält, kann aktuell nicht damit rechnen, dass letztere tatsächlich vom Mac verschwindet. Darauf weisen die Macher des beliebten Netzwerküberwachers Little Snitch [2] hin. Wie Entwickler Norbert Heger im Blog des Herstellers Objective Development [3] schreibt, gab es das Problem bereits in macOS 15.3 (Sequoia) [4]. Wie es zu der Regression kommt, dass der Bug wieder auftaucht, weiß nur Apple selbst.
Eigentlich soll die Löschung einer App mit System-Erweiterung dafür sorgen, dass letztere auch verschwindet – dazu zeigt macOS auch einen entsprechenden Dialog. "Doch in vielen Fällen schlägt dieser Vorgang unter macOS 26 stillschweigend fehl. Die Erweiterung bleibt im System registriert", so Heger. Für Nutzer führt das zu Verwirrungen: Die App ist weg, die System Extension wird jedoch nach wie vor brav geladen und taucht auch in den Systemeinstellungen nach wie vor auf. Zumindest theoretisch kann dies zudem zu Instabilitäten führen, weil die Erweiterung dann ihre Host-App nicht mehr findet – Berichte darüber sind aber bislang nicht aufgetaucht.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, zu überprüfen, welche System Extensions (noch) geladen werden. Die einfachste ist ein Ausflug ins Terminal [5] – dort muss dann systemextensionsctl list eingegeben werden. Taucht dort die System-Erweiterung der gelöschten App unter [activated enabled] weiter auf, ist sie noch da und sollte von Hand entfernt werden.
Das Löschen von Hand ist zum Glück simpel: In den Systemeinstellungen geht man auf "Allgemein" und "Anmeldeobjekte & Erweiterungen". Dort klickt man auf "Nach Kategorie" und kann die verschiedenen Erweiterungsarten durchsuchen – bei Little Snitch wären es etwa die Netzwerkerweiterungen. Gelöscht wird dann mit Klick auf die drei Punkte und "Erweiterung löschen".
Danach sollte das Problem behoben sein. Ob und wann Apple selbst einen Fix implementiert, ist unklar. macOS 26.1 steht zumindest in den baldigen Startlöchern und dürfte noch im Oktober erscheinen. Objective Development hat das Problem jedenfalls schon an Apple gemeldet, schreibt Heger.
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[1] https://www.heise.de/ratgeber/macOS-26-Tahoe-auszreizen-20-Tipps-fuer-Apples-neues-System-10646553.html
[2] https://www.heise.de/tests/Netzwerkwaechter-Little-Snitch-6-im-Test-9755880.html
[3] https://obdev.at/blog/deletion-impossible-2/
[4] https://obdev.at/blog/deletion-impossible/
[5] https://support.apple.com/de-de/guide/terminal/welcome/mac
[6] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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(Bild: Michael Vi/Shutterstock.com)
Amazon hat CloudWatch um automatische Incident-Report-Generierung erweitert. Das soll nur wenigen Minuten dauern – was beim eigenen Ausfall aber nicht klappte.
Amazon Web Services hat für seinen Monitoring-Dienst CloudWatch eine neue Funktion zur automatischen Erstellung von Incident-Reports angekündigt. Laut AWS können Kunden damit innerhalb weniger Minuten umfassende Post-Incident-Analyseberichte generieren. Das Timing der Veröffentlichung ist bemerkenswert: Sie erfolgt kurz nach dem schweren Ausfall der AWS-Infrastruktur [1], der zahlreiche Dienste auch von anderen Anbietern lahmlegte.
Die neue CloudWatch-Funktion sammelt automatisch Telemetriedaten, Nutzeraktionen während der Fehlersuche sowie Systemkonfigurationen und fügt diese zu einem strukturierten Bericht zusammen. Laut AWS [2] umfassen die generierten Reports Executive Summaries, detaillierte Zeitverläufe der Ereignisse, Impact-Assessments und konkrete Handlungsempfehlungen. Das System korreliert dabei die verschiedenen Datenquellen, um ein möglichst vollständiges Bild des Vorfalls zu zeichnen.
CloudWatch ist Amazons zentrale Plattform für die Echtzeitüberwachung von Cloud-Ressourcen und -Anwendungen. Der Dienst bietet laut AWS-Dokumentation [3] eine systemweite Übersicht über die Anwendungsperformance, operative Systemgesundheit und Ressourcenauslastung. Die neue Incident-Report-Funktion erweitert dieses Monitoring jetzt um eine strukturierte Nachbetrachtung von Störfällen.
Die automatisch erstellten Berichte sollen IT-Teams helfen, wiederkehrende Muster zu erkennen und präventive Maßnahmen zu implementieren. AWS verspricht, dass Kunden durch die strukturierte Post-Incident-Analyse ihre operative Aufstellung kontinuierlich verbessern können. Die Funktion erfasst dabei kritische Betriebstelemetrie, Servicekonfigurationen und Untersuchungsergebnisse automatisch – manuelle Zusammenstellungen entfallen. Inwiefern dies jetzt bereits bei Amazons jüngstem Ausfall intern geholfen haben könnte, bleibt jedoch offen. Nach den versprochenen wenigen Minuten lagen hierbei jedenfalls keine gesicherten Informationen vor.
Die neue CloudWatch-Funktion ergänzt die kürzlich eingeführte KI-gestützte Fehleranalyse [4] in CloudWatch Investigations. Diese nutzt generative KI zur Diagnose und automatischen Ursachenanalyse von Betriebsproblemen. Die Integration mit AWS Systems Manager soll die Komplexität von Cloud-Umgebungen bei der Fehlerbehebung reduzieren. Laut AWS ist der Dienst in mehreren Regionen verfügbar, darunter Europe (Frankfurt). Die Kosten entsprechen denen von CloudWatch Investigations, für die Funktion gelten keine zusätzlichen Aufpreise.
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Amazon-Web-Services-AWS-wieder-im-Normalbetrieb-10789249.html
[2] https://aws.amazon.com/about-aws/whats-new/2025/10/amazon-cloudwatch-incident-report/
[3] https://docs.aws.amazon.com/AmazonCloudWatch/latest/monitoring/WhatIsCloudWatch.html
[4] https://aws.amazon.com/blogs/aws/investigate-and-remediate-operational-issues-with-amazon-q-developer/
[5] https://www.heise.de/ix
[6] mailto:fo@heise.de
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(Bild: software-architektur.tv)
Anhand einer Demo-Applikation sprechen Oliver Zeigermann und Lisa Maria Schäfer über das Thema generative KI.
In dieser Folge des Videocasts software-architektur.tv sprechen Oliver Zeigermann [1] und Lisa Maria Schäfer über das Thema generative KI. Dabei zeigen sie eine Demo-Applikation.
Im Fokus stehen die Grundlagen von GenAI, aber Oliver wird auch zeigen, wie man KI verstehen kann, ohne jemals einen Computer anzufassen. Die Folge ist bewusst spielerisch ausgelegt.
Da Lisa Maria Schäfer vor der Kamera ist, wird sie diesmal keine Sketchnotes malen.
Die Ausstrahlung findet am Freitag, 24. Oktober 2025, live von 13 bis 14 Uhr statt. Die Folge steht im Anschluss als Aufzeichnung bereit. Während des Livestreams können Interessierte Fragen via Twitch-Chat, YouTube-Chat, Bluesky [3], Mastodon [4], Slack-Workspace [5] oder anonym über das Formular auf der Videocast-Seite [6] einbringen.
software-architektur.tv ist ein Videocast von Eberhard Wolff, Blogger sowie Podcaster auf iX [7] und bekannter Softwarearchitekt, der als Head of Architecture bei SWAGLab arbeitet. Seit Juni 2020 sind über 250 Folgen entstanden, die unterschiedliche Bereiche der Softwarearchitektur beleuchten – mal mit Gästen, mal Wolff solo. Seit mittlerweile mehr als zwei Jahren bindet iX (heise Developer) die über YouTube gestreamten Episoden im Online-Channel ein, sodass Zuschauer dem Videocast aus den Heise Medien heraus folgen können.
Weitere Informationen zur Folge finden sich auf der Videocast-Seite [8].
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https://www.heise.de/-10811070
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.linkedin.com/in/oliver-zeigermann-34989773
[2] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[3] https://bsky.app/profile/ewolff.com
[4] https://mastodon.social/web/@ewolff
[5] https://join.slack.com/t/softwarearchi-z7a7941/shared_invite/zt-1tulnbk2p-RfGUvFstUIqywdZFU3MhAw
[6] https://software-architektur.tv/
[7] https://www.heise.de/developer/Continuous-Architecture-2687847.html
[8] https://software-architektur.tv/
[9] mailto:rme@ix.de
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(Bild: janews/Shutterstock.com)
Im Major Release ist der Browser Mode stabil, der neuerdings Visual Regression Testing bietet, um optische Änderungen aufzudecken.
Vitest liegt in der neuen Hauptversion 4.0 vor. Updates gibt es unter anderem für den Browser Mode, den Umgang mit dem End-to-End-Testing-Framework Playright und das Debugging mit der Visual-Studio-Code-Erweiterung.
Bei Vitest handelt es sich um ein Testing-Framework auf Basis des Frontend-Build-Tools Vite.js, das einen Fokus auf Schnelligkeit legt. Beide sind quelloffen verfügbar, jedoch arbeitet das Vite-Team derzeit auch an dem kommerziellen Angebot Vite+, das eine einheitliche JavaScript-Toolchain [1] darstellen soll.
Der Browser Mode ist ein Feature der Vitest-API, das bislang als experimentell gekennzeichnet war und nun den stabilen Status erreicht hat. Damit lassen sich Tests nativ im Browser ausführen.
Um einen Provider festzulegen, ist nun die Installation eines separaten Pakets notwendig: @vitest/browser-playwright, @vitest/browser-webdriverio oder @vitest/browser-preview. Damit können Developer einfacher mit benutzerdefinierten Optionen arbeiten, und sie können auf die Kommentare /// <reference verzichten.
Der Browser Mode erhält darüber hinaus eine neue Funktion: Visual Regression Testing. Das bedeutet, Vitest erstellt Screenshots von UI-Komponenten und Seiten und vergleicht diese mit Referenzbildern, um unbeabsichtigte visuelle Änderungen festzustellen. Das Visual Regression Testing lässt sich durch die Assertion toMatchScreenshot ausführen, wie das Entwicklungsteam demonstriert [4]:
import { expect, test } from 'vitest'
import { page } from 'vitest/browser'
test('hero section looks correct', async () => {
// ...the rest of the test
// capture and compare screenshot
await expect(page.getByTestId('hero')).toMatchScreenshot('hero-section')
})
Vitest 4.0 bringt ein Update für die Verwendung mit dem End-to-End-Testing-Framework Playwright: Es kann nun Playwright Traces generieren, wenn die trace-Option in der test.browser-Konfiguration gesetzt ist, oder mithilfe der Option --browser.trace=on, in der sich auch off, on-first-retry, on-all-retries oder retain-on-failure festlegen lassen. Die erstellte Trace-Datei lässt sich mit dem Playwright Trace Viewer öffnen. In der Extension für Visual Studio Code gibt es ebenfalls eine Neuerung: Dort lässt sich nun der "Debug Test"-Button beim Ausführen von Browser-Tests nutzen.
Die komplette Liste der Änderungen führt das Vitest-Team im Changelog auf [5] und geht in einem Blogeintrag [6] detaillierter auf die wichtigsten Neuerungen ein. Da es einige Breaking Changes gibt, empfiehlt es Entwicklerinnen und Entwicklern, vor einem Upgrade die Migrationsanleitung zu beachten [7].
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https://www.heise.de/-10811238
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Webentwicklung-Vite-als-einheitliche-JavaScript-Toolchain-geplant-10770073.html
[2] https://enterjs.de/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_enterJS.empfehlung-ho.link.link
[3] https://enterjs.de/tickets.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_vo_enterJS.empfehlung-ho.link.link
[4] https://vitest.dev/blog/vitest-4
[5] https://github.com/vitest-dev/vitest/releases/tag/v4.0.0
[6] https://vitest.dev/blog/vitest-4
[7] https://vitest.dev/guide/migration.html#vitest-4
[8] mailto:mai@heise.de
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Vodafone reduziert die Preise für seinen schnellsten FTTH-Zugang. Das gab der Kabelnetzbetreiber am 23. Oktober 2025 bekannt . Der Tarif Gigazuhause 1000 Glasfaser mit 1 GBit/s im Download und 500 MBit/s im Upload kostet monatlich 69,99 Euro und wird damit 10 Euro günstiger als bisher.
Durch die Werbeaktion reduziert sich der monatliche Basispreis in allen FTTH-Tarifen in den ersten neun Vertragsmonaten auf 19,99 Euro.
Neu in dem Angebot ist auch die Sprach-Flatrate. Sie gilt für Anrufe in alle deutschen Festnetze und die Mobilfunknetze.
Vodafone verfügt über kein eigenes bundesweit ausgebautes FTTH-Netz. Man betätigt sich darum als Reseller im Netz der Deutschen Telekom, bei Westconnect, den von seinem Joint Venture OXG gebauten Glasfaseranschlüssen und eigenen der Marke Gigagemeinde.
OXG, das Vodafone-Joint-Venture mit dem französischen Telco-Konzern Altice, begann mit den ersten Ausbauprojekten im Jahr 2023. OXG stellte nach Angaben vom 8. September 2025 eine Million Glasfaseranschlüsse fertig. OXGs Ausbauziel liegt allgemein bei bis zu sieben Millionen Glasfaseranschlüssen.
Westconnect ist eine Beteiligung von Westenergie, welche wiederum Teil des Eon-Konzerns ist. Derzeit betreibt und plant Westconnect Glasfasernetze in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Hessen und erreicht damit rund 1,4 Millionen Haushalte und Unternehmen. In den kommenden Jahren soll die Anzahl vermarktbarer Anschlüsse auf bis zu zwei Millionen wachsen. Vodafone hat bereits rund 100 Mobilfunk-Sendemasten über das Glasfasernetz von Westconnect an den Backhaul angebunden.

Adobe hat in den vergangenen Monaten die Übernahme des KI-Video-Start-ups Synthesia für rund drei Milliarden US-Dollar verhandelt. Das berichtet das Onlinemagazin The Information unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Betreiber der Plattform mit Sitz in London bietet Video-Generierung mit Avataren über eine Prompt-Eingabe im B2B-Bereich.
Das wichtigste Anwendungsgebiet sind Erklärvideos und Schulungsmaterialien. Synthesia nutzt einen spezialisierten Text-to-Video-Synthese-Workflow, der auf mehreren, miteinander verketteten KI-Modellen basiert. Zudem ist die Lokalisierung von Videos möglich. Sie können in rund 140 Sprachen neu gerendert werden.
Die KI soll dabei nicht nur die Stimme anpassen, sondern auch die Lippenbewegungen des Avatars an die neue Sprache (Cross-lingual Lip-Sync). Matthias Nießner, Professor für Visual Computing an der Technischen Universität München (TUM) und Leiter des dortigen Visual Computing Lab, gehört zu den Firmengründern.
Synthesia und Adobe konnten sich demnach nicht über den Preis einigen. Die Forderung von drei Milliarden US-Dollar übertraf die Bewertung des KI-Start-ups bei einer Finanzierungsrunde im Januar von 2,1 Milliarden US-Dollar. Adobe hatte im April dieses Jahres 100 Millionen US-Dollar in Synthesia investiert.
Synthesia diskutierte laut den Quellen von The Information Anfang des Jahres auch einen möglichen Verkauf an Meta Platforms, doch auch hier kamen die Gespräche dem Bericht zufolge nicht voran.
Synthesia versuche nun bis Jahresende, weitere Risikokapitalfinanzierungen zu erhalten, wobei der Unternehmenswert die drei Milliarden US-Dollar übersteigen wird.
Zu den bisherigen Investoren von Synthesia gehören Atlassian Ventures, Google Ventures, NVentures (Nvidia), Kleiner Perkins oder Accel.

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Die USA setzen Rosneft und Lukoil auf die schwarze Liste. Indien und China müssen ihre Ölimporte drastisch kürzen.
Die Vereinigten Staaten haben Russlands größte Ölkonzerne Rosneft und Lukoil auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Der Ölpreis der Sorte Brent reagierte am Donnerstag mit einem Sprung um mehr als fünf Prozent auf knapp 66 US-Dollar pro Barrel, wie Bloomberg berichtet.
Es war der stärkste Tagesanstieg [1] seit Beginn des Konflikts zwischen Israel und dem Iran am 13. Juni.
Das US-Finanzministerium gab Unternehmen demnach eine Frist bis zum 21. November, um ihre Geschäfte mit den sanktionierten russischen Ölproduzenten abzuwickeln. Finanzminister Scott Bessent erklärte [2] laut Reuters:
Angesichts der Weigerung von Präsident Putin, diesen sinnlosen Krieg zu beenden, verhängt das Finanzministerium Sanktionen gegen die beiden größten russischen Ölkonzerne, die die Kriegsmaschinerie des Kremls finanzieren. Wir ermutigen unsere Verbündeten, sich uns anzuschließen und diese Sanktionen einzuhalten.
Die Europäische Union zog mit einem eigenen Sanktionspaket nach. Brüssel verhängte ein vollständiges Transaktionsverbot für Rosneft und Gazprom Neft. Bereits in der Vorwoche hatte das Vereinigte Königreich Rosneft und Lukoil sowie die chinesische Shandong Yulong Petrochemical auf die Schwarze Liste gesetzt.
Rosneft und Lukoil sind laut Bloomberg die beiden größten russischen Ölproduzenten. Zusammen machen sie fast die Hälfte der gesamten Exporte des Landes aus und fördern mehr als fünf Prozent der weltweiten Ölproduktion, wie Reuters berichtet.
Für Indien, das zum größten Abnehmer von russischem Öl geworden ist, haben die Sanktionen weitreichende Folgen. Mehr als ein Drittel der indischen Ölimporte stammt aus Russland.
Quellen aus der indischen Ölindustrie teilten Reuters mit, dass indische Raffinerien bereit seien, die Importe stark zu reduzieren, um die US-Sanktionen einzuhalten. US-Präsident Donald Trump sagte laut Bloomberg, Indiens Premierminister Narendra Modi habe ihm versichert, dass das Land seine Käufe zurückfahren werde.
China steht ebenfalls unter erheblichem Druck. Bis zu 20 Prozent der chinesischen Rohölimporte – etwa zwei Millionen Barrel pro Tag – stammen aus Russland, berichtet [3] Bloomberg.
Die chinesischen staatlichen Ölkonzerne PetroChina, Sinopec, CNOOC und Zhenhua Oil haben den Kauf von russischem Öl aus dem Seeverkehr vorerst ausgesetzt, wie mehrere Handelsquellen [4] Reuters mitteilten.
China importiert außerdem täglich etwa 900.000 Barrel russisches Öl über Pipelines, das vollständig an PetroChina geht. Dies werde wahrscheinlich kaum von den Sanktionen betroffen sein, sagten mehrere Händler laut Bericht.
Indien und China werden sich voraussichtlich anderen Lieferanten zuwenden, was die Preise für nicht sanktioniertes Öl aus dem Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika in die Höhe treiben wird, sagten Händler.
Vor der Ankündigung der Sanktionen fiel der Preis für ESPO-Rohöl mit Lieferung im November auf einen Aufschlag von einem Dollar pro Barrel gegenüber ICE Brent, während er Anfang Oktober noch bei 1,70 Dollar lag.
Trotz des kurzfristigen Preisanstiegs zeigt der Ölmarkt Anzeichen eines Überschusses. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass das weltweite Angebot im nächsten Jahr die Nachfrage um fast vier Millionen Barrel pro Tag übersteigen wird.
Giovanni Staunovo, Rohstoffanalyst bei der UBS Group, sagte laut Bloomberg: "Ich gehe weiterhin davon aus, dass Brent in einer Spanne von 60 bis 70 USD/Barrel gehandelt wird."
Die russischen Öl- und Gaseinnahmen, die derzeit um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sind, machen etwa ein Viertel des Haushalts aus, so Reuters. Die russische Ölindustrie steht auch unter dem Druck ukrainischer Angriffe auf Raffinerien und Exportterminals.
China wehrte sich gegen die Maßnahme. Guo Jiakun, Sprecher des chinesischen Außenministeriums, sagte: "China lehnt einseitige Sanktionen, die keine Grundlage im Völkerrecht haben, konsequent ab."
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-10-22/latest-oil-market-news-and-analysis-for-oct-23[2] https://www.reuters.com/world/europe/trump-sanctions-russian-oil-majors-prompting-oil-price-rise-india-jitters-2025-10-23/[3] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-10-23/us-sanctions-on-russian-oil-giants-send-shockwaves-across-china[4] https://www.reuters.com/business/energy/china-state-oil-majors-suspend-russian-oil-buys-due-sanctions-sources-say-2025-10-23
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Besucher auf der Buchmesse in Frankfurt (Archivbild)
(Bild: travelview/Shutterstock.com)
Die Frankfurter Buchmesse präsentiert sich festivalig wie nie. Doch hinter der schillernden Fassade tobt ein Kampf um die Zukunft des geschriebenen Worts.
238.000 Besucherinnen und Besucher, darunter 120.000 Privatgäste und 118.000 Fachbesucher, strömten zwischen vom 15. bis 19. Oktober an fünf Tagen durch die Frankfurter Messehallen [1].
Während auf den Hauptbühnen die Welt in Flammen steht, setzt die Messeleitung auf Entertainment: Buchmessedirektor Jürgen Boos' Ankündigung [2], man werde noch "festivaliger", noch "eventiger", liest sich wie Zynismus angesichts der globalen Krisen.
Die Messe setzt strategisch auf den "New-Adult"-Boom – ein Genre, das politische Realitäten durch individualisierte Identitätsdramen und sexualisierte Eskapismen ersetzt. Hier offenbart sich der Widerspruch einer Branche, die einerseits politischen Dialog beschwört, andererseits systematisch auf unpolitische Feelgood-Ware setzt.
Dark Romance [3] ist das gefragteste Genre auf der Buchmesse: Sex, Machtspiele und moralisch "graue" Figuren ziehen vor allem junge Leserinnen an.
TikTok-Empfehlungen treiben Bestseller wie Haunting Adeline und Very Bad Kings an – der Umsatz stieg zuletzt um über 200 Prozent. Experten warnen jedoch, dass viele Geschichten Machtmissbrauch romantisieren und Konsens oft fehlt.
Es genügt ein Blick auf kleine Verlage, wie den Konkursbuchverlag [4] von Verlegerin Claudia Gehrke [5], um zu sehen, dass sich die Themen, die Literatur bewegen, gewandelt haben.
Der alte Streit zwischen Gehrke und Alice Schwarzer in den 1980ern über Pornografie war für seine Zeit prägend. Heute spricht die junge Generation von Politisierten eine andere, globalere Sprache: Sie fragt nicht nur nach Sexualität, sondern nach Macht, Krieg und Kolonialismus.
Doch nicht nur auf den Verkaufstischen, auch im Unsichtbaren tobt der Kampf um die Deutungshoheit. Während die Messe sich als "Marktplatz des freien Wortes" feiert, kontrollieren US-Tech-Konzerne die Infrastruktur, über die dieses Wort zirkuliert.
Die philippinische Nobelpreisträgerin Maria Ressa [6] brachte die Paradoxie auf den Punkt: Während sie auf der Bühne über Meinungsfreiheit sprach, beschrieb sie, wie Facebooks Algorithmen Demokratien systematisch zerstören.
"Meta-Chef Mark Zuckerberg hat die Demokratie zerbrochen", so ihr vernichtendes Urteil. Diese Mahnung prägte auch die politischen Debatten der Messe – vor allem über Krieg.
Nirgends war das Interesse der Politik in diesem Jahr so spürbar wie im Fall der Ukraine. Zur Eröffnung [7] sprachen die ukrainische Kulturministerin, der Botschafter und der Messedirektor. Der ukrainische Stand [8] war dieses Jahr prominent vertreten mit über 300 Titeln und 38 Verlagen.
Nach drei Jahren Krieg ist das Ausmaß der Zerstörung in der Ukraine immens. Laut einer gemeinsamen Analyse von Weltbank, UN und EU-Kommission [9] wird der Wiederaufbau des Landes auf rund 524 Milliarden US-Dollar geschätzt – fast das Dreifache des ukrainischen Bruttoinlandsprodukts.
Infrastruktur, Wohnraum und Industrie sind in weiten Teilen zerstört, und die Wirtschaft brach zeitweise um etwa 30 Prozent ein. Zugleich meldete [10] das UN-Menschenrechtsbüro bis August 2025 mehr als 15.400 getötete Zivilistinnen und Zivilisten, darunter viele Kinder.
Die Einladung von Ministern für "strategische Kommunikation" zur Buchmesse wirft die Frage auf, wie hier Kultur als Instrument der Kriegsführung instrumentalisiert wird.
Während die Zivilbevölkerung unter Bombardierungen, Zerstörung und wirtschaftlichem Zusammenbruch leidet, wird auf einer Messe ein Bild gezeichnet von kultureller Widerstandskraft, das die Realität – Zerstörung, Tod, Vertreibung – kaschiert.
Ein Beispiel bildet der Kulturschaffende Andriy Lyubka [11]. Dieser war für eine Diskussion eingeladen mit dem Titel "Geography of Ukraine: lesson learned [12]".
Lyubka erklärte dort, er habe als Freiwilliger bereits über 335 Kraftfahrzeuge an die ukrainische Armee vermittelt – finanziert aus von ihm selbst gesammelten Mitteln. Wie Lyubka in der Lage ist, solche Mittel und Infrastruktur bereitzustellen, bleibt fragwürdig, ebenso welche Netzwerke dabei eine Rolle spielen.
Andriy Lyubka, geboren 1987 in Riga und seit seiner Kindheit in Zakarpattia lebend, ist Schriftsteller, Übersetzer und seit 2024 Direktor des Institute for Central European Strategy (ICES) [13] in Uzhhorod, einem 2019 gegründeten Think Tank, dessen erklärtes Ziel die Integration der Ukraine in die transatlantische Gemeinschaft ist.
Unter seiner Leitung werden Strategien, Analysen und Projekte entwickelt, die die Ukraine gezielt politisch, wirtschaftlich und kulturell an den Westen binden.
Lyubka agiert nicht nur als Think-Tank-Leiter, sondern als transatlantischer Meinungsführer, dessen Agenda die Ukraine gezielt auf westliche Strukturen ausrichtet, alternative geopolitische Optionen bekämpft und die strategische Selbstbestimmung des Landes zugunsten einer wachsenden Abhängigkeit vom Westen einschränkt.
Die Organisatoren der Buchmesse fördern hier Nationalismus und keine Völkerverständigung wie – etwa die Entscheidung [14] zeigt, keinen russischen nationalen Stand zuzulassen.
Ein besonders erschütterndes Beispiel dieser ideologischen Vereinnahmung lieferte die Ausstellung des Buches [15] „Stepan Bandera: The Leader of the Ukrainian Idea“ von Mykola Posivnych.
Bandera, der als Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) während des Zweiten Weltkriegs mit dem nationalsozialistischen Regime kollaborierte und dessen Miliz an antisemitischen Pogromen beteiligt war, wird hier als nationale Ikone verklärt.
Diese Präsentation eines Faschisten verwischt die Grenze zwischen kulturellem, Identitätssuche und Geschichtsrevisionismus.
Sie steht in direktem Zusammenhang mit der von Lyubka und dem ICES betriebenen Agenda: Um die Ukraine unkritisch als ausschließlich „westliches“ Projekt darzustellen, werden problematische Teile der eigenen Geschichte, die nicht in dieses Narrativ passen, heroisiert statt aufgearbeitet.
Auf die Heroisierung Banderas folgt der Boykott Palästinas. Während drinnen Buchhändler Mahmoud Muna [16] in den etablierten Hallen kämpft, – "Ihnen die Möglichkeit zu nehmen, Geschichten zu erzählen, ist eine höchst entmenschlichende Tat" – , zeigt sich an seiner Position, wie begrenzt der Raum für kritische Stimmen geworden ist.
So rief die internationale Initiative "Publishers for Palestine [17]" zum Boykott der Messe auf, weil sie in ihr keine neutrale Plattform mehr sieht. In der Folge blieben 100 Autorinnen und Autoren aus dem offiziellen Ehrengast-Land der Philippinen [18], bewusst fern – aus Protest gegen die deutsche Unterstützung beim israelischen Genozid in Gaza.
Parallel dazu entstanden so draußen vor den Toren der Messe alternative Räume mit der "Palestinian Liberatory Book Fair [19]". Während offizielle Bühnen Kriege im Sinne der Leitlinien deutscher Außenpolitik inszenierten, war hier, zwischen Kundgebungen und solidarischen Lesungen, der eigentliche Ehrengast dieser Messe zu spüren.
Genau in diesen Räumen sprach der philippinische Journalist Michael G. Beltran, dessen Website in seiner Heimat in der Vergangenheit zensiert wurde: "Literatur sollte ein Mittel sein, um verschiedene Gruppen zu organisieren und Solidarität zu fördern", sagte er gegenüber Telepolis.
Seine Worte machten deutlich, was in den offiziellen Hallen oft unterging: Während Staaten ihre Narrative pflegen, geht es in dieser Gegenöffentlichkeit um die direkte Verbindung unterdrückter Stimmen.
Die Frankfurter Buchmesse 2025 hat eine schwere Wahl zu treffen. Wird sie ein Ort der Staatsräson und der Kriegslogik? Oder wird sie ein wahrhaft internationalistischer Raum, der den mutigen Stimmen für Frieden und Völkerverständigung eine Plattform bietet?
Die junge Generation, die nach einer gerechteren Welt ohne Krieg verlangt, wartet auf eine Antwort. Die Bücher, die wirkliche Veränderung fordern, sind schon geschrieben.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.hessenschau.de/kultur/buchmesse/nach-der-buchmesse-2025-der-kampf-fuer-meinungsfreiheit-muss-weitergehen-v1,bilanz-buchmesse2025-100.html[2] https://www.hessenschau.de/kultur/buchmesse/nach-der-buchmesse-2025-der-kampf-fuer-meinungsfreiheit-muss-weitergehen-v1,bilanz-buchmesse2025-100.html[3] https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-frankfurter-buchmesse-2025-wieso-dark-romance-fasziniert-100.html[4] https://www.konkursbuch-shop.com/heimliches-auge/#cc-m-product-14752108635[5] https://connect.buchmesse.de/newfront/exhibitor/konkursbuch-verlag-claudia-gehrke-b1d96224?[6] https://www.hessenschau.de/kultur/buchmesse/nach-der-buchmesse-2025-der-kampf-fuer-meinungsfreiheit-muss-weitergehen-v1,bilanz-buchmesse2025-100.html[7] https://mezha.net/eng/bukvy/ukraine-s-national-stand-filling-in-at-frankfurt-book-fair-2025/[8] https://mezha.net/eng/bukvy/ukraine-s-national-stand-filling-in-at-frankfurt-book-fair-2025/[9] https://www.reuters.com/world/europe/ukraine-needs-524-billion-recover-rebuild-after-three-years-war-world-bank-says-2025-02-25/[10] https://ukraine.un.org/en/299761-number-civilians-killed-and-injured-ukraine-reaches-three-year-monthly-high-july-2025-un[11] https://rrr4u.org/en/wp-content/uploads/sites/2/2025/04/resilience.and_.solidarity_report_eng.pdf?[12] https://artarsenal.in.ua/en/povidomlennya/the-mystetskyi-arsenal-will-present-a-stand-with-the-concept-everything-is-translation-at-frankfurter-buchmesse-2025/[13] https://www.ices.org.ua/eng[14] https://en.lb.ua/news/2025/10/16/36994_ukraine_opens_national_stand.html?[15] https://x.com/Amber_FPunkt/status/1978552723822846393?utm[16] https://www.hessenschau.de/kultur/buchmesse/nach-der-buchmesse-2025-der-kampf-fuer-meinungsfreiheit-muss-weitergehen-v1,bilanz-buchmesse2025-100.html[17] https://publishersforpalestine.org/2025/01/30/international-publishers-call-for-a-boycott-of-the-frankfurt-book-fair/[18] https://www.buchmesse.de/presse/pressemitteilungen/2024-10-17-fantasie-beseelt-die-luft[19] http://palaestina-solidaritaet.de/mein-kalender/?mc_id=4533
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Während die USA bei Kernkraftwerken mit Verzögerungen und Kostenexplosionen kämpfen, baut China Reaktoren in Rekordzeit. Ein Wettlauf mit globalen Folgen.
China entwickelt sich zum weltweiten Spitzenreiter bei der Atomenergie und stellt damit die jahrzehntelange Dominanz der USA infrage. Bis 2030 wird Chinas installierte Kernkraftleistung die der Vereinigten Staaten übertreffen – jenes Landes, das als erstes Atome zur Stromerzeugung spaltete, berichtet die New York Times [1].
Derzeit befinden sich in China fast so viele Reaktoren im Bau wie im Rest der Welt zusammen. Das Land hat bereits 57 Reaktoren seit 1991 in Betrieb genommen und weitere 28 Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 30 Gigawatt sind im Bau, wie Daten der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) [2] zeigen.
Der entscheidende Vorteil Chinas liegt laut dem Bericht der New York Times in der Fähigkeit, Reaktoren relativ schnell und kostengünstig zu errichten. Während in den USA die Baukosten für Kernkraftwerke nach den 1960er-Jahren drastisch anstiegen, halbierten sie sich in China während der 2000er-Jahre und blieben seither stabil, wie eine im Sommer in Nature [3] veröffentlichte Studie belegt.
"Als wir diese Daten erstmals hatten und den abnehmenden Trend in China sahen, hat mich das überrascht", wird Shangwei Liu [4] zitiert, Forschungsstipendiat an der Harvard Kennedy School of Government, der die Studie leitete.
China stellt Reaktoren inzwischen in nur fünf bis sechs Jahren fertig – doppelt so schnell wie westliche Länder. Die beiden einzigen US-Reaktoren, die in diesem Jahrhundert gebaut wurden – im Kernkraftwerk Vogtle in Georgia – brauchten elf Jahre und kosteten 35 Milliarden Dollar [5].
Chinas Erfolg basiert auf massiver staatlicher Förderung. Drei staatliche Kernkraftentwickler erhalten günstige, staatlich abgesicherte Kredite für den Bau neuer Reaktoren. Die chinesische Regierung verpflichtet zudem die Netzbetreiber, einen Teil des Stroms aus Kernkraftwerken zu vorteilhaften Tarifen abzunehmen.
Ebenso wichtig ist die Standardisierung: Chinas Kernkraftunternehmen bauen nur eine Handvoll Reaktortypen – und das immer wieder. Dies ermöglicht es den Entwicklern, den Bauprozess zu perfektionieren und Genehmigungsverfahren zu verschlanken, erklärte Joy Jiang [6], Analystin am Breakthrough Institute.
Gleichzeitig verschiebt China die Grenzen bei Kerntechnologien der nächsten Generation. Das Land hat nach eigenen Angaben den weltweit ersten "Reaktor der vierten Generation" gebaut – ein gasgekühltes Modell, das neben Strom auch Prozesswärme für die Schwerindustrie liefern kann.
China verfolgt außerdem Technologien, die weniger Uran benötigen, etwa Thoriumreaktoren, oder die abgebrannten Kernbrennstoff recyceln. Dies ist eine Anerkennung der Tatsache, dass China nicht über genügend inländisches Uran für einen massiven Ausbau traditioneller Reaktoren verfügt.
Die Vereinigten Staaten verfolgen einen grundlegend anderen Ansatz – stärker gestützt auf private Innovation als auf staatliche Förderung. Dutzende Start-ups arbeiten an einer neuen Generation kleinerer Reaktoren, die günstiger sein sollen als die bisherigen Großanlagen.
Technologiekonzerne wie Google, Amazon und OpenAI investieren laut dem NYT-Bericht Milliarden in Nuklear-Start-ups wie Kairos Power, X-Energy und Oklo, um ihre Rechenzentren für Künstliche Intelligenz zu versorgen.
Energieminister Chris Wright [7] sagte, die Regierung setze darauf, dass das in Nuklearprojekte fließende Privatkapital amerikanische Innovationskraft entfessele.
Während die USA und China um globale Vorherrschaft konkurrieren, ist Energie zu einem geopolitischen Schlachtfeld geworden. Die Trump-Regierung will die US-Kernkraftkapazität bis 2050 vervierfachen [8] und befürchtet, dass China seine globale Einflussnahme ausweiten könnte, sollte es den Exportmarkt für Kernenergie dominieren.
Chinesische Unternehmen haben bereits sechs Reaktoren in Pakistan gebaut [9] und planen weitere Exporte. Der Bau von Kernkraftwerken im Ausland schafft jahrzehntelange Beziehungen zwischen Ländern, was die strategische Bedeutung unterstreicht.
Weltweit erlebt die Atomenergie ein Comeback. 2024 erzeugten Kernreaktoren mit 2667 Terawattstunden mehr Strom als je zuvor und erreichten einen globalen Kapazitätsfaktor von 83 Prozent, wie der World Nuclear Performance Report 2025 [10] zeigt.
Mehr als 30 Länder haben sich verpflichtet, die globale Kernkraftkapazität bis zur Jahrhundertmitte zu verdreifachen [11].
Herausforderungen bleiben: Fragen zur Endlagerung nuklearen Abfalls, zu Sicherheitsbedenken und zur öffentlichen Akzeptanz. China musste 2021 eine kleinere radioaktive Leckage bewältigen [12], und ein größerer Unfall könnte einen öffentlichen Backlash auslösen.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.nytimes.com/interactive/2025/10/22/climate/china-us-nuclear-energy-race.html[2] https://pris.iaea.org/pris/worldstatistics/underconstructionreactorsbytype.aspx[3] https://www.nature.com/articles/d41586-025-02341-z[4] https://www.nytimes.com/interactive/2025/10/22/climate/china-us-nuclear-energy-race.html[5] https://www.nytimes.com/interactive/2025/10/22/climate/china-us-nuclear-energy-race.html[6] https://www.nytimes.com/interactive/2025/10/22/climate/china-us-nuclear-energy-race.html[7] https://www.nytimes.com/interactive/2025/10/22/climate/china-us-nuclear-energy-race.html[8] https://www.nytimes.com/interactive/2025/10/22/climate/china-us-nuclear-energy-race.html[9] https://www.nytimes.com/interactive/2025/10/22/climate/china-us-nuclear-energy-race.html[10] https://world-nuclear.org/news-and-media/press-statements/world-nuclear-performance-report-2025-nuclear-delivers-record-breaking-year-in-electricity-generation[11] https://www.nature.com/articles/d41586-025-02341-z[12] https://www.nytimes.com/interactive/2025/10/22/climate/china-us-nuclear-energy-race.html
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