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Gefährlicher und unsichtbarer Wurm in Visual Studio Code Extensions gefunden

Von Heise — 21. Oktober 2025 um 10:14
Dialog

(Bild: Gorodenkoff/Shutterstock.com)

Eine Schadsoftware, die Credentials und Kryptowährungen abgreift, nutzt Unicode für unsichtbaren Code und installiert einen Remote-Access-Trojaner.

Seit ein paar Tagen läuft ein Supply-Chain-Angriff über die Marktplätze von Visual Studio Code. Betroffen sind sowohl der Marketplace von Microsoft als auch der alternative Open-VSX-Marktplatz der Eclipse Foundation.

Das auf Endpoint-Security spezialisierte Unternehmen Koi hat eine sich selbst verbreitende Schadsoftware entdeckt und GlassWorm getauft. Die Malware greift nicht nur Zugangsdaten ab, sondern nutzt den Zielrechner mit einem Remote-Access-Trojaner als Proxy-Knoten.

Zumindest im Open-VSX-Marktplatz sind nach wie vor infizierte Pakete vorhanden. Wie die im September auf npm gefundene Schadsoftware Shai Hulud [1] vermehrt sich GlassWorm selbst und nutzt dazu neben der Open VSX Registry unter anderem GitHub und npm.

Malware per Update

Koi hat die Malware erstmals in der Open VSX Extension CodeJoy entdeckt. Auf den ersten Blick sieht CodeJoy wie eine reguläre Erweiterung aus, die ein paar nützliche Tools mitbringt. In Version 1.8.3 zeigt die Extension dann erstmals verdächtiges Verhalten wie Netzwerkzugriffe, die nichts mit den eigentlichen Funktionen zu tun hatten.

Wer in Visual Studio Code extensions.autoUpdate aktiviert, erhält automatisch Updates aller Extensions, inklusive potenzieller Malware. Dass scheinbar nützliche Software erst per Update Schadcode erhält, ist keine Seltenheit.

Unsichtbarer Schadcode

Die Schadfunktionen von GlassWorm sind äußerst gut versteckt. Die Malware setzt nicht einfach auf die üblichen Verschleierungstechniken oder mehrfach indirektes Nachladen, sondern enthält unsichtbaren Code dank nicht darstellbarer Unicode-Zeichen. Offenbar ist das mit dem Unicodeblock Variantenselektoren gelungen [2].

Laut dem Koi-Blog [3] ist der Code nicht nur für menschliche Reviewer, sondern auch für statische Codeanalysewerkzeuge unsichtbar, aber der JavaScript-Interpreter führt den versteckten Code aus. Das Vorgehen ist neu, und der unsichtbare Code ist der Grund dafür, dass Koi die Schadsoftware GlassWorm getauft hat.

Kein gewöhnlicher C2-Server

Auch beim Command-and-Control-Server (C2-Server) geht GlassWorm neue Wege: Die Extensions nutzen die Solana-Blockchain als Infrastruktur, also eine öffentliche Blockchain. Darüber besorgen sie sich Links im Base64-Format auf den weiteren Payload mit der eigentlichen Schadsoftware.

Für die Angreifer hat die Blockchain zahlreiche Vorteile: Sie ist verteilt und bietet unveränderliche, anonyme Transaktionen. Außerdem lässt sich die C2-Infrastruktur nicht abschalten: Wenn jemand den auf der Blockchain abgelegten C2-Server abschaltet, können die Angreifer eine Transaktion mit einer neuen Adresse veröffentlichen, auf der sich die Schadsoftware anschließend bedient.

Abgriff von Credentials und die Arbeit als Wurm

Der von GlassWorm über die Infrastruktur nachgeladene Payload besteht wohl aus AES-256-CBC-verschlüsseltem Code. Der zugehörige Schlüssel findet sich direkt in den HTTP-Response-Headern, wodurch er sich dynamisch verteilen lässt.

Der Schadcode sucht schließlich nach Credentials für diverse Developer-Plattformen und nutzt sie, um sich weiterzuverbreiten.

GlassWorm nutzt npm-Authentifizierungs-Token, um Pakete mit Schadcode auf dem JavaScript-Paketmanager zu veröffentlichen. GitHub-Token und Git-Credentials dienen ihm dazu, legitime Repositorys zu kompromittieren. Zugangsdaten zu Open VSX nutzt die Malware, um weitere Visual-Studio-Code-Erweiterungen mit Schadcode zu veröffentlichen.

Schließlich sucht die Software nach Zugangsdaten für Kryptowährungen. Und als Bonus enthält sie einen Link auf den Google-Kalender, der ein raffinierter Backupmechanismus für die C2-Infrastruktur ist.

Zombi(e) als Bonus

In dem Kalender-Link findet sich eine weitere URL im Base64-Format, die sogar im Verzeichnisnamen /get_zombi_payload/ die Funktion offenbart: Der heruntergeladene, verschleierte und verschlüsselte Code zeigt sich als Remote-Access-Trojaner. Der infizierte Rechner wird zum SOCKS-Proxy-Server und öffnet damit den Zugriff auf den firmeninternen Nertzwerkverkehr.

Die Steuerung erfolgt über Peer-to-Peer-Verbindungen via WebRTC. Und wieder liegen die Befehle nicht auf einem einzelnen C2-Server, sondern die Angreifer verteilen sie über BitTorrent.

Aktiver Glaswurm

Koi hat den Schadcode am 17. Oktober 2025 entdeckt und zunächst sieben infizierte Extensions in der Open VSX Registry gefunden. Kurz danach tauchten weitere betroffene Erweiterungen sowohl dort als auch im VS Code Marketplace auf. Das Unternehmen zählte insgesamt 35.800 Installationen.

Der Koi-Blog listet im Anhang [4] die Namen der gefundenen Pakete, die bekannten Payload-URLs sowie der Solana-Wallet und -Transaktion auf.

Wer eins der betroffenen Pakete installiert hat, muss davon ausgehen, dass sich die Schadsoftware auf seinem System befindet. Dasselbe gilt für Zugriffe auf die bekannten Adressen von C2-Servern und die betroffene Solana-Wallet.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10789320

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Nach-npm-Grossangriff-Github-verschaerft-Sicherheitsmassnahmen-10668152.html
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Unicodeblock_Variantenselektoren
[3] https://www.koi.ai/blog/glassworm-first-self-propagating-worm-using-invisible-code-hits-openvsx-marketplace
[4] https://www.koi.ai/blog/glassworm-first-self-propagating-worm-using-invisible-code-hits-openvsx-marketplace#heading-9
[5] mailto:rme@ix.de

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Bluetooth-Kopfhörer Sennheiser HDB 630 im Test

Von Heise — 21. Oktober 2025 um 14:00

Neutraler Sound, wirkungsvolles ANC und lange Laufzeit: Der Sennheiser HDB 630 gefällt im Test. Per Dongle bringt er auch iPhones High-Res-Codecs bei.

Sennheiser positioniert den HDB 630 als Kopfhörer für Audiophile, der einen ähnlichen Klang wie die Kopfhörer der HD-600er-Reihe mit kabelloser Freiheit verbinden soll. Optisch ist er nicht vom Momentum 4 zu unterscheiden, denn er steckt im gleichen Gehäuse. Für den Transport lassen sich die Ohrmuscheln eindrehen, aber nicht -klappen. Die weichen, austauschbaren Ohrpolster schmiegen sich angenehm an den Kopf. Mit etwa 40 × 57 Millimeter Innenmaß sitzen sie eher eng – ein Kompromiss, um die Kopfhörer portabel zu halten. Zum Vergleich: Die Polster des kabelgebundenen HD660s desselben Herstellers messen 43 × 70 Millimeter, und auch manche mobilen Konkurrenten wie der Bose QuietComfort Ultra sind zumindest mit tieferen Gehäusen bestückt, sodass die Ohren mehr Platz haben.

Damit der HDB 630 auch ein Begleiter im Flugzeug und in der Bahn sein kann, baut Sennheiser ihn anders als viele audiophile Kabelkopfhörer geschlossen. Einerseits kann man sich dadurch besser von der Umwelt abschotten, andererseits beschallt man auch seine Mitmenschen nicht mit der eigenen Musik. Der Preis der mobilen Bauweise: Trägt man ihn länger, sitzt der HDB 630 nicht so komfortabel wie größere Kopfhörer, die primär für den Gebrauch zu Hause gedacht sind. Unter den kleinen Ohrmuscheln staut sich schneller die Hitze, die Ohren werden unangenehm warm. Insgesamt trägt sich der HDB 630 ähnlich wie geschlossene Kopfhörer von Bose, Sony oder das Schwestermodell Momentum 4.

Zu Abspielgeräten nimmt der Kopfhörer drahtlos, über Klinken- oder USB-C-Kabel Kontakt auf. Er versteht neben AAC und SBC auch den Hi-Res-Codec aptX Adaptive. Für Zuspieler, die den aptX-Codec nicht beherrschen, zum Beispiel iPhones, legt Sennheiser einen USB-C-Dongle bei, der sich mit dem Kopfhörer verbindet und so aptX Adaptive nachrüstet. Per USB, Klinke und per Dongle verbunden, unterstützt der Kopfhörer eine Auflösung von bis zu 24 Bit und 96 kHz.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10695643

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tests/Bluetooth-Kopfhoerer-Sennheiser-HDB-630-im-Test-10695643.html
[2] https://www.heise.de/tests/Sony-WH-1000XM6-im-Test-Gelungene-Evolution-des-Noise-Cancelling-Kopfhoerers-10380034.html
[3] https://www.heise.de/tests/Kopfhoerer-Test-Sennheiser-HD-505-mit-neutraler-Klangwiedergabe-10289832.html
[4] https://www.heise.de/tests/Im-Test-Professionelle-Kopfhoerersimulationen-fuer-Dolby-Atmos-10366378.html
[5] https://www.heise.de/tests/Beyerdynamic-Aventho-100-im-Test-Kompakter-Bluetooth-Kopfhoerer-mit-ANC-10516625.html

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Banana Pi BPI-R4 Pro: High-End-Mainboard für Selbstbau-Router

Von Mark Mantel — 21. Oktober 2025 um 18:21
Router-Mainboard von vorne auf weißem Untergrund

(Bild: Sinovoip / Banana Pi)

Viel schnelles Ethernet, SSD-Steckplätze und Wi-Fi-7-Support: Das Banana Pi BPI-R4 Pro ist üppig ausgestattet.

Der chinesische Hersteller Sinovoip verkauft sein bisher am üppigsten ausgestattetes Router-Mainboard, das Banana Pi BPI-R4 Pro [1]. Das Herzstück bildet ein für Router-Verhältnisse flotter Prozessor von Mediatek: Der MT7988A alias Filogic 880 integriert vier ARM-Kerne vom Typ Cortex-A73, flankiert von 8 GByte DDR4-RAM. Damit eignet sich die Platine auch für Selbstbau-Flash-NAS, etwa als Multimedia-Zentrale.

Viel Ethernet und SFP+

Der Mediatek-Prozessor bindet zahlreiche Zusatzchips per PCI Express und USB an. Zwei Schächte in der Bauform Small Form-Factor Pluggable (SFP+) nehmen Lichtwellenleiter- und Ethernet-Module auf und übertragen 10 Gbit/s (langsamere Module funktionieren nicht). Zwei RJ45-Buchsen sind ebenfalls für bis zu 10 Gbit/s ausgelegt. Es handelt sich um Kombianschlüsse hinter zwei Netzwerk-Controllern; aus einem RJ45-SFP+-Paar ist also je ein Anschluss nutzbar.

Je ein Port kann sich per WAN (Wide Area Network) mit einem vorgeschalteten Modem verbinden. Für die weitere Verkabelung gibt es viermal 2,5-Gbit/s- und einmal Gigabit-Ethernet. Die Ports hängen hinter mehreren Netzwerk-Controllern: zwei Aeonsemi AS21010P und ein Maxlinear MxL86252C.

Komponenten des Banana Pi BPI-R4 Pro (0 Bilder) [2]

[3]

Wi-Fi 7, Mobilfunk und SSDs

Für WLAN-Module gibt es zwei Mini-PCIe-Steckplätze. Sinovoip selbst bietet mit dem BPI-R4-NIC-BE14 [4] ein Wi-Fi-7-Modul an, das beide Mini-PCIe-Steckplätze verwendet. Es unterstützt alle drei WLAN-Bänder 2,4, 5 und 6 GHz simultan, letzteres mit der maximal möglichen Kanalbreite von 320 MHz.

Drei M.2-Steckplätze in B-Key-Bauform nehmen Mobilfunkmodule für 4G oder 5G auf. Passend dazu gibt es drei Nano-SIM-Schächte für getrennte Mobilfunktarife. Auf der Platinenrückseite befinden sich zwei M.2-M-Key-Steckplätze für NVMe-SSDs. Für je zwei M- und B-Key-Steckplätze stehen insgesamt zwei PCIe-3.0-Lanes bereit – von vier Steckplätzen sind daher maximal zwei gleichzeitig nutzbar. Der dritte B-Key-Slot ist per USB angebunden.

Eine PCIe-3.0-Lane reicht für knapp ein Gigabyte pro Sekunde. Das genügt für SSDs in einem Router oder NAS.

Für ein Betriebssystem und Firmware sind auch 256 MByte SPI-NAND-Flash und 8 GByte eMMC-Flash-Speicher verlötet. Alternativ zu einer SSD lässt sich der Speicher per microSD-Karte erweitern. Zusätzlich gibt es je einmal USB 2.0 und USB 3.2 Gen 1 (früher USB 3.0 genannt). Ein USB-Typ-C-Anschluss dient zum Debugging. Strom bekommt die Platine über ein DC-Netzteil mit 12 oder 24 Volt.

Das Mainboard ist mit 194 mm × 134 mm deutlich größer als bisherige Banana-Pi-Platinen und erfordert daher neue Gehäuse. Einen Entwurf gibt es bereits [5].

Noch ohne OpenWrt-Support

OpenWrt unterstützt das Banana Pi BPI-R4 Pro laut Übersicht [6] noch nicht. Da OpenWrt aber schon auf den bisherigen R3- und R4-Modellen läuft, sollte der Support für die R4-Pro-Version folgen.

Sinovoip verkauft das Banana Pi BPI-R4 Pro im eigenen Webstore [7] für 165 US-Dollar, umgerechnet 142 Euro. Hinzu kommen 38 US-Dollar für den Versand aus China per DHL und die Einfuhrumsatzsteuer. Unterm Strich sollte das Mainboard knapp 210 Euro kosten. Das WLAN-Modul BPI-R4-NIC-BE14 kostet 70 US-Dollar [8], womit das Gesamtpaket bei etwa 275 Euro landen dürfte.

Die normale R4-Version ist auch bei deutschen Händlern verfügbar (ab 119,99 €) [9]; die abgespeckte Lite-Variante [10] dagegen kaum.

Update

Korrektur: Die SFP+-Schächte können ausschließlich mit 10-Gbit/s-Modulen umgehen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10793510

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.bpi-shop.com/products/banana-pi-bpi-r4pro-router-board-mediatek-mt7988a.html
[2] https://www.heise.de/bilderstrecke/4960477.html?back=10793510;back=10793510
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/4960477.html?back=10793510;back=10793510
[4] https://www.bpi-shop.com/products/bpi-r4-nic-be14-wifi7-module-with-mediatek-mt7995av-supports-wi-fi7-technology.html
[5] https://docs.banana-pi.org/en/BPI-R4_Pro/BananaPi_BPI-R4_Pro
[6] https://openwrt.org/inbox/toh/sinovoip/start
[7] https://www.bpi-shop.com/products/banana-pi-bpi-r4pro-router-board-mediatek-mt7988a.html
[8] https://www.bpi-shop.com/products/bpi-r4-nic-be14-wifi7-module-with-mediatek-mt7995av-supports-wi-fi7-technology.html
[9] https://preisvergleich.heise.de/banana-pi-r4-router-board-bpi-r4-a3465459.html?cs_id=1206858352&ccpid=hocid-newsticker
[10] https://www.heise.de/news/Banana-Pi-R4-Lite-Router-Board-mit-Wi-Fi-7-und-5G-Option-10511678.html
[11] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[12] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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Open Source Hardware Summit 2026 kommt nach Berlin

Von Carsten Wartmann — 21. Oktober 2025 um 10:00
Open Source Hardware Summit Berlin 2026

(Bild: [Link auf https://bleeptrack.de/])

Der Open Source Hardware Summit 2026 findet am 23. und 24. Mai 2026 an der TU Berlin statt – ein Treffpunkt für alle, die auch für Hardware offen denken.

Am 23. und 24. Mai 2026 verwandelt sich die TU Berlin in ein internationales Zentrum der Open-Hardware-Community. Der "Open Hardware Summit" (OHS) [1], organisiert von der "Open Source Hardware Association" (OSHWA), findet 2026 erstmals in Deutschland statt. Erwartet werden rund 300 Teilnehmende aus aller Welt – darunter Entwicklerinnen, Künstler, Start-ups, Forschende und Maker, die sich für offene Technologien begeistern.

Das genaue Programm steht noch nicht fest, man kann sich aber schon mal an den Veranstaltungen der Vorjahre orientieren [2]. Das zweitägige Programm soll wie bisher Vorträge, Panels, Hands-on-Workshops und Ausstellungen rund um Elektronik, Mechanik, digitale Fertigung und kreative Technologien bieten. Ebenso sind praxisnahe Löt- und Bastel-Workshops geplant, bei denen die Teilnehmenden eigene Schaltungen, Prototypen oder interaktive Kunstwerke realisieren können. Themen wie nachhaltige Hardwareentwicklung, Reparierbarkeit, Open-Source-Chips und Community-getriebene Produktion stehen im Mittelpunkt. Ergänzend gibt es Austauschformate zum Netzwerken sowie lokale Satelliten-Events in Berliner Maker- und Hackerspaces.

Im Mittelpunkt des Summits steht die Idee, dass Wissen, Baupläne und Technologien offen geteilt werden – zum Nutzen aller. Diese Mission verkörpert die Veranstalterin, die Open Source Hardware Association (OSHWA), seit ihrer Gründung 2010.

Die OSHWA

Die OSHWA ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in den USA, die weltweit die Idee offener Hardware stärkt. [3] Sie vergibt u. a. eine Open-Source-Hardware-Certification, organisiert Konferenzen wie den OHS und vertritt die Werte von Transparenz, Teilhabe und technischer Selbstbestimmung. Ziel ist es, Forschung und Entwicklung frei zugänglich zu machen, die Community zu vernetzen und Bildung im Bereich Open Hardware zu fördern.

Karte der zertifizierten Partner

(Bild: OSHWA)

Wer den Summit unterstützen möchte – etwa durch Workshops, Sponsoring oder freiwilliges Engagement – kann sich über die offizielle Website der OSHWA melden oder bei Lee Wilkins [4] direkt.


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https://www.heise.de/-10778005

Links in diesem Artikel:
[1] https://2026.oshwa.org/
[2] https://oshwa.org/events/
[3] https://oshwa.org/
[4] mailto:hello@leecyb.org
[5] https://www.heise.de/make
[6] mailto:caw@make-magazin.de

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Abermals neuer NTFS-Treiber für Linux vorgestellt

Von Thorsten Leemhuis — 21. Oktober 2025 um 09:18
Ein Pinguin guckt, vor Wasser

(Bild: heise online / dmk)

Ein erfahrener Kernel-Hacker hat den Dateisystem-Treiber "ntfsplus" vorgestellt, der Schwächen bisheriger Lösungen vermeidet, aber keinen Freifahrtschein hat.

Zu drei quelloffenen NTFS-Treibern für Linux mit mittleren oder größeren Schwächen gesellt sich mit "ntfsplus" jetzt ein weiterer, der alle vorangegangenen in den Schatten zu stellen verspricht. Der neue stammt von Namjae Jeon und ist ein Kernel-Treiber auf Basis des ersten und bei Linux 6.9 aus dem Kernel entfernten Treibers [1]. Noch ist aber vollkommen unklar, ob oder wann der neue Treiber zum Zugriff auf das Standard-Dateisystem von Windows in den Kernel einzieht: Andere Linux-Entwickler müssen diesen erst begutachten und die Aufnahme abnicken.

Kernel-Einzug: Ob und wann ist ungewiss

Einerseits stehen die Chancen recht gut dabei, denn Namjae Jeon weiß, was er da macht: Er war federführender Entwickler beim im Kernel enthaltenen exFAT-Treiber und dem Kernel-eigenen SMB3-Server (KSMB3); er betreut beide Lösungen auch weiterhin. Sein Wissen zeigt sich bei ntfsplus, das viel der von modernen Linux-Dateisystemen genutzten Infrastruktur des Kernels nutzt. Das dürfte auch ein Grund sein, warum der ntfsplus-Treiber laut dem Entwickler bessere Performance liefern soll als der aktuelle NTFS-Treiber des Linux-Kernels namens ntfs3. Auch der Funktionsumfang ist weitreichender, daher laufen mehr Tests der von den Kernel-Entwicklern geschätzten Dateisystem-Testsuite.

Andererseits umfasst ntfsplus allerlei Code, daher wird die Begutachtung kein Kinderspiel. Vor allem vermeiden die Linux-Entwickler normalerweise die Aufnahme eines neuen Ansatzes, der einen älteren für die gleiche Aufgabenstellung über kurz oder lang ersetzen soll; stattdessen drängen sie normalerweise nachdrücklich darauf, bestehende Ansätze inkrementell zu verbessern. Beim ursprünglich von Paragon eher unabhängig vom Kernel entwickelten ntfs3 gab es aber schon eine Ausnahme, da der signifikant besser war als der alte NTFS-Treiber ntfs. Letzterer war ein eher rudimentärer Ansatz, der lediglich experimentelle Unterstützung zum Schreiben auf NTFS bot. Als Kernel-Treiber versprach ntfs3 zugleich Vorteile gegenüber dem auf FUSE (Filesystem in Userspace) aufbauenden Treiber ntfs-3g.

Es bleibt abzuwarten, wie der Aufnahmeprozess verläuft. Für ntfsplus dürfte dabei sprechen, dass es mit ntfs3 etwas unrund läuft und Distributionen vielfach noch auf das ältere ntfs-3g setzen – das bei näherem Hinsehen aber auch einige Schwächen offenbart. Namjae Jeon scheint auf jeden Fall sehr hinter der Sache zu stehen und will die Dateisystem-Werkzeuge zum Reparieren und Administrieren von NTFS-Volumes verbessern sowie vollen Journaling-Support bei Kernel-Treiber implementieren. Weitere Details zum Ganzen liefert die Ankündigung zu ntfsplus [2] auf der Linux-Kernel-Mailingliste.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10789388

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Linux-6-9-mit-Virtual-Data-Optimizer-erschienen-9716942.html
[2] https://lore.kernel.org/lkml/20251020020749.5522-1-linkinjeon@kernel.org/
[3] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[4] mailto:dmk@heise.de

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Trumps Druck verpufft: Indien kauft weiter russisches Öl

Von Matthias Lindner — 21. Oktober 2025 um 17:00
Öltropfen mit Dollarzeichen

Die indische Regierung hat Trumps angebliche Zusage nicht bestätigt. Raffinerien sprechen nur von Reduktion statt komplettem Stopp.

US-Präsident Donald Trump hat kürzlich verkündet, dass Indiens Premierminister Narendra Modi zugesagt habe, kein Erdöl mehr aus Russland zu importieren. Wieder einmal schien Trumps Strategie des wirtschaftlichen Drucks aufzugehen.

Der Druck auf Indien diente dazu, Russlands Ölexporte und damit die Einnahmen des Kreml zu schmälern. Denn bislang war Indien ein bedeutender Käufer des russischen Erdöls. In Washington erhoffte man sich, auf diesem Weg den russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen des Kriegs in der Ukraine an den Verhandlungstisch zu zwingen.

Allerdings deutet einiges darauf hin, dass Trump keinen Erfolg vorzuweisen hat. Die indische Regierung hat diese Zusage zumindest nicht bestätigt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete [1]. Lokale Raffinerien sprachen demnach auch lediglich von einer Reduktion der Käufe, nicht von einem vollständigen Stopp.

Ein ähnliches Spiel konnte man bereits im Juli sehen: Trump drohte Käufern von russischem Erdöl mit Zusatzzöllen von 100 Prozent. Staatliche indische Raffinerien reduzierten daraufhin tatsächlich ihre Käufe – aber nicht wegen Trumps Drohung, sondern weil die Preisnachlässe geringer wurden [2]. Als sie wieder größer wurden, stiegen auch die Käufe erneut an. Private Raffinerien kauften ohnehin weiter.

Indien bleibt zweitgrößter Abnehmer russischen Erdöls

Die Verbindung zwischen Indien und Russland ist nach wie vor robust. In den ersten neun Monaten 2025 importierte Indien im Schnitt 1,9 Millionen Barrel russisches Erdöl pro Tag. Das berichtete Reuters und berief sich dabei auf Daten der Internationalen Energieagentur (IEA). Damit nahm Indien rund 40 Prozent der russischen Ölexperte ab.

Im September 2025 waren es 1,62 Millionen Barrel täglich, etwa ein Drittel der indischen Ölimporte, wie Reuters unter Berufung auf Handelsdaten schreibt.

Das Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) bestätigt in seinem September-Bericht [3], dass Indien nach China der zweitgrößte Käufer [4] russischer fossiler Energieträger bleibt. Allerdings sanken die russischen Rohöleinfuhren Indiens im Monatsvergleich um neun Prozent auf den niedrigsten Stand seit Februar. Besonders staatliche Raffinerien hätten ihre Käufe um 38 Prozent reduziert.

Indische Raffinerien suchen nach Alternativen

Die Reaktionen der Raffinerien deuten auf eine Verschiebung hin. Reliance Industries, Indiens größter Einzelabnehmer russischen Rohöls, kaufte kürzlich mindestens 2,5 Millionen Barrel aus dem Nahen Osten, berichtet [5] Bloomberg jetzt. Das Unternehmen fragte demnach verstärkt nach Ölqualitäten, die russischem Rohöl ähneln.

Die Situation ist komplex: Reliance hat einen 10-Jahres-Liefervertrag über nahezu 500.000 Barrel pro Tag mit dem russischen Staatskonzern Rosneft abgeschlossen, wie Reuters schrieb [6].

Rosneft hat mit Reliance nur Lieferbeziehungen, aber der russische Konzern hält rund 49 Prozent an einem weiteren großen indischen Raffineriebetreiber, Nayara. Dessen Raffinerie Vadinar mit einer Kapazität von 400.000 Barrel täglich ist ausschließlich auf russisches Rohöl angewiesen.

Nachdem die Europäische Union und Großbritannien beschlossen hatten, keine Ölprodukte mehr zu importieren, die aus russischem Rohöl hergestellt wurden, senkte Nayara die Auslastung.

EU verschärft Sanktionen gegen raffinierte Produkte

Ab dem 21. Januar tritt in der Europäischen Union ein Importverbot für Kraftstoffe in Kraft, die aus russischem Rohöl raffiniert wurden. Europa steht für über ein Drittel der indischen Diesel- und Jet-Fuel-Exporte, wie Reuters berichtet.

In offiziellen EU-Leitlinien wird Indien als Hochrisikoland genannt, bei dem Vertragspartner zusätzliche Sorgfaltspflichten beachten sollten, schreibt Bloomberg. Das CREA verweist auf das 18. EU-Sanktionspaket, das Importe von "aus russischem Rohöl raffiniertem Öl" verbietet, und empfiehlt eine Schließung von Schlupflöchern.

Gespaltener Preisdeckel und US-Druckmittel

Die EU, Großbritannien, Kanada, Norwegen, die Schweiz und Australien setzten am 3. September 2025 einen auf 47,6 US-Dollar pro Barrel gesenkten Preisdeckel für russisches Rohöl um. Die USA verblieben bei 60 Dollar pro Barrel, wie CREA in seinem Bericht dokumentiert.

Die USA belegten indische Exporte mit einem Zusatzzoll von 25 Prozent, um das Land zu einem Verzicht auf russisches Erdöl zu bewegen. Trump kündigte zudem an, China zu ähnlichen Schritten zu bewegen und erwartet auch von Japan, russische Energieimporte zu stoppen.

US-Finanzminister Scott Bessent erklärte laut Reuters gegenüber seinem japanischen Amtskollegen Katsunobu Kato, die Trump-Regierung erwarte von Japan, den Import russischer Energie einzustellen.

Es ist allerdings fraglich, ob diese Strategie des wirtschaftlichen Drucks [7] von Erfolg gekrönt sein wird. So wie Reuters schreibt, könnte ein indischer Importstopp auch dafür sorgen, dass russisches Rohöl in den wachsenden Schattenmarkt gedrängt wird.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10793557

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.reuters.com/world/india/trump-says-modi-has-assured-him-india-will-not-buy-russian-oil-2025-10-15/
[2] https://www.cnbc.com/2025/08/01/indian-state-refiners-pause-russian-oil-purchases-reuters-reports.html
[3] https://energyandcleanair.org/september-2025-monthly-analysis-of-russian-fossil-fuel-exports-and-sanctions/
[4] https://www.heise.de/tp/features/Beijing-ignoriert-Westen-Russisches-Sanktions-Gas-landet-heimlich-in-China-10637347.html
[5] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-10-21/india-s-reliance-grabs-mideast-oil-as-russian-flows-scrutinized
[6] https://www.reuters.com/business/energy/trumps-india-squeeze-push-russian-oil-further-into-shadows-2025-10-20/
[7] https://www.heise.de/tp/features/Wie-der-Westen-den-Globalen-Sueden-verliert-9183423.html

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Trumps Ukraine-Kurswechsel: Mehr Vernunft, weniger Hysterie

Von Anatol Lieven — 21. Oktober 2025 um 16:00
Zwei Männer vor blauem Grund mit Nato-Logo

Donald Trump und Nato-Generalsekretär Mark Rutte

(Bild: Brian Jason/Shutterstock.com)

Trump zeigt strategische Vernunft und rudert bei Tomahawk-Lieferungen zurück. Gleichzeitig verfällt Europa in Hysterie, die niemandem nützt. Ein Gastbeitrag.

Behauptungen [1], Trump habe Selenskyj bei ihrem jüngsten Treffen in Washington unter Druck gesetzt und zu einem vollständigen Rückzug aus dem Donbass gedrängt, werden zweifellos das übliche Aufsehen in den westlichen Medien [2] und unter Kommentatoren hervorrufen.

Doch diese Vorwürfe lassen sich nicht belegen und lenken von dem wirklich wichtigen Thema der US- und Nato-Strategie ab: der Frage, ob das Bündnis die Unterstützung für die Ukraine auf dem bisherigen Niveau fortsetzen oder drastisch ausweiten sollte.

Hier hat Präsident Trump die richtige Entscheidung getroffen, indem er von seinem früheren Vorschlag zurückruderte [3], die USA könnten der Ukraine Tomahawk-Marschflugkörper liefern – mutmaßlich nach einem Telefonat [4] mit Präsident Putin.

Trumps Kurswechsel

Einerseits würde die sehr begrenzte Zahl landgestützter Tomahawks, die die USA überhaupt liefern könnten, das Kräfteverhältnis zwischen der Ukraine und Russland nicht ernsthaft verändern [5], wie Putin Trump zweifellos auch gewarnt hat.

Anatol Lieven

Unser Gastautor Anatol Lieven

(Bild: RS [6])

Politisch jedoch würde die Lieferung dieser Raketen in Russland als enorme Eskalation [7] wahrgenommen werden. Sie könnten Moskau und weit ins russische Hinterland treffen und würden zudem direkte Unterstützung des US-Militärs bei der Aufstellung und Zielsteuerung erfordern.

Hoffentlich handelt Präsident Trump bei zwei anderen derzeit aus Europa kommenden, höchst riskanten Vorschlägen ebenso umsichtig und verantwortungsvoll: russische Kampfflugzeuge abzuschießen, die den Nato-Luftraum verletzen, und russische Frachtgüter auf hoher See zu beschlagnahmen, wenn sie Häfen oder Hoheitsgewässer von Nato-Staaten anlaufen.

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass europäische Länder solche Schritte ohne Zusicherung amerikanischer Rückendeckung wagen würden. Diese Vorschläge sollten kategorisch zurückgewiesen werden.

Wie mir bei einem Besuch in Russland diesen Monat wiederholt gesagt wurde, hätte Putin keine andere Wahl, als sofort militärisch zu reagieren, wenn Nato-Staaten einen dieser Schritte gehen würden.

Nato-Flugzeuge würden abgeschossen, die russische Marine würde russische Handelsschiffe eskortieren und falls diese aufgehalten würden, käme es zu Gefechten.

Unternehmen die Skandinavier und baltischen Staaten – wie im Sommer angedroht – derartige Aktionen in der Ostsee, würde dies als Blockade von St. Petersburg und Kaliningrad gelten, also als Kriegshandlung.

An diesem Punkt käme ein umfassender Konflikt zwischen Russland und der Nato, der möglicherweise in nuklearen Schlagabtauschen mündet, gefährlich nahe.

Die Lage an der Front

Abgesehen davon, dass eine solche Eskalation extrem riskant wäre, besteht keinerlei Notwendigkeit für derartige Nato-Maßnahmen. Gewiss, wenn russische Flugzeuge Bomben abwürfen oder Raketen auf Nato-Gebiet abfeuerten, müssten sie abgeschossen werden.

Doch bislang ist nichts dergleichen geschehen. Vor allem aber hält die ukrainische Front dank der enormen technologischen Vorteile der Verteidigung äußerst standhaft. Das russische Heer rückt zwar weiter vor, aber nur sehr langsam.

So dauern die Kämpfe um die Kleinstadt Pokrowsk in der Region Donezk beispielsweise bereits seit fast 15 Monaten an, ohne dass es einen russischen Durchbruch gegeben hätte.

Es gibt auch keine Anzeichen für neue Waffentechnologien (wie etwa Panzer und Bomber im Ersten Weltkrieg), die Russland einen schnellen Durchbruch aus dem Stellungskrieg ermöglichen könnten.

Selbst wenn Russland die verbleibenden 30 Prozent der Provinz Donezk erobern sollte, die derzeit noch von der Ukraine gehalten werden, oder wenn Trump durch Druck auf Kiew einen Rückzug aus diesem Gebiet als Teil eines Friedensabkommens erzwingen könnte, sind größere russische Eroberungen weiterhin außer Sicht. Russland hätte keine Chance, den ukrainischen Staat zum Zusammenbruch zu bringen.

Drohende Invasion in Nato-Gebiet?

Die Vorstellung einer absichtlich geplanten und erfolgreichen russischen Invasion in das Nato-Gebiet ist derart absurd, dass sich westliche Militär-"Experten" schämen sollten, sie zu verbreiten. Ebenso unrealistisch ist die Idee, die Ukraine könne ihr verlorenes Territorium von Russland zurückerobern – sie hat sich längst als aussichtslos erwiesen.

Derzeit ist die Unabhängigkeit der Ukraine sicher – und das wird auch so bleiben, selbst wenn einige Städte im Donbass fallen sollten.

Die eigentliche Gefahr liegt vielmehr darin, dass ein andauernder Krieg politischen Wandel in Europa herbeiführt und die Unterstützung für die Ukraine schwindet, was letztlich ihren Widerstand zum Erliegen bringen könnte. Politische Entwicklungen in Frankreich, Deutschland und Großbritannien machen dieses Risiko deutlich sichtbar.

Ein solcher Prozess würde sich allerdings über Jahre hinziehen. Unterdessen leidet auch die russische Wirtschaft, da die Inflation die Lebensstandards aufzehrt und die Gegenmaßnahmen Unternehmen belasten.

Daher ist es durchaus denkbar, dass Putin bereit wäre, den Krieg zu beenden, sobald Russland den gesamten Donbass kontrolliert und zugleich seine Sicherheitsinteressen in den weiteren Beziehungen zu den USA und Europa berücksichtigt werden.

Russische Hardliner

Gleichzeitig hat die wachsende militärische Frustration in Russland jedoch dazu geführt, dass Hardliner stärkeren Druck ausüben, um den Krieg durch eine radikale Eskalation siegreich zu beenden und den Westen so einzuschüchtern, dass Russland der Ukraine seine Bedingungen aufzwingen kann.

Die Hardliner scheinen jedoch keine klare Vorstellung davon zu haben, wie eine solche Eskalation aussehen sollte. Bislang hat Putin eine Strategie, die enorm gefährlich wäre und keine sichere Aussicht auf Erfolg böte, konsequent abgelehnt. Dieser nationalistische Druck macht es ihm jedoch schwer, auf eine westliche Eskalation nicht mit militärischer Vergeltung zu reagieren.

Hysterie in Europa

Diese Gefahr wird durch die groteske Natur vieler aktueller sicherheitspolitischer Debatten [8] in Europa zusätzlich verschärft. "Debatte" ist dabei kaum der richtige Begriff für ein Schauspiel, das eher einem aufgescheuchten Hühnerstall gleicht, in dem ein (möglicherweise eingebildeter) Fuchs gesichtet wurde.

Drei russische Flugzeuge [9], die maximal fünf Meilen und für zwölf Minuten von ihrem legalen Korridor über dem Finnischen Meerbusen abweichen, werden von Teilen der westlichen Medien und Kommentatoren zu einer massiven Kampagne russischer Luftraumverletzungen aufgebauscht.

Zur gleichen Zeit haben einige unbewaffnete Drohnen über Polen eine Welle angeblicher (bisher völlig unbewiesener) russischer Drohnensichtungen [10] von Norwegen bis Italien ausgelöst – vermutlich von denselben Personen, die in Friedenszeiten UFOs melden.

Einige Brände (ohne Opfer), von denen viele keinerlei belegbaren Bezug zu Russland haben, werden nun als Teil einer angeblich groß angelegten russischen "hybriden Kriegsführung" dargestellt. Wie so oft geht diese Hysterie mit einer gehörigen Portion Heuchelei einher.

In dieser "Berichterstattung" und "Analyse" wird selten erwähnt, dass sich der mit Abstand größte Sabotageakt in Europa seit Beginn des Krieges – die Zerstörung der Nord-Stream-2-Pipeline – gegen Russland richtete und die einzigen Vorfälle [11], bei denen Menschen ums Leben kamen, durch Minen auf Schiffen mit russischer Ladung im Mittelmeer verursacht wurden.

Anstatt sich von solcher Hysterie treiben zu lassen, sollten verantwortungsbewusste europäische Institutionen, denen die Ukraine am Herzen liegt, der Trump-Regierung dabei helfen, einen detaillierten Friedensplan zu erarbeiten.

Dieser sollte die bestehenden Grenzen zwischen der Nato und der von Russland dominierten Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) einfrieren und sowohl Beschränkungen für Nato-Truppen an Russlands Grenzen als auch für russische Truppen in Belarus vorsehen.

Im Gegenzug sollte Russland seine Forderungen an die Ukraine mäßigen. Zudem sollten sie einen Kompromiss zur Kontrolle des westlichen Donbass ausarbeiten, der dessen Neutralisierung unter UN-Aufsicht vorsieht.

Dies mag derzeit aussichtslos erscheinen, falls Putin wirklich entschlossen ist, den gesamten Donbass zu erobern – doch zumindest hätte man einen tragfähigen Vorschlag in der Hand, falls sich die Lage vor Ort zugunsten Russlands verändert.

Und unterdessen gilt: Wir sollten alle Ruhe bewahren. Der Fuchs ist noch längst nicht in unserem Hühnerstall – und niemandem ist geholfen, wenn wir kopflos umherlaufen und gackern.

Anatol Lieven ist Direktor des Eurasia-Programms am Quincy Institute for Responsible Statecraft. Zuvor war er Professor an der Georgetown University in Katar und am Department of War Studies des King’s College London.

Dieser Text erschien zuerst bei unserem Partnerportal Responsible Statecraft [12] auf Englisch.


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[1] https://www.ft.com/content/7960c6aa-dbfa-4a55-91e8-ae44601842ec?desktop=true&segmentId=d8d3e364-5197-20eb-17cf-2437841d178a#myft:notification:instant-email:content
[2] https://responsiblestatecraft.org/media/
[3] https://www.bbc.com/news/articles/c93dqew8l3xo
[4] https://www.bbc.com/news/live/cy85d9613zxt
[5] https://lnkxtcdab.cc.rs6.net/tn.jsp?f=001mlY_FjtHxVpWSWZzCuLs7Q0otfMwiWUeruZ4rBB3VDdySSZ4xnrx3gm9R3_ozbo4aUoROrFv2zjbSrCuNaM7vAGpSmHlW1l_P7QsCni85F3Pbcnv_XBVABZKaziYMHbE4H8vvtGkj68StaLkMXvMb8EOJEh-BZdFs267ruaFCdaik2iqfEsz8MkThtUle610rLAhHCPzLLrTGSSr1fvo0yY009f40egJxRhNDtJ2DFndzkF5d_2gylfcIokM_0i5&c=Th7XWTbnHAeo1nR0O6-YQ_Mhhupv8fAAHrruLOZAiDTYBg26LOzaTA==&ch=KcVfakzyG7gxrt6KIqQY3K0VmsoQbt7yDVMXQmoHKDbZOxcBBi1_vg==
[6] https://responsiblestatecraft.org/author/alieven/
[7] https://responsiblestatecraft.org/trump-tomahawks-zelensky/
[8] https://unherd.com/2025/09/europes-reckless-warmongering
[9] https://estonianworld.com/security/chart-shows-russian-jets-12-minute-violation-of-estonian-airspace/
[10] https://thesoufancenter.org/intelbrief-2025-october-8/
[11] https://www.reuters.com/business/energy/three-tankers-damaged-by-blasts-mediterranean-last-month-causes-unknown-sources-2025-02-19/
[12] https://responsiblestatecraft.org/trump-ukraine-zelensky-2674216108/

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Erdgas: Hamburger Start-up reicht Beschwerde gegen Kraftwerkspläne ein

Von Bernd Müller — 21. Oktober 2025 um 14:45
Blick auf ein Gaskraftwerk

(Bild: Ha-nu-man / Shutterstock.com)

Das Unternehmen fordert stattdessen eine technologieoffene Absicherungspflicht – und sieht virtuelle Kraftwerke als bessere Alternative.

Erdgas soll nach dem Willen der Bundesregierung auch weiterhin eine zentrale Rolle bei der Stromversorgung Deutschlands spielen. Die Kraftwerksstrategie sieht den Bau von bis zu 71 neuen Gaskraftwerken vor, obwohl es Zweifel daran gibt, dass dieses Vorhaben auch wirtschaftlich umzusetzen ist.

Jetzt steht die Bundesregierung auch vor einer juristischen Hürde. Das Energieunternehmen 1KOMMA5° hat formell Beschwerde bei der Europäischen Kommission gegen die geplanten Subventionen für neue Gaskraftwerke eingereicht, wie es auf der Seite des Unternehmens [1] heißt.

Das Hamburger Start-up sieht in den Plänen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) einen Verstoß gegen EU-Beihilferecht.

Doppelte Förderung für Erdgas-Kraftwerke geplant

Die Bundesregierung will bis 2030 mindestens 20 Gigawatt (GW) an neuen Gaskraftwerken fördern. Die Subventionierung soll in zwei Stufen erfolgen: Zunächst erhalten Betreiber Bauzuschüsse über Ausschreibungen.

Anschließend sollen sie über einen zentralen Kapazitätsmarkt Geld dafür bekommen, dass ihre Kraftwerke als Reserve bereitstehen – auch wenn sie nicht eingesetzt werden. Begründet wird dies mit der Sorge um Versorgungssicherheit.

1KOMMA5° hält diese doppelte Förderung für unzulässig. Dazu erklärt das Unternehmen:

Neue Gaskraftwerke zu subventionieren wäre beihilferechtlich aber nur dann zulässig, wenn keine Wettbewerbsverzerrungen entstehen und die Maßnahmen technologieoffen, notwendig und angemessen sind, also keine besseren Instrumente ohne Subventionen bestehen.

Virtuelle Kraftwerke als Alternative zu Erdgas

Philipp Schröder, Chef und Mitgründer von 1KOMMA5°, argumentiert, dass dezentrale Systeme dieselbe Aufgabe erfüllen können wie zentrale Gaskraftwerke. Schröder argumentiert weiter:

Die geplanten Gaskraftwerke sollen dann anspringen, wenn Sonne und Wind nicht ausreichen. Genau das bilden auch gebündelte dezentrale Systeme in Form virtueller Kraftwerke ab. Bei Engpässen reduzieren sie den Stromverbrauch durch das gezielte und koordinierte Verschieben von Verbrauch und können gleichermaßen Strom aus privaten Batterien und E- Autos bereitstellen, wenn dieser wiederum gebraucht wird.

1KOMMA5° aggregiert nach eigenen Angaben bereits mehr als 600 Megawatt an Flexibilitätskapazitäten. Bis 2030 will das Unternehmen 20 GW an Leistung steuern.

Rechtsgutachten sieht Verstöße gegen EU-Recht

Zuvor hagelte es auch von anderer Seite an Kritik. So kam auch die Kanzlei K&L Gates in einem Gutachten für die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zu dem Ergebnis, dass die geplanten Back-up-Kraftwerke im Umfang von 20 bis 35 GW nicht mit dem EU-Beihilferecht vereinbar seien [2].

Die Kanzlei stellte in dem Gutachten fest, dass die geplante Beihilfe in einem wettbewerblichen, transparenten Verfahren vergeben werden müsse. Politisch motivierte regionale Zusagen, etwa ein "Südbonus" für Kraftwerke in Süddeutschland, erscheinen damit nicht vereinbar.

Absicherungspflicht statt Kapazitätsmarkt

1KOMMA5° fordert statt der geplanten Subventionen eine technologieoffene "Absicherungspflicht". Akteure am Energiemarkt – vom großen Gaskraftwerk bis zum heimischen Batteriespeicher – müssten dabei für ihre Leistung eine bestimmte Verfügbarkeit garantieren.

Diese Lösung sei, so argumentiert das Unternehmen, marktwirtschaftlich, ohne Subventionen umsetzbar, und sie benötige keine beihilferechtliche Genehmigung durch die EU.

"Es muss einen technologisch offenen Wettbewerb zwischen zentralen und dezentralen Kraftwerken geben", sagte Schröder.

Der von der Bundesregierung geplante Kapazitätsmarkt würde Erzeuger künftig nicht nach tatsächlich produziertem Strom, sondern nach bereitgestellter Kapazität vergüten. Dezentrale Erzeuger würden so aus dem Markt gedrängt.

255 Milliarden Euro Mehrwert durch dezentrale Lösungen

Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger im Auftrag der New Energy Alliance beziffert den gesamtwirtschaftlichen Mehrwert dezentraler Lösungen bis 2045 auf rund 255 Milliarden Euro, heißt es auf der Seite [3] solarserver.de. Subventionen wären dafür nicht nötig.

Die Pläne der Bundesregierung, so berichtete [4] Telepolis kürzlich, würden hingegen die Kosten für die Energiewende unnötig in die Höhe treiben. Gaskraftwerke seien die teuerste Form der Stromerzeugung.

Bundesnetzagentur sieht hohen Bedarf an steuerbaren Kraftwerken

Der Strombedarf in Deutschland wird künftig ohne Frage steigen: Dafür sorgen schon Elektromobilität, Wärmepumpen und die grüne Transformation der Industrie. Dieser Entwicklung trug auch die Bundesnetzagentur in einem Bericht zur Versorgungssicherheit Rechnung.

Demnach steigt der Strombedarf bis 2035 von heute rund 550 Terawattstunden auf etwa 725 TWh. Je nach Szenario benötige Deutschland bis 2035 zwischen 22 und 36 GW an neuen steuerbaren Kraftwerken – und das seien in erster Linie moderne Erdgas-Kraftwerke. Das entspräche 44 bis 71 Anlagen [5]. Erneuerbare Energien allein könnten längere "Dunkelflauten" nicht überbrücken.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte bereits im vergangenen Monat signalisiert, dass das Gaskraftwerksprojekt wahrscheinlich verschoben wird, da die EU-Gespräche über staatliche Beihilfen noch nicht abgeschlossen sind, wie Bloomberg berichtet [6].


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Links in diesem Artikel:
[1] https://1komma5.com/de/magazin/pressemitteilungen/1komma5-legt-beschwerde-in-bruessel-ein/
[2] https://www.heise.de/tp/features/Gaskraftwerke-Teuer-umstritten-und-politisch-riskant-10752277.html
[3] https://www.solarserver.de/2025/09/30/studie-gesamtwirtschaftlicher-nutzung-erneuerbarer-bei-255-mrd-euro/
[4] https://www.telepolis.de/features/Gaskraftwerke-Teuer-umstritten-und-politisch-riskant-10752277.html
[5] https://www.heise.de/tp/features/Deutschland-steuert-ploetzlich-auf-71-neue-Gaskraftwerke-zu-10635067.html
[6] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-10-21/germany-s-gas-power-ambitions-face-setback-with-complaint-to-eu

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Mit Apple Silicon: Entwickler betreiben externe Nvidia-Grafikkarte am Macbook

Von Oliver Nickel — 21. Oktober 2025 um 17:40
Die Experten von Tiny Corp schreiben einen Treiber, mit dem sich diverse Grafikkarten als KI -Beschleuniger an neuen Macbooks nutzen lassen.
Das Macbook Pro mit M4-Chip könnte auch mit einer eGPU funktionieren. (Bild: Oliver Nickel/Golem.de)
Das Macbook Pro mit M4-Chip könnte auch mit einer eGPU funktionieren. Oliver Nickel/Golem.de

Das KI-Start-up Tiny Corp arbeitet offenbar an einer externen Grafikkarte, die auch mit aktuellen Apple-Silicon-Macs funktionieren soll. In einem Post auf X zeigt das Unternehmen bereits erste Fortschritte.

Das Team kann offenbar beliebige Nvidia-Grafikkarten der Serien RTX 3000, 4000 und 5000 über einen USB-4-Anschluss am Macbook zum Laufen bringen. Mit einer solchen GPU sollen etwa KI-Modelle berechnet werden können.

Um dies zu erreichen, wurde ein spezieller Treiber entwickelt. Apple hat diesen bisher noch nicht signiert, weshalb für das Projekt der Systemintegritätsschutz SIP abgeschaltet werden muss. Erst dann funktioniert das System, welches auf der hauseigenen Tinygrad-Laufzeitumgebung aufsetzt, korrekt. Nach Angaben der Entwickler ist es auch möglich, AMD-Grafikkarten mit RDNA 2, 3 und 4 zu verwenden.

Kein Display-Output

Einen Displayausgang kann die Software allerdings nicht ansteuern. Es ist also nicht möglich, Displayport oder HDMI der Grafikkarte zu nutzen und darüber etwa passende Games laufen zu lassen. Vielmehr sollen externe Grafikkarten als KI-Geschleuniger dienen.

Etwas Ähnliches verkauft Tiny Corp bereits: ein Mini-Rack mit vier Geforce-RTX-5090-Grafikkarten für KI-Aufgaben.

Apple Silicon hat mit den M4- und M5-Modellen bereits sehr schnelle integrierte Grafikeinheiten verbaut. Ein M4 Pro oder M4 Max ist mit den meisten aktuellen RTX-5000-Grafikkarten vergleichbar und kann auf etwa 128 GByte Videospeicher zugreifen. Trotzdem wird die Leistung einer externen Highend-Grafikkarte wie der Geforce RTX 5080 oder 5090 mit den aktuellen Apple-Chips noch nicht erreicht.

Das könnte sich mit einem möglichen M5 Pro und Max im Jahr 2026 ändern. Schon die GPU des Standard-M5 verspricht in Sachen KI-Leistung durch dedizierte KI-Cores viele Verbesserungen.

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Breko: 6-GHz-Band nicht für weiträumigen Mobilfunk geeignet

Von Achim Sawall — 21. Oktober 2025 um 18:35
Dass WLAN im unteren 6-GHz-Band in Deutschland nicht sein volles Potenzial ausschöpft, liegt laut Breko an der verzögerten Markteinführung kompatibler Router .
Die Mobilfunkkonzerne wollen mehr Frequenzen. (Bild: Vodafone)
Die Mobilfunkkonzerne wollen mehr Frequenzen. Vodafone

Der Netzbetreiberverband Breko hat Aussagen von Vodafone zur Bedeutung des oberen 6-GHz-Bands für den Mobilfunkausbau widersprochen.

"Das 6-GHz-Band weist die für hohe Frequenzen typische geringe Reichweite und schwache Gebäudedurchdringung auf. Für die typische Indoor-Nutzung ist WLAN mit niedrigerer Sendeleistung und dichter Access-Point-Struktur energetisch überlegen" , sagte ein Breko-Sprecher Golem.

Mit im Gebäude verteilen Wi-Fi Access Points liege die Last auf vielen kleinen Zellen mit lokaler Kontrolle. Mobilfunk versuche hingegen, von außen durch Mauern zu funken – mit hohem Leistungsverlust. "Deshalb ist das Band für WLAN-Zellen in Innenräumen prädestiniert, nicht für die weiträumige Mobilfunkversorgung" , erklärte der Sprecher.

Vodafone erreichte in Hannover bei einem Test im oberen 6-GHz-Band (6.425 bis 7.125 GHz) eine Downlink-Datenrate von 2,5 GBit/s. Dabei kamen auch alle C-Band-Frequenzen des Netzbetreibers zum Einsatz.

Mit einem 200-MHz-Kanal im 6-GHz-Band könne der Mobilfunk bei gleicher Leistung die doppelte Bandbreite erreichen wie bei einem 100-MHz-Kanal, erklärte das Unternehmen. Dagegen wandte der Breko ein, dass die Energieeffizienz pro versorgter Fläche oder Nutzer bewertet werden müsse, "nicht pro Funkkanal in laborähnlicher Umgebung" .

6 GHz: verzögerte Markteinführung kompatibler Router durch Netzbetreiber

Auch die Aussage von Vodafone, Mobilfunktests im 6-GHz-Band erreichten in öffentlichen Innenräumen Upload-Geschwindigkeiten von 50 bis 180 MBit/s, wies der Breko zurück.

"Aufgrund der geringen Sendeleistung der Endgeräte bleiben die Upload-Geschwindigkeiten bei Nutzung des 6-GHz-Bandes durch den Mobilfunk stark eingeschränkt. Im WLAN ermöglichen diese Frequenzen aufgrund der geringen Signaldämpfung zwischen Endgerät und Access Point viel höhere Upload-Geschwindigkeiten, was insbesondere für Unternehmen wichtig ist."

Dass die Nutzung des unteren 6-GHz-Bands in Deutschland bisher noch nicht ihr volles Potenzial ausschöpfe, liege nicht an mangelndem Bedarf, sondern an der verzögerten Markteinführung kompatibler Router und Endgeräte – maßgeblich durch die Mobilfunkkonzerne, die in Deutschland auch die dominanten Festnetzanbieter seien, hieß es weiter.

Sie hätten erst sehr spät begonnen, ihren Festnetzkunden Wi-Fi-6E-fähige Router bereitzustellen. Dadurch sei die Nutzung künstlich niedrig gehalten worden; dies sei kein Argument gegen eine unlizenzierte Nutzung des oberen 6-GHz-Bands.

"Mit steigendem Datenaufkommen und dem laufenden Umstieg auf Wi-Fi 7 wächst der Bedarf an breiten, störungsarmen 320-MHz-Kanälen rapide" , sagte der Sprecher. Nur wenn das gesamte 6-GHz-Band lizenzfrei bleibe, könnten Verbraucher das gesamte Potenzial dieser Technologien nutzen. In Unternehmensnetzwerken sei die Nutzung des 6-GHz-Bands bereits weit fortgeschritten.

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Roboter statt Menschen: Amazon könnte 600.000 Stellen mit Robotern besetzen

Von Mike Faust — 21. Oktober 2025 um 18:05
Amazon arbeitet laut Berichten an der Automatisierung von bis zu 75 Prozent der Betriebsabläufe und könnte damit massiv Personal einsparen.
Amazon hat bereits über eine Million Roboter im Einsatz. (Bild: JOSEPH PREZIOSO/AFP via Getty Images)
Amazon hat bereits über eine Million Roboter im Einsatz. JOSEPH PREZIOSO/AFP via Getty Images

Berichten zufolge plant Amazon, in den USA mehr als 600.000 Arbeitsplätze mit Robotern zu besetzen. Wie die New York Times (Paywall) unter Berufung auf Gespräche und interne Dokumente berichtet, ist dies die Anzahl an Mitarbeitern, die das Unternehmen andernfalls bis zum Jahr 2033 einstellen müsste.

Weiter heißt es, dass das Robotik-Team von Amazon derzeit daran arbeite, 75 Prozent der gesamten Betriebsabläufe zu automatisieren. Damit soll die Neueinstellung von 160.000 Angestellten vermieden werden, die sonst bis zum Jahr 2027 benötigt würden.

Dem Bericht zufolge könnte Amazon damit in den Jahren von 2025 bis 2027 12,6 Milliarden US-Dollar einsparen. Um das Image des Unternehmens aufzubessern und sich auf die zu erwartenden negativen Reaktionen wegen eines möglichen Stellenabbaus vorzubereiten, soll der Konzern zudem erwägen, sich an gemeinnützigen Projekten zu beteiligen sowie auf Begriffe wie Automatisierung und KI zu verzichten.

Amazon dementiert

Stattdessen wolle man auf vagere Begriffe wie fortschrittliche Technologie zurückgreifen und für Roboter, die mit Menschen zusammenarbeiten, die Bezeichnung Cobot verwenden.

In einer Stellungnahme erklärte Amazon gegenüber der New York Times, dass die durchgesickerten Dokumente unvollständig seien und nicht die gesamte Einstellungsstrategie des Konzerns widerspiegelten. Auch sei es nicht richtig, dass Führungskräfte angewiesen worden seien, bestimmte Begriffe im Zusammenhang mit Robotik zu vermeiden.

Im Juli 2025 berichtete Golem, dass Amazon bereits über eine Million Roboter im Einsatz hat . Diesen standen zu diesem Zeitpunkt etwa 1,56 Millionen menschliche Arbeitskräfte gegenüber. Zugleich gab der Konzern bekannt, dass er weltweit mehr als 700.000 Beschäftigte für besser bezahlte Tätigkeiten ausbilde, darunter auch die Steuerung und Beaufsichtigung von Robotern.

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Störungsmeldung vom 21.10.2025 15:00

Von heise online — 21. Oktober 2025 um 15:00

Neue Störungsmeldung für Provider T-Online

Details

Beginn
21.10.2025 15:00
Region
Karlsruhe (0721)
Provider
T-Online
Zugangsart
VDSL

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Flach und flott: Das neue iPad Pro M5 im Test

Von Heise — 21. Oktober 2025 um 15:05
iPad Pro M5

iPad Pro M5: Neuer Chip, mehr Power?

(Bild: heise medien)

Apple hat das iPad Pro nach 17 Monaten renoviert und ihm mit als Erstes den neuen Apple-Chip M5, mehr RAM und Wi-Fi 7 spendiert. Lohnt der höhere Preis?

Wieder einmal debütierte eine neue Chip-Generation im iPad: Der neue M5 erreicht allerdings gleichzeitig im MacBook Pro und in der Vision Pro die Regale. Außerdem bringen ab sofort die Versionen des iPad Pro mit 256 und 512 GByte Flash nun 12 statt 8 GByte Arbeitsspeicher mit, bei den Varianten mit 1 und 2 TByte bleiben es 16 GByte. Gleichzeitig hat Apple den Basispreis um 100 Euro gesenkt. Außerdem gibt es 11-Zoll-Ausführungen, die 350 Euro weniger kosten. Zum Test stand uns ein iPad Pro M5 13 Zoll mit 1 TByte und Mobilfunk zum Preis von 2429 Euro zur Verfügung.

Weder Gewicht noch Größe des neuen iPad Pro haben sich gegenüber dem Vorgänger verändert. Das 13-Zoll-Modell ist mit 5,1 Millimeter erstaunlich dünn und wiegt weniger als 600 Gramm. Der Rahmen um das Display ist auf allen Seiten gleich breit, die Ecken sind abgerundet. Weiterhin stehen die Farben Silber und Space Black zur Wahl.

Äußerlich unterscheidet sich das iPad Pro 13 Zoll mit M5-Chip nicht von dem mit M4.,

Äußerlich unterscheidet sich das iPad Pro 13 Zoll mit M5-Chip nicht von dem mit M4.

(Bild: heise medien)

Tandem OLED

Das iPad Pro kommt wieder mit einem Tandem-OLED. Dabei liegen zwei Display-Stacks übereinander. Dadurch verbessert sich die Leuchtkraft deutlich und es benötigt bei geringer Helligkeit weniger Energie. Tandem-OLEDs gelten als langlebiger und weniger anfällig für Einbrenneffekte. Wie andere OLEDs auch besitzt das Display selbstleuchtende Pixel, die keine Hintergrundbeleuchtung brauchen und sich einzeln abschalten lassen. Das sorgt für tiefes Schwarz und hohe Kontraste.


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iPhone 17 Pro wird angeblich Pink: "Cosmic Orange" nicht haltbar genug?

Von Heise — 21. Oktober 2025 um 11:44
iPhone 17 Pro in

iPhone 17 Pro in "Cosmic Orange": Geht's auch ein bisschen in Pink?

(Bild: Apple)

Einzelnen Berichten zufolge kann das iPhone 17 Pro und das 17 Pro Max nachdunkeln. Woran das liegt, ist noch unklar.

Ist es noch Orange oder doch schon Pink? Nutzer auf Reddit [1] behaupten, dass ihr frisch gekauftes iPhone 17 Pro und/oder 17 Pro Max in Apples Farbton "Cosmic Orange" zu einer Art "Rosegold" nachgedunkelt sei. Entsprechende Bilder machen bereits seit einigen Tagen die Runde; einer der Ersteller betont, es handele sich nicht um ein Photoshop-Fake. "Ich kann mir keine traurigere Existenz vorstellen, als iPhone-Bilder zu photoshoppen."

Oxidation oder Alkoholproblem?

Die Verfärbung betrifft die meisten Metallbereiche des Geräts, das Apple nun nicht mehr aus einer Titan-Alu-Legierung fertigt, sondern vollständig aus Aluminium. Bereiche wie die kratzempfindlichen Kanten der "Kameraplattform" [2] scheinen weniger stark nachzudunkeln, wobei sich hier auch die Antennenbereiche aus Kunststoff befinden. Die Glasabdeckung mit der MagSafe-Ladeeinheit verfärbt sich naturgemäß nicht, was eine interessante Farbmischung ergibt.

Was genau die Verfärbung auslöst und wie häufig sie auftritt, bleibt unklar – es gibt aber nur sehr wenige Berichte. Es gibt Spekulationen, dass es sich um ein Oxidationsproblem handelt, doch dies dürfte derart schnell allerdings nicht auftreten. Weiterhin ist denkbar, dass die Farbe mit Reinigungsmitteln auf Alkoholbasis – etwa Isopropylalkohol – reagiert. Aber auch das sollte nicht passieren, zumal Apple dies zur Desinfektion ausdrücklich erlaubt [3].

Erstmal etwas neutrales Licht

In einem am Montag aktualisierten Supportdokument heißt es nur, der Ceramic-Shield-Bereich oder das Segment aus Texturglas, also der MagSafe-Bereich, könnten "Zeichen von Materialtransfer" aufweisen, etwa von Jeans oder "Gegenständen in der Tasche". Dies lasse sich aber "in den meisten Fällen" wieder entfernen. Auch warnt Apple davor, dass Reinigungsmittel die Beschichtung, die gegen Fingerabdrücke helfen soll, beeinträchtigen können. Zu Verfärbungen des Gehäuses selbst macht der Konzern jedoch keinerlei Angaben.

Übrigens kann auch das Licht dafür sorgen, dass das iPhone in "Cosmic Orange" mehr Pink als Orange aussieht. Das Blog Wccftech [4] empfiehlt deshalb, die Verfärbung zunächst "unter neutralem Licht zu verifizieren". Betroffene Kunden können sich dann an Apples Support wenden [5] und das Gerät austauschen lassen.

Update

Auf X kursieren auch Aufnahmen [6], bei denen nur Teilbereiche des iPhone-17-Pro-Gehäuses nachgedunkelt sind.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.reddit.com/r/iphone/comments/1o6h9pd/update_on_orange_iphone_17_pro_max_that_turned/
[2] https://www.heise.de/news/iPhone-17-Pro-Kritik-an-scharfen-Kanten-und-mangelnder-Kratzfestigkeit-10663888.html
[3] https://support.apple.com/en-us/108765
[4] https://wccftech.com/iphone-17-pro-max-color-fading-oxidation-rose-gold/
[5] https://support.apple.com/
[6] https://x.com/TheGalox_/status/1978489861511250242
[7] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[8] https://www.heise.de/mac-and-i
[9] mailto:bsc@heise.de

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MLS: Apple TV-Abonnenten bekommen Gratis-Fußball

Von Heise — 21. Oktober 2025 um 10:58
Ex-Bayern-Profi Thomas Müller spielt in der MLS

Ex-Bayern-Profi Thomas Müller spielt in der MLS bei den Vancouver Whitecaps.

(Bild: Apple)

Partien aus dem Major League Soccer gab es bislang gegen Extragebühr. Nun soll es auch einige Gratisspiele geben.

Apple versucht, neue Abonnenten für sein amerikanisches Fußballangebot zu gewinnen. Einem Bericht des Sportfachblatts Sportsbusinessjournal.com [1] zufolge sollen daher Playoff-Partien der Major League Soccer (MLS), deren Betrachtung Apple eigentlich als kostenpflichtiges Add-on verkauft, für reguläre Apple-TV-Abonnenten (vormals: Apple TV+ [2]) gratis angeboten werden. Es handelt sich offenbar um insgesamt zehn Spiele – jeweils fünf aus der Eastern Conference und der Western Conference der Liga. Neben US-Teams sind auch Mannschaften aus Kanada dabei.

18 Teams spielen um den MLS Cup 2025

Interessant an der MLS ist für europäische Fußballfans vor allem, dass bekannte Größen aus hiesigen Ligen sowie internationalen Nationalmannschaften hier ihre letzten Jahre bis zum Karriereende spielen. So kam etwa Ex-Bayern-Spieler Thomas Müller zur MLS (jetzt Vancouver Whitecaps), ebenso wie (bis 2012) David Beckham (LA Galaxy) oder Lionel Messi (Inter Miami). Die MLS-Playoffs beginnen ab dem 22. Oktober, also dem morgigen Mittwoch.

Die von Audi gesponserte Serie ist der Nachsaison-Wettstreit, der im Herbst und Winter (üblicherweise bis Dezember) ausgetragen wird. Im vergangenen Jahr war LA Galaxy der Gewinner, 2025 nehmen 18 Teams aus der Liga teil. Höhepunkt ist der MLS Cup 2025 am 6. Dezember.

MLS Season Pass sonst kostenpflichtig

In Apples TV-App sind bereits Spielvorschauen zu finden, die direkt angesehen werden können. Die Liga hofft, mit den kostenlosen Playoffs mehr Nutzer zu gewinnen. Der reguläre "Season Pass" ist derzeit für einmalig 49 Euro zu haben, regulär kostet die Saison das Doppelte. Wer ein Apple-TV-Abo hat, zahlt 39 Euro. Der Monatspreis liegt bei 14,99 Euro oder 12,99 Euro (mit Apple-TV-Abo). Tagespässe sind derzeit nicht verfügbar. Der MLS Season Pass umfasst jede einzelne Partie, also deutlich mehr Spiele als die Playoffs.

Apple versucht weiterhin, im Sportbereich mehr Nutzer zu finden. Zuletzt hatte der iPhone-Konzern mitgeteilt, dass er die Formel-1-Rechte für die Vereinigten Staaten [3] erworben hat. Dabei handelt es sich um ein Exklusivangebot – es dürfte, wie schon bei MLS, teilweise kostenpflichtig auch für Apple-TV-Abonnenten werden, zumindest wenn man zusätzliche Features wie Multiview wünscht. Neben den Grand Prix streamt Apple aber das freie Training, Qualifying sowie die Sprintrennen als Bestandteil des bestehenden Apple-TV-Abonnements.


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https://www.heise.de/-10785483

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.sportsbusinessjournal.com/Articles/2025/10/19/mls-making-playoff-matches-available-to-all-apple-tv-subscribers/
[2] https://www.heise.de/news/Apples-Dienstechef-Deshalb-wurde-TV-entplusst-10771081.html
[3] https://www.heise.de/news/Formel-1-Apple-schnappt-sich-die-Exklusivrechte-fuer-die-USA-10778082.html
[4] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[5] https://www.heise.de/mac-and-i
[6] mailto:bsc@heise.de

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BentoPDF 1.0: Neues Open-Source-PDF-Werkzeug fürs Self-Hosting

Von Heise — 21. Oktober 2025 um 14:49
Abzeichen mit Schriftzug Open Source, lila Hintergrund

(Bild: heise medien)

Das neue Open-Source-Tool BentoPDF erscheint in Version 1.0 mit umfangreichen PDF-Funktionen, Docker-Integration und Fokus auf lokale Datenverarbeitung.

Mit BentoPDF 1.0.0 steht ab sofort ein neues Open-Source-Werkzeug für die PDF-Verarbeitung bereit. Besonderen Wert legen die Entwickler auf eine lokale Datenverarbeitung ohne Cloud-Anbindung. Das erste Major Release bringt zahlreiche Funktionen für professionelle Workflows mit.

Zu den wichtigsten Updates gehört die Posterize-Funktion, die große PDFs in mehrere kleinere Dokumente für Posterdrucke aufteilt. Die Linearize-Funktion optimiert PDFs für schnelles Web-Viewing durch progressive Ladeoptimierung. Hinzu kommen Bulk-Operationen: Mehrere PDFs lassen sich gleichzeitig komprimieren oder in einzelne Seiten zerlegen.

Das Tool entfernt automatisch leere Seiten aus Dokumenten und bietet einen Interleave-Merge-Modus, bei dem mehrere PDFs verzahnt zusammengeführt werden – praktisch etwa beim Scannen von Vorder- und Rückseiten. Zudem können Dateien als Anhänge direkt in PDFs eingebettet werden.

Verbesserte OCR und Performance-Optimierungen

Zudem haben die Entwickler seit der Betaphase die OCR-Funktionen grundlegend überarbeitet. Hier sind Whitelist-Zeichensätze für präzisere Texterkennung neu hinzugekommen. Die Performance bei Split-, Merge- und Komprimierungsvorgängen hat das Projekt optimiert und den Speicherverbrauch bei Bulk-Operationen reduziert.

Für die Bereitstellung stehen verschiedene Docker-Konfigurationen bereit, die sich sowohl für Entwicklungsumgebungen als auch für Produktivbetrieb eignen. Die überarbeitete Docker-Compose-Konfiguration soll die Einrichtung von BentoPDF erleichtern. Nutzer von Unraid finden ein vorgefertigtes Template für die Integration in ihre Infrastruktur.

Das Projekt steht auf GitHub [1] zur Verfügung, wo interessierte Nutzer ebenfalls eine vollständige Liste der unterstützten Features finden. Die vollständigen technischen Details und Installationsanleitungen finden sich in der Projektdokumentation.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10793109

Links in diesem Artikel:
[1] https://github.com/alam00000/bentopdf
[2] https://www.heise.de/ix
[3] mailto:fo@heise.de

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Browser-Engine Servo veröffentlicht erstes offizielle Release 0.0.1

Von Heise — 21. Oktober 2025 um 11:21
blaue Weltkugel vor gelbem Hintergrund

(Bild: heise medien)

Mit dem ersten offiziellen Release gibt es Servo erstmals für ARM-Macs. Trotz des Meilensteins ist die Browser-Engine noch nicht bereit für Endanwender.

Das Servo-Projekt hat mit Version 0.0.1 erstmals ein offiziell getaggtes Release der Rust-basierten Browser-Engine veröffentlicht. Allerdings betont das Entwicklerteam, dass es sich dabei im Wesentlichen um einen Nightly-Build vom 19. Oktober 2025 handelt, der zusätzlichen manuellen Tests unterzogen wurde.

Die Rust-Engine

Servo ist eine quelloffene Web-Rendering-Engine, die ursprünglich von Mozilla initiiert wurde und heute unter dem Dach der Linux Foundation Europe weiterentwickelt wird. Die Engine setzt konsequent auf die Programmiersprache Rust und zielt darauf ab, Web-Technologien in verschiedene Anwendungen einbettbar zu machen. Seit dem überraschenden Comeback 2023 [1] arbeitet das Projekt kontinuierlich an der Verbesserung der Kompatibilität mit aktuellen Web-Anwendungen.

Die aktuelle Version 0.0.1 bringt keine grundlegend neuen Funktionen im Vergleich zu den bisherigen Nightly-Builds. Der Hauptunterschied liegt im Release-Prozess selbst: Das Team führt ab sofort zusätzliche manuelle Tests durch, bevor eine Version offiziell getaggt wird. Künftig soll monatlich ein so getesteter Release erscheinen, um Nutzern einen zuverlässigeren Referenzpunkt als die täglichen Nightly-Builds zu bieten.

Eine technische Neuerung gibt es dennoch: Erstmals stellt das Projekt vorkompilierte Binaries für ARM-basierte Macs bereit. Damit erweitert Servo seine Plattformunterstützung, die neben den Desktop-Systemen macOS (x86-64 und ARM), Linux und Windows auch die mobilen Plattformen Android und OpenHarmony umfasst. Die Downloads umfassen servoshell, einen einfachen Demo-Browser, der die Rendering-Fähigkeiten der Engine demonstriert.

Kein klassischer Software-Release

Das Servo-Team verfolgt mit seinen Releases einen unkonventionellen Ansatz. Es gibt derzeit keine Pläne, die Versionen zum Beispiel auf Crates.io oder in plattformspezifischen App-Stores zu veröffentlichen. Stattdessen beschränkt sich die Distribution auf getaggte Releases auf GitHub. Damit wollen die Entwickler den noch experimentellen Charakter des Projekts deutlich machen, das sich aktuell primär an Entwickler richtet, die Web-Rendering in eigene Anwendungen integrieren möchten. Dafür bietet Servo eine dedizierte WebView API, die sich aktuell noch im Aufbau befindet. Für Endanwender ist Servo noch nicht gedacht.

Dennoch hat Servo in den vergangenen Monaten deutliche Fortschritte bei der Web-Kompatibilität gemacht. Seit Mai kann die Engine zum Beispiel komplexe Webanwendungen wie Gmail darstellen [2]. Die Unterstützung für moderne Web-Standards wie CSS-Nesting, Shadow DOM und verschiedene Web-APIs haben die Entwickler kontinuierlich ausgebaut. Allerdings befinden sich viele dieser Funktionen noch im experimentellen Stadium und müssen über spezielle Optionen aktiviert werden.

Monatlicher Release-Rhythmus geplant

Für die Zukunft plant das Servo-Team, im monatlichen Rhythmus neue getaggte Versionen zu veröffentlichen. Der Prozess soll dabei relativ simpel bleiben: Ein aktueller Nightly-Build wird ausgewählt, manuell getestet und bei erfolgreicher Validierung als offizieller Release markiert. Die Servo-Website bietet einen Troubleshooting-Guide [3] für häufige Probleme.

Alle Informationen zum Release 0.0.1 finden sich im Blog [4]. Die Binaries stehen ab sofort auf GitHub zum Download [5] bereit.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10789486

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Browser-Engine-Open-Source-Projekt-Servo-kuendigt-ueberraschendes-Comeback-an-7463909.html
[2] https://www.heise.de/news/Unabhaengig-von-Google-Freie-Browser-Engine-Servo-rendert-Gmail-und-Google-Chat-10380071.html
[3] https://servo.org/download/
[4] https://servo.org/blog/2025/10/20/servo-0.0.1-release/
[5] https://github.com/servo/servo/releases/tag/v0.0.1
[6] https://www.heise.de/ix
[7] mailto:fo@heise.de

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Software Testing: Praxisnahes Softwaretesten mit Java

Von Heise — 21. Oktober 2025 um 10:26
Software Testing: Praxisnahes Softwaretesten mit Java

(Bild: Richard Seidl)

In dieser Episode des Podcasts sprechen Richard Seidl und Pascal Moll über den Einstieg ins Softwaretesten in der Java-Welt.

In seinem Podcast spricht Richard Seidl in dieser Folge mit dem freiberuflichen Berater Pascal Moll, seit 2024 zudem Dozent an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) für die Vorlesung "Software Testing", über die Grundlagen von Softwaretests und Testautomatisierung in Java. Anlass ist Pascal Molls Buch "Software Testing Kompakt", das Einsteigern praxisnahen Zugang zu Testarten, Automatisierung und Tools wie JUnit, Wiremock und Selenium bietet. Wie er im Podcast mitteilt, wurde er in seinen Vorlesungen und Vorträgen bereits häufig gefragt, wie man denn anfangen würde, wenn man ins Testing einsteigen will.

Die beiden sprechen darüber, wie wichtig Basiswissen für Entwicklerinnen und Entwickler sowie Tester ist, welchen Stellenwert Testdaten und Nachhaltigkeit haben und worauf man bei Java-spezifischen Eigenheiten achten sollte.

Bei diesem Podcast dreht sich alles um Softwarequalität: Ob Testautomatisierung, Qualität in agilen Projekten, Testdaten oder Testteams – Richard Seidl und seine Gäste schauen sich Dinge an, die mehr Qualität in die Softwareentwicklung bringen.

Die aktuelle Ausgabe ist auch auf Richard Seidls Blog verfügbar: "Praxisnahes Softwaretesten mit Java – Pascal Moll [2]" und steht auf YouTube bereit [3].


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[1] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[2] https://www.richard-seidl.com/de/blog/softwaretesting-kompakt
[3] https://youtu.be/-4Sc_sfWq1s
[4] mailto:mai@heise.de

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"Frankenstein": Schluss mit der Achtsamkeit – Kein Mitleid für die Monster!

Von Rüdiger Suchsland — 21. Oktober 2025 um 13:00
Stillbild aus dem Film: das Mosnter knieend auf dem Tisch, herumstehende Wissenschaftler

Copyright Netflix

Guillermo del Toro entzaubert den Mythos: eine extravagante Generalüberholung – kein Kuschelkurs mit Kreaturen, sondern Größe und Fall des Forschers.

"Der Schlaf der Vernunft gebiert Monster", heißt es nach Goyas berühmter Zeichnung ganz zu Anfang in der Titelsequenz, bevor das allererste Bild dieses Films erscheint. Im ewigen Eis des Nordmeers beginnt dann dieser Film – wie in der Romanvorlage von Mary Shelley.

Regisseur Guillermo del Toro lässt sich Zeit für die Exposition; er lässt die Zuschauer mit viel Freude am Detail teilhaben an der Mühsal einer Schiffsreise durch das Polarmeer, den Mühen der Mannschaft, die ein festgefrorenes Schiff wieder freischaufeln und -hacken muss. Nur die Filmmusik lässt schon schlimmere Gefahren ahnen ...

Weder Mensch noch Biest

Dann beschleunigen sich die Ereignisse, es gibt eine nächtliche Explosion, die den Kapitän und einen Trupp seiner Männer hinaus aufs Eis lockt. Dort treffen sie auf die Titelfigur des Films, Victor Frankenstein (Oscar Issac), und wenig später auf jenes monströse Wesen, das er erschaffen hat.

Das "Geschöpf", wie die namenlose Kreatur im Roman heißt, ist weder Mensch noch Biest und hat seinen Schöpfer aus der Zivilisation bis ans Ende der Welt gejagt.

Mehr als ein Dutzend Mal wurde "Frankenstein" seit der ersten Adaption aus dem Jahr 1910 fürs Kino verfilmt, und so – besonderes durch James Whales Version aus dem Jahr 1931, verkörpert von Boris Karloff –, zu einer der ikonischen Figuren des Kinos. Warum es sich trotzdem lohnt, diese Geschichte wieder zu erzählen, beweist der Mexikaner Del Toro ("Pans Labyrinth") schon in den ersten Minuten seiner großartigen Neuinterpretation.

"Frankenstein" ist ein Herzensprojekt des Regisseurs seit mindestens 20 Jahren. Wenn man diesen Film jetzt kennt, kann man feststellen, dass die Spuren dieses Stoffes eigentlich bereits in fast jedem früheren Del-Toro-Film zu finden sind.

Frankenstein wird "Frankenfreud"

Del Toros Version erinnert vor allem daran, dass der Romantitel, mit dem man reflexartig Monströses assoziiert, ja keineswegs den gruseligen künstlichen Menschen bezeichnet, sondern den menschlichen Wissenschaftler, der dieses Wesen erschafft.

Copyright Netflix

In diesem Sinn wurde die Metapher "Frankenstein" vom Kino-Publikum oft missverstanden. Victor Frankenstein ist selber bei weitem kein Monster, sondern eine zerrissene, traumatisierte Figur.

Das Kind in ihm lebt immer noch: Einerseits in den hybriden Träumen des Wissenschaftlers, der seine Zunft und die Naturgesetze selbst herauszufordern sucht, andererseits im fortdauernden Leiden um den zu frühen Tod der innig geliebten Mutter – Del Toros "Frankenstein" ist auch ein psychisch gequälter Charakter und damit ein Fall für den Psychoanalytiker, ein "Frankenfreud".

Den Tod besiegen ...

Die Idee eines künstlichen Menschen, die Vorstellung, den Tod zu besiegen, aus unbelebtem Material etwas Lebendiges zu erschaffen, faszinierte die Menschen schon lange vor dem Verfassen des Romans im frühen 19. Jahrhundert durch Mary Shelley – dessen Entstehungsgeschichte im Sommer 1816 am Genfer See Ken Russells ganz großartiger "Gothic" 1985 einprägsam schilderte.

Die britische Romantikerin Shelley war in ihrem Buch gerade nicht an modischem, postmodern-"achtsamem" Verständnis oder gar am heute so zeitgeistgerechten "Mitleid mit dem Monster" interessiert, sondern an der modernen Wissenschaft und ihren zwei Seiten.

An der Spannung dieser modernen Wissenschaft – und "modern" heißt in diesem Fall kurz nach 1800 – zwischen Fortschritt, Fortschrittsglauben und der ständigen Bestätigung dieses Fortschrittsglaubens durch die realen objektiven Geschehnisse einerseits, und der Hybris der Selbstüberhöhung, der Übertreibung der Wissenschaft.

Dem Leben dienen ...

Shelley machte aus der Figur des künstlichen Menschen, die zuvor in Form von Homunculi, Golems und Automatenmenschen durch Sagenwelt und Literaturgeschichte geisterte, eine Metapher für die Wissenschaft ihrer Zeit und deren Dialektik.

Copyright Netflix

Für beides steht dieser Viktor Frankenstein: ein genialer Arzt, der vor allem im Leben dienen möchte, aber indem er den Tod besiegt. Dieser Mensch steht im Zentrum des Films: Del Toros Frankenstein ist selber traumatisiert.

Er baut an diesem künstlichen Wesen letztendlich wahrscheinlich vor allem deshalb, weil er unter dem als Kind hautnah erlebten frühen Tod seiner Mutter so sehr gelitten hat, dass er Ähnliches ein für alle Mal verhindern will.

Als er dann begreift, dass er seine Schöpfung dem Ziel zuwiderläuft, und er dieses Wesen bald nicht mehr kontrollieren kann, und auch die übrigen Schattenseiten dieser Schöpfung erkennt, will er sie zerstören. Nur ist es dafür vielleicht schon zu spät.

Liebe zum Monster

Del Toro hat die Vorlage an einigen Stellen behutsam und geradezu zärtlich, voller Skrupel verändert, ebenfalls ohne sie zwanghaft und zeitgeisthörig zu "aktualisieren". Es geht ihm nicht um oberflächlich naheliegende Diskurse zur KI oder über Biotechnologie; dafür ist del Toro selbst zu romantisch veranlagt.

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Trotz del Toros wohlbekannter Liebe zu Monstern handelt es hier auch nicht um die klassische Konfrontation zwischen Schöpfer und Geschöpf; del Toro interessiert vielmehr der Schöpfungsprozess an sich und der Akt der Überschreitung, den er mit einem Liebeswalzer unterlegt.

Teufelspakt mit deutschem Kriegsgewinnler

Oscar Isaac spielt den genialen Doktor. Der Film macht deutlich, dass Frankenstein ein wissenschaftlicher Außenseiter ist. Keiner glaubt an seine Forschungen, manche Kollegen spotten über sie, andere, wenn sich angeekelt abwenden, finden es "pervers" oder "obszön", dass Victor danach strebt, tote Körper mittels Elektrizität neu zu beleben.

Weil dieser Außenseiter Geld braucht, um seine Forschungsarbeit zu finanzieren, schließt er gewissermaßen einen Teufelspakt: einen Pakt der Wissenschaft mit der weltlichen Instrumentalisierung der Forschung, in diesem Fall durch die Kriegswirtschaft. Christoph Waltz verkörpert diese dunkle Seite des "modernen Prometheus", einen deutschen Munitionsfabrikanten, der seine ganz eigenen Interessen verfolgt.

Diese Figur kommt im Roman nicht vor; dass er zum Finanzier der wissenschaftlichen Forschung eines verkannten Genies wird, hat ebenfalls persönliche Gründe – das stellt sich allerdings erst später im Lauf der Handlung heraus: Er ist todkrank und will sich selbst das ewige Leben sichern.

Romantik und Realismus

Jacob Elordi als "Kreatur" ist dagegen zu schön, zu mild und auch zu nett, um auf Augenhöhe mit der Hauptfigur zu agieren. Als harmloses Unschuldswesen gleicht dieses Geschöpf eher einem "edlen Wilden" à la Jean-Jacques Rousseau, als dass er uns ängstigen kann.

Elordi verfügt nicht über die Ambivalenz, die nötig wäre, um beide Seiten dieses Monsters auszuspielen, um die Monster-Figur wirklich zu einem angemessenen Antagonisten zu machen; er reicht an keiner Stelle an die ikonische Monster-Figur des berühmten Boris Karloff heran.

Mia Goth spielt eine Doppelrolle: Sie spielt Elizabeth, in diesem Fall die Verlobte von Frankensteins Bruder, die hier den Gefühlskern des Films verkörpert, bevor sie dann auch ein Opfer des Monsters wird.

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Die Schauspielerin tritt aber in einigen frühen Szenen des Films auch die Mutter Frankensteins auf, eine Entscheidung, die erkennen lässt, dass der Regisseur hier auch eine psychoanalytische Interpretation der Frankenstein-Figur vornimmt. Er setzt sehr stark auf die Lesart, dass Menschen ihre Liebespartner nach elterlichen Vorbildern orientiert wählen.

Im Roman ist Elizabeth dagegen die halbwüchsige Cousine von Victor Frankenstein, ein Kind, keine junge Frau.

Hier aber liebt Frankenstein sie insgeheim, weil er in ihr die einzige ihm intellektuell Ebenbürtige erkennt, eine utopisch und wagemutig denkende, kluge Frau, die ihn versteht. Und damit endlich einen Menschen, von dem er selbst auch geliebt werden möchte.

Auch Elisabeth liebt Frankenstein heimlich, zieht aber andere Konsequenzen aus dieser Tatsache. Sie ist nämlich keine Romantikerin, sondern realistisch und verkörpert damit das neue 19. Jahrhundert, das Jahrhundert der Industrialisierung und Explosion technischen Fortschritts.

Darum verabschiedet sie sich konsequent von der Möglichkeit, mit Victor Frankenstein eine Beziehung einzugehen. Sie sagt ihm einfach ins Gesicht: "Das Wesen des Menschen ist, dass er frei ist und wählen kann. Ich habe gewählt." Aus Pragmatismus.

Extravagant inszenierte Weinerlichkeit

Eine besondere Stärke des Films liegt in der Musik von Alexandre Desplat; nicht nur ihre Komposition, aber auch, wie sie eingesetzt wird. Etwa das Walzerstück, das man zum ersten Mal hört, als Frankenstein mit Elizabeth im Café sitzt und tanzt.

Man hört es dann wieder in der Phase an der Arbeit am künstlichen Menschen, der aus Leichenteilen zusammengebastelt und mittels elektrischer Stöße belebt wird. Hier hebt der Film ab und verwandelt sich mit seinen Maschinen, Funken und hochhausgroßen Apparaten für fünf lange Minuten in eine Steampunk-Vision des 19. Jahrhunderts. Wenn es so etwas geben sollte wie eine romantische Wissenschaft, dann wäre sie in diesem Victor Frankenstein verkörpert.

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Was dagegen immer schon ein vergleichsweise langweiliger, und unterkomplexer Aspekt des "Frankenstein"-Themas war, ist die auch hier wieder extravagant inszenierte Weinerlichkeit des Monsters, und das Leiden dieses Monsters darunter, was er Monster ist – das ist nicht nur ein "ausgeleiertes" Erzähl-Klischee, es ignoriert auch die Tatsache, dass wir im Publikum dieses Monster nur angenehm finden können, wenn wir entweder über alles Mögliche hinwegsehen, was es im Film tut.

Oder noch schlimmer: wenn man es identitätspolitisch begreift und mit der Begründung entschuldigt, dies sei nun mal eben alles seine Natur. Das, was zivilisierten europäischen Menschen nicht erlaubt ist, sei den Monstern sehr wohl gestattet. Solche Monsterbilder unterfordern die Intelligenz des Publikums.

Kommentar auf die "Tech-Bros"?

Man kann an diesem Film auch bemängeln, dass ihm gelegentlich die Konsequenz fehlt. Dass der Film manchmal zu wenig herausarbeitet, was er will. Dass er manchmal zu sehr Konzessionen an den Zeitgeist macht.

Nach den ersten drei wagemutigen Akten wird das letzte Drittel des Films, das nun, wie im Buch aus der Perspektive des Monsters erzählt wird, zu schnell und vor allem zu konventionell erzählt und vieles gewissermaßen "abgehakt".

Der Film verschenkt zudem einige seiner besten Einfälle. Etwa in den Szenen, in der die Christoph-Waltz-Figur darum bittet, mit dem Monster zu verschmelzen.

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Es wäre eine tolldreiste, wundervolle Idee gewesen, wenn diese vorher schon negativ besetzte Figur jetzt plötzlich Teile ihres Körpers und seines Bewusstseins mitnähme in die Verwandlung in das Monster, und als solches wieder auferstehen würde, wenn Frankensteins Geschöpf also ein deutscher Waffenfabrikant gewesen wäre – hätte sich Del Toro dazu entschlossen, dann wäre diese Monsterfigur auch insofern zeitgemäß und aktualisiert gewesen, weil man sie als Kommentar auf die "Tech-Bros" a la Elon Musk hätte verstehen können.

Der Traum gebiert Monster

Doch auch ohne ein solches Finale ist Guillermo del Toro eine moderne, stellenweise auch originelle Neuinterpretation der "Frankenstein"-Geschichte gelungen, die auf hohem Niveau unterhält.

Dies ist ein Film, der von wunderbarem Production-Design lebt, der großen Spaß dadurch macht, wie kreativ und liebevoll er mit dem 19. Jahrhundert umgeht.

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Guillermo del Toro ist mit "Frankenstein" auch ein zwingender Gegenentwurf zu dem affektierten Monsterkino gelungen, mit dem der Grieche Yorgos Lanthimos seit einigen Jahren die Arthouse-Szene spaltet.

Im Gegensatz zu dessen erfolgreichem "Poor Things", der fast zu gleichen Zeit spielt und auch einen Wissenschaftler zeigt, der Leichenteile zum Leben erweckt, nimmt del Toro die Monster ernst. Er liebt sie, nicht nur sich selbst.

Natürlich weiß Del Toro auch, dass das Goya-Zitat "El sueño de la razón produce monstruos", mit dem er den Film eröffnet, auf zweifache Weise übersetzt werden kann: Nicht nur der "Schlaf", sondern auch der "Traum" der Vernunft gebiert Monster. Hierin liegt die ganze Ambivalenz der Aufklärung, die dieser Regisseur nicht verraten, sondern romantisch erweitern will.

Hinweis: "Frankenstein" läuft ab Donnerstag, den 23. Oktober 2025, "in ausgewählten Kinos" und ab 7. November auf Netflix.


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Erdgas: Der Dinosaurier unter den Energieträgern

Von Christoph Jehle — 21. Oktober 2025 um 12:00
Eine Flamme auf einem Gasherd

(Bild: Stefan Balaz / Shutterstock.com)

Ursprünglich diente Gas zur Straßenbeleuchtung. Doch heute kämpft der fossile Brennstoff ums Überleben – und das hat Gründe.

Während Gas in vielen Ländern Asiens als Cooking Gas üblicherweise noch heute meist in Flaschen verkauft wird, war der Zweck für das Gas in Deutschland und den Nachbarländern ursprünglich die Beleuchtung sowohl des öffentlichen Raumes als auch privater Räume.

In der Folge wurde das per Leitung angelieferte Stadtgas dann auch zum Kochen und in Gasdurchlauferhitzern genutzt, konnte sich aber gegen die aufkommende Elektrizitätsversorgung nicht durchsetzen.

Gas wurde als gefährlich dargestellt, obwohl mehr Brände durch fehlerhafte Elektrizitätsinstallationen ausbrachen als durch Gas. Gefährlicher war das Stadt- oder Leuchtgas durch die tödlichen Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Es wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts erst von privaten Gesellschaften und später dann in städtischer Regie durch Kohlevergasung hergestellt.

Im Ruhrgebiet wurde auf der Basis des Kokereigases eine Ferngasversorgung aufgebaut. Dafür wurde im Jahr 1926 etwa die Ruhrgas gegründet, die sich zu einem bedeutenden Ferngasunternehmen entwickelte.

Nach der Integration in die E.ON Global Commodities wurden die Gasfernleitungen auf die OGE übertragen, die als Netzbetreiber fungiert und derzeit im Rahmen der europäischen Gasnetzkonsolidierung wieder im Fokus steht, weil sich ein staatlicher chinesischer Energiekonzern mit einem geringen Anteil über mehrere Zwischengesellschaften an dem Unternehmen beteiligen will.

Odorierung von Erdgas

Da Kohle immer einen gewissen Anteil Schwefel enthält, sodass bei der Kohlevergasung auch Schwefelwasserstoff entsteht, wodurch ein typischer Geruch nach faulen Eiern verbreitet wird, war ausgetretenes Stadtgas an seinem Geruch stets gut erkennbar.

Erdgas hingegen enthält keine Bestandteile, die mit der Nase zu spüren wären und daher erst nach Odorierung wahrnehmbar. Während in Ländern wie Frankreich das Gas auch in den Hochdruckleitungen odoriert wird, geschieht dies in Deutschland erst in den Netzteilen für die Versorgung der Tarifkunden in Gasdruckregel- und Messanlagen in Gasverteilnetzen durchgeführt. Der am häufigsten verwendete Odorierungsstoff für Erdgas ist Tetrahydrothiophen (THT), das nach faulen Eiern riecht und damit den Geruch des Stadtgases weiterführt.

Die industriellen Gaskunden, für welche die Odorierung beim Einsatz als Grundstoff in der Weiterverarbeitung oft hinderlich ist, bekamen das Gas ohne Geruch. Seit Teile des in Deutschland benötigten Gases über Frankreich und damit odoriert importiert wird, müssen die industriellen Gaskunden ihren Einkauf des-odorieren, was für steigende Kosten sorgt.

Gas hat den Wettstreit mit der Elektrizität verloren

Lediglich im Bereich der Gebäudeheizung konnte sich Gas gegen die Elektrizität durchsetzen. Gegen den Gasherd, der in professionellen Küchen gerne genutzt wird, weil die Temperaturregelung viel direkter erfolgen kann, haben sich die Elektroherde auf Dauer durchgesetzt, auch wenn die deutschen Herdplatten mit der Nachwärme viel Energie ungenutzt verschleuderten und die Wende erst mit den Induktionsplatten kam.

So wie die Gasherde energieeffizienter nutzbar waren, ging es auch den heute beinahe vergessenen Gaswärmepumpen, die sich in Deutschland trotz besserer energetischer Wirkungsgrade gegen Elektrowärmepumpen nicht durchsetzen konnten.

Warum die Erdgasversorgung keine Zukunft hat

Erdgas war für lange Jahre eine günstige Energieoption für Verbraucher, wo es im Wettbewerb mit Heizöl stand, jedoch keinen Lagertank und Platz im Keller benötigte. Gas kam sicher aus der Leitung. Diese Rolle verdankte sich verlässlichen Lieferbeziehungen mit Partnerländern wie Russland, Norwegen und den Niederlanden, die durch langfristige Verträge die Versorgung sicherstellten.

Doch diese Stabilität gehört inzwischen der Vergangenheit an. Die Niederlande haben ihre Gasfelder stillgelegt, weil über den ausgebeuteten Erdgasfeldern zu Bergschäden kam und an der Oberfläche zu Gebäudeschäden und inzwischen auch mit Erdbeben [1] gerechnet werden musste.

Die Pipeline-Gas-Lieferungen aus Russland blieben im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg aus, und der Markt wird heute von verflüssigtem Erdgas (LNG) dominiert, das per Schiff geliefert wird. Die Abhängigkeit von den LNG-Lieferungen bringt für die deutsche Gasversorgung erhebliche Herausforderungen mit sich, denn LNG ist anfällig für teils drastische Preisschwankungen, was die langfristige Planung für Energieversorger erschwert.

Die Umstellung auf kurzfristige und wenig regelmäßige LNG-Lieferungen sorgte für Schluckauf bei den Gasversorgern, und die CO2-Abgaben ab 2027 könnten ohne Beatmung durch den Steuerzahler ins Abseits führen. Deshalb will man sich die verbliebene Röhre Nordstream-Pipeline als Möglichkeit offenhalten und dafür die Zertifizierung weiter im Fokus halten. Wirtschaftsministerin Reiche hält eine Fortführung von Nord-Stream-2-Zertifizierung für denkbar, meldete NTV am 15. Oktober 2025 [2].

Ab 2027 wird der CO2-Preis in Deutschland nicht mehr staatlich festgelegt, sondern richtet sich nach Angebot und Nachfrage am europäischen Emissionshandelsmarkt (ETS 2 [3]). Der Preis für CO2-Zertifikate soll somit steigen, was zu höheren Kosten für fossile Brenn- und Kraftstoffe führen dürfte.

Ob sich die Preise der Zertifikate nur, wie bislang politisch gewünscht, nach oben entwickeln oder sich auch volatil am Markt bewegen können, lässt sich bislang eben sowenig mit Sicherheit vorhersagen, wie sich die Frage beantworten lässt, ob die Politik dem Druck nachgeben könnte und wieder Zertifikate zur Wirtschaftsförderung an ihre Klientel verschenken mag, die über Kredite als Sondervermögen auf die Zukunft verschoben werden könnten.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/erdgas-in-den-niederlanden-europas-groesstes-gasfeld-wird-geschlossen-a-764ef01c-93f9-4b90-9227-fefb44a15ba0
[2] https://www.n-tv.de/ticker/Reiche-haelt-Fortfuehrung-von-Nord-Stream-2-Zertifizierung-fuer-denkbar-article26098718.html
[3] https://www.cep.eu/de/eu-themen/details/das-eu-emissionshandelssystem-eu-ets-2.html

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