Der Gazastreifen gleicht einer Ruinenlandschaft – wie soll der Wiederaufbau aussehen?
(Bild: Gaza - Survival Journey/Shutterstock.com)
Der Gazastreifen liegt in Trümmern. Milliarden werden für den Wiederaufbau benötigt. Doch die Geberkonferenz blieb ergebnislos. Wie wird die Zukunft des Gebiets aussehen?
Zerstörung und Hoffnungslosigkeit: Nach Inkrafttreten der ersten Phase des 20-Punkte-Plans und einer fragilen Waffenruhe kehrten rund 300 000 Menschen in den Norden des zerbombten Küstenstreifens zurück [1]. Was sie dort vorfanden, gleicht einer Dystopie.
Die "psychischen Wracks" – so charakterisierte [2] der seit 2023 insgesamt 17 Mal vertriebene Hamad die Bewohner – können den Wiederaufbau kaum ohne fremde Hilfe stemmen.
Im Februar 2025 erklärte [3] die damalige deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (B90/Grüne), als transatlantisch-israelischen Konsens, dass "die Terroristen der Hamas in Gaza in Zukunft keine Rolle mehr spielen dürfen".
Während palästinensische Stimmen [4], die für Selbstbestimmung eintreten, insbesondere im deutschen Diskurs, eine marginale Rollen spielen, dominiert die Trumpsche "Geröll-Riviera" [5] die Debatte. Welche Szenarien sind für die Zukunft denkbar?
Die extreme religiöse Rechte Israels bezieht klare Kante: "Ihr habt keine Chance, es wird keinen palästinensischen Staat geben [6]", verkündete Finanzminister Smotrich als Reaktion auf die rhetorische Palästina-Anerkennung diverser Staaten.
Allein in Ost-Jerusalem und dem Westjordanland leben inzwischen 770.000 Siedler [7]. Mit einer bautechnischen Legalisierung [8] eines Sichelschnittes durch den ohnehin flickenteppichartig zugerichteten Siedlungsbereich der arabischen Bevölkerung verunmöglicht die Politik der Knesset nicht nur einen eigenen palästinensischen Staat, sondern legalisiert de facto jedwede tödliche Milizgewalt fanatisierter israelischer militanter.
Allein zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 6. Oktober 2025 wurden 999 Palästinenser durch Siedler- oder damit verbundene Armeegewalt getötet [9]. Im jahrzehntelangen Durchschnitt fordert die völkerrechtswidrige Besatzung alle 31 Tage ein Menschenleben.
Doch auch in Gaza gibt es wenig, auf das man Hoffnung setzen könnte: 95 Prozent aller Schulgebäude [10] komplett oder teilweise zerstört, 94 Prozent der Gesundheitseinrichtungen [11] sind arbeitsunfähig, zudem herrscht mit 102.000 komplett zerstörten [12] und 190.115 teilweise zerstörten Gebäuden ein eklatanter Mangel an Behausungen und Schutz vor dem nahenden Winter.
Neben der Unterzeichnung des Friedensvertrags in Ägypten luden die verhandelnden Unterhändlerstaaten zudem rund 20 weitere politische Repräsentanten wichtiger Staaten zu einer Geberkonferenz ein. Vor Ort sollte im Nachgang zur Umsetzung der ersten Phase des Trump-Plans auch über die Finanzierung und den Wiederaufbau des Gazastreifens im Rahmen einer multinationalen Entwicklungszusammenarbeit gesprochen werden.
Wie Reuters berichtet [13], wird der Finanzbedarf des Wiederaufbaus auf rund 70 Milliarden Dollar beziffert. Dabei ist auffällig, dass zwischen Bedarf und realen Zusagen eine meilenweite Lücke klafft: reale Finanzzusagen blieben vage.
Zur Erinnerung: Unter dem Verdikt, dass auch deutsche Entwicklungshilfen vor dem 7. Oktober vermeintlich an die Hamas geflossen seien, froren deutsche Behörden [14] ihre humanitären Hilfszahlungen für Monate ein, bis eine angebliche "Zweckentfremdung" ausgeschlossen werden konnte.
Die deutsche Entwicklungsministerin, Reem Alabali Radovan (SPD), sagte am Donnerstag [15] immerhin 200 Millionen Euro Soforthilfe zu, verband dies jedoch mit der aktuell unrealistisch erscheinenden Forderung, dass die radikal-islamische Hamas in Gaza "keine Zukunft mehr haben" dürfe oder dass gesichert sei, dass deutsches Geld nicht an deren Mittelsmänner gelange.
Mit der Ausnahme Londons, das 27 Millionen US-Dollar [16] an Soforthilfe bereitstellen wollte, hielten sich alle anderen Staaten bedeckt. Die potenziell großen Geberländer USA, Saudi-Arabien, die EU-Staaten oder Katar werden in Bezug auf Milliardensummen noch nicht als "vollständig bereit" beschrieben [17].
Eine äußerst blumige Umschreibung, dass das Treffen in Kairo primär Differenzen offenbarte und außerhalb von Almosen-Peanuts keine nennenswerten Einigungen erzielt werden konnten.
Während der Anrainerstaat Ägypten auf der im März erstellten Agenda und einem 53-Milliarden-Bedarfsplan beharrte [18], das offenkundig primär den palästinensischen Exodus in das Nil-Land zu verhindern sucht, hielt sich Tel-Aviv vornehm heraus.
Dabei geht in der hiesigen medialen Debatte vollkommen verloren, dass eine Besatzungsmacht Pflichten besitzt. Zudem können sich Reparationspflichten aus der mutwilligen Zerstörung ziviler Infrastruktur, aus Kriegsverbrechen oder den Angriffen auf Zivilisten ergeben. Die UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese erklärte [19], Israel sei haftbar und müsse Reparationen leisten.
Aufgrund der Eruption internationalen Rechts lässt dies die Netanjahu-Administration kalt: Israel bestreitet in offiziellen Stellungnahmen regelmäßig, zu Reparationszahlungen verpflichtet zu sein. Das Prozedere ist bekannt: Man verteidige sich gegen Terroristen und ist daher immun. Dass dies vor dem Hintergrund gut dokumentierten Völkerrechtsverstößen nicht viel mehr als zynische Propaganda ist, müssten Gerichte aufarbeiten.
Interessant ist einmal mehr die westliche Hybris der Doppelmoral: Während russische Geldanlagen in Milliardenhöhe eingefroren wurden [20], die zudem der Ukraine für den Kriegshaushalt bereitgestellt wurden, herrscht in der Causa Israel bewusste Tatenlosigkeit.
Zu erwarten ist, dass es ohne politische Lösungen für offene Fragen keine Finanzierungsstruktur geben wird. Alle Geberstaaten, insbesondere Washington, werden mit finanziellen Mitteln Einfluss, Mitsprache und eigene Projekte vorantreiben wollen.
Die Zukunft der Hamas bewegt sich zwischen den Extremen: Entweder Entwaffnung und Liquidierung oder Re-Konstituierung der Macht über Gaza. Im internen Machtkampf will die Hamas ihre Waffen behalten [21] und rechnet gnadenlos mit den Kollaborateuren der Shabab-Miliz ab.
Zudem ist es offenkundig, dass die Achse USA-Israel ihren Einfluss über die Gegnertruppen zur Hamas im Gazastreifen ausbauen will. Zwar ist die lokale Zufriedenheit mit der Hamas leicht gesunken, doch sie bleibt [22] der wichtigste Ankerpunkt für die Bevölkerung.
Teile der israelischen Regierung bevorzugen offenbar die Installierung einer Regierung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) in Gaza. Seit 2007 spielen Mhamud Abbas und die Fatah im Gazastreifen keine Rolle, könnten jedoch [23], wenn Washington, Kairo und Tel Aviv grünes Licht geben, ein Comeback feiern.
Als unwahrscheinlich gilt die Umsetzung eines völkerrechtlichen UN-Mandats: Eine internationale Übergangsverwaltung übernimmt temporär die zivile Verwaltung und sorgt mit einer internationalen Schutztruppe für Sicherheit. Aufgrund mangelnder Akteursbereitschaft und mächtiger Veto-Spieler muss diese Forderung jedoch unerfüllt bleiben [24].
Hinzu treten zwei weitere kombinierte Versionen: Israel könnte das Vakuum und die Rückkehr der Geiseln nutzen, um eine vollständige militärische Kontrolle über den Streifen durchzusetzen – inklusive der Verwirklichung der US-Planungen einer Riviera am Mittelmeer. Doch kann dies als Dauerlösung bestehen? Fraglich, da die diplomatische Isolierung, der Druck und die finanziellen Belastungen als politische Kosten extrem wären.
Insgesamt liegen die Karten für den israelischen Staat deutlich besser: ein palästinensischer Staat rückt in unerreichbare Ferne – in den meisten Szenarien spielen Palästinenser als billige Arbeitskräfte, als Manövriermasse eine dezente Rolle.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.tagesschau.de/ausland/asien/palaestinenser-rueckkehr-gaza-102.html[2] https://www.dw.com/de/gaza-krieg-israel-friedensplan-trump-geiseln-v5/a-74325247[3] https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/2699054-2699054[4] https://www.handelsblatt.com/politik/international/gazakrieg-wie-sich-palaestinenser-die-zukunft-in-gaza-vorstellen/100132765.html[5] https://www.derstandard.de/story/3100000291144/trumps-riviera-vision-fuer-den-gazastreifen-ist-auf-geroell-gebaut[6] https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/anerkennung-staat-palaestina-israel-droht-mit-annexion-westjordanland[7] https://www.telepolis.de/features/Gaza-Abkommen-Netanjahu-bekommt-Blankoscheck-und-Deutschland-schaut-zu-10757036.html[8] https://www.telepolis.de/features/Gaza-Abkommen-Netanjahu-bekommt-Blankoscheck-und-Deutschland-schaut-zu-10757036.html[9] https://www.ochaopt.org/content/humanitarian-situation-update-330-west-bank[10] https://www.unicef.org/sop/topics/situation-report[11] https://www.who.int/news/item/22-05-2025-health-system-at-breaking-point-as-hostilities-further-intensify%E2%80%94who-warns[12] https://www.pcbs.gov.ps/post.aspx?ItemID=6079&lang=en[13] https://www.reuters.com/world/middle-east/un-says-states-willing-fund-gazas-70-bln-rebuild-2025-10-14/[14] https://www.tagesspiegel.de/politik/geld-fur-gaza-aus-deutschland-wie-werden-nothilfe-und-wiederaufbau-kontrolliert-14561129.html[15] https://www.n-tv.de/politik/Deutschland-kuendigt-200-Millionen-Euro-Soforthilfe-fuer-Gaza-an-article26099866.html[16] https://www.reuters.com/world/uk/uk-pledges-27-million-latest-aid-package-gaza-2025-10-12/[17] https://www.cfr.org/article/guide-trumps-twenty-point-gaza-peace-deal[18] https://www.aljazeera.com/news/2025/3/4/what-is-egypts-plan-for-the-reconstruction-of-gaza[19] https://worldisraelnews.com/un-official-demands-israel-us-pay-reparations-to-gaza/[20] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/eu-plant-zugriff-auf-russische-guthaben-fuer-ukraine-hilfe-110724521.html[21] https://www.theguardian.com/world/2025/oct/17/hamass-aim-to-retain-authority-in-gaza-involves-keeping-the-guns[22] https://www.theguardian.com/commentisfree/2025/feb/21/people-gaza-future-hamas-poll[23] https://www.reuters.com/world/middle-east/israel-faces-backlash-home-abroad-over-gaza-war-escalation-plan-2025-08-08/[24] https://www.iiss.org/online-analysis/online-analysis/2025/09/gazas-interim-future/
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Ein US-Bezirksgericht untersagt dem Spionagesoftware-Unternehmen NSO Group das Ausspähen von WhatsApp und reduziert zugleich den zu zahlenden Schadenersatz.
Ein Gericht in den USA hat das Tech-Unternehmen NSO Group Technologies dazu verpflichtet, den Messengerdienst WhatsApp nicht mehr anzugreifen. Laut dem Hersteller der Überwachungssoftware "Pegasus" gefährdet diese Entscheidung den Geschäftsbetrieb des Unternehmens.
In dem am vergangenen Freitag verkündeten Urteil erließ US-Bezirksrichterin Phyllis Hamilton eine dauerhafte einstweilige Verfügung, die der NSO Group untersagt, WhatsApp-Nutzer ins Visier zu nehmen. Der Fall wurde vor dem Bezirksgericht der Vereinigten Staaten für den nördlichen Bezirk von Kalifornien in Oakland (Az. 19-CV-07123) verhandelt. Zugleich reduzierte das Gericht die dem WhatsApp-Mutterkonzern Meta zugesprochene Schadensersatzsumme von 167 auf "nur noch" vier Millionen US-Dollar. Richterin Hamilton begründete die Entscheidung damit, dass das Verhalten der NSO Group nicht als "besonders schwerwiegend" einzustufen sei und deshalb keinen so hohen Schadensersatz rechtfertige.
Trotz der Reduzierung der Strafzahlung zeigten sich Verantwortliche von WhatsApp erfreut über den Richterspruch. "Das heutige Urteil verbietet dem Spyware-Hersteller NSO, WhatsApp und unsere weltweiten Nutzer jemals wieder ins Visier zu nehmen", erklärte WhatsApp-Chef Will Cathcart in einer Stellungnahme. "Wir begrüßen diese Entscheidung, die nach sechs Jahren Rechtsstreit gefällt wurde, um NSO für die Überwachung von Mitgliedern der Zivilgesellschaft zur Rechenschaft zu ziehen."
Der Rechtsstreit beschäftigt Gerichte seit vielen Jahren. In einer im Oktober 2019 eingereichten Klage [1] warf der WhatsApp-Mutterkonzern Meta NSO Group vor, bei der Installation der Spionagesoftware Pegasus gegen verschiedene Gesetze verstoßen zu haben. So soll NSO Group Anfang 2019 unrechtmäßig auf WhatsApp-Server zugegriffen und dadurch die Überwachung von 1.400 Personen, darunter Journalisten und Menschenrechtsaktivisten, ermöglicht haben.
Im Jahr 2020 lehnte ein Richter den Antrag von NSO Group auf eine Form der Immunität ab [2]. Gegen diese Entscheidung legte das Unternehmen Berufung ein. Ein Berufungsgericht jedoch bestätigte im Jahr 2021 die Entscheidung. Anfang 2023 wiesen schließlich die Richter des US-Supreme Court die Berufung von NSO Group zurück. In dieser hatte das Unternehmen argumentiert, es sei immun gegen eine Klage, weil es bei der Installation der Spionagesoftware als Agent für nicht identifizierte ausländische Regierungen gehandelt habe.
Der Fall landete schließlich vor dem US-Bezirksgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien. Ende Februar 2024 entschied die zuständige Richterin, dass NSO Group den Quellcode der Pegasus-Spyware herausrücken muss [3]. Kurz vor dem Jahreswechsel gab das Gericht schließlich dem Antrag von WhatsApp statt [4]. Anfang Mai dann sprach eine Geschworenenjury Meta schließlich mehr als 167 Millionen US-Dollar Schadenersatz [5] zu. Dagegen legte die NSO Group Widerspruch ein [6] und forderte eine Neuanordnung des Verfahrens oder eine Reduzierung der Schadenssumme. Zumindest die Reduzierung hat NSO Group erreicht.
Zufrieden dürfte das Unternehmen, das kürzlich von einer US-amerikanischen Investorengruppe übernommen wurde [7], dennoch nicht sein. Vielmehr dürfte die einstweilige Verfügung, nicht mehr gegen WhatsApp vorzugehen, für NSO Group eine Herausforderung darstellen, vermutet die Nachrichtenagentur Reuters [8]. In dem Verfahren hatte das Unternehmen argumentiert, dass die beantragte einstweilige Verfügung "das gesamte Unternehmen NSO gefährden" und "NSO aus dem Geschäft drängen" würde, da "Pegasus das Flaggschiffprodukt von NSO ist", heißt es in dem Urteil.
NSO Group argumentiert, dass die Pegasus-Software Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendienste bei der Verbrechensbekämpfung und dem Schutz der nationalen Sicherheit unterstützt und dabei helfen soll, Terroristen, Pädophile und Schwerverbrecher dingfest zu machen. Fakt ist aber auch, dass zahlreiche Regierungen weltweit die Pegasus-Spyware in den vergangenen Jahren zur politischen Überwachung genutzt haben, wie etwa in Mexiko zum Ausspähen von Journalisten, Menschenrechtsaktivisten und Antikorruptionskämpfern [9].
Das Unternehmen kündigte an, die Entscheidung des US-Gerichts zu prüfen und "entsprechend über die nächsten Schritte zu entscheiden".
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[1] https://www.heise.de/news/Facebook-verklagt-israelische-WhatsApp-Hacker-4571961.html
[2] https://www.heise.de/news/Spyware-Keine-Immunitaet-fuer-NSO-in-den-USA-WhatsApp-Klage-zulaessig-6261997.html
[3] https://www.heise.de/news/Klage-von-WhatsApp-NSO-Group-muss-Quellcode-von-Pegasus-Spyware-herausruecken-9643157.html
[4] https://www.heise.de/news/Pegasus-WhatsApp-gewinnt-Rechtsstreit-gegen-NSO-Group-10219795.html
[5] https://www.heise.de/news/Spyware-Angriff-auf-WhatsApp-168-Millionen-US-Dollar-Schadenersatz-fuer-Meta-10374188.html
[6] https://www.heise.de/news/Spyware-Attacke-gegen-WhatsApp-NSO-Group-will-neue-Verhandlung-10423063.html
[7] https://www.heise.de/news/US-Investoren-uebernehmen-Spyware-Hersteller-NSO-Group-10750672.html
[8] https://www.reuters.com/sustainability/society-equity/us-court-orders-spyware-company-nso-stop-targeting-whatsapp-reduces-damages-2025-10-18/
[9] https://www.heise.de/news/Mexiko-Bundestrojaner-gegen-Anwaelte-und-Korruptionsbekaempfer-3747827.html
[10] https://www.courthousenews.com/wp-content/uploads/2025/10/WhatsApp-order-2025.pdf
[11] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[12] mailto:akn@heise.de
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Apple Research präsentiert ADE-QVAET, ein KI-Modell zur Vorhersage von Softwarefehlern mit 98 Prozent Genauigkeit bei Tests.
Apple hat ein neues Machine-Learning-Modell zur Vorhersage von Softwarefehlern vorgestellt. Wie der iPhone-Hersteller auf seiner Blogseite zur Machine-Learning-Forschung [1] mitteilt, kombiniert das als ADE-QVAET bezeichnete System verschiedene KI-Techniken und erreichte in Tests eine Genauigkeit von 98,08 Prozent. Das Modell könnte die Qualitätssicherung in der Softwareentwicklung erheblich verbessern.
Entwickelt haben ADE-QVAET die Apple-Forscher Seshu Barma, Mohanakrishnan Hariharan und Satish Arvapalli. Die Abkürzung steht für Adaptive Differential Evolution based Quantum Variational Autoencoder-Transformer Model. Das System soll bestehende Probleme bei der automatischen Fehlererkennung lösen.
Die Besonderheit des Systems liegt in der Kombination mehrerer fortschrittlicher Machine-Learning-Ansätze: Der Quantum Variational Autoencoder (QVAE) ist auf Mustererkennung in den Daten spezialisiert, die Transformer-Komponente kann Code-Zusammenhänge verstehen und die Adaptive Differential Evolution (ADE) dient zur automatischen Optimierung während des Lernens.
In praktischen Tests zeigte ADE-QVAET gute Ergebnisse: Bei einem Trainingsanteil von 90 Prozent erreichte das Modell eine Genauigkeit von 98,08 Prozent, eine Präzision von 92,45 Prozent, einen Recall-Wert von 94,67 Prozent und einen F1-Score von 98,12 Prozent. Diese Werte liegen deutlich über denen herkömmlicher Differential-Evolution-Modelle, die Apple zum Vergleich heranzog.
Das ADE-QVAET-Modell nutzt einen Trick: Es verwendet Ideen aus der Quantencomputer-Forschung, läuft aber auf klassischen Computern. Dadurch kann es Muster in Daten besser erkennen. Die Transformer-Architektur, die ursprünglich für die Verarbeitung natürlicher Sprache entwickelt wurde, kann Abhängigkeiten über längere Code-Sequenzen hinweg erfassen. Auf diese Weise kann sie typische Fehlermuster erkennen, die bei isolierter Betrachtung einzelner Code-Zeilen leicht zu übersehen sind.
Für Softwareentwickler und Qualitätssicherungsteams könnte ADE-QVAET erhebliche Effizienzgewinne bringen. Normalerweise erfordert die Fehlersuche in großen Codebases viel manuelle Arbeit und Expertise. Ein KI-System, das potenzielle Fehlerquellen mit hoher Genauigkeit identifiziert, würde es Entwicklern ermöglichen, ihre Ressourcen gezielter einzusetzen und kritische Probleme frühzeitig zu erkennen.
Ob und wann Apples Forschung aber in die Entwicklungsumgebung Xcode einfließt, ist noch unklar. Bislang hat sich Apple dazu nicht geäußert. Die Veröffentlichung als Research-Paper deutet jedoch darauf hin, dass Apple aktiv an der Verbesserung von Entwicklerwerkzeugen durch Machine Learning arbeitet.
Trotz der guten Ergebnisse bleiben Herausforderungen bestehen. Laut Apple Research kämpfen ML-Modelle trotz der Fortschritte durch das ADE-QVAET-Modell weiterhin mit verschiedenen Datentypen und der Generalisierung auf unbekannte Codebases. Vereinfacht gesagt: Das Modell wird unsicher, wenn es Code analysieren soll, der ganz anders aufgebaut ist, als es dies von seinen Trainingsdaten kennt. Aus diesem Grund komme es darauf an, dass die KI mit qualitativ hochwertigen Daten trainiert wird.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10787217
Links in diesem Artikel:
[1] https://machinelearning.apple.com/research/software-defect-prediction
[2] https://www.heise.de/mac-and-i
[3] mailto:mki@heise.de
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Apple Research präsentiert ADE-QVAET, ein KI-Modell zur Vorhersage von Softwarefehlern mit 98 Prozent Genauigkeit bei Tests.
Apple hat ein neues Machine-Learning-Modell zur Vorhersage von Softwarefehlern vorgestellt. Wie der iPhone-Hersteller auf seiner Blogseite zur Machine-Learning-Forschung [1] mitteilt, kombiniert das als ADE-QVAET bezeichnete System verschiedene KI-Techniken und erreichte in Tests eine Genauigkeit von 98,08 Prozent. Das Modell könnte die Qualitätssicherung in der Softwareentwicklung erheblich verbessern.
Entwickelt haben ADE-QVAET die Apple-Forscher Seshu Barma, Mohanakrishnan Hariharan und Satish Arvapalli. Die Abkürzung steht für Adaptive Differential Evolution based Quantum Variational Autoencoder-Transformer Model. Das System soll bestehende Probleme bei der automatischen Fehlererkennung lösen.
Die Besonderheit des Systems liegt in der Kombination mehrerer fortschrittlicher Machine-Learning-Ansätze: Der Quantum Variational Autoencoder (QVAE) ist auf Mustererkennung in den Daten spezialisiert, die Transformer-Komponente kann Code-Zusammenhänge verstehen und die Adaptive Differential Evolution (ADE) dient zur automatischen Optimierung während des Lernens.
In praktischen Tests zeigte ADE-QVAET gute Ergebnisse: Bei einem Trainingsanteil von 90 Prozent erreichte das Modell eine Genauigkeit von 98,08 Prozent, eine Präzision von 92,45 Prozent, einen Recall-Wert von 94,67 Prozent und einen F1-Score von 98,12 Prozent. Diese Werte liegen deutlich über denen herkömmlicher Differential-Evolution-Modelle, die Apple zum Vergleich heranzog.
Das ADE-QVAET-Modell nutzt einen Trick: Es verwendet Ideen aus der Quantencomputer-Forschung, läuft aber auf klassischen Computern. Dadurch kann es Muster in Daten besser erkennen. Die Transformer-Architektur, die ursprünglich für die Verarbeitung natürlicher Sprache entwickelt wurde, kann Abhängigkeiten über längere Code-Sequenzen hinweg erfassen. Auf diese Weise kann sie typische Fehlermuster erkennen, die bei isolierter Betrachtung einzelner Code-Zeilen leicht zu übersehen sind.
Für Softwareentwickler und Qualitätssicherungsteams könnte ADE-QVAET erhebliche Effizienzgewinne bringen. Normalerweise erfordert die Fehlersuche in großen Codebases viel manuelle Arbeit und Expertise. Ein KI-System, das potenzielle Fehlerquellen mit hoher Genauigkeit identifiziert, würde es Entwicklern ermöglichen, ihre Ressourcen gezielter einzusetzen und kritische Probleme frühzeitig zu erkennen.
Ob und wann Apples Forschung aber in die Entwicklungsumgebung Xcode einfließt, ist noch unklar. Bislang hat sich Apple dazu nicht geäußert. Die Veröffentlichung als Research-Paper deutet jedoch darauf hin, dass Apple aktiv an der Verbesserung von Entwicklerwerkzeugen durch Machine Learning arbeitet.
Trotz der guten Ergebnisse bleiben Herausforderungen bestehen. Laut Apple Research kämpfen ML-Modelle trotz der Fortschritte durch das ADE-QVAET-Modell weiterhin mit verschiedenen Datentypen und der Generalisierung auf unbekannte Codebases. Vereinfacht gesagt: Das Modell wird unsicher, wenn es Code analysieren soll, der ganz anders aufgebaut ist, als es dies von seinen Trainingsdaten kennt. Aus diesem Grund komme es darauf an, dass die KI mit qualitativ hochwertigen Daten trainiert wird.
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(Bild: William Potter / Shutterstock.com)
China kontrolliert Seltene Erden und drosselt Exporte. Die USA suchen verzweifelt Alternativen. Ein Handelskrieg eskaliert.
Der Streit zwischen den USA und China [1] um Seltene Erden spitzt sich dramatisch zu. China hat im September seine Lieferungen von Seltenerdmagneten in die USA auf 421 Tonnen gedrosselt – ein Rückgang gegenüber 590 Tonnen im August, wie chinesische Zolldaten laut Bloomberg zeigen.
Auch Europa erhielt demnach [2] weniger: Die Lieferungen sanken von 2.582 auf 2.461 Tonnen. Peking kündigte zudem an, seine Exportkontrollen im Dezember massiv auszuweiten.
Seltene Erden sind für moderne Technologien unverzichtbar. Die Metalle stecken in Elektrofahrzeugen, Windkraftanlagen, Smartphones und militärischer Ausrüstung wie F-35-Kampfflugzeugen.
China beherrscht den Markt: Das Land kontrolliert nicht nur den Abbau, sondern auch die Verarbeitung und das geistige Eigentum an Spezialmaschinen für die Magnetherstellung.
US-Finanzminister Scott Bessent warnte [3] laut Financial Times (FT): "Dies ist China gegen den Rest der Welt". Sollte Peking seine Drohung wahrmachen, müsse sich die Welt von China abkoppeln. Die chinesische Regierung konterte, die US-Zolldrohungen [4] seien "typisches Beispiel für die Doppelmoral der USA".
Präsident Donald Trump nannte Seltene Erden eine seiner drei wichtigsten Forderungen an Peking. "Ich möchte nicht, dass sie mit uns das Spiel mit den Seltenen Erden spielen", sagte er laut Bloomberg gegenüber Reportern. Beide Staatschefs sollen sich nächsten Monat in Südkorea treffen.
Die USA hätten die Warnung von 2010 nicht ignorieren dürfen, schreibt [5] Bloomberg in einer Analyse. Damals beschränkte China für Monate die Lieferung von Seltenen Erden an Japan nach einem Territorialstreit. Japan reagierte schnell und baute eigene Kapazitäten auf – heute ist das Land nach China der zweitgrößte Hersteller von Permanentmagneten.
Die USA hingegen blieben weitgehend untätig. Diese Versäumnisse führten zu einer nationalen Sicherheitskrise. China kann nun die weltweite Produktion durch Zurückhalten von Lieferungen lahmlegen.
Das gilt auch für den medizinischen Bereich. So heißt es in der FT, dass fast 700 in den USA verwendete Medikamente – darunter Antibiotika und Krebsmedikamente – von Inhaltsstoffen abhängen, die ausschließlich in China hergestellt werden.
Ein Hoffnungsschimmer bei den Magneten kommt von Niron Magnetics aus Minneapolis. Das Start-up entwickelt Permanentmagnete ohne Seltene Erden. Stattdessen nutzt das Unternehmen reichlich vorhandene Rohstoffe wie Eisen und Stickstoff. Die Technologie entstand aus universitärer Forschung, die durch Bundesmittel finanziert wurde.
Jian-Ping Wang, Professor an der University of Minnesota, gründete Niron 2014. Anfang Oktober begann der Bau einer ersten Fabrik mit einer Kapazität von 1.500 Tonnen, die Anfang 2027 die Produktion aufnehmen soll. Automobilhersteller Stellantis investierte bereits 2023 strategisch in das Unternehmen und kündigte letzte Woche an, Motoren und Komponenten für die Eisen-Nitrid-Magnete zu entwickeln.
"Unsere Universitäten und Institutionen haben in diesem Jahr enorme finanzielle Einbußen erlitten", sagte Gracelin Baskaran vom Center for Strategic and International Studies laut Bloomberg. "Der komparative Vorteil Amerikas liegt meiner Meinung nach nicht im Bergbau und auch nicht in der Verarbeitung. Es ist vielmehr unsere Fähigkeit, innovativ zu sein."
Paradoxerweise kürzt die Trump-Regierung ausgerechnet jetzt die Mittel für universitäre Forschung im Rahmen ihres Kampfes gegen Vielfalt und Inklusion an Hochschulen.
Australiens Premierminister Anthony Albanese traf sich am Montag mit Trump in Washington, um die riesigen Rohstoffvorkommen seines Landes als Lösung anzubieten, berichtet [6] Bloomberg.
"Australien ist gleichbedeutend mit dem Periodensystem", sagte der australische Botschafter Kevin Rudd in einer Rede. Das Land könne "30 bis 40" der 50 als kritisch eingestuften Mineralien decken. US-Beamte prüfen laut Bloomberg, Mechanismen zu schaffen, um aktienähnliche Beteiligungen an australischen Bergbauunternehmen [7] zu erwerben.
Die Aktien von Seltenerdproduzenten gehen durch die Decke: Lynas Rare Earths aus Australien legte in zwölf Monaten um über 150 Prozent zu. Am Montag stiegen Arafura Rare Earths um 21 Prozent, Resolution Minerals um 49 Prozent.
Die USA mobilisieren Kapital für die Branche. Im Juli zahlte die Regierung 400 Millionen Dollar für 15 Prozent an MP Materials, dem größten US-Produzenten von Seltenen Erden. Weitere Beteiligungen folgten: fünf Prozent an Lithium Americas und zehn Prozent an Trilogy Metals, berichtet [8] die Financial Times.
Die Regierung plant eine strategische Mineralreserve und einen Mindestpreis für Seltene Erden, um Produzenten vor Preisschwankungen zu schützen. Genehmigungsverfahren werden beschleunigt, Umweltvorschriften gelockert.
Einige Analysten warnen jedoch vor Übertreibungen, etwa Gareth Hatch von Strategic Materials Advisory. Laut FT sagte er:
Verschiedene kleine Bergbauunternehmen, die im Bereich Seltene Erden tätig sind, haben die Situation ausgenutzt und typischerweise schwache und bedeutungslose Ankündigungen gemacht, wobei ihre Aktienkurse von der offensichtlichen Reaktion auf die Exportkontrollen profitierten. Ich würde die Situation zwar noch nicht als Blase bezeichnen, aber Anleger müssen ihre Hausaufgaben machen.
Für Niron hängt die Skalierung hauptsächlich von Kapital ab, sagte Geschäftsführer Jonathan Rowntree laut Bloomberg. Der weltweite Bedarf an Magneten liegt bei 300.000 Tonnen jährlich und wächst rapide. Die USA benötigen 40.000 bis 50.000 Tonnen pro Jahr, wenn man importierte Produkte mit eingebauten Magneten berücksichtigt.
Das Verteidigungsministerium sollte den Ausbau größerer Anlagen unterstützen, fordern Experten. "Zeitersparnis ist wichtiger als Kosteneinsparungen", schreibt Bloomberg. Kapital dürfe kein Hindernis für die Selbstversorgung sein.
Die Financial Times warnt: Selbst ein "siegreicher" Handelskrieg [9] würde beiden Seiten schaden. China kämpft mit Überkapazitäten und schwacher Binnennachfrage. Die USA riskieren Produktionsstillstände. Wie bei Schwergewichtsboxern im Ring erleiden oft beide Kämpfer langfristige Schäden – unabhängig davon, wer zum Sieger erklärt wird.
URL dieses Artikels:https://www.heise.de/-10789043
Links in diesem Artikel:[1] https://www.heise.de/tp/features/Niederlande-entreissen-China-Kontrolle-ueber-Schluessel-Chiphersteller-10751877.html[2] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-10-20/china-s-rare-earth-magnet-exports-to-us-slip-ahead-of-trump-xi[3] https://www.ft.com/content/c2fd550d-cbca-4e39-a9a5-29a1e9d902c4[4] https://www.heise.de/tp/features/Trumps-Zoelle-auf-Arzneimittel-Die-Folgen-fuer-die-deutsche-Pharmaindustrie-10672464.html[5] https://www.bloomberg.com/opinion/articles/2025-10-20/white-house-is-cutting-rare-earth-research-at-the-wrong-time[6] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-10-20/australia-pitches-to-be-trump-s-fix-for-china-rare-earths-curbs[7] https://www.heise.de/tp/features/Landgrabbing-Wenn-Konzerne-Laender-schlucken-10424005.html[8] https://www.ft.com/content/755d7413-c71a-4a6e-bbe9-2b821032bdee[9] https://www.heise.de/tp/features/Eisenbahn-als-Waffe-Wie-China-und-Indien-die-Geopolitik-umspuren-10640607.html
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KI-generierte Ilustration
Chinas weltraumgestütztes Radarsystem könnte die teuerste Waffe des Westens entzaubern – und die Ära der Stealth-Technik beenden. Eine Einschätzung.
Die F-35 sollte das modernste Kampfflugzeug der Welt werden. Doch nach fast einem Vierteljahrhundert hat die US-Regierung endlich eingestanden, dass die Maschine die ambitionierten Versprechen niemals einlösen wird.
Der Jet, für den 19 Länder weltweit eine astronomische Summe von zwei Billionen Dollar investiert haben, wird, wie es aussieht, nicht halten können, was versprochen wurde.
Doch während die F-35 mit internen Problemen kämpft, zeichnet sich eine weitere, möglicherweise noch gravierendere Bedrohung für die westliche Stealth-Flugzeugflotte ab.
China behauptet, revolutionäre Technologien entwickelt zu haben, die Stealth-Flugzeuge wie die F-22 Raptor und den kommenden B-21 Raider rund um die Uhr aufspüren können – unabhängig von Wetterbedingungen und Tageszeit.
Stealth-Technologie, die jahrzehntelang als unüberwindbare Trumpfkarte der westlichen Luftwaffen galt, könnte plötzlich ihren entscheidenden Vorteil verlieren. Die vermeintliche Unsichtbarkeit, die ihren astronomischen Preis rechtfertigen sollte, steht grundsätzlich infrage.
Stealth-Technologie basiert auf einem einfachen Prinzip: Radarsignale werden entweder absorbiert oder in andere Richtungen abgelenkt, um die Radarrückstrahlfläche eines Flugzeugs zu minimieren.
Wie die Eurasian Times [1] berichtet, sind die markanten Formen von Flugzeugen wie der F-22 oder F-35 primär dafür konzipiert, Radarwellen nicht zum Sender zurückzureflektieren, während spezielle Beschichtungen zusätzlich Radarenergie absorbieren.
Stealth-Technologie ist gegen Bodenradare optimiert. Doch aus der Höhe des niedrigen Erdorbits erscheint die Radarrückstrahlfläche eines Stealth-Flugzeugs laut South China Morning Post [2] wesentlich größer – nach einigen Schätzungen könnte sie so groß wie ein "Scheunentor" wirken. Dieser Umstand eröffnet theoretisch die Möglichkeit, Stealth-Flugzeuge mit weltraumgestützten Radarsystemen zu erkennen.
Das Haupthindernis war bislang jedoch das sogenannte "Hintergrundrauschen". Die South China Morning Post erklärt, dass die chaotischen Reflexionen von Radarsignalen an Meeresoberflächen oder gebirgigem Gelände intensive Störsignale erzeugen, die das schwache Signal eines beweglichen Flugzeugs leicht überlagern können.
Diese unerwünschten Radarechos erschweren die Unterscheidung zwischen einem tatsächlichen Ziel und dem Hintergrund erheblich.
Jahrzehntelang wurde die Entdeckung von Stealth-Flugzeugen wie der F-22 Raptor oder dem B-21 Raider mittels weltraumgestützter Radarsysteme als technisch nicht machbar angesehen. Wäre eine solche Erkennung aus dem Orbit möglich gewesen, hätten diese äußerst kostspieligen Stealth-Programme laut South China Morning Post möglicherweise nie grünes Licht erhalten.
China behauptet nun, dieses fundamentale Problem überwunden zu haben – mit einem innovativen bistatischen Radarsystem.
Dabei sind Sender und Empfänger auf verschiedenen Satelliten platziert. Diese räumliche Trennung ermögliche es, das Hintergrundrauschen effektiver zu unterdrücken und somit selbst Flugzeuge mit sehr geringer Radarsignatur zu erkennen.
Bereits 2022 brachte China das Ludi Tance No. 1 (LT-1) System ins All – ein duales Satellitensystem für die Stealth-Erkennung. Ein Satellit sendet Radarimpulse aus, während ein zweiter die Echos empfängt. Diese Konfiguration reduziert Störungen und verbessert die Zielerfassung.
China hat seither seine Radarsatelliten-Konstellation ausgebaut, mit Systemen sowohl in niedrigen als auch in geostationären Umlaufbahnen. Nach Interesting Engineering [3] zeigen Simulationen, dass es Boden- und Meeresrauschen unterdrücken und Ziele mit nur 50 km/h erkennen kann.
Schneller bewegende Objekte wie Jets, Drohnen und Raketen seien sogar leichter zu erfassen. Der Blog Mice Times Asia [4] berichtet, dass China damit feindliche Flugkörper aufspüren könnte, die bisher als schwer verfolgbar galten.
Bei bestimmten Winkeln wird die Radarsignatur des Ziels verstärkt. Zudem sei das System schwieriger zu stören, da der Empfänger keine eigenen Signale aussendet.
Die Erkennungsfähigkeiten chinesischer Weltraumsysteme beschränken sich nicht nur auf Radar. Bereits vor der Entwicklung des LT-1-Radarsystems hatte die kommerzielle Jilin-1 Satellitenkonstellation bewiesen, dass sie in der Lage ist, Stealth-Flugzeuge zu verfolgen. Die South China Morning Post berichtet, dass Jilin-1 erfolgreich einen F-22-Kampfjet verfolgen konnte, der durch Wolken manövrierte.
Optische Kameras haben jedoch Einschränkungen: Sie können nachts nicht operieren und werden leicht durch Wolkendecke, Nebel oder andere widrige Wetterbedingungen behindert.
Trotz ihrer Einschränkungen sollen weltraumgestützte optische Sensoren zur Erkennung von Stealth-Flugzeugen eingesetzt werden können, behauptet die Asia Times [5].
Im Dezember 2021 wurde beispielsweise ein B-2-Bomber auf Google Maps fotografiert – ein Beweis dafür, dass Stealth-Flugzeuge zwar Radar und möglicherweise Wärmesensoren umgehen können, bei Tageslicht aber keineswegs unsichtbar sind.
Anders als Radar werden optische Sensoren weniger von Tarnbeschichtungen und -formen beeinflusst. Durch kontinuierliche Luftraumüberwachung können sie Bewegungsmuster, Kondensstreifen oder Wärmesignaturen von Stealth-Flugzeugen erkennen – besonders wenn sie mit KI-Algorithmen kombiniert werden, die darauf trainiert sind, Anomalien zu erkennen.
China hat zusätzlich angeblich begonnen, einen "Photonenfänger" in Serie zu produzieren. Die South China Morning Post [6] berichtet, dass dieses Gerät angeblich Tarnkappenbomber erkennen können soll.
Das National Security Journal [7] erklärt den revolutionären Ansatz: Quantenradar nutzt verschränkte Photonen – ein Phänomen der Quantenmechanik, bei dem zwei Teilchen untrennbar miteinander verbunden bleiben, egal wie weit sie voneinander entfernt sind. Das System sendet ein Photon aus und behält sein "Zwillingsteilchen" im Radar.
Trifft das ausgesendete Photon auf ein Flugzeug, verändert sich der Zustand des zurückgehaltenen Teilchens unmittelbar – eine Veränderung, die nicht gefälscht werden kann. Dadurch könnten theoretisch Tarnkappentechnologien umgangen werden, die auf das Ablenken oder Absorbieren herkömmlicher Radarwellen ausgelegt sind.
Die praktische Umsetzung steht jedoch vor enormen Herausforderungen. Das System bräuchte extreme Kälte von -120°C zum Betrieb und hätte derzeit nur eine sehr begrenzte Reichweite. Experten betrachten die Technologie daher eher als Laborforschung denn als einsatzfähiges System.
Die neuen Radartechnologien, die China und andere Länder entwickeln, könnten tatsächlich die Spielregeln im Luftkampf verändern. Besonders problematisch erscheint diese Entwicklung für die F-35 – ein Jet, der primär auf seine Stealth-Eigenschaften setzte, die nun zunehmend infrage gestellt werden.
Dies wirft ein neues Licht auf die Anschaffungen des Flugzeugs durch verbündete Staaten, die weniger als rationale militärische Entscheidungen erscheinen denn als teure politische Zugeständnisse an die USA.
Die F-35 ist vielleicht das letzte Flugzeug, das noch glaubte, unsichtbar sein zu können.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.eurasiantimes.com/china-touts-revolutionary-space-borne-radar/?amp[2] https://www.scmp.com/news/china/science/article/3329199/chinas-new-space-borne-radar-tech-can-track-stealth-moving-targets-day-and-night-study[3] https://interestingengineering.com/military/chinas-space-radar-may-track-f-22s[4] https://micetimes.asia/stealth-jets-went-obsolete-lt-1-sees-them-all/[5] https://asiatimes.com/2025/10/stealth-buster-china-touts-next-gen-quantum-radar-tech/[6] https://www.scmp.com/news/china/science/article/3328848/china-mass-producing-next-gen-quantum-radar-detector-track-stealth-aircraft-f-22[7] https://nationalsecurityjournal.org/china-claims-it-can-now-detect-f-22-raptor-stealth-fighters/
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Eine neu erworbene Küchenmaschine kostet drei Blicke ins Handbuch, zwei sämige Erbsensuppen und einen Finger, bis man die Kraft des Püriermessers auf Stufe 6 richtig einschätzen kann. Analog lassen sich beim Pentesting die Hacker-Werkzeuge nur dann effizient einsetzen, wenn man ihren Zweck, ihre Bedienung und ihre Grenzen kennt. Zusätzlich brauchen Pentester eine gute Strategie.
Während man beispielsweise einen Webserver über seine offenen Ports angreifen könnte, gelingt eine Attacke auf eine Firewall vielleicht eher über die Ausweitung der Zugriffsrechte eines Benutzerkontos. Bevor man also zum ersten Mal wild rotierende Hackmesser wie Metasploit und Konsorten gegen den Server richtet, sollte man zunächst die beteiligten Tools kennenlernen und solche Einbrüche üben. Das macht sogar erstaunlich viel Spaß.

Wer hat das Sagen bei Nexperia? Darüber gibt es Streit, nachdem die niederländische Regierung am 12. Oktober 2025 die Kontrolle über den Halbleiterhersteller übernommen hat . Nexperia China hat sich in einem offenen Brief an die Mitarbeiter in der Volksrepublik gewandt, den verschiedene chinesische Medien zitieren . Demnach werden die Löhne von Nexperia China gezahlt; zudem sollen die Mitarbeiter nur Anweisungen der lokalen Manager befolgen.
Der niederländischen Zentrale hingegen seien sie nicht weisungsgebunden, Nexperia China sei ein eigenständiges Unternehmen. Angestellte in der Volksrepublik dürften andere Anweisungen ohne Sorge vor Disziplinarmaßnahmen ignorieren. Druck von außen sollten sie der Personalabteilung melden. Außerdem sollen Zugänge zu Dienstcomputern durch die niederländische Zentrale gesperrt worden sein. Laut weiterer Berichte hat diese die Zahlung von Löhnen ausgesetzt .
Die Zentrale in den Niederlanden widerspricht dem Ganzen, wie die Financial Times berichtet : Man "bedaure, dass einige Individuen es für erforderlich halten, diese Unwahrheiten zu verbreiten" , lässt sich das Unternehmen zitieren. Auch wolle man sich nicht vom chinesischen Markt zurückziehen.
Zwar gehörte Nexperia seit 2019 dem chinesischen Unternehmen Wingtech, die chinesische Niederlassung ist allerdings ein Tochterunternehmen von Nexperia und folglich nicht eigenständig.
Im Zentrum der Kritik steht der abgesetzte CEO Zhang Xuezheng. Der Fall erinnert an ARMs Problemen mit seiner chinesischen Tochter . Deren CEO wollte nicht abtreten, verweigerte die Herausgabe von Geschäftszahlen und plante einen eigenen Börsengang.
In der VR China betreibt Nexperia ein großes Packaging-Werk in der Provinz Guangdong. Es kann jährlich 50 Milliarden Halbleiterprodukte in Gehäuse montieren, das sind fast die Hälfte der jährlich ausgelieferten 110 Milliarden Stück. Ein Ausfall wäre für das Unternehmen somit äußerst problematisch.

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Vermeintlich sichere USB-Datenträger. Die Modelle mit Zahlenpads von Verbatim sind laut Untersuchung nicht sicher.
(Bild: heise medien)
Die Keypad-Datenträger von Verbatim sollen Daten vor Diebstahl schützen. Das funktioniert allerdings auch nach Firmware-Updates nicht zuverlässig.
Der Hersteller Verbatim bekommt die Sicherheit seiner als besonders sicher angepriesenen USB-Datenträger offenbar nicht in den Griff. Die drei Modelle "Keypad Secure USB-Stick", "Store 'n' Go Portable SSD" und "Store 'n' Go Secure Portable HDD" verschlüsseln zwar ihre Daten. Allerdings können Fremde die Verschlüsselung umgehen.
Schon im Jahr 2022 fand der Sicherheitsexperte Matthias Deeg von der SySS GmbH gravierende Sicherheitsmängel [1]. Noch im selben Jahr veröffentlichte Verbatim Firmware-Updates, die die Probleme angehen sollten. Eine neue Untersuchung von Deeg zeigt [2]: Die Updates verbessern zwar die Firmware, gehen aber nicht die grundlegenden Probleme an.
SySS teilt die aktualisierten hauseigenen Security-Kennnummern SYSS-2025-015 [3], SYSS-2025-016 [4] und SYSS-2025-017 [5] – CVE-Einträge gibt es dazu (noch) nicht – und nennt ein hohes Risiko. Es stellt sich die Frage, ob Verbatim das grundlegende Hardware-Design überhaupt absichern kann.
Alle drei USB-Medien verwenden das gleiche Prinzip: Im Inneren sitzen ein SATA-Datenträger, ein Brückenchip von USB zu SATA, ein Speicherbaustein für die Firmware und ein Keypad-Controller. Letzterer ist mit einem Tastenfeld verbunden. Das Gerät entschlüsselt seine Daten, wenn der Nutzer die korrekte PIN bestehend aus 5 bis 12 Ziffern eingibt.
Verbatim hat mit seinen Firmware-Updates den Verschlüsselungs-Algorithmus verbessert, vom simplen AES-Modus Electronic Code Book (AES-ECB) zu AES-XTS. Die Verschlüsselung bringt jedoch wenig, weil sie sich laut Untersuchung weiterhin einfach umgehen lässt.
Die erste Schwachstelle bildet die Firmware. Sie ist zwar verschlüsselt, allerdings nur durch die simple XOR-Methode mit zwei statischen Schlüsseln. Deeg hat die Firmware entschlüsselt, analysiert und abgeänderte Versionen aufgespielt. Das ist möglich, weil es keine sogenannte Root of Trust gibt, mit der die Geräte die Echtheit der Firmware kontrollieren.
Dadurch konnte der Sicherheitsforscher Muster ableiten, wie der Controller die Keys zur Verschlüsselung des gesamten Datenträgers erstellt. Das vereinfacht Brut-Force-Attacken, bei denen ein Programm mögliche PIN-Kombinationen errät. In einem Proof of Concept waren keine neun Sekunden notwendig, um die Verschlüsselung trotz aktueller Firmware zu brechen. Ein Short-Video auf Youtube veranschaulicht den Angriff [8].
Das grundlegende Problem ist eine weiterhin fehlende zentrale Absicherung: Eigentlich sollen sich die Verbatim-Datenträger nach 20 erfolglosen PIN-Eingaben sperren, machen das aber nicht. Damit kann der Hersteller sein Versprechen nicht halten: Die Daten sind nicht sicher, wenn der Datenträger verloren geht oder gestohlen wird.
Deeg merkt noch an, dass er mittlerweile drei Hardware-Revisionen mit unterschiedlichen SATA-USB-Brückenchips gefunden hat. Die neueste Version erfordert angepasste Angriffe. Auf einen ersten Blick scheint sie aber alte Fehler zu wiederholen: Der Sicherheitsforscher fand in einer Analyse der verschlüsselten Daten wiederholende Muster.
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https://www.heise.de/-10785267
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[1] https://www.heise.de/news/Verschluesselnder-USB-Stick-von-Verbatim-unsicher-Experte-zeigt-Schwachstellen-7134990.html
[2] https://www.syss.de/pentest-blog/schwachstellen-in-verbatim-sicherheitsupdate
[3] https://www.syss.de/fileadmin/dokumente/Publikationen/Advisories/SYSS-2025-015.txt
[4] https://www.syss.de/fileadmin/dokumente/Publikationen/Advisories/SYSS-2025-016.txt
[5] https://www.syss.de/fileadmin/dokumente/Publikationen/Advisories/SYSS-2025-017.txt
[6] https://www.heise.de/bilderstrecke/4959528.html?back=10785267;back=10785267
[7] https://www.heise.de/bilderstrecke/4959528.html?back=10785267;back=10785267
[8] https://www.youtube.com/shorts/wUXupV7M7ek
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[10] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[11] https://aktionen.heise.de/heise-security-pro?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[12] mailto:mma@heise.de
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Mit 40.000 SIM-Karten haben Kriminelle im großen Stil europaweit betrogen.
(Bild: Europol)
Strafermittler von Europol haben die IT-Infrastruktur von Cyberkriminellen lahmgelegt, die in der EU für Millionenschäden gesorgt haben.
Im Zuge der Operation "Simcartel" haben Europol und Eurojust die IT-Infrastruktur eines Betrügerrings beschlagnahmt. Den Angaben der Ermittler zufolge zeichnen die Kriminellen europaweit für Schäden in Höhe von rund fünf Millionen Euro verantwortlich.
Wie aus einem Bericht von Europol hervorgeht [1], kam es im Zuge der Operation unter anderem zu fünf Festnahmen. Außerdem wurden Server, 40.000 aktive SIM-Karten und vier Luxusautos beschlagnahmt. Der Großteil der Straftaten geht auf Österreich und Lettland zurück. Andere Kriminelle konnten den Ermittlern zufolge die "Dienste" für ihre Machenschaften nutzen. Das wurde über eine professionelle Website realisiert.
Die Ermittler geben an, dass das Herzstück der IT-Infrastruktur ein Telekommunikationsnetzwerk mit rund 40.000 aktiven SIM-Karten war. Darüber haben die Kriminellen etwa betrügerische Anrufe getätigt und Fake-Accounts bei Webservices erstellt. Dazu gehört unter anderem der Enkeltrick, bei dem ein vermeintlicher Verwandter in einer gefakten Notsituation Opfer kontaktiert, um Vertrauen aufzubauen und letztlich Geld abzustauben.
Zusätzlich wurden Accounts bei Secondhand-Marktplätzen erstellt, um dort zu betrügen. Weiterhin haben die Betrüger für Phishing-Attacken Fakeshops und Bankingwebsites betrieben und sich als Polizeiermittler ausgegeben, um Opfer aufs Glatteis zu locken.
Derzeit bestimmen die Ermittler das Ausmaß der kriminellen Machenschaften. Sie geben an, dass nach jetzigem Kenntnisstand mehr als 49 Millionen Fake-Accounts über das Netzwerk erstellt worden seien. Bei den Ermittlungen haben Estland, Finnland, Lettland und Österreich mitgewirkt.
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[1] https://www.europol.europa.eu/media-press/newsroom/news/cybercrime-service-takedown-7-arrested
[2] https://aktionen.heise.de/heise-security-pro?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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Patches schließen mehrere Schwachstellen in Security Appliances und Routern von Moxa. Bislang gibt es keine Hinweise auf Attacken.
Netzwerk-Admins sollten zeitnah ihre Security Appliances und Router von Moxa auf den aktuellen Stand bringen. Geschieht das nicht, könnten Angreifer an mehreren Sicherheitslücken ansetzen und Geräte vollständig kompromittieren.
In einer Warnmeldung führen die Entwickler aus [1], dass sie insgesamt fünf Schwachstellen geschlossen haben. Davon sind drei Lücken (CVE-2025-6950, CVE-2025-6949, CVE-2025-6893) mit dem Bedrohungsgrad "kritisch" eingestuft. Setzen Angreifer erfolgreich an diesen Schwachstellen an, können sie unter anderem aufgrund eines statischen Schlüssels gültige Tokens erzeugen und sich so als beliebiger Nutzer anmelden. Im Anschluss können sie Geräte mit weitreichenden Rechten komplett übernehmen.
In einem anderen Fall können Angreifer mit niedrigen Nutzerrechten Admin-Accounts erstellen und Systeme so kompromittieren. Für eine weitere Attacke muss ein Angreifer ebenfalls bereits authentifiziert sein. Ist das gegeben, kann er aufgrund eines Fehlers bei der Zugangskontrolle System- und Konfigurationsdaten verändern.
Aufgrund eines Fehlers in der Authentifizierungs-API (CVE-2025-6892 "hoch") können Angreifer auf Endpoints mit administrativen Berechtigungen zugreifen. Vor einem Angriff muss sich aber bereits ein legitimer Nutzer angemeldet haben.
Konkret betroffen sind die Produktserien EDR-G9010 Series, EDR-8010 Series, EDF-G1002-BP Series, TN-4900 Series, NAT-102 Series, NAT-108 Series und OnCell G4302-LTE4 Series. Bislang gibt es keine Berichte, dass Angreifer die Lücken bereits ausnutzen. Moxa rät Besitzern von betroffenen Geräten dennoch zu einem zügigen Update auf die gegen die geschilderten Attacken gerüstete Version v3.21.
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https://www.heise.de/-10778721
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[1] https://www.moxa.com/en/support/product-support/security-advisory/mpsa-258121-cve-2025-6892%2C-cve-2025-6893%2C-cve-2025-6894%2C-cve-2025-6949%2C-cve-2025-6950-multiple-vulnerabilities-in-netwo
[2] https://aktionen.heise.de/heise-security-pro?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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Qualcomm legt beim Snapdragon X nach – ab 2026. Das erste Gigawatt-Rechenzentrum ist im Bau. Google verpasst ChromeOS einen Android-Unterbau.
Auf ihrem jährlichen Presse-Event auf Hawaii präsentierte die Firma Qualcomm den Smartphoneprozessor Snapdragon 8 Elite Gen 5 sowie den Snapdragon X2 Elite für Windows-11-Notebooks. Von letzterem kommt eine "Extreme"-Version mit 18 Kernen und drei RAM-Kanälen, die aktuelle Konkurrenten wie AMD Ryzen AI 300, Apple M4 und Intel Core Ultra 200 in manchen Benchmarks überholt.
Qualcomm wollte nicht verraten, mit welcher Thermal Design Power (TDP) die Testsysteme konfiguriert waren. Sie liefen zudem an Netzteilen, im reinen Akkubetrieb drosseln die meisten Notebooks ihre jeweilige CPU. Unter diesen Idealbedingungen lieferte der Snapdragon X2 Elite Extreme knapp mehr als 4000 Punkte in der Singlethreading-Disziplin des Geekbench 6.5 sowie rund 160 Singlethreading-Punkte im Cinebench 2024. Im Geekbench liegt er damit vor einem Apple M4 Pro, im Cinebench knapp dahinter – aber deutlich vor den aktuellen Chips von AMD und Intel. Bei Multithreading ist er ungefähr gleichauf mit den stärksten Mobilprozessoren von AMD und Intel, der Apple M4 Max ist etwas schneller.
Snapdragon-X2-Notebooks werden jedoch wohl frühestens um Ostern 2026 im Einzelhandel auftauchen. Bis dahin dürften stärkere Konkurrenten auf dem Markt sein, etwa MacBooks mit M5 sowie einige Notebooks mit Intel Core Ultra 300 "Panther Lake". AMD braucht mit Zen 6 vermutlich bis zum zweiten Halbjahr 2026.
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https://www.heise.de/-10520387
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[1] https://www.heise.de/hintergrund/Bit-Rauschen-Qualcomms-Mobil-CPU-Snapdragon-X2-Elite-soll-alle-ueberholen-10520387.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Bit-Rauschen-Nvidia-Geldspritze-fuer-Intel-10520371.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Bit-Rauschen-Intel-will-CPU-Kerne-zu-Supercores-kombinieren-10520359.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Bit-Rauschen-Die-US-Regierung-prueft-eine-Intel-Beteiligung-10474054.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Bit-Rauschen-Trump-schiesst-gegen-den-Intel-Chef-10474050.html
[6] https://www.heise.de/news/Bit-Rauschen-Intel-Magdeburg-ist-Geschichte-IBM-Power11-Nvidia-CUDA-RISC-V-10384507.html
[7] https://www.heise.de/news/Bit-Rauschen-Probleme-bei-RISC-V-Firmen-und-Chip-Auftragsfertigern-10368250.html
[8] https://www.heise.de/news/Bit-Rauschen-Intels-uebernaechste-Desktop-CPU-soll-ein-Kracher-werden-10368244.html
[9] https://www.heise.de/news/Bit-Rauschen-Intel-verlaengert-das-Leben-der-CPU-Fassung-LGA1700-10368240.html
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(Bild: Andrii Yalanskyi/Shutterstock)
US-Forscher entwickeln greifbare Pixel. Das gezeigte Display präsentiert Informationen und lässt Punkte zusätzlich durch Laserlicht fühlbar hervortreten.
Bildschirme mit Flüssigkristallen, Quantenpunkten oder organischen LEDs dominieren unseren Alltag. Doch sie teilen eine Einschränkung: Sie übermitteln Daten ausschließlich optisch. Die sonst für den Alltag wichtige haptische Wahrnehmung fehlt. Touchscreens erlauben zwar Fingersteuerung und Smartphones liefern Vibrationsrückmeldungen, der angezeigte Inhalt bleibt jedoch zweidimensional und flach. Er lässt sich nicht durch Berührung erfahren beziehungsweise ertasten.
Wie Science Robotics berichtet [1], haben Max Linnander und sein Team von der University of California in Santa Barbara ein Display entwickelt, das Inhalte gleichzeitig sichtbar und greifbar darstellt. Aktive Bildpunkte sorgen dabei nicht nur für die gewohnte zweidimensionale Darstellung, sondern heben entsprechend markierte Bereiche als kleine "Buckel" hervor. Dazu integrieren sie winzige, mit Luft gefüllte Hohlräume unter der flexiblen Oberfläche. Laserlicht bestrahlt diese Elemente, erhitzt das Gas darin und lässt die Schicht sich spürbar nach oben wölben. Der Vorteil: Diese haptischen Punkte sind nicht nur für statische Bilder geeignet, sondern wechseln fast so rasch wie herkömmliche Bildschirmelemente das Erscheinungsbild. Die ersten Prototypen erreichen Reaktionszeiten von 2 bis 100 Millisekunden bei maximal 1511 adressierbaren Pixeln.
Linnander und sein Team prüften in Versuchen mit Teilnehmern, wie zuverlässig dieses haptische System im Einsatz funktioniert. Die Probanden sollten allein durch Fingerberührung Formen und Dynamiken wie die Bewegungsrichtung oder Rotation eines Objekts erkennen. Ergebnis: Die Nutzer identifizieren die Inhalte in 93 bis 100 Prozent der Durchgänge korrekt. Der im Test verwendete Prototyp des Displays verfügte über 1.511 Elemente auf 15 x 15 Zentimetern. "Das ist bereits ein Vielfaches der bisher verfügbaren taktilen Displays mit ähnlichen Merkmalen", sagt Linnander.
Bis diese Technik die Serienreife erreicht und nicht nur als Prototyp in Forschungseinrichtungen und Entwicklungslabors zur Verfügung steht, müssen sich Maker und DIY-Enthusiasten mit weniger leistungsfähigen Lösungen auf anderer technischer Basis begnügen. Für Maker und DIY-Enthusiasten bieten sich Aktuatoren wie ERM- und LRA-Vibrationsmotoren (beispielsweise von TITAN Haptics oder Precision Microdrives) an. Zusätzlich sind piezoelektrische Elemente für Surface-Haptics (wie von KEMET oder Novasentis) und weiche EAP-Aktuatoren für flexible Interfaces verfügbar. Open-Source-Projekte wie der SmartKnob View auf ESP32-Basis mit programmierbarem Feedback sind ebenfalls brauchbare Lösungen für den DIY-Bereich.
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https://www.heise.de/-10779238
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[1] https://www.science.org/doi/10.1126/scirobotics.adv1383
[2] https://www.heise.de/make
[3] mailto:usz@heise.de
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Durchgestrichenes Apple-Netzteil: Die Weglassung hätte nicht sein müssen.
(Bild: Apple / Bearbeitung heise medien)
Wer sein 1800 Euro teures MacBook Pro M5 aufladen will, muss sich ein Netzteil besorgen. Doch gezwungen hat Apple dazu niemand.
Die meisten Nutzer sind es mittlerweile gewohnt, dass Apple bei neuen iPhones kein Netzteil mehr beilegt. Schon das ist nicht unumstritten, muss man für die Schnellladefunktion doch gegebenenfalls tief in die Tasche greifen [1]. Dass nun aber auch beim MacBook Pro M5 [2], das mindestens 1800 Euro kostet, keine Stromversorgung mehr beiliegt, ist wirklich ärgerlich. Denn das dafür notwendige 70-Watt-Netzteil zum Laden in normaler Geschwindigkeit wird bei Weitem nicht jeder User in der Schublade haben. Apple setzt das nur in Europa [3] so radikal um. 65 Euro zusätzlich [4] muss bei dem Hersteller zahlen, wer die zuvor kostenlos beiliegende Stromversorgung erwerben möchte. Apple agiert so, weil es ab dem kommenden Jahr Änderungen bei den EU-Vorgaben gibt. Allerdings hätte dies nicht so umgesetzt werden müssen – es wäre auch kundenfreundlicher gegangen.
Denn: Zwar greift ab Frühjahr 2026 erstmals die EU-Richtlinie für einheitliche Ladegeräte [5] auch für Notebooks und Laptops. Doch zu einer Weglassung zwingt diese Apple nicht. Stattdessen soll Kunden neben dem Standardanschluss mit USB-C die Option gelassen werden, ob sie ein Netzteil benötigen oder nicht. Die Betonung liegt auf "Option": Apple hätte also durchaus eine Wahl gehabt. Ein kleiner Haken – und der Kunde hätte bei der Bestellung festlegen können, ob er die Stromversorgung benötigt oder nicht.
Apple, das sich offiziell noch nicht zu der Änderung geäußert hat, könnte argumentieren, dass dies ein logistisches Problem wäre. Doch dem ist nicht so. Schon zuvor mussten Geräte je nach Markt mit passenden Steckern für die Netzteile versorgt werden, zudem gibt es zahllose Konfigurationsoptionen. Etwa beim iPhone 17 Pro Max [6]: Hier kann man allein aus drei Farben – wenig für Apple – mit vier verschiedenen Speichergrößen wählen, die problemlos bei Apple vorgehalten und ausgeliefert werden können. Denkbar wäre zudem gewesen, dass man das weggelassene Netzteil einfach nachbestellt und etwa kostenlos in einem Apple-Laden oder einem autorisierten Retailer hätte abholen können. Auch das ist keineswegs neu: Beim "Antennagate" verteilte Apple Hunderttausende (oder gar Millionen) Hüllen und "Bumper" [7] nachträglich gratis.
Interessant: Apple legt auch in Großbritannien kein Netzteil beim MacBook Pro M5 mehr bei, auch wenn das Land längst nicht mehr Teil der Europäischen Union ist. Denkbar ist also, dass die Vorgehensweise nur einen Vorgeschmack für einen weltweiten Rollout darstellt. In der Verpackung enthalten ist aktuell noch ein MagSafe-auf-USB-C-Kabel. Auch das könnte eines Tages auf der Abschussliste stehen.
Allerdings steht man als Käufer dann gegebenenfalls dumm da: Wer kein Netzteil und Kabel parat hat, kann seinen Mac dann nur so lange nutzen, wie Apple ihn ab Werk vorgeladen hat. Unklar ist noch, ob Apple das Netzteil auch bei seinen teureren MacBook-Pro-Modellen mit M5 Pro und M5 Max weglässt – diese werden erst im Frühjahr erwaret.
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[1] https://9to5mac.com/2025/09/13/iphone-17-pro-fast-charging-psa/
[2] https://www.heise.de/news/Mit-Apple-M5-MacBook-Pro-und-iPad-Pro-2025-sagen-Hallo-10767488.html
[3] https://www.heise.de/news/MacBook-Pro-2025-Apple-streicht-das-Netzteil-auch-bei-Laptops-nur-in-Europa-10773475.html
[4] https://www.apple.com/de/shop/product/MXN53ZM/A/70W%C2%A0USB%E2%80%91C%20Power%20Adapter?afid=p239%7C121977&cid=aos-de-aff-ir
[5] https://www.heise.de/news/Anti-Apple-Richtlinie-Gesetz-fuer-einheitliches-Ladekabel-tritt-in-Kraft-7443376.html
[6] https://www.heise.de/tests/iPhone-17-17-Pro-17-Pro-Max-und-Air-im-Test-10663319.html
[7] https://www.heise.de/news/Antennagate-20-Bytes-Code-loesten-iPhone-4-Skandal-aus-10745703.html
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Icons von App Store und Epic Games Store: Streit schon seit Jahren.
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Der Konflikt um die App-Store-Öffnung geht auch in Down Under weiter. Nun haben Apples Anwälte deutlich gegen Epic Games ausgeholt.
Apple und Epic Games haben ihren weltweit ausgetragenen Konflikt um Zahlungsmethoden im App Store, alternative App-Marktplätze und andere Fragen der Plattformfreiheit weiterhin nicht beendet. Aus Australien, wo beide Streithähne ebenfalls bereits seit 2020 (!) im Clinch liegen, gibt es nun neue Informationen.
Das dortige Bundesgericht entschied im vergangenen August, man sehe den Fall zumindest teilweise wie Epic Games – und entschied, dass alternative App-Läden via Sideloading ebenfalls genehmigt werden müssen wie alternative Bezahlmethoden außerhalb jener von Apple [1]. Denn: Alles andere verstoße gegen den "Competition and Consumer Act" des Landes. Unklar bleibt, wie die Entscheidung umgesetzt wird. Epic Games wünscht sich eine baldige Öffnung, Apple ist naturgemäß dagegen.
In einem öffentlichen Statement des iPhone-Herstellers, das Macrumors vorliegt [2], heißt es jetzt, Epic Games versuche, zum "Gratismitfahrer" zu werden. Dabei würden Apples Rechte des geistigen Eigentums geschädigt. "Epic verlangt nun einen 'Free Ride' auf Apples Plattform und will, dass wir alle Sicherheitsmerkmale streichen, die wir jemals eingebaut haben, um Nutzer und Entwickler zu schützen." Doch genau das gehe "weit über das hinaus, was das Gericht entschieden hat". Apples Anwälte sind demnach derzeit dabei, ein Prozessergebnis anzustreben, "das unser geistiges Eigentum respektiert und die geschützte, sichere Erfahrung von Konsumenten und Developern, die diese von unserer Plattform erwartet, sicherstellt".
Epic Games möchte am liebsten, dass in Australien gar keine Zahlungen an Apple mehr erfolgen müssen. Stattdessen soll es ein Sideloading geben, wie man es mittlerweile aus Europa kennt [3]. Hier versucht Apple allerdings, Plattformgebühren einzutreiben. Das will Epic Games in anderen Märkten verhindern. Das australische Gericht scheint hier eher Apples Sicht zu teilen und tendiert dazu, dass Apple ein Recht dazu hat, für seine Technologie bezahlt zu werden. Auch scheint es Sympathien für den Schutz von Apples Plattform zu geben, die deshalb Sideloading unterbindet. Allerdings passt das alles wenig zusammen.
Am Freitag gab es deshalb ein erstes "Case Management Hearing", in dem nähere Details mitgeteilt werden sollten, dazu ist allerdings noch nichts bekannt. Doch vor Dezember ist mit weitergehenden Entscheidungen sowieso nicht zu rechnen. Erst dann soll teilweise beschlossen werden, was Apple tun muss. Mit einer endgültigen Beschlusslage ist jedoch nicht vor Frühjahr 2026 zu rechnen. Möglicherweise greift zuvor auch der australische Gesetzgeber ein.
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[1] https://www.heise.de/news/Australien-Apple-und-Google-wegen-Wettbewerbsverstoessen-verurteilt-10519123.html
[2] https://www.macrumors.com/2025/10/17/apple-epic-games-free-ride-australia/
[3] https://www.heise.de/news/Sechs-Schritte-Epic-Games-zeigt-Apples-neuen-App-Marketplace-Installer-10699238.html
[4] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
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Icon von Apple Wallet auf einem iPhone.
(Bild: Tada Images/Shutterstock)
Werden Flighty & Co. überflüssig? Apple macht Flugtickets in seiner Wallet-App schlauer. Nun stehen erste Teilnehmer auf Airline-Seite fest.
Mit iOS 26 [1] hat Apple seine Wallet-App auf dem iPhone aufgebohrt. Neben neuen KI-Funktionen beim Shoppen [2] gilt das auch fürs Fliegen: Bordkarten sollen nun smarter sein. Das geht allerdings nur, sofern die jeweilige Airline mitspielt. Die ersten Fluggesellschaften haben bereits mitgeteilt, dass sie die "Refreshed Boarding Passes" unterstützen werden.
Die Idee dabei ist es, die jeweilige Bordkarte mit Live-Aktivitäten zu verbinden, wie man sie etwa von Flighty [3] und immer mehr Apps von Airlines selbst (etwa KLM und Air France) kennt. Dabei kann man den Fortschritt eines Fluges bequem als Live-Aktivität in der Dynamic Island oder auf dem Lockscreen verfolgen. Neu ist auch, dass man diese Infos mit Freunden und Familie teilen kann.
Weiterhin kennen die neuen Bordkarten auch weitere iOS-Features wie ein direkter Zugriff auf Maps zur Navigation auf dem Flughafengelände oder "Wo ist?" zum Auffinden von Gegenständen oder Gepäck [4]. Ebenfalls nett: Airlines können Teile ihrer App in der Apple Wallet abbilden, wie Apple mitteilt [5]: Darunter die Möglichkeit, Sitzplatz-Upgrades zu erwerben oder auf eine Standby-Liste zu kommen.
Bislang ist noch nicht gesagt, wann die Einführung der neuen Bordkarten in Apple Wallet allgemein startet. Umgesetzt wurde der Dienst bislang nur teilweise von United Airlines. Angekündigt ist ansonsten nur, wer sonst in der ersten Runde mitmacht. Dies sind, so Apple, die US-Airlines America, Delta, JetBlue und Southwest, Air Canada aus Kanada, Qantas Virgin Australia und Jetstar aus Australien sowie die Lufthansa Group (ohne Angabe der jeweiligen Marke) aus Europa.
(Bild: heise medien)
Wie die neuen Bordkarten konkret aussehen, zeigen erste Versuche mit United. Dort gibt es auf Knopfdruck eine Live-Aktivität (standardmäßig läuft sie offenbar nicht los), die Möglichkeit den "Flight Tracker" mit anderen Personen zu teilen (die dann auch eine Live-Aktivität sehen) und Knöpfe für die Routenführung per Maps sowie das Tracken von Gepäck in "Wo ist?". Änderungen am Flug können bei United offenbar nicht direkt in der Wallet vorgenommen werden. Angaben dazu, wie aufwendig die Implementierung ist, wurden bislang noch keine gemacht. Details zum Aktualisieren von Wallet-Passes führt Apple auf seiner Entwicklerwebsite aus [6]. Weitere Details gibt es auf einer (bislang noch recht schmalen) Info-Website [7] sowie einem Entwicklervideo [8]. Darin geht es allerdings um alle Neuerungen in Wallet für iOS 26.
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[1] https://www.heise.de/ratgeber/iOS-und-iPadOS-26-in-Action-23-Tipps-fuer-die-neuen-Apple-Systeme-10646549.html
[2] https://www.heise.de/news/Bestellungstracking-Apple-Wallet-ist-dank-KI-kuenftig-viel-besser-darin-10672374.html
[3] https://www.heise.de/news/Verbesserungen-fuer-Fluege-mit-dem-iPhone-Apple-Wallet-sherlockt-Flighty-10437926.html
[4] https://www.heise.de/news/Ueberblick-Diese-Airlines-nehmen-AirTags-zum-Gepaeck-Tracking-10505353.html
[5] https://www.apple.com/newsroom/2025/06/apple-services-deliver-powerful-features-and-intelligent-updates-to-users-this-fall/
[6] https://developer.apple.com/documentation/WalletPasses/adding-a-web-service-to-update-passes
[7] https://developer.apple.com/wallet/whats-new/
[8] https://developer.apple.com/videos/play/wwdc2025/202/
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