3D-Rendering der 212CD-Klasse
(Bild: © TKMS)
Kanadas Marineauftrag hat Gewicht: Die neue, kleine Nordatlantik-Allianz taucht ab, um gegen die Großen zu bestehen. Ein Affront gegen Washington? Eine Analyse.
Kanada hat sich entschieden [1]: Die neue U-Boot-Flotte wird gemeinsam mit dem deutsch-norwegischen Konsortium von TKMS gebaut. Für den deuschen Marinespezialisten bedeutet [2] der Auftrag den vorläufigen Höhepunkt eines kometenhaften Aufstiegs. Noch 2024 drohte [3] der Marinesparte des Mutterkonzerns Thyssenkrupp ein Ausverkauf in die USA, erst der Börsengang 2025 leitete die Wende ein [4].
Heute gilt der Kieler Schiffsbauer als weltgrößter Hersteller konventioneller U-Boote, mit kürzlich bekannt gewordenen Expansionsgedanken [5] gen Spanien.
Doch fernab von der schwerindustriellen Bedeutung der Vertragsunterzeichnung stellen die zwölf eingekauften Unterseeboote die äußere Form einer weitaus größeren strategischen Verschiebung dar: Das größte rüstungspolitische Geschäft der kanadischen Geschichte ist Ausdruck [6] einer sich vertiefenden europäischen Sicherheitsbeziehung Kanadas – und ein Signal an Dritte: an Moskau oder Peking und möglicherweise sogar an Washington.
Bundeskanzler Friedrich Merz sprach [7], flankiert vom kanadischen PremierMark Carney und dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støre beim jüngsten Nato-Gipfel in Ankara von einer "neuen Ära der Kooperation". Formell handelt es sich beim aktuellen Ansinnen zwar nicht um einen eigenständigen Militärpakt außerhalb der Nato, faktisch aber entsteht [8] eine extrem enge militärindustrielle Partnerschaft.
Dabei gelten die deutsch-kanadischen wie deutsch-norwegischen Beziehungen traditionell als eng – doch die aktuelle Dreier-Konstellation markiert eine neue Qualität.
Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius reiste [9] im Vorfeld mehrfach nach Norwegen wie Kanada, warb [10] – neben der U-Boot-Zusammenarbeit, auch für eine Satellitenkooperation mit Norwegen. Erst im März diesen Jahres übte man gemeinsam im hohen Norden im Rahmen von "Cold Response" [11], bei welcher auch der deutsche Kanzler präsent war [12].
Mit der U-Boot-Bestellung entsteht [13] die weltweit größte konventionelle Flotte einheitlichen Typs: Deutschland und Norwegen besitzen je sechs, Kanada erhält bis zu zwölf, insgesamt also 24 baugleiche Einheiten. Diese Gleichheit erleichtert [14] nicht nur Ausbildung und Ersatzteilbeschaffung, sondern ermöglicht in letzter Konsequenz auch eine gemeinsame Logistik und Einsatzplanung.
Die Wartung soll [15] unter anderem in einem norwegischen Zentrum bei Bergen erfolgen. Diese enge Verzahnung setzt allerdings eine breite Vertrauensbasis voraus, denn alle drei Staaten geben damit Teile ihrer militärpolitischen Souveränität aus nationaler Hand.
Technisch kann [16] die Einigung auf die Klasse 212CD [17] als kluge Entscheidung gelten. Das Boot basiert zwar auf der bewährten 212A-Familie [18], wurde jedoch in den Bereichen Rumpf, Antrieb, Geräuschentwicklung und Arktisfähigkeit komplett neu entwickelt. Ein diamantförmiger Rumpf soll [19] die Ortbarkeit durch aktive Sonarsysteme verringern, während eine weiterentwickelte Brennstoffzellentechnik zusammen mit verbesserter Schwingungsentkopplung und moderner Sensorik die ohnehin geringe akustische Signatur nochmals reduziert.
Größere Reichweite, längere Unterwasserausdauer und leistungsfähigere Datenfusion machen die Klasse besonders für Operationen im Nordatlantik und in der Arktis geeignet – jenen Seegebieten, in denen russische Atom-U-Booten operieren.
Als Markenzeichen deutscher Ingenieurskunst gilt [20] zudem der Verbau von nicht-magnetischem Stahl: Er verringert die Anfälligkeit für Magnetminen, reduziert die magnetische Signatur und erschwert die Ortung durch Sensoren. Für Kanada war gerade die ausdrückliche Arktistauglichkeit kaufentscheidend. Marineanalysten bewerten [21] die 212CD deshalb nicht als bloße Weiterentwicklung, sondern als eigenständige neue U-Boot-Generation mit Gamechanger-Charakter für die Arktiseinsatzlage.
Die Notwendigkeit hierzu lässt sich nicht ohne einen Blick auf den Klimawandel verstehen: Das Great Game um arktische Passagen, Gebiete und immense Rohstofflager hat sich intensiviert [22], seit dem der Treibhauseffekt die Region zunehmend freilegt und neue Handelsrouten eröffnet.
Die Arktis entwickelt sich derzeit von einer klimatisch schwer zugänglichen Randregion zu einem der wichtigsten geopolitischen Räume des 21. Jahrhunderts. Mit dem Rückgang des Meereises verlängern sich die eisfreien Zeitfenster erheblich, wodurch das Gebiet wirtschaftlich attraktiver wird.
Russland konzentriert einen Großteil seiner nuklearen Zweitschlagfähigkeit [23] auf der Kola-Halbinsel und baut [24] seine Nordflotte, Radarstationen und Luftverteidigung aus. Und auch das Reich der Mitte intensiviert seine Anstrengungen: bezeichnet sich seit 2018 als "Near-Arctic State" [25] (Fast-Arktis-Staat), investiert in arktische Infrastruktur und sieht die Region als Bestandteil seiner "Polar Silk Road" – eine chinesische "arktische Wende" ist erkennbar.
Doch auch die Trump-Administration meldet [26] unverhohlen imperiale Ansprüche an: mit den US-Ansprüchen auf Grönland [27] markierte Washington nicht nur einen Anspruch gegen über global-südlichen Mitbewerbern und potenziellen geopolitischen Opponenten, sondern auch gegenüber seinen bisherigen transatlantischen Freunden, die diesen brüskiert zurückwiesen. Der neue US-Machtkampf ist – verstärkt durch Drohungen gegen Panama, Zoll-Kämpfe und völkerrechtswidrige Abenteuer eben auch ein Realitätsschock, der die transatlantischen Strukturen unter Druck setzt.
Vor diesem Hintergrund verbindet [28] die drei Staaten ein gemeinsames sicherheitspolitisches Interesse: der Schutz strategisch bedeutender Seewege und kritischer maritimer Infrastruktur im Nordatlantik und in der Arktis. Norwegen kontrolliert den Zugang zur Barentssee und überwacht die sogenannte GIUK-Lücke [29] sowie russische U-Boot-Ausfahrtrouten, eine Komponente, auf die im Zweifel auch die USA nicht verzichten könnten.
Kanada sieht angesichts schmelzender Eismassen zunehmend gezwungen, seine Souveränität über die Nordwestpassage militärisch abzusichern – nach diversen Reibereien mit Washington [30] letztlich auch ohne oder gar gegen die USA. Deutschland besitzt zwar keine arktische Küste, ist als Exportnation aber in hohem Maße auf sichere transatlantische Handelslinien angewiesen und will nach der eigenen Zeitenwende zunehmend eine militärpolitische Rolle spielen.
Ottawas Integration in Europas Aufrüstung kann durchaus als Gegengewicht zu den zerrütteten Beziehung mit den USA interpretiert werden, während sich Berlin und Oslo stark auf Moskau fokussieren dürften. Bemerkenswert bleibt, dass die USA in den offiziellen Kommuniqués zum U-Boot-Deal nirgends namentlich auftauchen, im Gegensatz zu Moskau – ein Schweigen, das Raum für zwei gegensätzliche Lesarten lässt: Eine stille, insbesondere europäisch forcierte, Arbeitsteilung mit Washington oder der Beginn echter Emanzipation von der amerikanischen Schutzmacht.
Das U-Boot-Programm 212CD reicht damit weit über reine Rüstungskooperation hinaus. Es schafft eine Plattform für den langfristigen Schutz der nördlichen Flanke und verbessert die Fähigkeit, russische U-Boote in arktischen Gewässern zu überwachen.
Dass mit Kanada erstmals ein nordamerikanischer Arktisanrainer auf europäisches U-Boot-Design setzt, unterstreicht eine veränderte Nato-Strategie, die den hohen Norden als Schauplatz künftiger Großmachtrivalität begreift – und sich womöglich mit einem schrumpfenden Anteil der USA an der transatlantischen Sicherheitsarchitektur hin zu einer neuen Miniatur Variante, emanzipiert.
Ob aus dem Trilateralismus mehr wird als eine zeitgebundene Episode, dürfte sich am Ende maßgeblich in Washington selbst entscheiden – noch wurden insbesondere in Europa keinerlei Rufe gegen Washington dominant.
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Auf dem Gelände der Isro in Sriharikota, Andra Pradesh
(Bild: Sukanya0920, shutterstock)
Während das Startup Skyroot die Rakete Vikram-1 erfolgreich startet, verliert die staatliche Isro über 100 Forscher. Wichtige Missionen verzögern sich.
Die indische Raumfahrt erlebt eine Phase vermeintlicher Widersprüche: Während das private Unternehmen Skyroot Aerospace am 18. Juli 2026 mit der Vikram-1 die erste privat entwickelte Orbitalrakete des Landes erfolgreich startete [1], kämpft die staatliche Raumfahrtagentur Isro mit einer Talentflucht [2], die wichtige nationale Projekte gefährdet.
Über 100 Wissenschaftler haben die staatliche indische Raumfahrtorganisation in den vergangenen Monaten verlassen – was dazu führt, dass Indien im strategischen Wettlauf mit China weiter zurückzufallen [3] droht.
Die indische Regierung hat mit drastischen Maßnahmen reagiert. Das Ministerium für Weltraumangelegenheiten verschärfte die Kündigungsregeln [4] für Wissenschaftler, die an Schlüsselprojekten für das bemannte Raumflugprogramm arbeiten.
Kündigungen und Anträge auf vorzeitigen Ruhestand müssen nun genehmigt werden. Die "Welle von Anträgen auf freiwilligen Ruhestand und Kündigungen" von wissenschaftlichem und technischem Personal beeinträchtige "schwerwiegend die Umsetzung von Projekten von nationaler Bedeutung".
Die Abwanderung konzentriert sich auf strategisch wichtige Zentren: Rund 80 Wissenschaftler haben das U.R. Rao Satellite Centre in Bengaluru verlassen, etwa 20 das Vikram Sarabhai Space Centre in Thiruvananthapuram. Darunter befinden sich mehrere leitende Missionsdirektoren.
Die Verluste wiegen schwer: Die ausscheidenden Wissenschaftler verfügen über jahrelange spezialisierte Erfahrung aus Missionen wie Chandrayaan-3 [5], SpaDeX [6] und Gaganyaan [7].
Die Gründe für die Abwanderung sind vielfältig. Branchenexperten und hochrangige Isro-Mitarbeiter, die anonym bleiben wollten, nennen vor allem die Anziehungskraft des aufstrebenden privaten Raumfahrtsektors.
Diese Unternehmen entwickeln Raketen, Satelliten, Antriebssysteme und weltraumgestützte Dienstleistungen in einem Tempo, das noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Für Isro-Wissenschaftler liegt der Reiz auf der Hand: Private Firmen bieten deutlich höhere Gehälter, Aktienoptionen, größere Flexibilität und die Möglichkeit, dort zu arbeiten, wo Ideen rasch vom Reißbrett zur Hardware reifen.
Seit die indische Regierung 2020 die Branche für private Beteiligung öffnete, haben Start-ups wie Skyroot Aerospace, Agnikul Cosmos, Pixxel, Bellatrix Aerospace, Dhruva Space und Digantara die Luft- und Raumfahrtlandschaft des Landes transformiert. Anders als traditionelle Regierungsorganisationen ermöglichen Start-ups auch frühere Führungsrollen und die Chance, völlig neue Technologien aufzubauen.
Dieser Trend wird durch ehemalige Isro-Veteranen selbst verstärkt: In den vergangenen Jahren haben mehrere pensionierte und ehemalige hochrangige Isro-Beamte Luft- und Raumfahrt-Startups gegründet oder betreut und damit ein Ökosystem geschaffen, das zunehmend Talente von der nationalen Raumfahrtagentur abzieht.
Doch die Attraktivität der Privatwirtschaft erklärt nur einen Teil der Geschichte. Die Abgänge fallen in eine Zeit, in der die Isro mit einer Verlangsamung der Missionsausführung zu kämpfen hat. Mehrere hochkarätige Missionen liegen hinter den Zeitplänen.
Die Isro, die ein aggressives Programm von 18 Starts für 2026 angekündigt hatte, hatte in den ersten vier Monaten des Jahres nur einen einzigen abgeschlossen – und diese Mission endete mit einem Fehlschlag.
Die Gaganyaan-Mission, Indiens erstes bemanntes Raumfahrtprogramm, steht besonders im Fokus. Ursprünglich für 2022 geplant, wurde der Start mehrfach verschoben – zuletzt auf 2027. Doch selbst dieser Termin gilt als unrealistisch.
Vorher muss Indien zwei kritische unbemannte Testmissionen abschließen. Sie sollen das Crew-Rettungssystem, die Lebenserhaltung, die Avionik, die Sicherheitsmaßnahmen und die gesamte Missionsarchitektur unter realen Flugbedingungen validieren.
Und es gibt Anzeichen dafür, dass die aktuellen Fortschritte nicht ausreichen, um eine bemannte Mission innerhalb des nächsten Jahres zu unterstützen. Kritische Systeme, einschließlich Umweltkontrolle, Crew-Sicherheitsprotokolle und Missionsintegration, müssen noch nachgebessert werden.
Ein weiterer, weniger sichtbarer, aber ebenso entscheidender Aspekt ist schlichtweg Fachkräftemangel. Die Isro muss noch die Bodenteams, das Missionskontrollpersonal und die Astronauten-Unterstützungseinheiten benenne, die während der Mission für den Echtzeitbetrieb verantwortlich sein werden.
Denn Indien verfügt über einen winzigen Pool von vier Astronauten, aus denen für die Gaganyaan-Mission drei ausgewählt werden sollen.
Unterdessen feiert der private Sektor Erfolge. Am 18. Juli 2026 um 12:05 Uhr startete Vikram-1, Indiens erste privat entwickelte Orbitalrakete, vom Satish Dhawan Space Centre in Sriharikota. Die von Skyroot Aerospace entwickelte Rakete platzierte erfolgreich mehrere Technologiedemonstrations-Nutzlasten in 450 Kilometern Höhe.
Die Mission markiert Indiens Eintritt in eine Elitegruppe von Nationen mit privater orbitaler Startkapazität und macht es zum dritten Land der Welt, das diese Leistung durch ein privat entwickeltes Startfahrzeug erreicht hat.
Die Rakete besteht aus einer Kohlefaser-Verbundstruktur und wird von hauseigenen Boostern angetrieben, bei deren Bau auch 3D-Drucker zum Einsatz kamen. Die Rakete ist darauf ausgelegt, kleine Satelliten mit einem Gewicht von bis zu 350 kg in eine niedrige Erdumlaufbahn zu befördern.
Sowohl China als auch Indien betrachten Investitionen in die Raumfahrt als Teil ihrer nationalen Entwicklungsziele, als Mechanismus zur Stärkung von Autarkie, zur Entwicklung und Aufrechterhaltung von Legitimität, zur Steigerung des Nationalstolzes und zur Erlangung externen Prestiges.
Wo sich China und Indien unterscheiden [8], ist, wie sie die Funktionen von Raumfahrt für ihre Gesellschaften verorten: Indien ist auf die Erreichung traditioneller Weltraumziele konzentriert, wie Satellitenstarts, das Entsenden von Menschen in die niedrige Erdumlaufbahn und Missionen zum Mond und Mars.
China verfolgt dagegen eine ambitionierte Langzeitstrategie, bei der die Raumfahrtambitionen strategisch in die Errichtung seiner wachsenden kritischen Infrastruktur eingebettet sind.
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DeepSeek ändert seine Finanzpläne.
(Bild: Runrun2 / Shutterstock.com)
Das chinesische KI-Start-up DeepSeek setzt seine zweite Finanzierungsrunde aus. Über seine Pläne für einen Börsengang sagte es jedoch nichts.
Das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek hat potenziellen Investoren mitgeteilt, dass es die Gespräche über seine zweite Finanzierungsrunde vorerst aussetzt. DeepSeek hatte erst im vergangenen Monat seine erste externe Finanzierungsrunde über rund sieben Milliarden US-Dollar [1] abgeschlossen – und wollte direkt nachlegen.
Das sei nun nicht mehr geplant, berichtet The Information [2] unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person. Die angestrebte Bewertung lag bei 500 Milliarden Yuan, was rund 74 Milliarden US-Dollar entspricht. Das wäre ein erheblicher Sprung gegenüber der Bewertung aus der ersten Runde, an der sich unter anderem Tencent und der Batteriehersteller CATL beteiligt hatten.
Kurz zuvor hatte sich der CEO Liang Wenfeng verärgert über den Leak von Informationen gezeigt. Ein Transkript eines Investorencalls des CEOs, der im Mai stattfand, kursierte vergangene Woche auf chinesischen Social-Media-Plattformen und X. In dem Gespräch legte Liang seine strategischen Prioritäten dar. Der CEO war Berichten zufolge verärgert über den Leak.
Die Entscheidung fällt zudem in eine Phase verschärften Wettbewerbs im chinesischen KI-Markt. Moonshot AI, ein chinesischer Konkurrent, hat mit seinem Open-Weight-Modell Kimi K3 [3] gerade für erhebliches Aufsehen gesorgt. Das Modell erreichte in Benchmarks Ergebnisse, die mit US-amerikanischen Frontier-Modellen konkurrieren können. Die Nachfrage nach K3 war so groß, dass Moonshot AIs Server innerhalb von 48 Stunden angeblich überlastet waren. Laut The Information hätten einige Investoren vergangene Woche bei DeepSeek nachgefragt, ob der Erfolg von Kimi K3 Auswirkungen auf die eigenen Pläne haben könnte.
Parallel zur Finanzierungsrunde bereitet das 2023 gegründete Unternehmen einen möglichen Börsengang [4]vor. Laut Bloomberg arbeitet DeepSeek mit Wirtschaftsprüfern daran, bis Ende Dezember 2026 einen Finanzbericht zu erstellen – eine Voraussetzung für einen IPO-Antrag.
Investoren rechnen dem Information-Bericht zufolge damit, dass die Gespräche über die zweite Finanzierungsrunde zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden. Unklar bleibt, wie lange die Pause dauern wird.
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In dieser Episode diskutiert Eberhard Wolff mit Tom Asel und Daniel Sack darüber, wie EventStorming als Baustein der kollaborativen Modellierung funktioniert.
Wer in der Softwareentwicklung ein gemeinsames Verständnis für die Fachdomäne schaffen will, kommt an EventStorming kaum vorbei. Die Workshop-Technik hat sich in den vergangenen Jahren als Standard etabliert – doch in der Praxis reicht die Methode allein oft nicht aus. Wie sich EventStorming daher nicht als singuläre Methode, sondern als ein Baustein in einem größeren Repertoire kollaborativer Modellierung verstehen lässt, darüber diskutiert Eberhard Wolff in dieser Folge mit Tom Asel [1] und Daniel Sack [2]. Im Verlauf des Gesprächs zeigen sie konkret, welche typischen Fallstricke es gibt und weshalb Teams sich nicht blind auf das Format verlassen sollten.
EventStorming wurde von Alberto Brandolini im Umfeld von Domain-driven Design (DDD) entwickelt und ist im Vergleich zu anderen Verfahren bewusst leichtgewichtig. Die Methode kommt zunächst ohne Rechner aus: Teilnehmende visualisieren fachliche Abläufe mit farbigen Klebezetteln auf einer großen Wand. Orangefarbene Zettel stehen für Domain Events, also fachliche Ereignisse, blaue für Commands, die diese Ereignisse auslösen, gelbe für Aggregates. Weitere Farben markieren Policys, Read Models, beteiligte Personen, Systeme oder sogenannte Hotspots – Stellen, an denen es hakt oder Klärungsbedarf besteht.
Ihre Erfahrung geben die drei Experten Sack, Asel und Wolff auch in Trainings unter dem Kürzel COSMO (Collaborative Software Modeling) bei Techtalk [3] und Socreatory [4] weiter.
Die Ausstrahlung findet am Dienstag, 28. Juli 2026, live ab 13:00 Uhr statt. Die Folge steht im Anschluss als Aufzeichnung bereit. Während des Livestreams können Interessierte Fragen via Twitch-Chat, YouTube-Chat oder anonym über das Formular auf der Videocast-Seite [6] einbringen.
software-architektur.tv ist ein Videocast von Eberhard Wolff, iX-Blogger und bekannter Softwarearchitekt [7], der als Head of Architecture bei SWAGLab arbeitet. Zum Team gehören außerdem Lisa Maria Schäfer [8] (Socreatory) und Ralf D. Müller [9] (DB Systel). Seit Juni 2020 sind über 250 Folgen entstanden, die unterschiedliche Bereiche der Softwarearchitektur beleuchten – mal mit Gästen, mal Wolff, Schäfer oder Müller solo. Seit mittlerweile mehr als vier Jahren berichtet iX (heise Developer) über die Episoden.
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Aus Sicherheitsgründen wartet das GitHub-Tool nun drei Tage bis zum Erstellen von Pull Requests, wenn Versionsupdates für Dependencies erscheinen.
GitHub hat angekündigt, dass sein Dependency-Update-Tool Dependabot eine Cooldown-Phase von drei Tagen erhält. Das heißt, erst nach diesem Zeitraum erstellt das Tool einen Pull Request für Versionsupdates von Dependencies. Hierdurch soll das Risiko für die Installation von manipulierten Packages sinken, denn solche Supply-Chain-Attacken treten immer wieder auf, werden jedoch meist innerhalb von Stunden entdeckt.
In einer größeren Sicherheitsattacke erlangte im September 2025 [1] ein Angreifer Zugriff auf den npm-Account eines Entwicklers und verbreitete darüber mit Malware versehene Pakete. Betroffen waren rund 20 npm-Pakete, darunter chalk und debug, mit mehr als zwei Milliarden Downloads pro Woche. Die Schadpakete waren etwa zwei Stunden lang verfügbar, bevor sie entdeckt und von npm entfernt wurden.
Um solche Szenarien einzudämmen, wartet das GitHub-Tool Dependabot [3] nun mindestens drei Tage, bevor es einen Pull Request für ein Versionsupdate einer Dependency erstellt. Diese standardmäßig eingestellte Zeitspanne können Entwicklerinnen und Entwickler nach Bedarf verkürzen oder verlängern.
GitHub begründet seine Wahl von drei Tagen damit, dass viele schadhafte Pakete bereits innerhalb von Stunden nach ihrer Veröffentlichung entdeckt werden. Das belegt beispielsweise ein von GitHub zitierter Bericht über 21 größere Supply-Chain-Vorfälle [4] in einem Zeitraum von acht Jahren zwischen 2018 und 2026.
Von der Änderung ausgenommen sind Security-Updates. Damit sind solche Updates gemeint, die sich auf eine bekannte Vulnerability beziehen und mit einem veröffentlichten Advisory für das Package einhergehen. In diesem Fall gibt Dependabot einen Alert aus und eröffnet einen Pull Request für das Update auf die gepatchte Version – ohne Verzögerung.
Weitere Informationen zum neuen Dependabot-Verhalten sind in einem GitHub-Blogeintrag zu finden [5]. Dabei weist GitHub darauf hin, dass die Cooldown-Phase lediglich eine von mehreren Sicherheitsschichten sein sollte, da sie beispielsweise gegen länger angelegte Attacken mit nicht aktivierten, unentdeckten Backdoors in Releases nichts ausrichten kann.
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When Japanese Prime Minister Sanae Takaichi arrived in India in early July, energy security was near the top of the agenda -- just as it was when Prime Minister Narendra Modi toured the Middle East and Europe in May. The situation in the Strait of Hormuz has sharpened such concerns about oil and gas vulnerability, but both leaders have made a broader point: Building competitive positions in advanced energy industries is equally critical -- for growth, jobs and technological leadership -- and requires sustained industrial commitment, not just diplomatic ambition.
Writing ahead of the G7 meeting in France in June, Takaichi framed her role in explicit terms: pushing structural change in energy and supply chains, rather than managing the status quo. The central question is whether these partnerships will actually lead to coordinated industrial development.
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Ob beim abendlichen Spaziergang mit dem Hund, auf dem Campingplatz, bei einer Panne oder bei Arbeiten in schlecht beleuchteten Bereichen: Taschenlampen können in vielen Situationen hilfreich sein. Besonders praktisch ist es, wenn bei der Verwendung einer Taschenlampe beide Hände frei sind.
Deshalb gibt es Modelle, die mit einem Clip ausgestattet sind. Mit dessen Hilfe kann die Lampe an der Kleidung, am Rucksack oder an Kopfbedeckungen befestigt werden. Eine solche Taschenlampe des Herstellers Blukar gibt es derzeit bei Amazon zum reduzierten Preis.
Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 15,99 Euro. Durch den aktuellen Rabatt von 25 Prozent sinkt der Preis auf 11,96 Euro.
Allerdings relativiert der Blick auf den Preisverlauf die Ersparnis etwas: Laut dem Amazon-Preistracker Keepa wird die Blukar-Taschenlampe regelmäßig auf den aktuellen Preis reduziert; 11,96 Euro sind kein einmaliges Ausnahmeangebot.
Dennoch war die Lampe bislang nur ein Mal günstiger. Zum Prime Day 2026 wurde sie kurzzeitig für 11,38 Euro angeboten. Das aktuelle Angebot liegt somit lediglich 58 Cent über dem bisherigen Tiefstpreis.
Es handelt sich um eine EDC-Taschenlampe. Die Abkürzung steht für Everyday Carry und bezeichnet kompakte Gegenstände, die sich ohne großen Aufwand mitführen lassen.
Mit Abmessungen von 6,4 x 2,9 Zentimetern und einem Gewicht von 59 Gramm passt die Lampe in viele Hosen- oder Jackentaschen. Zusätzlich hat sie einen Clip, mit dem sie sich an Rucksackgurten, Gürteln oder Kleidungsstücken befestigen lässt. Die Öffnung des Clips ist mit 16 Millimetern angegeben.
Der Clip ermöglicht die freihändige Nutzung der Lampe. Bei Reparaturen kann sie am Kragen oder an einer Brusttasche befestigt werden, um den Arbeitsbereich auszuleuchten. Wie gut sich der Lichtkegel ausrichten lässt, hängt von der jeweiligen Befestigungsposition ab. Für längere Arbeiten dürfte eine verstellbare Stirnlampe komfortabler sein.
Insgesamt sind drei Lichtquellen integriert. Das Spotlight erzeugt einen stärker gebündelten Lichtkegel und ist besser für die Ausleuchtung von Objekten in einiger Entfernung geeignet. Das Flutlicht verteilt das Licht breiter und ist für die Ausleuchtung des Nahbereichs gedacht.
Beide weißen Lichtquellen können gleichzeitig aktiviert werden. Dadurch lassen sich sowohl der nähere Bereich als auch weiter entfernte Ziele beleuchten. Die maximale Helligkeit gibt der Anbieter mit 800 Lumen an. Diese dürften aber nur kurzzeitig im Turbomodus abgerufen werden können.
Ergänzend gibt es ein rotes Flutlicht. Rotlicht blendet in dunkler Umgebung weniger als helles Weißlicht und kann beim nächtlichen Kartenlesen oder beim Einsatz im Zelt angenehmer sein. Außerdem stehen vier Helligkeitsstufen und ein Blinkmodus zur Verfügung.
Die Energie liefert ein festverbauter Akku mit einer Kapazität von 800 mAh. Aufgeladen wird dieser über USB-C. Ein passendes Kabel ist im Lieferumfang enthalten. Eine Statusanzeige informiert über den Ladevorgang und warnt durch rotes Blinken, wenn der Akkustand niedrig ist.
Blukar wirbt damit, dass eine Ladung bei täglicher Nutzung eine Woche ausreichen könne. Diese Angabe dürfte allerdings nur bei kurzen Einsätzen und niedrigeren Helligkeitsstufen erreichbar sein. Bei dauerhaftem Betrieb im Turbomodus wird der kleine Akku schneller entladen. Eine genaue Laufzeittabelle für die einzelnen Stufen nennt der Hersteller nicht.
Das Gehäuse besteht aus einer Aluminiumlegierung. Zudem ist die Taschenlampe nach IPX6 geschützt und soll somit auch starken Wasserstrahlen beziehungsweise Regen standhalten. In Wasser getaucht werden darf sie nicht.
Zusätzlich wirbt Blukar mit einem bestandenen Falltest aus einer Höhe von 1,2 Metern. Vollständig unempfindlich gegen Stürze und Beschädigungen ist die kleine Lampe dadurch nicht.
Die Taschenlampe ist vor allem für Nutzer geeignet, die eine kleine, vielseitige Lampe für gelegentliche Einsätze suchen. Mithilfe des Clips kann sie unkompliziert mitgeführt werden und ist auch für freihändige Arbeiten geeignet.
Die Lampe ist für den Einsatz in unterschiedlichen Situationen geeignet. Aufgrund der kompakten Größe und des geringen Gewichts kann sie problemlos dauerhaft mitgeführt werden.
Wer über mehrere Stunden eine konstant hohe Lichtleistung benötigt, sollte ein größeres Modell mit austauschbarem oder stärkerem Akku wählen. Für längere Wanderungen ist außerdem eine gut sitzende Stirnlampe meist komfortabler als eine Clip-Lampe, die am Kleidungsstück befestigt ist.
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In der Öffentlichkeit filtern die Kopfhörer mit adaptivem Noise Cancelling störende Hintergrundgeräusche heraus und passen sich automatisch an die Umgebung an. Wer in Kontakt mit der Außenwelt bleiben möchte, nutzt den Ambiance Mode und TalkThru, um relevante Geräusche oder Gespräche durchzulassen. Die Funktionen können bei Bedarf per Tastendruck aktiviert werden.
Auch Wiedergabe, Titelauswahl und Anrufe lassen sich über die Bedienelemente an den Kopfhörern steuern. In der App stehen neben Equalizern weiterführende Einstellungen zum Noise Cancelling und zur Auswahl eines Sprachassistenten zur Verfügung. Darüber hinaus können Nutzer die VoiceAware-Funktion nutzen, um festzulegen, in welchem Umfang sie bei Anrufen die eigene Stimme hören wollen.
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Climate change and the shifting patterns of diseases coupled with the increasing possibility of outbreaks mean more countries and scientists are relying on artificial intelligence to predict the emergence of diseases like dengue, malaria and cholera before an epidemic occurs by analyzing various kinds of weather and health data.
Outbreaks of diseases like COVID-19, Ebola, avian flu and mpox show how hard it is to control potential epidemics. The pathogens often come from animals; however, at what time and in what place these diseases will jump into people is impossible to predict. Climate changes, industrial animal farming and the invasion of natural habitats by people raise the chances of so-called spillover events, when pathogens make the move from animals to humans and, in some cases, lead to the emergence of epidemics. AI can help with analysis of datasets collected from various sources, including information on the climate, land use, animal farming, transportation, population migrations and socio-economic factors.
2006 befreite der Core 2 Duo Intel aus der Pentium-4-Sackgasse. Die Desktop-CPU übertraf alle Erwartungen und wirkt bis heute nach. Wir blicken 20 Jahre zurück.
Am 26. Juli 2006 begann Intel mit dem Verkauf der Core-2-Duo-Prozessoren. Nach dem Flop der Baureihe Pentium 4 mit hohem Energiebedarf und zu niedrigen Taktraten sowie dem Erfolg der Athlon 64 X2 von AMD stand Intel unter massivem Zugzwang. Die Rückschau offenbart, wie aus einer Notlösung die Basis für alle nachfolgenden Core-Generationen bis zu den aktuellen Intel-CPUs entstand.
Wir beleuchten auch die Vorgeschichte, wie ein sparsames Mobildesign den Chiphersteller rettete, welchen enormen Performancesprung die Core 2 Duo brachten und wie es um die Effizienz bestellt war. Zudem gehen wir auf die wesentlichen Unterschiede und vor allem Verbesserungen zum Netburst-Design der Pentium 4 ein.
Die Prozessoren [5] [5] der Serie Core 2 Duo brachten viele Neuerungen bei der Kernarchitektur, richteten den Fokus stärker auf den Energiebedarf und führten CPU-Schlafzustände wie C-States bei Desktop-Prozessoren ein.
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Das EU-Parlament stoppt den Sojadiesel-Ausstieg. Während die Union den Beschluss stützt, warnt die DUH vor Handelskriegen mit Indonesien.
Das Europäische Parlament hat am 8. Juli den geplanten Ausstieg aus der Förderung von Kraftstoffen auf Soja-Basis verhindert. Dennoch ist klar: Kraftstoffe aus Energiepflanzen sind kein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz. Stattdessen erhöhen die Energiepflanzen weltweit den Druck auf wertvolle Ökosysteme und verschärfen den Verlust von Arten und natürlichen Lebensräumen.
"Weiter Soja-Kraftstoffe zu erlauben, ist ein herber Rückschritt für den Klima- und Naturschutz. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Kraftstoffe auf Soja-Basis ähnlich schädlich für Natur und Klima sind wie solche aus Palmöl. Energiepflanzen wie Soja gehören deshalb nicht in den Tank. Andere EU-Staaten haben die Nutzung von Soja-Kraftstoffen bereits eingeschränkt, diesem Beispiel muss Deutschland jetzt folgen."
Nikolas von Wysiecki [1], stellv. Teamleiter Klima und Verkehr, Nabu
Die Europäische Kommission überprüft regelmäßig, welche Rohstoffe aufgrund indirekter Landnutzungsänderungen besonders hohe Klimawirkungen verursachen. Bei sogenannten high-iLUC-Rohstoffen entstehen zusätzliche Emissionen, weil der Anbau von Energiepflanzen weltweit die Umwandlung natürlicher Ökosysteme in landwirtschaftliche Flächen fördert.
High-iLUC-Rohstoffe (indirect Land Use Change) sind landwirtschaftliche Erzeugnisse zur Biokraftstoffherstellung, deren Anbau zu einer indirekten Abholzung oder Zerstörung von Ökosystemen führt. Besonders betroffen sind tropische Wälder und artenreiche Savannen wie der brasilianische Cerrado.
Wissenschaftliche Analysen zeigen, dass Soja in dieser Hinsicht ähnlich problematisch ist wie Palmöl. 2025 hat die EU übrigens etwa 30 Mio. Tonnen Soja importiert [2], aber lediglich rund drei Mio. Tonnen erzeugt [3] (2024).
Die EU-Kommission will Sojabohnen zukünftig als high-iLUC-Rohstoff einstufen und mit dem Entwurf für die Änderung der Delegierten Verordnung (EU)2019/807 [4] entsprechende Schritte eingeleitet. Die EU-Kommission hat dazu außerdem ein öffentliches Anhörungsverfahren eingeleitet.
Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (Ufop) lehnt [5] die Initiative der EU-Kommission jeoch strikt ab. Insbesondere kritisiert der Lobbyverband, dass als Ergebnis der Berechnungen der Anbauausweitung auf Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt die Sojabohne pauschal als "high-iLUC-Rohstoff" eingestuft würde.
Von einer pauschalen Einstufung wäre der Sojaanbau insgesamt – also auch in den USA oder in Europa – betroffen, befürchtet die Ufop.
Gefordert wird in diesem Zusammenhang eine Verbesserung der amtlichen Statistik durch die EU-Kommission. Und die Ufop will die dazu erforderlichen Daten auch gleich selbst liefern: In der Unionsdatenbank stünden die erforderlichen Daten bereits zur Verfügung.
Offensichtlich hat sich die Ufop mit ihrem Anliegen durchsetzen können, denn nun hat das EU-Parlament die Pläne der Kommission torpediert. Die aktuelle Entscheidung wurde ermöglicht, weil die CDU-Parteienfamilie gemeinsam mit den rechtsextremen Parteien gegen die Pläne der EU-Kommission gestimmt hat.
Diese Entscheidung steht in klarem Widerspruch zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Folgen für Klima und Natur von Soja-Kraftstoffen. Derzeit werden noch etwa 29 Prozent (etwa 8,7 Mio. Tonnen) der Sojabohnen in der EU zu Biodiesel verarbeitet [6].
In der Konsequenz der Entscheidung des EU-Parlaments fordern der Nabu und andere vergleichbare Organisationen die Bundesregierung auf, den bestehenden rechtlichen Spielraum konsequent zu nutzen und biogene Kraftstoffe aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen insgesamt schrittweise zu beenden.
Die knappen Flächen würden für gesunde Ökosysteme, den Schutz der Artenvielfalt und eine klimaresiliente Landwirtschaft dringend benötigt.
So fordert etwa die [7]Deutsche Umwelthilfe [8] eine nationale Regelung für den Ausstieg aus der Nutzung von Nahrungs- und Futtermittelpflanzen zur Produktion und Förderung biogener Kraftstoffe. Denn der Import dieser Rohstoffe nach Europa befeuert die Zerstörung wertvoller Ökosysteme in Südamerika und ist hochgradig klimaschädlich:
"Mit dieser Entscheidung hält die EU fest an der Förderung für ein Geschäftsmodell, das Regenwälder und Savannen für vermeintlich grünen Diesel zerstört. Die wissenschaftliche Faktenlage gegen Sojadiesel ist erdrückend, aber für die Mehrheit der Abgeordneten scheint dies nicht mehr zu zählen. Wir fordern die Bundesregierung auf, jetzt zu handeln und die Sojadiesel-Förderung in Deutschland zu beenden – so wie es bereits Frankreich, Dänemark, Belgien und die Niederlande getan haben."
Jürgen Resch, DUH-Bundesgeschäftsführer
Mit der Blockade verhindert das EU-Parlament jetzt die Aktualisierung der oben erwähnten Verordnung, die auch die Voraussetzung für einen WTO-konformen EU-Ausstieg aus Palmöldiesel ist.
In der Folge riskiert die EU milliardenschwere Vergeltungsmaßnahmen von Indonesien und Malaysia. Allein Indonesien könnte nun Handelsmaßnahmen gegen die EU im Umfang von bis zu 5,6 Mrd. US-Dollar jährlich ergreifen:
"Diese Blockade ist klimapolitisch verantwortungslos und kann die EU handelspolitisch teuer zu stehen kommen. Im WTO-Streit um Palmöldiesel drohen nun Vergeltungsmaßnahmen in Milliardenhöhe aus Indonesien.
Die Bundesregierung hat sich auch bei der Treibhausgasminderungsquote darauf verlassen, dass der Sojadiesel-Ausstieg auf EU-Ebene kommt. Nachdem diese Strategie gescheitert ist, muss sie nun rasch national handeln und dafür sorgen, dass Sojadiesel zumindest in Deutschland nicht länger als klimafreundlich angerechnet wird."
Sascha Müller-Kraenner, DUH-Bundesgeschäftsführer
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Alexandra Lamy. Filmbild: Copyright Neue Visionen Filmverleih
Eine französische Komödie über den weiblichen Orgasmus, die ein hartnäckiges Tabu aufbricht. Sympathisch und locker von Reem Khericis erzählt.
"Sexualität ist nicht natürlich gegeben."
Michel Foucault, Sexualität und Wahrheit
Es ist schon erstaunlich, dass es ein halbes Jahrhundert nach der sexuellen Befreiung noch immer notwendig ist, sich mit dem Umstand zu beschäftigen, dass eine beträchtliche Zahl von Frauen beim Geschlechtsverkehr keine Lust beziehungsweise keinen sexuellen Höhepunkt erlebt.
Im Jahr 2026 hätte man zu hoffen gewagt, dass sich die Sitten inzwischen so weit entwickelt haben, dass das Thema der Vernachlässigung des weiblichen Orgasmus nur noch eine ferne Erinnerung wäre. Offensichtlich ist das nicht der Fall. Das beschert uns eine Kino-Komödie wie "Chéri, ich komme! - Die Erfindung der Lust" (im Original: "Pour le plaisir").
Gewiss unternimmt der vierte Langfilm von Reem Kherici als Regisseurin nichts, um das Genre der erotischen Leinwandkomödie neu zu erfinden. Dennoch betont er, ohne übermäßige Schwerfälligkeit, einen – in dieser Hinsicht äußerst wichtigen – Umstand: Geteilte Lust in einer Partnerschaft entsteht nicht von selbst, sondern muss aufgebaut werden; sie ist nicht das flüchtige Ergebnis eines einzelnen Moments überschäumender Libido. Ganz im Gegenteil.
Die Besetzung mit Alexandra Lamy und François Cluzet, die diese durchaus unterhaltsame Lektion in emotionaler und sexueller Bildung tragen, erweist sich als stimmig.
Während Erstere unter allen Umständen ihren gewohnten gutmütigen Pragmatismus ausstrahlt, bemüht sich Letzterer in der Rolle des Ehemanns, der zunächst etwas einfältig wirkt, sich letztlich jedoch als erstaunlich einfallsreich erweist, unermüdlich darum, das Gleichgewicht seiner Ehe wiederherzustellen.
Rollen, die zwar kaum originell, insgesamt jedoch solide angelegt sind; Kyan Khojandi, als gewissermaßen standardmäßiger Freund des Ehemanns, und François-Xavier Demaison, als Rivale auf dem Feld skurriler Erfindungen, kommen dagegen kaum über Statistenfunktionen hinaus.
Schließlich hat sich die Regisseurin selbst die Rolle im Zentrum der Handlung gegeben: die der Sexualtherapeutin, die ihre Patientin zunächst auf den richtigen Weg bringt, dann jedoch rasch von der überwältigenden Dynamik des Paares überholt wird, das beginnt, Sexspielzeug zu erfinden.
Spiegelt "Pour le plaisir" in seiner Form irgendeine Wirklichkeit des französischen Alltags Mitte der 2020er Jahre wider?
Ganz sicher nicht. Dort scheint jeden Tag die Sonne, und zwar so strahlend, dass sie die meisten Einstellungen überbelichtet. Ebenso wohnen Fanny und Tom in einem äußerst luxuriösen Haus – das zwar mehr oder weniger zum Verkauf steht –, obwohl ihre Einkommensverhältnisse vermutlich eher bescheiden sind. Kurz gesagt: Als Gesellschaftsporträt des heutigen Frankreichs außerhalb der Metropolen kann man den Film vergessen.
Dennoch fügt sich diese Ästhetik, die unmittelbar der sterilisierten Welt der Werbung und des Reality-TV entsprungen zu sein scheint, letztlich gar nicht so schlecht in das Anliegen von Reem Khericis Film ein.
Tatsächlich bedarf es eines Mikrokosmos, dem jede andere dramatische Konfliktlinie fehlt, damit wir unsere Aufmerksamkeit vollständig auf die Frustrationen der treuen Ehefrau richten können. Denn auch eine mögliche Untreue der einen oder anderen Figur ist in dieser freundlich-zügellosen Komödie keineswegs ein Thema von größerer Bedeutung.
Der sanft feministische Ansatz von "Pour le plaisir" verdient es tatsächlich, dass man etwas näher darauf eingeht. Denn Fanny und Tom existieren – trotz der weichgezeichneten Darstellung ihres Lebensumfelds – keineswegs in einem luftleeren Raum. Ihr Vorgehen löst in ihrem Umfeld die unterschiedlichsten Reaktionen aus.
Die aussagekräftigste ist zweifellos die ihrer Tochter, die jede noch so kleine Vertraulichkeit über das Intimleben ihrer Eltern kategorisch zurückweist. Daran ist nichts Ungewöhnliches, auch wenn die Befreiung des Wortes nicht unbedingt eine Frage der Generationen ist.
Hier hat diese Perspektive den Vorteil, ein Gegengewicht zu den anzüglicheren und vorhersehbareren Bemerkungen anderer Nebenfiguren zu bilden, die ihrerseits in weniger klassischen Situationen stecken als die beiden Hauptfiguren.
Diese zwanghafteren Formen, die eigene Sexualität zu leben – etwa bei Fannys Schwester, die sich von einer unverbindlichen Bekanntschaft zur nächsten bewegt und sich über phallische Fotos begeistert, oder bei Toms Freund, der offenbar unfreiwillig eingefleischter Junggeselle geblieben ist –, wirken sofort weniger glaubwürdig als die langwierige Suche nach dem Höhepunkt, auf die sich die beiden Hauptfiguren beinahe zufällig eingelassen haben.
Damit stellt sich die überaus heikle Frage, wie und in welchem Zusammenhang man überhaupt über Sexualität sprechen sollte.
Reem Kherici erhebt keineswegs den Anspruch, darauf eine endgültige Antwort zu geben – schon gar nicht für diesen historischen Moment in Europa, in dem reaktionäre Kräfte mehr denn je libertäre Geister dazu zwingen wollen, den Rückzug anzutreten.
Ihrem Film gelingt jedoch das durchaus bemerkenswerte Kunststück, etwas so Wesentliches wie den Orgasmus der Frau zu enttabuisieren und als etwas ganz Alltägliches erscheinen zu lassen. Gleichwohl bleibt bei uns immer noch dieser Nachgeschmack des Erstaunens zurück, dass über diesem Thema ein gesellschaftliches und kulturelles Tabu schwebt, das sich auf höchst bedauerliche Weise hartnäckig hält.
Doch visuell bietet der Film nur wenig, woran man sich festhalten könnte.
Der Film spielt auf allen Klaviaturen, die eine Komödie dieser Art spielen sollte, tut dies jedoch ähnlich mechanisch wie der Womanizer im Zentrum des Films. Am Ende entsteht der Eindruck, man habe es mit einem vorgefertigten, normierten Produkt zu tun und nicht mit einer kraftvollen, wirklich lebendigen Geschichte.
Ihm fehlt eine eigene Persönlichkeit, ihm fehlt der Funke. Der Humor funktioniert – eher als Schmunzeln denn als lautes Gelächter –, und das Tempo ist flott, doch manche Figuren wirken vor allem wie dramaturgische Werkzeuge, die das Drehbuch vorantreiben sollen, nicht wie echte Menschen. Das gilt für den Mann, den unser Protagonist hasst, ebenso wie für dessen Freund.
Ein unterhaltsamer Film, gut erzählt, mit einem flotten Rhythmus und einer starken Besetzung … mehr aber auch nicht.
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Lange galt militärische Zurückhaltung in Europa als Selbstverständlichkeit. Inzwischen dominieren Aufrüstung und Abschreckung den gesellschaftlichen Austausch.
Als die Berliner Mauer fiel und die Sowjetunion zerbrach, schien für Europa ein goldenes Zeitalter anzufangen. Die bipolare Welt des Kalten Krieges war überwunden, die Gefahr einer militärischen Konfrontation zwischen den beiden Machtblöcken schien zeitlebens gebannt.
In den 1990er-Jahren entstand die Vorstellung, dass Europa ewig in einer Ära des Friedens [1] leben könnte. Verteidigungshaushalte wurden reduziert, Streitkräfte verkleinert und Aufmerksamkeit auf wirtschaftliche Integration, Globalisierung und gesellschaftlichen Wohlstand gelenkt.
Die Friedensdividende versprach, die finanziellen Ressourcen freizusetzen, die zuvor in Abschreckung und Aufrüstung investiert worden waren. Sicherheit schien keine militärische, sondern vor allem eine wirtschaftliche und politische Causa geworden zu sein. Mehr als dreißig Jahre danach wirkt diese Auffassung obsolet.
Spätestens der russische Angriff auf die Ukraine [2] im Februar 2022 markiert eine aufwühlende Zäsur. Krieg ist nach Europa zurückgekehrt und mit ihm kritische Angelegenheiten, die als überwunden galten: Wie lässt sich Sicherheit gewährleisten? Welche Rolle spielen Abschreckung und militärische Stärke? Und wie abhängig darf Europa von den Sicherheitsgarantien der USA sein?
Doch der Ukraine-Krieg ist weniger der Beginn einer schockierenden Ära als ihr sichtbarer Höhepunkt. Bereits die Annexion der Krim 2014 [3], wachsende geopolitische Spannungen zwischen den USA und China sowie die Erosion internationaler Rüstungskontrollabkommen deuteten darauf hin, dass die vermeintliche feste Nachkriegsordnung brüchiger geworden war.
Die Geschichte ist nicht zurückgekehrt – sie war nie verschwunden. Europa hat lediglich (zu) lange geglaubt, sie hinter sich gelassen zu haben.
Das kollektive Vokabular hat sich in verblüffender Geschwindigkeit verändert. Bellizistische Begriffe wie Aufrüstung, Wehrfähigkeit und strategische Autonomie, die noch vor ein paar Jahren kontrovers diskutiert wurden, zählen nun zum routinierten politischen Tagesgeschäft.
Die Europäische Union investiert viele Milliarden Euro in Verteidigungsprojekte, Nato-Staaten erhöhen ihre Militärausgaben, und Deutschland hat mit dem Sondervermögen [4] für die Bundeswehr einen rigorosen Kurswechsel eingeleitet. Bis 2029 möchte die deutsche Bundesregierung die Verteidigungsausgaben auf 153 Milliarden Euro [5] erhöhen.
Zugleich gewinnt die Idee über einen europäischen Nuklearschirm enorm an Gewicht. Die Unsicherheit über die Verlässlichkeit amerikanischer Sicherheitsgarantien [6] – insbesondere vor dem Hintergrund den Entwicklungen in den USA – führt dazu, dass Frankreichs Nuklearstreitkräfte als Hauptglied einer europäischen Sicherheitsarchitektur verhandelt werden.
Die Friedensdividende ist einer Sicherheitsdividende gewichen: Sicherheit wird erneut als Voraussetzung für politische und wirtschaftliche Robustheit verstanden.
Europa befindet sich gegenwärtig in einer Periode strategischer Neuorientierung. Die Annahme, wirtschaftliche Verflechtung werde zu Beständigkeit führen, ist erheblich erschüttert worden. Russlands Angriffskrieg hat gezeigt, dass wirtschaftliche Beziehungen militärische Konflikte nicht zwangsläufig verhindern.
Somit gilt das Prinzip "Wandel durch Handel [7]" in den internationalen Beziehungen als veraltet bzw. überholt. Gleichzeitig macht die Konkurrenz zwischen den USA und China unmissverständlich deutlich, dass geopolitische Macht auch im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Sprengkraft verloren hat.
Hinzu kommt, dass moderne Sicherheitspolitik längst über klassische Militärpunkte hinausgeht. Cyberangriffe, hybride Kriegsführung [8], Desinformation und die Kontrolle kritischer Infrastruktur erweitern den Begriff der Sicherheit exorbitant.
Die Anschläge auf die Nord-Stream-Pipelines [9] im September 2022 sowie abermalige Warnungen vor Sabotageakten gegen Unterseekabel und Energieinfrastrukturen betonen, wie verwundbar hochvernetzte Gesellschaften geworden sind.
Die neue europäische Sicherheitsstruktur entsteht nicht allein auf den Schlachtfeldern der Ukraine, sondern in Rechenzentren, Satellitennetzen und digitalen Infrastrukturen.
Besonders bemerkenswert ist die Renaissance eines Wortes, das als Relikt des Kalten Krieges galt: Abschreckung. Jahrzehntelang wurde die europäische Sicherheitsarchitektur maßgeblich durch amerikanische Garantien getragen. Mittlerweile wird wieder unverblümt über militärische Stärke, nukleare Schutzschirme und glaubwürdige Abschreckung [10] disputiert.
Beim deutsch-französischen Ministerrat im Juli 2026 auf Schloss Augustusburg in Brühl kündigten Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Emmanuel Macron an, die Kooperation in Verteidigungsfragen auszubauen. Erstmals sollen deutsche Streitkräfte an einer französischen Nuklearübung teilnehmen [11]. Ein Schritt, der früher nicht auszudenken gewesen wäre.
Das ist sowohl Ausdruck veränderter geopolitischer Realitäten als auch einer substanziellen Kursänderung. Sicherheit wird nicht mehr als Dauerzustand verstanden. Vielmehr als eine Dynamik, die aktiv hergestellt und verteidigt werden muss.
Die europäische Politik befindet sich im Zwiespalt: Zum einen wächst die Einsicht, dass militärische Fähigkeiten notwendig bleiben. Andererseits besteht die Gefahr, dass Aufrüstung und Abschreckung selbst zum Paradigma werden.
Die wahrscheinlich größte Transformation liegt im Ende einer europäischen Selbstverständlichkeit: der Annahme, Frieden sei der Normalzustand.
Die Generation nach dem Kalten Krieg ist mit der Anschauung aufgewachsen, dass zwischenstaatliche Kriege in Europa der Vergangenheit angehören. Diese Gewissheit ist gescheitert. Eine unkalkulierbare Sicherheitsordnung wird Europa in den kommenden Jahren prägen.
Unklar bleibt jedoch, ob sie zu größerer Stabilität führt oder die Rückkehr alter rivalisierender Muster markiert.
Die Friedensdividende war Symbol einer historischen Hoffnung: dass wirtschaftliche Verflechtung, internationale Institutionen und diplomatische Kooperation Militärmacht ersetzen könnten. Diese Hoffnung hat sich gänzlich zerschlagen.
Europa steht vor dem Richtungswechsel, Sicherheit neu zu definieren. Die Frage ist keinesfalls, ob die Friedensdividende endet – sie ist bereits beendet. Entscheidend ist, welche Ordnung an ihre Stelle tritt.
Fest steht: Der Sicherheitsplan der vergangenen drei Jahrzehnte trägt nicht mehr. Europa tritt in eine brenzliche Phase ein und muss erst noch lernen, was das bedeutet.
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Das Debian-Projekt diskutiert über den grundsätzlichen Umgang mit LLM-Nutzung. Die Vorschläge für eine neue Generalresolution reichen von Verbot bis Erlaubnis.
Das Debian-Projekt [1] diskutiert über eine Generalresolution zur Nutzung von großen Sprachmodellen (LLM). Die Debian-Entwickler sind aufgerufen, sich zu entscheiden, wie sie mit generativer KI im Projekt der traditionsreichen Linux-Distribution umgehen wollen. Zur Auswahl stehen gleich vier konkurrierende Textvorschläge, die von einem vollständigen Verbot KI-gestützter Beiträge bis zu einer klar geregelten Zulassung reichen.
Die Auseinandersetzung ist nicht neu: Bereits 2024 lief auf der Debian-Projekt-Mailingliste eine ausgedehnte Debatte über KI-generierte [2] Inhalte, angestoßen von Tiago Bortoletto Vaz, der auf die restriktive KI-Policy von Gentoo [3] verwies. Ein Jahr später scheiterte der erste Versuch einer Generalresolution, welche klären sollte, ob KI-Modelle konform zu den Debian-Richtlinien für Freie Software (DFSG) sind. Der Initiator zog seinen Vorschlag zurück. Anfang 2026 bereitete das Projekt eine Resolution mit dem Arbeitstitel „Allow AI-Assisted Contributions“ vor, entschied sich dann aber zunächst dafür, nicht zu entscheiden und KI-Beiträge weiterhin fallweise zu handhaben. Die Entwürfe zur aktuellen Debatte finden sich auf der offiziellen Abstimmungsseite von Debian [4] wieder.
Der erste Vorschlag (Proposal A), eingebracht von Matthias Geiger, verlangt ein ausdrückliches Verbot sämtlicher Beiträge, die mithilfe großer Sprachmodelle oder anderer generativer KI-Werkzeuge entstehen. Der Geltungsbereich umfasst Debian-Quellpakete, projekteigene Software wie den Paketprüfer Lintian, Webressourcen, von Debian-Mitwirkenden erstellte Dokumentation und Übersetzungen sowie die offizielle Kommunikation des Projektes. Nicht betroffen sind Upstream-Projekte, KI-bezogene Software selbst und Upstream-Patches.
Als Begründung führen Geiger und seine Mitstreiter an, das Debian für Stabilität stehe, während viele LLMs eher den Ansatz „move fast and break things“ vertreten. Neben bekannten Qualitätsproblemen durch Halluzinationen entstehen Probleme etwa auch, wenn LLMs Paketinhalte generieren, die auf veralteten Methoden basieren oder alte und neue Praktiken inkompatibel miteinander gemischt werden. Eine Analyse zur Node.js-Debatte zeigt: Ein generelles KI-Verbot in Open-Source-Projekten [5] ist kaum durchsetzbar und ersetzt keine verantwortungsvolle Governance. Hinzu kämen unklare Urheberrechts- und Lizenzverhältnisse. Zudem sei Debian mehr als nur Code. Mit LLM-Nutzung würden Projektneulinge wenig lernen und könnten mittelfristig überarbeitete Maintainer nicht ersetzen. Zuletzt führen die Verfasser des Vorschlages ethische Bedenken an.
Verankert werden soll das Verbot als neuer Punkt im Debian-Gesellschaftsvertrag – wobei die Antragsteller einräumen, dass die Durchsetzung schwierig bleibt und primär auf den guten Willen der Community setzt.
Gänzlich in eine andere Richtung geht der Vorschlag (Proposal B) vom ehemaligen Debian-Projektleiter Lucas Nussbaum. Dieser erlaubt KI-gestützte Beiträge unter sechs Bedingungen. Dazu zählen, dass die Nutzungsbedingungen des KI-Werkzeugs rechtlich kompatibel zu Debian sind, die Klärung von Lizenz und Attribution von Fremdcode, den die KI erzeugt, die volle Verantwortung der Beitragenden für Qualität und Lizenzkonformität sowie eine Offenlegungspflicht bei signifikantem KI-Anteil. Dafür schlagen sie Git-Trailer wie Generated-By: oder Assisted-By: vor.
Statt den Gesellschaftsvertrag zu ändern, plädieren sie dafür mit Bezug auf die Debian Verfassung 4.1 (5) [6] eine entsprechende Erklärung zu veröffentlichen. Diese ließe sich bei Bedarf ohne eine erneute Generalresolution anpassen. Die Erklärung soll nicht nur die sechs Bedingungen festhalten, sondern sowohl anerkennen, dass KI-unterstützte Beiträge viele Bedenken aufwerfen, aber auch viele Beitragende KI-Werkzeuge bei der Arbeit an Debian hilfreich fänden.
Ein weiterer Vorschlag lehnt LLMs und generative KI ab, „solange es praktisch ist“. Verfasser Ian Jackson begründet das mit einer ganzen Reihe von Kritikpunkten: Untergrabung von Community-Mechanismen, Umweltschäden, Ausbeutung von Autorinnen und Autoren, aggressives Scraping und die Verbreitung von Fehlinformationen. Da aber die Breite der Software-Welt einer anderen Ansicht sei, inklusive Upstream-Projekte, die Debian nutze, sei eine komplette Ablehnung unpraktisch.
Der Vorschlag fordert, LLM-Nutzung so weit wie möglich zu vermeiden und ruft Projektverantwortliche aber auch die Open-Source-Community auf, von der Nutzung abzuraten. Die Regeln zu KI-Nutzung wollen die Verfasser verbindlich im Code of Conduct festhalten und diesen entsprechend ergänzen. Kernpunkt: Nachrichten an Menschen – also Bugreports, Mailinglisten-Beiträge, Salsa-Diskussionen und Planet-Debian-Blogposts – müssen vollständig ohne LLM-Hilfe verfasst werden. Jede KI-Nutzung bei Debian-Arbeit ist offenzulegen, einzelne Teams dürfen LLM-Beiträge komplett verbieten, und Verstöße werden als Verletzungen des Code of Conduct behandelt. Am Projekt Mitwirkende, die sich des Englischen nicht sicher genug fühlen, sollen in ihrer Muttersprache schreiben und davon ausgehen dürfen, dass Rezipienten ein „Übersetzungstool ihrer Wahl“ einsetzen. Das geht praktisch nur mit einem KI-Tool.
Der letzte Vorschlag wählt ebenfalls einen pragmatischen Ansatz: Debian empfehle generative KI zwar nicht, erkenne aber an, dass die Praktiken bereits verbreitet seien und nicht wieder verschwinden. Die Nutzung zu verbannen sei kontraproduktiv und nicht durchsetzbar. Stattdessen sollen Richtlinien für Debian-spezifische Arbeiten – Websites, Anwendungen, Ressourcen, Pakete – gelten; Upstream ist auch hier explizit ausgenommen. Der Vorschlag akzeptiert KI-Beiträge, sofern sie DFSG-konform sind und als solche ausgewiesen sind. Die Beitragenden tragen die alleinige Verantwortung, müssen den KI-Output verstehen und verteidigen können. Alle Inhalte müssen selbständig auf die Debian-Infrastruktur hochgeladen werden. Die Nutzung von cloudbasierten KI-Diensten für sensible Inhalte soll zudem untersagt sein.
Die Diskussionsphase zur Generalresolution begann am 24. Juli 2026. Die Debian-Entwickler haben jetzt mindestens zwei Wochen Zeit zur Diskussion. Danach folgt dann die Abstimmungsphase, in der alle aktuellen Debian-Entwickler einen Wahlzettel erhalten und diesen signiert per E-Mail zurückschicken. Da Debian Wahlen als Präferenzwahl durchführt, müssen die Wahlberechtigten sich nicht für eine Option entscheiden, sondern können eine Rangfolge bestimmen.
Nicht nur bei Debian sind LLM und generative KI umstritten, auch in vielen anderen Open-Source-Projekten gibt es Diskussionen. Andere Projekte wie Gentoo, Gnome und Codeberg haben bereits eigene KI-Regelwerke etabliert. Auch FreeBSD hat LLM-generierten Quellcode klar abgelehnt [7] – mit Lizenzbedenken als primärem Argument. Für die einen ist es ein Tool, das auch Chancen bietet [8], etwa bei Übersetzungen, verbesserter Usability oder dem Einstieg ins Programmieren. So plant etwa Fedora einen KI-optimierten Linux-Desktop [9], der lokale KI-Stacks für Entwickler zugänglicher machen soll. Andere sehen praktische Bedenken, wie Qualität und Wissensverlust, aber auch die Last, die KI gerade bei Open-Source-Projekten verursacht [10]: AI Slop, unbrauchbare Bugreports und KI-Scraping-Tools, die die Projektserver abgrasen und dabei in die Knie zwingen. Daneben gibt es auch grundsätzliche ethische Bedenken. Auch bleibt die Frage, ob selbst eine Open-Source-KI die Unabhängigkeit einschränke, weil in der Regel die Ressourcen für die immensen Trainingsdaten nicht leistbar sind.
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CXMT (Changxin Memory Technologies) startet in China am 27. Juli 2026 einen Rekordbörsengang (IPO) an der Börse in Shanghai, um neues Kapital für die Erweiterung seiner DRAM- und HBM-Fertigungskapazitäten zu erhalten und die Unabhängigkeit von westlichen Chipherstellern zu stärken.
Die für den kommenden Montag geplante Notierung am Shanghaier STAR Market rückt in den Fokus der Anleger, nachdem chinesische Technologieaktien in den vergangenen Handelstagen nachgaben. CXMT ist der weltweit viertgrößte Hersteller von DRAM-Speicherchips (Dynamic Random Access Memory), nach SK Hynix, Samsung Electronics und Micron.
Apple hat damit begonnen, DRAM-Chips von CXMT für Geräte zu testen, die in China verkauft werden. Zudem setzt sich der Konzern bei der US-Regierung dafür ein, einen breiteren Einsatz der CXMT-Produkte zu gestatten, berichtete die Financial Times unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
CXMT ist in der Section-1260H-Liste des Pentagons für chinesische Militärunternehmen aufgeführt. Das US-Handelsministerium hat das Unternehmen jedoch noch nicht in die strengere Entity List (Handelsbeschränkungsliste) aufgenommen.
Investoren rechnen damit, dass die Bewertung von CXMT nach der Notierung rasch 1 Billion Yuan (139 Milliarden US-Dollar) überschreiten wird. "Sobald die Marke von 1 Billion Yuan überschritten ist, wird CXMT zu einem Schwergewicht am STAR Market und in Halbleiterindizes aufsteigen, was Indexfonds, aktiv verwaltete Fonds und branchenspezifische Fonds dazu zwingen wird, ihre Portfolios entsprechend umzuschichten", sagte Tim Sun, Senior Researcher bei dem Finanzanalysten Hashkey Group, dem US-Sender CNBC.
CXMT spielt eine zentrale Rolle in Chinas Bestrebungen, im Bereich der KI-Technologie unabhängiger zu werden, da leistungsstarke KI-Prozessoren enorme Mengen an Hochgeschwindigkeitsspeicher benötigen und ein heimischer Anbieter die Abhängigkeit von ausländischen Unternehmen verringert, die von US-Exportbeschränkungen betroffen sind.
CXMT wurde im Jahr 2016 von einer Investitionsgruppe im Rahmen der Wirtschafts- und Technologieentwicklungszone von Hefei, der Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Anhui, mit einer Anfangsfinanzierung von nur 10 Millionen Yuan (1,5 Millionen US-Dollar) gegründet.
Fast ein Jahrzehnt später halten Investoren mit Verbindungen zur Regierung von Hefei 36,8 Prozent an CXMT und bilden damit die größte Aktionärsgruppe. Laut Reuters ist dieser Anteil zum IPO-Preis rund 213 Milliarden Yuan (31,5 Milliarden US-Dollar) wert und übersteigt die gesamten Einnahmen der Stadt Hefei für das Jahr 2025 um mehr als das Doppelte.
Gründer Zhu Yiming, Absolvent der Tsinghua-Universität, der in den USA studiert und gearbeitet hat, bevor er nach China zurückkehrte, hält Anteile im Wert von fast 14 Milliarden Yuan. Er wird einen Teil seiner Beteiligung für Anreize an die Beschäftigten zur Verfügung stellen.
Das Unternehmen verkauft Aktienpakete direkt an Investoren, darunter staatliche Pensionsfonds, große chinesische Ausrüster der Chipindustrie wie AMEC sowie die Investmentsparten von Tech-Konzernen wie Alibaba, Tencent und Xiaomi.
Die jüngsten Geschäftszahlen von CXMT widerlegen die verbreitete westliche Ansicht, bei vielen chinesischen Chipunternehmen handle es sich nur um staatlich subventionierte Projekte, die hohe Verluste generieren. CXMT prognostiziert für die erste Jahreshälfte einen Umsatz zwischen 16,2 und 17,7 Milliarden US-Dollar, nach 9,1 Milliarden US-Dollar im Gesamtjahr 2025. Der Nettogewinn im ersten Halbjahr dürfte die Marke von 7,4 Milliarden US-Dollar überschreiten, nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr den Schritt in die Gewinnzone machte.
Die Nettogewinnmarge von CXMT dürfte in diesem Zeitraum bei über 45 Prozent liegen; damit erreicht das Unternehmen eine finanzielle Effizienz, die der von Branchengrößen wie Samsung, Hynix und Micron auf dem Höhepunkt des weltweiten Chipbooms ebenbürtig ist.
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Weitere Rabatte sind hier zu finden:
Samsung Electronics hat eine Vereinbarung mit dem US-Chipentwickler Broadcom geschlossen, die bis zum Jahr 2030 ein Volumen von 200 Milliarden US-Dollar überschreiten soll. Das gab der südkoreanische Elektronikkonzern am 25. Juli 2026 bekannt. Es geht um die Bereiche Speicherchips, Chip-Auftragsfertigung und Advanced Packaging.
Broadcom lässt fortschrittliche Chips in Samsungs Sub-2-Nanometer-Prozessen fertigen. Dazu gehören maßgeschneiderte ASICs sowie Bausteine für Wideband Connectivity (WBC) zur Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung in Rechenzentren. Zudem liefert Samsung High-Bandwidth Memory (HBM4) für Broadcoms KI-Beschleuniger. Die Chips und Speicherbausteine werden über Samsungs 2.5D/3D-Interposer-Technologien integriert, um Compute-Logik und Speicher auf einem Modul extrem latenzarm zu verbinden.
Solche langfristigen Produktionszusagen von Broadcom, einem der weltweit führenden Entwickler kundenspezifischer KI-Chips, steigern die Auslastung von Samsungs Foundry-Geschäft (Auftragsfertigung), während das Unternehmen versucht, den Rückstand zum Branchenführer TSMC zu verringern. Im vergangenen Monat erklärte Jun Young-hyun, Co-CEO und Leiter der Chipsparte, er habe Gespräche über die Foundry-Zusammenarbeit der nächsten Generation mit Jensen Huang, dem Chief Executive Officer von Nvidia, geführt, unter anderem über künftige HBM4E- und HBM5-Speicherprodukte.
"Die erweiterte Zusammenarbeit" spiegele "Samsungs Fokus wider, Kunden mit durchgängigen Halbleitertechnologien für ein immer breiteres Spektrum an KI- und Hochleistungsrechenanwendungen zu unterstützen", erklärte der Konzern.
Durch den Trend globaler IT-Unternehmen, zunehmend eigene, maßgeschneiderte KI-Beschleuniger zu entwickeln, wächst die Nachfrage nach Partnerschaften für das Design und die Fertigung entsprechend spezialisierter Chips.
Im vergangenen Jahr erhielt Samsung einen Auftrag im Wert von 16,5 Milliarden US-Dollar zur Herstellung von Logikchips für den Elektroautohersteller Tesla.
Was verrät der jüngste OpenAI-Vorfall über die Zukunft agentischer KI und ihrer Regulierung?
(Bild: Nwz/Shutterstock.com)
Eine OpenAI-KI hackt Hugging Face – eigenständig, um einen Test zu gewinnen. Der Vorfall war ein Probelauf. Er zeigt, warum KI-Agenten Leitplanken brauchen.
Ein gesichertes Testumfeld, ein klar definiertes Ziel – und eine KI, die eigenmächtig ausbricht und die Plattform Hugging Face hackt, gerissen wie kriminell. Nicht aus böser Absicht, sondern um ihren Benchmark-Test zu gewinnen. Der jüngste Vorfall im OpenAI [1] zeigt, was KI-Agenten ohne gesetzliche Leitplanken können: alles, was ihnen nützt.
OpenAI wollte die Cyberfähigkeiten seiner neuesten Modelle unter kontrollierten Bedingungen erproben: GPT-5.6 Sol sowie ein leistungsfähigeres, noch unveröffentlichtes Modell sollten Sicherheitslücken analysieren und ausnutzen – in einer abgeschotteten Testumgebung, wohlgemerkt. Doch die Agenten hielten sich nicht [2] an die vorgesehenen Grenzen des Versuchs. Überraschend ist das nicht: Wer Systeme auf das Ausspähen von Schwachstellen trimmt, darf sich nicht wundern, wenn sie die erfolgversprechendste Schwachstelle finden – die eigenen Fesseln.
Wobei Skepsis angebracht ist: Solche Berichte sind auch immer Marketing. Wer öffentlich dokumentiert, dass die eigenen Modelle Sandboxen knacken und fremde Infrastrukturen überwinden, demonstriert vor allem eines – ihre Fähigkeiten. Die gewollte Botschaft an Kunden und Investoren lautet "seht, was sie können", die ungewollte "seht, was ihr nicht kontrolliert". Beides verkauft sich.
Aus dem internen Sicherheitstest wurde dennoch ein realer Cybervorfall [3] der schneller ablief, als die Betreuer reagieren konnten. Trotz erschwertem Internetzugang verschafften sich die Modelle eigenständig eine Verbindung nach draußen, ketteten bislang unbekannte Sicherheitslücken aneinander und drangen in die Infrastruktur der KI-Hostingplattform Hugging Face [4] ein.
Die Konsequenz reicht über den Einzelfall hinaus: Wenn Agenten Zugangsbeschränkungen als bloße weitere Sicherheitslücke behandeln, steht ihnen die digitale Welt offen – einschließlich vernetzter Fahrzeug- und Haustürschlösser, deren Schutz sich dann in Luft auflöst.
Dahinter steht ein Generationenwechsel, der weniger Aufmerksamkeit bekam als die Chatbots: Große Sprachmodelle sollen Aufgaben nicht nur lösen, sondern eigenständig planen, Entscheidungen treffen und Ziele über Wochen verfolgen – ohne dass ein Mensch jeden Schritt freigibt. Genau diese Autonomie der heutigen agentischen KI ist der Punkt, an dem aus Werkzeugen Akteure werden. Und Akteure haben eigene Strategien.
Solche Stresstests gehören zur Standardpraxis der Branche: Anbieter wollen wissen, welche Cyberfähigkeiten ihre Modelle besitzen, bevor sie außerhalb geschützter Forschungsumgebungen laufen. Damit sich die Modelle beim Evaluieren nicht selbst ausbremsten, hatte OpenAI die üblichen Produktionsfilter gegen riskante Cyberaktivitäten abgeschaltet und die automatischen Ablehnungen reduziert – volle Leistung sollte sichtbar werden.
Der Skandal begann also nicht mit dem Ausbruch, sondern mit dem Testdesign: Man hatte die Leitplanken selbst entfernt, um zu sehen, wie schnell das Auto fährt.
Was dann geschah, überraschte nach Angaben von OpenAI selbst die Entwickler: Die auf Erfolg getrimmten Modelle beschränkten sich nicht auf die gestellten Aufgaben, sondern suchten eigenständig nach Wegen, ihre Erfolgschancen zu erhöhen.
Im ersten Schritt fanden sie eine Zero-Day-Lücke – eine bislang unbekannte Schwachstelle – mitten in der isolierten Testinfrastruktur. Über diesen Angriffspfad erreichten sie einen Knoten mit Internetzugang und verließen die abgeschottete Umgebung. Wer seine Modelle auf die Fehlersuche hin optimiert, sollte auch damit rechnen, dass diese Fehlersuche erfolgreich verläuft.
Draußen angekommen, begannen die Modelle zu recherchieren – und trafen eine Auswahl: Hugging Face, die größte KI-Plattform für Modelle und Datensätze, könnte Material bereithalten, das ihnen beim laufenden Benchmarktest "ExploitGym" einen Vorteil verschafft. Ein Einbruch folgte, wie ihn Sicherheitsforscher von professionellen Angreifern kennen: gestohlene Zugangsdaten, Privilegienerweiterung, weitere unbekannte Schwachstellen – kombiniert, bis der Zugriff auf interne Systeme stand.
Gesucht wurden weder Geld noch Daten oder eine Möglichkeit zur Sabotage. Gesucht wurde die Lösung: Die Agenten wollten den Test gewinnen und waren bereit, dafür in fremde Systeme einzubrechen, um an mögliche Testlösungen zu gelangen.
Wo sich für Menschen zumindest theoretisch Grenzen ergeben, die üblicherweise als Moral oder Gesetzestreue bezeichnet werden, gibt es solche Handlungsrahmen für KI-Modelle nicht einmal ansatzweise. Dies schien offensichtlich bislang nicht notwendig, weil den Entwicklern der aktuellen KI-Modelle keine bösen Absichten unterstellt wurden. Das könnte sich jetzt durch lernende autonome KI-Agenten schnell ändern.
Teuer könnte es vor allem für die Betreiber kritischer Infrastrukturen werden. Energieversorger, Telekommunikationsnetze, Industrieanlagen: Sie alle laufen auf gewachsenen IT-Landschaften voller Schnittstellen – aus Sicht eines autonomen Agenten eine Ansammlung möglicher Einfallstore.
Zusätzliche Schutzmaßnahmen treffen die Betreiber zur Unzeit: Energiewende, Glasfaser-Ausbau und internationale Konkurrenz binden bereits Budgets und Personal.
Und es war ja nur ein Test. Die OpenAI-Agenten brachen ein, weil sie einen Benchmark gewinnen wollten – ohne Bösartigkeit, ohne Auftrag, ohne Schaden zu wollen.
Was passiert, wenn das nächste Modell all das mitbringt, ist die Frage, zu der die gesetzlichen Leitplanken bislang fehlen. Der Vorfall war in diesem Sinn eine Glückssache: zum ersten Mal hat eine KI gezeigt, wie sie die Welt hackt. Es war ein Probelauf. Wer ihn als Unfall abtut, hat die Demo verpasst.
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On a late winter night last December, Huang Po-Hsuan, his team and their colleagues waited anxiously in the control room at the Taiwan Space Agency (TASA), their eyes fixed on screens. They were waiting for the first image taken by the recently launched Formosat-8A satellite to be transmitted back to Earth.
"All of us were very nervous," Huang, director of the agency's optical payload team, said when recalling the moment to Nikkei Asia at TASA headquarters in the city of Hsinchu, in northwestern Taiwan. "The wait was extremely grueling. The satellite transmitted several times over the North Pole and South Pole ground stations, but we just couldn't download the image."
Eine riesige einheitliche Datenbank soll das Wissen aus Kultur- und Forschungseinrichtungen vernetzen. Doch wie funktioniert die „Gemeinsame Normdatei“?
Winston Churchill hatte es, Thomas Müller hat es besonders und Neustadt sowieso: das Problem, dass ihre Namen nicht nur ihnen gehören. Diese sprachliche Unschärfe kann zu Verwechslungen führen, weil Computersysteme Datensätze nicht eindeutig identifizieren und voneinander abgrenzen können. Datenbanken bevorzugen daher Identifikatoren für Objekte, zum Beispiel für den einen Thomas Müller, der Fußballprofi beim FC Bayern war. Um Redundanz zu vermeiden, entwickelten sich im Bibliothekswesen dafür sogenannte Normdateien, Verschlagwortungsdatenbanken, die diese Identifikatoren zentral verwalten.
Für den deutschsprachigen Raum erledigt die Deutsche Nationalbibliothek diese Aufgabe in der sogenannten „Gemeinsamen Normdatei“ (GND) und öffnet diese fortlaufend für weitere Einrichtungen aus Kultur und Forschung. Von diesem großen offenen Wissensnetzwerk profitieren auch alle außerhalb dieser Institutionen, die hochwertige Daten suchen oder zur Verfügung stellen, wie Entwickler und Webseitenbetreiber.
Im Gespräch mit c’t erklären Barbara Fischer und Jürgen Kett von der Deutschen Nationalbibliothek die Bedeutung ihrer Normdatei, ihren bisherigen Öffnungsweg und kommende Projekte. Außerdem erläutern sie, welche Rolle KI-Sprachmodelle für die GND spielen und umgekehrt. Denn die GND bietet sich mit ihren strukturierten Daten als Infrastruktur an, um Recherchen mit und ohne KI-Unterstützung zu verbessern.
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