Millionen säumen Irans Straßen, während Chameneis Sarg durchs Land zieht. Trauer und Trotz vermischen sich zur Machtdemonstration. Doch eine Frage bleibt offen.
Das letzte Geleit für den im israelisch-amerikanischen Angriffskrieg getöteten obersten religiösen Führer [1] des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, gerät zur politischen Massendemonstration.
Der iranische Staat inszeniert [2]die Feierlichkeiten mit großem Aufwand: Seit vergangenem Donnerstag finden [3] in der schiitischen Theokratie Trauerfeiern für den am ersten Kriegstag ermordeten obersten "Wegweiser" [4] statt. Chamenei starb [5] bei einer US-israelischen Bombardierung. Mit ihm verschieden eine Tochter, eine erst 14 Monate alte Enkelin, eine Schwiegertochter und ein Schwiegersohn.
Der Trauerakt begann [6] mit der Aufbahrung der Särge in der zentral gelegenen Teheraner Großmoschee Mosalla – inmitten einer Phase zäher US-iranischer Verhandlungen, die jüngst wieder militärisch eskalierte [7].
Dabei fielen zwei Dinge auf: Zum einen defilierte [8] auch die sonst streng im Verborgenen gehaltene Ehefrau Chameneis samt Familie am gläsernen Sarg vorbei. Zum anderen fehlte erneut [9]der designierte Nachfolger, sein vierter Sohn Modschtaba.
Laut iranischen Medien ist auch nicht vorgesehen, dass er das Totengebet des Vaters leitet – obwohl das die tradierte, schiitische Staatsräson eigentlich vorschreibt. Alle übrigen Würdenträger nahmen teil [10]: Offizielle der Revolutiosngarden, Kleriker, Präsident Peseschkian, Parlamentspräsident Ghalibaf sowie die drei anderen Söhne des Ermordeten.
Das befeuert Spekulationen über den Gesundheitszustand des nun mächtigsten Mannes im Kriegsland: Wahrscheinlich ist Modschtaba Chamenei schwer [11], möglicherweise im Gesicht, entstellt, geistig aber klar – bisherige Stellungnahmen wurden meist von TV-Sprechern verlesen.
Rotes Millionen-Spektakel
Das Fehlen des neuen Wegweisers tut dem Millionenauflauf [12] keinen Abbruch. Am offenen Sarg defilierten [13] im Staatsfernsehen übertragen Militärs Seite an Seite mit Vertretern ethnischer Minderheiten vorbei – Bilder der christlichen, jüdischen und orthodoxen Vertreter am Sarg gingen um die Welt.
Danach zog [14] die Trauerkolonne per Lkw durch Teheran weiter ins geistige Zentrum Qom, um zum Wochenende im an der afghanischen Grenze gelegenen Maschhad anzukommen. Dutzende Bilder aus staatlichen wie privaten Kanälen belegen [15]: Millionen säumen den letzten Weg. Viele lassen ihren Emotionen freien Lauf [16] – neben den obligatorischen "Tod Amerika/Israel"-Rufen sind auf traditionell roten schiitischen Trauer-Fahnen die persischen Worte für Rache und Vergeltung zu lesen.
Genaue Zahlen liegen bislang nicht vor, doch dürfte es sich um ein Ereignis handeln, das weltweit Superlative sprengt [17]. Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad folgten [18] wohl allein in Teheran mehr als 15 Millionen Menschen dem Zug; bis zur letzten Station rechnen die Behörden mit rund 35 Millionen Teilnehmern.
Zum Vergleich: Der Iran hat aktuell rund 93 Millionen Einwohner – rechnerisch hätte also jeder Dritte kondoliert. Bei der Beisetzung von Ayatollah Chomeinis säumten [19] rund 10,3 Millionen Menschen die Straßen. Die Mekka-Wallfahrt ist aktuell auf 1,7 Millionen Pilgernde limitiert [20], die 72 Vorrundenspiele der laufenden Fußball-WM verfolgten [21] rund 4,6 Millionen Menschen live im Stadion. Alle drei Ereignisse werden vom iranischen Trauerzug damit deutlich in den Schatten gestellt.
Westliche Wünsche
Westliche Medien insinuieren [22] vor allem einen Zwangscharakter. Das Spektakel sei reine "Machtdemonstration", die Zeremonie werde [23] von "Sorgen vor einem Anschlag" überschattet.
Richtig ist: Die Berichte von vor Ort und die hohen Teilnahmezahlen lassen sozialen Druck als primäre Erklärung eher unwahrscheinlich wirken. Das iranische Außenministerium gab zudem bekannt [24], dass Delegationen aus mehr als 100 Staaten teilnahmen, darunter [25] der pakistanische Premier Sharif, der türkische Vizepräsident Yilmaz und hochrangige chinesische Vertreter.
Dennoch ist korrekt, dass die Führung die Feierlichkeiten als Signal nutzt: Sie zeigen erneut ein hohes Sendungsbewusstsein. Die Prozession nach Qom steht für klerikale Legitimation, Teheran für einen funktionierenden Staat; Maschhad, Chameneis Geburtsort, führt beides in der Imam-Reza-Moschee zusammen.
Die Staatsrhetorik nutzt [26] den vom US-Krieg ausgelösten Rally-around-the-flag-Effekt: Chamenei wird kaum als Politiker, sondern zunehmend als Märtyrer dargestellt. Ein iranischer Nationalismus verdrängt [27] Systemkritik, da viele Iraner zwar das Regime – aber eben auch einen ausländischen Angriff ablehnen. In der äußeren Bedrohung sitzt die Führung fester im Sattel denn je.
Kultur-Kontrastprogramm
Nahezu zur gleichen Zeit feierten [28]die USA ihren 250. Geburtstag. Die eigens geschaffene, überparteiische Amerika250-Organisation verschwand faktisch in der Bedeutungslosigkeit, während die Trump-Administration mit einer Freedom250-Kampagne den Nationalfeiertag zur Präsidentenshow umfunktionierte [29].
Selbst konservative Stimmen kritisierten [30] die Vereinnahmung des Jubiläums. An vielen Orten entstanden alternativ-kritische Feiern, die Guantánamo, Ku-Klux-Klan, Kriege und Völkermord thematisierten. Während der Iran trotz aller, berechtigter Kritik an der Blutrünstigkeit des Regimes geeint wirkt, zeigen die USA zunehmend gesellschaftliche Risse.
Nach Trumps Intervention [31] bei Duzfreund Infantino wegen der Roten Karte für US-Stürmer Balogun könnte auch das Ablenkungsmittel "Brot und Spiele", insbesondere nach dem Ausscheiden der US-Boys, an Reiz einbüßen.
Geeinte Führung?
Doch zurück in den Iran. Dort ist die Führung intakt und hat die Kontrolle zurückgewonnen. Der Luftraum wurde weiträumig gesperrt – aus Sorge vor einem israelischen Angriff auf die Wagenkolonne, dieser käme einem unfassbaren Affront gleich.
Zugleich liefert die Zeremonie neue Ansätze zur Analyse der iranischen Elite. Mit Chameneis Tod könnte ein neuer Gründungsmythos entstehen: Der Revolutionsführer wird vom Staatslenker zum Märtyrer umgedeutet, was innere Spannungen hinter dem Narrativ nationaler Verteidigung zurücktreten lässt.
Wie geschlossen die Führung wirklich ist, bleibt fraglich. Chamenei lehnte Verhandlungen [32] oftmalig ab – aus seiner Sicht seien sie "weder rational, noch intelligent, noch ehrenhaft", wie er rückblickend über das Atomabkommen von 2015 urteilte.
Modschtaba Chamenei setzt [33] diesen Hardliner-Kurs fort, distanziert sich vom angeblichen Memorandum of Understanding und stimmte dem Verhandlungsprozess bislang nur unter massivem Vorbehalt zu.
Gemischte Signale
Dass die Verhandlungen dennoch weiterlaufen, spricht für eine geschwächte Position des klerikalen Anführers – politische Vertreter nutzen die Beerdigung als geschickte Bühne. Aus iranischer Sicht könnten Gespräche nach der Beisetzung sogar leichter fallen: Sie ließen sich dann als offensiv geführte Verhandlung statt als Kapitulation darstellen – erst Stärke zeigen, dann verhandeln.
Die Signale bleiben trotzdem gemischt: Ein Angriff auf die Trauergemeinde würde das Fass endgültig zum Überlaufen bringen. Aber auch ohne israelische Eskalation ist eine zweite Lesart denkbar: Weil Diplomatie in den Feierlichkeiten kein zentrales Thema ist (im Gegenteil, es wird rhetorisch gemieden) spricht vieles für ein weiteres Erstarken der Revolutionsgarden.
Sie gingen bereits aus dem Tod Soleimanis, den "Frauen, Leben, Freiheit"-Protesten und dem Junikrieg 2025 gestärkt hervor – sie sind die eigentlichen Gewinner der US-israelischen Aggression.
Während die diplomatische Führung an Verhandlungen festhält und sich über das schwache Nein des Nachfolgers hinwegsetzen könnte, dürfte die Macht der Revolutionsgarden gerade durch einen verhinderten Modschtaba Chamenei deutlich wachsen. Chameneis gewaltsamer Tod hinterlässt damit auch posthum politische Spuren – weit über den Millionen-Trauerzug hinaus.
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Die Landesanstalt für Medien NRW wirft Podcaster Benjamin Berndt eine Sorgfaltspflichtverletzung im Gespräch mit Björn Höcke vor. Nun droht ein Rechtsstreit.
Die Landesanstalt für Medien NRW hat den Podcaster Benjamin Berndt aufgefordert, eine Passage in seinem Interview mit AfD-Politiker Björn Höcke zu überarbeiten - und alle seine bisher über 300 Gespräche auf die Einhaltung journalistischer Sorgfalt hin zu überprüfen.
Höcke hatte gegen Ende des viereinhalb stündigen Gesprächs unter anderem gesagt:
"Also keiner wusste, dass ʼalles für D.ʼ das Motto der SA war, weil man konnte es nicht wissen, denn die SA hatte kein Motto, en passant (...)
Ich habe ja hunderte Zuschriften gekriegt von Professoren der Neueren Geschichte und die (schreiben) ʼhabe ich noch nie gehört, das ist mir völlig unbekanntʼ. Wie gesagt, auch die Fachwissenschaftler konnten es nicht wissen, weil es kein Motto der SA gab.
Also dieses Urteil ist auch ein krasses Fehlurteil, wenn man es auf der Grundlage von Paragraph 86a Strafgesetzbuch ʼZeigen verfassungsfeindlicher Symboleʼ exekutiert. Aber noch mal, es gibt keinen Katalog dieser verfassungsfeindlichen Symbole (...)."
Darin sieht die Landesmedienanstalt (LMA) eine Falschbehauptung. Im Interview mit dem Spiegel [2] äußerte sich deren Direktor Tobias Schmid, der zuvor bei RTL für Medienpolitik zuständig war.
Spiegel: Höcke hat darin (im Podcast-Gespräch) behauptet, Hitlers SA hätte überhaupt kein Motto gehabt, auch nicht "Alles für Deutschland" – ein Spruch, den der AfD-Politiker gern benutzt.
Tobias Schmid: Und das ist nachweislich falsch, Herr Höcke wurde wegen der Verwendung rechtskräftig verurteilt. Wenn solche Aussagen in einem journalistischen Format fallen, hat man die Aufgabe, sie zu kontextualisieren.
Berndt müsse die Stelle nicht unbedingt aus dem Video herausschneiden, führt Schmid weiter aus. Er könne die Aussage auch mit einem Kommentar, einer Bauchbinde im Video oder ähnlichem "kontextualisieren".
Gegenangriff mit Anwalt Steinhöfel
Grundlage für das Tätigwerden der LMA ist der Medienstaatsvertrag (MStV), der in § 19 vorschreibt, Telemedien "haben den anerkannten journalistischen Grundsätzen zu entsprechen" und:
"Nachrichten sind vom Anbieter vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit zu prüfen."
§19 MStV
In § 109 MStV wird die zuständige LMA angewiesen, bei Verstößen "die erforderlichen Maßnahmen" zu treffen: "Maßnahmen sind insbesondere Beanstandung, Untersagung, Sperrung, Rücknahme und Widerruf."
Bisher hat die LMA die Podcastfolge nur beanstandet, Berndt soll sich dazu äußern bzw. Abhilfe schaffen. Doch der hat sich einen Rechtsanwalt genommen – wie er etwas stolz verkündete [3]: denselben, den auch Elon Musk gerade in einer ganz anderen Sache [4] beauftragt hat, nämlich Joachim Steinhöfel, manchen noch gesichtsbekannt aus Werbespots [5] für Media Markt.
Steinhöfel war just kurz nach Höcke und vor dem Schreiben der LMA selbst Gast bei Berndt [6] und sprach dort über die Grenzen der Meinungsäußerungsfreiheit.
Zur rechtlichen Gegenwehr sagte Schmidt im Spiegel-Interview:
"Wir werden dessen Schreiben prüfen und, wenn uns seine Einschätzungen nicht überzeugen, ein förmliches Verfahren einleiten."
Die Aufsichtskompetenz der LMA: Juristisch höchst umstritten
Die Aufsichtskompetenz der LMA über Medieninhalte ist juristisch höchst umstritten. Denn die grundgesetzliche Pressefreiheit kennt keine staatliche Kontrolle. Sollten Inhalte strafrechtlich relevant sein, sind die Strafgerichte zuständig, für persönliche Betroffene gibt es die Zivilgerichte.
Auch wenn immer wieder betont wird, das Zensurverbot des Grundgesetztes meine nur die "Vor-Zensur", also die Notwendigkeit einer staatlichen Genehmigung vor der Veröffentlichung, so ist doch klar, dass auch eine nachträgliche Zensur die Pressefreiheit deutlich beschränken würde.
Mit den heutigen technischen Mitteln müsste da auch längst nicht mehr ein so großer Zeitabstand liegen, wie nun im Fall des Höcke-Podcasts, der immerhin schon am 29. April 2026 erschienen ist und allein auf YouTube über sechs Millionen Abrufe verzeichnet.
Systemfremde Aufsicht
Wie systemfremd die inhaltliche Aufsicht durch die 14 Landesmedienanstalten ist, zeigt sich mit Blick auf die klassische Presse. Für sie gelten die Landespressegesetze, jedes Bundesland hat sein eigenes. Einige davon kennen auch für die gedruckte Presse eine "Sorgfaltspflicht [7]" - allerdings keine unmittelbaren Sanktionen bei Verstößen.
Eine unrichtige Aussage kann nicht vom Staat - oder einer irgendwie als "staatsfern" verstandenen Behörde wie einer LMA - sanktioniert werden. Bei strafbaren Inhalten müssen eben Staatsanwälte aktiv werden, ansonsten müssen Betroffene den zivilrechtlichen Weg gehen.
Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) unterliegt keiner solchen Kontrolle – sonst stünde er auch im Verdacht, ein "Staatsfunk" zu sein. Zuständig sind hier die jeweiligen Rundfunkräte [8], wie das Bundesverwaltungsgericht 2025 [9] nochmal deutlich gemacht hat.
Privatrechtlicher Rundfunk wurde daher mit seiner Einführung eigens geregelt. Und im Zuge der Digitalisierung – und kritisch gesprochen damit einhergehend der Auflösung des Problems begrenzter Sendefrequenzen - wurden nach und nach die meisten relevanten Internetangebote auch als Rundfunk oder Telemedium verstanden.
In der aktuellen Definition des MStV [10]: "Rundfunk ist ein linearer Informations- und Kommunikationsdienst". Wer davon noch nicht betroffen ist, fällt ggf. unter den Begriff "Telemedien", denn der umfass "alle elektronischen Informations- und Kommunikationsdienste, soweit sie nicht Telekommunikationsdienste nach § 3 Nr. 61 des Telekommunikationsgesetzes sind, die ganz in der Übertragung von Signalen bestehen, oder telekommunikationsgestützte Dienste nach § 3 Nr. 63 des Telekommunikationsgesetzes oder Rundfunk nach Satz 1 und 2 sind."
Kontroll-Paradoxon: Warum die staatliche Aufsicht über Online-Medien verfassungsrechtlich wackelt
Wer von den journalistischen Sorgfaltspflichten des MStV erfasst ist, unterliegt der behördlichen Kontrolle. Es sei denn, das Medium konnte sich erfolgreich einer anerkannten Organisation der Selbstkontrolle wie dem Deutschen Presserat [11] anschließen.
Der Unterschied im Ergebnis ist frappierend. Während der Presserat bei einem Verstoß gegen die Sorgfaltspflichten maximal eine öffentliche Rüge aussprechen kann, können LMA sogar die Löschung oder Sperrung von Beiträgen verlangen. Zudem sind die behördlichen Verfahren mit Kosten verbunden.
So führt der Beck-Online-Kommentar Informations- und Medienrecht [12] von Hubertus Gersdorf und Boris Paal als verfassungsrechtliche Bedenken gegen die LMA-Kompetenzen den Gleichbehandlungsgrundsatz an, benennt aber auch viel Literatur, die Probleme bei der grundgesetzlichen Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit sieht.
Und das kann dauern. Denn zum einen gehen die LMA verhältnismäßig selten gegen konkrete journalistische Angebote vor. Schmid spricht im Spiegel-Interview von einem "niedrigen zweistelligen Bereich" an Hinweisschreiben, die seine Behörde bisher an Online-Medien versandt habe.
Zudem scheinen viele Verfahren im Sande zu verlaufen. Entweder knickt der Telemedien-Anbieter stillschweigend ein. Denn bis zu einem Verfahren mit der zuständigen LMA vergeht bisher so viel Zeit, dass es wirtschaftlich meist irrelevant sein dürfte, ob ein Beitrag weiterhin überhaupt noch oder nur verändert im Netz stehen darf.
Oder eine LMA verfolgt das Ganze nicht weiter, sei es, weil sie sich von der Position des kritisierten Mediums hat überzeugen lassen, sei es, weil auch sie keine Lust auf die gerichtliche Auseinandersetzung hat.
Ein negatives Votum des Bundesverfassungsgerichts würde die Macht der Landesmedienanstalten deutlich beschränken.
Denn ein Vorwurf, der häufig zu vernehmen ist, lautet: Die LMA wollten mit ihrem Vorgehen gegen einzelne Medien Zeichen setzen, eine Art "Drohkulisse" aufbauen, die auch anderen Journalisten zeigt, dass es unangenehm werden kann, wenn wir dir eine Verletzung journalistischer Sorgfaltspflichten vorwerfen.
Tobias Schmid selbst sagt:
"Ich fände es ausdrücklich schade, wenn YouTuber keine journalistischen Gespräche mehr führen würden. Aber zu wissen, dass Meinungsfreiheit Grenzen hat, ist für Menschen mit so großer Reichweite ja vielleicht auch eine interessante Erkenntnis."
Die neue Version von OpenProject bindet XWiki ein, bringt Sprint-Ziele und erweitert Backlogs, Meetings und Administration. Dazu kommen Sicherheitsupdates.
Mit Version 17.6 verbindet das Projektmanagement-Tool OpenProject die eigene Open-Source-Plattform mit der Wissensmanagement-Software XWiki. Zudem baut das Release die Scrum-Funktionen aus, verbessert Meetings und Administration und bringt mehrere sicherheitsrelevante Änderungen sowie zahlreiche Fehlerkorrekturen.
Wichtigste Neuerung [1] ist die XWiki-Integration, die als Enterprise-Erweiterung für alle Kunden mit Corporate-Plan bereitsteht. Administratoren binden XWiki als externen Wiki-Provider ein, woraufhin Work Packages einen eigenen Wiki-Tab erhalten. Darüber zeigt OpenProject passende Wiki-Seiten an, legt neue an oder verknüpft bestehende Dokumente. Auch Querverweise zwischen beiden Systemen sind möglich: Entwickler greifen direkt aus einem Ticket auf Architektur- oder Betriebsdokumentation zu, und aus Wiki-Seiten führen Links zu den zugehörigen Aufgaben.
Laut dem Projekt richtet sich die Integration unter anderem an Organisationen, die proprietäre Kombinationen wie Jira und Confluence durch eine Open-Source-Lösung ersetzen wollen. Auch das integrierte Wiki von OpenProject erhält Verbesserungen: Es lässt sich künftig selbst als Wiki-Anbieter nutzen und über denselben neuen Reiter in Work Packages einbinden. Kleinere Installationen benötigen damit keine separate Wiki-Plattform mehr.
Sprint-Ziele und Backlog Buckets
Im Bereich Scrum erweitert OpenProject die Backlog-Funktionen. Neu sind Sprint-Ziele, die sich beim Anlegen oder Bearbeiten eines Sprints festlegen lassen und anschließend für alle sichtbar im Sprint-Header erscheinen. Das soll Teams helfen, einzelne Aufgaben stärker an einem gemeinsamen Ziel auszurichten.
Hinzu kommt eine Übersicht sämtlicher Sprints eines Projekts. Sie zeigt Status, Laufzeiten und die Zahl der enthaltenen Work Packages. Außerdem lassen sich sogenannte Backlog Buckets nun direkt in Work Packages verwalten sowie in Tabellen filtern, gruppieren und sortieren. Diese Buckets dienen als Kategorien innerhalb des Product Backlogs, etwa um technische Schulden, Infrastrukturarbeiten oder Kundenanforderungen zu trennen, bevor sie in einen Sprint wandern. Das Teilen von Sprints (Sprint Sharing) ist zudem nun bereits im Basic Enterprise Plan enthalten – bisher war das Feature dem teureren Corporate-Plan vorbehalten.
Für Besprechungen führt OpenProject eine Funktion ein, mit der sich Tagesordnungspunkte direkt in Work Packages umwandeln lassen. Die Verknüpfung zwischen Meeting und Aufgabe bleibt erhalten.
Administration und semantische Kennungen
Version 17.6 erweitert zudem die Administrationsfunktionen. Projektverantwortliche schalten Kostenarten künftig projektbezogen frei oder deaktivieren sie. Außerdem verwendet OpenProject projektbezogene semantische Kennungen nun durchgängig in CSV-, Excel- und PDF-Exporten für Meetings und Zeiterfassungen. Solche sprechenden Kennungen ersetzen numerische IDs etwa durch „ERP-2026“ oder „CRM-MIGRATION“. Nicht mehr benötigte Kennungen lassen sich künftig wieder freigeben.
Sicherheit und API-Änderungen
Auch technisch bringt das Release einige Änderungen. CSV-Exporte maskieren jetzt Steuerzeichen, um Angriffe über Tabellenkalkulationen (CSV- oder Spreadsheet-Injection) zu erschweren. Die LDAP-Anbindung unterstützt zusätzliche Attribute für die Gruppensynchronisierung und schützt besser gegen Brute-Force-Angriffe. Zudem gelten die bereits eingeführten SSRF-Schutzmechanismen nun auch für Integrationen wie Nextcloud oder XWiki. Wer solche Dienste ausschließlich über private IP-Adressen betreibt, muss sie künftig auf eine Ausnahmeliste setzen.
Darüber hinaus überarbeitet das Projekt die Struktur seiner Meeting-API mit neuen Endpunkten und geänderten Ressourcenpfaden. Bestehende API-Integrationen müssen Anwender daher gegebenenfalls anpassen.
Neben den neuen Funktionen enthält OpenProject 17.6 zahlreiche Fehlerkorrekturen und Verbesserungen in Bereichen wie Dokumentenverwaltung, Barrierefreiheit, Mobilansicht und API.
OpenProject ist eine Open-Source-Plattform für Projektmanagement und Zusammenarbeit. Sie kombiniert klassische Projektplanung und agiles Arbeiten mit Ticketverwaltung („Work Packages“), Gantt-Diagrammen, Dokumentation, Meetings und Zeiterfassung. Die Software läuft auf eigener Infrastruktur und richtet sich vor allem an Unternehmen und Behörden, die Wert auf Datenhoheit legen.
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Das Motto des Galaxy-Unpacked-Events am 22. Juli 2026: „A New Shape Unfolds.“
(Bild: Samsung)
Samsung lädt für den 22. Juli zum „Galaxy Unpacked“ nach London. Erwartet werden neue Foldable-Modelle, Smartwatches und möglicherweise eine smarte Brille.
Samsung [1] lädt zum Unpacked-Event am 22. Juli. Der Hersteller nutzt seine seit Jahren stattfindenden Unpacked-Events im Sommer, um neue Foldable-Modelle und Smartwatches zu präsentieren. Kurioserweise veröffentlicht Samsung die Einladung zu seinem Event am selben Tag wie Google zum Pixel-11-Event [2], das jedoch erst im August stattfindet.
Neuer Formfaktor
„Am 22. Juli veranstaltet Samsung Electronics das ‚Galaxy Unpacked‘ in London, Großbritannien – einer Stadt, die sich nicht dadurch weiterentwickelt, dass sie Trends hinterherläuft, sondern indem sie diese selbst setzt“, heißt es in der Einladung. Der Hersteller lädt dazu ein, „die neuesten Modelle des Galaxy-Portfolios“ aus der Kategorie der Foldables vorzustellen.
In diesem Jahr scheint Samsung sein Foldable-Sortiment nicht nur um ein neues Fold und Flip zu aktualisieren, sondern auch mit einem extrabreiten Galaxy Z Fold 8 zu erweitern. Schon im Vorfeld der Einladung zum Unpacked-Event hat Samsung damit begonnen, seine nächste Foldable-Generation anzuteasern. Den Fokus legt der Hersteller dabei offenbar auf eine zusätzliche Bauform, bei der es sich um ein Foldable im Galaxy-Z-Fold-Format handelt, das etwas breiter und weniger hoch ist. Auch der Teaserclip zum Event deutet diesen neuen Formfaktor durch das abgerissene Ticket spielerisch an. Apples im September erwartetes erstes Foldable soll einen ähnlichen Formfaktor besitzen.
Das neue, breite Foldable soll Gerüchten zufolge den Namen Galaxy Z Fold 8 tragen, während das „klassische“ Z Fold den Zusatz Ultra erhalten soll und damit „Galaxy Z Fold 8 Ultra“ heißen könnte.
Abseits der Foldables sind Samsung zufolge noch neue Uhren zu erwarten. Diese bestätigte Samsung schon im Zuge der Ankündigung der überarbeiteten Health-App [4]. Gerüchten zufolge wird es eine Galaxy Watch 9 und eine Galaxy Watch Ultra 2 geben. Ebenso kursieren Hinweise [5] auf neue Ohrstöpsel namens Galaxy Buds On.
Kommt die Brille?
Auch Samsungs erste intelligente Brille könnte der Hersteller im Zuge des Unpacked-Events zeigen. Zumindest wäre die Veranstaltung eine gute Gelegenheit, die im Mai zusammen mit Google präsentierte neue Gerätekategorie [6] auf Basis von Android XR zur Schau zu stellen, bevor sie im Herbst in den Handel kommen soll.
Samsung bietet für die Veranstaltung einen Livestream an, der am 22. Juli 2026 ab 15:00 Uhr sowohl auf dem YouTube-Kanal des Herstellers als auch auf der offiziellen Website verfolgt werden [7] kann.
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Mit den Concepts aus C++20 kann man auch variadische Template-Parameter einschränken.
Heute möchte ich einen Aspekt der C++20-Konzepte beleuchten: Sie helfen dabei, den Datentyp eines variadischen Typ-Template-Parameters auf einen bestimmten Typ für alle Datentypen in der Menge einzuschränken.
Ich habe auf meinem englischen Blog bereits einige Artikel zu C++20-Konzepten veröffentlicht:
Angenommen, es gibt ein Funktions-Template Sum, das eine beliebige Anzahl von Parametern annehmen kann, deren Werte die Funktion addiert und das Ergebnis zurückgibt. Eine Implementierung mit einem C++17-Faltausdruck sieht folgendermaßen aus:
Die Implementierung funktioniert, lässt aber die Tür weit offen für die Verwendung von Sum mit gemischten Datentypen:
Sum(2, 3, 4, 5); // #A
Sum(2, 3, 4, 5.6); // #B
Ich bin mit #A zufrieden; aber ich möchte nicht, dass #B kompiliert wird. Wenn ich bei C++17 bleibe, kann ich Sum mithilfe eines static_assert und Type Traits einschränken:
Ein Problem dieser Umsetzung liegt auf der Hand: Nutzer von Sum wissen nichts von der Einschränkung – es sei denn, sie schauen sich die Implementierungsdetails an. Das sollten sie nicht tun müssen. Dokumentation kann helfen, aber das Ziel ist es, so viel Dokumentation wie möglich im Code selbst zu belassen.
Es könnte ein weiteres Problem geben, wenn man eine andere Situation lösen würde. Was ist, wenn man Überladungen zulassen möchte? Mit static_assert ist dieser Weg komplett versperrt. Für den hier vorgestellten Fall mag das in Ordnung sein. Aber selbst hier: Was ist, wenn man eine Überladung für gemischte Gleitkommatypen zulassen will?
Konzepte zur Rettung
Wenn du Konzepte ins Spiel bringst, kann eine mögliche Lösung wie folgt aussehen:
Ich verwende hier das Konzept std::same_as, um die Datentypen in Ts auf denselben Typ wie T zu beschränken. Das std::same_as funktioniert hier mit nur einem Parameter, da Konzepte die Fähigkeit haben, Lücken von links nach rechts zu füllen, und genau das macht der Compiler hier.
Variadische Parameter desselben Datentyps
Man kann sogar sagen, dass man ein variadisches Funktions-Template für einen einzigen bestimmten Datentyp wie int haben möchte.
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Neue EU-Zollregeln sollen Billigimporte aus China eindämmen. Doch große Onlinehändler werden wohl ihre Lieferketten anpassen.
Die Zahl der Pakete von Temu und Co. nimmt seit Jahren zu.Bild:
Nikos Pekiaridis via Reuters Connect
Die neuen EU-Zollregeln für Billigimporte aus China dürften den Boom von Onlineplattformen wie Temu oder Shein kaum bremsen. Für den Luftfrachtstandort Leipzig/Halle erwartet die DHL Group allenfalls kurzfristige Auswirkungen. Größere Onlinehändler werden ihre Waren wohl künftig verstärkt gesammelt in die Europäische Union einführen, dort verzollen und anschließend innerhalb Europas weiterverteilen, teilte das Unternehmen auf Anfrage der dpa (Deutsche Presse-Agentur) mit.
Seit dem 1. Juli gilt auch für Bestellungen aus Nicht-EU-Staaten im Wert von unter 150 Euro eine pauschale Zollgebühr von drei Euro je Warengruppe. Die Abschaffung der Zollfreigrenze soll mehr Chancengleichheit im europäischen Handel ermöglichen und den Wettbewerb mit europäischen Anbietern stärken.
Dass asiatische Shoppingplattformen ihren Marktanteil weiter ausbauen, zeigen aktuelle Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (BEVH). Im zweiten Quartal 2026 entfielen 5,3 Prozent der Onlinehandelsumsätze in Deutschland auf Temu, Shein und Ali Express – so viel wie nie zuvor. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigerten die Plattformen ihre Umsätze um mehr als 20 Prozent. Nach Angaben der DHL Group setzen einige größere Onlinehändler bereits auf das neue Logistikmodell mit den gesammelten größeren Sendungen.
Flughafen Leipzig/Halle rechnet nur kurzfristig mit Rückgängen
Am Flughafen Leipzig/Halle spielt der Onlinehandel aus China eine zunehmende Rolle. Kurzfristig rechnet der Flughafen mit einem Rückgang des Frachtvolumens im unteren bis mittleren zweistelligen Prozentbereich. Mittelfristig dürften sich die Lieferketten jedoch anpassen.
Der Handelsverband Deutschland begrüßte die neue Zollgebühr als "ein sinnvolles Signal für mehr Chancengleichheit im europäischen Handel". Sie allein werde jedoch nicht verhindern, dass weiterhin unsichere Produkte, falsch deklarierte Waren oder Verstöße gegen europäische Verbraucher-, Umwelt- und Produktsicherheitsstandards auf den Binnenmarkt gelangten. "Die Zollgebühr gleicht lediglich einen finanziellen Wettbewerbsnachteil aus, sie kann eine wirksame Marktüberwachung nicht ersetzen", sagte der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp.
Wird Assassin's Creed Black Flag Resynced frischen Wind in die Segel von Ubisoft blasen – oder ist es nur fauliges Wasser in neuen Fässern?
Assassin's Creed Black Flag Resynced legt einen der beliebtesten Teile der Serie neu auf.Bild:
Ubisoft
Assassin's Creed Black Flag Resynced ist ein Paradoxon: Viele Dinge, wie der winzige Wendekreis unseres Schiffs, wirken geradezu absurd komisch, die Gameplay-Mechaniken teilweise altbacken, das "Assassin's" im Titel grenzt an Etikettenschwindel und die Komplexität von Nebenquests und Basis-Management hat in etwa die Fahrtiefe eines Riffs. Aber genau wegen dieses Designs könnte Assassin's Creed Black Flag Resynced der dringend benötigte frische Wind in den Segeln vom schwer angeschlagenen Ubisoft sein.
In Assassin's Creed Black Flag Resynced sind wir meuchelnd durch die Karibik gesegelt und hatten riesigen Spaß mit dem Remake eines der beliebtesten Teile der Assassin's-Creed-Reihe. Das "Resynced" im Titel fällt dabei aus dem klassischen Schema von Remake und Remastered.
Dieser kleine Wortunterschied ist aber wichtig, denn "Remastered" bedeutet in der Regel ein HD-Texturpack und Support für neue Betriebssysteme oder Controller. Böse Zungen würden auch von einem schnellen Cashgrab mit minimalem Aufwand sprechen. Ein Remake hingegen impliziert eine echte Neuauflage, mit angepassten Mechaniken und neuer Technik.
"Resynced" fällt eindeutig in die zweite Kategorie, es enthält laut Ubisoft sogar keine einzige Zeile Code des ursprünglichen Spiels. Wir behandeln Assassin's Creed Black Flag Resynced in diesem Test daher eher als neues Spiel, auch wenn der Preis mit 60 Euro leicht unter den Preisen aktueller Releases liegt. Die genauen Unterschiede zum Original besprechen wir im vorletzten Abschnitt.
Bild 1/6: Unser Protagonist Edward am Steuer der Jackdaw, unseres Piratenschiffs. Je nach Erfolg im Gefecht befindet sich das Schiff in einem mehr oder weniger guten Zustand, wobei wir uns spätestens beim nächsten gesungenen Shanty der Crew schon nicht mehr über eine Beinahe-Niederlage ärgern (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 2/6: Das historische Havanna ist einer der Hauptorte der Handlung und vollgestopft mit großen und kleinen Ablenkungen, wirkt dabei aber stimmig und lebendig (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 3/6: Serientypisch sind auch die Sprünge von hohen Aussichtspunkten wieder mit dabei, diesmal häufig auch ins Wasser oder in einen Haufen Palmwedel - eines der sonst eher seltenen Serienmerkmale im Spiel (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 4/6: In Städten treffen wir ab und zu auf besondere Situationen oder Nebenquests. Die Lebendigkeit der Welt ist zwar lange nicht auf dem Level eines Red Dead Redemption 2, als Kulisse für ein Piratenabenteuer aber trotzdem stimmig (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 5/6: Die Seegefechte sind der klare Höhepunkt des Gameplays. Eine saftige Breitseite zu treffen, das Holz des Gegners splittern und seine Segel reißen zu sehen, um anschließend beim Entern Chaos an Deck zu stiften, ist eine grandiose Erfahrung (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 6/6: Auch an Land, etwa bei der Eroberung von Befestigungen, sorgen die hervorragenden Beleuchtungseffekte, der Sound von Musketen und Säbeln sowie der hohe Chaosfaktor für dichte Atmosphäre (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Wenig Assassin's Creed
Wir schlüpfen in Black Flag in die Rolle von Edward Kenway, einem Waliser (keinem Briten!), der auf der Suche nach dem großen Reichtum im Goldenen Zeitalter der Piraterie den Weg in die Seefahrt eingeschlagen hat. In seiner Haut sind wir der Kapitän unseres eigenen Piratenschiffs und bereisen die Karibik inklusive Kuba und Jamaika und säbeln uns durch die etwa 25 Stunden lange Haupthandlung.
Dabei geht aber erstmal einiges des ursprünglichen Assassinen-Gefühls verloren. Die Orte, in denen das ursprüngliche Serienfeeling noch am ehesten greifbar wird, sind die Städte, allen voran Havanna. Hier gibt es die serientypischen Nebenaktivitäten, oftmals als Ubisoft-Formel verpönt: Aussichtstürme wollen erklommen, Zielpersonen assassiniert und Dinge gesammelt werden. Das ist alles ziemlich seicht – vom Annehmen etwa einer Attentatsquest bis zum Säbel im Hals der Zielperson vergehen, wenn wir uns sputen, selten mehr als zwei Minuten.
Auch das Einsammeln von Shantys, Seemannsliedern, die unsere Crew auf hoher See anstimmt, geht extrem schnell und ist in der Regel keine große Herausforderung. Selbst das Erklimmen der Türme schafft jeder Grobmotoriker mit zwei Augenklappen: Klettertaste gedrückt halten und den Stick nach vorne drücken, und schon kraxelt unser Protagonist Edward Kenway die Kirche hinauf und sucht sich selbst seine Griffe, nur selten müssen wir minimal die Richtung anpassen.
Die Kollegen Nathan Drake und Lara Croft aus Tomb Raider und Uncharted bieten hier deutlich mehr.
Aber genau dieses Manko von seichten Nebenquests und eher einfach gehaltenen Mechaniken ist einer der größten Vorteile: Es lässt Raum für den eigentlichen Star des Spiels, denn die Magie steckt nicht in den Quests, sondern in der Welt und dem Setting.
Die Atmosphäre von Black Flag in den Städten, mit Musikern, rufenden Personen und täglichem Ablauf ist zwar stimmig, aber das wirkliche Highlight in Sachen Stimmung findet auf hoher See statt. Während wir mit dem Schiff zwischen Inseln steuern, sehen wir häufig Delfine, springende (und bejagbare) Wale und können sehen, wie sich das Wetter langsam vom blauen Sommertag zum Sturm entwickelt.
Wenn dann noch unsere Crew eines der grandiosen Seemannslieder anstimmt, ist die Immersion perfekt. Dazu gehört auch die tolle Soundkulisse, wo Geräusche wie Kanonen und Säbel schön saftig klingen und sowohl die deutschen als auch die englischen Sprecher durchweg einen guten Job machen.
Zur Atmosphäre tragen auch die historischen Figuren bei. Wer als Kind schon von Black Beard und Co. gehört hat, freut sich über ein Wiedersehen mit vielen bekannten und gut geschriebenen Charakteren. Das gilt auch für unseren Protagonisten Edward, der eine gut gemachte Charakterentwicklung vollzieht und stets glaubwürdig wirkt.
Die alte Tempelritter-Kiste ...
Weniger authentisch ist das aufgesetzt wirkende Templer-gegen-Assassinen-Szenario der Handlung. Es fühlt sich stellenweise an, als hätte jemand in der Piraten-Lego-Kiste ein paar Figuren von einem anderen Set vergessen.
Die größte Stärke von Black Flag liegt aber in den piratentypischen Aktivitäten, etwa dem Bekriegen und Entern von Schiffen. Wir schießen andere Schiffe mit viel Munition und Waffen zunächst manövrierunfähig, bevor wir sie entern.
Die Waffengattungen sind dabei clever über das Schiff verteilt. Wer über den Bug guckt und ein Schiff verfolgt, benutzt automatisch eher die mast- und segelbrechenden Kugeln; wer nach hinten schaut, verteilt explosive Fässer. Das System funktioniert intuitiv, ohne dass man sich zu sehr bemuttert fühlt.
Die Kämpfe zu Fuß folgen dagegen einem simplen Schema von Angreifen, Blocken und Ausweichen. Das fühlt sich wenig komplex an, macht aber trotzdem Spaß, da so etwa das Erstürmen einer Festung flott und chaotisch und wenig taktisch ist. Gleichzeitig gibt es etwa die Takedown-Mechanik, mit der wir nach einem gelungenen Konter einen Gegner – und seinen Nachbarn gleich mit – durch einen Finisher-Move von den Holzbeinen hauen können. Das trägt zum guten Tempo bei, ohne sich zu unfair anzufühlen, gerade bei größeren Gruppen von Gegnern.
Trotzdem bleibt das für Resynced komplett neu gemachte Kampfsystem angenehm fordernd und bestraft es, wenn wir mal nicht aufpassen – wir haben sowohl zu See als auch an Land öfter mal den Todesbildschirm gesehen, was uns aber nie unfair oder frustrierend vorkam. Abseits des gelegentlichen Blockens und Ausweichens ist das Kämpfen aber wenig planvoll, ohne größere Combos, nötige Taktiken oder nennenswerte Bosskämpfe.
Auch das Flottenmanagement, bei dem wir gekaperte Schiffe für uns arbeiten lassen, bietet wenig Tiefgang, ist aber eine coole Abwechslung für zwischendurch. Wirtschaftsmanagement in ultraleicht.
Bild 1/7: Resynced enthält einige neue Inhalte, etwa neue Offiziere für unser Schiff samt dazugehöriger Quests (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 2/7: Wir können eine ganze Piratenflotte aufbauen und kommandieren, um an zusätzliche Ressourcen für den Ausbau unserer Insel und die Verbesserung unseres Schiffes zu gelangen (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).<br>
Bild 3/7: Neue Seemannslieder für unsere Crew sammeln wir in kleinen Passagen über den Häuserdächern. Weil das sowohl leicht als auch relativ schnell geht, ist es eine willkommene Abwechslung (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 4/7:
Bild 5/7: Mit erlegten Tieren können wir mehr Inventarplätze für Kugeln, Blasrohrmunition und Co. schaffen (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 6/7: Der Detektivmodus ist zwar praktisch, um Gegner zu erspähen, wird aber angenehmerweise nur selten wirklich benötigt - mehr Zeit, um die Szenerie zu genießen (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Bild 7/7: Fehler sind uns nur selten vor den Bug gekommen, nur einzelne kleine Glitches. Das Spiel läuft auf der getesteten PlayStation 5 Pro ansonsten flüssig und sauber (Bild: Ubisoft / Screenshot: Golem).
Lieber Seemannsgarn als Realismus
Generell setzt Assassin's Creed Black Flag Resynced eher auf leichte Kost als auf Realismus. Es will eben ein spaßiges Piratenspiel sein, keine Simulation. Das bemerkt man auch daran, dass sich die Jackdaw, unser Piratenschiff, in Sekunden beschleunigen und bremsen lässt und den Wendekreis eines VW Polo hat.
Genauso sind die Stealth-Passagen, in der Regel optional, recht simpel gehalten, was mit an der dummen Gegner-KI liegt. Der gute alte Wachenhaufen, hier eher ein Freibeuter-Gebüsch, funktioniert nach wie vor. Ein Beispiel: Wache Nummer eins wird erstochen, daraufhin Wache zwei: "Oh, da liegt eine Leiche, ich gehe mal schauen." Wache zwei wird dann neben seinem Kollegen erstochen. Und dann kommt Wache Nummer drei um die Ecke, und schaut sich erstmal aus der Nähe an, warum da denn zwei Wachen tot auf dem Boden direkt neben dem Gebüsch liegen. Absolut dämlich und wenig realistisch, aber trotzdem spaßig.
Der Punkt ist aber, dass es gar keinen Realismus braucht, damit Black Flag Spaß macht. Und diese Selbstreflexion merkt man den Entwicklern in ihrem Spiel durch und durch an.
So treibt gefühlt der Inhalt einer halben Handelsflotte in Kisten auf dem Wasser umher, samt gestrandeter Crew auf Flößen, die wir einsammeln können. Auch sehen wir vorher am kräuselnden Wasser, wo der nächste Blitz im Sturm einschlägt. Natürlich ist ein den Blitzen ausweichendes Schiff völliger Humbug, sorgt aber dafür, dass wir uns beim Umhersegeln nie langweilen. Lästig werden derlei kleine Ablenkungen nicht.
Unser Schiff aufzurüsten und zumindest leicht mit Segeln und Co. anzupassen, ist dabei die wohl größte Motivation. Wir brauchen neben Geld auch Materialien wie Eisen oder Holz, um unseren Bug zu verstärken oder mehr Kanonen für noch saftigere Breitseiten freizuschalten.
Das kommt uns aber kaum wie ein Grind vor, da gerade die ersten Stufen recht günstig sind und Gold sehr großzügig in der Welt verteilt ist. Wer regelmäßig in der Nähe befindliche Kisten abklappert und die eine oder andere kurze Assassinen-Mission macht, wird nie längere Zeit sparen müssen.
Wie in modernen Spielen üblich, gibt es natürlich auch eine Art Detektivmodus, der Gegner und wichtige Objekte hervorhebt. In der Praxis haben wir den aber selten benutzt, weil die meisten Hinweise und Rätsel auch so gut funktionieren. Wir hängen also nicht für längere Abschnitte in einer Grau-Rot-Sicht fest, sondern bleiben in der immersiven Welt, die auch dank des vielen Krimskrams in der Welt schön voll wirkt.
Resynced gegen das Original
Neben der bereits erwähnten komplett neuen Codebasis sind vor allem die Assets und deren Dichte im Spiel deutlich aufgewertet: Anstelle teilweise recht leerer Sandbänke wie im Original strotzen die Strände vor kleinen Details und Vegetation. Unser Schiff hat sichtbar mehr Knoten und Haken und allgemeinen Kram an Deck stehen, und die damals wegweisende Beleuchtung wurde noch weiter verbessert.
Black Flag sieht nicht immer perfekt, aber durchweg stimmig aus – zwar nicht wie ein AAAA-Titel, aber zumindest gerüchteweise mit einigen der Assets eines solchen. Denn das gefloppte Skull and Bones, ebenfalls ein Werk von Ubisoft Singapur, soll als Teilespender gedient haben.
Inhaltlich sind vor allem die Animus-Passagen, also die Rahmenhandlung in der Gegenwart, in denen in die Vergangenheit der Assassinen-Ahnen abgetaucht wird, überflüssig geworden. Nur kleinere Überbleibsel wie der futuristische Ladebildschirm und bestimmte Stichwörter oder Nebenaufgaben deuten noch auf die Gegenwartsepisoden hin – kein großer Verlust, da Black Flag auch so genug Abwechslung bietet und die Passagen häufiger Kritikpunkt am Original waren. Die wenigen übrig gebliebenen Hinweise stören nicht besonders, Neulinge zucken höchstens kurz mit den Achseln, warum denn da "desynchronisiert" und nicht "game over" steht.
Das Alter des Grundspiels merkt man dem Spiel an einigen Designentscheidungen an, etwa aufgrund fehlender automatischer HP-Regeneration oder an fehlenden RPG-Elementen wie dem Verteilen von Skillpunkten. Das stört das Gameplay aber überhaupt nicht, sondern hebt es eher von der Konkurrenz ab – wir empfinden vieles davon als angenehm retro. Die früher wirklich störenden Aspekte wie die nicht überspringbaren Schleichpassagen lassen sich jetzt auch alternativ mit roher Gewalt lösen.
Neue Missionen im Remake – geprüft!
Neben diesen Verbesserungen gibt's einige neue Waffen für sowohl Edward als auch die Jackdaw, einige neue Missionen, auch im späteren Teil des Spiels, kurze Alternativ-Szenarien (Rifts) sowie neue Offiziere für das Schiff. Überall sind kleine Änderungen, neue Nebencharaktere und Verbesserungen eingesprenkelt, ohne zu sehr abzulenken oder aufzufallen: Wir mussten selbst beim Test immer wieder googlen, was es in der ursprünglichen Version schon gab. Und das ist überraschend viel Neues. Genau so geht Remake!
Das ist alles nichts Weltbewegendes, erweitert das Spiel aber um ein paar sinnvolle Kleinigkeiten und modernisiert es, ohne das ursprüngliche Erlebnis massiv zu verwässern. Und der neue, sehr seichte und völlig optionale Basisausbau mit ein paar praktischen Geschäften gehört schließlich seit Assassin's Creed Brotherhood zur Serie dazu und macht das Piratendasein angenehmer. Selbst Puristen können bei den sinnvollen Ergänzungen hier kaum motzen.
Assassin's Creed Black Flag Resynced erscheint am 9. Juli 2026 für Windows, Xbox Series X/S und in der von uns getesteten PS5-Variante für 60 Euro in der Standardversion. Alle Upgrades für Deluxe und Collector's Edition sind rein kosmetischer Natur, genau wie die aktuell verfügbaren zusätzlich kaufbaren Inhalte. Das Spiel ist ein reines Singleplayer-Erlebnis und von der USK ab 16 Jahren freigegeben.
Fazit
Auf dem Papier ist Black Flag mit seinen Kämpfen, Nebenbeschäftigungen und Quests größtenteils ziemlich durchschnittlich und spieltechnisch oft flach wie eine Sandbank. Trotzdem hat Black Flag zwei Stärken, dank derer wir den Ausflug in die Karibik in jeder Minute genossen haben.
Die erste Stärke liegt in der Welt und im Setting selbst, denn als Freibeuter zur See zu fahren, ist eine Wahnsinnsfreude, eben auch dank der starken Eingrenzung von Realismus und dem Fokus auf Atmosphäre. Wenn man angespannt auf den perfekten Moment zur Kanonen-Breitseite wartet, um dann mit dem Seil den Gegner zu entern und über Bord zu werfen, ist der fehlende Realismus egal – Fluch der Karibik und Co., die die modernen Vorstellungen von Piraten geprägt haben, waren schließlich auch keine Meilensteine der historischen Authentizität.
Die zweite Stärke klingt erstmal paradox, denn sie liegt darin, dass Black Flag nichts wirklich überragend gut macht. Es macht dabei aber auch nichts wirklich schlecht und nimmt sich selbst im Gameplay nicht besonders ernst. Durch den hohen Grad an Abwechslung spielt es sich herrlich kurzweilig: Kaum wird uns beim Schiffekapern durch den recht repetitiven Ablauf langweilig, finden wir eine neue Insel und machen dort erstmal die nächsten Attentatsmissionen. Und bevor diese aufgrund ihrer Einfachheit eintönig werden, sind wir schon wieder auf hoher See und freuen uns über die neu gefundenen Shanties.
Das Spiel ist eine tolle Erfahrung in einer nahtlosen Welt, die extrem viel Abwechslung bietet, ohne sie aufzuzwingen. Wer Black Flag damals gemocht oder verpasst hat und Action Adventures oder Piraten etwas abgewinnen kann, wird sich in der technisch sauberen Neuauflage mit vielen sinnvollen Neuerungen in der digitalen Karibik sehr wohlfühlen.
Dr. Tim Elsner hält Vorträge zum Thema KI und hat eine Firma gegründet, die zwischen LLMs, Computer Vision und Co. berät und selbst an neuen Modellen entwickelt. Seine lange Leidenschaft für Videospiele und deren Tests hat ihn dazu gebracht, dem Ruf der Freiheit zu folgen und den Review-Code von Black Flag Resynced zu kapern.
Schwere Funkschwachstellen bei Hunderttausenden PV-Anlagen erlauben laut Forschern das Abschalten im Vorbeifahren und sogar die physische Zerstörung der Geräte.
Der Ausbau der dezentralen Energieerzeugung offenbart immer [1] wieder Defizite bei der IT-Sicherheit [2] marktführender Hardware. Im Fokus steht erneut [3] die chinesische Firma Hoymiles, die nach eigenen Angaben rund 20 Prozent des europäischen Marktes für Mikrowechselrichter bedient. Diese sind in Balkonkraftwerken und kleineren Dachsolaranlagen verbaut. Der Sicherheitsforscher Benedikt Heinz alias Hunz hat zusammen mit dem Chaos Computer Club (CCC) weitreichende Sicherheitslücken aufgedeckt: Mit einfachen Mitteln aus der elektronischen Grabbelkiste und wenig Know-how ist es demnach möglich, Solaranlagen in der Nachbarschaft im Vorbeifahren zu manipulieren, abzuschalten oder dauerhaft unbrauchbar zu machen.
Das Problem liegt laut den Schwachstellenbeschreibungen [4] in den Funkprotokollen [5], über die die Wechselrichter der HM- sowie der HMS- und HMT-Serien mit den zugehörigen Steuereinheiten kommunizieren. Der Austausch erfolgt unverschlüsselt über die Frequenzbänder 868 MHz und 2,4 GHz. Hobby-Bastler und Open-Source-Projekte wie OpenDTU [6] oder AhoyDTU [7] gingen bisher davon aus, dass Angriffe zumindest die Kenntnis der individuellen Seriennummer des Geräts voraussetzen. Doch Hunz entdeckte eine undokumentierte Funktion in der Firmware. Wird dieser Rundrufbefehl ausgesendet, antworten alle erreichbaren Hoymiles-Wechselrichter in der Umgebung und übermitteln ihre Seriennummer im Klartext per Funk.
Massenhafte Lokalisierung und Fernsteuerung
Bei experimentellen Tests reichte ein modifizierter, handlicher Scanner aus, um innerhalb von 20 Minuten zwei Dutzend fremde Wechselrichter samt ihrer eindeutigen Identifikationsnummern und Modell-IDs zu lokalisieren. Da die Reichweite der Funksignale mehrere hundert Meter betragen kann, ließe sich eine solche Angriffshardware sogar problemlos auf eine Drohne montieren, um ganze Wohngebiete systematisch zu erfassen.
Sobald ein Angreifer im Besitz der Seriennummern ist, steht ihm das ganze Spektrum der Gerätefernsteuerung offen. Da die Integrität der Datenpakete nur durch simple Prüfsummen geschützt wird, die sich bei Modifikationen mathematisch leicht neu berechnen lassen, existiert keine echte Authentifizierung.
Ein Angreifer kann die Wechselrichter nach Belieben ein- oder ausschalten und Leistungslimits manipulieren. Über den ungeschützten Funkbefehl zur Aktualisierung der Firmware lässt sich sogar Schadsoftware einschleusen. Der Forscher demonstrierte das anhand eines eigenen Test-Programms, das die Relais und LEDs des Wechselrichters in Dauerschleife schaltete. Werden gezielt sensible Netzparameter verändert oder die internen Speicherbereiche des Bootloaders gelöscht, drohen Brände, elektrische Unfälle oder die Zerstörung des Geräts. Das lässt sich danach nur noch durch Öffnen des Gehäuses reparieren.
Ignoranz der Behörden und CCC-Appell
Hersteller Hoymiles reagierte im Rahmen des Disclosure-Prozesses irritiert bis gar nicht und stellte bisher keinen Patch zur Verfügung. Auch staatliche Aufsichtsbehörden winkten ab: Mögliche plötzliche Leistungseinbrüche im Gigawatt-Bereich durch ein koordiniertes Abschalten von Solaranlagen könnten von den Netzbetreibern abgefangen werden. Der CCC warnt indes vor einem systemischen Risiko [8] und einer Wild-West-Manier beim Ausbau des Internet of Things (IoT). IT-Sicherheit im Energiesektor dürfe nicht erst bei Großkraftwerken anfangen, sondern müsse auch im Vorgarten und auf dem Balkon gelten.
Die Hacker fordern verbindliche Mindeststandards und ein Verbot von Einspeisegeräten in der EU, die Firmware-Updates ohne kryptografische Authentifizierung via Funk akzeptieren. Bis echte Patches vorliegen, bleibt Betreibern als Notlösung nur, über die Original-Software ein Diebstahlschutzpasswort zu vergeben, die Abfrageintervalle in Open-Source-Tools drastisch zu erhöhen oder die Solarmodule physisch vom Wechselrichter zu trennen.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-11357067
OpenSSH 10.4 behebt mehrere Sicherheitslücken in SSH, SCP und SFTP. Zudem gibt es Protokollverschärfungen und experimentelle Post-Quantum-Signaturen.
Mit OpenSSH 10.4 ist eine neue Version der weitverbreiteten SSH-Implementierung erschienen. Im Mittelpunkt stehen mehrere Sicherheitskorrekturen für SSH-, SCP- und SFTP-Komponenten sowie Protokollverschärfungen, die Angriffsflächen verkleinern sollen. Ferner führt das Projekt erstmals experimentelle Unterstützung für ein hybrides Post-Quantum-Signaturverfahren ein.
OpenSSH ist die Referenzimplementierung des SSH-Protokolls. Sie gehört auf Linux- und BSD-Systemen sowie vielen weiteren Unix-ähnlichen Plattformen zur Standardausstattung.
Sicherheitskorrekturen für SSH, SCP und SFTP
Ein Schwerpunkt der neuen Version liegt auf der Behebung mehrerer sicherheitsrelevanter Fehler. So konnte ein bösartiger SFTP-Server Downloads unter bestimmten Umständen an einen anderen Speicherort als den vorgesehenen umleiten. Auch beim Kopieren von Dateien zwischen zwei entfernten Systemen mit scp verhindert OpenSSH 10.4 nun, dass ein manipulierter Server Dateien außerhalb des vorgesehenen Zielverzeichnisses ablegt. Zudem behebt OpenSSH 10.4 einen Fehler im internen SFTP-Server (internal-sftp, nicht der Standard): Bei langen Kommandozeilen wurden Argumente ab der zehnten Position still verworfen – sicherheitsrelevante Optionen an diesen Stellen wurden damit ignoriert.
Weitere Korrekturen betreffen den SSH-Server sshd. Die Entwickler schließen unter anderem eine potenzielle Denial-of-Service-Schwachstelle vor der Authentifizierung, sofern GSSAPI-Authentifizierung aktiviert ist (sie ist standardmäßig deaktiviert). Außerdem beseitigt die Version Fehler bei der Durchsetzung von Authentifizierungsverzögerungen und korrigiert eine Konstellation, in der DisableForwarding=yes Tunnelverbindungen entgegen der Dokumentation nicht zuverlässig unterband.
Auch der SSH-Client erhält Sicherheitskorrekturen. Unter anderem wurde ein möglicher Use-after-free-Fehler während eines Schlüsselaustauschs beseitigt, falls ein Server seinen Hostschlüssel während einer erneuten Schlüsselvereinbarung wechselt.
Strengeres Protokoll und mehr Robustheit
OpenSSH 10.4 verschärft außerdem das Verhalten während eines sogenannten Key-Reexchange. Dabei handeln Client und Server während einer bestehenden Verbindung neue Sitzungsschlüssel aus, etwa um kryptografisches Material regelmäßig zu erneuern. Sendet eine Gegenstelle während dieses Vorgangs unerlaubte Protokollnachrichten, trennt OpenSSH die Verbindung künftig sofort. Bislang wurden solche Nachrichten gepuffert, was zu sinnlos belegtem Speicher führen konnte.
Diese strengere Umsetzung orientiert sich an den Vorgaben des SSH-Protokolls. Allerdings weisen die Entwickler darauf hin, dass ältere oder nicht RFC-konforme Implementierungen dadurch unter Umständen die Verbindung verlieren.
Darüber hinaus ersetzt OpenSSH den bisherigen Wildcard-Matcher durch eine Implementierung auf Basis eines nicht deterministischen endlichen Automaten (NFA). Damit vermeiden die Entwickler exponentielle Laufzeiten bei bestimmten Suchmustern und verbessern die Robustheit gegenüber ungünstigen Eingaben.
Experimentelle hybride Post-Quantum-Signaturen
Als wichtigste funktionale Neuerung führt OpenSSH die experimentelle Unterstützung für ein kombiniertes Signaturverfahren aus ML-DSA-44 und Ed25519 ein. Der hybride Ansatz soll sowohl gegen klassische als auch gegen zukünftige Angriffe durch Quantencomputer absichern. Solche Kombinationen sind eine Übergangslösung, solange Post-Quantum-Verfahren noch schrittweise eingeführt und standardisiert werden.
Standardmäßig bleibt die Funktion deaktiviert. Administratoren müssen sie explizit über die Konfiguration aktivieren, etwa für HostKeyAlgorithms oder PubkeyAcceptedAlgorithms. Neue Schlüssel lassen sich mit ssh-keygen -t mldsa44-ed25519 erzeugen.
Weitere Änderungen
Die Entwickler weisen zudem auf einige potenziell inkompatible Änderungen hin. So gibt sshd -G Konfigurationsdirektiven künftig wieder mit gemischter Groß- und Kleinschreibung aus, etwa PubkeyAuthentication statt ausschließlich Kleinbuchstaben. Skripte, die die bisherige Ausgabe auswerten, müssen Nutzer gegebenenfalls anpassen.
Unter Linux behandelt OpenSSH Fehler beim Aktivieren der Sicherheitsmechanismen SECCOMP und NO_NEW_PRIVS nun als schwerwiegend. Der Server startet in diesem Fall nicht mehr, sondern bricht ab. Systeme ohne diese Funktionen sollen stattdessen bereits beim Kompilieren ohne Sandbox-Unterstützung gebaut werden.
Daneben enthält OpenSSH 10.4 zahlreiche Fehlerkorrekturen und interne Verbesserungen, unter anderem für FIDO-Token, ssh-agent, die Konfigurationsverarbeitung des SSH-Servers sowie verschiedene kryptografische Routinen. Laut Release Notes [1] sollen diese Änderungen vor allem Stabilität und Wartbarkeit verbessern.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-11356381
Admins aufgepasst: Ein Update der Zimbra Collaboration Suite kann Mail-basierte Angriffe auf den Classic Web Client abschmettern.
Die Zimbra-Entwickler haben im Zuge eines Patch Release Updates auf Version 10.1.19 der Zimbra Collaboration Suite (ZCS) auf ein mögliches Sicherheitsrisiko aufmerksam gemacht. Laut Patch Release Notes [1] kann die zugrundeliegende Schwachstelle ausschließlich über die Komponente Classic Web Client missbraucht werden, wird in diesem Kontext allerdings als „kritisch“ bezeichnet.
Die betreffende, bislang nicht mit einer CVE-ID bezeichnete Lücke könnte demnach von Angreifern missbraucht werden, um speziell präparierte E-Mails zu verschicken. In ZCS-Versionen vor 10.1.19 könnte darin enthaltener, schädlicher Programmcode möglicherweise bereits beim Öffnen der betreffenden Mail zur Ausführung kommen.
Wie das Zimbra-Team etwas vage ausführt, könnten sich Angreifer auf diesem Wege unbefugten Zugriff auf Mailbox-, Session- oder Account-Informationen verschaffen. Wie aus den separat veröffentlichten Release-Notes zu 10.1.19 [2]hervorgeht, handelt es sich technisch wohl um einen Stored-Cross-Site-Scripting-Angriff.
Weitere Update-Informationen
Admins tun auch dann gut daran, die ZCS auf den neuesten Stand zu bringen, wenn der Classic Web Client im Unternehmen nicht zum Einsatz kommt. Erst vor wenigen Monaten hat die US-Sicherheitsbehörde vor aktiven Angriffen auf die Collaboration Suite gewarnt. [3] Auch damals hatten die Übeltäter eine Cross-Site-Scripting-Lücke im Visier. Im Hinblick auf den aktuellen Lückenfund bislang zwar keine Exploitversuche bekannt; dennoch ist es ratsam, zeitnah zu handeln.
Endanwender verwundbarer ZCS-Versionen sollten derweil auf die Nutzung des Classic Client verzichten und alternativ etwa auf den Modern Client umschwenken, bis das Update eingespielt wurde.
AVM-Mitgründer und Technikleiter Peter Faxel zeigt eine größere Ausführung des ISDN-Controllers B1.
(Bild: AVM / Fritz)
Zählt man das erste Jahr als Studentenprojekt, ist Fritz jetzt 40 Jahre alt. Los ging es als „Audiovisuelles Marketing“.
Was als Studentenprojekt in Berlin begann, ist heute Marktführer in deutschen Wohnzimmern: Die FRITZ! GmbH, manchen besser bekannt unter ihrem früheren Namen AVM [1], feiert ihr 40-jähriges Bestehen.
Die vier damaligen Studenten Johannes Nill, Peter Faxel, Ulrich Müller-Albring und Jörg-Detlef Gebert gründeten AVM nach eigenen Angaben [2] im Jahr 1986. Damals handelte es sich allerdings noch um ein Bastelprojekt. Erst am 26. August 1987 erfolgte die erste Eintragung im Handelsregister als AVM Projektvertrieb Kommunikationsysteme GmbH. Der Hauptsitz befindet sich seitdem in Berlin.
Vom BTX-Dienstleister zum ISDN-Pionier
Das Kürzel AVM war ein Überbleibsel aus den Anfangstagen als BTX-Dienstleister und stand für „Audiovisuelles Marketing“. Die vier Gründer wollten Mitte der 1980er-Jahre das damals neue Integrated Services Digital Network (ISDN) nutzen, um den Bildschirmtext (BTX) der Deutschen Bundespost dem damals noch jungen PC-Markt zugänglich zu machen. Nach den ersten Entwicklungsaufträgen wurden ab 1988 eigene Produkte entwickelt.
Mit ISDN-Profikarten wie der A1 und insbesondere der B1 gelang AVM der Durchbruch: Die aktive ISDN-Karte B1 wurde laut eigenen Angaben zum weltweit meistgekauften aktiven ISDN-Controller. Aktiv heißt, dass die Karte mit einem eigenen digitalen Signalprozessor (DSP) die Daten verarbeitet hat. Die passiven A1-Modelle waren dafür auf den PC-Hauptprozessor angewiesen. Zu den Kunden von AVM zählten namhafte Unternehmen wie die Deutsche Telekom, Datev und Novell. Erste Karten kamen für den ISA-Bus (Industry Standard Architecture), spätere Ausführungen für den Peripheral Component Interconnect (PCI). Bis 2013 hat AVM B1-Controller produziert [3].
1995 folgte mit der Fritzcard der erste Ableger mit Endkundenfokus. Kosteten die vorherigen Profimodelle teils mehrere tausend Deutsche Mark (DM), war die Fritzcard ab etwa 200 DM erhältlich. Ebenfalls mit dabei: eigene Fritz-Software. AVMs deutscher Marktanteil bei ISDN-Karten soll im Jahr 2004 auf einen Spitzenwert von 80 Prozent geklettert sein.
Die Fritzbox räumt auf
Der eigentliche Wendepunkt in der Firmengeschichte kam 2004. Bis dahin brauchte man für Internet per DSL und Telefonie hinter der „Postbuchse“ noch einen Gerätewust: Splitter, Analogtelefon oder ISDN-Anlage mit Telefonen, für schnurlose Geräte eine DECT-Basis und als Internetzubringer ein DSL-Modem und einen einfachen Router.
Diesem Wirrwarr machte AVM in zwei Etappen ein Ende: Am 18. März 2004 kündigte die Firma auf der damals weltgrößten IT-Messe CeBIT die erste Fritzbox an. Sie integrierte Modem und Router und reduzierte so das Geraffel merklich. In den folgenden Jahren wanderten immer mehr Funktionen in die Box: die ISDN-Technik, WLAN für Mobilgeräte kam hinzu und später schluckte die Box auch die DECT-Basis. Am Schluss stand nur noch ein Gerät da, mit der Fritzbox 7270 war 2007 der moderne All-in-one-Router geboren. Moderne Geräte kommen zusätzlich mit Smart-Home-Integration, Mesh-WLAN und natürlich Glasfaser-Unterstützung.
Zeitstrahl mit den wichtigsten AVM- und Fritzprodukten. Fritzboxen sind seit Jahren das wichtigste Geschäftsfeld für die Firma.
(Bild: Fritz)
Der Erfolg gab dem Konzept recht: 2010 erreichte die Fritzbox in Deutschland mit 68 Prozent ihren höchsten Router-Marktanteil. Geholfen hat dabei das Geschäft mit den Internetanbietern: AVM vertreibt seine Router auch an Provider, die sie ihren Kunden gegen eine Monatsmiete oder gratis bereitstellen, mal als Original, mal als schwarzer „Homeserver“.
Im Jahr 2024 haben sich derweil die Besitzstrukturen geändert: Damals hat Imker Capital Partners über die Luxemburger Tochterfirma Rucio Investment die Mehrheit von AVM übernommen [6]. Die Gründer haben sich aus Altersgründen aus dem Geschäft zurückgezogen. Unter der neuen Führung strebt Fritz unter neuem Namen auch die Internationalisierung an, inklusive eigenem Webshop [7]. Dort soll es zum Jubiläum Rabattaktionen und Angebote geben.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-11357023
Die Open-Source-Plattform openHAB bietet eine Anbindung an LLMs für Abfragen und Steuerung via Chat sowie einen eigenen MCP-Server für Agentic AI.
Die Open-Source-Plattform openHAB öffnet sich in Version 5.2 für LLMs und Agentic AI. Die Plattform zur Smart-Home-Steuerung bringt eine Anbindung an Sprachmodelle und führt den openHAB MCP Server ein.
LLM-Chat statt Regelwerk für die Steuerung
Das UI von openHAB bringt ein neues Chat-Interface, das sich direkt an die einzelnen Geräte der Plattform anbinden lässt. Für Aufgaben zur Gerätesteuerung zeigt das Chat-Interface das zugehörige Widget an.
Das Widget für das Licht erscheint beim Steuern des Geräts im Chat.
(Bild: openHAB)
openHAB bietet Tools, um die einzelnen Geräte an das LLM anzubinden, um den Status abzurufen oder Steuerbefehle zu senden.
Die User entscheiden, welche Geräte für das Chat-Interface ansprechbar sind. Der Parameter permission in den voiceSystem-Metadaten der einzelnen Items (die Smart-Home-Einheiten in openHAB) [1] kennt drei Einstellungen: NO_ACCESS, READ_ONLY und READ_WRITE.
Gedächtnis und Tools für das LLM
Die Plattform speichert den Verlauf des Chats und kann ihn dem LLM bei weiteren Aufrufen mitgeben. Wie weit sich openHAB den Chatverlauf merkt und ihn weitergibt, lässt sich in den Einstellungen festlegen. Der System-Prompt für das LLM ist ebenfalls anpassbar.
Ein Tooling-Framework öffnet den LLMs den Zugang zu den Geräten und weiteren Informationen. Drei Tools bringt Version 5.2 von Haus aus mit: get-date-time gibt die Zeit und das Datum bezogen auf die aktuelle Zeitzone zurück, item-get-state ruft den Status eines Items ab und item-send-command schickt einen Befehl an ein Item.
Das Chat-Interface bietet Zugang zu den einzelnen Geräten und Informationen im Smart-Home-System.
(Bild: openHAB)
openHAB ist zwar an kein bestimmtes LLM gebunden, bietet zum Start allerdings zunächst nur eine Anbindung an Google Gemini. Bindings für OpenAI und dazu kompatible Modelle sind in Kürze geplant.
Agentic AI mit dem openHAB MCP Server
Einen Schritt weiter als die LLM-Anbindung geht der openHAB MCP Server, der die Plattform für Agentic AI öffnet. Die KI-Agenten können die Geräte steuern und verwalten.
Außerdem lassen sich die KI-Agenten nutzen, um eigene Regeln für openHAB zu erstellen. Dabei hat man die Wahl zwischen Regeln für wiederkehrende Aufgaben und einmaligen Regeln. Letztere löscht der Agent nach der Ausführung selbsttätig.
Die Agenten können wahlweise direkt über das Netzwerk, über die openHAB-Cloud oder eine Node.js-Bridge mit openHAB kommunizieren. Damit die Agenten mit der Plattform interagieren können, benötigen sie ein openHAB-API-Token. Weitere Informationen zur Anbindung und Authentifizierung finden sich in der Dokumentation zum openHAB MCP Server [2].
Funktionen jenseits von KI
Neben der LLM- und Agentic-AI-Anbindung bringt openHAB 5.2 zahlreiche weitere Ergänzungen. Unter anderem lassen sich Komponenten für das UI neuerdings in YAML erstellen. Außerdem hat das openHAB-Team die DSL (Domain Specific Language) zum Erstellen von Regeln erweitert.
Erste Tests von iOS 27 Beta 3 zeigen: Siri AI kann bereits Informationen aus Drittanbieter-Apps abrufen. Apple profitiert dabei von vorhandenen APIs.
Mit der dritten Beta-Version von iOS 27 erhält Apples KI-verbesserte Sprachassistenz Siri AI [1] jetzt offenbar auch die Möglichkeit, Informationen von Dritt-Apps zu beziehen. Testern gelang es, per Sprachsteuerung Daten aus ersten einzelnen Apps abzufragen. Damit zeigt sich auch ein großer Vorteil für den Start, aus dem Apple seinen Nutzen ziehen kann: Durch Verwendung vorhandener Schnittstellen werden bei Veröffentlichung von iOS 27 wahrscheinlich bereits viele Apps über Siri ansteuerbar sein. Damit muss Apple zumindest für einfachere Abfragen keine speziellen neuen Siri-APIs einführen.
Mehreren Testern der Developer-Beta 3 gelang es laut 9to5Mac [2], den aktuellen Ladestand eines Teslas via Siri in Erfahrung zu bringen. Dies funktionierte aber bislang nur mit der App Tessie, nicht mit der offiziellen Tesla-App. Tessie greift über Schnittstellen auf die Daten des Fahrzeugs zu und bietet Nutzern mehr Datenansichten und Funktionen als die App des Herstellers. Ein anderer Tester berichtete, er habe den Ladestand seines Ford mittels der Hersteller-App abfragen können.
App Intents als Grundlage
In den ersten beiden Betas konnten Tester ausschließlich Daten aus Apple-eigenen Apps abfragen. Um erstmals auszuprobieren, wie sehr der neue persönliche Kontext die Qualität der Antworten der Sprachassistenz verbessert, genügte das zunächst. Da viele Nutzer aber für E-Mails oder Kommunikation andere Apps nutzen, ist die Unterstützung von Dritt-Apps eine wichtige Erweiterung, die jetzt offenbar die erste Hürde genommen hat.
Apple nutzt für die Kommunikation mit Dritt-Apps das App-Intents-Framework. Dies war bislang die Grundlage dafür, dass Apps Daten und Funktionen für die Kurzbefehle (Shortcuts) bereitstellen können. Auch die Suche per Spotlight und das Anbieten von Widgets, die auf Sperrbildschirm und Homescreen platziert werden können, hingen von dieser Schnittstelle ab. Mit iOS 27 sollen die App Intents in einer erweiterten Form auch Siri AI mit Informationen bedienen. Neu sind Funktionen für Streaming-Antworten, Dialoge über mehrere Schritte und erweiterte Datentypen. App-Entwickler können darauf basierende Apps aber derzeit noch nicht im App Store anbieten. Erst mit dem finalen Release des großen Softwareupdates von Apple können sie auch auf dem neuen iOS-27-SDK basierende Apps für den App Store einreichen.
SiriKit wird in Rente geschickt
Für Grundfunktionen scheint aber auch die bisherige Implementierung durchaus auszureichen. Die App Intents wurden mit iOS 16 im Jahr 2022 eingeführt. Im Zuge des Siri-Umbaus schickt Apple die Schnittstelle SiriKit gleichzeitig in Rente. Diese existierte seit 2016 und war XML-basiert. Künftig sind die App Intents der einzige Weg für Siri AI.
EU-Nutzer werden sich auf iPhone und iPad erstmal gedulden müssen [3], da Apple wegen der laufenden Diskussionen mit der EU-Kommission hier vorerst auf eine Veröffentlichung verzichtet. Dafür wird Siri AI aber im Herbst in der EU auch auf dem Mac und der Vision Pro erscheinen – vorerst allerdings nur in US-Englisch.
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Siri AI auf der Apple Watch: Gibt’s leider nur für neuere Modelle.
(Bild: Apple)
Apple hat erstmals die Smartwatch-Variante des neuen KI-Systems freigegeben. Es gibt eine neue Siri-AI-App. Wie viel lokal auf dem Gerät läuft, bleibt unklar.
Entwickler dürfen nun erstmals die neue Siri AI [1] auf der Apple Watch testen. Die in der Nacht zum Dienstag erschienene dritte Beta von watchOS 27 [2] enthält erstmals die dafür notwendige neue Siri-AI-App samt entsprechender Integration in das Betriebssystem. Es bleibt zunächst unklar, ob es wie bei macOS 27 [3], iOS 27 und iPadOS 27 eine Warteliste [4] gibt oder die Funktion sofort zur Verfügung steht. Da die Apple Watch im Gegensatz zu iPhone und iPad nicht von der EU-Kommission reguliert [5] wird, steht Siri AI auch in Europa zur Verfügung. Allerdings ist die einzige zugelassene Hauptsprache derzeit US-Englisch, auch wenn man versuchen kann, mit dem neuen Chatbot in deutscher Sprache zu kommunizieren und dabei des Öfteren zielführende Antworten erhält.
Siri AI auf der Apple Watch nur auf bestimmten Modellen
Allerdings lief die Sprachassistentin bislang auf der Apple Watch gar nicht lokal, sondern gab Anfragen an das verbundene iPhone weiter. Ob sich das mit watchOS 27 tatsächlich ändert, ist unklar. Es wird spekuliert, dass Siri AI die in neueren Apple-Watch-Modellen (ab Series 9, Ultra 2 und SE 3) integrierte KI-Einheit (Neural Engine) benötigt. Am Hauptspeicher hat sich zwischen den Varianten offenbar nichts geändert.
Neues KI-System prominent platziert
Am leichtesten zu finden ist die neue Siri-AI-App über eine neue Steuerfunktion [8], die Apple in watchOS 27 eingebaut hat: Drückt man auf die digitale Krone, tauchen nun fünf ausgewählte Anwendungen auf. In der Mitte ist das Siri-AI-Icon platziert. Zu allen Apps im Raster (Grid) oder der Listenansicht kommt man mit einem weiteren Knopfdruck.
Apple will also, dass die User die Sprachassistentin schnell finden und nutzen. Natürlich ist auch ein Aufruf mit der Stimme möglich, wenn man dies nicht abgeschaltet hat. Die Darstellung von Siri AI ist aufgrund der kleinen Bildschirmgröße nicht perfekt, Nutzer sollten sich darauf einstellen zu scrollen. Anfragen finden sich später auch in der Siri-AI-App für iPhone, iPad und Mac.
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Einem Leaker zufolge gelingt es Apple nicht, KI-Bildsensoren in seine Stöpsel zu verbauen. In iOS 27 taucht allerdings ein dazu passender Codename auf.
Die Idee bei den neuen AirPods, die eine Art Sondermodell der AirPods Pro 3 [4] aus dem Herbst 2025 sein sollen, ist, diese mit der Siri- beziehungsweise Apple-Intelligence-Funktion Visual Intelligence [5] zu verbinden. Ähnlich wie bei Smartglasses wie jenen von Meta [6] soll es so möglich werden, sich Dinge im Sichtfeld erklären zu lassen. Foto- oder gar Videofeatures sind nicht vorgesehen, ursprünglich plante Apple angeblich nur den Einbau von Infrarotkameras. Eine weitere Möglichkeit durch die integrierten Kameras wäre, die AirPods über Gesten zu steuern. Aktuell geht dies durch Sprache oder über berührungsempfindliche Felder an den Stöpseln.
Wie nun der Prototyp-Sammler und Leaker Kosutami behauptet, hat Apple grundsätzlich Schwierigkeiten mit Kamera-AirPods. Das Projekt sei „eingestellt“ (suspended), schreibt dieser auf X [7] unter Verweis auf ein älteres Posting. Weitere Details wurden nicht genannt – auch Gründe für die „Einstellung“ gab es nicht. Wie gut Kosutami informiert ist, bleibt im Dunkeln – in der Vergangenheit lag er bereits richtig, hatte aber auch Vorhersageaussetzer. Sein letztes Gerücht: Apple-Watch-Armbänder mit integrierter Sensortechnik [8].
Details in der Beta von iOS 27
Gegen die Einstellung des Projekts spricht, dass es in der zweiten Developer-Beta von iOS 27 einen Hinweis auf ein neues AirPods-Produkt gibt. Entwickler Sam Gold entdeckte im Code einen Hinweis auf ein Produkt mit dem Codenamen B790, das zwei Bilder von Kameras, die sich an jeder Seite des Kaufes des Nutzers befinden, übermitteln kann. Dies könnten „AirPods Ultra“ oder ein anderweitig bezeichnetes neues Audio-Gerät sein.
Dazu passt, dass der Codename der AirPods Pro 3 „B788“ war. Zu möglicherweise von Apple in Entwicklung befindlichen Smartglasses ist der Begriff hingegen unpassend, diese nennen sich intern nämlich angeblich N50 [9].
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Uwe Bolls FSK-Skandalfilm mit Armie Hammer erreicht dank Elon Musk Millionen. Dabei zeigt er vor allem einen Spießbürger im Blutrausch. Ein Leitartikel.
Ein Film, den unter normalen Umständen niemand gesehen hätte, beschäftigt seit Wochen die Republik.
Regisseur Uwe Boll [1], laut taz "anerkanntermaßen einer der schlechtesten Filmemacher aller Zeiten", hat mit "Citizen Vigilante" einen Actionthriller gedreht, in dem der frühere Hollywood-Star Armie Hammer als vermögender Geschäftsmann Sanders durch ein nicht näher benanntes europäisches Land zieht und Selbstjustiz unter anderem an Migranten übt.
Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) verweigerte dem Werk zunächst jegliches Kennzeichen. Boll schrie Zensur, Elon Musk stellte den Film 48 Stunden lang kostenlos auf X – und Millionen schauten zu. Selbst nach diesen zwei Tagen war der Film noch in voller Länge auf X abrufbar.
Der Schaden ist dennoch angerichtet: Nicht etwa, weil ein schlechter Film nun legal im Kino laufen darf. Sondern weil der inszenierte Kulturkampf ein handwerklich wie moralisch desolates Machwerk zum globalen Ereignis aufgeblasen hat, das es ohne den Skandal nie geworden wäre.
Schimmelkontrolle statt Gerechtigkeit
Wer "Citizen Vigilante" tatsächlich anschaut, erlebt keine mutige Gesellschaftskritik, wie etwa bei "V wie Vendetta", sondern die Allmachtsfantasie eines wildgewordenen Spießbürgers.
Sanders, der seinen Rachefeldzug mit Mieteinnahmen aus geerbten Immobilien finanziert, gibt sich zwar als Rächer der Schwachen. Doch mehrere Szenen entlarven ihn gründlich als das, was er ist: ein Spießer, dem es in erster Linie um seinen Besitz geht, um die Ordnung, die sein Eigentum schützt, und nicht um Menschen.
In einer Szene geht Sanders ins Bordell, als ob es das Natürlichste der Welt wäre. Ob die Frauen dort freiwillig anschaffen oder dazu gezwungen werden, ist Sanders egal. Für ihn ist das ein normales Geschäft: Geld gegen Dienstleistung.
Das schien ihm durchaus Vergnügen zu bereiten – bis er an die Wand schaut und Schimmelflecken entdeckt. Er unterbricht den Akt und liest der Prostituierten die Leviten, weil sie offenbar ihr Kämmerlein nicht ordentlich lüftet.
Auch hier steht nicht etwa der Schutz der Gesundheit im Vordergrund, sondern: Sanders gehört das Haus, in dem sich das Bordell befindet. Die Sorge um sein Eigentum ist hier die Triebfeder, und sie wiegt schwerer als alles andere.
In der anderen setzt er seinen Hausverwalter unter Druck und verlangt einen rücksichtslosen Umgang mit Mietern, um den Immobilienbestand zu sichern. Er pocht darauf, dass die Mieter schneller vor die Tür gesetzt werden, wenn sie ihre Miete nicht (pünktlich) zahlen.
Und dass durch sein provokantes Verhalten im Straßenverkehr ein unbeteiligter Autofahrer stirbt, quittiert Sanders ohne erkennbare Empathie. Das Opfer hätte ja die Schranken des Gesetzes überwinden und auf die andere Straßenseite wechseln können.
In diesen Szenen zeigt sich: Menschenleben sind diesem Protagonisten nachgeordnet, sein geerbter Besitzstand ist es nicht.
Die Frage, die sich beim Anschauen aufdrängt: Geht es Sanders wirklich um Gerechtigkeit, oder hat er einfach Lust am Töten? Die Geschichte hat schon öfter Charaktere hervorgebracht, die ihre Lust, Menschen zu quälen und zu töten, mit erhabenen Werten zu bemänteln suchten.
Man denke nur an Josef Blösche [3], der im Warschauer Ghetto eine regelrechte Lust am Töten von Juden entwickelt hat, und das immer mit dem Verweis darauf, diese hätten sich nicht an die Regeln gehalten. Ähnlich ist Sanders auch: Wenn sich ihm die Gelegenheit bietet, die Pistole zu ziehen wie im Bus gegenüber einem jugendlichen Schwarzfahrer, dann tut er dies, ohne dass eine Notwendigkeit dafür bestehen würde.
Migrantengewalt als bloße Kulisse
Die im Film gezeigte Gewalt gegen Migranten, Polizisten und Richter dient keiner Auseinandersetzung mit Kriminalität und ihren Ursachen oder mit einem Rechtssystem, das damit überfordert ist, Täter zu bestrafen.
Sie ist bloße Folie, der willkommene Anlass für den Amoklauf eines frustrierten Besitzbürgers, der seine Ordnungsvorstellung mit Waffengewalt durchsetzen will.
Boll inszeniert die Hinrichtungen ohne jede kritische Distanz. Sanders schwadroniert in Videobotschaften über "Überfremdung" und löscht ganze Familien aus. Der Film schaut dabei mit sichtlicher Lust zu. Das ist keine Provokation mit Haltung – es ist zynisches Kalkül.
Der Musk-Effekt und das Jugendschutz-Dilemma
Genau dieses Kalkül ging auf. Die FSK verweigerte die Kennzeichnung, und die rechte Bubble konnte laut Zensur schreien und behaupten, dass mal wieder die Ausländerkriminalität ausgeblendet werden solle.
Und wer das Netz kennt, weiß, dass es nicht unbedingt als Platz für Differenzierungen bekannt ist.
Elon Musk ignorierte den deutschen Jugendschutz und machte den Film auf X für jeden zugänglich, auch für Minderjährige. Rechte Accounts teilten ihn tausendfach mit dem Vermerk, er sei in Deutschland "verboten". Der AfD-Bundestagsabgeordnete Ronald Gläser sprach von "Gesinnungszensur".
Ein trashiger, billig produzierter Streifen, der regulär im Kino sang- und klanglos untergegangen wäre, erreichte so ein Millionenpublikum. Der "Layla"-Effekt [5] – ein Werk wird erst durch die Empörung über seine angebliche Unterdrückung zum Hit – funktionierte auch hier.
Das ist die eigentliche Pointe dieser Geschichte: Es brauchte nur einen Regisseur, der laut genug "Zensur" ruft, und einen Milliardär, der die Aufmerksamkeitsströme lenkt. So wird selbst einer der schlechtesten Filme des Jahres zum Politikum. Nicht weil er etwas zu sagen hätte, sondern weil das System der digitalen Öffentlichkeit jeden Kulturkampf belohnt, egal wie dürftig sein Anlass ist.
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Die Schwarz-Rote Koalition will das Informationsfreiheitsgesetz beschneiden
Politik der Rückschritte: Wie die Koalition im Schatten von Rente und Krankmeldungsdebatte die Axt an Arbeits- und Bürgerrechte legt. Eine Analyse.
Eigentum schützen, Transparenz beschneiden, Arbeit flexibilisieren: Unter diesen Schlagwörtern könnte man die bisher medial wenig beachteten Aspekte der Schwarz-Roten Reformpläne [1] beschreiben. Was genau kommt da auf uns zu?
Während sich die Öffentlichkeit auf Rentenreform [2] und neue Krankmeldungsregeln konzentriert [3], wurde en passant publik, dass das Informationsfreiheitsgesetz vor dem Aus steht, Befristungen im Arbeitsrecht ausgeweitet werden sollen und ein Enteignungsverbot von Wohneigentum eingeführt werden soll.
Noch handelt es sich bei allen Dreien um politische Absichtserklärungen, es sind keine fertigen oder beschlossenen Gesetze vorliegend – dies könnte jedoch nur eine Frage der Zeit sein.
Das sollten Sie wissen...
Das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) [4] funktioniert bisher simpel: Jeder kann bei Bundesbehörden Auskunft verlangen, ohne Begründung, jedoch gegen Gebühr von bis zu 500 Euro. Geheimhaltung ist die Ausnahme, sie muss gut begründet werden. Das IFG ist verdienstreich als Instrument der Regierungskontrolle: mit dessen Hilfe flogen [5] etwa die Maskenaffäre um Jens Spahn [6], zahllose Lobby-Kontakte oder die CDU-Fördermittelaffäre auf.
Damit soll, geht es nach dem Willen von SPD wie CDU, bald Schluss sein: Die Koalition will Auskunft nur noch bei "berechtigtem Interesse" gewähren [7] – Clou ist dabei, dass die Behörden selbst entscheiden sollen [8], wann dieses Interesse vorliegt. Aus einem Rechtsanspruch wird eine Ermessensfrage.
Der Kreis der Antragsberechtigten soll schrumpfen [9]: Nur noch natürliche Personen, und somit womöglich nicht mehr Medien, NGOs oder Unternehmen, sollen Auskunft verlangen dürfen. Zudem soll der bisherige Kostendeckel von 500 Euro pro Anfrage entfallen [10] – Informationen würden somit auch eine Frage des redaktionellen oder privaten Geldbeutels.
Selbst der Stern (das Bertelsmann-Blatt ist sonst nicht für Fundamentalkritik gen Berlin bekannt) kommentierte süffisant [11], Merz vertraue den Bürgern nicht, das sollten immerhin alle wissen.
Auch die Landes-Informationsfreiheitsbeauftragten sprechen [12] von einem "Generalangriff auf die Informationsfreiheit". Zusätzlich sollen Ausnahmeklauseln – Staatswohl, Sicherheitsinteressen, Funktionsfähigkeit der Verwaltung – erweitert werden [13]. In Zeiten eines entgrenzten Sicherheitsbegriffs, geopolitischer Zuspitzungen und behördlicher Mangelwirtschaft öffnet das Reihen-Ablehnungen Tür und Tor.
Kern der Reform ist eine Beweislastumkehr: Nicht mehr der Staat muss Geheimhaltung begründen [14], sondern Bürger müssen erklären, warum sie überhaupt Informationen wollen.
Auch bei der Mietenpolitik soll Grundsätzliches verschoben werden: Die Koalition will die Vergesellschaftung privater Mietwohnungen per Bundesgesetz ausschließen [18] – man wolle "bauen statt enteignen". Damit wendet sich Berlin gegen die Verfassung: Das Grundgesetz erlaubt [19] in Artikel 15 ausdrücklich Vergesellschaftung gegen Entschädigung.
Getroffen werden soll vor allem die Berliner Initiative "Deutsche Wohnen & Co enteignen" [20]. Das Manöver ist durchschaubar: 2021 stimmten [21] 59 Prozent der Berliner beim Volksentscheid dafür, Großvermieter zu vergesellschaften. Der Entscheid war politisch bindend, wurde aber – vor allem von der SPD – sabotiert [22] und ins Nirvana verschleppt. Nun soll ein bereits vorbereiteter Berliner Gesetzentwurf der Initiative in Gänze verhindert werden [23].
Kritiker sehen [24] darin zudem einen zentralistischen Eingriff in Länderkompetenzen mit möglichem Präzedenzcharakter. Ob ein einfaches Bundesgesetz ein Verfassungsrecht aushebeln kann, dürfte [25] letztlich vor höchsten juristischen Instanzen geklärt werden müssen und gilt als fraglich. Die Immobilienbranche feiert unterdessen vorgebliche Rechtssicherheit und Investitionsschutz.
Mit der empirischen Realität hat die Jubelstimmung wenig gemein. Das Hauptproblem des Mietmarkts ist nicht Enteignung, das sozialistische Gruselwort ist eine Scheindebatte.
Es herrscht Baumangel: 2025 entstanden [26] nur 206.600 Wohnungen – der niedrigste Wert seit 2012. Seit 2010 stiegen [27] die Nettokaltmieten um rund 70 Prozent, während die Branche demnach von Rekord zu Rekord eilt, zahlen Beschäftigte, deren Mieten den Reallöhnen längst enteilt sind, die Zeche.
Höher, schneller, länger
Obendrein soll das Befristungsrecht gelockert [28] werden: Die Höchstdauer soll sich von 24 auf 48 Monate verdoppeln, statt drei sollen sechs Verlängerungen in Serie erlaubt sein [29], sogar erneute begründete Einstellungen beim gleichen Arbeitgeber sollen ermöglicht werden.
Berufseinsteiger, Jungakademiker oder Quereinsteiger träfe es besonders hart. Die DGB-Gewerkschaften, die der Rentenreform noch weitgehend passiv zugestimmt hatten [30], signalisierten Widerstand.
Dabei wirken derlei Planungen – neben sicherheitspolitischen oder diplomatisch-antimilitaristischen Einwänden – auch makroökonomisch einseitig und risikoreich.
Eine Greenpeace-Studie von 2023 rechnete vor [35]: Eine Milliarde Euro Rüstungsausgaben schafft rund 6.000 Jobs, dieselbe Summe in Umwelt, Gesundheit oder Bildung investiert bis zu dreimal so viele. Die Milliarden-Steuergelder in den Händen von Rheinmetall und Co. könnten volkswirtschaftlich verpuffen – ein etwaiger Kriegskeynesianismus [36]ist kein Allheilmittel.
Politik der kleinen Rückschritte
Die Reformagenda der Merz-Regierung wirkt bei genauer Betrachtung weniger wie ein großer wirtschaftlicher Neustart, sondern wie eine schrittweise Neujustierung staatlicher Machtverhältnisse zugunsten von Eigentum, Verwaltung und Arbeitgeberinteressen.
Während Transparenzrechte beschnitten, soziale Schutzmechanismen gelockert und verfassungsrechtlich garantierte Eingriffsmöglichkeiten des Staates zugunsten privater Eigentümer eingeschränkt werden sollen, bleibt die angekündigte Modernisierung erstaunlich selektiv.
Der politische Kunstgriff liegt dabei in der Kleinteiligkeit der Vorhaben: Nicht der große Umbruch wird vollzogen, sondern viele kleine Verschiebungen, die in der Summe erkämpfte Rechte schwächen würden.
Begleitet wird dieser Kurs von milliardenschweren Prioritäten zugunsten von Aufrüstung, während Kommunen, Bildung und soziale Infrastruktur um finanzielle Spielräume kämpfen. Der vielbeschworene wirtschaftliche Aufbruch droht damit weniger ein Aufbruch für die breite Gesellschaft zu werden als eine stille Umverteilung von Handlungsmacht – weg von Bürgern und Beschäftigten, hin zu staatlicher Exekutive und Industrieinteressen.
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Während Brasilien sportlich patzt, triumphiert die FIFA finanziell: Der Verband plant bei der WM mit Rekordeinnahmen von 13 Milliarden Dollar.
"Es gibt keine zusätzlichen Einnahmen für die FIFA. Das ist für uns keine finanzielle, sondern eine rein sportliche Angelegenheit und dient dem Schutz der Spieler."
FIFA-Mitteilung zur Getränkepause
Dass die Fußball-Weltmeisterschaft vor allem ein hochkapitalistischer Akt ist, eine "Cash-Cow" vor allem für die FIFA, kann niemanden überraschen.
Als neue Geldmaschine entpuppt sich die "Hydration Breaks" genannten zwei obligatorische Trinkpausen während jedes Spiels unabhängig der tatsächlichen klimatischen Bedingungen beim Spiel.
Es sind nur drei Minuten. Sechs, wenn man beide Halbzeiten zusammenzählt. Im Leben eines Fußballspiels ist das beinahe nichts; im Leben einer Weltmeisterschaft summieren sich diese Minuten zu Stunden. Man könnte sie als Randnotiz betrachten, eine medizinische Vorsichtsmaßnahme in einer heißer werdenden Welt. Doch manchmal erzählt gerade eine Randnotiz die eigentliche Geschichte.
Die FIFA nennt sie "Hydration Break". Der Begriff ist klinisch präzise und moralisch unangreifbar. Wer wollte gegen Wasser sein? Kein Doping, kein Alkohol. Wer wollte bestreiten, dass Fußballer bei Temperaturen spielen, die den menschlichen Körper an seine Grenzen führen? Niemand vernünftigerweise.
374 Millionen mehr nur für einen Sender
Rechnen wir nach: In insgesamt 104 WM-Spielen gibt es je zwei obligatorische Trinkpausen à drei Minuten. Das bedeutet sechs Minuten zusätzliche Pausen mal 104.
Dies ergibt 624 Minuten zusätzliche Pausen, die sich in Werbezeit ummünzen lassen. In drei Minuten, vielleicht auch nur zweieinhalb Netto-Minuten lassen sich also rund 1.200 zusätzliche Werbeclips à 25-30 Sekunden unterbringen, also gute zehn Stunden zusätzliche Sendezeit der jeweiligen Rechteinhaber, die sich zumindest bei den nicht öffentlichen Sendern in Werbeblöcke umrechnen lassen.
Beim US-Privatsender Fox kosteten 30 Sekunden Werbeblock während der Gruppenphase ungefähr 300.000 US-Dollar. Mit dem Fortschreiten der WM in die K.-o.-Runde erhöhen sich diese Preise erheblich.
Legt man nur die 300.000 US-Dollar zugrunde, kommt man mit dieser Rechnung aber schon jetzt auf über 374 Millionen Dollar zusätzliche Einnahmen nur bei einem einzigen Sender.
Dies ist klarerweise nur eine Überschlagsrechnung, die mehrere Schwachstellen hat. Einige Annahmen sind plausibel, andere führen leicht zu einer deutlichen Überschätzung.
In der Praxis wird nicht jede Sekunde der Trinkpause vollständig mit zusätzlichen Werbespots gefüllt. Fernsehsender zeigen häufig einen Splitscreen mit Werbung und kurzen Studioanalysen oder nur einen Teil der Pause als klassische Werbung.
Trinken statt Spielen: Die Pause und der Preis der Hitze
Jede Epoche besitzt ihre bevorzugte Art, Widersprüche unsichtbar zu machen. Das viktorianische England erfand die höfliche Umschreibung. Das zwanzigste Jahrhundert erfand die Pressemitteilung.
Unsere Zeit erfindet das Managementproblem. Wo früher gefragt wurde, ob etwas überhaupt sinnvoll sei, lautet die heutige Frage nur noch, wie sich seine Folgen möglichst effizient organisieren lassen.
Die Trinkpause ist genau ein solches Managementproblem. Sie adressiert sogar den Klimawandel. Der ist längst kein abstraktes Szenario mehr, sondern verändert den Kalender des Sports. Die Antwort darauf besteht jedoch nicht darin, den Wettbewerb grundlegend neu zu denken. Stattdessen wird mitten im Spiel eine Pause eingeführt. Das Problem bleibt bestehen; lediglich seine Symptome werden verwaltet.
Natürlich wäre es naiv, darin allein den Zynismus des Weltfußballs erkennen zu wollen. Die Spieler brauchen manchmal tatsächlich diese Unterbrechungen. Gerade deshalb besitzen sie eine eigentümliche Symbolkraft. Sie erinnern daran, dass die ökonomische Logik des modernen Sports den klimatischen Realitäten oft vorausläuft.
Die Trinkpause unterbricht nicht nur den Spielfluss. Sie unterbricht auch die Erzählung, der moderne Spitzensport sei eine stetige Geschichte menschlicher Leistungssteigerung. Stattdessen zeigt sie etwas viel Banaleres: den menschlichen Körper, der Wasser braucht, weil selbst der bestens trainierte Athlet die Physik nicht überwinden kann.
Merkwürdigerweise fällt diese Erkenntnis genau mit der größten Expansion der Weltmeisterschaft zusammen. Mehr Spiele, mehr Städte, mehr Reisen, mehr Übertragungsstunden, mehr Sponsoren, mehr Hospitality, mehr Einnahmen. Weniger Klimaschonung.
Wäre es unfair zu behaupten, die Trinkpause sei eingeführt worden, um Werbung zu verkaufen? Vielleicht nicht. Aber ebenso naiv wäre es zu glauben, dass eine minutiös geplante Unterbrechung eines globalen Live-Ereignisses keine ökonomische Bedeutung besitzt. Im modernen Sport existiert kaum eine Minute, die nicht zugleich sportliche und kommerzielle Zeit wäre.
Vielleicht ist das die eigentliche Pointe. Die Trinkpause ist weder Skandal noch Verschwörung. Sie zeigt eine Kultur, die ihre Widersprüche nicht mehr auflösen will, sondern sie organisiert. Wird es zu heiß, spielt man weiter – mit einer Pause. Wird das Turnier zu groß, erweitert man die Vermarktung. Wird die Welt komplizierter, erfindet man ein neues Protokoll.
Der Fußball ist darin die eleganteste Bühne, auf der unsere Gegenwart sich selbst aufführt.
71 Prozent Einnahmeplus
Wenn wir die offiziellen FIFA-Zahlen zugrunde legen, ergibt sich ein sehr deutlicher Anstieg der Einnahmen der FIFA.
Gegenüber der WM in Katar 2022 gibt die FIFA eine Steigerung ihrer Gesamteinnahmen von 7,57 Milliarden US-Dollar auf 13,0 Milliarden an, eine prozentuale Steigerung von über 71 Prozent [1].
Die Gründe dafür sind ziemlich klar: Es gibt 104 statt 64 Spiele und 48 statt 32 Mannschaften mit entsprechenden nationalen Medien- und Franchise-Umsätzen. Hinzu kommen erheblich höhere Fernseh-Erlöse im US-Markt und zusätzliche Sponsoren, sowie die horrend hohen Ticketpreise, die im Vergleich sogar eher wenig ausmachen.
Das ist der mit Abstand größte Einnahmensprung in der Geschichte der Fifa.
Die Zahlen wirken nicht zufällig wie die Erfolgskennziffern eines expandierenden Technologiekonzerns. Der Fußball hat längst begonnen, sich selbst in derselben Sprache zu beschreiben.
Norwegen hat nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen
Es war nicht die erste große Überraschung dieser WM, aber vielleicht doch die bisher größte: Mit Brasilien ist einer der erweiterten Titelfavoriten ausgeschieden, so früh wie seit 36 Jahren nicht mehr – überdies gegen den Außenseiter und Italien-Schreck Norwegen, der spätestens jetzt auch zur Überraschungsmannschaft des Turniers geworden ist.
Wie so oft hatte sich der finale Ausgang der Partie bereits sehr früh in den ersten 10-15 Minuten abgezeichnet. Auch wenn es zwischendurch Phasen gab, in denen die grundsätzlich überlegenen Brasilianer alles gut und gerne hätten für sich entscheiden können.
Aber schon in diesen ersten zehn Minuten wirkten die Lateinamerikaner seltsam lasch, zurückhaltend und auch ein bisschen unkonzentriert, zugleich aber übervorsichtig und mutlos, während die Norweger von Anfang an "edgy" waren, konzentriert und voller Lust an einer Auseinandersetzung mit dem favorisierten Gegner.
Man spürte in ihrem Spiel: Sie hatten nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Was jeden brasilianischen Fußballfan besonders erschüttern muss, ist: Die Norweger sind keineswegs eine Übermannschaft. Es war kein großes Spiel
Jetzt sind nach Deutschland - und Italien, die sich als Gruppenzweiter (hinter Norwegen) gar nicht erst qualifiziert hatten - auch die dritte Mannschaft mit den meisten Weltmeisterschaftstiteln weg. Es bleiben Frankreich und Argentinien sowie Spanien und England mit je einem Titel. Offenbar setzen sich die Europäer doch überraschend klar in direkten Duellen gegen Lateinamerikaner durch.
Heute Abend hat Kolumbien die Chance, den Trend gegen die Schweiz zu wenden.
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