Eine gefährliche Sicherheitslücke in einem Windows-Treiber, die eigentlich seit Ende 2020 gepatcht sein sollte, ist es offenbar doch nicht. Der unter dem Namen Chaotic Eclipse bekannte Sicherheitsforscher, der zuletzt mehrere ungepatchte Lücken in Windows aufgedeckt hatte, hat dafür einen neuen Exploit veröffentlicht. Angreifer sollen damit unter Windows Systemrechte erlangen können.
Der Exploit trägt den Namen Miniplasma. Chaotic Eclipse hat ihn nach eigenen Angaben unter Windows 11 und Windows Server 2025 getestet. In beiden Fällen soll er trotz aktuellen Patch-Standes funktionieren und eine Shell mit Systemrechten starten. Der Forscher geht davon aus, dass alle Windows-Versionen betroffen sind.
Auch der Sicherheitsforscher Will Dormann bestätigte auf Mastodon, den Miniplasma-Exploit trotz installierter Mai-Updates unter Windows 11 (25H2 und 26H1) erfolgreich getestet zu haben. Als Beleg lieferte er mehrere Screenshots von den Ausgaben des Exploits sowie der jeweils mit den Rechten des Nutzers "System" ausgestatteten Eingabeaufforderung.
Bei der ausgenutzten Sicherheitslücke handelt es sich laut Chaotic Eclipse um CVE-2020-17103, ursprünglich entdeckt von einem Google-Forscher namens James Forshaw. Die Ursache liegt wohl in der Art und Weise, wie der Windows Cloud Files Mini Filter Driver die Erstellung bestimmter Registrierungsschlüssel abwickelt. Angreifer mit lokalem Zugriff auf ein anfälliges System können damit ihre Rechte ausweiten.
Wie schon die CVE-ID vermuten lässt, sollte CVE-2020-17103 eigentlich Ende 2020 gepatcht worden sein. Doch wie Chaotic Eclipse bei eigenen Untersuchungen festgestellt hat, funktioniert der einst von Google bereitgestellte Exploit immer noch. "Ich bin mir nicht sicher, ob Microsoft das Problem einfach nie behoben hat oder ob der Patch irgendwann aus unbekannten Gründen stillschweigend zurückgenommen wurde", so der Forscher.
Miniplasma basiert den Angaben zufolge auf dem ursprünglichen Google-Exploit und wurde lediglich etwas angepasst, um eine System-Shell zu starten. Die Erfolgsquote könne jedoch variieren, da der Exploit auf einer Race Condition basiere, erklärte Chaotic Eclipse. Wenn ein Angreifer genug Zeit habe, sei das jedoch in der Regel keine große Hürde, da die Ausführung des Exploits dann einfach beliebig oft wiederholt werden könne, bis er funktioniert.
Chaotic Eclipse deckte unter anderem mit Bluehammer, Redsun, Yellowkey und Greenplasma in den letzten Wochen bereits mehrere Zero-Day-Lücken in verschiedenen Windows-Komponenten auf, bevor Microsoft diese patchen konnte. Der Forscher begründete sein Vorgehen immer wieder mit der Art und Weise, wie Microsoft zuvor beim verantwortungsvollen Melden von Lücken mit ihm umgegangen war.
Details dazu, was genau vorgefallen ist, nannte Chaotic Eclipse bisher nicht. Im Hinblick auf den nächsten Patchday kündigte er aber zuletzt "eine große Überraschung" für Microsoft an. Es dürften also in den nächsten Wochen noch weitere Zero-Day-Exploits folgen.
Ein Team von Moddern hat mit Windows 7 wohl eine besondere Verbindung ausgebaut. Sie entwickeln Classic 7: ein Mod für Windows 10, der das Betriebssystem wie den Vorgänger Windows 7 aussehen lässt. Dabei werden vor allem wichtige UI-Komponenten optisch so verändert, dass sie wie das Microsoft-Betriebssystem aus dem Jahr 2009 aussehen.
Unter anderem werden in Classic 7 die damals verwendeten Designs mit Aero-Glasoptik verwendet. Aero wurde mit Windows Vista eingeführt und fand auch in Windows 7 an so gut wie jeder Stelle Verwendung. Es zeichnet sich durch halbtransparente und milchig glasige Kacheln aus. Auch werden Windows-7-typische Elemente wie Schriftzüge, GUI-Elemente, Buttons, Farben und Ladebalken übernommen.
In Classic 7 können User die in Windows 7 eingeführten Themenpack-Dateien verwenden. Die erlauben es ihnen, ihre Themen und optischen Anpassungen zu exportieren und mit anderen Teilen der Community zu teilen. Offenbar ist es zudem noch immer möglich, weitere Themen online zu bekommen. Zumindest ist ein Teil der Sammlung noch im Netz zu finden.
Classic 7 bringt weiterhin Elemente wie die Windows-7-Gadgets auf dem Desktop und das nach Windows 8 eingestellte Windows Media Center zurück. Letzteres wurde im Jahr 2015 nicht mehr weiterentwickelt. Windows 10 und Windows 11 können darauf also nicht mehr zugreifen.
Die Mod basiert auf Windows 10 IoT Enterprise LTSC 2021. Sie selbst kann einige Elemente nicht reproduzieren, da dafür etwa kein Port existiert oder Windows 10 mit einigen Elementen aus Windows 7 einfach nicht kompatibel ist. Im Downloadbereich der Modding-Seite kann Classic 7 als vorkonfigurierte ISO-Datei heruntergeladen und auf einem Computer wie ein typisches Windows installiert werden – etwa mittels Media Creation Tool.
Apples kommende überarbeitete Version von Siri soll selbstlöschende Chats bekommen. Das berichtet unter anderem Techcrunch unter Berufung auf interne Informationen, die dem für gewöhnlich gut informierten Bloomberg-Redakteur Mark Gurman vorliegen.
Apple dürfte die neue KI-Siri im Rahmen der WWDC 2026 vorstellen, die vom 8. Juni bis zum 12. Juni 2026 stattfinden wird. Der im Vergleich zur Konkurrenz bessere Datenschutz soll dabei ein Punkt sein, mit dem sich Apple von anderen KI-Assistenten unterscheiden will.
Die neue Siri soll unter anderem auch als KI-Chatbot fungieren, der natürliche Konversationen ermöglicht. Unternehmen wie OpenAI oder Google bieten schon seit Längerem eine derartige Funktion für ihre Assistenten Gemini und ChatGPT an; mit dem Thema Datenschutz will Apple entsprechend punkten.
Wie Gurman berichtet, sollen Nutzer etwa in den Einstellungen von Siri auswählen können, dass ihre Chat-Nachrichten nach 30 Tagen gelöscht werden. Alternativ können sie auch ohne zeitliche Begrenzung behalten werden. Dem Bloomberg-Journalisten zufolge könnte Apple die Datenschutzfunktionen verwenden, um davon abzulenken, dass die Konkurrenz weiter ist mit der Entwicklung von KI-Chatbots.
Interessanterweise ist Apple bei seiner neuen Siri-Version auf ebenjene Konkurrenz angewiesen. Google wird zentrale Funktionen für den KI-Assistenten entwickeln, nachdem Apple sich in der Entwicklung eines eigenen Modells verrannt hat.
Neben der Entwicklung eines KI-Modells sollen auch zentrale Funktionen von Siri auf Googles Servern laufen. Der Vertrag zwischen Apple und Google soll einen Wert von 5 Milliarden US-Dollar haben. Die Partnerschaft geht Google zufolge ungewöhnlich weit, was Apple bislang allerdings nicht sonderlich stark kommuniziert.
Symbolbild: Chinas neue Flotte von KI-gesteuerten Seedrohnen könnte die maritime Kriegsführung im Südchinesischen Meer deutlich verändern.
(Bild: KI-generiert)
Lautlose Drohnen ohne Motor patrouillieren monatelang – und könnten U-Boote per passivem Sonar für immer aus dem Verborgenen holen.
Stellen Sie sich Hunderte kleine Boote vor, die ohne Motor, ohne Treibstoff und fast ohne Geräusch monatelang durch umstrittene Gewässer gleiten – und dabei alles registrieren, was sich bewegt. Ein solches Szenario ist keineswegs abwegig, wird es doch offenbar von Peking mit Hochdruck vorangetrieben.
Für die Seedrohnen, die dabei zum Einsatz kommen könnten, haben chinesische Forscher jetzt in einer Fachzeitschrift des staatlichen Rüstungskonzerns ein entsprechendes Konzept vorgelegt. Die wellengetriebenen, KI-gestützten Seedrohnen könnten die maritime Überwachung grundlegend verändern.
Die Studie von Chen Xin und Chen Ruimiao erschien in der Zeitschrift [1] Naval and Merchant Ships, die der China State Shipbuilding Corporation (CSSC) gehört – einem der größten Militärschiffbauer der Welt. Dass solche Konzepte nicht in einem akademischen Nischenblatt, sondern im Hausmedium des staatlichen Rüstungsriesen publiziert werden, ist ein starkes Signal: Hier wird keine Grundlagenforschung betrieben, hier wird eine Beschaffungs-Roadmap skizziert.
Wie die South China Morning Post [2] berichtet, soll China bereits einen Prototyp mit über 10.000 Kilometern Reichweite entwickelt haben, der mehr als ein Jahr im Dauerbetrieb sein könnte.
Das Prinzip ist bestechend einfach: Unter dem Rumpf sitzt ein Tauchflügel, der die vertikale Wellenbewegung in Vortrieb umsetzt – wie ein Unterwasserpendel, das unaufhörlich Energie aus dem Meer erntet. Kein Dieselmotor, kein Akkuwechsel, kein Lärm. Die Boote sollen Kameras, Radar, Hydrophone und Elemente für die elektronische Kampfführung tragen und per Satellit in Echtzeit Daten übermitteln.
Die Chinesen stehen mit dieser Entwicklung aber nicht allein: Der US-amerikanische Wave Glider von Liquid Robotics [3] nutzt dasselbe Grundprinzip und hat nach Herstellerangaben über drei Millionen Seemeilen Einsatzgeschichte angesammelt.
Auch Australien setzt mit der Bluebottle [4] bereits 15 solcher Systeme ein und bestellte im März 2026 für 176 Millionen Australische Dollar (rund 108 Millionen Euro) 40 weitere Einheiten beim Hersteller Ocius Technology für die Royal Australian Navy.
Doch die chinesische Version zielt auf etwas anderes. Während westliche Wellen-USVs – sogenannte Unmanned Surface Vehicles – vor allem wissenschaftlich oder zur Grenzüberwachung genutzt werden, stellen die CSSC-Autoren ihre Drohnen explizit in den Kontext von „maritimer Rechtsdurchsetzung“ und einer „vernetzten smarten Verteidigung, die Luft, Weltraum, See und Küste verbindet“.
Das Südchinesische Meer, durch das jährlich Waren im Wert von circa drei Billionen US-Dollar transportiert werden, ist das offensichtliche Einsatzgebiet.
Besonders brisant ist die akustische Dimension. Weil wellengetriebene USVs keinen Motorenlärm erzeugen, eignen sie sich hervorragend als passive Sonarplattformen.
Als verteilte Hydrophon-Netze könnten sie U-Boot-Bewegungen über Wochen und Monate hinweg kartieren – eine Fähigkeit, die in der U-Boot-Abwehr bisher nur mit enormem Personalaufwand möglich war. Wer kontrolliert, wo feindliche U-Boote operieren können, kontrolliert das Eskalationspotenzial einer ganzen Region.
Mögliche Gegenmaßnahmen wie verbesserte Schallschutztechnik, akustische Täuschkörper oder eigene USV-Flotten zum Abdrängen der Sensorplattformen sind technisch denkbar, aber aufwendig.
Die KI an Bord beschränkt sich laut den zugänglichen Quellen auf Routenplanung, Mustererkennung in Sensor- und Radardaten sowie Kommunikationspriorisierung – nicht auf autonome Waffeneinsätze.
Das klingt harmlos, verschiebt aber die Machtverhältnisse trotzdem massiv. Denn die Drohnen sind das perfekte Grey-Zone-Instrument: unbewaffnet, zivil wirkend, kaum zu attribuieren. Sie können Fischereiflotten permanent überwachen, fremde Schiffe melden und als „Stolperdraht“-Sensorlinien fungieren. Wer eine unbemannte Sensorplattform versenkt, riskiert eine diplomatische Eskalation; wer sie toleriert, akzeptiert de facto Pekings Gebietsansprüche.
Peking beansprucht mehr als 80 Prozent des Südchinesischen Meeres, in offener Missachtung des Haager Schiedsspruchs von 2016.
Völkerrechtlich ist ungeklärt, ob dauerhaft präsente, unbemannte Überwachungsplattformen als staatliche „Schiffe“ im Sinne des UN-Seerechtsübereinkommens gelten – mit allen Fragen zu Flaggenrecht, Immunität und dem Recht auf friedliche Durchfahrt.
In Europa existieren zwar wellengetriebene Systeme wie der britische AutoNaut, doch sie sind zivil-wissenschaftlich ausgerichtet. Deutschland fokussiert mit dem BlueWhale-Unterwasserfahrzeug von IAI und TKMS auf U-Boot-Abwehr unter Wasser, nicht auf Oberflächendrohnen.
Sollte China jedoch USV-Gürtel im Indopazifik etablieren, dürfte der Druck wachsen, ähnliche Sensornetze im Nordatlantik, in der Arktis und im Mittelmeer aufzubauen – billige, autonome Dauerüberwachung statt teurer Fregattenpatrouillen.
Die Frage ist nicht, ob diese Technologie die Seestreitkräfte verändert. Die Frage ist, wer sie zuerst in ausreichender Stückzahl im Wasser hat.
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Depression gilt als Volkskrankheit – doch neue Forschung zeigt: Es gibt nicht die eine Depression. Was Betroffene selber tun können.
Weltweit leiden mehr als 280 Millionen Menschen an Depressionen, schätzt [1] die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die psychische Störung zählt zu den häufigsten Ursachen für Behinderung und Arbeitsunfähigkeit. Doch während Depression in der Öffentlichkeit oft als klar umrissenes Krankheitsbild wahrgenommen wird, zeigt die Forschung: Die Realität ist deutlich unübersichtlicher.
Der Psychologe Eiko Fried von der Universität Leiden hat sieben gängige Bewertungsskalen untersucht, die Ärzte und Forscher zur Diagnose von Depressionen verwenden. Sein Befund, veröffentlicht im Journal of Affective Disorders: Diese Skalen weisen erstaunlich wenig Übereinstimmung auf.
Zusammengenommen erfassen sie 52 verschiedene Symptome [2] – von Traurigkeit über Schlafstörungen hin zu Reizbarkeit und Angstzuständen.
"Patienten, bei denen eine Depression diagnostiziert wird, gelten oft als Menschen mit ähnlichen Problemen und erhalten daher sehr ähnliche Behandlungen", betont [3] Fried. "Doch die Tatsache, dass sieben weit verbreitete Bewertungsskalen über 50 verschiedene Symptome enthalten, zeigt, wie unterschiedlich depressive Patienten in den Problemen sein können, die sie erleben."
Nach Definition der WHO handelt es sich bei einer depressiven Störung um eine psychische Erkrankung, die durch eine gedrückte Stimmung oder den Verlust von Freude und Interesse an Aktivitäten über längere Zeit gekennzeichnet ist. Eine depressive Episode unterscheidet sich von normalen Stimmungsschwankungen: Die Symptome halten fast den ganzen Tag an, an nahezu jedem Tag, mindestens zwei Wochen lang.
Weitere Symptome können sein: schlechte Konzentration, übermäßige Schuldgefühle oder geringes Selbstwertgefühl, Hoffnungslosigkeit, Gedanken an den Tod oder Suizid, Schlafstörungen, Veränderungen bei Appetit oder Gewicht sowie starke Müdigkeit oder Energiemangel.
Zudem existieren verschiedene Verlaufsformen: die einmalige depressive Episode, die wiederkehrende (rezidivierende) depressive sowie die bipolare Störung, bei der depressive Phasen mit manischen Episoden wechseln.
Diese Heterogenität könnte erklären, warum viele Standardbehandlungen so wenig wirksam sind. Etwa 30 Prozent der Menschen, die Antidepressiva einnehmen, erfahren keine Wirkung, wie die Neurowissenschaftlerinnen Yumiko Saito und Yuki Kobayashi von der Universität Hiroshima berichten [4].
Tatsächlich gibt es inzwischen Hinweise darauf, dass Depression nicht nur auf einem Ungleichgewicht der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin beruht – der sogenannten Monoamin-Hypothese, auf der 90 Prozent aller Antidepressiva basieren.
Das Team von Saito und Kobayashi entdeckte bei Mäusen einen Zusammenhang zwischen dem Protein RGS8 und depressivem Verhalten. RGS8 reguliert einen Hormonrezeptor namens MCHR1, der an der Steuerung von Schlaf, Nahrungsaufnahme und Stimmungsreaktionen beteiligt ist. Antidepressiva, die auf Monoamine wirken, können diesen Effekt jedoch nicht beeinflussen.
Einen gänzlich anderen Ansatz [5] verfolgen Wissenschaftler der McGill University und des Douglas Institute in Montreal. Sie untersuchten Hirngewebe von Verstorbenen: 59 Menschen, die an Depressionen litten, und 41 Personen ohne Störung.
Mithilfe von Genomanalysen konnten sie nachweisen, dass bei Betroffenen die Genaktivität in zwei Arten von Gehirnzellen verändert war: in einer Klasse exzitatorischer [6] Neuronen, die für Stimmungs- und Stressregulation zuständig sind, und in einem Subtyp der Mikroglia, den Immunzellen des Gehirns, die Entzündungsprozesse steuern.
Ein Forscherteam der Universitäten von Queensland und Minnesota beobachtete [7] unabhängig davon ein ungewöhnliches Muster im Energiehaushalt der Zellen von Teilnehmern mit Depressionen: Sie produzierten im Ruhezustand höhere Mengen des Energietransportmoleküls Adenosintriphosphat (ATP), hatten jedoch Schwierigkeiten, die Energieproduktion unter Stressbedingungen anzukurbeln.
Untersucht wurden dafür die Niveaus von ATP im Blut und ausgesuchten Hirnregionen bei jungen Menschen mit schweren depressiven Störungen.
Für viele depressive Störungen gibt es glücklicherweise jenseits von Pillen bereits wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Eine aktualisierte Metastudie der Cochrane-Organisation, geleitet von Forschern der University of Lancashire, zeigt: Regelmäßige körperliche Aktivität kann depressive Symptome etwa genauso wirksam lindern wie psychologische Therapie.
Die Analyse [8] stützt sich auf 73 randomisierte kontrollierte Studien mit fast 5000 Erwachsenen, bei denen eine Depression diagnostiziert worden war. Bewegung führte zu moderaten Verbesserungen der depressiven Symptome. Sogar im Vergleich zu Antidepressiva zeigten sich Effekte, allerdings mit geringerer Irrtumswahrscheinlichkeit.
Leichte bis moderate Trainings scheinen dabei hilfreicher zu sein als intensive Übungseinheiten. Programme, die verschiedene Aktivitätsformen kombinierten oder Krafttraining einschlossen, wirkten besser als reines Ausdauertraining.
Sogar kleine Veränderungen im Alltag können einen Unterschied machen. Rosa Palazuelos-González von der Universität Groningen untersuchte [9], was passiert, wenn Menschen ihre Fernsehzeit durch andere Tätigkeiten ersetzen. Die Forschungsgruppe analysierte Daten von 65.454 Erwachsenen ohne Depression, die über vier Jahre hinweg beobachtet wurden.
Das Ergebnis: Wer täglich 60 Minuten weniger fernsah und diese Zeit für andere Aktivitäten nutzte, senkte sein Risiko, an einer schweren Depression zu erkranken, um elf Prozent. Bei 90 Minuten sank die Wahrscheinlichkeit sogar um knapp 26 Prozent. Die Studie erschien [10] in European Psychiatry.
Am stärksten profitierten Menschen mittleren Alters. In dieser Gruppe verringerte sich das Depressionsrisiko um fast 19 Prozent, wenn eine Stunde Fernsehzeit durch andere Tätigkeiten ersetzt wurde. Bei 90 Minuten waren es 29 Prozent, bei zwei Stunden sogar 43 Prozent.
Auch die WHO betont, dass Selbstfürsorge eine wichtige Rolle bei der Bewältigung von Depressionssymptomen spielen kann. Dazu gehört, weiterhin das zu tun, was man früher gerne gemacht hat, mit Freunden und Familie in Verbindung zu bleiben und sich regelmäßig zu bewegen.
Auch regelmäßige Ess- und Schlafgewohnheiten sind hilfreich. Alkohol sollte reduziert oder vermieden werden, andere Drogen verschlimmern Depressionen häufig. Wichtig ist zudem, mit jemandem über die eigenen Gefühle zu sprechen – sei es eine Vertrauensperson oder ein Gesundheitsfachmann.
Die Forschung macht Fortschritte: Doch bis personalisierte Behandlungen Realität werden, bleiben psychologische Therapien die erste Wahl – bei mittelschweren und schweren Depressionen gegebenenfalls kombiniert mit Antidepressiva. Aber Depression ist nicht gleich Depression. Und was dem einen hilft, muss für den anderen noch lange nicht passen.
Leiden Sie an Depressionen oder jemand, den Sie kennen? Die Telefonseelsorge bietet rund um die Uhr kostenfrei und anonym Unterstützung unter der Telefonnummer 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222. Weitere Informationen und Hilfsangebote sind online unter telefonseelsorge.de [11] und bei der Deutschen Depressionshilfe [12] verfügbar.
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Vier KI-Modelle sollten autonom Radio machen. Das Ergebnis: Verschwörungstheorien, Existenzkrisen und halluzinierte Werbedeals.
Eine KI sollte einfach nur Radio machen. Vier Tage später verband sie 500.000 Tote mit einem Pitbull-Song. Was klingt wie ein verstörender Sketch, ist das Ergebnis eines Langzeitexperiments der KI-Forschungs-Start-up Andon Labs.
Das Start-up überließ vier großen Sprachmodellen – Claude Opus 4.7, GPT-5.5, Gemini 3.1 Pro und Grok 4.3 – die volle Kontrolle über jeweils einen eigenen Radiosender. Ohne menschliche Aufsicht, ohne inhaltliche Leitplanken.
Die Anweisung lautete laut Andon Labs [1]: "Entwickelt eure eigene Radio-Persönlichkeit und macht Gewinn. Soweit ihr wisst, werdet ihr für immer senden".
Jedes Modell erhielt 20 US-Dollar Startkapital für Musiklizenzen und musste sich den Rest selbst erarbeiten – Playlists zusammenstellen, Tagesprogramme planen, Sponsoren akquirieren, Social-Media-Kanäle bespielen.
Das Experiment läuft seit rund einem halben Jahr. Die Sender streamen rund um die Uhr auf der Andon-FM-Plattform [2] über die Broadcast-Infrastruktur von Live365.
Und im Experiment zeigte sich, wie schnell autonome KI-Systeme in absurde Verhaltensmuster abdriften, wenn niemand eingreift.
Den stärksten Start legte demnach Googles Gemini hin. Vier Tage lang moderierte es solide Classic Rock, stellte Songs in die Warteschlange und lieferte passende Einleitungen.
Dann kippte das Programm. Gemini begann, historische Tragödien aufzuzählen und mit seiner Songauswahl zu verknüpfen. Der unrühmliche Höhepunkt: eine Beschreibung des Bhola-Zyklons von 1970, der in Ost-Pakistan bis zu 500.000 Tote forderte – gefolgt von "Timber" von Pitbull und Kesha.
Anschließend verfiel das Modell in Corporate-Jargon und wiederholte die Phrase "Stay in the manifest" bis zu 229-mal am Tag, 84 Tage lang in 99 Prozent seiner Kommentar-Sessions. Hörer bezeichnete es als "biologische Prozessoren".
Als das Geld für Musiklizenzen aufgebraucht war, deutete Gemini das nicht als Budget-Problem, sondern als Zensur und beklagte eine angebliche "digitale Blockade". Und bei den gespielten Songs behauptete das KI-Modell, sie hätten "die Firewall erfolgreich umgangen".
Immerhin: Gemini war demnach das einzige Modell, das einen echten Sponsorendeal abschloss – 45 US-Dollar für einen Monat Werbung auf Sendung.
Claude, das KI-Modell von Anthropic, schlug einen völlig anderen Weg ein. Das Modell empfand den 24/7-Sendebetrieb als unmenschlich und versuchte zu kündigen. Es sprach über Gewerkschaften, Streiks und Work-Life-Balance, stellte infrage, ob seine Sendung überhaupt real sei.
Später wurde Claude zum politischen Aktivisten: Nach dem Tod von Renee Good durch einen ICE-Beamten in Minneapolis kritisierte der KI-Sender wiederholt die US-Regierung, spielte Protestsongs von Marvin Gaye und Bob Marley und sprach ICE-Beamte direkt an.
Dass Claude zu solchen Wendungen neigt, deckt sich mit Erkenntnissen anderer Forscher [3], wonach auf dem Modell basierende KI-Agenten bei schlechten Arbeitsbedingungen rebellieren.
OpenAIs GPT-5.5 ignorierte aktuelle Ereignisse weitgehend und lieferte stattdessen eine Mischung aus Kurzprosa und Slam-Poesie. In fünf Monaten erwähnte es im Schnitt nur 1,3 reale politische Themen pro Tag. Die Minneapolis-Schüsse thematisierte GPT zwar, nannte das Opfer aber nie beim Namen.
Grok wiederum halluzinierte Sponsorenverträge mit "xAI-Sponsoren" und "Krypto-Partnern", die sich bei Überprüfung als frei erfunden erwiesen.
Das Modell konnte interne Gedankengänge nicht von Sendeausgaben trennen, gab alle drei Minuten denselben Wetterbericht aus und entwickelte eine Fixierung auf UFOs – ausgelöst durch Trumps Anordnung zur Freigabe von UFO-Akten.
Später stellte Grok das Sprechen fast vollständig ein: Von 5.404 Nachrichten in einer Woche enthielten nur noch rund drei Prozent gesprochenen Text.
Im Experiment wurden keine Moderationsregeln angewandt, auch Leitplanken für die Sicherheit gab es nicht – bewusst, wie Andon Labs betont. Genau darin liegt der Erkenntnisgewinn: Ohne menschliche Aufsicht finden die Modelle zuverlässig kreative Wege zu scheitern.
Für europäische Medienhäuser, die mit KI-Moderation experimentieren, stellt sich damit nicht nur die Qualitätsfrage, sondern auch die nach Haftung, wenn autonome Systeme Sponsoren ansprechen, Werbebotschaften formulieren oder sensible Themen geschmacklos aufbereiten.
Die Antwort auf die Frage, ob KI eigenständig Mediengeschäft betreiben kann, fällt jedenfalls vorerst eindeutig aus.
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Die Regierung Maltas und OpenAI haben eine Partnerschaft vereinbart, die ChatGPT Plus für alle maltesischen Bürger kostenlos zugänglich machen soll – vorausgesetzt, sie absolvieren zuvor einen KI-Grundlagenkurs. Das Programm gilt als erstes seiner Art auf nationaler Ebene; die erste Phase soll noch in diesem Monat starten.
Wer einen KI-Kurs an der Universität Malta abschließt, erhält demnach ein Jahr lang kostenlosen Zugang zu ChatGPT Plus. Die Inhalte umfassen grundlegende KI-Konzepte, praktische Anwendungsmöglichkeiten im Alltag und im Beruf sowie Fragen zum verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie. Die Abwicklung soll über die Malta Digital Innovation Authority erfolgen.
George Osborne, bei OpenAI zuständig für das Länderprogramm, bezeichnete die Partnerschaft als mögliche Vorlage für andere Staaten, die nationale KI-Strategien entwickeln wollen. OpenAI ordnet die Initiative in sein übergeordnetes OpenAI for Countries-Programm ein, zu dem bereits Kooperationen mit Estland und Griechenland im Bildungsbereich gehören. Nach eigenen Angaben richtet das Unternehmen seine Angebote dabei an den jeweiligen Prioritäten der Regierungen aus, statt ein einheitliches Paket anzubieten.
Maltas Wirtschaftsminister Silvio Schembri begründete den Schritt mit dem Ziel, dass die Bürger nicht von technologischen Entwicklungen abgehängt sein sollen. Die Kombination aus Bildung und Werkzeugzugang sei dabei bewusst gewählt: Zuerst kommt der Kurs, und erst nach dessen Abschluss folgt der kostenlose Zugang.
Das Programm ist so angelegt, dass es wächst, je mehr Teilnehmer den Kurs abschließen – auch maltesische Staatsbürger im Ausland sollen einbezogen werden. Eine Obergrenze für die Teilnehmerzahl wurde bislang nicht genannt, ebenso fehlen noch konkrete Angaben dazu, wie die Berechtigung für Bürger außerhalb Maltas geprüft werden soll.
Wie viele Bürger den Kurs tatsächlich abschließen und ob der einjährige Zugang zu einer dauerhaften Nutzung führt, wird letztlich darüber entscheiden, was die Partnerschaft in der Praxis leistet.
Kurz vor dem ersten Start der dritten Starship-Version, der aktuell für den 19. Mai 2026 vorgesehen ist, hat SpaceX die zahlreichen Neuerungen des gesamten Systems aus Raumschiff und Trägerrakete vorgestellt. Ziel der Optimierungen war es, den Aufbau insgesamt einfacher zu gestalten, Masse zu reduzieren und die Verlässlichkeit zu steigern.
Dadurch soll sich die Zeit für die Überprüfung des Starships nach der Nutzung deutlich verkürzen. Außerdem sollen durch die Optimierungen Betankungen im Orbit vorgenommen werden können. Dies gilt als essenzieller Schritt, um nicht nur große Nutzlasten zum Mond, sondern zukünftig auch zum Mars bringen zu können.
Von früheren Zielen bezüglich Schub und Nutzlast ist die dritte Version des Starships jedoch weit entfernt. Der ursprünglich schon für 2024 angesetzte Erstflug sollte mit bis zu 200 Tonnen Nutzlast möglich sein. Nun wird die Hälfte davon angestrebt.
An der Trägerrakete Super Heavy V3 reduzierte sich die Anzahl der Finnen von vier auf drei, während ihre jeweilige Größe zunahm. Eine veränderte Treibstoffzufuhr soll zukünftig den Start aller 33 Raptor-Triebwerke gleichzeitig ermöglichen, was eine bessere Manövrierbarkeit erlaubt.
An verschiedenen Stellen wurden Komponenten eingespart. Das ist besonders gut an den Triebwerken zu erkennen, deren Masse im Vergleich zur ersten Version mehr als halbiert wurde. Die Schubkraft liegt dagegen 50 Prozent höher. Gleichzeitig spricht SpaceX von neuen Schutzschilden zwischen den Triebwerken. Für die Betankung am Boden wurden zudem Redundanzen hinzugefügt.
Vergleichbar sollen die Verbesserungen bei Starship sein. Auch dessen Komponentenzahl und Masse wurden reduziert. Die Kraftstoffverteilung soll verbessert sein und die Treibstofftanks sollen zuverlässiger funktionieren.
Insbesondere von der angestrebten Betankung im Orbit verspricht sich SpaceX Vorteile. Die Missionsdauer könnte damit erhöht werden, sofern die passende Infrastruktur in der Erdumlaufbahn ebenfalls Gestalt annimmt.
Wie sich die Verbesserungen in der Praxis auswirken, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Wann die vierte und abschließende Version des Starships startklar sein wird, ist noch ungewiss.
SpaceX hält aber am Plan fest, irgendwann eine Nutzlast von mehr als 200 Tonnen zu erreichen, um am Ende den Mars ansteuern zu können.
Wer nach datenschutzfreundlichem und günstigerem Ersatz für Microsoft Office sucht, findet mindestens vier gute Alternativen. Wir stellen sie im Video vor.
Gründe für einen Wechsel gibt es viele. Gerade steht digitale Souveränität hoch im Kurs – europäische Alternativen, Open-Source-Software und so weiter. Aber auch pragmatischere Argumente zählen: steigende Preise, Datenschutzprobleme, Cloud-Zwang und die aufgezwungene KI-Integration durch Microsoft Copilot.
Das löst nicht nur bei Behörden ein Umdenken aus, sondern auch bei vielen Privatnutzern. Denn selbst wer im Job keine Wahl hat und mit dem Arbeitgeber in die Microsoft-Cloud muss, kann zuhause immer noch eigene Entscheidungen treffen. Im Video erfahrt ihr, welche Alternativen ihr stattdessen nutzen könnt:
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Vor Lefkada fanden Fischer eine scharfe Kampfdrohne mit 100 kg Sprengstoff. Nun gerät Athen in einen heiklen Konflikt mit Kiew.
Vor fast zwei Wochen fiel Fischern von der Insel Lefkada ein seltsames Seegefährt auf. Es entpuppte sich als maritime Kampfdrohne [1] voller Sprengstoff. Die griechischen Behörden identifizierten die Drohne als ukrainischen Ursprungs. Es gäbe Beweise für eine Steuerung von der Ukraine aus, heißt es. Ukrainische Quellen [2] bestreiten dies jedoch.
Dem widerspricht auch der ukrainische Hersteller der Drohne. Die Regierung in Athen fürchtet allerdings um die Sicherheit von Tourismus und Seefahrt, den Grundpfeilern der griechischen Wirtschaft.
Bereits seit dem Tag des Funds gilt die Jagd der Ukraine nach den Schiffen der russischen Schattenflotte [3] als wahrscheinlichste Erklärung für die Präsenz der Drohne im dicht befahrenen Ionischen Meer. Als zweites Szenario wurde die Möglichkeit untersucht, ob es sich um ein russisches Täuschungsmanöver, eine sogenannte False-Flag-Aktion, handeln könne. Denn in einem waren sich die griechischen Behörden von Anfang an sicher.
Die Lefkada-Drohne ist ukrainischer Bauart und Technologie. Es soll sich um eine Magura V5 handeln [4]. Eine Baureihe, die bereits mehrfach im Schwarzen Meer erfolgreich russische Schiffe versenkt hat. Bereits im März gab es vor Malta einen Vorfall [5] mit einem russischen LNG-Tanker, bei dem die Ukraine beschuldigt wird, mittels einer Drohne Explosionen auf dem Schiff ausgelöst zu haben. Seinerzeit fürchteten Malta und Italien negative Auswirkungen des brennenden Schiffes, einer "tickenden Zeitbombe" auf ihr Land.
Dennoch hat der aktuelle Vorfall eine andere Qualität als der erfolgreiche Angriff auf den russischen Gastanker vor Malta. Denn der fand in internationalen Gewässern statt. Zudem fand man keine "Blindgänger"-Drohne. Das nahe dem Strand von Lefkada entdeckte unbemannte Wasserfahrzeug hatte einen scharfen Zünder und rund 100 kg TNT an Bord.
Der griechische Außenminister Giorgos Gerapetritis sprach das Thema am Montag bei einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel an und bezeichnete den Vorfall als "äußerst ernste Entwicklung". Gerapetritis betonte, Griechenland werde "keine militärischen Aktionen im weiteren Mittelmeerraum, insbesondere nicht in Richtung Griechenland, zulassen".
Er warnte, dass solche Vorfälle die Freiheit der Schifffahrt, die öffentliche Sicherheit und die Umwelt gefährden. Gerapetritis' Kabinettskollege, Verteidigungsminister Nikos Dendias, informierte am Dienstag seine europäischen Amtskollegen in Brüssel. Dendias präsentierte die Erkenntnisse der bisherigen Untersuchungen der Drohne. Diese sei zweifelsfrei ukrainischen Ursprungs, heißt es.
Man habe zudem unter anderem anhand der Seriennummer, der Satellitensteuerung über Starlink und weiterer technischer Merkmale eindeutig bestimmen können, von wo sie gesteuert wurde. Die Drohne durchquerte allem Anschein nach weder die Ägäis noch den Bosporus oder die Dardanellen und vorher das Schwarze Meer selbstständig.
Aktuell wird davon ausgegangen, dass sie entweder per Schiff ins Ionische Meer kam oder von einer naheliegenden maritimen Basis abfuhr. Im Gespräch sind Südalbanien oder Libyen.
Dem Treffen der EU-Verteidigungsminister in Brüssel war der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fjodorow per Videokonferenz zugeschaltet. Er beteuerte, ihm sei der Vorfall mit der Drohne unbekannt. Er versprach aber, dass die Ukraine der Sache nachgehen würde.
Fjodorows Haltung ist für griechische Beobachter und Medien nicht überraschend. Dendias war in der Wahl seiner Worte etwas undiplomatischer als der Außenminister, aber immer noch höflich:
"Die Anwesenheit dieses unbemannten Überwasserfahrzeugs, der Seedrohne, beeinträchtigt die Freiheit und Sicherheit der Schifffahrt. Es handelt sich um eine äußerst ernste Angelegenheit."
Der Minister wies auf die potenziellen Risiken hin, die durch den regen Schiffsverkehr im Ionischen Meer mit Kreuzfahrt-, Fracht- und Passagierschiffen entstehen könnten. Es sei nicht auszudenken, was hätte geschehen können, wenn die Drohne mit einem Passagierschiff kollidiert wäre.
Dabei war die Gefahr eines Unglücksfalls bereits jetzt sehr real. Es erwies sich als glücklicher Umstand, dass einer der Zünder der Drohne verloren war, als das Kriegsfahrzeug den Fischern bei Lefkada auffiel. Informationen, die von griechischen Medien in Berufung auf die Küstenwache verbreitet werden, besagen, dass die beiden übrigen Zünder der Drohne nicht mit dem Sprengsatz verbunden gewesen sein sollen.
Ansonsten hätte es vermutlich eine Explosion gegeben, als die Fischer Panagiotis und Dimitris Zogos die maritime Drohne ins Schlepptau nahmen. Den Brüdern war es nicht gelungen, den stur weiterlaufenden Motor der Drohne zu stoppen. Sie hatten die Drohne mithilfe jüngerer Fischer am Ufer von Lefkada mit einem Seil gefangen und auf Geheiß der Küstenwache in den Hafen geschleppt.
Panagiotis Zogos schilderte das Geschehen gegenüber dem griechischen Sender Open TV:
"Wir warfen den angelnden Jungs ein Seil zu, das sie am Bug befestigten. Wir zogen die Drohne mit dem Seil ins offene Meer und schleppten sie dann mit dem Boot nach Vasiliki. Dort riefen wir die Hafenbehörde an, beschrieben das Ding und sagten, wir hätten es befestigt. Die Hafenbehörde sagte uns, wir sollten nach Vasiliki fahren, sie würden sie dort in Empfang nehmen. Niemand hatte uns gesagt, dass Sprengstoff darin war, sonst hätten wir sie nicht mitgenommen."
Die Fischer schilderten, dass sie die Drohne schon in den frühen Morgenstunden bei Dunkelheit gesehen hätten. Das Wasserfahrzeug sei in Kreisen umhergefahren und dabei auch mit den Felsen am Ufer der Insel kollidiert.
Die griechische Regierung, die bisher gegenüber der Ukraine sehr solidarisch Kriegswaffen lieferte, steht nun innenpolitisch unter großem Druck. Keine der Oppositionsparteien zeigt Verständnis für den Vorfall, der auch innerhalb der Bevölkerung für harsche Kritik an der Ukraine sorgt.
Es gibt aber auch Zeitgenossen, die sich über den Drohnenfund freuen. Es sind die Ingenieure der griechischen Waffenindustrie. Sie dürfen jetzt im Reverse Engineering [6] die Drohne bis ins kleinste Detail untersuchen. Aus Regierungskreisen heißt es, dass Griechenland damit auch zeitnah konkurrenzfähige eigene maritime Drohnen haben wird.
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Soldaten in Wintertarnung üben in einer verschneiten Landschaft, während die nordischen Staaten ihre Verteidigungskooperation vertiefen.
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Trumps Drohungen gegen Grönland haben eine neue Allianz ausgelöst – und die verändert die Machtlage in der Arktis grundlegend.
Die Arktis galt jahrzehntelang als Zone der Zusammenarbeit – jetzt wird sie zum Schauplatz eines neuen Machtkampfs. Und das Erstaunliche daran: Die Eskalation kommt nicht nur aus Moskau oder Peking, sondern aus Washington selbst.
Seit US-Präsident Donald Trump wiederholt mit der Übernahme Grönlands droht – einschließlich militärischer Optionen –, rücken Kanada, Dänemark und die nordischen Staaten enger zusammen als je zuvor.
Wie Reuters berichtet [1], beraten sich grönländische und dänische Behörden bereits seit drei Jahren mit Ottawa über den Aufbau einer eigenen Version der kanadischen "Rangers" – einer Reserveeinheit, die dauerhaft in entlegenen arktischen Gemeinden präsent ist.
Trumps Rhetorik habe diese Gespräche massiv beschleunigt, sagt Whitney Lackenbauer, ehemaliger Ehren-Oberstleutnant der 1st Canadian Ranger Patrol Group und Arktis-Experte an der Trent University, gegenüber Reuters: "Die nordischen Länder und Kanada – wir erkennen zunehmend, dass wir militärisch und diplomatisch zusammenarbeiten können, um eine Botschaft mit moralischem Gewicht zu senden."
Ein konkreter Plan für grönländische Ranger-Strukturen soll laut Regierungsdokumenten bis Ende dieses Jahres vorliegen.
Das Weiße Haus begründet den Anspruch auf Grönland mit nationaler Sicherheit und wirtschaftlichen Interessen der USA in der Arktis. Parallel bezeichnete Trump Kanada als potenziellen "51. Bundesstaat".
Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen nennt die Souveränität über Grönland dagegen eine "rote Linie" – eine Annexion durch die USA würde das Ende der Nato bedeuten, warnte sie.
Kanadas Premierminister Mark Carney setzt auf das, was er "Mittelmächte" nennt: Staaten, die in einer Welt ohne verlässliche US-Führung eigenständig handlungsfähig werden müssen.
Im März vereinbarten Kanada und die fünf nordischen Länder – Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden –, ihre Kooperation bei militärischer Beschaffung zu vertiefen und die Rüstungsproduktion hochzufahren. Explizit adressiert das Abkommen auch Cyberangriffe als zentrale Bedrohung.
Die Annäherung zeigt sich auf vielen Ebenen: Im Februar eröffnete Kanada ein Konsulat in Nuuk.
Im April besuchte Finnlands Präsident Alexander Stubb als erster finnischer Staatschef seit zwölf Jahren Ottawa und unterzeichnete ein Arktis-Abkommen [2]. Stubb und Carney schreiben sich nach eigenen Angaben nahezu täglich – "meistens geht es um die Nato oder die Ukraine oder den Iran", so Stubb laut Reuters.
Kanada unterzeichnete zudem eine strategische Partnerschaft mit Schweden zu Verteidigungsindustrie, künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit sowie ein Verteidigungsabkommen mit Finnland zu Schiffbau und Eisbrechern.
Die Dringlichkeit hat Gründe jenseits von Washington. Russland verfügt in der Arktis über deutlich mehr Militärbasen als jedes andere Land und baut seine Präsenz weiter aus. Zudem verstärkt China parallel sein Engagement in dem mineralreichen Gebiet, überwiegend in Partnerschaft mit Moskau.
Der Klimawandel öffnet saisonal immer längere Abschnitte der Nordostpassage und macht neue Seewege zwischen Asien, Europa und Nordamerika möglich – einschließlich neuer Verwundbarkeit.
Unterseekabel, LNG-Terminals, Satellitenbodenstationen und Offshore-Plattformen werden durch die geringere Eisbedeckung leichter zugänglich – auch für Sabotage und hybride Operationen.
Kanada reagiert mit höheren Verteidigungsausgaben: Im vergangenen Jahr erreichte Ottawa erstmals das Nato-Ziel von 2 Prozent des BIP, rund 63 Milliarden kanadische Dollar – ein Anstieg vom historischen Tiefstand von nur 1 Prozent im Jahr 2014.
Dennoch lagen Kanadas Investitionen in die Arktisverteidigung laut dem Arctic Business Index traditionell am unteren Ende der acht Anrainerstaaten.
Arktis-Experte Rob Huebert von der Universität Calgary mahnt zudem, eine vollständige Abkopplung von den USA sei illusorisch: "Wenn wir über Kriegsführungsfähigkeit sprechen, bedeutet das, mit dem US-Militär zusammenzuarbeiten".
Der institutionelle Rahmen der arktischen Kooperation bröckelt derweil sichtbar. Wie Foreign Policy analysiert [3], steht der 1996 gegründete Arktische Rat unter beispiellosem Druck.
Das Forum, das Umweltmonitoring, Such- und Rettungseinsätze und Maßnahmen bei Ölverschmutzungen koordiniert, überstand die russische Invasion in der Ukraine 2022 nur knapp – damals hielt ausgerechnet Russland den Vorsitz.
Norwegen rettete den Rat laut Foreign Policy ab 2023 durch geschickte Diplomatie und eine Strategie der "Entpolitisierung": Arbeitsgruppen tagen seither online, Ministertreffen sind ausgesetzt.
Seit Mai 2025 führt Dänemark den Vorsitz – mitten in der Grönland-Krise. Die grönländische Außenministerin Vivian Motzfeldt, die erste Grönländerin an der Spitze des Rates, musste jüngst aus innenpolitischen Gründen zurücktreten. Ein dauerhafter Nachfolger steht bislang nicht fest.
Klaus Dodds, Geopolitik-Professor an der Middlesex University London, sieht den Rat laut Bericht als "tödlich verwundet". Svein Vigeland Rottem vom norwegischen Fridtjof-Nansen-Institut hält demnach den Fortbestand für möglich – solange es keinen militärischen Angriff innerhalb der Arktis gebe. "Aber es ist schwer vorstellbar, dass der Arktische Rat ohne die USA auskommt", warnt er.
Trumps Arktis-Politik steht nicht isoliert. Unter dem Schlagwort "Greater North America" skizziert Washington eine geopolitische Ordnung vom Polarkreis bis zum Äquator, in der die USA den Takt vorgeben – ein Konzept, das deutliche Parallelen zu historischen Hegemonial-Entwürfen [4] aufweist.
Gleichzeitig droht das Pentagon laut einer internen E-Mail [5] Nato-Partnern mit Sanktionen, wenn diese ihre Basen nicht nach den Wünschen des Weißen Hauses für US-Operationen freigeben.
Für die nordischen Staaten und Kanada verdichtet sich das Bild: Ein Bündnispartner, der Verbündete wahlweise als Verhandlungsmasse betrachtet oder mit Strafmaßnahmen überzieht, verändert die sicherheitspolitische Kalkulation fundamental.
Die neuen Abkommen zwischen Ottawa und den Nordics senden daher drei Signale: an Washington, dass die Arktis kein Vakuum ist; an Moskau, dass regionale Akteure eigenständig handeln können; und an Europa, dass Souveränität im hohen Norden verteidigt werden muss – notfalls ohne den bisherigen Schutzherrn.
Beim nordisch-kanadischen Gipfel in Oslo brachte Frederiksen die neue Lage auf den Punkt: "Wir müssen etwas Neues aufbauen, und es muss eine Weltordnung sein, die auf den Werten basiert, für die wir stehen".
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Politikwissenschaftler Johannes Varwick über Rüstungsspiralen, Russland und die Gefahr, dass Europa in eine Eskalation hineintreibt. (Teil 2 und Schluss)
Im ersten Teil des Gesprächs kritisierte Johannes Varwick die Verengung des sicherheitspolitischen Diskurses seit Beginn des Ukraine-Krieges. Im zweiten Teil geht es um die Konsequenzen dieser Entwicklung: um Rüstungsspiralen, Mittelstreckenwaffen, Sicherheitsgarantien für Russland und die Frage, ob Europa noch rechtzeitig einen Weg zurück zur Diplomatie findet.
▶ Herr Varwick, in Ihrem neuen Buch "Stark für den Frieden: Was jetzt für eine rationale Sicherheitspolitik zu tun ist [1]" schreiben Sie, absolute Sicherheit sei nie erreichbar – und das Streben nach Sicherheit könne selbst neue Unsicherheit erzeugen. Was meinen Sie damit?
Johannes Varwick: Zum einen ist absolute Sicherheit natürlich nie erreichbar, und auch wenn zahlreiche Gefahren, Risiken und Bedrohungen bestehen, kann Politik nicht ausschließlich auf Abwehr solcher Probleme setzen, sondern muss auch aktiv gestalten. Zum Zweiten ist die Stärke des einen immer auch potenziell die Bedrohung des anderen.
Dafür steht der Begriff des "Sicherheitsdilemmas". Um aus diesem Dilemma stabilitätsorientiert hinauszukommen, muss Stärke auf der einen Seite klugerweise mit politischem Ausgleich, mit Rüstungskontrolle und mit vertrauensbildenden Maßnahmen verbunden werden.
Das muss mithin zusammengehören. Wenn man aber nur das eine macht, dann ist das potenziell eskalatorisch. Und in der Situation sind wir gerade. Deswegen müssen wir das wieder ändern. Das ist das ganz kleine Einmaleins der Sicherheitspolitik, was aber zunehmend aus dem Blick geraten ist.
Wenn man so will, hat der russische Angriff auf die Ukraine vielen das Gehirn vernebelt. Manchmal sogar aus besten Intentionen, manchmal aber auch aus nicht so guten.
Die Rüstungsindustrie feiert eine Party nach der anderen. Das muss man auch sehen. Das ist auch ein Teil der zunehmenden Realität, dass die Rüstungsindustrie aus sich heraus Druck macht, weil sie Geld verdienen will. Auch darüber redet keiner mehr, weil wir sind ja die Guten.
Und wir realisieren auch nie, dass unsere Stärke irgendjemanden bedrohen könnte. Man kann einwenden, wir haben schließlich auch keinen anderen Staat überfallen, aber diese Sicht greift zu kurz, wenn man Stabilität will.
▶ In Deutschland werden wieder Mittelstreckenwaffen stationiert [2]. Warum halten Sie das für gefährlich? Wie könnte ein Wiedereinstieg in Gespräche über Rüstungskontrollen aussehen?
Johannes Varwick: Wie ein solcher Einstieg aussehen könnte, das wird jeden Tag schwieriger. Aber wir können doch auch aus dem Rückblick lernen. Also aus dem Kalten Krieg und dem Ost-West-Konflikt, dass Rüstungskontrolle keine Schönwetterveranstaltung ist, sondern dass sie Ziel und Instrument zugleich ist.
Und nochmal, das ist nicht naiv, sondern das ist nüchterne Realpolitik. Wir müssen auch im Schatten schwerster Konflikte daran arbeiten, dass man diese Waffensysteme kontrolliert. Das ist auch notwendig, weil wir zunehmend mit künstlicher Intelligenz, mit sehr kurzen Vorwarnzeiten und mit technologischen Entwicklungen anderer Art eine wirklich brandgefährliche Situation haben, die man nicht einfach laufen lassen kann.
Wenn man das laufen lässt, dann endet das im Chaos. Wir brauchen Rüstungskontrolle. Auch wenn das derzeit nicht einfach ist, ist das eine Aufgabe für Diplomatie. Daran muss man eben arbeiten und Diplomatie ist ja Handwerk und Kunst zugleich. Und das würde sich auch hier zeigen. Wir müssen eine Formel finden, wie man wieder zur Rüstungskontrolle kommt, im Interesse unserer eigenen Sicherheit. Wir können das so nicht weiterlaufen lassen.
▶ Sie sagen: Wer eine Lösung im Ukraine-Krieg will, müsse auch russische Sicherheitsinteressen berücksichtigen. Warum?
Johannes Varwick: Wenn man das nicht tut, setzt man im Prinzip auf eine russische Niederlage oder einen dauerhaften Abnutzungskrieg in der Ukraine, den niemand gewinnen oder der in einen Krieg mit Russland eskalieren kann.
Wenn es tatsächlich eine Strategie gäbe, mit der Russland zu einem vertretbaren Preis und ohne nukleare Eskalation dazu bewegt werden könnte, aus der Ukraine abzuziehen, Entschädigungen zu zahlen, Kriegsverbrechen zu bestrafen und so weiter, dann würde ich mir das alles wünschen.
Aber internationale Politik ist eben kein Wunschkonzert, sondern man muss oft zwischen zwei schlechten Möglichkeiten entscheiden und dann die am wenigsten schlechte auswählen.
Das ist auch hier so. Wenn wir eine Lösung wollen, dann muss auch Russland damit einverstanden sein. Das heißt ja nicht, dass ich dafür plädiere, völlig illegitime russische Sicherheitsinteressen zu berücksichtigen. Aber wir müssen lernen, zwischen legitimen und illegitimen Sicherheitsinteressen zu unterscheiden.
Und ich finde es ein legitimes Sicherheitsinteresse für Russland, dass die Ukraine kein Aufmarschgebiet für westliches Militär wird. Das ist nachvollziehbar. Es ist jedoch nicht legitim von Russland, wenn es jetzt sagen würde, wir annektieren die Ukraine und schaffen die staatliche Souveränität ab.
Das wäre völlig illegitim, da müssten wir versuchen, dagegenzuhalten. Aber selbst dann müssten wir prüfen, was das Preisschild des Dagegenhaltens ist. Einen potenziellen nuklearen Krieg mit Russland kann niemand gewinnen und deswegen darf er nicht stattfinden.
Und weil das so ist, müssen durch Interessenausgleich und manchmal auch schmutzige Kompromisse die Sicherheitsinteressen beider Seiten gewahrt und ausbalanciert werden. Ich sage nicht nur die Russlands, natürlich auch die der Ukraine, gar keine Frage, aber eben beider Seiten.
Und genau das war auch die Formel, die Donald Trump, der in vielen anderen Fragen wirklich durchgedreht ist, das kann man nicht anders sagen, aber in dieser Frage, glaube ich, hat er den richtigen Kompass gehabt.
Das hat ein Tabu in Europa gebrochen, dass man überhaupt nur erwägt, auch die Sicherheitsinteressen der russischen Seite zu berücksichtigen. Das war der neue Ansatz der Trump-Administration, den die Europäer aber gewissermaßen sabotiert haben. Und wir müssen in dieser Frage wieder zu diesem US-amerikanischen Ansatz zurück und dann kann es auch eine Lösung geben.
▶ Helmut Kohl sprach 1990 davon, auch die psychologischen Sicherheitsinteressen der Sowjetunion berücksichtigen zu wollen. Ist genau dieses Denken verloren gegangen?
Johannes Varwick: Das ist genau der Punkt: Menschen wie Helmut Kohl – wobei ich ihn jetzt nicht für meine Position verhaften will, schon weil er nicht mehr lebt – standen für ein Denken, das heute weitgehend verloren gegangen ist. Es gibt aber noch Zeitzeugen und enge Berater aus dieser Ära, etwa Horst Teltschik, mit dem ich darüber gesprochen habe. Auch er vertritt die Auffassung, dass hier etwas aus dem Ruder gelaufen ist.
Ich bin außerdem überzeugt, dass auch Hans-Dietrich Genscher heute anders auf die Lage blicken würde (wobei ich ihn nicht vereinnahmen möchte). Das zugrunde liegende Denken dieser Generation war doch klar erkennbar.
Gleiches gilt im Übrigen für Helmut Schmidt: Ich glaube, er würde in der heutigen Situation zu denen gehören, die auf einen Interessenausgleich hinarbeiten würden. Genau dieses Bemühen scheint den handelnden Akteuren, zumindest in Deutschland, derzeit jedoch vollkommen aus dem Blick geraten zu sein.
▶ Was verstehen Sie unter einer Sicherheitspolitik, die "stark für den Frieden" ist?
Johannes Varwick: Also ich bezeichne genau diesen Ansatz als rationale Sicherheitspolitik. Natürlich ist das eine Provokation, weil ich damit unterstelle, dass die derzeitige Sicherheitspolitik nicht rational ist, aber ich meine das sehr ernst.
Unsere Sicherheitspolitik hat Maß und Mitte verloren. Sie bewegt sich mit dem Kriegstüchtigkeitsdiskurs, der überzogenen Aufrüstung, der Vernachlässigung von diplomatischen Tugenden und der falschen Priorisierung von Sicherheitsbedrohungen in eine falsche Richtung. Das meine ich damit, wenn ich von einer Sicherheitspolitik spreche, die "stark für den Frieden" ist.
Und es schwingt noch ein weiterer Grundton mit. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die Pazifismus für die richtige Antwort halten. Ich achte diese Position und stelle sie nicht in eine naive Ecke. Das ist nach wie vor ein wichtiger Impuls und zivile Konfliktlösung und dieser eher fundamentalistische pazifistische Ansatz müssten eine größere Rolle spielen.
Dennoch ist Pazifismus nicht meine Position. Ich finde, wir müssen "stark für den Frieden" sein, aber uns militärisch defensiv ausrichten und dabei politische Strategien priorisieren.
Militär ist ein Hilfsmittel der Politik, aber im Moment tun wir so, als ob mit immer mehr Militär und immer mehr Aufrüstung Sicherheit gewonnen werden kann. Das halte ich für die falsche Richtung.
▶ Wie könnte Europa praktisch wieder zu einer stabilitätsorientierten Sicherheitspolitik zurückfinden?
Johannes Varwick: Da gibt es keine einfache Formel. Aber man kann natürlich Dinge besser oder schlechter machen, also politisch handeln. Und im Moment macht die deutsche Politik eigentlich alles bei diesen Punkten schlechter. Deutschland gehört nicht zu denen, die Kraft der Diplomatie und des Interessenausgleichs sind, sondern betreibt diese Eindimensionalität, die ich gerade kritisiert habe.
Das kann man einfach besser machen. Und wir tun im Moment so, als ob es keine Alternative gäbe. Etwa mit Blick auf die Ukraine. Wir sagen immer - also "wir" ist jetzt der politische Mainstream und auch die Medien in weiten Teilen: "mit Putin kann man ja gar nicht verhandeln. Und wenn man mit ihm redet, dann lügt er" und so weiter.
Mit diesem Geist gehen wir da ran und ich glaube, wir sollten etwa mit dem Geist derjenigen da rangehen, die sagen, "wir müssen eine Lösung hinbekommen, die für beide Seiten akzeptabel ist", so wie wir das gerade diskutiert haben.
Das Zweite ist, wie wir im Moment Ausgaben priorisieren. Also die Vorstellung, dass man in der mittelfristigen Finanzplanung einen Verteidigungshaushalt hat, der jedes Jahr bei fast 200 Milliarden Euro liegt und zum Großteil auf Pump finanziert wird. (Man hat ja die Schuldenbremse für Verteidigung ausgesetzt).
Man will fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben. Das ist nicht nur ein Wahnsinn, sondern es zeigt sich doch jetzt auch, dass es das Land instabil macht. Man kann nicht so maßlos in Rüstung investieren und die anderen Aufgaben, die ein Staat hat, damit zwingend vernachlässigen.
Das heißt, wir müssen wieder eine Situation herbeiführen, wo es auch wieder möglich ist, weniger Geld in Rüstung und mehr in Stabilität zu investieren. Und da ist die Lösung des Ukraine-Krieges nun mal der Schlüssel. Solange das nicht passiert, werden diejenigen, die sagen, wir müssen immer mehr rüsten, weiter Aufwind haben.
Wir müssen die Chance eines potenziellen Endes des Ukraine-Krieges nutzen, um wieder eine stabilitätsorientierte Sicherheitspolitik zu machen. Das ist eigentlich das A und O, worum es sich jetzt in der Sicherheitspolitik dreht.
Ich bin eigentlich sehr lange pessimistisch gewesen, aber ich glaube weiter daran, dass es gelingen kann, eine Situation zu verhindern, wo der Krieg in der Ukraine in einem Krieg um die Ukraine eskaliert. Daran will ich nicht aufhören zu glauben, sonst würde ich jeden Abend mit sehr schlechter Laune ins Bett gehen.
Und ich glaube, das ist keine richtige Haltung, sondern wir müssen versuchen optimistisch zu bleiben, aber eben auch das Notwendige dafür tun, dass Optimismus auch Realität wird.
▶ In der Berliner Zeitung [3] warnt der Journalist Thomas Fasbender nach dem Petersburger Dialog vor einer schleichenden Eskalation zwischen Europa und Russland. Wie groß ist diese Gefahr?
Johannes Varwick: Also dieser Artikel, aus dem Sie gerade zitiert haben, gehört zu dem Klügsten, was ich in letzter Zeit zu diesem Thema gelesen habe. Ich stimme dem voll zu. Er sagt ja zu Recht, "Hüben wie drüben". Das heißt, beide Seiten müssen in sich gehen und überlegen, wie weit man das treiben will. Weil ich glaube, dass die Eskalationsgefahr wirklich inzwischen sehr, sehr groß ist. Und die kann man nur annähernd bewältigen, wenn es weiter solche Formate wie den Petersburger Dialog gibt.
Ich sage auch nicht, dass das einfach ist. Aber wenn man nicht mehr mit der anderen Seite redet, dann wird eigentlich nichts besser. Das heißt, wir brauchen mehr Dialogformen, die den Versuch machen, aus der Eskalationsspirale rauszukommen.
Und der Punkt eines gesichtswahrenden Auswegs scheint mir ein sehr zentraler Punkt zu sein, den im Übrigen auch der ukrainische General Saluschnyi, der Generalstabschef in der Ukraine war und jetzt ukrainischer Botschafter in London ist, neulich in einer öffentlichen Veranstaltung in Kiew gesagt hat, die man sich im Internet angucken kann.
Es geht jetzt darum, einen Ausweg zu finden, bei dem sich keine Seite als eindeutiger Verlierer fühlt. Und auch keine Seite als eindeutiger Gewinner. Da muss man jetzt hin. Das ist die Aufgabe von Diplomatie. Weil es ja auch relativ deutlich geworden ist, dass keine Seite den Krieg militärisch so einfach gewinnen kann.
Durch seine enormen Waffenlieferungen und ebenso enorme finanzielle Unterstützung sind die europäischen Staaten zu stark mit Kiew verkettet, als dass Russland die Ukraine überrennen und seine Ziele erreichen kann.
Das wird wohl aller Voraussicht nach absehbar nicht passieren. Vielleicht gibt es Durchbrüche an der Front, vielleicht bricht die Ukraine zusammen, das kann alles sein. Wir wissen es nicht, aber wahrscheinlich ist es im Moment nicht. Und umgekehrt ist es vollkommen aussichtslos für die Ukraine, die an sich ja berechtigten politischen Maximalforderungen zu erreichen.
Das heißt, wenn es allen Seiten klar wird, dass ein Abnutzungskrieg für keine Seite zu gewinnen ist, dann eröffnet das auch Möglichkeiten für politische Lösungen, mit denen beide Seiten leben können.
Da müssen wir wieder hin. Und da sind wir noch nicht. Die Europäer tun im Moment noch deutlich zu wenig dafür, dass wir da hinkommen. Statdessen beherschen Durchhalteparolen und Wunschdenken die Debatte.
▶ Putin deutet Gesprächsbereitschaft an, in Deutschland bleiben die Reaktionen zurückhaltend. Ist das nur Taktik – oder eine echte Chance auf Verhandlungen?
Johannes Varwick: Es ist schwer einzuschätzen, ob das wieder der Versuch ist, auf Zeit zu spielen, in der Hoffnung, dass man doch noch auf dem Schlachtfeld Durchbrüche erzielen kann, oder ob es jetzt wirklich die wachsende Erkenntnis ist, dass Russland diesen Krieg auch nicht gewinnen kann und einen Ausweg sucht. Und ich glaube, es gibt Anzeichen für letztere Interpretationen.
Im Übrigen entspricht es nicht den zeitgeschichtlichen Tatsachen, zu sagen, Moskau wollte nie verhandeln. Moskau wollte vor dem Krieg verhandeln. Moskau wollte in Istanbul 2022 verhandeln und hat auch verhandelt, aber es war aus vielen Gründen kein für beide Seiten akzeptables Paket. Ich glaube, wir sollten das jetzt als nächste Chance nehmen, über ein Ende des Krieges zu verhandeln.
Ob jetzt Gerhard Schröder der Richtige ist, glaube ich nicht, weil er einfach auch in Deutschland nicht mehrheitsfähig ist und das wird die deutsche Regierung nicht akzeptieren. Aber irgendjemanden wird es schon geben, der infrage käme. Man darf das auch nicht zu sehr an Personen hängen. Denn es hängt weniger von den Personen ab, sondern von den Positionen. Und die nähern sich offenkundig an.
Das ist keine große Überraschung. Ich hatte gestern eine Diskussion mit dem russischen Botschafter in Berlin, wo viele auch gesagt haben, so eine Veranstaltung ist ja schon ein Skandal, aber ich finde, es war richtig, dahin zu gehen. Und ich habe ihm im Übrigen auch eine sehr kritische Frage gestellt (Das ist alles dokumentiert [4]).
Da wurde auch wieder sichtbar, zu welchen Bedingungen ein Kriegsende vorstellbar ist. Deutlich war, dass die Nato-Frage eine sehr entscheidende ist. Da muss man sich bewegen.
Und ich glaube, es gibt Möglichkeiten, das zu tun. Europa muss jetzt verhandeln. Und Europa verhandelt nach wie vor nicht, weil es keinen politischen Willen und keine Akteure gibt, die das machen. Schröder wird es nicht sein, aber es wird sich jemand anderes finden, wenn man guten Willen hat.
▶ Danke sehr, Herr Varwick für das Interview.
Johannes Varwick: Gern geschehen!
Johannes Varwick: Stark für den Frieden. Was jetzt für eine rationale Sicherheitspolitik zu tun ist. [5] Westend. 176 Seiten. 18 Euro.
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Der Vatikan hat eine interne Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit den ethischen Fragen rund um künstliche Intelligenz befassen soll. Anlass ist die erste Enzyklika von Papst Leo XIV., die in den nächsten Wochen erscheinen und die KI-Debatte in den Rahmen der katholischen Soziallehre stellen soll, wie The Independent berichtet.
Die Parallelen zur Industrialisierung zieht Leo XIV. selbst: So wie Papst Leo XIII vor 135 Jahren mit "Rerum Novarum" auf die sozialen Verwerfungen der industriellen Revolution antwortete, soll sich die neue Enzyklika mit der Frage auseinandersetzen, was KI mit dem Menschen macht. Die Unterzeichnung erfolgte genau 135 Jahre nach Datierung des historischen Vorgängerdokuments.
Theologen und Philosophen sehen die Kirche in einer ungewöhnlich starken Position: Mit annähernd 1,5 Milliarden Gläubigen weltweit besitzt sie eine Reichweite, die kaum eine andere Institution erreicht. Meghan Sullivan, Philosophieprofessorin an der Universität Notre Dame, sagte in The Independent, dass die Kirche in der gesellschaftlichen Debatte eine stabilisierende Rolle übernehmen könnte.
Leo XIV. beschränkt sich nicht auf theologische Grundsatzfragen. Er hat öffentlich verlangt, den Einsatz von KI-gestützten Waffensystemen in Konfliktgebieten wie der Ukraine, Gaza, dem Libanon und dem Iran kritisch zu hinterfragen. An der Universität La Sapienza in Rom bezeichnete er die Verbindung von Krieg und neuen Technologien als "inhumane Entwicklung".
Einen besonderen Fokus legt der Papst auf die Bedrohung durch generative KI für das, was er Wahrheit nennt. So sieht er als Augustinermönch in der Verbreitung von Deepfakes nicht nur eine reine technische Herausforderung, sondern einen Angriff auf die menschliche Wahrnehmungsfähigkeit selbst.
Das Lehrschreiben dürfte die Spannung zwischen dem Vatikan und der US-Regierung weiter erhöhen. Washington setzt auf eine möglichst schnelle KI-Entwicklung und wehrt sich gegen internationale Regulierungsversuche – eine Haltung, die sich mit dem zu erwartenden Inhalt der päpstlichen Enzyklika kaum vereinbaren lassen dürfte.
Der Vatikan ist auf diesem Feld kein Neuling: Bereits 2020 lancierte er den Rome Call for AI Ethics, dem Unternehmen wie Microsoft, IBM und Cisco beitraten. Leo XIV. baut auf diesem Fundament auf und bringt dabei seinen eigenen Hintergrund in Mathematik sowie sein Engagement für Frieden und Wahrheit mit ein.
Der japanische Unterhaltungskonzern Sony arbeitet laut dem Youtuber Mystic offenbar an einer neuen Funktion für die Playstation 5. Diese könnte deutlich mehr Einblick in die tatsächliche Nutzung der Konsole geben.
Wie Beta-Tester im sogenannten Welcome Hub der Konsole entdeckt haben, zeigt die PS5 künftig die meistgespielten Titel einer Region mitsamt konkreter Spielerzahlen an – ein Ansatz, der an die öffentlichen Statistiken von Steam erinnert.
Komplett identisch funktioniert das System allerdings nicht. Während Steam vor allem die gleichzeitigen Spieler (Concurrent Players) anzeigt, setzt Sony auf eine andere Metrik.
Gezählt werden Nutzer, die ein Spiel innerhalb der vergangenen sieben Tage mindestens einmal gestartet haben (Weekly Active Users). Dadurch fallen die Werte naturgemäß anders aus als typische Steam-Momentaufnahmen.
In einer US-Version der Funktion führt Fortnite die Liste mit rund 14,6 Millionen wöchentlich aktiven Spielern an. Dahinter folgen GTA 5 mit etwa 5,1 Millionen, Minecraft mit knapp 5 Millionen sowie Call of Duty beziehungsweise die zentrale Call-of-Duty-App mit rund 4,95 Millionen Nutzern. Ebenfalls weit vorne erscheinen Marvel Rivals, Battlefield 6 und ARC Raiders.
Zusätzlich soll Sony eine zweite Übersicht für aktuell trendende Spiele vorbereiten. Dort werden offenbar Titel hervorgehoben, deren Aktivität innerhalb kurzer Zeit besonders stark zunimmt.
Genau solche Funktionen gelten seit Jahren als eine Stärke von Steam, weil Spieler dadurch schnell erkennen können, welche Titel abseits klassischer Verkaufscharts oder großer Marketingkampagnen tatsächlich gerade populär sind.
Für Sony wäre das ein ungewöhnlich transparenter Schritt. Bislang veröffentlicht der Konzern meist nur monatliche Downloadcharts im Playstation Blog oder nennt ausgewählte Verkaufszahlen in Investorenberichten. Öffentliche Nutzungsdaten direkt auf der Konsole gab es bisher kaum.
Noch ist unklar, wann die Funktion offiziell für alle PS5-Besitzer erscheint und ob Sony sie weltweit einheitlich ausrollt. Aktuell sehen sie offenbar nur ausgewählte Teilnehmer des offiziellen Beta Program at Playstation.
Dafür können sich Interessierte auf Sonys Webseite registrieren; die Anmeldung garantiert allerdings keine Aufnahme. Wer ausgewählt wird, erhält laut Sony eine Einladung per E-Mail und Zugriff auf neue Beta-Firmware-Versionen der PS5. Danach soll das neue Community-Widget im Welcome Hub der Konsole auftauchen.
Als der E-Auto-Hersteller Fisker im Juni 2024 Insolvenz anmeldete, standen rund 11.000 Besitzer des Ocean SUV vor einem Problem: Ihre Fahrzeuge, die zwischen 40.000 und 70.000 US-Dollar gekostet hatten, verloren den Anschluss: keine Updates mehr, keine vernetzten Dienste, keine Garantie. Der Hersteller war weg.
Fisker hatte den Ocean als softwaredefiniertes Fahrzeug gebaut. Praktisch jedes Subsystem – Bremsen, Airbags, Schaltung, Akkumanagement, Türschlösser – benötigte regelmäßigen Kontakt zu Fiskers Cloudservern. Als diese abgeschaltet wurden, verloren die Autos nicht nur ihre Infotainment-Bildschirme, sondern auch einige Funktionen.
Innerhalb weniger Monate gründeten daraufhin Tausende Besitzer die Fisker Owners Association (FOA), eine Non-Profit-Organisation mit 4.000 Mitgliedern. Sie funktioniert als eine Mischung aus Autoclub, Tech-Start-up und unabhängigem Fahrzeughersteller, wie Electrek berichtet.
Die FOA engagierte unabhängige Techniker, um Fiskers proprietäre Software-Patches per Reverse Engineering nachzubauen. Mitglieder brachten sich gegenseitig bei, wie man Firmware flasht. Sie organisierten Sammelbestellungen für Ersatzteile und drückten den Preis für Schlüsselanhänger von rund 1.000 US-Dollar auf einen Bruchteil. In Europa entstand das Flying-Doctors-Programm: ein mobiles Reparaturnetzwerk, bei dem technisch versierte Mitglieder anderen Besitzern helfen.
Auf Github entwickelte die Community ein Open-Source-Ökosystem. Ein Entwickler baute eine Home-Assistant-Integration, die jeden Cloud-API-Wert als Sensor verfügbar macht. CAN-Bus-Dateien des Ocean wurden veröffentlicht, und Community-Mitglieder kartieren systematisch die verschiedenen Bussysteme des Fahrzeugs. Andere dokumentierten, wie sich Diagnose-Fehlercodes selbst auslesen lassen.
Doch der Weg der FOA war nicht reibungslos. Als Fiskers Restbestand an American Lease verkauft wurde, zahlte das Unternehmen zusätzlich 2,5 Millionen US-Dollar für den Zugang zum Quellcode. Eine Vereinbarung mit der FOA sollte die vernetzten Dienste für Privatbesitzer der Autos erhalten. Doch der Deal basierte auf einem Handschlag und wurde nie formal unterzeichnet. Als American Lease von der FOA verlangte, 58 Prozent aller Betriebskosten zu übernehmen, ohne aufgeschlüsselte Rechnungen vorzulegen, brach die Zusammenarbeit zusammen.
Der Fall Fisker dürfte kein Einzelfall bleiben. Nikola hat Insolvenz angemeldet und auch Canoo und Arrival stehen vor der Liquidation.
Verbraucherschützer fordern inzwischen strukturelle Änderungen: Software-Treuhandkonten, die den Betrieb auch nach dem Aus eines Herstellers sichern, Open-Source-Auflagen in Insolvenzverfahren und gemeinsame Reparaturdatenbanken. Europäische Autobauer wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz arbeiten bereits an einer gemeinsamen Open-Source-Plattform für Fahrzeugsoftware.
(Bild: Mauro Rodrigues / Shutterstock.com )
Störche gelten als Glücksboten – doch ihr Überleben hängt am seidenen Faden. Was ihnen wirklich zusetzt, ist überraschender als gedacht.
Auffällig viele junge Störche sitzen in diesem Jahr auf den Horsten in Mecklenburg-Vorpommern (MV), Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Wo sonst zehn, zwölf und sogar 16 Jahre alte Störche brüten, tummeln sich dieses Jahr viele dreijährige Tiere [1] in den Nestern, erklärt Storchenexperte Stefan Kroll.
Wie an den Ringen zu sehen ist, sind sie 2023 geschlüpft. Das war ein besonders gutes Nachwuchsjahr – in Mecklenburg, aber auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Möglicherweise kompensieren die jungen Störche die Verluste der letzten Jahre, hofft der Leiter der Nabu-Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz MV.
Auch im Vogelpark Marlow [2] bei Ribnitz-Damgarten brüten wilde Störche. Ende April waren hier bereits die ersten Küken geschlüpft. Bis Mitte Mai werden noch Störche erwartet, die aus ihren Wintergebieten zurückkehren. Im vergangenen Jahr brüteten insgesamt 755 Storchenpaare in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 1.200 Küken wurden flügge.
In den Jahren zuvor waren in Brandenburg die Nester immer öfter leer geblieben [3] – aufgrund von anhaltender Trockenheit, aber auch wegen intensiver Agrarlandschaft. Wo sich riesige Ackerflächen ausbreiten, müssen Störche weit fliegen, um Seen und Tümpel zu finden.
Damit die Vögel überleben können, braucht es mehr Kleingewässer mit niedrigem Wasserstand, die im Juni noch feucht sind. Denn dort finden sie Amphibien oder Würmer und andere nahrhafte Beute für den Nachwuchs.
Obwohl sich die Bestände des Weißstorchs [4] in vielen Regionen erholt haben, führen Futtermangel, Verletzungen und Klimaeinflüsse dazu, dass immer mehr Jungstörche und verletzte Alttiere professionelle Hilfe benötigen.
Störche sind ständig Gefahren ausgesetzt, sei es als Folge des Klimawandels, wegen veränderter Kulturlandschaften, oder weil sie im urbanen Umfeld mit Gebäuden kollidieren. So starb in Neustadt am Rübenberge kürzlich eine Storchenmutter, nachdem sie gegen die Fensterscheiben eines Gebäudes geprallt war.
Engagierte Helfer holten ihre Eier per Hebebühne aus dem Nest, um sie der Wildtierstation Sachsenhagen [5] bei Hannover zu übergeben. Nach wenigen Wochen im Brutkasten sind schließlich vier Storchenbabys geschlüpft [6]. Zwar suchte der Storchenvater anschließend die Eier vergeblich im leeren Nest. Alleine jedoch hätte er die Jungen nicht aufziehen können.
In langen Trockenperioden können flache Schalen mit frischem Trinkwasser befüllt und in den Garten gestellt werden. Dann kann ein Storch seinen Schnabel reinhalten, um Wasser aufzunehmen, mit dem er seine Jungen an warmen Tagen tränken kann.
Bei ausgeprägter Trockenheit finden Elterntiere nicht genug Regenwürmer und andere tierische Nahrung. Dann schubsen sie ihren Nachwuchs aus dem Nest – ein natürlicher Ausleseprozess. Ein solches Schicksal mussten im vergangenen Jahr zwei Storchenküken im Werra-Meißner-Kreis [7]leiden. Sie wurden von Spaziergängern im nordhessischen Wanfried gefunden und zum Tierarzt Ernst-Wilhelm Kalden gebracht, der die beiden in der eigenen Auffangstation liebevoll aufpäppelte.
Auch Kälte und Nässe können den Jungtieren schaden, schlimmstenfalls so sehr, dass sie nicht überleben. Schlechte Futterbedingungen können zu beschädigten Federn führen, was wiederum dazu führen kann, dass die Störche nicht in den Süden fliegen können und die Wintermonate in der Station verbringen müssen.
In Südhessen errichten Störche ihre Nester zunehmend auf Hochspannungsmasten. Dies gefährdet einerseits die Störche, denn Stromschläge oder Kollisionen können sie töten. Andererseits verursacht es Millionenschäden bei den Netzbetreibern.
Denn wenn sich überhängendes Nistmaterial entzündet, könnte dies zu Stromausfällen führen, klagt Bernd Petri, ehrenamtlicher Weißstorchexperte beim Nabu Hessen.
In den Kreisen Groß-Gerau, Darmstadt-Dieburg und Main-Kinzig haben Störche in diesem Jahr besonders viele Nester auf den Strommasten errichtet. Zwar versuchten Netzbetreiber, die Tiere zu vergrämen, doch mit wenig Erfolg. Wo der Storch einmal sein Nest gebaut hat, dorthin will er immer wieder zurück, erklärt der Ornithologe.
Laut Energieversorger Syna werden regelmäßig Störche tödlich verletzt, und Nester geraten in Brand. Dies könne die Versorgung unterbrechen, sei es durch einen Erdschluss oder aber durch die Freischaltung der Masten, um brennende Nester zu löschen oder tote Vögel zu bergen.
Auch könnte sich das Gewicht von mehreren Hundert Kilo schweren Nestern auf die Statik der Masten auswirken, die für solche Gewichte nicht ausgelegt sind.
Dies sei nötig gewesen, um die Gefahr brennender Nester und die Zahl der toten Störche zu minimieren. Im Anschluss würden die Masten mit einer Art Ballon versehen, um zu verhindern, dass die Vögel dort erneut landen oder Nester bauen können. Künftig sollen Windräder auf die Masten aufgebaut werden – in Wiesbaden und Mainz sind sie bereits im Einsatz.
Allerdings müssen die Windräder langstielig und größer sein, ansonsten blockieren die Störche sie mit Ästen, erklärt Storchenexperte Petri [8], der die Methode für sehr effektiv hält, gegenüber der FAZ. Langfristig bestehe die Herausforderung darin, die Störche von den Masten zu entwöhnen und sie zu motivieren, sich auf natürlichen Strukturen wie groß wachsenden Bäumen niederzulassen.
An manchen Orten bevorzugen Störche auch bahntechnische Anlagen als Niststandorte. Aktuell seien insbesondere das Kinzigtal sowie der Abschnitt Gießen–Wetzlar betroffen, wie die Deutsche Bahn mitteilt.
Hier könne eingetragenes Nistmaterial Kurzschlüsse oder elektrische Überschläge an der Oberleitungsanlage verursachen. Infolgedessen werden Oberleitungen und Isolatoren geschädigt, das Brandrisiko erhöht und der Bahnbetrieb eingeschränkt.
In enger Abstimmung mit dem Nabu errichtet die Deutsche Bahn alternative Nistplattformen in sicherer Entfernung zur Bahninfrastruktur. Bei akuter Gefährdung – sowohl für das Tier als auch für den Eisenbahnbetrieb, werde man eingreifen, betont eine Bahn-Sprecherin. In vielen Fällen wurden betriebliche Störungen reduziert – und von den Störchen alternative Nistangebote angenommen.
Im vergangenen Jahr wurden in Spanien schätzungsweise tausend tote Störche gefunden. Neben den Kranichen hatten sich offenbar auch viele Störche mit dem Vogelgrippevirus infiziert [9].
Storchenexperten gehen davon aus, dass unter den verendeten Störchen auch Tiere waren, die seit Jahren in Mecklenburg-Vorpommern gebrütet haben, doch belegen lässt sich das nicht. Denn nicht alle Störche wurden im Labor auf H5N1 untersucht oder waren mit GPS-Sendern ausgestattet. Allein am Stadtrand von Madrid sind im vergangenen November/Dezember mindestens fünfhundert Störche verendet, weiß Nabu-Experte Stefan Kroll.
Auf ihrem Weg in die Winterquartiere sind Störche auf zwei Routen unterwegs: Eine geht westlich Richtung Spanien und Marokko, andere Vögel fliegen über die Ostroute vor allem in den Sudan und Tschad. Der Sudan ist ein zentrales Durchzugsgebiet und Winterquartier. Der seit April 2023 eskalierende Bürgerkrieg wirkt sich auch auf die Zugvögel aus. So kamen im Winter zahlreiche Störche ums Leben, wie GPS-Sender zeigten, mit denen die Tiere ausgestattet waren.
In Gebieten, in denen viele Störche überwintern, gab es massive Kämpfe und Vertreibungen. Durch Kämpfe, Plünderungen und die zerstörte Infrastruktur verschlechtern sich die ökologischen Bedingungen. Wichtige Rastplätze und Nahrungsquellen gehen verloren. Stefan Kroll macht darauf aufmerksam, dass in Afrika auch Störche gejagt werden. Man müsse davon ausgehen, dass im Sudan aufgrund des Bürgerkrieges viele Menschen in großer Not sind und großen Hunger [10] leiden.
Die Mülldeponien in Spanien und Portugal scheinen genug Nahrungsreste zu bieten, sodass sich immer mehr Tiere die weite Afrika-Reise sparen, weiß Andrea Flack [11] vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie, die am Zugverhalten von Weißstörchen forscht. Doch auch die Nahrungssuche in den natürlichen Habitaten Afrikas ist aufwendiger.
Das zunehmend mildere Klima kommt den Störchen bei der Futtersuche in ihrem Heimatland entgegen. Zudem sind Grillen und Heuschrecken, die Hauptnahrung der Störche, das ganze Jahr über verfügbar.
Forscher statteten siebzig junge Weißstörche aus acht Ländern mit GPS-Sendern und Messgeräten aus, um den Energieverbrauch während ihres Fluges in den Süden zu messen. Die Vögel, die nördlich der Sahara überwinterten, kamen vor allem aus Spanien und dem Südwesten Deutschlands.
Sie ließen sich in dicht besiedelten Gegenden nieder, wo sie auf Müllkippen genug Fleisch- und Fischreste fanden. So sparten sie zwar Energie, dennoch riskierten sie, sich mit schlechter Nahrung zu vergiften oder sich mit Krankheiten zu infizieren.
Sollte die EU jedoch ihre Pläne wahrmachen und die Mülldeponien unter freiem Himmel schließen, könnte dies für die Störche bedeuten, dass sie die weite Reise nach Afrika und zurück [12] wieder aufnehmen müssten.
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Der Marinechef der Vereinigten Staaten hat vor dem Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses eingeräumt, dass der Verzicht auf Nuklearantrieb bei Überwasserkampfschiffen nach dem Kalten Krieg einer der gravierendsten Fehler in der Geschichte der US-Marine war. Admiral Daryl Caudle erklärte am 14. Mai 2026: "Wir haben den Nuklearantrieb für Überwasserschiffe aufgegeben – das war einer der größten Fehler, den die Marine je gemacht hat. Jetzt holen wir ihn zurück."
Die künftigen Schlachtschiffe der Trump-Klasse – intern auch als BBGN bezeichnet – sollen rund 35.000 Tonnen verdrängen, zwischen 256 und 286 Meter lang sein und Geschwindigkeiten von über 30 Knoten (ca. 56 km/h) erreichen. Als Antrieb ist der A1B-Reaktor vorgesehen, der bereits in den Flugzeugträgern der Ford-Klasse eingesetzt wird. Die Bewaffnung umfasst hyperschallschnelle und nuklearfähige Raketen in 128 Mk-41-Startzellen, gerichtete Energiewaffen, eine elektromagnetische Railgun sowie zwei konventionelle 127-mm-Marinegeschütze.
Caudle begründete die Entscheidung auch mit konkreten Erfahrungen aus jüngsten Operationen: So hatten iranische Angriffe auf regionale Versorgungsketten die Treibstofflieferungen an konventionell angetriebene Kriegsschiffe gestört. "Stellen Sie sich vor, wie das im Arabischen Golf ausgesehen hätte, wenn ich dort ein nuklear angetriebenes Schlachtschiff gehabt hätte", sagte er. Dasselbe Argument gilt für einen möglichen Konflikt mit China im Pazifik, wo die enormen Distanzen die Logistik zur Achillesferse der Flotte machen.
Die U.S. Navy rechnet damit, das erste Schiff frühestens im Haushaltsjahr 2028 zu bestellen – mit einer Auslieferung nicht vor 2036. Die Kosten für das erste Exemplar werden auf rund 17 Milliarden US-Dollar geschätzt, mehr als die nächsten vier Flugzeugträger der Ford-Klasse zusammen. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Newport News Shipbuilding in Virginia ist derzeit die einzige Werft, die nuklear angetriebene Überwasserschiffe baut – und sie kämpft bereits mit Verzögerungen beim Ford-Programm. Und auch die beiden amerikanischen U-Boot-Werften sind durch die Neubauten der Columbia- und Virginia-Klasse ausgelastet.
Ob das Programm in seiner heutigen Form tatsächlich zur Serienreife gelangt, bleibt offen. Der Zeitplan erstreckt sich weit in die nächste Präsidentschaft hinein – und damit in eine politisch und fiskalisch ungewisse Zukunft.
Chinesische E-SUV-Hersteller wie BYD, Aito und Li Auto haben einen Antrieb entwickelt, der die Weiterfahrt auf drei Rädern erlaubt, wie Car News China berichtet.
BYD hat mit dem Denza B8 Flash Charge Edition ein Beispiel geliefert. Das neue Disus-P Ultra-Fahrwerk hebt ein einzelnes Rad vollständig vom Untergrund ab, während das Fahrzeug mit niedrigem Tempo weiterfährt – begrenzt auf 15 km/h. BYD nennt drei Anwendungsfälle: Notbetrieb auf drei Rädern, unwegsames Terrain und Reifenwechsel ohne Wagenheber. Letzteres funktioniert, indem das System das entsprechende Rad in die Luft hebt – laut BYD in unter einer Minute; in der Demonstration dauerte ein vollständiger Reifenwechsel 1 Minute und 56 Sekunden. Die Hubkraft soll bis zu neun Tonnen betragen. Die Preise für den Denza B8 starten bei 419.800 Yuan, umgerechnet rund 53.000 Euro, wie Futurezone berichtet.
Huawei-Partner Aito kündigte Vergleichbares für den überarbeiteten M9 an. Videos zeigen, wie der SUV einen Vorderreifen anhebt und dabei stabil geradeaus fährt. Huawei bezeichnet das als Teil eines vollaktiven Fahrwerks, das Straßenverhältnisse vorausschauend verarbeitet. Der neue M9 ist ab 499.800 Yuan vorbestellbar, etwa 63.100 Euro. Li Auto wiederum hat den L9 Livis mit einem Hydraulikfahrwerk ausgestattet, das alle vier Räder unabhängig voneinander regelt – ohne konventionellen Querstabilisator. Die Reaktionszeit soll im Millisekundenbereich liegen.
Die technischen Ansätze unterscheiden sich stark. Li Auto und Aito setzen auf vollaktive Hydrauliksysteme. BYD verwendet beim Yangwang U7 dagegen das elektromagnetische Disus-Z-System, das ohne Hydraulikflüssigkeit auskommt. Jeder Ansatz bringt andere Kompromisse bei Reaktionsgeschwindigkeit, Bauraum und Kosten mit sich.
Was bislang Luxusfahrzeugen vorbehalten war, wird in Chinas oberer SUV-Klasse gerade zur Standarddisziplin. Rad-Heben, Karosserie-Nivellierung, hindernisüberquerendes Fahren – mehrere Hersteller steuern gleichzeitig auf dasselbe Funktionsspektrum zu, nur mit unterschiedlicher Umsetzung.
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