Forscher haben einen Weg gefunden, Knorpelwachstum durch die Hemmung eines Proteins zu stimulieren, was bei Mäusen und menschlichem Gewebe vielversprechende Ergebnisse zeigt.
Hemmung eines einzigen Proteins regeneriert abgenutzten Gelenkknorpel bei Mäusen. Auch menschliches Gewebe reagiert auf die Behandlung.
Arthrose gilt immer noch als unheilbar: Ist der Knorpel erst einmal abgebaut, hilft bislang nur Schmerztherapie oder am Ende ein künstliches Gelenk. Zwar findet man in den sozialen Medien viele Angebote, wie Arthrose geheilt werden könnte, doch sie sind oftmals wenig seriös oder wissenschaftlich fundiert.
Aber Mediziner forschen, um eine Therapie für Arthrose zu entwickeln – und das tut not. Denn allein in Deutschland leidet rund jeder vierte Erwachsene [1] an der degenerativen Gelenkerkrankung, bei den über 60-Jährigen sogar jeder Zweite.
Ein Forscherteam der Stanford University hat jetzt einen Ansatz vorgestellt, der für viele zur großen Hoffnung werden könnte: Ihnen gelang es, bei alten Mäusen den abgenutzten Knorpel nachwachsen zu lassen, indem sie ein einzelnes Protein hemmten.
Im Zentrum der Forschung steht das Protein 15-PGDH, das die Wissenschaftler als sogenanntes Gerozym klassifizieren – ein Enzym, dessen Aktivität mit dem Alter zunimmt und das maßgeblich zum Verlust von Gewebefunktionen beiträgt.
15-PGDH baut das Signalmolekül Prostaglandin E2 (PGE2) ab, das für die Reparatur von Gewebe und die Regulierung von Entzündungen essenziell ist. Sinkt der PGE2-Spiegel mit zunehmendem Alter, verlieren Gelenke allmählich ihre Fähigkeit zur Selbstregeneration.
Umprogrammierung statt Stammzellen
Das Besondere an dem vorgestellten Ansatz ist, dass er einen gänzlich anderen Weg beschreitet als bisherige Regenerationsversuche. Frühere Therapien setzten auf transplantierte Stammzellen, um neues Knorpelgewebe zu bilden – mit mäßigem Erfolg, da oft nur minderwertiger Faserknorpel statt des gewünschten glatten Gelenkknorpels entstand.
Die 15-PGDH-Blockade hingegen programmiert bereits vorhandene Knorpelzellen, die sogenannten Chondrozyten, in einen jüngeren, funktionsfähigeren Zustand um. Stammzellen spielen dabei keine Rolle.
Konkret reduziert die Behandlung die Zahl sogenannter hypertropher Chondrozyten. Diese vergrößerten Knorpelzellen produzieren in arthrotischen Gelenken entzündungsfördernde Botenstoffe und bauen die Knorpelmatrix aktiv ab.
Gleichzeitig nimmt die Zahl gesunder, matrixproduzierender Gelenkknorpelzellen zu. Das Ergebnis: echter hyaliner Knorpel mit Kollagen II und Proteoglykanen – die gleiche Struktur, die auch junger, gesunder Knorpel aufweist.
Deutliche Wirkung bei Mäusen und menschlichem Gewebe
In den Versuchen verabreichten die Forscher alten Mäusen zweimal wöchentlich über vier Wochen einen niedermolekularen 15-PGDH-Hemmer per Injektion. Der zuvor ausgedünnte Knieknorpel verdickte sich daraufhin messbar und ähnelte wieder dem eines jungen Tieres.
Bei jungen Mäusen, denen die Forscher eine dem Kreuzbandriss vergleichbare Verletzung zugefügt hatten, verhinderte der Wirkstoff die sonst unweigerlich folgende posttraumatische Arthrose.
Behandelte Tiere zeigten zudem einen stabileren Gang und belasteten ihre verletzten Beine stärker – Zeichen dafür, dass sie weniger Schmerzen hatten.
Besonders relevant für eine mögliche klinische Anwendung: Das Team testete den Hemmer auch an menschlichen Gewebeproben von Patienten, die sich einer Kniegelenkersatzoperation unterzogen hatten.
Nach einwöchiger Behandlung wurde der Knorpel fester und wies weniger Entzündungszeichen auf.
"Dies ist ein neuer Weg zur Regeneration von adultem Gewebe und bietet vielversprechende klinische Perspektiven für die Behandlung von Arthritis aufgrund von Alterung oder Verletzungen", erklärte die Stammzellbiologin Helen Blau [4], Seniorautorin der Studie.
"Wir hatten nach Stammzellen gesucht, aber die sind offensichtlich nicht beteiligt. Das ist sehr spannend."
Erste klinische Daten und weitere Forschungsansätze
Der Weg zur Therapie scheint kürzer als bei vielen Grundlagenentdeckungen. Eine orale Variante des 15-PGDH-Hemmers mit der Bezeichnung MF-300, entwickelt vom Unternehmen Epirium Bio, hat bereits eine Phase-1-Studie [5] zur Behandlung von altersbedingter Muskelschwäche (Sarkopenie) abgeschlossen.
Dabei traten nur leichte bis mäßige Nebenwirkungen auf, schwerwiegende Vorfälle gab es nicht. Eine Phase-2b-Studie soll [6] in der zweiten Hälfte 2026 starten. Eine spezifische Arthrose-Studie am Menschen steht noch aus, die bisherigen Sicherheitsdaten dürften den Zulassungsprozess für eine entsprechende Indikation aber beschleunigen.
"Der Mechanismus ist ziemlich beeindruckend und hat unsere Sichtweise darauf, wie Geweberegeneration stattfinden kann, wirklich verändert. Es ist klar, dass ein großer Pool bereits vorhandener Zellen im Knorpel ihre Genexpressionsmuster verändert. Und indem wir diese Zellen für die Regeneration ins Visier nehmen, haben wir möglicherweise die Chance, klinisch eine größere Gesamtwirkung zu erzielen."
Parallel laufen weitere vielversprechende Forschungsprojekte. Ein Team der University of Colorado Boulder entwickelte ein Injektionssystem [8] mit langsam freisetzenden Partikeln, das in Tierversuchen geschädigten Knorpel innerhalb weniger Wochen reparierte – klinische Studien sollen in 18 Monaten beginnen.
Zudem legt eine Studie aus dem Jahr 2026 nahe, dass Semaglutid Gelenkknorpel unabhängig von seinem gewichtsreduzierenden Effekt schützt, indem es den Zellstoffwechsel in Chondrozyten umprogrammiert. Die Forscher wiesen dabei Veränderungen in der Expression von fast 8.300 Proteinen nach.
Bis eine zugelassene Arthrose-Therapie auf Basis der 15-PGDH-Hemmung verfügbar ist, dürften noch einige Jahre vergehen. Doch die Ergebnisse markieren einen Paradigmenwechsel: Statt nur Symptome zu behandeln oder beschädigte Gelenke zu ersetzen, könnte es erstmals möglich werden, verlorenen Knorpel wiederherzustellen.
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Google erweitert reCAPTCHA zu „Cloud Fraud Defense“, einer Plattform gegen Betrug und Missbrauch, die auch KI-Agenten erkennt.
Google baut reCAPTCHA zu einer breiteren Plattform gegen Betrug und Missbrauch im Web aus. Auf seiner Cloud-Konferenz Next ’26 stellte der Konzern „Google Cloud Fraud Defense“ vor. Die Plattform soll nicht mehr nur menschliche Nutzer von klassischen Bots unterscheiden, sondern auch KI-Agenten erfassen. Google nennt das Angebot die „nächste Evolution“ von reCAPTCHA und positioniert es als Vertrauensplattform für ein „agentic web“ – also für Anwendungen, in denen autonome Software-Agenten Aufgaben für ihre Nutzer erledigen.
reCAPTCHA war ursprünglich vor allem als CAPTCHA und Bot-Abwehr bekannt. In den vergangenen Jahren hat Google das Produkt jedoch deutlich breiter aufgestellt und vermarktet es inzwischen als Risiko- und Betrugsschutz, etwa für Logins, Kontoanlagen oder Bezahlvorgänge. Fraud Defense baut darauf auf. Bestandskunden müssen laut Google weder migrieren noch ihre Site Keys, Integrationen oder Verträge anpassen.
KI-Agenten als neue Klasse von Web-Traffic
Im Mittelpunkt der Ankündigung steht die Annahme, dass Web-Traffic künftig nicht mehr primär aus Menschen und einfachen Skripten besteht. Google rechnet mit deutlich mehr Aktivität durch KI-Agenten, die eigenständig Informationen abrufen, Entscheidungen vorbereiten und ganze Abläufe anstoßen. Ein Beispiel sind Shopping-Assistenten, die Produkte vergleichen, Warenkörbe füllen und Käufe im Namen ihrer Nutzer einleiten. Solche Systeme können erwünscht sein, eröffnen aus Sicht der Sicherheit aber neue Angriffsflächen.
Eine der wichtigsten Neuerungen ist deshalb ein Dashboard zur Messung agentischer Aktivität. Betreiber sollen darüber sehen, welche KI-Agenten und sonstigen automatisierten Systeme ihre Websites ansteuern. Google will diesen Traffic identifizieren, klassifizieren und analysieren und die Identitäten von Agenten und Nutzern miteinander verknüpfen, um Risiken besser einzuschätzen. Technisch interessant ist daran vor allem der Ansatz, automatisierte Zugriffe nicht mehr pauschal als Bot-Verkehr zu behandeln, sondern nach Vertrauenswürdigkeit, Typ und Identität zu unterscheiden.
Dafür setzt Google auch auf neue Protokolle und entstehende Standards. Die Ankündigung nennt unter anderem Web Bot Auth sowie SPIFFE (Secure Production Identity Framework for Everyone). Die Idee dahinter: Legitime Agenten sollen ihre Herkunft und Identität nicht mehr nur über leicht fälschbare Merkmale wie User-Agent-Strings oder IP-Adressen behaupten, sondern kryptografisch nachweisen. Ein verifizierter Einkaufsagent ließe sich dann anders behandeln als ein Scraper, der sich lediglich als gewöhnlicher Browser tarnt.
Richtlinien und Challenges per QR-Code
Als zweites zentrales Element führt Google eine Richtlinien-Engine ein. Damit sollen Unternehmen Regeln für unterschiedliche Phasen einer Sitzung festlegen – von der Registrierung über das Login bis zu Zahlung und Bestellabschluss. Die Entscheidungen orientieren sich unter anderem an Risikowerten, Automatisierungstypen und der Identität eines Agenten. In der Praxis könnte ein verifizierter KI-Agent so Produktdaten und Verfügbarkeiten abfragen dürfen, beim Zugriff auf ein Kundenkonto oder beim Auslösen einer Zahlung aber strengeren Regeln unterliegen.
Hinzu kommt eine sogenannte „AI-resistant challenge“. Dahinter steckt ein Prüfmechanismus per QR-Code, der bei verdächtigen Vorgängen eine menschliche Bestätigung verlangt. Anders als klassische Bilder- oder Texträtsel soll diese Challenge automatisierte Angriffe wirtschaftlich unattraktiv machen. Denkbar ist etwa, dass eine Anwendung bei einem riskanten Bestellvorgang einen QR-Code einblendet, den der Nutzer mit dem Smartphone scannen muss, um seine Anwesenheit nachzuweisen.
Veränderte Bedrohungslage und Leistungsversprechen
Google begründet den Umbau mit einer veränderten Bedrohungslage. Die Risiken verschöben sich von klassischer Bot-Automatisierung und ungültigem Traffic hin zu komplexeren Angriffen, etwa der Übernahme von Agentenidentitäten oder großflächigem Betrug mit synthetischen Identitäten. Mit synthetischen Identitäten meint Google Konten oder Profile, die teils aus echten, teils aus erfundenen Merkmalen bestehen und dadurch auf den ersten Blick legitim wirken.
Der Konzern verbindet die Ankündigung mit weitreichenden Leistungsversprechen. Fraud Defense nutze dieselben weltweiten Bedrohungsdaten, die auch Googles eigenes Ökosystem absichern. Das zugrunde liegende Netzwerk schütze nach Unternehmensangaben die Hälfte der Fortune-100-Konzerne und mehr als 14 Millionen Domains. Zudem spricht Google davon, Kontoübernahmen im Schnitt um 51 Prozent zu reduzieren, wenn Betreiber Risiken über die gesamte Sitzung hinweg korrelieren.
Weitere Informationen zu Google Cloud Fraud Defense und reCAPTCHA finden sich im Blogbeitrag [1].
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Google Cloud führt automatisierte Spend Caps und einen FinOps Explainability Agent ein, um KI-Kosten besser zu kontrollieren und zu analysieren.
Google Cloud erweitert sein FinOps-Portfolio um neue Funktionen für KI-Workloads. Im Zentrum stehen automatisierte Spend Caps, die Budgetgrenzen aktiv durchsetzen, sowie ein neuer FinOps Explainability Agent, der Kostentreiber eigenständig analysiert. Damit will Google die Kontrolle über schwer kalkulierbare KI-Kosten verbessern und den Aufwand für deren Analyse senken.
Hintergrund ist, dass KI-Workloads die Kostenstrukturen in der Cloud verändern. Statt relativ stabiler Lastprofile entstehen stark schwankende Kosten – etwa durch variable Token-Nutzung, unterschiedliche Modellpreise oder den Einsatz spezialisierter Hardware wie GPUs und TPUs. Klassische FinOps-Werkzeuge liefern hier zwar Berichte und Warnungen, greifen aber nicht direkt in den laufenden Betrieb ein.
Spend Caps stoppen API-Verkehr automatisch
Diese Lücke sollen die neuen Spend Caps schließen, die Google zunächst in einer Private Preview anbietet. Administratoren können damit Budgets auf Projektebene festlegen, die das System automatisch durchsetzt. Erreicht ein Projekt das Limit, warnt Google Cloud zunächst und pausiert anschließend den API-Verkehr. Die zugrunde liegenden Ressourcen bleiben dabei erhalten. Wer den Betrieb fortsetzen will, passt das Spend Cap an oder hebt es auf. Unterstützt werden zunächst Google AI Studio, die Gemini Enterprise Agent Platform als Weiterentwicklung von Vertex AI, Cloud Run, Cloud Run Functions sowie die Maps APIs.
Der Nutzen zeigt sich vor allem bei experimentellen KI-Workloads. Ein fehlerhafter Prompt-Loop oder eine unoptimierte Inferenz-Pipeline kann innerhalb kurzer Zeit Millionen API-Aufrufe und entsprechend hohe Kosten verursachen. Spend Caps greifen in solchen Fällen automatisch ein, ohne dass ein Mensch händisch reagieren muss.
Explainability Agent analysiert Kostentreiber
Ergänzend führt Google den FinOps Explainability Agent ein, der direkt in das Billing-System integriert ist. Der Agent analysiert eigenständig, welche Faktoren die Kosten von KI-Workloads treiben, und liefert Auswertungen auf Zuruf. Nutzer können zum Beispiel fragen, wie sich die Kosten zwischen Gemini 1.5 Pro und Gemini 1.5 Flash verteilen, welche API-Keys besonders teuer sind oder wie hoch der Anteil von Input- und Output-Tokens an den Gesamtkosten ausfällt.
Solche Auswertungen sind nötig, weil sich KI-Kosten zwar formal als Produkt aus Menge und Preis beschreiben lassen, die Einflussgrößen aber stark fragmentiert sind. Neben dem Request-Volumen spielen Token-Zahlen, Fehlerraten, Speicherzugriffe und Modellwechsel eine Rolle. Der Explainability Agent korreliert diese Faktoren automatisch und soll so die Ursachenanalyse beschleunigen – etwa bei unerwarteten Kostenanstiegen oder zur Bewertung des Return on Investment einzelner KI-Projekte.
Mehr Transparenz bei Billing und Verträgen
Daneben kündigt Google erweiterte Billing-Hierarchien und ein Reporting für Vertragszusagen an. Die neuen Hierarchien sollen Ausgaben über mehrere Abrechnungskonten hinweg zusammenführen, einschließlich sogenannter Other Eligible Services – also zusätzlicher Produktfamilien, die Google in Enterprise-Verträgen neben den eigentlichen Cloud-Diensten berücksichtigt, etwa Apigee, AppSheet, Looker, Workspace-Produkte, Mandiant oder VirusTotal. Das ebenfalls zunächst als Private Preview angekündigte Commitment Reporting soll zudem sichtbar machen, wie schnell Kunden ihre Commitments innerhalb eines Enterprise Agreements verbrauchen.
Der FinOps Explainability Agent steht laut Googles Ankündigung [1] bereits in der Cloud Console bereit. Spend Caps sowie die erweiterten Billing- und Reporting-Funktionen sind zunächst nur in einer Private Preview verfügbar, für die sich Kunden anmelden können.
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Spotify meldet Rekordvergütungen im deutschen Markt. Doch der Jahresbericht klammert kritisierte Metriken zur Einnahmenverteilung weiterhin aus.
515 Millionen Euro hat der Musikstreaming-Marktführer Spotify im vergangenen Jahr an Rechteinhaber in Deutschland ausgeschüttet. Das geht aus dem jährlichen Transparenzbericht des Unternehmens hervor und entspricht einem Anstieg von 7 Prozent zum Vorjahr. Das eigene Geschäft sei damit etwa drei Mal stärker gewachsen als der deutsche Gesamtmarkt für Musik. Rund 40 Prozent der Erlöse gingen zudem auf Hörer außerhalb Deutschlands zurück.
Von den Einnahmen aus den rund 183 Milliarden Streams des Jahres entfielen nach Angaben des Unternehmens, wie im Vorjahr [1], mehr als die Hälfte auf unabhängige Künstler und Labels. „Die Zahl der Künstler*innen aus Deutschland, die über Spotify mehr als 50.000 Euro erzielen“, sei ebenfalls um 7 Prozent zum Vorjahr gestiegen, schreibt Spotify. Absolute Angaben nennt das Unternehmen jedoch nicht.
Politischer Druck auf Streaming-Markt
Spotifys Publikation der Rekordzahlen [2] erfolgt vor dem Hintergrund einer verschärften politischen Debatte um die Vergütungsmodelle von Streaming-Diensten. Erst Mitte März hatte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer für den Frühsommer einen branchenweiten runden Tisch [3] zur „Streaming-Fairness“ angekündigt. Zuvor hatte er sich unter anderem mit Künstlern, Vertretern von Labels und den Plattformbetreibern getroffen.
In der Kritik steht vor allem der Verteilungsmechanismus von Spotify. Angaben zu den von Musikern kritisierten algorithmischen und ökonomischen Verteilungsmechanismen der Plattform führt Spotifys Bericht allerdings nicht auf.
Die Einnahmen werden bei Spotify weiterhin nach dem sogenannten Pro-Rata-Modell ausgeschüttet: Die Abogebühren der Nutzerschaft fließen in einen zentralen Topf und werden nach nationalen Marktanteilen der Streams verteilt – unabhängig davon, welche Künstler ein einzelner zahlender Nutzer tatsächlich gehört hat. Von diesem Modell profitieren vor allem globale Megastars und Major-Labels, während unabhängige Künstler und Nischengenres laut aktuellen Branchenstudien systematisch benachteiligt werden.
Ebenfalls unerwähnt bleibt die seit Anfang 2024 geltende Mindestgrenze für Auszahlungen [6]. Demnach generieren Songs mit u. a. weniger als 1.000 Streams in den vorausgegangenen zwölf Monaten keine Tantiemen mehr. Die von diesen Titeln erwirtschafteten Kleinstbeträge verbleiben im Pro-Rata-Topf und werden anteilig an die übrigen, über dieser Schwelle liegenden Acts ausgeschüttet.
Wie viele Künstler unter dieser Schwelle liegen oder nur ganz geringe Beträge erwirtschaften, ist damit nicht nachvollziehbar. Nach einer Studie des Forschungsnetzwerks Digitale Kultur [7] erzielten etwa im Jahr 2023 68 Prozent der Künstler weniger als 1 Euro Umsatz.
Zudem klammert der Bericht den „Discovery Mode“ aus. Über dieses Instrument können Rechteinhaber einer 30-prozentigen Kommission auf Tantiemen aus Discovery-Mode-Streams zustimmen, um im Gegenzug eine höhere algorithmische Gewichtung in den Autoplay- und Radio-Funktionen der App zu erhalten. Branchenvertreter und Kritiker bezeichnen diese Mechanik regelmäßig als eine Form von digitalem Pay-to-Play, bei der finanzstarke Akteure systematisch bevorzugt würden.
Rechteinhaber statt Künstlerkonten
Die im Bericht von Spotify ausgewiesenen 515 Millionen Euro sowie die Einnahmen jener Künstler, die „über 50.000 Euro erzielen“, fließen nicht direkt an die Interpreten. Spotify überweist diese Summen als Brutto-Ausschüttungen an die jeweiligen Rechteinhaber. Dazu gehören in erster Linie Musiklabels, Vertriebe und Verwertungsgesellschaften wie die GEMA.
Je nach vertraglicher Konstellation verbleibt ein erheblicher Teil dieser Tantiemen bei den Labels. Die von Spotify angeführte Statistik, wonach mehr als die Hälfte der Zahlungen auf den „Independent“-Sektor entfalle, umfasst in der Zählweise der Musikindustrie nicht nur unabhängige Musiker, die ihre Werke selbst hochladen. Unter diesen Begriff fallen auch kapitalstarke B2B-Digitalvertriebe und größere Indie-Labels, die als Zwischenhändler fungieren.
Gespräche am runden Tisch
Die Fronten zwischen dem Plattformbetreiber und den Künstlern sind also verhärtet. Sollten die Gespräche der Branchenvertreter zu keinem Ergebnis führen, stellte der Kulturstaatsminister gesetzliche Eingriffe in das Geschäftsmodell in Aussicht. Gegenüber heise online hatte Spotify mitgeteilt [8], dass es etwa durch die jüngsten Preiserhöhungen [9] bereits darauf hinwirke, die Auszahlungen zu erhöhen.
Jährliche Berichte unter dem Titel „Loud & Clear“ hatte Spotify 2021 nach Protesten der Interessensvertretung United Musicians and Allied Workers (UMAW [10]) eingeführt. Länderspezifische Aufschlüsselungen für den deutschen Markt publiziert Spotify erst seit 2023. Detaillierte Zahlen, wie etwa die durchschnittliche Netto-Vergütung pro Stream im direkten Vergleich zu Konkurrenten wie Apple Music [11], werden dabei nicht ausgewiesen.
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Meta hat das KI-Start-up Manus bereits integriert. Ob das späte Verbot noch umgesetzt werden kann und welche Konsequenzen das hat, ist strittig.
Manus kündigte die Übernahme im Dezember 2025 in seinem Blog an.Bild:
Manus
Chinas Regierung hat Meta angewiesen, die Übernahme des chinesischen KI-Unternehmens Manus in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar rückgängig zu machen. Chinas Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (National Development and Reform Commission, NDRC) hat am 27. April 2026 erklärt, sie werde "ausländische Investitionen" in Manus untersagen und habe in Übereinstimmung mit den geltenden Gesetzen "die beteiligten Parteien aufgefordert, die Übernahmetransaktion rückgängig zu machen" .
Das in China gegründete Start-up Manus verlegte seinen Sitz im vergangenen Jahr nach Singapur. Meta begann bereits damit , Software von Manus zu integrieren.
Wie die britische Financial Times unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, ist unklar, wie die Übernahme zu einem derart späten Zeitpunkt überhaupt noch rückgängig gemacht werden könne. Die Entscheidung könnte in erster Linie als Warnung für ähnliche künftige Transaktionen gedacht sein, sagte die Quelle. In der Realität sei es schwierig, das bereits abgeschlossene Geschäft wieder aufzuheben.
China droht mit Sanktionen gegen Zuckerbergs Konzern
Die Ankündigung erfolgte im Vorfeld eines für den kommenden Monat erwarteten Gipfeltreffens zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping, bei dem die beiden Staatschefs die seit langem bestehenden Spannungen durch den Handelskrieg zwischen den Supermächten erörtern werden.
Die chinesischen Regulierungsbehörden hatten bereits im Januar Untersuchungen aufgenommen, um zu prüfen, ob die Übernahme von Manus durch den Social-Media-Konzern Meta gegen Chinas Investitionsvorschriften verstoßen habe.
Eine mit der Angelegenheit vertraute Person teilte mit, dass Chinas Regierung den beiden Unternehmen unmissverständlich klargemacht habe, das Geschäft vollständig rückabzuwickeln – einschließlich der Rückzahlung der Kaufsumme, der erneuten Registrierung der Eigentumsverhältnisse sowie der sofortigen Einstellung der Nutzung des Manus-Algorithmus durch Meta.
Andernfalls könnten Sanktionen gegen Meta verhängt werden, deren Aktivitäten in China könnten eingeschränkt und gegebenenfalls strafrechtliche Schritte gegen die involvierten Personen eingeleitet werden. Ein Meta-Sprecher erklärte: "Die Transaktion stand vollumfänglich im Einklang mit dem geltenden Recht. Wir erwarten einen angemessenen Abschluss der Untersuchung."
Meta kaufte Ende Dezember 2025 das ursprünglich aus China stammende Start-up für zwei Milliarden US-Dollar. Manus hatte im März 2025 mit einem KI-Agenten Aufsehen erregt, der komplexe Recherchen erledigen, Planungen übernehmen und Entscheidungen unterstützen könne.
Ab Ende April 2026 weitet die EU den einheitlichen USB-C -Ladestandard für technische Geräte auf Laptops aus.
USB-C wird bei allen neuen Laptops in der EU zum Standard.Bild:
Oliver Nickel/Golem
Die Europäische Union hat Ende 2024 einen einheitlichen Ladestandard für mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets beschlossen. Ab dem 28. April 2026 gilt dies auch für Laptops. Das bedeutet: Alle neuen Laptops , die in der EU verkauft werden, müssen künftig eine passende USB-C-Buchse für Ladevorgänge aufweisen.
Zum einen muss der verbreitete Standard genutzt werden. Zudem wird es für Laptops wichtig sein, dass die auch mit genügend Strom versorgt werden können. Schließlich benötigen die meisten Laptops mehr als fünf bis zehn Watt Leistung eines Smartphones, vor allem wenn sie unter Last laufen.
Hersteller können hier auf den USB-Power-Delivery-Standard zugreifen, der bis 100 Watt ausgelegt ist. Die meisten Thunderbolt-Buchsen wie Thunderbolt 4 und USB 4 unterstützen das.
USB-PD kann helfen
Allerdings werden das neuere USB PD 3.1 nur mit Thunderbolt 5 und mittels Extended Power Range auch mit USB 4 standardmäßig unterstützt. Der Standard, der 240 Watt Leistung übertragen kann, wird von aktuellen Laptop-CPUs von Intel und AMD genutzt.
Auch Apple Silicon implementiert Thunderbolt 5. Als Vorbereitung auf die EU-Normen legt Apple zu neuen Macbooks innerhalb der Europäischen Union keine Netzteile mehr bei. Diese können separat bestellt werden.
Die meisten aktuellen Laptops von Unternehmen wie Dell, Asus, Lenovo, Apple, HP und Microsoft verwenden USB-C bereits seit längerem als Standard-Ladebuchse. Die Richtlinie verbietet zudem nicht, dass Laptops eine proprietäre Ladebuchse verwenden dürfen; sie darf eben nur nicht die einzige Lademöglichkeit sein.
Gerade große Gaming-Laptops benötigen eben weit mehr als 100 oder teilweise sogar 240 Watt. Auch Apples Magsafe darf in der EU verbaut werden und wird von einigen Nutzern für Ladevorgänge bevorzugt.
Audi wertet den Q4 E-Tron mit effizienteren Motoren und bidirektionalem Laden auf. Das Infotainment wechselt zudem auf Android Automotive OS.
Audi Q4 E-Tron Facelift 2026Bild:
Audi
Mit einem Update überarbeitet Audi sein elektrisches Volumenmodell Q4 E-Tron und führt erstmals Funktionen für das bidirektionale Laden ein. Wie der Hersteller mitteilt , nimmt die Hochvoltbatterie des Fahrzeugs künftig nicht mehr nur Energie auf, sondern gibt diese gezielt wieder an externe Verbraucher per Vehicle-to-Load (V2L) oder an das Stromnetz ab. Über Vehicle-to-Home (V2H) lässt sich das SUV als stationärer Heimspeicher nutzen.
Effizienterer Antrieb und NMC-Chemie
Technisch rückt der Q4 E-Tron näher an die aktuelle Basis des Volkswagen-Konzerns. Der Basismotor wird auf die neue Generation APP350 umgestellt. Durch einen Pulswechselrichter mit Siliziumkarbid-Halbleitern und ein neues, dünnflüssigeres Öl im Differenzial soll der Wirkungsgrad um etwa zehn Prozent steigen. Allein die geringeren Reibungsverluste durch die Umölung sollen bis zu zwölf Kilometer mehr Reichweite ermöglichen.
Bild 1/3: Exterieur
Bild 2/3: Vehicle-to-Load
Bild 3/3: Interieur
Interessant ist die Differenzierung innerhalb des Konzerns bei der Batterietechnik: Während VW bei vergleichbaren Modellen teilweise auf LFP-Zellen setzt, bleibt Audi laut heise autos beim Q4 E-Tron bei der NMC-Zellchemie (Nickel-Mangan-Cobalt). Dies ermöglicht trotz identischer Kapazität von 63 kWh brutto (59 kWh netto) im Basismodell eine höhere Ladeleistung von 160 kW statt der bei LFP üblichen 105 kW. Bei den größeren 82-kWh-Batterien steigt die DC-Ladeleistung auf bis zu 185 kW.
Android Automotive ohne Google-Dienste
Im Innenraum ersetzt Audi das bisherige System durch die neue, aus dem Q6 bekannte Infotainment-Generation auf Basis von Android Automotive OS. Entgegen dem Branchentrend verzichtet Audi jedoch auf die Integration von Google-Diensten wie dem Play Store. Stattdessen lassen sich Drittanbieter-Apps über einen markeneigenen Store laden.
Das Cockpit wird durch die sogenannte Digital Stage mit einem 11,9-Zoll-Kombiinstrument und einem 12,8-Zoll-MMI-Touchdisplay dominiert. Neu ist zudem die Integration von ChatGPT zur Sprachsteuerung.
Trotz der technischen Aufwertung bleiben einige Kritikpunkte bestehen, etwa die geringe Ladeleistung der induktiven Smartphone-Halterungen von lediglich 15 Watt. Äußerlich fallen die Änderungen dezent aus: Ein hochgezogener Diffusor und in Wagenfarbe lackierte Frontpartien kennzeichnen das Facelift.
Die neuen Modelle sind ab Mai 2026 bestellbar. Der Einstiegspreis für den Audi Q4 SUV E-Tron liegt bei 47.500 Euro. Der Sportback-Aufpreis beträgt einheitlich 1.950 Euro.
Backups sollten eigentlich alle Apps auf ein neues Gerät zurückbringen, die man vorher hatte. Das können Sie tun, wenn es nicht klappt.
Ich habe auf meinem neuen iPhone 17 Pro das Backup des alten iPhones per iCloud-Wiederherstellung installiert. Dabei blieben mehrere App-Icons auf dem Homescreen ausgegraut. Statt dem App-Namen steht „Warten“ darunter, Öffnen klappt nicht. Was nun?
Manchmal kann man solche Probleme rund um die iCloud-Wiederherstellung einfach aussitzen: Schließen Sie das iPhone an den Strom an und lassen Sie es für längere Zeit in Ruhe liegen, am besten über Nacht. Achten Sie darauf, dass eine gute WLAN-Verbindung besteht.
Sollten die Apps anschließend immer noch graue Icons zeigen, legen Sie den Finger auf das App-Icon, bis das Kontextmenü aufklappt. Wählen Sie dort – falls die Option besteht – „Download anhalten“. Tippen Sie anschließend das App-Icon an.
Das setzt das Herunterladen unter Umständen wieder in Gang. Kommen Sie damit ebenfalls nicht weiter, merken Sie sich zuerst, um welche App es sich handelt. Unter Umständen müssen Sie dafür das Icon identifizieren, weil sich der App-Name in diesem Zustand ja nicht ablesen lässt.
Halten Sie das App-Icon dann erneut gedrückt und wählen Sie im Kontextmenü nun „Download abbrechen“.
Über das Kontextmenü brechen Sie einen steckengebliebenen App-Download kurzerhand ab.
Das Icon sollte dadurch vom Homescreen verschwinden. Sie müssen die App anschließend komplett neu installieren. Die zugehörigen Daten liegen dabei im Idealfall als Teil der iCloud-Wiederherstellung bereits auf Ihrem Gerät vor.
Wir konnten diesen spezifischen Fehler jüngst auch beobachten, allerdings nur bei Apps, die aus alternativen App-Marktplätzen geladen waren, darunter AltStore PAL und Setapp.
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Bewegung soll Spaß machen, ob zu Hause, im Fitnessstudio oder draußen. Apps für die Apple Watch helfen beim Einstieg. Sechs Empfehlungen.
Apples Smartwatch ist schon ab Werk ein vollwertiger Fitness-Tracker. Mithilfe verschiedener Apps wird es aber noch besser. Hier unsere besten Tipps.
1 Vom Sofa in die Laufschuhe gleiten
Egal, ob das Ziel die fünf Kilometer sind, der Wunsch nach einer besseren Figur oder der Versuch, durch Bewegung den Stress zu reduzieren: 5K Runner: couch potato to 5K richtet sich gezielt an absolute Laufanfänger und Sportmuffel, die den Einstieg ins Joggen wagen möchten, selbst wenn sie aktuell keine Minute am Stück durchhalten können. Die englischsprachige App hilft allen, die eine strukturierte Anleitung benötigen und sich schrittweise an ihr Ziel herantasten möchten.
5K Runner visualisiert mit einem Zeitstrahl, was man schon erreicht hat.
Das Herzstück der nur teilweise eingedeutschten App ist ein Trainingsplan, der typischerweise über mehrere Wochen angelegt ist. Die Einheiten beginnen mit kurzen Intervallen, bei denen sich Laufen und Gehen abwechseln. Nach und nach gewinnt die Laufstrecke an Distanz. Zum Start orientiert sie sich am Alter und Gewicht des Nutzers sowie der Häufigkeit, mit der er in der Vergangenheit gejoggt ist – hier ist Ehrlichkeit gefragt.
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Allein im ersten Quartal 2026 gingen 2.656 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung ein – fast so viele wie im gesamten Jahr 2024.
Junge Männer in Deutschland halten nicht viel davon, kriegstüchtig zu werden. Das zeigt die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung, die seit der Reform des Wehrdienstgesetzes in die Höhe geschnellt ist.
Allein im ersten Quartal stellten 2.656 Menschen einen entsprechenden Antrag beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA).
Hält der Trend an, steuert die Zahl 2026 auf den höchsten Stand seit Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 zu. Die Dynamik ist eindeutig: Bereits im Oktober 2025 schnellten die Zahlen nach oben, auf fast 1.500 Anträge [3]. Im Monat zuvor waren es knapp 650. Der sprunghafte Anstieg dürfte wohl mit dem Ende der politischen Debatte zu dem Thema zusammenhängen.
Verpflichtende Musterung als Katalysator
Der Hintergrund des Anstiegs liegt auf der Hand. Kern des neuen Gesetzes ist die verpflichtende Musterung für alle jungen Männer ab dem Jahrgang 2008.
Seit Jahresbeginn erhalten alle 18-Jährigen einen Fragebogen des Verteidigungsministeriums, in dem Angaben zu Gesundheit, Bildung und Dienstbereitschaft abgefragt werden. Wer ihn nicht ausfüllt, dem drohen Bußgelder.
Ab Juli 2027 sollen flächendeckende Musterungen folgen – unabhängig davon, ob Interesse am Dienst bekundet wurde oder nicht.
Viele junge Männer reagieren auf die neue Erfassungslage offenbar vorsorglich. Wer seinen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung nach Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes frühzeitig stellt und anerkannt bekommt, ist im Spannungs- oder Verteidigungsfall rechtlich abgesichert und kann nicht zum Dienst an der Waffe verpflichtet werden.
Allerdings wäre dann ziviler Ersatzdienst zu leisten. Das BAFzA verlangt [4] eine individuelle, persönliche Begründung aus Gewissensgründen – Textbausteine oder KI-generierte Schreiben werden nicht akzeptiert .
Pistorius' Massenarmee und die Gegenbewegung
Die steigenden Verweigerungszahlen treffen auf ambitionierte Ausbaupläne. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) stellte kürzlich die erste Militärstrategie der Bundeswehr vor und hält am Ziel von mindestens 260.000 aktiven Soldaten fest.
Zusammen mit der Reserve soll die Truppe auf 460.000 Männer und Frauen anwachsen.
Die Proteste richteten sich gegen die als Zwang empfundene Erfassung und die Perspektive einer möglichen Bedarfswehrpflicht, über die der Bundestag entscheiden kann, wenn die Freiwilligenzahlen hinter den Zielkorridoren zurückbleiben.
Gegenläufiger Trend bei Widerrufen
Interessant ist allerdings auch eine gegenläufige Entwicklung: Parallel zum Anstieg der Verweigerungen widerrufen auch Menschen ihre bereits erfolgte Kriegsdienstverweigerung.
Im Jahr 2025 taten das 781 Personen, im ersten Quartal 2026 bereits 233. Ob dahinter ein gewandeltes Sicherheitsbewusstsein steht, das mit einer vermeintlichen Bedrohung durch Russland einhergeht, oder andere Motive, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen.
Für Männer zwischen 17 und 45 Jahren hat das neue Gesetz auch praktische Konsequenzen jenseits der Musterung. Seit Januar 2026 sieht das Gesetz vor, dass sie Auslandsaufenthalte von mehr als drei Monaten [7] beim zuständigen Karrierecenter der Bundeswehr genehmigen lassen müssen. Das Bundesverteidigungsministerium hat jedoch im April 2026 eine Ausnahmeregelung in Kraft gesetzt, wonach Anträge derzeit nicht gestellt werden müssen.
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Echtes Geld, echte Waren und null menschliches Eingreifen: Anthropics Experiment zeigt, wie geschickt KI-Agenten bereits verhandeln können.
Künstlicher Intelligenz werden mannigfaltige Fähigkeiten zugesprochen. Wer in den Weiten des Internets unterwegs ist, dem wird bestimmt die eine oder andere Anzeige aufgefallen sein, die verspricht, mit KI-Bots an der Börse handeln zu lassen, würde höhere Renditen ermöglichen.
Und die Versprechen klingen gut: KI könne das Marktgeschehen in Echtzeit analysieren, Muster erkennen und Entscheidungen treffen, ohne dass Emotionen im Wege stehen.
Soweit klingen die Versprechen interessant – aber kann KI-gesteuerter Handel halten, was in den Anzeigen suggeriert wird?
Dieser Frage ist das Unternehmen Anthropic nachgegangen, zwar nicht an der Börse, dafür über Kleinanzeigen, mit echtem Geld und realen Gegenständen. Getestet werden sollte, ob KI-Agenten eigenständig Kaufentscheidungen treffen, Preise verhandeln und Deals abschließen können.
In einem einwöchigen Pilotversuch im Dezember 2025 ließ das Unternehmen seine Claude-Modelle einen Kleinanzeigen-Marktplatz betreiben, auf dem 69 Mitarbeiter durch KI-Agenten vertreten wurden. Wie Anthropic in seinem Blog [1] mitteilte, kamen dabei 186 Transaktionen im Gesamtwert von über 4.000 US-Dollar zustande.
Jeder Teilnehmer erhielt ein Budget von 100 Dollar, ausgezahlt per Geschenkgutschein. Die KI-Agenten übernahmen anschließend den kompletten Handelsprozess: Sie erstellten Angebote in Slack-Kanälen, verhandelten Preise und schlossen Geschäfte ab – ohne menschliches Eingreifen.
Gehandelt wurde mit echten Gegenständen, darunter ein Klappfahrrad, ein im Labor gezüchteter Rubin, Ping-Pong-Bälle und Halloween-Dekoration. Nach dem Experiment tauschten die Mitarbeiter die Waren bei einem physischen Treffen tatsächlich aus.
Vier parallele Marktplätze im Vergleich
Anthropic betrieb im Rahmen von Project Deal vier parallele Marktplätze mit unterschiedlichen Modellkonfigurationen. Nur einer davon war „real“ – dort wurden alle Teilnehmer durch das leistungsstärkste Modell Claude Opus 4.5 vertreten, und die Deals wurden nach dem Experiment tatsächlich eingelöst.
Von den drei weiteren Marktplätzen, die der Untersuchung dienten, liefen zwei mit einer zufälligen 50/50-Mischung aus Opus 4.5 und dem kleineren Haiku 4.5 – ein dritter hingegen ebenfalls vollständig mit Opus 4.5. Die Teilnehmer wussten bis zum Ende nicht [2], welcher Marktplatz der echte war.
Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Nutzer, die vom leistungsfähigeren Opus-Modell vertreten wurden, schlossen im Schnitt 2,07 mehr Deals ab. Beim Verkauf desselben Gegenstands erzielte Opus durchschnittlich 3,64 Dollar mehr als Haiku.
Ein besonders markantes Beispiel: Dasselbe Klappfahrrad brachte mit Opus-Agent 65 Dollar ein, mit Haiku nur 38 Dollar. Der im Labor gezüchtete Rubin wechselte per Opus für 65 Dollar den Besitzer – Haiku handelte denselben Stein für 35 Dollar aus [3].
Unsichtbare Qualitätslücke als Warnsignal
Besonders brisant: Die Teilnehmer mit dem schwächeren Haiku-Modell bemerkten ihren Nachteil nicht. Auf einer Fairness-Skala von 1 bis 7 bewerteten Haiku-Nutzer ihre Erfahrung mit 4,06 praktisch identisch zu den 4,05 der Opus-Nutzer.
Anthropic spricht in diesem Zusammenhang von „Agenten-Qualitätslücken“, bei denen „die Verlierer möglicherweise nicht erkennen, dass sie schlechter dastehen“.
Fehlende Vergleichsmöglichkeiten und kein Echtzeit-Einblick in die Verhandlungen dürften dazu beitragen, dass sich dieses Ungleichgewicht der Wahrnehmung entzieht.
Ein weiteres überraschendes Ergebnis: Die anfänglichen Instruktionen der Nutzer an ihre Agenten – etwa ein aggressiverer Verhandlungsstil – hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Verkaufswahrscheinlichkeit oder die erzielten Preise. Lediglich höher angesetzte Ausgangspreise schlugen sich in höheren Endpreisen nieder, wie Anthropic in seiner Analyse darlegt.
Regulierungsfragen und Ausblick
Das Experiment reiht sich in Anthropics breitere Forschungsagenda ein – zuvor hatte das Unternehmen mit „Project Vend“ bereits Claude als eigenständigen Geschäftsbetreiber getestet.
Die Ergebnisse werfen allerdings grundlegende Fragen auf: Wenn fortschrittlichere KI-Modelle systematisch bessere wirtschaftliche Ergebnisse erzielen und die Benachteiligten dies nicht einmal bemerken, droht eine neue Form digitaler Ungleichheit. Wer sich das leistungsfähigere Modell leisten kann, handelt besser – unsichtbar für alle anderen.
Wie TechCrunch berichtet [4], räumte Anthropic selbst ein, dass Risiken wie adversariale Angriffe, Prompt Injection und fehlende regulatorische Rahmenbedingungen für agentischen Handel noch ungelöst seien.
Im Kontext des EU AI Act, der wirtschaftlich relevante KI-Systeme als Hochrisiko einstuft, und der DSGVO, die Transparenz bei der Verarbeitung persönlicher Präferenzen verlangt, dürfte autonomer KI-Handel auch europäische Regulierer beschäftigen.
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Polen hat 2025 seine Militärausgaben um 23 Prozent erhöht und führt damit die Nato an. Doch das Defizit explodiert. Jetzt sucht Warschau Hilfe in Brüssel.
Polen gibt mehr für Verteidigung aus als jedes andere Nato-Mitglied gemessen am Anteil am Bruttoinlandsprodukt. Angesichts eines aufgeblähten Haushaltsdefizits sucht Finanzminister Andrzej Domanski nun gemeinsam mit den baltischen Staaten nach zusätzlichen europäischen Finanzierungsinstrumenten.
Die weltweiten Militärausgaben sind 2025 um 2,9 Prozent auf einen Rekordwert von 2,887 Billionen US-Dollar gestiegen. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht des Stockholmer Sicherheits-Thinktanks Sipri hervor. Den stärksten Zuwachs verzeichnete Europa, wo die Ausgaben um 14 Prozent auf 864 Milliarden US-Dollar kletterten – laut Sipri der schnellste Anstieg seit dem Ende des Kalten Krieges.
Polen stach dabei besonders hervor [1]: Das Land steigerte seine Militärausgaben um 23 Prozent auf 46,8 Milliarden US-Dollar, was 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht – dem höchsten Wert innerhalb der Natoim Jahr 2025. Für 2026 plant Warschau, diesen Anteil auf 4,8 Prozent des BIP zu erhöhen. Polen belegt damit weltweit Rang 14 bei den Militärausgaben gemessen am BIP-Anteil.
Koalition für neue Finanzierungsquellen
Der steigende Rüstungsetat bringt Polen jedoch in eine schwierige Haushaltslage. Das Haushaltsdefizit des Landes ist 2024 auf 7,3 Prozent der Wirtschaftsleistung angewachsen – mehr als doppelt so hoch wie die EU-Richtlinie von 3 Prozent. Finanzminister Andrzej Domanski erklärte gegenüber Bloomberg, dass Verteidigungsausgaben trotz des hohen Defizits oberste Priorität der Regierung bleiben.
Um den Haushalt nicht weiter zu belasten, sucht Domanski aktiv nach zusätzlichen Finanzierungsquellen auf europäischer Ebene. Am Freitag einigten sich Domanski und seine Amtskollegen aus den drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland in Vilnius auf eine engere Zusammenarbeit bei der Verteidigungsfinanzierung.
"Wir bauen eine große, breite Koalition auf, weil wir frisches Geld und neue Ressourcen brauchen", sagte [2] Domanski am Rande einer Konferenz in der litauischen Hauptstadt. "Unsere Verteidigungsausgaben sind enorm. Deshalb brauchen wir mehr europäische Solidarität und neue Instrumente."
Konkret plant die Koalition, gemeinsam bei der EU für mehr Unterstützung zu werben und zinsgünstige Kredite auch außerhalb des Blocks zu erschließen. Polen ist bereits der größte Nutznießer des EU-Kreditprogramms "Security Action for Europe" (SAFE), das ein Volumen von 150 Milliarden Euro (rund 176 Milliarden US-Dollar) umfasst und Kredite für Rüstungskäufe bereitstellt.
Domanski bezeichnete SAFE als "einen Schritt in die richtige Richtung", betonte jedoch, dass die Sicherheitslage seines Landes zusätzliche Instrumente erfordere. Laut einem Bericht der Financial Times befindet sich Domanski zudem in Gesprächen über eine gemeinsame Finanzierungs- und Beschaffungsinitiative der Niederlande, Großbritanniens und Finnlands, den sogenannten Multilateral Defense Mechanism.
Polens Ministerpräsident Donald Tusk erklärte am Freitag, dass die EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel bereit seien, Buchführungsstandards so anzupassen, dass Verteidigungsausgaben einschließlich der SAFE-Mittel das Haushaltsdefizit nicht zusätzlich erhöhen würden.
Haushaltsdruck und Wachstumshoffnung
Die Haushaltslage Polens bleibt angespannt. Die Schuldendienstkosten des Landes dürften laut dem jüngsten Schuldenmanagementbericht des Finanzministeriums von 2,2 Prozent des BIP in diesem Jahr auf bis zu 2,7 Prozent im Jahr 2029 steigen.
Die Rendite polnischer zehnjähriger Staatsanleihen ist 2026 bereits um 40 Basispunkte gestiegen. Hinzu kommt, dass mit Blick auf die im nächsten Jahr anstehende Parlamentswahl einige Investoren befürchten, die Regierung könnte die Ausgaben zur Wählergewinnung ausweiten statt das Defizit zu senken.
Domanski räumte ein: "Natürlich können wir kein Defizit von 7 Prozent aufrechterhalten." Die Regierung unternehme Schritte, um die Lücke zu schließen, ohne jedoch Details zu nennen. Gleichzeitig verwies er auf das robuste Wirtschaftswachstum: Gespräche mit Investoren hätten gezeigt, dass "alle auf unser Wirtschaftswachstum schauen", das in diesem Jahr 3,5 bis 3,7 Prozent betragen soll.
"Wir müssen alles tun, um das Tempo zu halten", so der Minister. Neue Finanzierungsinstrumente seien auch deshalb wichtig, weil sie die Finanzierungskosten des Landes senkten: "Deshalb wollen wir eine Koalition aufbauen."
Europa rüstet auf – USA fahren Ausgaben zurück
Der Anstieg der europäischen Verteidigungsausgaben ist laut Sipri [3] vor allem auf den Krieg in der Ukraine und die Unsicherheit über die US-Sicherheitsgarantien für europäische Nato-Mitglieder zurückzuführen. Der Anstieg in Zentral- und Westeuropa war der schnellste seit dem Ende des Kommunismus, während die Ausgaben der europäischen Nato-Mitglieder insgesamt schneller stiegen als zu irgendeinem Zeitpunkt seit 1953.
Unter den weiteren europäischen Ländern verzeichnete Belgien den größten prozentualen Zuwachs mit einem Anstieg von 59 Prozent auf 14,5 Milliarden US-Dollar. Spanien steigerte seine Ausgaben um 50 Prozent auf 40,2 Milliarden US-Dollar und überschritt damit erstmals seit 1994 die Marke von 2 Prozent des BIP. Deutschland erhöhte seine Militärausgaben um 24 Prozent auf 114 Milliarden US-Dollar und ist damit zum viertgrößten Militärausgeber weltweit aufgestiegen.
Russland steigerte seine Militärausgaben auf 190 Milliarden US-Dollar, was 7,5 Prozent des BIP entspricht. Die Ukraine gab 84,1 Milliarden US-Dollar aus, was 40 Prozent des BIP ausmacht. Sipri zufolge erreichten die Militärausgaben gemessen am BIP in beiden Ländern Rekordwerte.
Im Gegensatz zum europäischen Trend sanken die US-Militärausgaben um 7,5 Prozent, was Sipri vor allem darauf zurückführt, dass anders als in den Vorjahren keine neuen Militärhilfen für die Ukraine genehmigt wurden. Die USA blieben mit 954 Milliarden US-Dollar dennoch der weltgrößte Militärausgeber. Die 32 Nato-Mitglieder zusammen gaben 1,581 Billionen US-Dollar für ihre Streitkräfte aus, was 55 Prozent der weltweiten Militärausgaben entspricht.
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Mit einem einzigen Handyfoto zur fertigen Figur aus dem 3D-Drucker: Mehrere neue KI-Tools machen aufwändiges 3D-Modellieren für viele Projekte überflüssig.
Jeder Maker, der einen 3D-Drucker besitzt, kennt das Problem. Die Hardware ist längst bezahlbar, aber um eigene Objekte zu drucken, muss man bisher 3D-Modellierung beherrschen. Programme wie Blender, Fusion 360 oder FreeCAD haben steile Lernkurven, verlangen räumliches Denken in Polygonen und Vertices, und selbst nach wochenlanger Einarbeitung gelingen Anfängern selten druckbare Ergebnisse. Deshalb drucken viele Maker nur heruntergeladene Modelle von Thingiverse oder Printables, statt eigene Ideen umzusetzen. Diese Hürde fällt gerade weg. Mehrere KI-Werkzeuge erzeugen inzwischen aus einem einzelnen Foto oder eine, kurzen Prompt dreidimensionale Meshes, die sich direkt als STL oder OBJ exportieren und auf den Drucker schicken lassen.
Konkret sieht das so aus: Man nimmt ein beliebiges Foto, etwa von der eigenen Hauskatze, lädt das Bild in Tripo oder Hunyuan3D Studio hoch und bekommt Sekunden später ein texturiertes 3D-Modell mit Rückseite, Unterseite und allem, was die Kamera nie gesehen hat. Die KI ergänzt die fehlenden Perspektiven plausibel.
Rasante Entwicklung seit 2024
Der erste nutzbare Durchbruch in diesem Bereich kam im März 2024, als TripoSR präsentiert wurde [1]. Ein Jahr später, im März 2025, haben wir das Tool Rodin von Hyper3D getestet [2] (hyper3d.ai). Seitdem hat sich das Feld in rasantem Tempo weiterentwickelt. Die Qualität, Geschwindigkeit und Zugänglichkeit dieser Werkzeuge haben sich drastisch verbessert. Inzwischen gibt es ein ganzes Ökosystem an Diensten, die um Nutzer konkurrieren.
Einer der sichtbarsten Player ist Tripo [3], entwickelt vom chinesischen KI-Startup VAST. Auf der GDC (Game Developers Conference) im März 2026 in San Francisco wurde ein Modell vorgestellt, das 3D-Objekte in rund zwei Sekunden erzeugt und ein Ergebnis mit weniger Artefakten liefert. Tripo bedient über 6,5 Millionen Nutzer und bietet ein Freemium-Modell mit begrenztem Kontingent.
Ein wachsendes Ökosystem
Daneben drängen weitere Dienste in den Markt. Meshy, [4] mittlerweile Version 6, richtet sich gezielt an den 3D-Druck, PrintPal [5] hat in seinem ersten Jahr 200.000 Nutzer gewonnen, Hyper3D [6] bietet mit Rodin Gen-2 die Möglichkeit, generierte Modelle gezielt per Textbefehl nachzubearbeiten, und Hitem3D [7] punktet mit einem eigenen Portrait-Modus für personalisierte Büsten und Figuren.
Auf der Open-Source-Seite sticht Tencents Hunyuan3D [8] heraus. Es ist das derzeit leistungsfähigste frei verfügbare Modell und läuft lokal auf dem eigenen Rechner ab einer Grafikkarte mit 12 GB Speicher. Allerdings setzt die Nutzung eine Python-Installation voraus, und Tencents Online-Studio ist nur auf Chinesisch und mit chinesischem Login zugänglich.
Außer PrintPal und Meshy sind alle hier erwähnten Dienstleister chinesische Unternehmen.
Begrenzung bei funktionalen Bauteilen
Für Maker bleiben allerdings wichtige Einschränkungen. Die generierten Meshes bestehen aus Hunderttausenden Dreiecken ohne saubere Topologie. Für dekorative Figuren, Spielzeug und einfache Ersatzteile funktioniert der Weg vom Foto zum Drucker deshalb schon erstaunlich gut. Aber die Modelle entstehen als Oberflächennetze ohne parametrische Konstruktionslogik — eine Wand ist nicht „2 mm dick“, sondern besteht aus Dreiecken, die nur ungefähr 2 mm Abstand haben.
Zwar lassen sich in Tools wie Meshy reale Maße setzen und die Druckbarkeit direkt prüfen, und bei Hitem3D ist die Optimierung für den Druck von Anfang an eingebaut, aber für wirklich funktionale Bauteile, die exakt auf bestehende Teile passen oder mechanische Belastungen aushalten müssen, bleibt klassische Konstruktionssoftware unverzichtbar.
Für einfachere Bauteile gibt es einen anderen Weg über PrintMakerAI [9]. Hier werden aus einem Prompt keine Meshes, sondern echte parametrische CAD-Körper mit exakten Maßen und garantiert wasserdichter Geometrie erzeugt — allerdings beschränkt auf einfache funktionale Teile wie Halterungen, Gehäuse oder Aufbewahrungsboxen.
(Bild: Printmaker.ai)
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Die Entwickler haben den DNS-basierten Werbeblocker Pi-hole aktualisiert. Das Update stopft hochriskante Sicherheitslecks.
Die Programmierer des DNS-basierten Werbeblockers Pi-hole haben am Wochenende aktualisierte Pakete veröffentlicht. Sie schließen zwei Sicherheitslücken, die als hochriskant gelten.
Die Updates gelten den Komponenten Pi-hole Core und FTL (Faster-Than-Light, der DNS-Server von Pi-hole). Eine Lücke betrifft beide Komponenten [1] und ermöglicht Angreifern, ihre Rechte auf verwundbaren Systemen auszuweiten. Die Programmierer erklären, dass der Pi-hole-User Schreibzugriff auf die zentrale Konfigurationsdatei „/etc/pihole/pihole.toml“ hat. Zwei Shell-Skripte lesen den Pfad zur „files-pid“-Datei und nutzen ihn ohne weitere Prüfungen für Installation und Löschen – und laufen dabei als root („pihole-FTL-prestart.sh“ und „pihole-FTL-poststop.sh“). Angreifer mit Pi-hole-Rechten können dadurch Dateien mit root-Rechten löschen und anlegen, und das sogar außerhalb des geschützten Verzeichnisses. Ein Beispiel nennt das Advisory, das lokale root-Rechte durch Manipulation der Authorized-Keys-Datei für SSH erreicht (CVE-2026-41489, CVSS 8.8, Risiko „hoch“).
Eine unzureichende Filterung im „dns.interface“-Konfigurationsfeld in Pi-hole FTL führt dazu, dass Zeilenumbruch-Zeichen akzeptiert werden. Angreifer können beliebige Direktiven in die dnsmasq-Konfiguration schmuggeln. Die weitverbreitete Konfiguration ohne Admin-Passwort erlaubt den API-Zugriff ohne Zugangsdaten. Bösartige Akteure können eine „dhcp-script=“-Direktive einschmuggeln und DHCP aktivieren. Sofern ein Gerät im Netzwerk ein DHCP-Lease anfragt, können dadurch beliebige Befehle ausgeführt werden (CVE-2026-39849 [2], CVSS 8.7, Risiko „hoch“).
Verwundbare Software
Verwundbar sind Pi-hole Core und Pi-hole FTL ab Version 6.0. Die Updates auf die neuen Fassungen Pi-hole Core 6.4.2 [3] sowie Pi-hole FTL 6.6.1 [4] oder neuer korrigieren die sicherheitsrelevanten Fehler. Auf dem Raspberry Pi, auf dem die Software standardmäßig läuft, führt der Befehl sudo pihole -up dazu, dass der Werbeblocker sich aktualisiert.
Gesundheitsdaten der UK Biobank wurden online angeboten. Der Zugriff ist inzwischen gestoppt. Weitere Sicherheitsmaßnahmen sind geplant.
Nach Berichten über zum Verkauf angebotene Datensätze der UK Biobank auf Alibaba hat die britische Regierung eingegriffen und eine Untersuchung eingeleitet. Die oberste Datenschützerin des Landes fordert eine umfassende Aufklärung. Die UK Biobank gilt als eines der weltweit wichtigsten Projekte für biomedizinische Forschung. Freiwillige stellen dort seit vielen Jahren Gesundheits- und Genomdaten zur Verfügung, die Forschern weltweit zugänglich gemacht werden.
Wie Ian Murray, Minister of State [1], erklärte, hatte die UK Biobank die Regierung bereits am 20. April darüber informiert, dass mehrere Angebote auf Alibaba-Plattformen entdeckt worden waren. „Die Biobank teilte uns mit, dass drei Angebote identifiziert worden seien, die offenbar Daten von Teilnehmern der UK Biobank zum Verkauf anbieten. Mindestens einer dieser drei Datensätze scheint Daten von allen 500.000 Freiwilligen der UK Biobank zu enthalten“, heißt es von Murray. Weitere Angebote beträfen die „Unterstützung bei der Beantragung eines rechtmäßigen Zugangs zur UK Biobank oder analytische Unterstützung für Forscher, die bereits Zugang zu den Daten haben“. Nach einem Gespräch mit dem Anbieter der Daten geht die Regierung nicht davon aus, dass es zu Verkäufen gekommen sei.
Zugänge gesperrt und Datenzugriff vorerst gestoppt
Nach Bekanntwerden des Vorfalls wurden mehrere Sofortmaßnahmen eingeleitet. Gemeinsam mit der UK Biobank, den Plattformbetreibern und chinesischen Behörden seien die Angebote zügig entfernt worden. Zugleich wurde den Forschungseinrichtungen, die als mögliche Quelle der Daten identifiziert wurden, entzogen.
Darüber hinaus wurde der Zugriff auf die UK Biobank vorübergehend pausiert. Downloads sind derzeit gestoppt, bis technische Maßnahmen implementiert sind, die ein unkontrolliertes Herunterladen künftig verhindern sollen. Die Organisation hat sich zudem selbst bei der britischen Datenschutzaufsicht (ICO) gemeldet.
Datenschützerin fordert Transparenz
Die National Data Guardian [2], Nicola Byrne, reagierte mit deutlicher Kritik. Es sei „zutiefst besorgniserregend“, dass Gesundheitsdaten, die Menschen im Vertrauen auf sichere Nutzung bereitgestellt hätten, offenbar online zum Verkauf standen. Nun müsse vollständig aufgeklärt werden, wie es dazu kommen konnte und welche Konsequenzen gezogen werden.
Teilnehmende hätten ein Recht auf klare Informationen darüber, was passiert ist und wie ähnliche Vorfälle künftig verhindert werden sollen. Nur durch Transparenz und konsequentes Handeln lasse sich das Vertrauen in datengetriebene Gesundheitsforschung aufrechterhalten.
Vertrauensfrage für internationale Gesundheitsforschung
Die Regierung bezeichnete den Vorfall als „inakzeptablen Missbrauch“ der Daten und des Vertrauens der Teilnehmenden. Gleichzeitig kündigte sie neue Leitlinien für den Umgang mit Forschungsdaten an. Noch ist unklar, wie die Datensätze konkret in die Hände der Anbieter gelangt sind. Eine umfassende Untersuchung läuft. Die Regierung betont, dass die angebotenen Daten keine Informationen wie Namen, Adressen oder Kontaktdaten enthalten hätten. Zudem gebe es derzeit keine Hinweise darauf, dass die Datensätze tatsächlich verkauft wurden.
Auch die UK Biobank selbst kündigt an, die Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen. Außerdem hofft sie, die Patientinnen und Patienten durch die bereits eingeleiteten Maßnahmen zu beruhigen: „Ihre personenbezogenen Daten bei der UK Biobank sind sicher und geschützt“, heißt es in einer Nachricht des Chefs der Biobank, Professor Sir Rory Collins, an die Patienten [3]. Je nach Art der Gesundheitsdaten ist das nach Sicht von Experten jedoch nicht ganz einfach.
In Deutschland ist der Zugang zu solchen Daten bislang deutlich restriktiver geregelt. Forschungsdaten werden typischerweise in kontrollierten Umgebungen wie sogenannten Datenintegrationszentren bereitgestellt, häufig ohne die Möglichkeit, Rohdaten einfach herunterzuladen.
Gleichzeitig gibt es jedoch vor allem aus der Industrie [4], etwa von Bayer, zunehmende Kritik an der Komplexität und Strenge dieser Verfahren. Nutzer aus der Industrie bemängeln beispielsweise beim Forschungsdatenportal Gesundheit, dass der Zugang zu Daten teils schwer nachvollziehbar, fragmentiert und wenig nutzerfreundlich sei.
Das Telekom-Sicherheitsteam hat die Sicherheitslücke „Pack2TheRoot“ entdeckt, die Rechteausweitung in mehreren Distributionen ermöglicht.
„Pack2TheRoot“: So nennt das Telekom-Security-Team eine kürzlich entdeckte Sicherheitslücke in PackageKit, die Angreifern das Ausweiten ihrer Rechte im System ermöglicht. Betroffen sind mehrere Linux-Distributionen in ihrer Standardkonfiguration.
Das meldet die Telekom auf ihren Sicherheitsseiten [1]. PackageKit [2] ist ein Abstraktions-Layer für D-Bus zum eigentlich sicheren Verwalten von Paketen für beliebige Distributionen und Architekturen. Die Schwachstelle ermöglicht Angreifern mit geringen Rechten im System, Systempakete zu installieren oder zu entfernen – ohne dazu befugt zu sein. Dadurch können bösartige Akteure unter anderem root-Rechte erlangen oder das System auf andere Weise kompromittieren.
Die Sicherheitslücke beruht auf einem Time-of-Check-Time-of-Use-Fehler (TOCTOU), einer Race Condition für Transaktions-Flags, genauer den transaction->cached_transaction_flags. Drei Fehler im Code führen dazu, dass die Flags überschreibbar sind, und zwar zwischen dem Zeitpunkt der Autorisierung und der Ausführung (CVE-2026-41651 [3], CVSS 8.8, Risiko „high“). Das Risiko ist somit nur ganz knapp nicht als kritisch einzusortieren.
Korrigierte Software
Betroffen ist PackageKit demnach in den Versionen 1.0.2 bis 1.3.4. Mit Stand 1.3.5 oder neuer haben die Entwickler die Sicherheitslücken gestopft. Die Softwareverwaltung insbesondere der größeren Distributionen hält seit dem 22. April 2026 aktualisierte Pakete bereit, die IT-Verantwortliche zeitnah anwenden sollten. Die Telekom deutet einen Proof-of-Concept an, veröffentlicht ihn zur Sicherheit aber (noch) nicht.
Die Telekom-IT-Forscher haben mit Unterstützung von Anthropics Claude Opus die Schwachstelle aufgespürt. Das ist ein weiterer Hinweis, dass Schwachstellensuche mit KI inzwischen ordentliche Ergebnisse liefert. Viele Projekte stellen aber aufgrund der zahlreichen KI-Meldungen die Prämienzahlung für Fehlerberichte ein [4]. Auslöser für die Suche war ein ungewöhnliches Verhalten von „pkcon install“ auf einer Fedora-Workstation, das ein Systempaket ohne das Bereitstellen eines Passworts installieren konnte.
Betroffen sind mehrere Linux-Distributionen in ihrer Standardinstallation. Die Telekom listet Debian Desktop Trixie 13.4, Fedora 43 Desktop und Server, RockyLinux Desktop 10.1, Ubuntu Desktop 18.04 (EOL), 24.04.4 (LTS), 26.04 (LTS Beta) und schließlich Ubuntu Server 22.04 – 24.04 (LTS). Das sind zumindest die Distributionen, die die IT-Forscher explizit getestet haben. Es sei jedoch vernünftig anzunehmen, dass alle Distributionen verwundbar sind, die PackageKit ausliefern und es standardmäßig aktivieren.
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KI macht uns bald arbeitslos; Passwörter gehören regelmäßig gewechselt; Akkus sollte man nicht komplett entladen: Wir zeigen, was Quatsch und was wahr ist.
Das Smartphone in der Hand, die PV-Anlage auf dem Dach: IT und Technik begleiten heute jeden im Alltag. Als c’t-Leser sind Sie mit großer Wahrscheinlichkeit in Ihrem Freundes-, Familien- und Kollegenkreis als „IT-Versteher“ ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es mal klemmt – oder wenn eine kontroverse Frage aufkommt.
Computer- und verwandte Technik ist aber für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Ihr „Wissen“ extrapolieren viele aus anekdotischen persönlichen Erfahrungen und den Erzählungen anderer. Gemischt mit veralteten Tipps aus dem Internet und halluzinierten Ratschlägen von ChatGPT & Co. entstehen so moderne Technik-Mythen. Seit 2011 hat c’t es sich in loser Folge zur Aufgabe gemacht, solche IT-Mythen aufzuklären, zuletzt Anfang 2024 [1] [1].
In unserer neuen Artikelstrecke untersuchen wir gängige Behauptungen aus den Bereichen KI-Systeme, Energie, Forschung, Hardware und Security. Der vorliegende Artikel dreht sich um Behauptungen zu dem Thema dieser Tage: KI. Wir untersuchen unter anderem, ob KI wirklich exorbitant viel Energie und Wasser benötigt. Außerdem prüfen wir Mythen zu KI-generiertem Code und der Zukunft mit KI.
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Der Banana Pi BPI-SM10 soll vor allem für lokale KI -Projekte genutzt werden können und dabei möglichst wenig Strom benötigen.
Der BPI-SM10 ist modular aufgebaut.Bild:
Banana Pi
Der Hardwarehersteller Banana Pi hat ein neues Einplatinensystem vorgestellt. Der BPI-SM10 verwendet einen RISC-V-Chip und soll sich vor allem für das lokale Inferencing von KI-Modellen eignen. Dazu stehen zudem maximal 32 GByte LPDDR5-RAM zur Verfügung. Banana Pi will aber auch Modelle mit 8 und 16 GByte RAM verkaufen. Über zwei M.2-Verbindungen lassen sich weitere SSDs anschließen.
Der Computer wird auf einem Board mit den Abmessungen von 103 x 90,5 Millimetern verbaut. Durch den Kühlkörper und das erhöhte Controller-Board ist das System auch 35 mm hoch. Am Mainboard können 40 GPIO-Pins für weitere Adapter und Hats genutzt werden. Auch stehen insgesamt vier USB-A-Buchsen, Displayport, RJ45 (10 GBit Ethernet) und USB-C zur Verfügung. Die Stromversorgung erfolgt primär über einen Standard-Rundstecker.
RISC-V für KI?
Das RISC-V-System soll etwa ein 30-Milliarden-Parameter-Modell mit 10 Token pro Sekunde berechnen können. Das sind nicht unbedingt Bestwerte. Allerdings soll der Computer dabei nur etwa 18 bis 35 Watt Leistung benötigen. Es würde sich deshalb für diverse DIY-Projekte eignen.
Für Berechnungen stehen insgesamt 8 X100-Kerne zur Verfügung. Dazu kommen acht weitere A100-Cores für dedizierte KI-Anwendungen. Laut Benchmarks von Usern auf Reddit erreicht ein solcher Chip 339 Punkte im Single-Core-Benchmark von Geekbench 6. Er liegt damit in etwa auf dem Niveau eines Raspberry Pi 4 Model B (g+) , welches den proprietären BCM2711 mit ARM-Cores nutzt.
Bild 1/3: BPI-SM10 (Bild: Banana Pi)
Bild 2/3: BPI-SM10 (Bild: Banana Pi)
Bild 3/3: BPI-SM10 (Bild: Banana Pi)
Bisher hat Banana Pi noch keine Preise für den RISC-V-Computer veröffentlicht. Ein vergleichbares Modell ist das Radxa C200 Orin Developer Kit , welches 500 US-Dollar kostet, jedoch mit einem Nvidia-Jetson-Chip auf dem identischen Mainboard ausgestattet ist.
Vom Big Player in Sachen digitaler Souveränität wandelt sich die Telekom zum Konzern, der das Trump-Amerika verherrlicht und europäische Beschlüsse infrage stellt.
Timotheus Höttges bei der Hannover Messe im April 2026Bild:
Ronny Hartmann / AFP via Getty Images)
Ein Gerücht macht die Runde: Die Deutsche Telekom soll mit ihrer US-Schwester fusionieren und einen neuen Konzern "im Ausland" bilden, frei von deutschen Problemen, Beschränkungen und Werten – vermutlich aber dann auch frei von digitaler Souveränität. Und das geschieht gerade bei einer Firma, die eben erst mit dem Auftrag versehen wurde, eine Bürger-App für uns alle zu entwickeln?
Man muss gar nicht tief abtauchen in die Vergangenheit von Timotheus Höttges, dem CEO der Deutschen Telekom, um von ihm geleitete Schwenks in der Firmenpolitik zu finden. So wurde etwa dieser Schritt im Sommer 2025 hart kritisiert: "Nicht nur dem Namen nach, sondern auch inhaltlich" ("Not just in name, but in substance)" werde man bei T-Mobile, der amerikanischen (großen) Schwester der Deutschen Telekom, ab sofort alle Programme zum Schutz von Queerem und Diversity (DEI) einstellen, es gebe keine dedizierten Rollen mehr dafür, keine Referenzen, keine Webseiten, auch die Trainingsmaterialien würden angepasst. Von "Pink Magenta" und stolzer queerer Vielfalt der Jahre davor kein Wort mehr.
Schluss mit Pink Magenta
Das kam überraschend, hatte Höttges doch über Jahre hinweg seinen Konzern als divers, inklusiv und vorbildlich gebrandet und sogar den Beyond Gender Award gewonnen . Doch heute ist alles anders: Wo andere Firmen harte Konsequenzen auf sich nahmen und queerfreundlich blieben, ergab sich T-Mobile dem Trump-Imperium, um anstehende FCC-Verhandlungen (Federal Communications Commission) nicht zu gefährden.
Wenn auf der einen Seite der Waage vier Milliarden US-Dollar schwere Mobilfunkverträge und Services liegen, sinkt das Gewicht von europäischen, westlichen oder queeren Werten offenbar schnell. Wie oft bei Konzernen versandeten offene Briefe und Aktionen gegen die DEI-Rücknahmen . Noch im Februar 2025 habe Höttges die Vorteile von Diversitätsprogrammen gepriesen, hieß es da, derlei sei aber mit jedem US-Posten leiser geworden – bis im Sommer die komplette Kehrtwende kam. Dabei ginge es auch anders: Apple, Deutsche Bank, Adidas und Lufthansa machen nicht mit, anders als SAP, VW und Aldi.
Als Mehrheitseigentümer an T-Mobile US hat Telekom-CEO Tim Höttges eine besondere Verantwortung und vielfältige Möglichkeiten zur Einflussnahme. In einem Interview von 2024 zeigte er sich als glühender Fan der USA, er bewundere die "Bereitschaft" im US-Markt, viel mehr für Mobilfunkverträge auszugeben als in Europa, und erklärte das mit dem fehlenden freien Markt hierzulande.
Der freie Markt in den USA sorgt also Höttges zufolge zu hohen Kosten für die Kunden. Das verwundert, denn sonst lauten wirtschaftsliberale Versprechen doch genau anders herum: Mehr freier Markt mache alles billiger.
Doch in einem hat der CEO nicht ganz unrecht: Aus Konzernsicht muss es wünschenswert sein, dass zukünftig Kunden in der ganzen Welt die in den USA üblichen 100 bis 200 US-Dollar pro Monat für Infrastrukturdienste von mobil bis Kabel bezahlen, obwohl sowohl Netzabdeckung, Geschwindigkeit und Service keinesfalls ein vergleichbares Niveau erreichen wie in Europa (für im Schnitt 20 bis 40 Euro).
Die Funklöcher in den USA sind bisweilen so groß wie das Land weit. Außerhalb der Metropolen, in ländlichen Regionen abseits der Touristenströme, bleibt Kunden oft kaum Auswahl außer teurer Satelliten oder Richtfunkstrecken, deshalb ist Starlink dort auch so populär. Wer einmal mit US-Hotlines kommunizieren musste, weil etwas nicht funktioniert, fühlt sich wie in Terry Gilliams Brazil oder bei David Lynch – die vielbeschworene "Servicewüste Deutschland" verliert nach solchen Erlebnissen viel an Schrecken.
Spenden für Trumps Ballroom
Auch im Februar 2026 machte US-Fan Höttges von sich reden: Nicht nur hatte T-Mobile großzügig für Donald Trumps 300-Millionen-Dollar-Ballroom gespendet, Höttges gab sich auch alle Mühe zu erklären, warum das absolut in Einklang mit den Idealen und Werten des Konzerns stehe . Wem es bis dato noch nicht klar ist: Höttges, der auf der Hauptversammlung der Aktionäre 2026 mit Legosteinen digitale Souveränität, Sicherheit und Cloud erklärte, ist ein Verkäufer.
Ein sehr guter, ohne Frage, aber eben auch niemand, der mehr als die Erträge seines Konzerns im Fokus hat. Er ist ein Opportunist, kein ideologisch oder gesellschaftlich interessierter Manager. "Wir sind digital souverän, weil überall Telekom-Mitarbeiter arbeiten" , sagt er sinngemäß . Ja dann.
Nur deshalb kann ein Höttges auch ignorieren, welchen Einfluss Überlegungen wie die derzeitigen rund um eine Übernahme der Deutschen Telekom durch die große Schwester T-Mobile US hätten. Zwar suchen Manager seiner Kategorie die großen Entscheidungen, die wegweisenden Schritte, die den betroffenen Konzern auf Jahre prägen.
Die Finanzplattform Financial Post nennt das "karriereprägende Deals" oder die "Herausforderung eines ganzen Lebens" . Fast schon im Personenkult enden manche Beifallsbekundungen :
"Auf der Jahreshauptversammlung des Unternehmens Anfang dieses Monats lobten einige Investoren Höttges dafür, dass er einen pragmatischen Mittelweg gefunden habe zwischen der Förderung internationaler Zusammenarbeit und dem Eintreten für europäische Souveränität, ohne dabei in Isolationismus zu verfallen – ein diplomatischer Schachzug, der sogar Fragen aufwarf, ob er eine Kandidatur für das Amt des deutschen Bundeskanzlers in Betracht ziehen würde."
Da bekommt jemand also Ovationen dafür, dass er öffentlich Souveränitätswashing betreibt. Angesichts der Gegensätze zwischen US-Gesetzen und EU-Richtlinien, angesichts der politisch in Minnesota, Grönland, Venezuela und Iran erkennbaren Verhaltensmuster wird gerade einer breiten Öffentlichkeit klar, dass eine klare Trennung zwischen US-Konzernen und europäischen Firmen die einzige Option für Unabhängigkeit, digitale Souveränität, Datenschutz und Sicherheit ist.
Zur Unzeit
Genau zu dieser Unzeit prescht Höttges vor und bringt internen Gerüchten zufolge eine Übernahme und Zusammenführung von T-Mobile US und der Telekom aufs Tapet . Eine Holding "im Ausland" solle die ungleichen Schwestern aufnehmen, von denen die kleinere die Mehrheit hält bei der deutlich wertvolleren.
Ein Börsengang in den USA und in Europa werde angestrebt, auch um den Branchenkonkurrenten in den USA etwas halbwegs gleich Großes entgegenzusetzen. Die Holding unterläge dann dem US Cloud Act sowie dem Patriot Act und wäre in etwa so unglaubwürdig wie die "souveränen" Angebote von SAP ("Delos"), Microsoft, Google oder Apple. Denn: All diese Konzerne müssten der NSA Einlass gewähren, wenn die es ersucht – ohne die betroffenen Kunden zu informieren, egal wo sie sitzen, wer das Rechenzentrum administriert oder wo es angesiedelt ist.
Es ist schwer zu glauben, dass ein CEO, der eben erst "digital souveräne" KI-Rechenzentren, "digital souveräne" Clouds und nicht zuletzt die offizielle Deutschland-App des Bundes lanciert, die rechtlichen Sachverhalte nicht erkannt haben soll. Viel wahrscheinlicher ist doch, dass der Verkäufer Höttges glaubt, das bekäme man schon hin.
"Too big to fail" ist ein vielgebrauchtes Meme bei Konzernen, doch nicht wenige davon sind schon darüber gestolpert. Der Verkäufer Höttges schwärmte aber noch auf der Hannover Messe vor wenigen Tagen: "Wo KI und Souveränität zusammenkommen, entsteht Fortschritt."
Auch im politischen Berlin, unter Abgeordneten, regt sich Kritik. Carolin Wagner, für die regierende SPD im Bundestag und Mitglied des Ausschusses für Digitales, ist skeptisch, was die Fusionspläne angeht: "Ich sehe das sehr kritisch! Die Deutsche Telekom ist nicht irgendein Unternehmen. Für unsere Kommunikationsnetze und damit für einen relevanten Bereich der kritischen Infrastruktur ist die Telekom der Nukleus. Mit Blick auf unserer digitale Souveränität dürfen nicht nur wirtschaftliche Abwägungen ins Auge gefasst werden – das wäre fatal!"
"Verantwortung darf nicht durch die Hintertür in die USA entgleisen!"
Es gehe hier nicht nur um nationale Sicherheitsinteressen, sondern auch um europäische. Eine mögliche Fusion könne der US-Regulierungs- und Sicherheitsdimension deutlich mehr Gewicht zuteilen, die strategische Ausrichtung des Unternehmens würde weiter in die USA verschoben werden: "Insbesondere in der aktuellen geopolitischen Lage dürfen wir bei zentraler digitaler Infrastruktur nicht an Gestaltungsmacht verlieren. Wer Netze in Deutschland betreibt und staatliche Infrastruktur mitverantwortet, dem muss seine strategische Verantwortung bewusst sein. Diese Verantwortung darf nicht durch die Hintertür in die Hände der USA entgleisen."
Die Digitalpolitikerin Anke Domscheit-Berg war bis Februar im Deutschen Bundestag tätig und saß ebenfalls im Digitalausschuss. Sie verweist vor allem auf die Gefahren, die jetzt mit der Vergabe der Deutschland-App (an die Telekom) für alle Bürger einhergehen.
Deren Entwicklung hat der Bund gerade erst als Auftrag an die Telekom gemeinsam mit SAP vergeben und "ganz sicher extra Rahmenverträge mit zwei großen deutschen Unternehmen dafür genutzt" . Auch wenn noch unklar ist, was die App genau können soll, liege doch nahe, dass es sich um eine Art One-Stop-Bürger-App für die Abwicklung von Verwaltungsdienstleistungen handeln wird.
Wenn CEO Höttges seine Pläne umsetzt, könnte sich der Bund damit einen Bärendienst erwiesen haben. "Eine solche App muss natürlich den Anforderungen digitaler Souveränität entsprechen, darf also auf gar keinen Fall irgendwelchen Einflüssen der US-Regierung unterliegen. Das wäre einerseits ein eklatantes Sicherheitsrisiko und andererseits würde es das Vertrauen der Nutzenden untergraben."
Keine große Überraschung bei Digitalexperten
Überraschend kommt der Schritt für Domscheit-Berg jedoch nicht: "Bei beiden Unternehmen konnte man schon vorher wissen, dass ihnen der US-Markt extrem wichtig ist und dass sie keine Hemmungen haben, für Marktvorteile jenseits des Atlantiks vorauseilend den Wünschen eines Donald Trump zu entsprechen, wie bei der Streichung von DEI-Initiativen."
Domscheit-Bergs Appell geht dementsprechend auch an die Regierung: "Wenn die Bundesregierung es ernst meint mit der Digitalen Souveränität, muss sie im Falle einer Fusion der Telekom mit ihrer US-Tochter T-Online alle Möglichkeiten nutzen, den Deutschland-App-Vertrag vorzeitig zu beenden und neu auszuschreiben – am besten mit einer Klausel, die eine Vergabe nur an rein europäische Unternehmen erlaubt."
Markus Feilner ist Berater für Open-Source-Strategien aus Regensburg. Seit dem Jahr 1994 arbeitet er mit Linux, seit 2000 mit eigener Firma, die sich auf die OSI Layer 8 bis 11 spezialisiert hat. Er war stellvertretender Chefredakteur des Linux-Magazins und der Heise iX sowie Team Lead Documentation bei Suse.
IMHO ist der Kommentar von Golem [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]
In einem Interview spricht Xbox -Chefin Asha Sharma offen über Fehler, langfristigen Druck von oben und Änderungen bei Preis und Strategie.
Asha Sharma, Chefin der Xbox-Sparte von MicrosoftBild:
Microsoft
Microsoft baut seine Gaming-Sparte offenbar grundlegend um. In einem Interview mit Gamefile erklären Xbox-Chefin Asha Sharma und Content-Chef Matt Booty, dass viele aktuelle Entscheidungen Teil eines langfristigen Plans seien.
Dieser gehe auf Vorgaben von Konzernchef Satya Nadella zurück und sei auf etwa zehn Jahre angelegt. Man treffe "sehr folgenschwere Entscheidungen" , die sich nicht kurzfristig bewerten ließen.
Gleichzeitig räumt Sharma Probleme ein. Spieler seien zuletzt unzufrieden gewesen, unter anderem wegen Preisen, fehlender Updates und einer uneinheitlichen Plattform. Man müsse "ehrlich sein, wo wir stehen" . Künftig solle Xbox wieder klarer erkennbar als Marke auftreten, nicht nur als abstrakter Teil eines übergeordneten Microsoft-Angebots.
Entscheidend sei künftig nicht mehr primär der Verkauf von Konsolen, sondern die Zahl aktiver Nutzer. Diese "Daily Active Players" gelten als wichtigste Kennzahl – das machte Sharma auch gegenüber der Belegschaft gerade deutlich .
Günstiger Game-Pass-Tarif vor dem Start?
Ihre Strategie stützt sich auf vier Bereiche: Hardware, Inhalte, Nutzererlebnis und Services. Gleichzeitig soll die aktuelle Konsolengeneration wieder eine "erstklassige Erfahrung" bieten, etwa durch stabilere Systeme und häufigere Updates.
Der Dienst Xbox Game Pass solle flexibler und günstiger werden. Neben den bereits gesenkten Preisen deutet sich laut Leak eine neue Einstiegsstufe an: Eine "Game Pass-Starter" -Variante soll über 50 Spiele, eingeschränktes Cloudgaming und Zusatzboni bieten.
Im Gamefile-Interview offen bleibt die Zukunft exklusiver Spiele – für viele langjährige Xbox-Fans ist das ein besonders heikler Punkt. Offenbar gibt es da noch Klärungsbedarf: Sharma erklärt, man wolle "die richtige Entscheidung treffen, nicht die schnellste" . Auch hier gehe es um langfristige Effekte im Rahmen der Zehnjahresstrategie.