Welcher Weihnachtsbaum eignet sich fürs Wohnzimmer? Was ist beim Einkauf und der Lagerung zu beachten? Warum Weihnachtsbäume teurer werden.
Die Nordmanntanne ist mit einem Marktanteil von etwa 80 Prozent die mit Abstand beliebteste Weihnachtsbaum, aber auch der teuerste: Ein Baum kostet in der Regel zwischen 23 bis 30 Euro pro Meter. Zudem benötigt er relativ viel Platz.
Nordmanntannen verströmen nicht den typischen Tannenbaum-Duft, denn ihr Harz-Gehalt ist gering. Dafür nadeln die Bäume kaum und bleiben etwa drei Wochen lange frisch. Beliebt ist auch die Edel- oder Nobilistanne mit ihren intensiv duftenden silbern-grünlichen Nadeln.
Fichten kommen häufig aus regionalem Anbau
Auf Platz Zwei liegt die Blaufichte mit ihren blaugrünen spitzen Nadeln. Sie verströmt ebenfalls einen angenehmen Duft. Blaufichten sollten erst kurz vor dem Fest geschlagen werden, da sie bereits nach acht bis zehn Tagen zu nadeln beginnen. Auch die gemeine Fichte – auch Rottanne oder Rotfichte genannt – beginnt nach wenigen Tagen zu nadeln, weshalb sie sich eher für den Garten eignet.
Der Vorteil von Fichten ist, dass sie meist preiswert und in der eigenen Region erhältlich sind. Für die Blaufichte liegt der Preis bei 15 bis 19 Euro, für Fichte bzw. Rottanne bei 12 bis 16 Euro pro Meter. Die Preisunterschiede erklären sich dadurch, dass Fichten viel schneller wachsen, als die Tannen. Im Baumarkt oder beim Discounter können sie billiger sein als beim Produzenten oder im Straßenverkauf [1].
Weihnachtsbäume stammen größtenteils von deutschen Plantagen
Der Anteil heimischer Weihnachtsbäume ist relativ hoch – noch. Jedes Jahr werden 23 bis 25 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Importiert wurden laut statistischem Bundesamt im letzten Jahr nur rund 1,8 Millionen. Der Großteil der hier verkauften Bäume wächst überwiegend auf Plantagen in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
Fast jeder dritte Baum wird in landwirtschaftlichen Betrieben gekauft. Alternativ kann man den Weihnachtsbaum selbst schlagen. Forstämter, Baumschulen und Bauernhöfe bieten das im Norden [2] an vielen Orten an, besonders in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.
Je kürzer der Transportweg, umso frischer der Baum
Ein Blick auf die Schnittfläche gibt Auskunft über den Schnittzeitpunkt: je heller, desto frischer. Bei Bäumen, die schon länger gelegen haben, wird die Schnittstelle grau. Ein weiterer Hinweis sind die Nadeln: Wenn sie bereits beim Kauf stechen, ist der Baum nicht mehr frisch. Besonders selbst geschlagene Bäume mit kurzem Transportweg behalten im Wohnzimmer deutlich länger ihre Nadeln. In einer warmen Wohnung jedoch trocknen Bäume prinzipiell schnell aus.
Nach dem Kauf sollte der Baum an einem kühlen, schattigen und windgeschützten Ort gelagert werden und bestenfalls in einem Eimer mit Wasser stehen. Ein bis zu zwei Meter hoher Baum benötigt bis zu zwei Liter Wasser am Tag. Um das Wasser besser aufzunehmen, sollte der Stamm frisch angeschnitten werden.
Wird der Baum in einem Netz gekauft, sollte er bis zum Aufstellen darin belassen werden, denn so behält er seine Frische. Wer keine Möglichkeit hat, den Baum bis Weihnachten draußen unterzubringen, sollte ihn erst spät kaufen. Generell sollte der Baum nicht zu nah an einer Heizung stehen.
Bäume aus pestizidfreiem Anbau schonen Gesundheit und Umwelt
Bäume, die auf Plantagen wachsen, werden in der Regel mit Mineraldüngern und synthetischen Pestiziden behandelt. Das betrifft rund 99 Prozent aller in Deutschland kultivierten Bäume [3]. Die Gifte belasten nicht nur Böden und Artenvielfalt, sondern auch die Gesundheit. Weniger als ein Prozent aller Weihnachtsbäume wachsen unter kontrolliert ökologischen Bedingungen heran.
Ökologisch zertifizierte Weihnachtsbäume erkennt an an dem EU-Biosiegel [4], dem Bioland-, Demeter- oder Naturland-Siegel. Auch Bäume mit Weihnachtsbäume mit FSC-Siegel [5]gelten als pestizidfreie Alternative.
Robin Wood veröffentlichte eine Liste mit Verkaufsstellen [6] bundesweiter Anbieter von Bäumen aus ökologischer Zucht. Für einen adäquaten Öko-Baum muss man allerdings noch tiefer in die Tasche greifen.
Warum ein Öko-Baum der Umwelt hilft
Im Ökoanbau überleben all die nützlichen Insekten, die bei Schädlingsbefall die Schädlinge als Gegenspieler vernichten können. Die Bäume werden mechanisch oder durch Schafbeweidung von Aufwuchs freigehalten. Die Ausscheidungen der Tiere sorgen für Naturdünger.
Bäume aus regionalem Anbau punkten mit geringem ökologischen Fußabdruck
In manchen Regionen ist es schwierig, einen zertifizierten Öko-Weihnachtsbaum zu finden. Auch kann der Weg mit dem Auto zum Händler, Forstamt oder Bauernhof unter Umständen mehr Kohlendioxid frei freisetzen, als im Baum gebunden ist. Einen Baum aus der eigenen Region zu kaufen – Fichten, Kiefern oder Weißtannen vom nächstgelegenen Forstamt oder Bauernhof – ist oft eine sinnvolle Alternative.
Oft wachsen die Bäume auf so genannten Sonderflächen unter Strom- oder auf Leitungstrassen, wo sie sowieso früher oder später gefällt werden müssen. Manchmal werden sie zum Selberfällen bzw. -Sägen freigegeben.
Kostensteigerungen setzen Anbaubetriebe unter Druck
Sebastian Fertig in Mudau (Neckar-Odenwald-Kreis) kultiviert auf 3,5 Hektar Weihnachtsbäume.
Er muss die Preise für seine Bäume anziehen, wenn er seinen Gewinn im Betrieb halten will. Gründe dafür sind höhere Kosten für Maschinen und Energie. Ein weiterer Grund sind die höheren Lohnkosten für Saisonarbeiter. Wegen des höheren Mindestlohnes von 13,90 € je Stunde ab nächstem Jahr (und voraussichtlich 14,60 € ab 2027) werden Weihnachtsbäume teurer.
Hinzu kommt eine Verknappung des Angebotes, wenn immer mehr Betriebe aufgeben.
Um landwirtschaftlichen Betrieben bei derSteigerung des Mindestlohns ab 2026 entgegenzukommen, dürfen Saisonarbeiter bis zu 90 Tage pro Jahr sozialversicherungsfrei beschäftigt werden. Von dieser Regelung profitieren vor allem die Branchen, die früh im Jahr auf die Saisonarbeiter zurückgreifen.
Weihnachtsbaumbetriebe jedoch benötigen ihre Arbeitskräfte erst viel später im Jahr, nämlich dann, wenn neu gepflanzt und geerntet werden muss.
Oft melden sich diejenigen Arbeiter, die im Frühjahr oder im Sommer schon im Spargelanbau oder in der Erdbeerernte waren. Wenn die Weihnachtsbaumernte losgeht, haben sie die erlaubte Arbeitszeit bereits ausgeschöpft. Dann könne er sie nicht mehr als Saisonarbeitskräfte anstellen, sondern nur noch über die teurere Festanstellung [9] mit Sozialversicherung, klagt der Vorsitzender des Christbaumverbandes Baden-Württemberg ist.
Arbeitskräfte sind schwer zu finden
Viele Saisonarbeiter kommen aus dem Ausland. Einheimische Arbeiter finden sich kaum, wohl auch wegen der schweren Arbeit. Viele Betriebe haben ihre Saisonkräfte inzwischen regulär sozialversichert. Doch weil die Arbeiter auf ihrem gewohnten Nettolohn bestehen, müssten die Anbauer nicht nur den Arbeitgeber-, sondern auch den Arbeitnehmeranteil abführen.
Die 90-Tage-Regelung [10] für kurzfristige Beschäftigung von Saisonarbeitskräften in der Landwirtschaft wurde erst Anfang November im Bundestag beschlossen. Ziel war es, durch sozialversicherungsfreie Arbeit für Saisonkräfte Obst- und Gemüsebetriebe sowie Winzer im kommenden Jahr wegen des höheren Mindestlohns zu entlasten.
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Der Rennwagen für die Vitrine: Cada bringt den Mercedes -AMG GT3 im Maßstab 1:8 mit über 5.400 Teilen, LED-Beleuchtung und Pneumatik-Liftfunktion.
Mercedes-AMG GT3 als Klemmbaustein-ModellBild:
CaDa
Die Firma Cada hat ein detailliertes Klemmbaustein-Modell des Mercedes-AMG GT3 im Maßstab 1:8 vorgestellt. Das Set besteht aus 5.463 Einzelteilen, darunter 103 bedruckte Komponenten. Die Nachbildung misst 59 Zentimeter in der Länge, 25 Zentimeter in der Breite und 17 Zentimeter in der Höhe.
Das Modell verzichtet vollständig auf Aufkleber und bildet die charakteristischen Designmerkmale des Mercedes-AMG GT3 nach. Dazu gehören der markante Kühlergrill, die Front- und Heckschürzen, der Frontsplitter sowie der mächtige Heckflügel. Im Inneren finden sich Nachbildungen des 6,3-Liter-V8-Motors und des 6-Gang-Renngetriebes.
Zur Ausstattung gehören LED-Leuchten an Front und Heck, die über ein USB-Kabel mit Strom versorgt werden. Zusätzlich verfügt das Modell über funktionsfähige Endurance-Zusatzscheinwerfer. Die Beleuchtung bringt das Modell bei der Präsentation in Vitrinen zur Geltung.
Funktionale Details und Mechanik
Das Cockpit lässt sich wie beim Original anpassen. Pedalerie und Lenkrad können aufgrund der fest verbauten Sicherheitszelle individuell konfiguriert werden. Die Türen sind mit einer Verriegelung ausgestattet, die Räder besitzen ein Zentralverschlusssystem.
Bild 1/7: Mercedes-AMG GT3 (Bild: CaDa)
Bild 2/7: Mercedes-AMG GT3 (Bild: CaDa)
Bild 3/7: Mercedes-AMG GT3 (Bild: CaDa)
Bild 4/7: Mercedes-AMG GT3 (Bild: CaDa)
Bild 5/7: Mercedes-AMG GT3 (Bild: CaDa)
Bild 6/7: Mercedes-AMG GT3 (Bild: CaDa)
Bild 7/7: Mercedes-AMG GT3 (Bild: CaDa)
Das Getriebe orientiert sich am sequenziellen Sechsgang-Renngetriebe des Originals. Es verfügt über sechs Gänge sowie einen Neutral- und Rückwärtsgang. Das Lenkrad entspricht dem Design des Mercedes-AMG GT3 und wurde nach Herstellerangaben im Original-Look gestaltet.
Eine pneumatische Liftfunktion ermöglicht es, das Fahrzeug anzuheben und wieder abzusenken. Diese Funktion wird über eine externe Druckluftversorgung gesteuert und simuliert schnelle Boxenstopps. Ein Werkstattkran gehört zum Lieferumfang, mit dem sich der Motor ausbauen lässt.
Die Felgen sind im AMG-typischen Design gehalten und mit Michelin Pilot Sport Reifen im Renndesign kombiniert. Cada legt nach eigenen Angaben Wert auf ein spannendes Bauerlebnis und möchte ein Verständnis für Automobilstrukturen und ingenieurtechnische Prinzipien vermitteln.
Die Aufbauanleitung umfasst 827 Seiten und erklärt jeden der 1.735 Bauschritte im Detail. Das Set wird in einer hochwertigen Verpackung geliefert.
Mit seinem neuen Smartphone besinnt sich Jolla auf das Design seines Erstlingswerks. Das Linux -Smartphone wird per Crowdfunding finanziert.
Das neue Jolla PhoneBild:
Jolla
Jolla hat ein neues Smartphone vorgestellt: Das lediglich Jolla Phone genannte Gerät basiert auf dem Linux-Betriebssystem Sailfish OS 5 und ist dank Jollas App-Support mit Android-Apps kompatibel. Der Hersteller betont Privacy- und Nachhaltigkeitsaspekte und finanziert das Projekt aktuell über Crowdfunding .
So hat das neue Jolla Phone einen physischen Schalter, mit dem direkt bestimmte Funktionen abgeschaltet werden können. So soll es beispielsweise möglich sein, das Mikrofon, Bluetooth oder auch die Android-App-Unterstützung abzuschalten. Updates soll das Smartphone fünf Jahre lang bekommen.
Vom Design her orientiert sich Jolla bei seinem neuen Smartphone am ersten Jolla Phone , das 2013 auf den Markt kam. Das neue Modell soll ebenfalls in einem knalligen Orange auf den Markt kommen, das rückseitige Cover kann ausgetauscht werden.
Akku ist einfach austauschbar
Darunter befindet sich der Akku, der wie beim ersten Jolla Phone einfach ausgetauscht werden kann. Jolla zufolge soll die Batterie eine Nennladung von 5.500 mAh haben. Wer das Smartphone beim Crowdfunding unterstützt, bekommt eine exklusive schwarze Rückseite.
Bild 1/5: Das neue Jolla Phone (Bild: Jolla)
Bild 2/5: Das neue Jolla Phone (Bild: Jolla)
Bild 3/5: Das neue Jolla Phone (Bild: Jolla)
Bild 4/5: Das neue Jolla Phone (Bild: Jolla)
Bild 5/5: Das neue Jolla Phone (Bild: Jolla)
Das Jolla Phone wird ein Mediatek-SoC verwenden, das Jolla zufolge sehr leistungsfähig sein soll – um welches Modell es sich handelt, hat der Hersteller offenbar noch nicht festgelegt. Das Smartphone soll 12 GByte RAM und 256 GByte Flash-Speicher haben, dazu einen Steckplatz für Micro-SD-Karten.
Das Gerät soll 5G mit zwei SIM-Karten unterstützen und ein 6,36 Zoll großes AMOLED-Display mit 390 ppi haben. Auf der Rückseite sind zwei Kameras verbaut: Die Hauptkamera hat 50 Megapixel, die Superweitwinkelkamera 13 Megapixel. Das Jolla Phone soll Bluetooth 5.4 und Wi-Fi 6 unterstützen und wie das erste Modell von 2013 eine Benachrichtigungs-LED haben.
Das neue Jolla Phone soll Mitte 2026 ausgeliefert werden. Jolla zufolge wird es nur produziert, wenn sich mindestens 2.000 Unterstützer finden. Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels haben bereits 1.964 die Anzahlung von 99 Euro geleistet. Das Smartphone kostet im Crowfunding 499 Euro, später soll es zwischen 599 und 699 Euro kosten. Die Finanzierungskampagne läuft noch bis zum 4. Januar 2026.
Das Weltwirtschaftsforum räumt mit einem Irrtum auf: Kreativität und Empathie schlagen auf dem Arbeitsmarkt digitale Skills.
Modernes Arbeiten im TeamBild:
Pexels
Das Weltwirtschaftsforum hat herausgefunden: Kreativität und Anpassungsfähigkeit sind wichtiger als technisches Wissen. Aber in Stellenanzeigen steht das kaum drin – und Schulen und Universitäten bringen diese Fähigkeiten zu wenig bei.
Ein neuer Bericht mit dem Titel New Economy Skills: Unlocking the Human Advantage vom Dezember 2025 zeigt: Fähigkeiten wie Kreativität, Innovation und Anpassungsfähigkeit sind wertvoller geworden als rein technisches Können. Für den Bericht wurden Daten von Bildungseinrichtungen, Job-Plattformen und viele Experten befragt.
Das Ergebnis: Es gibt eine große Lücke zwischen dem, was Firmen wirklich brauchen, und dem, was in Stellenanzeigen steht. Eine Untersuchung von US-Stellenanzeigen zwischen Mai 2024 und April 2025 zeigt: Nur 72 Prozent erwähnen überhaupt mindestens eine dieser menschlichen Fähigkeiten. In Bereichen wie Logistik und Transport sind es sogar nur 44 Prozent.
Jede Region hat andere Stärken
Wenn man misst, was verschiedene Fähigkeiten wert sind, steht kreatives Denken ganz oben. Trotzdem wird es bei Einstellungen und Beförderungen am wenigsten beachtet. Der Bericht zeigt: Was Unternehmen in Zukunft brauchen werden und was sie heute honorieren, passt nicht zusammen.
Fast 60 Prozent der Chefs weltweit finden, dass Absolventen gut mit anderen zusammenarbeiten können. Aber weniger als die Hälfte sagt das über Kreativität, Neugier oder die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen. Je nach Weltregion gibt es dabei große Unterschiede.
Diese Fähigkeiten können verloren gehen
Der Bericht räumt mit einer falschen Annahme auf: Menschliche Fähigkeiten bleiben nicht automatisch erhalten. Während der Coronapandemie gingen Fähigkeiten, wie andere zu unterrichten oder mit Stress umzugehen, um über fünf Prozent zurück. Empathie und aktives Zuhören litten weniger – hier waren es unter zwei Prozent.
Bis 2025 hat sich keine dieser Fähigkeiten wieder auf das Niveau von vor 2019 erholt. Das zeigt: Diese Kompetenzen brauchen ständiges Training und bewusste Förderung. Ein Viertel der Lernenden macht zwar schon nach wenigen Wochen Fortschritte, aber die meisten brauchen mehrere Monate gezieltes Üben.
Die gute Nachricht: Künstliche Intelligenz kann diese Fähigkeiten kaum ersetzen. Aufgaben, die Empathie, Kreativität, Führung und Neugier brauchen, könnten nur zu 13 Prozent von KI übernommen werden. Dafür braucht es menschliches Urteilsvermögen und echte Lebenserfahrung.
Gezielte Förderung ist nötig
Der Bericht gibt Empfehlungen, wie man diese Fähigkeiten entwickeln, messen und bescheinigen kann. Wichtig sind Zertifikate, die sowohl in der Ausbildung als auch im Beruf anerkannt werden. Außerdem braucht es Tests, die zeigen, wie gut jemand im echten Leben zusammenarbeitet, kreativ ist und sich anpasst.
Schulen, Unis und Firmen sollten gemeinsame Standards schaffen und Orte, wo Menschen lernen, Fehler machen, darüber nachdenken und wachsen können. Technologie hilft dabei: mit KI-gestützten Tests, die sich anpassen, und Virtual-Reality-Simulationen für komplexe Probleme.
Kreatives Denken und der Umgang mit Rückschlägen wachsen weltweit am schnellsten. Besonders stark ist der Anstieg in Lateinamerika, der Karibik, Südostasien und Afrika südlich der Sahara. Neugier und die Bereitschaft, lebenslang zu lernen, sind überall am schwächsten entwickelt – eine Herausforderung für alle Länder.
Das Fazit: Je mehr Routinearbeit von Maschinen übernommen wird, desto wichtiger werden menschliche Fähigkeiten.
Khipu im Lima Amano Museum of Traditional Textiles, Peru. Foto: Mark Green, shutterstock
Neue Forschungen greifen auf Isotopenmessungen zurück und offenbaren überraschende Details über die Nutzung der geheimnisvollen Knoten-Codes.
Sabine Hyland von der University of St Andrews hat mit ihrem Forschungsteam nachgewiesen [1], dass im Inkareich nicht nur hochrangige Beamte die rätselhaften Knotenschnüre namens Khipus herstellten. Auch einfache Bürger beherrschten diese komplexe Schrift. Die Wissenschaftler analysierten dafür Isotopenmuster in menschlichen Haaren, die in die Schnüre eingearbeitet waren.
Die Khipus dienten als zentrales Kommunikationsmittel im Verwaltungssystem des Inkareichs von 1438 bis 1532 nach Christus. Da die Inka keine anderen schriftlichen Aufzeichnungen hinterließen, galten diese aus Schnüren und Knoten bestehenden Objekte als unverzichtbar für die Reichsverwaltung. Bisher stützten sich Forscher auf Beschreibungen spanischer Chronisten aus der Kolonialzeit, die berichteten, dass nur hochrangige Beamte Khipus herstellen konnten.
Haare als Unterschrift der Khipu-Schreiber
Hylands Team fand heraus, dass die Schöpfer der Khipus ihre Werke manchmal mit Strähnen ihres eigenen Haares "signierten". Der Schlüssel liegt in einem Khipu mit der Bezeichnung KH0631, dessen Hauptschnur vollständig aus menschlichem Haar einer einzelnen Person besteht.
In der Kosmologie der Inka bewahrte das Haar die Identität [2] einer Person, auch nachdem es abgeschnitten worden war. Der erste Haarschnitt eines Kindes war zum Beispiel wichtiges Übergangsritual. Die Haare wurden den Göttern geopfert oder als heiliges Objekt im Haus aufbewahrt. Menschliches Haar in den Khipus kann daher als "Unterschrift" der Person gedeutet werden, von der das Haar stammte.
Auch wurden die Haare des Inka-Kaisers während seines Lebens gesammelt. Nach seinem Tod wurde aus ihnen eine Art lebensgroße Puppe gefertigt, die als der Kaiser selbst verehrt wurde. Menschliches Haar, das in die Khipus eingearbeitet wurde, kann daher als "Unterschrift" der Person gedeutet werden, von der das Haar stammte.
Isotopenmessungen verraten Ernährungsgewohnheiten
Um mehr über die Person zu erfahren, die das Khipu KH0631 herstellte, führten die Forscher zunächst Isotopenmessungen von Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel an einer Haarprobe durch. Diese Analyse ermöglicht Rückschlüsse auf Ernährung, sozialen Status und geografischen Ursprung.
Das Vorhandensein des Kohlenstoff-13-Isotops weist auf den Konsum von Mais hin. Mais reichert das Kohlenstoff-13-Isotop [3] aufgrund einer Besonderheit im Stoffwechsel im Gegensatz zu fast allen anderen Pflanzen nicht ab. Die Werte des Stickstoff-15-Isotops [4] erlauben Rückschlüsse auf den Fleischanteil in der Ernährung. Die Bestimmung von Schwefelisotopen ermöglicht es, auch den Anteil mariner Nahrungsquellen zu bestimmen.
Die Eliten konsumierten mehr Fleisch [5] und Gerichte aus Mais sowie Maisbier. Einfache Bürger aßen hingegen mehr Knollen wie Kartoffeln angereichert mit Hülsenfrüchten, Quinoa und Gemüse.
Überraschung bei der Haaranalyse
Die Isotopenanalyse des menschlichen Haares in Khipu KH0631 zeigte überraschenderweise, dass diese Person sich wie ein einfacher Bürger ernährte – mit nur wenig Fleisch und Mais. Die Schwefelisotopenanalyse zeigt einen geringen Anteil von Fisch und Meeresfrüchten in der Ernährung. Das deutet darauf hin, dass dieser Mensch im Hochland lebte.
Anschließende Untersuchungen der Sauerstoff- und Wasserstoffisotope deuten darauf hin, dass die Person im Hochland zwischen 2600 und 2800 Metern über dem Meeresspiegel im südlichen Peru oder im nördlichen Chile lebte. Dies ist das erste Mal, dass eine solche Isotopenanalyse an Khipus durchgeführt wurde.
Schreibfähigkeit war verbreiteter als angenommen
Die Ergebnisse stützen die Hypothese, dass auch einfache Bürger Khipus anfertigten. Im Umkehrschluss muss auch die Khipu-Lesekompetenz weiter verbreitet gewesen sein als bisher angenommen.
Die Forscherin beobachtete dieses Phänomen auch in der heutigen Zeit im Hochlanddorf Jucul in Peru, wo die Dorfbewohner noch über 90 Ahnen-Khipus besitzen, von denen einige vor Jahrhunderten hergestellt wurden. Dort repräsentiert menschliches Haar, das an der Hauptschnur befestigt ist, die Menschen, die jeden Abschnitt des Khipus herstellten.
Bisher stützten sich Forscher vornehmlich auf Beschreibungen spanischer Chronisten aus der Kolonialzeit. Diese berichteten, dass nur hochrangige Beamte Khipus herstellen konnten. Sie dokumentierten zudem verschiedene Anwendungen [6] der Knotenschnüre, darunter die Aufzeichnung von Lagerbeständen, Bevölkerungszählungen sowie die Dokumentation von Steuer- und Abgabeverpflichtungen.
Heute sind noch etwa 1600 Khipus [9] erhalten, die sich hauptsächlich in Sammlungen in Amerika und Europa befinden. Weniger als die Hälfte davon wurde bisher in Forschungsdatenbanken digital erfasst. Experten befürchten, dass nur ein winziger Bruchteil der Knotenschnüre die Zeiten überdauert hat.
Seit mehr als einem Jahrhundert untersuchen Forscher die Merkmale von Khipus in der Hoffnung, die Codes zu entschlüsseln. In den letzten Jahrzehnten wurden diese Daten zunehmend digitalisiert und sind nun über das Open Khipu Repository [10] und den Khipu Field Guide [11] frei zugänglich.
Bislang wurden Khipus nicht systematisch auf das Vorhandensein menschlicher Haare untersucht, sodass sogar unbekannt ist, wie oft sie überhaupt Haare enthalten. Die neue Forschung von Hyland und ihrem Team könnte daher den Beginn eines ganz neuen Kapitels der Geschichtsschreibung der Neuen Welt markieren.
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Die neue Wehrpflicht stößt auf massiven Widerstand. Susanne Bödecker sieht junge Menschen in großer Gefahr. Ein entschlossener Schritt könnte ihr Leben retten.
Die Bundestagsfraktionen von CDU, CSU und SPD haben sich auf einen Gesetzesentwurf zur Ausgestaltung des Neuen Wehrdienstes [1] geeinigt. Voraussichtlich ab dem 1. Januar 2026 erhalten alle 18-jährigen Frauen und Männer einen Fragebogen, der ihre Motivation und Eignung für den Wehrdienst ermitteln soll.
Für Männer ist die Beantwortung verpflichtend, für Frauen freiwillig. Voraussichtlich ab dem 1. Juli 2027 sollen wieder alle Männer eines Jahrgangs verpflichtend gemustert werden. Ein Dienst auf freiwilliger Basis wird angestrebt, allerdings kann bei Nichteinhaltung eines Korridors der Aufwuchszahlen der Bundeswehr eine Bedarfswehrpflicht eingeführt werden; die Eingezogenen eines Jahrgangs werden dann per Los oder Zufall ermittelt.
Gegen die Neue Wehrpflicht regt sich Protest. Für die Betroffenen organisieren verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen Hilfe und Beratung. Susanne Bödecker berät Kriegsdienstverweigerer und bezieht auf Grundlage ihrer Erfahrungen und Überzeugungen Stellung zur Debatte.
▶ Sie beraten Kriegsdienstverweigerer für die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigung der Kriegsdienstverweigerer e.V.. Welche Veränderungen haben Sie im Zuge der Wehrpflichtreform bemerkt?
Susanne Bödecker
(Bild: Autor/Privat)
Susanne Bödecker: Die DFG-VK, als älteste Friedensorganisation, berät und begleitet schon seit Jahrzehnten Menschen, die den Kriegsdienst verweigern möchten. Mit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 bis zum Februar 2022 sanken die Zahlen der Verweigernden auf einen niedrigen dreistelligen Wert pro Jahr.
2023 gab es schon mehr als 1000 Anträge, 2024 verdoppelte sich die Zahl auf fast 2250. In diesem Jahr sind bis Ende Oktober schon weit mehr als 3000 Anträge eingegangen.
Bei uns steht das Telefon nicht mehr still. Wir haben unseren Beraterstamm im Bundesgebiet wieder aufgebaut und unsere Dienste werden gerne und zahlreich in Anspruch genommen. Das Thema Militär, Kriegsdienst an der Waffe, zu einem Dienst in der Bundeswehr verpflichtet zu werden beschäftigt nicht nur die ganz jungen Menschen, auch Reservisten verweigern. Die übergestülpte Kriegstüchtigkeit lässt viele die Konsequenz ziehen: Nicht mit mir!
▶ Wer meldet sich bei Ihnen? Welche Sorgen und Probleme treiben die Anrufenden um?
Susanne Bödecker: Bei uns melden sich vorwiegend besorgte Eltern von Jugendlichen. Sie möchten wissen, was auf ihre Kinder mit der Neuen Wehrpflicht ab dem 1.1.2026 zukommt, wie mit der Bereitschaftserklärung – dem Fragebogen – umgegangen werden soll, die alle ab dem 1.1.2008 Geborenen zugeschickt bekommen; wie verpflichtend die Musterung sein wird und wie ein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt werden kann.
Sie haben große Angst davor, dass über das Leben Ihrer Kinder verfügt wird, dass sie zu einem Kriegsdienst einberufen werden und schwer verletzt, traumatisiert oder gar nicht mehr zurückkommen.
Jüngere Männer, die bisher nicht bei der Bundeswehr waren, fragen, wie sie sich als Wehrpflichtige vor einem Dienst an der Waffe schützen können. Menschen, die bereits bei der Bundeswehr gedient haben, bitten um Hilfe beim Ausstieg aus dem Militärapparat, dem sie nicht mehr angehören wollen.
Gefahren der Wehrpflicht – und Alternativen
▶ Welche Gefahren sehen Sie in der Wiedereinführung des Wehrdienstes – für die einzelnen und für die Gesellschaft?
Susanne Bödecker: Die DFG-VK sieht mit dem Inkrafttreten des Wehrdienstmodernisierungsgesetzes besonders die ganz jungen Menschen in Gefahr. Sie werden durch die angebliche Freiwilligkeit, durch ein hohes Gehalt, Zuschüsse zum Erwerb eines Führerscheins, flexible Arbeitszeiten, Karrierechancen, Ansehen und die Zugehörigkeit zu einer tollen Truppe in die Bundeswehr gelockt und sind sich nicht im Klaren darüber, was das für sie bedeutet.
Über die Köpfe der jungen Menschen hinweg, die mehrheitlich gegen eine Wehrpflicht sind, wird über ihre Zukunft bestimmt. Sie verlieren ihr Selbstbestimmungsrecht und sollen schlimmstenfalls für Interessen, die nicht die ihren sind, töten oder sterben.
Bis jetzt hat sich niemand für sie interessiert. Während der Coronapandemie hat man sie vergessen.
An den Folgen des Klimawandels, für den sich die Bundesregierung nicht interessiert, werden sie ihr Leben lang zu leiden haben. In einem kaputt gesparten Bildungssystem sind sie Druck und Perspektivlosigkeit ausgesetzt, statt die Möglichkeit zu erhalten, ihre Potenziale zu entfalten, sich im kreativen Denken zu üben und in der Gemeinschaft mit echten Zukunftsfragen zu beschäftigen, um mit an einer friedenstüchtigen Gesellschaft und einem guten Leben für alle Menschen auf der Welt arbeiten zu können.
Nun wird ihnen noch die enorme Schuldenlast für die immense Aufrüstung aufgebürdet und schlussendlich sollen sie in den Krieg ziehen. Auf die Gesellschaft bezogen sehen wir nicht, dass sie sich durch eine personelle Aufrüstung der Bundeswehr sicherer fühlt.
Im Gegenteil: Armut, soziale Ungleichheit und somit soziale Spannungen werden weiter zunehmen, denn das Militär bindet Ressourcen, die dringend für die Bewältigung großer Herausforderungen innerhalb der Gesellschaft benötigt werden: leistbarer Wohnraum, gute Gesundheitsversorgung, Zugang zu Bildungsangeboten, ein warmes Essen jeden Tag für alle, soziale Angebote.
Die Kriegstüchtigkeit, mit der die Menschen jetzt unentwegt konfrontiert werden, die massive Militarisierung aller gesellschaftlichen Bereiche macht sie unsicher, ängstlich und lähmt sie.
▶ Welche Alternativen sehen Sie zu Wehrpflicht, Aufrüstung und Militarisierung?
Susanne Bödecker: Alternativen, an denen die DFG-VK arbeitet, sind: Keine Art von Krieg unterstützen, an der Beseitigung aller Kriegsursachen mitarbeiten, alle militärischen und nicht-militärischen Kriegsdienste verweigern, die Wehrpflicht und die Bundeswehr endgültig abschaffen, Konflikte gewaltfrei lösen, die Welt vollständig abrüsten, politische, soziale und ökonomische Gerechtigkeit auf der ganzen Welt verwirklichen, nur gewaltfreie Mittel bei Konflikten anwenden, das Verletzen und Töten von Menschen ausschließen, sich gegenseitig als Mensch und einzigartiges Individuum achten und schützen.
Kriege brechen nicht einfach über uns herein. Kriege werden unmöglich, wenn die Menschen sich ihnen verweigern.
Wehrdienstverweigerung – Vorgehen und Hilfsangebote
▶ Was können Menschen, die den Wehrdienst verweigern wollen, konkret tun? Auf welche Hilfsangebote können Sie zurückgreifen?
Susanne Bödecker: Alle Wehrpflichtigen, die den Kriegsdienst verweigern möchten, können das ab 17 ½ Jahren tun.
Sie stellen ihren Antrag beim Karrierecenter der Bundeswehr in ihrem Bundesland. Da ein Wehrpflichtiger nur dann den Kriegsdienst verweigern kann, wenn er wehrdienstfähig ist, bekommt er eine Einladung zur Musterung, wenn er bis jetzt noch nichts mit der Bundeswehr zu tun hatte.
Ist er tauglich, wird sein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung bearbeitet. Bei Untauglichkeit kann er keinen Antrag stellen, ist aber als Ausgemusterter kein Wehrpflichtiger mehr, wird also nicht mehr eingezogen.
Reservisten – ab dem 1. Diensttag bei der Bundeswehr – und Soldaten sind bereits gemustert. Ihr Antrag wird dann gleich an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln weitergeleitet. Dieses entscheidet im schriftlichen Verfahren über den Antrag.
Der Antrag auf Kriegsdienstverweigerung umfasst drei Papiere: Das eigentliche Antragsschreiben, bestehend aus dem einen Satz: Hiermit verweigere ich den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen gemäß Artikel 4, Absatz 3 des Grundgesetzes, einem einseitigen tabellarischen Lebenslauf und der mindestens zwei Seiten langen schriftlichen Begründung der Gewissensentscheidung.
Bei Ungedienten ist sie verbunden mit der reinen Vorstellung, mit einer Waffe schießen und töten zu müssen, bei Reservist innen und Soldaten mit der Beschreibung des Erlebten, warum sie damals zur Bundeswehr gegangen sind, sich zum Töten ausbilden ließen und jetzt den Kriegsdienst mit der Waffe verweigern.
Die DFG-VK bietet auf ihrer Seite www.verweigern.info [2] einen Überblick und erste Informationen für Ratsuchende. Wer sich zu einer Antragstellung entschließt, kann gerne unsere vertrauliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Es gibt keine Garantie, aber die Menschen, die sich an uns gewandt haben, sind bisher alle anerkannt worden!
Moellers Dokumentarfilm über die "Weltkarriere einer Lüge". Wie ein Fake Antisemitismus befeuerte. Und heute? Die Wirkung reicht weiter als gedacht.
Alles beginnt mit Bildern des Jüdischen Friedhofs von Prag. Dies ist einer der ältesten und bekanntesten jüdischen Friedhöfe Europas; er ist aber auch der Ort des Ursprungsmythos einer der widerwärtigsten und zugleich wirkungsvollsten antisemitischen Hetzschriften, die die Welt gesehen hat: der sogenannten "Protokolle der Weisen von Zion", ein berüchtigtes angebliches Dokument einer "jüdischen Weltverschwörung".
Ihre vermutliche Entstehungs- und tatsächliche Wirkungsgeschichte erzählt nun der Regisseur Felix Moeller in seinem Dokumentarfilm: "Weltkarriere einer Lüge: Die Protokolle der Weisen von Zion".
Jüdische Weltverschwörung ...?
Vor knapp fünfzehn Jahren hatte der italienische Philosoph und Romancier Umberto Eco in seinem Roman "Der Friedhof von Prag [1]" versucht, in unterhaltsamer Weise vorzuführen, welche Folgen die "Einbrüche des Romans ins Leben" haben können. Eco erzählte in seinem mit realen historischen Figuren aufgeladenen Roman von Verschwörungstheorien und ihren Schöpfern im 19. Jahrhundert.
Die "Protokolle ..." waren im Roman nur die schlimmsten und folgenreichsten von ihnen. Obwohl sie immerhin schon 1921 als Erfindung und reines Fantasieprodukt enttarnt wurden, hatten sie längst die Behauptung von der jüdischen Weltverschwörung in die Welt gesetzt und mit alten antijüdischen Mythen verbunden.
Keine Fälschung: diese Dokumente beziehen sich auf nichts
Die "Protokolle" sind ein Amalgam diverser Texte und Textsorten. Immer unterbrochen von kleinen thematischen Ausflügen skizziert Moeller vor allem in der ersten Hälfte seines Films ihre Geschichte. Von den antijakobinischen Werken des Abbé Barruel über Eugène Sues "Die Geheimnisse des Volkes" und einer in ihr ernstes Gegenteil verkehrten Satire Maurice Jolys auf Napoleon III. bis zu Hermann Goedsches rassistischem Schauerroman "Biarritz" reichen die Quellen.
Vermutlich erhielten sie von der zaristischen Geheimpolizei "Ochrana" um 1900 in Paris ihre letztgültige Form und wurden in die Welt gesetzt. Ziel war es, den russischen Juden ein weitverzweigtes Komplott unterzuschieben, um in der Krise des Zarenreichs gesellschaftliche Sündenböcke zu finden und die Pogrome gegen sie zu rechtfertigen.
Im Ergebnis wurde die Revolution gegen den Zaren zwar nicht verhindert, aber die obskure, nicht sehr subtil gehaltene Schrift mit ungeklärter Herkunftsgeschichte entwickelte sich zu einem der folgenreichsten Propagandatexte der Weltgeschichte.
Die "Protokolle" hätten selbst die Struktur eines Schauerromans, sagt der Bochumer Historiker Michael Hagemeister, der führende internationale Experte für die "Protokolle"-Forschung im Film.
Hagemeister betont auch, dass man in diesem Fall nicht von einer "Fälschung" reden dürfe, "denn diese Dokumente beziehen sich auf nichts. Es seien auch keine Protokolle, denn sie protokollieren nichts, es gab nie jene Versammlung, die sie angeblich protokollieren könnten.
Vielmehr ist das Dokument ein Plagiat aus verschiedenen Texten, eine Erfindung, Fake News und Lüge.
Das Programm zur vollständigen Übernahme der Weltregierung
Worum geht es in diesem Dokument?
In 24 angeblichen "Protokollen", entstanden bei einem Treffen der Vertreter der "zwölf Stämme Israels" "auf dem Judenfriedhof in Prag" wird freimütig eine "jüdische Weltregierung" skizziert, und das vermeintliche Mitglied dieser "Weisen von Zion" plaudert erstaunlich unvorsichtig das Programm zur vollständigen Übernahme der Weltregierung einfach aus. Fazit: Viel haben sie schon, doch wollen sie alles haben.
Die Protokolle sind ein offener Text, der sehr viele Zuschreibungen zulässt. Die Kapitel strotzen von Widersprüchen. Die gegensätzlichsten Rollen werden von den "Weisen" gleichermaßen besetzt: der Börsenhai wie der Bolschewist, der Demokrat wie der Diktator, der Atheist wie der Theokrat.
Man konnte sich mit allem bedienen. Und dementsprechend haben sich auch die gegensätzlichen politischen und sozialen Interessengruppen dieser "Protokolle" bedient: Zaristen wie Nazis, Klerikale wie Gottlose, Antikommunisten wie antisemitische Kommunisten.
In der Außenpolitik schürt man Kriege, im Inneren sozialpolitischen Kämpfe, um das für die endgültige Machtübernahme günstige Chaos zu erzeugen: Keine Revolution seit 1789, die nicht auf die Intrigen der "Weisen" zurückginge.
Henry Ford gegen das "internationale Finanzsystem"
In der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg machten die Protokolle dann Karriere. Der US-Automagnat Henry Ford gehörte zu ihren frühen Lesern. Ausgerechnet der Erzkapitalist Ford wetterte in Zeitungskommentaren gegen den Finanzkapitalismus.
Heute ist Fords Idee, dass "die internationalen Finanzleute hinter jedem Krieg stehen" nicht nur bei Rechtsextremen, sondern auch unter globalisierungskritischen Linken und sogar bis in linksliberale Milieus westlicher Demokratien sehr populär.
Zugleich sind "internationales Finanzsystem", "Wall Street", "Kosmopoliten" und "Weltbanken" Chiffren des Antisemitismus. Anfang der Dreißiger, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, entstand eine besonders von einigen US-Amerikanern befeuerte antisemitische Internationale.
Die schillernde, in Frankreich geborene, russisch verheiratete und heute vergessene Kalifornierin Lesley Fry wurde hier mit ihrem Bestseller "Waters flowing eastward" zur Schlüsselfigur.
Zu den frühen Lesern der "Protokolle" gehörten auch die ersten Nationalsozialisten – in Deutschland erschien die erste Übersetzung – Hitler zitierte sie bereits 1924 in "Mein Kampf" und erwähnte sie seitdem immer wieder in seinen Reden.
Dass sie nicht authentisch waren, kümmerte nicht, zu sehr bestätigten sie exakt die vorhandenen antisemitischen Weltbilder: Goebbels sprach von der "inneren, aber nicht faktischen Wahrheit der Protokolle".
Bereits zuvor gab es eine direkte Verbindung zwischen dem Text und einem der skandalösesten politischen Morde in der Weimarer Republik: der rechtsterroristische Mord an dem schillernden jüdischen Reichsaußenminister, Industriellen und politischen Schriftsteller Walther Rathenau – der in einigen tendenziösen Begleittexten der deutschen Ausgabe als einer der Weisen von Zion bezeichnet wurde.
Bibel der Massen
Moeller dokumentiert auch den Gebrauch der "Protokolle" in der eigentlichen NS-Propaganda. Er zitierte dazu einige Klassiker des nationalsozialistischen Kinos, die die antisemitischen Klischees wiederholen, allerdings ohne die "Protokolle" je direkt beim Namen zu nennen: "Die Rothschilds", "Jud Süß" und "Der ewige Jude". Dazu Ausschnitte aus Wochenschauen.
Selbst dort, wo Moeller auf solche bekannten Fakten zurückgreift, gelingt ihm aber oft ein neuer, überraschender Zugriff: So, wenn er direkt nach den Passagen zum Nationalsozialismus eine erhellende Aussage aus dem 1951 veröffentlichten Buch der Philosophin Hannah Arendt über "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" zitiert.
Darin bemerkt Arendt spitz über diese "Bibel einer Massen", wie sehr doch der NS-Staat schnell dem in den Protokollen geschilderten diktatorischen Systemen ähnlich geworden sei.
Dies verbindet Moeller mit der Beobachtung, dass die "Protokolle" zwar noch in Reden der NS-Führer auftauchten, aber "aus den Arsenalen der NS-Propaganda ... verschwanden". "Hatten die Nationalsozialisten vielleicht die gleichen Gedanken wie Hannah Arendt?", fragt er.
Moeller zeigt, dass es sich bei den Protokollen um eine global zirkulierende Idee handelt, deren Wirkungsgeschichte sich je nach geopolitischem Kontext verwandelt. Kurz streift der Film den linken Antisemitismus, der besonders die Bezeichnung "Zionist" zum Schimpfwort macht, und damit am Ende doch meist jeden Juden und seine Verteidiger meint.
Arabischer Antisemitismus
Die eigentliche Pointe dieses Films ist darum seine Aktualität: Denn Möller scheut sich auch nicht davor, auf die kontroverse Frage der akademischen und insbesondere arabischen Positionierung im aktuellen Konflikt zwischen Arabern und Israel einzugehen.
Zentrale Propagandatexte, aber auch tagesaktuelle Veröffentlichungen der Islamisten der Hisbollah wie der Hamas beziehen sich nämlich direkt auf die "Protokolle".
Es gibt auch neben solchen, nicht völlig unerwarteten Momentaufnahmen auch einige kaum glaubliche, schockierende Einzelheiten, die dieser Film präsentiert.
Der Neubau der Bibliothek von Alexandria präsentierte zur Eröffnung in besonders hervorgehobenen Regalen für jede Kultur und Religion zentrale, besonders wichtige Werke. Die Auswahl für das Judentum enthielt die "Protokolle" – will man hier keine infame Provokation unterstellen, dann wussten auch die ägyptischen Kuratoren offenbar nicht, dass sich um eine Erfindung handelt.
Oder ein Schulbuch der Palästinensischen Autonomiebehörde im Gazastreifen, das die Pläne von der jüdischen Weltherrschaft arabischen Kindern lehrt und von der Europäischen Union finanziert wurde.
Auch in der Populärkultur begegnen einem die "Protokolle" vermehrt. Ein Film wie "Matrix" ist zwar kein verschwörungsideologischer Film, aber er bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für entsprechende Ideen.
Hinter Verschwörungsideologien steht heute eine ganze Industrie. Es gibt Leute, die verdienen sehr viel Geld mit Paranoia.
Moeller erwähnt einerseits die Rap-Kultur, in der antisemitische Anspielungen häufig anzutreffen seien, auf der anderen Seite dann die "Techbros", besonders Elon Musk. Eine Vertreterin jüdischer Hochschüler aus München berichtet von ihren Alltagserfahrungen. Sie berichtet vom Antisemitismus im Alltag und macht deutlich, dass derartige konfuse Narrative und Hirngespinste reale, oft bedrohliche Folgen haben.
Selbsternannte "Opfer" werden zu Tätern
"Weltkarriere einer Lüge" ist ein kluger und wichtiger Dokumentarfilm, der historische Tiefenschärfe mit zeitgenössischer Relevanz verbindet. Nur gelegentlich merkt man dem Film an, dass er für einen Fernsehsender entstand.
Doch insgesamt gelingt Moeller das Kunststück, eine der gefährlichsten Fälschungen der Moderne nicht nur zu entzaubern, sondern ihre Mechanismen für die Gegenwart zu benennen, und aufzuklären, ohne zu simplifizieren.
Zwar wird Moellers Entmythifizierung eingefleischte "Protokoll"-Gläubige wohl auch heute kaum umstimmen können.
Nichtsdestoweniger ist es wichtig zu erkennen, dass ein unverhohlen "eliminatorischer", allerdings internationaler Antisemitismus in den "Protokollen" seine paranoide Rationalisierungsgrundlage fand. Der Verfolgungswahn ist seit je gut dafür, dass selbsternannte "Opfer" zu Tätern werden können.
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Viele Menschen in Deutschland kaufen ihre Weihnachtsgeschenke bei asiatischen Shoppingportalen wie Temu und Shein – zum Ärger des Handels.
Logos von Shein und TemuBild:
Ben Montgomery/Getty Images
263 Euro: So viel Geld möchten die Menschen in Deutschland im Schnitt für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Das geht aus einer neuen Yougov-Umfrage hervor, die der Deutschen Presse Agentur (dpa) vorliegt.
Gute Aussichten für den Handel könnte man denken. Das Weihnachtsgeschäft kommt jedoch bislang nicht recht in Schwung. Die Branche hat nicht nur mit der Kaufzurückhaltung zu kämpfen, sondern auch damit, dass viele ihr Geld woanders ausgeben. Vor allem asiatische Portale nehmen den Einzelhändlern Umsätze weg, wie mehrere Untersuchungen zeigen.
Gut jeder Achte in Deutschland (12 Prozent) hat laut Yougov bereits Weihnachtsgeschenke bei Temu, Shein oder Aliexpress gekauft. Fast jeder Zehnte (9 Prozent) plant dies noch.
Besonders gefragt sind Mode, Weihnachtsdeko, Spielzeug und Haushaltswaren. Die Hälfte der Käufer gibt bis zu 100 Euro bei den Portalen aus, ein weiteres Viertel zwischen 100 und 199 Euro, 14 Prozent geben mehr aus.
Umsätze von bis zu einer Milliarde Euro
Der Handelsverband Deutschland (HDE) schätzt, dass Temu und Shein im November und Dezember 2025 hierzulande einen Umsatz von bis zu einer Milliarde Euro erzielen. "Diese Verkäufe entgehen den Händlerinnen und Händlern in Deutschland" , sagt Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Jeder verlorene Euro hinterlasse Spuren, da das Weihnachtsgeschäft über den Erfolg des Geschäftsjahres entscheide.
Insgesamt rechnet der Verband in den beiden Monaten mit 126 Milliarden Euro Umsatz. Inflationsbereinigt wäre das etwa so viel wie im Vorjahr. Die Wochen vor dem Heiligabend sind für die Branche die wichtigsten des Jahres, aber viele Unternehmen erwarten ein schwaches Geschäft.
Laut einer Händler-Umfrage des HDE rechnet nur jeder Zehnte damit, dass das Weihnachtsgeschäft besser verläuft als im Vorjahr. Jeder Zweite geht von einer Verschlechterung aus.
Modebranche besonders betroffen
"Temu und Shein belasten vor allem die Modehändler, die im vergleichbaren Preissegment tätig sind, also vor allem preisorientierte Formate, aber durchaus auch mittelpreisige Modehäuser" , sagt Axel Augustin, Geschäftsführer des Branchenverbandes BTE.
Der Verband schätzt, dass der Branche wegen der asiatischen Shops in diesem Jahr über drei Milliarden Euro Umsatz entgehen. Im Weihnachtsgeschäft sei das besonders schmerzhaft, so Augustin. Die Modebranche kämpft bereits seit längerem mit einer schwachen Nachfrage.
Rabattaktionen verlieren an Reiz
Wie groß die Anziehungskraft von Temu, Shein & Co. ist, lässt sich auch rund um den Black Friday beobachten. Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts IFH Köln verlieren die Rabatttage Ende November 2025 für viele Kunden zunehmend an Reiz. Jeder Dritte gibt dies in der Umfrage an, bei Jüngeren sogar jeder Zweite.
Ein Teil der Verbraucher verzichtet bewusst auf die Aktionstage. Ein Grund: Asiatische Shops bieten das ganze Jahr über niedrige Preise. 23 Prozent der Befragten sagen das, unter Jüngeren noch mehr.
Preisbewusstsein versus Bedenken
Wie ist der Erfolg der asiatischen Online-Plattformen zu erklären? Die Weihnachtszeit ist erneut stark vom Sparen geprägt. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Oliver Wyman wollen 39 Prozent der Verbraucher weniger für Weihnachtseinkäufe ausgeben.
Temu und Shein punkten vor allem mit niedrigen Preisen, sagt Ralf Deckers vom IFH Köln nach Angaben der dpa. Zudem böten die Portale Produkte, die hierzulande kaum zu finden seien. Laut Yougov-Umfrage kaufen Konsumenten dort, weil sie eine riesige Auswahl finden (71 Prozent), regelmäßig angebotene Rabatte nutzen (54 Prozent) und Freude am Stöbern haben (44 Prozent).
Die Vorbehalte zeigen sich in den Gründen, die von Menschen angegeben werden, die dort nicht bestellen. 45 Prozent zweifeln an der Qualität, 41 Prozent sorgen sich um ihre Gesundheit. 32 Prozent bemängeln fehlende Sicherheitsstandards, 27 Prozent nennen ethische Bedenken wie Arbeitsbedingungen oder Umwelt.
23 Prozent möchten lokale Händler unterstützen, 19 Prozent fürchten das Risiko von Plagiaten und Fälschungen.
Rainer Münch, Handelsexperte bei Oliver Wyman, sagt: "Trotz aller Kritik haben sich Temu und Shein bei den Verbrauchern in Deutschland fest als Einkaufsstätte etabliert." Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei für viele unschlagbar.
Asiatische Portale wachsen immer weiter
Die großen asiatischen Anbieter Temu, Shein und Aliexpress haben ihr Geschäft deutlich ausgebaut, wie Zahlen des E-Commerce-Verbandes Bevh nach Angaben der dpa belegen. Die drei Unternehmen erzielten 2025 in Deutschland pro Quartal zusammen über 800 Millionen Euro Umsatz, deutlich mehr als in den Vorjahreszeiträumen. Ihr Marktanteil im deutschen Onlinehandel beträgt inzwischen rund fünf Prozent.
Laut HDE werden täglich etwa 400.000 Pakete von Shein und Temu nach Deutschland verschickt. Der Verband beklagt mangelhafte Produktqualität und unfaire Wettbewerbsbedingungen. Er fordert eine strengere Regulierung, schärfere Kontrollen sowie mehr Personal für den Zoll.
Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel steigt
Der deutsche Einzelhandel steckt in der Krise, die Lage spitzte sich zuletzt zu. Von August 2024 bis August 2025 registrierte Allianz Trade 2.490 Insolvenzen, der höchste Wert seit Oktober 2016. "Der kometenhafte Aufstieg" der asiatischen Portale erhöhe den Wettbewerbsdruck auf hiesige Einzelhändler enorm und habe zum Anstieg der Insolvenzen beigetragen, sagt Branchenexperte Guillaume Dejean.
Besseres Bild, aber Original-Schnitt und -Inhalt: Der erste Star-Wars -Film eröffnet ab Februar 2026 eine ganze Welle an Krieg-der-Sterne-Stoff.
Spezialaufführung von Star Wars: A New Hope mit Orchester in Las Vegas (Mai 2010)Bild:
Ethan Miller/Getty Images
Disney und Lucasfilm haben offiziell angekündigt , dass der 1977er-Klassiker Star Wars: Episode IV – A New Hope im Rahmen der 50-Jahr-Feier der Saga in einer frisch restaurierten Originalfassung zurück in die Kinos kommt, und zwar weltweit für eine begrenzte Zeit. Die Sondervorführungen starten am 19. Februar 2027.
Damit kehrt die Version auf die große Leinwand zurück, die 1977 erstmals ausgestrahlt wurde, ohne die späteren und von vielen Fans abgelehnten Anpassungen. Einige Details sind noch offen, etwa ab wann Tickets verfügbar sein werden und in welchen Kinos genau der Film gezeigt wird.
Mit dieser Rückkehr richtet sich das Studio sowohl an langjährige Fans, die den Film in der Fassung erleben wollen, mit der alles begann, als auch an neue Generationen, für die ein Kinoerlebnis mit dem Original-Cut etwas Besonderes sein dürfte.
Baby Yoda kommt ins Kino
Das Wiederaufleben von klassischem Star Wars auf der Leinwand ist nur der Anfang. Bereits am 20. Mai 2026 soll The Mandalorian and Grogu in den deutschen Kinos starten. Das ist eine neue Großproduktion, die den Kopfgeldjäger Din Djarin und Grogu ( "Baby Yoda" ) gemeinsam auf ein neues Abenteuer schickt.
Etwas später folgt der offiziell angekündigte Film Star Wars – Starfighter mit Ryan Gosling in der Hauptrolle und unter der Regie von Shawn Levy. Dieser neue Kinofilm soll am 26. Mai 2027 erscheinen.
Die Handlung entführt das Publikum in eine neue Ära des Star-Wars-Universums, Jahre nach den Ereignissen der bisherigen Saga. Damit plant Lucasfilm bewusst einen Neustart: Starfighter ist als eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte konzipiert, ohne direkte Verknüpfung zu bekannten Figuren oder Handlungssträngen.
Neben Kinofilmen gibt es auch konkrete Pläne im Serienbereich. So wurde für 2026 eine neue animierte Serie namens Star Wars: Maul – Shadow Lord offiziell angekündigt. Sie folgt dem Sith-Lord Darth Maul und spielt kurz nach den Ereignissen von Star Wars: The Clone Wars.
Außerdem ist Star Wars: Ahsoka mit einer zweiten Staffel bestätigt. Darin soll die Geschichte der Jedi-Kriegerin Ahsoka Tano fortgesetzt werden, und zwar vermutlich ebenfalls 2026.
14 Jahre nach dem Absturz einer US-Sentinel im Iran stationieren die USA die Lucas-Drohne im Nahen Osten – und setzen dabei auf iranisch inspiriertes Design.
Shahed, Geran und jetzt – Lucas. Es ist eine weite Reise vom Iran nach Russland und jetzt in die USA: Die Vereinigten Staaten haben der iranischen Shahed-Drohne mit ihrer "Lucas" genannten Kopie ein großes Update verpasst.
Und die USA bringen sie gegen die Drohnenmacht Iran in Stellung – eine fast tragikomische Wendung in ihrem Bemühen, Anschluss an die neue Realität der Kriegsführung wiederzufinden.
Jahrzehntelang waren die USA der global dominierende Militärapparat, mit der Fähigkeit, in jeden Winkel der Welt Macht zu projizieren. Das ist natürlich immer noch der Fall. Doch die Fähigkeiten der USA beruhen in Teilen auf Technologien einer militärisch vergangenen Zeit.
Erst der Krieg um Bergkarabach 2020 ließ das Potenzial von Drohnen erahnen, und der Ukraine-Krieg, der im Februar 2022 von Russland losgetreten wurde, kann als Durchbruch der Drohnenwaffe angesehen werden.
Drohnen, die plötzlich ganz anders sind als alles, was den USA in ihrem kleinen Drohnenarsenal zur Verfügung stand: Winzige, wendige FPV-Drohnen, die zunehmend Aufgaben der Infanterie übernehmen, kleine Aufklärungsdrohnen, Flugzeugmodellen gleich, oder Drohnen, die eine beträchtliche Menge Sprengstoff über kontinentale Entfernungen transportieren können, und in einem speziellen Fall 50 oder 90 Kilogramm.
Von der Geran-Fabrik zur Abrams-Krise: Wie sie die Rüstungsordnung verändern
Und das ist die Geran-2, eine Weiterentwicklung der iranischen Shahed-Drohne, die jetzt zu Hunderten jeden Tag die kritische Infrastruktur der Ukraine trifft, Kraftwerke, Umspannwerke, Freileitungen, die Eisenbahn oder Brücken. Es ist eine mächtige Waffe, eine, die auf die Dauer das Kräfteverhältnis zugunsten Russlands verschieben könnte.
Die russische Militärführung hält die Waffe offenbar für so bedeutsam, dass sie ihr die höchste Priorität zugestanden hat: In Alabuga in Tatarstan ist die, wie einige behaupten, größte Rüstungsfabrik der Welt entstanden, und jeden Monat werden dort geschätzt über 6.000 der Marschflugkörper-ähnlichen Drohnen gebaut.
Das steht für einen substanziellen Umbruch in der russischen Rüstungsindustrie. Das angeblich größte Panzerwerk der Welt, Uralvagonzavod, verkündete [3] vor einem Monat noch eine umfangreiche Personalreduzierung.
Denn Panzer gehören zu der Klasse von Waffen, die durch die neue Kriegsführung, bei der Drohnen eine zentrale Rolle spielen, nicht mehr in einem größeren Umfang benötigt werden: Drohnen statt Panzer, das ist die neue Realität in der Ukraine.
Das hat man nun offenbar auch in den USA erkannt. Zwar scheint man noch an einer Modernisierung des M1-Abrams-Panzers festzuhalten [4], doch zurzeit bleiben größere Panzerbestellungen des US-Militärs aus, anders als etwa in Europa [5].
Die Kopie einer iranischen Drohne
Die Vereinigten Staaten versuchen fieberhaft, den verlorenen Boden zurückzugewinnen – und tun das auf eine Weise, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre, nämlich durch das Kopieren einer iranischen Drohne, namentlich der berüchtigten, weil effizienten und effektiven Shahed-136.
Die Ironie: Fast auf den Tag genau vor 14 Jahren, am 5. Dezember 2011, stürzte eine US-Drohne auf iranischem Staatsgebiet ab, eine RQ-170 Sentinel, vermutlich durch die Einwirkung elektronischer Kriegsführung, und fiel nahezu unbeschädigt in iranische Hand.
Dieser Zwischenfall gab der iranischen Drohnenentwicklung einen Schub, weil er Zugriff auf US-amerikanische Ingenieursleistung gewährte, und führte in der Folge unter anderem zu zwei iranischen Drohnendesigns, die auf der RQ-170 beruhten, der Shahed 171 und der Shahed Saegheh.
Das iranische Drohnenprogramm ist allerdings weit älter, die Anfänge lassen sich bis zum Golfkrieg zurückverfolgen. Die iranische Luftwaffe war nach der Revolution geschwächt, Ersatzteile fehlten. Also wich man auf unbemannte Systeme aus.
Ab Mitte der 1980er-Jahre war etwa die Mohajer-1 im Einsatz, wenig später die Ababil-1. Diese Drohnen waren primitiv, aber der Iran war damit einer der ersten Staaten weltweit, die Drohnen systematisch im Krieg nutzten.
Technische Spezifikationen und Systemvergleich
Die Lucas [6] genannte Shahed-Kopie präsentiert sich als kompakte Deltaflügler-Konstruktion mit einer Gesamtlänge von etwa drei Metern und einer Spannweite von rund 2,4 Metern.
Die von SpektreWorks entwickelte Drohne kann wie die Geran durch verschiedene Startmechanismen eingesetzt werden, darunter Katapulte, raketengestützte Starts sowie mobile Boden- und Fahrzeugsysteme.
Der Stückpreis liegt bei etwa 35.000 US-Dollar. Das Pentagon macht keine konkreten Angaben zu Reichweite, Nutzlast oder Geschwindigkeit der operationalisierten Variante, die Ähnlichkeiten mit der russischen Shahed/Geran implizieren aber ähnliche Spezifikationen.
Die iranische Shahed-136, die als direkte Vorlage für Lucas diente, zeigt folgende Leistungsparameter: Das System wiegt 200 Kilogramm, misst 3,5 Meter in der Länge und hat eine Spannweite von 2,5 Metern.
Der mit einem 50-PS-Verbrennungsmotor ausgestattete iranische Entwurf erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 185 Stundenkilometern und verfügt über eine maximale Reichweite von ungefähr 2.000 Kilometern bei einem 50-Kilogramm-Gefechtskopf.
Die iranische Version wurde ursprünglich für Angriffe auf statische Ziele konzipiert, wobei die Zieldaten vor dem Start programmiert werden. Iran und Russland haben im Laufe der Jahre zusätzliche Versionen mit alternativen Lenksystemen sowie eine strahlgetriebene Ableitung entwickelt.
Varianten und Netzwerkfähigkeiten
Das US-amerikanische Lucas-System existiert in mindestens zwei Konfigurationen [7]. Die Basisvariante entspricht der klassischen Kamikaze-Drohne für statische Ziele, während die erweiterte Version über ein Kamerasystem und eine Starlink-Anbindung verfügt.
Diese Satellitenverbindung ermöglicht die dynamische Kontrolle nach dem Start über große Entfernungen und befähigt die Drohnen auch zum Angriff auf bewegliche Ziele. Das Konzept basiert auf einer hierarchischen Netzwerkarchitektur.
Wenige teure Hub-Drohnen mit Satellitenlink fungieren als Kommandozentralen, während einfachere Kampf-Drohnen sich per Sichtverbindung mit diesen Hub-Drohnen verbinden. Die Echtzeit-Überwachung durch menschliche Operatoren ermöglicht koordinierte Schwarmtaktiken.
Russland verfolgt mit seinen Geran-Varianten einen fundamental anderen Ansatz [8]. Moskau setzt auf chinesische Mesh-Modems im 1300-1500 MHz-Band, die etwa 7.000 Dollar kosten und Verbindungen über hundert Kilometer ermöglichen.
Jedes Modem fungiert gleichzeitig als Relaisstation: Die Drohnen bilden ein Kettennetzwerk (Mesh), in dem Datenpakete automatisch umgeleitet werden, wenn ein Knotenpunkt ausfällt. Selbst wenn achtzig Prozent der Drohnen abgeschossen werden, bleibt das Netzwerk operational.
Das System bietet ausreichend Bandbreite für hochauflösendes Video und FPV-Steuerung. Russland nutzt verschiedene Rückkanäle: Bodenrelais, die von Ortskräften auf Balkonen oder Dächern installiert und parasitär ins ukrainische Internet eingespeist werden, oder reine Luftketten aus Relais-Drohnen für vollständige Unabhängigkeit. Auch das ukrainische Mobilfunknetzwerk könnte über dann verbaute SIM-Karten genutzt werden.
Schwachstellen der beiden Systeme
Die beiden Systeme offenbaren unterschiedliche Verwundbarkeiten. Das amerikanische Lucas-System bietet durch seine Satellitenverbindung globale Reichweite und funktioniert in jeder Flughöhe.
Der entscheidende Schwachpunkt liegt jedoch in der hierarchischen Architektur: Die Hub-Drohnen erzeugen charakteristische Funksignaturen, die durch elektronische Aufklärung detektiert werden können. Ein Gegner mit fortgeschrittenen Fähigkeiten könnte diese Hub-Drohnen gezielt mit Langstrecken-Luftabwehrraketen jagen.
Der Verlust einer Hub-Drohne würde alle verbundenen Kampf-Drohnen ihrer Vernetzung berauben und das Schwarmverhalten zusammenbrechen lassen.
Das russische Mesh-System weist, soweit bekannt, keinen solchen "single point of failure" auf. Die dezentrale Architektur kennt keine priorisierten Zieldrohnen, jede Einheit ist gleichwertig. Die Selbstheilungsfähigkeit bedeutet, dass auch massive Verluste die Funktionsfähigkeit nicht beeinträchtigen.
Allerdings erkauft sich Russland diese Resilienz mit anderen Nachteilen: Bodenrelais schränken Angriffe in großer Höhe ein, doch Russland kann stattdessen Relais-Drohnen einsetzen, die eine Luftkette zurück ins eigene Territorium bilden.
Das System bleibt anfällig für elektronische Kriegsführung, wenn die Signatur der Mesh-Modems erkannt ist. Gegen einen Gegner wie Iran bietet das amerikanische System klare Vorteile, gegen hochentwickelte Gegner mit fortgeschrittener elektronischer Kriegsführung könnte hingegen die russische Lösung operativ robuster sein.
Ausblick auf die Brückentechnologien
Beide Ansätze – die hierarchische Satellitenvernetzung der USA und das dezentrale Mesh-Netzwerk Russlands – können als Brückentechnologien betrachtet werden.
Die nächste Entwicklungsstufe dürfte vollautonome KI-gesteuerte Schwärme sein, die ohne permanente Datenverbindung operieren und eigenständig Ziele identifizieren, priorisieren und angreifen können.
Erste Ansätze dieser Technologie sind bereits in der Erprobung. Sobald diese technische Reife erreicht, würden sowohl die Verwundbarkeit der amerikanischen Hub-Drohnen als auch die Störanfälligkeit der russischen Mesh-Modems irrelevant. Der Wettlauf um diese Fähigkeit ist bereits im Gang.
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Links in diesem Artikel: [1] https://www.war.gov/News/News-Stories/Article/Article/4347258/centcom-launches-attack-drone-task-force-in-middle-east/ [2] https://www.aeronewsjournal.com/2025/12/us-deploys-shahed-136-clones-to-middle.html [3] https://united24media.com/latest-news/orders-decline-at-russias-uralvagonzavod-tank-factory-forcing-major-job-cuts-13197 [4] https://nationalsecurityjournal.org/the-armys-new-m1e3-abrams-tank-is-coming/ [5] https://www.telepolis.de/article/Europas-Panzer-Milliarden-Aufruestung-in-die-Vergangenheit-10276035.html [6] https://www.twz.com/air/russian-shahed-136-kamikaze-drones-now-armed-with-air-to-air-missiles [7] https://www.twz.com/air/american-shahed-136-clones-sent-to-middle-east-have-satellite-datalinks-swarming-capabilities [8] https://www.twz.com/air/american-shahed-136-clones-sent-to-middle-east-have-satellite-datalinks-swarming-capabilities
Die neue US-Strategie attackiert Europas Identität, Militär und Märkte – und kündigt politische Einmischung an. Warum Brüssel trotzdem Coolness simuliert.
Die Trump-Regierung veröffentlicht eine radikal neue Sicherheitsstrategie, die Europa scharf kritisiert. Die EU-Außenbeauftragte Kallas reagiert betont gelassen [1]. Für Europa bedeutet die National Security Strategy [2], die kürzlich aus dem von 51 Weihnachtsbäumen illuminierten Weißen Haus vorgelegt wurde, höhere Militärausgaben, weitreichende wirtschaftliche Forderungen, eine schonungslose Diagnose europäischer Schwächen.
Gesehen aus dem Panoptikum der derzeitig amtierenden US-Entscheider mit der MAGA-Vorgabe, sowie eine Strategie der Spaltung, die der von Putin nicht unähnlich ist.
Das markiert einen historischen Wendepunkt in den transatlantischen Beziehungen, so der Washingtoner Korrespondent der französischen Tageszeitung Le Monde. [4] Er spricht von einer "Scheidung" und einem "Begräbnis" der traditionellen Rolle Europas.
Ziemlich unbeeindruckt vom Ton und Inhalt der neuen US-Sicherheitsdoktrin hob Kaja Kallas die Bedeutung des Bündnisses zwischen Europa und den USA hervor. Die USA seien "immer noch unser größter Verbündeter", sagte sie.
Düstere Diagnose für den Kontinent
Washington diagnostiziert Europa fundamentale Probleme, die weit über wirtschaftliche Stagnation hinausgehen. Die Strategie warnt vor einer "zivilisatorischen Auslöschung" des Kontinents. Das Dokument prognostiziert laut Tagesschau [5]:
"Sollten die gegenwärtigen Trends anhalten, wird der Kontinent in 20 Jahren oder weniger nicht wiederzuerkennen sein."
"Europa leidet nicht nur unter niedrigen Verteidigungsausgaben und wirtschaftlicher Stagnation, sondern unter einem kulturellen und demografischen Niedergang: EU‑Überregulierung, Migrationspolitik, Einschränkungen der Meinungsfreiheit, politische Repression, sinkende Geburtenraten und Verlust nationaler Identität.
Wenn dieser Kurs anhält, wird Europa in 20 Jahren unkenntlich sein und möglicherweise nicht mehr fähig, ein starker Verbündeter zu bleiben."
Die Trump-Regierung bezweifelt offen, ob bestimmte europäische Länder in Zukunft über ausreichend starke Wirtschaften und Streitkräfte verfügen werden, um verlässliche Verbündete zu bleiben.
Das Dokument, wie hier zu sehen, nennt als Gründe für den Niedergang Programmpunkte, die maßgeschneidert zur Agenda der Neuen Rechten in Europa passen: "Masseneinwanderung", die Unterdrückung der politischen Opposition und die Zensur der Meinungsfreiheit. Die Strategie prognostiziert, dass einige Nato-Mitglieder in wenigen Jahrzehnten mehrheitlich nicht-europäisch sein könnten, was die Bündnistreue, die in den Nachkriegsjahren als Selbstverständlichkeit galt, nun auf unsicheres Terrain schleift.
Und die eifrige EU-Außenbeauftragte Kallas zur Beteuerungsmeldung anstiftet?
Fünf Prozent für die Verteidigung
Das zentrale Element der US-Strategie für Europa ist eine drastische Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Die Trump-Regierung fordert mit dem sogenannten "Hague Commitment" eine neue Norm: Nato-Staaten sollen künftig fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben. Das bisherige Zwei-Prozent-Ziel wird damit mehr als verdoppelt.
Das Strategiepapier erklärt, dass die Tage vorbei seien, in denen die Vereinigten Staaten "wie Atlas die gesamte Weltordnung" stützten. Europa soll die primäre Verantwortung für die eigene regionale Sicherheit übernehmen.
Die Strategie stellt zudem klar, dass die Nato-Erweiterung beendet wird.
Ein weiteres Kerninteresse der USA ist laut Papier die rasche Beendigung des Ukraine-Kriegs. Das Dokument nennt als Grund die Stabilisierung der europäischen Wirtschaften, die Verhinderung unbeabsichtigter Eskalation und die Wiederherstellung strategischer Stabilität mit Russland.
Das US-Papier kritisiert zudem, dass europäische Regierungen unrealistische Erwartungen an den Krieg hätten. Für diese Kritik dürfte es viel Zustimmung auch außerhalb der Neuen Rechten geben, von den Realisten, die das Kriegsgeschehen und die öffentlichen Kassen beobachten.
Politische Einmischung angekündigt
Washington verlangt von Europa die Öffnung seiner Märkte für US-Produkte und einen ausgeglichenen Handel – nach dem Verständnis und Gutdünken von Trump. Die Strategie lehnt die europäische Klimapolitik explizit ab: "Wir lehnen die katastrophalen Ideologien des 'Klimawandels' und 'Net Zero' ab."
Die Administration kündigt an, "patriotische", sprich rechtsgerichtete, europäische Parteien strategisch zu unterstützen – um die „nationale Souveränität in Europa“ wiederherzustellen. Was man unschwer als Interesse der USA an einem gespalteten Europa erkennen kann.
Die US-amerikanische Diplomatie solle den "Widerstand" gegen den aktuellen politischen Kurs Europas kultivieren. Was damit genau gemeint ist, wird sich noch zeigen. Erste Impulse, wie die Gewichtungen aussehen, setzte schon die programmatische Rede von Vize-Präsident Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
Zugleich proklamiert das Paper aber auch das Prinzip der "Nicht-Intervention" und des Respekts vor der Souveränität anderer Nationen.
Die New York Times [8] analysiert in ihrer typischen harten Sicht auf Trump und seine Regierung, dass die neue US-Außenpolitik vor allem als profitorientiert – nicht zuletzt auch zum Vorteil des Hauses Trump – beschrieben werden kann.
Die Demokratie werde nicht mehr als Wert verteidigt. Man ziele, wie Beispiele in Südamerika deutlich zeigen würden, grundsätzlich darauf ab, anderen Ländern Aufträge ohne Ausschreibung für US-Unternehmen aufzuzwingen.
Gelassenheit statt Empörung
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas räumte ein, dass Teile der US-Kritik "wahr" seien. "Natürlich gibt es da viel Kritik, aber ich denke, etwas davon ist auch wahr", sagte Kallas. Die Sichtweisen beider Seiten stimmten nicht immer überein, "aber ich denke, das übergreifende Prinzip ist immer noch da".
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul betonte ebenfalls die Bündnistreue, verbittet sich aber "externe Ratschläge" zur Meinungsfreiheit und Organisation der Gesellschaft. Wadephul erklärte, Deutschland brauche "keine externen Ratschläge" zu Fragen der freien Meinungsäußerung.
Le Monde bewertet das Dokument als "historischen Bruch" mit der Nachkriegszeit. Der Washingtoner Korrespondent der Zeitung schreibt, Europa werde von den USA härter behandelt als deren Gegner. Der ehemalige schwedische Premierminister Carl Bildt schrieb in sozialen Medien, die Nationale Sicherheitsstrategie "positioniert sich rechts von der extremen Rechten in Europa".
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Links in diesem Artikel: [1] https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-12/beziehung-europa-usa-kaja-kallas [2] https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2025/12/2025-National-Security-Strategy.pdf [3] https://www.lemonde.fr/international/article/2025/12/06/les-etats-unis-restent-le-plus-grand-allie-de-l-ue-assure-kaja-kallas-malgre-la-publication-de-la-nouvelle-strategie-de-securite-americaine_6656238_3210.html [4] https://www.lemonde.fr/international/article/2025/12/06/la-strategie-de-securite-nationale-americaine-prend-les-europeens-pour-cible-et-menage-ses-adversaires_6656210_3210.html [5] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-sicherheitsstrategie-europa-100.html [6] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-sicherheitsstrategie-europa-100.html [7] https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2025/12/2025-National-Security-Strategy.pdf [8] https://www.nytimes.com/2025/12/05/us/politics/trump-national-security-strategy.html
Die G7 will westlichen Reedereien und Versicherern jeden Transport russischen Öls verbieten – doch zwei Drittel laufen bereits über Schattenflotten.
Die Gruppe der Sieben (G7) und die Europäische Union arbeiten an einem grundlegenden Kurswechsel in der Sanktionspolitik gegen russisches Erdöl. Statt der bisherigen Preisobergrenze soll ein vollständiges Verbot maritimer Dienstleistungen für den Transport von russischem Öl treten.
Das Ziel: Die Öleinnahmen weiter drosseln, die Moskaus Krieg in der Ukraine mitfinanzieren. Ob die Maßnahme greift, bleibt jedoch offen – denn Russland hat längst Wege etabliert, um die Sanktionen zu umgehen.
Neues Verbot könnte Anfang 2026 kommen
Das geplante Verbot würde die seit Ende 2022 geltende Preisobergrenze ablösen. Damals hatten die G7-Staaten festgelegt, dass Käufer russisches Rohöl nur dann transportieren, versichern oder mit anderen Dienstleistungen versorgen dürfen, wenn sie weniger als die festgesetzte Obergrenze zahlen. Mehrere G7-Mitglieder senkten diese Grenze im September von 60 auf 47,60 Dollar pro Barrel, berichtete [1]Reuters.
Das neue Verbot geht weiter: Es würde westlichen Reedereien, Versicherern und anderen Dienstleistern untersagen, am Transport russischen Öls mitzuwirken – unabhängig vom Preis. Die EU könnte die Maßnahme Anfang 2026 im Rahmen eines Sanktionspakets beschließen, sofern sich die G7 auf eine gemeinsame Linie einigen.
Britische und amerikanische Beamte treiben den Plan laut [2]Reuters in technischen Sitzungen voran. Die endgültige Entscheidung der USA hängt allerdings von den politischen Prioritäten der Trump-Regierung ab.
Mehr als ein Drittel der Exporte nutzt westliche Flotten
Derzeit wickelt Russland mehr als ein Drittel seiner Ölexporte über westliche Tanker und Dienstleister ab, vor allem über Flotten aus Griechenland, Zypern und Malta. Das Öl geht hauptsächlich nach Indien und China. Ein Verbot würde diesen Handel wohl beenden.
Die übrigen zwei Drittel laufen bereits über eine sogenannte Schattenflotte [3]– Hunderte alter Tanker außerhalb westlicher Kontrolle, oft ohne transparente Eigentümerstruktur und ohne westliche Versicherung.
Im Oktober entfielen laut den Berichten 44 Prozent der russischen Ölexporte [4] auf sanktionierte Schatten-Tanker, 18 Prozent auf nicht sanktionierte. Nur noch 38 Prozent wurden auf Schiffen mit Verbindungen zu G7-Ländern, der EU oder Australien transportiert.
Insgesamt sind laut Lloyd's List Intelligence 1.423 Tanker im Geschäft mit sanktioniertem Öl aus Russland, Iran und Venezuela unterwegs, heißt es bei Reuters. Davon stehen 921 unter US-, britischen oder EU-Sanktionen.
Russland produziert 9,3 Millionen Barrel pro Tag
Russland förderte im Oktober rund 9,3 Millionen Barrel Öl pro Tag, was etwa neun Prozent der weltweiten Versorgung entspricht. Mehr als die Hälfte davon wird exportiert. Über 90 Prozent der seebasierten Ausfuhren – rund 3,5 Millionen Barrel täglich – gehen an China, Indien und die Türkei.
Die Schattenflotte lässt sich weiter ausbauen, da zahlreiche ältere Schiffe verfügbar sind, teils auch aus westlichen Reedereien. Russland könnte verlorene Kapazitäten ersetzen. Zudem nutzen russische Exporteure bereits heute Schiff-zu-Schiff-Transfers und mischen Rohöl auf hoher See, um Herkunft und Käufer zu verschleiern.
Durchsetzung entscheidet über Erfolg
Die Wirksamkeit des Verbots hängt letztlich davon ab, wie konsequent es durchgesetzt wird. Experten fordern, dass Küstenstaaten – etwa im Baltikum und in Skandinavien, durch deren Gewässer der Großteil des russischen Öls transportiert wird – Inspektionen und Festsetzungen nicht konformer Schiffe deutlich intensivieren.
Bislang fehlt es an Abschreckung, kritisiert Isaac Levi vom Centre for Research on Energy and Clean Air laut Reuters: "Solange nicht konforme Schiffe nicht festgesetzt werden, wird der Handel weitergehen".
Die USA haben bereits im Oktober weitreichende Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil verhängt. Die EU plant zudem, ab dem nächsten Jahr Importe von raffinierten Ölprodukten zu verbieten, die mit russischem Rohöl produziert wurden, und russische Gasimporte [5] bis 2027 auslaufen zu lassen.
Indien reduziert Käufe – vorerst
Indien, zeitweise größter Abnehmer russischen Öls auf dem Seeweg, hat seine Importe zuletzt deutlich gesenkt. Im November und Dezember lagen sie bei 1,38 Millionen Barrel pro Tag, im kommenden Monat könnten sie auf bis zu 600.000 Barrel fallen – der niedrigste Stand seit Anfang 2022, berichtet [6]Bloomberg.
Grund sind US-Druck, Zölle und EU-Sanktionen gegen einen von Rosneft unterstützten Raffineriebetreiber. Einige indische Staatsraffinerien haben ihre Käufe ausgesetzt oder beschränken sich auf nicht sanktionierte Mengen.
Stattdessen kaufen sie teurer im Nahen Osten und den USA ein oder erkunden Lieferungen aus Guyana und Brasilien. Die Frachtraten sind gestiegen, während russisches Öl nach Abzug der Rabatte teils nur noch 40 bis 45 Dollar pro Barrel erzielt.
Doch neue Händler treten bereits auf den Plan, und die Mengen könnten wieder steigen, sobald sich die Lieferketten angepasst haben. Zudem fehlt bislang ein Handelsabkommen zwischen den USA und Indien, das Neu-Delhi zu weiteren Zugeständnissen bewegen könnte.
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Links in diesem Artikel: [1] https://www.reuters.com/markets/commodities/g7s-russian-oil-tanker-ban-shows-teeth-bite-is-doubt-2025-12-05/ [2] https://www.reuters.com/business/energy/eu-g7-weigh-ban-maritime-services-russian-oil-exports-end-price-cap-2025-12-05/ [3] https://www.heise.de/tp/article/China-geht-gegen-Schattenflotte-vor-10729606.html [4] https://www.heise.de/tp/article/Fuenf-Wochen-Talfahrt-Russlands-Oelexporte-im-Sinkflug-11091742.html [5] https://www.heise.de/tp/article/LNG-Warum-zu-viel-US-Gas-ein-Risiko-fuer-Europa-ist-11088240.html [6] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-12-06/russia-s-vital-oil-trade-with-india-is-down-but-not-out
Laut einem Bericht plant SpaceX einen Börsengang 2026 – und könnte damit neue Einblicke in das Vermögen von Elon Musk erlauben.
Nasa und SpaceX starten Crew-11-Mission zur Internationalen Raumstation (1. August 2025).Bild:
Joel Kowsky/Nasa via Getty Images
Das Weltraumunternehmen SpaceX will nach Informationen des Wall Street Journal erneut Anteile verkaufen und könnte damit auf eine Bewertung von rund 800 Milliarden US-Dollar kommen. Das wäre mehr als beim KI-Unternehmen OpenAI und würde SpaceX zur wertvollsten privaten Firma der USA machen.
Laut dem Bericht hat Finanzchef Bret Johnsen Investoren in den vergangenen Tagen über den geplanten Verkauf informiert. Außerdem ist erneut von einem möglichen Börsengang im Jahr 2026 die Rede.
Bei der nun geplanten Aktion können vor allem Mitarbeiter sowie bestehende Geldgeber ihre alten Anteile veräußern und damit Gewinne mitnehmen. SpaceX selbst nimmt dabei kein neues Geld ein. Das Unternehmen wollte die Angaben nicht kommentieren.
Ein Börsengang wird seit Jahren erwartet. SpaceX hat sich in dieser Zeit zu einem wichtigen Partner der US-Regierung entwickelt und bringt regelmäßig Satelliten und Astronauten ins All.
Einblick in Elon Musks Kontostand könnte möglich sein
Mit einem Börsengang ließe sich auch der persönliche Reichtum von Elon Musk genauer bestimmen, da sich sein SpaceX-Anteil bislang nur aus einzelnen privaten Anteilsverkäufen ableiten lässt. Bei Tesla ergibt sich sein Vermögen dagegen direkt aus dem Aktienkurs.
Bekannt ist SpaceX aber auch für den Internetdienst Starlink, der inzwischen weltweit genutzt wird, oft in Regionen ohne feste Infrastruktur oder sogar im Umfeld des Kriegs in der Ukraine. Laut Bericht gibt es über acht Millionen aktive Starlink-Kunden.
Künftig will SpaceX Satelliten direkt mit Smartphones verbinden, so dass diese auch ohne Mobilfunkmast Empfang haben. Dafür hat das Unternehmen große Funkfrequenzen vom Anbieter Echo Star übernommen und viel Geld in die Hand genommen. Ziel ist, Funklöcher auf der ganzen Welt zu schließen.
Ob die Bewertung tatsächlich 800 Milliarden Dollar erreicht, ist noch offen. Die Nachfrage nach SpaceX-Anteilen gilt aber als hoch. Firmenchef Musk hatte bereits im Sommer erklärt, dass das Unternehmen im laufenden Jahr rund 15,5 Milliarden Dollar Umsatz erzielen könnte.
Parallel arbeitet SpaceX weiter an seiner neuen Großrakete Starship, die eines Tages auch für Mondmissionen der Nasa eingesetzt werden soll.
Das KI-Start-up Limitless gehört ab sofort zu Meta – und stoppt seinen Dienst in der EU und einer Reihe weiterer großer Märkte.
Artwork des KI-Wearables PendantBild:
Limitless
Meta hat das Start-up Limitless übernommen. Das aus Denver (US-Bundesstaat Colorado) stammende Unternehmen entwickelt KI-basierte Assistenztechnologie und war bislang vor allem durch ein tragbares Diktiergerät bekannt.
Mit dem Zukauf will Meta seine Strategie für KI-Wearables ausbauen und Hardware stärker mit hauseigenen Modellen wie Meta-AI verzahnen. Reuters zufolge wurden keine finanziellen Details veröffentlicht.
In einem Video auf der offiziellen Webseite erklärt Firmengründer Dan Siroker, als man vor fünf Jahren gestartet sei, sei künstliche Intelligenz "für viele nur ein Traum" gewesen und Hardware-Start-ups galten als kaum finanzierbar.
Heute baue man "eine Zukunft, die unvermeidlich wirkt" . Die Vision seines Teams passe zur von Meta angekündigten "persönlichen Superintelligenz" .
Für bestehende Kunden in den USA bedeutet die Übernahme vorerst Unterstützung: Das wichtigste Produkt Pendant soll noch mindestens ein weiteres Jahr funktionieren. Abonnements entfallen, Bestandsnutzer erhalten den sogenannten Unlimited-Plan automatisch und ohne zusätzliche Kosten.
Datensicherung bis zum 19. Dezember 2025 möglich
Allerdings zieht Limitless den Service in mehreren Regionen komplett zurück. Ab sofort ist der Dienst unter anderem in der Europäischen Union, Brasilien, China, Israel, Südkorea, der Türkei und dem Vereinigten Königreich nicht mehr verfügbar.
Nutzer in diesen Ländern können bis zum 19. Dezember 2025 ihre Daten herunterladen, danach werden Konten und gespeicherte Informationen dauerhaft gelöscht.
Limitless war ursprünglich als Rewind gestartet. Die erste Software zeichnete sämtliche Aktivitäten auf dem Computer auf, machte sie durchsuchbar und beantwortete Anfragen per Chatbot.
Später verlagerte das Start-up das Konzept auf den Alltag: Das Pendant ist ein kleiner Clip, der gesprochene Inhalte mit einem Bluetooth-Mikrofon aufnimmt und automatisch transkribiert – vergleichbare Geräte gibt es inzwischen auch von anderen Herstellern, am bekanntesten sind inzwischen wohl die Geräte von Plaud AI. Offen bleibt, ob Meta das Pendant weiterführt oder die Technik lediglich in eigene Geräte integriert.
Wer arbeitet gerade woran? Was hat Priorität? Welche Risiken gibt es? – In großen Firmen schafft das agile Framework Safe hier Transparenz.
Safe verspricht Unternehmen viel: von besserer Transparenz über klare Rollen bis hin zu planbaren Ergebnissen.Bild:
Ronald Candonga/Pixabay
In unserer Serie über skalierte agile Frameworks haben wir bisher betrachtet, warum überhaupt Bedarf an skalierten Frameworks besteht (g+) und wie erste Lösungen wie Scrum of Scrums (g+) , Nexus (g+) und zuletzt Less (g+) aussehen können. All diese Frameworks haben Vor- und Nachteile, sind aber generell offen gestaltet, schreiben wenig vor und fokussieren sich dabei hauptsächlich auf die Produktentwicklung.
Im Gegensatz dazu ist das Scaled Agile Framework (Safe; Eigenschreibweise: SAFe) deutlich präskriptiver und betrachtet auch angrenzende Bereiche wie Portfoliomanagement, Strategie und Budgetierung. Dabei werden auch viele Trends, Vorgehen und Methoden, die über das eigentliche Framework hinausgehen, in Safe integriert und in neuen Versionen veröffentlicht. Dabei versucht Safe, über verschiedene Konfigurationen des Frameworks sowohl für kleinere Unternehmen als auch für Großkonzerne nutzbar zu sein. Wir schauen uns an, wie Safe funktioniert, für welche Unternehmen es geeignet ist und warum auch unsere fiktive Firma Techedge inzwischen über einen Wechsel zu Safe nachdenkt.
Verbrauchen, was noch im Kühlschrank ist, kann eine Herausforderung sein. Um geeignete Rezepte zu finden, gibt es Restegourmet.
In jeder Ausgabe des c’t Magazins stellen wir Ihnen in der Rubrik "Web-Tipps" ein Sammelsurium an Websites vor. Hier zeigen unsere Redakteurinnen und Redakteure Seiten, die sie kurios, hilfreich, spannend, lehrreich, nützlich oder einfach nur witzig finden. Weitere Web-Tipps finden Sie auf unserer Website [1].
Ein paar übergebliebene Lebensmittel im Kühlschrank und keine Idee, was man daraus machen soll? Restegourmet [3]liefert passende Vorschläge anhand einer einfachen Zutatenliste. Dazu trägt der Nutzer die vorhandenen Lebensmittel ein und bekommt Rezepte vorgeschlagen. Zusätzlich sind auch Kategorien wie Party oder Snack verfügbar.
Die Seite liefert Informationen, wie lange es dauert, das Gericht zu kochen und wie aufwendig die Zubereitung ist. Hat man sich dann für eine Variante entschieden, leitet einen die Website auf die entsprechenden Seiten wie Chefkoch oder ein Rezepte-Blog weiter. Außerdem kann man Einträge nach verschiedenen Ernährungsweisen wie vegan oder laktosefrei filtern.
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Links in diesem Artikel: [1] https://www.heise.de/thema/ct-webtipps [2] https://restegourmet.de/ [3] https://restegourmet.de/ [4] https://www.heise.de/ct [5] https://whatsapp.com/channel/0029VaCUFFEInlqYnQg2lb0h [6] https://www.heise.de/select/ct [7] https://shop.heise.de/magazine/ct-magazin/ [8] mailto:tlz@heise.de
Zwar aktualisiert der iPhone-Hersteller iOS, iPadOS, macOS und Co. auch immer in älteren Versionen. Doch das deckt nicht alle Fehler ab. Warum?
Mehr Menschen als üblich dürften im September darauf verzichtet haben, bei Erscheinen von iOS 26, iPadOS 26 und macOS 26 ihr System sofort zu aktualisieren – zumindest ist das der Stimmung in diversen Apple-Foren zu entnehmen. Der Hersteller hatte mit Liquid Glass ein brandneues Oberflächendesign eingeführt. Diese gravierenden Änderungen erschienen zahlreichen Usern jedoch – gelinde gesagt – gewöhnungsbedürftig.
Viele von ihnen waren deshalb noch wochenlang mit Systemen wie macOS Sequoia oder iOS 18 unterwegs. Aus gutem Grund: Besonders unter macOS haben es sich Apple-Kunden angewöhnt, zunächst bis zur dritten oder vierten Unterversion zu warten, weil dann die meisten Kinderkrankheiten der neuen Systeme beseitigt sind. Firmenkunden sind mit Upgrades ohnehin noch vorsichtiger und bleiben länger bei älteren Versionen, um Arbeitsabläufe durch etwaige Inkompatibilitäten nicht zu stören.
Apple ist nicht transparent
Das Hinauszögern kann jedoch Folgen haben. Denn viele Nutzer wissen nicht, dass Apple nur beim jeweils neuesten Betriebssystem alle bekannt gewordenen Sicherheitslücken schließt. Das hatte der Konzern 2022 erstmalig für macOS zugegeben [1], diese Tatsache gilt auch für iOS und iPadOS. Zwar versorgt Apple die beiden Vorversionen mit Updates, jedoch nicht vollständig. Das erkennt man nur, wenn man die langen Listen der Fehlerbehebungen aus Apples Security Release Notes miteinander vergleicht. Besonders gut sieht man das bei großen Übergängen wie von macOS 15 auf 26.
Apple ignoriert damit das Verhalten seiner Nutzerschaft und sorgt mit unvollständigen Security-Updates für eine Scheinsicherheit. So bleiben viele Systeme angreifbar. Schlimmer noch: Es gibt keine Transparenz darüber, welche Sicherheitsprobleme Apple (nicht) behebt und warum. Werden diese einfach frei ausgewürfelt oder nach Schweregrad bestimmt? Was droht mir wirklich, wenn ich nicht sofort auf das allerneueste System aktualisiere? Keiner weiß es, Apple schweigt.
Lösen ließe sich das alles durch einen von zwei Wegen. Entweder, Apple reduziert den Rhythmus seiner Betriebssystem-Updates und gibt Nutzern so mehr Zeit, sich auf die jeweils neueste Systemversion einzustellen. Dann hätten die Betriebssysteme vielleicht auch weniger Bugs, sodass die Nutzer wiederum zeitnah umsteigen wollen. Oder Apple schließt sämtliche bekannten Lücken in allen unterstützten Systemen, was ich für die einfachere Variante hielte. Warum das nicht ohnehin geschieht, bleibt mir ein Rätsel.
Dieser Kommentar erschien zuerst als Editorial in Mac & i 6/2025 – jetzt frisch am Kiosk und im heise shop [2].
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Vor allem die KI-Blase hat die Debatte über Schäden neu entfacht, die überschießende Spekulation verursacht oder verursachen kann. Eine Philippika.
Finanzmärkte sind überaus nützlich, lehrt die Neoklassik. Sie sorgten dafür, dass diejenigen, die Geld brauchen, es zu möglichst günstigen Konditionen erhalten. Diejenigen, die es verleihen, bekämen im Gegenzug einen angemessenen Zins. So werde der Faktor Kapital optimal alloziert.
Und in genau definierten Grenzen ist das sogar richtig: Für Unternehmen macht es Sinn, sich gegen plötzliche Preissprünge abzusichern. Und die Theorie wurde weltweit ausgiebig getestet: “Bis 1980 entsprach der Wert der globalen Finanzanlagen etwa dem des globalen Sozialprodukts; zwischenzeitlich beträgt das Verhältnis 1:10“, stellt [1] etwa das Deutsche Institut für Entwicklung und Nachhaltigkeit 2017 fest.
Hedging
Wenn sich etwa eine Brotfabrik gegen Preisschübe bei Missernten versichert, kostet das zwar ein wenig Geld – auch wenn die Ernte gut ausfällt. Aber diese Absicherung (hedging) schützt Produzenten und Konsumenten davor, urplötzlich astronomische Preise für Brot verlangen bzw. zahlen zu müssen.
Hedging könnte also als schlichte Finanzdienstleistung funktionieren – so ähnlich wie eine Elementarschadensversicherung bei Wohneigentum. Tut es aber nicht.
Preissteigerungen in der Praxis
Wurden 2002 elfmal so viele Weizenkontrakte gehandelt wie die weltweit verfügbare Weizenmenge, waren es 2011 bereits 73 Mal so viele [2]. Da kann es nicht verwundern, dass die Preise für Weizen völlig unabhängig von den fundamentalen Marktdaten (Erntemengen und Bedarfe) bewegt werden – und zur Freude der Anleger dabei in der Regel steigen [3].
Das kommt bei uns in Deutschland dann als unangenehme Preissteigerung [4] für Brot an, kostet im Globalen Süden allerdings Menschenleben [5]. Deshalb wären strenge Marktzugangshürden oder Positionslimits dringend geboten.
Unzulängliche Theorie
Aber schon zwischen der Theorie der optimalen Allokation von Kapital durch die Finanzmärkte und der Praxis klaffen deutliche Lücken. Denn es gibt einen ganz grundsätzlichen und unüberbrückbaren Widerspruch zwischen der Art, wie Spekulationsgewinne entstehen und den Bedürfnissen von Wirtschaftssubjekten bei der Produktion von Waren und Dienstleistungen:
Spekulationsgewinne erfordern Bewegung bei den Kursen auf die spekuliert wird. Also profitiert der Spekulant immer von wirtschaftlicher Unsicherheit, während Unternehmen und Verbraucher im Gegensatz dazu eine berechenbare wirtschaftliche Entwicklung brauchen.
Der Machtfaktor
Brutal zutage tritt dieser Widerspruch, wenn Einzelne über derartige Unmassen an Geld verfügen, dass sie ganze Volkswirtschaften zugunsten ihres persönlichen Gewinns schädigen können. Denn wenn sie mächtig genug sind, können Spekulanten die von ihnen gewünschten Bewegungen in den Notierungen erzwingen:
So wurden die Hunt-Brüder 1980 in ihrem Versuch, den Weltmarkt an Silber zu ihren Gunsten manipulieren [6] erst durch eine Regeländerung an der Warenterminbörse in New York gestoppt.
1992 zwangen George Soros und andere große Investoren die Bank of England dazu, das britische Pfund aus dem Europäischen Wechselkursmechanismus zu nehmen und radikal abzuwerten [7]. Soros verdiente etwa eine Milliarde US-Dollar dabei.
Spekulation gegen ganze Volkswirtschaften
Und Soros wiederholte diesen Coup und hatte wieder Erfolg: In der Asienkrise 1997 wettete er gegen die Anbindung des thailändischen Baht an den US-Dollar und 2013 setzte er auf eine Abwertung des japanischen Yen.
Also lernte Bangkok es auf die harte Tour. Die thailändische Wirtschaft, die 1996 noch um fast um sechs Prozent gewachsen war, schrumpfte 1998 um verheerende 10,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit [8] stieg sprunghaft an.
Die Konsequenz: Thailand begann, massive Devisenreserven als „Kriegskasse” für künftige Angriffe anzuhäufen, eine Praxis, die mittlerweile praktisch weltweit gang und gäbe ist. 2003 hatte die thailändische Nationalbank bereits 131 Mrd. US-Dollar angehäuft.
Kriegskassen
2023 hielten die Notenbanken weltweit Währungsreserven [9] im Umfang von 12.347 Milliarden US-Dollar vor.
Das ist auch nötig, denn die Dimensionen des internationalen Handels mit Währungen sind gewaltig: 2004 belief sich der weltweite Devisenhandel nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auf etwa zwei Billionen US-Dollar. 2025 war diese Summe auf knapp zehn Billionen angewachsen [10].
Aber nicht alle hatten die Lektion gelernt. Infolge der Subprime-Krise 2008 gingen Island [11] und auch die Ukraine [12] in die Knie.
Spekulationsgewinne sind keine Wohlfahrtsgewinne
Ein zweites fundamentales volkswirtschaftliches Problem des globalen Kasinos ist, dass viele der Spekulationsgewinne keine Wohlfahrtsgewinne darstellen: Denn die sogenannten Gewinne der einen Gruppe von Spekulanten entsprechen [13] exakt den Verlusten der Gegenpartei.
Anstatt volkswirtschaftlich sinnvoll für Konsum oder gar Investitionen verwendet zu werden, wechselt das Geld also lediglich seinen Besitzer. Finanzderivate oder spekulative Anlagen sind somit kein Ersatz für die Herstellung von Gütern oder die Bereitstellung von Dienstleistungen.
Steigen die Kurse an den Börsen nachhaltig, ist dies nicht den Finanzmärkten zu danken, sondern den Unternehmen, die steigende Gewinne verzeichnen.
Spekulieren statt investieren
Im Effekt entziehen die Finanzmärkte der Realwirtschaft im Gegenteil Kapital für spekulative Aktivitäten und kurzfristige Gewinne und lenken sie in eine Finanzwirtschaft um, die von der Produktion von Gütern und Dienstleistungen weitgehend abgelöst ist.
Statt einer Verteilung der Geldmittel entsprechend den Bedürfnissen der Realwirtschaft kommt es also zu einer Fehlallokation von epischen Ausmaßen. Die Schaffung von Arbeitsplätzen oder die Produktivitätssteigerungen unterbleiben, was die betroffenen Volkswirtschaften auf Dauer schädigt.
Ein übermäßiges Anwachsen des Kasinobetriebs kann im Umkehrschluss natürlich auch als Warnsignal verstanden werden, dass die Realwirtschaft keine ausreichenden Gewinnaussichten bietet. Wenn spekulative Anlagen profitabler sind als reale Investitionen, fließt das Kapital dorthin. Wenn Finanzmärkte zunehmend unabhängig von der realen Wirtschaft agieren, führt das jedoch letztlich zu wirtschaftlicher Instabilität und Krisen.
Fazit
Finanzgeschäfte werden spekulativ missbraucht, obwohl sie zur Absicherung von Elementar- und Marktrisiken dienen könnten und sollten. Politisch gesteuerte Währungskorridore wie Bretton-Woods oder das Europäische Währungssystem vor der Einführung des Euro konnten Marktrisiken für die Realwirtschaft erfolgreich [14] und über Jahrzehnte im Zaum halten.
Auch empirisch sind die Befunde eindeutig: “Offene Finanzmärkte sind keine hinreichende Bedingung für Wirtschaftswachstum“, betont [15] Heiner Flassbeck. Als empirische Belege dafür nennt der ehemalige Chef-Volkswirt der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (Unctad) Länder wie Südafrika, Jordanien oder Peru. Umgekehrt verfügten Indien und vor allem China über strikt regulierte Kapitalmärkte.
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Boudica führte einen Aufstand gegen die Römer an. Die keltische Königin einte mehrere Stämme im Kampf für die Freiheit. Was trieb sie in die Rebellion?
Im Jahre 60 unser Zeit hatte der britannisch-keltische Stamm der Icener [1] genug von der römischen Herrschaft. Er suchte sich Verbündete unter den Nachbarstämmen und machte seine Königin zur Anführerin einer Rebellion: Boudica – die Siegreiche, hatte allen Grund die Römer zu hassen. Ihr königlicher Ehemann Prasutagus hatte sein Reich und seine Schätze testamentarisch zur Hälfte den Römern und zur Hälfte seinen Töchtern vermacht.
In Anbetracht der römischen Macht hoffte er so wenigstens die Hälfte für seine Familie zu retten. Doch die Römer nahmen alles und das auch noch mit Gewalt und Terror. Sie raubten die Ländereien der Icener und versklavten diese, misshandelten die königliche Witwe und vergewaltigten deren Töchter. Kurz, sie verhielten sich wie Besatzer und taten alles, um einen Aufstand der gequälten Icener zu provozieren.
Keltischer Widerstand
Die Icener fanden Unterstützung bei ihren Nachbarn, den Trinovanten, die von den Römern aus ihrer Hauptstadt Camulodunum (Colchester) vertrieben und durch römische Veteranen ersetzt worden waren. Der Bau eines Tempels zu Ehren des verstorbenen Kaisers Claudius wurde als Provokation angesehen. Außerdem gab es finanzielle Manipulationen zu Lasten der Einheimischen. Das alles kam nicht gut an bei den Britanniern. Die beiden Stämme verschworen sich.
Als der römische Statthalter Gaius Suetonius Paulinus mit dem Heer in Wales unterwegs war, um dort den Widerstand gegen Rom zu brechen und die Insel Mona angriff, die ein Zentrum der Druiden und des Widerstands der keltischen Bevölkerung war, schlugen sie los. Camulodonum, Verulamium (bei St. Albans) und Londinium (London) wurden nacheinander erobert, verwüstet und die Bewohner getötet.
Die Opfer waren römische Veteranen mit ihren Familien und romanisierte Kelten. Icener und Trinovanten ließen ihrem Hass freien Lauf. Ein breiter Zerstörungshorizont, den die Archäologen Boudican destruction horizon nennen, weist bis heute auf die Gewaltexplosion während des Aufstandes hin. Das harte römische Besatzungsregime hatte auf der Gegenseite nicht zum Nachgeben, sondern zur Verhärtung des Widerstands geführt.
Der Aufstand brach in der zweiten Hälfte des Jahres 60 u. Z. im Osten Britanniens los, während die römischen Streitkräfte ganz im Westen beschäftigt waren. So dauerte es wahrscheinlich bis ins nächste Jahr ehe die Heere in der Mitte des Landes an der Watling Street aufeinandertrafen. Der genaue Ort der Schlacht ist unbekannt. Es endete katastrophal für Boudica und ihre Mitkämpfer.
Unfall oder Suizid?
Gegen das disziplinierte, besser ausgerüstete römische Heer mit seinem erfahrenen Feldherrn Suetonius Paulinus hatten die zahlenmäßig überlegenen Icener, Trinovanten und Verbündete keine Chance. Ihr Mut und ihre Tapferkeit prallten an den Schilden der Legionäre ab. Wer fliehen konnte, wurde von der Reiterei niedergeritten. Boudica, die ihre Töchter mitgebracht und das Heer der Aufständischen angeführt hatte, nahm sich angesichts der Niederlage das Leben, berichtet Tacitus.
Cassius Dio, die zweite Quelle, die wir haben, liefert eine eindrucksvolle Beschreibung Boudicas: "Sie war hochgewachsen, furchterregend in ihrer Erscheinung, und ihr Auge blitzte. Dazu besaß sie eine rauhe Stimme. Dichtes, hellblondes Haar fiel ihr herab bis zu den Hüften, den Nacken umschlang eine große, goldene Kette, und der Rock, den sie trug, war bunt und von einem dicken Mantel bedeckt, der durch eine Fibel zusammengehalten wurde. Damals nun ergriff sie eine Lanze, um auch auf diese Weise ihre sämtlichen Zuschauer in Schrecken zu versetzen […]" (nach Cassius Dio, Römische Geschichte 5, übersetzt von Otto Veh, 1987, S. 49).
Vermutete römische und britannische Truppenbewegungen während des Boudica-Aufstands
Er behauptet anders als Tacitus, dass Boudica erkrankt und daraufhin gestorben und von ihren Anhängern mit einem ehrenvollen Begräbnis feierlich bestattet worden wäre.
An der Authentizität der Darstellung des Cassius sind Zweifel angebracht. Sicher stilisiert er die "Barbarenkönigin" als mutig, stark und attraktiv nach dem Amazonentopos, um sein römisches Publikum zu beeindrucken. Außerdem erhöht sich der Ruhm der römischen Waffen, wenn die Gegner gefährlich und bedrohlich daherkamen.
Tacitus, der durch seinen Schwiegervater Agricola Informationen aus erster Hand erhielt, denn Agricola kämpfte mit in Britannien im Führungsstab des Suetonius Paulinus und wurde dort später Statthalter, erwähnt den Aufstand gleich in zweien seiner Werke in den Annalen und in der Lebensbeschreibung des Agricola.
Unterschiedliche Rezeption des Aufstands
Tacitus widmet den Ereignissen breiten Raum und schildert dessen Ursachen ausführlich. Er bringt für die Rebellen als Freiheitskämpfer fast schon Sympathie auf: Icener und Trinovanten "und dazu die anderen Stämme, die, noch nicht durch Knechtschaft gebrochen, sich zur Wiedergewinnung der Freiheit […] verpflichtet hatten" (Tacitus, Annalen, lateinisch-deutsch, hg. von Erich Heller, Buch 14, ²1992, S. 665). Diese Beachtung beim bedeutendsten römischen Geschichtsschreiber spricht dafür, dass der Boudica-Aufstand ein Aufsehen erregendes Ereignis war.
Wie die Einheimischen die Erhebung gegen die römische Herrschaft sahen, können wir nur vermuten. Es gibt keine britannischen Quellen dazu. Relativ wahrscheinlich dürfte es zwei Positionen gegeben haben: eine römerfreundliche, für die Klientelkönige wie Prasutagus standen, die ihre Macht den Römern verdankten, oder in den innerbritannischen Machtkämpfen Hilfe bei den Römern suchten.
So war es auch im Jahre 43 u. Z. als einer der inselkeltischen Kleinkönige bei Kaiser Claudius in Rom auftauchte, Unterstützung gegen seine Feinde forderte und damit die Invasion der Römer auf die Insel einleitete. Auf der anderen Seite eine römerfeindliche, die wie Boudica den Verlust der Freiheit beklagten. Damit verbunden war die Gefährdung der eigenen Götter durch neue Kulte, Unterdrückung, Besatzerwillkür, Abgabenlasten und auf längere Sicht der Verlust der eigenen Sprache und Kultur. Es sind v. a. Probleme innerhalb der britannischen Oberschicht, der Herrschaftselite, die sich für oder gegen die Römer entscheiden mussten.
Gekommen um zu bleiben
Zurück zu Boudica: Der Aufstand war mit der Niederlage in der Schlacht und dem Tod der Anführerin gescheitert. Aber es dauerte bis wieder Frieden herrschte. Suetonius Paulinus hatte zwar gesiegt, musste aber den Oberbefehl abgeben. Mehrere aufeinanderfolgende Statthalter bemühten sich ohne durchschlagenden Erfolg. Mal meuterten die Briganten, mal die Silurer, mal die Ordovicer – erst als Julius Frontinus (74–77) und dann Agricola den Oberbefehl in Britannien übernahm, wurde zielstrebig auf ein Ende der Kämpfe hingearbeitet.
Agricola überwältigte die Ordovicer, die eine römische Reiterabteilung aufgerieben hatten. Er eroberte die Insel Mona, woran Paulinus noch wegen Boudicas Aufstand gescheitert war. Und er bemühte sich die Ursachen der Unruhen zu beseitigen, indem er die Abgaben und Steuerlast minderte oder gerechter verteilte. Da er jedoch die Ausdehnung der römischen Herrschaft nicht unterließ, nahmen die Kriege kein Ende wie Tacitus beschreibt. (Tacitus, Das Leben des Julius Agricola, lateinisch-deutsch, hg. von Rudolf Tell, 1961).
Die Römer waren gekommen um zu bleiben – zumindest für 400 Jahre. Britannien wurde bis zum Hadrianswall romanisiert. Das bedeutete Militär, Christentum, Städte, Straßen, Häfen, Weinanbau und Latein. Als bald nach 400 u. Z. die letzten römischen Legionäre die Insel verließen, versuchten die Verbliebenen weiterhin wie Römer zu leben. Sie wehrten sich gegen die Eindringlinge aus dem Norden, die Skoten und Pikten, und sie kämpften gegen Angeln und Sachsen. In diesen Kämpfen wurde eine weitere Legende geboren: die des Königs Artus, der die Romano-Briten lange erfolgreich anführte – am Ende vergeblich.
Boudica, die Icenerin, reiht sich ein in die Reihe von Kämpfern gegen die römische Herrschaft, die viel später zu nationalen Ikonen wurden, wie Viriathus der Lusitanier auf der iberischen Halbinsel (147–139 v.u.Z.), wie Vercingetorix der Averner in Gallien (58–50 v.u.Z.) und wie Arminius der Cherusker in Germanien. Alle ließen in diesen Kriegen ihr Leben. Die römische Macht erwies sich lange als zu groß.
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Links in diesem Artikel: [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Icener [2] https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Iron_Age_coin_,_Icenian_silver_unit_(FindID_646126).jpg [3] https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de [4] https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Boudicca-Aufstand.PNG [5] https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Boudica%27s_Way_-_footpath_marker_-_geograph.org.uk_-_1355445.jpg [6] https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de