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Taxis in Russland: Bald nur noch Lada und Moskwitsch?

Von Franziska Lindner
Ein Taxi in urbaner Kulisse

Ein Taxi in Moskau: Russlands Regierung plant mit einem neuen Gesetz, heimische Hersteller und Monteure zu stärken

(Bild: welcomeinside/Shutterstock.com )

Ab März 2026 dürfen in Russland nur noch heimisch montierte Autos als Taxis fahren. Damit soll die heimische Autoindustrie gestärkt werden. Was das für die Fahrer bedeutet.

Am vergangenen 1. Oktober hat das Ministerium für Industrie und Handel der Russischen Föderation eine sogenannte "vorläufige Liste" von Fahrzeugmodellen veröffentlicht, mit denen Taxifahrer ab dem 1. März des kommenden Jahres ihre Fahrgäste befördern dürfen.

Stichwort Lokalisierung

Bereits Ende Mai 2025 hatte der russische Präsident Wladimir Putin ein Gesetz [1] über die Einführung von Anforderungen an den Grad der Lokalisierung von Fahrzeugen, die als Personentaxis verwendet werden dürfen, unterzeichnet. Jenes Gesetz hatte die Staatsduma zuvor in zweiter und dritter Lesung auf ihrer Plenarsitzung am 13. Mai verabschiedet.

Das Gesetz zielt in erster Linie darauf ab, die russische Automobilindustrie zu stärken. Unter "Lokalisierung" ist die Herstellung eines Fahrzeugs oder seiner Teile auf dem Gebiet der russischen Föderation zu verstehen.

Ab März 2026 dürfen demgemäß nur noch Vehikel als Taxis verwendet werden, die entweder den Anforderungen der Regierung an Fahrzeuge, die für staatliche und kommunale Zwecke angeschafft werden, entsprechen oder im Rahmen von sogenannten Sonderinvestitionsverträgen auf dem Gebiet der Russischen Föderation hergestellt wurden.

Somit dürfen für den Taxibetrieb nur russische Modelle oder nicht heimische Fahrzeuge mit einem hohen Anteil an Lokalisierung, die in Russland montiert wurden, verwendet werden. Letzteres betrifft bislang ausschließlich chinesische Marken; doch unter diesen nicht alle.

Lada ganz oben auf der Liste

In die vorläufige Liste aufgenommen wurden mehr als 20 Automodelle von sechs verschiedenen Herstellern. Ganz oben befindet sich der traditionsreiche und beliebte Lada mit den Modellen Granta, Iskra, Vesta, Aura, Largus, Niva Legend sowie Niva Travel. Es folgen die Marken UAZ mit den Modellen Patriot und Hunter sowie Sollers mit dem Minivan SP7 - ein in Russland hergestelltes Multifunktionsfahrzeug, das auf dem chinesischen JAC Refine RF8 basiert.

Gelistet wurden ferner der russische Produzent von Elektro- und Hybridautos Evolute mit den Versionen i-PRO, i-JOY, i-SKY, i-JET und i-SPACE sowie der chinesische Hersteller von Elektro- und Hybridwagen Voyah mit den Modellen Free, Dream and Passion. Beide werden vom Automobilhersteller Motorinvest in dessen Werk in der Oblast Lipezk rund 450 Kilometer südlich von Moskau produziert.

Die sowjetische/russische Automobilmarke Moskwitsch mit den Modellen 3, 3e, 6 und 8 schließt die Liste vorläufig. Seine Produktion in der Oblast Moskau im ehemaligen Renault-Werk wurde erst im Jahr 2022 wieder ausgenommen.

Angaben des Ministeriums für Industrie und Handel zufolge werde die Liste aktualisiert, sobald neue Modelle russischer Marken und anderer Autos auf den Markt kommen, deren Produktion im Land lokalisiert worden ist.

Fraglich ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt bereits, warum der chinesische Hersteller Haval auf der Liste fehlt, dessen Produktion nahe Tula knapp 200 Kilometer südlich von Moskau lokalisiert ist. Der Crossover Haval Jolion ist derzeit eines der meist verkauften ausländischen Autos in Russland, der für seinen wettbewerbsfähigen Preis und seine Ausstattung beliebt ist.

Dagegen erscheint es zugleich etwas seltsam im Taxibetrieb, Fahrgäste im dreitürigen Lada Niva Legend oder im massiven Geländewagen UAZ Hunter zu befördern.

Herausforderungen und Risiken

Das Hauptziel des Gesetzes ist es auf lange Sicht den Absatz russischer Autos zu steigern, um die Abhängigkeit der Branche von ausländischen Herstellern zu verringern, was angesichts des bestehenden Drucks durch die vornehmlich westlichen Sanktionen von Bedeutung ist.

Ferner zielt es darauf ab, die Interessen zumindest einiger chinesischer Hersteller zu unterstützen, die bereit sind, ihre Produktion in russische Werke zu verlagern.

Auf kurze Sicht ist die Umsetzung des Vorhabens jedoch schwierig und birgt Risiken hinsichtlich Verfügbarkeit und Preissteigerungen auf dem Taximarkt. Im Jahr 2025 sind die beliebtesten Modelle [2] bei Taxifahrern in Russland Lada Vesta, Hyundai Solaris, Skoda Octavia, Kia Rio sowie Geely Coolray und Volkswagen Polo. Das neue Gesetz wird daher eine erhebliche Anpassung der Taxibranche erfordern.

Zunächst können zwar ausländische Fahrzeuge, die bereits als Taxis eingesetzt werden, bis zum Ablauf der für sie bereits erteilten Genehmigung für die Beförderung von Fahrgästen weiter genutzt werden. Doch die Gültigkeitsdauer der Taxigenehmigung beträgt lediglich 5 Jahre.

Einigen Regionen wurde unterdessen eine Fristverlängerung für die Einführung des Gesetzes gewährt, so den Regionen des Fernen Ostens bis zum 1. März 2030 und den Regionen des Sibirischen Föderationskreises sowie der Oblast Kaliningrad bis zum 1. März 2028.

Allgemein lassen sich die auf dem Taximarkt aktiven Transportunternehmen in drei Kategorien einteilen: Taxiflotten, Einzelunternehmer und selbstständige Fahrer.

Experten gehen davon aus [3], dass letztere in vielen Fällen gezwungen sein werden, sich vom Markt zurückzuziehen und ihre Tätigkeit zu wechseln, da sie nicht in der Lage sein werden, ihr Privatfahrzeug durch ein neues Auto, welches den Gesetzesanforderungen entspricht, zu ersetzen. Ebenfalls oder genauso könnten sie in den Schattenbereich abtauchen und illegal sowie unter Umgehung von Steuerzahlungen weiter arbeiten; zumindest in Teilzeit.

Sachkenner nehmen ebenso an, dass die neuen Vorschriften zu einer Verteuerung der Taxidienste führen werden. Trotz der erwähnten Übergangsfristen sind die Betreiber gezwungen, alte ausländische Fahrzeuge in recht kurzer Zeit schrittweise auszumustern und durch neue, teurere heimische Fahrzeuge zu ersetzen. Dadurch werden für die entsprechenden Transportunternehmen Kosten entstehen, welche durch eine Erhöhung der Fahrpreise ausgeglichen werden müssen.

Wie sich die Lage kurz- und langfristig ausgestaltet, bleibt derzeit abzuwarten.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10793359

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.avtospravochnaya.com/Files/2025/0001202505230018.pdf
[2] https://dzen.ru/a/aDmqtdi-mCCIQ4af
[3] https://www.forbes.ru/biznes/537134-lada-po-vyzovu-naskol-ko-zakon-o-lokalizacii-taksi-strasen-dla-rynka-i-passazirov

Copyright © 2025 Heise Medien

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  • 26. Oktober 2025 um 08:00

(g+) Nasa - Open Source seit 1958?: For all Mankind

Von Markus Feilner
In den mehr als 60 Jahren ihres Bestehens hat die Nasa stets offene und freie Projekte gestartet und gefördert. Ohne Open Source und Open Science wären zahlreiche davon unmöglich.
Wie Open Source ist die Nasa? (Bild: WikiImages auf Pixabay)
Wie Open Source ist die Nasa? WikiImages auf Pixabay

Der Sputnik-Schock saß tief. Im Herbst 1957 musste der (kapitalistische) Westen erkennen, dass der marxistisch-leninistische Sozialismus in der Sowjetunion keinesfalls ein hoffnungslos unterlegenes Wirtschaftsmodell war. Verantwortlich dafür war ein simples Piepsen, das jeder Amateurfunkempfänger ausgeben konnte und das einem Erdbeben gleichkam.

Sputnik, heute bekannt als der erste Satellit auf einer Erdumlaufbahn, piepste fröhlich vor sich hin. Weil er auf der Basis von Interkontinentalraketen (ICBM) gestartet war, bekam man es vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika mit der Angst zu tun. Vor Sputnik hatten die USA mit den U2-Aufklärungsflugzeugen, die auf gut 21 Kilometern Höhe auch die UdSSR überflogen, quasi die Lufthoheit besessen.

Golem Plus Artikel

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  • 25. Oktober 2025 um 20:00

Schutzfolie: Geisterzeichen am Cybertruck

Von Andreas Donath
Auf Cybertrucks tauchten Schriftzüge auf, die nur bei Nässe sichtbar wurden. Was zunächst nach Vandalismus aussah, entpuppte sich als Fabrikationsfehler.
Seltsame Buchstaben erscheinen bei Nässe auf dem Cybertruck. (Bild: Facebook/Cybertruck Owners Only)
Seltsame Buchstaben erscheinen bei Nässe auf dem Cybertruck. Facebook/Cybertruck Owners Only

Tesla-Cybertruck-Besitzer in den USA haben eine seltsame Entdeckung gemacht: Mysteriöse Buchstabenkombinationen erschienen auf ihren Fahrzeugen, sobald diese nass wurden. Was zunächst nach gezieltem Vandalismus mit unsichtbarer Farbe aussah, identifizierte Tesla nun als Produktionsfehler, berichtet die auf E-Mobilität spezialisierte Website Electrek .

Das Problem kam ans Licht, als ein Besitzer des Elektro-Pick-ups Bilder in einer Facebook-Gruppe postete . Die darauf sichtbaren Buchstaben und Markierungen waren nur bei Nässe zu erkennen. Schnell meldeten sich weitere Besitzer mit identischen Phänomenen, aber aus ganz anderen Gegenden, so dass es unwahrscheinlich erschien, dass Unbekannte mit einem Stift Spuren auf den Autos hinterließen.

Des Rätsels Lösung

Einer der Besitzer brachte seinen vermeintlich verschmierten Cybertruck zum Tesla-Service. Dort stellten Techniker fest, dass mehrere Fahrzeuge verschiedene Buchstabenkombinationen wie MPS, BLT und WC im Bereich der B-Säule aufwiesen. Die Ursache: Rückstände der werkseitigen Schutzfolie, die manuell bei der Produktion beschriftet wurden. Beim Entfernen der Folie während der Produktion wurden offenbar Abdrücke auf der Oberfläche hinterlassen, die bei Wasserkontakt sichtbar werden – ähnlich wie unsichtbare Tinte. Abwaschen oder mit Lösungsmitteln behandeln ließen sich diese Abdrücke anscheinend nicht.

Teslas Lösung besteht im Austausch der kompletten B-Säulen-Verkleidung. Nach dem Tausch prüften Techniker mit Wasser, ob die Markierungen verschwunden waren.

Weitere Qualitätsprobleme beim Cybertruck

Besitzer des Cybertrucks kämpfen seit Produktionsstart vor zwei Jahren mit diversen Problemen . Rund zwölf offizielle Sicherheitsrückrufe wurden bereits durchgeführt . Teilweise ließen sich diese per Software-Update lösten, manchmal mussten die Fahrzeuge in die Werkstatt. Zusätzlich musste Tesla zahlreiche Serviceaktionen für nicht-sicherheitsrelevante Mängel durchführen, die große Stückzahlen betrafen.

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  • 25. Oktober 2025 um 14:40

96 Prozent Minus: Porsche mit Gewinneinbruch wegen Verbrenner-Kehrtwende

Von Andreas Donath
Porsche schlittert durch seine gescheiterte E-Strategie in die Krise. Das Nettoergebnis sank gegenüber dem Vorjahr um 96 Prozent.
Porsche-Wappen in der Produktion (Symbolbild) (Bild: Porsche)
Porsche-Wappen in der Produktion (Symbolbild) Porsche

Porsche meldet einen Gewinneinbruch von fast 96 Prozent in den ersten drei Quartalen 2025. Das Ergebnis nach Steuern sank auf 114 Millionen Euro, verglichen mit 2,8 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Im dritten Quartal rutschte das Unternehmen sogar in die Verlustzone.

Die Zahlen zeigen die Folgen der strategischen Neuausrichtung des Unternehmens . Das operative Ergebnis lag zwischen Juli und September bei minus 966 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte Porsche noch ein Plus von 974 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Umsatz ging in den ersten neun Monaten um sechs Prozent auf 26,9 Milliarden Euro zurück.

Die Kosten für die Kehrtwende in der Antriebsstrategie belasten die Bilanz erheblich. Das Management hatte die ursprünglichen Elektrifizierungspläne revidiert und den Bau einer eigenen Akkufabrik gestoppt. Stattdessen setzt der Hersteller nun wieder verstärkt auf Verbrenner. Für das Gesamtjahr 2025 rechnet das Unternehmen mit Sonderbelastungen von etwa 3,1 Milliarden Euro. Die Entwicklung der geplanten neuen Plattform für Elektrofahrzeuge wird neu terminiert. Diese soll in Abstimmung mit anderen Volkswagen-Konzernmarken technologisch neu aufgesetzt werden.

Finanzvorstand Jochen Breckner beschreibt die aktuelle Phase als notwendigen Übergang. Die schwächeren Kennzahlen seien eine bewusste Entscheidung, um die langfristige Position des Unternehmens zu festigen. Ab 2026 erwartet die Unternehmensführung eine merkliche Verbesserung der Geschäftslage.

Der Netto-Cashflow im Bereich Automobile stieg hingegen auf 1,34 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Marge von 5,6 Prozent, nach 4,8 Prozent im Vorjahreszeitraum. Breckner bezeichnet dies als Beleg für die Resilienz des operativen Geschäfts.

Der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge stieg auf 35,2 Prozent weltweit. In Europa erreichte der Elektrifizierungsanteil 56 Prozent. Dabei sind allerdings elektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride vermischt.

Absatzprobleme in wichtigen Märkten

Die Verkaufszahlen entwickeln sich weiter rückläufig. Von Januar bis September lieferte Porsche rund 213.000 Fahrzeuge aus, sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders der chinesische Markt bereitet dem Hersteller Schwierigkeiten.

In China verkaufte das Unternehmen nur noch etwa 32.200 Fahrzeuge, ein Rückgang von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Oliver Blume, der noch bis Jahresende als Vorstandschef fungiert, spricht von einem kompletten Einbruch des Luxusmarktes in China. Ein Viertel des bisherigen Gesamtvolumens sei dadurch weggefallen. Anfang 2026 übernimmt Michael Leiters, zuvor bei McLaren tätig, die Führung des Sportwagenbauers.

Der Vergleich zu früheren Jahren verdeutlicht das Ausmaß der Entwicklung: 2022 setzte Porsche im gleichen Zeitraum noch 68.700 Fahrzeuge in China ab. Neben den Problemen in Asien belasten auch US-Zölle und der schleppende Hochlauf bei Elektrofahrzeugen das Geschäft.

Personalabbau und Sparmaßnahmen geplant

Das Unternehmen reagiert auf die wirtschaftliche Lage mit Strukturanpassungen. Bis 2029 sollen etwa 1.900 Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Zusätzlich laufen die Verträge von ungefähr 2.000 befristet Beschäftigten aus.

Ein weiteres Sparprogramm wird derzeit mit dem Betriebsrat verhandelt. Breckner deutet an, dass sich die Rahmenbedingungen absehbar nicht verbessern werden. Das Unternehmen müsse daher in allen Bereichen weitreichende Maßnahmen prüfen.

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  • 25. Oktober 2025 um 14:10

Störungsmeldung vom 25.10.2025 07:00

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider O2

Details

Beginn
25.10.2025 07:00
Region
Berlin (030)
Provider
O2
Zugangsart
Kabel

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  • 25. Oktober 2025 um 07:00

Halloween: Von keltischen Wurzeln zum globalen Phänomen

Von Bernd Müller
Dunkler und gruseliger Kürbis zu Halloween oder Samhain

(Bild: Nakaya / Shutterstock.com )

Als keltisches Fest gestartet, heute ein kommerzielles Megaevent: die erstaunliche Reise von Halloween vom mystischen Ritual zum Kassenschlager.

Wenn auch in diesem Jahr am 31. Oktober weltweit Millionen von Menschen in gruseligen Kostümen von Tür zu Tür ziehen und "Süßes oder Saures!" rufen, ahnen die wenigsten, welch lange Tradition Halloween hat. Was heute ein buntes Kostümfest für Jung und Alt ist, begann vor über 2000 Jahren als mystisches Ritual der Kelten.

Samhain – Das keltische Neujahrsfest als Wiege von Halloween

Der Ursprung von Halloween liegt wahrscheinlich im keltischen Fest Samhain, wie Archäologen am ehemaligen Königssitz Rathcroghan in Irland herausgefunden haben. Samhain war für die Kelten gleichzeitig Jahresende und Neujahr und wurde in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November gefeiert.

"Der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Anderswelt soll zu Samhain besonders dünn sein", erklärt Rathcroghan-Experte Mike McCarthy [1] den keltischen Mythos im National Geographic. "So konnten ganze Gruppen anderweltlicher Monster in dieser Nacht in unsere Welt eindringen." Um die Geister abzuwehren, entzündeten die Kelten Feuer und verkleideten sich als Dämonen.

Von Allerheiligen zum modernen Halloween

Im 8. Jahrhundert erklärte Papst Gregor III. den 1. November für die Stadt Rom zum Allerheiligenfest. Diesen Tag machte Papst Gregor IV. dann im 9. Jahrhundert zum verbindlichen Termin für das Allerheiligenfest. Der Name Halloween leitet sich vom Vorabend von Allerheiligen, "All Hallows Eve", ab. Doch die heidnischen Bräuche lebten weiter.

Wie der Kulturanthropologe Gunther Hirschfelder erklärt [2], übernahm die Kirche oft lokale Traditionen in den christlichen Kalender, um die Missionierung zu erleichtern. So verschmolzen keltische und christliche Riten zu Halloween.

Irische Einwanderer bringen Halloween in die USA

Im 19. Jahrhundert brachten irische Einwanderer Halloween in die USA. Nach Angaben des American Folklife Center trugen die Kelten Tierfelle und schwärzten sich das Gesicht, um böse Geister abzuwehren. Daraus entwickelte sich der Brauch, sich zu verkleiden.

Das Betteln um Süßigkeiten, "Trick or Treat", geht wahrscheinlich auf keltische Heischebräuche zurück. Dabei führten als Geister verkleidete Personen Schauspiele auf und erhielten dafür Speisen und Getränke.

Der Siegeszug des Kürbisses und die Kommerzialisierung

Auch die mit gruseligen Gesichtern geschnitzten Kürbisse gehen auf eine irische Legende [3] zurück. Demnach wollte der Teufel die Seele eines Hufschmieds namens Jack holen, weil dieser ein Trinker und nicht gottesfürchtig war. Doch Jack überlistete den Teufel.

Als Jack eines Tages starb, wurde er nicht nur vom Himmel, sondern auch am Eingang zur Hölle abgewiesen. Der Teufel hatte jedoch Mitleid und gab dem verstorbenen Hufschmied eine glühende Kohle, damit er durch die Dunkelheit der Zwischenwelt wandern konnte.

Jack steckte die Kohle in eine Rübe und wandelte seitdem als ruhelose Seele durch die Welt. In den USA wurden die Rüben durch Kürbisse ersetzt. So wurde der "Jack O'Lantern" zum Symbol für Halloween.

Als säkulares Fest spricht Halloween alle Bevölkerungsgruppen an. Durch Horrorfilme aus Hollywood wurde es ab den 1970er Jahren weltweit populär. Heute ist Halloween in den USA ein kommerzielles Megaevent [4]: 2017 gaben die Amerikaner rekordverdächtige 9,1 Milliarden US-Dollar dafür aus. In Deutschland erzielte Halloween 2023 [5] mit 480 Millionen Euro einen neuen Umsatzrekord.

Halloween erobert als "amerikanischer Reimport" Europa

Im 20. Jahrhundert kam der Halloween-Trend aus den USA nach Europa. Hier traf er auf teilweise noch bestehende Herbstbräuche wie das Rübengeistern. Medien und Handel sorgten für eine rasche Verbreitung.

Allerdings ziehen in Deutschland heute weniger Kinder um die Häuser als noch vor einigen Jahren. "Halloween hatte seine Hochzeit in der ersten und zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts", meint Kulturanthropologe Hirschfelder. Dennoch erfreut sich das schaurig-schöne Fest nach wie vor großer Beliebtheit.

So hat Halloween im Laufe der Jahrhunderte eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht – vom keltischen Geisterfest über den christlichen Feiertag hin zum popkulturellen Phänomen. Dabei hat das Fest den Sprung über Kontinente und Kulturen geschafft und begeistert heute Menschen auf der ganzen Welt.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2021/10/rathcroghan-tor-zur-anderswelt-wiege-von-halloween
[2] https://www.n-tv.de/panorama/Horror-hat-eine-gesellschaftliche-Funktion-article24497351.html
[3] https://www.vivat.de/magazin/jahreskreis/weitere-gedenk-und-feiertage/halloween-ursprung/
[4] https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2018/10/halloween-urspruenge-und-transformation-eines-feiertag
[5] https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/14290-halloween-immer-populaerer-einzelhandel-erwartet-zum-gruselfest-rekordumsatz-von-480-millionen-euro

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  • 25. Oktober 2025 um 16:00

"Krank ohne Beweis“ – Wie viel Vertrauen verträgt die Arbeitswelt?

Von Timo Rieg
Ein Geschäftsmann in Brille mit seriösem Blick schaut streng und scharf in die Kamera

Bild: Shutterstock.com

Telefon, Husten, Attest? Nicht mehr nötig. Was Ärzten Entlastung bringt, schürt Misstrauen in Büros und Werkhallen. Wie lange, bis jemand das System ausnutzt?

Um die Zahl der Hausarztbesuche zu reduzieren, wird gerade mal wieder über Veränderungen bei den Krankschreibungen diskutiert. Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), hat vorgeschlagen, erst ab dem vierten oder fünften Krankheitstag ein ärztliches Attest zu fordern.

Schon derzeit ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erst bei mehr als drei Tagen verpflichtend. Der Arbeitgeber ist aber berechtigt [1], schon vorher ein Attest zu verlangen.

Weniger Atteste, weniger Bürokratie – oder weniger Kontrolle?

Diese Regelung möchte Gassen gestrichen sehen – und eben grundsätzlich eine ärztliche Bescheinigung erst ab dem vierten oder gar fünften Krankheitstag notwendig machen.

Laut Gassen werden pro Jahr etwa 116 Millionen Krankschreibungen ausgestellt. Etwa 35 Prozent davon hätten eine Gesamtdauer von maximal drei Tagen. Entfielen diese, würde das Gesundheitswesen den Angaben zufolge um 1,4 Millionen Arbeitsstunden beziehungsweise Kosten von 100 Millionen Euro entlastet.

Tagesschau [2]

Der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) ging daraufhin noch weiter: Er könne sich vorstellen, ärztliche Krankschreibungen erst nach zwei Wochen zu fordern.

Damit können wir konkret dazu beitragen, Bürokratie in den Arztpraxen abzubauen und unsere Ärztinnen und Ärzte zu entlasten.

Clemens Hoch, laut SWR [3]

Vertrauen kostet – und Arbeitgeber zahlen zuerst

Wenig überraschend, dass Arbeitgeberverbände nicht viel von solchen Vorschlägen halten. Denn schließlich müssen sie den Lohn vom ersten Krankheitstag an weiterzahlen. Dass die kulante oder auf Vertrauen basierende Regelung auch mal zum Blaumachen ausgenutzt wird, ist wohl nicht zu bestreiten.

Zumal der Arbeitsausfall unverschuldet sein muss [4] – was bei manchem "mir geht es heute nicht gut" sicher nicht der Fall ist.

Formvordruck statt Diagnose

Der Gang in die Arztpraxis ist dabei allerdings meist nur eine Hürde durch Aufwand, nicht durch fachliche Begutachtung. Denn was soll ein Arzt anderes tun, als seinem Patienten Glauben zu schenken, wenn dieser über rasende Kopfschmerzen klagt?

Deshalb sprach Andreas Gassen auch von einem "Formvordruck", den der Arzt derzeit oft ausfülle – was ein Blick auf die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung [5] unterstreicht.

Wenn Kollegen für Kollegen mitarbeiten

Während es zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern um Vertrauen und Kontrolle geht, gibt es auch noch Konfliktpotenzial unter den Beschäftigten selbst. Denn die durchschnittlich fast 15 krankheitsbedingten Fehltage pro Arbeitnehmer im Jahr verteilen sich natürlich nicht gleichmäßig auf alle.

Es gibt Kollegen, die oft fehlen, und Kollegen, die immer da sind. Regelmäßig kommt daher die Idee ins Spiel, zumindest den ersten Krankheitstag nicht mit vollem Lohn zu vergüten. Laut einer Umfrage [6] der Techniker Krankenkasse sind allerdings sogar die Arbeitgeber überwiegend gegen diese Idee.

Es ist völlig richtig, dass normalerweise niemand etwas dafür kann, wenn er häufiger krank wird als andere. Aber dass die Folgen für den Arbeitsbetrieb komplett auf die Kollegen abgewälzt werden, ist weniger einleuchtend.

Entsprechend gibt es neben den Malus-Ideen (kein Entgelt am ersten Krankheitstag) auch Bonus-Ideen. Die FDP hatte steuerfreie Zuschläge [7] für jeden Monat ohne Krankmeldung ins Spiel gebracht.

Letztlich müssten vor allem die Beschäftigten selbst darüber diskutieren, was für sie die fairste Regelung ist – anstatt nur den großen Debatten zu folgen, geführt von Menschen, die überwiegend gar nicht davon betroffen sind.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10827684

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.gesetze-im-internet.de/entgfg/__5.html
[2] https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/kassenaerztliche-bundesvereinigung-krankschreibungen-100.html
[3] https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/gesundheitsminister-clemens-hoch-fuer-zwei-wochenfrist-bei-krankschreibungen-100.html
[4] https://www.gesetze-im-internet.de/entgfg/__3.html
[5] https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Telefonische-Krankschreibung-So-funktioniert-sie,krankmeldung114.html
[6] https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesunder-arbeitsplatz/whatsnext-studie-mehrheit-gegen-reduktion-der-lohnfortzahlung-2197784
[7] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-01/karenztag-krankenstand-krankengeld-fdp-anreizmodell

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  • 25. Oktober 2025 um 14:30

Wie der Abnutzungskrieg die Ukraine und Russland in die Knie zwingt

Von Roland Bathon
Ukrainische Soldaten, mit offensiven Drohnen, halten eine Position an der Südfront.

Bild: Shutterstock.com

Umfragen zeigen: Beide Völker wollen Frieden. Doch bei welchen Punkten sind Russen und Ukrainer zu Kompromissen bereit – und wo nicht?

Es gehört zu den Grausamkeiten eines jeden Krieges, dass er erst endet, wenn für beide Seiten die erwarteten Kosten der Fortsetzung größer sind als der erwartete Nutzen, wie es der US-Politologe James Fearon in den 1990er Jahren formulierte.

Vieles spricht dafür, dass sich der blutige Ukrainekrieg genau in dieser Phase befindet. Russland hat in seiner mehr als einjährigen und verlustreichen [1] Daueroffensive seit Sommer 2024 weniger als ein Prozent des ukrainischen Staatsgebiets zusätzlich erobert. Ein echter Durchbruch ist nicht in Sicht.

Die ukrainischen Pläne wiederum, den russisch besetzten Teil seines Staatsgebiets militärisch zurückzuerobern, sind von ihrer Umsetzung aufgrund der militärischen Stärke und relativen wirtschaftlichen Robustheit Russlands unrealistisch. Die hierfür nötige Initiative und Kampfkraft besitzt Kiew an der Front nicht und wird sie auch auf absehbare Zeit nicht besitzen.

Dementsprechend steigt auch der Friedenswunsch in der Bevölkerung beider Staaten. 76,3 Prozent der Ukrainer gaben bei einer Umfrage eines Kiewer Instituts [2] Anfang 2025 an, dass ihr Land Frieden brauche, wenn auch nicht um jeden Preis.

Auch bei einer Befragung des Lewadazentrums in Russland [3] befürworteten 60 Prozent der Bevölkerung Friedensverhandlungen. Es wären nach den Daten der Demoskopen sogar 80 Prozent, wenn die Entscheidung zum Ende der Kampfhandlungen von Putin selbst käme.

Wie man Friedenschancen ermitteln und verbessern kann

Es ist hier die entscheidende Frage, unter welchen Bedingungen sich die Kriegsparteien einen solchen Friedensschluss vorstellen können. Aus westlicher Sicht als Unterstützer der angegriffenen Ukrainer ist es hierbei hauptsächlich entscheidend herauszufinden, bei welchen Gesichtspunkten sich Moskau Kompromisse vorstellen kann und wo nicht. Denn die einzig mögliche kurzfristige Beendigung des Krieges kann nur ein Kompromissfrieden sein.

Forscher der Universität Helsinki führten im Sommer unter 3.600 Inlandsrussen eine Umfrage durch, um herauszufinden, wo und unter welchen Bedingungen Russlands Bevölkerung auch kompromissbereit für einen Friedensschluss ist.

Obwohl Russland keine Demokratie ist, ist das der einzig richtige Ansatz, inhaltliche Punkte für einen Friedensdeal herauszufinden. Denn auch das regierende russische Politestablishment ist hauptsächlich darauf aus, seine Macht zu erhalten und vor der oft entpolitisierten Bevölkerung das Gesicht zu wahren. So wird man am ehesten auf Kompromisse eingehen, die von der eigenen Bevölkerung mehrheitlich unterstützt werden, die ja in ihrer Mehrheit bereits einen sofortigen Frieden befürwortet.

Wie Margarita Sawadskaja, Leitende Forschungsstipendiatin am Finnischen Institut für Internationale Angelegenheiten, in einer Analyse [4] der Umfrageergebnisse berichtet, könne die Friedensbereitschaft unter Russen mit konkreten humanitären Schritten auch noch gesteigert werden. Sie nennt hier etwa einen Gefangenenaustausch "alle für alle" oder ein Ende der westlichen Reisebeschränkungen für russische Staatsbürger.

Keine russische Bereitschaft zur Aufgabe von Territorien

Wenig kompromissbereit zeigen sich die Russen bei der Aufgabe besetzter Gebiete in der Ukraine. Das ist nicht verwunderlich angesichts der durch entsprechende Online-Abschottung und Vertreibung oppositioneller Medien unumschränkten Lufthoheit kremlnaher Berichterstattung im russischen Inland.

In dieser werden diese Territorien als natürlicher Teil Russlands dargestellt, was auch im Sinne der dortigen Bevölkerung sei. Dass außerhalb der Krim große Teile der dortigen Einheimischen vor den russischen Truppen geflohen sind und sich Teile der verbliebenen Leute nur widerwillig und unter Druck der Besatzungsherrschaft unterordnen, bleibt in dieser Darstellung natürlich außen vor.

Die Erkenntnisse aus Helsinki stimmen hier mit den Ergebnissen der Levada-Umfrage in Russland überein. Selbst wenn Putin selbst eine Friedensinitiative unter Aufgabe der besetzten Gebiete starten würde (natürlich ein rein hypothetisches Szenario), würde das nur ein Drittel der befragten Russen unterstützen.

Eine Aufgabe besetzter Gebiete kommt für die Mehrheit der Russen nicht in Betracht. Das einzige aktuell erreichbare territoriale Zugeständnis wäre, dass Putin seine weitergehenden Eroberungspläne aufgibt und die Kämpfe entlang der aktuell bestehenden Frontlinie eingefroren werden. Denn es ist der Mehrheit der Russen, die Frieden will, klar, dass diese Aufgabe die automatische Folge eines Endes der Kämpfe wäre.

Kompromissbereitschaft bei der westlichen Verankerung der Ukraine

Erstaunlicherweise kompromissbereiter sind die Russen beim zukünftigen Status der Ukraine. Zu einer Nato-Mitgliedschaft schreibt Sawadskaja:

Eine mögliche Nato-Mitgliedschaft der Ukraine ist für die russische Gesellschaft nicht völlig inakzeptabel. Obwohl die Mehrheit eine Neutralität bevorzugt, bedeutet das Fehlen eines solchen Status (d.h. die mögliche Aussicht auf einen Nato-Beitritt der Ukraine) nicht, dass die Unterstützung für ein Friedensabkommen abnimmt.

Margarita Sawadskaja, veröffentlicht bei Riddle [5]

Der Kreml begann ja seine Invasion des Nachbarlandes unter anderem deswegen, eine solche Nato-Mitgliedschaft der Ukraine zu verhindern. Dennoch haben sich die Russen offensichtlich mehrheitlich damit abgefunden, dass sich Regierung und Volk des Nachbarn dauerhaft ins westliche Lager verabschiedet haben.

In Bezug auf die Fortsetzung des Versuchs, das mit militärischen Mitteln zu verhindern, geht in Russland die Angst um vor einer weiteren nötigen Mobilmachung [6]. Dies ist ein sehr unpopulärer Schritt. Er bedeutet, dass nicht nur Freiwillige zum Kämpfen und Sterben an die Front gehen, sondern auch gepresste Soldaten.

Bereits die erste Mobilisierungswelle im Herbst 2022 brachte in Russland eine der schwersten Wellen sinkender Kriegsunterstützung. Zusätzlich bemerkt die Bevölkerung durch eine aktuelle Treibstoffknappheit in vielen Regionen die direkten Folgen einer Fortsetzung des Krieges für sich selbst.

Die Frage der ukrainischen Sicherheit

So sind Kompromisse beim zukünftigen Status der Ukraine und ihrer Absicherung gegen einen neuen Angriff Russlands möglich. Hier existieren ebenfalls weiter rote Linien – etwa wird der Kreml keine westlichen Truppen in der Ukraine tolerieren – jede Friedenssicherung vor Ort müsste durch neutrale, nichtwestliche Staaten erfolgen.

Wichtiger ist jedoch, etwa laut der Ansicht der US-Politikprofessorin Cynthia Roberts [7] von der Columbia-University, für die Ukraine die eigene militärische Leistungsfähigkeit als unsichere westliche Zusagen – eine Folge auch des sprunghaften Kurses von US-Präsident Trump.

Auch allgemein wird die westliche "Koalition der Willigen" schnell "weniger willig", wenn es darum geht, bei einem erneuten Angriff Russlands direkt in Feindseligkeiten einzutreten, stellt dazu das exilrussische Expertenportal Re:Russia fest [8].

Es spricht stattdessen vom Konzept eines ukrainischen "Stachelschweins", das weitere russische Angriffe verhindert, ohne direkte Garantien oder westliche Präsenz in der Ukraine. So könne den ukrainischen Sicherheitsinteressen Rechnung getragen werden – natürlich nicht ohne technologische und finanzielle Hilfe des Westens.

Denn weiter gilt, dass der Kreml bei einer sinkenden Unterstützung aus dem Westen natürlich die Chance sieht, den Waffengang mit höherer Erfolgsaussicht fortzusetzen. So würde ein solcher Stopp, von manchen Friedensaktivisten in Deutschland gefordert, keinen wirklichen Beitrag zu einem Kompromissfrieden leisten.

Das Fazit für Frieden ist klar

Damit ist es eigentlich klar, unter welchen groben Bedingungen eine Friedenslösung für den Ukrainekrieg als Kompromiss möglich ist – eine Aufgabe der ohnehin fast aussichtslosen militärischen Rückeroberung von Donbass und Krim durch die Ukraine, aber eine Verbleib des ukrainischen Staates im westlichen Politik- und Wirtschaftssystem mit wehrhafter Verteidigung.

Hierbei ist anzumerken, dass laut der oben zitierten Kiewer Umfrage auch unter den Ukrainern das Maximalziel der eigenen Regierung, die von Russland besetzten Gebiete militärisch zurückzuerobern, keine mehrheitliche Unterstützung mehr besitzt. Sie müssten nicht als russisch anerkannt, aber der Versuch, sie Russland mit Waffengewalt zu entreißen, eindeutig aufgegeben werden.

Eine Fortsetzung des aktuellen Abnutzungskriegs ist auch für Moskau nicht vorteilhaft. Durch die Kriegskosten übersteigen die Ausgaben des Staates zunehmend die Einnahmen, in den vergangenen fünf Monaten deckten sie nur 80 Prozent.

Reserven werden verbraucht, eine ständig wachsende Zahl an Gefallenen ohne echte große militärische Erfolge untergräbt die Kriegsmoral im eigenen Hinterland ebenso wie die Aussicht auf eine Mobilmachung, wenn der Strom der Kriegsfreiwilligen weiter zurückgeht. Schon jetzt muss man diese mit riesigen Prämien zum Frontdienst locken.

So wäre ein baldiger Friedensschutz im gemeinsamen Interesse der beiden direkt beteiligten Gegner. Denn solange noch gekämpft wird, wird weiter auch gestorben, unter Ukrainern und Russen, mit für beiden Seiten hohen weiteren Kosten und ungewissem Ausgang.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://en.zona.media/article/2025/10/10/casualties_eng-trl
[2] https://ispp.org.ua/en/2025/03/21/press-release-the-state-of-public-consciousness-in-the-fourth-year-of-russias-full-scale-invasion-results-of-public-opinion-monitoring/
[3] https://www.levada.ru/2025/10/07/konflikt-s-ukrainoj-vnimanie-podderzhka-otnoshenie-k-peregovoram-i-vozmozhnym-stsenariyam-zaversheniya-konflikta-v-sentyabre-2025-goda/
[4] https://ridl.io/ru/rossiyane-hotyat-mira-no-na-svoih-usloviyah/
[5] https://ridl.io/ru/rossiyane-hotyat-mira-no-na-svoih-usloviyah/
[6] https://www.levada.ru/2025/10/09/opaseniya-mobilizatsii-i-predstavleniya-o-ee-neobhodimosti-sentyabr-2025/
[7] https://foreignpolicy.com/2025/09/11/russia-ukraine-war-trump-putin-peace-ceasefire-territory-borders/
[8] https://re-russia.net/en/analytics/0339/

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  • 25. Oktober 2025 um 13:30

Störungsmeldung vom 25.10.2025 18:54

Von heise online

Neue Störungsmeldung für Provider Vodafone Kabel

Details

Beginn
25.10.2025 18:54
Region
Lampertheim (06206)
Provider
Vodafone Kabel
Zugangsart
Kabel

Alle Details zur Störungsmeldung ansehen Eigene Internetstörung melden

  • 25. Oktober 2025 um 18:54

WSUS-Lücke: Bereits Attacken beobachtet

Von Heise

(Bild: Skorzewiak/Shutterstock.com)

Microsoft hat am Freitagmorgen Notfallupdates für eine WSUS-Sicherheitslücke veröffentlicht. Die wird nun im Internet angegriffen.

Microsoft hat am Freitagmorgen dieser Woche Notfallpatches außer der Reihe veröffentlicht, die eine kritische Sicherheitslücke in den WSUS-Diensten schließt. IT-Sicherheitsforscher haben erste Angriffe auf die Schwachstelle beobachtet. IT-Verantwortliche sollten spätestens jetzt die Aktualisierung anwenden.

Der IT-Sicherheitsforscher Kevin Beaumont hat mit der Schwachstelle "herumgespielt" und kommt zu dem Ergebnis, dass die sich sehr einfach missbrauchen lässt. Es war ofenbar leicht, SChadcode über die Lücke einzuschleusen. Dazu lasse sich zudem auf bereits existierende Forschung aufsetzen, um bösartig manipulierte Update-Pakete mit Schadcode über den kompromittierten WSUS im Netzwerk zu verteilen, schreibt er auf Mastodon.

Angriffe auf Sicherheitslücke beobachtet

Die IT-Forscher von Huntress [1] haben derweil bereits Angriffe auf die WSUS-Sicherheitslücke im Internet beobachtet. Die attackierten WSUS-Dienste haben die TCP-Ports 5830 und 5831 offen im Internet zugänglich gemacht. "Die Angreifer nutzten exponierte WSUS-Endpunkte, um speziell präparierte Anfragen (mehrere POST-Aufrufe an WSUS-Webdienste) zu senden, die eine Deserialisierung-RCE [Remote Code Execution] gegen den Update-Dienst auslösten", schreiben sie in ihrer Analyse.

Sie erörtern weiter, dass ein Base64-kodiertes Skript in PowerShell dekodiert und ausgeführt wurde. Das Skript durchsucht Server nach sensiblen Netzwerk- und Benutzerinformationen auf und überträgt die Ergebnisse in einen Remote-Webhook. Die Angreifer setzten zudem auf Proxy-Netze, um ihre Angriffe auszuführen und verschleiern, erklären die Huntress-Forscher.

Die Analyse listet noch einige Indizien für Angriffe (Indicators of Compromise, IOCs) auf, anhand derer Admins prüfen können, ob auch die von ihnen betreuten Systeme bereits im Visier von Cyberkriminellen sind. Dazu zählen einige auffällige Einträge in den Weblogs und WSUS-Protokollen zur Softwareverteilung.

Am Freitagmorgen hat Microsoft die Verteilung der Notfallupdates für die WSUS-Dienste [2] angekündigt. Die konkrete Beschreibung lautet: "Die Deserialisierung nicht vertrauenswürdiger Daten im Windows Server Update Service ermöglicht es einem nicht autorisierten Angreifer, Code über ein Netzwerk auszuführen" (CVE-2025-59287, CVSS 9.8, Risiko "kritisch"). Die Sicherheitsmeldung dazu von Microsoft [3] wird derzeit häufiger aktualisiert Inzwischen stellt Microsoft auch Stand-alone-Updates etwa für Server bereit, die Hotpatching verwenden. Die benötigen nach Installation jedoch einen Neustart, sofern sie WSUS-Dienste anbieten.


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https://www.heise.de/-10899799

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[1] https://www.huntress.com/blog/exploitation-of-windows-server-update-services-remote-code-execution-vulnerability
[2] https://www.heise.de/news/Microsoft-WSUS-Notfallupdate-stopft-kritische-Codeschmuggel-Luecke-10845666.html
[3] https://msrc.microsoft.com/update-guide/vulnerability/CVE-2025-59287
[4] https://aktionen.heise.de/heise-security-pro?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[5] mailto:dmk@heise.de

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  • 25. Oktober 2025 um 08:57

Die billige Mini-Rakete: Wie Gleitbomben den Ukraine-Krieg verändern

Von Lars Lange
Eien KI-generierte Illustraion zeigt einen russischen Kampfjet, der hoch über einer hügeligen Landschaft eine kleine, mit Tragflächen und Triebwerk ausgestattete Bombe abwirft; im Hintergrund liegt eine ferne Stadt.

KI-generierte Illustration

Einschläge tief im Hinterland zeigen eine neue Reichweite. Triebwerksunterstützte Gleitbomben treffen aus sicherer Distanz. Kiew rückt in Gefahr.

Unsichtbar für die ukrainischen Soldaten, etwa 90 Kilometer von der Front entfernt, fliegt ein russischer Su-34 Jagdbomber unbehelligt im eigenen Luftraum. Ein metallischer Körper löst sich vom Flugzeug.

Die Bombe entfaltet ihre Tragflächen, ihr Strahltriebwerk zündet, und sie nimmt selbstständig Kurs auf ihr Ziel tief im ukrainischen Hinterland – unerreichbar für die in Frontnähe kaum noch vorhandene ukrainische Luftabwehr.

Jetzt, im Herbst 2025, tauchen erstmals öffentlich zugängliche Fotos einer neuen russischen Gleitbombe auf, die offenbar mit einem Kleinstrahltriebwerk ausgerüstet ist.

Nach Angaben des Defence Blog [1] erlauben die Modifikationen den Abwurf aus russischem Luftraum bei Reichweiten, die Beobachtern zufolge deutlich über 100 Kilometern liegen. Unabhängig verifiziert sind die Darstellungen allerdings bislang nicht; veröffentlicht wurden sie vornehmlich in militärnahen Telegram-Kanälen.

Aktuell meldet der Telegram-Kanal Geroman [2], dass zum ersten Mal eine neuartige Gleitbombe ein Ziel in der Region Odessa getroffen habe. Laut ukrainischen Quellen könnten solche Bomben nach weiteren Modifikationen eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern erreichen und damit sogar Kiew treffen.

Der ukrainische Militärblog Militarnyi [3] berichtet, dass die ersten Einsätze solcher Waffen bereits im späten Frühjahr und frühen Sommer stattgefunden haben. Diese modifizierten Bomben kamen wahrscheinlich bei Angriffen auf Lozova in der Region Charkiw und in der Region Poltava zum Einsatz.

Technische Details der strahlgetriebenen Gleitbombe

Diese neuesten Versionen der russischen Gleitbomben werden laut The War Zone [4] als UMPK-PD oder UMPB-5R bezeichnet. Das Suffix "PD" steht vermutlich für "Dalniaya" (weitreichend), was auf die gesteigerte Einsatzreichweite hinweist.

In den Trümmerteilen einer Bombe wurde ein chinesisches Swiwin SW800Pro-Y Strahltriebwerk identifiziert. Dieses kommerziell erhältliche Triebwerk erzeugt etwa 800 Newton Schub.

Aerodynamisch unterscheidet sich die UMPK-PD durch eine Doppelflügelkonfiguration von früheren Versionen, die nur einen ausklappbaren Flügel besaßen. Bei der mit Triebwerk ausgestatteten Variante sind diese Flügel kleiner und pfeilförmiger ausgelegt. Hinzu kommen neu gestaltete Leitwerke sowie eine verbesserte Steuer- und Navigationseinheit.

Die Reichweite

Die bekannte Basis-Variante der russischen FAB-Bomben mit dem UMPK-Gleitrüstsatz erreicht mittlerweile dank kontinuierlicher, aerodynamischer Verbesserungen Reichweiten von bis zu 100 Kilometern.

Diese Reichweite wird beim Abwurf aus 12.000 Metern Höhe und einer Geschwindigkeit von 1.000 km/h erzielt. Mit dem integrierten Strahltriebwerk hingegen verdoppelt sich die Reichweite auf etwa 200 Kilometer – ist also vergleichbar mit einem Kurzstrecken-Marschflugkörper.

Die neue Gleitbombe mit Triebwerk hat auch einen neuen Abwurfmechanismus erhalten. Nach dem Ausklinken entfalten sich die Flügel jetzt durch eine Kombination aus Federmechanismus und Pyrotechnik. Dies soll ein Problem früherer UMPK-Versionen beheben, bei denen die Flügelentfaltung unzuverlässig funktionierte.

Zudem sollen die Bomben über neue Kontrollmodule und bessere Resistenz gegen elektronische Gegenmaßnahmen verfügen.

Im Vergleich zu den ersten UMPK-Modellen stellt die strahlgetriebene Version also eine signifikante Weiterentwicklung dar.

Der Abwurf

Den ersten dokumentierten Angriff der neuen triebwerksunterstützten Gleitbombe mit UMPK-PD führten die russischen Luftstreitkräfte laut Militarnyi am 20. Oktober auf das Gebiet der Region Poltava durch. Die Bombe schlug 20 bis 30 Kilometer von Poltava entfernt ein, verursachte laut ukrainischen Angaben keine größeren Schäden, demonstrierte aber die erhöhte Reichweite russischer Waffen.

Laut Defence-Blog [5] werden die Bomben von Su-34-Jagdbombern aus großer Höhe und jenseits der Reichweite der meisten ukrainischen Luftabwehrsysteme an der Frontlinie abgeworfen.

Dies ermöglicht es den russischen Flugzeugen, Ziele tief im ukrainischen Hinterland anzugreifen, ohne den umkämpften Luftraum zu betreten.

Strategische Bedeutung

Die neuen strahlgetriebenen Gleitbomben stellen eine wichtige Entwicklung in der russischen Luftkriegsführung dar. National Interest [6] berichtet, dass die FAB-500 mit dem alten UMPK-Gleitrüstsatz unter 20.000 USD pro Stück kostet.

Dies ermöglicht einen kostengünstigen Einsatz in großer Stückzahl im Vergleich zu teuren Präzisionswaffen wie Marschflugkörpern. Obwohl der Preis für die neue Version mit Strahltriebwerk in den Quellen nicht genannt wird, dürfte die Verwendung des handelsüblichen chinesischen Triebwerks Swiwin SW800Pro-Y die Kosten niedrig halten.

The War Zone analysiert, dass die Nutzung fertiger chinesischer Komponenten für Russland wirtschaftlicher ist als die Eigenentwicklung entsprechender Triebwerke.

Die niedrigen Produktionskosten der UMPK-Kits erlauben Russland eine monatliche Herstellung von tausenden Einheiten.

Die Einfachheit des Systems – nämlich eine Nachrüstung bestehender Bombenbestände noch aus Sowjetzeiten – führt zu hohen Produktionszahlen bei geringen Kosten. Der wöchentliche Durchschnitt russischer Angriffe mit FAB-Bomben liege bei fast 500, so die Einschätzung von Patricia Marins [7] auf X.

Das Problem der ukrainischen Streitkräfte

Die Auswirkungen der neuen FAB-Bomben auf die ukrainischen Befestigungen sind erheblich. Der französische Militärbeobachter Clément Molin [8] dokumentiert auf seinem X-Kanal in einem Beitrag vom 5. Oktober 5.000 Einschläge von russischen FAB-Bomben, und zwar in einem Zeitraum von 5 Monaten, und nur im Frontabschnitt zwischen Pokrowsk und Kostjantyniwka.

Die dort gezeigte Karte ist aufschlussreich, weil sie zeigt, wie genau die russische Luftwaffe die ukrainischen Befestigungen mit Feuer belegen kann.

Das Problem der ukrainischen Streitkräfte ist, dass die russischen Gleitbomben aufgrund ihrer geringen Größe, der relativ hohen Geschwindigkeit und der fehlenden thermischen Signatur für die ukrainische Luftverteidigung extrem schwer abzufangen sind.

Anscheinend wird die UMPK-PD derzeit lediglich als Prototyp beziehungsweise in einer Vorserie im Kampfeinsatz getestet. Das bedeutet, dass die endgültige Version noch Änderungen erfahren könnte, basierend auf den ersten Einsatzerfahrungen.

Fazit: Russlands Luftkrieg auf neue Distanz

Die FAB-Bomben werden konsequent weiterentwickelt und sind für die russische Armee der Schlüssel zur Überwindung des gut ausgebauten ukrainischen Festungsgürtels. Mit ihren großflächigen und tiefen Zerstörungen können sie starke, befestigte Punkte Stück für Stück zerschlagen.

Der aktuelle Einsatz einer solchen Bombe gegen ein Ziel in der Region Odessa, mit einer gemeldeten Reichweite von etwa 180 Kilometern, zeigt die reale Umsetzung dieser Reichweitensteigerung und nährt ukrainische Befürchtungen, dass diese Waffen in naher Zukunft sogar Kiew erreichen könnten.

Diese gesteigerte Reichweite erweitert die taktische Flexibilität der russischen Angreifer: Flughäfen, Logistikzentren, Kommandoposten und Energieinfrastruktur im gesamten ukrainischen Hinterland könnten nun durch Luftschläge gefährdet sein, ohne dass russische Flugzeuge ukrainischen Luftraum durchqueren müssten.

Die Ukraine steht dieser militärischen Fähigkeit mit großen Schwierigkeiten gegenüber. Nach Berichten von Defence-Blog können lediglich sowjetische Buk-Flugabwehrraketensysteme die Bomben teilweise abfangen, sind aber an der ausgedehnten Frontlinie nicht mehr in ausreichender Zahl verfügbar.

Trotz dieser taktischen Überlegenheit aufseiten des russischen Angreifers bleibt der Vormarsch mühsam. Die sowjetisch geprägten Festungsanlagen, die über Jahre hinweg verstärkt und ausgebaut wurden, sind weitläufig, tief gestaffelt und mit unterirdischen Netzwerken versehen. Die Bomben können jeweils nur begrenzte Bereiche dieser massiven Befestigungen zerstören.

Die brasilianische Militäranalystin Patricia Marins [9] prognostiziert aufgrund dieser Faktoren einen langwierigen Kampf:

Wenn die Gefechte weitergehen, mit russischen Verbesserungen und der Verschlechterung der ukrainischen Mannschaftsstärke und Unterstützung, könnte geschätzt werden, dass die Russen diese Befestigungen in 12-18 Monaten einnehmen werden.

Sollte die Ukraine das Rekrutierungsalter senken und zusätzliche 100.000 bis 120.000 Männer zur Verteidigung mobilisieren können, könnte sich dieser Zeitraum sogar verdoppeln, so Marins.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://defence-blog.com/russia-shows-new-jet-powered-glide-bomb/
[2] https://t.me/geromanat/62800
[3] https://militarnyi.com/en/news/new-umpks-for-su-34-russian-aviation-able-to-use-fab-500t-at-range-of-over-100-km/
[4] https://www.twz.com/air/russia-is-now-launching-powered-glide-bombs-at-ukraine
[5] https://defence-blog.com/russia-shows-new-jet-powered-glide-bomb/
[6] https://nationalinterest.org/blog/buzz/what-can-ukraine-do-about-russias-deadly-fab-500-glide-bomb-bw-091525
[7] https://x.com/pati_marins64/status/1981401620979052659
[8] https://x.com/clement_molin/status/1974868266645623025
[9] https://x.com/pati_marins64/status/1981347079399022845

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  • 25. Oktober 2025 um 11:00

Wie Kalifornien die Pharmaindustrie mit Generika umgeht

Von Uwe Kerkow
Junge Frau präsentiert Insulin-Pen

Foto: MillaF, shutterstock

Ab Januar 2026 verkauft der Bundesstaat sein eigenes Insulin für 55 Dollar – Markenprodukte kosten bis zu 411 Dollar.

Als erster US-Bundesstaat wird Kalifornien ab Januar 2026 eigenes Insulin verkaufen und damit die großen Pharmakonzerne umgehen. Gouverneur Gavin Newsom kündigte an, dass Insulin-Pens über das staatliche CalRx-Programm [1] zum Preis von höchstens 55 US-Dollar für ein Fünferpack Spritzen mit je drei Milliliter Insulin angeboten werden.

Newsom erfüllt damit ein zentrales Wahlversprechen und setzt gleichzeitig ein Zeichen gegen die Pharmaindustrie. Ein Insulin-Pen mit 3 ml enthält 300 Einheiten Insulin und reicht durchschnittlich für vier Tage [2].

Das CalRx-Programm ist eine 2020 von Newsom gestartete Initiative, bei der der Bundesstaat mit Herstellern Verträge zur Produktion von Generika schließt. Die Insulinspritzen dieser Hersteller entsprechen den Produkten der Pharmariesen. Doch sie sind deutlich preiswerter.

Das zum Springer-Konzern gehörende Magazin Politico zitiert Newsom [3] mit den Worten: "Kalifornien hat nicht darauf gewartet, dass die Pharmaindustrie das Richtige tut – wir haben die Sache selbst in die Hand genommen. Kein Kalifornier sollte jemals sein Insulin rationieren müssen oder sich verschulden, um am Leben zu bleiben."

Drastische Preisunterschiede

Insulin ist für Diabetiker lebensnotwendig. Und der Preisunterschied zwischen dem kalifornischen Insulin zu dem der Pharmariesen ist extrem: Vergleichbare Produkte von Markenherstellern kosten zwischen 89 und 411 statt 55 US-Dollar.

Der Bundesstaat schloss 2023 einen 50-Millionen US-Dollar schweren Vertrag mit dem gemeinnützigen Unternehmen Civica Rx [4] zur Herstellung von Insulin. Civica Rx baute eine Produktionsanlage in Petersburg, Virginia, und schloss später einen Vertrag mit dem Hersteller Biocon Biologics [5] ab, einem global agierenden Unternehmen für biotechnologisch hergestellte Generika.

Geplant ist die Herstellung der drei am häufigsten verwendeten Insuline: Glargin, Aspart und Lispro.

Insulin als Politikum

Insulin ist seit Langem ein Paradebeispiel für die Preistreiberei der Pharmaindustrie. Sogar die erzkonservative Rand-Corporation stellte [6] 2021 fest: „Der astronomisch hohe Preis für Insulin belastet amerikanische Familien“.

Das Medikament wurde 2017 zum politischen Thema, als die führenden Hersteller Eli Lilly, Sanofi und Novo Nordisk in einer Sammelklage beschuldigt wurden, die Preise Jahr für Jahr drastisch anzuheben.

Denn der Preis von einst 25 US-Dollar war zwischenzeitlich auf 300 US-Dollar explodiert. 2024 reichte die US-Bundesregierung zusätzlich Klage gegen Zwischenhändler im Apothekenwesen ein und warf auch ihnen vor, zur Kostenexplosion beim Insulin beizutragen.

Das CalRx-Programm wurde 2020 auf den Weg gebracht und erhält seit 2022 bundesstaatliche Mittel. Über CalRx hat Kalifornien außerdem Verträge abgeschlossen, um eine preiswertere Version von Naloxon bereitzustellen. Das Mittel dient als Antidot bei Überdosierungen von Opioiden.

Weitere Medikamente, weitere Bundesstaaten

Anfang 2024 kündigte Newsom zudem Pläne an, den Großeinkauf von Asthmamedikamenten vorzubereiten. Zudem brachte er die Idee ins Spiel, CalRx zu nutzen, um Medikamente für den Schwangerschaftsabbruch entweder herzustellen oder zumindest zu bevorraten. Das Thema Abtreibung ist in den USA seit Jahrzehnten hart umkämpft.

Die Umgehung der Pharmariesen positioniert Kalifornien als Vorreiter unter den Bundesstaaten, die nach Wegen suchen, die Gesundheitsversorgung in einem von profitorientierten Unternehmen dominierten System bezahlbar zu halten.

Neben Kalifornien planen weitere demokratisch regierte Bundesstaaten, Pharmaerzeugnisse in Eigenregie zu verkaufen. Washington State hat ein entsprechendes Gesetz erlassen [7], Michigan und Maine erwägen [8] gleichfalls, dem kalifornischen Vorbild zu folgen und auch Vermont und Colorado versuchen, den Pharmamarkt auf bundesstaatlicher Ebene zu regulieren [9].

Newsom auch in Deutschland kein Unbekannter

Gavin Newsom hatte zuletzt auch in Deutschland mit seinem offensiven Kurs gegen US-Präsident Donald Trump Schlagzeilen gemacht. Die ARD schrieb [10], dass der kalifornische Gouverneur Trumps Kommunikationsstil nachahme, betonte jedoch gleichzeitig, dass es dabei „um durchaus ernste Themen“ gehe.

In ihrer offensichtlichen Opposition zur Trump-Administration spekulierten [11] sowohl die Öffentlich-Rechtlichen als auch die Wochenzeitung Die Zeit bereits über die Eignung des kalifornischen Gouverneurs zum Präsidentschaftskandidaten.

Wenn Newsom die Interessen seiner Wähler weiterhin mit so innovativen Lösungen bedient, könnte der 57-Jährige durchaus für einen Präsidentschaftswahlkampf der Demokraten infrage kommen.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://calrx.ca.gov/
[2] https://www.cme-kurs.de/cdn2/pdf/Diabetes_Wissen_vertiefen_Teil-1.pdf
[3] https://www.politico.com/news/2025/10/16/california-becomes-the-first-state-to-sell-insulin-00611163
[4] https://civicarx.org/
[5] https://www.bioconbiologicseu.com/de-DE
[6] https://www.rand.org/pubs/articles/2021/the-astronomical-price-of-insulin-hurts-american-families.html
[7] https://senatedemocrats.wa.gov/vandewege/wp-content/uploads/sites/32/2021/03/Washington-may-become-second-state-to-distribute-its-own-generic-drugs-1.pdf
[8] https://prospect.org/health/2024-01-05-public-pharmas-biggest-barrier/
[9] https://www.p360.com/articles/state-laws-seek-regulate-sales-rep-physician-interactions/
[10] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/newsom-trump-kampagne-100.html
[11] https://www.zeit.de/wirtschaft/2025-09/gavin-newsom-usa-demokraten-donald-trump-praesidentschaft

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  • 25. Oktober 2025 um 10:00

Die Letzte Generation: Aktivisten oder Verbrecher?

Von Luca Schäfer
Menschen in Warnwesten auf einer Straße

Die Proteste der "Letzten Generation" sorgten für Kontroversen

(Bild: Andreas Stroh/Shutterstock.com)

Die Klimabewegung "Letzte Generation" soll eine kriminellen Vereinigung sein. Wie viel Protest muss Deutschland aushalten? Eine Analyse.

Christian Bläul, ein unscheinbarer IT-Fachmann, soll nach Paragraf 129 des Strafgesetzbuches Teil einer kriminellen Vereinigung sein. Gemeinsam mit der Klimabewegung "Letzte Generation" soll er eine Öl-Pipeline stundenweise abgeschaltet haben [1].

Trotz niedrigem Schaden und telefonischer Ankündigung reagiert der Staat robust: Hausdurchung, Beschlagnahmungen, Kommunikationsüberwachung.

Der Familienvater klagt, dass selbst die auf seinen Namen registrierten Mobiltelefone der minderjährigen Kinder abgehört wurden. Doch damit nicht genug: Insgesamt ist auffällig, dass die Justiz bei der "Letzten Generation" kaum Pardon kennt.

Egal, ob Flughafenblockade in Frankfurt [2] oder Verkehrsblockade [3] – es hagelte Drakonisches für Gewaltfreies. Tausende Verfahren später ist der Spuk der "Klimakleber" vorbei. Doch alte Fragen bleiben: Was ist im Klima-Kampf legitim?

Relevante Kriminelle

Neben Differenzen trugen auch staatliche Repressalien zur Zersplitterung und Auflösung bei. Unter neuen Namen wie Methoden soll der Kampf fortgeführt werden. Laut Vincent August [4], dem Leiter der Forschungsgruppe Ökologische Konflikte, war der Richtungsstreit "seit 2023 sichtbar".

Erschwerend trat eine medial-politische Vorverurteilung hinzu: Das Wort "Klimaterrorist [5]" schaffte es 2022 zum Unwort des Jahres. CDU-Generalsekretär Mario Czaja hielt alle Aktiven [6] für "Extremisten". Die CSU stand in Person von Volker Ulrich nicht nach: Er forderte "Haftstrafen für Klimakleber [7]" und die FAZ schwang sich unter dem Titel "Kriminell, was sonst [8]" zum Scherbengericht auf.

Dabei ist die Frage juristisch umstritten. Immerhin sieht das Grundgesetz in Artikel 20a [9] als Verpflichtung für den Gesetzgeber den Schutz der "natürlichen Lebensgrundlagen" der kommenden Generationen vor.

Während geopolitische Rivalitäten [10] und volkswirtschaftliche Opportunitätsgedanken wirksamen Klimaschutz verunmöglichen, rückt die Frage international auf die aktuelle Tagesordnung. So strebt der Inselstaat Vanuatu eine "Gutachterstellungnahme [11]" des Internationalen Gerichtshofs (IGH) über die völkerrechtlichen Verpflichtungen von Staaten in Bezug auf den Klimawandel an. Insbesondere da die Kipppunkte näher rücken [12], bleibt die Fragestellung höchst relevant.

Falsche Adresse

Die Letzte Generation ist ein inzwischen aufgelöstes [13], 2021 gegründetes Bündnis von Klimaaktivisten, das mit Klebe-Blockaden auf eine drastische Änderung der Klimapolitik abzielte.

Strategisch war die "Letzte Generation" – abseits ihrer heutigen Mäßigung – durch provokant-aktivistisches Happening aufgefallen. Man wollte – ohne Erfolg – Druck erzeugen, indem man Berufspendler zwang [14], "an einem extrem störenden Ort" nicht vom Fleck zu kommen. Die Gruppe betrachtete Bürger als Staffage in ihrer Auseinandersetzung mit den Behörden.

So verwundert es kaum, dass kein Rückhalt in der deutschen Gesellschaft vorhanden war [15]: 81 Prozent lehnen ihre Protestformen ab. Dabei sehen laut Eurobarometer [16] 84 Prozent der Deutschen Klimaneutralität als prioritär an.

Generationsgeburtshelfer

Das Kernanliegen ist berechtigt, das Zeitfenster eng, und Emissionsreduktionen kommen zu spät.Hinzu kommt, dass die internationale Weltgemeinschaft aktuell auf dem besten Wege ist, mit großem Pomp vereinbarte Ziele nicht zu erreichen. Laut dem UN-Umweltprogramm [17] werden die Pariser Klimaziele in den allermeisten Staaten verfehlt. Deutschland hinkte jahrelang hinterher und konnte, mit sektoralen Differenzen, 2024 erstmals Kurs auf sein Klimaziel für 2030 [18] vermelden.

Dank mangelnder Policy-Bereitschaft [19] schoß das Bedürfnis nach konsequenter Handlung aus dem Boden, wurde Unwillen zum indirekten Geburtshelfer der Letzten Generation.

Während die Straßenaktivisten mit ihren Aktionen ein Exempel am einfachen Mann statuieren wollten, wählen sie den verfehlten Adressaten. Zwar liegen die Emissionen des individuellen Transports mit 22 Prozent des Gesamtausstoßes vergleichsweise hoch [20], werden jedoch durch die produzierende Industrie mit 23,6 Prozent oder dem 80-prozentigen weltweiten Emissionsanteil [21] von 57 Unternehmen, darunter RWE, BASF oder Heidelberg Materials, konterkariert.

Legitimes Mitlesen?

Die harte Hand gegen vermeintliche, organisationsungebundene Extremisten wie Bläul, verwundert. Aktivisten der Letzten Generation wurden regelmäßig wegen Hausfriedensbruchs, Nötigung, Sachbeschädigung, Strafvereitelung oder Störung öffentlicher Betriebe angeklagt. Der juristische Schlussakkord war die Anklage gegen fünf Personen [22] durch die Generalstaatsanwaltschaft München als Teil einer "kriminellen Vereinigung".

Neben dem Vereinigungsverdacht sind die staatlichen Hochdruckaufklärungsmethoden fragwürdig. Rechtliche Grundlage für Überwachungen sind Erforderlichkeit und Verhältnismäßigkeit. Exzessive, zu weit vorbeugende und primär nicht ausreichend begründbare Überwachungen provozieren politischen und juristischen Widerstand.

Auch wenn Gerichte die Überwachung der "Letzten Generation" in bekannten Fällen nicht beanstandeten [23], muss der Staat auf enge Grenzen achten. Zumindest nach Aussagen von Betroffenen überschritten die Maßnahmen jene. Sie erfolgten ohne konkreten, direkten Tatverdacht [24] und in Teilen gegen das Datenschutz- und Presserecht.

Widerstand und Doppelmoral

Das Widerstandsrecht, auf das sich in Teilen von aktivistischer Seiten berufen wird [25], greift nur in einem extrem engen Rahmen.

Ziviler Ungehorsam wäre demnach nur bei schweren Erosionen der Rechtsordnung, so der Beseitigung der Staatsordnung legitim, nicht jedoch bei als subjektiv verfehlt betrachteter Umweltpolitik.

Andererseits beweist dies bei Weitem nicht, dass die Gruppe eine kriminelle Vereinigung ist: Struktur und Organisation seien nicht gegeben [26], nicht alle Mitglieder seien in Straftaten verwickelt [27], ergab eine vom Berliner Justizsenat in Auftrag gegebene Prüfung.

Andere Rechtsauffassungen [28] billigen dem Klima-Widerstand den Notstand zu. Selbst wer die Methodik der Gruppe ablehnt, kann bei der Frage, was ein Rechtsstaat an Protest aushalten muss, nicht schweigend zusehen.

Das harte Vorgehen gegen die Klimabewegung aller Schattierungen – ob Polizeigewalt in Lützerath oder die Kriminalisierung der "Letzten Generation" – hatte in der Regel einen Nutznießer: Konzerne wie der Tagebau-Betreiber RWE. Jene konnten – medial begünstigt – von der eigentlichen Debatte um verantwortungsvollen Klimaschutz ablenken und wurden aus der Schusslinie politischer Maßnahmen genommen.

Die konservative Law-and-Order-Politik hat einen doppelten Zungenschlag: Die zynische Friedensnobelpreisvergabe [29] an die venezolanischen Rechte Maria Machado wurde vollkommen unkritisch goutiert. Nur: Niemand befürwortet eine gewaltsame militärische US-Intervention so offen wie Machado [30].

In diesem Licht erscheinen die Mühlen der deutschen Justiz und ihrer politisch-medialen Lautsprecher, die den gewaltfreien Protest der Letzten Generation verfolgen, wie Bigotterie. Widerstand darf viel, wenn er im westlichen Interesse opportun auftritt.

Auch wenn die Frage der kriminellen Vereinigung bisweilen ohnehin nicht abschließend geklärt ist, so regt sich selbst im Lager von Polizei und Justiz Widerstand. Prof. Dr. Dennis Bock (Universität Kiel) analysiert [31] in der Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei die Frage wie folgt: Der Zweck der "Letzten Generation" sei "nicht auf die Begehung von Straftaten gerichtet", eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit sei "daher nicht anzunehmen" und die Taten seien "eher einem Bereich unterer bzw. mittlerer Kriminalität zuzuordnen".

In diesem Licht besehen erscheint die juristische Verfolgung der Letzten Generation vielmehr wie ein politischer Kampfauftrag, als als juristische Abwehr einer virulenten Gefahr.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/letzte-generation-klimaaktivisten-kriminelle-vereinigung-100.html#Hausdurchsuchung
[2] https://www.hessenschau.de/panorama/flughafen-frankfurt-lahmgelegt-anklage-gegen-letzte-generation-mitglieder-erhoben-v1,letzte-generation-anklage-frankfurt-flughafen-100.html
[3] https://www.zeit.de/thema/letzte-generation
[4] https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/06/letzte-generation-neue-generation-widerstands-kollektiv.html
[5] https://www.tagesschau.de/inland/unwort-2022-101.html
[6] https://www.deutschlandfunk.de/letzte-generation-plant-grossaktionen-in-berlin-cdu-generalsekretaer-czaja-spricht-von-extremisten-100.html
[7] https://www.csu-landesgruppe.de/themen/innen-und-bau-recht-und-verbraucherschutz/volker-ullrich-haftstrafen-fuer-klimakleber
[8] https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/letzte-generation-als-kriminelle-vereinigung-was-sonst-110377053.html
[9] https://verfassungsblog.de/auto-fahren-oder-klima-retten/
[10] https://www.cambridge.org/core/journals/the-drama-review/article/nationstates-rivalry-and-climate-change/A4B540FB72CDBEC7BDF47C664BB3A773
[11] https://www.abc.net.au/news/2024-12-01/vanuatu-icj-climate-change-case-pacific-island-students/104657334
[12] https://www.sueddeutsche.de/wissen/klima-globale-erwaermung-klimakrise-kipppunkte-li.3325004
[13] https://letztegeneration.org/pm/strategie-fuer-2024/
[14] https://www.welt.de/politik/deutschland/article253654802/Letzte-Generation-Wo-die-Letzte-Generation-ihre-neue-Stoer-Strategie-erprobt.html
[15] https://www.iamexpat.de/expat-info/germany-news/majority-germans-condemn-protest-methods-climate-activists
[16] https://germany.representation.ec.europa.eu/news/eurobarometer-umfrage-grosse-mehrheit-unterstutzt-ziel-der-klimaneutralitat-2025-06-30_de
[17] https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2024
[18] https://www.umweltbundesamt.de/en/press/pressinformation/germany-on-track-for-2030-climate-targets
[19] https://www.ipcc.ch/sr15/chapter/spm/
[20] https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2025/20250314-klimaziele-bis-2030-erreichbar.html
[21] https://kontrast.at/konzerne-co2-klima/
[22] https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/anklage-generalstaatsanwaltschaft-muenchen-letzte-generation-bildung-kriminelle-vereinigung
[23] https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_100291952/-letzte-generation-telefonueberwachung-von-klimaaktivisten-war-rechtens.html
[24] https://evangelische-zeitung.de/verfassungsbeschwerde-gegen-ueberwachung-der-letzten-generation
[25] https://protestinstitut.eu/ziviler-ungehorsam-straftat-oder-legitimer-protest/
[26] https://ucrisportal.univie.ac.at/en/publications/die-letzte-generation-als-kriminelle-vereinigung-ein-kritischer-b
[27] https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/letzte-generation-keine-kriminelle-vereinigung-berlin-justizsenatorin-pruefung-ergebnis
[28] https://www.climateclinic.de/beitraege/8rsfujbxb0xzuy125ayx9f0v9jtk3n
[29] https://www.heise.de/tp/features/Friedensnobelpreis-Sieg-fuer-Machado-Fragezeichen-fuer-den-Frieden-10750639.html
[30] https://www.internationalaffairs.org.au/australianoutlook/the-nobel-peace-prizes-legitimacy-crisis-maria-corina-machados-2025-award-and-the-end-of-moral-authority/
[31] https://www.kriminalpolizei.de/ausgaben/2024/maerz/detailansicht-maerz/artikel/die-letzte-generation-als-kriminelle-vereinigung.html

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  • 25. Oktober 2025 um 08:00

Laden oder Drossel: Autoindustrie will Plug-in-Fahrer zum Laden zwingen

Von Andreas Donath
Plug-in-Hybride stoßen in der Realität fünfmal mehr CO 2 aus als auf dem Papier. Der VDA will eine radikale Lösung – notfalls mit Motorendrosselung.
MG HS (Bild: MG)
MG HS MG

Die deutsche Autoindustrie will Fahrer von Plug-in-Hybridfahrzeugen künftig zum regelmäßigen Aufladen verpflichten. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) schlägt vor, dass die Fahrzeuge nach einer festgelegten Strecke zwingend aufgeladen werden müssen – andernfalls droht eine automatische Drosselung der Motorleistung, wie die FAZ berichtet .

Hintergrund ist eine massive Diskrepanz zwischen offiziellen Messwerten und der Realität . Eine Untersuchung von Transport and Environment an 127.000 Plug-in-Hybriden zeigt: Der tatsächliche CO 2 -Ausstoß liegt im Durchschnitt fast fünfmal höher als die nach WLTP-Tests ermittelten Werte. Die Daten stammen von Kraftstoffmessgeräten, die europaweit in Neuwagen verbaut werden.

Boomende Verkaufszahlen trotz schlechter Ökobilanz

Plug-in-Hybride erleben in Deutschland einen Boom: In den ersten neun Monaten stiegen die Neuzulassungen um 64 Prozent auf 218.000 Fahrzeuge – mehr als jede andere Antriebsart. Das Angebot hat sich binnen zwei Jahren auf über 200 Modelle nahezu verdoppelt. Meistverkauftes Modell im September: der chinesische BYD Seal UDMI .

VDA-Präsidentin Hildegard Müller räumt ein, dass Fahrer stärker zum elektrischen Fahren bewegt werden müssen. Ihr Vorschlag: Künftige Plug-in-Hybride könnten so konstruiert werden, dass sie nach einer bestimmten Fahrstrecke mindestens einmal aufgeladen werden müssen. Wer Warnhinweise ignoriert, riskiert eine reduzierte Systemleistung. Dabei handelt es sich aber nur um eine Idee, die rechtlichen und technischen Maßnahmen müssten erst durchgesetzt werden.

Milliardenstrafen drohen bei Nichteinhaltung

Der Druck kommt aus Brüssel: Die EU verschärft ab 2026 und 2027 die Berechnungsmethoden für Flottengrenzwerte. Würden Plug-in-Hybride mit realistischeren Emissionswerten erfasst, wird die Einhaltung der vorgeschriebenen CO 2 -Grenzwerte für Hersteller deutlich schwieriger. Bei Verstößen drohen Geldbußen in Milliardenhöhe.

Parallel kämpft die Autolobby gegen das geplante Verbrenner-Aus ab 2035. Hersteller wollen auch danach Plug-in-Hybride und Range-Extender verkaufen dürfen. Bundeskanzler Friedrich Merz versprach, ein "hartes Verbrennerverbot" zu verhindern.

Die europäischen Regierungschefs beauftragten die EU-Kommission diese Woche, die bisherigen Pläne zu überarbeiten . Ein striktes Verbrenner-Aus zum geplanten Zeitpunkt erscheint zunehmend unwahrscheinlich.

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  • 25. Oktober 2025 um 13:30

4Most: Neues Teleskop sieht alles in allen Farben

Von Mario Petzold
Erste Beobachtungen mit dem größten Instrument zur Vermessung des Südhimmels waren erfolgreich. Dunkle Materie und Sternenentstehungen werden erforscht.
Die Glasfaseroptik von 4Most verspricht eine bisher ungekannte Detailtiefe bei der Beobachtung sichtbaren Lichts. (Bild: ESO/J. Muñoz)
Die Glasfaseroptik von 4Most verspricht eine bisher ungekannte Detailtiefe bei der Beobachtung sichtbaren Lichts. ESO/J. Muñoz

Wie die Europäische Südsternwarte (ESO) vermeldet, konnte das 4-Meter-Multi-Objekt-Spektroskopieteleskop (4Most) erfolgreich in Betrieb genommen werden. Es befindet sich im Paranal-Observatorium in Chile. In der dortigen Atacamawüste, einem der trockensten Orte der Welt, und auf 2.600 m Höhe sind annähernd störungsfreie Beobachtungen möglich, vor allem des sichtbaren Lichtspektrums.

Und genau dieses soll mit dem neuen Instrument in enormer Detailtiefe erfasst werden. Das Teleskop kann das Licht von tausenden Himmelsobjekten gleichzeitig erfassen. Dafür verwendet es 2.400 optische Fasern, die jeweils an drei unterschiedliche Spektrografen geleitet werden.

Eigenschaften von Himmelsobjekten erfassen

Diese ermöglichen die Zerlegung in 18.000 Farbkomponenten, wobei das Spektrum von Violett bis Rot reicht. Das entspricht dem vollständigen sichtbaren Bereich des Lichts.

Anhand der vielen erfassten Details können von der chemischen Zusammensetzung über die relative Bewegungsgeschwindigkeit bis zur Entfernung des Objekts alle möglichen Informationen gesammelt werden. Möglich sind nun außerdem Beobachtungen von sehr weit entfernten Galaxien mit hoher Auflösung. So erhofft man sich neue Erkenntnisse zur Entstehung von Sternen und zum Einfluss dunkler Materie auf die Entwicklung von Galaxien.

Paralleles Beobachten wird ermöglicht

Durch das große Sichtfeld des Teleskops und die hohe Anzahl der erfassten Farbkomponenten sollen zukünftige mehrere Untersuchungen gleichzeitig stattfinden können. Laut dem Astrophysiker Vincenzo Mainieri, zuständig für 4Most, können mehr als zehn Studien parallel mit einer einzelnen Beobachtung durchgeführt werden.

Die ersten Daten von Teilen der Milchstraße und des Sternhaufens NGC 288 sollen bereits die hohe Leistungsfähigkeit des Systems aus Glasfasern und Spektrografen zeigen. In den den kommenden 5 Jahren sollen über 25 Millionen Objekte am Südhimmel dank 4Most detailliert untersucht werden.

Beteiligt an dem Projekt sind 30 Forschungseinrichtungen in Europa und Australien. Die Leitung hat das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam inne.

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  • 25. Oktober 2025 um 12:50

Triboelektrisch: Wasserbewegung wird in Nanoporen zu Strom

Von Mario Petzold
Winzige Tasche aus Silizium nehmen Wasser auf und geben es wieder ab. Das genügt, um eine messbare elektrische Energie zu erhalten.
Ein sich ändernder Wasserdruck genügt, um Strom zu erzeugen. (Bild: TU Hamburg,DESY/Künsting)
Ein sich ändernder Wasserdruck genügt, um Strom zu erzeugen. TU Hamburg,DESY/Künsting

Ein Forschungsteam mit Beteiligung der Technischen Universität Hamburg und des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) hat ein Material mit Nanoporen entwickelt, das allein durch die Anwesenheit von Wasser und eines sich ändernden Drucks Strom erzeugt. Genutzt wird dafür der triboelektrische Effekt , bei dem Reibung für eine Ladungstrennung und somit eine Spannung sorgt. Der Effekt ist auch beim Kämmen von Haaren, bei Kontakt von Luftballons mit Kleidung oder Schuhsohlen mit Teppichboden zu beobachten.

Die gezielte Erzeugung von Strom gelang nun mit Poren aus Silizium im Nanometerbereich. Diese sogenannten Siliziummonolithe sind wasserabweisend. Aus ihnen tritt Wasser bei verringertem Druck aus, während es bei hohem Druck hineingepresst wird.

Bei dieser zyklischen Bewegung konnte die Forschungsgruppe elektrische Energie erzeugen, verursacht durch die Reibung des Wassers an den Nanoporen. Laut der Studie, die in Nano Energy frei zugänglich veröffentlicht wurde, lag die Effizienz bei 9 Prozent in Bezug auf die mechanische Arbeit, die für das Eindringen und Ausstoßen des Wassers nötig war.

System mit überragender Leistung

Das System, das als Intrusion-Extrusion triboelektrischer Nanogenerator bezeichnet wird, soll insbesondere im Vergleich zu früheren Ansätzen mit porösen Stoffen in Form von Pulver eine um drei Größenordnungen höhere Energiedichte besitzen.

Zudem wird betont, dass hohe Leistungsspitzen im Millisekundenbereich in ähnlichen Versuchen bereits erreicht wurden. Das neue System soll in den Versuchen jedoch über mehrere Minuten Strom erzeugt haben.

Autonome Systeme, betrieben durch Vibration

Durch die Verwendung des häufig vorkommenden Siliziums und einer gut kontrollierbaren Herstellung soll in Zukunft ein praktischer Einsatz des Systems denkbar sein. Die Energiequelle besitzt eine hohe Effizienz und soll reproduzierbar Energie liefern können.

Deshalb soll es realistisch sein, vor allem Sensorsysteme in Wasser oder in Umgebungen mit vielen Erschütterungen, zum Beispiel tragbare Kleinstelektronik oder Produkte für Gesundheitsmonitoring, unabhängig und ohne Batterie mit Strom zu versorgen. Sie würden dann nur noch eine regelmäßige Bewegung von Wasser benötigen, um zu funktionieren.

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  • 25. Oktober 2025 um 12:10

Developer Snapshots: Kleinere News der Woche

Von Heise
Kopf von einem Mann auf blauem Hintergrund zu sehen, der sich selbst mit Blitzlicht fotografiert

(Bild: erzeugt mit Midjourney von der iX-Redaktion)

Die Übersicht enthält kleine, aber interessante Meldungen zu Grafana Tempo, Visual Studio 2026, Accessibility, GitHub, Valkey, PyTorch, Slint und Django.

Zum Wochenende gibt es einen kleinen Überblick über alles, was es zwar nicht in die News geschafft hat, wir aber dennoch für spannend halten:

  • Die Gewinner der GitHub-Challenge "Love of Code" stehen fest. Gesucht waren unterhaltsame und kreative Projekte, zum Beispiel Hardware-Hacks, Spiele und interaktive Kunst. Zu den Gewinnerprojekten [1] zählt ein digitaler E-Ink-Bilderrahmen, der einen Raspberry Pi nutzt und sich automatisch aktualisiert, wenn Bilder per Mail an ihn gesendet werden.
  • Das Team hinter dem Videocast software-architektur.tv [2] sucht für eine Special-Folge "Diversität in der IT" persönliche Erfahrungsberichte [3] von Menschen, die in der Tech-Branche unterrepräsentiert sind oder sich dort nicht immer willkommen gefühlt haben. Auch können sie mitteilen, was ihnen in konkreten Situation geholfen hätte. Dabei bleiben die Personen anonym, es sei denn, sie wünschen explizit, dass ihr Name genannt wird.
  • Grafana Tempo, ein Open-Source-Backend für Distributed Tracing, hat Version 2.9 erreicht [4]. Unter anderem bringt es Support für das Model Context Protocol (MCP) und verbessert die Performance beim Verwenden der Query-Sprache TraceQL durch neue Query Hints.
  • Die Betaphase für das Webframework Django 6.0 ist gestartet [9]. Neuerungen sind integrierte CSP-Anbindung (Content Security Policy) und ein Framework, um Tasks im Hintergrund jenseits des HTTP-Request-Response-Workflows laufen zu lassen.
  • Das UI-Framework Slint kann in Version 1.14 [10] über asyncio mit asynchronem Python-Code zusammenarbeiten. Außerdem erweitert es die grafischen Transformationen auf beliebige visuelle Elemente und nicht mehr nur Bilder und Text.
  • Mit Monarch hat das PyTorch-Team ein Framework veröffentlicht [11], mit dem sich verteilte Anwendungen im Cluster erstellen lassen. Monarch verbindet ein Python-Frontend mit einem Rust-basierten Backend, das sich um die performante Verteilung kümmert.
  • Der Redis-Fork Valkey zielt in Version 9.0 [12] auf verbesserte Skalierbarkeit. Der Key-Value-Store soll jetzt über eine Milliarde Anfragen pro Sekunde ermöglichen, und Cluster können eine Größe bis zu 2000 Knoten haben.

Sollten Sie ein wichtiges Thema vermissen, freuen wir uns über Ihre Mail [13].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10815349

Links in diesem Artikel:
[1] https://github.blog/open-source/from-karaoke-terminals-to-ai-resumes-the-winners-of-githubs-for-the-love-of-code-challenge/
[2] https://www.heise.de/news/software-architektur-tv-Experiencing-Generative-AI-mit-Oliver-Zeigermann-10811070.html
[3] https://tally.so/r/w76VV6
[4] https://grafana.com/blog/2025/10/22/grafana-tempo-2-9-release-mcp-server-support-traceql-metrics-sampling-and-more/
[5] https://www.m3-konferenz.de/llm.php?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_m3_llm.empfehlung-ho.link.link
[6] https://www.w3.org/news/2025/web-content-accessibility-guidelines-wcag-2-2-approved-as-iso-iec-international-standard/
[7] https://www.heise.de/hintergrund/Webentwicklung-ohne-Grenzen-Teil-1-Der-Praxis-Guide-fuer-barrierefreies-Design-10384164.html
[8] https://devblogs.microsoft.com/visualstudio/modernizing-visual-studio-extension-compatibility-effortless-migration-for-extension-developers-and-users/
[9] https://www.djangoproject.com/weblog/2025/oct/22/django-60-beta-released/
[10] https://slint.dev/blog/slint-1.14-released?utm_medium=rss&utm_source=rss&utm_campaign=rss
[11] https://www.infoworld.com/article/4077449/pytorch-team-unveils-framework-for-programming-clusters.html
[12] https://valkey.io/blog/introducing-valkey-9/
[13] mailto:developer@heise.de?subject=Ein%20Vorschlag%20f%C3%BCr%20die%20Developer%20Snapshots
[14] mailto:who@heise.de

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  • 25. Oktober 2025 um 09:34

Glasfasermodul im Switch nicht ansprechbar

Von Heise

Ich habe mir ein GPON-SFP-Modul von Zyxel gekauft. Es ist auf seiner Standard-IP-Adresse nicht ansprechbar, direkt an meinem Notebook aber schon. Ist es kaputt?

Ich habe mir ein GPON-SFP-Modul von Zyxel (PMG3000-D20B) gekauft, um es direkt in meinen Switch zu stecken und statt des Telekom-Glasfasermodems zu nutzen. Es ist dort trotz passend konfiguriertem VLAN auf seiner Standard-IP-Adresse nicht ansprechbar, in einem Medienkonverter direkt an meinem Notebook aber schon. Ist es kaputt?

Vermutlich hat nur der Switch den Port gesperrt. Das passiert, wenn das Spanning Tree Protocol (STP) aktiv ist. Es soll Ethernet-Schleifen verhindern, also sicherstellen, dass Daten in einem Netzwerk immer nur auf einem eindeutigen Pfad reisen. Redundante Verbindungen blockiert STP mithilfe der dazu nötigen Kommunikation der Switches untereinander. Das genannte Modul sendet solche Pakete.

Steckt das Zyxel PGM3000-D20B im SFP-Slot eines Switches, ist es nötig, zumindest an diesem Port STP abzuschalten (hier Port 24), um das GPON-Modul über seine IP-Adresse per SSH oder HTTP erreichen zu können.

Bei einem verwalteten (manageable) Switch finden Sie üblicherweise Optionen, um für einzelne Ports das STP zu deaktivieren. Zumindest auf unserem schon etwas betagten Zyxel GS1910 führte das zum Erfolg. Unter „Konfiguration/Spanning Tree/CIST Ports“ lässt sich dort STP für jeden Port einzeln an- oder abschalten. Die Option half gleichermaßen, wenn das SFP-Modul im Medienkonverter an einem Ethernet-Port angeschlossen war, und ebenso, wenn es im SFP-Modulschacht steckte.

Wenn Ihr Switch keine STP-Konfiguration pro Port bietet, bleibt nur, dieses Protokoll komplett abzuschalten. Eine auf dem GPON-SFP-Modul dauerhaft konfigurierbare entsprechende Option, um STP abzuschalten, haben wir nicht gefunden.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10792847

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/thema/ct-tipps-und-tricks
[2] https://www.heise.de/ct
[3] mailto:ps@ct.de

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  • 25. Oktober 2025 um 06:30

Cahokia: Die vergessene präkolumbische Metropole

Von Marcel Kunzmann

Künstlerische Interpretation der präkolumbianischen Stadt Cahokia

(Bild: Commons/CC-2.0)

Forscher datieren Höhepunkt und Niedergang der größten Stadt Nordamerikas vor Kolumbus. Dabei half ihnen ein 180 Kilometer weit transportierter Baumstamm.

Ein Team der University of Arizona hat mithilfe modernster Datierungstechniken neue Erkenntnisse über die präkolumbische Stadt Cahokia [1] gewonnen, die einst Zentrum der nordamerikanischen Missisipi-Kultur war.

Die Forscher untersuchten einen massiven Holzpfahl, der um 1124 nach Christus gefällt und über mindestens 180 Kilometer zur Siedlung transportiert wurde, wie sie in der Fachzeitschrift PLOS One berichten [2].

Cahokia war um 1050 nach Christus zur größten Stadt nördlich von Mexiko angewachsen. Mit etwa 20.000 Einwohnern übertraf die Metropole am Mississippi sogar das damalige London oder Paris. Die Siedlung erstreckte sich über die fruchtbare Flussebene im heutigen Illinois und bildete das politische, wirtschaftliche und zeremonielle Zentrum der Mississippian-Kultur.

"Cahokia war extrem einflussreich in der Geschichte Nordamerikas und ein einzigartiges Phänomen als erste Stadt nördlich des heutigen Mexiko", erklärte Dr. Nicholas Kessler, der das Forschungsteam leitet. Der größte der 120 Erdhügel, Monks Mound, sei die größte Erdkonstruktion der westlichen Hemisphäre gewesen.

Monumentale Holzpfähle als Machtsymbole

Die Bewohner Cahokias errichteten massive Markierungspfähle aus Baumstämmen, die sie in der Nähe wichtiger Gebäude, auf Pyramidenhügeln und in Plätzen aufstellten. Diese Pfähle dienten verschiedenen zeremoniellen Zwecken und galten als heilig, wie Kessler ausführte.

"Für viele waren die Pfähle selbst mächtig oder heilig, und für einige waren die Pfähle Personen oder Vorfahren", sagte der Forscher. Sie hätten als "axis mundi" fungiert und die obere, mittlere und untere Welt physisch verbunden.

Der untersuchte Mitchell-Pfahl ist der größte jemals gefundene Markierungspfahl. Heute misst er noch 3,5 Meter Länge bei einem Gewicht von einer Tonne. Ursprünglich war er vermutlich 18 Meter hoch und wog zwischen vier und fünf Tonnen.

Transport über hunderte Kilometer

Die Radiokohlenstoffdatierung ergab, dass der etwa 194 Jahre alte Baum um 1124 nach Christus gefällt wurde. Strontium-Isotopen-Analysen zeigten, dass die Sumpfzypresse aus dem südlichen Missouri, nördlichen Arkansas, westlichen Tennessee oder südlichen Illinois stammte – mindestens 180 Kilometer von Cahokia entfernt.

"Was den Transport der Pfähle angeht, sind wir uns nicht sicher, das ist eine Frage für weitere Studien", räumte Kessler ein. Als wahrscheinlichste Methode sehen die Forscher den Wassertransport über den Mississippi.

"Der Pfahl besteht aus Sumpfzypresse und wäre in den Niederungen gewachsen, sodass ein Wasserweg bequem und effizient gewesen wäre", erklärte er. Alternativ könnte der Transport über Landwege erfolgt sein, die Cahokia mit umliegenden Gemeinden verbanden.

Ein Vergleich sei das Chaco Canyon, wo hunderte Baumstämme aus bis zu 80 Kilometer Entfernung für spektakuläre Bauten herangeschafft wurden.

Zeitzeuge von Aufstieg und Fall

Die Datierung des Mitchell-Pfahls fällt in die Zeit des regionalen politischen und wirtschaftlichen Höhepunkts Cahokias. Der Zeitpunkt der Beschaffung entspricht dem Intervall, in dem der Bau von Erd- und Holzmonumenten seinen Höhepunkt erreichte und exotische Materialien am häufigsten in und um Cahokia zu finden waren.

Unter der Annahme, dass der Pfahl ein bis zwei Generationen stand, bevor natürlicher Verfall ihn zum Brechen brachte, wäre er bis etwa 1150 bis 1175 nach Christus aufrecht gestanden. Dieser Zeitrahmen entspricht der indirekten Datierung nahegelegener zeremonieller Gebäude, die aufgegeben wurden.

Um 1200 nach Christus war Cahokias Bevölkerung drastisch geschrumpft und der monumentale Bau eingestellt. Keine neuen Markierungspfähle wurden nach dieser Zeit mehr errichtet. Der Mitchell-Pfahl steht damit sowohl als Symbol für den Höhepunkt der Stadt als auch als stummer Zeuge ihres Falls.

Die Forschungsergebnisse zeigen, wie fortschrittliche wissenschaftliche Techniken wie die Radiokohlenstoff-Datierung von Baumringen und Isotopen-Kartierung das Verständnis der antiken Zivilisationen Nordamerikas neu schreiben.

Durch die Verknüpfung hölzerner Artefakte mit spezifischen Jahren und Orten können Forscher nun präzisere Zeitpläne kultureller Expansion, Handels und Niedergangs erstellen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10853726

Links in diesem Artikel:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Cahokia
[2] https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0333783

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  • 24. Oktober 2025 um 14:00

US-Hyperscaler: Europa bei Seekabeln stark von US-Konzernen abhängig

Von Achim Sawall
Die europäischen Telcos sind bei Seekabeln abhängig von US-Konzernen. Grund sind mangelnde Investitionen und die Finanzstärke der Hyperscaler.
So "stellt sich" die Google-KI die Seekabel am Meeresgrund vor. (KI-generiert) (Bild: Gemini/Achim Sawall/Golem.de)
So "stellt sich" die Google-KI die Seekabel am Meeresgrund vor. (KI-generiert) Gemini/Achim Sawall/Golem.de

US-Hyperscaler verfügen bei Tiefseekabeln bereits über 90 Prozent der Gesamtkapazität zwischen den USA und Europa und erhöhen ihren Anteil bei den Glasfaserverbindungen zwischen Europa und Afrika sowie Asien. Das geht aus dem Bericht einer EU-Expertengruppe für Unterseekabel-Infrastrukturen hervor, der am 6. Oktober 2025 vorgelegt wurde.

"Der Mangel an europäischen Investitionen in kontinentalübergreifende Unterseekabel bedeutet, dass die EU-Mitgliedstaaten für ihren Kapazitätsbedarf auf einigen Routen in hohem Maße auf Seekabel von Akteuren außerhalb der EU angewiesen sind" , heißt es in dem Bericht.

Dies rührt laut den EU-Experten daher, dass traditionelle Telekommunikationsbetreiber in Europa "aufgrund finanzieller Zwänge und bescheidener Geschäftsaussichten" bei Seekabeln immer weniger investiert haben.

Tatsächlich sind bereits einzelne Hyperscaler wie Google, Meta, Amazon und Microsoft erheblich kapitalstärker als die gesamte europäische Telco-Branche zusammengenommen. Zugleich sind einzelne Seekabelprojekte etwa zwischen Europa und Asien mit rund 100 Millionen Euro Kapitaleinsatz keine Hürde für die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica, Orange, die BT Group oder Swisscom.

Seekabel lohnen sich für die mächtige Telekom nicht

Dennoch hat die Telekom keine eigenen Seekabel mehr. Telekom-Sprecherin Stefanie Halle sagte Golem im April 2025 : "Die Deutsche Telekom least inzwischen ihre Seekabel bei anderen Unternehmen. Es macht uns flexibler und den Betrieb unseres Netzes wirtschaftlicher."

Die Vodafone Group ist Seekabelbetreiber und hat weltweit 70 Seekabel in Betrieb. Orange aus Frankreich ist einer der größten und aktivsten Betreiber im Bereich der Unterseekabel weltweit. Sein Netzwerk umfasst mehr als 450.000 Kilometer Seekabel.

Telefónica ist durch die Tochtergesellschaft Telxius ein wichtiger Akteur im Tiefseekabelmarkt. Außerdem verfügt die EU über starke Kapazitäten in der Kabelinstallation und -wartung duch Alcatel Submarine Networks (ASN) mit Hauptsitz in Frankreich.

Hyperscaler sind größte Telco-Unternehmen der Welt

Dass die US-Hyperscaler weltweit immer stärker beim Betrieb von Seekabeln werden, ist nicht neu: Sie investierten in den vergangenen Jahren stark in eigene Telco-Infrastruktur, meist in Form von Seekabeln und Rechenzentren.

Wenn sie diese der Öffentlichkeit zur Verfügung stellten, gehörten diese Konzerne "zu den größten TK-Unternehmen der Welt" , sagte Stefan Lechler, Deputy Head der Unit DG Connect bei der Europäischen Kommission, bereits im Mai 2023 auf der Branchenmesse Anga Com in Köln. Die vier Konzerne besaßen schon Ende 2023 Anteile an mehr als 30 bedeutenden Seekabeln, erklärten die Experten von Telegeography in ihrer Studie The State of the Network.

Während Seekabel weiter das Rückgrat der globalen Datenübertragung bilden, werden Satellitennetze, insbesondere LEO Konstellationen in erdnahen Umlaufbahnen, zunehmend als ergänzende oder Back-up-Lösungen untersucht.

LEO-Satellitennetze sind aber nicht darauf ausgelegt, die Seekabelinfrastruktur zu ergänzen oder gar zu ersetzen. Im Januar 2025 verfügte die Starlink-Konstellation über eine Gesamtkapazität von etwa 450 TBit/s im Downlink und 50 TBit/s im Uplink.

Die komplette Satellitenkonstellation bietet bei Berücksichtigung der symmetrischen Kapazität nur etwa 10 Prozent der Leistung eines Unterseekabels. Das Anjana-Kabel hat beispielsweise eine Kapazität von 480 TBit/s.

Leo-Netze keine Alternative zu Seekabeln

Zudem sind die aktuellen Kosten pro MBit/s für Satellitendienste wie Starlink schätzungsweise etwa 3.000-mal höher als die Kosten pro MBit/s für Seekabel. Satelliten könnten daher eine Back-up-Lösung für Anwendungen mit hoher Priorität und geringem Datenverkehr bieten, etwa für Sprachkommunikation in Notfallszenarien.

Die EU-Expertengruppe tritt für Stresstests für Seekabel im Glasfaserbereich ein, um ihre Widerstandsfähigkeit zu prüfen, insbesondere nach den Vorfällen an den Nordstream-Pipelines und den Seekabel-Beschädigungen in der Ostsee. Ziel ist es, Schwachstellen in der Redundanz, den Reparaturkapazitäten und der Koordination zwischen den EU-Mitgliedstaaten und den Betreibern aufzuzeigen.

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  • 24. Oktober 2025 um 19:06
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