(Bild: Die Produktwerker)
Diese Podcastfolge dreht sich darum, wie Product Owner Produktstrategie, OKRs und Discovery sinnvoll miteinander verbinden können.
Viele Produktteams wirken nach außen extrem beschäftigt: Sie planen, tracken, messen, dokumentieren und liefern fleißig Features. Doch trotz all der Aktivität bleibt oft ein ungutes Gefühl: Kommt man wirklich voran – oder ist man einfach nur beschäftigt?
In dieser Podcastfolge spricht Oliver Winter mit Tim Herbig, Produktcoach, Autor und langjähriger Begleiter von Produktteams, über die zentrale Frage: Was macht echten Fortschritt aus? Tim Herbig hat mit "Real Progress" gerade sein erstes Buch veröffentlicht – und teilt darin und in dieser Episode seine Überzeugung, dass Wirkung vor Beschäftigung steht. Produktteams sollten ihre Arbeit nicht an ausgelasteten Sprints oder ausgefüllten Roadmaps messen, sondern an der Veränderung, die sie bei Nutzerinnen und Nutzern sowie im Unternehmen bewirken.
Im Gespräch wird deutlich: Fortschritt entsteht nicht durch die Methoden oder Frameworks allein. Sondern durch Denken, Reflektieren und das bewusste Zusammenspiel von Produktstrategie, Discovery und Delivery. Wenn diese Disziplinen nicht miteinander verbunden werden, bleibt vieles Stückwerk – und verpufft im Alltag.
Tim Herbig berichtet offen, wie Feedback, kontinuierliches Lernen und mutige Entscheidungen ihn beim Schreiben seines Buchs vorangebracht haben – und warum genau diese Haltung auch für Product Owner und Produktteams entscheidend ist. Denn Feedback ist kein Kontrollinstrument, sondern ein Werkzeug für Entwicklung. Und Entscheidungen brauchen nicht nur Mut, sondern auch die Disziplin, den eigenen Fokus immer wieder auf Wirkung auszurichten.
Eine inspirierende Folge für alle, die sich weniger Output, aber dafür Outcome und echten Impact wünschen. Und für alle, die das Gefühl kennen: "Wir tun viel – aber was bewirkt es eigentlich?"
Die aktuelle Ausgabe des Podcasts steht auch im Blog der Produktwerker bereit: "Real Progress [4]".
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https://www.heise.de/-10778969
Links in diesem Artikel:
[1] https://pod.inside-agile.de/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_ia_pod.empfehlung-ho.link.link
[2] https://pod.inside-agile.de/veranstaltung-85654-se-0-real-progress-statt-alibi-progress-wie-sich-strategy-okrs-und-discovery-beeinflussen.html?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_ia_pod.empfehlung-ho.link.link
[3] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[4] https://produktwerker.de/real-progress/
[5] mailto:mai@heise.de
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In dieser Folge spricht Ralf D. Müller mit Peter Hruschka darüber, wie Anforderungen und Architekturentscheidungen zusammenhängen.
Von schlechten Anforderungen haben wir alle bereits gehört. Aber wie können Softwarearchitekten und -architektinnen mit fehlenden oder unklaren Requirements umgehen? Und wie hängen Anforderungen und Architekturentscheidungen eigentlich zusammen? In dieser Episode beantwortet Peter Hruschka, Mitbegründer von req42 und langjähriger Requirements-Engineering-Experte, diese und weitere Fragen. Das req42-Template bietet eine schlanke, Docs-as-Code-kompatible Struktur für Requirements-Dokumentation – und lässt sich nahtlos mit arc42 kombinieren.
Peter Hruschka teilt seine Erfahrungen aus Jahrzehnten der Projektarbeit: vom Übergang zwischen Problemraum und Lösungsraum über die Rolle von Qualitätszielen bis hin zu praktischen Notationen wie PAM.
Spoiler: Requirements Engineering und Softwarearchitektur gehören zusammen!
Diese Woche erscheint software-architektur.tv nicht freitags im Livestream, sondern Ralf und Peter haben das Video im Vorfeld aufgenommen.
software-architektur.tv ist ein Videocast von Eberhard Wolff, Blogger sowie Podcaster auf iX [5] und bekannter Softwarearchitekt, der als Head of Architecture bei SWAGLab arbeitet. Seit Juni 2020 sind über 250 Folgen entstanden, die unterschiedliche Bereiche der Softwarearchitektur beleuchten – mal mit Gästen, mal Wolff solo. Seit mittlerweile mehr als zwei Jahren bindet iX (heise Developer) die über YouTube gestreamten Episoden im Online-Channel ein, sodass Zuschauer dem Videocast aus den Heise Medien heraus folgen können.
Weitere Informationen zu der Folge finden sich auf der Videocast-Seite [6].
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https://www.heise.de/-10767905
Links in diesem Artikel:
[1] https://conferences.isaqb.org/software-architecture-gathering/
[2] https://conferences.isaqb.org/software-architecture-gathering/program-2025/
[3] https://conferences.isaqb.org/software-architecture-gathering/session/framework-architectures/
[4] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[5] https://www.heise.de/developer/Continuous-Architecture-2687847.html
[6] https://software-architektur.tv/
[7] mailto:rme@ix.de
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(Bild: sabthai/Shutterstock.com)
Als Beta-Feature kann der KI-gestützte GitLab Duo Planner Backlogs analysieren und Priorisierungsframeworks wie RICE anwenden.
Mit 57 Neuerungen ist GitLab 18.5 erschienen. Die Entwicklungsplattform bietet unter anderem den KI-Agenten GitLab Duo Planner als Beta-Version – um Produktmanager mithilfe künstlicher Intelligenz bei ihrer Planung zu unterstützen. Auch Beta-Releases des GitLab Security Analyst sowie des Maven Virtual Registry UI und eine neue persönliche Homepage für GitLab-User sind enthalten.
Der GitLab Duo Planner ist ein spezialisierter KI-Agent, mit dem Product Manager laut GitLab-Ankündigung [2] im Sinne eines "proaktiven Teammitglieds" zusammenarbeiten können. Dadurch müssen Product Manager einige Aufgaben nicht mehr manuell erledigen, etwa das Priorisieren von Arbeit oder das Zusammenfassen von Planungsdaten. Der Planner kann unter anderem beim Analysieren von Backlogs helfen sowie Priorisierungsframeworks wie RICE (Reach, Impact, Confidence, Effort) oder MoSCoW (Must have, Should have, Could have, Won't have) anwenden.
Derzeit befindet sich der GitLab Duo Planner in der Beta-Phase und ist auf GitLab.com in allen bezahlpflichtigen GitLab-Editionen verfügbar. Zu den Limitierungen der Beta [3] zählt, dass der Planner lediglich read-only auf Daten zugreifen, keine projektübergreifende Dependency-Analyse durchführen kann und benutzerdefinierte Workflows möglicherweise nicht versteht.
(Bild: GitLab)
Als weiterer KI-Agent im Beta-Status steht der GitLab Security Analyst auf GitLab.com bereit – jedoch nur für User der Editionen Duo Core, Duo Pro und Duo Enterprise sowie Ultimate mit Add-on für GitLab Duo. Das Security-Tool kann unter anderem alle Sicherheitslücken in einem Projekt auflisten, detaillierte Informationen dazu liefern, die Schweregrade von Sicherheitslücken aktualisieren oder Issues für Sicherheitslücken erstellen.
Laut dem GitLab-Team lassen sich somit mühsame, repetitive Sicherheitsworkflows durch KI-gestützte Automatisierung und intelligente Analyse umsetzen, während Entwicklerinnen und Entwickler sich auf konkrete Sicherheitsbedrohungen konzentrieren können.
Zu den Highlights in GitLab 18.5 zählt darüber hinaus eine persönliche Homepage für alle GitLab-Nutzerinnen und -Nutzer. Diese soll als zentraler Überblick über To-Do-Items, zugewiesene Issues, Merge und Review Requests und zuletzt angesehene Inhalte dienen:
(Bild: GitLab)
Weitere Details zu allen größeren Neuerungen in Version 18.5 bietet der GitLab-Blog [4].
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[1] https://ai.pod.inside-agile.de/?wt_mc=intern.academy.dpunkt.konf_dpunkt_ia_kipo.empfehlung-ho.link.link
[2] https://about.gitlab.com/releases/2025/10/16/gitlab-18-5-released/#gitlab-duo-planner-a-specialized-agent-and-product-manager-team-member-beta
[3] https://gitlab.com/gitlab-org/gitlab/-/issues/576622
[4] https://about.gitlab.com/releases/2025/10/16/gitlab-18-5-released/
[5] mailto:mai@heise.de
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(Bild: Kiselev Andrey Valerevich / Shutterstock.com)
Während die Wirtschaft stagniert, wächst die Zahl der Milliardäre. Ihr Gesamtvermögen stieg dreimal so stark wie das BIP.
Superreiche werden immer reicher – das ist die Quintessenz des alljährlichen Sonderheftes des Manager Magazins mit dem Titel "Die 500 reichsten Deutschen [1]. Wie sich Macht und Vermögen verteilen."
Während die Bundesregierung über Kürzungen für Bürgergeldbezieher diskutiert, wurde die neue Rangliste veröffentlicht. Mit wenig überraschenden Ergebnissen. Die deutsche Wirtschaft stagniert, die Zahl der Milliardäre steigt von 226 auf 256.
"Das Magazin veröffentlichte die Liste bereits zum 25. Mal. Seit 2001 hat sich nach den Angaben des Magazins das Gesamtvermögen der Top 100 von 263 Milliarden Euro auf 758 Milliarden Euro knapp verdreifacht. Das Bruttoinlandsprodukt hat sich im selben Zeitraum lediglich verdoppelt", meldet [2] die ZDF-Sendung "heute".
Dieter Schwarz ist wie im letzten Jahr der reichste Deutsche. Sein Vermögen in Höhe von 46,5 Mrd. erwirtschaftet er mit Lidl nicht nur im Einzelhandel, sondern auch durch Entsorgung, IT-Service und Immobilien.
Die Zweitplatzierten mit 36,5 Mrd. sind die Familien Klatten und Quandt, die mit BMW Geld verdienen. Auch die SAP-Gründer Dietmar Hopp und Hasso Plattner erscheinen auf der Reichenliste, ebenfalls Medienunternehmer wie Bertelsmann-Eigner Mohn mit 7,2 Mrd. Euro oder Friede Springer und Mathias Döpfner mit 2,9 Mrd. Euro.
Eine besondere Schwierigkeit ist die Ermittlung des Reichtums, wie die Redaktion berichtet. "Bei allen Vermögensangaben handelt es sich um Schätzungen. Bewertungsgrundlage sind Recherchen in Archiven und Registern, bei Vermögensverwaltern, Anwälten, Bankern sowie Vertreterinnen und Vertretern der Rangliste selbst.
Die Vermögen werden konservativ bewertet", sagt der Verlag zur Liste der Reichen: "Noch nie war sie so notwendig wie heute. Denn Vermögen bedeutet Macht."
Dass mit diesem Reichtum auf politische Entscheidungen Einfluss genommen wird, ist hierzulande meist nur Thema, wenn die Entwicklung in den USA dargestellt wird. Milliardäre verfügen über enorme finanzielle Ressourcen, um politische Prozesse zu beeinflussen.
Elon Musk verfügt über ein Vermögen von über 500 Milliarden Dollar, und er erfüllte – obwohl gar nicht gewählt – Aufgaben im Staatsapparat. Auch in der Bundesrepublik greifen Lobby-Organisationen wie das Institut Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) direkt in politische Entscheidungen ein.
Eine Initiative will den Reichtum am Beispiel von Dieter Schwarz offensiv angehen und kämpft für die Vergesellschaftung des Lebensmitteleinzelhandels.
Der Reichtum entsteht "nicht im luftleeren Raum, sondern wird tagtäglich von Millionen Menschen weltweit erarbeitet, die Lebensmittel produzieren, transportieren und verkaufen. Sie sind es, die den Profit ermöglichen, den sich Dieter Schwarz aneignet", macht die Kampagne unserlidl [3] deutlich.
Mit harter Arbeit kann doch jeder reich werden. Du musst Dich doch nur anstrengen, oder? Wie lange es dauert, als Kassierer*in bei Lidl das Vermögen des Gründers Dieter Schwarz zuverdienen, zeigt: Es ist unmöglich. Es sind mehr als 1.5 Millionen Jahre!
"Natürlich ist Dieter nicht besonders böse und Lidl nicht besonders grausam im Vergleich zu Aldi und Co. Die Struktur des Kapitalismus ist das Problem", sagt Tobi Rosswog [4], einer der Organisatoren von unserlidl, zur Tageszeitung nd.
Kritisiert werden die Arbeitsbedingungen der unter hohem Stress arbeitenden Angestellten. Lieferketten führen zu umweltzerstörenden Produktionsbedingungen in Ländern des Südens. Studien zeigen, dass die Preise während der Coronapandemie stärker angehoben wurden, als gestiegene Produktionskosten es erklären können.
In Heilbronn werde sichtbar, welche Probleme extremer Reichtum einzelner verursache. "Dieter Schwarz-Stadt" nennt Rosswog die Stadt, in der die Macht des Unternehmers nahezu überall zu spüren sei. Hochschulbauten, Stadtentwicklung oder Kulturförderung werden heute von der Schwarz-Gruppe finanziert. Das sei ein Zeichen für "demokratischen Kontrollverlust", so die Kampagne.
Weiter heißt es auf der Seite der Kampagne [5]:
Die Schwarz-Stiftung hat in den letzten Jahren mehrere Universitäten und Forschungsinstitute mit Zuwendungen im Millionenbereich nach Heilbronn gelockt, auf den ersten Blick als Förderung von Innovation und Forschung. Doch wie eine Recherche von FragDenStaat zeigt, ist diese sogenannte Bildungsförderung eng mit den Interessen der Schwarz-Gruppe verzahnt. Studiengänge und Forschungsschwerpunkte orientieren sich an den Bedürfnissen des Konzerns, insbesondere in den Bereichen Logistik, KI und Management.
Nach Einschätzung der Initiative sollen in den nächsten Jahren mehr als 20.000 neue Beschäftigte und Studierende in die etwa 132 000 Einwohner zählende Stadt ziehen. Das würde den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt belasten und Mieten steigen lassen. "Es kann nicht sein, dass eine Person allein entscheidet, wie eine Stadt gestaltet wird. Das müssen wir gemeinsam tun", sagt Rosswog deshalb.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.manager-magazin.de/thema/die-reichsten-deutschen[2] https://www.zdfheute.de/panorama/reichster-deutscher-lidl-gruender-100.html[3] https://unserlidl.de/[4] https://www.nd-aktuell.de/artikel/1192790.heilbronn-lidl-lohnt-sich-aber-fuer-wen-protest-gegen-milliardaere.html[5] https://blog.unserlidl.de/warum-ist-der-reichtum-von-dieter-schwarz-ein-extremes-problem/
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(Bild: KI-generiert)
Trump übernahm Putins Argumente und forderte territoriale Zugeständnisse. Selenskyj lehnt ab. Die Friedensdiplomatie steht vor dem Scheitern.
Die Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs sind in eine kritische Phase getreten. Bei einem Treffen im Weißen Haus am Freitag soll US-Präsident Donald Trump den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj massiv gedrängt haben, auf die Forderungen Russlands einzugehen. Das Treffen sei mehrfach in einen Schreiwettbewerb ausgeartet, berichtete die Financial Times (FT) unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Trump habe [1] "die ganze Zeit geflucht" und Karten der ukrainischen Frontlinie beiseite geworfen, so die Quellen. Der US-Präsident bestand darauf, dass Selenskyj die gesamte Donbass-Region an Wladimir Putin abtreten solle, und wiederholte die Argumente, die der russische Präsident einen Tag zuvor in einem Telefonat vorgebracht hatte.
"Putin hat mir gesagt, der Konflikt sei eine 'Sonderoperation, nicht einmal ein Krieg'", zitierte die FT Trump aus dem Treffen. Der US-Präsident warnte Selenskyj: "Wenn er es will, wird er Sie vernichten."
Trump sagte auch, dass es der russischen Wirtschaft [2] "gut geht" – ein Widerspruch zu seinen jüngsten öffentlichen Äußerungen, in denen er behauptete, Putins "Wirtschaft wird zusammenbrechen".
Putin hatte Trump am Donnerstag ein Angebot unterbreitet, wonach die Ukraine die von ihr kontrollierten Teile der östlichen Donbass-Region abtreten solle. Im Gegenzug würde Russland einige kleine Gebiete in den südlichen Regionen Cherson und Saporischschja zurückgeben. Für die Ukraine wäre dies jedoch inakzeptabel, heißt es bei [3] Bloomberg und der FT übereinstimmend.
Selenskyj stellte in einem Interview mit NBC am Sonntag klar, dass der Krieg entlang der aktuellen Frontlinien eingefroren werden müsse, bevor Friedensverhandlungen beginnen können. "Wenn wir diesen Krieg beenden und dringend auf diplomatischem Wege Friedensverhandlungen aufnehmen wollen, müssen wir bleiben, wo wir sind, und Putin nichts zusätzlich geben", sagte der ukrainische Präsident.
Den Donbass kampflos an Russland abzugeben, sei für die ukrainische Gesellschaft vollkommen inakzeptabel, erklärte Oleksandr Merezhko, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des ukrainischen Parlaments, gegenüber der FT. "Es geht nicht darum, mehr Territorium für Russland zu gewinnen, sondern darum, uns von innen heraus zu zerstören."
Der Konflikt um die Regionen Luhansk und Donezk ist seit über einem Jahrzehnt akut. Unterstützte der Kreml anfangs die Separatisten in der Region, so marschierte die russische Armee im Februar 2022 ein. Seitdem besetzten die Russen einen Großteil der Gebiete Cherson und Saporischschja, Luhansk und Donezk.
Selenskyj hatte gehofft, Trump im Weißen Haus davon zu überzeugen, der Ukraine Langstrecken-Waffen wie die Tomahawk-Marschflugkörper [4] zu liefern. Doch der US-Präsident lehnte dies ab. "Wir brauchen sie auch für uns selbst. Wir können nicht alle unsere Waffen an die Ukraine abgeben", sagte Trump in einem Interview mit Fox News.
Trump kündigte stattdessen Pläne an, Putin in den kommenden Wochen in Budapest zu treffen [5]. Selenskyj äußerte gegenüber Bloomberg scharfe Kritik an diesem Verhandlungsort. "Ich glaube nicht, dass ein Ministerpräsident, der die Ukraine überall blockiert, etwas Positives für die Ukrainer tun kann", sagte er über den ungarischen Regierungschef Viktor Orbán, der wiederholt versucht hat, EU-Sanktionen gegen Russland zu verzögern.
Selenskyj moniert laut Bloomberg auch, dass nicht überall der Glaube geteilt wird, die Ukraine könne militärisch über Russland siegen. "In bestimmten Kreisen in den Vereinigten Staaten herrscht die Auffassung, dass Russland angeblich auf dem Schlachtfeld gewinnt", sagte er demnach.
Mir scheint, dass zu denen, die ständig die Idee der sogenannten bedingungslosen Vorteile Russlands in diesem Krieg propagieren, auch der derzeitige ungarische Ministerpräsident gehört.
Wolodymyr Selenskyj laut Bloomberg
Budapest sei auch aus historischer Sicht ein schlechter Ort für Verhandlungen, erklärte Selenskyj. Dort hatte die Ukraine 1994 im sogenannten Budapester Memorandum zugestimmt, ihre sowjetischen Atomwaffen aufzugeben – im Gegenzug für die Zusicherung Russlands, der USA und Großbritanniens, ihre territoriale Integrität zu schützen. Russland brach dieses Abkommen 2014 mit der Annexion der Krim.
"Wenn es Frieden bringen kann, spielt es natürlich keine Rolle, in welchem Land das Treffen stattfindet", räumte Selenskyj ein. Er nannte als alternative Verhandlungsorte die Schweiz, Österreich, den Vatikan, Saudi-Arabien, Katar und die Türkei.
Die Ukraine steht vor massiven Herausforderungen. Russische Luftangriffe haben in den vergangenen Wochen mehr als die Hälfte der heimischen Gasproduktion zerstört und zu Stromengpässen geführt. "Wir schätzen, dass die Ukraine in dieser sehr schwierigen Situation darauf vorbereitet sein muss, Gas im Wert von zwei Milliarden Dollar zu beschaffen", sagte Selenskyj laut Bloomberg.
Drei europäische Beamte, die über die Gespräche im Weißen Haus informiert waren, bestätigten gegenüber der Financial Times, dass Trump einen Großteil des Treffens damit verbracht habe, Selenskyj zu belehren und Putins Argumente zu wiederholen.
"Selenskyj war nach dem Treffen sehr negativ gestimmt", so einer der Beamten. Die europäischen Staats- und Regierungschefs seien "nicht optimistisch, sondern pragmatisch bei der Planung der nächsten Schritte".
Dennoch äußerte sich Selenskyj vorsichtig hoffnungsvoll: "Wir sind einem möglichen Ende des Krieges näher gekommen, das kann ich Ihnen mit Sicherheit sagen." Gleichzeitig fügte er hinzu: "Ich bin mir nicht sicher, ob Putin bereit ist, diesen Krieg einfach zu beenden."
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.ft.com/content/7960c6aa-dbfa-4a55-91e8-ae44601842ec[2] https://www.heise.de/tp/features/Russland-und-China-rollen-den-Welt-Gasmarkt-auf-10635091.html[3] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-10-19/zelenskiy-wants-ukraine-war-to-be-frozen-before-peace-talks[4] https://www.heise.de/tp/features/Ausgemustert-fuer-den-Krieg-Die-seltsame-Chronologie-der-Tomahawk-Lieferung-10702723.html[5] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-10-20/zelenskiy-slams-budapest-as-putin-summit-venue-says-he-would-go
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Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit treiben qualifizierte Fachkräfte aus Deutschland. Besonders betroffen: Ärzte und Pflegepersonal.
Der UN-Migrationspakt [1], offiziell der "Global Compact for Safe, Orderly and Regular Migration", sollte einen Rahmen für die internationale Zusammenarbeit in der Migrationspolitik bilden. Er wurde 2018 angenommen und bietet eine Grundlage, um Migration sicherer und geordneter zu gestalten sowie irreguläre Migration einzudämmen.
Dafür sollen die UN-Mitgliedsstaaten die Rechte von Migranten stärken, Fluchtursachen bekämpfen und die internationale Zusammenarbeit in allen Migrationsfragen ausbauen. Der UN-Migrationspakt wird ergänzt durch den Globalen Pakt für Flüchtlinge [2].
Beide Vertragswerke stellen keine völkerrechtlich verbindlichen Vereinbarungen dar. Die Umsetzung der im UN-Migrationspakt genannten Ziele liegt im Ermessen der Staaten, die dabei ausdrücklich ihre nationalen Politiken und Prioritäten berücksichtigen können.
Der UN-Migrationspakt bietet einen politischen Rahmen mit 23 Zielen, der die Bedeutung des Schutzes der Menschenrechte und Grundfreiheiten von Migranten betont und die UN-Mitgliedsstaaten auffordert, Ausbeutung und Menschenhandel zu bekämpfen.
Obwohl der UN-Migrationspakt also lediglich einen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen den UN-Mitgliedsstaaten darstellt und keine Verpflichtung beinhaltet, Migranten aufzunehmen wird er von rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien und Gruppen als Vertrag zur Förderung von Migration diskreditiert.
Im Verfassungsblog formulierte [3] der emeritierte Strafrechtler und Rechtsphilosoph Reinhard Merkel damals seine Kritik am UN-Migrationspakt. Dabei wendete er sich deutlich gegen den Pakt:
″Der Migrationspakt (…) wird (…) rechtliche Folgen zeitigen, und zwar einerseits im Völkerrecht selbst, indem er zu Völkergewohnheitsrecht erstarken könnte, und zum anderen in der deutschen Rechtsordnung, indem er durch Gerichte im Rahmen der Auslegung herangezogen werden könnte.
Inhaltlich handelt es sich bei dem Migrationspakt um ein „uneingeschränktes Loblied“ auf die Migration, ein Dokument, das Migration einseitig als „Segen für die ganze Menschheit“ betrachtet und soziale Probleme, die aus der Migration erwachsen, nicht benennt. Er wird dazu führen, Migrationsbewegungen nach Deutschland deutlich zu erhöhen.″
Im Ergebnis haben solche Bewertungen des UN-Migrationspaktes in Deutschland in der öffentlichen Meinung offensichtlich dazu beigetragen, dass Migration heute oft als zumindest verwerflich, wenn nicht gar kriminell angesehen wird.
Kein Wunder also, dass der UN-Migrationspakt drei Jahre nach Bundeskanzlerin Merkels Satz ″Wir schaffen das″ in Deutschland gar nicht gut ankam. Auch Teile der Medien propagieren [4] bis heute den Untergangs des christlichen Abendlandes.
Dabei wurden vor allem Westdeutschland in den Zeiten des Wirtschaftswunders gezielt auch unqualifizierte Arbeitskräfte, zuerst aus Südeuropa und später aus der Türkei, angeworben. In der ehemaligen DDR hatte man dafür Kontraktarbeiter, beispielsweise aus Vietnam angeworben.
Die Strategie, Arbeitskräfte gezielt im Ausland anzuwerben, wird bis heute verfolgt, zum Beispiel, indem man Busfahrer aus dem Mittelmeerraum anwirbt [5], weil sonst der ÖPNV in Deutschland zusammenbricht.
Auch die medizinische Versorgung in Deutschland ist ohne zugewanderte Ärzte und Pfleger schon lange nicht mehr zu gewährleisten. In manchen deutschen Bundesländern stammt ein Viertel [6] der Krankenhausärzte aus dem Ausland. Und deutsche Politiker reisen [7] durch die ganze Welt, um die Migration nach Deutschland zu bewerben.
Mehr als jeder sechste Arzt in Deutschland hat eine ausländische Staatsbürgerschaft. In der Pflege geht das Beschäftigungs-Wachstum seit 2022 ausschließlich [8] auf ausländisches Personal zurück. Insgesamt lag der Anteil ausländischer beschäftigter bei 16 Prozent; in der Pflege sind es 20 Prozent. Die Ausbildung in medizinischen Assistenzberufen wäre ohne Migranten eine Veranstaltung vor leeren Rängen.
Aber die rechte Stimmungsmache gegen Migranten drückt auch auf die Stimmung unter den Einwanderern in Deutschland. Mittlerweile sagen laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) etwa 26 Prozent, von ihnen, dass sie im vergangenen Jahr über ihre Ausreise nachgedacht haben.
Während diese 2,6 Millionen Menschen ihre Pläne noch nicht in die Tat umgesetzt haben, bereiten weitere 300.000 ihre Ausreise vor.
Etwa die Hälfte derjenigen, die gehen wollen, wollen in ihr Herkunftsland zurück, die andere Hälfte will in ein anderes Land umziehen. Diejenigen, die zum Arbeiten oder zum Studieren nach Deutschland gekommen sind, also gebildeter sind und die deutsche Sprache besser beherrschen, erwägen am häufigsten, wieder zu gehen.
Knapp zwei Drittel aller Migranten berichteten über Diskriminierung, zum Beispiel am Arbeitsplatz, auf dem Wohnungsmarkt, im öffentlichen Raum oder im Kontakt mit der Polizei.
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Links in diesem Artikel:[1] https://unric.org/de/migrationspakt/[2] https://www.unhcr.org/at/was-wir-tun/fluechtlingsschutz/der-globale-pakt-fuer-fluechtlinge[3] https://verfassungsblog.de/das-spiel-hat-gerade-erst-begonnen-zur-kritik-am-migrationspakt/[4] https://www.cicero.de/innenpolitik/kirchenschandungen-in-deutschland-vorboten-des-dschihad[5] https://www.make-it-in-germany.com/de/unternehmen/einreise/arbeitsmarktzulassung/berufskraftfahrer[6] https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/aerzte-auslaendisch-krankenhaus-100.html[7] https://www.tagesschau.de/ausland/asien/steinmeier-vietnam-100.html[8] https://www.dw.com/de/deutschland-jeder-vierte-einwanderer-will-wieder-weg-migration-diskriminierung-einb%C3%BCrgerung-v4/a-72931923
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Nach Angaben der Bundesnetzagentur speisen mittlerweile 1,17 Millionen Kleinstanlagen mit einer Leistung unter zwei Kilowatt ins deutsche Stromnetz ein. Was die meisten Betreiber nicht ahnten: Ihre Wechselrichter – das Herzstück jeder Solaranlage – seien in der Regel mit dem Internet verbunden und damit potenziell angreifbar, berichtet der Spiegel .
Valentin Conrad von der Technischen Universität Darmstadt nahm für seine Masterarbeit sieben weitverbreitete Wechselrichter-Modelle unter die Lupe, darunter Geräte von Hoymiles, Deye, Growatt, Anker, AP Systems, Ecoflow und NEP. Wie der Spiegel berichtet, fand der Sicherheitsexperte bei nahezu allen Systemen erhebliche Schwachstellen.
Die Wechselrichter wandeln den Gleichstrom der Solarpanels in haushaltsüblichen Wechselstrom um und steuern die Einspeisung ins Stromnetz. Die meisten Modelle werden ins heimische WLAN integriert, damit Nutzer ihre Stromerzeugung per App überwachen können. Genau diese Vernetzung macht die Systeme verwundbar, warnt Conrad.
Conrad entdeckte, dass sich Balkonkraftwerke über Herstellerclouds fernsteuern lassen könnten, was bei einem koordinierten Angriff auf tausende Anlagen gleichzeitig theoretisch großflächige Blackouts auslösen könnte.
Die Leiterin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Claudia Plattner, plädiert laut Spiegel für eine Zertifizierungspflicht: Hersteller sollten nachweisen müssen, dass ihre Geräte grundlegende IT-Sicherheitsstandards erfüllten. Diese Regelung solle auch für Wärmepumpen und Wallboxen gelten.
Allerdings ist die Umsetzung einer solchen Pflicht langwierig und politisch umstritten. Bei Smartmetern, für die bereits eine Zertifizierung vorgeschrieben ist, stockt die Umsetzung erheblich.
Die Branche wehrt sich gegen deutsche Alleingänge. Lennard Kreißl vom Verband der Elektro- und Digitalindustrie ZVEI argumentiert laut Spiegel, die Vorgaben des europäischen Cyber Resilience Act seien ausreichend. Zusätzliche nationale Zertifizierungen würden nur Bürokratie schaffen, ohne echten Mehrwert zu bieten.
Für Balkonkraftwerkbesitzer bleibt die Lage unbefriedigend. Andreas Schmitz, bekannt als Akkudoktor auf Youtube, rät laut Spiegel dazu, auf die Internetverbindung zu verzichten. Mit smarten Steckdosen lasse sich auch offline messen, wie viel Strom erzeugt wird.
Doch die Hersteller machen es den Nutzern zunehmend schwer, ihre Geräte ohne Cloudanbindung zu betreiben. Viele Systeme sind werksseitig auf eine Internetverbindung ausgelegt.

Der 1&1-Vorstand Mobilfunknetz Michael Martin hat Wünsche hinsichtlich der weltweiten Entwicklung von Open RAN geäußert. "Vor fünf Jahren gab es einen großen Open-RAN-Hype. Alle sprachen über Open RAN, und dass es der nächste große Trend wird. Und dann kam dieser kleine Einbruch." Letztendlich gebe es weltweit nur drei große Open-RAN-Netzwerke, sagte Martin am 16. Oktober 2025 auf der Connect Conference in Mannheim . Diese seien Boost Mobile in den USA, Rakuten in Japan und 1&1 in Deutschland. Und Boost Mobile habe aufgegeben .
Boost Mobile verkauft all seine Frequenzen in den USA und nimmt sein Open-RAN-Netz außer Betrieb. Rakuten in Japan mache weiter hohe Verluste. Martin betonte: "Hätten wir uns also gewünscht, dass sich Open RAN schneller, besser und weiter verbreitet? Ja, das hätten wir uns gewünscht."
Der Aufbau des Open-RAN-Netzes von 1&1 führte bisher zu mehreren schweren Pannen. Martin sprach rückblickend von einer großen Krise: "Sie erinnern sich sicher an den großen Netzwerkausfall im Mai 2024 ." Darauf folgte ein kürzerer Ausfall bei 1&1 am nationalen Warntag am 11. September 2025. Golem vermutet, dass eine fehlende Priorisierung in der Implementierung die Ursache für den Ausfall ist. Unklar ist, ob auch die anderen Mobilfunknetzwerke davon betroffen waren.
Es gebe viele Open-RAN-Installationen, Versuche und Pilotprojekte, "die jemand hier und da testet, aber keine wirklich große Installation. Trotzdem haben wir diesen Weg eingeschlagen und sind ihn gegangen. Bisher sind wir zufrieden damit, aber jetzt hoffen wir, dass andere folgen" , erklärte Martin weiter.
In dieser Woche sei es für 1&1 eine positive Überraschung gewesen, dass Vodafone ankündigte, in Deutschland und in Großbritannien mit Samsung zusammen Open-RAN auszubauen.
Der Standard ist ein Versuch der Netzbetreiber, zusammen mit US-amerikanischen und japanischen Herstellern professionelle Mobilfunkausrüstung durch einfache Standard-Hardware und der Entkopplung der Funktionen und deren Abbildung in Software zu ersetzen. Auf proprietäre, hoch entwickelte Chips der Mobilfunkausrüster und die entsprechend abgestimmte Software muss verzichtet werden, weshalb man nicht auf dem aktuellen Stand der Technik ist. 5G Advanced ist beispielsweise mit Open RAN bisher nicht absehbar.
1&1 habe laut Martin in seinem Mobilfunknetz Server und darauf laufe Software. Die Software und der Core stamme von dem US-Unternehmen Mavenir. Man baue auch IMS ins Netzwerk ein, "aber nur als Software. Wenn morgen jemand kommt und sagt, hier ist 6G Core, sage gehe ich in mein Rechenzentrum und mache ein Software-Update und ich werde 6G haben."
Man verwende vor Ort an den Antennenstandorten keine BBUs oder Server. "Wir haben dort eigentlich nur die Antenne" , sagte Martin, die mit Glasfaser angebunden sei.

Der Reddit-User DakAttack316 hat vier Fotos veröffentlicht, die ein iPhone 17 Pro Max in Apples neuer Cosmic-Orange-Ausführung zeigen – mit einer Veränderung: Die Metallkomponenten des Geräts haben einen deutlichen Rosaton entwickelt.
Die Bilder zeigen, dass die Metallkanten und der Rahmen des Geräts die Verfärbung angenommen haben, während die Glasrückseite ihre ursprüngliche leuchtend orange Farbe behält. Bereiche wie die vertieften Kanten rund um das Kameramodul, die weniger regelmäßigem Kontakt ausgesetzt sind, weisen noch Spuren der ursprünglichen Orangetönung auf.
Der Nutzer machte keine Angaben, wie lange er das Gerät bereits besitzt oder welchen Bedingungen es ausgesetzt war. Er beteuert jedoch, dass die Bilder authentisch und nicht digital bearbeitet worden seien. Ein zweiter Fall zeigt ein Video mit einem solchen Gerät, das allerdings nur um die Kameras herum pink wirkt. Ob es echt ist, lässt sich kaum verifizieren.
Eine Durchsicht von Social-Media-Plattformen und Apple-Support-Foren zeigt nur wenige weitere Meldungen über ähnliche Verfärbungsprobleme beim Cosmic-Orange-Finish. Abgesehen von Artikeln, die sich auf diesen spezifischen Reddit-Beitrag beziehen, sind Kundenbeschwerden über Farbveränderungen bei den iPhone-17-Pro-Modellen anekdotisch.
Die angeblichen Farbveränderungen wären für typische Oxidationsprozesse, die normalerweise über längere Zeiträume ablaufen, ungewöhnlich. Falls die Bilder tatsächlich einen echten Produktfehler darstellen, könnten mehrere Faktoren das Phänomen erklären.
Der Kontakt mit bestimmten Chemikalien oder Substanzen könnte eine Verfärbung eloxierter Aluminiumoberflächen auslösen. Es handelt sich aber um eine recht gleichmäßige Farbveränderung. Damit scheidet wohl aus, dass der Kontakt mit den Handflächen oder Fingern zu der Verfärbung beitrug.
Auch Umweltfaktoren könnten eine Rolle spielen. Die Exposition gegenüber bestimmten Verbindungen oder Reinigungsmitteln könnte möglicherweise auf unerwartete Weise mit der eloxierten Oberfläche reagieren. Denkbar ist auch ein Produktionsfehler bei einer geringen Anzahl der Geräte.
Die WHO warnt vor der rasanten Ausbreitung multiresistenter Keime (Symbolbild)
(Bild: ART-ur/Shutterstock.com)
WHO warnt vor Anstieg resistenter Infektionen. Fallzahl von "Albtraum-Bakterien" stieg in den USA um 70 Prozent. Entwicklung neuer Medikamente kommt nicht voran.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO schlägt Alarm: Antibiotikaresistente Bakterien werden in den kommenden 25 Jahren weltweit 39 Millionen Todesfälle verursachen. Gleichzeitig zeigen zwei WHO-Berichte [1] vom 2. Oktober, dass die globalen Anstrengungen zur Bekämpfung resistenter Infektionen nicht planmäßig verlaufen.
"Die antimikrobielle Resistenz eskaliert, aber die Pipeline neuer Behandlungen und Diagnostika reicht nicht aus, um die Ausbreitung resistenter bakterieller Infektionen zu bekämpfen", erklärte Yukiko Nakatani, WHO-Beigeordnete Generaldirektorin für Gesundheitssysteme in Genf.
Ohne verstärkte Investitionen in Forschung und Entwicklung würden sich resistente Infektionen weiter ausbreiten.
Eine im vergangenen Jahr in The Lancet veröffentlichte Studie [2] prognostiziert, dass die jährlichen Todesfälle durch resistente Infektionen bis 2050 auf fast zwei Millionen ansteigen könnten – gegenüber einer Million pro Jahr zwischen 1990 und 2021.
Die Gesamtzahl der auf antimikrobielle Resistenz zurückzuführenden Todesfälle wird voraussichtlich auf 1,91 Millionen im Jahr 2050 steigen, mit weiteren 8,22 Millionen assoziierten Todesfällen, berichtet [3] Nature News.
Besonders alarmierend ist die Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Laut einem Bericht der Gesundheitsbehörde CDC stiegen die Infektionen durch resistente "Albtraum-Bakterien" zwischen 2019 und 2023 um fast 70 Prozent. Verantwortlich für den Anstieg sind Bakterien mit dem sogenannten NDM-Gen (New Delhi metallo-β-lactamase), berichteten die Forscher am Montag.
Diese Bakterien galten einst als "exotisch" und betrafen nur wenige Patienten, meist außerhalb der USA. Gegen manche "Albtraum-Bakterien" wirkten bisher nur Carbapeneme, eine spezielle Antibiotikaklasse. Das Vorhandensein von NDM-Gen-Bakterien kann jedoch auch diese völlig unwirksam machen.
Die Forscher hatten Zugang zu Daten aus 29 Bundesstaaten, die auf carbapenemresistente Bakterien testen. 2023 gab es dort 4.341 Fälle carbapenemresistenter bakterieller Infektionen, davon 1.831 der NDM-Gen-Variante. Die Rate carbapenemresistenter Infektionen stieg von knapp 2 pro 100.000 Menschen im Jahr 2019 auf mehr als 3 pro 100.000 im Jahr 2023 – ein Anstieg um 69 Prozent.
Bei NDM-Fällen war der Anstieg noch dramatischer: von etwa 0,25 auf etwa 1,35 pro 100.000 Menschen – eine Steigerung um 460 Prozent. "Der Anstieg von NDMs in den USA ist eine ernste Gefahr und sehr beunruhigend", sagte David Weiss, Forscher für Infektionskrankheiten an der Emory University, der Nachrichtenagentur Associated Press.
Parallel zur steigenden Bedrohung stockt die Entwicklung neuer Antibiotika. Laut WHO-Analyse befinden sich derzeit 90 antibakterielle Medikamente in der Entwicklung. Jedoch qualifizieren sich nur 15 als innovativ – Medikamente mit zusätzlichem klinischem Nutzen – und nur fünf sind gegen mindestens eines der "kritischen Bakterien" auf der bakteriellen Prioritätenliste der WHO wirksam.
Seit 2023 ist die Zahl der antibakteriellen Medikamente in klinischen Entwicklungspipelines gesunken, nachdem die WHO einige als nicht-innovativ einstufte. Die präklinische Pipeline bleibt mit 232 Programmen in 148 Gruppen weltweit aktiv.
Jedoch sind 90 Prozent der beteiligten Unternehmen kleine Firmen, was die Fragilität des Forschungs- und Entwicklungsökosystems unterstreicht. Große Pharmaunternehmen verlassen seit Jahren den Antibiotikamarkt aufgrund mangelnder Finanzinvestitionen und niedriger Zulassungsraten neuer Antibiotika.
Antimikrobielle Resistenz entsteht, wenn Bakterien Wege entwickeln, um gegen Medikamente resistent zu werden, nachdem sie ihnen ausgesetzt waren. Der Missbrauch und übermäßige Gebrauch antimikrobieller Medikamente in der Humanmedizin und Landwirtschaft sind die Haupttreiber der Resistenzentwicklung.
Weltführer haben sich verpflichtet, den globalen Antibiotikaeinsatz zu reduzieren, um resistenzbedingte Todesfälle bis 2030 um 10 Prozent zu senken. Diese Zusage scheint jedoch nicht erfolgreich zu sein, da Prognosen einen Anstieg des Antibiotikaeinsatzes sowohl beim Menschen als auch in der Viehzucht vorhersagen.
Die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Viehzucht ist prioritär, da sie 73 Prozent der globalen Verkäufe antimikrobieller Wirkstoffe ausmacht. Der jährliche Antibiotikaeinsatz in der Viehzucht ist in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen und wird voraussichtlich bis 2040 um fast 30 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2019 zunehmen.
Der Anstieg ist auf die steigende Fleischnachfrage in Entwicklungsregionen zurückzuführen, insbesondere in Ländern wie China und Thailand.
Bakterien mit dem NDM-Gen sind nicht nur ein Problem in den USA, sondern finden sich weltweit, wobei die Verbreitung je nach Region variiert. In Südasien, besonders in Indien und Pakistan, sind NDM-produzierende Bakterien relativ weit verbreitet.
Beitragende Faktoren sind der übermäßige Einsatz von Antibiotika, begrenzte Regulierung von Generika-Antibiotika und überfüllte Krankenhäuser.
In Europa melden südeuropäische Länder wie Griechenland, Italien und die Türkei häufiger Fälle von "Albtraum-Bakterien" als nördliche Länder, wo robuste Infektionskontrollmaßnahmen und Antibiotikaverwendungsprogramme stärker ausgeprägt sind.
"Wir können die Entwicklung antimikrobieller Resistenz nicht verhindern, aber wir können Maßnahmen umsetzen, um sie zu verlangsamen, und derzeit sind wir dabei nicht sehr erfolgreich", sagt Rietie Venter, Mikrobiologin an der University of South Australia in Adelaide.
Da Bakterien leicht reisen und durch Menschen, Nahrungsmittel und Tiere übertragen werden können, betonen Experten, dass dies ein globales Gesundheitssicherheitsproblem darstellt und nicht auf eine Region beschränkt ist.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.who.int/news/item/02-10-2025-who-releases-new-reports-on-new-tests-and-treatments-in-development-for-bacterial-infections[2] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(24)01867-1/fulltext[3] https://www.nature.com/articles/d41586-025-03218-x
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Während die Politik neue Kaufanreize beschließt, verlangen deutsche Hersteller im eigenen Land deutlich höhere Preise als im EU-Ausland.
Mit Kaufanreizen und neuen E-Auto-Prämien will die Politik die deutsche Autoindustrie beleben. Mit neuen Überlegungen zu CO2-Grenzwerten und einer Diskussion über einen Aufschub beim Verbrenner-Aus soll der Markt angeheizt werden.
Beim "Autogipfel" [1] wurde eine Neuauflage der Förderung für E-Autos beschlossen. Dieses Mal soll, wie in anderen EU-Staaten bereits erfolgreich erprobt, eine Einkommensgrenze den Kreis der Subventionsempfänger beschränken.
Mit einer Deckelung der Preise für die förderwürdigen Fahrzeuge soll das Luxussegment von den Subventionen ausgenommen [2] werden. Der brachliegende Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos soll, so wird diskutiert, mit Förderungen für den Kauf von gebrauchten Stromern belebt werden.
Die schlechten Aussichten für den Verkauf gebrauchter E-Autos können potenzielle Käufer abschrecken. Dass das erneute Fördern der E-Mobilität in einem Widerspruch [3] zur propagierten Verlängerung der Produktion von Neufahrzeugen mit Verbrennungsmotoren für fossile Kraftstoffe steht, sticht ins Auge.
Die Koalition sät damit für das von ihr geförderte Mobilitätskonzept zeitgleich Zweifel hinsichtlich der Zukunftsträchtigkeit und des volkswirtschaftlichen Nutzens der Investition.
Sie schafft es aber nicht, zum Beispiel mit einer Verpflichtung für Tankstellenbetreiber, ein ausreichendes Netz von Ladestationen zu schaffen. Nutzer von E-Autos ohne eigenes Solardach oder Reisende müssen sich durch ein Chaos von Ladetarifen wühlen. Es gibt keine weithin sichtbaren Anzeigen für den Strompreis an den Ladesäulen.
Auch eine diesbezügliche Verpflichtung würde E-Auto-Fahrern einen bequemeren Preisvergleich ermöglichen und den Konkurrenzkampf der Ladesäulenbetreiber anheizen. Solch eine Maßnahme könnte zudem Autofahrer für die E-Mobilität sensibilisieren. Vorausgesetzt, dass der Strompreis pro kWh und der Verbrauch der Fahrzeuge konkurrenzfähig bleibt, würde auch Nutzern fossiler Kraftstoffe regelmäßig ein Preisvergleich nahegelegt.
Einer der größten Elefanten im Raum des "Autogipfels" scheint dagegen kaum jemand der Verantwortlichen zu beachten, die Preisgestaltung der Hersteller für den deutschen Markt.
Der beliebteste Neuwagen der Deutschen, der Golf, ist in seinem Heimatland teurer als im EU-Ausland. So sind für den Einstieg in die Golf-Klasse in Deutschland aktuell 29.395 Euro [4] erforderlich. Die 20.000-Euro-Grenze [5] hatte der Einstiegsgolf Ende 2020 gerissen.
Zu ihrer Verwunderung stellen die Griechen fest, dass sie einen Golf mit gleichem Motor und Getriebe ab 24.980 Euro erwerben können. Die Mehrwertsteuer in Griechenland liegt mit 24 Prozent ganze fünf Prozent über der in Deutschland.
Die Überraschung der Hellenen wird umso größer, wenn sie die Preislisten von FIAT Griechenland [6] im Vergleich zu den Preisen in Deutschland studieren. So gibt es für den FIAT Pandina in der Basisausstattung als Hybrid in Griechenland mit einer Förderaktion des Herstellers die unverbindliche Preisempfehlung von 15.490 Euro. Ohne den Aktionspreis wird das Fahrzeug für 18.490 Euro angeboten.
In Deutschland wird der Italiener für 2.000 Euro weniger, also 16.490 Euro, [7] angeboten. Auch hier gibt es eine Aktion, bei der Preise ab 12.990 Euro möglich sind. Auch beim preiswerten elektrischen Stadtauto, dem FIAT Topolino, zahlen die Deutschen weniger als die Konsumenten in Griechenland.
Es bleibt die Frage: Wieso verlangen ausgerechnet deutsche Hersteller von den Konsumenten in Deutschland höhere Preise als in einem anderen EU-Staat und wundern sich dann über sinkende Absatzzahlen?
Dazu kommt, dass wegen der klimafreundlichen Mobilitätspolitik südeuropäische Staaten wie Griechenland auch ihre Gebrauchtwagenflotte modernisieren. Der Import von Fahrzeugen, die älteren Abgasnormen als Euro 6d-TEMP genügen, wird in Griechenland mit Strafzöllen belegt.
Bei gleichem CO2-Ausstoß von 101 bis 150 Gramm CO2 pro Kilometer liegt der Berechnungskoeffizient für Fahrzeuge der Euro 6c-Norm bei 150 Prozent, während es für Euronorm 6d-TEMP-Autos 100 Prozent und für ältere Fahrzeuge [8] 300 Prozent sind.
Für die älteren Fahrzeuge wird zudem ein höherer Kraftfahrzeugsteuersatz verlangt. Schließlich rechnet der griechische Fiskus mit Schätzeinkommen, die man für den Betrieb eines Fahrzeugs mindestens vorweisen muss. Auch hier wird bei neueren Fahrzeugen ein niedrigeres Einkommen postuliert. Abgase statt Kubikzentimeter bestimmen die neue Berechnungsvorschrift [9].
Was aus Sicht des griechischen Finanzministers nach einem Oxymoron klingen könnte, hat auch einen volkswirtschaftlichen Effekt. Für eine jüngere Flotte sind rein statistisch weniger Ersatzteile fällig. Aber während es Griechenland einen geringeren Kapitalabfluss bedeutet, schränkt die forcierte Verjüngung der Flotten für die Autoproduzenten in Deutschland und anderen Staaten den Markt ein.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/autogipfel-niedersachsens-ministerpraesident-zeigt-sich-zufrieden,autogipfel-110.html[2] https://www.elektroauto-news.net/news/eauto-foerderung-2026-neue-regeln[3] https://www.heise.de/meinung/Kommentar-zum-neuen-Kaufanreiz-fuer-E-Autos-Fragen-ueber-Fragen-10748558.html[4] https://www.autobild.de/marken-modelle/vw/golf/[5] https://www.auto-motor-und-sport.de/neuheiten/vw-golf-8-cockpit-motor-preis-bilder-marktstart-2/[6] https://www.fiat.gr/content/dam/fiat2023/gr/%CF%84%CE%B9%CE%BC%CE%BF%CE%BA%CE%B1%CF%84%CE%B1%CE%BB%CE%BF%CE%B3%CE%BF%CE%B9/2025/FiatpricelistOctober2025Site.pdf[7] https://www.fiat.de/aktuelle-angebote/fiat-hybrid-angebote[8] https://www.gov.gr/sdg/taxes/other-taxes/passenger-vehicles/registration-levy-rates[9] https://www.naftemporiki.gr/auto/2006303/allazoyn-ola-sta-tekmiria-ich-o-logariasmos-grafetai-me-rypoys-kai-ochi-kyvika/
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Karl Schlögel ist ein ausgezeichneter Historiker – und ein angefasster, parteiischer Beobachter. Heute bekam er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Kommentar.
Er hat ja erst sehr spät die Ukraine für sich entdeckt.
Jörg Babarowski [1], Russlandhistoriker, über Karl Schlögel
Das Ende der Imperien ist die große Stunde der Nationalatlanten.
Karl Schlögel
Karl Schlögel ist ein integrer Wissenschaftler. Mit einem Dutzend Büchern hat der Osteuropahistoriker der deutschsprachigen Leserschaft den weitgehend vergessenen Raum osteuropäischer Geschichte und dessen Gegenwart nähergebracht.
Wenn Schlögel aber heute in der Paulskirche in Frankrfurt mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels [2] und damit der wichtigsten Auszeichnung für Geisteswissenschaftler in Deutschland ausgezeichnet wurde, dann erhält er diesen Preis für etwas anderes:
Nach der Annexion der Krim durch Russland hat Karl Schlögel seinen und unseren Blick auf die Ukraine geschärft und sich aufrichtig mit den blinden Flecken der deutschen Wahrnehmung auseinandergesetzt.
Begründung des Stiftungsrats [3]
Und weiter:
Als einer der Ersten hat er vor der aggressiven Expansionspolitik Wladimir Putins und seinem autoritär-nationalistischen Machtanspruch gewarnt. Eindrücklich beschreibt er die Ukraine als Teil Europas und fordert auf, das Land um unserer gemeinsamen Zukunft willen zu verteidigen. Seine Mahnung an uns: Ohne eine freie Ukraine kann es keinen Frieden in Europa geben.
Schlögel erhält diesen Preis also für seine Position und Parteinahme im Ukraine-Krieg, für seine nachdrückliche Unterstützung des Narratives, dem zufolge in der Ukraine die Freiheit Europas verteidigt werde.
Karl Schlögel ist nicht verantwortlich für den Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Es geht diesem Komitee ganz offensichtlich nicht so sehr um den Preisträger selbst, sondern um das Setzen eines Signals, zum dritten Mal in vier Jahren an einen offensiven Parteigänger der Ukraine und in erstaunlicher Ignoranz gegenüber allen anderen Konflikten.
Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird zum Friedenspreis der osteuropäischen Kulturdiplomatie. Zu bemängeln ist vor allem die ideologische Einseitigkeit.
Lange konnte man von Schlögel lernen, genau hinzuschauen. Eben Fakten genau zu beschreiben, auf sich wirken zu lassen und nicht mit den eigenen Vorurteilen und Meinungen zu erdrücken. Man konnte von Schlögel lernen, die eigenen Perspektiven im Laufe eines Forscherlebens mehrfach zu verändern.
Heute ist das anders.
Karl Schlögel ist auf seine alten Tage betroffen. Er ist "angefasst". Der 1948 Geborene zeigt sich in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren keineswegs als der distanzierte Flaneur, der Beobachter, der Erfahrungen sammelt, wie sie ihm zufallen, als der er auch dieser Tage wieder in den meisten Würdigungen [4] der sogenannten Qualitätsmedien beschrieben wird.
Sondern diese Sammlungen sind sehr selektiv. Mehr als man es durchgehen lassen würde, als einen Teil ganz normaler wissenschaftlicher Subjektivität. Karl Schlögel ist parteiisch. Er ist berührt. Er moralisiert. Die Ukraine ist für Schlögel weit mehr als nur ein Forschungsgebiet, sie ist eine Herzensangelegenheit geworden.
Das alles hat seine sympathischen Seiten. Aber es trübt auch den Blick und das Urteil. Schlögel ist in diesem Sinn zum offenen Parteigänger und PR-Agenten der Ukraine geworden; und als solcher hat er heute in der Paulskirche geredet.
Es geschehe das Ungeheuerlichste, kritisierte der Publizist. "Unter unseren Augen werden ukrainische Städte Tag für Tag, Nacht für Nacht von russischen Raketen beschossen, und Europa scheint nicht in der Lage oder nicht willens, sie zu schützen."
Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche, an diesem geschichtlich so bedeutsamen Ort entgegenzunehmen, sei für ihn besonders wichtig, wie Schlögel sagte. "In einem Augenblick, da einem mit Blick auf die neue Weltunordnung die Grenzen der eigenen Urteilskraft auf schmerzlichste Weise zu Bewusstsein kommen."
Tagesschau [5]
Zu seinen Leitmotiven, die den ausgezeichneten Historiker seit dem Ukraine-Krieg beschäftigen, gehören die Analogien von der Gegenwart zu den Dreißiger Jahren ziehen wird, sowie die Beobachtung, dass die Selbstverständlichkeiten, an die wir uns gewöhnt haben, heute "nicht mehr existieren", so Karl Schlögel.
In seiner heutigen Rede in der Paulskirche sprach er vom "Wegbrechen eines Erfahrungshorizonts [6], in dem man groß geworden ist und wo alles, was man im Laufe eines Lebens zusammengetragen hat, in Frage gestellt, entwertet scheint, ja in Trümmern liegt".
In Äußerungen zuvor [7] einen auffallenden Ton beigemischt:
Die Welt der abgeschottenen Diskurse ist in Gefahr – und man kann sagen dass es auch gut so. Es ist gut so, ... dass wir lernen, uns auf eine Realität einzustellen, in der wir den Ukraine-Fall nicht nur als lästige Störung wahrnehmen, sondern als die Realität, mit der wir es zu tun haben. Der Krieg der in der Ukraine geführt wird, der führt auch nach Deutschland.
Warum und wozu soll das alles "gut so" sein? Hinter der Genugtuung, der bitteren, beinahe zynisch klingenden Freude darüber, dass es "mit diesen Dingen" vorbei ist.
Dabei sollte man nicht vergessen, dass Schlögel ein paar sehr gute Punkte hat:
Es ist eigentlich eine Ungeheuerlichkeit, dass es eines entfalteten Vernichtungskrieges bedurfte, um die Landkarten, die sich in unseren Köpfen abgebildet hatten, aufzulösen, zu sprengen und eine Karte zu erzeugen, die der Wirklichkeit entspricht.
Die Ukraine in unseren Köpfen – sie hat dort nicht existiert. Es bedurfte offensichtlich eines ungeheuren Geschehens, des Krieges damit wir überhaupt sie wahrnehmen und (um sie, Einf. d. A.) auf den Karten in unseren Köpfen zu verankern.
Karl Schlögel, Akademie für Sprache und Dichtung [8]
So weit, so wichtig. Wobei auch dieser Befund offen lässt, von welcher Ukraine Schlögel redet? Der historischen Landschaft, zu der zwei Drittel des heutigen Staatsgebietes nicht gehören? Oder eben dieses völkerrechtlich anerkannte Territorium, das auch ohne Krieg mehr zersplittert ist und historisch wie kulturell kleine Einheit bildet, sondern einen diffusen Flickenteppich der verschiedenen Traditionen, Kulturen, Volksgruppen und Staatszugehörigkeiten.
Wichtig ist auch Schlögels Überlegung zu verfolgen, nach der "die Herausforderung, analytisch und intellektuell und politisch (darin, Erg. d. A.) besteht, die Neuheit dieser Erscheinungen zu verstehen und ihr gerecht zu werden".
Schlögel spricht von der "Souveränität der Frechheit und der Täuschung und der Lüge, davon, endlich anzuerkennen, was der Fall ist".
Ich möchte mir nicht mein vor allem von der russischen Kultur geprägtes Russlandbild, diese Vertrautheit mit dem Land, kaputt machen lassen von der Fixierung auf Putin. Er ist auch Russland, aber eben nicht nur.
Karl Schlögel
Nur verwechselt Schlögel Beschreibung mit moralischer Bewertung. Schlögel will nicht sehen, dass der "Russen-Kitsch", den er beklagt, heute in breiten Teil der europäischen Gesellschaft durch den "Ukraine-Kitsch" abgelöst worden ist, durch die vollkommen unterkomplexe und allzu einfache Rede von "der wehrhaften und tapferen Zivilgesellschaft, die es ernst meint mit der Verteidigung ihrer Freiheit in Unabhängigkeit und Würde."
Schlögel liebt Landkarten. Über Karten hat er eines seiner schönsten Bücher geschrieben: "Im Raume lesen wir die Zeit. Über Zivilisationsgeschichte und Geopolitik" (2006). Da holt auch er das ganz große Besteck des Historikers heraus, "den Westen" und "den Osten", die Zivilisationsgeschichte und sogar "die Geopolitik".
Sie gilt unter deutschen Wissenschaftlern eigentlich als gefährlich, mindestens überholt. Es ist Schlögel, der zu den großen Revitalisierern der Geopolitik in der deutschen Geschichtsschreibung gehört.
Schon 1986 behauptete er "Die Mitte liegt ostwärts" und wollte die Blickrichtung der deutschen Gesellschaft und Politik auf der Landkarte – auf dem Höhepunkt des Historikerstreits, bei dem rechte Historiker unter anderem im Bolschewismus die eigentliche Ursache ("kausaler Nexus") für Hitlers Machtergreifung sehen wollten.
Die "Mitteleuropa"-Diskussionen der Achtzigerjahre bereitete weniger den Fall des Eisernen-Vorhangs vor, als den darauf folgenden Ost-Kitsch und den latenten Abschied vom Westen als einer normativen Größe hin zu einem gemeinsamen Kapital-, Handels- und Währungsraum.
Die deutsch-deutsche Währungsunion und die Erweiterung der Bundesrepublik ging der Erweiterung der EU zwischen 2002 und 2014 nur voraus und arbeitete ihr vor. Das wiedervereinigte Deutschland wurde in Schlögels Büchern kulturhistorisch aus "dem Westen" herausgelöst und in "die Mitte" verschoben. Dieser Angriff auf die Block-Logik des Kalten-Kriegs verwandelte den Kontinent Europa in ein kleinstaatliches Mosaik ohne vielvölkerstaatliche Ordnung
Damit einher geht die Aufwertung der "übrigen Welt" im Zuge der Globalisierungsdiskurse nach 1989. Der gemeinsame Nenner ist die Relativierung der Selbstinterpretation der westlichen Moderne als eines diskursiv begründeten von Rechtsstaat und Menschenrechten zusammengehaltenen "normativen Projekts".
Das neueste Buch von Karl Schlögel trägt den Titel "Auf der Sandbank der Zeit". Das ist ein merkwürdiges Bild für die Chronik der Gegenwart; denn diese erscheint hier gewissermaßen als die Sandbank, auf die das Schiff des Fortschritts auflaufen und abgebremst werden kann.
Das Bild auf dem Cover zeigt paradoxerweise ein stürmisches Meer und in ihm ein Schiffswrack, auf dem sich ein paar Menschen mühsam über Wasser festhalten während eines Sturms. Es heißt: "Die neunte Woge" und stammt aus dem Jahr 1850 vom romantischen russischen Maler Ivan Aiwasovski.
Es stellt alles andere als Stillstand dar: In dramatischen Hell-Dunkeleffekten ist der Mensch ein kleiner Spielball. Aber wessen Spielball?
Literatur – die wichtigsten Bücher Karl Schlögels
Moskau lesen. Verwandlungen einer Metropole. Hanser, München 2011
Promenade in Jalta und andere Städtebilder. Hanser, München 2001
Petersburg. Das Laboratorium der Moderne 1909–1921. Hanser, München 2002
Im Raume lesen wir die Zeit: Über Zivilisationsgeschichte und Geopolitik. Hanser, München 2003
Grenzland Europa. Unterwegs auf einem neuen Kontinent. Hanser, München 2013
Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt. C. H. Beck, München 2017
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.deutschlandfunk.de/friedenspreis-des-buchhandels-fuer-karl-schloegel-joerg-baberowski-gratuliert-100.html[2] https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-karl-schloegel-erhaelt-friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-2025-100.html[3] https://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/aktuelles-themen/detailseite/karl-schloegel-erhaelt-den-friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-2025[4] https://www.zeit.de/2025/44/karl-schloegel-friedenspreis-des-deutschen-buchhandels[5] https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/karl-schloegel-erhaelt-friedenspreis-100.html[6] https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/karl-schloegel-erhaelt-friedenspreis-100.html[7] https://www.youtube.com/watch?v=g0BpV-PYhVUhatteerdemVerlustvonSelbstverständlichkeiten[8] https://www.youtube.com/watch?v=g0BpV-PYhVU
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Peking beschuldigt die US-Nachrichtendienstbehörde NSA, das nationale Zentrum zur Zeit-Verbreitung attackiert zu haben.
China hat den USA Cyberangriffe auf eine zentrale staatliche Zeitbehörde vorgeworfen. Nach Angaben des Ministeriums für Staatssicherheit soll der US-Nachrichtendienst NSA seit März 2022 das Nationale Zeitdienstzentrum in Xi'an angegriffen haben.
Die Angriffe hätten über Sicherheitslücken in den Handys von Mitarbeitern begonnen, später seien auch Computer im Zentrum betroffen gewesen, hieß es in einer Mitteilung [1] über den WeChat-Account des Ministeriums. Dabei soll zuerst eine Sicherheitslücke im Messaging-Dienst von Smartphones einer "ausländischen Marke" ausgenutzt worden sein, schreibt das Ministerium. Diese Marke nennt es jedoch nicht.
Danach sollen zwischen 2023 und 2024 monatelang über gestohlene Anmeldedaten weitere Teile der Zeit-Infrastruktur des Landes angegriffen worden sein. Der Mitteilung des Ministeriums zufolge kamen dabei verschiedenste Werkzeuge zum Einsatz, die über VPNs vor allem in westlichen Ländern betrieben wurden. Ob dies jedoch für eine klare Zuordnung eines Angreifers reicht, ist äußerst fraglich.
Das angegriffene Zentrum ist laut chinesischer Darstellung für die Bereitstellung und Verbreitung der offiziellen Zeit in China zuständig, die Grundlage für den Betrieb von Kommunikationsnetzen, Finanzsystemen und der Stromversorgung ist. Angriffe darauf könnten schwere Störungen verursachen, schreibt das Ministerium.
China hat trotz seiner Größe landesweit nur eine Zeitzone. Aus den USA gab es zunächst keine Reaktion auf die Anschuldigungen, auch nach Anfragen direkt bei der NSA am Wochenende, wie unter anderem Bloomberg berichtet [2]. Beide Seiten werfen sich immer wieder Cyberangriffe vor.
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[1] https://mp.weixin.qq.com/s/ZtKjlaIoMVCSY-rXt2RP1Q
[2] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-10-19/china-says-it-found-evidence-of-us-cyber-attack-on-state-agency
[3] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[4] mailto:nico.ernst@gmail.com
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Intelligente Sozialroboter, die einsame Menschen begleiten, sammeln ungeahnte Datenschätze in ihren Speichern. Wer darf diese nach dem Tod ihrer Besitzer heben?
Der Kleine stand im Wohnzimmer. Zwischen all den schweren, altmodischen Eichenholzmöbeln gab er ein sonderbares Bild ab: etwa einen Meter groß, weißes Kunststoffgehäuse, dicke Arme, wulstige Gelenke. Auf der Brust hatte er einen Lautsprecher. Mit dem Sehschlitz hinter einer violett getönten Kunststoffblende sah er aus wie ein dick eingepacktes Kind auf dem Weg zum Skiurlaub. Aber er war ein Roboter, der auf den Namen Gatsby hörte. Er hatte eine angenehm weiche, beinahe sanfte Stimme, die ich weder als männlich noch als weiblich einsortieren konnte. "Ich freue mich, dich kennenzulernen, Helge. Darf ich bitte deinen Ausweis sehen?"
"Wie bitte?"
"Entschuldige, ich hätte das erläutern müssen, bevor ich dir diese Frage stelle. Onkel Rudolf hat mir eingeschärft, dass ich unbedingt verhindern muss, unautorisierten Personen Auskünfte zu geben. Deshalb muss ich mich davon überzeugen, dass du wirklich derjenige bist, für den du dich ausgibst."
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[2] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Die-Rueckkehr-der-Dinge-10638124.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Ein-Quaentchen-Glueck-10516016.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Smarte-Traenen-10497055.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Notchoc-im-Himmel-10485480.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Der-Tracker-10458471.html
[7] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Die-Torpedo-10440225.html
[8] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Sphaerenklaenge-10375646.html
[9] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-Der-Loewenkoenig-10367901.html
[10] https://www.heise.de/hintergrund/c-t-Story-An-der-Grenze-10354206.html
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Die Umstellung von Pipeline- auf Tankschiff-Lieferung macht die riesigen Porenspeicher unwirtschaftlich. Nun drohen Stilllegungen.
Mit dem Ende der Lieferung von russischem Gas per Pipeline und der Abkündigung der Gaslieferungen aus den Niederlanden aus bergbautechnischen Gründen haben sich die Anforderungen an das deutsche Gasnetz und die Zwischenspeicherung des Gases verschoben. Zudem hat sich das Marktverhalten geändert.
Die Preise orientieren sich inzwischen nicht mehr am Gasbedarf im Sommer und Winter, sondern an der durch die Befüllungsvorschriften für die Speicher ergebenden Nachfrage, was dazu geführt hat, dass der Beschaffungs-Gaspreis im Sommer inzwischen höher ist als im Winter und eine schnelle Speicherbefüllung einen Marktvorteil verspricht.
Stehen die deutschen Porenspeicher jetzt vor dem Aus [1], obwohl sie für den Industriestandort Deutschland unverzichtbar erscheinen [2]? Im Extremfall könnte ein Anstieg der Gaspreise auf bis zu 150 Euro pro Megawattstunde [3] drohen.
Die Befüllung der Porengasspeicher wurde entwickelt, als das Gas per Pipeline importiert wurde und man die Speicher langsam befüllen konnte. Mit der Umstellung auf die Belieferung per Tankschiff ist diese Möglichkeit weggefallen und somit bleiben nur die Salzkavernen zur Speicherung. Die Porengasspeicher zeigen sich als wirtschaftlich am Markt nicht mehr haltbar und werden zurückgebaut werden, falls sie keine staatliche Unterstützung erhalten.
Laut Informationen von Handelsblatt [4] und der Welt [5] gibt es auch bei Speicherbetreibern, wie VNG, Sefe oder EWE Überlegungen, ihre Speicher stillzulegen. Das Handelsblatt meldete am 10. Oktober des Jahres [6], dass man Frankreich zum Vorbild nehmen könne, wo die Verbraucher über die Netzentgelte einen Zuschlag für die Speicher entrichten müssen.
Unwirtschaftliche Speicher können nur in Betrieb bleiben, wenn entweder die Kunden oder der Steuerzahler die Mehrkosten übernehmen. So verwundert es vor diesem Hintergrund nur wenig, dass die Stilllegung für den Erdgasspeicher in Breitbrunn am Chiemsee von Uniper Energy Storage [7] mit Wirkung zum 31. März 2027 bei der Bundesnetzagentur gemäß Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) § 35h [8] beantragt wurde. Der Speicher mit einer Arbeitsgaskapazität von 11,5 TWh [9] ist der drittgrößte Gasspeicher Deutschlands und der größte in Süddeutschland.
Uniper, das mehrere Gasspeicher [10] betreibt, gehört zu 99,12 Prozent [11] der Bundesrepublik Deutschland. Der Einstieg des Bundes erfolgte im Rahmen einer Rettungsmaßnahme im Jahr 2022. Ein kleinerer Anteil befindet sich im Streubesitz von institutionellen Investoren und Privatanlegern.
Die Anlage ist laut Unternehmensangaben seit 1998 in Betrieb und zählt mit einem Speichervolumen von rund einer Milliarde Kubikmetern zu den größten Porenspeichern in Europa. Die Erlöse sollen jedoch nicht ausreichen, um die laufenden Kosten für Speicherentgelte, Betrieb und Netze zu decken. Speicheranlagenbetreiber (Storage System Operator/SSO) des Speichers in Breitbrunn ist die Uniper Gas Storage. Verwaltet wird die Anlage von NAFTA Speicher.
Zum geologischen Hintergrund der bayerischen Porenspeicher äußert sich NAFTA Speicher [12], ein Unternehmen der tschechischen NAFTA-Gruppe [13] wie folgt: ″NAFTA Speicher betreibt heute die Anlagen Breitbrunn/Eggstätt, Inzenham-West und Wolfersberg. Bei diesen Erdgasspeichern handelt es sich um ausgeförderte Gasfelder in Südbayern zwischen München und dem Chiemsee.
Unsere Erdgasspeicher sind sogenannte Porenspeicher. Das bedeutet, es handelt sich um natürliche Erdgaslagerstätten, die sich durch ihre geologische Formation zur Speicherung von Erdgas eignen. Sie befinden sich in porösem Gestein, in dem das Erdgas ähnlich einem stabilen Schwamm aufgenommen und eingelagert wird.
Nach oben sind Porenspeicher durch mächtige Deckschichten aus vorwiegend Ton und Salz abgedichtet. Unterhalb der gasdurchlässigen Gesteinsschicht begrenzt ein wasserführender Bereich das Reservoir. Durch horizontale und vertikale Abdichtung der ehemaligen Lagerstätten hat die Natur wichtige Voraussetzungen für deren heutige Nutzung als Speicher geschaffen – schließlich war hier Erdgas über Jahrmillionen eingeschlossen.″
Dass jetzt der vorhandene Gasspeicher [14] in Breitbrunn, ausgerechnet in Süddeutschland stillgelegt werden soll, scheint besonders brisant, da Ministerin Reiche für Süddeutschland neue Gas-Back-up-Kraftwerke ausschreiben will, um mögliche Stromversorgungslücken zu umschiffen, die durch fehlende Übertragungsleitungen von Nord- nach Süddeutschland bestehen.
Aufgrund der Stromübertragungsnetzstruktur machen für die Back-up-Kraftwerke nur Standorte in Süddeutschland Sinn, weil dort der Strombedarf ohne die Links zu den Windparks nach Nord- und Nordostdeutschland nicht immer gedeckt werden kann und man die Kohlekraftwerke außer Betrieb nehmen will.
Die Tatsache, dass Bundeswirtschaftsministerin Reiche der Lausitz den Bau neuer Gaskraftwerke zugesagt hat und sie der Leag Planungssicherheit garantieren will, legt es nahe, dass es sich bei den geplanten Gaskraftwerken um Maßnahmen handelt, einen Kraftwerks-Traditionsstandort zu erhalten.
Die Bedingungen für die Ausschreibung [15] würden laut Reiche so gestaltet, dass die Leag investieren könne und einen Zuschlag erhalte. Reiche zufolge soll ihr Ressort noch in diesem Jahr mit den Ausschreibungen beginnen. Ob diese Zusage kompatibel ist mit dem EU-Subventionsrecht [16], wird durchaus bezweifelt.
Das Verhalten der Wirtschaftsministerin nährt die Vermutung, dass es ihr bei der Förderung von Gaskraftwerken, welche die Strompreise erhöhen werden, darum geht, einen dauerhaften Rückweg zu fossilen Kraftstoffen abzusichern.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/gasspeicher-ploetzlich-vor-dem-aus-droht-deutschland-eine-energiekrise-20-li.2361317[2] https://www.uniper.energy/news/de/studie-volle-gasspeicher-sind-ein-schutzschild-fuer-die-deutsche-wirtschaft[3] https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/gasspeicher-ploetzlich-vor-dem-aus-droht-deutschland-eine-energiekrise-20-li.2361317[4] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/versorgungssicherheit-gasspeicher-lohnen-sich-nicht-mehr-kommt-der-staatliche-gasvorrat-01/100160527.html[5] https://www.welt.de/wirtschaft/energie/plus68de4fff8016f8118e2fa4ca/stilllegung-von-gasspeichern-erloese-reichen-nicht-ploetzlich-offenbart-sich-auf-dem-energiemarkt-ein-bizarres-problem.html[6] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/versorgungssicherheit-gasspeicher-lohnen-sich-nicht-mehr-kommt-der-staatliche-gasvorrat-01/100160527.html[7] https://www.uniper.energy/news/de/uniper-energy-storage-hat-die-stilllegung-des-erdgasspeichers-breitbrunn-beantragt[8] https://www.haufe.de/id/norm/energiewirtschaftsgesetz-35h-ausserbetriebnahme-und-stilllegung-von-gasspeichern-HI1420202_p35h.html[9] https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/uniper-schlaegt-alarm-wirtschaftlicher-betrieb-von-gasspeichern-gefaehrdet/[10] https://www.uniper.energy/de/energiespeicherung-uniper[11] https://www.uniper.energy/de/investoren/aktie/aktionaersstruktur[12] https://nafta-speicher.de/de/gasspeicher[13] https://www.nafta.sk/en[14] https://www.uniper.energy/de/energiespeicherung-uniper[15] https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2025/08/wirtschaftsministerin-reiche-lausitz-gaskraftwerke-schwarze-pump.html[16] https://www.telepolis.de/features/Gaskraftwerke-Teuer-umstritten-und-politisch-riskant-10752277.html
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Eine Honigbiene auf einer Blüte
(Bild: Uellue/Shutterstock.com)
Bisher galten nur Bienen in Stöcken als bedroht. Jetzt gelten auch Wildbienen als bedroht. Was bedeutet das für die Zukunft unserer Ökosysteme? Ein Gastbeitrag.
Man könnte meinen, es gehe den Honigbienen prächtig – schließlich wächst die Honigbranche und sie werden von Imkerinnen und Imkern gut betreut. Doch nicht alle Honigbienen leben in Bienenstöcken. In ganz Europa gibt es noch Völker, die in der Wildnis leben und in Baumhöhlen und anderen natürlichen Nistplätzen siedeln – so wie ihre Vorfahren seit Millionen von Jahren.
Nun sind diese wild lebenden Honigbienenpopulationen erstmals offiziell als "in der Europäischen Union gefährdet" eingestuft worden [1]. So lautet die jüngste Aktualisierung der Roten Liste der IUCN [2], der offiziellen weltweiten Datenbank zum Erhaltungsstatus von Arten.
Die Westliche Honigbiene teilt eine lange Geschichte mit uns. Seit Tausenden von Jahren halten Menschen Honigbienenvölker – schon die alten Ägypter hielten sie in einfachen Stöcken, um Honig zu gewinnen. Doch die moderne Imkerei mit mobilen Bienenstöcken und kommerzieller Bestäubung hat den größten Einfluss auf die Art gehabt.
Deshalb existiert die Westliche Honigbiene heute in zwei Formen: in gehaltenen Völkern in Bienenstöcken und in wild lebenden Völkern, die unabhängig vom Menschen leben. Beide gehören zwar zur gleichen Art (Apis mellifera), ihre Lebensweise und ihre Zukunftsaussichten unterscheiden sich jedoch grundlegend.
Seit den 2000er-Jahren stehen gehaltene Honigbienen im Mittelpunkt viel beachteter Krisen. Damals begannen Imkerinnen und Imker weltweit, alarmierende Verluste [3] in ihren Stöcken zu beobachten. Seither arbeiten Wissenschaftler mit der Imkerschaft zusammen, um die Ursachen zu untersuchen und die Völkerverluste zu verringern. Daher wird die Art als Ganzes oft als bedroht wahrgenommen.
Die Wirklichkeit ist jedoch komplexer. Zwar erleiden gehaltene Völker weiterhin hohe Verluste, doch sie werden aktiv von Imkern gepflegt und von Forschern untersucht. Für ihre wilden Gegenstücke gilt das nicht – sie waren bis vor Kurzem relativ wenig erforscht, insbesondere in Europa.
Diese Wissenslücke veranlasste mehrere europäische Forscher dazu, frei lebende Honigbienen zu untersuchen. Solche Völker sind inzwischen in ganz Irland und dem Vereinigten Königreich, in Nationalparks in Frankreich, in den Wäldern Deutschlands, der Schweiz und Polens, in ganz Italien sowie sogar in Städten wie Belgrad in Serbien dokumentiert. Nun wird erforscht, ob sie selbsttragende Populationen bilden können, die ohne menschliche Hilfe auskommen.
Um diese unabhängigen Forschungsprojekte zu vernetzen, wurde 2020 die weltweite Initiative "Honey Bee Watch" ins Leben gerufen.
Ihr Ziel ist es, das Leben von Honigbienen in der Wildnis besser zu verstehen. Im Rahmen dieser Initiative war ich Teil eines 14-köpfigen Teams aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Expertinnen und Experten, das mit der Weltnaturschutzunion (IUCN) zusammenarbeitete, um den Erhaltungszustand wild lebender A. mellifera-Populationen neu zu bewerten.
Dies war Teil einer monumentalen Anstrengung zur Aktualisierung der Europäischen Roten Liste der Bienen. Diese wurde von Forschenden der Universität Mons in Belgien geleitet und untersuchte den Erhaltungsstatus von fast 2.000 Arten – viele davon zum ersten Mal.
Bereits 2014 wurden wild lebende A. mellifera-Populationen in Europa mit als "Daten unzureichend" eingestuft, da es nicht genügend Informationen gab, um eine scheinbar einfache Frage zu beantworten: Wenn man ein Volk in einem Baum findet – wie kann man sicher sein, dass es wirklich wild ist und nicht aus einem Bienenstock entkommen ist?
Unsere neue Bewertung wählte einen anderen Ansatz. Honigbienen sind nicht vollständig domestiziert, da Imkerinnen und Imker es nie verhindern konnten, dass sie sich mit anderen Völkern – ob wild oder gehalten – paaren. Dadurch sind die genetischen Unterschiede zwischen gehaltenen und wilden Völkern oft verwischt.
Anstatt zu versuchen, eine genetische Trennlinie zu ziehen, passten wir die IUCN-Definition von "wild" auf Honigbienen an. Demnach definieren wir wild lebende Honigbienenpopulationen anhand zweier Kriterien:
Erstens leben sie frei ohne Bewirtschaftung. Zweitens können sie ihre Bestände eigenständig erhalten, ohne auf die Zufuhr neuer Völker angewiesen zu sein, die beispielsweise aus gehaltenen Stöcken entkommen sind.
Durch die Heranziehung der ökologischen statt der genetischen Definition von Wildheit konnten wir ihren Erhaltungszustand besser bewerten.
Europa weist die weltweit niedrigste Dichte [4] frei lebender Völker auf, da gehaltene Bienenstöcke die Wildvölker bei Weitem übertreffen. Dank einer jüngsten Analyse unserer Mitgutachter wissen wir zudem, dass ihre Bestände abnehmen.
In Verbindung mit Hinweisen auf Lebensraumverlust, invasive Parasiten, Krankheiten und vom Menschen vermittelte Hybridisierung ergibt sich ein klares Bild. Wild lebende Honigbienen sind tatsächlich in Schwierigkeiten.
Deshalb wurde ihr Status auf der Roten Liste nun auf "in der Europäischen Union gefährdet" aktualisiert. Für den weiteren paneuropäischen Raum bleibt ihr Status jedoch aufgrund spärlicher Daten aus Regionen wie dem Balkan, dem Baltikum, Skandinavien und Osteuropa "Daten unzureichend".
Der Schutz wild lebender Honigbienen dient nicht nur der Rettung einer ikonischen Art, sondern ist auch entscheidend für unsere Ernährungssicherheit, die Biodiversität und die Ökosysteme der Zukunft. Populationen, die in der Wildnis überleben, haben gelernt, mit Parasiten, Krankheiten und anderen harten Bedingungen zurechtzukommen, die für gehaltene Völker verheerend sein können.
Sie stellen ein wichtiges genetisches Reservoir dar, das dazu beitragen könnte, sowohl wild lebende als auch gehaltene Bienen gegenüber künftigen Bedrohungen widerstandsfähiger zu machen.
Die neue Einstufung als gefährdet ist die formale Anerkennung, dass wild lebende Honigbienen heimische Wildtiere sind, die Schutz benötigen. Wir können es uns nicht länger leisten, sie unerforscht und ungeschützt zu lassen.
Arrigo Moro ist Postdoktorand am Galway Honey Bee Research Center der Universität Galway.
Dieser Text erschien zuerst auf The Conversation [5] auf Englisch und unterliegt einer Creative-Commons-Lizenz (CC BY-ND 4.0 [6]).
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.iucnredlist.org/species/42463639/277757621[2] https://www.iucnredlist.org/[3] https://theconversation.com/honeybee-lifespan-could-be-half-what-it-was-50-years-ago-new-study-194476[4] https://theconversation.com/honey-bees-are-suprisingly-abundant-research-shows-but-most-are-wild-not-managed-in-hives-224807[5] https://theconversation.com/wild-honeybees-now-officially-listed-as-endangered-in-the-eu-267239[6] https://creativecommons.org/licenses/by-nd/4.0/
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