Staatliches Bedrohungsmanagement: Psychisch kranke Personen mit Risikopotential
Von Heise — 19. April 2026 um 08:02
(Bild: KomootP/Shutterstock.com)
Psychisch krank und potenziell gefährlich? Bund und Länder bauen ihre Frühwarnsysteme auf – mit Datenaustausch, Fallmanagement und Risikoanalyse.
Wer ist gefährlich – und wer ist krank? Im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung von CDU, CSU und SPD wurde im Frühjahr 2025 festgelegt, dass zur Verhinderung von Gewalttaten eine gemeinsame Risikobewertung und ein integriertes behördenübergreifendes Risikomanagement für "die frühzeitige Erkennung entsprechender Risikopotenziale bei Personen mit psychischen Auffälligkeiten" eingeführt werden soll.
Da Gefahrenabwehr Ländersache ist, erhielt die Bund-Länder-Arbeitsgruppe Früherkennung und Bedrohungsmanagement (BLAG FEBM) den Auftrag, bundesweit Standards zur Verhinderung von Gewalttaten psychisch Kranker zu entwickeln. Dafür befasste sie sich auch mit Fragen der ressortübergreifenden Netzwerkarbeit und des Datenaustausches. Erkenntnisse von Gesundheits-, Sicherheits-, Justiz- und Ausländerbehörden sollen zusammengeführt werden, um eine belastbare Risikobewertung zu ermöglichen.
Bei identifizierten Gefährdern soll ein gemeinsames Fallmanagement alle präventiven Möglichkeiten – gesundheitlich, polizeilich, aufenthaltsrechtlich – ausschöpfen. Laut Beschluss [1] der Innenministerkonferenz vom 27. Januar 2025 soll die BLAG FEBM auch prüfen, wie die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten „insbesondere nach den Psychisch-Kranken-Gesetzen (PsychKGen) der Länder angepasst bzw. erweitert werden können".
Am 30. Januar forderte der Bundesrat [2] in der Entschließung „Menschen mit psychischen Erkrankungen schützen, Gefahrenpotenziale erkennen“ zügige Anpassungen: Bei erkennbarem Fremdgefährdungspotenzial müsse „schnell und zum Wohle sowohl der Bevölkerung als auch des betroffenen Menschen“ gehandelt werden. Dafür solle der Austausch von Gesundheitsdaten mit Erkenntnissen der Gefahrenabwehrbehörden unter datenschutzrechtlichen Vorgaben geprüft und eine bessere bundesweite Vernetzung zwischen Sicherheits-, Gesundheits-, Waffen- und anderen relevanten Behörden erreicht werden.
Ein BMI-Sprecher teilte heise online mit, dass man die ressortübergreifende Zusammenarbeit im Bereich der Früherkennung und des Bedrohungsmanagements auf Bundes- und Länderebene aktiv vorantreiben wolle. Der Erörterungsprozess zur Bewertung und Entwicklung geeigneter Maßnahmen sei vom BMI und vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mit den Ländern gemäß den Beschlüssen der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder (IMK) und der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) begonnen worden. In den Austausch seien „auch Vertreter der Justiz eingebunden“.
Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) hatte den Bund in ihrem Beschluss [3] aus der 98. Sitzung ihrerseits aufgefordert, zur Prävention von Gewaltdelikten durch Menschen mit psychischen Erkrankungen ausreichende Forschungsmittel für Frühdiagnostik und die Entwicklung von Prädiktoren bereitzustellen, auch unter Einsatz von KI.
Der Bericht der BLAG FEBM liegt inzwischen vor, befindet sich aber noch in der kriminalpolizeilichen Gremienberatung. Über eine Veröffentlichung werde dort entschieden; weitergehende Auskünfte erteilte das BMI derzeit nicht.
Einige Bundesländer haben aber bereits angefangen, Ergebnisse aus der BLAG FEBM in ihre Prozesse zum Gefährdungsmanagement zu integrieren, wo nötig werden auch das jeweilige PsychKGen insbesondere im Bereich der Datenweitergabe geändert. Ziel ist die Früherkennung von Warnzeichen, um rechtzeitig präventiv tätig zu werden und schwere Gewalttaten zu verhindern.
Polizeiliches Risiko- und Bedrohungsmanagement
Die Ergebnisse der BLAG FEBM betreffen „Personen mit Risikopotential mit psychischer Auffälligkeit“. Eine psychische Erkrankung allein macht niemanden zum Ziel polizeilicher Maßnahmen – es muss konkretes Verhalten vorliegen, das auf eine Gefährlichkeit im Sinne einer Bedrohung hindeutet. Solche Personen sollen frühzeitig erkannt und im Rahmen eines Fallmanagements einer Risikobeurteilung unterzogen werden: Anhand von Risiko- und Verhaltensfaktoren wird eine Risikostufe bestimmt, die entsprechende Gefahrenabwehrmaßnahmen auslöst.
Konzepte zur Früherkennung von potenziellen Gewalttätern gibt es in Bezug auf verschiedene Personengruppen schon länger. Sei es die Suche nach „potentiellen Amokläufern“ mit dem Konzept zur Früherkennung von und zum Umgang mit Personen mit Risikopotenzial, das als Projekt "PeRiskoP" in Nordrhein-Westfalen seit 2022 zur Anwendung kommt. Oder das seit 2017 bundesweit bei der Polizei eingeführte Risikobewertungsinstrument RADAR-iTE [5] (Regelbasierte Analyse potenziell destruktiver Täter zur Einschätzung des akuten Risikos - islamistischer Terrorismus) mit dem „Personen des islamistischen Spektrums, die polizeilich bekannt sind, hinsichtlich ihres Risikos für die Begehung einer politisch motivierten schweren Gewalttat in Deutschland bewertet werden“.
Einige Länder setzen im Umgang mit Stalking-Fällen oder häuslicher Gewalt ebenfalls auf standardisierte Prozesse, um Gefährdungspotentiale besser abschätzen zu können. Und unabhängig von Projekten und Konzepten geht die Polizei grundsätzlich Hinweisen nach, wenn es zur Gefahrenabwehr im Einzelfall nötig ist. So erklärt die bayrische Regierung im März in ihrer Antwort auf eine schriftliche Anfrage [6] (PDF), dass „in einer akuten Gefahrensituation (...) eine erste Einschätzung zum Vorliegen einer psychischen Störung sowie eine Gefährdungsbewertung regelmäßig auch durch die eingesetzten Polizeikräfte“ erfolgt, die dann abhängig vom Einzelfall den (psychiatrischen) Krisendienst hinzuzieht, der bei der Einschätzung von Gefährdungen hilft. Derzeit beschäftige sich eine interministerielle Arbeitsgruppe unter Federführung des Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) mit der Frage, wie Gewalttaten durch psychisch kranke Menschen besser verhindert werden können – einschließlich möglicher Änderungen am BayPsychKHG.
Dauergefahr bei psychisch kranken Gefährdern?
In mehreren Bundesländern soll es Änderungen der Landes-PsychKG geben, um den Datenaustausch zu verbessern. Ein zentraler Punkt ist die Information der Sicherheitsbehörden über die Rückkehr potenziell gefährlicher Personen in den öffentlichen Raum. Dafür werden die Gefahrenkategorien ausgeweitet. Neben der gegenwärtigen Gefahr ermöglicht so auch die Prognose einer Dauergefahr das Treffen entsprechender Maßnahmen.
Gehen die Entwürfe in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen durch, liegt eine Gefahr auch dann vor, wenn ein schadenstiftendes Ereignis zwar unvorhersehbar ist, aber aufgrund mangelnder Einsichtsfähigkeit oder besonderer Umstände ein gefährdendes Verhalten der psychisch kranken Person „jederzeit zu erwarten ist“.
Die bereits erfolgte Änderung am Psychisch-Kranke-Gesetz [7] von Hessen schreibt vor, dass psychiatrische Krankenhäuser die Polizei und Ordnungsbehörden unverzüglich über eine bevorstehende Entlassung einer aufgrund einer Fremdgefährdung untergebrachten Person informieren müssen, wenn „von der untergebrachten Person in absehbarer Zeit ohne ärztliche Weiterbehandlung eine erhebliche Gefahr für das Leben, die Gesundheit oder andere bedeutende Rechtsgüter Anderer ausgehen könnte“. In Niedersachsen sieht der Gesetzesentwurf [8] eine abgestufte Meldeverpflichtung vor. Wenn absehbar eine erhebliche Fremdgefährdung besteht und eine Behandlung voraussichtlich nicht erfolgt, können Einrichtungen und Sozialpsychiatrische Dienste relevante Daten an die Polizei übermitteln – bei wiederholter Unterbringung aufgrund von Fremdgefährdung in den letzten 12 Monaten sollen sie die Daten übermitteln. War es im zurückliegenden Jahr bereits zu einer Schädigung Dritter gekommen, müssen die Daten übermittelt werden. Nordrhein-Westfalen will in seinem Gesetzentwurf [9] darüber hinaus vorschreiben, dass Behörden auch über Beurlaubungen oder Belastungserprobungen informiert werden, sofern die ursprüngliche Unterbringung aufgrund von Fremdgefährdung erfolgte.
Praktische Umsetzung
Im Hamburger Netzwerk für personenbezogenes Risikomanagement [10] arbeiten bereits seit August 2025 die Innen-, Sozial- und Justizbehörden enger zusammen, um potenziell gefährliche Entwicklungen bei psychisch erkrankten Personen früher zu erkennen. Kern ist ein strukturierter Informationsaustausch sowie anlassbezogene Fallkonferenzen, die bereits bei erstem Risiko ein gemeinsames Vorgehen aller Beteiligten auslösen sollen. Maßnahmen reichen von Therapie- und Hilfsangeboten über sozialpsychiatrische Betreuung bis hin zu Gefahrenabwehr wie Gefährderansprachen, längerfristiger Observation oder gerichtlicher Unterbringung.
Zu den Daten, die zur Risikobewertung einer Person im Netzwerk gesammelt und verarbeitet werden, gehören nicht nur Daten aus Vorgängen bei der Polizei und Justiz (Straf- und Gefahrenabwehrverfahren, Verurteilungen, Gerichtliche Beschlüsse zur Unterbringung), sondern auch Daten zu politischen Meinungen, religiösen/weltanschaulichen Überzeugungen und umfangreiche Gesundheitsdaten: „insbesondere Diagnosen, Auszüge aus Arztberichten und Gutachten, Krankheits- und Behandlungsverlauf, Verhalten im Vollzugsverlauf bezogen auf alle Bereiche: Konflikte, Arbeit, Freizeit etc.“ – das geht aus der Erklärung zur Verarbeitung personenbezogener Daten [11] (PDF) des Netzwerkes hervor.
In Berlin führt die Polizei als Ergebnis aus der BLAG in einem Pilotprojekt ein Drei-Stufen-Modell ein, um psychisch erkrankte Menschen mit Gefährdungspotenzial früher zu erkennen und schwere Gewalttaten zu verhindern. Zunächst erhalten Einsatzkräfte klare Kriterien zur Einschätzung vor Ort, anschließend erfolgt eine zentrale Risikoanalyse in der Polizeidirektion. Verdichtet sich der Verdacht, übernimmt das LKA mit einer vertieften Bewertung unter Einbeziehung psychotherapeutischer Expertise. Je nach Ergebnis können Fallkonferenzen, sozialpsychiatrische Maßnahmen oder auch Unterbringungen angestoßen werden. Die Polizeipräsidentin von Berlin, Slowik Meisel betonte gegenüber der dpa: „Es bleibt in erster Linie ein kranker Mensch“ und ergänzte, dass die Polizei versuchen könne „diese Menschen zu identifizieren und der Allgemeinheit durch polizeiliche Maßnahmen einen ersten Schutzmantel vor schwerer Gewalt umlegen“.
Psychisch Kranke in Polizeidatenbanken
Die CDU erklärte in ihrem Anfang 2025 gefassten Beschluss [12] "Für einen Politikwechsel bei der Inneren Sicherheit" das NRW-Projekt PeRiskoP zu einem Vorbild, das sie "bundesweit ausdehnen" will. Mit der Forderung nach der Einführung einer Gefährderkategorie "Gefährder mit gemischter und instabiler Motivation (GIM)" für psychisch kranke Gewalttäter scheiterte sie aber.
Der Sprecher des BMI teilte gegenüber heise online mit, dass derzeit keine Planungen für ein Register für psychisch auffällige Personen oder eine gemeinsame Datenbank der Länder mit dem Bund bestehen und es keine geplanten Änderungen in der Praxis zur Speicherung von Personen mit psychischen Erkrankungen in INPOL gibt. In der Polizeidatenbank INPOL gibt es bereits die Kategorie „Psychische und Verhaltensstörungen“. Ein solcher personenbezogener Hinweis (PHW) wird bei Abfragen deutlich hervorgehoben angezeigt.
Solange keine Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt, lösen psychische Erkrankungen oder Störungen grundsätzlich keine polizeilichen Maßnahmen aus und führen auch nicht zu einer Speicherung in INPOL. Dafür braucht es immer einen relevanten Anlass. Ein PHW kann auch nur vergeben werden, wenn zu einer Person bereits Daten im Verbundsystem eingestellt sind und der PHW zum Schutz dieser Person und/oder zur Eigensicherung von Polizeibediensteten erforderlich ist, wie aus einer Antwort der Bundesregierung [13] (PDF) zur Erfassung von Menschen mit psychischen Erkrankungen durch Sicherheitsbehörden letztes Jahr hervorging.
Die Person ist also entweder mit einer Straftat bereits in Erscheinung getreten und/oder es handelt sich um eine gefährdete oder gefährliche Person. Eine gefährdete Person kann zum Beispiel jemand sein, von dem bekannt ist, dass er oder sie Suizid begehen will. Eine hilflose Person könnte eine vermisste Person in einem psychischen Ausnahmezustand sein. Polizisten sind weder Psychologen noch Psychiater, die Polizei kann daher nicht einfach aus ihrer eigenen Einschätzung heraus eine Person als psychisch Krank (bundesweit) in INPOL deklarieren.
Der Leitfaden zur Vergabe personengebundener Hinweise (PHW) im INPOL-Verbund [14] gibt vor, dass der PHW psychische Störungen und Verhaltensstörung (PSYV) „nur vergeben werden (darf), wenn ärztlich festgestellt ist, dass die betroffene Person an einer psychischen Erkrankung leidet und daraus Gefahren für ihn selbst oder andere, insbesondere für Polizeibedienstete, resultieren können“. Wie die Polizei an diese ärztlichen Stellungnahmen kommt, ist Sache der Länder, erklärt das BMI auf Anfrage von heise online; „hinsichtlich eines etwaigen Datenzugriffs der Polizei auf die elektronische Patientenakte oder entsprechender Auskunftsansprüche und Beschlagnahmeregelungen liegen dem BMI keine Erkenntnisse zu entsprechenden Planungen vor“.
Mit Stand 15. Juli 2025 waren 16.043 Personendatensätze in INPOL mit dem PHW PSYV gespeichert. Laut Auskunft des Sprechers des BMI waren im März 2026 noch ca. 15.000 Personen mit diesem Hinweis gespeichert. Personen, die mit dem PHW PSYV gespeichert wurden, werden darüber nicht durch die Polizei informiert. Betroffene können dies jedoch im Fall von INPOL (Bund) beim BKA [15] durch die Stellung eines Antrags auf Auskunftserteilung in Erfahrung bringen.
Ein gesondertes bundesweites Register für psychisch Kranke existiert also nicht. Stattdessen führen die Länder in eigener Regie Bedrohungsmanagements für Hochrisikofälle ein; Speicherung und Weitergabe der Daten richten sich nach Landesrecht. Der Datenaustausch zwischen Polizei und Ordnungsbehörden zur Gefahrenabwehr ist dabei gelebte Praxis: Hinweise auf psychische Erkrankungen können im Waffen- und Fahrerlaubnisrecht relevant sein, wenn Zweifel an Zuverlässigkeit oder Eignung bestehen – entscheidend sind dabei nicht Diagnosen, sondern konkrete Gefahrenmomente. Gibt es Hinweise auf eine gesundheitsbedingte Gefährdung, erhält grundsätzlich das Gesundheitsamt beziehungsweise der Sozialpsychiatrische Dienst Kenntnis.
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As Deep as the Grave: KI-Version von Val Kilmer in erstem Trailer zu sehen
Von Ingo Pakalski — 19. April 2026 um 11:38
Eine KI -Version des verstorbenen Schauspielers Val Kilmer soll im Abenteuerfilm As Deep as the Grave über eine Stunde zu sehen sein.
Val Kilmer als KI-Rekonstruktion in As Deep as the GraveBild:
Trailer zu As Deep As the Grave/Screenshot: Golem
In dem US-Abenteuerfilm As Deep as the Grave wird Val Kilmer als KI-Version zu sehen sein. Auf der Filmmesse Cinemacon in Las Vegas wurde ein weiterer Trailer des Films gezeigt, der mittlerweile veröffentlicht wurde. Vor seinem Tod hatte der Schauspieler keinen Fuß auf das Set gesetzt. Doch die Familie des Hollywood-Schauspielers setzte sich mit dafür ein, dass er bei diesem Film nach seinem Tod mitmachen kann, berichtet unter anderem das Branchenmagazin Variety .
Bisher sollte der Abenteuerfilm Canyon of the Dead heißen, wurde nun aber in As Deep as the Grave umbenannt. Vor zwei Monaten wurde möglichen Käufern des Film auf dem European Film Market (EFM) in Berlin ein erster Trailer gezeigt, in dem Val Kilmer bereits als KI-Variante zu sehen war.
Regisseur und Drehbuchautor Coerte Voorhees gab an, dass die KI-Version von Val Kilmer im Film etwa eine Stunde lang zu sehen sein wird. Nach den derzeit vorliegenden Informationen wird der Abenteuerfilm eine Laufzeit von einer Stunde und 51 Minuten haben.
Familie von Val Kilmer ist stark involviert
Vor seinem Tod hatte Val Kilmer einen Vertrag unterschrieben, um an dem Abenteuerfilm mitzuarbeiten. Dann kam es allerdings zu Verzögerungen bei der Produktion, die dafür sorgten, dass er selbst nicht eine Szene für den Film drehen konnte, so dass alles Material mit ihm nun mit KI generiert wurde.
Nach Kilmers Tod "betonte seine Familie immer wieder, wie wichtig ihnen der Film sei und dass Val unbedingt daran mitwirken wollte" , erklärte Voorhees. Der Film soll unter aktiver Beteiligung der Angehörigen von Val Kilmer entstanden sein und Mercedes Kilmer unterstrich diesen Wunsch. Sie ist die Tochter des Schauspielers.
"Er betrachtete neue Techniken stets mit Optimismus als Mittel, um die Möglichkeiten des Geschichtenerzählens zu erweitern" , sagte Mercedes Kilmer. "Diesen Geist würdigen wir alle in diesem Film, an dem er maßgeblich beteiligt war."
Im Film sind unter anderem folgende Schauspieler zu sehen, die nicht mit KI erzeugt wurden: Abigail Lawrie, Tom Felton, Abigail Breslin, Jacob Fortune-Lloyd, Ewen Bremner, Wes Studi, Finn Jones und Bronson Webb.
Der Einsatz einer KI-Rekonstruktion eines verstorbenen Schauspielers könnte die Debatte um digitale Darsteller erneut anheizen. In Hollywood wird seit Jahren über ethische, rechtliche und kreative Fragen diskutiert, die mit computergenerierten Abbildern realer Personen verbunden sind.
Anzeige: Einhells 18V-Astkettensäge bei Amazon noch nie günstiger
Von Benjamin Gründken — 19. April 2026 um 11:22
Eine viel gekaufte Akku-Astkettensäge von Einhell für den 18V-Akku ist jetzt zum Amazon-Tiefstpreis zu haben.
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Einhell nutzt wie andere Hersteller einen 18V-Akku für verschiedene Werkzeuge.Bild:
Erzeugt mit ChatGPT; Amazon, Einhell; Montage: Golem.de
Die Einhell-Akku-Astkettensäge GE-PS 18/15 Li BL-Solo Power X-Change ist aktuell für 60,99 Euro erhältlich. Wie ein Blick beim Preistracker Keepa zeigt, wurde dieser Kurs durch Amazon noch nie unterboten. Beliebt war die Säge aber schon vorher: 500-mal hat sie sich laut Produktseite allein im letzten Monat verkauft. Außerdem erreicht sie beim Händler 4,7 von 5 Sternen bei über 2.000 Bewertungen.
Was hat die Astkettensäge zu bieten?
Als Teil der Power-X-Change-Familie von Einhell setzt die Astkettensäge auf das vorhandene Akkusystem. Bereits im Besitz befindliche 18V-Akkus und Ladegeräte aus der Serie lassen sich dementsprechend weiterverwenden. Das reduziert die Anschaffungskosten und schont die Umwelt. Zu beachten ist allerdings, dass dieses Modell ohne Akku und Ladegerät ausgeliefert wird.
Im Inneren arbeitet ein bürstenloser Motor, der gegenüber klassischen Motoren Vorteile bietet. Auf dem Papier sind das ein geringerer Verschleiß, weniger Wartungsaufwand sowie eine effizientere Energienutzung.
Die Kette erreicht laut Hersteller eine Geschwindigkeit von bis zu 4,8 m/s, während die Schnittlänge laut Angaben bei 12,5 Zentimetern liegt.
Schwert und Kette lassen sich werkzeuglos wechseln, was laut Einhell mit einem geringeren Wartungsaufwand einhergeht. Für das Nachspannen der Kette ist ein Innensechskantschlüssel vorgesehen. Er wird direkt am Gerät verstaut und soll damit jederzeit griffbereit sein.
Zudem ist von einer manuellen Kettenschmierung und einer mitgelieferten Dosierhilfe die Rede.
Einordnung des Angebots
Wie eingangs schon erwähnt, wurden die derzeit aufgerufenen 60,99 Euro
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durch Amazon bisher nie unterboten. Knapp über 80 Euro zahlte man laut Preistracker noch im 90-Tage-Schnitt. Das Angebot wird zwar nicht als befristet bis einschließlich Sonntag gekennzeichnet, der Preisfall erfolgte aber Samstagnacht parallel zu anderen Preissenkungen, die ihrerseits als limitiert ausgewiesen werden. Möglicherweise hat Amazon bei der Ast-Säge diese Markierung vergessen.
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Der um Einhell laufende Wochenendsale von Amazon umfasst unter anderem auch Kettensägen und Bohrschrauber. Die Kollegen von PC Games Hardware hatten diesen gestern schon aufgegriffen und dabei einige Deals herausgestellt. Sämtliche Deals der heute endenden Aktion sind bei Amazon in der Übersicht
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Amazon: Es wird keinen neuen Fire TV Stick mit Fire OS geben
Von Ingo Pakalski — 19. April 2026 um 11:09
Amazons Entwicklerunterlagen machen es offiziell: Alle künftigen Fire TV Sticks laufen mit Vega OS – einschließlich der damit verbundenen Beschränkungen.
Nach dem neuen Fire TV Stick HD werden auch alle künftigen Fire TV Sticks mit Vega OS laufen.Bild:
Amazon
Amazon fällt mit einem sonderbaren Kommunikationsverhalten auf: Obwohl das Unternehmen in Entwicklerunterlagen offiziell bereits seit Oktober 2025 darauf hinweist, dass keine neuen Fire TV Sticks mit Vega OS erscheinen werden, tut das Unternehmen bei Pressenachfrage so, als ob das noch nicht entschieden sei.
Neue Fire-TV-Geräte mit Fire OS nicht ausgeschlossen
Als Amazon mit dem Fire TV 4K Select im Herbst 2025 ein erstes Fire-TV-Gerät mit Vega OS vorstellte, betonte das Unternehmen, dass weiterhin neue Fire-TV-Produkte mit Fire OS erscheinen werden . Amazon bietet auch Smart-TVs an, und mit dem Fire TV Cube gibt es ein weiteres externes Streaminggerät. Nach den derzeit vorliegenden Informationen werden neue Modelle noch mit Fire OS laufen.
Laut Amazon ist Vega OS vornehmlich für Produkte entwickelt, die möglichst preiswert angeboten werden sollen. Davon merken Kunden bei der Vorstellung des neuen Fire TV Stick HD allerdings nichts. Das neue Modell kommt sogar zum gleichen Preis wie das Vorgängermodell auf den Markt. Käufer erhalten also keine geringeren Anschaffungskosten.
Ganz im Gegenteil: Der Fire TV Stick HD ist bei der Hardwareausstattung sogar eindeutig schlechter, so dass sich das Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich verschlechtert. Denn Amazon lässt beim neuen Modell sowohl das USB-Netzteil als auch die HDMI-Verlängerung weg. Allein für das Netzteil verlangt Amazon 20 Euro , und die HDMI-Verlängerung ist im deutschen Amazon-Shop nicht zu finden. In den USA kostet der HDMI-Extender 5,99 US-Dollar. Wer diese Dinge benötigt, zahlt also beim neuen Modell rund 25 Euro mehr als beim Fire-TV-Modell mit Fire OS.
Vega OS hat im Vergleich mit Fire OS viele Nachteile
Im Test des Fire TV Stick 4K Select (g+) zeigten sich viele Nachteile. Es war das erste Fire-TV-Modell mit Vega OS: Die sonst üblichen Toneinstellungen Nachtmodus und Dialogverstärkung sowie alle Alexa-Heimkinofunktionen fehlten, und es gab kein Matter Casting. Außerdem dekodiert das Select-Modell keine Dolby-Signale mehr, was bei der Alexa-Nutzung zu unschönen Effekten führt.
Generell bieten Geräte mit Vega OS kein Sideloading von Apps mehr. Es können also nur Apps aus Amazons Store installiert werden. Die Auswahl an Apps für Vega OS ist dabei wesentlich geringer als für Geräte mit Fire OS. Im Unterschied zu bisherigen Fire-TV-Geräten mit Fire OS lassen sich zudem keine USB-Speicher mehr an den Vega-OS-Geräten betreiben.
Bei der Vorstellung des zweiten Fire-TV-Modells mit Vega OS unternimmt Amazon alles, um den Einsatz des Betriebssystems zu verschweigen. Weder in Pressematerialien noch auf der Produktseite taucht der Begriff auch nur einmal auf. Lediglich der Hinweis auf das fehlende Sideloading liefert Eingeweihten den entscheidenden Hinweis, dass es sich um ein Gerät mit Vega OS handelt.
Drei Satelliten genügen China, um die US-Marine zu orten. Rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Washington zeigt sich über die Fähigkeiten besorgt.
China hat nach eigenen Angaben erstmals einen Satelliten in geosynchronem Orbit (GEO) – also in rund 35.800 Kilometern Höhe – erfolgreich eingesetzt, um ein sich bewegendes Schiff dauerhaft zu verfolgen. Das berichtet [1] die in Hongkongn erscheinende South China Morning Post unter Berufung auf eine von chinesischen Wissenschaftlern veröffentlichte Fachstudie.
Weniger als drei Kilometer Abweichung
Konkret veröffentlichte China im vergangenen Monat Radarbilder des unter japanischer Flagge fahrenden Öltankers Towa Maru, der rund 340 Meter lang und 60 Meter breit ist und damit in etwa die Ausmaße eines Flugzeugträgers hat.
Der Tanker befand sich dabei in den umstrittenen Gewässern des Südchinesischen Meeres nördlich der Spratly-Inseln. Es ist das erste Mal, dass ein SAR-Satellit (Synthetic Aperture Radar – ein Radarsystem, das hochauflösende Bilder auch durch Wolken und bei Nacht liefert) in dieser Umlaufbahn ein fahrendes Schiff über einen längeren Zeitraum kontinuierlich beobachtet hat.
Der dabei gemessene Positionsfehler beim Tanker lag laut der Studie bei rund drei Kilometern. Bei vier weiteren, namentlich nicht genannten Schiffen betrug der Fehler sogar nur 1,6 Kilometer – eine Genauigkeit, die nach Einschätzung der Forscher in Kombination mit ergänzenden Überwachungsdaten für den Einsatz von Anti-Schiff-Raketen ausreicht.
Abwägung zwischen Effizienz und Genauigkeit
Hu Yuxin, Forscher an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und Leiter des Projektteams, schrieb in einem begutachteten Beitrag im Fachjournal Journal of Radars, der Positionsfehler in den realen Messdaten sei etwas größer als in den Simulationen.
Dies sei vor allem auf Bahnfehler und atmosphärische Einflüsse zurückzuführen, nicht allein auf algorithmische Grenzen. Dennoch habe China "die langfristige kontinuierliche Verfolgung beweglicher Schiffsziele durch geosynchrone SAR-Satelliten von der Vorstellung in die Realität überführt", so Hu und seine Kollegen.
Technisch gelang dies durch einen neuartigen Algorithmus, der die Analyse riesiger Datensätze in viele kleine Aufgaben aufteilt, die jeweils in sehr kurzen Zeitfenstern separat verarbeitet werden.
So können die schwachen Signale fahrender Schiffe aus dem starken Hintergrundrauschen der Meereswellen herausgefiltert werden. Die Forscher beschreiben dabei eine Abwägung zwischen Effizienz und Genauigkeit, die sie nach dem Prinzip des konfuzianischen "Maßhaltens" gefunden hätten.
Besorgnis in Washington
Militärisch ist die Tragweite erheblich: Theoretisch würden bereits drei solcher Satelliten ausreichen, um rund um die Uhr und bei jedem Wetter weltweit strategisch wichtige Ziele – darunter US-amerikanische Flottenverbände – zu überwachen.
Andere Länder müssten für eine vergleichbare Abdeckung Hunderte oder sogar Tausende Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen einsetzen. Hinzu kommt: Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen sind anfälliger für elektromagnetische Waffenangriffe, während Satelliten in hohen Umlaufbahnen deutlich geschützter sind.
Die USA, die über das weltweit fortschrittlichste Militär verfügen, betreiben ihre Radarsatelliten bislang nur in Höhen von wenigen hundert Kilometern. Das US-Militär hatte bereits nach dem Start des ersten chinesischen GEO-SAR-Satelliten – Ludi Tance 4-01, 2023 gestartet und offiziell als Erdbeobachtungssystem zur Katastrophenvorsorge deklariert – tiefe Besorgnis geäußert. Diese Befürchtungen haben sich laut South China Morning Post nun bestätigt.
China arbeitet nach öffentlich zugänglichen Informationen bereits an einer nächsten Generation leistungsfähigerer Hochorbit-SAR-Satelliten.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-11255194
Links in diesem Artikel: [1] https://www.scmp.com/news/china/science/article/3349862/3-satellites-track-all-chinese-radar-images-confirm-us-military-fears?module=top_story&pgtype=homepage
Ransomware-Banden setzen auf KI und das Darknet, um kritische Infrastruktur zu treffen. Ermittler in Koblenz agieren zunehmend proaktiv.
Im Kampf gegen Computerkriminalität sind im vergangenen Jahr deutlich weniger Ermittlungsverfahren an der Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz bearbeitet worden. Während im Jahr 2023 noch 2439 Ermittlungsverfahren gegen bekannte Beschuldigte abgeschlossen wurden, waren es im Jahr 2024 rund 1650 und im Jahr 2025 dagegen nur 371, wie der Leiter der LZC, Oberstaatsanwalt Jörg Angerer, der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.
Weniger Verfahren – warum?
Die Gesamtzahl der bearbeiteten Verfahren dürfte jedoch deutlich höher sein, da auch „häufig“ Verfahren gegen unbekannte Täter geführt werden, wie Angerer weiter sagte. „Die deutlichen Unterschiede in den Eingangszahlen resultieren daraus, dass nach Abschluss eines größeren Verfahrenskomplexes üblicherweise eine große Zahl von Folgeverfahren anfallen, die abgearbeitet werden müssen“, erklärte Angerer.
Gibt es in einem Jahr keinen größeren Komplex, ist die Zahl der Verfahren demnach insgesamt geringer. Zudem war die Stelle 2025 nicht voll besetzt und konnte daher weniger Verfahren bearbeiten, wie Angerer ausführte. In der LZC sei man bei Cyber-Attacken nur in Verfahren mit besonderer Bedeutung befasst: Das sei etwa dann der Fall, wenn Unternehmen oder Behörden betroffen seien, die zu den „kritischen Infrastrukturen“ (Kritis) gehörten und so als besonders schützenswert gelten würden. Zu Kritis zählen beispielsweise Krankenhäuser [1] oder Energieunternehmen.
Hack-and-leak als wachsendes Problem
Bei den Verfahren handele es sich vor allem um Ransomware-Attacken. Bei einem Ransomware-Angriff verschlüsseln die Täter die Daten ihrer Opfer und versuchen, ein Lösegeld zu erpressen. Häufig drohen die Kriminellen auch mit der Veröffentlichung von vertraulichen Daten im Netz, die zuvor bei dem Angriff erbeutet wurden. Angerer zufolge veröffentlichen Ransomware-Gruppierungen erfolgreich durchgeführte Angriffe oft im Internet auf eigenen Leak-Portalen, also ihren Enthüllungsseiten. „Auf diesen Portalen bieten sie auch die erlangten Daten zum Verkauf an oder veröffentlichen diese“, sagte der Experte.
Diese Blogs seien meist im Darknet zu finden. Herausforderungen in der Strafverfolgung von Cybercrime-Delikten seien die Auswertung von Massendaten, die zunehmende Verschlüsselung von Kommunikation und die Verwendung von KI durch die Täter [2], so Angerer. Das erfordere mehr Zeit und mehr Personal. „Die Auswertung der sichergestellten Daten wird in naher Zukunft ohne KI-Unterstützung nicht mehr möglich sein“, sagte der LZC-Leiter.
Kriminelle Akteure auch mit staatlichem Hintergrund
Staatliche und terroristische Angriffe fallen nicht in die Zuständigkeit der LZC. Doch die Trennung sei nicht immer leicht, sagte Angerer. „Da kriminelle, staatliche und terroristische Cyber-Angriffe jedoch im Wesentlichen identisch ablaufen, ist häufig nicht klar erkennbar, wer hinter dem jeweiligen Angriff steht“, sagte er. Noch schwieriger wird es demnach, da einige Akteure sowohl kriminell aktiv sind, als auch eine gewisse Nähe zu bestimmten Staaten aufweisen [3].
„Überschneidungen in der Motivation sind daher nicht unüblich“, sagte der Experte. Ein wesentlicher Unterschied zu lokalen Staatsanwaltschaften: Die LZC agiert in der Regel nicht reaktiv, sondern proaktiv. Was bedeutet, dass sie nicht nur auf Strafanzeigen reagiert, sondern aktiv geeignete Ziele wie etwa kriminelle Foren sucht und Verfahren gegen die Betreiber einleitet, wie Angerer ausführte. Grund sei, dass derartige Foren meist nicht angezeigt würden, weil es keine Geschädigten gebe.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-11263064
Links in diesem Artikel: [1] https://www.heise.de/news/Naechster-Cyberangriff-auf-Krankenhaus-Caritas-Klinik-Dominikus-betroffen-9616113.html [2] https://www.heise.de/news/Nordkoreanische-Cyberkriminelle-setzen-KI-generierte-PowerShell-Backdoor-ein-11154421.html [3] https://www.heise.de/news/Warnung-aus-UK-Russische-Cyberkriminelle-kapern-Router-zum-Passwort-Klau-11247959.html [4] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner [5] mailto:nie@heise.de
Durchblick bei Technik & Features moderner Monitore | c’t uplink
Von Heise — 18. April 2026 um 17:19
Wie ist der Stand der Technik aktueller Bildschirme – und worauf muss man achten, wenn man im Jahr 2026 einen Monitor kaufen will?
Monitore sind preiswert wie nie zu haben – oder extrem hochauflösend, kontrast- und farbstark und auch flexibel in Sachen Anschlussmöglichkeiten. Wer einen Monitor kaufen will oder muss, steht daher vor allerhand Abkürzungen von WQHD, 4K, 16:10 und 21:9 über HDMI, Displayport und USB-C mit PD bis hin zu sRGB, DCI-P3, AdobeRGB und HDR1000. Und hat möglicherweise ein paar Fragezeichen überm Kopf schweben.
Angelehnt an unseren vor kurzem erschienenen Vergleichstest von 5K- und 6K-Monitoren mitsamt Kaufberatung sprechen wir in dieser Folge des c’t uplink über all diese Features – und welche davon überhaupt für welche Zielgruppen wichtig, essenziell oder völlig egal sind.
Zu Gast im Studio: Benjamin Kraft, Ulrike Kuhlmann Host: Jan Schüßler Produktion: Tobias Reimer
Im Newsletter c't Open Source Spotlight [9] ordnen Keywan und Niklas aktuelle Entwicklungen rund um freie Software ein und stellen innovative Open-Source-Anwendungen vor. Jetzt anmelden [10] und an jedem zweiten Freitag eine neue Ausgabe erhalten.
In der Umlaufbahn des Erdtrabanten wird es demnach vorerst keine Station geben. Die zukünftigen Mondastronauten sollen direkt vom Orion-Raumschiff an die Landefähre andocken und umsteigen.
Jedoch war das Gateway ein Gemeinschaftsprojekt, ähnlich wie die Internationale Raumstation ISS. Sowohl die Europäer als auch Japaner , Kanadier und die Vereinigten Arabischen Emirate sollten Module und Technologien bereitstellen.
Der Verlust von Missionszeit durchs Gateway-Aus
Besonders die europäische Raumfahrtbehörde Esa trifft die Entscheidung hart: Ihre Module I-Hab, View und Link sind exakt auf das Gateway zugeschnitten. Die Zukunft dieser bereits laufenden Entwicklungen muss nun bis zur Ratstagung im Juni 2026 politisch geklärt werden.
Vertraglich sind die genannten Länder immer noch Partner des Artemis-Programms. Die Nasa stellte in Aussicht, die ausgewählten Gateway-Technologien und die finanzielle Mittel dafür in die Entwicklung einer dauerhaften Präsenz auf der Mondoberfläche einfließen zu lassen.
Die Module sind allerdings für den Einsatz in der Schwerelosigkeit konzipiert. Es wären also eine massive Umplanung als Oberflächen-Habitat und hohe Umrüstungskosten nötig.
Ohne das Gateway in der strategisch günstigen Halo-Umlaufbahn (NRHO) entfällt nicht nur ein stabiler Kommunikations-Hub für den Südpol des Mondes und eine kontinuierliche Sicht auf diesen, sondern auch die Basis für Langzeitmissionen. Statt auf bis zu 90 Tage im All ist der Aufenthalt der Crew in der Orion-Kapsel auf maximal 21 Tage limitiert. Besonders für Langzeitmissionen auf der Mondoberfläche wäre die Station ein wichtiger Vorteil.
Lunar Gateway als Milliardengrab?
Die ersten Elemente des Gateways sollten voraussichtlich 2027 starten, wodurch der operative Betrieb erst ab 2028 möglich gewesen wäre. In den ursprünglichen astronautischen Mondlandeplänen spielte die Mond-Raumstation ohnehin keine Rolle, da Raumschiff und Landefähre auch während Artemis III ( mittlerweile Artemis IV ) ohne Zwischenstopp am Gateway aneinander andocken sollen.
Der Stopp (und die mögliche Streichung) schwächt das Modell, verlagert die Zusammenarbeit hin zu eher bilateralen oder missionsspezifischen Vereinbarungen und untergräbt das Vertrauen in die Zuverlässigkeit und die langfristige Programmführung der USA.
Die Anfangsinvestitionen der Nasa für das Gateway beliefen sich für die Jahre von 2019 bis 2025 auf etwa 4,4 Milliarden US-Dollar. Weitere Milliarden waren bis zum Ende des Jahrzehnts veranschlagt.
Dem gegenüber soll das Infrastrukturprogramm für die Mondoberfläche einen Umfang von etwa 20 Milliarden US-Dollar haben. Immerhin stärkt die Verlagerung hin zu einer vorrangigen Oberflächenarchitektur (Surface First) die Bedeutung des Aufbaus einer Mondbasis am lunaren Südpol . Dort will auch China eine Station errichten und wird mit der bevorstehenden robotischen Mission Chang'e-7 ab Sommer 2026 nach Wassereis suchen.
Full Self Driving: Tesla rät zu "Geduld" nach 7 Jahren Wartezeit auf FSD
Von Tobias Költzsch — 18. April 2026 um 13:40
Ein niederländischer Model-3 -Besitzer hat Tesla 2019 6.400 Euro für FSD gezahlt – wird es aber wohl nicht bekommen.
FSD (Supervised) in einem Model 3Bild:
Friedhelm Greis/Golem
Der Niederländer Mischa Sigtermans hat bei Tesla nachgefragt, wann er Full Self Driving (FSD) für sein 2019 gekauftes Model 3 bekommen werde. Das berichtet Electrek . Hintergrund ist, dass die niederländische Zulassungsbehörde das teilassistierte autonome Fahren FSD (Supervised) von Tesla erstmals in Europa zugelassen hat. Allerdings bekommen Besitzer von Tesla-Modellen mit der HW3-Hardware kein FSD.
Um ein solches Fahrzeug handelt es sich bei Sigtermans Model 3. Auf die Frage beim Tesla-Kundenservice, wann sein HW3-Auto FSD bekommt, konnte ihm kein Zeitpunkt genannt werden – und auch nicht, ob es überhaupt erscheinen werde.
Als er nach dem versprochenen kostenlosen Hardware-Upgrade fragte, wurde ihm geantwortet, dass es diesbezüglich keine Informationen für Europa gäbe. Elon Musk hatte Anfang 2025 erklärt, dass FSD nicht auf HW3 laufen würde und die Hardware ausgetauscht werden müsse.
Sigtermans solle sich einfach noch gedulden
Nachdem Sigtermans dem Bericht zufolge gebeten hatte, mit einem Tesla-Sprecher verbunden zu werden, wurde ihm als finale Antwort mitgeteilt, dass er sich einfach noch gedulden müsse. Anschließend wurde der Anruf beendet und die Support-Anfrage als gelöst geschlossen.
Sigtermans hatte bereits zuvor eine Kampagne gestartet, in der er weitere Betroffene für eine Sammelklage sucht. Bislang sollen sich um die 3.000 Besitzer von HW3-Teslas gemeldet haben, die jeweils 6.800 Euro an Schadensersatz fordern. Die Forderung soll als EU-Sammelklage eingereicht werden.
Beim Kauf hatte Sigtermans das Geld für FSD bezahlt, nicht FSD Supervised, wie der Dienst nun genannt werden muss. Trotz des Namens handelt es sich nicht um autonomes Fahren; Fahrer müssen weiterhin bereit zum Eingreifen sein. Sigtermans besteht aber offenbar darauf, für sein Geld echtes FSD zu bekommen.
Rechenzentren: Tech-Firmen sollen gegen Informationspflicht lobbyiert haben
Von Tobias Költzsch — 18. April 2026 um 13:05
Details zur Umweltbilanz von Rechenzentren in Europa sind unter Verschluss – offenbar haben Tech-Konzerne erfolgreich Lobby betrieben.
Ein Rechenzentrum von Amazon nahe Saragossa in SpanienBild:
VALENTIN BONTEMPS/AFP via Getty Images
Tech-Konzerne wie Microsoft und Amazon sollen durch Lobbyarbeit eine entscheidende Änderung an der Informationspflicht zu Rechenzentren erreicht haben. Wie die Zeit berichtet, sollen in den entsprechenden Vorschriften Geheimhaltungsklauseln zu Umweltaspekten durchgesetzt worden sein, die wortgleich mit Vorschlägen von Microsoft und der Lobbyvereinigung Digital Europe sind.
Digital Europe gehören unter anderem Amazon, Google und Meta an. Den Recherchen zufolge wurde das europäische Gesetz, demzufolge Unternehmen Kennzahlen wie Wasserverbrauch und Energieeffizienz von Rechenzentren an die Kommission melden und so offenlegen müssen, 2024 auf Druck der Branche geändert.
Seitdem gelten diese Informationen als vertraulich und dürfen nicht mehr für einzelne Rechenzentren veröffentlicht werden. Zahlreiche von der Zeit befragte Rechtsexperten sehen in dieser Vorgehensweise einen Bruch der Transparenzvorschriften der EU sowie der Aarhus-Konvention. Diese regelt den Zugang zu Umweltinformationen.
Mitgliedstaaten sollen Informationen nicht weitergeben
Der Recherche zufolge soll ein Vertreter der Kommission den Mitgliedstaaten sogar nahegelegt haben, Informationsanfragen aus der Öffentlichkeit zu einzelnen Rechenzentren abzulehnen.
2023 wurde die Energieeffizienz-Richtlinie der EU überarbeitet, um der wachsenden Anzahl an Rechenzentren in Europa gerecht zu werden. Diese benötigen eine große Menge an Energie; für die Kühlung der Anlagen ist zudem viel Wasser notwendig. Anfang 2024 haben Microsoft und Digital Europe identische neue Artikel vorgeschlagen, die eine Geheimhaltung der entsprechenden Informationen enthielten.
Die Formulierung fand sich in der überarbeiteten Richtlinie schließlich nahezu wortgleich wieder. Auf Nachfrage der Zeit erklärt die Kommission, dass ihr Vorschlag immer eine Vertraulichkeitsklausel enthalten habe. Doch auch auf andere Regelungen sollen Tech-Konzerne Einfluss genommen haben, etwa bezüglich der Genehmigungen von größeren Bauvorhaben.
Westliche Narrative blenden einen entscheidenden Faktor aus: Wie sehr hat die NATO-Politik Russlands Kurs erst mitgeformt? (Teil 2)
Im ersten Teil der vorliegenden Betrachtung ging es darum, einige allgemeine Einsichten über Imperien und deren Bedeutung in der menschlichen Entwicklungsgeschichte zu etablieren sowie Aspekte dieser Einsichten auf den europäischen Status quo zu übertragen. Wie in der dortigen Einleitung nahegelegt, spielen insbesondere die russischen und US-amerikanischen Nationen, die beide über eine lange imperiale Tradition verfügen, eine besondere kontextuelle Rolle für Europa.
Dementsprechend wird es im Folgenden um den Versuch gehen, das gegenwärtige außenpolitische Gebaren Moskaus in einen realistischen Kontext zu dessen imperialer Geschichte und dessen internationale Umgebung zu setzen. Dies erscheint, insbesondere auch im deutschsprachigen Raum, als notwendig, da bezüglich russischer Politik zahlreiche Missverständnisse und Vorurteile – sowohl gewollt als auch ungewollt – den Diskurs beherrschen. Die Figur Alexander Dugins [1] und dessen konventionelle Einordnung stellen hier lediglich ein prominentes Beispiel von vielen dar.
Eingeleitet werden und wurden Positionen [2], die den russischen Angriffskrieg in der Ukraine schlicht als eine "Brutalversion" eines zurückgekehrten und – wichtig – intrinsisch bedingten imperialen Machtstrebens einrahmen, gerne mit Formulierungen wie: "Vor dem Februar 2022 war es um den Imperialismus still geworden." Offenbar würden wir [3] seither "in einem neuen Zeitalter des Imperialismus" leben, in dem Russland folgerichtig "das erste Land [sei], das den wiedererweckten Imperialismus in vollen Zügen ausleb[e]." Diese Logik zu hinterfragen, wird einen wichtigen Aspekt des dritten Teils zum US-Imperialismus darstellen.
"Angetrieben [werde] das imperiale Projekt Russlands", Herfried Münklers [4]Bestätigung dieser Logik entsprechend, "durch die Erinnerung an Glanz und Größe des Zarenreichs sowie den politischen Einfluss, den es seit dem 18. Jahrhundert auf die Verhältnisse Mitteleuropas hatte." Immer wieder wird in diesem Kontext betont, dass das russische Agieren sich nahezu gänzlich über ein aus sich selbst heraus entstehendes Streben nach Dominanz erklären lasse. Doch wie überzeugend sind solche Einschätzungen tatsächlich, wenn sie einer differenzierten Betrachtung unterworfen werden?
Der russische Imperialismus im europäischen Kontext
In diesem Zusammenhang schadet es nicht zu verstehen, dass der russische Imperialismus historisch im Kontext einer allgemeinen globalen Expansion europäischer Mächte zu verstehen ist, die sich grob über die letzten 500 Jahre erstreckt hat. Die oft zumindest implizit transportierte Botschaft, dass Russland hier eine Sonderrolle eingenommen hätte, oder gar als von Europa separiertes Phänomen zu verstehen wäre, erscheint ebenso ahistorisch wie die Vorstellung, dass Europäer allgemein die Urheber imperialer Politik [5] gewesen wären:
Imperialismus wird [demnach] oft als die Erbsünde der europäischen Völker betrachtet, die eine unschuldige Welt korrumpierten. Seine wahren Ursprünge sind jedoch weitaus älter und liegen in einem Prozess, der nahezu universell in menschlichen Gesellschaften anzutreffen ist.
Ferner würde "[e]ine realistische Betrachtung", John Darwin zufolge, "Russland – ähnlich wie Spanien oder das Habsburgerreich – als einen jener Grenzstaaten betrachten, die eine Vorreiterrolle bei der Expansion Europas gespielt haben." Dementsprechend hat auch Russland, wie die meisten Staaten mit kolonialer Vergangenheit, die imperiale Ausdehnung mit dem Anspruch – oder Vorwand – etikettiert, die eigene und überlegene Kultur zu verbreiten, sich auf einer "zivilisierenden" Mission zu befinden.
Diesbezüglich haben sich auch die russischen Methoden nicht von denen anderer europäischer Imperien unterschieden. Das heißt, sie [6] "unterwarfen und russifizierten […] indigene Völker wie Jakuten, Ewenken und Burjaten, töteten diejenigen, die revoltierten, erzwangen Abgaben in Form von Fellen, oktroyierten ihnen das orthodoxe Christentum und die russische Sprache auf." Gleichwohl stellt sich die Geschichte zwischen Russland und der Ukraine [7] komplexer dar, als von denjenigen behauptet wird, die den Krieg schlicht auf derselben Ebene einordnen wollen.
Dies hat insbesondere mit den gemeinsamen slawischen Ursprüngen und der Vergangenheit unter dem Dach der Sowjetunion zu tun – die, wie Niall Ferguson [8] angemerkt hat, entgegen der meisten konventionellen Perspektiven, ebenfalls als Teil europäisch-imperialer Geschichte zu verstehen ist:
Während des gesamten Kalten Krieges wurden die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten als 'der Ostblock' bezeichnet. Aber es gibt gewiss gute Gründe zu sagen, dass die Sowjetunion ebenso sehr ein Produkt der westlichen Zivilisation war wie die Vereinigten Staaten. […] Und ihre geographische Ausdehnung war nicht weniger das Produkt europäischer Expansion und Kolonisierung als die Besiedlung Amerikas.
In gewisser Hinsicht erscheint es daher naheliegend, das russische Vorgehen in der Ukraine primär als Ausprägung von dessen imperialer Tradition zu verstehen. Gleichzeitig ist es die bequemere Option, die einen Schuldanteil westlicher und ukrainischer Entscheidungsträger, sowie reale Unterschiede zwischen historisch-imperialen und sowjetischen Hierarchien, die ihre Bedeutung in der post-sowjetischen Ära natürlich nicht gänzlich verloren haben, kategorisch ausblendet.
"Fluch des Imperiums" oder westliche Selbstgefälligkeit?
Eine immer wiederkehrende Auffälligkeit ist diesbezüglich, dem post-sowjetischen Russland eine hartnäckige Affinität zu imperialer Machtpolitik, oder, in den Worten des Historikers Martin Schulze Wessel [9], eine Art "imperialen Fluch" zuzuschreiben. Dieser Idee zufolge sei es den Russen bis heute "nicht gelungen, die Idee der russischen Nation von der imperialen Tradition Russlands zu trennen", so wie es etwa die übrigen europäischen Nationen nach 1945 erfolgreich getan hätten.
In diesem Sinne basiert auch Schulze Wessels "Fluch"-Theorie auf der Annahme, dass es Moskau, wie "bereits im 18. Jahrhundert", in erster Hinsicht "um die Beherrschung des ostmitteleuropäischen Vorfeldes" gehen würde. Damals wie heute "spielten imperiale Infrastrukturen eine große Rolle." Immer wieder stößt man hier auf dieselben Erklärungsschemata, die darauf bestehen, Russland einen intrinsisch – also aus sich selbst heraus – begründeten imperialen Antrieb zuzuschreiben. Die russische Außenpolitik sei mehr oder weniger autark von ihrer Umwelt interpretierbar.
Derartige Erklärungsansätze erscheinen jedoch unrealistisch. So behauptet nicht einmal Sergei Radtschenko [10], kremlkritischer Experte für sowjetische Geschichte, dass Moskau im Kalten Krieg unabhängig vom Rest der Welt agiert hätte, obwohl es ungleich mächtiger gewesen ist. Ganz im Gegenteil hätten "[a]nhaltende Unsicherheiten, Illusionen von Größe und das Verlangen nach Anerkennung [durch Washington] [...] Moskau auf einen halsbrecherischen Kurs zur globalen Macht" getrieben.
Wie wahrscheinlich ist es also, dass das schwächere post-sowjetische Russland anfing, zunehmend losgelöst vom umliegenden internationalen System, und insbesondere von seinem westlichen Gegenüber, zu agieren? Diesbezüglich gilt es sich bewusstzumachen, dass es sich um eine langfristig gepflegte Tradition in westlichen Politikdiskursen handelt, die Ursachen für die zunehmenden Spannungen mit Moskau zu externalisieren. So schrieb Stephen Cohen [11], intimer Kenner russischer Geschichte und Politik (sowie persönlicher Freund Gorbatschows), bereits 2009:
Die Schuld für die nach dem Ende des Kalten Krieges verlorene Chance dem Kreml zuzuschreiben, ist bei US-Politikern, Mainstream-Leitartiklern und den meisten einflussreichen Akademikern zur Orthodoxie geworden. Einige verweisen auf wiedererstarkte zaristische oder sowjetische Traditionen (also auf das Wesen Russlands), andere auf Putin, aber alle auf Moskau allein. […]
Wenn diese Erklärung zuträfe, schiene es, als könne Washington nichts tun, um eine noch schlechtere Beziehung zu Moskau zu verhindern. Aber sie trifft nicht zu, oder zumindest lange nicht vollständig. Der neue Kalte Krieg und die Verschwendung des post-sowjetischen Friedens begannen nicht in Moskau, sondern in Washington.
Diese Perspektive in den Kontext des US-amerikanischen Imperialismus einzubetten, wird Bestandteil des folgenden Teils sein. Hier wird es abschließend darum gehen, noch etwas klarer herauszustellen, dass das russische Vorgehen in der Ukraine im Kontext US-amerikanischer Außenpolitik verstanden werden sollte, sofern man sich nicht einseitigen Erklärungen hingeben will [12], die letztendlich keinen Beitrag zu einem diplomatischen Lösungsansatz leisten, sondern die bereits weit fortgeschrittene Eskalationsspirale antreiben.
Russischer Revanchismus als Reaktion auf westliche Hegemonialpolitik
In diesem Sinne muss einerseits klargestellt werden, dass die russische Politik gegenüber der Ukraine unleugbare imperialistische Züge [13] trägt. So lässt sich zweifellos argumentieren, dass es sich um imperialistische Politik handelt, "wenn eine Nation sich entgegen internationalen Standards und völkerrechtswidrig in die Angelegenheiten anderer Nationen und Regionen einmischt, um eigene Interessen durchzusetzen. […] Das passiert zum Beispiel in der Ukraine."
Andererseits ist kaum zu leugnen, dass die Behauptungen, die russische Elite um Putin würde primär so vorgehen, weil sie sich ein russisch geprägtes Imperium zurückwünscht, oder sich von der vermeintlich blühenden Demokratie in der Ukraine bedroht gefühlt hat, bei genauerer Betrachtung unseriös wirken. Ebenso wie die USA hat sich auch Russland im Laufe der Zeit zu einem föderal organisierten Nationalstaat [14] entwickelt, bei dem die Grenzen zwischen imperialer Hierarchie und Gleichberechtigung zwischen nationalen Minderheiten etc. zunehmend verschwommen sind.
Das bedeutet nicht, dass es keinerlei imperialen Antrieb mehr in Moskau geben würde. Russland ist und bleibt voraussichtlich eine Großmacht, die ihre Interessen auch über die eigenen Landesgrenzen hinaus vertreten wird. Möchte man das glaubhaft kritisieren, sollte man es nicht einseitig und auf Basis realitätsfremder Analyse tun. Es erscheint letztlich unglaubwürdig, die Eskalation des Konflikts in der Ukraine als einseitig von Moskau heraufbeschworen darzustellen.
So kommt auch Iwan Katschanowski, im Kontext einer längeren Studie [15], zum Schluss, "dass der russische Imperialismus ein bedeutender Faktor in Putins Politik gegenüber der Ukraine war, aber der Nato-Mitgliedschaft der Ukraine nachgeordnet gewesen ist." Dass der Ankündigung einer formalen Abkehr von dieser Mitgliedschaft seitens der Ukraine faktisch eine von 2016 bis 2022 abgelaufene umfassende Militärreform [16] gegenüberstand, die nicht nur die Kapazitäten des ukrainischen Militärs erheblich ausbaute, sondern es auch "interoperabel" mit der Nato machte, wird von Beobachtern, die diesem Argument kritisch gegenüber stehen, gerne ignoriert.
Leider handelt es sich hierbei um ein allzu verbreitetes Phänomen in westlichen Politikdiskursen, wenn es darum geht, den eigenen Anteil an der Entstehung des Zweiten Kalten Krieges, sowie des heißen Krieges um die Ukraine, anzuerkennen. Diesbezüglich konkludierte Richard Sakwa [17], in einer aktuellen Studie zum russisch-ukrainischen Krieg:
Der politische Westen erwies sich schon unter Gorbatschow und noch stärker während Jelzins Präsidentschaft als feindselig gegenüber Russlands wahrgenommenen nationalen Interessen. Die Nato-Erweiterung und ihre verstärkte Sicherheitspartnerschaft mit der Ukraine entfachten imperialistische, ethnonationalistische und revanchistische Tendenzen innerhalb Russlands. Die Entwicklung Dimitri Medwedews vom Aushängeschild liberaler Reformen zum verbitterten Antiwestler ist ein exemplarisches Beispiel für diesen Trend.
Trotz dieser wieder entfachten Tendenzen, wirkt es schlussendlich zu kurz gegriffen [18], dem russischen Handeln schlicht einen "aggressiven Nationalismus" einzuhauchen und auf die "imperialen Ziele" Moskaus abzustellen. Wie eingangs angemerkt, stimmen die oft klischeehaft wirkenden Einordnungen russischer Politik und Ideologie eher selten mit der Realität überein. So ergibt es erneut Sinn, sich etwas tiefgehender mit der Frage zu beschäftigen, welche Art politischer Ideologie gegenwärtig tatsächlich dominant in Moskauer Diskursen ist [19].
Eine interessante Parallele ist mit Blick auf den anschließenden Teil zum US-amerikanischen Imperialismus, dass es auch in Bezug auf diesen üblich ist, ihn, in diesem Fall positiv, verzerrt darzustellen.
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-11263070
Stromausfall: Wenn die Zivilisation auf Pause gedrückt wird
Von Telepolis — 18. April 2026 um 12:00
Ein längerer Stromausfall könnte Deutschland in den Kollaps treiben – und das ist nur eines der Szenarien, die Experten beunruhigen.
Hochindustrialisiert und extrem verwundbar, so lauten die kennzeichnenden Attribute der heutigen Zivilisation. Dichte Ballungszentren mit großer Industriekonzentration prägen im Besonderen die Situation in Mitteleuropa. Es hat sich eine hochkomplexe, digitale Lebens- und Arbeitswelt über Vernetzung, Arbeitsteilung, Mobilität und Automation entwickelt.
Die Interoperabilität fast aller Arbeitsbereiche durch verschiedenste Kommunikations- und automatisierte Informationssysteme trägt zwar zur Produktions- und Effizienzsteigerung bei, erhöht aber gleichzeitig die Störanfälligkeit und Verwundbarkeit des Gesamtsystems.
Die Gefahren durch Cyberangriffe auf lebenswichtige Versorgungseinrichtungen einer Gesellschaft wie Strom, Wasser und Logistik sind allgegenwärtig.[1] Hacker-Angriffe auf die EDV-Systeme des Deutschen Bundestages, Stadtverwaltungen, Banken und Industrieunternehmen waren schon erfolgreich.
Ohne diese Infrastruktur sind Industriestaaten weitgehend handlungsunfähig. Allein ein längerer Stromausfall würde die gesamte elektronische und elektrisch gesteuerte Infrastruktur (bspw. Pipelines, Kraftwerke usw.) lahmlegen und alle wichtigen Lebens- und Arbeitsbereiche einer Gesellschaft empfindlich beeinträchtigen.
Um aber die großen Elektrizitätswerke und die Schaltzentralen zu zerstören, bedarf es keiner Atomwaffen. Es reichen "chirurgische" Einsätze mit zielgenauen konventionellen Waffen.
Dies belegen die russischen Angriffe auf Elektrizitäts- und Umspanneinrichtungen in der Ukraine deutlich. Auch der Trinkwasser-, Fernwärme- und Nahrungsmittelversorgung droht in solchen Fällen der Kollaps. Eine hochindustrialisierte Zivilisation ohne Stromversorgung bedeutet Chaos und Desorganisation des gesellschaftlichen Lebens.
Schon 2010 formulierte das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Bundestag[2], dass ein längerer Stromausfall in Deutschland und "die dadurch ausgelösten Folgen […] einer nationalen Katastrophe gleich[käme]. Diese wäre selbst durch eine Mobilisierung aller internen und externen Kräfte und Ressourcen nicht beherrschbar, allenfalls zu mindern".
Es reicht völlig aus, nur die lebenswichtigen Nervenzellen der Industriestaaten zu zerstören, um den ökonomischen und ökologischen Kollaps eines Staates herbeizuführen.
Die Nato-Staaten haben sich entschlossen, als Reaktion auf den völkerrechtswidrigen russischen Angriff auf die Ukraine ihre Streitkräfte massiv aufzurüsten. Dem Aggressor soll damit abschreckend vor Augen geführt werden, dass ein Angriffskrieg im Besonderen keinen Erfolg haben würde
Diese Wehrhaftigkeit scheint die einzige Option zu sein, der Aggression erfolgreich begegnen zu können. Das kann durchaus gelingen – birgt aber unkalkulierbare Risiken. Der Krieg könnte jederzeit auch eskalieren.
"Wenn morgen bei uns Krieg wäre", lautet das neue Buch von Hauke Friedrichs und Rüdiger Barth. Sie spielen ein realistisches Kriegsszenario bei einem Krieg zwischen Russland und der Nato durch.
"Nach einem Jahr Krieg wird Deutschland ein anderes Land sein, Tod und Zerstörung sind allgegenwärtig. […] Tausende Tote und Verwundete täglich haben ihre Spuren in die Gesellschaft gegraben. Trauer, Leid,Verlust verändern die Art, wie wir miteinander umgehen, wie wir miteinander sprechen."[3]
Hauke Friedrichs, Rüdiger Barth
Das ist eine realistische Beschreibung von Krieg und dessen katastrophale Folgen. Die Autoren fordern von der Gesellschaft, sich umfänglich darauf vorzubereiten und Schutzmaßnahmen zu treffen. Nicht berücksichtigt wird ein möglicher Einsatz von Atomwaffen.
Nato antwortet mit offensiver Militärstrategie
Auf die Verwundbarkeit moderner Industriestaaten reagiert die Nato mit einer offensiven Militärstrategie. Im Verteidigungsfall sollen gegnerische Aufmarschräume und Militärbasen mit weitreichenden Waffensystemen auf dem Territorium des Angreifers bekämpft und zerstört werden.
In 2026 ist die Stationierung von US-Marschflugkörper vom Typ Tomahawk in Deutschland geplant. Sie können im Tiefflug mit ca. 2.000 km Reichweite in gegnerisches Gebiet eindringen und militärische Ziele, darunter auch Kommandostellen, Bunker und Radaranlagen zerstören.
Die strategische Grundlage bildet das US-Konzept der "Multi-Domain Operations" (MDO):
"Mit fünf spezialisierten US-Einheiten, sogenannten Multi-Domain Task Forces (MDTF) soll die Umsetzung gesichert werden. Diese sind rund um den Globus stationiert, im Pazifik, der Arktis, in Nahost, Alaska und Europa. Der europäische Standort für MDTF ist das hessische Wiesbaden. […] Ziel ist es, das militärische Initiativrecht zu sichern und den Gegner bereits vor einem möglichen Angriff entscheidend zu schwächen."[4]
Johannes Varwick
Des Weiteren lagern in Deutschland im Rahmen der nuklearen Teilhabe ca. 20 steuerbare Atombomben, die von deutschen Piloten mit Tornados, zukünftig mit modernen F-35 Bombern in weitreichende Ziele transportiert und zur Explosion gebracht werden können.
"Steadfast Noon [1]" lautete das Nato-Übungsszenario, an dem 2024 rund von acht Luftwaffenstützpunkten mehr als 60 Flugzeugen eingesetzt waren. Darunter waren moderne Kampfjets, Langstreckenbomber, aber auch Überwachungs- und Tankflugzeuge.
Die Bundeswehr plant die Anschaffung von 1.000 modernen Kampfpanzern für die Landstreitkräfte. Militärstrategisch sind Kampfpanzer Angriffswaffen und werden herkömmlich offensiv zur gegnerischen Landnahme eingesetzt. Die Strategie der Nato zielt darauf ab, ein Eindringen des Angreifers durch eine offensive Angriffsstrategie zu verhindern. Damit verbunden wäre ein Eskalationsrisiko, das zu einem Atomkrieg in Europa führen könnte.
Präemptive Enthauptungsschläge werden von Multi Domain Task Force in Wiesbade geplant!
Vom Standort Wiesbaden werden folglich mit der Multi Domain Task Force präemptive Enthauptungsschläge geplant und wenn notwendig auch durchgeführt. Der Öffentlichkeit ist diese Strategieplanung der Nato kaum bekannt. Die damit verbundenen Risiken natürlich auch nicht.
Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass Russland diese Planungen bekannt sind und darauf in gleicher Weise reagieren wird. Aus diesem Sicherheitsdilemma entwickelt sich ein beiderseitiges, stetiges Bedrohungsempfinden. Eine gefährliche Entwicklung, die zu einem Rüstungswettlauf führen und in einen Krieg eskalieren könnte.
Völkerrechtlich ist diese schleichende Änderung der Nato-Strategie höchst problematisch.
"Eine Selbstverteidigung gegen potentielle Bedrohungen ist als Abwehrrecht nicht universalisierbar. […] Wenn jeder dem anderen aufgrund von Furcht zuvorkommen darf, ohne dass dessen Absicht zum Angriff tatsächlich außer Zweifel steht, intensiviert sich die gegenseitige Bedrohungswahrnehmung und damit die vermeintliche Notwendigkeit, als Erster loszuschlagen. Denkt man die Doktrin der präventiven Selbstverteidigung zu Ende, kann man nur eine Konsequenz ziehen, nämlich dass sie völkerrechtlich und moralisch inakzeptabel ist."[5]
Lothar Fritsche
Der in Norfolk, Virginia (USA) stationierte deutsche Viersterne-General, Christian Badia schätzt die Kriegsgefahr in Europa als hoch ein. Das Rote Telefon aus dem Kalten Krieg zwischen Russland und den USA gebe es nicht mehr. Es bestehe ein großes Risiko von Fehleinschätzungen, die zu einer ungewollten Eskalation des Krieges führen könne.
Es wäre dringend geboten, die Öffentlichkeit über die Änderung der Nato-Strategie und die damit verbundenen Risiken aufzuklären. Von der Bundesregierung ist das natürlich nicht zu erwarten. Die Friedens- und Konfliktforschung, im Besonderen Völkerrechtler:innen und NGOs müssten die Zivilgesellschaft umfassend informieren und zum Protest aufrufen.
Literatur
[1] Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) (2023): Cybergefahren. Homepagebeitrag, bbk.bund.de. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)(2022): Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland. BSI-LB22/511, bsi.bund.de.
[2] Webseite des Ministeriums, bmk.gv.at.Petermann, T. et al (2010): Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung. Endbericht zum TA-Projekt. Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), Arbeitsbericht Nr. 141, November 2010.
[3] Hauke Friedrichs, Rüdiger Barth, "Wenn morgen bei uns Krieg wäre", Heyne Verlag München 2026, S. 132/133
[4] Johannes Varwick, Stark für den Frieden, Westend Verlag 2026, S. 141
[5] Lothar Fritze, Die Moral des Bombenterrors. Alliierte Flächenbombardements im Zweiten Weltkrieg, München 2007, S. 19
Rolf Bader, geb. 1950, Dipl. Pädagoge, Offizier a. D. der Bundeswehr, ehemals Geschäftsführer der Deutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung e. V. (IPPNW).
URL dieses Artikels: https://www.heise.de/-11256021
Links in diesem Artikel: [1] https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_100509018/nato-beginnt-uebung-steadfast-noon-zur-verteidigung-mit-atomwaffen.html
Russlands neuer Kampfjet folgt einer Logik, die den Westen grundlegend herausfordert – und die kaum jemand erwartet hat. Eine Einschätzung
Anfang 2026 soll es soweit sein: Der neue russische Kampfjet Su-75 Checkmate wird seinen Erstflug absolvieren. Das kündigte Sergey Chemezov, Chef des staatlichen Rüstungskonzerns Rostec, auf der Dubai Airshow 2025 an, wie The War Zone [1] berichtet.
Der Prototyp befindet sich mittlerweile in der Endmontage und geht in die Phase der Bodentests über, meldete Army Recognition [2] am 20. November 2025.
Technische Spezifikationen und Design
Der Su-75 Checkmate ist als leichter, einstrahltriebiger Tarnkappenjäger konzipiert. Die technischen Daten, die die United Aircraft Corporation (UAC) auf der Dubai Airshow vorlegte, nennen ein maximales Startgewicht von rund 26.000 Kilogramm.
Das Flugzeug soll bis zu 7.400 Kilogramm an Luft-Luft- und Luft-Boden-Waffen transportieren können – verteilt auf mehrere Außenlaststationen unter den Flügeln sowie in drei internen Waffenschächten. Die Höchstgeschwindigkeit wird zwischen Mach 1,8 und Mach 2 angegeben, angetrieben von einem Triebwerk mit 142-160 Kilonewton Schub.
Army Recognition nennt detailliertere Maße: 17,7 Meter Länge, 11,8 Meter Spannweite. Die Kampfreichweite liege bei etwa 3.000 Kilometern, die Überführungsreichweite ebenfalls bei rund 3.000 Kilometern, die Dienstgipfelhöhe bei 16.500 Metern. Als Triebwerk soll ein Derivat des Saturn AL-51 Turbofans zum Einsatz kommen, das effizienter und leichter sein soll als frühere russische Jägertriebwerke.
Die Bewaffnung soll ein breites Spektrum umfassen können: Luft-Luft-Raketen wie R-77 und R-74M, Luft-Boden-Raketen wie Kh-38 und Kh-59MK2, Seezielraketen wie Kh-35E, gelenkte Bomben verschiedener Klassen sowie optional Kanonenbehälter. Das Missionssystem beruht auf einer offenen Avionik-Architektur mit bordeigener Diagnostik, einem kostengünstigen AESA-Radar und multispektralen optischen Zielsystemen.
Seit der Erstvorstellung 2021 spricht die UAC von einer ganzen Produktfamilie: einer einsitzigen Grundversion, einer zweisitzigen Variante für Training oder Angriffsmissionen und einer vollständig unbemannten Version. Auf der Dubai Airshow 2025 war ein deutlich weiterentwickeltes Modell der unbemannten Checkmate-Variante zu sehen.
Insgesamt zeigt die Su-75, ähnlich wie die Su-57, Merkmale mit reduzierter Radarsignatur, wobei der Fokus offenbar auf der Verringerung der Signatur aus der frontalen Hemisphäre liegt, weniger auf einer Rundum-Tarnkappenwirkung, so The War Zone.
Größenmäßig bewegt sich die Su-75 damit in einer ähnlichen Klasse wie die F-35A Lightning II. Beide Muster sind als einstrahlige Mehrzweckkampfflugzeuge ausgelegt, die Tarnkappeneigenschaften mit einer für diese Klasse hohen Einsatzreichweite und Waffenlast kombinieren.
Produktion und industrielle Zusammenarbeit
Russland arbeitet an einer gemeinsamen Produktion der Su-75 Checkmate mit Belarus, wie Army Recognition [3] unter Berufung auf RIA Novosti berichtete. Für Belarus würde die Teilnahme an diesem Tarnkappenjägerprogramm einen erheblichen qualitativen Fortschritt für seine Luft- und Raumfahrtindustrie bedeuten.
Die Einbeziehung von Belarus als Industriepartner kann als pragmatische Maßnahme angesehen werden, um Entwicklungskosten zu teilen, Produktionsrisiken zu mindern, die Lieferkette unter Sanktionen abzusichern und den industriellen Fußabdruck des Programms über russisches Territorium hinaus zu erweitern. Für Russland würde die Delegation eines Teils der Su-75-Produktion nach Belarus Minsks strategische Ausrichtung stärken und Sanktionen teilweise umgehen, indem belarussische Industriekapazitäten genutzt werden.
Indien-Aspekt: Angebote und zurückhaltende Reaktion
Russlands jüngster Vorstoß zur Ausweitung der Verteidigungskooperation – einschließlich Angeboten für den Su-57-Tarnkappenjäger, Langstreckendrohnen und U-Boote – stieß in Indien auf verhaltene Reaktionen, berichtet die indische Zeitung The Hindu [4]. Indien habe nicht viel Interesse an den von Russland angebotenen Ausrüstungen gezeigt, sagte ein hochrangiger Beamter gegenüber The Hindu. Man konzentriere sich sehr stark auf die Entwicklung indigener Produkte.
Beim jüngsten Treffen zwischen Putin und Modi in Indien materialisierten sich trotz hoher Erwartungen keine öffentlichen Verteidigungsankündigungen, schreibt The Hindu weiter. Während 19 Handelsabkommen unterzeichnet wurden, gab es keinen Durchbruch bei der Su-57 oder Russlands S-500-Luftverteidigungssystem. Verteidigungsminister Rajnath Singh habe am 7. Dezember 2025 in Leh hervorgehoben, dass Indiens Verteidigungsproduktion und Verteidigungsexporte in den letzten Jahren deutlich gestiegen seien.
Die russischen Angebote könnten stillschweigend auch die Su-75 Checkmate einschließen, berichtet EurAsian Times [5]. Gemeinsame Entwicklung würde echte Eigentümerschaft liefern und das Programm vor US-Sanktionen schützen. Die lokale Produktion der Su-75 könnte Indiens Lücke bei Jägern der fünften Generation schließen und Exporteinnahmen generieren wie bei der russisch/indischen Koproduktion Brahmos, einem Überschall-Marschflugkörper, so die EurAsian Times.
Ein Paradigmenwechsel im Kampfflugzeugbau
Vieles deutet darauf hin, dass die Su-75 Checkmate in die Flugerprobung eintreten und darüber hinaus weiterentwickelt wird. Russland verfügt derzeit über weniger als 20 serielle Su-57-Flugzeuge bei einer Produktionsrate von zwei bis vier Maschinen pro Jahr, wie der Fachblog 19FortyFive [6] berichtet – ein Umstand, der der Su-75 auch für die russischen Luftstreitkräfte selbst strategische Relevanz verleiht. Zum Vergleich: Die Vereinigten Staaten produzieren jährlich mehr als 150 F-35, China über 50 J-20.
Sukhoi nennt für die Su-75 einen angestrebten Stückpreis von 25 bis 30 Millionen US-Dollar – ein Niveau, das in etwa dem Preis eines Leopard-2-Kampfpanzers entspricht und, sollte es realisiert werden können, eine neue Kostenklasse für Kampfflugzeuge markieren würde.
Der eigentliche konzeptionelle Bruch – ein Paradigmenwechsel im Kampfflugzeugbau – liegt im Designansatz der Su-75. Die Checkmate ist nicht als klassischer bemannter Jagdflugzeugtyp konzipiert, der nachträglich um autonome Funktionen erweitert wird, sondern als große Hochleistungs-Kampfdrohne, die von Beginn an auch für einen bemannten Betrieb ausgelegt ist. Der Pilot ist damit keine technische Voraussetzung der Plattform, sondern eine Option.
Im deutlichen Gegensatz zur westlichen Entwicklungslinie
Dieser Ansatz steht im deutlichen Gegensatz zur westlichen Entwicklungslinie, die weiterhin auf extrem aufwendige Tarnkappenplattformen setzt. Die Su-75 deutet eine Abkehr von der Vorstellung an, dass maximale Stealth-Eigenschaften allein den entscheidenden militärischen Vorteil bringen. Stattdessen rücken Autonomie, Kosten, Skalierbarkeit und Verlusttoleranz in den Vordergrund – Faktoren, die sich in aktuellen Konflikten als zunehmend relevant erwiesen haben.
Grundlegend unterscheidet sich dieser Ansatz auch von westlichen und chinesischen Programmen, die bemannte Kampfflugzeuge mit separaten unbemannten Begleitsystemen kombinieren – dem „Loyal-Wingman“-Konzept. Bei der Su-75 dagegen wird Autonomie nicht ausgelagert, sondern in einer einzigen Plattform konzentriert.
Gerade im unbemannten Betrieb liegt das disruptive Potenzial des Programms. Der Wegfall von Pilotenausbildung, Einsatzbeschränkungen und personalintensiver Infrastruktur würde die Betriebskosten nochmals deutlich senken und zugleich eine höhere Risikoakzeptanz im Einsatz ermöglichen.
Autonomie ist hier kein Zusatz, sondern der Kern des Konzepts. Dass westliche Programme diesen Weg bislang nicht gehen, ist weniger eine technische als eine strukturelle Entscheidung. Sie ist Ergebnis von Trägerdoktrinen, multinationalen Beschaffungsprogrammen und dem Anspruch, Kampfflugzeuge als zentrale Führungsplattformen in komplexen Verbundsystemen zu betreiben. Unbemannte Systeme werden dabei bewusst als separate Ergänzung ausgelegt, was hohe Anforderungen an Vernetzung, Logistik und Finanzierung nach sich zieht.
Die Su-75 ist dabei als Exportflugzeug konzipiert. Sie richtet sich an Staaten, die keinen Zugang zu westlichen Hochtechnologiesystemen haben oder bewusst eine andere Beschaffungslogik verfolgen: weniger Integrationstiefe, geringere Kosten, dafür maximale Flexibilität zwischen bemanntem und unbemanntem Einsatz.
Ob dieses Modell unter den Bedingungen von Sanktionen, begrenzten Produktionskapazitäten und wachsendem internationalen Wettbewerb tragfähig ist, bleibt abzuwarten. Sollte es jedoch gelingen, die angekündigten Leistungsdaten und den Preisrahmen tatsächlich umzusetzen, würde die Su-75 weniger ein Gegenentwurf zur F-35 sein als ein fundamental anderes Verständnis von Kampfflugzeugen im Zeitalter autonomer Kriegsführung.
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Links in diesem Artikel: [1] https://www.twz.com/air/russia-insists-su-75-checkmate-fighter-will-fly-next-year [2] https://www.armyrecognition.com/news/aerospace-news/2025/belarus-and-russia-strengthen-defense-ties-with-joint-su-75-stealth-fighter-production-plan [3] https://www.armyrecognition.com/news/aerospace-news/2025/belarus-and-russia-strengthen-defense-ties-with-joint-su-75-stealth-fighter-production-plan [4] https://www.thehindu.com/news/national/india-response-to-russian-push-for-su-57-long-range-drones-and-submarines/article70380636.ece [5] https://www.eurasiantimes.com/not-just-su-57-russia-may-be-silently-pushing-su-75-checkmate-to-india-ahead-of-modi-putin-meeting/ [6] https://www.19fortyfive.com/2025/12/russias-su-57-felon-stealth-fighter-might-not-be-a-stealth-fighter/
Developer-Häppchen fürs Wochenende – Kleinere News der Woche
Von Heise — 18. April 2026 um 09:23
(Bild: Natalia Klenova / Shutterstock.com)
Kleine, aber interessante Meldungshäppchen vom News-Buffet zu Azure MCP Server, Angular, nbgitpuller, MantisBT, ESLint, Servo, NiFi, Symfony und GitLab.
In unserem leckeren Häppchen-Überblick servieren wir alles, was es zwar nicht in die News geschafft hat, wir aber dennoch für spannend halten:
Microsoft veröffentlicht Azure MCP Server 2.0 als stabile Version [1] und führt vor allem die Möglichkeit ein, den Server selbst gehostet und remote als zentralen Dienst für die eigenen Teams zu betreiben. Zusätzlich bringt das Update mehr Sicherheit, bessere Performance sowie erweiterte Unterstützung für Unternehmens- und Compliance-Szenarien.
VoidZero stellt einen experimentellen Angular-Compiler [2] vor, der mithilfe von AI und einer Rust-basierten Toolchain (Oxc) entwickelt wurde und offenbar deutlich schnellere Kompilierzeiten erreichen kann. Neu ist vor allem der Ansatz, Template-Compilation direkt in Rust statt über den TypeScript-Compiler umzusetzen, was je nach Projekt spürbare Geschwindigkeitsvorteile bringen soll.
nbgitpuller [3], ein Tool zum einfachen Verteilen von Jupyter-Notebooks per Link, erhält eine überarbeitete User Experience (UX) mit kontextbezogenen Fehlermeldungen, die Probleme beim Synchronisieren verständlicher erklären sollen. Zudem führen neue Optionen wie „Proceed without syncing“ und „Backup and resync“ wohl zu einem einfacheren Umgang mit Fehlern und weniger Abhängigkeit vom Terminal.
MantisBT, ein Open-Source-Bugtracker zur Verwaltung von Fehlern und Aufgaben in Softwareprojekten, hebt mit Version 2.29 [4] die Mindestanforderung auf PHP 8.1 an und stellt die Unterstützung für ältere Versionen wie PHP 7.4 und 8.0 ein.
Das Tool für statische JS-Codeanalyse ESLint ist in Version 10.2.0 [7] erschienen. Es bietet durch die neue Eigenschaft meta.languages Support für an Sprachen orientierte Regeln: Autorinnen und Autoren von Regeln können damit explizit festlegen, für welchen Sprachen eine Regel gültig ist. Sollte sie für eine nicht unterstützte Sprache aktiviert werden, gibt ESLint einen Laufzeitfehler aus.
Die Plattform zur Datenflussautomatisierung Apache NiFi 2.9.0 führt Konnektoren ein [9] und bietet eine Anbindung an Google Cloud Storage für das Tabellenformat Apache Iceberg.
Symfony UX [10], die Frontend-JavaScript-Libraries für das PHP-Framework Symfony, räumt in Version 3.0 vor allem Altlasten auf, die in Version 2.x bereits als veraltet (deprecated) gekennzeichnet waren, darunter die Pakete Swup, LazyImage, Typed und TogglePassword.
GitLab und Google Cloud geben den Ausbau ihrer Partnerschaft [11] bekannt: Developer-Teams können nun agentische Projekte auf der Basis von Googles Vertex AI in ihre DevSecOps-Workflows bei GitLab integrieren. Zudem können Unternehmen das GitLab AI Gateway direkt in der Google Cloud betreiben.
Solltest du ein schmackhaftes Thema vermissen, freuen wir uns über deine Mail [12].
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(g+) Tipps für die Jobsuche - Teil 3: Die fünf typischen Bewerberfehler und wie man sie vermeidet
Von Markus Kammermeier — 18. April 2026 um 10:00
Im letzten Teil dieser Reihe blicken wir auf die häufigsten Fehler, befassen uns mit KI als Helfer und geben einen 3-Schritte-Plan für eine erfolgreiche Bewerbung.
Bei vielen, die heute einen Job suchen, ist das letzte Mal schon lange her. Inzwischen hat sich einiges geändert: wie Firmen suchen, wie Bewerber sich präsentieren müssen. Wir wollen ITlern auf Jobsuche zu besseren Bewerbungschancen verhelfen.
Der Mensch beeinflusst den Zustand der Erde nicht nur durch den Ausstoß von Treibhausgasen. Neue Forschung zeigt, wie dringend wir gegensteuern müssen.
So sah die Erde für die Astronauten der Artemis-II-Mission aus.Bild:
Nasa
Dieser Golem-Plus-Text ist 24 Stunden lang frei verfügbar.
Immer wieder wird infrage gestellt, ob der Einfluss des Menschen auf unseren Planeten einzigartig ist. Mitunter wird bestritten, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht wird – obwohl die wissenschaftliche Beweislage eindeutig ist und mit elementaren physikalischen Kenntnissen vom Prinzip her nachvollzogen werden kann.
Doch neben den steigenden Temperaturen gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Parameter, bei denen sich der negative Einfluss des Menschen bemerkbar macht. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat das in seinem Planetary Health Check ausführlich untersucht.
"Bei den meisten planetaren Belastungsgrenzen spitzt sich die Lage weiter zu," sagt Boris Sakschewski , Wissenschaftler am PIK . "Letztes Jahr wurden sieben von neun planetaren Belastungsgrenzen überschritten, eine mehr als im Vorjahr. Hierbei handelt es sich um die Ozeanversauerung, die jetzt ebenfalls den als sicher erachteten Bereich verlassen hat."
Alarmierendes Bild
Insgesamt zeichnet der Bericht ein alarmierendes Bild. Nur bei zwei Belastungsgrenzen gibt es positive Entwicklungen: Sowohl bei der Ozonschicht als auch bei den Aerosolen bleibt die Lage konstant beziehungsweise hat sich sogar leicht verbessert. "Dazu muss man wissen, dass dies kein Zufallsergebnis ist, sondern das Ergebnis internationaler Abkommen, die über die Jahre und Jahrzehnte sehr positive Wirkung gezeigt haben. Die Ozonschicht, die uns vor der UV-Strahlung der Sonne schützt, war durch die Fluorchlorkohlenwasserstoffe aus Kühlschränken, Klimaanlagen, Spraydosen etc. teilweise schon stark zersetzt worden. Das Montreal-Abkommen hat diese Stoffgruppe streng geregelt und dadurch zum Schutz der Ozonschicht geführt," sagt Sakschewski. Ähnlich sieht es mit internationalen Abkommen aus, die etwa den Einsatz stark aerosolproduzierender Treibstoffe im Schiffsverkehr regulieren.
Doch bei den anderen Belastungsgrenzen bleiben solche internationalen Abkommen leider aus – beziehungsweise gestaltet sich die Diplomatie als äußerst schwerfällig. "Eines der Kardinalprobleme ist natürlich der Klimawandel" , sagt der Forscher. "Er sorgt für eine Bandbreite von Problemen von Wetterextremen bis zum Meeresspiegelanstieg."
Die menschengemachten Treibhausgasemissionen sind der größte Treiber für Umweltprobleme und den Verlust von Biodiversität.
Die Forscher identifizierten aber noch weitere Belastungsgrenzen. Jede für sich kann unseren Planeten destabilisieren. So ist zum Beispiel die Ozeanversauerung ein Prozess, der ebenfalls durch CO₂-Emissionen angetrieben wird. Diese Grenze wurde nun erstmalig überschritten.
Durch den steigenden CO₂-Gehalt in der Atmosphäre wird auch mehr CO₂ im Ozeanwasser gelöst. Das führt primär zur Versauerung, also mehr Kohlensäure im Wasser, und sorgt dafür, dass bestimmte Lebewesen wie Muscheln oder manche Korallen ihre kalkhaltigen Schalen nicht mehr wie gewünscht ausbilden können – einfach, weil das etwas saurer gewordene Wasser den Kalk angreift.
Unterschiedliche Wassertemperaturen haben auch eine Auswirkung auf die Versauerung. Während kälteres Wasser mehr CO₂ aufnehmen kann und daher stärker von Versauerung betroffen ist, spielt in wärmeren Regionen die Kombination aus höheren Temperaturen, geringerer Pufferkapazität und weiteren Stressfaktoren – etwa durch marine Hitzewellen – eine große Rolle. Diese unterschiedlichen regionalen Bedingungen verstärken insgesamt den Druck auf marine Ökosysteme weltweit.
Das hat auch massive Auswirkungen auf Korallenriffe. Die Korallenbleichen werden zwar durch zu hohe Temperaturen hervorgerufen. Aber bei einem steigenden Säuregehalt geht vielerorts auch die Fähigkeit zur Regeneration verloren, weil dies die Bildung der Kalkskelette behindert.
Biodiversität schützt
"Auch bei den anderen Belastungsgrenzen sehen wir stabil schlechte Trends, etwa beim Eintrag menschengemachter Substanzen, den biogeochemischen Kreisläufen oder bei der Integrität der Biosphäre" , sagt Sakschewski. Diese Faktoren hängen alle eng zusammen.
So ist etwa das Ausbringen von Pestiziden oder Düngemitteln mit dem Verlust von Biodiversität verknüpft. Und damit gehen auch wichtige Selbstheilungskräfte von Ökosystemen verloren, die wir gerade bei steigenden Temperaturen dringend brauchen.
Der Forscher appelliert deshalb: "Wir müssen alle besser werden, was den Schutz des Klimas und der Umwelt betrifft. Dabei dürfen wir nie vergessen, dass Klimaschutz gleichzeitig Umweltschutz ist und umgekehrt."
Resiliente Ökosysteme können dem Klimawandel besser standhalten und ihn abmildern. Neben einer schnellen und massiven Reduzierung der Treibhausgasemissionen benötigen wir also ausgedehnte Naturschutzgebiete – sowohl zu Land wie auf den Weltmeeren.
Doch beim Blick in die Erdgeschichte zeigt sich, dass immer wieder Massenaussterben und große Veränderungen in der Biosphäre stattgefunden haben. Das wirft die Frage auf: Lassen sich solche Veränderungen mit dem aktuellen Einfluss des Menschen vergleichen?
Darroch sagt: "Wir haben nach zahlreichen Diskussionen herausgefunden, dass wir zwischen zwei Ebenen unterscheiden müssen: dem klassischen 'Ecosystem Engineering' und dem 'Earth System Engineering'."
Ersteres beschreibt, wie manche Lebewesen durch ihre Tätigkeit lokal ihr ganzes Ökosystem mitgestalten. Ein Beispiel hierfür ist der Biber, der durch den Bau von Dämmen seine Umgebung unter Wasser setzt und dadurch Auenlandschaften erzeugt. Das schafft Lebensraum für zahlreiche andere Arten.
Ein anderes Beispiel sind die Herden großer pflanzenfressender Tiere, die Gras- und Savannenlandschaften erzeugen. Dazu zählen nicht nur Ziegen, Büffel oder Elefanten, sondern etwa vor vielen Jahrmillionen auch die Sauropoden, die zu den pflanzenfressenden Dinosauriern zählen. Doch auch wenn diese Tiere ganze Landschaften verändern können, ist ihr Einfluss auf die gesamte Erde doch sehr begrenzt.
Genau darum geht es beim Earth System Engineering. Das sind Prozesse, die wichtige Parameter auf dem ganzen Planeten verschoben haben, also global und über viele Jahrmillionen. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Große Sauerstoffkatastrophe. Vor rund 2,4 Milliarden Jahren wurde sie durch Cyanobakterien hervorgerufen, die große Mengen an Sauerstoff erzeugten, der sich dann in der Atmosphäre anreicherte. Bis dahin bestand die Erdatmosphäre vor allem aus Stickstoff, Kohlendioxid und Wasserdampf.
Massenaussterben und warum es verhindert werden sollte
Der Sauerstoff war für viele Lebewesen giftig, da sie ihn nicht gewohnt waren. "Das hat vermutlich zu einem Massenaussterben vieler – damals noch primitiver – Spezies geführt" , erklärt Darroch. Auf der anderen Seite hat das Aufkommen von frei verfügbarem Sauerstoff aber erst die Evolution ganz neuer Spezies ermöglicht. Die Große Sauerstoffkatastrophe ist vermutlich das heftigste Einzelereignis, das man zum Earth System Engineering zählt.
Neben der Sauerstoffproduktion zählen zum Earth System Engineering zum Beispiel auch das Bilden von dichten Wäldern – die das Klima des ganzen Planeten beeinflussten – oder die Durchmischung von Bodenschichten durch Bodentiere wie Würmer und Ameisen. Auf diese Weise haben Wälder über die Jahrmillionen gigantische Mengen Kohlendioxid aus der Luft aufgenommen und im Untergrund fixiert. Aktuell ist die Menschheit dabei, diese fossilen Energieträger rasant wieder in großem Maßstab in die Atmosphäre zu befördern.
Damit ändern sich die planetaren Rahmenbedingungen – wie oben bei den planetaren Belastungsgrenzen angesprochen. "Viele Spezies sterben aus, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern – vor allem, wenn sie sich sehr rasch ändern" , so Darroch. "Andere wiederum schaffen es, sich anzupassen. Dann können auch neue Arten entstehen, wenn ökologische Nischen frei werden. Uns interessiert dabei insbesondere, welche dieser Prozesse welche ökologischen Folgen hatten. Also wir wollen untersuchen, inwiefern die Prozesse für die Weiterentwicklung des Lebens hinderlich waren oder das Entstehen neuer Arten befördert haben."
Unwiederbringlich verloren
Die Wissenschaftler wollen eine umfangreiche Datenbank erstellen, um solche Fragen in einfachen und didaktisch illustrativen Grafiken darstellen zu können, und zwar über Hunderte Millionen Jahre. Dazu müssen sie viele fossile Daten auswerten. Es wird interessant sein zu sehen, inwieweit der menschliche Einfluss damit vergleichbar ist.
Dabei ist stets zu bedenken, dass es viele Jahrtausende oder gar Jahrmillionen dauert, bis sich neue Spezies entwickeln und an neue Rahmenbedingungen anpassen. Für unsere Kinder und Enkel und für viele weitere Generationen sind deshalb nicht nur die einmal verlorenen Spezies unwiederbringlich verloren. Es wird geradezu ewig dauern, bis Menschen wieder eine derart vielfältige und artenreiche Natur erleben können – falls es dann noch Menschen gibt.
Dirk Eidemüller ist freiberuflicher Wissenschaftsjournalist in Berlin. Er schreibt vor allem über Naturwissenschaft, Technik, Energie- und Klimathemen.
Dieser Artikel erscheint bei Golem Plus, weil ... ... er anhand aktueller Forschung globale Zusammenhänge und die langfristigen Konsequenzen umweltschädlichen menschlichen Handelns beschreibt und damit zu einem tieferen Verständnis der Klimawandelfolgen beiträgt.